Die Menschen lieben und das Geld gebrauchen

Die Menschen lieben und das Geld gebrauchen Die Arbeitsgemeinschaft Elpis im Spiegel von Apostelgeschichte 4,31c-35 Klaus Gottschalk Autor: Klaus ...
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Die Menschen lieben und das Geld gebrauchen

Die Arbeitsgemeinschaft Elpis im Spiegel von Apostelgeschichte 4,31c-35

Klaus Gottschalk

Autor:

Klaus Gottschalk

Art:

Abschlussarbeit

Version:

-

Datum Erstellung:

August 2007

Seiten:

69 (inkl. Deckblatt)

Copyright:

IGW International

Adresse IGW IGW International Josefstrasse 206 CH - 8005 Zürich Tel. 0041 (0) 44 272 48 08 Fax. 0041 (0) 44 271 63 60 [email protected] www.igw.edu

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Vorwort von IGW International

Theologische Arbeit ist Dienst an der Gemeinde, sie ist Hirtendienst. Die enge Verknüpfung von theologischer Ausbildung und Gemeinde zeigt sich unter anderem in den Abschlussarbeiten der IGW-Absolventen. Jedes Jahr werden rund 40 solche Arbeiten geschrieben. Die intensive Beschäftigung mit einem Thema ist eine gewinnbringende Erfahrung, bei der die Studierenden durch überraschende Entdeckungen und neue Erkenntnisse ihren Horizont erweitern. Auch die Gemeinde soll und darf von diesem Ertrag profitieren. Die Schulleitung von IGW begrüsst darum die Veröffentlichung der vorliegenden Arbeit. IGW International ist mit weit über 300 Studierenden die grösste evangelikale Ausbildungsinstitution im deutschsprachigen Raum. Sie bietet verschiedene Studiengänge für ehrenamtlichen, teil- oder vollzeitlichen Dienst an. In der Schweiz und in Deutschland existieren Studienzentren in Zürich, Bern, Olten, Essen, Karlsruhe, Chemnitz und seit Herbst 2008 auch in Braunschweig. In Österreich unterstützt IGW den Aufbau der Akademie für Theologie und Gemeindebau AThG. Das IGW-Angebot umfasst eine grosse Vielfalt an Ausbildungen und Weiterbildungen: vom Fernstudium (für ehrenamtliche Mitarbeiter und zur Vertiefung einzelner Themen) über das Bachelor-Programm (als Vorbereitung auf eine vollzeitliche Tätigkeit als Pastor) bis zum Master als Weiterbildung und für Quereinsteiger mit akademischer Vorbildung. IGW ist Teil des Netzwerkes GBFE/Unisa, über dieses Netzwerk wird ein Doktoralprogramm angeboten. Weitere Informationen finden Sie auf www.igw.edu. Seit Herbst 2008 macht IGW alle Abschlussarbeiten online zugänglich, welche die Beurteilung „gut“ oder „sehr gut„ erhalten haben. Die Arbeiten stehen gratis auf der Homepage zur Verfügung (www.igw.edu/downloads). Für die Schulleitung Dr. Fritz Peyer-Müller, Rektor IGW International

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INHALTSVERZEICHNIS 1

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EINLEITUNG..................................................................................................................................1 1.1

Beweggründe für die Arbeit.....................................................................................................1

1.2

Die Arbeitsgemeinschaft Elpis.................................................................................................2

1.3

Der Aufbau der Arbeit .............................................................................................................4

DAS UMFELD DES BIBLISCHEN TEXTES ...............................................................................5 2.1

Der Text aus Apg 4,31c-35 ......................................................................................................5

2.2

Die Literaturgattung .................................................................................................................5

2.3

Der historische Hintergrund.....................................................................................................7

2.4

Der Textzusammenhang.........................................................................................................11

2.5

Die Gütergemeinschaft in der Antike ....................................................................................14

DIE AUSLEGUNG DES BIBLISCHEN TEXTES.......................................................................23 3.1

Das Leben der Urgemeinde – der Glaube als gemeinsame Basis (Apg 4,32a)......................23

3.2

Das Wirtschaften der Urgemeinde – ein Leben in Einheit (Apg 4,32bc.34.35) ....................25

3.3

Das Verkünden der Urgemeinde – die Wirkung nach außen (Apg 4,31c.33)........................30

DIE HAUPTAUSSAGEN DES BIBLISCHEN TEXTES.............................................................32 4.1

Das Leben – der Glaube als gemeinsame Basis (Apg 4,32a).................................................32

4.2

Das Wirtschaften – ein Leben in Einheit (Apg 4,32b.34.35).................................................32

4.3

Das Verkünden – die Wirkung nach außen (Apg 4,31c.33) ..................................................33

DIE ANWENDUNG BEI DER ARBEITSGEMEINSCHAFT ELPIS .........................................33 5.1

Das Leben bei Elpis – der Glaube als gemeinsame Basis (Apg 4,32a)..................................34

5.2

Das Wirtschaften bei Elpis – ein Leben in Einheit (Apg 4,32b.34.35)..................................40

5.3

Das Verkünden bei Elpis – die Wirkung nach außen (Apg 4,31c.33) ...................................45

ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK ................................................................................52 6.1

Die Ergebnisse der Arbeit ......................................................................................................52

6.2

Ausblick .................................................................................................................................53

BIBLIOGRAPHIE .................................................................................................................................55 ANHANG 1: MITARBEITERFRAGEBOGEN......................................................................................1 ANHANG 2: AUSWERTUNG MITARBEITERFRAGEBOGEN.........................................................6 ANHANG 3: GEMEINDEFRAGEBOGEN............................................................................................7 ANHANG 4: AUSWERTUNG GEMEINDEFRAGEBOGEN.............................................................10 ANHANG 5: AUSWAHL GEISTLICHER UNTERNEHMENSZIELE ..............................................11 ANHANG 6: DAS GRUNDZERTIFIKAT VON ELPIS......................................................................12

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1 EINLEITUNG 1.1

Beweggründe für die Arbeit

Im Februar 2000 wurde der Mannesmann-Konzern von Vodafone übernommen. Dies war das Ergebnis einer mehrmonatigen Übernahmeschlacht, die mit der ersten feindlichen Übernahme in Deutschland endete. In der Folge wurde die profitträchtige Mobilfunksparte ausgegliedert und der Rest des Konzerns zerschlagen. Über 130.000 Mitarbeiter waren weltweit betroffen. Mit der Übernahme flossen Abfindungen in Millionenhöhe an führende Mitarbeiter bei Mannesmann. Diese Zahlungen riefen die Staatsanwaltschaft auf den Plan: Es kam zum Mannesmann-Prozess, der am 29. November 2006 gegen eine Geldauflage in Höhe von 5,8 Millionen Euro eingestellt wurde (Wikipedia 2006a). Im Juli 2005 wurde die Korruptionsaffäre bei VW bekannt. Es sollen Bestechungsgelder an Mitglieder des Betriebsrates geflossen sein, um diese in ihren Entscheidungen zu beeinflussen. Noch ist die Staatsanwaltschaft dabei, den genauen Umfang der Bestechung zu ermitteln. Im Umfeld des Skandals ist auch Peter Hartz zu finden, der als Folge der Vorwürfe als Personalchef bei VW zurück trat. Der Name von Peter Hartz steht in Deutschland für die Hartz-Gesetze, die einschneidende finanzielle Auswirkungen bei Langzeitarbeitslosen aufweisen (Wikipedia 2006b). Im Oktober 2005 übernahm der taiwanesische Multimedia-Konzern BenQ die Mobilfunksparte von Siemens mit 3.400 Mitarbeitern. Die Namensrechte von Siemens gingen für fünf Jahre an den BenQ-Konzern über. Im September 2006 stellte BenQ die Zahlungen an die deutsche Tochter ein, was zur Insolvenz des Unternehmens führte. Die Fertigung der Mobiltelephone wurde nach Asien verlegt. Über 3.000 Mitarbeiter sind von Arbeitslosigkeit bedroht (Wikipedia 2006c). Mannesmann-Vodafone, VW, Siemens-BenQ: in der Öffentlichkeit wurde eine Wertediskussion angestoßen, die bereits mehrere Monate anhält und nicht zur Ruhe kommt. In allen drei Fällen wird die Ohnmacht des „kleinen Mannes“ ersichtlich. Während Großkonzerne ihre Marktanteile erweitern und Führungskräfte durch Abfindungen oder Bestechungen ihren finanziellen Status verbessern, geraten Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit. Ich möchte nicht beurteilen, ob die drei angesprochenen Beispiele Ausnahmen darstellen oder ein Spiegelbild der Wirtschaft zeigen. Mein Arbeitsumfeld ist im Vergleich zu den angesprochenen Fällen eher harmlos. Trotzdem erlebe ich in den vergangenen Jahren einen Trend, der mich als Christ und Führungskraft erschauern lässt. In meinem Verantwortungsbereich konnten wir in den vergangenen fünf Jahren die Produktivität um durchschnittlich 6% jährlich erhöhen. Durch einen kontinuierlichen Personalabbau wurde in diesem Zeitraum der Druck auf die Mitarbeiter stetig erhöht. Obwohl keine Entlassungen vorgenommen wurden, lässt sich das Ergebnis mit den öffentlich Klaus Gottschalk

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diskutierten Fällen vergleichen: Während sich für die Führungskräfte die Prämie erhöhte, nahm für die restlichen Kollegen die Belastung zu. Kritisch ist für mich in diesem Zusammenhang das zweierlei Maß, das für Führungskräfte und andere Mitarbeiter angelegt wird. Zu Beginn meines Theologie-Studiums ging ich noch davon aus, dass ich durch mein Verhalten das Unternehmen positiv beeinflussen könnte. Ein Gebetskreis an meinem Arbeitsplatz oder Gespräche mit Kollegen über meinen Glauben sind bestimmt Mosaiksteine in diese Richtung. Letztendlich erkannte ich jedoch, dass ich zwar das Klima im kleinen Umfeld positiv gestalten konnte, aber als Zahnrad im Getriebe funktionieren musste. Mein Verhalten war eher geeignet, mein Gewissen zu beruhigen, als grundlegende Änderungen herbeizuführen. Die Spannung zwischen dem Christsein am Sonntag und dem Leben im Alltag nahm somit im Laufe der Zeit eher zu. Meine Ausbildung beantwortete mir zwar viele Fragen, die mein persönliches Verhalten betrafen, aber gleichzeitig wurde auch mein Gewissen geschärft. Die Bedeutung einer ganzheitlichen Lebensweise, die mir die Verbindung meiner christlichen Einstellung mit dem Alltagsleben ermöglicht, wuchs. Im Zusammenhang mit meinen persönlichen Spannungen stieß ich auf einen Bericht in der Apostelgeschichte, der vom Zusammenleben in der Urgemeinde berichtet (Apg 4,31c-35). Ich war fasziniert: Die Glaubenden waren ein Herz und eine Seele, niemand war bedürftig, große Gnade war auf Allen. Der Text beeindruckte mich schwer, warf aber auch Fragen in mir auf. Wird hier ein Idealoder Wunschbild einer Gemeinde gezeichnet oder der wirkliche Zustand der damaligen Gemeinde? Handelt es sich um einen Bericht aus längst vergangener Zeit, der mit der heutigen Realität nicht vereinbar ist, oder gibt es Möglichkeiten, diese Zielvorstellungen auch heute noch zu leben? Diese Fragen waren Auslöser für die nachfolgende Arbeit.

1.2

Die Arbeitsgemeinschaft Elpis1

Der Gründer von Elpis, Eberhard Dehn, war bis 1994 Mitarbeiter eines großen Energieversorgungsunternehmens. Ihn beschäftigten ähnliche Fragen, wie ich sie oben bei meinen Beweggründen für die Arbeit schilderte. In einer Phase des Suchens wurde ihm der Bericht von Jeremia wichtig, als dieser den Acker in Anatot kaufte (Jer 32). Jeremia war im Gefängnis von Jerusalem eingesperrt, die Stadt wurde von den Babyloniern belagert, die Verschleppung nach Babel wurde von Jeremia geweissagt. In dieser hoffnungslosen Situation kaufte Jeremia einen Acker von seinem Vetter Hanameel, ein aus menschlicher Sicht sinnloses Unterfangen. Doch der HERR sprach zu Jeremia, dass ihm nichts unmöglich sei. Auch wenn sich die Lage für Israel zu diesem Zeitpunkt hoffnungslos darstellte, sollte das zerstreute Israel wieder in die Heimat zurückkehren. Der Ackerkauf von Anatot setzte also ein zuversichtliches Zeichen in einer Welt ohne Hoffnung. Für Eberhard Dehn war der Bericht von Jeremia der Ausgangspunkt, ein wirtschaftliches Unternehmen zu gründen, das 1

Die Informationen dieses Abschnitts erhielt ich während eines Gesprächs mit Eberhard Dehn am

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nicht die Gewinnmaximierung, sondern den Menschen in den Mittelpunkt stellt: Die Arbeitsgemeinschaft Elpis (griechisch: Hoffnung, Vertrauen) war geboren. Das Motto von Elpis lautet: „Die Menschen lieben und das Geld gebrauchen … und nicht das Geld lieben und die Menschen gebrauchen“. Die Mitarbeiter von Elpis möchten sich auf den Weg machen, Gottes Gebot der Liebe in die Tat umzusetzen. Veränderungen in der Wirtschaft können nur dann geschehen, wenn wir das Wenige, das wir verstanden haben, auch in die Tat umsetzen. Das Elpis-Logo verdeutlicht diesen Ansatz: nur wenn wir uns auf den Weg machen, können wir die Sonnenstrahlen in uns aufnehmen und haben somit die Möglichkeit

Abb. 1: Das Logo von Elpis

zu wachsen. Das Wachstum bezieht sich dabei in erster Linie auf ein inneres Wachstum. Jedes Mitglied von Elpis erhält den Auftrag, ein komplettes Projekt in eigener Verantwortung durchzuführen. Dabei ist der Projektumfang an die jeweiligen Gaben und Erfahrungen des Einzelnen gekoppelt. Abb. 2: Die Mitarbeiter von Elpis

Das innere Wachstum der Mitarbeiter

war in den vergangenen 12 Jahren auch mit einem äußeren Wachstum der Arbeitsgemeinschaft gekoppelt: Was als Einmann-Unternehmen begann, vergrößerte sich zu einer Gruppe von 10 Kolleginnen und Kollegen. Die einzelnen Mitglieder bringen Kompetenzen in den unterschiedlichsten Bereichen ein: Architekt, Schreiner, Elektrotechniker, Schlosser und Forstwirt haben sich gefunden, um Dienstleistungen rund um das Wohnen anzubieten. In all diesen Bereichen ist Elpis als eingetragener Fachbetrieb anerkannt. Die Dienste sind also nah an den Grundbedürfnissen der Kunden orientiert. Als jüngstes Arbeitsgebiet kam die hauswirtschaftliche Betreuung hinzu, um Kunden in höherem Alter im täglichen Leben behilflich zu sein. Elpis versucht, Hoffnung zu vermitteln. Der Name und die Dienstleistungen, aber auch das innere und äußere Wachstum weisen in diese Richtung. Darüber hinaus symbolisiert der Firmensitz dieses Anliegen. Die Arbeitsgemeinschaft Elpis ist auf dem Klaus Gottschalk

Abbildung 3: Der Münchhof bei Hochspeyer

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Münchhof bei Hochspeyer beheimatet. Der Münchhof ist das älteste Gebäude des Ortes. Er wurde bereits zur Zeit Karls des Großen als Waldbauernhof gegründet und diente ab 1650 der mennonitischen Familie Würtz als Wohnsitz, nachdem diese vom Aargau in den Pfälzerwald umsiedelte. Der Hof war über Jahrhunderte ein mennonitisches Zentrum und gab durch das Glaubenszeugnis seiner Bewohner der Region Hoffnung. Mehrere Prediger gingen aus dieser Familie hervor.

1.3

Der Aufbau der Arbeit

In der Arbeit untersuche ich anhand der Arbeitsgemeinschaft Elpis, in wie weit ein Leben und Arbeiten nach biblischen Gesichtspunkten möglich ist. Grundlage für die Untersuchung ist Apg 4,31c35, ein Text aus der Apostelgeschichte, der das Leben der Jerusalemer Urgemeinde beschreibt. In Kapitel 2 betrachte ich zunächst das Umfeld des biblischen Textes: die Literaturgattung, den historischen Hintergrund und den Textzusammenhang. Auch gehe ich in diesem Kapitel auf verschiedene Modelle von Gütergemeinschaften ein, die Einfluss auf die damalige Gemeinde ausübten. In Kapitel 3 folgt die Auslegung der Bibelstelle unter 3 Gesichtspunkten: - Das Leben der Urgemeinde – der Glaube als gemeinsame Basis - Das Wirtschaften der Urgemeinde – ein Leben in Einheit - Das Verkünden der Urgemeinde – die Wirkung nach außen Die Erkenntnisse der Auslegung fasse ich unter denselben drei Kriterien in Kapitel 4 zusammen. Dieses Kapitel stellt somit das Bindeglied zwischen den Untersuchungen am Bibeltext und denen bei Elpis dar: Einerseits bündele ich die Erkenntnisse meiner Untersuchungen am biblischen Text, andererseits baue ich mit den Thesen dieses Kapitels ein Gerüst auf, mit dem ich die nachfolgende Analyse bei Elpis durchführe. Kapitel 5 stellt den praktischen Teil meiner Arbeit dar. Im Detail gehe ich auf die Arbeitsgemeinschaft Elpis ein und zeige, in welchem Umfang die biblischen Prinzipien aus Apg 4,31c-35 in der heutigen Zeit gelebt werden können. Somit zeige ich sowohl Möglichkeiten der Umsetzung als auch Grenzen und Beschränkungen auf. Ebenfalls verweise ich in diesem Kapitel auf Möglichkeiten, um die biblischen Grundsätze verstärkt bei Elpis umzusetzen. Im abschließenden Kapitel 6 fasse ich die Ergebnisse der Untersuchung bei Elpis zusammen. Außerdem weise ich auf weitere Fragestellungen hin, die im Zusammenhang mit dieser Arbeit offen geblieben sind und in nachfolgenden Untersuchungen bearbeitet werden können.

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2 DAS UMFELD DES BIBLISCHEN TEXTES 2.1

Der Text aus Apg 4,31c-35

Vers 31: (c) und sie redeten das Wort Gottes mit Freimut. Vers 32: (a) Aber die Menge der Glaubenden war ein Herz und eine Seele; (b) und auch nicht einer sagte, dass irgendeins der Güter ihm gehört, (c) sondern alles war ihnen gemeinsam. Vers 33: (a) Und mit großer Kraft gaben die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus; (b) große Gnade war auf ihnen allen. Vers 34: (a) Denn auch nicht irgend ein Bedürftiger war unter ihnen; (b) denn alle, welche Besitzer von Grundstücken oder Häusern waren, brachten den Erlös des Verkauften Vers 35: (a) und legten ihn zu den Füßen der Apostel. (b) Aber es wurde jedem zugeteilt, je nachdem jemand Bedarf hatte.

2.2

Die Literaturgattung

Der untersuchte Text ist Teil der Apostelgeschichte und somit Bestandteil des lukanischen Doppelwerkes, das aus dem 3. Evangelium und der Apostelgeschichte besteht. Zwischen den beiden Teilwerken besteht nicht nur äußerlich durch Verfasser (siehe 2.3.1) und Empfänger (siehe 2.3.4) ein Zusammenhang, sondern auch eine innere Verknüpfung: In Apg 1,1 wird auf das Evangelium als erster Teil verwiesen, aber auch die Schwerpunkte erwähnt. Während das Evangelium vor allem über die Taten und die Lehre Jesu berichtet, ist in der Apostelgeschichte die Umsetzung der Lehre und die Ausbreitung des Evangeliums der Schwerpunkt. Deshalb bezeichnet Schnelle (1999: 280) die Apostelgeschichte auch als historische Monographie. Der ausgewählte Text gehört zu den Summarien der Apostelgeschichte. Summarien werden auch als Sammelberichte bezeichnet und stehen somit im Gegensatz zu den Einzelberichten, bei denen über konkrete Ereignisse informiert wird. Nach Wendel (1998: 13) sind Summarien wie folgt definiert: Summarien sind Texte, die keine Einzelereignisse, sondern über einen längeren Zeitraum andauernde (durative) Zustände oder innerhalb eines längeren Zeitraumes stets wiederkehrende (iterative) Ereignisse beschreiben. Diese Zustände oder Ereignisse sind mit dem aktuellen Erzählverlauf gleichzeitig.

Durch diese Definition ist ersichtlich, dass Rückblicke nicht zu den Summarien gehören, da diese nicht dem Erzählverlauf folgen. Auch Aufzählungen verschiedener Ereignisse stellen kein Summarium dar, da in den Sammelberichten über Ereignisse berichtet wird, die sich ständig wiederholen oder sogar beständig andauern. Klaus Gottschalk

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Um Summarien zu erkennen, weist Wendel (1998: 15) auf vier verschiedene Merkmale dieser Literaturgattung hin: 1) Es werden häufig Wörter mit extremen Größenangaben wie „ ‚viele’, ‚alle’, ‚niemand’, ‚von überall her’ “ verwendet. Im untersuchten Summarium trifft diese Eigenschaft mehrmals zu: „nicht einer“ (Vers 32b), „alles“ (Verse 32c, 33b) und „jedem“ (Vers 35b). 2) Die Verben stehen im Imperfekt. Diese Zeitform drückt die andauernden Zustände oder wiederkehrenden Ereignisse aus. Dagegen wird im Griechischen der Aorist verwendet, um einmalige Handlungen zu beschreiben. Im betrachteten Summarium werden alle Verben im Imperfekt verwendet. Auch „redeten“ in Vers 31c steht im Imperfekt. Aus diesem Grund schließe ich mich Wendel an, das Summarium bereits mit Vers 31c zu beginnen, auch wenn der Beginn somit mitten in einem Satz liegt2. 3) Die Andauer der Ereignisse wird durch genaue Zeitangaben wie „täglich“ unterstrichen. Dieses Merkmal trifft im konkreten Fall nicht zu. 4) Summarien stellen keinen Rückblick dar, sondern sind Teil des aktuellen Erzählverlaufs, treiben diesen sogar teilweise an. Bei der Betrachtung des Kontextes von Apg 4,31c-35 wird deutlich, dass dieses Merkmal erfüllt ist. Beispielsweise sind die nachfolgenden Einzelberichte von Barnabas (Apg 4,36-37) und von Hananias und Saphira (Apg 5,1-11) eng mit dem Inhalt des Sammelberichts verbunden. Nach der Definition und den beschriebenen Eigenschaften enthält die Apostelgeschichte insgesamt fünf Summarien, welche die Gemeinde3 betreffen: drei große (Apg 2,42-47; 4,31c-35; 5,12-16) und zwei kleine (Apg 1,14; 5,42). Darüber hinaus gibt es noch sogenannte summarische Notizen, die vor allem das Wachstum der Gemeinde betreffen (Apg 6,7; 8,4.25;9,31; 11,21; 12,24; 13,49; 14,28; 16,5; 19,20). Das von mir untersuchte Summarium wird in der Regel als das 2. Summarium bezeichnet. Das in der Literatur beschriebene Verhältnis der Summarien zu den Einzelberichten stellt sich äußerst vielfältig und uneinheitlich dar. Einheitlichkeit besteht noch bei der literarischen Funktion der Summarien: „Diese haben als kompositionstechnisches Hilfsmittel nicht nur die Aufgabe, jeweils einen Einzelbericht mit dem anderen zu verbinden, also Überleitungen zu schaffen, sondern vor allem auch diese, einen mehr oder weniger langen Zeitraum auszufüllen und somit den Eindruck von ‚Geschichte’ zu vermitteln“ (Zimmermann 1961: 80f). Somit stellen die Sammelberichte Über-

2

Das erste Mal wurde diese Zuordnung durch Haenchen (1957: 193) vorgenommen.

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Diese Summarien werden auch als Gemeindesummarien bezeichnet. Apg 4,32a spricht jedoch von der Men-

ge der Glaubenden. Somit darf Gemeinde nicht im engen Sinn einer Kirchengemeinde verstanden werden. Auch auf eine wirtschaftliche Gemeinschaft wie Elpis, die aus Glaubenden besteht, kann somit ein Gemeindesummarium angewendet werden. Klaus Gottschalk

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gänge zwischen verschiedenen Erzählsträngen dar und geben somit einen Eindruck eines geschichtlichen Verlaufs wieder. Durch die Summarien wird die Erzählgeschwindigkeit erhöht, da unbestimmte Zeiträume von Tagen, Wochen oder Jahren auf engstem Raum zusammengefasst werden (Gradl 2005: 312). Dem Leser wird durch den Wechsel von Einzel- und Sammelberichten eine Dynamik vermittelt, die den Lesefluss unterstützt. Eine unterschiedliche Auffassung besteht dagegen bei der Frage, in wie weit die Sammelberichte eine historische Wirklichkeit darstellen. Manche Autoren gehen von den Einzelberichten als den tatsächlichen Ereignissen aus; die Summarien sind somit Verallgemeinerungen und stellen lediglich ein Stilmittel dar4. Bei dieser Betrachtungsweise werden die Sammelberichte als Typisierung und Idealisierung bezeichnet, die somit keinerlei historische Relevanz besitzen. Eine entgegengesetzte Meinung vertritt Wendel (1998: 58), der die Sammelberichte als den Normalzustand beschreibt. Somit stellen die Einzelberichte Beispiele dar, die „über den Normalfall hinausgehen können oder in Details von ihm abweichen können“. Auch Gradl (2005: 310) sieht in den Summarien keine Idealisierungen, sondern Berichte, die „auf einen historischen Prüfstand genommen - zwischen Ideal und Wirklichkeit“ liegen. Ein Schwerpunkt der Sammelberichte liegt nach Gradl vor allem in der Botschaft und dem tiefen Sinn der Ereignisse. Aufgrund der Beobachtungen von Wendel und Gradl vertrete ich die Meinung, dass die Beschreibungen der Sammelberichte historische Tatsachen darstellen, auch wenn in den Einzelberichten abweichende Darstellungen vorliegen. Neben der Fragestellung nach der historischen Wirklichkeit ist jedoch die inhaltliche Beschreibung des Gemeindelebens in den Summarien von großer Bedeutung. In diesem Zusammenhang lassen sich die Summarien am besten als ein Modell beschreiben, das ein Abbild der Wirklichkeit ist. Durch den verkleinernden Maßstab des Modells gehen zwar viele Details verloren, aber die wesentlichen Eigenschaften bleiben erhalten. Somit ist bei den Sammelberichten die Realität beschrieben; durch die verdichtete Darstellung werden jedoch einzelne Bestandteile unsichtbar, was zum Vorwurf der idealisierten Darstellung führen kann. Die fehlenden Details werden allerdings in den verbundenen Einzelberichten ausführlich behandelt. Dadurch lenken die Summarien durch ihre modellhafte Darstellung den Blick des Lesers auf das Wesentliche der Gemeinde hin, das für jeden Christen zu jeder Zeit gültig ist.

