N U M I S M A T I K

1 ZEITSCHRIFT v v u N U M I S M A T I K. REDIGIKT V O N Bi(. ALFRED VON SALLET, MITOMRD Dr.8 AUCHAKOLOOISCUKN INSTITUTS, KHKT5NMITGLIKU Dim NUMISM...
Author: Linus Kappel
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ZEITSCHRIFT v v u

N U M I S M A T I K. REDIGIKT

V O N

Bi(. ALFRED VON SALLET, MITOMRD Dr.8 AUCHAKOLOOISCUKN INSTITUTS, KHKT5NMITGLIKU Dim NUMISMATISCKKN o r s i a . L s c i i A r r I N T. O N D O X .

Dl^TTTKB BAJSTD.

BERLIN. VVEIDMANXSCHE BUCHHANDLUNG. IS76.

Die Etruskischen MLinzaufschriften.

Der erste Band lucines Buches liber die Sprache der Etrusker

entlialt eineu Abschiiitt :• wEtruskisclie Mlinzaufschrifteii« fS. S62 8S0), in welcliem icli die Namen dcrsel))cn, insofern sie Worter dor Etruskischen Sprache sind, durcli Untersuchung ihrer Lautgestaltung*, Formenbildung und g-ramniatischen Bedeutung erklart habe in derselbcn Weise, wie die tibrigen Wortfornien dieser

Sprache. In deni zweiten Bande dcs genannten Buches, welcher die Laiitlehre und Fornieulehre der Etruskischen Sprache enthiilt, und bis Jlitte dieses Sommers erscheinen wird, sind die gegebenen Erklarungcn nach alien Seiten bin weiter begrlindet und niit anderen sprachlichen Erscheinungen in Verbindung* gebracht. Von der Redaction dieser Zeitschrift aufgefordert, Itber die Ergebnisse dieser Untersuchungen eineu zusammenfassenden Bericht abzustatten, kann ich nicht unterlasseu bier noch eininal

zu wiederholen, was ich sclion an anderer Stelle ausgesprochen habe, dass ich kein Nuniismatiker von Fach bin, da'ss ich die Numisrnatik nur als cin Mittel zur Erforschuug der Etruskischen Sprache herangezogen habe, dass ich aber alien Ernstes bemliht gewesen bin, dieses Mittels nun auch vollstandig Herr zu werden, das heisst die MUnzaufschriften durch Untersuchung der

Originale oder guter Abdrllcke derselben genau festzustellen, die neusten und gediegensten Forschungen auf dem Gebiet der Italischen Numismatik zu verwerthen, und in zweifelhaften Fallen das Gutachten bewahrter Nuraisniatiker einzuholen. Bei diesem Zeitschrift

fi i r

Numismatik.

III.

1

^

\ V.

Corsseii,

Bemlilien ist inir insbesoiulere der sac-Iikinulige Katli tier Ilcmi J. Fi'iedlaeiider uud A. v. Ballet von vieltUclicni und wescnt-

lichein Kutzcn gewesen. AusscrdcJii verdunke icli abcr audi Italieiiisolieii Archaologen imd Nnniisniatikcrn seliiit/bai'c .Alifdtei-

lungcu imd Abdriicke vou MUiizeii, insbcsondere den llerrn Marchese Carlo Strozzi und O. F. Uaniurrini yai Florenz.

Ho gewiss HprachUchc Erklilvuni^svcrsurlic voii Munzauf-

schnt'ten, die gegeu sichcrc iM-j^cbnisse und Tliutsaclien der uiiirji.srjjafiscijcii Wi.ssejj.sehaft verstosseii, von vorn heroin bodenlos imd iiubereciitigt sind, so wird andrerseits sohwerlieii ein Nunnsniatiker in Abi'cde stellcn, dass cinc sichci'C wisscnseliattliehe Krklarun- der Etruskischen ilUiizauiscIn'il'ten crsi dann yclcistet ist, wenn die Worter derselbcn in ilirer Laiitj^'CstnUun;;', L^oinien-

l>i!dung' und graniinatiscUen Bedeutun- eben so yianun besMnnnt sind wic die Worttbrnieii auf Koinischcn, Grieragung der beiden Namens formen vorgekommenen Etruskischen Lautwandelungcn : die Verschmelzung von 1 a durcli i e einerseits zu i, andrerseits zu e, die Umlautung von anlautendem vo in ve, der Ausfall eines e Mit dem Stern * bezeicliiie ich solche "Wortformen, die in der Spracbe nicht mebr erweislicli sind, aber aus vorhandenen Wortern geschlossen 'werdea kouneu. 1 *

