in der Klinik und zu Hause

U. Harder Wochenbettbetreuung in der Klinik und zu Hause unter Mitarbeit von J. Friedrich S. Kirchner H. Polleit A. Stiefel 3., überarbeitete Aufla...
Author: Volker Otto
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U. Harder

Wochenbettbetreuung in der Klinik und zu Hause unter Mitarbeit von J. Friedrich S. Kirchner H. Polleit A. Stiefel

3., überarbeitete Auflage

147 Abbildungen 12 Tabellen

Hippokrates Verlag · Stuttgart

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Anschrift der Herausgeberin Ulrike Harder Vivantes Klinikum Neukölln IbBG Hebammenschule Rudower Str. 48 D-12351 Berlin E-mail: [email protected]

1. Auflage 2003 2. Auflage 2005

© 2011 Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG Oswald-Hesse-Str. 50, 70469 Stuttgart

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Unsere Homepage: www.hippokrates.de Zeichnungen: Hopek Quirin-Harder, Berlin Abbildungsnachweise s. S. 294 Titelfoto: Kerstin Steiner Lektorat: Renate Reutter Umschlaggestaltung: Thieme Verlagsgruppe Satz und E-Book-Produktion: SOMMER media GmbH & Co. KG, Feuchtwangen Satzsystem: Arbortext APP-Desktop 9.1 Unicode M180 ISBN 978-3-8304-5514-1

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

V

Vorwort zur 3. Auflage

Sieben Jahre nach der Erstauflage, freue ich mich darüber, wie gut dieses Buch von angehenden und gestandenen Kolleginnen aufgenommen und ergänzt wurde. Für die vielen positiven Rückmeldungen, Anregungen und Praxistipps von Hebammen, Kranken- und Kinderkrankenschwestern sowie Hebammenschülerinnen möchte ich mich hiermit ganz herzlich bedanken, Sie waren mir alle eine große Hilfe! Die 3. Auflage erscheint im Vierfarbdruck, eine deutliche Verbesserung, denn sowohl die alten als auch die vielen neu aufgenommenen Fotos bekommen farbig doch eine bessere Aussagekraft. Das Buch wurde komplett aktualisiert (z. B. Ernärung des Neugeborenen) und in vielen Themen deutlich ergänzt (z. B. Rektusdiastase, wunde Brustwarzen, Milchmangel). Alle Praxisempfehlungen sind jetzt hellgrün unterlegt, um im Behandlungsfall ein rasches Auffinden zu erleichtern. Die bewährten Merkblätter (erkennbar am hellblauen Rand), die Sie für Ihre Wöchnerinnen kopieren können, wurden um etliche Themen erweitert (z.B. Anleitung zum Abpumpen, Suppenund Milchkugel-Rezepte, Maus-Übung mit dem

Baby). Wird das aufgeschlagene Buch auf den Kopierer gelegt und der Zoom mit einer Verkleinerung von 80 % eingestellt, passen beide Buchseiten gut auf ein querliegendes Din A4-Papier. Die Bezeichnung Nachsorge vermeide ich weiterhin im Buch. Damit „das Wochenbett“ in unserer Gesellschaft nicht verloren geht, sollten wir Hebammen lieber den Begriff Wochenbettbetreuung verwenden, schließlich „nachsorgen“ wir nicht die Geburt, sondern begleiten die Eltern über 8 Wochen in einen neuen, wichtigen Lebensabschnitt. Wieder möchte ich mich bei allen Wöchnerinnen bedanken, die mir gestattet haben, sich und ihre Neugeborenen abzulichten und bei den Kolleginnen, die mir Fotos zur Verfügung gestellt haben. Ebenso gilt mein Dank den Co-Autorinnen für ihr Engagement, meinem Ehemann für seine Geduld und neuen Grafiken, meinem Neffen für das Fotografieren und natürlich Frau Dr. Renate Reutter aus dem Hippokrates Verlag für ihre außerordentlich gute Unterstützung! Berlin, März 2011 Ulrike Harder