2.3

Der historische Hintergrund

2.3.1 Verfasser Über den Verfasser des lukanischen Doppelwerkes geben weder das 3. Evangelium noch die Apostelgeschichte Auskunft. Erstmals um 180 n. Chr. gibt Irenäus den Paulusbegleiter Lukas als Autor an (Schnelle 1999: 256). Irenäus bezieht sich dabei auf den zweiten Teil der Apostelgeschichte. 4

Diese Meinung vertritt beispielsweise Degenhardt (1965: 161), der sich auf Dibelius und Jeremias stützt.

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Hier ergibt sich durch die sogenannten Wir-Stellen (Apg 16,10-17; 20,5-15; 21,1-18; 27,1-28,16) der Eindruck, dass der Bericht durch einen Mitarbeiter des Paulus erstellt wurde, der diesen ab Troas begleitete (Apg 16,11). Am Ende des Wir-Berichts (Apg 28,14-16) wird ersichtlich, dass der Begleiter mit Paulus Rom erreichte. Da aus 2Tim 4,11 zu entnehmen ist, dass Lukas als letzter Begleiter des Paulus in Rom verweilte, kann auf Lukas als Reisebegleiter geschlossen werden. Darüber hinaus wird in Kol 4,14 erwähnt, dass der Paulus-Begleiter Lukas von Beruf Arzt ist. Die Argumentation von Irenäus stützt sich somit auf innerbiblische Aussagen, die jedoch nur die Begleitung durch Lukas, aber nicht dessen Autorenschaft beweisen. Nach Schnelle (1999: 256) ist die Verfasserschaft des 3. Evangeliums schon weit vor 150 n. Chr. als Tradition im Umlauf. Trotz theologischer und historischer Argumente gegen Lukas als Verfasser5 schließe ich mich den frühkirchlichen Überlieferungen an und gehe weiterhin davon aus, dass Lukas sowohl das 3. Evangelium als auch die Apostelgeschichte verfasste. Das von Lukas verwendete Griechisch stellt ein gehobenes Koine-Griechisch6 dar. Dieser Sprachstil wird jedoch nicht durchgängig verwendet. Auffallend ist, dass Lukas situationsabhängig den Stil ändert beziehungsweise anpasst. So benutzt er beispielsweise bei den Predigten des Petrus (Apg 2,14-36; 3,12-26) die Sprache der Septuaginta, also der griechischen Übersetzung des Alten Testaments. Er imitiert aber auch griechische Klassiker, beispielsweise bei der Rede auf dem Areopag in Apg 17,22-31 (Schnelle 1999: 279). Die perfekte Beherrschung der griechischen Sprache deutet darauf hin, dass Lukas aus dem griechischen Kulturkreis stammt. Es ist jedoch nicht sicher, ob er Heiden- oder Judenchrist ist. Die Kenntnis der Septuaginta spricht eher für einen Judenchristen; da sich Lukas jedoch nicht mit jüdischen Kultfragen auseinander setzte, kann Lukas auch ein Heidenchrist gewesen sein (Schnelle 1999: 258f). Petracca (2003: 285f) sieht in Lukas einen Gottesfürchtigen, also einen Heiden, der dem Judentum nahe stand, aber nicht zum Judentum konvertierte. Durch diese Erklärung lassen sich die unterschiedlichen Beobachtungen bei Schnelle vereinbaren. Aufgrund der verwendeten Sprache, die aus einer guten Ausbildung resultiert, ist es sehr wahrscheinlich, dass Lukas aus einer gehobenen Bevölkerungsschicht stammt.

2.3.2 Entstehungsort Nach altkirchlicher Überlieferung, die von Irenäus und Euseb stammt, schrieb Lukas die Apostelgeschichte in Rom. Daneben gibt es noch Quellen, die von Achaia, einem Gebiet im Süden Griechenlands, ausgehen. Sicher kann nur der syrisch-palästinische Raum ausgeschlossen werden. Letztendlich kann der genaue Entstehungsort nicht ermittelt werden (Pesch 1995: 28).

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So stellen Pesch (1995: 25) und Schnelle (1999: 257f) Widersprüche zur paulinischen Theologie und Diffe-

renzen in der Biographie fest; eine umfangreiche Entgegnung dieser Darlegungen findet sich bei Hörster (1998: 143ff). 6

Die Koine ist die zur damaligen Zeit gebräuchliche Umgangssprache.

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2.3.3 Abfassungszeit Zur Entstehungszeit werden Datierungen angegeben, die von Anfang der sechziger Jahre (Hörster 1998: 147) bis 100 n. Chr. reichen (Schnelle 1999: 276). Ziemlich genau kann das Ende der Apostelgeschichte in Rom mit dem Jahr 61 datiert werden, sodass ein frühest möglicher Zeitpunkt für die Abfassung vorliegt. Hörster geht von einer extremen Frühdatierung deutlich vor dem Jahr 64 n. Chr. aus, da in der Apostelgeschichte nichts über den Märtyrertod des Herrenbruders Jakobus und über die Christenverfolgungen unter Nero berichtet wird. Diese Datierung erscheint mir sehr früh, da in diesem Fall der Zeitraum für die Erstellung des Doppelwerkes nur ein bis zwei Jahre gedauert hätte. Dennoch gehe ich von einer Frühentstehung aus, die vor dem Jahre 70 n. Chr. abgeschlossen war, da auch über die Zerstörung des Tempels in Jerusalem keine Aussage in den beiden Schriften getroffen wird. Wichtiger als die Abfassungszeit ist jedoch der Zeitraum, in der die Urgemeinde in Jerusalem nach dem Modell der Sammelberichte existierte. Das Pfingstereignis als das Gründungsjahr der Gemeinde lässt sich auf das Jahr 30 n. Chr. festlegen. Nachdem das starke Wachstum der Gemeinde zu Schwierigkeiten bei der Witwenversorgung führte, wurde Stephanus als Diakon eingesetzt (Apg 6,1-7). Das Ende der Urgemeinde lässt sich mit der Steinigung von Stephanus (Apg 7) in Verbindung bringen. Dieses einschneidende Ereignis fand wahrscheinlich im Jahr 32 oder 33 n. Chr. statt. Danach wurde die Gemeinde verfolgt. Bis auf die Apostel zerstreuten sich alle nach Judäa und Samaria (Apg 8,1). Zwar wird auch zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Gemeinde in Jerusalem erwähnt, beispielsweise beim Apostelkonzil in Jerusalem (Apg 15,4). Dennoch gehe ich davon aus, dass die ursprüngliche Gemeindeorganisation, wie sie in den Summarien beschrieben wird, mit der Steinigung von Stephanus ein Ende nahm. Die Urgemeinde existierte also real, konnte jedoch das modellhafte Verhalten nur zwei bis drei Jahre praktizieren. Vor allem äußere Einflüsse wie Verfolgungen waren hierzu die Ursache, aber auch das starke Wachstum trug zu organisatorischen Veränderungen bei.

2.3.4 Empfänger Als Empfänger wird Theophilus angegeben (Apg 1,1), also derselbe Empfänger wie im Evangelium (Lk 1,3). Durch den im Evangelium stehenden Zusatz „hochverehrt“ wird deutlich, dass der Angesprochene der Oberschicht angehört. Hochverehrt ist eine Anrede, die hohen Beamten oder anderen sozial hochstehenden Personen vorenthalten ist (Petracca 2003: 291). Lukas verwendet diesen Titel nur noch beim römischen Statthalter Felix (Apg 23,26; 24,3) und bei Festus (Apg 26,25). Das Doppelwerk ist also an einen Vertreter der Oberschicht gerichtet. Ob Theophilus Christ oder nur einflussreicher Sympathisant war, ist nicht feststellbar. Jedoch lässt sich durch Lk 1,4 erkennen, dass Theophilus im Christentum unterrichtet wurde, also diesem nicht fern stand. Theophilus ist jedoch nicht der einzige Adressat. Er ist vielmehr ein Modell-Leser, der für viele andere Leser der OberKlaus Gottschalk

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schicht steht. Dies steht im Widerspruch zu Degenhardt, der Lukas als den Evangelisten der Armen sieht, der beispielsweise bei den Seligpreisungen (Lk 6,20-21) die Armen, Hungernden und Weinenden als Zielgruppe vor Augen hat (1965: 45). Die Beobachtung Degenhardts zur Zielgruppe ist zwar richtig, darf jedoch keinen ausschließlichen Charakter annehmen. In einer Vielzahl von Berichten wird im Doppelwerk über Reiche berichtet. Diese werden sowohl getadelt7, als auch positiv herausgestellt8. Somit ist das Doppelwerk an die Reichen und an die Armen gerichtet, wenn auch mit unterschiedlichen Absichten. Lukas hatte durch Theophilus als den Modell-Adressaten vor allem die Reichen im Blickpunkt. Der Schwerpunkt auf die Oberschicht wird auch durch die verwendete gehobene Sprache deutlich. Der Empfängerkreis entspricht jedoch nicht den damaligen Gemeindestrukturen. Petracca (2003: 286ff) sieht die lukanischen Gemeinden als eine Mischung von Heiden- und Judenchristen, wobei erstere die Mehrheit gestellt haben. Diese Gemeinden waren jedoch nicht abgeschlossen, sondern hatten einen offenen Rand: Sympathisanten und Interessierte gruppierten sich um die Gemeinden. Somit hatte Lukas auch Nichtchristen als potenzielle Leser im Blickpunkt. Sozial gehörte die Mehrheit der Gemeinden der Unterschicht an: Darunter befanden sich auch soziale Außenseiter wie Arme, einfache Zöllner und Soldaten.

2.3.5 Absicht Die Absicht der Apostelgeschichte fasse ich mit drei Eigenschaften zusammen: apologetisch, historisch und erbaulich. Zum apologetischen Zweck gehört die Verteidigung des Christentums vor dem römischen Staat. In diese Richtung deuten die frühe Entstehungszeit in zeitlicher Nähe zum Prozess gegen Paulus und die Christenverfolgung. Auch inhaltlich wird die enge Verbundenheit zwischen Christentum und Judentum dargestellt, also eine Staatsgefährdung durch die Christen verneint. Ebenso weist Theophilus als Empfänger auf einflussreiche Schichten hin. Es wird aber nicht nur das Christentum in seiner Gesamtheit verteidigt: Die Apostelgeschichte zeigt auch mit den verschiedenen Verteidigungsreden9 Vorbilder für das Verhalten einzelner Christen in Verfolgungssituationen. Hierdurch werden die christlichen Leser angesprochen. Die Apostelgeschichte als Verteidigungsschrift stellt jedoch nur einen Nebenzweck dar. 7

Nach den Seligpreisungen werden die Reichen getadelt (Lk 6,24ff); das Gleichnis vom Sämann berichtet

von den Dornen, die dem Reichtum und den Vergnügungen gleichgesetzt werden (Lk 8,14); im Gleichnis vom reichen Mann und vom armen Lazarus (Lk 16,19-31) wird der Reichtum des irdischen Lebens der Qual nach dem Tod gegenübergestellt. 8

Bekehrungen von Reichen (Lk 19,1-10); Reiche als Almosengeber (Apg 9,36; 10,2); Gastfreundschaft von

Reichen (Lk 10,38; Apg 16,15) 9

Petrus und Johannes (Apg 4,9-12.19-20); Stephanus (Apg 7,1-53); Paulus (Apg 22,1-21; 23,1-11; 24,10-21)

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Die Apostelgeschichte ist auch ein historischer Bericht über die frühe Kirchengeschichte. Unter diesem Gesichtspunkt ist jedoch keine allumfassende Geschichtsschreibung zu verstehen, welche die unterschiedlichsten Details gleichwertig nebeneinander stellt. Vielmehr gewichtet Lukas die verschiedenen Ereignisse je nach Wichtigkeit für die jeweilige Epoche. So wird beispielsweise über Stephanus in siebzig Versen berichtet, da mit ihm der Übergang zur Heidenmission begann; die Hinrichtung von Jakobus, dem Bruder des Johannes in Apg 12,2, wird dagegen in nur sieben Worten erwähnt (Haenchen 1956: 82). Diese Tendenzen hängen eng mit dem dritten Zweck zusammen, den ich als den wichtigsten ansehe. Wenn die Apostelgeschichte als erbaulich bezeichnet wird, so schließe ich mich Haenchen (1957: 92) an, der das Evangelium und die damit verbundene Apostelgeschichte mit diesen Worten charakterisiert: „Er [Lukas, K. G.] war zugleich überzeugt, dass diese Geschichte ‚erbaulich’ war – Gemeinde bauend und stärkend –, weil sie das in Jesus erschienene Heil berichtete und damit zugänglich machte.“ Erbaulich in diesem Zusammenhang bedeutet also nicht eine erbauliche Geschichte, die allein auf Gefühle aufbaut, sondern eine geschichtliche Wahrheit. Somit ist auch die tendenzielle Auswahl der historischen Begebenheiten erklärbar: Es wird über das berichtet, was aus Sicht von Lukas maßgeblich für den Bau der weltweiten Kirche war und auch heute noch ist. Die Apostelgeschichte ist also eine Wachstumsgeschichte, die Zeugnis von Gottes Handeln in der Geschichte aufzeigt. Es wird das Eingreifen Gottes im Bau der frühen Kirche gezeigt. Nicht der menschliche Wille ist entscheidend, welcher Schritt als nächstes getan werden soll, sondern die Leitung durch den Heiligen Geist. Der Beginn der Mission auf europäischem Gebiet ist hierzu ein eindrucksvolles Zeugnis (Apg 16,6-9). Aber auch die verschiedenen Wunder, über die in der Apostelgeschichte berichtet wird, sind Ausdruck des Heilshandelns Gottes. Beispielsweise weist Petrus nach der Heilung eines Lahmen darauf hin, dass Gott der Ursprung hierfür ist (Apg 3,12). Die Apostelgeschichte ist also nach Pesch (1995: 23) eine historische Monographie, die das Handeln Gottes aufzeigt, das zur Entstehung der Kirche führt. Die Summarien enthalten keine Einzelheiten, weisen aber auf das Wesentliche hin, das für die Ausbreitung der Gemeinde in der damaligen Zeit maßgeblich war und auch heute noch entscheidend für den Aufbau der Gemeinde ist.

2.4

Der Textzusammenhang

Unmittelbar geht dem zweiten Summarium in Vers 31b voraus, dass die versammelte Gemeinde mit dem Heiligen Geist erfüllt wurde. Somit wurde die Grundlage für die Gemeinschaft gelegt, die im nachfolgenden Summarium detaillierter beschrieben wird. Auch das erste Summarium besitzt den gleichen Vorlauf. Dort wird ausführlich in Kapitel 2 über das Pfingstwunder berichtet, das zur Gründung der ersten Gemeinde führte. Somit wird aus beiden Berichten ersichtlich, dass Gemeindebau nicht durch menschliches Handeln entsteht, sondern ein Ergebnis von Gottes Wirken durch den Heiligen Geist darstellt. Wendel (1998: 59) bezeichnet den ersten Sammelbericht als Abschluss eines längeren Erzählbogens, der vom Pfingstgeschehen über die erste Missionspredigt und öffentKlaus Gottschalk

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liche Bekehrungen zur Gemeindeentstehung reicht. Auch der zweite Sammelbericht schließt einen Erzählbogen ab, „der aus Predigt, Verhaftung, Predigtverbot, Gemeindegebet und eben Gemeindeschilderung besteht.“ Die Bitte um freimütiges Reden in Apg 4,29 wird als Folge der Geistausgießung in 4,31b zu einem Bestandteil der Gemeinde und somit zu Beginn des Summariums aufgenommen. „Indem das Summar innerhalb desselben Satzes anhebt, wird die kausale Verknüpfung zwischen Gebet, Geist und Gemeinde eindrücklich dargestellt. In beiden Texten ist das Leben der Gemeinde also Folge des Handelns Gottes durch seinen Geist. Auf diese Weise wird Gemeinde ‚in Kraft gesetzt’“ (Wendel 1998: 59). Durch den Beginn des zweiten Sammelberichts in Vers 31c wird also zusätzlich zu den Gründen der Literaturgattung (siehe oben unter 2.2) auch eine inhaltliche Begründung hergestellt. Auch wenn in den Sammelberichten nicht ausdrücklich auf die Wirkung des Heiligen Geistes verwiesen wird, ist durch die formale Anordnung auch eine theologische Zuordnung zum Ausdruck gebracht: Grundlage einer jeden Gemeinde ist das Wirken Gottes durch den Heiligen Geist. Im Anschluss an das zweite Summarium stehen zwei Einzelberichte: die Erzählungen von Barnabas (Apg 4,36-37) und Hananias und Saphira (Apg 5,1-11). In beiden Berichten werden Einzelheiten aus dem Sammelbericht an Beispielen erläutert. Sowohl das positive Beispiel von Barnabas, das inhaltlich den Sammelbericht unterstreicht, aber auch die negative Darstellung bei Hananias und Saphira unterstreichen die Aussagen im Summarium. „Sammel- und Einzelberichte haben untereinander insofern ein Gefälle, als die Einzelberichte in Details vom Summarium abweichen können – auch wenn es dem theologischen Interesse des Lukas zuwiderläuft … Das theologische Interesse ist im Summarium zu finden“ (Wendel 1998: 32). Die beiden Einzelberichte sind also trotz der Negation bei Hananias und Saphira bewusst mit dem Summarium verknüpft. Die Hauptaussage, die in der Auslegung erarbeitet wird, muss also aus dem Summarium abgeleitet werden. Diese schildern den Normalfall der Gemeinde. Durch die Einzelberichte werden also lediglich Ausnahmefälle dargestellt. Während der enge Kontext durch die direkt umgebenden Textteile gegeben ist, stellt sich der weitere Kontext in einem Vergleich mit den anderen Summarien dar. Bereits bei der Untersuchung der Abschnitte, die dem zweiten Summarium direkt vorangehen, wurde deutlich, dass zwischen dem ersten und dem zweiten Sammelbericht durch die Wirkung des Heiligen Geistes ein enger Zusammenhang besteht. Ähnliche Beziehungen lassen sich auch bei den anderen Sammelberichten erkennen. So haben bereits frühe Ausleger10 erkannt, dass zwischen den Summarien Wechselbeziehungen bestehen, die einzelnen Berichte also gegenseitig durchdrungen sind. Beyer (1955: 28f) geht beispielsweise davon aus, dass für die beiden ersten Sammelberichte zwei identische Quellen vorlagen, was von Lukas nicht bemerkt wurde. Somit wird zweimal über dasselbe Ereignis berichtet. Auch Reicke (1957: 108f) geht von zwei Überlieferungen aus, die „Lukas – der Redaktor – beide nach10

So zum Beispiel Beyer (1955: 28f), Reicke (1957: 108f) und Zimmermann (1961: 75.79).

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einander auf[nahm] und … nur ganz notdürftig in Beziehung zueinander [brachte].“ Somit geht Reicke ebenfalls von einer eher zufälligen Doppelung aus. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen: Lukas nahm als Schriftsteller absichtlich eine Ordnung bei den Überlieferungen vor (Lk 1,3), führte somit eine bewusste Komposition durch und überließ nichts dem Zufall. Auch die Erklärung von Zimmermann (1961: 79), dass in den drei großen Summarien jeweils Berichte mit eigenständigen Themen vorlagen, die Lukas mit Elementen der beiden anderen Summarien auffütterte, kann so nicht bestehen bleiben. Wendel (1998: 71) hat in seinen Untersuchungen über die Summarien im Evangelium des Lukas festgestellt, dass Lukas im Vergleich mit den Synoptikern grundsätzlich Stoff reduzierte; die von Zimmermann dargestellte Vorgehensweise entspricht also nicht dem Stil von Lukas. Im Vergleich der einzelnen Summarien gehe ich davon aus, dass diese einen eigenständigen Wert besitzen und sich gegenseitig ergänzen. Somit ist bei der Auslegung des zweiten Summariums neben der direkten textlichen Umgebung auch der Vergleich mit den anderen Summarien hilfreich beziehungsweise sogar erforderlich. In diese Richtung argumentiert auch Pesch (1995: 133), wenn er „das Bild, das Lukas aus allen Summarien zusammengelesen haben wollte“ als Maß für die Gemeinden annimmt. Hierdurch macht Pesch zum einen deutlich, dass es die Absicht von Lukas war, die Summarien simultan zu betrachten, zum anderen aber auch die Beschränkung auf ein einzelnes Summarium zu einer Schieflage bei der Beurteilung führen kann. In den einzelnen Berichten werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, die aus Sicht von Wendel (1998: 81) aus fünfzehn verschiedenen Einzelthemen11 bestehen. Während das erste Summarium überwiegend das geistliche Leben beschreibt und im dritten Summarium die Wundertätigkeit eine zentrale Stelle einnimmt, setzt das zweite Summarium den Schwerpunkt in der wirtschaftlichen Gemeinschaft in Form einer Ausgleichsgemeinschaft. Diese Gemeinschaft wird durch eine innere geistliche Haltung im Glauben und eine gemeinsame Verkündigung ergänzt. Der weitere Zusammenhang des zweiten Summariums, der auch gleichzeitig die heilsgeschichtliche Einordnung darstellt, geht aus dem lukanischen Doppelwerk hervor. Während im Evangelium der Schwerpunkt auf der Lehre und den Taten Jesu liegt, wird in der Apostelgeschichte von der praktischen Umsetzung berichtet. Gradl (2005: 287) schreibt hierzu: Die narrative Strategie zur Frage nach Armut oder Reichtum setzt Lukas gemeinsam mit der Entwicklung des Modell-Lesers in der Apostelgeschichte fort. Manche Spannung und mancher Widerspruch, mit welchen der Leser am Ende des Evangeliums konfrontiert war, lösen sich im Bild und in der Umsetzung, in der konkreten Ausgestaltung und in der Beschreibung des Verhaltens der jungen Kir-

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Apostolische Lehre; Gebete; Furcht in der Gemeinde; Zeichen und Wunder der Apostel; Gemeinschaft: die

innere Haltung; Gemeinschaft: die daraus folgende Handlung (Besitzverkauf und -mitteilung); Frequenz der Versammlungen: täglich; öffentliche Versammlungen; Hausversammlungen; Brotbrechen bzw. Mahlzeiten; Jubel in der Gemeinde; Eindeutigkeit des Herzens; Echo der Gemeinde in der umgebenden Bevölkerung; Gemeindewachstum; Frauen und Männer in der Gemeinde. Klaus Gottschalk

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che auf. Aus dem Appell wird ein Modell. Aus der Lehre ergeben sich Perspektiven zur plastischen und plausiblen Verwirklichung und Umsetzung.

Die Apostelgeschichte, hier vor allem die Summarien, verdichtet also die Lehre des Evangeliums und zeigt die konkrete Umsetzung in der Gemeinde. Somit ist im umgekehrten Fall bei der Auslegung der Summarien auch auf die grundlegende Lehre im Evangelium als dem ersten Teil des Doppelwerks zurückzugreifen. Zusätzlich zur Umsetzung der Lehre in der Apostelgeschichte beschreibt Held (1997: 63) eindrucksvoll die wechselseitigen Beziehungen in der Wirkung des Heiligen Geistes: Der eine große, einzigartige Geistgesalbte dort [Lk], die Gemeinde der vielen einzelnen Geistbegabten hier [Apg]! Die Proklamation des Evangeliums von der Befreiung der Armen und Geplagten aus Krankheit, Not und Entbehrungen dort, die Entstehung einer zu einem Leben in Heiligkeit und Gerechtigkeit erneuerten Gemeinschaft hier, in der keiner mehr war, der Mangel litt (Apg 4,34). Der Heilige Geist ist hier wie dort der große Beweger, der machtvolle Veränderer, …“

Die Wirkung des Heiligen Geistes, die bereits als Vorbedingung für die Entstehung der Gemeinden genannt wurde, ist auch das Bindeglied von Evangelium und Apostelgeschichte. Ursache im Evangelium und Wirkung in der Apostelgeschichte werden durch den Heiligen Geist angetrieben, in Bewegung gesetzt und miteinander verknüpft. Zusammenfassend ergeben sich bei der Auslegung des zweiten Summariums konzentrische Kreise: ausgehend beim Summarium selbst, danach der Vergleich mit den anderen Summarien und den angrenzenden Einzelberichten und letztendlich die Verbindung zu den weiteren Erzählungen der Apostelgeschichte und der Lehre im Evangelium.

2.5

Die Gütergemeinschaft in der Antike

Wie oben bereits erwähnt, liegt der Schwerpunkt des zweiten Summariums in der wirtschaftlichen Gemeinschaft der Gläubigen. Für die abschließende Auslegung in Kapitel 3 ist es deshalb hilfreich, Modelle der damaligen Zeit näher zu betrachten.

