Zukunft der Fachhochschulen

Zukunft der Fachhochschulen Prof. Dr. Herbert Eichele Rektor Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg Vorsitzender der Konferenz der Präsidenten und Re...
Author: Karsten Lenz
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Zukunft der Fachhochschulen Prof. Dr. Herbert Eichele Rektor Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg Vorsitzender der Konferenz der Präsidenten und Rektoren der bayerischen Fachhochschulen

Herausforderungen für Fachhochschulen in der Zukunft

Q Q Q Q Q Q

Die demografische Entwicklung Die verfügbaren Ressourcen Die Fachhochschulen im internationalen Vergleich Die Dynamik der Wissensgesellschaft Die Weiterentwicklung der Praxisorientierung Die Positionierung im Hochschulsystem

Die Grünen im Bayerischen Landtag – Herbstklausur Ansbach 22. 9. 2005

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PRK Bayern

Allgemeine Anmerkungen vorab

Q Wegen der Lage der öffentlichen Haushalte sind bloße Forderungen nach mehr Geld und Personal nicht zielführend. Q Hilfe zur Selbsthilfe ist ein gangbarer Weg, der große Freiräume, Gestaltungshoheit und Eigenverantwortung erfordert. Q „Alte“ oder „große“ Fachhochschulen sind noch nie zu Lasten „neuer“ oder „kleiner“ ausgebaut worden. Allenfalls trifft das Gegenteil zu. Q Der Hochschuloptimierungsprozess Bayerns ist nötig. Aber es wäre eine Illusion zu glauben, dass damit die Zukunftsherausforderungen gelöst würden. Q Jeder Wettbewerb bringt Sieger und Verlierer hervor. Q Planwirtschaft hat noch nie funktioniert. Die Grünen im Bayerischen Landtag – Herbstklausur Ansbach 22. 9. 2005

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Die Fachhochschulen in Bayern: Status

PRK Bayern

Die Fachhochschulen in Bayern: Status (1)

Q Mitglieder der Konferenz der Präsidenten und Rektoren der bayerischen Fachhochschulen Q 17 staatliche Fachhochschulen Q 2 kirchliche Fachhochschulen Q 2 Universitäten (FH-Studiengänge) Q Universität der Bundeswehr Q Katholische Universität Eichstätt

Q Studierende und Studienangebot Q 77.240 Studienbewerber für WS2005/06 (-0,57%) Q 66.250 Studierende (WS2004/05) Q 132 Studiengänge (WS2005/06)

Q Unterfinanzierung und nicht abgeschlossener Ausbau (Basis bay. Hochschulgesamtplan 1992) Die Grünen im Bayerischen Landtag – Herbstklausur Ansbach 22. 9. 2005

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Beispiel GSO-FH Nürnberg: Ausbaustand

13000 12890

mit 40%-Ziel

11000

nur demografisch

Studierquote 1990: 82% 1999: 68%

5000

20/21

18/19

16/17

14/15

12/13

10/11

08/09

06/07

04/05

02/03

00/01

98/99

Plangröße flächenmäßiger Ausbaustand personeller Ausbaustand 90/91

3000

9261

96/97

7000

94/95

9000

92/93

Studierende

Heute tatsächlich

Studienjahr Die Grünen im Bayerischen Landtag – Herbstklausur Ansbach 22. 9. 2005

Die Fachhochschulen in Bayern: Status (2)

Die bayerischen Fachhochschulen unterscheiden sich 66.250

12.000

80%

10.500

70%

51%

90%

9.000

1.399

1.315

1.724

1.739

1.681

1.952

30%

2.475

2.744

2.641

3.048

3.624

3.880

1.500

4.074

5.650

3.000

8.253

4.500

40% 1/3- Linie 6.526

6.000

50%

33%

7.500

60%

kumuliert

100%

13.500

13.525

Studierende WS 2004/05

15.000

20% 10% 0%

e be u-U rg lm As /We ch id e af fe n nb u An rg sb ac h

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Die Grünen im Bayerischen Landtag – Herbstklausur Ansbach 22. 9. 2005

