Who is Who KFA HAMBURG

Who is Who 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. KFA HAMBURG Torsten Stegmann Frank Scheuffele Michael Erfurt Michael Schwarz Svenja Hohnke Anne Schricker ...
Author: Harald Schubert
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Who is Who 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.

KFA HAMBURG

Torsten Stegmann Frank Scheuffele Michael Erfurt Michael Schwarz Svenja Hohnke Anne Schricker Astrid Kühl Silja Ebeling Axel Behrens Susanne Scherer

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11. Sabine Horn 12. Giuseppe Gagliano 13. Lars Wilde

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Dr. Dana Horáková Senatorin

Grußwort von … … Senatorin Dr. Dana Horáková für die Jubiläumsfestschrift der KurzFilmAgentur Hamburg e.V. anlässlich ihres zehnjährigen Jubiläums.

Das junge Projekt setzte sich durch und wurde schon bald mit dem Deutschen Verleiherpreis des Bundesministeriums des Innern ausgezeichnet ... so viel zu der Vergangenheit.

Jubiläen sind Anlass für eine Rückblende und für die Frage, wie hat das alles angefangen? Es war so: Vor zehn Jahren bildete eine Gruppe von Cineasten rund um das Internationale KurzFilmFestival die erste Infrastruktur für den Kurzfilm in Deutschland - mit dem Ziel, ihn als eigenständiges, innovatives Genre zu profilieren und ihn wieder zurück in die Kinos zu bringen. Das war ein wegweisender Schritt für den Kurzfilm und mit der Filmstadt entwickelte sich die Kurzfilmstadt Hamburg weiter. Denn in rascher Folge wurden eine Datenbank, in der inzwischen über 13.000 Kurzfilmtitel verzeichnet sind, ein Videoarchiv und ein spezialisierter Verleih, der KurzFilmVerleih, aufgebaut.

Genauso ist ein Jubiläum Anlass für einen Ausblick, der mit einem Glückwunsch beginnt: Ich gratuliere der KFA, weil sie sich als eine Service-Stelle und als Veranstalter rund um den Kurzfilm zu einem Erfolgsprojekt entwickelt und etabliert hat. Ganz besonders freut mich die Entwicklung des KurzFilmFestivals und die Tatsache, dass sich die KFA mit einem eigenen Festival an die Kinder wendet. Ich danke der KFA für ihre Arbeit am und für den Filmstandort Hamburg. Und für die Zukunft wünsche ich ihr viel Energie, Geduld, Fantasie und Mut! Dr. Dana Horáková

Inhalt

Astrid Kühl Am Anfang war der Kurzfilm ... Ulla Aspgren Glückwünsche zum … Juana Bienenfeld Rede zur Eröffnung des ... Zita Carvalhosa Entwicklung neuer Visionen Philippe Clivaz Der Kurzfilm ist für ... Christian Denier Die KFA feiert ... Giuseppe Gagliano Glashütte 27 · Sommer 95 Tim Gallwitz Kurze – auch Filme Klaus Hammerlindl Hallo, liebe Kollegen, ... Tony Hill Ein kürzlich entdecktes Einzelbild ... Maike Höhne Von einer Beziehung. Eva Hubert Persönliche Zuwendungen Medard Kammermeier Ohne Kurze … Jürgen Kittel Selten hilft Musik Jürgen Kittel Interview mit Markus Schaefer Michael Konstabel Als der Film geboren ... Dieter Kosslick Von langer Hand geplant Jim Lacy 10 Jahre KurzFilmAgentur Birgit Müller & Holger Tepe K-F-A …

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Thomas Neuhauser Interview mit Astrid Kühl 55 Nikolaj Nikitin Aus Liebe zum Kurzfilm 60 H. Nordholt & F. Steingrobe Humankapital. 62 Antonis Papadopoulos Als ein alter Freund ... 67 Richard Reeves Glückwunsch ... 68 Hanna Rinne We send us a cordials greatings. 70 Heiner Roß Kurzfilm ist FILM!, ist FilmFilm! 74 Till Sadlowski The way we were 76 René Schöttler Eingewurzelte Idealismusdroge … 81 John Smith 1998 82 Franz Winzentsen Mörderische Produkte 84 Thomas Zedler 1999 86 Hans-Peter Jansen Ich schreib … 89 Zentrum für Abbildung Von der Tratschhotline … 90 Karsten Hinckeldeyn … verstand KurzFilmAgentur 94 Kirsi Kinnunen Liebe Freunde! 99 C. Knoop & D. Kiesewetter Der Kurze-Rap 100 Festivals & Institutionen … gratulieren 102 Impressum / Danke 104

Astrid Kühl Geschäftsführerin der KFA

Am Anfang war der Kurzfilm … … auch für die Teilnehmer an den Seminaren der LAG Film Hamburg, die 1985 unbändige Lust verspürten ihre selbstgemachten Werke gemeinsam mit anderen auf der Leinwand eines Kinos zu begutachten. Das Hamburger Metropolis – offen genug für Neues/Altes – erschien der ideale Ort für einen Kurzfilmabend und so wurde das No Budget Festival als Forum für den nicht-kommerziellen Kurzfilm geboren. Schnell entwickelte sich das Festival zu einem Geheimtip. Hier konnte man in freudvoller Atmosphäre überraschende, kritische, das Establishment in Frage stellende, kurze Filme entdecken, oder einfach Spaß haben und über das Gesehene diskutieren. Schnell wurde aus dem Organisationsbüro eine Schnittstelle für Filmemacher auf der Suche nach Informationen in allen Fragen, die den Kurzfilm betrafen. Gleichzeitig wurden Kontakte, bald Freundschaften zu nationalen und internationalen

Kurzfilmveranstaltungen hergestellt. Aus dem offensichtlichen Bedarf nach kompetenten Ansprechpartnern und dem Bedürfnis der Festivalorganisatoren, sich den schmalen Lebensunterhalt mit dieser Arbeit das ganze Jahr lang zu sichern, erwuchs die Idee zur Gründung der KurzFilmAgentur Hamburg e.V., nach dem Vorbild der in Paris ansässigen "Agence du Court Métrage". Heftige Diskussionen gingen der Gründungsversammlung voraus. Man würde sich automatisch in die kommerzielle Maschinerie einfügen müssen, Kompromisse eingehen, und es wurde befürchtet, dass der "No Budget"-Gedanke auf der Strecke bliebe. Trotz heftiger Kontroversen und ohne einige der wichtigsten Mitstreiter fand am 5.10.1992 die Gründungsversammlung des Vereins KurzFilmAgentur Hamburg statt, dessen satzungsgemäßes Hauptziel die Verbesserung der Abspiel- und Verwertungsmöglichkeiten für Kurzfilme aller Art ist.

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Mit finanzieller Unterstützung durch die Kulturbehörde der Stadt Hamburg konnte am 1.1.1993 die Arbeit mit zunächst 1 1/2 freien Mitarbeitern aufgenommen werden. Die Geschäftsführung übernahm Markus Schaefer, der Ende 1997 auf eigenen Wunsch die Agentur verließ, ihr aber als Berater und Grafiker auch heute noch gelegentlich zur Seite steht. Hauptziele waren vornehmlich der Aufbau einer Kurzfilmdatenbank, sowie die zügige Schaffung einer Infrastruktur für den Verleih von Kurzfilmen im deutschsprachigen Raum. Bereits im gleichen Jahr wurde mit dem Verleih anspruchsvoller Kurzspiel- und Animationsfilme aus aller Welt begonnen und nach dem französischen Vorbild ein Abonnementsystem für die Entleihe von Kurzfilmen an finanzschwache, aber engagierte Kinos geschaffen. Heute gliedert sich die Arbeit der mittlerweile acht festen Mitarbeiter in folgende Arbeitsbereiche:

Der KurzFilmVerleih Seit 1994 betreibt die KurzFilmAgentur Hamburg einen gewerblichen Kurzfilmverleih für Kinos im deutschsprachigen Raum. Derzeit hat der KurzFilmVerleih rund 250 Kurzfilme und neun Kurzfilmrollen (Spielzeit durchschnittliche 90 Minuten) im Programm, darunter mehrere oscarprämierte Produktionen. Daß es der KurzFilmAgentur mit der Etablierung des Verleihs gelungen ist, dem Kurzfilm den Weg zurück ins Kino zu ebnen, belegen weitere eindrucksvolle Zahlen: Seit Januar 2000 konnten über 1,6 Mio. Besucher den Kurzfilm im Kino genießen. Insgesamt beliefert der KurzFilmVerleih derzeit 375 Filmtheater im deutschsprachigen Raum. Das Bundesministerium des Innern zeichnete den KurzFilmVerleih 1996 mit dem Verleiherpreis für seine "kulturell her-

ausragenden Leistungen im Bereich des Filmverleihs und die Verbreitung von Filmen mit künstlerischem Rang" aus.

Der KurzFilmVertrieb und die KurzFilmDatenbank Die KurzFilmAgentur Hamburg vertreibt mit wachsendem Erfolg die Abspielrechte von ca. 150 Kurzfilmen und führt darüber hinaus eine KurzFilmDatenbank mit derzeit mehr als 13.000 Titeln. Jährlich kommen ca. 1.500 Titel hinzu. In einem Videoarchiv, das der Datenbank angegliedert ist, werden sämtliche Titel auf VHS-Kassetten zu Sichtungszwecken bereitgehalten. Namhafte Unternehmen haben bereits auf das Fachwissen der KurzFilmAgentur zurückgegriffen und die Datenbank zur Recherchezwecken genutzt. Durch die Speicherung von

detaillierten Informationen über Inhalte und technische Produktionsdaten eröffnet die Datenbank die vielfältigsten Anwendungsbereiche von Themen- und Stichwortabfragen bis zum Ausschnittdienst. Ausgezeichnete Kontakte zu Festivals und Regisseuren in aller Welt erweitern den Pool, aus dem der KurzFilmVertrieb und seine Kunden schöpfen können.

Projektarbeit und Auslandsaktivitäten Unabhängig vom KurzFilmVerleih stellt die KurzFilmAgentur Kurzfilmprogramme zusammen, betreibt Filmrecherche und organisiert Filmkopien für Kulturevents und Partnerfestivals im In- und Ausland. So wurden im Auftrag des Goethe-Instituts thematisch gegliederte Kurzfilmprogramme für den weltweiten Einsatz zusammengestellt. Zu den Kooperationspartnern

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gehören auch der Beauftragte der Bundesregierung für Angelegenheit der Kultur und der Medien (BKM) in dessen Auftrag einige Jahre die Preisverleihung zum Deutschen Kurzfilmpreis sowie eine Tournee der für diese Auszeichnung nominierten Kurzfilme durchgeführt wurde. Zahlreiche privatwirtschaftliche Unternehmen nehmen die Dienste der KurzFilmAgentur regelmäßig in Anspruch.

zum jeweiligen Spielfilm passenden prädikatisierten – Kurzfilme zu empfehlen und den Kontakt zum Kurzfilmproduzenten herzustellen. Auch wirbt die Verbindungsstelle bei Spielfilmverleihern für eine generell größere Aktzeptanz der kurzen filmischen Form auch in Hinblick auf die Förderung des Nachwuchses. Von vornherein als zeitlich limitiertes Pilotprojekt gefördert wird die finanzielle Unterstützung dieser Stelle Ende 2003 eingestellt.

Die Verbindungsstelle Das DienstagsKino Die seit 1996 bestehende Stelle wird zu gleichen Teilen aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien (BKM) und der Hamburger Kulturbehörde finanziert. Die Hauptaufgabe besteht darin, Spielfilmverleihern – auf der Suche nach thematisch

Seit mehreren Jahren bereichert das DienstagsKino der KurzFilmAgentur in der Vorführung des Filmhauses und im B-Movie die Kinolandschaft Hamburgs. Einmal pro Woche werden bei freiem Eintritt außergewöhnliche Schätze der

Kurzfilmgeschichte ausgegraben und dem interessierten Publikum präsentiert. Dabei sorgt das DienstagsKino für ein Novum, indem Freunden des Kurzfilms die Möglichkeit gegeben wird, ihr eigenes Kinoprogramm zusammenzustellen. Der Eintritt ist kostenlos.

und entsteht – vom Kunstvideo über die DV Produktion zum Kinokurzfilm – gefördert oder ungefördert, immer als eigenständiges Format mit hohem kreativem Potential, überraschend, erfrischend, ernst oder komisch und visuell überzeugend. Einigen dieser kurzen filmischen Werke den Weg zum Publikum zu ebnen wird weiterhin unser vorrangiges Ziel bleiben.

Außerdem Wir sind natürlich stolz einiges erreicht zu haben, um den Kurzfilm aus seiner Nische zu befreien. Trotzdem gibt es noch viel zu tun! Insbesondere die Filmwirtschaft muss das Potential der Kurzfilmer erkennen und dem Filmnachwuchs frühzeitig Selbstbewusstsein verschaffen. Dabei sollte der Kurzfilm allerdings nicht nur als "lästige" Vorstufe zum kommerziellen, abendfüllenden Film betrachtet werden. Viel mehr ist möglich

Wir danken allen Filmemachern, die uns Ihre wundervollen Werke anvertrauen, allen Mitarbeitern und Ehemaligen, die sich für uns engagieren, allen Kooperationspartnern und Unterstützern im In- und Ausland, und vor allem all denen die sich die Mühe gemacht haben für diese Festschrift einen Beitrag zu liefern. Astrid Kühl

Ulla Aspgren Swedisches Film Institut

Glückwünsche zum 10 ten Geburtstag! Ich blicke zurück auf das Jahr 1994, als ich zum ersten Mal mit Markus, Astrid, Axel und Agnes in Kontakt kam. Der Anlass war einer unserer schwedischen Kurzfilme, der gerade in deutschsprachigen Kinos herauskam. Ich besuchte Eure Agentur und wurde so herzlich begrüßt. Dass schwedische Kurzfilme in Deutschland überhaupt gezeigt wurden ist der Verdienst der KurzFilmAgentur, denn seit diesem ersten liefen noch viele in diesen Kinos. Es ist – und es war immer – ein Vergnügen mit Euch zusammen zu arbeiten, sowohl im Verleih, als auch fürs Festival. Ich fühlte mich aufgehoben wie in einer großen Familie, deren Engagement darin besteht, den Kinogängern Kurzfilme zu präsentieren, und das allerbeste dabei ist: es macht uns Spaß. Ihr habt nicht nur viele schwedische Kurzfilme im Verleih, Ihr habt auch viele in Eurem Festival gezeigt.

Nachdem sie dort gelaufen waren, stiegen die Anfragen anderer deutscher Festivals stets an, mehr und mehr jedes Jahr. Dies eine tolle Gelegenheit, Euch dafür zu danken, dass die Arbeit mit Euch wunderbar ist! Ulla Aspgren

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Juana Bienenfeld Filmreferentin der Kulturbehörde Hamburg

Rede zur Eröffnung des … 18. Internationalen KurzFilmFestivals Hamburg 2002 am Samstag, den 8. Juni 2002 im Metropolis,

Sehr geehrte Frau Kühl, sehr geehrter Herr Kittel, sehr geehrter Herr Kwasniewski, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,

Anfang der Neunziger Jahre entdeckte das damals für den Film mit-zuständige Bundesinnenministerium unter Minister Wolfgang Schäuble den Kurzfilm. Auf Einladung des Ministeriums dachten erstmals Vertreter der Ministerien der Länder und der Filmbranche in der Hauptstadt Bonn über eine Verbesserung der Situation des Kurzfilms in Deutschland nach. Denn, so lautete die Diagnose, die Gattung kränkele, da die

Produktion zurückgegangen sei und der Kurzfilm zugunsten des Werbefilms aus dem Vorprogramm der Kinos gedrängt werde; zudem bedrohe ihn der Wegfall der Vergnügungssteuer, die in den meisten Bundesländern abgeschafft worden war. Der Kurzfilm müsse jetzt geschützt, gehegt und gepflegt, kurz: gefördert werden.

Wie sich zeigen sollte, kam diese Botschaft an: schrittweise fördernd, ermöglichten Verwaltung und Politik fortan den Aufbau einer Infrastruktur im Kurzfilmbereich. Dies konnte allerdings nur gelingen, weil das Terrain von Machern und KurzfilmInteressierten schon punktuell durch regionale Initiativen vorbereitet worden war: bereits entwickelte Ideen konnten von der Politik aufgegriffen werden. Das neue Bewusstsein war Ergebnis einer von einigen Kurzfilm-Fans kreativ gewendeten Umbruchsituation. Die latent vorhandene Aufbruch-Stimmung

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erreichte früh sogar ein Ministerium, das vordringlich mit Fragen der Inneren Sicherheit und Ordnungspolitik beschäftigt war.

In Hamburg war man schon seit Mitte der Achtziger Jahre mit dem Aufbau einer Infrastruktur beschäftigt, ohne sich dessen allerdings selbst so richtig immer bewusst zu sein.

Hier nun muss – unvermeidlich – noch einmal die Ur-Szene eingeschoben werden, die Geburtsstunde des Kurzfilms in Hamburg, die Geschichte vom jungen Mann mit der Plastiktüte. Markus Schaefer heißt er, und angeblich steht er vor 18

Jahren vor der Tür dieses schönen Kommunalen Kinos Metropolis und will herein. Schaefer will die Super 8- und 16 mm-Kurzfilme zeigen, die er mit sich herumschleppt, und glücklicherweise hat der Leiter des Metropolis, Heiner Roß, für ihn ein offenes Ohr, hält überhaupt immer Augen und Ohren offen, und nimmt sich der Tüten-Filme an. Es wird ein Filmabend daraus, und dann noch einer und so weiter: das Festival, das in diesem Jahr volljährig ist, ist in der Welt. Und es wird, in Umkehrung der sonst üblichen Entwicklung, selbst Grund und Anlass für die Entstehung seines späteren Trägers, der KurzFilmAgentur Hamburg e.V. (Die nun ihrerseits in diesem Herbst ihren zehnjährigen Geburtstag feiern wird.)

1991 ist die KurzFilmAgentur jedenfalls noch nicht gegründet, doch die sich bildende Kurzfilm-Szene in Hamburg ist bereits so virulent, dass der Hamburger Kultursenator Prof. Ingo von Münch im Katalog zum 7. No Budget KurzFilmFestival feststellen kann, in Hamburg werde "auf dem Gebiet des Kurzfilms Pionierarbeit geleistet". Christoph Schlingensief übrigens hilft mit: er ist in diesem Jahr (1991) Mitglied der Jury des Festivals.

Eine Katalogseite weiter schreibt die Festivalleitung, das No Budget Team, ich zitiere: "Der No Budget Film ist für viele immer noch der sogenannte ‚schmutzige' kleine Film (meistens auf Super 8), der so herzerfrischend anders ist als das, was normalerweise auf die Leinwände der Kinos kommt". Hellsichtig wird hinzugefügt, in einem leicht kulturkonservativen Ton, wie ich heute finde: "Eine Tendenz unserer Zeit ist, dass

das Super 8-Format allmählich museumsreif ist. Viele junge No Budget Filmer greifen von vornherein zum Camcorder. Videos laufen bei No Budget gleichberechtigt mit allen Filmformaten, doch ihre Zahl ist auffallend gering". Ende des Zitats. Mit gemischten Gefühlen nehmen die No Budget Filmer und die Szene die Nachricht auf, dass "zwei der treuesten No Budget FilmerInnen ... eine Produktionsförderung für ein 16 mm-Projekt bekommen haben". Das No Budget Team sieht sich zur Verteidigung veranlasst, ich zitiere: "Wer da Verrat schreit, verkennt a) die Mühe, die es kostet, jahrelang mit Minimalbudget kreativ zu sein und b) die kinematographischen Perspektiven, die eine Förderung bieten kann." Warum lese ich Ihnen das vor? Die Zitate zeigen, wie viel und wie wenig zugleich sich in den vergangenen zehn Jahren geändert hat.

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Bemerkenswert ist, dass einerseits – gerade konservative – Ministerien begannen, den Kurzfilm gezielt zu fördern, andererseits, dass progressive junge Kulturschaffende durchaus nicht etwa primär damit beschäftigt waren, Förderung zu fordern. Dies scheint mir ein interessantes distinktives Merkmal zwischen Kurzfilmern und Nicht-Kurzfilmern, gewöhnlich: Langfilmern, zu sein: erstere, Kurzfilmer, fordern weniger und, so meine subjektive Wahrnehmung, initiieren mehr, für letztere gilt – so wieder meine Wahrnehmung – tendenziell eher das Umgekehrte. Dies mag mit dem Grad der Etabliertheit zusammenhängen: zwar sind inzwischen auch die Kurzfilmer etabliert, doch weniger als andere. Meine persönliche Anmerkung hierzu ist: glücklicherweise.