2.5.1 Gütergemeinschaft bei den Griechen Bei vielen griechischen Philosophen besitzt die Freundschaft einen hohen Stellenwert für eine funktionierende Gemeinschaft. Petracca (2003: 265) beschreibt, dass im griechischen Kulturkreis Pythagoras (582 v. Chr. bis 496 v. Chr.) der erste war, der lehrte, dass unter Freunden alles gemeinsam sei und somit unter Freundschaft auch Gleichheit zu verstehen sei. Er zitiert Diogenes Laertius, der über Pythagoras schreibt (DiogLaert 8,10): „Wie Timaios sagt, war er der erste, der den Satz verkündete, dass unter Freunden alles gemeinsam und dass Freundschaft Gleichheit sei. So legten denn seine Schüler ihr Vermögen zu gemeinsamem Besitz zusammen.“ Es ist umstritten, ob es eine Gütergemeinschaft unter den Schülern des Pythagoras tatsächlich gab, auch wenn diese zu späterer Zeit beschrieben wurde. So schreibt Iamblichos (275 bis 330 n. Chr.) in einer Biographie über Klaus Gottschalk

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Pythagoras, dass es ein dreistufiges Aufnahmeverfahren in den pythagoreischen Bund gab: Nach einer Aufnahmeprüfung wurde der Bewerber drei Jahre von Pythagoras mit Verachtung bestraft; danach wurde er für fünf Jahre, in denen Pythagoras schwieg, Probemitglied; danach erfolgte volle Aufnahme oder endgültige Ablehnung. Während der Phase des Schweigens geht das gesamte Vermögen in die Gemeinschaft über, wird aber bei einer abschließenden Ablehnung mit Zinsen zurückgezahlt. Unabhängig von einer tatsächlichen Umsetzung der pythagoreischen Ideen besaß im griechischen Raum das Sprichwort „Freundesgut gemeinsam Gut“ eine weite Verbreitung. Dieses Sprichwort geht auf Pythagoras zurück und wurde sowohl von Platon (427 v. Chr. bis 347 v. Chr.) als auch von Aristoteles (384 v. Chr. bis 322 v. Chr.) mehrmals übernommen und von Cicero sogar ins Lateinische übertragen: „…unter den Griechen gibt es das Sprichwort: den Freunden ist alles gemeinsam.“12 Freundschaft ist nach dieser philosophischen Linie die Grundlage für Gemeinschaft und die einzige tragfähige Basis. Aristoteles kombinierte das Sprichwort mit den Sprichwörtern „Eine Seele“ und „Freundschaft ist Gleichheit“ zu einer Reihe13, die Freundschaft mit Einheit, Gütergemeinschaft und Gleichheit verbindet (EthNic 1168b nach Petracca 2003: 263). Nach diesen Vorstellungen bleibt die Gütergemeinschaft auf den Freundeskreis beschränkt. Gradl (2005: 335) weist darauf hin, dass der Ausgleich unter Freunden auf eine wechselseitige Beziehung ausgelegt ist: „Was mein ist, ist dein, aber eben auch, was dein ist, ist mein! Güter und Besitz, Teilen und Helfen verbleiben ganz im Kreis der Wechselseitigkeit und Reziprozität.“ Der Ausgleich bleibt also innerhalb einer sozialen Klasse, in der ein wechselseitiges Geben und Nehmen möglich ist. Verpflichtungen gegenüber Armen, also Almosen, die nicht zurückgegeben werden können, werden von den griechischen Philosophen nicht behandelt. Eine staatliche Armenfürsorge entstand lediglich aus staatspolitischen und nicht aus karitativen Gründen (Degenhardt 1965: 180). Der Umfang der Gemeinschaft ist stark vom Kontext abhängig und somit sehr vielschichtig. Während Platon eine umfangreiche Gütergemeinschaft einschließlich der Frauen und Kinder vorsah, reduzierte Aristoteles auf die Erträge der Gemeinschaft (Wendel 1998: 141ff). Das Sprichwort wird von Aristoteles aber auch besitzunabhängig im Zusammenhang mit Solidarität verwendet. Weitergehende Interpretationen liegen bei Plutarch vor, der neben den materiellen Gütern auch die seelische Gemeinschaft, beispielsweise in der Ehe, einbezieht. Euripides sieht auch Mitfreude und Mitleiden im Zusammenhang mit dem Sprichwort. Das Sprichwort hat somit ursprünglich keinen ausschließlichen Zusammenhang mit dem Teilen von materiellen Gütern, sondern eine viel weitere Bedeutung auch im ideellen Bereich. In der Praxis war ein derart weitreichendes Zusammenleben bei den Griechen nicht verbreitet und wird deshalb in die ferne Vergangenheit, also in ein „Goldenes Zeitalter“, zurückverlegt oder aus12

„…ut in Graecorum proverbio est: Amicorum esse communia omnia“ Cicero Offic 1, 16, 51.

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mi,a yuch.( koina. ta. fi,lwn( ivso,thj filo,thj; der erste Teil wird auch in Apg 4,32 aufgegriffen.

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schließlich fernen Fabelländern und Fabelvölkern zugetraut. Hengel (1973: 12) fasst das goldene Zeitalter wie folgt zusammen: „Dieser Grundgedanke, dass im ‚Goldenen Zeitalter’, d. h. in der Urzeit und Kindheit des Menschengeschlechts, alles Gemeinbesitz war – bis hin zur Weibergemeinschaft – und dass mit der Einführung des Privateigentums der moralische Zerfall der Menschheit begonnen habe, beherrschte weite Teile des ‚geschichtsphilosophischen’ Denkens der Antike und die davon beeinflussten Staatsutopien.“ Das goldene Zeitalter wurde nach Hengel (1973: 13) wegen des fehlenden Privateigentums, der nicht vorhandenen Technik, aber auch wegen der Bedürfnislosigkeit ermöglicht. Er beruft sich hierbei auf Vergil: Nicht war’s recht, durch Grenz oder Mark die Felder zu teilen, Alles Gefild war gemeinsames Gut, und selber die Erde Brachte, da keiner befahl, viel reichlicher alles den Menschen. (Vergil, Georgica 1,126ff, Üs. n. R. Seelisch)

Dieses goldene Zeitalter ging durch die Einführung von Privateigentum und durch intensive Bodennutzung vorüber. Die Sehnsucht nach der guten alten Zeit ist als Wunschtraum bei den Menschen der damaligen Zeit vorhanden, lässt sich aber nicht historisch belegen. Auch die Suche nach dem Urzustand der Menschen in fernen Ländern wurde auf vielerlei Weise beschrieben. So zitiert Petracca (2003: 264) aus einem Werk des Geographen Strabo (63 v. Chr. bis 19 n. Chr.), der über das Volk der Skythen berichtet (Geographika 7,3,9): Sie sind in ihrer Lebensweise nicht habgierig, sondern genügsam. Ihr Gemeinwesen ist gut, denn sie besitzen alles gemeinsam34: Frauen, Kinder, ihre Verwandtschaft und auch alles andere. Da sie nichts besitzen, weshalb man sie versklaven könnte, sind sie Fremden gegenüber unbesiegbar und unschlagbar. 34

Vgl. a[panta koina, in Apg 2,44 und 4,32

Auch hier ist der gemeinsame Besitz Ursache des vorbildlichen Zusammenlebens, der sich in diesem Fall nicht nur auf Güter, sondern wie bei Platon auch auf die Frauen und Kinder bezieht. Ein weiteres Beispiel für Gemeinbesitz ist in einem Roman von Euhemeros über die Insel Panchaia im Indischen Ozean zu finden. Auf dieser Insel wurden alle Anbauprodukte abgegeben und gerecht nach den jeweiligen Bedürfnissen verteilt. Dagegen gab es Privatbesitz und als Anreiz für besonderen Fleiß Haus und Garten. Ein weiteres Modell für Gemeinschaft wurde im Staatsmodell Platons errichtet, das dieser um 374 v. Chr. in „Der Staat“ beschrieb. Petracca (2003: 261f) beschreibt den platonischen Idealstaat wie folgt: „Dieser soll von Philosophen regiert, von sogenannten ‚Wächtern’ bewacht und von Bauern, Handwerkern und Kaufleuten ernährt werden. […] Die Wächter im platonischen Staat sollen demnach, wenn irgend möglich, kein Privateigentum besitzen. Privatwohnungen und Privatvorratskammern sind verboten.“ Auch ist ein gemeinsames Wohnen und Essen vorgeschrieben. Die Wächter dürfen kein Geld berühren, da durch dieses die Tugend verunreinigt wird. Platon geht zwar in seinem späteren Werk „Die Gesetze“ davon aus, dass die umfangreiche Gütergemeinschaft nicht

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praktikabel ist, hebt jedoch das Freundschaftsideal für den idealen Staat heraus14: „Der erste Staat also, die erste Verfassung und die besten Gesetze sind dort, wo möglichst im ganzen Staat der alte Spruch verwirklicht wird, der da lautet, dass Freundesgut wahrhaft gemeinsames Gut ist.“ Wesentliche Eigenschaften des griechischen Gemeinschaftsverständnisses lauten wie folgt: - Die Gemeinschaft bezieht sich nur auf Freunde, die in Einheit, mit Gütergemeinschaft und in Gleichheit zusammen leben. Die Gemeinschaft beruht auf Wechselseitigkeit. Einseitige Almosen aus karitativen Gründen sind nicht üblich. - Der Umfang der Gemeinschaft reicht von materieller Gemeinschaft, einschließlich Frauen und Kinder, über den Ausgleich von Erträgen bis hin zur ideellen Gemeinschaft. - Eine tatsächliche Umsetzung ist nicht nachweisbar. Modelle werden in ein weit entferntes goldenes Zeitalter zurückverlegt beziehungsweise zu fabulösen Völkern hinverlegt. Philosophische Modelle wie Platons Idealstaat gehen von einer strengen Gütergemeinschaft aus. Auch die pythagoreische Gemeinschaft basiert auf vollkommener Gütergemeinschaft.

2.5.2 Umgang mit Besitz im Judentum Von den Aussagen des Alten Testaments her betrachtet ist Armut ein grundsätzliches Übel. Nach Degenhardt (1965: 19) stellt Reichtum einen Segen dar; dagegen ist Armut ein Zeichen, dass Gott den Segen entzogen hat. Diese Einstellung lässt sich mit 5Mo 15,4 begründen, wonach es in Israel als Zeichen des Segens keine Armen mehr geben soll. Bedingung hierfür ist das Hören auf Gott und das Halten der Gebote. Im direkten Zusammenhang wird jedoch in 5Mo 15,11 darauf hingewiesen, dass diese Verheißung nicht in der gegenwärtigen Zeit erfüllt wird. Auch aus der Geschichte Israels ist ersichtlich, dass die Zusage eines Zeitalters ohne Arme nicht erfüllt wurde. So klagt Amos die Reichen an, weil sie die Armen unterdrücken, hohe Abgaben fordern und bestechlich sind (Am 5,11-12); auch Betrug beim Handel wird den Reichen vorgeworfen (Am 8,4-6). Somit wird durch Amos nicht der Reichtum angegriffen, sondern ein falscher Umgang mit den Gütern. Jesaja warnt die Reichen davor, immer mehr Reichtum anzuhäufen (Jes 5,8-10), vor allem wenn dies zu Lasten der Armen geht (Jes 10,1-3). Degenhardt (: 20) fasst die Ursachen für Armut wie folgt zusammen: „Vom Sesshaftwerden des israelitischen Volkes an hat es Arme gegeben als Folge von Schicksalsschlägen – Witwen, Waisen, Greise, Fremde, Verirrte, Kranke, Blinde, Krüppel, Hungernde, Dürstende, Nackte –, durch eigene Schuld und vor allem durch soziale Ungerechtigkeit und Bedrückung.“ Die soziale Ungerechtigkeit wurde bereits bei Amos beschrieben; auch Jeremia fordert auf, die Fremden, Witwen und Waisen nicht zu bedrücken, sondern ihnen zu ihrem Recht zu verhelfen (Jer 22,3). Auf eine eigene Schuld für Armut wird vor allem in den Sprüchen Salomos hingewiesen: Genusssucht, Trägheit oder Leichtsinn als Ursachen für Armut (Spr 6,6-11; 21,17; 23,21). Armut stellt also nicht den Willen Gottes dar, sondern wird vielmehr durch Menschen ver14

Leg 739b-c; Übersetzung nach EIGLER

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ursacht. Zu den menschlichen Ursachen gehört auch der ungenügende Ausgleich für Arme, die unverschuldet in diese Lage kommen. In den Gesetzen wird einerseits das Eigentum geschützt, andererseits aber auch eine Verpflichtung zum Ausgleich vorgeschrieben. Der Schutz wird ausdrücklich im Dekalog ausgesprochen: In 2Mo 20,17 beziehungsweise 5Mo 5,21 wird die Begierde nach dem Eigentum des Anderen untersagt. Auch ist das Eigentum vor Diebstahl geschützt (2Mo 20,15; 5Mo 5,19). Die Verpflichtung, den Mangel und die ungerechte Verteilung auszugleichen, wird an mehreren Stellen deutlich. So wird in 2Mo 22,20-26, aber auch in 3Mo 25,35-38 und 5Mo 23,20-21 der besondere Schutz der Fremden, Witwen und Waisen hervorgehoben. Das Verleihen von Geld an einen Armen darf nicht mit Zinsen belegt werden. Ebenso dürfen lebensnotwendige Pfänder, wie der Mantel eines Armen, nicht über Nacht behalten werden. In 5Mo 24,6 wird auch das Pfänden eines Mühlsteines, der für die tägliche Ernährung erforderlich ist, untersagt. Im Sabbatjahr, also dem siebten Jahr, darf das Land nicht bestellt werden. Es soll den Armen zur Verfügung gestellt werden, damit diese sich von den Früchten ernähren können (2Mo 23,11). Aber auch bei der regulären Ernte soll ein Teil nicht abgeerntet werden, damit dieses Stück des Landes den Armen zur Verfügung steht (3Mo 19,9-10; 23,22). In den Regelungen zum Erlassjahr, das alle sieben Jahre stattfinden soll, wird auch auf die Freigiebigkeit gegenüber den Armen hingewiesen (5Mo 15,1-11). Diese haben das Ziel, dass es durch den Ausgleich keine Armen mehr geben muss. Auch Schuldsklaven sollen im Erlassjahr freigelassen werden (5Mo 15,12-18). Durch die Freilassung der Sklaven soll aber nicht nur das Schuldverhältnis aufgelöst werden: Der Freigelassene soll darüber hinaus mit Gütern versehen werden, die Ausdruck von Gottes Segen sind. In den Vorschriften des Gesetzes wird also auf vielerlei Weise darauf hingewirkt, dass ein Ausgleich zwischen Arm und Reich stattfindet. In den Schriften des Alten Testaments wird der Arme zwar unter den Schutz Gottes gestellt, die Armut aber nicht als erstrebenswertes Ziel angesehen. Vielmehr ist der gerechte Reiche das anzustrebende Vorbild. Es wird sogar der Reiche positiv herausgestellt, der das Streben nach einer Vermehrung des Besitzes hinter das Geben von Almosen stellt (Sir 31,8-11). Auf der anderen Seite werden ungerechte Reiche nicht nur von den Propheten angeklagt. Auch im äthiopischen Henochbuch15 wird die Bestrafung im großen Gericht angekündigt (äth Hen 94,6-10). Dagegen werden Arme, die in ihrem irdischen Leben ungerecht behandelt wurden, im Gericht belohnt (äth Hen 103,9). Somit wird eine Umkehrung der Besitzstände im Gericht angekündigt, welche die Armut nicht mehr als Strafe oder mindestens als mangelnden Segen betrachtet, sondern als Vorstufe zu einer späteren Belohnung. Durch diese Betrachtungsweise erfolgt eine teilweise Verklärung der Armut, die in verschiedenen Gruppierungen (siehe 2.5.3) zu einem anzustrebenden Ziel wurde. Diese Einstellung hatte jedoch vorübergehenden Charakter. Spätestens nach dem Jüdischen Krieg

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Dieses Buch geht auf Henoch zurück, der im 2. Jahrhundert vor Christus lebte.

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(66 bis 74 n. Chr.) und dem Barkochba-Aufstand (132 bis 135 n. Chr.) wurde Armut als Bestrafung aufgefasst und Reichtum als anzustrebendes Ziel (Hengel 1973: 30). Wenn es auch die von den Propheten angeprangerte Ungerechtigkeit gab, wurden dennoch erhebliche Anstrengungen unternommen, um Barmherzigkeit zu üben. In Jes 58,6.7 und Sir 7,36-39 wird eine Vielzahl von Tätigkeiten aufgeführt: frei lassen von Abhängigen, speisen von Hungrigen, gewähren von Obdach, Kleidung zur Verfügung stellen, den Weinenden beistehen und die Kranken besuchen. Es wird bei diesen Vorschriften sowohl an die materiell Notleidenden, aber auch an körperlich oder seelisch bedrückte Menschen gedacht. Die Armenpflege war in der Zeit vor dem Exil überwiegend eine private Angelegenheit, die von den Einzelnen durchgeführt wurde. Erst danach wurde eine öffentliche Armenfürsorge eingerichtet, die zuerst in der zivilen Gemeinde, später auch in den Synagogen durch die religiöse Gemeinde durchgeführt wurde. Zuerst fasste die organisierte Fürsorge in den Städten Fuß; nach dem Jüdischen Krieg weitete sich die Organisation auch in die Landbezirke aus (Degenhardt 1965: 25). Ursache für die zunehmende Organisation der Armenfürsorge war die wachsende Ausbeutung des jüdischen Volkes seit der hellenistischen Epoche, die mit Alexander begann und auch unter den Römern fortgesetzt wurde (Hengel 1973: 23f). Der Makkabäer-Aufstand und auch der Jüdische Krieg waren immer auch soziale Auseinandersetzungen. So begann zum Beispiel der Aufstand zu Beginn des Jüdischen Krieges im Jahre 66 n. Chr. damit, dass das Stadtarchiv mit den Schuldverschreibungen angezündet wurde. Die jüdische Armenpflege baut darauf auf, dass alle Gaben von Gott stammen, also Gottes Eigentum weitergegeben wird (1Chr 29,14). Geregelt wird die Abgabe der Almosen durch den Armenzehnten (5Mo 14,28-29), der alle drei Jahre den zehnten Teil des Jahresertrags für die Fremden, Witwen und Waisen forderte. Somit ergibt sich eine rechnerische Größe von ungefähr 3% des Ertrags als gesetzlich vorgeschriebenes Minimum. Auch die Obergrenze der freiwilligen Abgaben wurde genau geregelt: Als Höchstgrenze wurde einmalig 20% des Vermögens, danach 20% des regelmäßigen Einkommens, festgelegt. Durch die Festlegung einer Obergrenze sollte verhindert werden, dass allzu freigiebige Spender selbst auf Dauer zu Almosenempfängern werden. Diese Praxis wird von Rabbi Gamaliel (um 90 n. Chr.) berichtet, dürfte jedoch auch schon in der Zeit der Jerusalemer Urgemeinde üblich gewesen sein. Die eingesammelten Gelder wurden an die ortsansässigen Armen einmal wöchentlich ausgezahlt, die ortsfremden erhielten die Almosen täglich. Der Umgang mit Besitz lässt sich im Judentum wie folgt zusammenfassen: - Gott gibt so reichlich, dass es keine Armen geben muss. Wenn es dennoch Arme gibt, ist dies die Folge von menschlichem Fehlverhalten. - Reichtum ist ein Zeichen von Gottes Segen; dabei steht Eigentum unter dem Schutz Gottes, stellt aber auch eine Verpflichtung zur Mildtätigkeit dar. - Die Armenfürsorge ist organisiert; die Vorschriften, in welcher Höhe Almosen gegeben werden sollen, sind geregelt: zwischen 3% und 20% der Erträge. Klaus Gottschalk

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2.5.3 Gütergemeinschaft bei den Essenern und in Qumran Über die Gemeinschaft der Essener existieren zwei Berichte, die durch Philo von Alexandria und Josephus erstellt wurden. Philo stellt in seinen Ausführungen die Essener den griechischen Philosophen gegenüber, da diese „nach seiner Meinung den sozialutopischen Traum der Antike tatsächlich in die Realität umsetzen“ (Klauck 1982: 53). Nach der Beschreibung von Philo im Werk „Von der Freiheit des Tüchtigen“ (Omn Prob Lib), die Klauck zusammenfasst, leben die Essener in Dörfern, um der Unruhe der Städte zu entgehen. Dort betreiben sie Ackerbau und Handwerk in einem geringen Umfang, um den Lebensunterhalt zu sichern; die Tätigkeit zielt nicht danach, Reichtum zu erwerben. Bei den Essenern gibt es ausschließlich Gemeinschaftsbesitz, der von Philo wie folgt charakterisiert wird16: Zunächst, niemand besitzt ein Haus so zu eigen, dass es nicht zugleich auch allen gemeinsam gehörte. Denn abgesehen davon, dass sie in Gemeinschaften zusammenwohnen, steht jedem Gleichgesinnten, der anderswoher zu ihnen kommt, die Tür offen. Sodann haben sie nur eine Vorratskammer und allen gemeinsam gehörendes Geld zum Ausgeben. Allen gemeinsam gehören auch die Kleider sowie die Speisen, wenn sie gemeinschaftlich Mahlzeiten veranstalten … Was sie als Lohn für ihre tägliche Arbeit erhalten, das bewahren sie nicht als ihr persönliches Eigentum, sondern stellen es der Gemeinschaft zur Verfügung und lassen den daraus sich ergebenden Nutzen allen zukommen, die von ihm Gebrauch machen wollen.

Aus diesem Text geht hervor, dass bei den Essenern eine Gemeinschaft verwirklicht war, die weitgehend den pythagoreischen Vorstellungen entsprach. Die Gemeinschaft bestand sowohl aus materiellen Gütern, aber auch aus gemeinsamen Mahlzeiten, also gemeinsam verbrachter Zeit. Der Lohn ihrer Arbeit geht ausschließlich in eine Gemeinschaftskasse, die der Versorgung der Gemeinschaft dient. Darüber hinaus sorgten die Essener für Kranke und Alte, was eine Verbindung zur jüdischen Armenfürsorge herstellt (: 54). Auffallend ist jedoch das Festhalten am Eigentum von Häusern, die gemeinsam genutzt wurden, aber dennoch in Privateigentum blieben. Diese Aussage entspricht nicht dem Bild einer völligen Gütergemeinschaft und wird auch in einer späteren Schrift Philos17 widerrufen: „Niemand gestattet sich, etwas als sein Eigentum zu besitzen, nicht Haus, nicht Sklave, nicht Landgut …“. Auch Josephus geht von letzterer Auffassung aus. Darüber hinaus berichtet er von einem dreistufigen Aufnahmeverfahren, das dem pythagoreischen Bund entspricht (zitiert nach Klauck 1982: 55): „ein Probejahr außerhalb der Gemeinschaft, zwei Novizenjahre innerhalb der Gemeinschaft, erst dann die volle Aufnahme (Bell 2, 137f)“. Der genaue Zeitpunkt, an dem der Besitz in die Gemeinschaft überging, geht aus der Beschreibung des Aufnahmeverfahrens nicht hervor. Lohse (2000: 60) beschreibt die kultischen Reinheitsgebote, die erst nach der Probezeit Waschungen zuließen, durch welche die Gemeinschaft möglich wurde. Die Teilnahme an den ge16

Omn Prob Lib 85f. Übersetzt von K. Bormann; zitiert aus Klauck (1982: 53)

17

Verteidigungsschrift für die Juden; aufbewahrt bei Euseb Praep Ev 8, 11, 1-18; zitiert aus Klauck (1982:

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meinsamen Mahlzeiten war erst mit der vollen Aufnahme möglich. Ferner kennt Josephus sowohl ehelos als auch in Ehe lebende Essener. Wegen der unterschiedlichen Berichte über die Ehe und den Umfang der Gütergemeinschaft wird die Vermutung geäußert, dass es sowohl ordensähnliche Zentralgemeinden gab, in denen strenge Gütergemeinschaft und Ehelosigkeit herrschte, aber auch im Land verstreute Gemeinden, die Güterbesitz und Ehe erlaubten und lediglich ihre Einkünfte miteinander teilten (Klauck 1982: 56f). Nach einem Bericht von Plinius befand sich das Zentrum der Essener am Ufer des Toten Meeres. Aus diesem Grund wird auch vielfach davon ausgegangen, dass die in Chirbet Qumran freigelegte jüdische Siedlung mit dem Zentrum der Essener übereinstimmt. Davon gehen beispielsweise Lohse (2000: 62.78) und Degenhardt (1965: 192) aus. Dagegen vertritt Petracca (2003: 268) die Ansicht, dass sich diese Meinung archäologisch nicht erhärten lässt und somit in neuerer Zeit Qumran als eine Siedlung betrachtet wird, die keine Verbindung zu den Essenern besitzt. Bei den Ausgrabungen in Qumran in den Jahren 1947 bis 1956 wurde eine Vielzahl von Dokumenten gefunden, die auch zu einer näheren Beschreibung des Lebens an diesem Ort beitrugen. Vor allem die Gemeinderegel (1Q S), die Kriegsrolle (1Q M) und ein Kommentar zum Buch des Propheten Habakuk (1Q p Hab) steuern wichtige Informationen bei18. In weiten Teilen deckt sich die Schilderung der Gemeinderegel mit den Mitteilungen von Josephus über die ordensähnliche Zentralgemeinde der Essener. Darüber hinaus wird die Motivation der Bewohner von Qumran deutlich. Klauck (1982: 57) führt aus, dass sich die Qumranpriester von der Jerusalemer Priesterschaft verraten und ihres Vermögens beraubt fühlten. Sie selbst bezeichneten sich als die Armen, was jedoch nicht nur den materiellen Aspekt betraf, sondern vielmehr die Bedeutung des äthiopischen Henochbuchs annahm. Im Kommentar zu Habakuk wird Hab 5,2f auf den obersten Jerusalemer Priester ausgelegt, weil dieser plante, die Armen zu vernichten und den Besitz der Armen zu rauben (1Q p Hab XII, 6.10). Auch in der Kriegsrolle wird hervorgehoben, dass sich die Bewohner von Qumran als Gottes Truppe im endzeitlichen Kampf betrachten. Gott wird die Feinde in die Hand der Armen ausliefern (1Q M XI, 13; zitiert nach Klauck 1982: 58). Der Armutsbegriff nimmt also überwiegend eine spirituelle Bedeutung an und steht nach diesen Schriften in keinem Zusammenhang mit einer angestrebten materiellen Armut. Degenhardt (1965: 197f) erläutert, dass die Bewohner von Qumran keinem Armutsideal nacheiferten und sich somit auf der Linie des Alten Testaments befanden. Vielmehr stellt materielle Armut ein Durchgangsstadium dar, dem eine spätere Erhöhung nachfolgen wird. In der Sektenregel (1 Q S IX, 7-9; zitiert nach Klauck 1982: 59) wird dagegen auf die Gütergemeinschaft und die damit verbundene Motivation hingewiesen: Nur die Söhne Aarons sollen in Bezug auf Rechtssprechung herrschen, nach ihrer Weisung soll das Los fallen für jede Anordnung der Männer der Gemeinschaft und (für) den Besitz (HWN) der Männer der Heiligkeit, die in Vollkommenheit wandeln. Ihr Besitz soll nicht vereint werden mit dem Besitz der Männer des

18

Eine Beschreibung der einzelnen Schriftrollen findet sich bei Lohse (2000: 63ff)

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Trugs, die ihren Wandel nicht geläutert haben, um sich (so) zu scheiden vom Frevel und auf dem Wege der Vollkommenheit zu wandeln.

