Warum nicht die offene Tur nehmen?

1/2017 G 5949 Warum nicht die offene ? n e m h e n r Tu Unsere Kontaktgruppenarbeit im Strafvollzug wird 45! Die „Neue“ ist eine Bereicherung Habt A...
Author: Adolf Friedrich
2 downloads 0 Views 2MB Size
1/2017 G 5949

Warum nicht die offene ? n e m h e n r Tu Unsere Kontaktgruppenarbeit im Strafvollzug wird 45!

Die „Neue“ ist eine Bereicherung Habt Acht auf die Herde 4-Augen-Gespräche im Jugendknast Björn. Halbherzig schaffe ich es nie

Termine Veranstaltungen April bis Juli 2017 Sonstiges Gefängnis 02.04. 07.05. 14.05. 21.05. 21.05. 28.05. 11.06. 18.06. 02.07. 09.07.

J VA Geldern – Gottesdienst (10:30) JVA Schwerte – Gottesdienst (9:30) JVA Düsseldorf – Gottesdienst mit Petra & Band und Vitali Trepnau (8:45) JVA Hagen – Gottesdienst (10:30) JVA Remscheid – Gottesdienst mit Jugendgruppe Gummersbach-Bernberg (10:30) JVA Wuppertal-Ronsdorf – Gottesdienste mit Team der Evangelistenschule Johanneum/Wuppertal (10:00 + 11:00) JVA Siegburg – Gottesdienst mit Jugendgruppe Gummersbach-Bernberg (10:15) JVA Wuppertal-Vohwinkel – Gottesdienste mit Team der Evangelistenschule Johanneum/Wuppertal (10:00 + 11:15) JVA Schwerte–Gottesdienst mit Team von neuSTART Breitscheid e.V. (9:30) JVA Düsseldorf – Gottesdienst (8:45)

13.05. 07.06. 07.07.

Impulsabend – „Muss ich so bleiben wie ich bin?“ – Mut zur Veränderung. Vortrag und Gespräch mit Katrin Mehring im Café (19:00)* GreenGate-Tag (9:00 – 17:00) Lady Shopping – mit Fingerfood (19:00)* Italienischer Abend – mediterranes Buffet und Live-Musik im Café (19:00)*

*Bitte anmelden unter 02192-201-240

Impressum Herausgeber: Gefährdetenhilfe SCHEIDEWEG e.V. Unterscheideweg 1-3 D-42499 Hückeswagen Tel.: +49 (0)2192 2011, Fax: +49 (0)2192 2015 E-Mail: [email protected] Internet: www.scheideweg.nrw

2

Erscheinungsweise vierteljährlich. Die Ausgabe erscheint unentgeltlich. 1. Vorsitzender: Dr. Peter Christian Knüppel Geschäftsführer: Jörg Hübner (V.i.S.d.P.)

Herzliche Einladung an Mitglieder und Freunde: 20.05. Jahreshauptversammlung – Beginn 14:30 Uhr Begegnungszentrum SCHEIDEWEG, Unterscheideweg 15, 42499 Hückeswagen 03.-05.06. Pfingstjugendkonferenz PFIJUKO in Siegen – Teilnahme der Wohngemeinschaften 10.-18.06. Reise nach Polen mit Veranstaltungen im Gefängnis – Petra Halfmann & Band Dein Ding – Dein Tag – sei dabei! 01.07. Ehrenamtstag – 17:30 – 22:00 Uhr Erlebnispark SCHEIDEWEG Information und Anmeldung unter: [email protected] oder 02192-201-234

Erlebnispark 06.04.

Kontaktgruppenarbeit lohnt sich – seit 45 Jahren! 29.04. Kontaktgruppen-Einsteigerkurs – 10:00 – 16:00 Uhr Begegnungszentrum SCHEIDEWEG, Unterscheideweg 15, 42499 Hückeswagen u.a. mit Pfarrer Thomas Schrödter/JVA Düsseldorf Anmeldung bitte unter: [email protected] oder 02192-201-236.

Herzlichen Dank für diesen Brief eines Inhaftierten aus NRW: Liebes Scheideweg Team, ich wünsche Euch frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr 2017. Ihr seid die wahren Helden dieser Welt, reale Engel für Gefangene. In meinem Herzen weiß ich, dass Ihr durch Gottes allmächtige Kraft gesegnet seid. Die Leute meinen, dass man Gott oder die Engel nicht sehen kann. Doch ich sage, im Scheideweg Team erkenne ich Engel und ich höre Gottes Worte durch die Lieder (der Gruppe) ... Herzliche Grüße, meine Brüder und Schwestern ... (Übers. d. Red.)