"W. Corssen,

4

vor r und die Verscliiebung von t zu tli finden sicli im Etriis-

kisclien vielfacb, und sind eingelieud uachgewicscii (Verf. Spr. d, Eirmk. /, 5^—03. 11,243,310, — I, 300—302, II. 22S.

II, 185, 215, — II, 331^334, — II, 63^37). Die Etruskische Form *Volatere wurde in die Lateinische Spracbe Ubertragen,

und die Homer machten sich den Namcn inundgercclitcr, indcm

sie den Bildungsbestandtheil -tere in -terrae uiadeuteteu durcli eine Art von Volksetymologie. So denteteu sie den Saninitisclien Stadtuamen Maleventum als male ventum und

anderten ihn des gutcn Vorzeicliens halber in Bene ventum fa. 0. I, 863), 2. Popiilonia.

Von dem einheimiscb Etruskisclien Namcn dor Stadt Popu-

lonia sind uns verscbiedene Formen auf MUuzen crlialtcn. Die gewobnlicbste;

Pup1una

findet sich vielfacli auf gepriigten Kupfermiinzen und riilbcrmlinzcn

von Popiilonia, und /.war erstcns auf solcben mit kopl des Hepbaistos auf der einen und Hammer, Kette und /.inge aut dci audern Seite neben der Aufsobrift (CareJL Nmn- VIII, 21—24. 26. 20. Fahr. C. /. It. 202, a—c. e. h, Fnedl BoHr. z. (lit Milnzk. S.163, Momms. Gesch. d, Itoin. MUnzw, S, 210.26 >.

Catal. Gr, coin. Brit. Miifi. Ital. p. 5, n.25. p. 6, n. 27. 2S. I erf. Spr. d. Etr, I, 860f.}, feruer mit Ijebelmtcm PalUiskopf aut der eiuen und Eule, Halbmond, zwei Sternen und Zeicbeu des Sex tans auf der anderen Seite (CarelL a. O. K/A/, 27. 28. Fah. a. 0.292, d. (J. Friedl.a.O. Momms.a.O. Catcd. Gr, Coin. Brit.

Mvs. Ital. J). 5. n. 25, p. 306, n. 1. Vcrf, O. XX/, 2).

Ein schon erbaltenes Exempbir dieser Art befindet sich in der SammUing des Marcbese Carlo Strozzi zn Florenz^ von dem

mir ein vertiefter Abdruck in Staniol und Wacbs vorliegt. Dei

Name Papluna findet sicb ferner auf Munzen mit Kopf des

Die Etruskischen Miin/aufscbrifteii. 5

Herakles auf der eiuen und der Keiile auf der auderen Seite f CarelL a, O. VIII, 30, Fabr. a. 0. 292, u Catal. Gr. coin,

Brit. Mus, liah p. 5, n, 24), mit Kopf dcs Hevmes und Herold-

stab (a. O. /), 307. n. 3), mit unbekanutcin Kopf mit Hauptbinde auf der einen uikI Pflanze, Kette uud Kranz auf der auderen

Seite (CareJl, a. O. I'Y//. 25. Fahr. a. O. 292f. Momms, a, 0,}, Die abgekUrzte Scllrcib^vc^se Pupluu. iindet sich auf eiuem Pariser Excm])lar, vou dcni ich eiuen Sehwefelabdruck im Ber

liner MUnzkal)inet geseheu babe (Mionnet. Descr.d,77ie(LsuppUm, 1\ 1, p. 200. n. 43). Ini Etruskiselien Museum zu Florenz l)efindet sich eine Silber-

mUnze mit Gorgoneion in tier Vorderansiclit, darnnter die Ziffer XX, auf der anderen Seite Tialbmond und Dreizack mit der Umsell rift:

Pui)lan a.