Aus diesem Auszug wird deutlich, dass der Besitz von den Männern des Trugs, also den Priestern Jerusalems, getrennt werden soll. Somit wird einer Verunreinigung entgegengewirkt, die durch einen Kontakt mit den Frevlern entstehen würde. Eine Absonderung von der Außenwelt ist eines der Ziele, das durch das gemeinsame Leben angestrebt wird. Auch der Umgang innerhalb der Gemeinschaft wird ersichtlich. In der Gemeinschaft steht den Söhnen Aarons, also den Tempelpriestern, ein alleiniges Weisungsrecht zu. Es herrscht also eine hierarchische Ordnung, die von den Priestern dominiert wird. An anderen Stellen der Sektenregel wird noch das dreistufige Aufnahmeverfahren erläutert, das mit den Ausführungen von Josephus weitgehend übereinstimmt. Ergänzend wird dargestellt, dass mit dem Novizenjahr das Eigentum einem Aufseher übergeben wird, jedoch getrennt vom Gemeinschaftseigentum verwaltet wird. Grund hierfür könnte eine mögliche Rückerstattung bei einer fehlgeschlagenen Aufnahme sein. Erst mit der endgültigen Aufnahme geht das Vermögen in das Gemeinschaftseigentum über. Bei falschen Auskünften über das Vermögen wird als Strafe ein einjähriger Ausschluss von der Gemeinschaft in Verbindung mit dem Entzug eines Viertels der Essensration festgelegt (Klauck 1982: 61). Durch diese Strafandrohung wird die völlige Abhängigkeit von der Gemeinschaft ersichtlich. Aus den Schriften von Qumran wird eine vielschichtige Motivation für das Armutsideal ersichtlich. Klauck (1982: 66f) führt sowohl äußere als auch innere Motive an. Die Bewohner von Qumran konnten nur wenig Besitz aus Jerusalem mitnehmen. Auch war in der kleinen Oase an der Küste des Toten Meeres Landwirtschaft nur unter schwierigsten Bedingungen möglich. Durch diese negativen Begleitumstände war eine materielle Armut vorprogrammiert. Aber auch die innere Motivation der Armenfrömmigkeit, wie sie vor allem durch die Kriegsrolle deutlich wird, war eine wesentliche Ursache der Gemeinschaft in Qumran. Darüber hinaus sollte jeder Kontakt mit der Außenwelt vermieden werden, um einer Verunreinigung zu entgehen. Somit spielte die rituelle Reinheit der Priesterschaft eine bedeutende Rolle. Die wesentlichen Eigenschaften der Gemeinschaften von Qumran und der Essener sehen folgendermaßen aus: - Es wurde Gütergemeinschaft in unterschiedlicher Ausprägung durchgeführt. In der einfachen Form bei den Essenern war privater Hausbesitz erlaubt, in den essenischen Zentralgemeinden und in Qumran herrschte dagegen vollkommene Gütergemeinschaft. - Es wird bei den essenischen Zentralgemeinden und in Qumran über ein dreistufiges Aufnahmeverfahren berichtet, bei dem mit der Aufnahme das gesamte Privatvermögen in Gemeinschaftseigentum überging. - In Qumran herrschte eine streng hierarchische Ordnung, die von den Priestern angeführt wurde. Es wurden detaillierte Regeln für das Zusammenleben erstellt.

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- Motivation für die Armut in Qumran waren sowohl schlechte äußere Bedingungen als auch ein ausgeprägtes Bewusstsein für ein Leben in der Endzeit, das keine Anhäufung von materiellen Gütern erforderlich machte. - Motivation für die Absonderung der Gemeinschaft von Qumran waren rituelle Reinheitsvorstellungen der Priesterschaft, die sich als die einzigen wahren Priester betrachteten.

3 DIE AUSLEGUNG DES BIBLISCHEN TEXTES 3.1

Das Leben der Urgemeinde – der Glaube als gemeinsame Basis (Apg 4,32a)

Vers 32: (a) Aber die Menge der Glaubenden war ein Herz und eine Seele19; Gegenstand des zweiten Summariums ist die Menge der Glaubenden. Hiermit ist das Fundament der Gemeinschaft gelegt: der gemeinsame Glaube an Jesus Christus. Dieser Glaube wurde durch Gebet (Vers 31a) und die Wirkung des Heiligen Geistes (Vers 31b) gestiftet. Aus diesem gemeinsamen Glauben heraus entsteht Gemeinschaft (Abschnitt 3.2), die nach außen wirkt und Nichtgläubige zum Glauben einlädt (Abschnitt 3.3). Durch die gemeinsame Basis unterscheiden sich die Glaubenden von anderen Gemeinschaften wie den Anhängern des Pythagoras, bei denen Freundschaft die Grundlage darstellte. Es sind aber auch Unterschiede zur Gemeinschaft von Qumran festzustellen. Bei letzterer stellte die Ablehnung der Umwelt und das Einhalten ritueller Vorschriften die größte Gemeinsamkeit dar. Die Sekte von Qumran versuchte sich also nach außen hin abzugrenzen, während die Christen durch ihren Lebensstil und ihren missionarischen Auftrag nach außen hin wirken wollten. Dennoch stellte die Außenwirkung nicht das primäre Ziel dar: Die Urgemeinde bestand nicht aus Menschen, die gute Werke vollbringen wollten und somit das Handeln an die erste Stelle setzten. Vielmehr war das Gebet und der gemeinsame Glaube der Ausgangspunkt für das darauffolgende Handeln. Die ersten Christen bildeten somit eine Gemeinschaft, die durch gemeinsame innere Werte gestiftet wurde und hieraus die Wirkung nach außen entfaltete. Diese Menge war „ein Herz und eine Seele“. Hinter diesem Ausdruck stehen sowohl griechische als auch jüdische Vorstellungen. Das Sprichwort von Aristoteles, das den Begriff der Seele20 mit der Gemeinschaft unter Freunden und der Gleichheit unter diesen verknüpfte, klingt in Vers 32a an. Lukas verbindet also die Glaubensgemeinschaft mit den griechischen Vorstellungen von Freundschaft, ohne dabei auf die detaillierten Auffassungen von Gemeinschaft und Gleichheit einzugehen, die bei den griechischen Philosophen vorherrschte. Durch den Anklang an ein griechisches Sprichwort wird also bei der Mehrheit der Heidenchristen angeknüpft. Aber auch zu den Judenchristen 19

Tou/ de. plh,qouj tw/n pisteusa,ntwn h=n kardi,a kai. yuch. mi,a

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mi,a yuch – eine Seele

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wird eine Verbindung hergestellt: „Ein Herz und eine Seele“ stellt eine Verknüpfung zu alttestamentlichen Vorstellungen her. Mehrfach wird im Alten Testament darauf hingewiesen, dass die Menschen Gott mit ganzem Herzen und ganzer Seele lieben sollen21. Im Gegensatz zum alttestamentlichen Kontext, bei dem es immer um eine Beziehung zwischen Gott und den Menschen geht, wird in Vers 32a eine Beziehung zwischen Menschen beschrieben. Dadurch wird die Besonderheit der Gemeinschaft deutlich: Wenn die Glaubenden ein Herz und eine Seele darstellen, wird eine Beziehung deutlich, die göttlichen Ursprungs ist. Nur durch den gemeinsamen Glauben und die Liebe zu Gott ist auch eine Liebe unter den Menschen möglich. Es wird somit eine Nächstenliebe angedeutet, die in Lk 10,27 gefordert und in der Urgemeinde umgesetzt wurde. Hierzu schreibt Gradl (2005: 343): Die Verwendung des Ausdrucks deutet die christliche Gemeinschaft im Licht des Freundschaftskonzeptes als Einheit der Seelen und Herzen, als Gemeinschaft eines Geistes über die Verschiedenheit der Personen hinweg und veranschaulicht damit die Vorstellung einer innigen Beziehung und gegenseitigen Teilnahme am Leben und Gut des anderen.

Das gemeinsame geistgestiftete Leben ist vor allem auch wegen der unterschiedlichen sozialen Schichten in der Gemeinde bemerkenswert. Unabhängig von der Höhe des Besitzes, der Herkunft, der religiösen Vorerfahrungen oder des Bildungsstandes wird in der Gemeinde eine innige Beziehung gelebt. Deshalb reicht die Gemeinschaft innerhalb einer Gemeinde weit über das hellenistische Freundschaftsideal hinaus. Neben der Interpretation von „Herz und Seele“ als einem Beziehungsbegriff stellen diese beiden Begriffe auch das Personenzentrum des Menschen dar. Nach Gradl (2005: 343f) ist hierunter „der Sitz der Persönlichkeit und die tiefe Dimension des Menschen, der Ort der Entscheidung und Punkt absoluter Transparenz und Wahrheit gemeint“. Diese Einheit von „Herz und Seele“ umfasst also die Gedanken und Gefühle, das Sprechen und Handeln. Als Einheit lässt sich das Zentrum des Menschen weder teilen noch reduzieren oder beschränken. Es enthält somit alle Bereiche des menschlichen Lebens. Wenn wir diese allumfassende Bedeutung auf die Gemeinde übertragen, bedeutet dies, dass in der Gemeinde in jeder Beziehung Gemeinschaft gelebt wurde. Auch wenn in den folgenden Versen die wirtschaftliche Gemeinschaft betont wird, muss klar sein, dass dies nur einen Teilaspekt des Gemeindelebens darstellt. Das komplette Gemeinschaftsleben enthält Facetten, die darüber hinausgehen. Ich erwähnte dies bereits bei der Beschreibung des Textzusammenhangs aus dem Vergleich mit den anderen Summarien (Kapitel 2.4). Im aktuellen Vers wird durch den Ausdruck „ein Herz und eine Seele“ auch auf diese Sichtweise hingewiesen.

21

So in 5Mo 6,5; 13,3; 30,6. „Herz und Seele“ wird aber auch in Verbindung mit „suchen“ (5Mo 4,29), „die-

nen“ (5Mo 10,12; 11,13;22,5), „Gesetze tun“ (5Mo 26,16) oder „gehorchen“ (5Mo 30,2) verwendet. Klaus Gottschalk

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Im westlichen Text22 wird Vers 32a mit folgendem Zusatz ergänzt: „und es gab keinerlei Streit unter ihnen“23. Durch diese Ergänzung wird eine vollkommene Harmonie unter den Gläubigen angedeutet. Diese Meinung wird von verschiedenen Auslegern geteilt24. Jedoch sind aus textkritischer Sicht Erweiterungen in der Regel nicht dem ursprünglichen Text zuzuordnen. Darüber hinaus vertrete ich in diesem Fall die Meinung, dass die Beifügung auch inhaltlich nicht die Bedeutung von „Herz und Seele“ trifft. Der Bericht von der Witwenversorgung sagt aus, dass ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer stattfand wegen der Benachteiligung der hellenistischen Witwen (Apg 6,1). Dadurch ist ersichtlich, dass es in der Gemeinde Unstimmigkeiten gab, also keine vollkommene Harmonie herrschte. Diese Meinungsverschiedenheiten werden jedoch durch die Wahl der Diakone (Apg 6,2-6) bereinigt. Somit zeichnete sich die Gemeinde nicht durch die Freiheit von Konflikten aus, sondern durch einen lösungsorientierten Umgang mit Konflikten.

3.2

Das Wirtschaften der Urgemeinde – ein Leben in Einheit (Apg 4,32bc.34.35)

Vers 32: (b) und auch nicht einer sagte, dass irgendeins der Güter ihm gehört25, (c) sondern alles war ihnen gemeinsam26. Vers 34: (a) Denn auch nicht irgend ein Bedürftiger war unter ihnen27; (b) denn alle, welche Besitzer von Grundstücken oder Häusern waren, brachten den Erlös des Verkauften28 Vers 35: (a) und legten ihn zu den Füßen der Apostel29. (b) Aber es wurde jedem zugeteilt, je nachdem jemand Bedarf hatte30. Auf den ersten Blick besteht zwischen den Versen 32 und 34 ein Widerspruch im Umgang mit dem Eigentum: Während Vers 32 von Gemeinschaftseigentum ausgeht, berichtet Vers 34 von einem Verkauf des Eigentums. Die Ursache ist auch hier eine Verschmelzung von hellenistischem und jüdischem Gedankengut, um den hellenistischen Lesern die jüdische Gedankenwelt zu erschließen. Damit die beiden unterschiedlichen Ansätze nicht direkt nebeneinander stehen, übernimmt der in

22

Der westliche Text ist eine Sammlung von Handschriften, die vor allem in Italien und Nordafrika bezeugt

sind; die Ergänzung in Vers 32a stammt aus D 05 (Codex Bezae Cantabrigiensis) aus dem 5. Jahrhundert; der westliche Text ist durch Harmonisierungen und Zusätze gekennzeichnet. 23

kai. ouvk h=n dia,krisij evn auvtoi/j ouvdemi,a

24

So zum Beispiel Neudorfer (1996: 107)

25

kai. ouvde. ei-j ti tw/n u`parco,ntwn auvtw/| e;legen i;dion ei=nai

26

avllV h=n auvtoi/j a[panta koina,

27

ouvde. ga.r evndeh,j tij h=n evn auvtoi/j\

28

o[soi ga.r kth,torej cwri,wn h' oivkiw/n u`ph/rcon( pwlou/ntej e;feron ta.j tima.j tw/n pipraskome,nwn

29

kai. evti,qoun para. tou.j po,daj tw/n avposto,lwn

30

diedi,deto de. e`ka,stw| kaqo,ti a;n tij crei,an ei=cen

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Die Menschen lieben und das Geld gebrauchen

Abschnitt 3.3 besprochene Vers 33, der von der Verkündigung der Apostel berichtet, eine trennende Funktion. Vers 32 basiert auf der hellenistischen Idee des Gemeinschaftseigentums unter Freunden. Durch diesen Vers wird den griechischen Lesern verdeutlicht, dass in der christlichen Gemeinde die Freundesliebe verwirklicht ist. Während die Griechen die Erfüllung dieser Idealvorstellung in weit entfernte Länder verlegten oder in ein goldenes Zeitalter zurückverlegten, ist das Gemeinschaftseigentum in der Urgemeinde eine Realität, die durch die Wirkung des Heiligen Geistes eintrifft. Daraus ergibt sich ein Ansporn für die Griechen, sich näher mit dem Christentum zu beschäftigen. Diese christliche Sicht wird dann in Vers 34 näher dargelegt. Hier wird davon berichtet, dass es in der Gemeinde keine Bedürftigen mehr gibt. Dies bezieht sich auf die Verheißung in 5Mo 15,4, wonach es unter dem Volk Israel keine Armen mehr geben soll. Adressat dieser Botschaft sind also die Juden, die erkennen sollen, dass in der christlichen Gemeinde die alttestamentliche Verheißung in Erfüllung geht. Somit sind in den beiden Versen zwei Traditionen miteinander verschmolzen, die sowohl die Juden- als auch die Heidenchristen, aber auch die Suchenden am Rande der Gemeinde auf die Gemeinschaft neugierig machen sollen. Bei der hellenistischen Vorstellung werden die Güter nicht verkauft, sondern bleiben beim ursprünglichen Besitzer. In diesem Fall geht die Verfügungsgewalt auf die Gemeinschaft über. Es ist vergleichbar mit dem Umgang mit Gütern in einer Familie. Dagegen geht die jüdische Vorstellung vom Verkauf der Grundstücke oder Häuser aus. Diese Auffassung baut auf dem Umgang mit Almosen auf, wie er bei den Juden üblich war. Für beide Vorgehensweisen gibt es Belege in verschiedenen Einzelberichten. So sind die Ackerverkäufe von Josef (Apg 4,36-37) beziehungsweise Hananias und Saphira (Apg 5,1) Beispiele für den Verkauf von Besitz mit dem Ziel, Mildtätigkeit zu üben. Es gibt darüber hinaus noch weitere Beispiele von Gemeindegliedern, die durch Almosen die Armen unterstützten. So werden Tabita (Apg 9,36) und Kornelius (Apg 10,2.4.31) lobenswert erwähnt. Auch Sammlungen für andere Gemeinden dienen der gegenseitigen finanziellen Unterstützung (Apg 11,27-30). Aber auch für die gemeinsame Nutzung von Eigentum sind Anhaltspunkte vorhanden. So wird in Apg 12,12 berichtet, dass sich viele Gläubige zum Gebet im Haus der Maria versammelten. Es gab somit weiterhin Privatbesitz, der jedoch von der Gemeinde im Rahmen der Gastfreundschaft gemeinsam genutzt wurde. Es gibt dagegen keine Hinweise auf einen umfassenden Verzicht des Eigentumsrechts, sodass die strenge Auffassung der Gütergemeinschaft, wie sie im pythagoreischen Bund gelebt wurde, nicht umgesetzt wurde. Lediglich das griechische Verständnis der Gemeinschaft unter den Freunden wurde auf die Gemeinde übertragen. Für die griechischen Leser ist die Zielgruppe der Almosenempfänger neu. Während in der griechischen Kultur Freunde, Verwandte oder Volksgenossen versorgt wurden, stehen in der jüdischen und christlichen Gemeinschaft die Armen im Mittelpunkt. Während bei den Juden vor allem die gesetzlichen Vorschriften zum Geben der Almosen motivierten, kommen in der christlichen Gemeinde zusätzlich die Worte unseres Herrn Jesus Christus zur Geltung. Hierzu gehört unter anderem auch Klaus Gottschalk

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die Aufforderung, sich Freunde mit dem ungerechten Mammon zu machen (Lk 16,9). Der Aufruf, die eigenen Besitztümer mit anderen zu teilen, gipfelt in der Abschiedsrede von Paulus, als er die folgenden Herrenworte zitiert: „Geben ist seliger als nehmen!“ (Apg 20,35). Paulus selbst war Vorbild, indem er sich mit seiner eigenen Hände Arbeit ernährte und den Überschuss mit den Schwachen teilte. Auch Barnabas galt als Vorbild für einen gerechten Umgang mit Besitz, als er seinen Acker verkaufte (Apg 4,36-37). Bei den Empfängern der Almosen beschränkten sich die Juden auf ihr eigenes Volk. Auch diese Fesseln wurden in der Urgemeinde gesprengt. Die Glieder der Urgemeinde wandten sich allen zu, „die der Missachtung ausgesetzt sind, den Kindern, Kranken, Sündern, Samaritern, Armen“ (Degenhardt 1965: 206). Hierin unterschieden sie sich von den Essenern und den Bewohnern von Qumran, die sich von allem Unreinen abgrenzen wollten. Zwar fand der Ausgleich in der Urgemeinde in erster Linie ebenfalls innerhalb der Gemeinschaft statt (Vers 34a), jedoch mit einer Wirkung, die aus der Gemeinde hinausstrahlte (siehe Kapitel 3.3 zu Vers 33b). Wenn Vers 34a davon berichtet, dass es in der Gemeinde keine Bedürftigen mehr gab, bedeutet dies nicht, dass die Unterschiede im Besitz abgeschafft wurden. Es gab weiterhin Reiche in der Gemeinde, die Almosen geben konnten und Arme, die von den Zuwendungen abhängig waren. Vers 34a sagt nur aus, dass die Armen nicht mehr bedürftig waren, also keine Not litten. Somit ist der Gleichheitsgrundsatz der griechischen Philosophen nicht erfüllt. Auch andere Begriffe wie „Liebeskommunismus“ (Hengel 1973: 39) beziehungsweise „Sozialismus der Urchristenheit“ (Brakemeier 1988) haben aus diesem Grund keine Daseinsberechtigung. Vers 35a berichtet davon, dass der Erlös zu den Füßen der Apostel gelegt wurde. Diese Geste ist ein Zeichen der vollkommenen Unterwerfung. David berichtet in 2Sam 22,39, dass seine Feinde total aufgerieben wurden und unter seine Füße fielen. In Ps 8,6 wird die Herrschaft des Menschen über die Schöpfung ebenfalls damit ausgedrückt, dass alles den Menschen zu Füßen gelegt wurde. Wenn der Erlös zu den Füßen der Apostel gelegt wurde, dann bedeutet dies eine vollkommene Aufgabe des Besitzrechtes. Während in Vers 32 von einer gemeinsamen Nutzung der Güter berichtet wird und somit davon ausgegangen wird, dass das Eigentumsrecht beibehalten bleibt, geht Vers 35a von einer Aufgabe des Besitzrechtes aus. Der Unterschied zwischen den beiden Versen besteht darin, dass sich Vers 35a nur auf den Erlös bezieht. Somit bleiben die Rechte am Eigentum bis zu einem eventuellen Verkauf bestehen. Lediglich der Verkaufspreis wird in einer gemeinsamen Kasse verwaltet. Diese Regelung ähnelt dem jüdischen Vorbild des Armenzehnten, der auch als Geldleistung abgegolten wurde. Wendel (1998: 146) geht sogar soweit, dass er für die gesamte Gemeinschaft der Urgemeinde von einer „Geldgemeinschaft“ statt einer Gütergemeinschaft spricht: „Für Lukas ist der Terminus ‚Gütergemeinschaft’ überhaupt konsequent fallenzulassen. Man kann allenfalls von ‚Geldgemeinschaft’ sprechen“. Durch die Beschreibung einer gemeinsamen Kasse wird also die Fortsetzung der jüdischen Tradition in der christlichen Gemeinde angedeutet. Im Gegensatz zur jüdischen Tradition steht jedoch die Freiwilligkeit bei der Festlegung der Spendenhöhe. Während bei den Juden eine Richtgröße zwischen 3% und 20% festgelegt wurde, kennt Lukas diese VorgaKlaus Gottschalk

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ben nicht. Auch im Bericht von Hananias und Saphira betont Petrus, dass der Verkauf freiwillig war (Apg 5,4). Sogar nach dem Verkauf hätte das Paar über den Erlös frei verfügen können. Verwerflich bei beiden war also nicht die Teilspende, sondern die Lüge gegen den Heiligen Geist. Die Zurückhaltung eines Teils des Erlöses war somit eine teilweise Unterwerfung unter Gott, die von einer Abhängigkeit von Mammon überschattet wurde. Über die unterschiedliche Höhe der Almosen gibt es im Evangelium und in der Apostelgeschichte verschiedene Beispiele. So riet Jesus dem reichen Oberst, alles zu geben (Lk 18,22). Zachäus gab dagegen nur die Hälfte seines Besitzes den Armen (Lk 19,8). In anderen Fällen sind dagegen Kollekten (Apg 11,29-30) oder das Gewähren von Gastfreundschaft (Apg 16,14-15) ausreichend. Es ist also nicht die Höhe der Gabe, sondern das Verhältnis zum Besitz ausschlaggebend. Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten bei den Juden, der Gemeinschaft von Qumran und auch zum pythagoreischen Bund werden die Almosen immer wieder gegeben. Darauf weist die Zeitform des Imperfekts hin. Das Geben der Gaben stellt somit keine einmalige Tat dar und steht in Folge dessen in keinem Verhältnis mit dem Übertritt in die Gemeinschaft. Es gibt keine Regelung, beim Eintritt allen Besitz aufzugeben, wie es bei der Gemeinschaft von Qumran oder dem pythagoreischen Bund der Fall war. Es existiert aber auch keine Vorschrift, als Zeichen der Wiedergutmachung beim Übertritt auf Teile zu verzichten. Dennoch waren „Almosen … christlicher Brauch bei einer Bekehrung“ (Petracca 2003: 330). Eine Almosengabe im Zusammenhang mit Umkehr und Buße stellt beispielsweise die vierfache Rückerstattung bei Zachäus (Lk 19,8) dar. Aber auch bei der Nachfolge von Simon, Jakobus und Johannes wird berichtet, dass sie alles verließen (Lk 5,11)31. Wenn es auch viele Beispiele für Almosen im Zusammenhang mit der Umkehr gibt, stellen diese nicht die alleinige Form dar. Eine ständige Wiederholung des innergemeindlichen Besitzausgleichs stellt ein Merkmal der Urgemeinde dar. Neben der Aussage des zweiten Summariums weisen auch das erste Summarium (Apg 2,45), das Beispiel von Barnabas (Apg 4,36), Hananias und Saphira (Apg 5,1), die Praxis der Witwenversorgung (Apg 6,1) und die Kollekten für notleidende Gemeinden (Apg 11,29) darauf hin. Die Apostel treten in Vers 35a darüber hinaus als Mittler zwischen dem Geber und dem Empfänger der Gaben auf. Hierdurch wird eine direkte Abhängigkeit vermieden. Der Geber kann somit keine Erwartungshaltung aufbauen, dass er zu einem späteren Zeitpunkt wieder einen Teil davon zurück erhält. Die Spenden sind in Folge dessen keine Leihgaben, sondern Ausdruck des geschwisterlichen Teilens. Aus diesem Grund sind auch die jüdischen Vorschriften des Erlassjahres überholt, da kein Schuldverhältnis aufgebaut wird. Die mittellosen Glieder der Gemeinde werden selbstlos durch die Vermögenden unterstützt als ein Zeichen der Nächstenliebe. Durch die Einschaltung der Apostel wird auch verhindert, dass der Geber Ehre oder Dank hierfür erwarten kann. Petracca (2003: 331) spricht von einer Euergetes32-Mentalität, die aus einer Wohltat einem Bedürftigen gegenüber zu

31

Weitere Stellen: Lk 3,11; 5,28; 12,33; 14,33; 16,9; 18,22

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euverge,thj: Wohltäter; ein Ehrentitel für verdiente Männer bei Persern und Griechen (Kaegi 1962: 318).

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Macht und Ansehen gelangen will. Auch Jesus spricht in Lk 22,24-27 davon, dass nicht das Streben nach Macht, sondern die gegenseitige Unterordnung in der Gemeinde das anzustrebende Ziel sei. Die Apostel sahen jedoch in der Verteilung der Spenden nicht ihre Hauptaufgabe. Dies wird bei der Krise im Zusammenhang mit der Versorgung der Witwen deutlich (Apg 6,2.4): Die Apostel wollen sich vor allem um das Gebet und die Verkündigung des Wortes kümmern. Somit bedeutet das zuFüße-legen auch eine Unterwerfung unter Jesus Christus als das Wort. Die Unterordnung besitzt also zwei Dimensionen: unter den Menschen in der Gemeinde und unter Jesus als den Herrn der Gemeinde. Vers 35b spricht von einer Zuteilung nach Bedarf. Das Ergebnis hiervon ist, dass es in der Gemeinde keine Bedürftigen mehr gab (siehe Vers 34a). Die bedarfsorientierte Zuweisung setzt aber auch voraus, dass die Gaben wiederholt gegeben werden, es also keine einmalige Zuwendung beim Eintritt gab (siehe Vers 35a). Darüber hinaus führte der Ausgleich zwischen den Besitzenden und den Bedürftigen nicht zu einer Gleichheit. Es blieben weiterhin Vermögensunterschiede bestehen. Besitz in Verbindung mit der richtigen Herzenshaltung ist auch die wesentliche Voraussetzung, um den Bedürftigen helfen zu können. Somit war die Idealisierung der Armut, wie sie teilweise im Judentum stattfand, nicht Bestandteil der ersten Gemeinde33. Von einer festen Organisation der Besitzverteilung ist an dieser Stelle jedoch nicht die Rede. So wie die Gaben spontan und freiwillig waren, wurde auch die Verteilung ohne Institutionalisierung bedarfsgerecht durchgeführt. Erst zu einem späteren Zeitpunkt, als die Gemeinde an Größe zugelegt hatte, wird eine feste Einrichtung für die Armenpflege geschaffen (Apg 6,3). Während das Summarium Reichtum als den Besitz von Häusern und Grundstücken definiert, gibt es keine Begrenzung der Armut. Gradl (2005: 328) schreibt hierzu: „Jede Form von Knappheit scheint willkommen und – im Rahmen der Koinonia – der Zuwendung und des Ausgleichs wert“. Somit stellt jede Form von Mangel oder Entbehrung Armut und Bedürftigkeit dar. Die Perspektive der Hilfe für die Armen geht somit über das rein Materielle hinaus.