Redaktion: Jutta Sieper, Christine Hildebrandt Bildnachweis: S.1 © Mooshny, S.3 © André Platte, S. 4 mrsmuckers, übrige Fotos © Gefährdetenhilfe SCHEIDEWEG e.V. Druck: Druckhaus Gummersbach PP GmbH

Datenbank eingetragen und kommt als Empfängerin von Geldauflagen in Betracht. Dieses elektronische Verzeichnis wird von der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf geführt.

Bankverbindung: Die Gefährdetenhilfe SCHEIDEWEG e.V. ist wegen Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen IBAN: DE23 3405 1350 0034 1113 10 der Betreuung und Wiedereingliederung von BIC: WELADED1RVW straffälligen, haftentlassenen und gefährdeten Personen vom Finanzamt als mildtätig anerkannt. Darüber hinaus ist sie in eine justizinterne www.scheideweg.nrw

Sola Fide = Allein der Glaube rettet

Allein der Glaube, der sich auf Gott verlässt, kann vor dem Siege das Triumphlied singen und ein Freudengeschrei, ehe die Hilfe da ist!

Beispielhaft Wir sagen Danke ... ... für die Sach- und Sonderspenden in der Weihnachtszeit von Firmen und Einzelpersonen. Seit 2017 sind Rauchmelder verpflichtend. Durch die Unterstützung der Firma Abus konnten wir unsere Wohngemeinschaften umfassend ausrüs­ ten und bedanken uns recht herzlich dafür.

Martin Luther

Dein FSJ / BFD 2017 bei der Gefährdetenhilfe SCHEIDEWEG e.V.

Danke sagen wir auch für das Überlassen einer sehr gut erhaltenen Küche. Damit haben wir eine Single-Wohnung in Haus Brunnenweg ausgestattet. Hier kann eine Person nach der WG-Zeit selbständig leben und gleichzeitig in Kontakt sein. Neuer „Tatortreiniger“ in Scheideweg: Ein Dankeschön an alle, die den Kauf der neuen Profi-Spülmaschine für das Café unterstützt haben. Sie ist eine große Hilfe gegen Krümel & Co.

• Sinnvolle Zeit • Die Liebe Gottes weitergeben – durch Gespräche und Gottesdienste im „Knast”. • Für Kerle: Junge Männer beim Neustart unter­stützen. Als Teammitglied WG-Leben teilen. • Für Mädels: Im Café und in der Familie Menschen begegnen. Durch praktische Arbeit und Kreativität Anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Regina Kant an der Spülmaschine im Café

• Freizeitaktivitäten – sportlich – tiefgründig • Mehr über dich selbst erfahren • Seminare de luxe von netzwerk-m

Jetzt bewerben! Kontakt Jörg Hübner: [email protected] Telefon: 02192-201-204

Wir wünschen allen unseren Lesern

ein frohes

Osterfest! 3

Die „Neue“ ist eine Bereicherung Im Oktober 2015 startete unsere neue Wohngemeinschaftsform, von manchen liebevoll „die Selfie-WG“ genannt. Wir fragen Frank Hildebrandt, den Leiter des Begleitungsteams: Drei Worte, die die neue Wohngemeinschaft kennzeichnen… Eigenverantwortung erlernen und übernehmen, Gemeinschaft leben Wer lebte bisher in der WG? Volker, Daniel und Stephan sind in der Verselbstständigungsphase bzw. haben die Begleitung erfolgreich abgeschlossen. Matias und Rüdiger waren als Praktikanten hier. Zur Zeit wohnt Willi hier, eine weitere Aufnahme ist geplant. Wie läuft die Woche ab? An Werktagen: Selbstständiges Aufstehen und Frühstück. Arbeit, Berufsschule/Ausbildung. Von 17:00 – 22:00 Uhr ist ein Mitarbeiter in der WG. Gemeinsames Planen und Kochen des Abendessens. Kurze Andacht. Zeit für Gespräche mit dem Mitarbeiter. Abendprogramm: z.B. Sport, Bibelstunde, Einkauf für die Wohngemeinschaft, 14täglich Hauskreis und Zeit zur individuellen Gestaltung. Samstags folgt auf das gemeinsame Frühstück der WG-Putz. Danach ist Zeit für individuelle Gestaltung und Veranstaltungen (Jugendtage, Kultur, Sportveranstaltungen usw.). Sonntags findet Gottesdienst und 14täglich der Besuch beim Jugendtreff der Gefährdetenhilfe Kurswechsel statt. Wie am Samstag begleitet ein Mitarbeiter ganztägig die WG. Wie organisiert sich das Begleitungsteam? Mit mündlichen Absprachen zur WG-Koordination und klaren Verantwortungsbereichen: Bernd Storek übernimmt die Planung und Gespräche mit den Mitarbeitern. Josia Alberts ist für die Freizeit-Planung zuständig und hat die Finanzen im Blick. Ich treffe Absprachen mit den Mentoren. Gemeinsam arbeiten wir an der Umsetzung unseres Konzepts mit Blick auf die Bedürfnisse der jungen Leute. Arbeiten weitere Personen mit? Zusätzlich zum Team helfen uns Mitarbeiter aus der Gefährdetenhilfe und von außen mit der Übernahme von WG-Diensten oder der