Nacii dcm inir vom Marchese C. Strozzi zugegang-enen v e r t i e f t e n A b d r u c k i n S t a n i o l u n d AYa c b s u n d d e n i v o n d i e s e m

im Berliner Miin/.kabinet ^enommeuen Keliefabdruck in Gyps ist von den beiden letzten Bucbstaben dieser Aufsclirift nur der obere

Theil erbalten, doeb so weit, dass diese beiden Bucbstaben un-

zweifelbaft kenntlicb sind. Einc richtige Abbildung dieser Mtinze findet sicli stdion bei Eekbel (Num. vet, ancod. I. p. 10. Tab. 1,9), der also mit lleclit Pnplana gelesen hat, ebeiiso wie neuerdings G-anuirrini (Lc /}w}?ct. dor. Etr, p. 3, not. 1) uud Mar chese C. Strozzi in der sehon erwiihuten brieilieheu Mitthei-

lung an mich, wilbrend ich aus einem Stauiolabdrnck der Munze

im Berliner Mlinzkabinct nur die Bucbstaben Pupla zu erkeuneu vermoehte, und diese uurichtig als abgekUrzte Sclireibvreise fur Pupluna gefasst babe (Verf. Spr. d, Mr. I, S66). Man konntc versucht sein die Namensform Puplana aus

Pupluna zu erklliren durcb Umlautuug des u der vorletzten Silbe iu a unter assimilirendem Einfluss des a der letzteu Silbe. ^

Aber bisher haben sich nur Beispiele gefunden, dass kurze

6

W. C o r s s e n ,

Vokale dnrch Einfluss eines a der beiiachbarten Sin)e zu a assi-

milirt sind (a. 0. //, 300.310). keine Wortform, in dev ein langer Yokal von diesem Lautwandel bctroffcn ware. Iiis!)esondere bewahren die Stammendnngen -una, -iina sonst stets

das ii ilirer vorletzten Sylbc vor dem a der letzten. ziun Beis}>iel in Afuna, Nitunaj Afnnas, Matunas. Fuluna, Curtuna, Acliunas., Afnnal, Furunal, Curnnal u. a. (a. O.

II, SOf. 200). Man ist also sprachlicli niclit berechti^-t zu dor Anuahme, dass Pup 1 ana durcli Uuitli(;he Assimilation aus Pupluna entstandcn sei. Uaxu konnnt, dass die Aufsclirift Puplana sich auf der alteren Miinze iindet, Pupluna aul den

jlingeren, wic schon Gamurrini bervorgelioben hat (n. (>.). iHe Buchstaben'formen jener MUnzc sind altertbiinilich, die Behandlung des Haares des Gorgoneion auf derselben ist eben so steif regelmiissig, wie auf den alten SilberniUn/en vou PopuIonia,

die auf der einen Seite das Gorgonenhaupt niit der ZiiVer XX oder X darunter aufweisen, auf der anderen gar kcin Gepuige

liaben, von'denen icli drei Exeinplare im Berliner Mlinzkabinet geseben babe. NumisrnatiHcbe wie spracbliclic Griinde ergeben

also, dass Puplana die liiteste Etruskisebe Korni des Htadt-

nameus ist. Aus dieser entstand /unacbst eine alfetruskiscbe

Form ^Puplona von der Art wie die Stadtnanicn Cortona, Veltona, Ancona, Verona, Cremona n. a. n^uplona wurde zu Pupluna, als in der Spraebe Etruriens jedes o zu u umlautete; ^Puplona gelangte aber aueb zur Kenntniss der alten Romer und wurde im Lateiniscben zu Populonia er-

weitert unter Einwirknng des Latciniscbcn Wortes p o p u I u s, von dessen Italischem Grundstamme popolo- aucb der Etrus kisebe Stadtname Puplana, Pupluna ausgegangen ist (Verf.

