Was hat Verkehrssicherung mit nachhaltigem Bauen zu tun?

Was hat Verkehrssicherung mit nachhaltigem Bauen zu tun? Vortrag von Rechtsanwalt Marcus Pikarek, Vorstand WATERcontrol AG, im Rahmen des Fachseminars...
0 downloads 0 Views 4MB Size
Was hat Verkehrssicherung mit nachhaltigem Bauen zu tun? Vortrag von Rechtsanwalt Marcus Pikarek, Vorstand WATERcontrol AG, im Rahmen des Fachseminars „Neubaukonzepte, nachhaltiges Bauen“ in der Bielefelder Sennestadt am 13. September 2016 WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Die Verkehrssicherungspflicht (VSP) entstand aus zivilrechtlichem Schadensersatzrecht BGH: Die Verkehrssicherungspflicht (VSP) folgt aus dem Grundsatz, dass derjenige, der eine Gefahrenquelle schafft oder sie in seinem Einflussbereich andauern lässt, die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen zu treffen hat, damit sich mögliche Gefahren nicht zum Schaden anderer auswirken. Wer einen Verkehr eröffnet oder den öffentlichen Verkehr auf dem seiner Verfügung unterstehenden Grundstück duldet, hat die allgemeine Rechtspflicht, die nötigen Vorkehrungen zum Schutze Dritter zu schaffen, d. h. für einen verkehrssicheren Zustand zu sorgen. VSP = allgemeine Rechtspflicht zur Gefahrenvorsorge, wenn Verkehr auf dem Grundstück eröffnet oder geduldet wird.

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Verkehrssicherung spielt Rolle im Betrieb / Bestand

Mangelhafte Isolierung Trinkwasserleitung Mechanische Belastung auf Gasleitung

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Vielzahl von Betreiber-/Verkehrssicherungspflichten Pflichten ergeben sich Gesetzen, Verordnungen, Satzungen, Rechtsprechung zu § 823 BGB, technischen Regeln, DIN-Normen, Unfallverhütungsvorschriften. Schadensersatzhaftung setzt mindestens Fahrlässigkeit voraus. Fahrlässig handelt, wer die a. a. R. d. T. missachtet.

Quelle: Martin Klemmer, GAG Köln, 2007

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

VSP erfordert Risiken- und Kostenabwägung Verkehrssicherung ist teuer und aufwendig. Die abzusichernden Risiken müssen zunächst identifiziert und analysiert werden. Neben Sach- und Personenschäden nehmen Imageschäden an Bedeutung zu.

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Legionellen-Ausbruch in Warstein

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Verkehrssicherung in der Praxis der Wohnungswirtschaft Risiko = Eintrittswahrscheinlichkeit x Schadensausmaß Um den Instandhaltungsetat nicht zu stark zu belasten, muss kategorisiert und priorisiert werden! Quelle: iwb Entwicklungsgesellschaft mbH, Braunschweig

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Kostentreiber wiederkehrende Prüfungen und Kontrollen Durch die systematische Erfüllung der VSP entstehen zunächst Kosten, die viele Wohnungsunternehmen nicht haben, die weiterhin nur das gesetzlich absolut Notwendige veranlassen und VSP in erster Linie als Haftungsprävention Quelle: iwb Entwicklungsgesellschaft mbH, Braunschweig verstehen.

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Integrativer Ansatz: VSP ist Teil der (laufenden) Instandhaltung Nach Bogenstätter ist VSP Teil der laufenden Instandhaltung und kann gut in die ohnehin laufenden Massenprozesse Kleininstandsetzung , Renovierung, Modernisierung & Vor-Ort-Services (Hausmeister, Reinigungskräfte, etc.) integriert werden. Quelle: Prof. Bogenstätter, FH Mainz

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

VSP ist nachhaltig: Ressourcenschutz, Kapitalerhalt, Sicherheit Regelmäßige Kontrollen der Gefahrenbereiche des Gebäudes erhöhen das Sicherheitsgefühl der Nutzer, decken Mängel auf und dienen so dem Werterhalt. Über den integrativen Ansatz können die laufenden Kosten optimiert werden.

Quelle: Prof. Bogenstätter, FH Mainz

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Nutzer haben gesteigertes Sicherheitsbedürfnis Presse befeuert auf Hysterie. In unsicheren Zeiten steigt das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung auch im häuslichen Umfeld.

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Aufsichtsbehörden können sanktionieren

Wenn VSP gesetzlich normiert, können bei NichtBefolgung Bußgelder und Strafen verhängt werden.