4

Bereitstellung von Essen. Ehemalige „WGler“ besuchen regelmäßig die WG. Das stärkt Freundschaften und bringt oft Ermutigung. Welche Aufgabe hätte hier ein FSJler? Mitwohnen, Einbringen in Freizeitgestaltung und alle WG-Aktivitäten, Stabilisator und christliches Zeugnis für die Männer. Zwei WG-Formen in einer Gefährdetenhilfe – wo sind die Schnittmengen mit der FamilienWG von Timon und Swetlana Persian? Wir sind froh, dass wir zwei verschiedene WGFormen anbieten können. Das erlaubt uns, individueller auf die Bedürfnisse der Hilfesuchenden einzugehen und ihnen die bestmögliche Hilfe zu geben. Die Erfahrung aus dem letzten Jahr zeigt, dass das gut funktioniert. Die zwei WG-Formen sind gleichwertige Angebote und ergänzen sich. Im Vorfeld überlegen wir, welcher Bewerber in welcher WG am besten betreut werden kann. Jeder Hilfesuchende nimmt am Mentorenprogramm teil (siehe unten). Die Freizeitangebote gelten für alle gleichermaßen. Individuell ist dann die familiäre Anbindung oder die etwas offenere WG-Begleitung durch ein Mitarbeiter-Team. Die WG setzt auf Eigenmotivation und Initiative. Dabei gibt es Regeln und Verbindlichkeiten Bevor man sich über Regeln Gedanken macht, muss man die Begleitungsziele sehen: Es geht um Arbeit an der Überwindung der besonderen Probleme, um selbständige Lebensführung, Tagesstruktur, Freizeitgestaltung, Teilnahme am sozialen Leben, sinnvollen Umgang mit Geld, Beruf, Kompetenzerweiterung, Konflikt- und Krisenbewältigung, Wohnung, Mobilität und schließlich Unabhängigkeit von der Betreuung. Dadurch ergeben sich Regeln wie die verbindliche Teilnahme an den WG-Freizeitangeboten, die Abstinenz von Alkohol und Drogen, die Mitarbeit im WG-Haushalt sowie das Einhalten von individuellen Abmachungen. Je nach Phase der

Begleitung (Aufnahme, Eingewöhnungsphase, Intensivphase und Verselbständigungsphase) ändern oder erweitern sich die Regeln und Verbindlichkeiten für die zu Begleitendenden, aber auch für das Betreuungsteam. Du hast die Mentoren erwähnt ... Jeder zu Begleitende bekommt einen Mitarbeiter als seinen persönlichen Mentor zugeordnet, der als Vertrauensperson und als Vermittler gewährleisten soll, dass jeder die bestmögliche Begleitung erfährt und die oben genannten Ziele erreicht werden. An der Auswahl wirkt der zu Begleitende mit. Der Mentor löst nicht jede sich ergebende Herausforderung, gewährleistet aber, dass sie im Rahmen des Begleitungskonzeptes bewältigt wird. Er stellt Kontakte her bzw. Informationen bereit. Resümee und Wünsche: Ich glaube, dass der Übergang von einer familiären Wohngemeinschaft in die neue (andere) WG-Form recht reibungslos gelungen ist, obwohl zunächst viele Bedenken bestanden. Dankbar sind wir für jede Hilfe und Unterstützung, ob durch Mitarbeiter, ehrenamtliche Helfer oder beratende freundschaftliche Hilfe anderer Gefährdetenhilfen. Stolz sind wir, dass wir schon zwei Verselbstständigungen erreicht und begleitet haben. Denn auch die aktiv begleitete Verselbständigung ist ein Novum unseres Begleitungskonzeptes. Zur Zeit entsteht eine vierte Single-Wohnung, wo wir einer Person nach der WG-Zeit Unterstützung anbieten können. Wir wünschen uns viele Mut machende Begegnungen mit „unseren Männern“, ein gutes Miteinander als „großes Begleitungsteam“ und für unsere zu Begleitenden sichtbares Vorankommen und persönliches und auch geistliches Wachstum. Wir freuen uns, wenn Sie für uns beten.