(^'O.I^866f. 11, 79. 80). Die vergleiebende Spracbforscbuug

lehrt, dass die Stammendung -on-a -un-a uberbaupt von der Grundform -an-a ausgegangen ist [a. O. II) 260^ 261). Die Aufsclirift Puplana ist also spracbgescbicbtlieb von Wicbtigkeit.

Die Etniskischen ^riinzaufschriften. ^

Eiiic gcpriig'tc Knploimiinze (lev Samiiiluug Strozzi zu F10 r c 11 z, von tlei' Herni Besitzer einen vertiefteii Abtlvuck in Stanio! untl Wat'lis rerclanke. nacli welcliem ein Kelielabdriick in Oypw angetertigt nutl aut tier beifoln-emlen Tafel ab-

gebildct ist {Taf- l- ani dcr cincn Seite den Kopf des Hepliaistos init cineni kleinen f^cliiifsvordertlieil nnd Zeichcn des Sextans dnliinter. anf der andeni Hamnior. Zange, Zeichen des Sextans nnd die Anfschritt: r n fi .

Die l^n('listal>cnlbrmcn derselben init iln-eni dicken, abgevnndetcn ,nnd gebogcncn Scbenkelii nnd die Bozeiclnuing* des MUnzwci'tlics naeli deni Koiniselieii As-Systcin lebren, dass die

Miinze verlnlltnissnuissig- spaten Ursprnni^s ist. Jedenfails liegt liier eine iibgekiirztc Sclireibweisc eincr Form des Stadtnaniens Populoniii vol", tlie nnr zu; P u fl ( u n t l )

crgilnzt wcrden kann, wie Gamurrini erkannt bat {Lemon, ffor. Btr. p. fiot. !)• Diese Form ist abcr spriicblieli hoobst

aufTallend, wci! der Laut 1' sonst nienials ini Etruskiscben aus p licrvorg'cbt, so wcnig dieser Lautweebscl sonst in irgeud einer altitiiliscbeii Spraclie vovkommt (Verf. Spr.d.Etr, /. 4lf\ 50f.). Hingegen konnte aus IMipinna scln* wobl *Puphluna werden durcb die banfige Verscbiel)ung- des p zu pli im Etruskischeu (a, O. [I, 30. 'JO), It^b kann dalier nur annebmen, dass in Pufl (una) naeb spiiter nnd nacblassiger Schreibweise f anstatt pb geschrieben ist, wie in meist spatlateinisehen Scbriftstiicken

mit die die det

vernaeblassi^-ter Orthograpbie der liuehstabe f haufig- an Stelle von pb fiir Gricehisches (p tritt, und daber audi in Italienisebe Scbreibwcise ubergegang-en ist. l/ingekchrt finsieb auf eineni Etruskisclien Bronzespieg'cl spater Zeit eiu-

mal der Bnclistabe pb statt f g'escbrieben (a. 0. /, 244. Anm.),

Neben Pupluna ist also in spiiter Zeit audi Pupbluua §*esproclien wordeu wie neben Perse aueh Pherse fur Griecb.

W. C o r s s e n ,

8

Il€QG€vg (a. 0.1,840, 11,33,30), unci Pufl(iina) ist verscblechterte Sclireibweise. Die Genealogie der besprochenen

Namensformen der Stadt Popiilonia ist also folgende: A l t c t r. P u p l a i i a *Piiplona

Etr.

Pupluna

Lat.

Populouia

*Pupliluna

Pu h (una)

3 . Te t u l o n i a . Die MUnzaufschrift: V a t I

findet sich auf einer gepriigten Kupfermiinze mit dem unljartigen Kopf des Herakles mit dem Lowenfell auf der ScliriftKeite, dem