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Eine andere Meinung vertritt Reicke (1957: 60): „Der urchristliche Kommunismus ist nicht durch irgend-

welche sozialen Theorien zu erklären, sondern muss durchaus religiöse Ursachen gehabt haben. Die ersten Christen wollten offenbar durch ihre Eigentumslosigkeit den alttestamentlichen Ehrennamen ‚die Armen’ verdienen“. Klaus Gottschalk

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Das Verkünden der Urgemeinde – die Wirkung nach außen (Apg 4,31c.33)

Vers 31: (c) und sie redeten das Wort Gottes mit Freimut34. Vers 33: (a) Und mit großer Kraft gaben die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus35; (b) große Gnade war auf ihnen allen36. Der gemeinsame Glaube führte zu einer Einheit innerhalb der Urgemeinde, die sich im Umgang mit den materiellen Gütern bemerkbar machte. Diese innere Verbundenheit verfehlte auch nicht die Wirkung nach außen. Der Einschub von Vers 33 zwischen die griechische und jüdische Aussage der Gütergemeinschaft übernimmt eine trennende Funktion zwischen zwei sich widersprechenden Aussagen. Darüber hinaus werden in Vers 33a die Apostel als Verkündiger eingeführt und somit eine Brücke gebaut zur späteren Tätigkeit als Mittler zwischen den Gebern der Gaben und den Empfängern. Während in Vers 33a die Apostel das Zeugnis von Jesus Christus gaben, geht aus Vers 31c hervor, dass die Menge der Glaubenden das Wort Gottes verkündigte. Verkündigung ist also nicht das ausschließliche Vorrecht der Apostel, auch wenn diese darin eine ihrer Hauptaufgaben sahen (Apg 6,4). Die Gläubigen redeten das Wort Gottes mit Freimut, also ohne innere Hemmungen. Sie waren so sehr vom Geist Gottes erfüllt, dass sie keine Angst hatten, ihre Erfahrungen mit Jesus den anderen mitzuteilen. Ihre Verkündigung wurde aber auch im Großen und Ganzen nicht durch äußere Maßnahmen eingeschränkt. Obwohl einzelne Einschränkungen bei der Redefreiheit vorlagen (Apg 4,17-21), herrschte weitestgehend die Erlaubnis zum freien Reden. Durch die freimütige Verkündigung wird das Gebet der Gemeinde erhört, trotz der äußeren Bedrohung Zeugnis geben zu dürfen (Apg 4,29). Die Verkündigung ist von einer großen Kraft begleitet. Diese Kraft unterstützt die Verkündigung und verstärkt deren Wirkung. Schille (1983: 145) stellt eine Verbindung zur Wunderkraft her wie sie zum Beispiel in Apg 5,12 beschrieben wird. Es wird also abermals eine Bitte der Gemeinde erfüllt, die um Heilung, Zeichen und Wunder im Namen von Jesus Christus bat (Apg 4,30). Zusätzlich zu den Wundern als äußeren Zeichen der Macht kann unter der großen Kraft auch die Werbekraft verstanden werden, die durch die Gemeinschaft der Gemeinde entsteht. Die Atmosphäre der Liebe und gegenseitigen Anteilnahme wirkt auf die Außenstehenden anziehend und unterstützt somit die verkündete Botschaft. Im Zentrum der Verkündigung steht Jesus Christus. Diese Zentrierung auf Christus weist auch auf die Quelle der Gemeinschaft hin, die nicht auf Freundschaft gegründet ist, sondern durch den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus.

34

kai. evla,loun to.n lo,gon tou/ qeou/ meta. parrhsi,aj

35

kai. duna,mei mega,lh| avpedi,doun to. martu,rion oi` avpo,stoloi th/j avnasta,sewj tou// kuri,ou VIhsou/

36

ca,rij te mega,lh h=n evpi. pa,ntaj auvtou,j

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Als Folge des gemeinsamen Lebens und der Verkündigung war die Gemeinde von einer großen Gnade37 erfüllt. Durch den Begriff der Gnade wird das Verhältnis der Gemeinde zur Bevölkerung ausgedrückt. Sowohl der Umgang mit Besitz, also das Verhalten im Inneren, aber auch die Zeichen und Wunder als Wirkung nach außen, führten zu einer Zuneigung beim Volk. Wendel (1998: 250f) fasst die Wirkung der Gemeinde beim Volk folgendermaßen zusammen: Das positive Echo der Gemeinde auf ihre Umgebung … hat erhebliches Ausmaß, weit über die Ortsgrenze hinaus. Ursache sind nicht einzelne Personen, Aktionen oder Phänomene, sondern die Erscheinung der Gemeinde als Ganze (4,33). Im einzelnen begründet sich das Wohlwollen in der beeindruckenden sozialen Ausgestaltung der Gemeinschaft und der zugrundeliegenden Besitzethik sowie in der Wahrnehmung, dass die Gemeinde der Raum für Heilungswunder ist, die an die Wunder Jesu erinnern. Die Sympathie der Bevölkerung ist eine wichtige ekklesiologische Komponente, weil sie eine Vorstufe des Gläubigwerdens darstellt und deshalb zum Bereich der missionarischen Außenwirkung zu rechnen ist.

Das gesamte Erscheinungsbild und nicht einzelne Facetten sind also Ursache für die Beliebtheit der Gemeinde, sowohl bei den Bewohnern von Jerusalem, als auch weit über die Stadt hinaus. Diese Beliebtheit, die aus der Einheit von Wort und Tat resultiert, führt letztendlich zum kontinuierlichen Wachstum der Gemeinde, wie dies in den Wachstumsnotizen beschrieben ist38. Darüber hinaus berichten auch Einzelberichte von einer Verkündigung mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Gläubigen zunahm39. Diese Anerkennung wird auch nicht durch einzelne Repressalien getrübt, wie sie an verschiedenen Stellen erwähnt werden40. Neben der Gnade in der Bedeutung der Außenwirkung der Gemeinde und somit als Beziehungsbegriff zur Umwelt kann Gnade auch in der Beziehung zu Gott interpretiert werden. Diese zweite Bedeutung wird aus Lk 2,52 ersichtlich: Jesus nahm an Gnade bei Gott und den Menschen zu. Hiermit wird unterstrichen, dass nicht das vorbildliche Verhalten der Gemeinde zur Außenwirkung führte, sondern der gemeinsame Glaube die Voraussetzung hierfür ist. Nur der gemeinsame Glaube und die Beziehung zu Gott führen zu einer innigen Gemeinschaft, die nach außen strahlt und letztendlich zu Wachstum führen kann.

37

ca,rij: Gunst, Gnade, Wohlgefallen, Zuneigung, Beliebtheit, Volksgunst, Ehrfurcht, Dank, Dankbarkeit

(Kaegi 1962: 847) 38

Apg 6,7; 9,31; 11,21; 12,24; 13,49; 16,5; 19,20; aber auch Apg 2,47 (erster Sammelbericht) und Apg 5,14

(dritter Sammelbericht) 39

Apg 2,41; 4,4; 4,31

40

Apg 4,17-21; 5,17-18.27-28; 6,8ff; 8,1

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4 DIE HAUPTAUSSAGEN DES BIBLISCHEN TEXTES Aus der vorhergehenden Auslegung fasse ich in den nächsten drei Abschnitten die Kernaussagen zusammen. Diese bilden gleichzeitig die Grundlage für die beiden Fragebogen, die in den Anhängen 1 und 3 beigefügt sind.

4.1

Das Leben – der Glaube als gemeinsame Basis (Apg 4,32a) - These 1: Die Gemeinschaft ist durch den Heiligen Geist gestiftet und besitzt als gemeinsames Fundament den Glauben an Jesus Christus. Ursache ist somit nicht eine ideale Form der Freundschaft. Auch stehen nicht die menschlichen Bemühungen im Vordergrund. - These 2: Das Gebet ist Grundlage für das gemeinschaftliche Leben und die Wirkung nach außen. - These 3: Durch die Liebe zu Gott ist auch eine Liebe unter den Geschwistern und zu den Nächsten möglich. - These 4: Das gemeinschaftliche Leben gestaltet sich umfangreicher als die im aktuellen Summarium besprochene Gütergemeinschaft. Schwerpunkt hierbei ist eine Lebensgemeinschaft, die nicht von einem gesetzlichen Ordnungsdenken bestimmt wird. Eine soziale Gemeinschaft, die durch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl geprägt ist, lebt weiterhin in den ursprünglichen familiären Bindungen. - These 5: In der Gemeinschaft der Glaubenden gibt es keine uneingeschränkte Harmonie; vielmehr sind die Geschwister in der Lage, ihre Konflikte zu lösen.

4.2

Das Wirtschaften – ein Leben in Einheit (Apg 4,32b.34.35) - These 6: In der Urgemeinde fließen griechische und jüdische Vorstellungen von materieller Gemeinschaft zusammen: o

Als Zeichen der Freundesliebe können materielle Güter wie in einer Familie gemeinsam genutzt werden. Das Besitzrecht wird dabei nicht aufgegeben.

o

Bei Bedarf werden Besitztümer verkauft, um einen Ausgleich herzustellen. Dabei wird keine Gleichheit angestrebt. Die Höhe der Almosen sind nicht festgelegt, sondern werden vom Heiligen Geist gesteuert. Auch gibt es keine Vorschrift, beim Eintritt in die Gemeinde auf Besitz zu verzichten. Armut stellt somit kein erstrebenswertes Ziel dar. Der Ausgleich erfolgt freiwillig aus einer gemeinsamen Kasse.

- These 7: Empfänger der Almosen sind alle Bedürftigen, unabhängig von verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Beziehungen. Die Glieder der Gemeinde schotten sich nicht von der Umwelt ab. Die Verteilung der Almosen ist nicht organisiert, sondern spontan und bedürfnisorientiert. Der Heilige Geist ist Ursache der Freigiebigkeit.

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- These 8: Bedürftigkeit ist eine jede Form von Knappheit, geht also über den materiellen Ansatz hinaus. Somit ist auch ein besitzunabhängiger Ausgleich, beispielsweise von Wissen, erstrebenswert. - These 9: Beim materiellen Ausgleich sind die Apostel als Mittler zwischengeschaltet. Hiermit wird eine direkte Abhängigkeit zwischen Geber und Empfänger vermieden. Es wird also keine Vergeltung oder Wiedergutmachung erwartet. Auch wird eine Euergetes-Mentalität vermieden, also das Streben nach Macht und Ansehen unterbunden. Das „zu-Füße-legen“ bedeutet die Aufgabe des Besitzrechtes, aber auch die vollständige Unterwerfung unter Gottes Wort.

4.3

Das Verkünden – die Wirkung nach außen (Apg 4,31c.33) - These 10: Die Verkündigung stellt eine Aufgabe aller Glieder der Gemeinschaft dar. Der Geist Gottes als Ursache führt zu einer freimütigen Verkündigung der Botschaft von Jesus Christus, die auch im Umfeld der Gemeinde weitergegeben wird. - These 11: Die innere Gemeinschaft führt zu einer großen Werbekraft nach außen, die von Zeichen und Wundern begleitet wird. Die Glaubensgemeinschaft ist trotz einzelner Anfeindungen beim Volk beliebt. Die Einheit von Wort und Tat, aber auch die vorbildliche Besitzethik und Solidarität, führen zu einem hohen Ansehen der Gemeinde und zur missionarischen Außenwirkung.

5 DIE ANWENDUNG BEI DER ARBEITSGEMEINSCHAFT ELPIS Die Arbeitsgemeinschaft Elpis besteht neben Eberhard Dehn als Gründer und Leiter aus 9 Mitarbeitern. Die Struktur der Mitarbeiter ist den folgenden Diagrammen zu entnehmen:

1 3

4

4

6

7

5

4

4

2

Mann

Frau

Abb. 4: Geschlecht

Lehre

Studium

Abb. 5: Ausbildung

30-45 >60

45-60

Abb. 6: Alter in Jahren

5

Abb. 7: Betriebszugehörigkeit in Jahren

An Abbildung 5 lässt sich erkennen, dass alle Mitarbeiter eine abgeschlossene Ausbildung besitzen. Der Anteil an Akademikern liegt deutlich über der Quote von 11,8% bei der deutschen Bevölkerung (Statistisches Bundesamt 2006: 78). Durch diese Ausbildungsstruktur, die nicht typisch für einen

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Handwerksbetrieb ist, ergibt sich neben der geistlichen Ausrichtung ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen Unternehmen. Aus der Altersstruktur in Abbildung 6 ist ersichtlich, dass kein Mitarbeiter unter 30 Jahren der Arbeitsgemeinschaft angehört. Bei der Betriebszugehörigkeit ist eine Mischung aus neuen und langjährigen Mitarbeitern sichtbar. Diese Mischung spiegelt zum einen das kontinuierliche Wachstum der Gemeinschaft, zum anderen aber auch eine gegenwärtige Umbruchsituation wider. Die Thesen aus Kapitel 4 untersuchte ich mit einem strukturierten Fragebogen, der in Anhang 1 zu finden ist. Die Fragen stellte ich einerseits geschlossen, um Tendenzen zu ermitteln und eine Vergleichbarkeit sicher zu stellen, andererseits aber auch offen, um eine Vielfalt der Antworten zu ermöglichen. An der Befragung nahmen neun der zehn Mitarbeiter teil. Die vollständigen Ergebnisse der geschlossenen Fragen habe ich in Anhang 2 angefügt. Dabei blendete ich wegen der geringen Anzahl der Teilnehmer die Nennung der persönlichen Daten aus, um den Schutz der Persönlichkeit zu gewähren. Die Ausführungen bei den offenen Fragen fließen in den nachfolgenden Abschnitten ein.

5.1

Das Leben bei Elpis – der Glaube als gemeinsame Basis (Apg 4,32a)

In diesem Abschnitt untersuche ich, ob die Grundlagen für das gemeinsame Leben bei Elpis gelegt sind. Dies ist vor allem der gemeinsame Glaube an Jesus Christus und das hieraus entstehende gemeinsame Gebetsleben, die geschwisterliche Annahme und der Umgang mit Konflikten. Die Umfrage unter den Mitarbeitern von Elpis führte zu den Aussagen, die in Abbildung 8 zusammengefasst sind: gemeinschaftl. Wachstum (1.17)

1

7 5

persönliches Wachstum (1.16) Konfliktlösung (1.14)

4

2

Konfliktvermeidung (1.12)

4

1

5

Klima (1.10)

8 7

Familienleben (1.8) Annahme (1.7)

2

Gebetsleben (1.5)

7

1

geistgestiftete Gemeinschaft (1.4)

6 2

6 6

Freundschaft (1.3) Glaube als Bindeglied (1.2)

3

4

5

Persönlicher Glaube (1.1)

9 0

1

2

3

4 ja

5

6

7

8

9

eher ja

Abb. 8: Der Glaube als gemeinsame Basis Klaus Gottschalk

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In dieser und in den nachfolgenden Abbildungen beschränke ich mich wegen der Übersichtlichkeit auf die positiven Aussagen. Die negativen Bemerkungen sind hierzu komplementär und werden von mir jeweils bei den Einzelbetrachtungen erwähnt, falls dies zum Verständnis hilfreich ist.

5.1.1 These 1 Die Gemeinschaft ist durch den Heiligen Geist gestiftet und besitzt als gemeinsames Fundament den Glauben an Jesus Christus. Ursache ist somit nicht eine ideale Form der Freundschaft. Auch stehen nicht die menschlichen Bemühungen im Vordergrund. Ohne Einschränkung wird Frage 1.1 beantwortet: Demnach bekennen sich alle Mitarbeiter von Elpis als christusgläubig. Somit ist die grundlegende Voraussetzung gegeben: Elpis ist eine Gemeinschaft aus Glaubenden und erfüllt somit die Bedingung aus Apg 4,32a. Darüber hinaus bezeichnen alle ihr Verhältnis als freundschaftlich (Frage 1.3). Dies ist zwar keine Vorbedingung aus dem biblischen Text, aber sicher für das Zusammenleben in der Gemeinschaft förderlich. Im Vergleich der Fragen 1.2 und 1.3 fällt auf, dass zwar beide mit jeweils 9 Stimmen ausschließlich positiv beantwortet wurden, die uneingeschränkten Ja-Stimmen jedoch bei der Freundschaft überwiegen. Somit wird zwar der Glaube als Bindeglied bejaht, fällt jedoch gegenüber den freundschaftlichen Beziehungen leicht zurück. In Frage 1.4 bündelte ich die drei vorangehenden Fragen. Diese Zusammenfassung der drei Einzelfragen verstärkt den bisherigen Eindruck: Zwar stimmen acht Mitglieder der Aussage zu, dass Elpis eine geistgestiftete Gemeinschaft darstellt, bei der menschliche Bemühungen in den Hintergrund treten, jedoch sind nur zwei davon ohne Einschränkung überzeugt. Von sechs Mitarbeitern wurde ein einschränkendes „eher ja“ genannt. Die Einschränkung wurde von einem Mitarbeiter folgendermaßen erläutert: „Die Auffassung der Führung Gottes sind doch sehr unterschiedlich und zum Teil sehr unkonkret bei den einzelnen Mitarbeitern“. Der gemeinsame Wille, sich unter Gottes Führung zu stellen, ist zwar grundsätzlich vorhanden, bei der Interpretation von Gottes Wille gibt es jedoch unterschiedliche Ansichten. Bei der Befragung wurde mir mitgeteilt, dass dies letztendlich zu Unstimmigkeiten führt: Entscheidungen werden als rein menschlich aufgefasst, obwohl sie aus dem Hören auf Gott entstanden sind. Eberhard Dehn erwähnte in diesem Zusammenhang, dass die jetzige Ausrichtung von Elpis, also Dienstleister rund um das Wohnen und das tägliche Leben zu sein, nicht aus einem strategischen Unternehmenskonzept entstand, das auf menschlichen Überlegungen basierte. Vielmehr entwickelte sich Elpis durch die Menschen, die Gott ihnen in den Weg stellte. Durch einzelne Mosaiksteine formte sich im Lauf der Jahre das heute sichtbare Bild von Elpis. Somit haben die Mitarbeiter von Elpis auf Gottes Strategien aufgebaut und diesen vertraut. Um Fehlinterpretationen zu vermeiden ist es hilfreich, ein strategisches Konzept auszuformulieren und schriftlich festzuhalten. Einen Hauptvorteil sehe ich darin, dass die Unternehmensziele konkretisiert werden, dadurch besser vermittelbar sind und letztendlich alle Mitarbeiter das gleiche VerKlaus Gottschalk

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ständnis mitbringen. Um zu erreichen, dass es sich dabei nicht um betriebswirtschaftliche, sondern um geistliche Ziele handelt, ist eine Unterstützung durch einen geistlichen Beirat zu empfehlen. Knoblauch (2003: 325) empfiehlt hierzu: „Wählen Sie nicht mehr als zwei bis vier an Gott orientierte Menschen aus, die bereit sind, sich an Ihre Seite zu stellen, um das Verhalten Ihrer Firma zu studieren und Sie zu beraten und zu unterstützen“. Diese Berater sollten in Liebe die Wahrheit reden. Um Objektivität zu gewährleisten, ist es auch ratsam, wenn der geistliche Beirat nicht finanziell mit dem Unternehmen verknüpft ist. Auch bei Elpis könnte ein solcher Beirat bei der Formulierung der Ziele mitarbeiten. Geistliche Unternehmensziele von zwei ausgewählten Unternehmen habe ich in Anhang 5 aufgelistet.

5.1.2 These 2 Das Gebet ist Grundlage für das gemeinschaftliche Leben und die Wirkung nach außen. Das Gebetsleben (Frage 1.5) wurde von sieben Mitarbeitern als ausreichend eingestuft. Zwei antworteten mit „eher nein“, signalisierten also Bedarf nach einem intensiveren Gebetsleben. Gemeinschaftsübergreifendes Gebet findet jeden Montag bei einem geistlichen Input und einmal im Monat bei den Elpis-Tagen statt. Beim Montag-Input beginnen alle Mitarbeiter gemeinsam die Arbeitswoche und stellen diese unter den Segen Gottes. An den monatlichen Elpis-Tagen werden sowohl organisatorische Dinge besprochen, aber auch die geistlichen Belange kommen bei einem gemeinsamen Mittagessen und einer Gebetsgemeinschaft nicht zu kurz. Neben den beiden Gelegenheiten für ein organisiertes Gebet wird auch individuell bei schwierigen Aufgabenstellungen gebetet. Dies kann sowohl ein Bittgebet vor Arbeitsbeginn als auch ein Dankgebet nach erfolgreicher Tätigkeit sein. Auch Fürbittgebete für Kollegen in Notsituationen wurden als Gebetsschwerpunkt genannt. Dabei beschränkt sich der Kreis der Fürbitten nicht nur auf Elpis: Auch Kunden nennen Gebetsanliegen, für die im Kreis von Elpis gebetet wird. Das Gebetsleben ist somit Grundlage des gemeinschaftlichen Lebens, auch wenn es aus Sicht von zwei Mitarbeitern intensiver gestaltet werden sollte. Möglichkeiten für eine Intensivierung des Gebetslebens sehe ich wegen der unterschiedlichen Einsatzorte der Mitarbeiter jedoch nur auf der persönlichen Ebene.

5.1.3 These 3 Durch die Liebe zu Gott ist auch eine Liebe unter den Geschwistern und zu den Nächsten möglich. Die gegenseitige Annahme befragte ich mit Frage 1.7. Alle Mitarbeiter gaben an, dass sie sich mit all ihren Fehlern und Schwächen in der Gemeinschaft angenommen fühlen: zwei ohne Einschränkungen und sieben mit Einschränkungen. Diese gegenseitige Annahme wird sowohl durch die freundschaftlichen Beziehungen (Frage 1.3) als auch durch das überwiegend positiv eingeschätzte Betriebsklima (Frage 1.10) gestützt. Auf das Betriebsklima gehe ich bei These 5 näher ein. Die aktuelle These wird folglich durch die Aussagen der Mitarbeiter bestätigt. Klaus Gottschalk

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5.1.4 These 4 Das gemeinschaftliche Leben gestaltet sich umfangreicher als die im aktuellen Summarium besprochene Gütergemeinschaft. Schwerpunkt hierbei ist eine Lebensgemeinschaft, die nicht von einem gesetzlichen Ordnungsdenken bestimmt wird. Eine soziale Gemeinschaft, die durch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl geprägt ist, lebt weiterhin in den ursprünglichen familiären Bindungen. Wie ich in Kapitel 2.4 ausführte, setzt das zweite Summarium den Schwerpunkt des Zusammenlebens auf die wirtschaftlichen Gesichtspunkte, also einen gemeinsamen Umgang mit Gütern in Verbindung mit einer inneren geistlichen Glaubenshaltung und einer nach außen wirkenden Verkündigung. Die Schwerpunkte des ersten Summariums, also das geistlich spirituelle Leben mit Lehre, Mahlgemeinschaft und Anbetung, aber auch die Zeichen und Wunder des dritten Summariums sind nicht Gegenstand der Untersuchung. Dennoch erkenne ich aus meinen Gesprächen mit ElpisMitarbeitern, dass die über den zweiten Sammelbericht hinausgehenden Elemente nicht Teil der geschäftlichen Aktivitäten sind. Somit ist das vollumfängliche Leben, das die Gemeinde in Jerusalem auszeichnete, bei Elpis nicht vorhanden. Elpis verhält sich jedoch nicht anders als die mir bekannten kirchlichen Gemeinden: Bei diesen steht das geistliche Leben im Vordergrund; eine wirtschaftliche Gemeinschaft findet dagegen nicht beziehungsweise nur in begrenztem Umfang statt. Somit ist der erste Teil der These bei Elpis zwar nicht erfüllt, dennoch leistet die Arbeitsgemeinschaft einen kostbaren Beitrag beim Bau von Gottes Reich auf der Erde. Durch die Arbeit von Elpis werden Lücken geschlossen, die bei den konventionellen Gemeinden durch eine einseitige geistliche Haltung entstanden sind. Anders sieht es dagegen mit dem zweiten Teil der Aussage aus. Die Mitarbeiter von Elpis leben unverändert in den sozialen Beziehungen, in denen sie sich auch vor ihrem Eintritt in die Arbeitsgemeinschaft befanden. Es findet also keine kommunitäre Lebensform statt. Auch gibt es keine Vorschriften auf den Verzicht von Eigentum. Teilweise leben die Mitarbeiter in eigenen Häusern. Lediglich zur Arbeit beziehungsweise zu gemeinschaftlichen Aktivitäten treffen sich die Mitarbeiter von Elpis in den Betriebsräumen auf dem Münchhof. Dadurch sind die Voraussetzungen für einen freien Umgang mit dem Besitz und ein Leben in familiären Strukturen gegeben. Bei Elpis werden die Familien jedoch nicht nur toleriert, sondern sogar gefördert. Seit Juni 2005 ist die Arbeitsgemeinschaft Elpis durch die Hertie-Stiftung als familienfreundlicher Betrieb zertifiziert. Das Grundzertifikat, das Einzelheiten zur Zertifizierung benennt, ist in Anlage 6 abgebildet. Die Frage, ob das Familienleben durch Elpis unterstützt wird (Frage 1.8), wurde demzufolge von sieben Mitarbeitern positiv beantwortet. Die Beantwortung mit „eher ja“ weist aber auch darauf hin, dass Verbesserungspotenziale bestehen. Als positiv wurden die folgenden Maßnahmen eingestuft: - Die Arbeitszeit kann flexibel auf die familiären Bedürfnisse abgestellt werden. - Für Familien wird in den Sommerferien drei Wochen zusammenhängender Urlaub gewährt. Klaus Gottschalk