Habt Acht

auf die Herde

„Member Care“ beschäftigt sich mit der Fürsorge für Mitarbeiter. Kürzlich hat unsere Mitarbeiterin Christine Hildebrandt diesen Studiengang abgeschlossen. Nachfolgend ihre Gedanken, was wir füreinander tun können. Als Paulus bei seiner Abschiedsrede der Leitung der Gemeinde in Ephesus den Auftrag gab: „Habt Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde“ (Apg.20,28), war ihm bewusst, dass Menschen das Wertvollste in der Gemeinde sind. Sie bringen ihre Erfahrungen, Fähigkeiten und Begabungen mit, ihre Persönlichkeit und auch Fehler und Versagen. Durch Menschen wird Gottes Gnade, seine Gerechtigkeit und Wahrheit in unserer bedürftigen Welt offenbar. Jenseits der Komfortzone Paulus wusste aus eigener Erfahrung, dass der Dienst im Reich Gottes neben viel Segen auch Schwierigkeiten, Entbehrung und Leid mit sich bringt. Wenn Paulus davon sprach, auf die Herde acht zu haben, meinte er nicht, die Gemeinde vor all diesen Schwierigkeiten zu schützen. Er wollte stattdessen, dass den Christen geholfen wird, durch ihre Probleme stark zu werden und dadurch in das Bild Christi umgestaltet zu werden. An biblischen Personen wie Abraham, Joseph, Moses, David oder der Jüngern Jesu sehen wir, dass sie sich nicht innerhalb den Grenzen ihrer Komfortzone niederlassen konnten. Sie waren ständig herausgefordert, geistlich und charakterlich zu wachsen und zu reifen. Aber gleichzeitig versorgte Gott sie mit allem, was sie benötigten. Er stärkte sowohl den äußeren wie auch den inneren Menschen: er versorgte sie mit Nahrung, Ruhe, Ermutigung und auch Heilung und Wiederherstellung. Denken wir zum Beispiel an die Einführung des Sabbats als Ruhetag oder Gottes Versorgen des verfolgten Elia in der Wüste (1Könige 19). Ebenso sorgte Jesus dafür, dass seine Jünger in ihrem hektischen Tempo zur Ruhe kamen (Markus 6). Jesus richtete Petrus wieder auf, dass er nach seinem Versagen an Karfreitag als guter Mitarbeiter weitermachen konnte (Joh. 21). Paulus dachte bei seiner Aufforderung: „Habt Acht auf die Herde“ aber auch an die Gefahr, Menschen aus dem Blick zu verlieren, und dass anderes wichtiger werden könnte. Unsere westliche Kultur ist eher materialistisch und aufgabenorientiert, bei der es darauf ankommt, dass Aufgaben schnell und effizient erledigt werden. Oft tendieren Gemeinden und