Dreizack oder dreizackigen Anker zwischen zwei Delpliineii auf

der andern Seite und je zwei ICugelchen als Zeichen des Sextans auf beiden Sciten (Bchhel, Doctr. num, vet. I, 04. CarelL Num. Ital. t. IX, 5. 8. Caved, ad CareJl. p- 1- H- 13. Fahr. C. /. It,

n. Z88, Gloss. It. jy. 1054. Friedl. Beitr. z. alt.Mimzh. S. 103 Taf. V, 4. Momms. Gesck. d. Rom. JSIiinzto. >S. 2/2. Catal. Gr,

coin. Brit. Mus. p. 14. n. 11. 12). Von einem Sextans diesev Art im Etruskischen Museum in Florenz, und von zwei Unzen mit

gleiclien Typeu und dersclbcn Aufschrift in der Sanimlung Strozzi, die uoeli nicht veroffentlieht sind, erhielt ich voni Marchese C. Strozzi vertiefte Abdrlicke, nach deneii im Ber

liner MUnzkabinet lleliefabdriicke iu Gyps angefertigt sind. Die Aufschrift Vatl. hintev dem ICopf des Herakles auf dem Floreutiner Sextans ist vollstaudig erbalten, ebenso von den Aufschriften der beiden Unzen unter dem Herakleskopf die eine, wlibrend die andere von den beiden letzten Buchstaben der

Legende Vatl. nur die oberen Spitzen erkennen lasst. Die Bueli-

stabenformen dieser drei Aufschriften sind spitzwinklig und alterthUmlicb. der Kopf des Herakles ist von rohem Etruskiscbem

Die Etrus1\ischen Munzanfschriften.

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Gepviige. Die Abbildung cines Exemplars dieser MUnze mit dem Zeichen des Sextans bci Carelli lUsst dciitlicli die Endbiiclistaben

der Aufsclirift .... u n evkennen . wabreiid die vorliergeheuden Buclistaben ganz vevfehlt davgestcllt sind (Nimi. It, t. IX^ S). D i e s e A u f s c l i r i f t i s t a l s o h e r z u s t e l l e n z u [ Va t l j u u , w i e s i c h

aiis dem Vatlu der aiidereu Sextanten ergiebt (Friedl. a, 0.) Va t l . k a i m e i n e a b g c k i i r z t e S c l i r e i b w e i s e fi i r Va t l ( u n a ) s e i n

wie Piifl. fiir Pufl(una), uud Vatluu. cine Abklirznng ftir

Vatlnn(a) wie Puplun. fiir Puplun(a]. Yatluna ist also die alte einlieimiscli Etruskisclie Form des Stadtnamens von Vetulonia, deren a der Wurzelsylbe in der Lateinischen Form desselben V e t u 1 o n i a zu e abgescliwaciit ist, wie das a der alteren Form des Etruskischen Familienuamens Patruni zu

dem e der jiingeren Pctruni, Lat. Petroniiis, eine im Etrus kischen wie in deu vcrwandten Spracben baufige Lautscliwacbung

(Ve)f. Spr. d, Bt)\ I, S7Sf. 11. 20S. 209f.). Der Stadtname Yatluna, Lat. VetuIonia ist verwandt mit dem Etruskischen l^ersonemiamen Vctiis, Yetui, Yetusa und mit Lat. Yetusius, Yetulenus, Yetus, vetulus, vetus alt, deren e ebenfalls aus a entstanden ist; der Stadtname Yatluna bedoutct somit i>Altenburga, n(xXat6jio?Ag, wie Pupluna »Yolk-

stedt" (d- O. I. S7S. II, 209). AYie sich aus Lat. Populonia eine altetruskischc Namcnsform ^Puplona ergab, so muss man aus Lat. YetuIonia anf eine dereiustige Etruskische Form

des Stadtnamens '^Yetulona oder "^Yetlona schliessen. 'Die Genealogie dieser Namensformen ist also folgende: Altetr.

Etr.

A^atUina

* Ya t u l o n a

Etr.

^ Ye t u l o n a ,

*Vetloua

L a t . Ye t i i l o n i a .

Auf einem Exemplar des Sextans mit der Aufschrift Yatl

steben vor der Stirn des Herakleskopfes die Schriftzeicheu 1V

aufgepriigt, die entweder die Etruskische Ziffer der Sechszahl bedeuten konnen oder die Buchstaben. Ui (Verf. a. 0. 7, $78.