VI

Vorwort zur 1. Auflage

Die Begleitung von Wöchnerinnen und Neugeborenen ist seit vielen Jahren eine meiner liebsten Hebammentätigkeiten, denn gute Wochenbettbetreuung ist eine wichtige Vorraussetzung für die Entstehung einer ausgeglichenen Mutter-Kind-Beziehung. Während meiner beruflichen Tätigkeit musste ich immer wieder feststellen, dass in geburtshilflichen Lehrbüchern das Wochenbett nur knapp abgehandelt wird. Um diese Lücke zu schließen, habe ich die „Wochenbettbetreuung in der Klinik und zu Hause“ geschrieben, die ursprünglich nur als kurzer Leitfaden geplant, während der Bearbeitungszeit zu einem umfassenden Lehrbuch angewachsen ist. Auf die Bezeichnung Nachsorge habe ich im Buch verzichtet, da Wochenbettbetreuung und -pflege eigene Betreuungsinhalte aufweisen und nicht nur Nachsorge von Schwangerschaft und Geburt sind. Die neue Hebammengebührenverordnung 2003 konnten wir inhaltlich leider nicht mehr berücksichtigen, da diese zur Zeit der Drucklegung noch nicht verabschiedet war. Alle Ergänzungsvorschläge aus dem Leserinnenkreis und Ihre bewährten Praxistipps sind mir willkommen, und werden, wenn möglich in der nächsten Auflage berücksichtigt.

Ich möchte mich bei allen Wöchnerinnen bedanken, die mich mit ihrer Bereitschaft, sich und ihre Neugeborenen ablichten zu lassen, sehr unterstützt haben. Beim Fotografieren wurde mir bewusst, wie stark die Veröffentlichung den Intimbereich der Frauen verletzt. Darum zeigen viele Bilder nur einen Ausschnitt ohne den Kopf der Frau, um dem Wunsch der Mütter nach Anonymität zu entsprechen. Mein Dank gilt auch den Co-Autorinnen, ohne die dieses Buch nicht hätte entstehen können, den vielen Kolleginnen, die meine Texte fachkompetent und kritisch Korrektur lasen, sowie allen Müttern, Pflegekräften der Wochenstation, Ärzten und Hebammen, die mir wertvolle Praxistipps gaben. Namentlich bedanke ich mich bei Frau Dr. Renate Reutter aus dem Hippokrates Verlag, die mich mit ihrer fröhlichen Geduld immer wieder motivierte und dem Buch durch ihr engagiertes Lektorat eine gute Form gab, und natürlich besonders bei meinem Ehemann, der dieses Buchprojekt unterstützend begleitete und mit seinen Grafiken wertvoll ergänzt hat. Berlin im November 2003 Ulrike Harder

VII

Anschriften der Autorinnen

Jule Friedrich Hebamme, Sozial- und Gesundheitsmanagerin Op de Elg 52 22393 Hamburg Ulrike Harder Lehrerin für Hebammenwesen, Fachbereichsleitung Hebammenschule im IbBG Vivantes Klinikum Neukölln Rudower Str. 48 12351 Berlin Simone Kirchner Lehrerin für Hebammenwesen, Dipl. Psychologin Kaiser-Friedrich-Str. 7 10585 Berlin

Heike Polleit Hebamme, Studiengangsleitung Fachhochschule Joaneum Alte Poststr. 149 A-8020 Graz, Österreich Andrea Stiefel Lehrerin für Hebammenwesen, MSc. Midwifery Stellvertretende Studiengangsleitung BSc Hebamme Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Technikumstr. 71 CH-8401 Winterthur, Schweiz

IX

Inhaltsverzeichnis

Vorwort zur 3. Auflage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . V Vorwort zur 1. Auflage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VI Anschriften der Autorinnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . VII

Grundlagen

.................................................... 1

1

Die Bedeutung des Wochenbetts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2

1.1

Definitionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2

1.2

Geschichtliche Entwicklung der Wochenbettbetreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2

2

Psychosoziale Veränderungen im Wochenbett . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

2.1

Mutterrolle und soziales Umfeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

