Gemeinsamer Praktikumsbericht

Gemeinsamer Praktikumsbericht Praktikum im Rahmen des Südafrika Praktiums an der Hermannsburg Combined School Autoren: Judith Hammer, Michael Gminder...
Author: Alexa Pohl
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Gemeinsamer Praktikumsbericht Praktikum im Rahmen des Südafrika Praktiums an der Hermannsburg Combined School

Autoren: Judith Hammer, Michael Gminder, Jasmin Schwenk, Marina Weinreich und Anna Will

Inhaltsverzeichnis: 1. Vorbereitung des Aufenthalts 2. Das eigentliche Praktikum 2.1 Die Unterkunft 2.2 Informationen zur Schule

3. Unser Praktikum konkret 3.1 Streichprojekte 3.1.1 Aufenthaltsraum 3.1.2 Klassenschilder 3.1.3 Chorraum 3.1.4 Schulemblem

3.2 Zahnputzprojekt 3.3 Schuluniformen

4. Reflexion 5. Zustimmungsklausel

1. Vorbereitung des Aufenthaltes Schon weit vor der eigentlichen Reise beginnt das Erlebnis „Blockpraktikum in Südafrika“. Es gibt sehr viele Dinge die früh genug organisiert werden müssen und viele offene Fragen, welche ebenfalls geklärt werden müssen. Es stehen Behördengänge an, man macht sich etwas Sorgen über die sprachlichen Barrieren und möchte natürlich auch seine mitreisenden Kommilitonen/innen kennen lernen. Als Vorbereitung auf unseren Aufenthalt in Südafrika, hat die PH Weingarten die optimale Lösung mit einem wöchentlichen Tutorium gefunden. In den ersten Sitzungen des Tutoriums ging es hauptsächlich darum, seine Mitreisenden möglichst gut kennen zu lernen, um später eine einfache Gruppenaufteilung vorzunehmen. Des Weiteren half uns das Tutorium dabei einen Einblick in die Kultur und Geschichte des Landes Südafrika zu bekommen. Auch möglicherweise auftretende Probleme während unseres Aufenthalts wurden besprochen und offene Fragen geklärt. Gegen Ende des „Vorbereitungssemesters“ wurden dann erste Reisetipps, Packlisten und andere wichtige letzte Fragen besprochen. Alles in allem war das Tutorium somit sehr hilfreich und aufklärend. Dennoch könnte man nachfolgenden Praktikanten noch folgende Tipps geben: Die Flugtickets sollten so früh wie möglich gekauft werden, da diese mit der Zeit nur immer teurer werden. Es schadet auch nicht schon früh vor Reiseantritt sich einen Reiseführer oder Bücher über das Land Südafrika oder die Provinz Kwazulu-Natal anzuschaffen, da diese durchaus brauchbare Informationen enthalten, und eventuelle auftretende Fragen somit auch schon weit im Voraus besprochen werden können.

2. Das eigentliche Praktikum 2.1 Die Unterkunft Im nordöstlichen Südafrika liegt unser Zielort: Hermannsburg. Mit nur ein paar Häusern und kleinen Dörfern in der direkten Umgebung, sind die Einwohner dort auf die naheliegenden Städte wie Greytown oder Pietermaritzburg angewiesen. Wir waren beim evangelischen Pfarrer untergebracht, der in seinem Garten ein Gästehaus hatte. Dieses Haus gehört zwar der Kirche, aber es wurde uns, wie auch den anderen Gruppen vor uns, netterweise zur Verfügung gestellt.

Das Haus hatte acht Räume, die an einem Flur links und rechts angeordnet waren und in einem Bad mit drei Duschen, zwei Toiletten und zwei Waschbecken endete. Wir haben von den acht Zimmern aber nur drei genutzt. Mit auf dem Gelände waren noch zwei weitere Gebäude. Zum einen ein Küchengebäude , das wir aber nicht genutzt haben und noch ein weiteres Haus, das aber leer stand und zu dem wir auch keinen Zugang hatten. Der Pfarrer hatte, wie die meisten Familien in Südafrika, zwei Wachhunde. Die ließ er nachts immer in den Garten, da sie tagsüber in der Garage eingesperrt waren. Dadurch war es uns nicht möglich während dieser Zeit nach draußen zu gehen oder irgendwelche Sachen draußen liegen zu lassen. Die Abmachung mit dem Pfarrer war, dass die Hunde von 22 Uhr bis 7 Uhr im Garten sein dürfen. Leider war er nicht bereit für die wenigen Abende an denen wir ausnahmsweise später nach Hause kamen, die Hunde ein bisschen später rauszulassen.