W. Corssen,

1 0

Taf, XXI, 6). Eine Ziffer des Wertlies der MUnzc k;inn das nicht sein, da der Werth derselben als Sextans ja durch die beiden Ktlgelclicn uiiter dein Hcrakleskopf augegeben ist. Fllr die auf Etruskischen Mlinzen vorkominciulcn Zillcrn ist al)er

sonst nur die Bedeutung als Werthzeiclicii nafhgewieson ^ G e s c h , d . H o r n . M i i n z w. 2 1 5 — 2 1 7 , 2 0 0 — 2 0 2 . ' S ' p r. d .

Etr. ly 40f. Gamurrini, Le mon, d'or, Etr. p. 14. i~). 10. /7. IS,

19. 20. 21. 22. 29. 30. 3/>J. Es ist also niclit ersichtlirlij welelie Bedeutiing die Ziffer der Sechszalil ncl)cn deni Stadtiiamen

Vatlfuna) haben sollte. Ich babe daber die in Kede stelicnden Schriftzeichen als die Bucbstal)en Ui ^'elcscn. In Etruski

schen Inscbrifteu ist Vi. Iiiliifig die Sif^Ic des Kainiliennanicns Vipis. Da mm statt Vipis sicb aiieh Uipis ^esclinel>en findet und auch sonst niebrfficb in Etrnskisclier Scbrift V statt F den Consonanten bezeicbnet wie im Lafciniscben, so kann auch Ui. statt Vi. auf der Miinze von Vetulonia Sig-lc des

Familiennamens Vipis sein (Verf. a, O. L 37. S79}. Ist das richtig, dann ist also die Miinzaufscbrift Vatl. Ui. zu erg;inzcn

Vatl(una). Ui(pis), das ist: Vctulonia. Vi]>ius, und dann liegt liier nelicn dem Stadtnanien der Name des Miinzbeamten vor wie in der Grieobiscben MUnzaufschrift: Ke{nq),

Tqino^iog (Friedl. Beitr. S. 177f.) und iu den Koniisclien: Roma. Murena (Mormm. Gesch. d. IVoin. Miinzw. S.544, n.l45) Roma. Natta {a. 0. 8. 551, n. 158) '}. 1) Ira Nationalmuseum zu Bologna betindet sicli eiiic gegossctie Ivupfer-

miinze mit Anker mid Zoichen des As auf dor einon und Had niit acht Speichon mit acht zwisclien denselben bcilndiicbcn Biichstabcii (Fahr. I. it. J69). Icli

verdaiike Herrn Liiigi Frati zu Bologna cine Federzeiclmung eamte. der die MUnze schlagcn liess, und dass

Perusia die Pnigestatte derselben war. Ich kann niclit finden, dass dicser Schliissfolgerung numismatische Grlinde cntgegen

Die Etruskischen Miinzaufschriften.

21

stchen. Seit cler Zeit cles Cimbernkrieges koinmen auf Romischen lluuzeii Nameu von ^luiizbcamteu vor ohne den Stadtnamen;

cbenso auf Oskisclicn Mlinzcn zur Zeit des Bundesgeuossenkrieges ($. ohen S. 15). Da in diescr Zeit die Kupfcrpriigung den Italischen Stadten naeh wic vor verstattet war, da zu der Zeit noch

Etruskiscli gesproclien und gesclirieben wurde, da das stadtisclie Gemeiudewesen dcr Etruskischen Pcrusia damals noeli ungebroclien bestand, so konnte urn diese Zeit aucb Pernsia Kupfernilinzen prilgen lassen niit dem Namen eines MUnzbeamten Vercnas aus einem ibrer edlen Gesclilechter olme den Stadtnamen.