Zeitlos hingegen wirkt das Problem der Bewertungen, die sich durch die technische Entwicklung verändern: Da wird die

gewohnte Technik (Super 8) früh schon als "museumsreif" eingeschätzt und die neue (Video), zögerlich, als modern. 2002 müsste die Übersetzung wohl lauten: das herkömmliche, analog produzierte Werk wird abgelöst vom digital produzierten und computer-generierten Werk.

Dies scheint jedenfalls derzeit der Stand der Dinge zu sein; "scheint", weil beispielsweise Super 8 inzwischen ja wieder ganz anderen, positiven Bewertungen unterliegt.

Festzustellen ist, dass sich an den Grundproblemen des Kurzfilms relativ wenig geändert hat: die Infrastruktur ist – verglichen mit der des Nicht-Kurzfilms – nach wie vor nicht wünschenswert stark und ausgebaut, die Initiativen sind immer noch nicht hinreichend schlagkräftig. So ist erst jetzt, im Mai, ein

Bundesverband gegründet worden, der noch wird lernen müssen, die Interessen der Szene kulturpolitisch am sinnvollsten zu vertreten. Andererseits ist der Kurzfilm deutlicher als früher, so scheint mir, der eigentliche Träger des Innovativen geworden, ein zunehmend autonomer Bereich mit eigener Entwicklung und Dynamik. Er hat in den letzten Jahren erheblich an Qualität gewonnen und hat das Bild – zusammen mit dem, was Technik ermöglicht – in einem rasenden Tempo umfassend demokratisiert (natürlich waren Super 8 und Video auch bereits Demokratisierungen, aber doch von etwas anderer Qualität, weil sie eine andere Quantität erreichten). "Alle Welt" besitzt heute beispielsweise eine digitale (Film)Kamera, Filmreferent(inn)en inklusive, und jeder kann unaufwendig und kostengünstig produzieren, was ihm einfällt oder gefällt.

Was heißt dies für die sich jetzt stärker organisierende KurzfilmSzene?

Aus der Erfolgsgeschichte des Kurzfilms der vergangenen Jahre lässt sich meines Erachtens ableiten, dass es vor allem die Originalität und der Qualität der Initiativen zu verdanken ist, wenn sich etwas bewegt und – in diesem Fall zumindest – weniger einem Apparat, der hauptsächlich Lobbyarbeit betreibt, indem er Interessen verwaltet. Wenn dies richtig ist, wird ein schwieriger Spagat zu leisten sein: die Kurzfilm-Szene sollte an Einfluss zu gewinnen, ohne sich (zu sehr) zu etablieren, sie sollte sich etablieren, ohne an Ideen zu verlieren und sollte an Ideen gewinnen, ohne dabei Realitäten auszublenden, Realitäten, die wahrzunehmen wichtig sind, um Ideen dann umsetzen zu können.

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Wenn diesen Spagat in der Filmszene überhaupt einer schafft, dann noch am ehesten diejenigen, deren offene und heimliche Zuneigungen dem Kurzfilm gelten. Von diesen Unterstützern sind hier und jetzt etliche versammelt: die Leiter und Organisatoren des Internationalen KurzFilmFestivals, die Mitarbeiter der KurzFilmAgentur und schließlich Sie, das umworbene Publikum, für das vor allem dieses Festival seit 18 Jahren veranstaltet wird.

Ich wünsche Ihnen, uns, allen viel Spaß und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Juana Bienenfeld

Zita Carvalhosa Internationales Kurzfilmfestival São Paulo

Entwicklung neuer Visionen Jetzt, passend zum 10ten Geburtstag der KFA Hamburg, dürfen wir von einer außergewöhnlichen Entwicklung des Kurzfilms sprechen. Der Markt hierfür expandiert weiterhin und die Kurzfilmfestival-Szene wuchs in einer sehr kurzen Zeit, und wächst immer noch. Die KurzFilmAgentur Hamburg hat die Verbreitung des Kurzfilms stets vorangetrieben. Die verbreitete Wahrnehmung des Kurzfilms ist nicht zu leugnen, nicht nur als mögliche Vorübung zum Langfilm, sondern vor allem als eigenständiges Format mit einer ebensolchen ästhetischen Entwicklung. Für mich war der Kurzfilm immer ein fruchtbarer Boden, auf dem neue Visionen gedeihen. So, wie er die frühen Kinojahre bestimmte, ist er auch heute wegweisend, wenn wir vom Zeitalter des digitalen Bildes sprechen.

Nach ein paar Jahren echter Abneigung habe ich deshalb beschlossen, den Fokus des Internationalen Kurzfilmfestivals São Paulo (im August 2002 zum 13ten Mal) auf die Aufnahme der künftigen Bildgeneration zu richten: Die Entwicklung neuer Visionen im digitalen Format. Zunehmend mehr Filmemacher aus aller Welt haben Zugang zu digitalen Produktionsmitteln. Das Festival zeigte eine stattliche Reihe von so entstandenen Arbeiten. Werke, die der Entwicklung der Filmemacher neue technische Möglichkeiten hinzufügen – sowohl aus schöpferischer, wie auch aus kritischer Sicht. Die Beweglichkeit dieser Technologie bietet unter anderem die Möglichkeit, schnell und unmittelbar Stellungnahme zu weltpolitischen Fragen zu liefern.

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Ich möchte nicht von einer Tendenz – d.h. von einer Neigung, sich in eine bestimmte Richtung oder auf eine spezielle Weise zu bewegen – sprechen, die andere außen vor lässt. Aber es ist zweifellos eine Alternative in dieser Form Kurzfilme zu produzieren, und eine nützliche Quelle zur Entdeckung neuer Talente ist es allemal. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, meinen lieben Freunden der KurzFilmAgentur Hamburg die Glückwünsche zum 10ten Geburtstag auszusprechen, genauso wie ich mich ganz herzlich für die Hilfe und Unterstützung bedanke, die Ihr uns in São Paulo immer gewährt habt.

Lang lebe die KurzFilmAgentur Hamburg! Zita Carvalhosa

Philippe Clivaz Geschäftsführer der Schweizer Kurzfilmagentur

Der Kurzfilm ist für … … für den Langfilm, was die Guilloutine für die französischen Könige war ... eine historische Kürzung!

Als Verantwortlicher einer Organisation, die sich um Promotion und Ausstrahlung von Kurzfilmen in der Schweiz kümmert, bin ich mit dem ewigen Kampf zwischen Utopie und Realität konfrontiert.

Um nicht zu sehr die Realität auszubreiten, hier nur einige Informationen: In der Schweiz werden jedes Jahr zwischen 100 und 150 Kurzfilme produziert, von denen gut 30 auf Festivals rund um die Welt touren. Der Ruf unseres Kinos wird durch zahlreiche Preise aufgewertet, die unsere Kurzfilme ernten und das ist gut so. Ich würde fast so weit gehen zu behaupten, dass der

Kurzfilm die beste Visitenkarte des helvetischen Kinos ist! Im Land selbst werden die Kurzen ziemlich wenig gesehen, abgesehen von denen, die kurz genug sind um im Vorprogramm des kommerziellen Kinos laufen zu können (2001 haben auf diese Weise von über 17 Millionen Kinobesuchern in der Schweiz 235.000 Zuschauer einen Kurzfilm gesehen.)

Aber während die Realität die eine Sache ist, ist da – für mich wichtiger – zum anderen die Utopie: sie ist es, die meinen Geist kitzelt und mir Lust macht mich weiterhin für den Kurzfilm zu engagieren. Vielleicht noch mehr in diesen tückischen Zeiten, wo der Schatten der braunen Pest unter dem Deckmantel der Demokratie allmählich wieder an die Oberfläche gelangt und wo uns die zügellose Ökonomie in eine immer uniformere, keimfreiere Welt zieht, in gewisser Weise bereit zum Rechtsextremismus überzugehen!

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Ich träume manchmal, dass in einem kleinen Land wie dem meinen, jeder Zuschauer, der sich aufmacht die Suppe aus Unterhaltung und Anti-Nachdenken zu löffeln, zwischen der Werbung und der ersten Handvoll Popcorn Kurzfilme sehen könnte, die kleinen Stacheln gleich, auch sein Bewusstsein, seinen abgestumpften logotomisierten Geist wecken.

Ich träume, dass so jeder nach Hause geht, – satt, vollgestopft – aber mit diesem kleinen Nichts einer "erhabenen Botschaft", die ihm vermittelt, dass eine andere Welt möglich ist ...

Das ändert nichts daran, dass Kurzfilm der optimale Ort bleibt, um die "Evolution" des Menschlichen, den Rückzug des Bestialischen in Gang zu setzen. Zunächst, weil die Form selbst sich dafür anbietet. Dann, weil Kurzfilm eine syntaktische Übung sein kann, würdig für die schönsten Gedichte, bei der die Formzwänge als Mittel eingesetzt werden, um die eigene künstlerische und politische Freiheit auszudrücken. Schließlich, weil die sich benötigten Mittel in einem relativ vernünftigen Rahmen bewegen, um eine Unabhängigkeit von Geist und Tonart zu erlauben, die bei den Produktionen von Langfilmen oft auf der Strecke bleiben.

Sicher, nicht alle Kurzfilme sind nicht so scharf und pointiert wie in meinem Traum; sicher ist die Überflutung des kommerziellen Kinos durch den Kurzfilm im Vorprogramm (gegenwärtig weniger als anderthalb Prozent aller Zuschauer) noch in weiter Ferne; sicher, sicher.

Folglich, und um zum Schluss zu kommen, hätte ich die Möglichkeit in der Sache abzustimmen, ich gäbe meine Stimme dem Kurzfilm, weil ich keine große Wertschätzung für Könige habe (ein wahrhaft göttliches Bild), weil ich auch die verstumpfenden und kastrierenden Massen nicht in meinem

Herzen trage (ein wahrhaft animalisches Bild) und weil ich an die Poesie glaube, an den wachen Geist und an den Kampf (mein Bild vom Kurzfilm)! Philippe Clivaz

Ein Film ohne Kurzfilm ist wie eine Suppe ohne Salz !

Herzlichen Glückwunsch! e i ss e zz ee in o ss i o kk i n

Das zeise kinos Team.

Die schwarze Schachtel gratuliert!

Ellen Wietstock – Postfach 501647 – 22716 Hamburg Tel.: 040/394 087 – Fax: 040/390 8167 www.blackbox-filminfo.de

Vielen Dank für 10 Jahre traumhaftes, emotionales, dramatisches, phantastisches, schrilles, verblüffendes und skurriles

Happy Birthday KurzFilmAgentur ! atlas filmkontor Am Utforter Graben 8 – D-47445 Moers – Fon 02841/94293-17 Fax 02841/94293-33

Christian Denier Internationales Kurzfilmfestival Clermont-Ferrand

Die KFA feiert … … in diesem Jahr ihren 10. Geburtstag. 2003 wird die Agence du Court Métrage in Frankreich ihre 20 Jahre und unser Festival seine 25 Jahre feiern, während Oberhausen munter seinen 50 Jahren entgegengeht. Andere dem Kurzfilm gewidmete Organisationen sind in der Schweiz, in Portugal, den Niederlanden und Belgien entstanden.

bietet einen Freiraum zum Experimentieren, der in der cinematografischen Landschaft einen entscheidenden Beitrag liefert. Jedes Jahr entstehen weltweit tausende von Kurzfilmen, hundertausende von Zuschauern sehen sie in Kinos und auf Festivals, Fernsehsender interessieren sich mehr und mehr für Kurzfilme, kaufen und senden sie.

Es wäre unnütz unter uns eine Hierarchie nach Alter zu erstellen, denn über die Lebensdauer hinaus – über die man sowieso bedauerlicherweise höchstens Vermutungen anstellen kann – ist das Wichtigste das tägliche, ameisenhafte Engagement von jedem von uns, welches Tag für Tag seine Früchte trägt.

Trotzdem, nichts ist definitiv gewonnen. Die Flamme zu entzünden ist eine Sache, sie am Leben zu erhalten eine andere. Im Laufe der Jahre sind internationale Netze um eine Anzahl Festivals entstanden – privilegierte Orte des Austauschs für Fachleute – vor allem durch die Europäische Koordination der Filmfestvals.

Nach Jahrzehnten einer Existenz, quasi im Untergrund, genießt der Kurzfilm heute international Anerkennung. Ob er als eigenständiges Werk oder als Sprungbrett zum Langfilm (ein bereits ausgiebig behandeltes Thema) gesehen wird, der Kurzfilm

Die Agenturen leisten dort, wo sie existieren, eine Informationskanalisierung, erleichtern so die Arbeit der Fachleute – Verleiher, Kinobetreiber, Festivals, Sendeanstalten –

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und sichern vor allem eine bessere Verbreitung von Filmen und dass diese überhaupt beim Publikum ankommen. Der Kurzfilm hat seit langem Bande zwischen Hamburg und Clermont-Ferrand gestrickt. Seit 1996 hat die KFA jedes Jahr einen Stand im Kurzfilmmarkt; im Rahmen eines europäischen Austausches arbeitete eine unserer Mitarbeiterinnen mehrere Monate in der KFA, wo sie unter anderem auch eine Retrospektive des deutschen Kurzfilms für unser nächstes Festival vorbereitet hat. Im besonderen bei dieser Arbeit stellt für uns die Kooperation der KFA eine wertvolle Hilfe dar und erleichtert unsere Recherchen ungemein. Jenseits der Verschiedenartigkeit der Systeme ist es wichtig, dass sich die existierenden Netze innerhalb und zwischen den Ländern verstärken. Auf dass Solidarität geübt wird, angesichts politischem Schlingern oder Delirium, welches hier und da

versucht das auszumerzen, was es an freiem und unkommerziellstem im Kino gibt, und auf dass der Kurzfilm, der auch populäre Kunst ist, möglichst vielen zugänglich bleibt.

Dieser 10. Geburtstag ist eine gute Gelegenheit an die wesentliche Rolle zu erinnern, die Kurzfilmagenturen in der Kurzfilmszene spielen können. Christian Denier

Kurz vor Redaktionsschluss für dieses Heft sind Glashütte 27 • Sommer 95 uns noch folgende Aufnahmen zugespielt worden. Diese wurden mit einer Überwachungskamera aufGenussmittelfreigabe gezeichnet und geben das Innere eines Büroraumes besteht täglich ab 18 Uhr. Fachpublikumsverkehr, wieder. Die Bilder wollen wir nicht unkommentiert Je nach Öffnungszeit wird gesehener Gast, Peter der neue Anforderungen weitergeben. Sempel, kultureller der Kommunikationsund Aufgaben in den Portraitfilmer aus dem diesem Ort schnell herge- bedarf von der Strasse Laden bringt. Ein eigens Underground. Sein stellt. Die Büroanlage gedeckt. hierfür vorgesehener späteres Geschäftsmittel lässt sich wie folgt rekonsind Kuchenstücke, die struieren: er solidarisch der 3 Schreibtische mit 2 Belegschaft reicht. Gesprächseinheiten,

Regalwand mit Ordnern, 1 Din A4-Bildmonitor, 3-7 anwesende Personen (Namen die bekannt sind Zu sehen ist ein werden hier nicht Arbeitsraum in dem offen- erwähnt), gelegentlicher bar Informationen gesam- Besuch und eine gewisse melt und getauscht werUnordnung, die sich in den. Eine Fensterfront Anhäufungen wiederfingrenzt direkt an eine den lässt. Imail ist hier Straße und eröffnet die noch ein Fremdwort. Perspektive in die unmit- Frühe Computerversuche telbare Umgebung. Ein sind bemüht und leisten öffentliches Interesse an erste Erfolge in Datei und den Aktivitäten ist an Schreibverkehr.

In dieser ist, wie im Heft höchstwahrscheinlich bereits berichtet, ein ganzes Fass zum Ausschank freigegeben worden. U. a., da im zu engen Büro der letzte Schluck eh nur unter Bodenniveau versickert wäre. Auch zu der Zeit ein oft

Ein weiterer Star in jenem Sommer ist Der Tiger,hier bei einem seiner zahlreichen Live-Auftritte. Meist überraschend schlich er auf die Schreibtischbühne und brachte stimmgewaltige Legenden, wie Elvis und Tom Jones zum Vorschein. Seine Spur verliert sich dann allerdings schnell vor der Tür. Zunehmend verstärkt sich der

Filmversand wird eingerichtet, mit dem die über Jahre gesammelten Bilder nach Deutschland ausgeliefert werden. Aus einer LAG wird die KFA.

Der Friseur kommt in’s Short Mental Hospital. Immer häufiger gehen Viele öffentliche Auftritte die Lichter jetzt früher an. verändern auch das Bild Rund um die Uhr wird in innerhalb der vier Wände. mehreren Schichten am Innereien und Arbeitsvolumen gebastelt. Äußerlichkeiten werden Sogar in unentgeltlicher von Nachtarbeit kommen intensiven weltweiten Menschen zusammen, ohne einen Auftrag, um den niemand sie gebeten hatte. Es geht voran. Und

das so schnell, das für die vielen Einsatzhelfer nicht mehr genügend Platz zur Verfügung steht. Es sollen sogar Treffen stattgefunden haben, bei denen der zuletzt Gekommene im Eingang warten musste, um als Erster wieder gehen zu können.

In verspäteten Abendkursen wird der tägliche Umgang untereinander Eine stabile geprobt. Arbeitszeiten werInteressenlage bestimmt den eingeführt und eine diese Phase der Projektschublade. Diese Entwicklung und garantiert ist schnell gefüllt und, aus ein gewisses Mass an Platzgründen Überarbeitung mit Erfolg. Finanzielle Perspektiven werden erkundet, liegen aber nicht vor.

Kulturpolitik wird hier noch GROSSGESCHRIEBEN. Beworben auf ungenutzten Freiflächen, und auch umbenannt zu T.R.A.S.H., schleunigst in das Bildnis einer Mitleidenschaft gezogen. Senatorin ist hochzuhal- ensteht daraus die erste Videoausgabe an niveaufGute Laune wird direkt ten. reien, aber nicht zu unterin die überspannten schätzenden Gesichter geschnitten, und Kulturwerken. Ein Muss für es wird ein Motiv jeden Videorecorder! Was entwickelt, auch Morgen sonst noch geht bleibt im wiederzukommen. Dämmerlicht zwischen Verkannter ZweckDatenschrank und optimismus dient der Kurzfilmbefund in der Euphorie.

Versuchsanstalt. Hier ein kleines Fundstück: 24 3.1. Grundsätzliches 25 Die KFA muß unter Anweisung die Defizite teilweise abbauen. Ziel sollte es also sein Gewinn zu erwirtschaften. Dabei sind natürlich alle Projekte der KFA hinsichtlich ihrer Notwendigkeit zu überprüfen. Deutliche Arbeitsplatzverhältnisse

Die Sache ist klar und damit überfällig. Die Hütte wird aufgegeben werden müssen. Im Januar 1996 kommen die Lastwagen. Inventar und Insassen werden eingeräumt und hinterlassen eine Lücke, die unter Verwendung dieser Bilder, möglicherweise zum Teil bel&%≠®P... *(hier bricht das Band ab)

Tim Gallwitz Journalist

Kurze – auch Filme Als Organisatorin der Festivals hatte ich die KFA schon schätzen gelernt. Doch zuweilen muss man in die Ferne schweifen, um das Nahe erst recht lieb zu gewinnen. Im Rahmen eines kleinen Filmfestes, das im Winter 2000 in Wolgograd über die Leinwand des dortigen Kulturhauses lief, war auch an die Vorführung einer Rolle mit Kurzfilmen gedacht. Wolgograd, ehemals Stalingrad. Die Stadt, in der der Angriff der deutschen Eroberer zurückgeschlagen wurde. Ein internationales Best of mit vierzehn Kurzfilmen aus dem KFAVerleih, dem Wolgograder Publikum vorgeführt, das daraus seine Favoriten wählte, die als Vorprogramm der Langfilme erneut gezeigt wurden.

zunehmen. Es sind dann aber die Hamburger Straßen, die uns die Maschine nach Moskau um ein Haar verpassen lassen. Dem Taxifahrer ist der Weg zum Flughafen nicht geläufig, was er aber erst nach einiger Kurverei zugeben mag. Dass ein Russe auf dem Flug von Moskau nach Wolgograd ganz selbstverständlich mobil telefoniert, ist überraschend, scheint aber nichts mit den Turbulenzen zu tun zu haben, die unsere zierliche Tupolew durchrütteln. Landestypisch dann der Empfang am Flughafen durch Constanze Stoll, die das Filmfest im Namen des Deutsch-Russischen Austauschs e.V. organisierte: Ein klarer Kartoffelschnaps als Begrüßungsschluck. Ein Getränk, das die Reise fortan treusorgend begleiten sollte.