Missionsorganisationen dazu, Jesu Missionsauftrag in gleicher Weise zu erledigen. Diese Aufgabe muss umso dringlicher erfüllt werden, weil es ein von Gott angeordneter Auftrag ist. Den Mitarbeitern, die den Auftrag Jesu erfüllen, wird nicht viel Aufmerksamkeit gewidmet. Diejenigen, die in Gemeinde – oder Missionsleitung Verantwortung tragen, würden so etwas nicht bewusst sagen, jedoch Entscheidungen, Strategien und Strukturen zeigen oft eine solche Denkweise. Mit einander Der Aufruf „Habt Acht auf die Herde“ ist aber eine Verpflichtung und nicht ein nettes Extra, wenn es die Zeit zulässt. Was Paulus damit ausdrückt, ist eine Herzenshaltung und Einstellung, die Gottes Werte widerspiegelt. Sie ist nötig, um unseren missionarischen Auftrag in dieser Welt zu erfüllen und somit ein Grundpfeiler unserer Arbeit. Nun ist dieser Auftrag, sich um einander zu kümmern, nicht der „heilige Gral“ einiger weniger Mitarbeiter in der Gemeinde oder einer bestimmten Abteilung eines Missionswerkes. Die Aufforderung füreinander zu sorgen, ist an alle Christen gerichtet und begegnet uns überall in der Bibel (Joh. 13,34; Röm. 15,7; Gal. 6,2; 1Petr. 4,9ff ). Zu oft tragen wir unsere Lasten alleine oder sind zu beschäftigt, die von anderen mitzutragen. Unser Individualismus hindert uns; dabei ist Gemeinschaft für unser geistliches Wachstum unerlässlich. In jedem Brief des Neuen Testaments fordert Gott dazu auf, dass christliche Gemeinschaft von Geben, Dienen, gegenseitiger Verantwortlichkeit geprägt sein soll. Das „einander“ wird betont: Liebt einander Nehmt einander an Seid zu einander freundlich, herzlich Seid gegeneinander gastfrei Tragt einander die Lasten Ermutigt und tröstet einander Vergebt einander Seid untereinander eines Sinnes Betet für einander Habt Frieden unter einander Wascht einander die Füße

... und viele weitere mehr All diese Aktivitäten sind von der Agape-Liebe angespornt, der aufopfernden und gebenden Liebe, die durch Jesus Christus vollkommen dargestellt ist. Diese „einander-Aktivitäten“ geschehen nicht automatisch in unserem Leben: Sie müssen bewusst in unserem Alltag eingeübt werden. Stephanus, Fortunatus und Achaikus (1Kor. 16,15-18) werden als Männer beschrieben, die das praktizierten. Paulus sagt über sie, dass sie seinen Geist erquickten. Wie dieses Erquicken im Einzelnen ausgesehen hat, erwähnt er nicht. Aber mit Sicherheit sind diese Männer auf Paulus eingegangen und hörten ihm aufmerksam zu. Aktives Zuhören ist eine große Liebestat, die wir anderen Menschen erweisen können. Wie oft ignorieren wir andere oder hören nur halbherzig zu? Wir bewerten das Gehörte und geben ungefragt Ratschläge. Wir können uns aber darin üben, aktiv und mitfühlend zuzuhören, um unser Gegenüber zu verstehen. Es geht darum, nicht nur auf die Worte, sondern auch auf die Gefühle des andern zu achten. Der Gesprächspartner wird sich durch solches Zuhören beschenkt, geliebt, verstanden und getragen wissen. Dabei sind Diskretion und Verschwiegenheit selbstverständlich. Mein Gesprächspartner kann sicher sein, dass ich das Anvertraute nicht weitererzähle, auch nicht unter dem Vorwand eines Gebetsanliegens. Zuhören ist nur eine von vielen Möglichkeiten, wie wir uns um einander kümmern können. Vielleicht fällt Ihnen beim Nachdenken darüber noch mehr ein, wie Paulus durch diese Männer im Geist erquickt wurde. Seinen Auftrag: „Habt Acht auf die Herde“, erlebte er als wohltuende Fürsorge an sich selbst.

5

Gefängnisarbeit 4-AugenGespräche im Jugendknast

Bergischer Regen hält uns frisch

Erste Eindrücke von Rüdiger Güntzschel Im Rahmen eines Praktikums bei der Gefährdetenhilfe SCHEIDEWEG e.V. besuche ich fünfmal die Kontaktgruppe in der JVA Ronsdorf. Ein Mitarbeiter holt mich ab. Da ich zum ersten Mal im Jugendgefängnis bin, vereinbaren wir, gemeinsam mit Gefangenen zu sprechen. An der Pforte warten die anderen der Gruppe auf uns. Im Eingangsbereich des Gefängnisses kontrolliert ein Beamter hinter einer Panzerglasscheibe unsere Personalausweise. Vom Warteraum aus geht es durch die Kontrolle mit einem Metalldetektor. Der Weg zum Besucherraum besteht aus einem Wirrwarr von fensterlosen Gängen, Kreuzungen und dicken, verriegelten Türen. Der Besucherraum selbst ist ein ca. 5x7m großer Raum mit Tischen und Stühlen. Wir verteilen mitgebrachte Kekse und bereiten heißes Wasser, um Tee oder Kaffee anzubieten. Kaum sind die Liederbücher ausgeteilt, als schon die ersten der insgesamt 10 Besucher den Raum betreten. Sie sind nicht das erste Mal da und werden fröhlich begrüßt. Wir beginnen mit ein paar Liedern, was auch mehr oder weniger gut gelingt. Anschließend gibt es einen Input über einen Bibeltext, der als Grundlage für das nachfolgende Gespräch dient. Jörn und ich unterhalten uns mit drei Häftlingen über ihren und unseren Glauben – soweit sie das wollen, ihre Haftstrafen und Zukunftspläne. So vergeht die geplante Stunde sehr schnell. Ein Mitarbeiter betet zum Schluss für die Gefangenen. Bevor sie auf die Zellen gebracht werden, können die Jugendlichen ein neues Testament und verschiedene Bücher mitnehmen. Für uns geht es zurück nach Hause.