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe

0 0 88 300

Bad Bad

0 0 0 0

0 0 0 0

Bad Bad

200

200

Bad

0 49 29 0 200

0 49 29 0 200

0 0 0 0 2.500 0

0 0 0 0 2500 0

0 0 0 0 500

0 0 0 0 500

WTmax [°C]

0 0 88 300

Waschbecken Waschbecken Waschbecken

0:22 0:26 0:57 1:06 1:03

63,4 58,8 60,3 58,0 54,7

klar klar klar klar klar

Waschbecken Waschbecken

68,5 66,3 51,4 41,0

0:20 0:18 0:28 0:29

71,4 69,3 69,5 68,3

klar klar klar klar

57,3 56,8 46,9 41,8

0:44 0:43 0:49 1:00

59,9 56,9 57,4 55,4

klar klar klar klar

WT Entnahme [°C] Zeit bis Tmax [s]

Bad Bad Bad

60,1 54,4 40,5 29,2 45,0

Entnahme Armatur

0 0 0 200 0

Entnahme Raum

0 0 0 200 0

Wassertrübheit

Stichprobe befallene TWA = 1 PNS: 211  mit ersichtlichen technischen Mängeln (Entnahmetemperatur unter 40°C, über 1 Minute zum Erreichen für Tmax, Tmax unter 55°C): 127 (60%)  mit möglichen Verbrauchs- und Stagnationsproblemen, da zumindest die o. g. technischen Mängel nicht ersichtlich sind: 84 (40%)

Bewertung [KBE/100ml]

(Auszug GdW AH 70)

Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe

Ergebnis [KBE/100ml]

Prüfungsart

Legionellenbefall: Ursachenmix oder nur geringe Abnahme?

Waschbecken Waschbecken Badewannenarmat 40,9 1:11 57,5 ur

Waschbecken Waschbecken Waschbecken

59,1 53,5 45,9 47,1 34,5

0:30 0:33 0:53 1:02 4:53

61,7 54,7 58,5 57,1 54,1

klar klar klar klar klar

Bad Bad Bad

Waschbecken Waschbecken Waschbecken

53,7 55,7 61,2 46,7 20,5 25,2

0:51 0:31 0:25 0:48 2:12

58,0 57,9 63,6 60,6 59,1 59,3

klar klar klar klar klar klar

Bad Bad Bad

Waschbecken Waschbecken Waschbecken

55,7 55,3 46,7 49,0 50,4

0:29 0:35 0:38 1:16 0:33

59,5 56,9 59,1 57,3 57,1

klar klar klar klar klar

Bad Bad Bad

0

0

67,2 0:42 70,8

Routineprobe

900

900

42,7 1:13 44,3

Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe Routineprobe

0

0

0 0 0 3 700

0 0 0 3 700

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

klar

Bad

Bad Bad Bad

Waschbecken

48,0 1:35 64,4

klar sehr trüb klar

Waschbecken Waschbecken Waschbecken

62,9 52,0 42,9 47,1 25,7

57,2 52,7 59,2 62,1 43,9

klar klar klar klar klar

0:19 0:34 1:11 0:49 2:28

Wo liegen die Ursachen für Legionellen-Kontaminationen? Schon die alten Römer wussten: Wasser muss fließen, kaltes Wasser muss kalt sein, warmes Wasser muss warm sein. Haupt-Ursachen für Überschreitungen des technischen Maßnahmewertes sind:  Stagnation des Wassers im Leitungssystem  Ein zu niedriges Temperaturniveau des Warmwassers

Auszug Hygiene-Norm VDI 6023

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Geänderte Gewohnheiten verschärfen Probleme Rund 20% der festgestellten LegionellenKontaminationen geht einher mit sehr geringen Wasserverbräuchen der jeweiligen Wohnungsnutzer. Hier muss Aufklärung betrieben werden, dass eine gewisse Wasserabnahmemenge erforderlich ist, um hygienische Probleme zu vermeiden. Quelle: BGW, Bonn, 2007

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Studie Hygieneinstitut (IHPH) zu Legionellen im Trinkwasser Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn (IHPH): 5 Labore und Probenahme-DL haben 1.020.000 Trinkwasserdatensätze zur Verfügung gestellt. Ergebnisse in IKZ-Magazin „Fachplaner“ im Oktober 2015 veröffentlicht. 90% der Daten aus Wohnungswirtschaft Ergebnis: 5,6% der Proben überschreiten den technischen Maßnahmenwert (TMW), 6,5% bei Warmwasser, 16,5% der Gebäude sind von Legionellen betroffen.

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Hygienisch-mikrobielle Statusanalyse – Alle Trinkwasserproben: 5,6% Kontaminationsquote 5,6%

≤ TMW > TMW

94,4%

N = 1.020.276

Quelle: Prof. Dr. Kistemann, IHPH, Bonn, 2015: Alle Proben

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Hygienisch-mikrobielle Statusanalyse – Verteilung Kontamination 1,5 % 0,3 % 6,1 % 7,5 % 0 KBE/100 ml 1-99 KBE/100 ml 100-1000 KBE/100 ml 1001-10.000 KBE/100 ml >10.000 KBE/100 ml

84,5 %

N = 1.020.328

Quelle: Prof. Dr. Kistemann, IHPH, Bonn, 2015: Alle Proben

WASSER BRAUCHT QUALITÄT

Temperatur und Kontaminationsrisiko – Relatives Risiko Das Risiko einer Überschreitung des TMW ist bei Betrieb der Anlage unter 55°C gegenüber einem Betrieb der Anlage über 55°C dreifach erhöht.

Temp_max

Legionella >100 KBE/ 100 ml

Suggest Documents