Angesichts der nicht gerade Vertrauen erweckenden russischen Postwege, entschließen wir uns, Axel Behrens als Träger und Betreuer des nahezu zentnerschweren Filmpakets mit-

Trotz der recht knappen Ansprache von Axel, der die KFA dem Publikum vorstellt, werden ihm die Einreichformulare fürs Festival förmlich aus der Hand gerissen. Dem Publikum immer-

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hin gefallen die Kurzfilme ausnehmend gut. Das stete Rein und Raus zahlreicher Zuschauer während der Langfilmvorführungen bleibt bei der Kurzfilmrolle die Ausnahme. Sieger des Wettbewerbs wird "Schwarzfahrer" vor "Au bout du monde" und "Jolly Roger".

Die Rückfahrt nach Moskau bewältigen wir aufgrund eines gestrichenen Fluges mit der Eisenbahn. Eine zwanzigstündige Reise, die aber aufgrund des reizenden Zugrestaurants sich durchaus kurzweilig gestaltet. Vorhängchen, Tischdecken und Platzdeckchen sorgen für eine unübertroffen kuschlige Atmosphäre, klare Getränke für unübersichtliche Gemüter. Zu dritt, Regisseur Stanislaw Mucha leistet uns Gesellschaft, schlemmen wir uns durch die Speise-

karte und trinken uns den Kopf schwer mit dem Wässerchen, das in Gramm bemessen wird. Als Mitreisende uns als Deutsche identifizieren, schlittert die Lage ins Feindselige. Schließlich setzt sich ein Russe an unsern Tisch, eine Knarre im Hosenbund, erklärt feierlich, er habe uns eben vor diesen Halunken gerettet und lädt uns zum Kurzentrinken in sein Abteil. Der Nachdruck, der in der Einladung liegt, macht sie zu einem Angebot, das man nicht ablehnen kann. Wir treffen auf einen Armeeoberst im Schlafanzug, eine unzurückhaltend geschminkte junge Lady, ein betagtes Mütterchen und den Adjutanten des Oberst. Fettiger Trockenfisch und anscheinend selbstgebrannter Schnaps mit Verzehrzwang führen zu nachhaltigen Beeinträchtigungen von Seh- und Gedächtnisleistungen. Und der

verschneite Boden unter unseren Füßen auf dem Roten Platz muss auch mal fester gewesen sein. Die Kilos der Filmrollen zerren an unsern Armen auf der langwierigen Suche nach einem Frühstückscafé an diesem frühen Sonntagmorgen. Und so lautet ein Beschluss, dass der Axel warten muss. Im Hotel Rossija schließlich werden wir fündig. Ich eile zurück. Keine Filmrollen, kein Axel. Nicht auf dem Roten Platz, nicht am Lenin-Mausoleum. Wurde ihm ein nicht abzulehnendes Angebot unter-

breitet? Nö, ihm wurde das Warten zu lang, erklärt er uns am Flughafen. Ja, Axel, der Dokumentarfilm lebt, und ihm gehört die Zukunft! Und, ich schleppe gern mal wieder ein paar Filmrollen mit dir.

Und, serdechno pozdravlajem s dnem rozhdenija, KFA. Tim Gallwitz

Klaus Hammerlindl Filmemacher

Hallo, liebe Kollegen … … wisst ihr was schön ist? Schön ist irgendwo komplett haltlos in Berlin zu steh'n und einen Freund dabei zu haben, der eine anwesende Frau verehrt. Ich sprech' sie an (in Vertretung) und es ist Johanna, die bei euch Praktikum gemacht hat (Grüße von Johanna an Kyros, Kittel, – du hast mit ihr in Augsburg rein freundschaftlich in einem Bett geschlafen – Axel, Jörg, Astrid und alle anderen). Ich sitz jetzt frühmorgens hier und schreib mein Email, während Johanna mit meinem Freund kuschelt (d.h.: die gucken sich

Kurzfilme an! Anm. d. Red.) – weil: sie hat uns beide noch auf einen Tee eingeladen, aber ich bin heim, um gleich ein Email zuschreiben: Sich näher gekommen über die KFA Hamburg, sensationell!! Begeisterte Grüße Blutohr Hammerlindl

P.S.: Darauf hol ich noch einen runter. Euer Klaus

Tony Hill Filmemacher

Ein kürzlich … … entdecktes Einzelbild eines Super 8-Films, in dem sich Männer auf die 10-Jahresfeier der KurtzFilmAgentur Hamburg vorbereiten. Man beachte, dass von jeder übervoll dekorierten Kopfbedeckung zehn Streifen 35 mm-Filmmaterial hängen. Einer für jedes Jahr der Kurtzfilmaktivitäten. Nach den Feierlichkeiten werden diese Streifen zu einer Schleife verbunden und zehn Stunden lang projiziert, während sich die Männer abwechseln, in das eigenartige Horn zu stoßen. Die besten Wünsche Tony Hill

Maike Höhnke Regisseurin

Von einer Beziehung. Eine aufgeregte Frau betritt das Büro der KurzFilmAgentur und verlangt die Herausgabe einer Videokassette. Die Herausgabe wird ihr verweigert. Was?, fragt die aufgeregte Frau, Was? Warum, was soll das? Du hast das doch unterschrieben, antwortet ihr die Frau hinter dem Schreibtisch, ja, aber ihr habt doch zwei Kopien und ich brauche die doch, ich habe sonst keine mehr, fast ist sie schon am Weinen, das kostet doch, das geht aber nicht, betont die Frau hinter dem Schreibtisch, und wieso zwei, weil ich euch, ich hab euch doch zwei, ihr wolltet doch ... Eine weitere Frau platzt herein: groß, schlank und blond: Astrid Kühl. Die, und die Frau hinter dem Schreibtisch zeigt auf die aufgeregte Frau, die will die Kassette mitnehmen. Was?, sagt Astrid, das geht auf keinen Fall, aber ihr braucht den doch gar nicht, ihr zeigt ihn doch gar nicht, darum geht es doch nicht, wir haben hier doch ein

Archiv, ich scheiß' auf das Archiv, ich brauche meine Kassette, das geht nicht, ich will aber, denn, und Astrid dreht sich um, wer bist du eigentlich? Maike. Pause. Maike Höhne? Ja. Ach so, dann nimm sie doch mit, die Kassette, der Film hat mir eh nicht gefallen. Pause. Dann, das weiß ich sowieso, sage ich, na also, sagt Astrid, na dann und sie geht wieder in den hinteren Raum. Ich bleibe vor dem Schreibtisch der anderen Frau stehen. Fühle mich schrecklich. Komm später nochmal wieder, sagt die Frau hinter dem Schreibtisch versöhnlich, sie meint das nicht so. Ja, ja, sage ich, sie meint das wohl so und ich schwöre mir niemals, niemals wiederzukommen und Astrid will ich nie wieder begegnen. Und irgendwie kommt es dann doch alles anders und Astrid wird für mich später die Person werden, der ich, Jahre später und weniger aufgeregt, als erster meinen neuen Film zuschicken werde, und das außerhalb jeden Festivals und ein-

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fach nur, um ihre Meinung zu hören. Und ihre Meinung schildert sie mir, und motiviert mich und spricht über, und hat also geschaut und verstanden. Eine erneute Bewegung in der Beziehung, eine Auseinandersetzung beginnt. Der Kurzfilm ist so vielfältig wie es die kurze Form erlaubt: unendlicher Bilderlauf. Es gibt alle Genres und keine Genres, alle Technik und nur das Einfachste, es gibt Myriaden von kurzen Filmen. Es gibt keinen gemeinsamen Nenner, außer der dem Material inhärenten Logik: der linearen Richtung nach vorne. Danach beginnt das Abenteuer. Das notwendige Abenteuer. Und das Abenteuer ist im Gegensatz zum langen Film auf einen Ausschnitt begrenzt. Denn kurz soll er sein, der kurze Film. Nicht je kürzer, je besser, aber trotzdem ist es der Ausschnitt, die Begrenzung, Reduktion auf das Wesentliche oder das neben dem Wesentlichen Liegende, auf dasselbe Verweisende: das besondere. Es ist das Bild, was der Film ist.

Es ist die Auswahl der Bilder, der reduzierten Bilder, die die Geschichte, das zu Sehende formen. Es sind die Bilder, die die Worte zwingen. Es ist ein anderes Fließen. Es ist ein Rauschen. Es braucht nicht den Zwang der Erzählung, aber die Konzentration des Künstlers auf die Auswahl, das Auszuwählende. Ein Film-Hai-ku. Es braucht sehr engagierte Menschen, die sich immer wieder in das Abenteuer des Bilderlaufes hineinbegeben. Die sich immer wieder den so unterschiedlichsten Bilderwelten und Menschen hingeben und sich streitbar machen, die sich trauen, Extreme einzugehen und zu unterstützen. Und es ist die Arbeit in der Agentur, neben dem Festival, in der das Unterstützen Priorität hat. Das Unterstützen, das von so außerordentlicher Bedeutung für den Kurzfilm und die dahinter

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stehenden Filmemacher, Künstler ist. Denn wer kümmert sich darum, dass jemand für einen Kurzfilm entlohnt wird, dass derselbe etwas einspielt, zurückgibt: Gelder, von denen ein Leben oder wenigstens eine Reise möglich ist. Von dem Film und also der Kreation alleine – und sei sie noch so erfolgreich – kann kein Künstler leben. Wie aber, und von was leben. Die Agentur gibt keine und ist keine Garantie für einen Rückfluss, aber sie ist ein Versuch: ein stetiges und über die Jahre konstantes Versuchen. Und das, in Zeiten, in denen der Versuch immer mehr an den Rand gedrängt wird, die Skizzen nicht existieren, sondern von festen dritten Wegen überbetoniert werden, und das perfekte Funktionieren in einer Ordnung und grossen Geschichte, die

scheinbar nicht am Ende ist, Vorrang hat vor dem Einzelnen und dem Kurzen, vor dem Ausschnitt: die Arbeit der Agentur ist herausragend, einzigartig, wunderbar. Notwendig.

Maike Höhne

Eva Hubert FilmFörderung Hamburg

Persönliche Zuwendungen Ein Blick in unsere Unterlagen brachte Interessantes zu Tage: Vor genau zehn Jahren, im Herbst 1992, lag der damaligen Filmförderung in Hamburg der Antrag auf "Unterstützung der Vorbereitung zur Selbstdarstellung und Öffentlichkeitsarbeit des Projektes KFA" vor. Mittlerweile ist die KurzFilmAgentur weit über Hamburgs und Deutschlands Grenzen hinaus als wichtige Informationsstelle für den deutschen Kurzfilm bekannt geworden. Das Projekt wurde umgesetzt. Rückblickend betrachtet war die finanzielle Unterstützung vor zehn Jahren also eine lohnende Anschubsfinanzierung ... Kontinuierlich und treu hat die Hamburger Filmförderung von Beginn an mit dem Filmbüro, dem Film Fonds und dem VertriebsKontor und seit 1995 dann mit der FilmFörderung Hamburg GmbH ihre Nachbarn aus der Friedensallee unterstützt, projektbezogen gefördert und ideell begleitet: Den Kurzfilm zu vermarkten, das Genre aus seinem Nischendasein

zu befreien und Kinobetreiber, aber auch Programmmacher beim Fernsehen zu überzeugen, mehr Kurzfilme zu zeigen, gehören zu den wichtigsten Zielen der engagierten Agentur. Denn der Kurzfilm ist mehr als nur eine Fingerübung. Er ist ein anspruchsvolles Genre mit eigener Dramaturgie, Bildsprache und Themenwahl. Er bewegt, unterhält und rüttelt auf. Der KurzFilmAgentur ist es in den vergangenen Jahren gelungen, ein breites Publikum für den Kurzfilm zu begeistern. Allein in diesem Jahr besuchten 14.500 Besucher das Internationale KurzFilmFestival in Hamburg. Und der mit Hamburger Mitteln geförderte Kurzfilm "Staplerfahrer Klaus – Der erste Arbeitstag" von Stefan Prehn und Jörg Wagner schlägt mit 50.000 Zuschauern, zahlreichen Festivaleinladungen und Preisen alle Rekorde.

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Für die Filmstadt Hamburg ist die KurzFilmAgentur, die international mit der "Koordination Europäischer Filmfestivals" und der "Internationalen Kurzfilm-Konferenz" zusammenarbeitet, eine wichtige Anlaufstelle für Produzenten, Verleiher, Regisseure, Autoren und Redakteure aus dem In- und Ausland. Mit ihrem unermüdlichen Engagement und ihrer Kompetenz bereichert die KFA die Hamburger Filmszene und trägt zu einer lebendigen Filmkultur in dieser Stadt bei.

Wir wünschen der KurzFilmAgentur, wir wünschen Astrid Kühl und ihren Kolleginnen und Kollegen, weiterhin viel Erfolg und hoffen sehr, dass ihre professionelle und kompetente Arbeit auch mit der notwendigen finanziellen Unterstützung von Seiten der Freien und Hansestadt Hamburg in Zukunft fortgesetzt werden kann. Eva Hubert und Team

Medard Kammermeier Filmgalerie Regensburg Kurzfilmwoche Regensburg

Ohne Kurze wäre alles sinnlos Am Anfang waren sie alle kurz. Bald jedoch wurden sie immer länger. Als sie ungefähr 90 Minuten waren, nannte man sie abendfüllend. Die, die kurz blieben, schauten dumm. Sie durften jetzt nur noch vor den Langen auftreten und ein paar Kultur- und Steuerersparnisfaxen machen, bald aber war es auch damit aus. Die Kurzen waren unerwünscht. Die Langen wurden immer sinnloser, besorgten aber den Umsatz, die Kurzen standen ziemlich unbemerkt im Eck rum und bereiteten sich aufs Vergessen werden vor. Manchmal wurden sie anlässlich innovativer Freakshows auf die Wiese getrieben. Es gab wissendes Raunen, nostalgisches Schmunzeln, aber auch Kopfschütteln und blankes Entsetzen.

1992 wurden ein paar Hamburger auf das traurige Dasein der unterdrückten Kurzen aufmerksam, sie taten sich zu einem Verein zusammen und machten extra für die Kurzen eine

Agentur auf: die KurzFilmAgentur. Diese Agentur startete eine anfangs recht aussichtslos scheinende, aber wie wir heute wissen, letztendlich überaus erfolgreiche Kampagne für die Rechte der Kurzen. Man schickte einen Brief an die Presse und später auch an uns. In dem Brief stand, dass es die Kurzen immer noch gebe, dass diese nicht nur nicht übel, sondern manchmal sogar genial seien, dass die Kurzen insgesamt eigentlich notwendig und sie, sowie ihr natürliches Umfeld erhaltenswert seien. Und: dass sie jetzt endlich wieder einen echten und engagierten Fürsprecher hätten.

Wir hatten damals gerade eine enorme Krise mit den Langen, das Leben mit ihnen – wir erinnern uns noch ziemlich gut – fing gerade an, uns leer, langweilig und sinnlos zu erscheinen. Also schlossen wir uns dem aus Hamburg gesandten Appell an, und ein Abonnement auf die Kurzen ab. Das beflügelte uns.

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Regelmäßig schickten uns nun die Hamburger einen Kurzen. Wie sie leuchteten! Wie sie uns längst verloren Geglaubtes zurückbrachten! Um dieses Gefühl zu verstärken und nie enden zu lassen, gingen wir, wie von den unermüdlichen Hamburgern vorgemacht, daran, eine Sonderwoche für die Kurzen einzurichten. Noch mehr Kurze, noch mehr Freude, noch mehr Sinn! Was uns erst langsam und dann immer klarer bewusst wurde: die Kurzen sind und benehmen sich manchmal sehr unschön – sie schießen an allen Ecken und Enden aus dem Boden, ihre Vermehrungstätigkeit unterliegt keinerlei Kontrolle, sie fälschen und klonen sich gegenseitig, sie kämpfen auch mit unlauteren Mitteln um die Aufmerksamkeit, sie formieren sich zu

Alpträumen – aber das alles zählt nicht, wenn plötzlich ein wahrhaftiger Kurzer vor uns tritt. Dann ist die Welt in Ordnung, auch wenn so langsam alles schiefgeht, was schiefgehen kann. Filmgalerie und Kurzfilmwoche Regensburg danken der KurzFilmAgentur Hamburg für den zehnjährigen, auf allen Ebenen durchgefochtenen Kampf für die Kurzen, für das gute Beispiel, mit dem die Agentur immer wieder voranschreitet. Für die ganze Liebe. Medard Kammermeier

Jürgen Kittel Portfolio-Worker

Selten hilft Musik Es muss so gegen 1995/96 gewesen sein, als ich zum erstenmal in unmittelbaren Kontakt mit der KurzFilmAgentur kam. Meine erste Begegnung muss dezent gewesen sein, denn die Erinnerung, die ich daran habe, ist schon etwas welk. Mehr oder weniger waren es einfach nur Räume, die ich bisher nicht betreten hatte. Räume, in denen Videokassetten scheinbar die fehlenden Wände ersetzten. Die wenigen, noch vorhandenen Lücken waren von Menschen belegt, die auf hanseatische Weise freundlich waren. Ich besuchte Herrn Wagner, der dort kurz zuvor seinen Job als Verleihdisponent begonnen hatte. Wenige Monate früher lernte ich ihn im Plusquamperfekt kennen, als er ein Casting für eine "Schrill-und-Billich-Show" abhielt. In dieser Veranstaltung sollten sich herrlich bescheuerte Kurzfilme mit ebenbürtiger Musik abwechseln. Dort gab ich mit der Hong-Kong-RockLegende "Hü Schenkel" ein 20-Sekunden-Stück zum Besten, dessen spärlicher Text "Ficki, ficki – 10 Mark" den Herrn Wagner

wohl überzeugt haben musste, wenn auch mit gebremster Emotion. "Mmmhh – okay, ihr seid dabei", hieß es nach kurzer Beratung mit seinem Kollegen Herrn Ziwich, einem freundlichen Musical-Idioten. So indifferentes Zeug dachte ich damals. Die "Schrill-und-Billich-Show" verlief ausgezeichnet, die "Hü Schenkel" gewannen das "Goldene Mikrofon", Emotionen wurden spürbarer. Außerdem lernte ich noch einen Sepp und einen Axel kennen, die bei der Veranstaltung feixend am Videoplayer saßen und die Kassetten einwarfen. Was ich dort zu sehen bekam war aufs Höchste erhellend. Jedenfalls so lange bis ich bei anderer Gelegenheit das sah, was tatsächlich aufs Höchste erhellend war. In der Folgezeit besuchte ich Herrn Wagner gelegentlich an seinem Arbeitsplatz, und aus unbekannten Räumen wurden nach und nach Menschen mit Namen. Wirklich verwirrend war die Namenszuordnung für den damali-

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gen Geschäftsführer Markus Schaefer. Als ich Herrn Wagner mal fragte, wer den Laden eigentlich schmeißt, sagte er mir sinngemäß "... der Kleine mit der leichten Glatze." Nun ja, der Typ, den er meinen konnte, hatte Geheimratsecken – das konnte ich noch durchgehen lassen, aber klein – nö, bestenfalls ein, zwei Millimeter kleiner als ich. Das musste ein anderer sein. Eines Tages ging mir ein Licht auf, als ich Markus Schaefer vorgestellt wurde und andere um uns rumstanden. Er ist – sonst hätte er auch niemals der Kurzfilm-Napoleon werden können – tatsächlich klein. Deswegen tat ich sogar, was ich eigentlich nie wollte. Mit einer Plastiktüte voller Aufnahmeformulare stand ich im Büro und erbat Vereinsmitgliedschaft. So geriet ich schrittweise tiefer und

tiefer in die Fänge der KurzFilmAgentur, bzw. in ihre Hauptveranstaltung KurzFilmFestival. Heute reiss ich mir immer noch für umgerechnet 10 Mark den Arsch auf, aber ich bin immerhin Agent. Jürgen Kittel

Markus Schaefer, heute

Interview mit Markus Schaefer Am Mittwoch, den 18.09.2002 traf ich mich mit dem ehemaligen Geschäftsführer der KurzFilmAgentur Hamburg, Markus Schaefer, im erfreulich schonungslosen Restaurant "Sotiris", um mit ihm ein Interview über die Entwicklung hin zur Agentur, ihren Anfang und ihre frühe Entwicklung zu führen.