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Die Fachhochschulen: Status (3)

Fachhochschulen sind wirtschaftsbezogen

Agriculture, Forestry, Nutritional Science 3%

Languages, Cultural Sciences 2%

Art and Design 3% Mathematics, Natural Sciences 10%

Medicine (Human / Veterinary) 0% Sports 0%

Law, Business and

Social Sciences 47%

Universitäten in Deutschland 1.34 Mio. Studierende im WS2000/01 Medicine (Human / Veterinary) 8%

Sports 2%

Law, Business and Social Sciences 27%

Languages, Cultural Sciences 28% Agriculture, Forestry, Nutritional Science 2%

Engineering Sciences 35%

Fachhochschulen in Deutschland 0.43 Mio. Studierende im WS2000/01

Engineering Sciences 9%

Art and Design 5%

Mathematics, Natural Sciences 19%

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Expertenkommission Wissenschaftsland Bayern 2020 (Mittelstraß-Kommission)

Expertenkommission Wissenschaftsland Bayern 2020 (1)

Q Die Hochschulen sind unterfinanziert. Q Die Ausbaumittel für die Fachhochschulen reichten im Wesentlichen nur für die Neugründungen. Q Eine grundsätzliche Analyse des Ausbauzustands und der Entwicklungspotentiale des bayerischen Fachhochschulsystems ist erforderlich. Q Forschungsaktivitäten an bayerischen Fachhochschulen waren bis in die 90er Jahre nur in Form von Nebentätigkeiten bzw. nur mit Hilfe eingeworbener Drittmittel zulässig. Q Der Stellenwert anwendungsbezogener Forschung und Entwicklung in den Fachhochschulen ist zu erhöhen. Die Grünen im Bayerischen Landtag – Herbstklausur Ansbach 22. 9. 2005

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Expertenkommission Wissenschaftsland Bayern 2020 (2)

Q Einer Kapazitätserhöhung der Fachhochschulen durch Veränderung der Curricularnormwerte steht die Unterfinanzierung der Fachhochschulen entgegen. Q Aus grundsätzlichen Erwägungen wäre ein Verhältnis 40:60 aller Studierenden zwischen Universitäten und Fachhochschulen, mit Fachhochschulen als Regelhochschulen wünschenswert. Q Ein vernünftiger Aushandlungsprozess über Aufgabenverteilung und Profilzuschnitt zwischen Universitäten und Fachhochschulen ist erforderlich.

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Demografie und G8

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200%

160%

206%

Gesamt(%) Allg. HS-Reife(%) FH-Reife(%)

180%

140%

128%

126%

126%

126%

124%

121%

120%

15/16

16/17

17/18

18/19

19/20

20/21

128% 08/09

14/15

125% 07/08

127%

122% 06/07

125%

119% 05/06

13/14

114% 04/05

12/13

109% 03/04

132%

105% 02/03

80%

11/12

105% 01/02

100%

130%

100%

120%

00/01

Abgängerzahlen bezogen auf 00/01 ...

Demografie und G8: mehr Hochschulzugangsberechtigte

10/11

09/10

60%

Schuljahr

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Demografie und G8: mehr Hochschulzugangsberechtigte 140000

120000 110000 100000 90000 80000 Prognose Gesamtstudenten (nur demografisch)

70000

Prognose Gesamtstudenten mit 40% Ziel

20/21

19/20

18/19

17/18

16/17

15/16

14/15

13/14

12/13

11/12

10/11

09/10

08/09

07/08

06/07

05/06

04/05

60000 03/04

Studierende an Fachhochschulen in Bayern

130000

Studienjahr

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Regionalwirkung

Regionalwirkung von Fachhochschulen: Eigenbewertung

Q Regionale Wirtschaftsentwicklung ist eng verbunden mit der regionalen Hochschulentwicklung Q Public Private Partnership mit FHen funktioniert Q in der Lehre Q beim Technologietransfer Q in der angewandten Forschung und Entwicklung