6

Vor 45 Jahren begann unsre Kontaktgruppenarbeit im Jugendstrafvollzug in Siegburg. Inzwischen finden regelmäßig 19 Gruppen in 14 Haftanstalten statt. Seit 2012 besuchen unsere Mitarbeiter den neu erbauten Jugendstrafvollzug in Wuppertal-Ronsdorf. Jörn Carsten Pfeiffer berichtet: „Nun sind schon ein paar Jahre vergangen und das neue „Vorzeige-Jugendgefängnis“ hat seine ersten Kratzer und Schrammen. Nicht nur die Wände in den Gängen werden renoviert – auch die Leiter- und Mitarbeiterschaft hat ein schwieriges „Auf-und-Ab“ aushalten müssen. Frau Karin Lammel ist seit dem 05.09.2016 neue Anstaltsleiterin (vorher JVA Bochum). Im Januar hatte sie die Ehrenamtlichen zum einem ersten Treffen eingeladen. Bei dem offenen Austausch konnten wir schnell erkennen, dass es ihr sehr an guter Zusammenarbeit gelegen ist. Jeden Dienstagabend kommen 6 – 10 Jugendliche in unsere Kontaktgruppe. Wir freuen uns über eine bunte Mitarbeiterschaft (z.Zt. 9 Personen) aus

unterschiedlichen Gemeinden und Städten. Z.B. sind zwei junge Studenten aus dem Wuppertaler Johanneum mit im Team. Zu Beginn unserer KG-Arbeit in der JVA Ronsdorf hatten wir die Idee, ein sportliches oder spielerisches Konzept für die Jugendlichen zu entwickeln. Da die Anstalt aus Kostengründen weder Spiele noch Kicker und TT-Platte zur Verfügung stellen konnte, starteten wir eine Gesprächsgruppe. Ganz schnell fiel auf, dass die Jugendlichen keine Action suchen – die gibt es in der Anstalt zu Genüge. Sie suchen das 4-AugenGespräch. Endlich einmal aussprechen können, was mein Herz bedrückt. Treffend bringt die Anstaltsleiterin Unterstützung zum Ausdruck: „Sie leisten, was wir nicht leisten können…“

Jugendstrafanstalt Wuppertal-Ronsdorf

News

Wohnen, Arbeiten und Freizeit

„Selber denken – mutig und wahrhaftig sein“ – ist eine Kernaussage des Pop-Oratoriums „Luther“. Aktueller könnte dieses „Projekt der 1000 Stimmen“ nicht sein, das bis Oktober durch Deutschland tourt. Bei den Aufführungen am 4. Februar im ISS Dome in Düsseldorf reihten sich unsere Sänger ein. Junge Leute aus den Wohngemeinschaften und Mitarbeiter waren unter den Zuschauern. Minimalistische Kostüme und Requisiten, tolle Soli und

ein beeindruckender Chor von insgesamt 2800 Sängern schufen ein lebendiges Bild der Reformation. „Das Luther-Oratorium ist überwältigend“, schwärmten junge und ältere Besucher. „Es macht Mut für heute.“ „Absolut sehenswert“. „Wir sind am 29. Oktober in der Mercedes-BenzArena in Berlin nochmal dabei“, planen die Sänger aus Scheideweg.