Das – aus Sicherheitsgründen – mitgebrachte Diktiergerät erwies sich schon recht früh als ziemlich unsicher, indem es, kurz gesagt, tat, was es wollte. Ein vom Nachbartisch gestohlener Kugelschreiber – zur Anfertigung von Notizen – zeigte sich stark schmierend, was durch das Papier, welches von der Deutschen Telekom für Mahnungen verwendet wird, nicht besser wurde, speziell wenn man berücksichtigt, dass Regennässe dem Ganzen nicht gut tut. Eine Gruppe, ebenso infernalisch lauter wie guter rumänischer Kneipen-Musikanten tat ihr Übriges.

Folglich wurde aus dem Interview ein beispiellos formloses Gedächtnisprotokoll. Markus, erzähle, wie es vom ersten Festival 1985, über die weiteren zur Gründung der KFA kam – und warum? Die LAG Film hatte eigentlich vor, Basis-Filmausbildung zu betreiben und wegen externer Gegenwehr vergeblich versucht das zu professionalisieren. Parallel hatte Hark Bohm seinen Studiengang eingeführt und alles torpediert, was nur nach Filmausbildung roch, damit er die Fokussierung bekommt, sowohl finanziell, als auch anderweitig. So hatten wir damit auch kaum eine Chance. Wir hatten aber weiter die Idee, unsere Ergebnisse – also kurze Filme – in einem Kino zu präsentieren, ergänzt durch aktuelle Filme, die bis dahin keine Gelegenheit bekamen, öffentlich gezeigt zu werden. Nachdem diese ausgewählt wurden, stand

Markus Schaefer, damals

das Programm für den ersten No Budget Filmabend im Metropolis Kino, der zu unserer Überraschung mit ca. 350 Leuten, die zum Teil auf den Gängen saßen, ausverkauft war. Dadurch sahen wir uns ermutigt, weiter zu machen, was 1986 zu einem längeren Abend führte und ein Jahr später schon zu einem mehrtägigen Festival. In dieser Zeit des wachsenden Zuspruchs wuchs gleichzeitig das Interesse der ehrenamtlichen Mitarbeiter und die Kompetenz zum Thema Kurzfilm. So wurde rasch klar, dass man strukturell arbeiten musste, um sein Ziel zu verfolgen, eine Öffentlichkeit für Kurzfilme und ein Vorankommen für deren Macher zu schaffen. Im Wesentlichen bedeutete das, dass man den Stellenwert des Kurzfilms innerhalb der Filmindustrie auf ein Level bringt, den er

verdient hatte, also seine Verbreitung in Kinos und im Fernsehen. Die Bemühungen scheiterten allerdings, weil das finanziert werden musste ... ... die Finanzierung der ersten Festivals ging zum Teil seltsame Wege ... Ja, sie bewegte sich auf niedrigem Niveau und ohne Bezahlung der Mitarbeiter. Das war bekannt, aber da es auch so ging, sah die Kulturbehörde keinen besonderen Grund zur Förderung. So konnte das 87er Festival nur mit Hilfe einer Ausfallbürgschaft seitens des Filmbüros und durch Zuschüsse vom SPIEGEL und den GRÜNEN durchgeführt werden.

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Als ich wegen einer möglichen Bezuschussung durch das Filmbüro bei deren damaligen Leitern vorsprach, fragte mich Hark Bohm: "Wo ist den eigentlich eure Effizienz?" "Als ich so alt war wie ihr, habe ich mir einen Projektor in den Raum gestellt, Leute eingeladen – und schon hatten wir ein Festival. Das hat uns nichts gekostet.", so die kennzeichnende Größe für bestimmte technische Verhaltensweisen, vulgo: der Koeffizient, bei einem anderen Treffen im Rathaus (folgend; Anm. d. Red.) sinngemäß weiter.*

1988 gab es dann allerdings die erste Förderung der Kulturbehörde in Höhe von 38.500,- DM, nachdem ich – noch bei meiner Zivildienststelle – eine kurzfristige Einladung ins Rathaus bekam, wo der Etat für die Hamburger Filmfestivals ausgehandelt wurde. Die anderen hatten ihre "Anwälte" dabei. Dass es in den Finanzierungsangelegenheiten immer ziemlich heiß herging, lässt sich auch an einer Episode mit dem Senatsbeauftragten für Film, Dr. Hanno Jochimsen, zeigen. Zitat: "Herr Schaefer, die Stadt hat sie nicht gebeten, dieses Festival zu machen." Das

* hier muss klar gemacht werden, dass Hark Bohm mittlerweile schon wenigstens zweimal schriftlich ein eindeutiges Lob, sowohl für die Arbeit der KurzFilmAgentur, als auch für das KurzFilmFestival ausgesprochen hat, in dem er die Hartnäckigkeit bewundert, mit der die KFA ihre Arbeit und ihr Festival durchführt. Haltungen lassen sich eben ändern. (Anm. d. Red.)

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war deutlich, aber er hat sich später bei mir dafür ausdrücklich entschuldigt. 1992 wurde dann die KFA gegründet. Am Anfang noch mit dem Namen KurzFilmBüro gedacht. Nach den, zuerst vergeblichen Kämpfen um einen Etat hierfür, gab die Presse wenige Tage vor dem Festival meinen Rücktritt als dessen Leiter bekannt. Mit dem beginnenden Festival erfuhr ich durch die Kultursenatorin Christina Weiss, dass man die entstehende KurzFilmAgentur nun doch fördern wird. Gleichzeitig fragte sie mich, ob ich denn nun, nach meinem Rücktritt auch nach Nordrhein-Westfalen ginge (1992 war das Jahr, in dem Dieter Kosslick zur Filmstiftung NordrheinWestfalen abwanderte; Anm. d. Red.).

Wie muss man sich die Anfänge der KFA vorstellen? Ich hatte ein ABM-Projekt angeworben, bei dem wir sage und schreibe sieben Angestellte haben durften. Zwei davon, nämlich Axel Behrens und Eliane Meyer-Dernier, durften wir uns selbst aussuchen, die restlichen fünf kamen über das Arbeitsamt, wobei pro ausgeschriebener Stelle maximal drei Bewerber zugelassen waren, bevor die Zusage stehen musste. Die Arbeit, die die sieben Leute zu machen hatten, war eine "Studie zur Situation des Kurzfilms in Deutschland und Europa", um Argumente vorlegen zu können, nach denen die Notwendigkeit zur Gründung eines zentralen Büros deutlich werden sollte.

Dass sich die unterschiedlichst zusammengesetzten Leute eigentlich vorher nicht kannten, beschleunigte das Tempo, in dem sie sich zunehmend zerfleischten, während ich tagsüber meinen Zivildienst ableisten musste. Ich konnte also kaum noch in den abendlichen Besprechungen das wieder zusammenfügen, was in den Stunden vorher auseinandergelaufen war. Die Studie kam nie zustande, die Vorarbeit mündete aber beim Festival 1992 in das sogenannte KurzFilmForum, an dem auch François Ode von der Agence du Court Métrage (der französischen Kurzfilmagentur; Anm. d. Red.) teilnahm. Ich hatte ihn zwei Jahre früher kennengelernt und in dieser Zeit auch zweimal die französische Kurzfilmagentur besucht, um zu sehen, wie man dort arbeitete und organisiert war. Für die kommende Gründung war das äußerst hilfreich. Nach der (oben erwähnten; Anm. d. Red.) überraschenden Zusage von Frau Weiss ergab sich im Anschluss an das Forum

mit ihr und der Filmreferentin der Kulturbehörde, Juana Bienenfeld, eine programmatische Diskussion, in der ich darlegen musste, wie eine solche Agentur aussehen würde. Das Ganze im Anschluss natürlich auch als schriftliches Konzept, was heute, gemeinsam mit dem KurzFilmFestival immer noch als Grundlage der Agenturarbeit dient.

Die Agentur entstand als eingetragener Verein, so viel ist klar. Wer waren die Gründungsmitglieder, was waren die wesentlichen Betätigungsfelder der Agentur, und gab es Unterschiede zu den heutigen Aufgaben? Gründungsmitglieder waren Axel Behrens, Anette Kiener, Karsten Hinckeldeyn, Michael Kähler, Birgit Kämper, Robert Krause, Judith Lewis, Patrick Orth, Kirsten Rick, Melanie Salge und ich. ...

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Aha – gab es ein Paritätsgebot? ... hahahaha ... ... verstehe. Zu den Arbeitsbereichen. Die Bereiche waren im Großen und Ganzen die, die es immer noch sind. Die Wertigkeiten und der jeweilige Aufwand haben sich natürlich im Laufe der Zeit gewaltig geändert. Speziell die umfangreiche Arbeit mit Adress- und KurzFilmDatenbank ist selbstverständlich im doppelten Sinne gewachsen.

schon ungefähr 25.000 Zuschauer deutschlandweit, aber beide waren durch die hohen Kosten für 35mmKopien – zum Teil waren es Blow-Ups von Super 8 auf 35mm – ein Minusgeschäft. Mittlerweile ist natürlich neben Kino und Fernsehen noch das Internet als Abspielort hinzu gekommen. Der Vertrieb entstand erwähnenswert erst mit der KFA, ebenso die vielfältige projektbezogene Arbeit.

Herr Schaefer, ich denke an dieses Gespräch. Der Verleih von Kurzfilmen geht schon auf 1989 zurück, als wir zum einen mit unserer Firma "New Urge Film Coop" die erste Kurzfilmrolle in Belgrad Premiere haben ließen. Die zweite hatte

Interview: Jürgen Kittel

Michael Konstabel Produzent

Als der Film … … geboren (also 1898) wurde, war er vor allem eins: kurz. Und welcher Filmemacher fängt seine Karriere nicht mit Kurzfilmen an. Ich bin auch ganz froh, dass ich mit meinen Kurzfilmen, die ich für und mit Regisseur Sebastian Peterson produziert habe, bei der KurzFilmAgentur gelandet bin, die mit Lust und Verstand arbeitet. So ist es schön zu lesen (auf der Jahresabrechnung), in welchen Kinos die Filme liefen, mit welcher Vitalität die "Kurzen" ihren Witz verbreiten. Und dabei auch die verdiente Mark (klingt besser als Euro) einspielen. Ob und wofür es reicht, steht auf einem anderen Blatt. Ist der Film erst einmal fertig, wollen die Macher schnell herausfinden, wie der Film ankommt. Premiere auf einem der vielen, vielen Festivals und dann meldet sich die KFA oder auch nicht.

Die KurzFilmAgentur beweist immer wieder, dass es vielerlei Nutzungsmöglichkeiten für die Kurzfilme gibt. Zuletzt hat sich das Landesmedienzentrum Hamburg für "Die Liebe der Mannequins" interessiert. Kino als unterhaltsame Pädagogik, das hätten wir als Macher nicht gedacht ... Die KFA und auch das Internationale KurzFilmFestival sind für die Verbreitung der Kurzfilme unverzichtbar. Ich wünsche Euch noch viele unterhaltsame Filme für Eure lobenswerte Anstrengungen, die Ur-Form der Kinounterhaltung am Leben zu erhalten. Michael Konstabel

Dieter Kosslick Festival Direktor Berlinale

Von langer Hand geplant Die neue Berlinale wurde bereits vor Jahren in Hamburger Kurzfilmkreisen vorbereitet Die KurzFilmAgentur Hamburg e.V. gab es in dieser Form noch nicht, denn seine Vorläufer nannten sich mit ökonomischem Realitätssinn No Budget Filmfestival. In dessen erstem Auswahlkommitee trafen sich 1986 geheimnisvoll drei Filmfreunde: Birgit Heidsiek, Filmjournalistin, Christoph Terhechte, Filmkritiker, und Dieter Kosslick, damaliger Geschäftsführer des Hamburger Filmbüros e.V.. Unvergessen ein No Budget Film, über den sich der Kollege Terhechte und ich noch Jahre später kaputtlachen konnten. Der Titel ist zwar verschwommen, die Bilder sind noch klar vor Augen: eine Reihe geigender Kinder in komischen Anzügen,

die mit großer Lust versuchten, ein kleines Konzert zu spielen. Irgendwie klappte das alles nicht, aber wir konnten uns, wie man im Norden so schön sagt, richtig "beeumeln". Dieser Film diente als gemeinsame filmische Plattform, wenn sich Christoph Terhechte, seine Kollegin Anna Hoffmann vom Metropolis und ich, als Chef des Europäischen Low-BudgetFilmfestivals, wieder einmal beim Programmieren in die Haare bekamen. Quasi eine filmische Brücke, die uns immer wieder verband. Dann trennten wir uns: Das Kino auf der Alster wurde versenkt, der Filmemacher Thomas Struck, Mitbegründer des Europäischen Festivals zog die Piratenflagge ein, Ute Schneider wurde Geschäftsführerin der neuen Europäischen MEDIA-Förderung efdo, Birgit Heidsiek trieb sich in New Yorks Independent-Szene herum und mich verschlug es mit einem

kurzen Zwischenspiel im Hamburger Filmstiftung Nordrhein-Westfalen.

Film

Fonds

zur

Der Weg vom No-, über Low-, zum Show-Budget war vollzogen. 1996 durfte ich dann noch einmal in der jetzt richtigen Jury des Internationalen KurzFilmFestivals teilnehmen und fand es klasse, wie all die wunderbaren Leute um Festivalgründer Markus Schaefer immer noch so gut drauf waren. Apropos Markus – aus ihm sollte wirklich was werden. Ein tollkühner Kollege, intelligent, wild, durchsetzungsfähig, anarchisch. Nur einzig und allein mit seinen extrem spitzen Schuhen konnte ich mich nie richtig anfreunden ...

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Heute am 2. Mai 2002 sitze ich am Potsdamer Platz in Berlin mit Blick auf die Philharmonie. Genau vor einem Jahr habe ich hier als neuer Berlinale-Direktor begonnen und genau zu dieser Zeit hat auch Christoph Terhechte sein neues Amt als Forumsleiter angetreten. Zu seinem Auswahlteam gehört Anna Hoffmann, und Birgit Heidsiek schrieb in meinem ersten Berlinale-Jahr täglich Hintergrundberichte vom Festival. Ute Schneider war übrigens als Produzentin bei der diesjährigen Berlinale und selbstverständlich kam auch Thomas Struck im neuen Anzug auf den roten Teppich. Auch alle anderen, die damals das No und Low-Budget-Festival in Hamburg besuchten, tauchten wieder auf – und plötzlich war das geheimnisvolle Fluidum wieder da. Die Stimmung gut, ja sogar heiter bis ausgelassen, wie die Presse schrieb. Man freute sich, beim Familientreffen wieder dabei zu sein, obwohl die Familie in der Zwischenzeit viel größer und internationaler geworden ist.

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Ach ja, zwei haben wir vergessen: Wieland Speck vom Panorama war damals hilfreich und unterstützend mit seinem Mentor Manfred Salzgeber beim Hamburger Filmfestival.

Kein Wunder, dass die Berlinale heute eine Berlinale der Kooperation und der freundschaftlichen Verbindungen ist. Alles wurde bei den No- und Low-Budget-Festivals in Hamburg von langer Hand vorbereitet. Dass die KurzFilmAgentur jetzt auch schon wieder zehn Jahre alt wird zeigt, wie stabil die Fundamente der damaligen Filmarbeit in Hamburg waren.

Die Berlinale grüßt die KurzFilmAgentur und gratuliert allen, die mit so viel Enthusiasmus und Filmgeschmack die letzten 17 Jahre mitgemacht haben. Ihr könnt stolz darauf sein, dass gute Stimmung – das lernen wir von Euch bei der Berlinale:

HOW LOW CAN WE GO? – HOW HIGH CAN WE FLY? Dieter Kosslick

Jim Lacy, Daniel Haude & Kathrin Albers Filmemacher Stoptrick, Hamburg

10 JAHRE KURZFILMAGENTUR Vor etwa einem Jahr habe ich hautnah die Arbeit der KurzFilmAgentur schätzen gelernt. Ich war in einer Kleinstadt namens Vloto auf einer Shiatsu-Goa-Party und versuchte, wie immer, möglichst vielen Menschen zu erzählen, dass ich Filmemacher bin. Normalerweise bringt das nicht so viel, (und auf Shiatsu-Goa-Partys erst recht nicht) aber an diesem Abend fing meine neue Bekanntschaft sofort an, von einem "genialen" Kurzfilm zu berichten, den sie neulich im Kino als Vorfilm gesehen hatte. Während sie mir diesen Film etwas lückenhaft und holprig nacherzählte, wurde mein Grinsen immer breiter. "Was ist?" fragte sie. Ich antwortete lässig: "Den Film habe ich gemacht!" Am nächsten Morgen habe ich zugegeben, "Staplerfahrer Klaus" nicht wirklich gemacht zu haben. Sie war natürlich etwas sauer; gab sich aber letztlich damit zufrieden, dass ich eine große Statistenrolle in dem Film hatte (Ich stehe hinter Klaus als er seinen Staplerschein bekommt).

Solche Erlebnisse wären ohne die Arbeit der KurzFilmAgentur nicht denkbar. Dass eine gelenkige Tanztherapeutin aus Bielefeld in einem Bremer Multiplex Kino einen Hamburger Kurzfilm sieht und dann gleich auf der nächsten Land-DrogenMeditations-Party einen eingedeutschten Texaner kennenlernt, der in dem Film mitgespielt hat, zeigt eindrucksvoll, wie essentiell die Arbeit der KurzFilmAgentur für Nachwuchsfilmemacher eigentlich ist.

Als wir 1998 unseren ersten kleinen 16mm Film drehten, hat Astrid Kühl ihn in den Verleih aufgenommen. Es war ein Vertrauensvorschuss und Nachwuchsförderung an zwei Studenten, die es kaum fassen konnten, als ihr Film in den zeise kinos als Vorfilm lief. Wir waren unglaublich stolz und auch unglaublich motiviert, den nächsten Film zu drehen.

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Inzwischen hat die KurzFilmAgentur fünf Filme von uns im Verleih. Wir haben alle diese Filme auf dem Schneidetisch der KurzFilmAgentur geschnitten, Sepp führt unsere Filmmuster in der Vorführung vor, und wir haben auch schon zweimal den Trailer für das KurzFilmFestival gedreht (ich habe auch eine Idee fürs nächste Jahr). Kurz gesagt: Obwohl sich die KurzFilmAgentur ihre Arbeit ohne Filmemacher, die immer den Kopierer mitbenutzen wollen, sicher gut vorstellen kann, können wir uns das Filmemachen ohne die KurzFilmAgentur nicht vorstellen, und nicht nur wegen des Kopierers, der gerade etwas Toner braucht.

Zu den Personen: Jim Lacy gründete 2001 zusammen mit Daniel Haude und Kathrin Albers das Trickfilmstudio Stoptrick in Hamburg, Bahrenfeld. In diesem Jahr drehten sie den Trailer für das KurzFilmFestival und hatten auch zwei Filme im Festival, "Spelunkers" und "Quench", die Publikumspreise gewannen. Zur Zeit arbeiten sie an einem etwas längeren Trickfilm, der im nächsten Jahr fertig sein soll.

Birgit Müller & Holger Tepe Unabhängiges Filmfest Osnabrück

K – F – A Kurzfilme für Alle Alles für Kurzfilm A – F – K Auch so kann die Abkürzung der KurzFilmAgentur gelesen werden. Hier sind zweifelsohne FilmenthusiastInnen bei der Arbeit, die ihr Handwerk verstehen. In den entferntesten Winkeln der Welt treiben sie Kurzfilme auf und überzeugen die RegisseurInnen, ihre Werke von der KFA vertreiben zu lassen. Haben sie das Objekt ihrer – und natürlich auch unserer – Begierde erst einmal in ihren Verleihstock aufgenommen, erreicht es die Kinos in vorbildlichen Versandboxen mit fast schon pedantisch anmutenden Vorführberichtszetteln (zweifach vom Vorführer abzuzeichnen: in Druckschrift und mit Signatur). Hier ist bis ins letzte Detail alles wohldurchdacht. Genau wie das ausgeklügeltes System gestaffelter Abonnements, mit optionalen Freifilmen, mit denen sie Kinos langfristig an sich binden. Wer jemals eine Werbeverkaufsveranstaltung besucht und den geschmeidigen Worten eloquenter Vertreter gelauscht hat, weiß wie Profis im Geschäft bleiben.