2.2 2.3

Verarbeitung des Geburtserlebnisses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Erhöhte mütterliche Sensibilität der ersten Tage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13

2.4

Kennenlernen des Kindes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14

2.5

Sexualität nach der Geburt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17

2.6

Verhütung und Familienplanung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

Praxis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 3

Rückbildung der allgemeinen körperlichen Veränderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26

3.1

Aufgaben des Wochenbettes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26

3.2

Körpergewicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27

3.3

Ödeme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27

3.4

Hormonhaushalt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28

3.5 3.6

Kreislauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Blutzusammensetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31

3.7

Krampfadern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

3.8

Hämorrhoiden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

3.9

Darmtätigkeit und Ernährung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36

3.10

Obstipation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38

3.11

Blasenfunktion und Miktionsstörungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39

3.12

Bauchmuskulatur und Haut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

3.13

Beckenboden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44

4

Rückbildung der Geburtsorgane . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56

4.1

Uterus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56

4.2

Wundheilung und Lochien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61

4.3

Zervix, Vagina und Vulva . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65

4.4

Rissverletzungen und Episiotomie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66

5 5.1

Laktation und Stillen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 Bedeutung des Stillens für Mutter und Kind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73

5.2

Anatomie der Brustdrüse während der Laktation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75

X

5.3

Physiologie der Laktation und Stillreflexe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77

5.4

Zusammensetzung der Muttermilch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

80

5.5

Erstes Stillen nach der Geburt, Grundregeln zum Anlegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

84

5.6

Stillen ad libitum, Trinkverhalten des Neugeborenen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

86

5.7

Stillpositionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

88

5.8

Häufige Fehler beim Anlegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

90

5.9

Pflege und Hygiene der Brust in der Stillzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

91

5.10

Ernährung und Flüssigkeitszufuhr der Mutter in der Stillzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

94

6

Besondere Stillsituationen und Stillberatung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

97

6.1

Umgang mit der initialen Brustdrüsenschwellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

97

6.2

Milchstau und Mastitis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

99

6.3

Schmerzhafte und wunde Brustwarzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102

6.4

Flach-, Hohl- und Schlupfwarzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104

6.5

Geringe Laktation, Milchmangel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106

6.6 6.7

Neugeborenenikterus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 Saugverwirrung und Zufütterungsmethoden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110

6.8

Abpumpen und Entleeren von Hand, Aufbewahren von Muttermilch . . . . . . . . . . . . . 114

6.9

Medikamente in der Stillzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117

6.10

Stillen bei einer Behinderung des Kindes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119

6.11

Stillhindernisse, primäres und sekundäres Abstillen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121

6.12

Stillen und Berufstätigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123

7 7.1

Ernährung des Neugeborenen und des Säuglings . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126 Ausschließliches Stillen und Stilldauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126

7.2

Wachstum und Gewichtsentwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 127

7.3

Zufüttern und Zwiemilchernährung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130

7.4

Ernährung mit Muttermilchersatznahrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130

7.5

Zubereitung von Flaschennahrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134

7.6

Nahrungsaufbau, Trinktechnik und Verdauung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136

7.7

Beikost . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137

7.8

Selbsthilfegruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140

8

Betreuung nach einer Kaiserschnitt-Geburt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142

8.1

Postoperative Betreuung in der Klinik (1.–5. Tag) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142

8.2

Weitere Betreuung zu Hause (4.–56. Tag) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150

9

Betreuung nach einer Frühgeburt und nach der Geburt eines kranken Kindes . . . . . 154

9.1

Spezielle Probleme bei Frühgeburten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154

9.2 9.3

Spezielle Probleme bei einem kranken/behinderten Kind . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155 Hebammenhilfe für die Mutter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155

9.4

Stillberatung bei Frühgeborenen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161

9.5

Aufbau des Stillens nach einer Frühgeburt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161

9.6

Stillberatung bei kranken/behinderten Kindern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163

9.7

Selbsthilfegruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163

XI

10

Betreuung nach der Geburt von Zwillingen/Mehrlingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165