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- In Notsituationen wird flexibel und unbürokratisch Urlaub oder reduzierte Arbeitszeit gewährt. Auch besteht die Möglichkeit, bei Betreuungsengpässen die Kinder an den Arbeitsplatz mitzunehmen. - Finanziell werden Familien durch ein Ferien- und Weihnachtskindergeld unterstützt. - Es besteht die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten. Diese Möglichkeit wird von zwei Mitarbeitern genutzt. - Durch Betriebsfeiern und das Elpis-Wochenende, das einmal im Jahr durchgeführt wird, werden die Familien in die Arbeitsgemeinschaft einbezogen und das gegenseitige Verstehen gefördert. Hiermit wird das Fundament gelegt, damit in Notsituationen die Bereitschaft vorhanden ist, flexibel auf die Bedürfnisse einzugehen. Als Möglichkeit einer Verbesserung wurde angeregt, dass über die Zertifizierung der Familien hinaus auch Ehepaare verstärkt in den Blickpunkt geraten sollten. Beispielsweise kann durch die Arbeit eines Ehepartners in Wechselschicht das Eheleben gestört sein. Eine flexible Anpassung der Arbeitszeit würde hier Abhilfe schaffen und somit die Ehe als eine biblische Schöpfungsordnung gefördert. Jedoch dürfen aus meiner Sicht eheunterstützende Maßnahmen nicht zu Lasten der Familien mit Kindern gehen. Oberstes Ziel muss weiterhin bleiben, einen Rahmen zu schaffen, in dem Familien wachsen und gedeihen können. Weitere Anregungen für familiengerechte Maßnahmen konnte ich bei Knoblauch (2003: 41) finden. So ermöglicht American Health Diagnostics den Kindern von Mitarbeitern die Teilnahme an einem christlichen Sommerzeltlager. Hierdurch wird einerseits die christliche Erziehung gefördert, andererseits werden aber auch Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung während der Ferienzeit gelöst. Eine weitere Möglichkeit besteht im Aufbau einer Bibliothek für Kinder mit Büchern, die christliche Werte vermitteln. Falls sich Kinder während der Arbeitszeit am Arbeitsplatz aufhalten, haben sie dadurch die Möglichkeit einer sinnvollen Freizeitgestaltung. Als weiteren Vorschlag sehe ich Seminare zu familienbezogenen Themen wie Kindererziehung. Diese Seminare könnten auch öffentlich angeboten werden. Neben einer Unterstützung der Familien bei Elpis würde somit ein Rahmen geschaffen werden, um die familienfreundliche Ausrichtung einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

5.1.5 These 5 In der Gemeinschaft der Glaubenden gibt es keine uneingeschränkte Harmonie; vielmehr sind die Geschwister in der Lage, ihre Konflikte zu lösen. Das Betriebsklima erfasste ich mit Frage 1.10. Es wird von acht Mitarbeitern als „eher gut“ eingeschätzt, also als positiv mit einzelnen Einschränkungen. Trotz einzelner Konflikte wird das Betriebsklima also insgesamt als gut bewertet. Als besondere Maßnahmen, um das Betriebsklima auf diesem guten Niveau zu halten beziehungsweise sogar noch zu verbessern, wurde sowohl der moKlaus Gottschalk

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natliche Elpis-Tag als auch der gemeinsame Wochenbeginn mit dem Input am Montag genannt. Also dienen diese beiden Treffen nicht nur dem gemeinsamen Gebets- und Gemeinschaftsleben, sondern sie stellen darüber hinaus die Basis für ein gutes Betriebsklima her. Aber auch gemeinsame Aktivitäten außerhalb des Arbeitslebens wie Freizeiten, Wanderungen, Grillfeste oder Theaterbesuche stärken das Gemeinschaftsgefühl und tragen zu einem guten Betriebsklima bei. Trotz der guten Beziehungen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft sind Konflikte nicht vermeidbar. Hierin unterscheidet sich Elpis nicht von der Jerusalemer Gemeinde. Entscheidend ist vielmehr, in wie weit Maßnahmen ergriffen werden, um Konflikte zu vermeiden oder bereits entstandene Konflikte zu klären. Sowohl die Vermeidung von Konflikten (Frage 1.12) als auch die Klärung (Frage 1.14) wird nur von sechs Mitarbeitern als positiv eingeschätzt. Somit lässt sich erkennen, dass wegen des guten allgemeinen Klimas vorbeugende Maßnahmen nicht im maßgeblichen Blickfeld stehen und bei auftretenden Konflikten teilweise Ratlosigkeit herrscht. Diese Schwächen dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade bei den monatlichen Elpis-Tagen vorbeugend Probleme analysiert werden und somit auch potenzielle Konflikte vermieden werden. Bei auftretenden Konflikten wird Klärung in einem Vier-Augen-Gespräch, eventuell auch mit einem internen oder externen Mediator, gesucht. Peter Aschoff (2004: 83) schlägt ein vierstufiges Klärungsverfahren vor: Die erste Stufe der Klärung ist ein direktes und persönliches Gespräch – wenn irgend möglich unter vier Augen und nicht per Telefon oder gar E-mail. Sehr oft wäre das schon alles, was es zur Klärung braucht. Wenn sich das Problem damit noch nicht beheben lässt, zieht man eine unbeteiligte Person hinzu. Wenn auch das nicht hilft, muss die ganze Gruppe … entscheiden, und dann kann auch als Ultima Ratio eine Trennung erfolgen.

Das von Aschoff empfohlene Verfahren ist weitestgehend mit der Vorgehensweise von Elpis vergleichbar. Somit gehe ich davon aus, dass nicht die Methode im Zentrum der Kritik steht. Eher vermute ich, dass unzureichende Zielvereinbarungen eine Ursache für Konflikte darstellen. Katzenbach, der Hochleistungsteams untersuchte, schreibt hierzu (2003: 212): „Schon der Vorgang der Festlegung eines klaren und spezifischen Ziels an sich kann ein Team aus dem Sumpf der Konflikte untereinander und der Verzweiflung führen.“ Auch wenn bei Elpis kein Sumpf der Konflikte vorhanden ist, konnte ich bei These 1 erkennen, dass Uneinigkeit bei den geistlichen Zielen vorliegt. Die gleiche Unstimmigkeit könnte auch bei den Arbeitsinhalten vorliegen, sodass Zielvereinbarungen zu einer Reduzierung von Konflikten führen könnten. Jagelmann (2002: 73) schreibt, dass ungelöste Konflikte die stärksten Beziehungskiller darstellen. Deshalb empfiehlt er, sich bei Konflikten auf die Aufgaben und Werte zu besinnen, da hiermit die persönliche Ebene aus dem Konflikt herausgehalten wird. Auch aus dieser Sicht wird deutlich, wie wichtig klar definierte Ziele für ein Team sind. Die Reduzierung von Konflikten ist eng mit dem persönlichen geistlichen Wachstum verbunden. Alle Mitarbeiter stimmten zu, dass mit der Arbeit bei Elpis ein persönliches Wachstum stattfindet Klaus Gottschalk

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(Frage 1.16). Dieses persönliche Wachstum wird auch bei der gesamten Gemeinschaft beobachtet. Acht Mitglieder erkannten bei der Gemeinschaft ein geistliches Wachstum (Frage 1.17). Ein Unterschied bei der Beantwortung der beiden Fragen liegt darin, dass beim persönlichen Wachstum fünf Mitarbeiter uneingeschränkt mit „ja“ antworteten, beim Gemeinschaftswachstum nur einer. Diese unterschiedliche Wahrnehmung könnte in einer zeitlichen Verschiebung begründet sein: Zuerst ist ein Wachstum bei jedem Einzelnen erforderlich, bis eine Wirkung in der Gesamtheit ersichtlich ist. Als Maßnahme zur Konfliktvermeidung und zum Wachstum der geistlichen Gemeinschaft wurde die Bildung von wechselnden Teams mit unterschiedlichen Projektleitern genannt. Diese Maßnahme, auf die ich bei These 8 näher eingehen werde, fördert also nicht nur die fachliche Qualifikation, sondern auch die Weiterentwicklung der Persönlichkeit. Weitere Vorschläge, um das geistliche Wachstum zu fördern, sind gemeinsame Seminare. Diese könnten extern besucht werden, aber auch als Veranstaltungen bei Elpis zu einer Verstärkung der Außenwirkung beitragen (siehe These 4).

5.1.6 Fazit Die Hauptvoraussetzung für eine christliche Gemeinschaft, also der gemeinsame Glaube an Jesus Christus, ist bei der Arbeitsgemeinschaft Elpis gegeben. Die verschiedenen Fragen zu den Grundlagen der Gemeinschaft wurden jeweils von der Mehrheit positiv beantwortet. Freundschaftliche Beziehungen und eine geistgestiftete Gemeinschaft führen zu einem gut bewerteten Betriebsklima. Teilweise besteht jedoch ein Verbesserungspotenzial. Dies betrifft vor allem die Festlegung von Zielen, um mögliche Konflikte zu vermeiden. Elpis legt jedoch als wirtschaftliche Gemeinschaft den Schwerpunkt des Zusammenlebens nicht auf die Aspekte des ersten und dritten Summariums.

5.2

Das Wirtschaften bei Elpis – ein Leben in Einheit (Apg 4,32b.34.35)

Nachdem die Voraussetzungen bei Elpis gegeben sind, wende ich mich in diesem Abschnitt dem wirtschaftlichen Zusammenleben bei Elpis zu. In diesem Zusammenhang geht es also vor allem um den materiellen Ausgleich zwischen den einzelnen Mitarbeitern, aber auch um gegenseitige nichtmaterielle Unterstützung. Somit stellt dieser Abschnitt die Voraussetzung für die im dritten Abschnitt besprochene Außenwirkung dar. Die Einzelaussagen zu den Fragen dieses Teiles im Überblick:

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Chancen (2.11)

7

Ausgleich auch außerhalb (2.9)

1

2

2

spontane Unterstützung (2.8)

2

Entlohnung gerecht (persönlich) (2.6)

2

4 3

Familienbezug bei Entlohnung (2.5)

4

4

Entlohnung gleicht aus (2.4)

4

4

Entlohnung insgesamt gerecht (2.3)

6

gegenseitige Unterstützung (2.1)

1

3 0

1

4 2

3

4 ja

5

6

7

8

9

eher ja

Abb. 9: Ein Leben in Einheit

5.2.1 These 6 In der Urgemeinde fließen griechische und jüdische Vorstellungen von materieller Gemeinschaft zusammen: - Als Zeichen der Freundesliebe können materielle Güter wie in einer Familie gemeinsam genutzt werden. Das Besitzrecht wird dabei nicht aufgegeben. - Bei Bedarf werden Besitztümer verkauft, um einen Ausgleich herzustellen. Dabei wird keine Gleichheit angestrebt. Die Höhe der Almosen sind nicht festgelegt, sondern werden vom Heiligen Geist gesteuert. Auch gibt es keine Vorschrift, beim Eintritt in die Gemeinde auf Besitz zu verzichten. Armut stellt somit kein erstrebenswertes Ziel dar. Der Ausgleich erfolgt freiwillig aus einer gemeinsamen Kasse. Eine gegenseitige Unterstützung, wie sie den griechischen Vorstellungen entspricht, versuchte ich mit Frage 2.1 zu hinterfragen. Auf diese Frage antworteten sieben Mitarbeiter, dass eine gegenseitige Unterstützung stattfindet. Diese Hilfe findet auf zwei Ebenen statt: direkt unter den Kollegen, aber auch unter Einbeziehung von Elpis als juristische Organisation. Die direkte Unterstützung erfolgt beispielsweise durch Hilfe bei einem Umzug, durch Kinderbetreuung in Notfällen, durch Fahrgemeinschaften und vielfältige Weitergabe von Wissen bei der täglichen Arbeit. Es findet aber auch eine indirekte Unterstützung durch Elpis statt. So stehen die Firmenwagen zur privaten Benutzung zur Verfügung, aber auch die anderen Betriebseinrichtungen können von den Mitarbeitern genutzt werden. Als zukünftige Maßnahme wurde bei der Grundzertifizierung zum familienfreundlichen Betrieb angegeben, dass die geldwerten Leistungen ausgebaut werden sollen. Somit wird dieser Bereich der Unterstützung aktuell gelebt und in Zukunft sogar noch ausgebaut.

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Die Voraussetzungen beim monetären Ausgleich sind anders als bei der Jerusalemer Gemeinde. In Jerusalem gingen die Glieder der Gemeinde selbständig ihren Berufen nach. Die Besitzer von Äckern waren demnach eigenständige Landwirte. Diese verkauften von ihrem Besitz oder gaben Almosen von ihrem erwirtschafteten Gewinn. Bei der Arbeitsgemeinschaft Elpis dagegen ist Privatbesitz zwar vorhanden; dieser dient jedoch nicht als Grundlage für die Erwerbstätigkeit. An Stelle des Jerusalemer Modells der selbständigen Unternehmer tritt bei Elpis eine abhängige Beschäftigung in Kraft. Die Ausgleichsfunktion unter den Mitarbeitern wird folglich durch ein Lohnmodell gewährleistet. Bei diesem Lohnmodell wird die Größe des Haushaltes und die Anzahl der Verdiener im Haushalt berücksichtigt: Alleinstehende haben einen geringeren Bedarf als Ehepaare oder Familien, Alleinverdiener müssen im Gegensatz zu Doppelverdienern den Haushaltsbedarf ohne Unterstützung bewerkstelligen. Dieses Entlohnungsmodell war Anlass für die Frage 2.3, mit der ich die grundsätzliche Zustimmung zu dem bedarfsabhängigen Modell überprüfte. Sieben Mitarbeiter vertraten die Meinung, dass dieses Modell grundsätzlich gerecht ist. Sogar acht Mitarbeiter sind der Meinung, dass durch dieses Modell das Ziel des Ausgleiches erreicht wird, also Armut vermieden wird (Frage 2.4). Ebenfalls acht Mitarbeiter vertreten die Meinung, dass die besonderen Bedürfnisse von Familien im Entlohnungssystem berücksichtigt werden (Frage 2.5). Somit ist das Ziel einer bedarfsabhängigen Entlohnung erreicht. Auffällig ist jedoch, dass nur fünf Mitarbeiter das Entlohnungssystem für sich persönlich als gerecht empfinden (Frage 2.6). Das System wird zwar insgesamt als gerecht empfunden, aber fast die Hälfte aller Mitarbeiter findet, dass sie selbst ungerecht entlohnt wird. Von mehreren Elpis-Mitarbeitern wurde eine mangelnde Transparenz des Entlohnungssystems beklagt. Dies könnte die Ursache für die geringe Akzeptanz im persönlichen Bereich darstellen. Als Verbesserungsvorschläge wurden neben der höheren Transparenz die Festlegung von Entlohnungskriterien, eine leistungsabhängige Bezahlung und Prämien genannt. Eine höhere Transparenz ist sicherlich anstrebenswert. Bereits bei der Analyse der Thesen 1 und 5 habe ich in einem anderen Zusammenhang eine Verbesserung des Informationsflusses angeregt. Eine Festlegung von Entlohnungskriterien dient auf jedem Fall einer verbesserten Transparenz und in Folge davon einer höheren Akzeptanz. Diese Festlegung darf jedoch nicht zu einem Korsett werden. Die Urgemeinde war bei der Festlegung des Ausgleichs vom Heiligen Geist gesteuert, konnte also spontan auf außergewöhnliche Ereignisse reagieren. Dies wurde auch bei Elpis von sechs Kollegen so gesehen (Frage 2.8). Somit kann ein Entlohnungssystem zwar zur Regelung der Basisversorgung dienen, muss aber ausreichend Freiräume zur flexiblen Anpassung in Notsituationen besitzen. Eine leistungsabhängige Bezahlung und auch Prämien sind nicht grundsätzlich zu verwerfen. So war in der Urgemeinde nicht Gleichheit angestrebt, sondern Ausgleich zur Vermeidung von Armut. Eine differenzierte Entlohnung steht somit nicht im Widerspruch zu den Gepflogenheiten der Jerusalemer Gemeinde. Eine individuelle Entlohnung wäre bestimmt ein Ansporn für eine höhere Leistung. Dennoch sehe ich dabei die Gefahr, dass durch eine Klaus Gottschalk

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Bezahlung der individuellen Leistung die gegenseitige Annahme und die Integration von Schwächeren in der Gemeinschaft gefährdet ist. Teams mit unterschiedlicher qualitativer Besetzung wären in Frage gestellt, da in direkter Folge Lohnbestandteile vom Ergebnis des Teams abhängen. Durch eine leistungsabhängige Entlohnung sind die gemeinschaftlichen Voraussetzungen des vorhergehenden Abschnitts 5.1 gefährdet, hierbei vor allem die gegenseitige Annahme, die ich in These 3 untersuchte. Somit könnte ein zusätzliches Konfliktpotenzial entstehen. Da das Entlohnungssystem grundsätzlich akzeptiert ist, empfehle ich keine prinzipiellen Änderungen. Neben der Erhöhung der Transparenz wäre es allenfalls eine Jahresprämie, die nach einheitlichen Kriterien für alle Mitglieder von Elpis unabhängig von der persönlichen Qualifikation oder Leistung ausgeschüttet wird. Bei einer aktuell kleinen Gemeinschaft mit zehn Mitgliedern ist der direkte Einfluss auf das Betriebsergebnis für alle Beteiligten hoch und somit ein Anreiz durch die Prämie gegeben.

5.2.2 These 7 Empfänger der Almosen sind alle Bedürftigen, unabhängig von verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Beziehungen. Die Glieder der Gemeinde schotten sich nicht von der Umwelt ab. Die Verteilung der Almosen ist nicht organisiert, sondern spontan und bedürfnisorientiert. Der Heilige Geist ist Ursache der Freigiebigkeit. Neben dem Ausgleich innerhalb der Gemeinschaft spielte auch die Unterstützung von Armen außerhalb der Gemeinde in Jerusalem eine bedeutende Rolle. Mit Frage 2.9 wollte ich erkennen, wie die Armenunterstützung bei Elpis ausgeprägt ist. Die Antwort hat mit drei Ja-Stimmen die geringste positive Ausprägung aller Antworten. Somit erscheint bei dieser These der größte Handlungsbedarf zu bestehen. Bei den Aufzählungen zu Frage 2.10 wurde jedoch deutlich, dass Unterstützungen für Bedürftige außerhalb von Elpis stattfinden. So werden Fahrdienste übernommen, Autos kostenlos verliehen, Rechnungen gekürzt oder auch Schenkungen und Spenden durchgeführt. Die Almosen werden spontan und bedürfnisorientiert durchgeführt. Die Aussage der These ist somit erfüllt. Es stellt sich jedoch die Frage, warum diese Hilfsaktionen so wenig im Bewusstsein der Mitarbeiter verankert sind. Ein Mitarbeiter meinte, dass die Unterstützungen an Externe zwar stattfinden, aber sehr selten sind und deshalb nicht als Hauptaufgabe von Elpis betrachtet werden. Bei den Unternehmen, die von Knoblauch untersucht wurden, sind regelmäßige Spenden zu erkennen. Die Ansätze dabei sind unterschiedlich: So werden 1% des Umsatzes (2003: 24), 20% des Gewinns (: 32) oder auch 10% der Jahresgewinnerwartung (: 197) genannt. Vor allem im letzten Modell ist ein großes Vertrauen auf Gottes Wirken ersichtlich. Unabhängig vom einzelnen Modell ist allen gemeinsam, dass die Größenordnung für Hilfeleistungen festgelegt ist. Dadurch steht für alle Mitarbeiter von vornherein fest, wie viel der erwirtschafteten Leistung gespendet wird. Von der Festlegung des Rahmens unabhängig ist dagegen die Einigung auf konkrete Fälle, für die gespendet Klaus Gottschalk

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werden soll. Diese könnten beispielsweise im Rahmen der Elpis-Tage festgelegt werden. Dadurch ist einerseits Flexibilität und Spontaneität gewährleistet, andererseits aber auch sichergestellt, dass die Hilfeleistungen regelmäßig geschehen, nicht in Vergessenheit geraten und im Bewusstsein der Elpis-Mitarbeiter verankert sind.

5.2.3 These 8 Bedürftigkeit ist eine jede Form von Knappheit, geht also über den materiellen Ansatz hinaus. Somit ist auch ein besitzunabhängiger Ausgleich, beispielsweise von Wissen, erstrebenswert. Ein nichtmaterieller Ausgleich findet unter anderem durch die Tätigkeit in den wechselnden Teams statt. In diesen Teams wird nicht nur die soziale Kompetenz gefördert, wie ich dies bereits bei These 5 im Zusammenhang mit der Konfliktvermeidung beschrieb; auch die fachliche Kompetenz wird durch die unterschiedlichen Teamzusammensetzungen gefördert. Die Weitergabe von Wissen, auch verbunden mit konstruktiver Kritik, und gegenseitige Hilfestellung bei der Arbeit führen dazu, dass die einzelnen Mitarbeiter im fachlichen Bereich wachsen können. Vor allem die schwächeren Kollegen profitieren von diesem Wissensausgleich. Eine besondere Form des Ausgleichs stellt die Projektverantwortung eines jeden Einzelnen dar. Diese wächst mit den zunehmenden Fähigkeiten im Verlauf des Lernprozesses. So kann ein Anfänger beispielsweise die Renovierung eines Raumes mit Tapezierarbeiten übernehmen, ein Fortgeschrittener dagegen die Leitung eines kompletten Umbauprojektes mit Elektroinstallation, Maurer- und Innenausbauarbeiten. Diese Kompetenz in der Projektverantwortung wird ebenfalls durch einen Ausgleich von Wissen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft sichergestellt. Die Chancen bestehen aber nicht nur innerhalb der bestehenden Gemeinschaft. Elpis stellt immer wieder Mitarbeiter ein, die auf dem Arbeitsmarkt nur geringe Chancen besitzen. Diese Integration von schwächeren Kollegen wird von allen Teilnehmern der Befragung gesehen (Frage 2.11). Somit ist das äußere Wachstum von Elpis eng mit einem Ausgleich zugunsten von Menschen verbunden, die auf dem regulären Arbeitsmarkt eher wenig Hoffnung haben.

5.2.4 These 9 Beim materiellen Ausgleich sind die Apostel als Mittler zwischengeschaltet. Hiermit wird eine direkte Abhängigkeit zwischen Geber und Empfänger vermieden. Es wird also keine Vergeltung oder Wiedergutmachung erwartet. Auch wird eine Euergetes-Mentalität vermieden, also das Streben nach Macht und Ansehen unterbunden. Das „zu-Füße-legen“ bedeutet die Aufgabe des Besitzrechtes, aber auch die vollständige Unterwerfung unter Gottes Wort. Die Funktion der Apostel übernimmt in unserem Fall die Arbeitsgemeinschaft Elpis als rechtliche Organisation. Der Finanzstrom vom Kunden wird über Elpis abgewickelt. Der einzelne Mitarbeiter Klaus Gottschalk

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wird somit nicht direkt für seine Tätigkeit entlohnt. Dies ist ein Unterschied zu den Selbständigen der Jerusalemer Gemeinde. Die Entlohnung erfolgt über das bereits in These 6 beschriebene Entlohnungsmodell. Durch die Zwischenschaltung von Elpis wird jedoch derselbe Effekt erzielt, der in der Urgemeinde durch die Apostel eingetreten war: Der Ausgleich erfolgt nicht direkt zwischen den einzelnen Mitarbeitern von Elpis. Ein Abhängigkeitsverhältnis wird somit vermieden. Durch die Unterzeichnung des Arbeitsvertrages wird darüber hinaus das Anrecht der direkten Entlohnung durch den Auftraggeber aufgegeben. Dies entspricht dem „zu-Füße-legen“ der Apostel. Somit ist zwar die Vorgehensweise bei Elpis anders als in der Urgemeinde; durch die rechtliche Konstruktion und das Lohnmodell wird jedoch dieselbe Wirkung erzielt.

5.2.5 Fazit Auch das Zusammenleben bei Elpis entspricht in der Wirkung dem biblischen Vorbild der Urgemeinde. Zwar wurde mit dem Lohnmodell ein anderer Weg eingeschlagen, der jedoch zum angestrebten Ziel des Ausgleiches führt. Auch eine spontane Unterstützung innerhalb und außerhalb der Gemeinschaft ist gegeben. Eine Weiterentwicklung ist vor allem beim Lohnmodell und bei der Unterstützung von Externen denkbar. Beim Lohnmodell ist jedoch darauf zu achten, dass die Ausgleichsfunktion erhalten bleibt und kein neues Konfliktpotenzial entsteht. Bei der Unterstützung von Bedürftigen außerhalb der Gemeinschaft ist vor allem das Bewusstwerden der bereits vorhandenen Maßnahmen wichtig.