Halt! Hier scheinen Zweifel angebracht und der Blick wandert unter die schillernde Oberfläche. Alles scheint einfach zu schön um wahr zu sein. Hören wir ständig Klagen der KFA über das angeblich schmale Budget. Wie gelingt es ihnen in Zeiten knapper Kassen uns immer wieder mit Vierfarbbroschüren und Previewtapes zu bemustern. Bei genauerer Betrachtung schleicht sich schnell der Gedanke ein, dass dort nicht alles ganz astrein zugeht. Wer immer die Gelegenheit hatte Kühl, Kittel und Konsorten in ihrer natürlichen Umgebung, dem Internationalen KurzFilmFestival Hamburg, zu beobachten wird schnell geneigt sein unsere Vorbehalte zu teilen. Nach Mitternacht in der Zeit vor der Morgendämmerung entwickeln diese lichtscheuen Gesellen ungeahnte Aktivitäten.

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Es bedarf lediglich der Fantasie eines mittelmäßig begabten Drehbuchschreibers und schon erscheint uns Astrid Kühl auf ihrem klapperigen Fahrrad, dass sie demonstrativ als Symbol knapper Kassen beim IKFF benutzt, wie eine blonde Gundel Gaukeley die auf ihrem Besen durch die Nacht zieht. Nicht auf der Jagd nach Dagoberts Glückstaler, vielmehr unterwegs dem jungen Regietalent sein filmisches Werk zu entreißen.

Wer ihr entgeht trifft unweigerlich auf ihren Adepten. Jürgen Kittel, ein Virtuose der Spirituose, der mit hochprozentigem Alkohol selbst abstinente Filmemacher gefügig ihre Unterschrift unter den Kontrakt setzen läßt.

Vorstandsmitglied und ein Meister der Verstellung ist Karsten Hinckeldeyn. Wie eine Spinne breitet er die Netze aus, in denen sich immer wieder unbedarfte Künstler verfangen. Man trifft ihn scheinbar überall in Europa. So beobachteten wir ihn in der Schweiz in der Maske des harmlosen Kinoleiters, wie er ahnungslose Regisseure ansprach. Widerstand ist zwecklos. Wer sich widersetzt, läuft in sein Verderben. Wir selbst sahen Markus Schaefer, den genialen Architekten der KFA, wie er sich im Vorjahr als Kartenabreißer eines Hamburger Kinos verdingen musste. Man ist geneigt seine Augen schnell und fest vor diesen Abgründen zu verschließen. Doch wenn wir sie wieder öffnen,

sehen wir, wie wir lediglich den Trugbildern unserer kino-strapazierten Fantasie aufgesessen sind, und unsere irren Visionen zerfallen zu Staub.

hat. Wir wünschen dem Team weitere erfolgreiche Dekaden beim Vertrieb des kleinen, großen Films. Birgit Müller & Holger Tepe

Es bleibt die ausgezeichnete Arbeit, die die KFA seit einem Jahrzehnt geleistet

Thomas Neuhauser Arte

Interview mit Astrid Kühl 10.12.01 "Wo gehört der Kurzfilm hin?" Über diese und andere Fragen zur deutschen Kurzfilmszene sprach ARTE mit Astrid Kühl, der Leiterin der Hamburger KurzFilmAgentur: Frau Kühl, was macht die Hamburger KurzFilmAgentur? Unser Hauptschwerpunkt – neben der Veranstaltung des Internationalen KurzFilmFestivals Hamburg – ist der Verleih von Kurzfilmen für die Kinos im deutschsprachigen Raum. Daneben betreiben wir eine Abteilung, die einen Weltvertrieb von Kurzfilmen organisiert, also Verkäufe von Kurzfilmen aller Art an Fernsehsender und an Kinos natürlich. Auch an Käufer, die für bestimmte Veranstaltungen Kurzfilme benötigen, oder an Internet-Firmen, die Kurzfilme zeigen wollen. Aber wohlgemerkt, nur in Form von Verkäufen und nicht in Form einer

kostenlosen Bereitstellung von Kurzfilmen. Daneben sind wir die einzige wirklich existente Kontaktstelle in Deutschland in allen Fragen, die den Kurzfilm betreffen – was die Produktion angeht, aber auch den Vertrieb von Kurzfilmen. Daneben gibt es in Deutschland noch die Kurzfilm-Abteilung des Festivals von Oberhausen, wo es große Kompetenz gibt, und ein paar andere Festivals die sich ebenfalls Kompetenz erworben haben. Aber wir werden sehr viel angesprochen, wenn es Fragen gibt zum Thema Kurzfilm. Deutsche Kurzfilme bekommen in letzter Zeit sogar Oscars, wie zuletzt "Quiero ser" ("Gestohlene Träume") im Jahr 2001. Spüren Sie dann, dass es hier ein Boom gibt, dass sich in der Szene viel bewegt ? Ich denke schon, dass sich in der Szene einiges bewegt, und die Filme etwas gehaltvoller geworden sind. Dass wir neben

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der Aufarbeitung von Kindheits- und Jugenderfahrung mittlerweile auch andere Geschichten zu sehen bekommen, die etwas mehr erkennen lassen, dass der Filmemacher eine gewisse Lebenserfahrung hat, was ich relativ wichtig finde bei einem Kurzfilm. Denn diese ewigen Aufarbeitungen von Kindheits- und Jugenderinnerungen, die werden einem irgendwann auch zu viel. Daneben beginnt es auch gerade wieder, dass Leute etwas kritischere Filme drehen und bestimmte Begebenheiten oder Zustände in der Gesellschaft aufgreifen. Und wir merken natürlich, dass es durchs Internet letztes Jahr einen großen Boom gab, was Kurzfilme angeht, weil nach Content gesucht worden ist. Über Kurzfilme kann man auch in der Presse in letzter Zeit häufiger etwas lesen, auch gehaltvollere Artikel, die sich mit dem Thema Kurzfilm umfassend beschäftigen und relativ gut recherchiert sind. Die Sachen in den Artikeln stimmen zwar nicht immer ganz, aber es ist zu bemerken, dass das Interesse wieder da ist.

Ist der Kurzfilm eigentlich ein echtes eigenständiges Format, oder sehen Sie ihn mehr als Vorübung für einen langen Film ? Das ist die ewige Diskussion. Für viele Leute die narrative Kurzfilme drehen, sollen die Kurzfilme eine Visitenkartenfunktion haben. Das sind die Leute, die Filme drehen wollen und sich qualifizieren wollen. Aber es gibt daneben auch eine ganze Reihe von Filmemachern in Deutschland deren Aussage ist, "ein Film ist ein Film", egal wie lang dieser ist. Dies gilt besonders für Leute, die nicht lineare Filme machen, oder Dokumentationen, die eher kürzer sind, weil das Material nicht mehr hergibt für eine längere Dokumentation. Es gibt Filmemacher, die eigentlich nur Kurzfilme machen, ein Beispiel ist Matthias Müller, relativ bekannt in der Szene, oder hier in Hamburg Prof. Franz Winzentsen, der an der Hochschule für Bildende Künste lehrt (inzwischen emeritiert – Anm. d. Red.) und seit Ewigkeiten

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kurze Episoden zu verschiedenen Themen herstellt, und dieser Mann ist inzwischen 60 Jahre alt. Kommen wir auf die Inhalte zu sprechen, wo sich bestimmte Trends abzeichnen. Sie sagen, es wird auch wieder kritischer erzählt, nicht nur Kindheitserinnerungen aufgearbeitet. Außerdem zeigt sich eine Tendenz, mit den narrativen Strukturen zu experimentieren. Wie kommt das beim Publikum an? Ich würde sagen, das ist das, was wir in unseren Festivals immer wieder feststellen, dass sobald ein Film nicht linear erzählt wird, also etwas mehr versucht und experimentiert, z.B. mit langsamen, ruhigeren Bildern, dass das Publikum dann sehr schnell anfängt mit den Füssen zu scharren und dafür dann nicht mehr so viel Verständnis aufbringt. Wir sind da natürlich von unserer professionellen Sichtweise in einer ganz anderen

Position, weil wir sehr viele Filme sehen, und uns dann manchmal diese ewigen Geschichten auch zu viel werden, und wir uns sehr freuen, wenn jemand was anderes versucht. Aber dem normalen Kinogänger kann das schnell zu viel werden. Trotzdem finde ich es sehr wichtig, dass auch experimentiert wird. Das ist beim Kurzfilm auch sehr viel einfacher möglich, als bei langen Filmen, die sehr viel Geld kosten und das Geld dann auch wieder einspielen müssen. Wo gehört der Kurzfilm Ihrer Meinung nach hin, ins Kino, ins Fernsehen oder ins Internet? In alle drei Medien. Der Kurzfilm gehört überall dort hin, wo er auch wahrgenommen wird. Es müssen nicht nur diese drei Verbreitungsformen sein, sondern das kann auch in einer ruhigen Ecke in einer Bar stattfinden. Es können z.B. auch bestimmte kurze Filme auf Bahnhöfen gezeigt werden, es gibt

ja diese Info-Screens auf den Bahnhöfen, die dafür in Frage kommen. Das funktioniert natürlich in der Regel nicht, wenn die Filme dialoglastig sind. Aber Filme ohne Dialog, die sehr kurz sind, passen auch da sehr gut hin. Hier in Hamburg werden in der U-Bahn ab und zu Kurzfilme gezeigt. Überall da wo er sein Publikum findet, gehört der Kurzfilm hin. Würden Sie sich wünschen, dass es wieder dazu kommt, einen Kurzfilm im Kino vor dem Hauptfilm zu zeigen, und glauben Sie, dass das beim Publikum durchsetzbar wäre? Also beim Publikum haben wir gemerkt, da steht und fällt es mit der Qualität des Films. Man wünscht sich im idealen Fall die intelligente Unterhaltung. Es muss ein kurzer Film sein, der in irgendeiner Form eine runde Geschichte erzählt, und wenn man auch noch darüber lachen kann, dann ist das Publikum sehr begeistert. Wir haben das auch schon häufiger getestet,

hier in den zeise kinos, wo auch regelmäßig Kurzfilme als Vorfilme gezeigt werden. Wenn der folgende Hauptfilm nicht zu lang ist, wird das angenommen. Es ist aber auch häufig so, dass das Publikum sehr unruhig wird, wenn nach einem langen Werbeblock auch noch ein Kurzfilm folgt. Wenn der dann aber Beifall beim Publikum gefunden hat, dann wird das auch wieder gefordert. Wenn es aber ein Kurzfilm ist, der ein großes Fragezeichen hinterlässt, oder völlig auf Unverständnis stößt, dann ist es dem Image des Kurzfilms natürlich eher abträglich. Was würden Sie – aus Ihrer langen Erfahrung her – einem Regisseur sagen, der zum erstenmal einen Kurzfilm produzieren will? Also es kommt darauf an, was er mit dem Film erreichen will. Wenn er will, dass sein Film im Kino läuft, dann würde ich ihm auf jeden Fall raten, den Film unter 6 – 7 Minuten zu halten, weil

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die Kinos sonst kaum eine Möglichkeit haben, den Film einzusetzen, neben der Werberolle und dem Hauptfilm. Wenn er aber ein inneres Bedürfnis hat einen ganz bestimmten Film in einer ganz bestimmten Form zu realisieren, dann würde ich ihm raten, nicht darauf zu achten, was das Publikum will sondern das zu machen, was er als Künstler gerne gestalten möchte. Auch das wird sein Publikum finden, es ist aber immer ein sehr eingeschränkter Kreis von Leuten, die sich dafür interessieren.

Sicht natürlich. Wenn es gefordert und gefragt ist, geben wir Drehbuchoptionen, Verleih- oder Vertriebsoptionen für die Filme. Was dann bedeutet, dass, sobald der Film fertig ist, wir uns den daraufhin anschauen, ob er z.B. geeignet ist für unser Verleihprogramm. Dafür muss er bestimmt Kriterien erfüllen, weil sonst wird es leider ein Ladenhüter. Oder ist er vielleicht für unser Vertriebsprogramm geeignet ? Das können dann auch ein wenig längere Filme sein.

Wie kann die Hamburger KurzFilmAgentur dabei helfen?

Interview: Thomas Neuhauser

Die KurzFilmAgentur bietet zum einen Drehbuchlektorate an, die wir uns allerdings bezahlen lassen, aber das ist nicht teuer. Es gibt eine kleine Aufwandsentschädigung, die wir dafür berechnen müssen. Dafür setzt sich dann jemand hin und macht sich die Mühe das Drehbuch durchzulesen und auch eine Bewertung zu schreiben. Eine Bewertung aus unserer

Nikolaj Nikitin Herausgeber des “Schnitt”

Aus Liebe zum Kurzfilm Leider ist es mir nicht möglich, einen Kommentar über die kompletten letzten 10 Jahre des Bestehens der KurzFilmAgentur zu geben, denn solange kenne ich sie nicht. Aber vom ersten Kontakt an, der immerhin weit über fünf Jahre zurück liegt, habe ich nur positive Erinnerung an die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen und Zeiten meines eigenen Schaffens. Mit der KFA verbinde ich stets nicht nur einen professionellen und informierten Partner, was das Metier der kurzen Form angeht, sondern auch angenehmste zwischenmenschliche Erfahrungen – sei es bei Festivals in der fernen Ukraine oder im sonnigen Portugal. Stets waren Vertreter der KFA auf kurzfilmrelevanten Veranstaltung als inspirierte Gesprächspartner anzutreffen, mit denen auch die Nächte nie langweilig – sondern höchstens lang wurden. Dabei empfand ich es immer als sehr angenehm, welch kollegiale Einstellung seitens der KFAMitarbeiter zu den Kollegen aus dem Kurzfilmbereich im nationalen und internationalen Sektor gepflegt wurde.

Im Grunde gibt es drei Stationen, an die ich mich besonders gerne erinnere, an denen mein Zug entweder in Hamburg hielt oder die KFA ein wichtiger Teil meiner Arbeit war und ist. Die KFA und die Möglichkeit durch sie stets auch dem Laufenden des aktuellen Kurzfilmgeschehens zu sein, war einer der Hauptgründe, wieso wir in unserer Filmzeitschrift "Schnitt" eine eigene Rubrik eingerichtet haben und inzwischen regelmäßig in jeder Ausgabe über Kurzfilme berichten. Manchmal waren es Texte über Aktivitäten der KFA, natürlich Berichte über das Festival oder Rezensionen von Produktionen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Mitarbeitern der KFA standen, bspw. die herausragende, makabre Kurzfilmproduktion "Stapelfahrer Klaus". Die zweite überaus positive Erfahrung, die ohne die Existenz der KFA nicht möglich gewesen wäre, stellt meine Zeit als

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Kurzfilmdisponent beim Studienkreis Film in Bochum (SKF) dar. Dank eines besonderen Angebots (eine Art Kurzfilmabonnement) seitens der KFA, war es uns als studentischem Filmclub mit bescheidenen Mitteln möglich, regelmäßig Kurzfilme aus der Agentur als Vorfilme zu zeigen. Auch dies eine Tradition, die heutzutage leider viel zu kurz kommt. Bei dieser Arbeit konnte ich mir stets sicher sein, daß das reichhaltige Angebot der KFA für fast alle Spielfilme, die im Programm liefen, mit ein bißchen Einfallsreichtum ein spannendes Pendent in der kurzen Form boten. Es war eine Herausforderung, vor bekannte oder wenige bekannte, aktuelle oder historische Spielfilme einen geeigneten Kurzfilm zu platzieren. Die dritte Erfahrung waren natürlich die Besuche des Internationalen KurzFilmFestivals, das mir immer ein gutes Wettbewerbsprogramm (national und international), aber auch Perlen der Kurzfilmgeschichte in gut durchdachten und pro-

grammierten Sonderreihen boten. Mit ebensoviel Einsatz wie im Tagesgeschäft arbeitet die KFA am Festival und bietet neben dem hervorragenden Programm stets gute Laune und sorgt sich bestens um seine Gäste – was ich als Jurymitglied in einem Jahr besonders genießen durfte. Natürlich kann ein Festival immer nur so gut sein wie die Filme, die in dem Jahr zur Verfügung stehen, aber die Hamburger Auswahl hatte immer eine deutliche Linie und bot Abwechslung. Um es auf den Punkt zu bringen, kann ich sagen, daß die KFA mich grundlegend in meinem Verständnis und meinem professionellen Umgang mit dem Kurzfilm geprägt hat und ich ihr für die nächsten 10 Jahre nur das Beste wünsche und hoffe, ab und zu auch in Zukunft Teil dieses ambitionierten Projektes sein zu dürfen. Nikolaj Nikitin

Hanna Nordholt & Fritz Steingrobe Filmemacher

Humankapital. Wenn im Spielfilm oder Fernsehkrimi der 90er Jahre ein Protagonist auf eine symbolische Zeitreise geschickt wurde, wenn jemand einem Familiengeheimnis nachforschte oder die neueste Verschwörungstheorie zum Kennedymord aufgerollt werden musste, ratterte nicht selten der alte Schmal-filmprojektor "am Set". Die leicht verkratzten Bilder in den milden Farben von Menschen an Stränden, Politikern in offenen Limousinen oder Kindern auf Gartenschaukeln schienen alle Geheimnisse und Glücksmomente gespeichert zu haben. Super 8 Film als prädestiniertes Erinnerungsvehikel, in dem bewegte Vergangenheit scheinbar authentisch aufbewahrt wird?

Die Legende vom "Mann mit der Plastiktüte" voller Schmalfilme, der vor dem Metropolis Kino stand und Einlass begehrte, ist ja über die Jahre immer weiter gestrickt worden. Über die "Frau

mit der Nähmaschine", die mit großer Hingabe 60 Meter Schwarzfilm im Zickzackstich löcherte, ist bisher kaum etwas bekannt. Sicher ist nur, dass sie mit ihrem 18-minütigen Werk "Der genähte Film" etlichen Augenzeugen des ersten No Budget Abends im September 1985 eine Art Erweckungserlebnis bescherte. Von nun an "war nichts mehr, wie es vorher war", möglicherweise hatte erst an diesem Abend das 20. Jahrhundert wirklich begonnen und vielleicht hatte sich in diesem historischen Moment die Moderne endlich mit der Postmoderne abgefunden.

Seltsam genug, dass sich da ein Haufen von Filmenthusiasten unter dem drögen Begriff "Kein Haushalt" zusammen gefunden hatte, um ein Kurzfilmfest zu organisieren, bei dem die Regellosigkeit zur Regel gemacht wurde. Für Puristen sicher eine grauenhafte Vorstellung, war anfangs alles erlaubt: vom

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holprigen Propagandafilm für die Kommunistische Partei Albaniens über gelogene Dokumentationen zu bäuerlichen Bürgerinitiativen bis zum abgeklärten Experimentalfilm koexistierten in den Programmen der ersten Jahre alle Genres und Subgenres friedlich nebeneinander. Super 8-Prökler hatten sich zu Gruppen wie Alte Kinder, Schmelz Dahin, Tödliche Doris, Les Messieurs des Dompteurs oder Anarchistische Gummizelle zusammen getan und machten das, was Punk und Konsorten vorgegeben hatten: genial dilettieren.

ganz beiläufig den Breshniew Rap. Gruppenprojekte wie Michael Brynntrups "Jesusfilm", bei dem circa 30 Super 8 Filmer dreiminütige Episoden aus dem alten und neuen Testament bearbeiteten sorgten ganzjährig für Weihnachtsstimmung. Manfred Jelinskis Super 8 Dokumentarfilm über Berlins Punkclub SO 36, brachte – frei nach McLuhan – Form und Inhalt endlich in Einklang: das Medium war tatsächlich Botschaft geworden. Angenehm beunruhigende Realitäten von radikaler Subjektivität taten sich da auf.