10.1

Wochenbettbetreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165

10.2

Stillberatung bei Mehrlingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167

10.3

Internetadressen für Eltern mit Zwillingen und Mehrlingen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171

11

Betreuung nach Kindsverlust . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174

11.1

Trauerphasen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174

11.2 11.3

Wichtige Aspekte bei der Betreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175 Was geschieht mit dem Kind? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178

11.4

Milchbildung und Abstillen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181

11.5

Rückbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183

11.6

Selbsthilfegruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183

12

Regelwidrigkeiten im Wochenbettverlauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185

12.1

Fieber im Wochenbett . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185

12.2 12.3

Endomyometritis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 Puerperale Adnexitis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187

12.4

Septische Ovarialvenenthrombose . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187

12.5

Puerperalsepsis und septischer Schock . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188

12.6

Blutungen in den ersten 24 Stunden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188

12.7

Blutungen im Wochenbettverlauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189

12.8

Harnwegsinfektionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191

12.9

Thromboembolische Erkrankungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 192

12.10 12.11

Symphysenschädigungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194 Steißbeinverletzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 198

12.12

Depressive Störungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199

12.13

Posttraumatische Belastungsstörung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207

12.14

Andere postpartale psychische Beeinträchtigungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 210

13

Wochenbettbetreuung in der Klinik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215

13.1

Die Bedürfnisse von Mutter und Kind in der Zeit des frühen Wochenbetts . . . . . . . . . 216

13.2 13.3

Die Familienabteilung oder das Modell der Integrativen Wochenbettbetreuung . . . . . 218 Wochenbettpflege, Beratung und Begleitung in der Klinik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222

13.4

Leitfaden zum Aufbau einer Familienabteilung mit integrativer Wochenbettbetreuung 224

14

Wochenbettbetreuung zu Hause . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231

14.1

Aufgaben bei einem Hausbesuch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231

14.2

Wochenbettbetreuung nach einer ambulanten Geburt oder Hausgeburt . . . . . . . . . . 233

14.3

Wochenbettbetreuung nach einem stationären Klinikaufenthalt . . . . . . . . . . . . . . . . 236

14.4 14.5

Dokumentation der häuslichen Betreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 240 Organisation der freiberuflichen Wochenbettbetreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 240

XII

Häufige Fragen der Eltern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245 15

Häufige Fragen der Eltern zum Neugeborenen und zur Säuglingspflege . . . . . . . . . 246

15.1

Körperpflege und Wundsein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 246

15.2 15.3

Veränderungen an Mund, Nase und Augen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 252 Nabelpflege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 255

15.4

Wärmebedürfnis und Kleidung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259

15.5

Unruhe und Schreien der Kinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 261

15.6

Hunger, Blähungen und Verdauung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269

15.7

Hyperbilirubinämie und Neugeborenen-Ikterus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 275

15.8

Neugeborenen-Screening . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 278

15.9

Blutungs-, Rachitis- und Kariesprophylaxe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 281

15.10 15.11

Schlafumgebung des Kindes, Prävention des Plötzlichen Säuglingstodes . . . . . . . . . . 285 Schadstoffe und Umweltgifte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288

15.12

Babymassage und andere Babygruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 290

Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 293 Abbildungsnachweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 294 Sachverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 296 Die Autorinnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 303

Grundlagen 1 2

Die Bedeutung des Wochenbetts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Psychosoziale Veränderungen im Wochenbett . . . . . . . . . . . 8

2

1

Die Bedeutung des Wochenbetts

Ulrike Harder

1.1

Definitionen

erst mehrere Monate später. (10–15 % der Frauen haben nach 6 Monaten noch keine Menstruation ▶ S. 29).

Wochenbett war ursprünglich die Bezeichnung für das Bett, in dem sich die Frau in den Tagen nach der Geburt ausruhte. Heute wird der Begriff im deutschsprachigen Raum im übertragenen Sinne für den Zeitraum nach der Geburt verwendet. Der Fachausdruck für Wochenbett lautet Puerperium (lat. puer: Kind, parere: gebären), üblich ist auch der Ausdruck postpartale Zeit (lat. post: nach, partus: Geburt).