5.3

Das Verkünden bei Elpis – die Wirkung nach außen (Apg 4,31c.33)

Im letzten Abschnitt gehe ich der Frage nach, in wie weit durch das gemeinsame Leben und Wirtschaften eine Wirkung nach außen erzielt wird. Für die Außenwirkung befragte ich zusätzlich zu den Elpis-Mitarbeitern auch Glieder der Evangelisch-methodistischen Gemeinde in Kaiserslautern. Auf die Ergebnisse der Befragung werde ich bei These 11 eingehen. Von den 10 Elpis-Mitarbeitern sind 4 Glieder dieser Gemeinde in Kaiserslautern. Somit besteht trotz der rechtlichen Unabhängigkeit ein enger Kontakt zwischen der Arbeitsgemeinschaft und der Gemeinde. Zuerst die Ergebnisse der Befragung bei Elpis:

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Bekannt wegen Qualität (3.8)

9

Bekannt wegen geistl. Konzept (3.7)

1

6 2

Bekanntheitsgrad (3.5)

4

Erfahrungen (3.3)

4 5

geistlicher Hintergrund (3.2)

4 6

Verkündigung durch Tat (3.1) 0

3

2

4 ja

6

8

eher ja

Abb. 10: Die Wirkung nach außen

5.3.1 These 10 Die Verkündigung stellt eine Aufgabe aller Glieder der Gemeinschaft dar. Der Geist Gottes als Ursache führt zu einer freimütigen Verkündigung der Botschaft von Jesus Christus, die auch im Umfeld der Gemeinde weitergegeben wird. Das Verständnis von Verkündigung steht bei Elpis unter dem Motto von Franziskus von Assisi. Dieser empfahl, das Evangelium mit allen Mitteln zu predigen, notfalls auch mit Worten (Aschoff 2004: 178). Hieraus ist ersichtlich, dass Elpis vor allem durch die alternative Art des Wirtschaftens die Botschaft von Jesus Christus verkündigen möchte. Es ist bei diesem Ansatz ein Bezug zu 1Petr 3,15 ersichtlich: Petrus rät, Rede und Antwort zu stehen, wenn wir nach unserer Hoffnung gefragt werden. Bevor wir mit Worten verkündigen können, muss zuerst unsere Lebenseinstellung sichtbar werden. Durch die Fragen 3.1 bis 3.3 versuchte ich zu ergründen, in wie weit es Möglichkeiten hierzu gibt. Die Frage 3.1 zielt im wesentlichen darauf ab, ob durch die Tat das Wort Gottes verkündet werden kann. Alle neun Mitarbeiter stimmten der Frage zu, sehen also durch ihre Arbeit eine Möglichkeit der Verkündigung. Mit Frage 3.2 ergründete ich den verbalen Anteil der Verkündigung, also die Möglichkeit, den geistlichen Hintergrund zu erläutern. Auch hier stimmten alle Mitarbeiter zu, dass sie dazu Gelegenheiten erhalten. Acht Mitarbeiter gaben auch an, dass ihre Erfahrungen mit der Weitergabe von Gottes Wort als positiv einzuschätzen sind. Nach Beispielen befragt, wie es zu Gesprächen über den Glauben mit Kunden kommt, wurde mehrmals folgende Reihenfolge genannt: Zuerst steht ein christuszentrierter Lebensstil, der den Kunden neugierig macht; danach kommt es nach Kundenanfrage zu einem Gespräch über Glaubensfragen. Die Neugierde beim Kunden ist also die Voraussetzung für ein Glaubensgespräch. Die Einheit von Wort und Tat ist eine unbedingte Voraussetzung für ein glaubwürdiges Zeugnis. Somit ist auch in der Erfahrung der Mitarbeiter ein Bezug zu Franziskus von Assisi hergestellt. Die VerKlaus Gottschalk

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kündigung von Worten, die nicht mit der Umsetzung im Leben verbunden ist, führt in erster Linie zu einer Abschreckung und folglich zu einer Abwehrhaltung gegenüber dem Christentum. Bei der Internetpräsentation weist Elpis konkret auf die christlichen Motive hin. So wird auch das Motto „Die Menschen lieben und das Geld gebrauchen“ deutlich mit dem Gebot der Nächstenliebe in Verbindung gebracht. Auch die Motive wie nachhaltiges Wirtschaften werden folglich in einen christlichen Bezug gesetzt. Anders sieht es dagegen mit dem Handzettel von Elpis und dem Grundzertifikat für den familienfreundlichen Betrieb aus. Dort gibt sich Elpis als kreativer Dienstleistungsbetrieb im handwerklichen Bereich mit ökologischer Ausrichtung zu erkennen. Aus der Beschreibung ist der christliche Hintergrund nicht zu erkennen. Zwar können die einzelnen Themen wie Familienfreundlichkeit, Umweltschutz oder Bekämpfung der Armut christlich motiviert sein; es sind aber auch viele andere Motive denkbar. Hier wäre ein Nachdenken über eine Veränderung der Außenwirkung angebracht. Dies ist jedoch unter Umständen mit einem Risiko verbunden. Knoblauch (2003: 22) berichtet von einem Unternehmen, das Kunden wegen der missionarischen Ausrichtung verloren hat. Sogar ein Großkunde stand dabei zur Diskussion. Es wird von anfangs drei bis vier Briefen im Monat berichtet, in denen sich Kunden über die Ausrichtung des Unternehmens beschweren; mittlerweile sind es jedoch bei diesem Unternehmen mehr positive als negative Schreiben. Andere Unternehmer wie Niese (: 196) berichten dagegen, dass sie keine Kunden verloren haben. Es trat sogar das Gegenteil ein: Nachdem sie sich offen zu den christlichen Werten bekannten, wuchs der Umsatz kontinuierlich. Das Vertrauen auf Gott und das offene Bekenntnis hat sich letztlich in beiden Fällen zum Vorteil ausgewirkt. Aus diesem Grund empfehle ich, darüber nachzudenken, in wie weit der Bezug von Elpis zu den christlichen Wurzeln auch im Faltblatt, auf den Visitenkarten oder in Rechnungsbeilagen verdeutlicht werden kann.

5.3.2 These 11 Die innere Gemeinschaft führt zu einer großen Werbekraft nach außen, die von Zeichen und Wundern begleitet wird. Die Glaubensgemeinschaft ist trotz einzelner Anfeindungen beim Volk beliebt. Die Einheit von Wort und Tat, aber auch die vorbildliche Besitzethik und Solidarität, führen zu einem hohen Ansehen der Gemeinde und zur missionarischen Außenwirkung. Bei der Einschätzung der Außenwirkung (Frage 3.5) fällt auf, dass nur zwei Mitarbeiter davon ausgehen, dass Elpis im Umfeld der Gemeinde und bei den direkten Nachbarn bekannt ist. Diese Selbsteinschätzung bedeutet, dass die missionarische Außenwirkung von Elpis als sehr gering einzuschätzen ist. Auch ist bemerkenswert, dass nach der eigenen Einschätzung mehr die handwerkliche Qualität zum Bekanntheitsgrad beiträgt als das geistliche Konzept: Alle Mitarbeiter nannten die Qualität als Ursache (Frage 3.8), aber nur sieben das geistliche Konzept (Frage 3.7). Diese Selbsteinschätzung bewerte ich grundsätzlich positiv, da sie die handwerkliche Tätigkeit in den Vordergrund stellt und folglich die Verkündigung als Folge der Arbeit betrachtet. Diese Erkenntnis stützt Klaus Gottschalk

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noch einmal das Ergebnis von These 10: Die Tat ist Voraussetzung für eine wirksame Verkündigung. Die Einschätzung der Außenwirkung steht jedoch in Widerspruch zu den Möglichkeiten, welche die Mitarbeiter im Zusammenhang mit der Außendarstellung nannten. So wurden mehrere Berichte in der Presse, im Hörfunk und auch im Fernsehen genannt. Vor allem im Zusammenhang mit der familienfreundlichen Zertifizierung wurden einige Reportagen veröffentlicht. Aber auch Vorträge durch Eberhard Dehn stellen eine Möglichkeit für Elpis dar, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ein Mitarbeiter gab an: „Wir haben im Verhältnis zu normalen Firmen eine gigantische Publicity in Funk, Fernsehen und Presse. Das Beste ist aber immer noch das persönliche Gespräch und die Weiterempfehlung durch zufriedene Kunden.“ Auch an dieser Stelle wird noch einmal die Zufriedenheit der Kunden hervorgehoben. Neben der Öffentlichkeitsarbeit im Medienbereich werden auch einmal im Jahr Hoftage veranstaltet, um die Arbeitsgemeinschaft bei den Nachbarn bekannt zu machen. Diese Hoftage wurden auch schon in Verbindung mit einem Gottesdienst gestaltet, um zusätzlich die geistliche Ausrichtung deutlich hervortreten zu lassen. Da die Möglichkeiten der Selbstdarstellung riesig erscheinen, aber die Ergebnisse als eher schwach eingeschätzt werden, führte ich in der Gemeinde eine Befragung durch, in der ich untersuchte, in wie weit dort die Motive von Elpis bekannt sind. Die Befragung umfasste 40 Teilnehmer, also ungefähr die Hälfte der regelmäßigen Gottesdienstbesucher. Von den Befragten sind 22 auch Kunden bei Elpis. Die Kundenstruktur sieht folgendermaßen aus:

1 15

5

Abb. 11: Geschäftsbeziehung in Jahren

sporadisch

11

selten

einmal

Abb. 12: Häufigkeit der Geschäftsbeziehungen

Die Mehrzahl der Kunden in der Gemeinde haben zu Elpis mehr als fünf Jahre geschäftliche Beziehungen. In Abbildung 12 lässt sich erkennen, dass die Hälfte sporadisch, also einmal im Jahr Kunde bei Elpis ist. Der Rest war bisher nur einmal Kunde oder hat eine seltene Beziehung, also weniger als einmal pro Jahr. Die Umfrage unter allen Gemeindegliedern nach dem Bekanntheitsgrad der einzelnen Motive kam zu folgendem Ergebnis:

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Nachhaltigkeit

17

Familienfreundlichkeit

10 30

Mitarbeiterförderung

2

18

8 31

Mitarbeiterintegration

5

33

Entlohnungsprinzip 0

5

10

15

4 20

ja

25

30

35

40

eher ja

Abb. 13: Bekanntheitsgrad der Motive

Insgesamt wussten 39 von 40 Befragten, dass Elpis von christlichen Motiven getrieben ist. Somit war das erste Ergebnis, dass der Bekanntheitsgrad von Elpis und die zugrunde liegenden Motive zumindest im Gemeindeumfeld als hoch einzuschätzen sind41. In der Gemeinde waren vor allem das Entlohnungsprinzip (37 von 40) und die Integration von Mitarbeitern (36 von 40) bekannt. Auch die Familienfreundlichkeit konnte mit 32 Nennungen noch einen hohen Bekanntheitsgrad aufweisen. Mit dem Entlohnungsprinzip hat das Prinzip des Ausgleichs, also die Besitzethik und Solidarität am meisten dazu beigetragen, dass die christlichen Motive bekannt sind. Die Nachhaltigkeit, die als christlicher Auftrag unter dem Gesichtspunkt „Bewahrung der Schöpfung“ zu sehen ist, wurde nur von 27 Gliedern als ein Aufgabenfeld von Elpis betrachtet. Somit haben die drei am meisten genannten Motive einen direkten Bezug zum untersuchten Gemeindesummarium. Die Aussage der These 11 wurde somit voll erfüllt. Interessant ist auch noch die Frage, welche der genannten Motive dazu beitragen, ob jemand Kunde bei Elpis ist beziehungsweise wird:

41

Eine Befragung bei den Nachbarn konnte ich aus zeitlichen Gründen nicht durchführen. Sie wäre aber im

Rahmen weiterer Untersuchungen empfehlenswert. Klaus Gottschalk

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Nachhaltigkeit

25

Familienfreundlichkeit

12

20

14

Mitarbeiterförderung

17

16

Mitarbeiterintegration

16

18

Entlohnungsprinzip

13 0

5

16 10

15

20 ja

25

30

35

40

eher ja

Abb. 14: Anreiz der Motive, um Kunde zu sein

Es ist auffallend, dass der Anreiz, Kunde zu sein, im Gegensatz zum Bekanntheitsgrad der einzelnen Motive steht. Die Nachhaltigkeit, die in keinem direkten Zusammenhang zum Summarium steht, ist in 37 Fällen Anreiz für eine Geschäftsbeziehung. Dagegen ist das ausgleichende Entlohnungsprinzip als Kernaussage mit 29 Nennungen auf den letzten Platz zurückgefallen. Eine Unterscheidung in Kunden beziehungsweise Nichtkunden verändert dieses Erscheinungsbild nicht. Anders sieht es jedoch bei einer getrennten Untersuchung nach Altersklassen aus: hier zeigt sich, dass der Effekt aus der Klasse der unter 45jährigen stammt:

Nachhaltigkeit

23

13

Familienfreundlichkeit

17

Mitarbeiterförderung

20 20

13

20 21

Mitarbeiterintegration 14

Entlohnungsprinzip 0

4

8

12

Bekanntheitsgrad

16

22 20

24

Anreiz

Abb. 15: Bekanntheit und Anreiz bis 45 Jahre

In dieser Altersklasse stellen die Mitarbeiterintegration, die Mitarbeiterförderung und die Familienfreundlichkeit mit jeweils 20 Nennungen einen hohen Anreiz dar. Bei diesen drei Kriterien schwankt der Bekanntheitsgrad zwischen 13 und 21 Nennungen. Bei den anderen Motiven NachhalKlaus Gottschalk

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tigkeit und Entlohnungsprinzip sind Extreme festzustellen: Die Nachhaltigkeit hat einen geringen Bekanntheitsgrad, stellt aber einen hohen Anreiz dar. Dagegen ist das Entlohnungsprinzip zwar fast bei allen bekannt, stellt aber nur einen vergleichsweise geringen Anreiz dar, Kunde bei Elpis zu sein oder zu werden. Bei den unter 45jährigen sind 9 Kunden und 15 Nichtkunden vorhanden. Diese Altersklasse stellt also das größte Potenzial an zukünftigen Kunden dar. Bei der Altersklasse über 45 Jahre ist dagegen eine Stabilität bei allen Motiven zu erkennen42: Bei 16 Befragten dieser Altersstufe ist jedes Motiv bei 13 bis 15 bekannt und gleichzeitig auch Anreiz. Die über 45jährigen wissen also sehr viel über Elpis und halten auch alle Motivationsfaktoren für sehr wichtig. Das Entlohnungsprinzip stellt mit 15 Nennungen sogar den größten Anreiz dar. In dieser Altersklasse sind bereits 13 der Befragten Kunden, nur 3 sind Nichtkunden. Hier ist also nur ein geringes Potenzial für Neukunden vorhanden. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es demnach lohnenswert, bei den unter 45jährigen das Angebot an Dienstleistungen bekannt zu machen, die mit dem ökologischen Sektor verwandt sind. Hierzu gehören Photovoltaikanlagen, Solarthermikanlagen oder auch Pflanzenkläranlagen. Da aus dieser Altersgruppe die künftigen Bauherren heranwachsen, ist mit einem wirtschaftlichen Wachstum für Elpis zu rechnen. Diese Annahme lässt sich auch deshalb stützen, da der Bereich des Umweltschutzes der zur Zeit am meisten wachsende Wirtschaftsbereich ist. Neben der betriebswirtschaftlichen Seite darf jedoch die geistliche Komponente nicht vernachlässigt werden. Diese besitzt meines Erachtens wegen des Anliegens von Elpis sogar den höheren Stellenwert. Auf geistlicher Seite muss der Altersgruppe unter 45 Jahren vermittelt werden, dass das Entlohnungsprinzip ein Mittel des Ausgleichs zwischen Arm und Reich darstellt und in Folge dessen ein unterstützenswertes Anliegen ist. An diesem Punkt verlassen wir jedoch den Bereich, der von Elpis derzeit vermittelbar ist. Die Information, dass die Mitarbeiter von Elpis bedarfsgerecht entlohnt werden, ist nämlich 22 von 24 Befragten bekannt. Es liegt somit nicht an einem Informationsdefizit. Vielmehr liegt es daran, dass das Prinzip des Ausgleichs nicht als erstrebenswert erscheint. Folglich ist eine Lehre erforderlich, durch die vermittelt wird, wie wichtig es ist, das Prinzip des Ausgleichs in der Praxis zu leben. Aus meiner Sicht sind hierzu zwei grundsätzliche Vorgehensweisen möglich: - Elpis baut den Bereich der Schulung aus. Das Wissen um die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge ist bei Elpis vorhanden. Auch können die Mitarbeiter von Elpis am besten von ihren Erfahrungen berichten. - Die kirchlichen Gemeinden erkennen ihren Schulungsauftrag auch auf wirtschaftlichem Gebiet. In diesem Fall betrifft es vor allem die Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche in Kaiserslautern. Themen wie eine ausgleichende Entlohnung müssen sich zu 42

Wegen der homogenen Aussagen verzichte ich auf eine eigenständige Abbildung.

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Schwerpunktthemen in der Predigt, den Hauskreisen und Bibelgesprächskreisen entwickeln. Diese beiden unterschiedlichen Vorgehensweisen lassen sich selbstverständlich auch kombinieren: Die kirchliche Gemeinde erkennt die Notwendigkeit, das zweite Summarium, neben den beiden anderen Summarien, zu ihrem zentralen Bestandteil zu erheben, lädt aber für die Lehre und für Erfahrungsberichte Praktiker aus dem Umfeld von Elpis ein. Diese Kombination erscheint mir als die beste Lösung, da hierdurch die Trennung des geistlichen Bereichs vom wirtschaftlichen Bereich verringert wird. Anzustreben wäre darüber hinaus sogar die Aufhebung dieser Trennung, also die Umsetzung von Modellen des wirtschaftlichen Zusammenlebens in einem geistlichen Umfeld.

5.3.3 Fazit Die Botschaft von Jesus Christus wird durch die Arbeit von Elpis verbreitet. Dabei steht eine Verkündigung durch das Leben im Vordergrund. Erst auf Nachfrage durch den Kunden wird die Botschaft auch mit Worten verkündigt. Ergänzend hierzu empfehle ich, die geistliche Ausrichtung von Elpis auch mit den verschiedenen Werbemedien wie Handzettel und Visitenkarten zu verdeutlichen. Bei der Einschätzung der Werbekraft gehen die Elpis-Mitarbeiter davon aus, dass sie durch ihr Verhalten - im Gegensatz zur Qualität ihrer Arbeit - nur eine geringere Außenwirkung erzielen. Dagegen zeigt die Befragung in der Gemeinde, dass die christliche Motivation dort sehr gut bekannt ist. Jedoch steht die Notwendigkeit, Konzepte des wirtschaftlichen Ausgleichs zu unterstützen, nicht im Blickpunkt der Gemeinde. Deshalb ist es erforderlich die Trennung von Gemeinde mit geistlicher Ausrichtung und Elpis mit wirtschaftlicher Orientierung aufzuheben.

6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 6.1

Die Ergebnisse der Arbeit

Die in Abschnitt 4.1 definierten Thesen, die den Glauben als Basis eines gemeindlichen Lebens festlegen, sind bei der Arbeitsgemeinschaft Elpis grundsätzlich erfüllt: Alle Mitarbeiter bekennen sich zu Jesus Christus als ihren gemeinsamen Herrn. Sowohl das gemeinschaftliche als auch das individuelle Gebet dienen einer engen Beziehung zu Jesus, die in Folge davon auch zu einer gegenseitigen Annahme führt. Die Mitarbeiter von Elpis leben weiterhin in ihrem sozialen Umfeld, das im Falle der Familien von Elpis sogar gefördert wird. Trotz der gegenseitigen Annahme und auch freundschaftlichen Beziehungen ist das Leben bei Elpis nicht konfliktfrei: Vorhandene Konflikte werden jedoch durch Gespräche einer Lösung zugeführt. Ein Konfliktpotenzial existiert unter anderem wegen unklarer geistlicher Ziele: In diesem Fall könnte ein geistlicher Beirat unterstützend wirken.

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Beim zweiten Bereich, den in Abschnitt 4.2 definierten Thesen zum Leben in einem wirtschaftlichen Ausgleich, sind die größten Unterschiede zur Gemeinde in Jerusalem aufgetreten. Grundsätzlich sind sowohl die griechischen als auch die römischen Ansätze einer materiellen Gemeinschaft erfüllt: Eigentum wird gemeinsam genutzt, aber auch durch Verzicht anderen zur Verfügung gestellt. Diese ausgleichende Funktion wird innerhalb von Elpis durch ein bedarfsorientiertes Lohnmodell erzielt. Durch das Lohnmodell wird das Ziel des Ausgleichs erreicht. Es wurde jedoch teilweise eine verbesserte Transparenz gewünscht. Die Funktion der Apostel als Mittler zwischen den Reichen und den Armen übernimmt Elpis als juristische Person: Der Ausgleich erfolgt nicht direkt, sondern durch die bedarfsabhängige Lohnzahlung. Auch zu Menschen, die außerhalb von Elpis stehen, werden ausgleichende Maßnahmen unternommen. Diese zeichnen sich einerseits durch eine Vielfalt aus, andererseits aber durch Unregelmäßigkeit. Folglich sind diese Handlungen nicht im Bewusstsein der Mitarbeiter verankert. Auch hier empfiehlt sich eine größere Transparenz und auch eine Regelmäßigkeit. Ein letzter Bereich dieses Abschnitts betrifft das Gemeindeleben bei Elpis im Kontext aller Summarien. Hier zeigt sich, dass der Schwerpunkt auf dem zweiten Summarium liegt, die anderen beiden Summarien dagegen nur nachgeordnet betrachtet werden. Ein vollständiges Gemeindeleben ist bei Elpis somit nicht vorzufinden. Der dritte Bereich in Abschnitt 4.3 beschreibt die Verkündigung und Wirkung der Gemeinde in ihrem Umfeld. Dabei wird versucht, vor allem durch die Tat zu verkündigen. Wenn Kunden neugierig werden, wird die Botschaft von Jesus Christus zusätzlich mit Worten erläutert. Der Aspekt der Verkündigung ist somit bei Elpis gegeben. Der Erfolg der Außenwirkung wird in der Selbsteinschätzung als gering angesehen, obwohl die einzelnen Maßnahmen in der Gemeinde bekannt sind. Problematisch ist im Zusammenhang mit der Gemeinde der geringe Anreiz der ausgleichenden Maßnahmen: Die Kernfunktion des gemeindlichen Lebens besitzt nur eine geringe Anziehungskraft. Um dieses Defizit zu beheben ist die Lehre in diesem Bereich zu verstärken. Grundsätzlich sind also die drei Bedingungen „Glaube – Leben – Wirkung“ erfüllt. Auch wenn es in einzelnen Bereichen Verbesserungsmöglichkeiten gibt, sind meine in der Einleitung gestellten Fragen positiv beantwortet: Ein Leben, wie es in Apg 4,31c-35 von der Urgemeinde berichtet wird, ist auch unter den heutigen Bedingungen anwendbar und unterscheidet sich wohltuend von den Negativschlagzeilen der Wirtschaftsunternehmen.

6.2

Ausblick

Meine bisherigen Untersuchungen beschränkten sich auf Elpis als ein Wirtschaftsunternehmen, das auf christlichen Werten aufgebaut ist. Kennzeichnend ist bei Elpis, dass ausschließlich Christen bei der Arbeitsgruppe beschäftigt sind. In der Vergangenheit waren auch vereinzelt Nichtchristen angestellt, die sich jedoch nicht dauerhaft integrieren ließen. Im Vergleich hierzu beschäftigen die von Knoblauch (2003) befragten Unternehmen größtenteils Nichtchristen. Somit stellt sich mir die Fra-

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ge, ob diese Unternehmen an ihrer Ausrichtung Einschränkungen vornehmen mussten. Eine Ausdehnung meiner bei Elpis durchgeführten Analyse auf christlich geprägte Unternehmen, die Nichtchristen beschäftigen, wäre in dieser Hinsicht aufschlussreich. Auffallend ist auch, dass viele der bei Knoblauch aufgeführten Unternehmen zu den kleineren gehören: Von den 24 befragten Unternehmen beschäftigen 15 weniger als 100 Mitarbeiter. In diesem Zusammenhang beschäftigt mich die Frage, ob es Wachstumsbeschränkungen bei Unternehmen auf christlicher Basis gibt. Es könnte sich ähnlich verhalten wie beim Gemeindewachstum, bei dem es auch Größenordnungen gibt, die das weitere Wachstum behindern. Ein dritter Bereich für zukünftige Untersuchungen ist die Integration eines Ausgleich schaffenden Verhaltens in einer herkömmlichen Gemeinde. Die größte Schwäche der aktuellen Arbeitsteilung von Elpis und klassischer Gemeinde besteht darin, dass jeder für sich nur einen Teilbereich der Funktionen wahrnimmt und somit die Ausstrahlung nach außen geschwächt ist. Wie viel größer wäre die Leuchtkraft einer Gemeinde, die den Umfang von allen drei Summarien aufweist. Es wäre somit weitere Untersuchungen wert, ob es bereits Gemeinden gibt, die auch in wirtschaftlichen Bereichen stark sind. Alternativ hierzu könnte erforscht werden, welche Maßnahmen in eine Gemeinde integriert werden können, um Ausgleich zu erzielen und somit auch die Aussagen des zweiten Summariums zu gewährleisten. Im Rahmen einer Gemeindefreizeit der evangelisch-methodistischen Gemeinde in Kaiserslautern beschäftigten wir uns mit der Frage, wie wir die Ergebnisse dieser Arbeit aus dem wirtschaftlichen Umfeld im Gemeindealltag umsetzen können. Dabei bearbeiteten wir in vier verschiedenen Arbeitsgruppen folgende Hypothesen: - Eine Eigenorganisation geht über unsere Kräfte und Möglichkeiten. Deshalb wollen wir mit externen Einrichtungen wie Elpis oder diakonischen Werken zusammenarbeiten. - Wir möchten die Schwerpunkte der Arbeit im Rahmen unseres definierten Gemeindeauftrages umsetzen. Dazu nutzen wir die bereits vorhandenen Möglichkeiten wie Predigt, Lehre oder Kinderarbeit. - Wir sehen die Schwerpunkte der Arbeit als einen zusätzlichen Auftrag für die Gemeinde an. Diesen möchten wir im Rahmen unserer Möglichkeiten wie Gebäude, Finanzen oder Mitarbeiter umsetzen. - Wir sehen die Schwerpunkte als einen zusätzlichen Auftrag an. Bei der Umsetzung lassen wir uns nicht von irgendwelchen Hindernissen bremsen. Die Vielfalt der Ergebnisse aus den einzelnen Arbeitsgruppen bereiten mir großen Mut. Wenn sich Gemeinden unter der Leitung des Heiligen Geistes auf den Weg machen, die Ausgleich schaffende Kraft des Evangeliums neu zu entdecken, wird auch in der heutigen Zeit die Wirkung der Urgemeinde nicht ausbleiben: Aus dem Staunen und Beobachten wird ein Glaube, der die Welt verändert. Klaus Gottschalk

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BIBLIOGRAPHIE Allgemeine Quellen Dehn, Eberhard 2006. Die Arbeitsgemeinschaft Elpis. ag-elpis.de. Online im Internet: http://www.ag-elpis.de [28.12.2006] Dietzfelbinger, Ernst 1986. Das Neue Testament. Interlinearübersetzung Griechisch – Deutsch. Holzgerlingen: Hänssler Verlag. Kaegi, Adolf 1962. Benselers Griechisch – Deutsches Wörterbuch. Leipzig: B. G. Teubner Verlagsgesellschaft. Nestle, Eberhard & Aland, Kurt 1979. Novum Testamentum Graece. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft. Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2006. Datenreport 2006. Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. Wikipedia 2006a. Mannesmann. de.wikipedia.org. Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Mannesmann [29.12.2006] Wikipedia 2006b. VW-Korruptionsaffäre. de.wikipedia.org. Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/VW-Korruptionsaffäre [29.12.2006] Wikipedia 2006c. BenQ. de.wikipedia.org. Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/BenQ [29.12.2006]

Literatur zur Auslegung Behm, Johannes 1920. Kommunismus und Urchristentum. Neue kirchliche Zeitschrift. Nr. 31, 275297. Beyer, Hermann Wolfgang 1955. Die Apostelgeschichte. Bd. 5. Das Neue Testament Deutsch. Neues Göttinger Bibelwerk. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. de Boor, Werner 1973. Die Apostelgeschichte. Wuppertaler Studienbibel. Wuppertal: R. Brockhaus Verlag. Brakemeier, Gottfried 1988. Der ‚Sozialismus’ der Urchristenheit. Experiment und neue Herausforderung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Degenhardt, Hans-Joachim 1965. Lukas – Evangelist der Armen. Besitz und Besitzverzicht in den lukanischen Schriften. Stuttgart: Katholisches Bibelwerk. Gradl, Hans-Georg 2005. Zwischen Arm und Reich. Das lukanische Doppelwerk in leserorientierter und textpragmatischer Perspektive. Würzburg: Echter Verlag. Haenchen, D. Ernst 1957. Die Apostelgeschichte. Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Hauck, Friedrich 1921. Die Stellung des Urchristentums zu Arbeit und Geld. Gütersloh: C. Bertelsmann.