Die Notorischen Reflexe hatten nicht nur einen schön programmatischen Namen, sondern verbanden in ihren Konzerten Filmprojektionen mit Industrialkrach und kreierten

Der Begriff vom kleinen, schmutzigen Film war schnell in der Welt und sollte das Unberechenbare in eine Schublade wegsortieren, konnte aber die Vielfalt dessen, was in Wohnzimmer-

Traumlandstudios, Fabrikräumen, besetzten Häusern oder alten Geräteschuppen zusammengeköchelt wurde nicht annähernd beschreiben. Das Phänomen bestand ja darin, dass sich eine Unzahl von Zeitgenossen die Produktionsmittel des Hobbyfilmeruniversums angeeignet hatte und der ganzen Schwerfälligkeit des "großen Films" mit einer Art Camping-in-der-Medienlandschaft-Haltung entgegentrat. Drehbücher schreiben, filmen, Material entwickeln, schneiden, vertonen, kopieren, distributieren, Festivals organisieren – alles entstand aus dem Geist der Unabhängigkeit. Das Konzept von der camera stylo, der Vorstellung, die Kamera wie einen Stift zu benutzen oder so zu filmen, wie man schreibt und durch die direkte Intimität in authentischen Filmsprachen zu sprechen, war mit den Super 8 Gerätschaften plötzlich so naheliegend.

Es entstanden Tagebuchfilme neben philosophischen Betrachtungen über Form und Beschaffenheit von Bahlsenkeksen und Haribolakritzen. Wenn Uli Sappok seine vom Fernseher abgeflimmerten Nachrichtenbilder mehr oder minder ratlos kommentierte, konnte man in Abwandlung zu Heinrich von Kleist die Entstehung von Gedanken während des Hantierens mit einer Filmkamera verfolgen.

Es genügte, filmische Skizzen herzustellen, denn das Publikum auf den einschlägigen Festivals hatte genug Abstraktionsvermögen und Fantasie, sich das große szenische Brimborium dazu zu denken. Filmprogramme glichen eher Naturereignissen und sie mussten persönlich erlebt werden. Es galt das Motto: ein beschriebener Film ist wie ein nacherzähltes Mittagessen.

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Alchimisten erforschten die Mikrokosmen der Filmemulsion und manipulierten die Bromsilberpartikel. Mit Schmirgelpapier und Schwefelsäure rückte man Schmalfilmpornos aus Dänemark zu Leibe. In Versuchsanordnungen wurde Super 8 Material wahlweise zusammen mit schimmelnder Wurst aufbewahrt oder in Tümpeln versenkt, bis sich Algen daran abgelagert hatten. Selbstgebaute optische Printer dienten dazu, die Ergebnisse in Zeitlupe abzufilmen und die chemisch zersetzten Schnipsel aus gefundenen Unterhaltungsfilmen begannen auf völlig neue Art zu funkeln. "Alles schon vor 30 Jahren beim New American Cinema gesehen", raunten die Oberschlauen und man konnte den Verdacht haben, sich in einer seltsamen Zeitschleife zu befinden. Schließlich war das, was man in den 60er Jahren sehen konnte irgendwie auch schon in den seligen 20ern mit Film gemacht worden. Ein Möbiusband?

Distinktionsgewinner waren diejenigen, die den Kopf möglichst weit über den Tellerrand hielten und neue, fremde Welten im Abseitigen oder scheinbar Vertrauten entdeckten, in dem sie die Flohmärkte nach Familienfilmen abgrasten oder aus weggeworfenen Diaserien vom Sperrmüll ganze Kosmologien des alltäglichen Wahns zurechtspannen.

Ja ja, das klingt jetzt wie der rührselige "früher war alles besser"-Quark. Aber die überall entstehenden Filmfeste waren zumindest noch wirklich feierlich, weil sie in ihrer Unberechenbarkeit zu ungezügelter Neugier anregten, dem Abwegigen ein Forum boten und sich nicht an jeder Ecke ein Marketingheini mit seiner Produktion "dem Kunden" anbiedern wollte – eben reine Unschuld.

Da, wo die Wildnis noch prächtig gedeiht, finden sich ja bekanntlich die bizarrsten Pflänzchen, denen man in Hamburg – NoBu sei’s gedankt – seit 18 Jahren eine Wiese bereitet. Thanks. Hanna Nordholt & Fritz Steingrobe

Antonis Papadopoulos Künstlerischer Leiter Internationales Kurzfilmfestival Drama/Griechenland

Als ein alter Freund und ein ehemaliges Mitglied der Jury des Internationalen Wettbewerbs beim Internationalen Hamburger KurzFilmFestival – einem der führenden Festivals, dass neben einer großen Filmvielfalt die interessantesten low budget Kurzfilme zeigt – gratuliere ich der KurzFilmAgentur zum 10ten Geburtstag und entbiete meine Wünsche für anhaltenden Erfolg! Antonis Papadopoulos

Richard Reeves Filmemacher

Glückwunsch Zum 10ten Geburtstag, Glückwünsche an die KurzFilmAgentur Hamburg e.V. Von Hamburg aus gesehen, lebe ich am anderen Ende der Welt, weshalb ich verständlicherweise sehr überrascht war, als man mich fragte, ob ich etwas zu dieser Festschrift beitragen möchte. Gut – ich muss aber auch sagen, dass ich seit 1998 eine ausgezeichnete Fernbeziehung mit der KFA habe, während ich die doch meiste Zeit auf einer einsamen Insel an Kanadas Westküste lebe. Sehr viel unserer Kommunikation fand per Fax statt ... Zeitzonen entfernt ... jaaa – bei den Weckanrufen um vier Uhr morgens wusste ich immer, dass ich aufregende Neuigkeiten aus der KFA bekommen würde. Außerdem noch den Wetterbericht und neue deutsche Vokabeln, wie: "Wunderschönen, guten Tag" oder "Scheiße, bin ich cool". Aus diesen Faxen entnahm ich, dass die Leute der KFA ihre Arbeit

lieben und sich völlig der Verbreitung und Unterstützung des Kurzfilms über dessen Lebensdauer auf Festivals hinaus verschrieben haben. Eines schönen Morgens wachte ich in Deutschland auf, gerade rechtzeitig zum Internationalen KurzFilmFestival Hamburg, das die KFA zusammen mit einem wunderbaren KinderFilmFestival durchführt. Es war eine seltene Gelegenheit und eine große Freude, so viele interessante Menschen zu treffen. Tatsächlich war die KFA auch viel größer als in meiner Vorstellung. Ich erinnere mich, dass ich den G-Move fälschlicherweise für die Eröffnungsveranstaltung hielt. Da ich aus einer ländlichen Gegend stamme, war ich von den Menschenmassen tief beeindruckt. Sowohl beim G-Move als auch beim Festival. Die zeise kinos, die sich im selben großen Gebäude wie die KFA befinden, bieten den vielen Besuchern eine wunderbare Atmosphäre. Die vielen Besucher wiederum bestätigen die

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Wichtigkeit des Kurzfilms in all seinen Genres. Genauso beeindruckt hat mich das Internationale KinderFilmFestival und das Filmwissen der jungen Besucher. Während meines kurzen Hamburgbesuchs fühlte ich mich in die Zukunft versetzt, und zwar mehr als um die 9 Stunden Zeitverschiebung. Die KFA ist ein Maßstab für andere. Sie hat sich zehn Jahre in der Schaffung eines eigenen G-Moves engagiert. Ein Wellenschlag, der sich weltweit ausgebreitet hat und der weiterhin in Form von Anerkennung für diese Anstrengung zurückkommen wird.

zu haben, dass sie von anderen wahrgenommen werden. Deshalb freue ich mich auf eine weitere, bezaubernde Zusammenarbeit mit der KFA. Von der Laterna Magica bis zum digitalen Film zeigt sich der Kurzfilm als eine noch junge Kunstform. Die KFA hat deren öffentliche Wahrnehmung bedeutend gesteigert und die vergangenen 10 Jahre Einfluss auf die Notwendigkeit des Kurzfilms ausgeübt. Mögen noch weitere erleuchtende Jahr hinzukommen. Danke, KFA, danke und fröhliche Feierlichkeiten!!

Einen Kurzfilm machen bedeutet harte Arbeit, ihn ins Kino oder ins Fernsehen zu bekommen bedeutet ebenso harte Arbeit. Durch die Hilfe der KFA bin ich in der Lage mich auf die Produktion von Kurzfilmen zu konzentrieren und die Gewissheit

... ich wünsche allen dort einen sehr belebten Tag ... Euer ... Einzelbild für Einzelbild Richard Reeves

Hanna Rinne Busfahrerin

We send us a cordials greatings. Es gibt in der KurzFilmAgentur einen Aktenordner, der heißt "Wild und daneben". Darin werden Dinge gesammelt, die nicht durchgängig als Korrespondenzen zu bezeichnen sind, denen aber etwas gemein ist: sie stören unsere Büroroutine ungemein!

material versorgt hat. Andere waren deutlich offener. Arne P. aus F. in N. wünschte irgendwo permanent Nackt-Shows für Frauen einzugehen, hat dafür extra ein neues Ismus mit dem Name Subconscismus gegründet und ist ein Mann mit einem verfeinerten Aussehen.

Der Post ist es zu verdanken, dass sie immer zielgerecht auslieferte, egal was als Adresse mit ein Par Feler Drin angegeben war. Alleine, was an die KurzFilmAgentur Hamburg, Glashüttenstraße 27 ging, ist sehenswert: Durzfilm-Festival, Glashüternstr. – Hamburger Kleines Film-Fest – Kurt Film Agency – Kunzfilm Agentur, Glashütenstrasse – fein, aber ungeschlagen bleibt Homburg Short Film, No Dubget, Clashuhenstrobe 27, D.2000 Hoburg e.

Wir wünchen inhen, Herr P., viel Glück, für die ihre nächte teilnahme, mit der Hoffnung das diese Kuntgebung, gibt uns die Gelengenheit sie zu begegnen.

Die ALKI Sargfabrik bekam die Adresse noch hin, dafür ist bis heute nicht geklärt, warum sie uns ungefragt mit Werbe-

Der 23-minütige Farbfilm Münster Souvenir ginge schon, aber möchte man wirklich sehen, wie der flotte Filmschnitt eine

Ganz im Gegenteil zu einer Produktionsfirma aus S., deren (an einem 20.04.!) angebotenen neue Werke Die Oralonistinnen, Fußerotik bizarr und Die fette Gummisau allesamt gar keine Kurzfilme sind. Wenn das der F. wüsste ...

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vielseitige und informative Darstellung erlaubt, einen lebendigen Gesamteindruck vermittelt und darüber hinaus tatsächlich die oberzentrale Bedeutung Münsters unterstreicht?! All das Attributische trifft auf auf C. R. aus N. zu – nicht unbedingt auf Münster.

Ungekürzt: Ich habe in dem Kurz Film Agentursbroschur gelesen der Wunsch eine Kurzfilm Zeitung zu schaffen oder Deutscheproduktionskatalog zu senden. Ich möchte wissen, wie kann man sich diese beide "Bücher" aufbringen? Ich bin Französin und 20 Jahre alt, ich arbeite als Drehbuchautorin und Erzeugerhelferin (ich bin 20). Mein Wunsch wäre für deutsche Filme arbeiten. Aber ich habe Schwerigkeiten um Auskunft über deutsche Projekte zu haben. Besondere Zeitunge über Filme kümmern sich nur um Frankreich (glücklicherweise!) Deshalb wäre ich froh eine Antwort zu bekommen. Nicht nur du, liebe C., wie man gleich sehen kann.

Aus vielen unterschiedlichen Bewerbungen, die man sich gefallen lassen musste, sticht eine besonders hervor. Der Absenderin mit den besten V8-Güßen mag es vielleicht nicht klar sein, aber mit ihrem Schreiben hat sie sich ihren größten Wunsch bereits erfüllt: Kurz möchte ich mich Ihnen mit Bildern und einem Lebenslauf vorstellen. Mein Name ist K. E., ich bin 28 Jahre alt, 173 cm groß, wiege 65 Kilogramm und trage Größe 38/40. Mein Hobby habe ich mir zum Beruf gemacht. Ich bin PR-Managerin und Verkäuferin im Autohaus P. Ich singe gern, von Pop/Country bis zur Operette. Von Kindheit an ist mein größter Wunsch, etwas Großartiges und Besonderes im Leben zu tun. Es würde mich von ganzem herzen freuen, in Ihnen die Person gefunden zu haben, die mir bei der Erfüllung meines Wunsches behilflich sein kann. Wenn Sie nun Lust bekommen haben, die Fahrzeuge oder mich, einmal persönlich kennenzulernen, werde ich gerne bereit sein, auf einen kurzen Besuch mit Fahrzeug zu Ihnen zu kommen.

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Zu einen kurzen Festivalbesuch mit Fahrzeug wäre auch M. S aus P. gerne bereit gewesen, jedoch tauchten – zum Glück für diese Festschrift – zwei Probleme auf, da A.'s Skoda "blaue Engelchen" nach leichte Karambolage, und bei 100 km pro Stunde und mehr, hat schlechte vibration in vorne Achse und M.'s Skoda 105 "öll scheissemaster", ist schon sehr müde für so lange Strecke. Ein Jammer, denn dadurch entging uns die Lösung der Übernachtungsfrage: Mischo, ich habe an dich grosse Bitte. Ist was für ein möglichkeit bei dir zu schlaffen? Ich will einmal in Hamburg sein. Jochens Cusine ist gute Kerl, trotzdem sie haben nicht zusamen mit Festival, und ihre Anbitten immer nur in Charitatives Charakter hat.

Zum Ende kann ich mich nur den Ausführungen von A. aus der T. anschließen, der in einem kleinen stadt am schwarzmeer lebt, interesse gegen kurz film hat, aber aus nicht selbst zu verantwortenden Gründen nicht zum Kern kommen kann, denn: ich muss jetzt gehen.Es ist sehr kalt.Hoffentlich werde ich nochmal schreiben.

Ja – hoffentlich. Hanna Rinne

Heiner Roß Hamburger Kinobetreiber Kommunales Kino Metropolis

Kurzfilm ist FILM!, ist FilmFilm! Für mindestens zwanzig Jahre lang gab es das gesicherte, allgemeine Wissen: FILM IST KURZ., und der ist vielfältig, interessant, aufregend, gefährlich, spannend, bedrohlich, belehrend usw. Kein Adjektiv wurde ausgelassen und trotzdem ist er viel mehr.

neues, modernes Ausdrucksmittel. Sie setzten Standards, entwickelten die Bildsprache, legten die Grundlagen der Moderne. Sie sprengten die Fesseln der Kolportage, der Abbildung. Die Filmzeit überwand die Realzeit, eine neue Kunst war gefunden.

Gegen solche Freiheiten musste vorgegangen werden.

Die Fantasie transformierte die Ingenieurleistung des seit Jahrzehnten versehnten bewegten Bildes in eine neue Ausdrucksform des Gestaltens und Sehens.

Maßregeln wurden geschaffen. Obrigkeiten schritten ein. Doch der (Kurz)film fand vehemente Verteidiger. Der (Kurz)film eroberte Zuschauermassen und erregte öffentliches Interesse. Er polarisierte die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, und kamen nach etwa zehn Jahren in die Krise. Diese Krise vernichtete Existenzen, doch gleichzeitig mobilisierte sie neue Geister, lockte die ersten großen Genies und Abenteurer des Films an. Sie schufen mit ihren Kurzfilmen ein

Aus dem (Kurz)film erwuchs der lange Film. Er eroberte die Orte, wo der (Kurz)film ausgestellt wurde, das Kino. Doch respektvoll, überließ er den Einstieg in das alltägliche Kinoabenteuer ganz selbstverständlich dem (Kurz)film. Er eröffnete das Programm und trat in verschiedenen Gewändern auf: als Wissenschaftsfilm, Kulturfilm, Doku-

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mentarfilm, Werbefilm, Propagandafilm und Wochenschau erhöht er den Wert des Abends und mit Prädikaten und Auszeichnungen versehen, erhöhte er oft den trivialen Anlass des Kinobesuches. Er behauptet seinen radikal künstlerischen Anspruch innerhalb und außerhalb der Filmindustrie. Nahezu jedes neue Element der Filmsprache wird im Kurzfilm entwickelt, erprobt, zur Reife gebracht und dringt in alle Bereiche des Filmschaffens ein.

So ist der (Kurz)Film der FilmFilm, der Nukleus des Films. Ist die Filmwerkstatt, die heimliche und unheimliche Filmakademie des modernen, radikalen, unabhängigen und des schöpferischen Films, eben der FilmFilm. Heiner Roß

Till Sadlowski Agent a.D.

The way we were ... Auf der Suche nach den Ursprüngen führt kein Weg an den zwei Kellern der Glashüttenstraße vorbei. Die Kurzfilmgruft widerstand allen Reinigungs- und Renovierungsversuchen und behielt bis zur Aufgabe den heimeligen Charakter eines Dachsbaus mit Telefonanschluss. Die durch Generationen von Mitarbeitern in rituellen Bier- und Zigarettenaschebädern geweihte Auslegeware gab in Verbindung mit mumifizierten Kleinsäugern und im Sanitär- und Küchenbereich lebenden Schimmelpilzkulturen olfaktorisch den Ton an. An einem heißen Sommertag in die modrige subterrane Basis einzusteigen hieß die Außenwelt hinter sich zu lassen und im fahlen Licht von Kathodenstrahlröhren auf jegliche Pigmentierung zu verzichten, das daraus resultierende Vitamin DDefizit stattdessen durch großzügige Aufnahme euro-asiatischen JunkFoods zu kompensieren. Unwissenden Beobachtern muss sich beim Anblick des Untergeschosses der

Eindruck eines frischen Einbruchs aufgedrängt haben. Da aber die Hardware in der Regel noch auf den Tischen stand, schied diese Möglichkeit aus. Es waren die Kurzfilmagenten selbst, die Essensreste, Leergut und Unmengen bedrucktes Papier zu bizarren Objekten aufgetürmt hatten und während Ihrer Anwesenheit mehr oder weniger intensiv an dem Projekt arbeiteten, auch den letzten Quadratzentimeter freie Bürofläche mit zukünftigem Sondermüll vollzuparken. Besonders in der Festivalzeit wurde daran mit Hochdruck gearbeitet. Die zu dieser Zeit stattfindende Anlieferung von Plakaten und Katalogen (zuviel) und Bier (ausreichend) sorgte in der Regel für völlige Unbespielbarkeit des Kurzfilmkellers. So wurde der Aktionsradius der Kellerkinder dann auf diverse Spielstätten ausgedehnt. Unter Zuhilfenahme von Steuergeldern und Überschüssen staatlich legitimierter Betäubungsmittelproduktion wurden von postmodernen Innenstadtetagen bis schwer-

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metallverseuchten Industriebrachen neue Örtlichkeiten angemietet. Die aus dem heimischen Bau stammenden Rituale wurden auch in der Fremde fortgeführt. So konnte nur in den seltensten Fällen auf innenarchitektonische Maßnahmen verzichtet werden, da die Angleichung an den Bau in der Glashüttenstraße ungeschriebenes Gesetz war. Nur querulante Hausmeister und ähnliche Krämerseelen die durch das Auftauchen der Kurzen aus Ihrem komatösen Arbeitsalltag gerissen wurden, hatten dafür kein Verständnis. Von Zeitgenossen mit einer Mischung aus Neid, Abscheu und Entsetzten betrachtet, konnte sich im Filmkindergarten jeder wahlweise seiner spätpubertären Selbstverwirklichung widmen

oder versuchen, dem cineastischen Auffangbecken durch Flucht auf den Medienstrich zu entkommen. Von den Mitgliedern der herrschenden politischen Kaste erst als Paria behandelt, dann mit ein paar Rupien aus dem Säckel bedacht, wurde die finanzielle Askese der KFA weiter hochgehalten. Im Prozess der Reduzierung auf das Wesentliche wurden wesentliche Aspekte abendländischer Philosophie (Platon, Wittgenstein, W.A. Hessmert) gelebt und kühne sozialpolitische Visionen (Aufhebung der Ladenschlusszeiten, Sonntagsarbeit) – im übrigen lange vor der breiten gesellschaftlichen Diskussion in der Neuen Mitte – umgesetzt. Das Verharren in der loose-loose Situation führte im Gegensatz zum Shareholder der Neuzeit nicht zu

Depressionen und Suizidgefahr, sondern die Aussicht den Break Even Point nur auf der Toilette zu erleben, gab der Perspektive des lebenslangen Lernens eine neue Dimension. Die fließenden Übergänge klassischer Tugenden wie Motivation, Flexibilität, Improvisationskunst, Bettelei und pure Verzweiflung gepaart mit härtestem Ganzkörpereinsatz führten über die Jahre nicht nur zu spektakulären Konfrontationen mit den Schergen des Stadtstaates, sondern ließen eine einzigartige Geisteshaltung heranreifen. Sich des Privilegs bewusst, in einem Vakuum jenseits von Corporate Idendity, Ponyhöfen, DER PARTEI und Gerontologie zustehen und stattdessen Begriffe wie Herzblut, Gesinnungslosigkeit und variable Tischzeiten zur Maxime des Handelns zu machen. Ohne in nihilistische Tendenzen ab-

zugleiten, kumuliert das Credo dieses Haufens multiethnischer, überqualifizierter Neurotiker wohl in der Feststellung: Nicht wirklich! Nur so ist es zu erklären, dass die im Laufe der Jahre verpassten Gelegenheiten (Hamburger Inzest), Terminschwierigkeiten (Flohmarkt, Fußball), Vorgaben (freie Rede ohne freies Denken), Nebenaspekte (professionelle Security), Deckungslücken (250.000 DM: 1,5 ‰), Machtgerangel (Ich kenn´ Sie!!) und Kommunikationsmängel (Origilall) die gereicht hätten, jeden florierenden mittelständischen Betrieb zu ruinieren, hier nur weiterere Einträge in der Patchworkbiografie eines altgedienten Kurzfilmagenten sind. Mag diese Zeit für einige der Durchlauferhitzer auf dem Weg zum Kassenwart oder anderer Formen professioneller

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Deformation gewesen sein, auch wer nur normal getrunken hat, einfach nur da war, alles toll&neu oder auch nur "OK" fand, wird von periodisch auftretenden Flashbacks an die Kinderzeit in der Kurzfilmenklave erinnert. Die offensichtliche Diskrepanz zwischen dem Durchschnittsalter der K.s und der Tatsache, dass der 10. Geburtstag zweifelsfrei noch als Kindergeburtstag gilt, erklärt sich aus der "Hundejahre"Wahrnehmung der Beteiligten. Im kollektiven Bewusstsein der Filmtroglodyten bildete sich eine neue Zeitachse, auf der die Lebenszeit von einem neuen Lebensmittelpunkt aus ihren unaufhaltsamen Weg zum bitteren Ende zurücklegt. Ob beim Quasi-Initiationsritus des "Eintrinkens", dem Abhalten sogenannter "Vorbereitungstreffen" oder der Ausgabe der Tageslosung "Wass Wisssu?" durch das Faktotum Willi, überall

manifestiert sich der ungebrochene Schaffensdrang.