! Definition: Das Wochenbett beginnt un-

mittelbar nach der Plazentageburt und dauert 6 bis 8 Wochen. Medizinisch werden meistens 6 Wochen definiert. Das Mutterschutzgesetz hingegen sieht ein Beschäftigungsverbot von 8 Wochen vor. Auch Wochenbett-Besuche durch die Hebamme können bis zur 8. Woche in Anspruch genommen werden.

Zwei Zeiträume werden unterschieden: Frühwochenbett: Die ersten 10 Tage nach der Geburt, also Entbindungstag plus 1.–9. Wochenbetttag. Die Wöchnerin hat 10 Tage lang Anspruch auf tägliche Hebammenhilfe, denn in dieser Zeit finden die größten Umstellungen statt. (Einige Autoren definieren nur 7 Tage als Frühwochenbett). Spätwochenbett: vom 10. Tag bis zum Ende der 6. bzw. 8. Woche. In dieser Zeit kehrt der Körper der Frau langsam zu dem Zustand zurück, der vor der Schwangerschaft bestand.



1.2

Geschichtliche Entwicklung der Wochenbettbetreuung Noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verbrachte die Mutter ihr Wochenbett üblicherweise zu Hause, wo sie auch ihre Kinder gebar. Hier wurde sie 10 Tage lang täglich 1–2-mal von ihrer Hebamme besucht. Diese kontrollierte die Rückbildungsvorgänge und gab der Frau Ratschläge sowie pflegerische Hilfestellungen. Oft kam für einige Zeit eine Verwandte oder Nachbarin ins Haus, um die Wöchnerin und ihre Familie zu versorgen. Viele Frauen empfanden darum das Wochenbett als die schönste Zeit im Leben, denn sie hatten endlich einmal die Möglichkeit, sich richtig auszuruhen, an sich selbst zu denken und die Pflege durch die Familienangehörigen zu genießen. Hebammen und Ärzten war bekannt, dass eine Wöchnerin viele Tage Ruhe braucht, um die Belastungen durch Stoffwechselumstellung, Rückbildungsvorgänge und Wundheilung unbeschadet zu überstehen.



Anfang des 20. Jahrhunderts: Absolute Bettruhe post partum

Die vollständige Rückbildung aller schwangerschafts- und geburtsbedingten Veränderungen dauert 6–9 Monate. Der Körper der Frau erreicht aber weder funktionell noch anatomisch den gleichen körperlichen Zustand wie vor der Schwangerschaft. Der Hormonhaushalt normalisiert sich unterschiedlich schnell, die erste Menstruation kann 5–6 Wochen nach der Geburt einsetzen oder

Im preußischen Hebammenlehrbuch von 1912 finden wir dazu folgende Anweisungen: „Die Wöchnerin muss mindestens 9 Tage die ruhige Bettlage beobachten. In den ersten 3 Tagen muss die Rückenlage eingenommen werden. Aufsitzen im Bett beim Stillen und Essen ist in den ersten Tagen durchaus verboten. Später, vom 6. Tage an, sind vorsichtige Bewegungen gestattet, zeitweise auch Seitenlage erlaubt. Früheres Aufstehen kann böse Folgen haben: Blutungen, Vorfall der Gebärmutter und vielfache andere Erkrankungen der Geschlechts-