Auch das Munzbikl des Seepantliers anf den Mlinzen mit der A u f s c b r i f t Ve r c n a s w e i s t a u f P e r u s i a I i i n . A u f d e n A s c l i e n -

kisten des Gebiets dieser Stadt siebt man baufig die Reliefs der-

artiger Tbiere; so von Seepantbern (Concsiahile. Momt7n. di P e r u g . Ta v o l e X X X \ ' ' I I = L X I I I , L LV I ^ L X X X . 3 ) , s o n stigen geflUgclten und ungeliUgelten Pantbern (a. 0. LV= L X X X I , 2 . 3 . V ^ X X I , 2 ) , S e e g r c i f e n ( a . O . LV I I I L X X X I V, 4 ) , S e e d r a c b e n ( a . O . I = X V I I , J . I I = X V I I I , 2 . X I I ^ X I X , / . LV I = L X X X I I , 1 ) u n d S e c p f e r d e u ( a . O . n ^ X X I I , 4 . LV I = ^ L X X X n , 2 . LV I I = = ^ L X X X I I L 1 . 2 .

LVlII— LXXXIV, 2). Es ist also begreiflicb, dass sicb auf MUnzen von Peru si a das MUnzbild des Seepantbers oder eines abnlicben Pbantasietbieres findet neben dem Perusiniscbeu Namen Ve r c n a s d e s M l l n z b e a m t e u .

10. Uubekaniite Miinzorte. Die Aufscbrift

Peitbesa, (Peitesa) mit acbt Etruskischen Buchstabenformen findet sicb auf gepriigten

Kupfermlinzen, die auf der einen Seite den Kopf des Hermes mit dem Flugelbut, auf der anderen neben der Scbrift cine Eule auf-

weisen {Lunziy Sagy. d. I, Etr. 11, p. 22. t. VII. Bclihelj Boctr.

2 2

W. C o r s s e n ,

num. vet, 7, 93. March, Tess. t. d. suppl, n. 7. Carell. Num. med. jT, p. 100, n. 40. Fahr. z. alt. Miinzk. S. i05. Catal. 71. 5. 6. 7. 8. 9. Vei'f. Spr.

LJaes grew. d. m. Kirch. CI. ITT, It. X., 1—3. Mio?met ^ Descr. d, C. I. It. 2454, a. h. Friedl. BeitrGr. coin. Brit. 3Ius. ItaL p. 13^ d. Etr. I, S74f. Taf. XXI. 7), Die

Schreibart Peithesa haben zwei Florentiner Exeniplare, (las eine in der Str o zz iscb en Saninilung niit der Schrift auf* der einen Seite der Eule, das aiiderc ini ICtniskiselien Museum m i t d e r S c h r i f t a u f b e i d e n S e i t e n d c r s e l b c n . Vo n d i e s e n b e i d e n

Exemplaren verdanke ich deni Marclicse C. Strozzi vertiefte A b d r U c k e i n S t a n i o l u n d Wa c l i s , P e i t h e s a l i a t f e r n e r e i n Exemplar des Berliner MUnzkai)inets. Ein Exemplar der MUnzsaniinlun^ des General Fox, die jetzt deni Berliner MUnzkabiuet cinverleibt ist, lasst von Sing. fem. eines Stadtjianiens sein wic Caniars; abcr es

kann auch ein abgeklirzt geschriebener Stadtnanie sein wie Velz., Vatl., Pufl., Tla., Cha., und verwandt mit dem Samnitisclien Stadtnamen Telcsia. Auf sprachlichem Wege lasst sich also Uber Thels weiter nichts ennitteln.

Auf dem Britischen Museum befindet sich einc Silbermlinze,

die im neusten Mlinzkatalog desselben unter der Ueberschrift: Uncertain city of Etruria beschriebeii wird (Catal. of the Greek Coins in the Brit. Mus. Ital. Appetid. p. 307). Im Berliner Mtlnzkabinet befindet sicli eiu schoner galvanoplastisclier Abdruck derselben, den Friedlaender aus London niitgebraeht hat. Die

MUnze weist auf der einen Seite Kopf und ScbulterstUck einer Kuh auf mit der Umschrift in Etruskiscben Bucbstaben: Thezle,

auf der anderen Seite ein Seepferd, wie man es auf Etruskischen

Aschenkisten mebrfach sieht. Mlinzkenner sind der Ansiclit, dass 1) Von deji falsohen Lesarten * Pli e si, *Tliezl, '''Thezi und deren sprachwidrigen Erklaruiigen braucht also nicht weiter die Rede zu sein.