Die Kreation neuer Wortschöpfungen und Akronyme wird besonders in den späten Nachtstunden von einem Inner Circle betrieben der mit Hilfe sog. Protokolle versucht, der Nachwelt darüber Zeugnis abzulegen. Aufgrund physischer und technischer Unzulänglichkeiten sind nur wenige Dokumente erhalten geblieben, so dass nur auf den Weg der "Oral History" Fragmente rekonstruiert werden können. So scheint das Wort "Konversatoonossttoie" auf den ersten Blick dem slawischen Sprachraum entlehnt, ist aber eine originäre Wortschöpfung, die einen Bewusstseinszustand zwischen 24 Uhr und 1,9 Promille bedeutet. Da dieser elaborierte

Code niemals zur Verständigung mit Außenstehenden herangezogen wurde, geriet er über die Jahre völlig zurecht in Vergessenheit. Andere Entwicklungen aus den findigen Köpfen der K.s wie z.B. der Emergency Ausweis (eine universelle Zugangsberechtigung), das offene Schulterblatt (eine Jazzkneipe für Veteranen aus den ersten Kurzfilmkriegen) oder Gott (ein psychopathischer kosmischer Hausmeister) sind inzwischen entweder Allgemeingut, immer noch in der Entwicklungsphase oder vom Innenminister verboten. Scheinen die Handlungen der K.s wie bereits beschrieben den Mitmenschen oft sonderbar – in einigen Fällen wurde gar von stammelnden, torkelnden

Kreaturen berichtet – so bietet sich bei differenzierter Betrachtung immer eine logische Erklärung für dem Laien völlig unerklärliche Vorgänge. Beginnend mit der chronischen Sauerstoffunterversorgung, dem überhöhten osmotischen Druck aller Zellmembranen und einer Anreicherung von Monosodiumglutamat an den Synapsen mutierten in den Kavernen der Glashüttenstraße aus unbedarften Kleinkindern "natural born Kurzfilmagenten". Diese Ninjas der Kurzfilmkultur arbeiten als Holzwegelagerer an der Negativbilanz einer nicht vorhandenen Entwicklung, kurz sie sind die Förster und Jäger im parzellierten deutschen Filmwald. Till Sadlowski

René Schöttler musterfa agentur für film

Eingewurzelte Idealismusdroge, unbezahlte Mehrarbeit und Feuerepos Idealismus ist eine Droge, von der sehr schwer loszukommen ist, ohne mit seinem Handeln in die völlige Bedeutungslosigkeit zu driften. -Äh-Bäh!- Alleine das Wort Idealismus ist schon fast so schlimm wie Crack oder Pädophilie. Und was hat dieser Anfang schon mit dem zehnjährigen Bestehen der KurzFilmAgentur Hamburg (KFA) zu tun? – Ich fang wohl besser noch einmal neu an ... Schon Karl Marx sagte, dass der direkte oder latente Zwang zu unbezahlter Mehrarbeit die Produktivkräfte ausb... – auch nicht wirklich passend ... -Nun aber!- Der in seiner bezeichnenden Anwendung schon arg strapazierte Euphemismus des "chaotischen Haufens" hat für die KFA nach wie vor seine Berechtigung. Ich möchte hier aber nicht falsch verstanden werden. Da sitzen nicht ein paar Chaoten, die sich nebenbei mit Kurzfilm beschäftigen. Ihre Ergebenheit zum Medium Film treibt sie, bei chronischer Raumnot und ewigen Überstunden, im stetigen Chaos der

niederen Umstände, ihre Arbeit zu verrichten. Die Kurzfilmagenten besitzen aber die Fähigkeit zur Selbstanalyse. Das Eingestehen von begangenen Fehlern ist ihnen nicht unmöglich. Allen ist beispielsweise klar, dass Veränderungen an der Arbeitssituation dringend notwendig sind. Diese regulierende Klugheit ist bisher eine der Stärken der Agenturmitglieder gewesen. Deshalb und aufgrund Ihrer ständigen Neugierde für weltweite Entwicklungen des Filmschaffens, erreicht die KFA in Ihrem Verleihangebot und bei Ihrem Festival ein nicht zu leugnendes, hochkarätiges Niveau. Die Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg täte gut daran, den Etat für die KFA nicht nur zu verdoppeln, sonder mindestens zu verdreifachen. Für die Zukunft wünsche ich der KFA viel Kraft, um weiter aufrichtig ihren Weg mit brennenden Fackeln gehen zu können. René Schöttler

John Smith Filmemacher

Neunzehnhundertachtundneunzig 1998 – ich war damals 45 Jahre alt – gewann mein Film "Blight" den Hamburger KurzFilmPreis. Einer Festivaltradition folgend wurde ich im folgenden Jahr eingeladen, ein Mitglied der Jury des Internationalen Wettbewerbs zu sein. Ich nahm die Einladung gerne an und brannte darauf, das 99er Festival zu besuchen.

Bei der Eröffnungsveranstaltung bat man die Jurymitglieder auf die Bühne, um das Publikum mit ein paar Informationen zu den Leuten zu versorgen. Folglich wurde ich als der Gewinner des erwähnten Vorjahrespreises vorgestellt.

Später am Abend, als die Eröffnungsfeier in vollem Gange war, näherte sich mir ein junger Regisseur, dessen Film beim Festival lief. Nachdem er sich vorgestellt hatte, sagte er: "Verzeihen Sie

bitte, aber ich war ziemlich überrascht, als Sie heute auf die Bühne kamen. Es war ein Schlag für mich, da Sie doch als der Preisgewinner des vergangenen Jahres vorgestellt wurden und dann dieser alte Mann dort hoch stieg." Was ihn offensichtlich verwirrt hatte, war seine Annahme, dass, wenn mein Film tatsächlich gut war, ich von da an nur noch Langfilme drehen würde. Ich schaffte es nicht, seinen Film in den nächsten Tagen zu sehen, weshalb ich fast ausschließlich mit dem Gedanken beschäftigt war, sein Film könnte toll sein und wir, die Jury, müssten ihm den Preis verleihen. Glücklicherweise war dem nicht so. Ich mache immer noch Kurzfilme und habe nicht vor, damit aufzuhören. Die KurzFilmAgentur Hamburg ist nun 10 Jahre alt.

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In einer Zeit, in der der Kurzfilm von vielen als eine "Visitenkarte" angesehen wird, als eine notwendige Hausaufgabe, die Filmemacher zu erledigen haben, um ihr eigentliches Ziel zu erreichen, Regisseure von Langfilmen zu sein, fährt die KurzFilmAgentur in ihrer Wertschätzung

und ihrer leidenschaftlichen Unterstützung fort, dem Kurzfilm seine Eigenständigkeit zu sichern. So möge es noch lange sein. John Smith

Franz Wintensen Filmemacher

Mörderische Produkte Ein Fernsehredakteur hat es mir verraten: Kurzfilme sind Quotenkiller. Und mit so etwas habe ich mich seit fast 40 Jahren befasst und die KurzFilmAgentur seit genau 10 Jahren. Der Umgang mit den vermeintlichen Killerprodukten verbindet uns. Nur noch zwei Sender gibt es in Deutschland, die dem Kurzfilm Asyl gewähren: Arte und 3sat. Nach der weitgehenden Verbannung des Kurzfilms aus der Fernsehlandschaft und der vorangegangenen Fast-Vertreibung aus der Kinowelt (die Gründe sind bekannt), haben sich in bescheidenem Maße neue Kurzfilmanbieter im Internet etabliert, und neue Kurzfilmfestivals und lokale Filmfeste, die auch Kurzfilme zeigen, sind entstanden. Trotzdem steht es nicht gut um den Kurzfilm in Deutschland. Der Kurzfilm, vom Experimentalfilm über den Animationsfilm, den kurzen Essay- und Dokumentarfilm bis zum Kurzspielfilm, enthält ein vielfaches Mehr an innovativen Ideen als alle in

Deutschland produzierten Spielfilme und andere langen Filme zusammen. Dieses innovative Potential hat in der Filmgeschichte immer wieder den kommerziellen Film, vom Spielfilm über den Werbefilm bis zum Musikclip befruchtet. Die Filmförderungsanstalt und einige Länderfilmförderungen haben diese Weitsicht und fördern weiterhin Kurzfilme, die oft nach wenigen Aufführungen auf Festivals in der Schublade verschwinden würden, wenn es sie nicht gäbe: Die KurzFilmAgentur. Wenn es sie nicht gäbe, müsste sie sofort gegründet werden. Ihre Aufgabe beschränkt sich nicht darauf, den Restmarkt des Kurzfilms zu verwalten, was Vertrieb und Verleih angeht, sie bemüht sich um neue Verleihstrukturen und Absatzmärkte, nicht zuletzt durch die Organisation eines eigenen Festivals. Und sie ist kompetenter Gesprächspartner geworden für Institutionen, die sich mit dem Kurzfilm befassen. Sie erfüllt damit eine kulturelle Aufgabe, die von der Gesellschaft unterstützt werden muss. Als reines Wirtschafts-

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unternehmen kann und darf sie nicht überleben wollen. Das hat die Hamburger Kulturbehörde bisher auch so gesehen. Die KurzFilmAgentur darf kein Unternehmen sein, das allein auf wirtschaftlichen Erfolg angewiesen ist. Denn dann würde ihr Repertoire nur massenwirksame Thriller und Komödien aufweisen, und sie selbst trüge zur Verarmung des Kurzfilms bei.

Was die KurzFilmAgentur bis heute prägt, ist, dass sie nicht entstanden ist aus der Überlegung einiger Jungunternehmer, schnelles Geld mit der Vermarktung von Kurzfilmen zu verdienen, sondern weil Kurzfilmfans ihre Liebhaberei zum Beruf gemacht haben.

Liebe Kurzfilmagentinnen und -agenten, ich wünsche Euch, das Ihr weiterhin gern mit dieser gefährlichen Killerware umgeht und finanzielle Engpässe Euch nicht aus der Bahn werfen. Franz Winzentsen

Thomas Zedler Kinobetreiber mit Herz und Seele SchlachthofKino Soest

Neunzehnhundertneunundneunzig 1999. Das Jahr, in dem alles begann. Noch eins bis zum Jahrtausendwechsel, das ist absehbar. Aber wieviel Zeit ich noch mit den kleinen Kurzen verbringen werde, das steht in den Sternen. Damals, in diesem heißesten Sommer der Soester Kinogeschichte fiel die Entscheidung: Wir werden Kurzfilme zeigen! Naiv, wie man halt manchmal so ist, wenn man unbedarft, noch unwissend eine neue Sache angeht, waren wir guter Dinge und frohen Mutes. Na Danke! Nicht wesentlich später steht der Zedler also in seinem Kino und kündigt den ersten Kurzfilm an: "Poisson Rouge", die Rettung eines ungewöhnlichen Goldfischlebens. Dem Publikum gefiel's und gefällts noch immer. Soviel dazu. Was sich als das einfachste von all dem, was sich später noch so heimlichstillundleise eingeschlichen, oder weggeschlichen hat, erweisen sollte. Denn das erste Jahr war, zumindest was die Filmauswahl betraf, das leichteste. Wir alle kennen das: es darf ja nicht irgendein Kurzer sein, nein ,er soll ja auch einigermaßen zum Hauptfilm passen.

Da war so manche Nuss zu knacken, und natürlich immer auf den letzten Drücker, weil der Hauptfilm erst vor 3 Sekunden feststand: Hallo, ihr Disponenten da draußen! Mut zum Risiko! Aber halt!! Warum nicht mal andersrum?: "Ich hätte gerne den Film XY zu dem und dem Termin, der würde gut zum Kurzfilm der Woche passen." "Da kann ich ihnen aber keine sichere Zusage geben!" "Auf später geht leider nicht." "Ohhh, Entschuldigung, Mister Gott, ja selbstverstääändlich, wenn das so ist!" Ganz anders dagen die Situation im Norden: Tipp tipptipptipptipp tipptipptipptipp tipptipptipp. Scheißeschonwiederbesetzt! Wahlwiederholung. Beim 7. Versuch: Tüüt tüüüüt..... Erleichtert lehnst du dich in deinen lauschigen Bürosessel zurück und wartest. In der Schleife. Dann endlich die Erlösung.

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Eine dir vertraut vorkommende Stimme meldet sich am anderen Ende der Leitung: hier Uevel-Schleicher. ????? Telefonieren schafft neue Kontakte. Man muß nur wollen. KurzFilmAgentur. Durchatmen. "Guten Tag, ich brauch mal wieder 'nen Schwung voll Filme!" "Ja, welche sollen es denn heute sein?" "Ja den und den zu dem und dem Termin, ist das möglich? (der erste Einsatz ist schon in drei Tagen, hoffentlich merkt das jetzt keiner) "Das ist aber schlecht jetzt. Die sind alle weg/reserviert/noch nicht wieder da, bräbräbrä."

Also schnell die Nachrückerliste aus der Schublade gezogen. Oh, Mist, ist die vom letzten Monat. "Ähh, ich meld mich später noch mal wieder. Bis wann erreich' ich Sie?" "Heute nur bis halb drei, das Wetter ist so toll, wir gehen nachher einen draufmachen." "Irritiert wandert der Blick zum Kalender: Stimmt. Sonntag war gestern. "Hmmm, tschüss dann." Der nächste Blick gilt der Uhr. OK, Zedler, du hast es so gewollt. Du bist selbst schuld. Das ist das Leben. Immer auf der Überholspur. Das ist so im Kolonnefahren. Du bist der letzte, und der fährt immer Vollgas. Akzeptier es. Oder fahr vorne.

Irgendwann, längst sind alle zuhause, wirfst du ein letztes mal den Kopierer an, drückst müde den Knopf und spürst alle Knochen deines Körpers. Und als Belohnung für deinen unermüdlichen Einsatz bekommst du am nächsten Morgen wieder diesen Satz an den Kopf geworfen, den du schon so oft gehört hast: He Thomas, schläfst du immer noch mit Licht? So geht das jetzt seit drei Jahren, und es macht Spaß und einen Haufen Arbeit. Es ist wie es ist, aber wenn ich dann abends in der Vorstellung bin und die Reaktionen der Zuschauer sehe, dann ist das jedesmal wie als ich sechs war und ein dickes Lob bekam. Wahrscheinlich bin ich von diesem Bazillus befallen, der auch mich erst nach Jahren des

Dahinvegetierens wieder loslässt, unfähig, mein weiteres Leben sinnvoll zu gestalten. Anne, Astrid, Axel, Jörgschadedasduwegbist, Michael, Michael, Svenja, und wen ich noch vergessen habe: Ein fettes Lob auch an euch. Denn was würde ich ohne euch machen? Ein stinknormales Provinzkino vermutlich. Kurzfilm, das ist für mich das Salz in der Suppe.

Gut, dass es euch gibt. Ich freu' mich auf euch! Thomas Zedler

Hans-Peter Jansen Hamburger Kinobetreiber Fama, Elbe, Blankeneser Kino

Ich schreib so ungerne!

Hans-Peter Jansen P.S.: Aber Kurzfilme sind geil.

Zentrum für Abbildung, vulgo: Abbildungszentrum Filmemacher

Von der Tratsch-Hotline Ottensen … … wurde uns ein Tonband zugespielt. Seltsamerweise adressiert an die KFA-Abiturzeitung. Es handelt sich scheinbar um den illegalen Mitschnitt einer der geheimen Abbildungszentrumssitzungen – von denen man munkelt, dass alle (die Anzahl ist nicht genau bekannt) Abbildungszentrumsbündler (und -Innen, denn es sollen sich auch Frauen unter ihnen befinden) immer nur mit Tüten auf dem Kopf erscheinen, um unerkannt zu bleiben. Aus diesem Grund entschuldigen wir uns schon an dieser Stelle für die schlechte Qualität der Abschrift, die an vielen Stellen durch Rascheln und Knistern unleserlich geworden ist. So viel ist klar: Das Gespräch dreht sich wohl um die Frage, was der KFA zum Jubiläum geschenkt werden könnte. Knirsch/Knister/Raschel/Räusper/US: "Natürlich ein Feuerwerk."/US: "Genau: In die Luft jagen. Den ganzen Laden."/UMS: "Nur weil sie vor 10 Jahren Deinen Kurzfilm nicht ins Programm

nehmen wollten ..."/UWS: "Nee, lieber ein echtes Geschenk"/US: "Ich schlage vor: Astrid Kühl kriegt die Hauptrolle in Jans nächstem Film"/JP: "Wer ist denn Astrid Kühl?"/SF: "Wie, Astrid kriegt noch ein Kind?"/US: "Quatsch, ich hab sie doch neulich mit √∂¥∫µ∆≈∑ im fi‡fl»‰ gesehen, und da ... (wird unterbrochen)/KI: "Aber deswegen kriegt sie doch nicht gleich ... /US: "Sag ich doch!"/BR: "Warte, ich erkläre dir das noch mal mit den Kindern ..."/PO: (wacht auf): "Oh, das klingt interessant."/US: "So oder so: 'Ne Flasche Champus passt doch immer."/DC: "Wieso nur eine, willst du etwa nur Astrid eine schenken? Da arbeiten doch noch ein paar mehr Leute."/ JS: "Ja, Sepp und Axel müssen auch eine Flasche bekommen."/PO: "Sind die denn auch schwanger?"/Raschel (Tüten und Papier)/US: "Steht hier doch, in dem Artikel, wer alles dazu gehört: Markus Schaefer, Gundula Bohn, Matthias Voucko, Volker Hansen, Michael Kähler, Cornelius Schepansky, Birgit Kämper, Robert Krause, Judith Lewis ... (liest weiter, Diskussion

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wird fortgesetzt)/US: "Laßt uns 10 Kurzfilme machen, für jedes Jahr einen."/US: "Also, ich hätte da auch noch 'nen alten, den würde ich gerne los werden."/US: "Genau: Wir geben ihnen alle unsere Kurzfilme, die sie bisher nicht in dem Verleih nehmen wollten./(Raschel)/BR: "Das nervt doch total an der KFA: Das die keine langen Filme nehmen."/PO: "Wieso, ich find' die gut, die haben doch jetzt den Vorführ-Effekt im Programm."/JP: "Das sagst du doch nur, weil du darin fiedelst. Deshalb ist der überhaupt eine Stunde lang geworden."/US: "Patrick Orth, Heinz Weber, Matthias Böckmann, Magdalena Frau, Nicole Hanft, Karsten Hinckeldeyn, Annette Kiener, Ulli Köhler, Karin Laub ..."/KI: "Rad ist doch auch im Verleih."/JS: "Ja, und der ist sogar älter als die KFA – den habe ich schon vor 14 Jahren gedreht."/TS: "Das ist doch immer so."/SF: "Und Buy 1 –

Get 1 Free haben sie auch – den hat die KFA übrigens mal den Frauen des Vorstands von L'Oréal gezeigt, die sich dann aber beschwerten, warum so ein Schindluder mit so einem 'echt ernsten Thema' getrieben würde."/US: "Stimmt, über Tupperpartys sollte man keine Witze machen."/US: "Agnieszka Musiel, Kirsten Rick, Christiane Rieke, Till Sadlowski, Melanie Salge, Frank Krause, Sigrid Kohl .../CK und DK erscheinen (offensichtlich verspätet) zur geheimen Sitzung. Deutlich hörbar verschwitzt vom Aufstieg in den 2. Stock. CK (schnaufend):"Habt Ihr schon ein Geschenk für die KFA – uns fällt überhaupt nichts ein."/TS: "Das ist doch immer so."/Man hört, wie CK's (wie immer zu enge) Hose beim Hinsetzen platzt. Dann: Schweigen./US (im Hintergrund): "Holger Braack, Christopher Landerer, Philipp

Hinz, Sigrun Kortas, Kai Reichel, Wolf Schmidt, Malte Schwier, Jan Holthusen, Willi, Michael Erfurt, Ingo Grell, Mado le Fur, Nicole Neumann, Jörg Wagner, Kai Walkenhorst, Agnes Ebeling, Michaela Hagmann, Sabine Horn, Franka Laufer, Adelheid Grünwald ..."/PO: "Du gehst da doch sowieso nur hin wegen der ganzen hübschen jungen Frauen, die da immer irgendwie sind."/JP: "Aber Anne Schricker ist doch gar nicht sooo jung, oder?"/SF: "Kann man ja nicht wissen, bei der vielen Bionade Forte, die die da immer trinken."/DC: "Das liegt doch an dem Geheimabkommen mit dem KGB."/BR: "Die KFA soll der beste Kunde des KGB sein – besser noch als das Hamburger Filmfest und Die Thede zusammen."/CK und DK (im Chor):"Warnix-Machtnix trinkt am meisten."/SF: "Bionade Forte?"/KI: "Hat scheinbar auch unterschiedlichste Wirkung, das Zeug."/JP: "Es soll Leute geben, die bei zuviel Bionade Forte schrecklich anfangen zu reimen ..."/US: "Kyros Kikos, Jürgen Kittel, Susanne Montgomery, Lukas Scheper, Ulrich

Syberg, Lars Wilde, Daniel Dembski, Svenja Genthe, Svenja Hohnke, Jan Paulo ..."/US: "Wieviele Flaschen sind das denn?"/US: "Die Liste ist noch lange nicht zu Ende, da sind noch ..."/(wird unterbrochen) TS: "Das ist doch immer so."/US: "Das sind mindestens 70."/DK (begeistert): "70 Flaschen Champagner?"/BR (entsetzt): "Das können wir uns nicht leisten!"/US: "Viel einfacher: Vergesst den Champagner. Wir bringen ein Ständchen." DK (enttäuscht): "Oh."/US: "Wie?"/US: "Wir singen."/US: "Jetzt?"/US: "Ja, für die Ottenser-TratschHotline."/US: "Müssen wir da anrufen?"/BR: "Das ist doch viel zu teuer!"/US: "Nein, das kriegen wir kostenlos, wir sind doch hier total verwanzt." /Knirsch/Knister/Raschel/Räusper: "OK, Peter, wir sind so weit, gib uns ein 'A'." /PO: "Aa."/DC, JS, BR, KI, SF, JP, TS, CK, DK: "Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa."/PO: "Gut! Und eins, zwei, drei ..."/DC, JS, BR, KI, SF, JP, TS, CK, DK, PO (mehrstimmig ) :"Viel Glück und viel Segen auf all' Deinen Wegen ..."

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UWS=unidentifizierbare weibliche Stimme; UMS=unidentifizierbare männliche Stimme US=unidentifizierbare Stimme DC=Doro Carl; JS=Jörn Staeger; BR=Bertram Rotermund; PO=Peter Ott; KI=Kerstin Isenbeck; SF=Silke Fischer; JP=Jan Peters; TS=Tobias Sandberger; CK=Carsten Knoop; DK=Dorit Kiesewetter

Bei allen vorstehend oder nachfolgend abweichenden Darstellungen der Ereignisse im Abbildungszentrum handelt es sich um verleumderische Propaganda des Klassenfeindes.

Karsten Hinckeldeyn Vorstand KurzFilmAgentur

... verstand die KurzFilmAgentur Jürgen Kittel macht Spaß. Sprachbegabt bis zur Verdrehung. Was er sonst noch so macht, wenn er nicht gerade aus der streng formalen Bezeichnung "Vorstand der KurzFilmAgentur" eben jene Variante wie oben bastelt? Ja, was weiß denn ich?! Halt! Ich weiß doch etwas. Er hat nicht nur diese Festschrift redigiert, sondern leitet auch das Internationale KurzFilmFestival Hamburg – immer noch. Der KurzFilmGott möge ihn dafür segnen. Habe ich die Kurz-FilmAgentur verstanden? Begriffen, was da läuft, und – falls ja – warum? Das wäre eine ziemliche Anmaßung. Wer behauptet, "es" in den letzten Winkel des Gestrüpps durchdrungen zu haben, ist nicht zu retten, vor allem vor sich selbst. "Die Agentur", oft gekürzt auf "KFA", hat Talente gefördert – und (teilweise!) auch wieder verloren, hat buchhalterisch gänzlich neue Kategorien wie "Mysterium" oder "Faszinosum" (© by Judith Lewis als erster Finanzbuch-

halterin) kreiert, hat immer schon ein "unordentliches Festival" (Christoph Settele, Geschäftsführer des VIPER-Festivals und Jurymitglied ca. 1994) veranstaltet, hat einen weiteren Buchhalter durch Augen-Infarkt verschlissen, hat aber vor allem überlebt, weil sie sich selber und ihren schwierigen Menschen immer wieder eine Chance gegeben hat. Hat die KFA bisher auch "gut gelebt"? Das muss man die überlebenden Mittäter fragen. Sie lebt so gut wie diejenigen, die "darin" arbeiten, sich wohl fühlen, sich drinnen oder draußen weiterentwickeln, und vor allem "ihr Ding machen können". Was ich in reichlich 10 Jahren von draußen wie drinnen gelernt habe, ist dies: auf lange erste Blicke sieht es so aus, als wenn jede/r stark "vor sich hin" arbeitet, als wenn die verschiedenen "Akteure", die Berufstätigen, die Vereinsmitglieder, die KinoAbo-Mitglieder, das Festivalteam – speziell das erweiterte – wenig bis nichts miteinander verbindet. Das ist aber ganz verkehrt.

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Worin aber liegt denn das Verbindende? Ich könnte Euch jetzt schön etwas vorsülzen: von der "Einzigartigkeit des Kurzfilms" oder vom "alles überwindenden Idealismus" zum Beispiel. Aber der Geburtstag der Agentur ist kein mythenpflichtiger Gedenktag. Die Wahrheit gibt es auch in diesem Zusammenhang natürlich ganz und gar nicht. Auch nach 10 Jahren, zu denen es übrigens ca. 7 Jahre Vorgeschichte gibt, kann es nur um begründende Bruchstücke gehen. Meine zusammenfassende These: was die KFA zusammenhält, ist der liebenswerte Einsatz für ein liebenswertes non-profit-Kulturgut (s. Heiner Roß' Artikel!!). Aber: keine Liebe ohne Nutzen. Die KFA bietet Freiräume. Sie war und ist eine Riesenchance zur Mitarbeit, und dies nicht entlang eines x-beliebigen Inhalts. Wo gibt's das (heute) noch? Nun ja, in der KFA zum Beispiel, aber auch bei vielen "PartnerOrganisationen" im In- und Ausland, denen wir uns (auch)

deshalb verbunden fühlen und die ich hiermit herzlich grüßen möchte! Es ist schon ein fast kulturhistorisches Phänomen, dass sich diese "Freak"-Einstellung bei vielen "in und um die KFA" so lange gehalten hat. Mindestens genauso wichtig ist aber, dass immer wieder Neue hinzukommen. Dies sollte aber den Blick für damit auch verbundene Veränderungen nicht verstellen. Neue bringen Neues mit – und werden (hoffentlich!!) Altes und auch ernsthaft Eingefahrenes in Frage stellen und umstoßen. Gut so! Die KFA taugt schlecht zur eigenen Nachlassverwaltung. 2. Zwischenfazit: diejenigen, die das so machen, haben etwas davon. Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten, die sich sonst schwer finden lassen. Das führt zu einem so bewunderten wie manchmal auch beklagten Nebeneinander von Professionalität und Volontarismus bzw. den Ergebnissen beider Konstanten. Macht nichts? Naja, macht schon was. Denn auch dies-

bezüglich dreht sich vieles "ums Geld". "L'argent – l'amour – l'argent!" (mehr als ein cleverer Filmtitel) – auch Liebende bzw. Liebhaber müssen essen, trinken, ein brauchbares Dach über dem Kopf haben – und haben bestimmt auch einen Anspruch, der darüber hinaus geht. "Frau Kühl, Sie müssen mehr an Ihre Altersversorgung denken!" lautete der wirklich ehrliche und im besten Sinne fürsorglich gemeinte Rat einer hamburgischen Landesbeamtin an die amtierende Geschäftsführerin, die sich angesichts der in der Agentur gezahlten Löhne notwendigerweise die Haare rauft. Es ist wahr: in der KFA werden auch 10 Jahre nach ihrer Gründung noch "englische Löhne" bezahlt und es wird mit Budgets gearbeitet, die der Behauptung, dass Not angeblich erfinderisch mache, ein zynisches "stimmt genau!" hinterherzurufen scheinen. Das kommt auch unter befreundeten Multiplikatoren nicht gut an und wird nur zu oft als sorgfältig gepflegte Armuts-Attitude missverstanden.

Was machen wir falsch? Vielleicht sind die KFAler in der Tat nicht clever genug, sich große Budgets zu "angeln". Vielleicht sind die KFAler nicht ausreichend gierig?! Vielleicht gibt es aber auch noch ganz andere Gründe für die das permanent schlechte Gewissen erzeugenden Umstände, die einen Vereinsvorstand, und damit auch Arbeitgeber, bei einem Blick auf den jährlichen Wirtschaftsplan heimsuchen. Aber auch und gerade aus diesem Blickwinkel gilt: Jammern hilft nicht! Allerdings muss die KFA unter dem Druck öffentlicher Sparhaushalte schärfer als bisher ihre Schmerz-Überschreitungsgrenzen bestimmen. Sie muss entscheiden, unter welchen materiellen Bedingungen die Liebe in Einklang mit den materiellen Lebensnotwendigkeiten zu bringen ist, und ab wann dies nicht mehr geht bzw. nicht mehr gehen soll. Nicht mehr geht, weil es Lebensperspektiven verstellt und endgültig in eine objektive Verarmungsfalle einmünden lässt. Das kann von außen – und insofern ist auch ein Vorstand "außen" – nicht

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beurteilt bzw. entschieden werden. Diese Entscheidung setzt allerdings voraus, dass die KFA nach den ersten 10 Jahren daraufhin abgeklopft wird, was von den Zielen (und Träumen) heute noch übriggeblieben ist – und was davon weiterverfolgt werden soll. Erreicht ist ein bärenstarker Verleih, der alle diejenigen Lügen straft, die den Kurzfilm im Kino für mausetot und mithin anachronistisch erklärt hatten. Deren Irrtum freut mich am meisten! Erreicht ist ein Vertrieb, der wesentlich dazu beigetragen hat, die KFA "über das Kino hinaus" am Markt zu positionieren und der als cash-cow funktioniert. Erreicht ist, dass es ein dramatisch unterfinanziertes KurzFilmFestival weiterhin gibt – noch gibt, denn diese tragende Säule der Agenturaktivitäten wackelt so stark wie mein sanierungsbedürftiger Backenzahn (Unterkiefer links, Inlay rausgefallen ...).

War das Festival seinerzeit Ausgangspunkt für die heutige KFA, so ist eben dieses Festival heute ein materieller Insolvenzfall aller erster Kante ... da helfen auch die für das Internationale KurzFilmFestival Hamburg 2002 gesammelten Gebraucht-Kugelschreiber aus Osnabrück (merci, Holger und Birgit, war "irgendwie" auch eine tolle Idee) nicht mehr. 3. Fazit: die Billig-Heimer-Nummer läuft nicht mehr ... sonst macht’s keiner mehr – und dann kommt auch keiner mehr. Eine poltische Forderung? Ja, wenn Sie das so sehen, dann machen sie mal! Nicht erreicht ist die bundesweite materielle (Teil-) Absicherung einer (der!) deutschen KurzFilmAgentur, auch wenn man sich im Innenministerium sowie (nachfolgend)

beim BKM diesbezüglich mehr als "nur" gesprächsbereit gezeigt hat. Die aktuell anstehende Novelle des Filmförderungsgesetzes sowie die daran hängenden organisatorischen Konsequenzen müssen diesen zentralen Konstruktionsfehler beseitigen helfen – sonst ist's mal wieder für die Katz' gewesen bzgl. der Kurzfilm-Förderung. So gesehen hat die pränatale Assistenz aus der französischen Gründungspaten-Organisation Agence du Court Métrage und die mannigfaltige Hilfe des so verdammt früh gestorbenen François Ode eine nicht unbedingt reizvoll anzuschauende Zangengeburt entstehen

lassen – nach 10 Jahren bedarf es mehr als einer kosmetischen Korrektur – an der allerdings auch das so ausgeschlafene wie optisch lädierte (Magersucht?) Kind KFA wird mitwirken muss. "Schön" im Sinne des Guten, Wahren, Schönen wird die KFA nie werden. Sie wird keinen Beitrag zu mehr Glanz und Glamour leisten, dann wäre es nicht mehr die KFA. "No Budget" ist unsere Wurzel, unsere Form, unser Inhalt, unser Selbstverständnis. No Budget! Von Armut war nie die Rede ... Karsten Hinckeldeyn

Kirsi Kinnunen Helsinki Film Festival "Love & Anarchy"

Liebe Freunde! Es tut mir sehr sehr leid, aber Eure erste Nachricht erhielt ich, als ich viel zu beschäftigt war, und bei der zweiten war ich im Urlaub, aus dem ich gerade vor wenigen Tagen zurückkam. Danach fand ich einen schrecklichen Berg von Arbeit vor, der kaum Aufschub duldet. Also arbeite ich – und arbeite ... Folglich wird es in der Festschrift keinen Beitrag von mir geben, was mir wirklich leid tut ...

Wie auch immer. Solltet Ihr einen Gratulationsteil haben, in dem man sich für Eure großartige Arbeit (und Eurer kostbaren Hilfe, die Ihr mir geleistet habt), Euren festen Mut, Eure erfrischenden und verrückten Ideen bedanken kann – dann fügt dort meinen Namen hinzu! Mit den besten Wünschen Kirsi Kinnunen

Carsten Knoop & Dorit Kiesewetter Warnix-Machtnix

Der Kurzo-Rap Während das Abbildungszentrum eifrig an dem Beitrag für die Festschrift arbeitet, öffnet sich die Bürotür im achten Stock und Warnix-Machtnix treten ein:

er Mic’s und Boxen aus seiner Schlabberhose. Jan breakt rücklings auf dem Fußboden und Kerstin zischt einen schweren Beat. Bum, Tschacka, Bum. Warnix-Machtnix rappen los:

Zuerst Carsten mit Kippe und Schlabberlook, dann kurze Zeit später Dorit im Adidas-Ganzteiler und Skateboard unterm Arm. Keuchend und nach Luft schnappend prustet sie in den Raum: "Hallo – ballo , ihr abstrebernden Homies, ihr habt bestimmt schon unverständlichen Stuff für die Kurzos verzapft, habt ihr nicht?" "Logo, ihr Looser. Wir halten schliesslich Wort, Deine Mudda" "Wort hoch aber tu Geld wo Dein Mund ist und lasst die Licks ma lesen" Grundschullehrerin Kiesi hat sich schnell ein Bild gemacht: "Krankt ihr, da reimt sich ja nix, hat null tighten Flow. Für so´n Mag muss mehr Kick rein, checkt das." "Jo, Schwester" raunzt Keule Knoop und mirnix-dirnix holt

"Es ist zwar viele Jahre her, die Erinnerung tut sich schwer, aber denken wir zurück, fehlt uns kaum ein Stück. In der Glashütte, fast in der Midde, saß im Keller diese Sippe. Wer da alles rumhang und Schäfer mittenmang, war halt ganz am Anfang." Im Abbildungszentrum steigt dichter Nebel auf. Peter Ott fiedelt ein Solo. "Nicht auf die Länge kommt es an, denkt verzweifelt mancher Mann, dem schlossen wir uns an, und machten im Lichtmeß Kurzfilmprogramm.

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Ohne die Helfer aus dem Keller wär WarnixMachtnix heute nicht der Megaseller, Grüße gehen raus an Axel und Sepp, besonders für die Leihmieten ohne Nepp." Mittlerweile kocht es im ABZ, bestrahlte Discokugeln drehen sich unter der Decke.

Überhaupt diese K-Generation, Kittel, Kai, Kai und Ko. Jetzt sitzt auch noch Kirsche mit im Büro. Kurzfilm-Kultur noch vom Filmhaus aus aber da wollen sie wohl auch bald raus. Willi ist übrigens nicht vergessen, nur sind unsre Reime nicht angemessen."

"Alter Verwalter, als Kemper ging, war Kühl die Kurzo-Königin. Jubel bricht aus, die weiteren fünfzig Verse ersticken im ohrenbetäubenden Lärm der Menge. Carsten Knoop & Dorit Kiesewetter

Zum 10. Geburtstag gratulieren:

Filmkontakt Nord

Stuttgarter Filmwinter

Cambridge International Film Festival Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart

Internationales Kurzfilmfestival Drama

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Toronto

festival du court métrage clermont-ferrand

Int. Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm

Kortfilmfestivalen Grimstad

Media 10/10 Festival du court métrage, Namur

Unabhängiges Filmfest Osnabrück

Impressum Herausgeber: KurzFilmAgentur Hamburg e.V. Friedensallee 7, 22765 Hamburg www.shortfilm.com

Danke an folgende potenzielle Autoren, die auch ohne diese Festschrift geung beschäftigt waren:

Titelmotiv: Astrid Kühl

Arna Maria Bersaas Kevin Franklin Lars Henrik Gass Sandy Gildea Sylke Gottlebe Angela Haardt Gerard Holthuis Jack Ingram Birgit Kämper Anne Marie Kürstein Annette Lønvang Marja Pallassalo Peter Sempel Toril Simonsen Silvia Torner Ben van Lieshout Gerald Weber

Druck: Reset Graphische Medien GmbH, Hamburg

P.S.: Solange der Kenntnisvorrat reichte, sind die Beiträge in alphabetischer Reihenfolge … na – dings …

Redaktion: Jürgen Kittel (V.i.S.d.P.) Übersetzungen: Jürgen Kittel, Sigrun Kortas (Festschrift) Michael Gilmour, Michael Hale (Homepage) Anzeigen: K.u.K-Projekte Grafik und Produktion: Elke Scholz

© Autoren dieser Festschrift – KurzFilmAgentur Hamburg e.V. Der Abdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Rechteinhaber.