Geschichtliche Entwicklung der Wochenbettbetreuung

teile. Das Bettenmachen sollte vorsichtig geschehen, natürlich darf die Wöchnerin dabei nicht aufstehen. Hat man zwei Betten zur Verfügung, so kann die Hebamme die Wöchnerin in das neugerüstete, erwärmte Bett hinüberheben“ (▶ Abb. 1.1). Für das strikte Aufstehverbot wurden zwei Gründe genannt: 1. Förderung der Rückbildung: Langes Stehen und schweres Tragen in der Frühwochenbettzeit behindert die Rückbildung und kann zu einer anhaltenden Beckenbodenschwäche, einer Gebärmuttersenkung und in Folge zur Harninkontinenz führen. Damals war die Hausarbeit der Frauen körperlich viel anstrengender als heute: Herdfeuer schüren, Essen kochen, Vorräte einkochen, Wasser schleppen, Wäsche im Bottich waschen, zusätzlich oft noch Garten-, Feld- und Stallarbeit. Besonders in ländlichen Gebieten und in finanziell schlechter gestellten Familien erwarteten die Ehemänner, dass die Frau nach der Kindsgeburt rasch wieder ihren Verpflichtungen nachkam. Hätte die Wöchnerin aufstehen dürfen (z. B. um auf den Hof zum Klosett zu gehen), hätte sie als „gesund“ gegolten und sofort wieder ihre schweren Haushaltstätigkeiten verrichten müssen. Das strikte Aufstehverbot ist als Prävention zu verstehen. Es zwang die Familie, sich anders zu behelfen und wenn möglich für einige Tage eine Hilfe ins Haus zu holen.

Auch viele abergläubische Sitten begleiteten das Wochenbett, einige davon waren im Ergebnis durchaus sinnvoll: z. B. durfte in Franken eine Wöchnerin 6 Wochen lang nicht zum Brunnen gehen, „sonst werde sie lausig und der Brunnen bekommt Würmer“ (Grabucker 1990). Die Begründung ist zwar nicht nachvollziehbar, die Regel ersparte der Frau jedoch für einige Wochen, täglich schwere Gefäße mit Wasser zu tragen. 2. Förderung der Wundheilung: Kleine Dammrisse wurden damals nicht genäht, sondern verheilten entweder von selbst oder nachdem die Hebamme sie oberflächlich mit Metallklammern adaptiert hatte. Nur bei großen Rissverletzungen wurde ein Arzt hinzugezogen, der den Riss (meist mit grober Nadel und dickem Nahtmaterial) versorgte. Damit unter diesen Bedingungen die Wundränder gut zusammenwachsen konnten, war es sinnvoll, die Frau mehrere Tage lang mit geschlossenen Beinen im Bett liegen zu lassen. Damals war noch nicht bekannt, dass eine mehrtägige strikte Bettruhe eine Thrombose, Lungenentzündung oder eine Stauung des Lochialsekretes begünstigt. Im Hebammenlehrbuch von 1928 wird diesem Problem erstmals Rechnung getragen, hier heißt es: „Die Wöchnerin soll möglichst neun Tage Bettruhe einhalten, … Während der Bettruhe sollen zur Kräftigung der Beinmuskeln und zur Ver-

▶ Abb. 1.1 „Das Umbetten der Wöchnerin“ aus: Hebammen-Lehrbuch 1912. Herausgegeben im Auftrag des Königl. Preußischen Ministers des Inneren.

Grundlagen

3

4 hütung von Blutstauungen in den Beinen, die Beine oft gebeugt und gestreckt werden, zur guten Durchlüftung der Lungen sind täglich mehrmals Atemübungen vorzunehmen, bei denen die Wöchnerin tief ein- und ausatmet. … Zur weiteren Kräftigung der Bauch- und Beckenbodenmuskulatur lässt man die normale Wöchnerin mehrmals am Tage den Leib stark einziehen und den Afterschließmuskel in ähnlicher Weise in die Höhe ziehen, wie sie es zur Zurückhaltung von dünnem Stuhl ausführen würde.“ Im Lehrbuch der Geburtshilfe 1932 von Dr. Jaschke wird das totale Aufstehverbot für Wöchnerinnen langsam gelockert: „Eine lebhafte Diskussion hat in den letzten 10 Jahren die Frage des sog. Frühaufstehens der Wöchnerin hervorgerufen. … Vielmehr mag nach glatten Geburten ohne Dammriss bereits in den allerersten Tagen eine freiere Beweglichkeit im Bett, vom 6.–8. Tage an ein zunächst kurzes, dann immer längeres Außerbettsein gestattet werden, worunter zunächst nur ein Sitzen im bequemen Sessel und erst vom 8.–9. Tag ab Gehen zu verstehen ist. Dabei ist ein Verbot jeder körperlichen Arbeit ausdrücklich zu geben und hauptsächlich deshalb ein Aufsein während des ganzen Tages möglichst erst nach Ablauf der 2. Woche zu erlauben. Ausnahmen in geeigneten Fällen können natürlich gemacht werden.“