2.2 Allgemeine Informationen zur Schule Die Hermannsburg Combined School ist eine staatliche Schule, die ausschließlich von schwarzen und farbigen Schülern besucht wird. Die Kinder stammen aus der Umgebung , was aber nicht bedeutet, dass sie nur einen kurzen Schulweg hatte, und kommen meist aus sehr ärmlichen Verhältnissen. An der Schule gibt es einen Kindergarten, den die Kinder vor der ersten Klasse besuchen können. Danach folgen die Klassen 1 – 12, diese werden so oft besucht bis man das jeweilige Niveau erreicht hat, um dann in die nächste Klasse versetzt zu werden. Der Abschluss nach der 12. Klasse ist vergleichbar mit dem deutschen Abitur. In den Klassen reicht die Spanne von 20 bis zu 100 Schülern pro Klassenzimmer, wodurch die Planung des Unterrichts enorm erschwert wird und auf jede Klasse individuell zugeschnitten werden muss. Meistens planen die Lehrer aber einen Unterricht für klasse a und b, besser wäre es allerdings oft, die Parallelklassen anders zu unterrichten. Für die Klassen 1 bis 4 ist, ähnlich wie in Deutschland, ein fester Lehrer zuständig, der dann alle Fächer unterrichtet. Danach werden die SchülerInnen fachspezifisch von den Lehrern unterrichtet. Die Ausstattung der Klassenzimmer ist auf das Nötigste beschränkt. So hat zwar jedes Kind einen Tisch und Stuhl oder eine feste Schulbank, jedoch sind die Tische oft viel zu klein oder die Kinder sitzen auf zu engem Raum aufeinander. Teilweise saßen die Kinder bis hinten an die Wand und vorne bündig zur Tafel.

Es gibt insgesamt 18 Klassenzimmer, ein Zimmer für den Kindergarten, ein Lehrerzimmer und das Sekretariat, sowie einen Computerraum und einen großen Sportplatz. Der Computerraum wird allerdings sehr selten benutzt. Mehrmals haben wir erlebt, dass das Schul-Department ohne Vorankündigung in die Schule kam und die Unterrichtsstunden von verschiedenen Lehrern hospitierte. Denn wenn ein Lehrer eine Unterrichtsstunde nicht wie vom Department vorgegeben hält oder den Zeitplan nicht einhält, muss er sich vor dem Department rechtfertigen.

3. Unser Praktikum konkret 3.1 Streichprojekte 3.1.1 Aufenthaltsraum Einer unserer ersten Aufgaben, die wir in den sechs Wochen an der Schule erledigten, war die Umgestaltung des Dachvorsprungs am Lehrergebäude. Als wir an der Schule ankamen sah dieser aus wie eine Rumpelkammer. Wir erkannten aber sofort, dass man daraus einen schönen überdachten Pausenplatz herrichten konnte. So kauften wir in der nahegelegenen Stadt Greytown Farben und Pinsel und machten uns daran die kaputten Stühle und Tische, die dort übereinander gestellt waren, wegzuräumen. Einige Tische waren noch zu gebrauchen und um diese etwas freundlicher zu gestalten, strichen wir sie mit der Südafrikaflagge und der Deutschlandflagge an. Nach einer Streichpause kamen wir zurück und bemerkten, dass sich die Schüler während unserer Pause Pinsel und Farbe gegriffen und auf einen Tisch „You are welcome“ geschrieben hatten. So beschlossen wir zwei weitere Tische mit dem gleichen Aufschrieb auf Deutsch und isiZulu zu bestreichen. Nachdem dies erledigt war, fegten wir den Boden und begannen die Wände zu streichen. Da von einer Praktikumsgruppe schon eine Afrikaflagge vorgemalt war und uns diese sehr gefiel, erneuerten wir sie und strichen die Wände weiß an. Wir bekamen für unsere Arbeit sowohl von Lehrern als auch von den Schülern viel Lob und seit her nutzen einige Schüler den Platz um dort ihre Mittagspause zu verbringen.

3.1.2 Klassenschilder Die Schule besteht aus mehreren Gebäuden und am Anfang war die Klassenzimmerverteilung sehr verwirrend für uns. Damit wir uns und natürlich auch die Lehrer sich besser zurechtfinden können, besorgten wir im Baumarkt Holzlatten und beschrifteten diese mit der entsprechenden Klasse mit der übrig gebliebenen Farbe. Jedes Klassenzimmer, das Lehrerzimmer und das Sekretariat bekam dann ein solches Holzstück an die Tür. Die Schüler waren sehr stolz auf ihre Klassenschilder und jeden Nachmittag nach Schulende wurden die Schilder ins Klassenzimmer gehängt und am nächsten Tag wieder nach draußen an die Tür.

3.1.3 Chorraum Aus einem Abstellraum, der mit alten Tischen voll gestellt war, haben wir einen Raum gestaltet, der nun als Übungsraum für den Schulchor dient.

3.1.4 Schulemblem Um das Schulgelände etwas herzurichten und den Stolz auf die eigene Schule zu stärken, strichen wir eine Wand auf dem Schulhof mit dem Schulemblem, das auf jeder Krawatte der Schüler und Schülerinnen abgebildet ist. Da wir keinen Tageslichtprojektor oder etwas Ähnliches zur Verfügung hatten, mussten wir dieses frei in Übergröße malen. Zwar hatten wir eine Leiter, doch der Boden war nicht gerade eben und so mussten wir ziemlich aufpassen, dass niemand von der wackeligen Leiter fiel. Doch zum Glück ging alles gut und alle freuten sich über unser Abschiedsgeschenk an die Schule.

3.2 Zahnputzprojekt Bevor wir nach Südafrika aufbrachen, sprachen wir mit der Gruppe, die voriges Jahr in Hermannsburg war. Sie erzählten uns, dass sie letztes Jahr ein Zahnputzprojekt mit der ersten und zweiten Klasse gemacht hatten und rieten uns dazu, dies auch zu machen. So sammelten wir schon von daheim aus nicht nur Geld- sondern auch Materialspenden. Dass wir insgesamt 200 Zahnbürsten und 50 Zahnpastatuben zusammen bekommen würden, hätten wir nicht gedacht. Doch am Abreisetag hatten wir ein Zusatzgepäck nur mit Zahnbürsten. Wir beschlossen, das Projekt nur mit der ersten Klasse durchzuführen, da diese schon aus 100 Kindern bestand. Jeden Tag nach der Pause riefen wir drei Mal jeweils 30 Schüler und Schülerinnen zusammen um gemeinsam die Zähne am Wasserplatz zu putzen. Beim ersten Mal erklärten wir ihnen, warum es wichtig ist, die Zähne täglich zu putzen. Da die Kinder nur ein paar Wörter Englisch verstanden, nutzten wir Bilder, Hände und Füße um ihnen zu verdeutlichen, dass süße Sachen Karies hervorbringen und dass man dies durch Zähneputzen vorbeugen kann. Viele der Kinder hielten zum ersten Mal eine Zahnbürste in der Hand und wir zeigten ihnen alles Schritt für Schritt. Nach der ersten Woche dichteten wir sogar ein Zahnputzlied auf die Melodie von Bruder Jakob, das die Kinder schnell auswendig konnten. Die Kindergartengruppe war so begeistert, dass ihre Lehrerin nach einer Woche zu uns kam und uns fragte, ob wir nicht auch mit ihren Schülern die Zähne putzen könnten und so hatten wir ab der zweiten Woche noch eine Gruppe zum Zähneputzen.