Klaus Gottschalk

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Held, Heinz Joachim 1997. Den Reichen wird das Evangelium gepredigt. Die sozialen Zumutungen des Glaubens im Lukasevangelium und in der Apostelgeschichte. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag. Hengel, Martin 1973. Eigentum und Reichtum in der frühen Kirche. Aspekte einer frühchristlichen Sozialgeschichte. Stuttgart: Calwer Verlag. Hörster, Gerhard 1998. Bibelkunde und Einleitung zum Neuen Testament. Wuppertal: R. Brockhaus Verlag. Klauck, Hans-Josef 1982. Gütergemeinschaft in der klassischen Antike, in Qumran und im Neuen Testament. Revue de Qumran. 47-79. Lohse, Eduard 2000. Umwelt des Neuen Testaments. Bd. 1. Das Neue Testament Deutsch - Ergänzungsreihe. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Michaelis, Wilhelm 1954. Einleitung in das Neue Testament. Die Entstehung, Sammlung und Überlieferung der Schriften des Neuen Testaments. Bern: Berchthold Haller Verlag. Neudorfer, Heinz-Werner 1996. Apostelgeschichte 1. Teil. Bd. 8. Edition C. Neuhausen-Stuttgart: Hänssler-Verlag. Pesch, Rudolf 1995. Die Apostelgeschichte (Apg 1-12). Bd. 5/1. Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag. Petracca, Vincenzo 2003. Gott oder das Geld. Die Besitzethik des Lukas. Bd. 39. Texte und Arbeiten zum neutestamentlichen Zeitalter. Tübingen: Francke Verlag. Reicke, Bo 1957. Glaube und Leben der Urgemeinde. Bemerkungen zu Apg. 1 – 7. Bd. 32. Abhandlungen zur Theologie des Alten und Neuen Testaments. Zürich: Zwingli-Verlag. Schille, Gottfried 1983. Die Apostelgeschichte des Lukas. Bd. 5. Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament. Berlin: Evangelische Verlagsanstalt. Schmithals, Walter 1973. Lukas – Evangelist der Armen. Theologia viatorum. Nr. 12, 153-167. Schnelle, Udo 1999. Einleitung in das Neue Testament. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. Wendel, Ulrich 1998. Gemeinde in Kraft. Das Gemeindeverständnis in den Summarien der Apostelgeschichte. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag. Zimmermann, Heinrich 1961. Die Sammelberichte der Apostelgeschichte. Biblische Zeitschrift. Nr. 5, 71-82.

Literatur zur Anwendung Aschoff, Peter 2004. Mit Gott im Job. Ganzheitlich leben – Gott am Arbeitsplatz begegnen. Wuppertal: R. Brockhaus Verlag. Greene, Mark 1999. Der Fischteich im Büro. Unkonventionelle Evangelisationsmethoden für die 5 längsten Tage der Woche. Gießen: Brunnen Verlag. Jagelmann, Ian 2002. Leiten – Dienen – Zukunft bauen. In der Gemeinde Menschen führen, Teams fördern, Wachstum erleben. Gießen: Brunnen Verlag. Katzenbach, Jon R & Smith, Douglas K 2003. Teams. Der Schlüssel zur Hochleistungsorganisation. Frankfurt: Verlag Moderne Industrie. Klaus Gottschalk

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Knoblauch, Jörg & Opprecht, Jürg 2003. Jesus auf der Chefetage. Von Unternehmern weltweit lernen. Holzgerlingen: Hänssler Verlag. Maxwell, John C 2002. Leadership. Die 21 wichtigsten Führungsprinzipien. Gießen: Brunnen Verlag. Maxwell, John C 2002. Charakter und Charisma. Die 21 wichtigsten Qualitäten erfolgreicher Führungspersönlichkeiten. Gießen: Brunnen Verlag. Wright, Walter C 2003. Der Beziehungsfaktor. Mitarbeiterorientiert führen. Ziele gemeinsam erreichen. Gießen: Brunnen Verlag.

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ANHANG 1: MITARBEITERFRAGEBOGEN (0) Persönliche Daten (0.1) Geschlecht: Frau

Mann

(0.2) Alter < 30 Jahre

30 – 45

45 – 60

> 60

(0.3) Betriebszugehörigkeit < 1 Jahr

1–5

>5

Lehre

Studium

(0.4) Berufsausbildung ohne Abschluss

(1) Das Leben bei Elpis – Der gemeinsame Glaube (1.1) Der gemeinsame Glaube an Jesus Christus ist die Grundlage des Lebens in der Urgemeinde. Ist dieser Glaube auch das Fundament in deinem Leben? ja

nein

(1.2) Empfindest du den Glauben als Bindeglied zwischen den Mitarbeitern von Elpis? ja

eher ja

eher nein

nein

(1.3) Bestehen freundschaftliche Beziehungen zu den Kollegen bei Elpis? ja

eher ja

eher nein

nein

(1.4) Kannst du folgender Aussage zustimmen: „Die Arbeitsgemeinschaft Elpis ist durch den Heiligen Geist gestiftet und besitzt als gemeinsames Element den Glauben an Jesus Christus. Die menschlichen Bemühungen für das gemeinsame Leben stehen nicht im Vordergrund.“ ja

eher ja

eher nein

nein

(1.5) Wie empfindest du das Gebetsleben bei Elpis? völlig ausreichend Klaus Gottschalk

ausreichend

eher nicht ausrei- nicht ausreichend chend IGW International

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(1.6) Wie wird das Gebetsleben gelebt?

(1.7) Fühlst du dich in der Gemeinschaft mit all deinen Fehlern und Schwächen angenommen? ja

eher ja

eher nein

nein

(1.8) Empfindest du, dass dein Familienleben durch Elpis unterstützt wird? ja

eher ja

eher nein

nein

(1.9) Wenn „ja“ oder „eher ja“: In welcher Form wird das Familienleben durch Elpis unterstützt?

(1.10) Empfindest du das Klima als harmonisch? ja

eher ja

eher nein

nein

(1.11) Welche Maßnahmen werden ergriffen, um das Betriebsklima zu verbessern?

(1.12) Gibt es Maßnahmen, um Konflikte zu vermeiden? ja

eher ja

eher nein

nein

(1.13) Welche Maßnahmen zur Konfliktvermeidung werden angewendet?

(1.14) Werden vorhandene Konflikte gelöst? ja

Klaus Gottschalk

eher ja

eher nein

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nein

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(1.15) Welche Maßnahmen zur Konfliktbereinigung werden ergriffen?

(1.16) Findet bei dir persönlich ein inneres Wachstum durch die Arbeit bei Elpis statt? ja

eher ja

eher nein

nein

(1.17) Findet in der Gemeinschaft insgesamt ein geistliches Wachstum statt? ja

eher ja

eher nein

nein

(1.18) Was könnte getan werden, um das geistliche Wachstum zu fördern?

(2) Das Wirtschaften bei Elpis – Ein Leben in Einheit (2.1) Findet unter den Mitgliedern von Elpis eine gegenseitige direkte Unterstützung statt? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.2) In welcher Form wird diese Unterstützung geleistet?

(2.3) Empfindest du das bedarfsabhängige Entlohnungssystem als insgesamt gerecht? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.4) Führt das Entlohnungssystem zu einem Ausgleich und somit zu einer Vermeidung von Armut? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.5) Werden familiäre Bedürfnisse bei der Entgeltbestimmung einbezogen? ja

Klaus Gottschalk

eher ja

eher nein

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nein

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(2.6) Empfindest du die Entlohnung für dich gerecht? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.7) Wie könnte das Entlohnungssystem verbessert werden?

(2.8) Werden außerhalb der vertraglichen Regelungen auch spontan Unterstützungen durchgeführt? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.9) Wirkt der materielle Ausgleich auch außerhalb von Elpis? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.10) In welcher Form werden Bedürftige außerhalb von Elpis unterstützt?

(2.11) Haben bei Elpis auch Mitarbeiter eine Chance, die auf dem Arbeitsmarkt eher chancenlos sind? ja

eher ja

eher nein

nein

(3) Verkünden durch Elpis – Die Wirkung nach außen (3.1) Siehst du Möglichkeiten, bei deiner Arbeit das Wort Gottes durch deine Tat zu verkündigen? ja

eher ja

eher nein

nein

(3.2) Gibt es Gelegenheiten, den geistlichen Hintergrund deutlich zu machen? ja

eher ja

eher nein

nein

(3.3) Sind deine Erfahrungen bei diesen Gelegenheiten als positiv einzuschätzen? ja

Klaus Gottschalk

eher ja

eher nein

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nein

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(3.4) Welche Möglichkeiten siehst du, damit durch Elpis die Botschaft von Jesus Christus verbreitet wird?

(3.5) Schätzt du den Bekanntheitsgrad von Elpis in der Gemeinde und bei den Nachbarn als hoch ein? ja

eher ja

eher nein

nein

(3.6) Welche Maßnahmen werden durchgeführt, um den Bekanntheitsgrad zu erhöhen?

(3.7) Steht der Bekanntheitsgrad von Elpis mit dem geistlichen Konzept in Verbindung? ja

eher ja

eher nein

nein

(3.8) Wird die handwerkliche Qualität von Elpis als hoch eingeschätzt? ja

eher ja

eher nein

nein

(4) Weitere Anmerkungen

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ANHANG 2: AUSWERTUNG MITARBEITERFRAGEBOGEN

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ANHANG 3: GEMEINDEFRAGEBOGEN (0) Allgemeine Daten (0.1) Geschlecht: Frau

Mann

(0.2) Alter < 30 Jahre

30 – 45

45 – 60

> 60

(0.3) Kunde bei Elpis ja

nein

(0.4)Gemeindeumfeld von Elpis ja

nein

(1) Allgemeine Daten bei Kunden: Frage 0.3 mit „ja“ beantwortet (1.1) Wie lange dauert die Beziehung zu Elpis? < 1 Jahr

1 – 5 Jahre

> 5 Jahre

(1.2) Wie häufig sind die geschäftlichen Beziehungen zu Elpis? regelmäßig:

sporadisch: ein-

selten: weniger

mehrmals im

mal jährlich

als jährlich

Einmalkunde

Jahr (1.3) Wie wurde der Kontakt zu Elpis geknüpft? Gemeinde

persönlicher

Kunden-

Kontakt zu Mit-

empfehlung

sonstiges

arbeiter

(2) Für alle Teilnehmer der Befragung (2.1) Die Arbeitsgemeinschaft Elpis versucht, christliche Werte im Alltag zu leben. Ist diese grundsätzliche Motivation bekann? ja Klaus Gottschalk

eher ja

eher nein IGW International

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(2.2) Die Entlohnung der Mitglieder von Elpis ist bedarfsorientiert. Es wird also nicht nach Stellung im Unternehmen oder Ausbildung bezahlt, sondern nach den persönlichen Lebensumständen. Dabei werden beispielsweise Familien den Einzelpersonen bevorzugt oder Alleinverdiener den Mehrfacheinkommen. Ist dieses Prinzip bekannt? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.3) Ist dieses bedarfsabhängige Entlohnungssystem ein Anreiz, um Kunde bei Elpis zu sein bzw. zu werden? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.4) Elpis versucht, auch Mitarbeiter zu integrieren, die Schwierigkeiten am regulären Arbeitsmarkt besitzen. Ist dieses Prinzip bekannt? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.5) Ist die Integration von Mitarbeitern unabhängig von Alter, Herkunft oder Qualifikation ein Anreiz, um Kunde bei Elpis zu sein bzw. zu werden? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.6) Bei der täglichen Arbeit werden die Mitarbeiter von Elpis individuell gefördert. So übernehmen sie je nach Erfahrung Projektverantwortung und erleben somit eine ganzheitliche Verantwortung. Ist dieses Prinzip bekannt? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.7) Ist die Förderung der Mitarbeiter ein Anreiz, um Kunde bei Elpis zu sein bzw. zu werden? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.8) Elpis ist als familienfreundlicher Betrieb zertifiziert. Ist diese Tatsache bekannt? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.9) Ist die Zertifizierung von Elpis als familienfreundlicher Betrieb ein Anreiz, um Kunde bei Elpis zu sein bzw. zu werden? ja

eher ja

eher nein

nein

(2.10) Elpis versucht durch eine nachhaltige Verhaltensweise, die Schöpfung zu bewahren. Hierzu gehört beispielsweise die Verwendung von einheimischen und auch nachwachsenden Rohstoffen. Ist diese Tatsache bekannt? ja Klaus Gottschalk

eher ja

eher nein IGW International

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(2.11) Stellt die nachhaltige Verhaltensweise einen Anreiz dar, um Kunde bei Elpis zu sein bzw. zu werden? ja

eher ja

eher nein

nein

(3) Für Kunden: Frage 0.3 mit „ja“ beantwortet (3.1) Ist die christliche Grundhaltung bei der Arbeit von Elpis spürbar? ja

eher ja

eher nein

nein

(3.2) Sind Sie Kunde von Elpis wegen der christlichen Motivation von Elpis? ja

eher ja

eher nein

nein

(3.3) Ist der Preis entscheidend für die Vergabe von Aufträgen an Elpis? ja

eher ja

eher nein

nein

(3.4) Ist die Qualität entscheidend für die Vergabe von Aufträgen an Elpis? ja

eher ja

eher nein

nein

Raum für weitere Ergänzungen

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ANHANG 4: AUSWERTUNG GEMEINDEFRAGEBOGEN

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ANHANG 5: AUSWAHL GEISTLICHER UNTERNEHMENSZIELE American Delphi, Inc. (Knoblauch 2003: 46) „American Delphi, Inc. verpflichtet sich, den Kunden der von uns belieferten Branchen sowohl Qualitätsprodukte als auch nicht zu übertreffenden Service zu bieten. Was uns treibt, ist, Jesus Christus in allen Aspekten unseres Geschäftes zu verherrlichen und dabei Prinzipien, Moral und Ethik der Bibel umzusetzen. Indem wir dies tun, werden wir sämtliche Angestellten, Lieferanten und Kunden mit Respekt behandeln – alles zur Ehre Gottes.“ TopTech Holding (Knoblauch 2003: 196) De Niese Code (10 Gebote für das Wirtschaftsleben): - Wir ehren Gott in allem, was wir tun. - Wir konzentrieren uns auf unser eigenes Ziel. - Wir streben nach ehrlicher und zielgerichteter Kommunikation. - Wir sorgen für regelmäßige Ruhe, Reflexion und Erholung. - Wir lernen von der Erfahrung und Lebensweisheit Älterer. - Wir wahren die Würde und die Rechte eines jeden Einzelnen. - Wir wahren die Stabilität der Familien. - Wir gehen mit den uns anvertrauten Mitteln sorgfältig um. - Wir gründen unsere Auskünfte auf Wahrheit und Fakten. - Wir gönnen einander den erworbenen Besitz.

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ANHANG 6: DAS GRUNDZERTIFIKAT VON ELPIS

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ideaSchweiz l 09/2008

Umsetzung der grossen Studienreform

Neue Lernfelder bei IGW Mit grundlegenden Neuerungen richtet IGW sich noch stärker auf sein Hauptziel aus, Menschen umfassend für ihren Dienst auszubilden. IGW hat die grosse europäische Bildungsreform zum Anlass genommen, sein Ausbildungskonzept grundsätzlich zu überarbeiten und sich, so Co-Rektor Michael Girgis, «noch einmal neu zu erfinden.» Zum Start des Studienjahres im September 07 wurden daher teilweise tiefgreifende Neuerungen lanciert. So orientiert sich das Bachelor-Programm (BA), das Männer und Frauen in 4 Jahren für ihren Dienst in Gemeinden oder christlichen Werken ausbildet, neu an drei «Lernfeldern»: Theorie, Praxis und Praxisbegleitung. Theorie deckt ab, was man gemeinhin unter schulischer Aus-

bildung versteht: Hier wird auf allen Gebieten der Theologie das für den Dienst notwendige Fachwissen vermittelt. Die Michael Praxis, bei IGW Girgis immer schon ein wichtiges Ausbildungselement, wird noch stärker in den Studiengang eingebunden, so dass im praktischen Dienst erworbene Kompetenzen dem Studium nun angerechnet werden können. Im Bereich Praxisbegleitung schliesslich werden in neu entwickelten Kursmodulen die grossen Ausbildungsthemen Persönlichkeitsentwicklung und Jüngerschaft über die gesamten 4 Jahre des Studiums vertieft. Ausführliche Informationen zur grossen Studienreform finden Sie auf www.igw.edu ➝ Ausbildung ➝ Studienreform 2010. Cla Gleiser, Studienleiter IGW

Neue Fachrichtung bei IGW

Studiengang Missionale Theologie Der Ruf nach qualifizierten und missionarischen Fachkräften in Werken, Gemeindeverbänden und Missionsgesellschaften wird immer lauter. Spürbar ist vor allem der Mangel an klassischen Evangelisten. Für den Dienst an Bevölkerungsgruppen aus orientalischen bzw. überseeischen Ländern werden auch Inlandmissionare gesucht. Gerade die Ausbildung zum Missionsdienst unter Moslems wird zunehmend an Wichtigkeit gewinnen. IGW stellt sich diesen neuen Herausforderungen und rüstet Menschen zum Dienst aus – nicht nur für die bisherigen klassischen Missionsländern, sondern gerade auch für das europäische Umfeld. Aus diesem Grund erweitert IGW sein Angebot an Fachrichtungen auf BA-Niveau: Neben Theologie (Schwerpunkt systematische Illustration: www.gleiser.ch

und biblische Fächer), praktischer Theologie, Missiologie und Sozialdiakonie steht IGWStudenten ab September 2008 ein Studiengang in missionaler Theologie offen. Die neue Fachrichtung hat folgende Schwerpunkte:

1. Evangelisation im nachchristlichen Europa Seit einigen Jahren fehlen zunehmend Evangelisten für Gemeinden und spezielle übergemeindliche Anlässe. Wir sind überzeugt, dass dieser Dienst für die Zukunft wieder verstärkt gefragt sein wird. IGW wird sich vermehrt für die Gewinnung und Ausbildung von Menschen einsetzen, die in diesem Dienst ihre Zukunft sehen.

2. Gemeindegründung und Gemeindebau Europa ist zum klassischen Missionskontinent geworden. Damit gewinnt die Thematik «Mission»

Relevanz für Gemeindebau und Evangelisation in unserer Gesellschaft. Die Ausbildung bei IGW vermittelt zuHelmut künftigen PionieKuhn ren und Gemeindegründern in diesen Bereichen Fachkompetenz und Perspektive.

3. Transkulturelle Mission Mission findet vor unserer eigenen Haustüre statt. Religionen und Weltanschauungen aus verschiedenen Kulturen prägen unsere Gesellschaft. Gerade der Dienst unter Moslems wird an Wichtigkeit zunehmen. IGW wird Studierende befähigen, das Evangelium in einer multikulturellen Gesellschaft weiterzugeben. Dabei sucht das Institut bewusst die Zusammenarbeit mit evangelistisch und missionarisch tätigen Partnern. Helmut Kuhn, Direktor EE

Studiengang Bachelor of Arts (BA) Ziel: vollzeitlicher Dienst in Gemeinde oder Mission Voraussetzung: abgeschlossene Berufslehre Dauer: 4 Jahre (180 Credits)

Studiengang Master of Theology (BTh-MTh) Ziel: vollzeitlicher Dienst in Gemeinde oder Mission Voraussetzung: Matura/Abitur Dauer: 5 Jahre (300 Credits)

Studiengang igw.network Ziel: ehrenamtliche Mitarbeit in der Gemeinde Voraussetzung: abgeschlossene Berufslehre Dauer: 1 Jahr (30 Credits) mit Anschlussmöglichkeit an BA oder BTh-MTh www.igw.edu

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ideaSchweiz l 14/2008

Kirche und Sozialarbeit

Virtuelle Sozialdiakonie? «Wenn die Kirchen mehr leben würden, was sie predigen, dann würden Leute wie ich auch wieder hinkommen.» In den Kirchen wird zwar viel unternommen, um dieser Kritik zu begegnen. Aber für den grossen Teil der Gesellschaft ist die gute Nachricht von Jesus Christus, wie sie von der Kirche verkündet wird, zu wenig greifbar. Gleichzeitig gibt es immer mehr Menschen, die am Rande stehen und durch die Maschen des Sozialstaates fallen. Die verschiedenen Sozialwerke sind angesichts zunehmender Not und abnehmender Mittel nicht mehr in der Lage, genügend Hilfe zu leisten. Menschen in unserem Land erhalten zwar finanzielle Unterstützung, sind aber trotzdem einsam, überfordert, haben

keine sinnvolle Beschäftigung und können auch grundlegende Herausforderungen des Lebens nicht mehr alleine beOlivier wältigen. Enderli Die Erkenntnis wächst, dass die Kirchen ihre gesellschaftliche Verantwortung neu wahrnehmen müssen. Hans-Peter Lang, Gründer und Leiter der Aargauer Stiftung Wendepunkt, moniert, dass wir «die christlichen Werte Wahrheit und Fürsorge – Grundlage des christlichen Abendlandes – verlassen haben. Die Kirche verkündet zwar gesellschaftlich relevante Sozialdiakonie, aber diese bleibt ein rein virtuelles Angebot. Wir Christen haben unsere Glaubwürdigkeit verloren und zer-

stören so das uns anvertraute Evangelium, weil wir die Botschaft der Liebe und Gnade nicht leben.» Die drei Ur-Aufträge, die den Zweck der Kirche ausmachen, wollen wieder gemeinsam wahrgenommen werden: Bezeugung des Evangeliums (Martyria), die Anbetung Gottes (Liturgia) und schliesslich der praktische Dienst am Menschen (Diakonia). Daraus wächst eine ganzheitlich aktive, lebendige Gemeinde, wo der Dienst am Menschen durch die Menschen in den Kirchen geschieht und nicht nur an kirchliche Sozialwerke delegiert wird. Mit diesem Bild vor Augen brechen Gemeinden auf zu einem neuen Abenteuer von Kirche, die lebt, was sie predigt. olivier Enderli, Projektleiter FSSM

IGW und FSSM: eine «sehr wichtige» Partnerschaft

Die Herausforderung packen Eine Kirche, die ihr sozialdiakonisches Engagement aufbauen will, sieht sich mit Herausforderungen konfrontiert, denen vor dem Hintergrund einer rein theologischen Ausbildung schwer zu begegnen ist. Häufig fehlen Wissen und Erfahrung für den Aufbau von Behördenkontakten und die Erarbeitung von Betreuungskonzepten. Projekte müssen geplant, Märkte analysiert, Businesspläne entwickelt und Finanzen beschafft werden. Die Ausbildungspartner Fachschule für Sozialmanagement (FSSM) und IGW haben sich das Ziel gesetzt, Menschen für diesen Dienst grundlegend und praxistauglich auszubilden. «Für mich ist die Zusammenarbeit von IGW und FSSM sehr wichtig. In meiner Ausbildung am IGW bekam ich die Grundlage, welche Sicht Gott von den Menschen hat, wie Gemeinde sein soll und wie wichtig Ge-

meindearbeit ist. Durch die Kurse an der Fachschule für Sozialmanagement erkannte ich, wie die praktische Ruedi Eggenberger Umsetzung der Theologie bei Menschen ausserhalb der Gemeinden aussehen kann. In dieser Kombination kommen Worte und Taten in ein Gleichgewicht, das mein Denken und Handeln befruchtet. Ich will für mich als Jugendarbeiter verstehen, wie ich meine Arbeit effizienter und gesellschaftsrelevanter gestalten kann. Denn ich bin überzeugt: Mit Worten allein verändert man keine Gesellschaft – aber mit aufopfernder Liebe und Hingabe, wie das Beispiel von William Booth, Gründer der Heilsarmee zeigt. Oder auf mich als Vater bezogen: Was bedeutet meinem Kind mehr? Wenn ich ihm sage, dass ich es liebe oder wenn ich es einfach in den Arm nehme?»   

Ruedi Eggenberger, Jugendarbeiter der Evangelischen Kirchgemeinde Niederuzwil, ist Absolvent des BA-Studienganges in der Fachrichtung Sozialdiakonie, die IGW im Jahr 2006 in Zusammenarbeit mit der Fachschule für Sozialmanagement lanciert hat. Cla Gleiser, Studienleiter IGW

Beispiele aus der Praxis • Chrischona Frauenfeld, Stiftung Wetterbaum, www.wetterbaum.ch • Heilsarmee Huttwil, Beschäftigungsprogramm Leuchtturm, www.projekt-leuchtturm.ch • GvC Winterthur, Stiftung Quellenhof, www.qhs.ch • Vineyard Bern, DaN, www.vineyard-dan.ch • ICF Zürich, Stiftung ACTS, www.icf.ch/acts.html • EMK Zürich 4, NetZ4, www.netz4.ch

IGW bietet mit seinem gemeindeintegrierten und praxisorientierten Modell seit über 15 Jahren neue Ansätze in der theologischen Ausbildung. Der Schwerpunkt der neuen Fachrichtung Sozialdiakonie besteht im Verständnis des Zusammenspiels von Sozialarbeit, Management und Theologie. Studierende im Bachelor-Programm absolvieren das Grundstudium (2 Jahre) komplett bei IGW, bevor sie im Aufbaustudium (3. und 4. Jahr) Kurse im Bereich Sozialdiakonie bei der Fachschule für Sozialmanagement besuchen und ein dreimonatiges Praktikum in einem christlichen Sozialwerk absolvieren. Alternativ besteht die Möglichkeit, die zweijährige, berufsbegleitende Weiterbildung zum „Sozialmanager“ an der Fachschule für Sozialmanagement zu besuchen. Auch auf diesem Weg ist es möglich, nachträglich über IGW einen Abschluss auf Bachelor-Stufe nachzuholen.

Die Fachschule für Sozialmanagement bietet eine Weiterbildung für Menschen an, die sich im diakonischen und sozialen Bereich engagieren, Projekte realisieren oder Führungsverantwortung übernehmen wollen. Das modular aufgebaute Kursangebot umfasst die Fachbereiche Management, Sozialarbeit und Theologie. Es wird mit einem Praxiseinsatz abgerundet. Auch der Besuch einzelner Kurse als Gasthörer ist möglich. Gegründet wurde die Schule im Jahr 2004 von der Stiftung Wendepunkt. www.igw.edu www.sozialmanager.ch