Verlagerung von Geburt und Wochenbett in die Klinik Bis in die Nachkriegszeit hinein mussten die meisten Frauen ihre Hebamme, einen evtl. zugezogenen Arzt und ihre Wochenbettpflegerin selbst bezahlen. In die Klinik ging die Frau nur im Notfall, denn dort waren die Entbindungs- und Wochenbettkosten am höchsten. Dies änderte sich durch eine zunehmende Verbreitung von Krankenversicherungen. Die Krankenkassen übernahmen für ihre Mitglieder die Kosten einer Klinikentbindung mit 10 Tagen stationärer Betreuung. In Folge brauchte die Familie keine zusätzliche häusliche Pflegeperson mehr zu organisieren bzw. zu bezahlen und immer mehr Frauen mit normalem Schwangerschaftsverlauf und ohne Geburtsrisiken gingen zur Geburt und Wochenbettbetreuung in die Klinik. Die Krankenhäuser stellten sich auf diesen Trend ein und eröffneten größere Entbindungsabteilungen. Gynäkologen und Hebammen wurden

angestellt oder schlossen Belegverträge mit der Klinik ab. Für die Wochenstation wurden Krankenschwestern, Kinderkrankenschwestern, Krankenpflegehelferinnen und auch Wochenpflegerinnen eingestellt. Wochenpflegerinnen konnten nach 3– 6-monatiger Ausbildung eine junge Mutter und ihr Kind zu Hause betreuen. Meist wurden sie für 1–2 Wochen von der Familie engagiert und bezahlt, nur selten übernahm eine Krankenkasse die Kosten. Durch die Verlagerung der Wochenbettzeit in die Klinik hatte dieser Beruf keine Zukunft mehr, er wurde 1985 mit Veröffentlichung des neuen Hebammengesetzes abgeschafft.

Getrennte Unterbringung von Mutter und Kind Seit etwa 1900 hatte sich in den Krankenhäusern die getrennte Unterbringung und Betreuung von Mutter und Kind durchgesetzt, vorher war es üblich gewesen, Wöchnerinnen und Neugeborene in einem gemeinsamen Saal zu versorgen. Die Trennung hielt man aus hygienischen Gründen für zweckmäßig, denn zur Zeit ihrer Einführung gab es in den Gebärkliniken viele Frauen mit Wochenbettfieber. Die hohe Infektionsrate in den Kliniken wurde verursacht durch mangelhafte hygienische Bedingungen, unsaubere Ausführung von geburtshilflichen Eingriffen und die Tatsache, dass meist nur Frauen mit pathologischem Verlauf von Schwangerschaft, Geburt oder Wochenbett zur Aufnahme kamen. Die Trennung sollte die Neugeborenen vor den mütterlichen Keimen schützen. Mitte der 50er-Jahre gebaren bereits 50 % aller Frauen ihr Kind im Krankenhaus. Hier sah die klinisch organisierte Wochenbettbetreuung bis in die 70er-Jahre etwa wie folgt aus: Die Mütter lagen auf der Wochenstation (meist in Drei- bis Sechsbettzimmern), konnten viel ruhen, bekamen regelmäßig ihr Essen ans Bett serviert und wurden durch restriktive Besuchszeiten gut abgeschirmt. Täglich kam der Arzt zur Visite und dreimal täglich ging eine Hebamme oder Krankenschwester zum „töpfen“ durch alle Zimmer, d. h. jede Wöchnerin wurde auf ein Steckbecken gesetzt, um ihre äußeren Genitale mit keimfreiem Wasser oder Desinfektionslösung abzuspülen und die Vorlagen zu wechseln. Die Neugeborenen lagen von der Mutter getrennt im Säuglingszimmer und wurden von Kin-