Die

Etruskischen

Munzaufschrlften.

2 5

das Geprage der Mttnze elier Campaniscli als Etniskiscli aussehe. Daiiii kaiin sie also von Etruskern der Gegend von

Capua odei* Nola in Campanien gepriigt sein. Das Vordertlieil eines Stieres ersclieint auf einer Campanischen Mlmze mit der Oskiscbeu Aufschrift Fistel (Fricdl. Osk. Miwz. t, V, 7).

Etrusker in Campanien konnten leicht dazu kommen, das auf

den Campanisch-Oskischen Mlinzen so hllufige Bild des Rindes auf ihre MUnzen zu iibertragen, zuraal, nachdem ihnen Capua

durcli die Samniten entrissen war, die den Stier als Sinnbild auf

Fcldzeichen und Mlinzen flibrten (a, O. t. 7X, 6). Die Ver-

nmthung, dass Tbezle Name eines Campanisch-Etrnskiscben Mllnzortes sein konne (Verf. a. O. /, 874) bat also docb wenig-

steus einen Anbalt, ^vllbrend icb einen solcben nicbt zu finden

vermag fUv die Vermutbuug, Tbezle sei der Name irgend einer Etruviscbeu Stadt am Ciminischen Walde (Ga^nurr, Lomon. d'or,

Etr. p- 21. 2). Tbezle kann Nom. Sing. fem. sein, eutstanden aus ^Tbezlia von der Art \vie die Nomiuative Campane,

Laueine, Sauturine u. a. fUr Campania u. a. (Verf. a.O.

I, 390f. 874. 11, 228. 412). Also kaun Tbezle Name irgeud einer Etruskiscben Stadt gewesen sein, Ergebuisse.

Die spracblicbe Untersucbung der Etruskiscben Mlinzaufscbriften, tlie sicb streng an die numismatiscbe Grundlage gebalten bat, ist also zu folgenden Ergebnissen gelangt.

1) Der Stadtname stebt allein im Nominativ: auf einer Goldmlinze:

Velsu, Lat. Volcium, Volci; auf SilbermUnzen:

Puplana, Lat. Populonia,

Tbels Oder Tbels., Name einer imbekannten Stadt; Tbezle, desgleicben;

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W . C o r s s e o , D i e E t r u s k i s c h e n A fi i n z a u f s c h r i f t e n .

auf gegossenem Schwerku])fer^jel(I: Ve l a t h r i , L a t . Vo l a t e r r a e ,

Cha(mars), Lat. Camars, Clusium; auf gepriigten Kupfermlinzen : Tla{mun), Lat. Tel am on, PIIpi una, Lat. Populouia, P u fl (una),

Va t l ( u n a ) , L a t . V e t u l o n i a , [ C u ] r t u n a, Lat. C o r t o n a (V), Peithesa, (Peitesa), Name einer unbekannteu Stadt. 2) Der Stacltnanie unci der Name cincs Mlinzbeamtcu stehen im Nominativ; auf ciner GoldmUnzc:

Ve l z { n a ) . P a p i , L a t . Vo l s i n i i . P a p i u s ; auf einer geprUgten KupferniUnzc: Va t l ( u n a ) . U i ( p i s ) , L a t . V e t u l o n i a . V i b i u s . 3) Der Name eiues MUnzbeamten stelit allein im Nominativ ohne Stadtnameu: auf einer geprilgten Kupfermlinze von Pevusia:

Ve r c n a s , L a t . Ve r g i n i u s .

Die EtruskischenMlinzbeamten Papi von Volsinii, Ui(pis) von Vetulonia und Vercnas von Perusia sind alle drei eiu-

fach mit ihrem Gentilnamen genannt, wie die Poniisclicn MtinzIjeamten vorvviegend in der Ultesten Zeit, zum Beispiel Au(relius), Autr(onius), Opmni(us) (Momms. Gesch. d. Mom, Miinzio, S, 455f, 494f, Verf, a. O. J, 8S0),

W. Corssen,