Zum Inhalt: Dr. Martin Luther muss sich 1521 auf dem Reichstag vor Kaiser Karl V. für seine neue Glaubenslehre verantworten. Denn diese rüttelt an den politischen, religiösen und ökonomischen Machtverhältnissen am Ende des Mittelalters. Im Zentrum stehen Luthers Zweifel und Durchbruch zum Glauben an einen gerechten und gnädigen Gott. Dabei zeigt die Bibel den Weg. Dieser Glaube macht den Einzelnen frei, mutig zu denken und zu handeln. Er darf sich der Liebe Gottes gewiss sein. Text und Musik: Michael Kunze und Dieter Falk; Veranstalter ist die Creative Kirche Witten.

Ehrenamtliches Engagement durch Justizminister gewürdigt Das Ehepaar Erkens kümmert sich um Inhaftierte und aus der Haft Entlassene. (Rheinische Post, Lokalred. Geldern, 14.12.2016) Die Eheleute Sabine und Christoph Erkens aus Straelen sind seit mehr als 25 Jahren ehrenamtlich in der „Gefährdetenhilfe Scheideweg“ tätig. Dabei handelt es sich um einen christlichen Verein, der seelsorgerliche und praktische Hilfen für Inhaftierte und aus der Haft entlassene Menschen anbietet. Viele Jahre haben die beiden in der Kontaktgruppe des Vereines in der Justizvollzugsanstalt Geldern mitgearbeitet. Im Mai 2011 haben sie die Leitung der neu gegründeten Kontaktgruppe in der JVA Willich I übernommen. Gemeinsam mit anderen Ehrenamtlern kommen sie zweimal monatlich in die JVA, um mit Gefangenen Gespräche über das Leben und den Glauben zu führen. In zahlreichen Fällen haben sie Häftlinge

aus diesen Kontaktgruppen auch nach der Entlassung unterstützt. In ihrer Funktion als Gruppenleitung nehmen sie alle anfallenden organisatorischen Aufgaben wahr. Sie motivieren und gewinnen neue ehrenamtliche Mitarbeiter und arbeiten sie in ihr Aufgabengebiet ein. Bei alledem sind sie für die Anstalt verlässliche und bewährte Kooperationspartner. Auch der WDR hatte über ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Anstalt berichtet und sie dafür mit dem Ehrenamtspreis „EHRwin“ ausgezeichnet. „Auch ich möchte mich im Namen der Haftanstalt Willich I sehr herzlich für Ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement bedanken“, so Justizminister Thomas Kutschaty.

Mandy bezog eine eigene Wohnung in Hückeswagen und arbeitet bis zu ihrem Ausbildungsbeginn im Bereich Geschenke SCHEIDEWEG. Daniel hat in der Nähe von Marienheide eine Arbeitsstelle und Wohnung gefunden. Wir wünschen Gottes Segen für die Zukunft. Herzlichen Dank an Maria Gröninger für die tolle Mitarbeit im Café und alles Gute für die Ausbildung. Wir gratulieren Elena und Björn zur Verlobung und wünschen Gottes Segen!

Kaffeeernte in Songhor Peter Togom berichtet von der GefährdetenhilfeArbeit in Kenia: Wir danken Gott für seine Hilfe in 2016 und Euch für Eure Unterstützung. Die Jugendlichen nahmen mit unseren jungen Mitarbeitern Dominic und Vincent an einer 1wöchigen Freizeit teil. Jacob zog im Dezember aus dem Jugendgefängnis in Shikusa zu uns und Duncan besucht die Polytechnik-Schule. Mit den Kindern der Sonntagschule erlebten wir eine schöne Weih­ nachtsfeier. Gilbert ist neuer Vorarbeiter auf der Farm. Er hat einen guten Draht zu den jungen Leuten. Vor der nun beginnenden Trockenzeit konnten wir 26 kg Kaffee ernten – Freude über die erste Ernte von unseren eigenen Pflanzen! Wir freuen uns über Ihr Gebet für die Arbeit in Kenia. Finanzielle Unterstützung ist möglich über: Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen Zweck: Spende Projekt Kenia IBAN: DE10 3405 1350 0000 2678 56