Q trotz großer Hemmnisse wie Q Q Q Q

minimale Personalausstattung hohes Lehrdeputat (19 SWS; nur in Bayern) Hürden beim Promotionszugang Erfordernis Universitätsabschluss für wissenschaftliche Mitarbeiter

Q Stärkung der Drittmittelfähigkeit ist Stärkung der regionalen Wirtschaft Die Grünen im Bayerischen Landtag – Herbstklausur Ansbach 22. 9. 2005

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Regionalwirkung: Drittmittelaufkommen

Beispiel: FH Ingolstadt, gegründet 1994 avisiert 18% Drittmittel in 2005

Zusätzliche Forschungsmittel 9% Stiftungsprofessoren 4%

Sach-Haushalt FH 14%

DrittmittelPersonal 5%

Personal-Haushalt FH 68%

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Regionalwirkung von Hochschulen – Studie der Fhg

Q Due to their training and transfer function, universities and technical colleges can play an important role within their regions to sensibilise, mobilise and qualify (potential) entrepreneurs. Aus “The role of higher education institutions for entrepreneurship stimulation in regional innovation systems – Evidence from the network-oriented “EXIST: Promotion of university-based start-ups” programme in Germany” Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung, ISSN 1438-9843, 2001

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Verhältnis Fachhochschule - Universität

Verhältnis Fachhochschule – Universität (1)

Q Q Q Q Q

Konkurrenz und Kooperation Verachtung und Respekt Unkenntnis und Abgrenzung Verfügungswissen vs. Methodenwissen In den letzten zehn Jahren hat sich viel bewegt hinsichtlich (in ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen) Q Q Q Q

Zulassung zur Promotion Gemeinsame F&E-Projekte Zusammenarbeit im Studium Kooperative Studiengänge

Q Trotzdem bleibt noch viel zu tun Q „Verfachhochschulung“ von Universitäten Q TU9 u.a. „Master als Regelabschluss“ Q Durchlässigkeit, … Die Grünen im Bayerischen Landtag – Herbstklausur Ansbach 22. 9. 2005

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Verhältnis Fachhochschule – Universität (2)

Q Mittelfristig wird die Unterscheidung Fachhochschule vs. Universität abgelöst durch Q Forschungsintensive Hochschulen, d.h. Fachhochschulen wie Universitäten Q Lehrintensive Hochschulen, d.h. Fachhochschulen wie Universitäten Q Hochschulen, die weder das eine noch das andere gut können, werden verschwinden

Q Im internationalen Kontext ist die Unterscheidung Fachhochschule vs. Universität überholt Q Aufmerksamkeit ist bei der EUA geboten, die Fachhochschulen nicht als Vollmitglieder zulässt

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Internationalität

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Fachhochschulen im internationalen Vergleich

Q Die meisten Universitäten in der Welt sind strukturell Fachhochschulen. Q Die Bezeichnung „Fachhochschule“ ist nicht übersetzbar und Ursache für Irritationen. Q International ist die Bezeichnung UAS (university of applied sciences) akzeptiert Q Die Stärken und die Bedeutung der Fachhochschulen für die Wirtschaft sind im internationalen Kontext bekannt. Q Die Namensgebung „Hochschule für angewandte Wissenschaften“ ist nicht nur für die bayerischen Fachhochschulen eine Kernforderung.

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Fachhochschule und Gesellschaft

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Auftrag der bay. Fachhochschulen

Q Die Hochschulen dienen der Pflege und Entwicklung der Wissenschaften und der Künste durch Forschung, Lehre, Studium und Weiterbildung in einem freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat. Sie bereiten auf eine berufliche Tätigkeit vor, welche die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und wissenschaftlicher Methoden oder die Fähigkeit zu künstlerischer Gestaltung erfordert. … Die Fachhochschulen vermitteln durch anwendungsbezogene Lehre eine Bildung, die zur selbständigen Anwendung wissenschaftlicher Methoden und künstlerischer Tätigkeiten in der Berufspraxis befähigt; im Rahmen ihrer Aufgaben und der vorhandenen Ausstattung führen sie anwendungsbezogene Forschungs- und Entwicklungsvorhaben durch. (Entwurf BayHSchG) Q Die Fachhochschulen stehen zu ihrem Wirtschaftsbezug. Die Grünen im Bayerischen Landtag – Herbstklausur Ansbach 22. 9. 2005

Wohin geht‘s

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Leitgedanken der bayerischen Fachhochschulen

Q Berufserfolg der Absolventen ist Erfolgsmaßstab Q Ausgewogene Balance von wissenschaftlichen und praktischen Fähigkeiten der Absolventen Q Lehre und Forschung orientiert sich am Bedarf der Arbeitswelt und Berufspraxis Q Die FHen wollen attraktiv für qualifizierte Studierende aus aller Welt sein Q Internationale Wettbewerbsfähigkeit und intensive Einbindung in die regionale Wirtschaft und Gesellschaft Q Offen für Veränderungen und kooperationsfähig auf allen Ebenen

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Entwicklungsziele der bayerischen Fachhochschulen (1)

Q Ständige Weiter- bzw. Neuentwicklung der Studienangebote in Abstimmung mit der regionalen Wirtschaft Q Sicherstellung des Praxisbezugs, Optimierung und Qualitätssicherung der Lehre, Ausrichtung an aktuellen internationalen wissenschaftlichen Standards Q Erhöhung der Attraktivität des praxisorientierten Studiums über weiterführende Angebote (Master, Promotion) Q Internationale Kompatibilität Q Ausbau von Kooperationsplattformen in angewandter Forschung und Entwicklung Q Hochschul(arten)übergreifende Kooperation in Lehre und Forschung Die Grünen im Bayerischen Landtag – Herbstklausur Ansbach 22. 9. 2005

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Erforderliche Maßnahmen (1)

Q Modernisierung des Hochschulrechts und Neuordnung der Hochschulverwaltung Q Leistungs- und Finanzierungsvereinbarungen Q Profilbildung und Konzentration auf Schwerpunkte Q Ausbau international nachgefragter Studiengänge Q Intensivierung der Betreuung und Beratung von Studierenden Q Förderung einer Leistungselite unter den Studierenden auch an Fachhochschulen Q Einführung sozialverträglich gestalteter Studiengebühren

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Erforderliche Maßnahmen (2)

Q Modernisierung der Laboreinrichtungen und Sanierung der Altbausubstanz Q Substantieller weiterer Ausbau der Fachhochschulen Q Verbesserung der Service-Infrastruktur für Studierende Q Flexibilisierung der Lehrverpflichtungsregelungen Q Erweiterung des Studiengangportfolios an bayerischen Fachhochschulen Q Sonderprogramm zum Auf-/Ausbau der Drittmittelfähigkeit der Fachhochschulen Q Einrichtung von „matching funds“ Q Namensänderung in „Hochschule für angewandte Wissenschaften“ Die Grünen im Bayerischen Landtag – Herbstklausur Ansbach 22. 9. 2005

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Erforderliche Maßnahmen (3)

Q Absenkung des Lehrdeputats von 19 SWS. Es widerspricht den zusätzlichen Aufgaben in aFuE, Weiterbildung, Eignungsfeststellung, … Q Die Übernahme von Aufgaben in Forschung, Entwicklung, Weiterbildung muss auf das Lehrdeputat anrechenbar sein. Q Das Individuallehrdeputat muss durch die Gesamtlehrkapazität einer Fakultät oder Hochschule ersetzt werden. Q Absolventen von Fachhochschulen müssen bei entsprechender Tätigkeit den Status wissenschaftliche Mitarbeiter haben können.

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Herzlichen Dank

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