3.3 Schuluniformen Die Schuluniformen, die die Schüler trugen, waren bei manchen von Löchern übersät oder zerrissen, da die Schuluniform meistens das einzige Kleidungsstück ist, das ein Schüler besitzt. Häufig werden die Uniformen auch den kleineren Geschwistern weitergegeben und so kam es nicht selten vor, dass ein

Schüler eine viel zu enge oder auch enorm große Hose trug. Da wir nicht für jeden Schüler und jede Schülerinnen eine neue Schuluniform kaufen konnten, gingen wir von Klasse zu Klasse, um herauszufinden, welche Schüler eine neue Uniform am nötigsten hatten. Dabei stellten wir fest, dass viele Kinder und Jugendliche versuchten auf die Liste zu kommen, obwohl ihre Uniform noch gut aussah und passte, oder uns zum Teil auch anflunkerten. Beim Einkauf der Uniformen trat ein neues Problem auf: Die Läden, insgesamt waren es drei Läden im Umkreis von 60 Kilometern, die wir aufsuchten, konnten mit unserer Bestellmenge nicht mithalten und so bekamen wir in den 6 Wochen, in denen wir an der Schule waren, noch weniger Pullover als geplant. Zum Glück hatten wir Praktikantinnen kennengelernt, die an der deutschen Schule in der Nähe unserer Schule für ein Jahr unterrichten. Diese Mädchen haben nach unserem Aufenthalt unsere restliche Bestellung abgeholt und an der Schule verteilt.

4. Reflexion In Südafrika konnten wir viel an Eindrücken, sowohl für unser zukünftiges Schulleben als auch für uns persönlich hinzugewinnen. Die Menschen in Hermannsburg haben uns mit offenen Armen empfangen und uns gezeigt, dass es für Menschen aus anderen Ländern sehr hilfreich ist, wenn man ihnen herzlich und selbstverständlich entgegentritt. So wurde es für uns etwas leichter zu verstehen, wie sich eventuell Kinder fühlen, die später möglicherweise aus einem anderen Land in unsere Klasse stoßen, und somit eine komplett andere Umgebung mit anderen Sitten

und anderer Sprache zunächst kennenlernen

müssen. Wir konnten viel von ihnen lernen, genauso wie sie von uns lernten. Besonders die Disziplin, die die Schülerinnen und Schüler dort haben, beeindruckte uns. Trotz extrem großer Schüleranzahl einer Klasse, hörten alle der Lehrperson aufmerksam zu. Auch konnten wir viel von ihrer Kultur und Geselligkeit kennenlernen. Das morgendliche Assembley (singen und beten der gesamten Schule) zeigte uns ein „Ankommen“ und gemeinsames „Starten“ in den Tag, was für viele dort von wichtiger Bedeutung ist. Im Unterricht konnten wir erkennen, dass einige Themen behandelt werden, die ebenfalls in Deutschland behandelt werden. Deshalb konnten wir uns in den von uns studierten Fächer gut einbringen. Das Vorbereiten gestaltete sich selbstverständlich etwas schwieriger als in der Heimat, ohne Internet und teilweise ohne Bücher. Allerdings bekamen wir auch einige Defizite mit, so z.B. zur deutschen Geschichte. Aus diesem Grund haben wir besonders viele Klassen über die deutsche Kultur und Geschichte aufgeklärt. Auch in Sport konnten wir mit vielen neuen Übungen zeigen, wie wir den Sportunterricht verstehen (in Südafrika wird eher gesungen und etwas getanzt). Nicht nur in der Schulzeit pflegten wir den Kontakt zu den Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler, sondern auch in unserer Freizeit. Da kam es oft vor, dass wir von Schülerinnen oder Schüler in unserer Unterkunft besucht wurden und wir mit ihnen Fußball spielten oder dass wir von Lehrpersonen zum Essen oder zu Ausflügen eingeladen wurden. Die Herzlichkeit dieser Menschen und die wunderschöne Schulzeit werden uns sicherlich in sehr guter Erinnerung bleiben.

5. Zustimmungsklausel Hiermit stimmen wir, Judith Hammer, Michael Gminder, Jasmin Schwenk, Marina Weinreich und Anna Will, der Veröffentlichung unseres Praktikumsbericht auf den Internetseiten der Pädagogischen Hochschule Weingarten zu. Weingarten, den 7.6.13 Judith Hammer, Michael Gminder, Jasmin Schwenk, Marina Weinreich und Anna Will