Gefängnisarbeit vor der Jurte Dong Hwan Kim berichtet aus der Mongolei Die Gemeinde befindet sich 360 km östlich von Ulaanbaatar in der Stadt Karakorum, der ehemaligen Hauptstadt des mongolischen Reiches. Der Gemeindeleiter Mashbat hat ein Hirten-Herz für Gefährdete. Er ist mehr als 10 Jahre in der Kontaktgruppenarbeit engagiert und besuchte wöchentlich das Gefängnis der Stadt. Etwa 150 Gefangene sind hier inhaftiert. Nun muss ein neues Abkommen zur Kontaktgruppen­ arbeit unterzeichnet werden. Bitte beten Sie dafür. Auch eine Bibliothek für die Gefangenen soll eingerichtet werden. Viele Entlassene haben in der Gemeinde Anschluss gefunden. Auf einem Grundstück mit einem Wohnhaus, Jurten und einer Bäckerei können Strafentlassene und Menschen mit Alkoholproblemen aufgenommen werden. Wer gerne für die Gefangenenbibliothek spenden möchte, kann dies tun unter: Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen Spende Gefangenenbibliothek Mongolei IBAN: DE23 3405 1350 0034 1113 10

7

Björn. Halbherzig schaffe ich es nie Seit 2015 lebt Björn in der Wohngemeinschaft der Familie Persian. Wir haben ihm ein paar Fragen zu seinem Werdegang gestellt. Erzähle uns ein bisschen, wie du aufgewachsen bist. Mit meinen beiden Brüdern bin ich in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Ich hatte eine schöne und glückliche Kindheit – so wie man sich das Leben auf dem Land vorstellt: viel draußen gespielt und hatte viele Freunde. Kurz nachdem ich meinen Realschulabschluss und einen Ausbildungsplatz in der Tasche hatte, starb mein Vater völlig unerwartet. Ein Herzinfarkt riss ihn aus unserer Mitte und das war sehr heftig für uns. Da war ein Schmerz in mir, den ich aber zu verdrängen versuchte, anstatt mir Hilfe zu holen. So zog ich nach Frankfurt a. M. und begann meine Ausbildung bei einer Bank. Was ist der Grund, dass du zur Gefährdetenhilfe gekommen bist? Als ich nach Frankfurt a. M. gezogen war, begann für mich ein völlig neues Leben. Ich war auf all das Neue und Unbekannte neugierig und vor allem lockte mich das, was bisher verboten war. So probierte ich alles Mögliche aus. Ich begann Drogen zu nehmen. Mit der Zeit konsumierte ich regelmäßig und das wirkte sich auch auf meine Arbeit aus. Am Ende verlor ich dann meine Arbeit bei der Bank, was aber kein Grund war, etwas an meinem Lebensstil zu ändern. Erst als ich meine dritte Arbeitsstelle verlor und auch meine Mutter nicht mehr bereit war, mich bei sich aufzunehmen, wurde mir klar, dass mit meiner Lebensweise etwas nicht stimmte. Das letzte Angebot meiner Mutter war, mich zur Gefährdetenhilfe zu fahren.

Wie war die erste Zeit für Dich? Die ersten beiden Wochen, in denen ich zum Probewohnen bei der GFH war, waren sehr schwer. Ich habe sehr schlecht geschlafen, war unruhig und wollte eigentlich nach dem Probewohnen sofort wieder weg. Aber niemand wollte mich in Scheideweg abholen oder bei sich aufnehmen. So bin ich geblieben… Was waren Wendepunkte /“Aha“-Erlebnisse? Ich habe begriffen, dass mein Leben in eine völlig falsche Richtung lief und hatte den Wunsch, wieder ein normales Leben führen zu können. An meinen Hauseltern konnte ich sehen, wie sie ihre Ehe und Familie und ihren Glauben lebten. Das wollte ich auch für mich. Trotz aller Vorsätzen und Hilfe gab es auch Rückfälle und ich merkte, dass ich es halbherzig nie schaffen würde. Ich habe auch erkannt, was mein alter Lebensstil mir körperlich, seelisch und zwischenmenschlich antut – und auch meinem Geldbeutel. So fasste ich den Beschluss: entweder ganz oder gar nicht. Ich wollte auch mit Jesus ganze Sache machen und ich ließ mich im Sommer 2015 taufen. Was hat sich positiv verändert? Trotz schwacher Momente habe ich jetzt mit Gottes Hilfe die Kraft Nein zu sagen und ich suche auch keine Gelegenheit mehr, Drogen zu nehmen. Was ist dein Ziel im Leben und wie sind die Pläne für dieses Jahr? Meine Beziehung zu Jesus ist mir sehr wichtig, da möchte ich investieren und mich von ihm verändern lassen. Wenn ich meine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann verkürzen kann, bin ich Ende des Jahres fertig. Im Mai werde ich meine Verlobte Elena heiraten. Da kommen dann neue Aufgaben und Herausforderungen auf mich zu. Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute!