Verhaltensprobleme bei Katzen

EUR 14,80  l  SFR 21,20 3. Jahrgang  April 2012 Verhaltensprobleme bei Katzen Aufarbeitung und Behandlung mittels Haltungsoptimierung, Verhaltenst...
Author: Günter Thomas
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EUR 14,80  l  SFR 21,20

3. Jahrgang 

April 2012

Verhaltensprobleme bei Katzen Aufarbeitung und Behandlung mittels Haltungsoptimierung, Verhaltenstherapie, Bachblüten und TCM .................................................................................................... Seite 4

Neuraltherapie Neuraltherapie bei orthopädischen Schmerzen......Seite 26

DIAGNOSTIK & THERAPIE: Labordiagnostik Interpretation des roten und weißen Blutbildes......Seite 40

TraditionellE Chinesische Medizin Grundlagen der TCM – Teil 2............................................Seite 30

Zivet Spezial: Reptilien Haltungs- und Fütterungsanforderungen................Seite 46

DIAGNOSTIK & THERAPIE: Dermatologie Die zytologische Untersuchung....................................Seite 34

Praxismanagement Die Wahl des richtigen Desinfektionsmittels............Seite 52

ZiVet-Verlagsgesellschaft mbH l Heerstraße 18-20 l D-14052 Berlin

Ausgabe: 10-2012-04 l ISSN: 1869-2834

impressum

Inhaltsverzeichnis Verhaltensprobleme bei Katzen....................................................................4 Neuraltherapie bei orthopädischen Schmerzen.................................. 30 Grundlagen der TCM – Teil 2....................................................................... 34 Die zytologische Untersuchung................................................................ 38 Interpretation des roten und weißen Blutbildes ................................ 42 Haltungs- und Fütterungsanforderungen von Reptilien................ 46 Die Wahl des richtigen Desinfektionsmittels........................................ 52 Unsere Autoren................................................................................................ 58 Die Menschen hinter dem Label: DVM Jens Lindenberg................... 59 Veranstaltungskalender................................................................................ 60 Inserentenverzeichnis................................................................................... 61 Vorschau 03-2012 / Abo-Bestellformular............................................. 62

ZiVet Verlagsgesellschaft mbH Heerstraße 18-20, D-14052 Berlin Fon: +49 (0)30 33 00 781 -91 I Fax: –99 www.zivet.de Redaktion: Dr. Maren Kaepke [email protected] V.i.S.d.P.: Dr. Maren Kaepke, Peter Rosin Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an den Verlag: [email protected] Produktion/Layout: Christina Liefke, [email protected] Druck: Fata Morgana Verlag [email protected]

Fragebogen zum Verhaltensvorbericht................................................... 63

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Da ist Bewegung drin! Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sie haben die Diskussion um die Beibehaltung des Dispensierrechts der Tierärzte sicherlich in den Medien verfolgt. Hintergrund der derzeitigen Debatte ist die 16. AMG Novelle, die zusätzliche Maßnahmen vorsieht, um der Entwicklung von Resistenzen gegen Antibiotika vorzubeugen. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz möchte die rechtlichen Bestimmungen soweit verschärfen, dass der Einsatz von Antibiotika auf das zur Behandlung von Tierkrankheiten © Milena Schlösser

absolut notwendige Maß beschränkt und die Befugnisse der zuständigen Kontrollund Überwachungsbehörden der Bundesländer deutlich erweitert werden. In diesem Zusammenhang prüft das Ministerium aktuell die Vor- und Nachteile einer möglichen Einschränkung des Dispensierrechts für Tierärzte. Angeheizt wurde die AntibiotikaDiskussion pünktlich zum Start der Landwirtschaftsmesse „Grüne Woche“ Ende Januar durch die Veröffentlichung von Studien zum Antibiotikaeinsatz aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie einer Untersuchung des BUNDes. Entsprechend unruhig waren die Messetage für den Bundesverband praktizierender Tierärzte e.V. (bpt), der mit eigenem Stand auf der Grünen Woche in Berlin vertreten war und dort die Gelegenheit genutzt hat, die Debatte zu versachlichen und die Position der Tierärzte gegenüber Politikern und Landwirten zu verdeutlichen. Auf den Bielefelder Kleintiertagen wurde die Diskussion um die Beibehaltung des Dispensierrechts vom bpt erneut aufgegriffen und mit rund 350 Tierärzten im Rahmen einer berufspolitischen Veranstaltung fortgeführt. Seinen Eindruck der dortigen Diskussion hat Ihnen unser Redakteur Dr. Henrik Hofmann in der ZiVet-Kolumne „beobachtet & nachgedacht – die VetSäule“ zusammengefasst. Sie können den Bericht unter www.zivet.de nachlesen. Selbstverständlich behalten wir für Sie den weiteren Verlauf der Debatte im Blick. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gilt es abzuwarten. Die von Steffen Neureither eingereichte Petition zur Beibehaltung des Dispensierrechts hat bis zum 09. März 2012 insgesamt 18533 Mitzeichner gefunden, während die Gegenpetition nur 1013 Befürworter zum Mitzeichnen aktivieren konnte. Auch wenn die erforderlichen 50.000 Stimmen nicht erreicht wurden, um im Petitionsausschuss öffentlich zu beraten und dem Petent ein Rederecht einzuräumen, so bleibt die Hoffnung, dass von den Politikern immerhin dieser Trend wahrgenommen und die bisherigen Gespräche mit den berufspolitischen Organisationen Gehör finden. Das Thema Bewegung wurde am Rande des Leipziger Tierärztekongresses vom 19.-21. Januar 2012 in einem Pressegespräch aufgegriffen. Der Fokus der Veranstaltung mit dem Titel „Heel bringt Bewegung ins Spiel“ lag auf der Langzeitbehandlung älterer Arthrosepatienten. Besonders beeindruckend waren die Studienergebnisse, die Prof. Dr. Martin S. Fischer vom Institut für Zoologie und Evolutionsbiologie Jena vorlegte. Die Bewegungsuntersuchungen, die er mittels neuester Technik an über 30 verschiedenen Hunderassen durchgeführt und ausgewertet hat, geben einen völlig neuen Einblick in die natürliche Fortbewegung von Hunden, die Proportionen von Gliedmaßen und das biomechanische Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenken. Diese Ergebnisse werden mit Sicherheit langfristig in die Bewertung und Überarbeitung von Zuchtkriterien und in die tierärztlich-orthopädische Arbeit in der Praxis einfließen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe!

Dr.Maren Kaepke Chefredaktion



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Verhaltensprobleme bei Katzen Dr. Renate Jones-Baade, Sabine Häcker Dr. Katharina Andreas (Bachblüten) DVM Katrin Noack (Traditionelle Chinesische Medizin)

Verhaltensprobleme bei der Katze

Verhaltensprobleme bei Katzen können echte Verhaltensstörungen sein. Viel häufiger aber wird das Zusammenleben zwischen Katze und Tierbesitzer durch Verhalten erschwert, das eigentlich normal aber unerwünscht ist. Abweichungen vom arteigenen Verhalten sind auf jeden Fall dann behandlungsbedürftig, wenn das betreffende Tier dadurch seinen eigenen Organismus schädigt oder andere Personen oder Tiere in Gefahr bringt. Zeigt eine Katze Verhaltensauffälligkeiten, müssen anhand einer ausführlichen Anamnese die Lebensumstände erfragt und die Ursachen hierfür ermittelt werden. Zur Intervention stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Hierzu zählen als wichtigste Maßnahmen die Haltungsoptimierung und die Verhaltensmodifikation mittels Desensibilisierung und klassischer und instrumenteller Konditionierung. Zusätzlich können auch pharmakologische Interventionen, der Einsatz von Bachblüten oder Maßnahmen aus dem Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin in Absprache mit dem Besitzer in den individuellen Behandlungsplan eingearbeitet werden. Häufige Verhaltensprobleme werden vorgestellt und Therapieoptionen erläutert.

Behavioural problems in cats can be genuine disorders but more often normal but undesirable behaviours are the reason that living with cats can be difficult. Deviations from species-specific behaviour must be treated when they lead to harming the animal`s own organism, other animals or even human beings. In case of undesirable behaviour, the individual living conditions as well as the reasons for this behaviour have to be investigated through a thorough anamnesis. A substantial catalog of treatment options is available: Some of the most important schemes are optimizing the living conditions and behaviour modification using desensitization and classical and instrumental conditioning. Additionally, pharmaceutical remedies, the use of Bach flowers or methods derived from traditional Chinese medicine can be added to the treatment plan in close cooperation with the owner. Common behaviour problems are discussed and therapeutic options explained. Schlüsselwörter: Verhalten - Katze - Haltungsoptimierung - Verhaltenstherapie - Bachblüten - TCM Key words: behaviour - cat - improvement of living conditions – behaviour modification Bach flowers - TCM

K

atzen haben in den letzten Jahren den Hunden auf der Beliebtheitsskala der Haustiere den Rang abgelaufen. Die Anzahl gehaltener Hunde ist nach Angaben

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des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe Deutschland e.V. (ZZF) weitgehend konstant geblieben bzw. sogar gesunken von 5,5 Millionen im Jahr 2009 auf 5,3 Mil-

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nissen von Katzen häufig nicht gerecht. Dennoch passen sich erstaunlich viele Tiere daran an und werden nie auffällig. Bei anderen kann die individuelle Anpassungsfähigkeit überfordert sein und sie entwickeln unerwünschtes, störendes Verhalten, oft als Bewältigungsstrategie. Abweichungen vom arteigenen Verhalten sind auf jeden Fall dann behandlungsbedürftig, wenn das betreffende Tier dadurch seinen eigenen Organismus schädigt. Die Grenzen sind dabei fließend: Eine Katze, die sich den Bauch leckt, betreibt normale, arttypische Körperpflege. Eine Katze, die sich über viele Stunden am Tag den Bauch leckt, erleidet Hautirritationen und damit Schaden. Grundsätzlich kann jedes Normalverhalten, wenn es in Quantität und Qualität stark überrepräsentiert gezeigt wird, sich zu einer Verhaltensstörung entwickeln. Eine genaue Analyse ist auch angezeigt, wenn der Besitzer berichtet, dass sein Tier ein Verhalten plötzlich öfter oder intensiver zeigt. Dann liegt zwar nicht unbedingt eine Abweichung vom arttypischen Verhalten vor, aber eine Abweichung vom individuell typischen Verhalten.

Unerwünschtes Verhalten oder Verhaltensstörung?

Sowohl Abweichungen vom individuellen wie auch vom arttypischen Verhalten beruhen entweder auf endogenen, somatischen oder psychischen Ursachen. In vielen Fällen ist es eine Mischung: Zum Beispiel nimmt eine Leckalopezie oft ihren Anfang in einem Insektenstich oder einer anderen von Juckreiz begleiteten Erkrankung. Durch ungewollte Lernvorgänge verselbstständigt sich jedoch das Leckverhalten und kann zu einer Gewohnheit werden, die noch nach Beseitigen der Ursprungsursache beibehalten wird.

Werden vom Katzenhalter „Problemkatzen“ vorgestellt, handelt es sich meistens nicht um Tiere mit Verhaltensstörungen, sondern um Tiere mit störendem Verhalten. Katzen werden oft pathologisiert, weil ihr Verhalten zum einen unerwünscht und zum anderen unverstanden ist. Im Gegensatz zu normalem, aber unerwünschtem Verhalten sind Verhaltensstörungen nach Wiesner und Ribbeck „Unregelmäßigkeiten bzw. Störungen des üblichen Verhaltens (Bewegungen, Handlungen), die auf endogene, somatische oder psychische Ursachen zurückzuführen sind.“ Die überwiegende Anzahl der Katzen, die in verhaltenstherapeutischen Sprechstunden vorgestellt werden, sind Tiere, die ausschließlich in der Wohnung leben. Diese Haltungsform wird den arteigenen Bedürf-

Untersuchung

Klinische Untersuchung Um abzuklären, ob organische Hintergründe für das veränderte Verhalten verantwortlich sind, ist als erstes eine tierärztliche Untersuchung angezeigt. Dabei sollte u. a. auf Schmerzen jeder Genese geachtet werden und bei älteren Tieren auf nachlassende Sinnesleistungen. Sind keine somatischen Befunde zu erheben,

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Verhaltensprobleme bei der Katze

lionen in 2010. Die Anzahl gehaltener Katzen wächst jedoch stetig, im Jahre 2010 lebten 8,2 Millionen Samtpfoten in deutschen Haushalten. Ein Grund hierfür mag daran liegen, dass Katzen im Vergleich zu Hunden scheinbar genügsam, bescheiden und anspruchslos sind. Katzen müssen nicht bei Wind und Wetter Gassi gehen, machen in der Regel keine Probleme, wenn man sie alleine lässt und eine Katzensteuer entfällt ebenfalls. So werden Katzen oft spontan aufgenommen und die neuen Tierbesitzer haben die Erwartung, dass die kleinen Tiger sich problemlos in den Haushalt und das Alltagsleben einfügen. Was die Versorgung der neuen Hausbewohner betrifft, lassen sich Menschen von ihrer Intuition und Lebenserfahrung leiten, ohne über spezielle Katzenbedürfnisse und das Katzenverhalten Bescheid zu wissen. Oft geht das auch gut und abgesehen von Impfung, Wurmkur, Kastration und hin und wieder ein bisschen Zahnstein haben Tierärzte und Katzenhalter wenig miteinander zu tun. Aber häufig läuft es auch anders und die Halter suchen in der Tierarztpraxis Tipps, Hilfe und Unterstützung, weil die Harmonie zwischen Mensch und Tier empfindlich gestört ist.

Verhaltensprobleme bei der Katze



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Den vollständigen Fragebogen können Abonnenten im Internet im Archiv herunterladen (www.zivet.de/ archiv/10/download.html).

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die das veränderte Verhalten hinreichend begründen oder sind die vermuteten somatischen Ursachen behandelt und das veränderte Verhalten persistiert dennoch, ist eine verhaltensmedizinische Untersuchung angezeigt. Verhaltensmedizinische Untersuchung Bei der verhaltensmedizinischen Untersuchung erfolgt ein ausführliches Anamnesegespräch mit den Besitzern, die Beobachtung des Patienten, eventuell mit Videoaufnahmen des Problemverhaltens und die Inaugenscheinnahme des Lebensraums der Katze. Dabei werden Informationen über die individuelle Verhaltensentwicklung (Sozialisation, Habituation), Persönlichkeitsfaktoren des Tieres (Angst, Neugier, Bewegungsbedürfnis, jagdliches Interesse etc.), seine sozialen Beziehungen (mit Bezugspersonen, Artgenossen und artfremden Mitbewohnern) und seine Lebensbedingungen (Größe und Infrastruktur des Lebensraums, Tagesablauf etc.) gesammelt. Ein solches Erstgespräch dauert erfahrungsgemäß zwischen ein bis zwei Stunden. Ein Fragebogen hilft bei diesem Gespräch eine Struktur vorzugeben (siehe Beispiel auf Seite 63). Bei der Diagnosefindung werden neben den Befunden auch das zugrundeliegende Verhaltensmotiv, die Pathogenese des Verhaltens, der oder die Auslösereiz(e) und bei erlerntem Verhalten der Verstärker, der dafür sorgt, dass das Verhalten aufrechterhalten wird, mit einbezogen. Daran anschließend können dann ein Therapieplan erstellt und Rückschlüsse hinsichtlich der Prognose gezogen werden. Eine entscheidende Rolle spielt die umfassende Aufklärung der Besitzer, denn Verstehen schafft Verständnis. Versteht der Besitzer die Zusammenhänge, wie und warum die Katze das Problemverhalten entwickelt hat, beeinflusst dies maßgeblich die Prognose und den Therapieerfolg. Aufgeklärte und reflektierte Besitzer treffen schneller und klarer die Entscheidung, ob sie den Therapieaufwand mit allen Konsequenzen an finanziellem, zeitlichem und ideellen Aufwand in Kauf nehmen wollen oder sich lieber von dem Tier trennen.

Der verhaltenstherapeutische Maßnahmenkatalog Die einzelnen Behandlungsmaßnahmen werden gemeinsam mit dem Halter an die Katze(n) und den betroffenen Haushalt optimal angepasst. Es steht eine ganze Palette von Möglichkeiten zur Verfügung. Management Soweit es möglich ist, wird dafür gesorgt, dass das unerwünschte Verhalten nicht weiter ausgeführt werden kann. Optimierung der Haltungsbedingungen Insbesondere bei Katzen, die ausschließlich in der Wohnung gehalten werden, fokussieren sich viele Maßnahmen darauf, den Lebensraum der Stubentiger ihren Bedürfnissen gemäß zu optimieren. So werden innenarchitektonische Anpassungen, wie das Erschließen der dritten Dimension oder eines Balkons, das Schaffen geeigneter Rückzugsplätze oder das Etablieren von Außenweltbeobachtungsplätzen nötig (s. Tipps für die Wohnungshaltung). Auch eine Beratung zum optimalen Standort für Katzenklos (aus Katzensicht!) gehört dazu. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen Die lerntheoretischen Grundlagen gelten für Katzen und Hunde gleichermaßen. Katzen sind trainierbar und erziehbar. Allerdings nehmen Katzen Fehler im Training viel schneller übel als Hunde: Katzen reagieren gestresst, wenn man zum Beispiel versucht, unerwünschtes Verhalten abzustellen, indem man sie dafür körperlich bestraft. Viele Katzen können es nicht mal ertragen, wenn man als Trainer ungeduldig wird und zum Beispiel die Lernschritte zu groß sind. Die entsprechenden Reaktionen darauf reichen von Blockieren, sich zurück ziehen, bis aggressiv werden oder Harnmarkieren. Desensibilisierung Bei der Desensibilisierung wird ein Reiz, der Angst, Stress oder Erregung auslöst, so stark abgeschwächt dargeboten, dass er keine Angst- bzw. Stressreaktion verursacht. Die Reizintensität wird dann in kleinen Schritten gesteigert und die Katze

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Tipps für die Wohnungshaltung Reviergröße Wohnung mit mind. 2 Zimmern für eine Katze, 3 Zimmer für 2 Katzen usw. (Anzahl der Katzen+1) Freigang: Balkon, Dachgarten, Katzenklappe, Auslauf mit/ohne Leine, Treppenhaus, Keller, … Kratz- und Klettermöglichkeiten Dritte Dimension nutzen Faserverlauf besser senkrecht als waagrecht Hohen Stamm, an dem Liegebretter seitlich angebracht sind, damit die Katze den Stamm mit den Vordergliedmaßen umgreifen und daran hochtoben kann. Ruheplätze/Verstecke mit Sichtschutz (mind. 2 geschlossene Seiten): Höhlen, Kartons, Regal, Schrank, Schubladen, Hängematten, Papier- und Plastiktüten (Vorsicht Henkel durchschneiden). Boden Unterschiedliche Texturen: Teppiche, Gummimatten, Fußabtreter, Wellpappe zum Ruhen, Wälzen, Kratzen usw.

Gegenkonditionierung Dabei wird ein Reiz, der Angst, Stress oder Erregung auslöst, mit einem Ereignis verknüpft, das der Katze Wohlbefinden/Ruhe/ Lustgewinn beschert. Beides wird so oft gekoppelt dargeboten, bis die Katze beim vormals angstauslösenden Reiz keine Angst mehr hat, sondern die positiven Erlebnisse (=Wohlbefinden/Ruhe/Lustgewinn) assoziiert. Lerntheoretisch gehört die Gegenkonditionierung zu den klassischen Konditionierungen. Das heißt sie funktioniert ohne Belohnung oder Strafe. Voraussetzung, wenn man Futter einsetzen will: Die Situation darf gerade nur so stressig sein, dass die Katze noch mit Genuss frisst.

Beispiel: Ein ängstigendes Geräusch wird so oft mit Superfutter oder Superspiel gekoppelt, bis die Katze gelernt hat, dass das Ertönen des Geräusches das Futter bzw. das Spiel ankündigt. Gegenkonditionierung wird oft mit Desensibilisierung kombiniert.

Verhaltensprobleme bei der Katze

gewöhnt sich in kleinen Dosen an den Reiz. Wichtig: Die Lernschritte müssen immer so klein sein, dass keine unerwünschte Angst oder Stressreaktion ausgelöst wird. Die Katze bestimmt das Tempo! Lerntheoretisch zählt die Desensibilisierung zu den klassischen Konditionierungen. Das heißt sie funktioniert ohne Belohnung oder Strafe. Beispiel: Die Katze wird schrittweise an ein zunächst sehr leises, dann immer lauter werdendes Geräusch gewöhnt. Desensibilisierung wird oft mit Gegenkonditionierung kombiniert.

Jagen 1 Stunde pro Tag gemeinsames Spielen: Jagdspiele, Futter verstecken, Clickertraining etc. Geeignetes Spielzeug: Reizangel, Cat Dancer® Katzenkino: Aquarium, TV (manche Katzen gucken gerne Tierfilme oder Fußball) Erkundung Optisch: Mindestens ein Außenweltbeobachtungsplatz pro Katze (Fensterplätze noch besser: gesicherter Balkon), gern mit Sonneneinstrahlung Dritte Dimension nutzen: Kratz- und Kletterbäume Erkundungsgänge: Freigang ermöglichen, Waschküche, Treppenhaus, Keller, Hinterhof etc. Wasser anbieten an unterschiedlichen Stellen sich bewegend (Zimmerspringbrunnen, Wasserhahn) Vorlieben checken: abgestanden? Oder doch lieber frisch? Vorlieben checken: in hohen, flachen, kleinen, großen Gefäßen?

Trainieren neuer erwünschter Verhaltensweisen In entspannter Trainingssituation wird ein erwünschtes Verhalten, das möglichst mit dem unerwünschten Verhalten nicht vereinbar ist, trainiert. Das neue Verhalten wird so intensiv gefestigt und perfektioniert, dass es das unerwünschte Verhalten ersetzen kann. Trainieren neuer Verhaltensweisen gehört lerntheoretisch zur instrumentellen Konditionierung, funktioniert also mit überlegtem und zeitgerechtem Einsatz von Belohnung oder Strafe. Platzwechsel Wenn das unerwünschte Verhalten vorwiegend die Folge der Haltungsbedingungen ist und wenn keine Aussichten auf eine Änderung bestehen, sollte über die Möglichkeit eines Platzwechsels sachlich und objektiv nachgedacht werden. Es bestehen gute Aussichten, dass bei der Vermittlung in Haltungsbedingungen, die den Bedürf-

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Präparat/Arzneimittel FELIWAY® Spray / Zerstäuber, FELIFRIEND®

Bemerkung Einfache Handhabung: Spray wird in Abwesenheit der Katze angewendet, Zugang wird erst wieder nach Trocknung der besprühten Stelle gestattet Keine unerwünschte Arzneimittelwirkung

Zylkene®

Einfache Handhabung, gute Akzeptanz durch die Katzen Keine unerwünschte Arzneimittelwirkung

Relaxan®

Einfache Handhabung, gute Akzeptanz durch die Katzen Keine unerwünschte Arzneimittelwirkung

Royal Canin CALM®

Einfache Handhabung, gute Akzeptanz durch die Katzen Keine unerwünschte Arzneimittelwirkung

Benzodiazepine, Neuroleptika, Trizklysche Antidepressiva und SSRI (selektive Serotonin –Wiederaufnahmehemmer)

Umwidmungen aus der Humanmedizin Vorsicht vor Substanzmissbrauch durch Halter! Antidepressiva und SSRIs: Schwierige Verabreichung, da große Tabletten und sehr bitter im Anschnitt. Unerwünschte Arzneimittelwirkungen möglich

Tabelle xyz: Verhaltenstherapeutisch eingesetzte Arzneimittel

nissen der Katze entsprechen, das unerwünschte und problematische Verhalten gar nicht mehr auftaucht.

Verhaltensprobleme bei der Katze

Pharmakologische Intervention Voraussetzung für den Einsatz von Pharmaka ist, dass dafür eine medizinische Indikation mit entsprechender Diagnosestellung vorliegt. Die pharmakologische Intervention erscheint verlockend, die Erfolge damit bei Katzen sind jedoch ernüchternd. Zum einen haben psychotrope Substanzen generell individuell unterschiedliche Wirkungen und zum anderen ist die Applikation der meisten Pharmaka bei Katzen besonders schwierig. Gerade bei gestressten Katzen kann die Medikamentengabe zu einem weiteren Stressor werden, der nicht nur das Wohlbefinden der Katze einschränkt, sondern auch der Beziehung zur Bezugsperson empfindlich schaden kann. Deshalb sind Optimierung der Haltungsbedingung und Verhaltenstherapie immer die ersten Maßnahmen der Wahl. Eine Übersicht der derzeit in der Verhaltensmedizin eingesetzten Pharmaka ist in Tab. 1 zusammengestellt. Euthanasie Bei verhaltenstherapeutischen Beratungen ist die Entscheidung, wann eine Euthanasie des Tieres angemessen oder sogar angebracht ist, besonders schwierig und kann nur nach einer sorgfältigen Abwägung aller Parameter und gemeinsam mit allen Beteiligten getroffen werden. Um vorschnelle (im Affekt getroffene) Entscheidungen zu 8

vermeiden, empfiehlt es sich manchmal, die Katze für eine begrenzte Zeit in Pension zu geben. Das bedeutet zwar großen Stress für die Katze, aber es ermöglicht dem betroffenen Halter, Abstand zu gewinnen und sich über die eigenen Motive, Gefühle und Möglichkeiten klar zu werden. Besonders angezeigt ist das in Fällen, in denen die Katze ihre Menschen angegriffen hat. Solch ein Erlebnis ist für die Halter so schockierend, das Vertrauen zum geliebten Tier so gebrochen, dass es scheint, als gäbe es keinen anderen Ausweg als die Euthanasie. Voraussetzungen, unter denen eine Euthanasie in Betracht gezogen werden muss, sind: anhaltende und nicht therapierbare Angstzustände, die – wie bei manchen organischen Erkrankungen -ein erhebliches und auf Dauer nicht zumutbares Leiden der Katze bedeuten aggressives Verhalten. Dieses kann extrem gefährlich sein. Bei ungehemmten Angriffen auf Menschen kommt es häufig zu Verletzungen, die einen Krankenhausaufenthalt erfordern und zum Teil irreversible Schäden hinterlassen. Bei besonders intensivem und/oder unvorhersehbarem Aggressionsverhalten würde eine Weitervermittlung ein unüberschaubares Risiko beinhalten (Gefahrenabwehr!) organische, nicht therapierbare Veränderungen als Ursache des Verhaltensproblems

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Regulationsmedizinische Therapieansätze Regulationsmedizinische Therapiemethoden können in der Praxis als Ergänzung zu einer verhaltenstherapeutischen Therapie eingesetzt werden. Bachblüten haben sich unter anderem aufgrund der Akzeptanz durch die Katzen und die einfache Anwendung durch den Tierbesitzer bewährt. Aus dem Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin werden Therapiemöglichkeiten über Akupunktur und Kräuterrezepte vorgestellt.

Der britische Arzt Dr. Edward Bach entwickelte die Behandlungsmethode mittels Bachblüten in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts für den Menschen. Er ging davon aus, dass jede Erkrankung ihre Ursache zum einen in einer seelischen Gleichgewichtsstörung hat und zum anderen durch die verschiedenen Charaktereigenschaften des Menschen begründet wird. Die „Schwingungen“ (Informationen) der Pflanzen übertrug er mittels der Sonnen- oder Koch-Methode auf Quellwasser, welches anschließend mit Alkohol konserviert wurde und die sogenannten Urtinkturen bildete. Aus diesen Urtinkturen werden noch heute die Blütenessenzen durch starke Verdünnung entsprechend der Bach-Methode hergestellt. Insgesamt beschrieb Bach 38 disharmonische Gemütszustände, denen er Blüten und Pflanzenteile zuordnete, um sie zu beheben. Wobei die „Blüte“ Nr. 27 aus dem Wasser einer unberührten Quelle besteht und die „Blüte“ Nr. 39 die bekannte Rescue-Notfalltropfenmischung ist. Eine Übersicht der Bachblüten ist in Tabelle xyz dargestellt.

Nr. Bezeichnung Pflanze Gemeiner Odermennig 1 Agrimony Espe / Zitterpappel 2 Aspen Rotbuche 3 Beech Centaury Tausendgüldenkraut 4 Bleiwurz 5 Cerato 6 Cherry Plum Kirschpflaume 7 Chestnut Bud Rosskastanienknospe Wegwarte 8 Chicory Clematis Weiße Waldrebe 9 Holzapfel 10 Crab Apple Englische Ulme 11 Elm Herbstenzian 12 Gentian Stechginster 13 Gorse Schottisches Heidekraut 14 Heather Europäische Stechpalme 15 Holly 16 Honeysuckle Geißblatt Hainbuche 17 Hornbeam Drüsentragendes Springkraut 18 Impatiens Europäische Lärche 19 Larch Gefleckte Gauklerblume 20 Mimulus

Nr. 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39

Bezeichnung Mustard Oak Olive Pine Red Chestnut Rock Rose Rock Water Scleranthus Star of Bethlehem Sweet Chestnut Vervain Vine Walnut Water Violet White Chestnut Wild Oat Wild Rose Willow Rescue Remedy

Pflanze Wilder Senf Eiche Olivenbaum Schottische Kiefer Rote Kastanie Gelbes Sonnenröschen Fels-Quellwasser Einjähriger Knäuel Doldiger Milchstern Ess- / Edelkastanie Eisenkraut Weinrebe Walnuss Sumpfwasserfeder Weißbl. Rosskastanie Waldtrespe Hecken-Rose Gelbe Weide bestehend aus 6, 9, 18, 26, 29

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Verhaltensprobleme bei der Katze

Bachblüten

Mittlerweile gibt es zahlreiche vorgefertigte Blütenmischung für verschiedene Gemütszustände, wie Angst oder Stress in der Apotheke oder im Internet zu kaufen. Viele Tierbesitzer behandeln daher ihre Tiere bereits selbst. Doch häufig ist die Wirkung der Mischungen nicht zufriedenstellend und eine für das Individuum angefertigte Blütenmischung, deren Blütenauswahl auf einer klinischen Untersuchung und einer ausführlichen Anamnese basiert, ist deutlich effektiver.

Verhaltensprobleme bei der Katze

Die sorgfältige klinische Untersuchung ist grundsätzlich notwendig, um organische Ursachen auszuschließen und um den Habitus und den Charakter des Tieres einzuschätzen. Dabei ist bei einer Untersuchung in der Praxis immer die ungewohnte Umgebung zu berücksichtigen. Weiterer wesentlicher Bestandteil ist die ausführliche Anamnese, die intensiv die Lebens- und Haltungsbedingungen des Tieres beleuchtet. Sinnvoll ist es dem Tierbesitzer vor dem eigentlichen Termin einen detaillierten Fragebogen auszuhändigen. Nach der Untersuchung und der Anamnese kann entschieden werden, ob die Therapie mittels Bachblüten die richtige für den Patienten und sein Verhaltensproblem, als auch für den Patientenbesitzer darstellt und ob noch weitere Maßnahmen, wie z. B. Veränderungen der Haltungsbedingungen, notwendig sind. Die Auswahl der Blüten erfolgt anhand der Blütenbilder (Charakteristik der Blüte). Im Gegensatz zu Medikamenten, deren Verabreichung sich häufig bei Katzen aufgrund der geringen Akzeptanz oder der fehlenden Kooperation als schwierig erweist, ist die Anwendung von Bachblüten für den Besitzer relativ einfach. Die Blütenmischung kann sowohl direkt ins Maul eingegeben, als auch ins Futter oder Wasser getropft oder zwischen den Ohren auf den Kopf aufgebracht bzw. eingerieben werden. Wird die Bachblütenmischung ohne Alkohol angefertigt, ist die Akzeptanz bei der oralen Aufnahme sehr gut, allerdings vermindert sich durch diese Zubereitungsart die Haltbarkeit der Mischung. Die Dauer und die Häufigkeit der Anwendung von Bachblüten hängen davon ab, wie lange das Verhaltensproblem bereits besteht. Im Allgemeinen kann man hierbei von einer mindestens 4-wöchigen Behandlungsdauer ausgehen. Nach diesem Zeitraum sollte die Zusammenstellung der Blüten anhand des aktuellen Zustandes des Patienten überprüft und angepasst werden. Die Gabe der Blütenmischung erfolgt so lange bis sich das Verhalten normalisiert hat. Gelegentlich gibt es Patienten, die eine Dauertherapie benötigen, da sie nach dem Absetzen der Bachblüten einen Rückfall erleiden oder in Stresssituation (z. B. Abwesenheit des Besitzers) wieder das Problemverhalten zeigen. Bei einer Langzeittherapie der Katze ist eine Gabe von 5 Tropfen 4 x täglich empfehlenswert, allerdings gibt es keinen Standard für die Dosierung von Bachblüten und oft ergibt sich das Intervall durch Fütterungszeiten oder andere Gegebenheiten.

Traditionelle Chinesische Medizin Die Behandlung von Verhaltensstörungen mit Akupunktur oder / und Kräutern ist grundsätzlich eine Ergänzung einer verhaltenstherapeutischen Therapie. Aus Sicht der TCM liegt bei Verhaltensstörungen häufig eine Leber Qi Stagnation zugrunde. Die Umweltbedingungen sind gestört, für die Katze laufen die Dinge nicht mehr so, wie sie sollten. Der harmonische Qi Fluss, für den die Leber verantwortlich ist, wird gestört. Es entsteht eine Spannung und Frustration auf allen Ebenen und die Katze sucht sich ein Ventil. Dies kann sich in Form von Aggressionen, Depressionen, Leckekzem oder auch Protestpinkeln äußern. Die Tiere haben einen gespannten Puls, die Zunge ist eher normal, eventuell an den Rändern gerötet. Die Katze kann aggressiv reagieren oder ein Leckekzem entwickeln, aber auch Erbrechen, Verstopfung, Übelkeit können beobachtet werden.

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Verhaltensprobleme bei der Katze l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Syndrom

Akupunkturpunkte (+ Tonisieren, – Sedieren)

Chinesische Rezeptur

Leber Qi Stagnation

Herzfeuer, Schleim vernebelt das Herz LE03-, GB34-, LE03-, GB34-, LE08+, LE03-, PC08-, HE08-, PC06-, BL18+, LE02-, GB38-, BL17+, BL18+, MA40-, LE14 DU 20BL20+ PC05-, MI06-, GB13-, HE07-, NI06+

Chaihu Shugan San (Bupleurum Pulver, das die Leber entlastet), Xiao Yao San (Pulver der heiteren Ungebundenheit)

Aufsteigendes Leber Blut Leber Yang Mangel

Tianma Gouteng Yin (Trank mit Gastrodia und Uncaria)

Bu Gan Tang (Leber tonisierendes Dekokt)

Wen Dan Tang (Gallenblase wärmendes Dekokt) (plus Zusatz von 20% Huang lian = Coptidis)

Verhaltensprobleme bei der Katze

Besteht die Stagnation länger, entwickelt sich Hitze und es kann auch zum aufsteigenden Leber Yang kommen. Die Symptome sind dann Reizbarkeit, Unruhe, Wutausbrüche, plötzliche Attacken, Zunge ist rot, die Ränder rissig und gerötet, der Puls schnell und gespannt. Aber auch Leber Blut Mangel kann eine Qi Stagnation verursachen, die dann zu Angstaggression führen kann. Hierbei sind folgende Symptome zu beobachten: die Zunge ist hier blass, der Puls ist dünn und gespannt, stumpfes Fell mit feinen kleinen Schuppen, traumreicher Schlaf. Eine Qi Stagnation der Leber kann auch das Herz schädigen. Im Herz wohnt der Geist (Shen). Die Dinge werden von den Tieren nicht mehr so wahrgenommen, wie sie sind, sondern wie sie sein könnten. Es entsteht Angst. Dabei werden Fülle und Mangelzustände unterschieden. Bei älteren Tieren besteht oft auch schon eine Nierenschwäche und die Niere kann das Herzfeuer nicht mehr ausreichend kühlen. Loderndes Herzfeuer (Überschuss an Herz Yang) zeigt folgende Symptome: Reizbarkeit, plötzliche Aggressionsausbrüche, Zerstörungswut, Zunge ist rot mit Belag (zusätzlich Schleim), schneller schlüpfriger Puls. Yin Mangel Herz äußert sich in Durst, gesteigertem Appetit, Ruhelosigkeit –vor allem nachts, die Zunge ist rot ohne Belag, der Puls ist fadenförmig und schnell. Ein gestörtes Miktionsverhalten ist meistens ebenfalls auf die schon genannten Syndrome/Muster zurückzuführen. Wenn durch eine Leber Qi Stagnation oder auch eine andere Ursache das Herzfeuer aufflammt, wird die überschüssige Yang Energie zum Dünndarm (Dünndarm ist der gekoppelte Yang Partner des Herzens) geleitet. Eine Hauptfunktion des Dünndarmes in der TCM ist der Transport des im Darm resorbierten Wassers zur Blase. Es kann sich also eine Zystitis entwickeln, aber auch ein gestörtes Miktionsverhalten. In dieses Muster gehören in erster Linie die idiopathischen Zystitiden, deren Ursache nicht zu ermitteln ist. Hier liegt häufig eine gestörte Umgebung (aus Sicht der Katze) vor. In der Tabelle xyz werden für die jeweiligen Syndrome Akupunkturpunkte beschrieben und einige chinesische Kräuterformeln angegeben, die als Fertigrezeptur zu erhalten sind. Für Katzen hat sich dabei die Verabreichung in Form von hydrophilen Konzentraten bewährt, da diese deutlich besser akzeptiert werden als Granulate oder Tabletten. Die Dosis beträgt dabei in der Regel 3 x tägl. ca. 10 – 15 Tropfen.

Yin Mangel Herz

HE07+, HE06+, NI07+, BL15+, PC06+, KG15+

Huang Lian Ejiao Tang (Trank mit Coptidis und Gelantinum)

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Häufige Verhaltensprobleme bei Katzen Im Folgenden werden die häufigsten Verhaltensprobleme von Katzen vorgestellt und ihre Ätiologie, die Diagnostik und therapeutischen Möglichkeiten erläutert. Diese sind im Einzelnen: Aufmerksamkeitserregendes Verhalten Unerwünschter Kot- und Harnabsatz Markieren durch Kratzen Aggressionsverhalten Jagdverhalten Verhaltensstörungen

Verhaltensprobleme bei der Katze

Quelle: Dr. Renate Jones-Baade

Abb. abc: So findet der Halter das Verhalten nett. Aber wenn er darauf nicht reagiert, werden auch die Krallen eingesetzt.

Bachblüten

zur Therapie aufmerksamkeitserregenden Verhaltens Angst als Ursache: 2 Kratzen: 3 Kratzen, Zerstören: 36 Kratzmakieren und Unruhe: 31 um Beachtung zu erhalten: 14 bei allgemeiner Ruhelosigkeit: 28

Aufmerksamkeitserregendes Verhalten (Abb. abc) Unerwünschtes Verhalten kann sich aus der direkten Interaktion zwischen Halter und Katze entwickeln. Tiere, die Menschen mögen, empfinden Zuwendung und Aufmerksamkeit als angenehm und erstrebenswert. Daher wirken Ansprechen, Anschauen und/oder Ansprechen belohnend und ein Verhalten wird verstärkt, wenn es mit Aufmerksamkeit belegt wird. Auf diesem Weg kann jedes nur vorstellbare Verhalten, das eine Katze irgendwann ausführt, zu einem sogenannten aufmerksamkeitserregenden Verhalten werden. Die Katze führt es immer intensiver aus, um damit gezielt dafür zu sorgen, dass der Halter sie anschaut, anfasst oder anspricht. Für die Entwicklung von aufmerksamkeitserregendem Verhalten gibt es keine Altersgrenze und es geht umso leichter, je enger die Beziehung zwischen Halter und Katze ist. Häufig handelt es sich um aufmerksamkeitserregendes Verhalten, wenn die folgenden Verhaltensweisen auffallend oft gezeigt werden:

Miauen Schreien Nächtliches Randalieren Gegenstände vom Regal schubsen Pflanzen anfressen Kratzmarkieren an Möbeln und anderen unerwünschten Stellen Im Prinzip kann jedes Verhalten betroffen sein. Auch verändertes Fressverhalten kann sich auf diesem Weg entwickeln: die Futteroder Wasseraufnahme kann gesteigert sein. Eine erlernte Anorexie ist zum Glück selten. Putzen kann bis zur Selbstbeschädigung gehen (s. psychogene Alopezie). Lösungsstrategien: Erst wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind, kann der Halter sich mit dem aufmerksamkeitserregenden Verhalten befassen. Das erfordert große Disziplin, weil jede Verstärkung des Verhaltens aufhören muss. Mit Beginn der Therapie darf der Halter also überhaupt nicht mehr auf das Verhalten reagieren: Er darf die Katze nicht mehr anschauen, ansprechen oder anfassen, wenn sie das Verhalten zeigt. Es ist fast unmöglich, die eigenen Reaktionen derart gut zu kontrollieren. Erfahrungsgemäß ist es leichter durchführbar, alle Situationen, in denen das Verhalten gezeigt wird, von vornherein zu vermeiden. Wenn bei aufmerksamkeitserregendem Verhalten die Verstärkung auf einmal völlig aufhört, führt das bei dem betreffenden Tier zwangsläufig zu Frustration. Das bewirkt zunächst eine Steigerung des Verhaltens („extinction burst“), durch die man sich nicht entmutigen lassen darf. Allerdings ist im Zusammenhang mit Aggressions- oder Jagdverhalten aus diesem Grund besondere Vorsicht angebracht.

Ein Halter, der anruft, weil seine Katze ihn ohne Vorwarnung plötzlich heftig angegriffen hat, ist immer ein Notfall. Im Unterschied zu Hunden, die in aggressiven Auseinandersetzungen meist noch ansprechbar sind und sich nach dem Kampf auch relativ schnell beruhigen, handeln Katzen, die in hohe aggressive Erregung geraten, stets als ginge es um ihr Überleben und sie sind oft noch Stunden oder Tage nach einem aggressiven Konflikt in höchster Alarm- und Verteidigungsbereitschaft. Die Ursache dafür liegt in ihrer Biologie: Katzen sind biologisch angepasst, selbst kleine Beutetiere zu schlagen, gleichzeitig aber immer auf der Hut, nicht selbst zur Beute größerer Raubtiere zu werden. Hinzu kommt, dass Katzen im Vergleich zu Hunden weniger gut an die Kommunikation mit Menschen angepasst sind.

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Verhaltensprobleme bei der Katze l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Unerwünschter Harn- und Kotabsatz An erster Stelle bei unerwünschtem Verhalten bei Katzen steht das Absetzen von Kot und Urin außerhalb der Katzentoilette. Dabei kann es sich einerseits um Ausscheidungsverhalten an aus menschlicher Sicht ungeeigneten Stellen handeln - sogenannte Unsauberkeit - oder aber um Markierverhalten. Eine Katze kann also unsauber sein oder Markierverhalten zeigen oder aber auch beides. Eine eindeutige Diagnose ist erforderlich, da die Behandlung sich in einigen Punkten unterscheidet. Ausscheidungsverhalten Normales Ausscheidungsverhalten verläuft nach einem ganz bestimmten Muster (Abbildung abc). Die Katze wählt einen geeigneten Untergrund, überprüft die Stelle (Platzkontrolle) und gräbt eine kleine Grube. Sie platziert sich in einer typischen Hockstellung, die sich bei Kater und Katze nicht unterscheidet, über dieser Grube. Dabei wird der Schwanz waagrecht ausgestreckt gehalten. Beim Kotabsatz ist der Rücken stark gekrümmt und das Hinterteil deutlich angehoben (Abb. abc). Beim Urinieren ist der Rücken merkbar flacher, das Hinterteil befindet sich dichter über dem Untergrund (Abb. abc). Nach dem Urin- bzw. Kotabsatz wird die Grube erneut geruchlich überprüft und dann mit Kratzbewegungen zugescharrt. Bevor die Katze die Stelle verlässt, erfolgt

eine weitere Geruchskontrolle. Kot und Urin werden grundsätzlich zeitlich sowie räumlich getrennt, also an unterschiedlichen Stellen, abgesetzt. Ausscheidungsverhalten entwickelt sich schon sehr früh. Die Kätzchen suchen, sobald sie anfangen, das Nest zu verlassen, einen Untergrund, der ihnen für Urin- und Kotabsatz geeignet erscheint. Sie wählen in ihrer Umgebung das, was sie als am angenehmsten empfinden. Das kann dazu führen, dass sie später einen bestimmten Untergrund, ein bestimmtes Material für ihre Ausscheidungen bevorzugen. Wenn Katzen dann Materialien wie Fliesen, Teppichböden oder andere Stoffe zur Ausscheidung benutzen, sind Probleme im Zusammenleben mit Menschen vorprogrammiert. Anzeichen für unerwünschtes Ausscheidungsverhalten, also Unsauberkeit, im Gegensatz zu Markierverhalten sind: Kot oder Urin oder beides wird in der für normales Ausscheidungsverhalten typischen Körperhaltung nicht in der Katzentoilette, sondern an anderen Stellen abgesetzt Es werden horizontale Flächen gewählt Die Katze setzt größere Mengen Urin ab, es sei denn, sie leidet an einer Blasenentzündung Das Katzenklo wird komplett gemieden Die Ursachen dafür, dass die Katzentoilette nicht, nicht mehr zuverlässig oder überhaupt nicht mehr benutzt wird, sind vielfältig und vielschichtig. Katzen, die schon von Anfang an Probleme mit der Stubenreinheit haben, haben möglicherweise nie gelernt, zuverlässig eine Katzentoilette zu benutzen, weil nie eine zur Verfügung stand. Oder angeborene Missbildungen verhindern, dass die Katze Harn- und Kotabsatz zufriedenstellend

Abbildung abc: Normales Ausscheidungsverhalten in einer gut zugänglichen Toilette: A: Überprüfen der Toilette B: Urinabsatz, dabei ist das Hinterteil tiefer und der Rücken flacher als beim Kotabsatz C: Anschließendes Überprüfen – danach wird zugescharrt

Verhaltensprobleme bei der Katze

Über den Einsatz von Medikamenten sollte man nachdenken, wenn das Verhalten schon so zwanghaft ist, dass es durch Außenreize kaum oder gar nicht mehr zu unterbrechen ist, oder bei besonders großem Leidensdruck der Menschen im Umfeld der Katze.

Quelle: Dr. Silja Weber

C)

Quelle: Dr. Silja Weber

B)

Quelle: Dr. Silja Weber

A)

Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

Abb. abc: Kotabsatz Die Toiletten sind schlecht zugänglich und stehen zu dicht nebeneinander

Ausgabe 10-2012-04 l April 2012 l Verhaltensprobleme bei der Katze 13



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kontrollieren kann. Ein solches Tier kann das Katzenklo nicht rechtzeitig erreichen und das richtige Verhalten gar nicht lernen. Wenn Katzen, die die Katzentoilette immer zuverlässig benutzt haben, damit plötzlich aufhören und andere Orte benutzen, kann das viele Gründe haben. Das können organische Erkrankungen sein oder es kann an der Katzentoilette selbst liegen. Auch alle möglichen Erfahrungen, die die Katze bei der Benutzung der Toilette irgendwann gemacht hat, können zugrunde liegen, und nicht selten spielt alles zusammen eine Rolle.

Verhaltensprobleme bei der Katze

Lösungsstrategien Als erstes muss die Situation analysiert werden. Bei mehreren Katzen wird zunächst geklärt, welche Katze verantwortlich ist oder ob es sogar mehrere Katzen sind. Diese Klärung kann mittels Videoaufnahmen durchgeführt werden oder über die orale Gabe von Fluorescin® (0,3 ml). Fluorescin® färbt den Katzenharn für ca. 24 h an und kann mittels einer Wood´schen Lampe oder einer anderen Schwarzlichtquelle stark fluoreszierend dargestellt werden. Der Besitzer sollte vorgewarnt werden, dass Fluorescin® leider intensive schwer zu entfernende gelbe Flecken verursacht. Die Färbung von Kot kann über die orale Gabe von Lebensmittelfarbstoff oder roter Beete erfolgen. Eine weitere Möglichkeit die verantwortliche Katze zu ermitteln wäre der beschränkte Zugang immer nur einer bestimmten Katze zu der betroffenen Stelle während einiger Tage. Das kann aber dazu führen, dass die verantwortliche Katze aufgrund der so veränderten sozialen Situation ihr Verhalten ändert. Das wäre also eine mögliche Fehlerquelle. Eine tierärztliche Untersuchung der betreffenden Katze(n) ist unerlässlich, um auszuschließen, dass organische Erkrankungen die Ursache für das Verhalten oder daran mitbeteiligt sind. Das betrifft nicht nur Erkrankungen der Ausscheidungsorgane. Im Prinzip kann jede Erkrankung als Stressor wirken und Verhaltensauffälligkeiten zur Folge haben. Vor allem Schmerzerfahrungen jeder Art müssen berücksichtigt werden, weil Katzen Schmerzen nicht un14

bedingt ihrem eigenen Körper zuschreiben, sondern oft dem Ort, an dem sie den Schmerz erleben. Eine Katze kann also nach einem schmerzhaften Toilettenbesuch diese Toilette meiden. Auch andere unangenehme Erlebnisse im Zusammenhang mit der Toilette können bewirken, dass das Katzenklo gemieden wird. Das können Störungen beim Toilettenbesuch sein, z. B. ein Schreckerlebnis oder eine andere Katze. Auch einfache Veränderungen, wie z. B. eine ungewohnte neue Einstreu, können dazu führen, dass andere Stellen aufgesucht werden. Aber in vielen Fällen werden Katzentoiletten einfach gemieden, weil sie den artspezifischen Ansprüchen von Katzen nicht entsprechen. Katzen setzen Kot und Urin vorzugsweise an getrennten und sauberen Stellen ab. Da Katzen direkt in das Klo hineintreten müssen, ist gut nachvollziehbar, dass gerade besonders reinliche Tiere bei einer ungepflegten Toilette schnell nach einer Ausweichmöglichkeit suchen. Anzeichen dafür, dass die Toilette selbst das Problem sein könnte: Die Katze beschnuppert die Toilette und geht wieder Sie balanciert mit möglichst vielen Füßen auf dem Rand Die Ausscheidung wird neben die Toilette platziert Die Katze scharrt nicht in der Toilette, sondern daneben Sie benutzt Stellen, die die Anforderungen an eine gute Toilette erfüllen: Material, das gut aufsaugt, Möglichkeiten zum Zuscharren (Bett, Blumentöpfe) Umgang mit der Situation/Management Korrekte Reinigung der verunreinigten Stellen: Am besten geeignet sind neutrale Reiniger ohne zusätzliche Duftstoffe oder verdünnte Essiglösung. Anschließend werden die Stellen mit 70%igem Alkohol behandelt, um im Urin vorhandene Fettanteile zu lösen. Die betroffenen Stellen können außerdem mit einem der im Handel erhältlichen enzymatischen Geruchsentferner behandelt werden. Die Reinigung wird in Abwesenheit der Katze(n) durchgeführt. Zugang zu diesen Stellen sollte erst dann wieder erlaubt werden, wenn alles gut ab-

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getrocknet ist. Chlor- und ammoniakhaltige Mittel können zu Unsauberkeit und Markierverhalten anregen. Keine Strafen: erfahrungsgemäß nützt es nichts, sondern schadet sogar, wenn man Katzen für Unsauberkeit bestraft, auch wenn man das betreffende Tier dabei erwischt. Das unerwünschte Verhalten wird durch Strafen nicht unterdrückt. Die Katze wird es eher an anderen Stellen und vor allem gezielt in Abwesenheit des Halters durchführen. Strafen erhöhen den Stress für die Katze und schaden außerdem der Beziehung zwischen Katze und Halter. Chronischer Stress verursacht, abgesehen von den bekannten körperlichen Auswirkungen, nicht selten weitere Verhaltensauffälligkeiten. Bei Katzen sind das am häufigsten Angststörungen, erhöhtes Markierverhalten und stressbedingte organische Erkrankungen, z.  B. Durchfälle oder eine psychogene Blasenentzündung. Als Strafe gilt alles, was die Katze als unangenehm empfinden würde, bei sensiblen Tieren kann das schon ein drohender Ton sein. Soweit wie möglich sollte der Zugang zu den Stellen, die die Katze benutzt hat, generell verhindert werden. An Stellen, die die Katze sowieso verunreinigt, kann eine Katzentoilette gestellt werden. Wenn Katzen Blumentöpfe der Katzentoilette vorziehen, kann man die Blumentopferde mit größeren Steinen abdecken und damit den Blumentopf für die Katze unattraktiv machen. Sinnvoll wäre eine Toilette in der nächsten Umgebung.

Behandlungsmaßnahmen Alle Behandlungsmaßnahmen richten sich nach dem Einzelfall und werden individuell an Katze und Haushalt angepasst. Organische Ursachen müssen behandelt werden Die Toilettensituation wird optimiert (s. Tipps für ein schönes stilles Örtchen) Grundsätzlich sollte jede Katze mindestens zwei Toiletten an verschiedenen Stellen zur Verfügung haben. Zwei Toiletten, die dicht nebeneinander stehen, zählen für die Katze als eine. Bei mehr als einer Katze muss man ausprobieren, was machbar ist. Wenn die Toiletten häufig, bei Bedarf sogar mehrmals täglich gereinigt werden, kann man die Anzahl der Toiletten insgesamt geringer halten. Katzentoiletten sollten so groß und so positioniert sein, dass die Katze bequem hinein- und herauskommt und an ruhigen und ungestörten Stellen stehen. Sie sollten möglichst häufig gründlich gereinigt werden. Ganz junge und alte Katzen brauchen Toiletten in räumlicher Nähe, die eine niedere Ein- und Ausstiegsmöglichkeit haben. Katzentoiletten ohne Deckel gestatten eine komplette und unbehinderte Ausführung des zur Ausscheidung gehörenden Verhaltens. Außerdem kann die Katze ihre Umgebung im Auge behalten – eine Notwendigkeit für ein Tier, das stets damit rechnen muss, von einem größeren Beutegreifer entdeckt zu werden. Für Katzen ist es nicht artgerecht, Kot und Urin in einer kleinen Höhle abzusetzen.

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Tipps für ein schönes, stilles Örtchen ausreichende Anzahl an Toiletten (Anzahl der Katzen +1) großzügige Schalen (mind. 60 cm x 40 cm), 4eckig. KEIN Deckel Standort: Gern im Flur, Wohnzimmer (!) Fern von Futter- und Liegeplätzen „Stiftung Katzen-Test“: bevorzugt wird meistens feines Klumpstreu ohne Duftzusätze

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Verhaltensprobleme bei der Katze



Bachblüten

zur Therapie von Unsauberkeit aus Protest: 3, 14, 15 aus Protest und um Beachtung zu erhalten: 7, 8 wenn Toilette nicht sauber oder nur eine Toilette vorhanden: 10 Unsauberkeit durch Erschöpfung/Aufgabe: 13 bei Ängstlichkeit und Unsicherheit: 24 bei Stress und Veränderungen: 33

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Die Befindlichkeit der Katze sollte grundsätzlich verbessert werden. Stress vermeiden. Pheromone können das Gefühl von Sicherheit verbessern. Bei intensiven Angstproblemen können Psychopharmaka nach tierärztlicher Anweisung hilfreich sein. Bei der Anwendung von Bachblüten und Homöopathie ist ebenfalls fachlich fundierte Beratung sinnvoll. Manchmal hilft das Umfunktionieren der verunreinigten Stellen, indem man z. B. an diesen Stellen Futter anbietet. Aber es kann sein, dass sich dadurch das Problem nur an eine andere Stelle verlagert. Umtrainieren Wenn das unerwünschte Verhalten sich schon zur Gewohnheit entwickelt hat, genügt es möglicherweise nicht, für optimale Toiletten zu sorgen. Es kann sein, dass die betreffende Katze erst wieder sorgfältig an die zuverlässige Benutzung der Toilette gewöhnt werden muss. Dazu gehört das Vermeiden von unbeabsichtigter Verstärkung durch Hinsehen, Anfassen und Ansprechen der Katze während des unerwünschten Verhaltens. Außerdem kann man das gewünschte Verhalten verstärken, indem man die Katze anspricht und sie lobt, während sie die Toilette aufsucht. Wenn eine Vorliebe für einen ungeeigneten Untergrund zur Ausscheidung besteht, z. B. für Teppichboden, muss eine Umgewöhnung an andere Stoffe durchgeführt werden. Zum Umtrainieren kann eine räumliche Einschränkung erforderlich sein, d. h. die Katze wird vorübergehend erst einmal nur in einem Raum gehalten. Wie lange das erforderlich ist, hängt von der Katze und der Lebenssituation des Halters ab. Es kann unter Umständen mehrere Wochen oder auch Monate dauern. Nicht empfehlenswert ist das Einsprühen der betreffenden Stellen mit Mitteln, die die Katze abschrecken sollen. Das kann Stress für die Katze bedeuten und damit die schon weiter vorn erwähnten Folgen haben. Ebenfalls nicht sinnvoll ist es, die Katze in das Katzenklo zu bringen und dort mit ihren Pfoten Kratzbewegungen in der Streu

auszuführen oder die Katze in der Toilette festzuhalten. Beides verleidet ihr eher das Katzenklo und vielleicht sogar die Beziehung zu ihrem Menschen. Markierverhalten Beim Markieren mit Urin wird eine auffällige aufrechte Körperhaltung eingenommen. Das Hinterteil wird gegen den zu markierenden Punkt gerichtet. Mit hochaufgerichtetem, manchmal zitterndem Schwanz wird Urin auf diesen Punkt gesprüht (Abbildung abc). Diese Körperhaltung kann z.  B. bei Sichtkontakt mit Artgenossen als visuelles Signal Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit demonstrieren. Urinsprühen ist also aufgrund der Körperhaltung sowie der gewählten Stellen nicht nur ein geruchliches sondern auch ein deutliches optisches Signal. An Markierungen können freilaufende Katzen erkennen, wer wann welche Wege benutzt. Das ermöglicht es ihnen, Kontakte mit Artgenossen zu kontrollieren, unerwünschte Begegnungen zu vermeiden und so ihr Umfeld zeitlich und räumlich zu strukturieren. Diese zeitliche und räumliche Strukturierung ist auch das Ziel beim Markieren in der Wohnung. Markierverhalten entspringt also dem Bedürfnis einer Katze nach einem klar strukturierten Umfeld. Das erklärt auch den scheinbaren Widerspruch, dass einerseits selbstsichere Tiere aber andererseits gerade unsichere und ängstliche Katzen in der Wohnung zum Markieren neigen. Selbstsichere Katzen zeigen durch Markieren ihre Territorialansprüche an. Unsichere Katzen verbessern mit ihren eigenen Duftmarken ihr eigenes Heimgefühl. Sie übertönen sozusagen mit ihrem eigenen Geruch fremde Gerüche und steigern so ihr persönliches Gefühl von Sicherheit. Daher wird Markieren durch ganz unterschiedliche Faktoren ausgelöst oder verstärkt. Das kann der hormonelle Zustand einer Katze sein oder der Geruch einer anderen Katze, der zum Fenster hereinweht oder eine neue Katze in der Nachbarschaft. Im Prinzip kann auch jede Art von Stress so wirken, z. B. Änderungen in der Umgebung, im täglichen Ablauf und im sozialen Umfeld. Wenn mehrere Katzen zusammen leben, kann eine

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langgestreckt sind. Es wird nur eine geringe Menge Urin abgesetzt. Eine anschließende Geruchskontrolle erfolgt nur selten. Urinsprühen setzt frühestens mit Beginn der Pubertät ein.

Abbildung abc: Markierverhalten bei Katzen A: draußen B: In der Wohnung

Verhaltensprobleme bei der Katze

andere Katze der Stressauslöser sein. Aber auch organische Beschwerden aller Art sind Stressoren, nicht nur Erkrankungen der harnableitenden Organe. Letztendlich steht nur eins fest: Die Auslöser sind vielfältig und für Menschen oft wenig nachvollziehbar. Was es im Einzelfall ist, hängt von der betreffenden Katze ab. Markiert werden in Wohnräumen vor allem senkrechte Objekte und/oder welche, die optisch und/oder geruchlich auffallen: Wände vorwiegend in Bereichen, die an die Außenwelt angrenzen Herabhängende Stoffe wie Vorhänge oder auch aufgehängte Kleidungsstücke Die Wand direkt hinter der Katzentoilette Gegenstände, die auf dem Boden liegen Gegenstände, die aus der Außenwelt in die Wohnung gebracht werden und dadurch geruchlich auffallen, z. B. (Sport-) Schuhe und andere Kleidungsstücke, Einkaufstüten und Handtaschen Kennzeichnend für Markieren mit Harn sind die folgenden Faktoren: Die auffallende und typische Körperhaltung. Urinmarkieren in Hockstellung kommt eher selten vor. Die dabei entstehenden Urinspuren sehen deutlich anders aus als gesprühter Urin. Man findet sie manchmal in Form eher kleiner Pfützen z. B. im Bereich von Außentüren. Es werden vor allem senkrechte Objekte markiert und/oder Gegenstände, die optisch oder geruchlich auffallen. Beim Sprühen entstehen typische Spritzspuren, die an horizontalen Stellen

Quelle: Dr. Stephan Gronostay

Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

B)

Lösungsstrategien Wie bei Ausscheidungsproblemen muss auch beim Markieren in einem Haushalt mit mehreren Katzen abgeklärt werden, welche Katze markiert. Das muss nicht unbedingt nur eine Katze sein. Leider ist es kein Beweis für Unschuld, wenn man eine Katze dabei nie beobachtet hat. Die Möglichkeiten zur Identifizierung entsprechen den Methoden, die beim Ausscheidungsverhalten beschrieben wurden. Behandlungsmaßnahmen Die Kastration der betreffenden Katze ist grundsätzlich anzuraten, da unkastrierte Katzen und Kater vermehrt markieren. Trotz Kastration kann das Markieren danach weitergehen. Die verunreinigten Stellen werden wie schon weiter vorn beschrieben gründlich gereinigt, damit das Markierverhalten nicht durch den Geruch weiter aufrechterhalten wird. Mögliche Stressoren müssen identifiziert und ausgeschaltet oder zumindest reduziert werden: Gesundheitliche Ursachen müssen ausgeschlossen bzw. behandelt werden. Die Toilettensituation sollte optimiert werden.

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Ausgabe 10-2012-04 l April 2012 l Verhaltensprobleme bei der Katze 17

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Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

Verhaltensprobleme bei der Katze



Abbildung abc: Die Schäden durch Krallenschärfen, wie z. B. an diesem Tischbein, können erheblich

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Pheromone können die Befindlichkeit der betroffenen Katze(n) verbessern. Das kann das Markierverhalten reduzieren. Psychopharmaka können die Stresstoleranz erheblich verbessern und dadurch das Markierverhalten beeinflussen. Die weiteren Maßnahmen orientieren sich an der Lebenssituation des Halters und seiner Katze(n): „Erlaubte“ Markierungspunkte: Stellen, die zum Markieren genutzt werden, können mit entsprechenden Unterlagen und Schutzvorrichtungen so ausgestattet werden, dass sie leicht zu reinigen sind und dass das Markieren keinen Schaden an Wänden und Fußboden verursacht. Der Stress für den Halter kann reduziert werden, wenn die Katze nur zu bestimmten Bereichen Zutritt hat und der Zugang zu den markierten Stellen verhindert wird. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass einfach neue Stellen markiert werden. Wenn bekannt ist, was das Verhalten auslöst, kann die Reaktion der Katze auf diese Auslöser durch sorgfältiges Training verändert werden (z. B. Gegenkonditionierung). Kontakte mit fremden Katzen so weit wie möglich vermeiden. Manche Katzen hören auf, in der Wohnung zu markieren, wenn sie nach draußen dürfen. Manchmal ist eine vorübergehende oder auch dauerhafte räumliche Trennung von Katzen, die sich gegenseitig stressen, erforderlich. Eine Umplatzierung, entweder der markierenden Katze(n) oder der Katze, die den Stress auslöst. Wenig Erfolg versprechend ist das Besprühen der markierten Stellen mit abschreckenden Geruchstoffen. Es kann die Katze verunsichern und so das Markierverhalten weiter verstärken, oder die Katze sucht sich einfach andere Stellen. Auch Strafen verbessern die Situation erfahrungsgemäß nicht. Unsichere Katzen werden weiter verunsichert. Eigentlich selbstsichere Tiere können verunsichert werden. Die Folge sind, wie schon weiter vorn beschrieben, meist weitere unerwünschte Verhaltensweisen.

Krallen schärfen (Markieren durch Kratzen) Katzen pflegen ihre Krallen nicht nur, wenn sie an Wänden, Möbeln und anderen Gegenständen kratzen (Abbildung abc). Durch die deutlich sichtbaren Kratzspuren werden auch bestimmte Stellen markiert. Des Weiteren werden mit Hilfe der interdigitalen Drüsen Geruchsinformationen angebracht. Für Artgenossen in Sichtweite ist es außerdem ein eindeutiges körpersprachliches Signal. Wie andere Formen des Markierens dient Kratzen dazu, die sozialen Strukturen zu ordnen. Aus diesem Grund führen Änderungen im sozialen Umfeld und/oder räumliche Änderungen oft zu vermehrtem Krallenschärfen. Krallenschärfen kann erhebliche Schäden an Möbeln und Wänden verursachen und erfahrungsgemäß reagieren Halter, wenn die Katze ihr Verhalten an den „falschen“ Stellen ausführt. Wenn die Katze diese Reaktion als Zuwendung empfindet, kann das Krallenschärfen so durch den Halter unbewusst und unbeabsichtigt verstärkt werden und entwickelt sich dann obendrein zu einem Aufmerksamkeit erregenden Verhalten. Wenn der Halter dagegen versucht, durch Straf- oder Schreckreize die Katze von unerwünschten Stellen zu verjagen oder das Kratzen abzubrechen, kann das unterschiedliche Folgen haben: Die Katze kratzt an dieser Stelle nur noch in Abwesenheit des Halters. Sie benutzt andere, aber möglicherweise aus Sicht des Halters ebenso ungeeignete Stellen. Die Straf- oder Schreckreize führen zu Stress und Unsicherheit. Das wiederum steigert das Bedürfnis zu markieren. Die Katze kratzt also insgesamt mehr. Stress kann außerdem organische Folgen haben – z. B. eine psychogene Blasenentzündung. Damit besteht die Gefahr von Unsauberkeit. Harnmarkieren als Form verstärkten Markierens. Lösungsstrategien Optimierte Haltungsbedingungen und Pheromone können das Bedürfnis für Markierverhalten reduzieren. Es werden attraktive

Verhaltensprobleme bei der Katze l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

B)

und geeignete Stellen zum Kratzen installiert. Es ist jedoch durchaus möglich, dass die Katze die neuen Stellen nicht sofort akzeptiert, sondern erst umlernen muss. Das kann der Halter unterstützen, indem er positiv mit Lobworten und mit Zuschauen reagiert, während die Katze sich an der richtigen Stelle befindet und natürlich vor allem, wenn sie dort auch kratzt. Anfassen lenkt meist mehr ab als es nützt. Die meisten Katzen empfinden es als unangenehm, wenn man mit ihren Pfoten Kratzbewegungen am Kratzbaum ausführt. Das verleidet ihr dann den neuen Kratzbaum eher. Unbewusste und unbeabsichtigte Verstärkung beim Kratzen an den falschen Stellen sollte man unbedingt vermeiden. Das kann dann aber einen „extinction burst“ auslösen. Am besten macht man die unerwünschten Kratzstellen unattraktiv und möglichst unzugänglich, bis die Katze das neue Verhalten gelernt hat.

Aggressionsverhalten Katzen gehen direkten Auseinandersetzungen im wahrsten Sinn des Wortes lieber aus dem Wege. Bei Bedarf halten sie Abstand voneinander und vermeiden direkte Begegnungen und damit Konfrontationen so gut wie möglich. Das klappt ganz gut, solange es genügend Ausweichmöglichkeiten gibt. Zu Kämpfen kommt es, wenn die Katzen keine andere Wahl mehr haben. Auseinandersetzungen sind im Zusammenhang mit Territorialverhalten und bei der Verteidigung der eigenen Unversehrtheit biologisch normal. Grundsätzlich sollte man Aggressionsverhalten bei Katzen nicht unterschätzen. Trotz ihrer geringen Körpergröße können Katzen schwere Verletzungen zufügen.

Quelle: Dr. Renate Jones-Baade

Aggressionsverhalten bei freilaufenden Katzen Bei freilaufenden Katzen sind aggressive Auseinandersetzungen mit Artgenossen die Folge von Territorialansprüchen und des Wettbewerbs um Fortpflanzungspartner. Meist sind Lösungsstrategien erst dann erforderlich, wenn die nachbarschaftlichen Verhältnisse darunter leiden, z. B. weil eine Katze immer wieder verletzt heimkommt. Im Hinblick auf Fortpflanzungsverhalten ist die Kastration das erste Mittel der Wahl. Wenn es dennoch immer wieder zu ernsthaften Kämpfen kommt, liegt meist Territorialverhalten zugrunde. Die Möglichkeiten, diese Kämpfe zu vermeiden, sind begrenzt. Am besten sorgt man dafür, dass sich die betreffenden Katzen nicht begegnen: Aus- und einbruchsicherer Garten. Einer fremden Katze kann man das Betreten eines Grundstücks verleiden, indem man z. B. am Zaun Dinge anbringt, die sie davon abhalten, das Grundstück zu betreten. Wenn man beim Erscheinen des Eindringlings abschreckende Maßnahmen durchführt, wirkt das meist

Abbildung abc: Markieren durch Kratzen A: Krallenschärfen im Freilauf B: Demonstratives Krallenschärfen: der Adressat wird dabei intensiv angesehen

Verhaltensprobleme bei der Katze

Quelle: Dr. Renate Jones-Baade

A)

Abbildung abc: Körpersprache bei Katzen: freundliche Annäherung zwischen einer älteren und einer jüngeren Katze

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Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

Ausgabe 10-2012-04 l April 2012 l Verhaltensprobleme bei der Katze 19

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Verhaltensprobleme bei der Katze



Abbildung abc: Körpersprache bei Katzen A: Offensiv aggressive Körpersprache bei zwei Jungtieren B: Konflikt

nur solange, wie man selbst an Ort und Stelle ist. Man kann verhindern, dass eine fremde Katze das Haus betritt, wenn sich die Katzenklappe nur für die im Haus lebende Katze öffnet, z. B. mittels eines speziellen Halsbands. Die betreffenden Katzen haben zu unterschiedlichen Zeiten Ausgang. Das erfordert gute nachbarschaftliche Zusammenarbeit. Die Katze wird nur noch in der Wohnung gehalten. Aggressionsverhalten zwischen Wohnungskatzen Im Vergleich mit Hunden ist es bei Katzen schwerer zu erkennen, was sich wirklich abspielt. Unterordnungssignale werden viel seltener gezeigt und sind obendrein erheblich weniger auffällig. Wenn eine Katze bei einer Auseinandersetzung eine Rückenlage einnimmt, bedeutet das nicht Unterordnung sondern höchste Verteidigungsbereitschaft. Die Katze, die angreift, ist nicht unbedingt für den Konflikt verantwortlich. Bei Katzen, die zusammen leben und miteinander kämpfen, wird zuerst überprüft, ob es sich um Jagdverhalten oder Aggressionsverhalten handelt. Dann müssen die Hintergründe und die „schuldige“ Katze identifiziert werden. Es ist sinnvoll, zwischen offensiver und defensiver Aggression zu unterscheiden. Auch eine möglichst objektive Beurteilung der Gefährlichkeit sollte erfolgen.

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Lösungsstrategien Kämpfe sollten so schnell wie möglich beendet werden. Aber beim Versuch, Kämpfe abzubrechen, ist das Risiko hoch, selbst verletzt zu werden, wenn man die Katzen dabei anfasst. Die beste Aussicht besteht, wenn man den Sichtkontakt zwischen den Tieren abbrechen kann. Eine Störung, zum Beispiel ein kurzer heftiger Wasserstrahl, kann ebenfalls wirken. Ein lautes Geräusch kann funktionieren oder aber die Sache

B)

Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

A)

Offensives Aggressionsverhalten Offensives Aggressionsverhalten beruht häufig auf territorialen Ansprüchen. Derartige Konflikte verlaufen zunächst meist unauffällig und der Halter bemerkt anfangs oft überhaupt nicht, was vorgeht. Die offensive Katze beginnt damit, eine andere Katze zu kontrollieren und in ihrer Bewegungsfreiheit einzuschränken. Das gelingt ihr, indem sie sich an strategisch günstigen Positionen platziert, von dort aus die andere Katze anstarrt, jede ihrer Bewegungen beobachtet und sie so daran hindert, sich frei zu bewegen (Abbildung abc). Bei derart terrorisierten Katze kann das irgendwann einen Verzweiflungsangriff auslösen, weil sie die Nerven verliert. Da das vorangehende Drohverhalten für den Halter zu unauffällig war, hält er natürlich die angreifende Katze für den Aggressor. Wenn es tatsächlich zu Kämpfen kommt, ist die Situation erfahrungsgemäß schon weit fortgeschritten und jeder weitere Kampf verschlechtert die Situation.

Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

Verhaltensprobleme bei der Katze l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Defensives Aggressionsverhalten Damit Katzen gut zusammenleben können, müssen sie mit Artgenossen sozialisiert sein. Das bedeutet, sie müssen frühzeitig, als Welpe und Jungtier, ausreichend lange genügend positive Erfahrungen mit Artgenossen gemacht haben. Bei einer Katze, die unzureichend sozialisiert ist, kann nicht nur eine reale Bedrohung durch eine andere Katze einen defensiven Angriff auslösen. Zu große Nähe oder auch die Annäherung

einer anderen Katze kann von einer nicht oder nicht gut sozialisierten Katze als Bedrohung empfunden werden und eine entsprechende Reaktion auslösen. Auch besonders ängstliche Katzen können leicht mit Abwehrverhalten reagieren.

Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

Abbildung abc: Drohverhalten zwischen freilaufenden Katzen A: Die weiß-gescheckte Katze vermeidet den Blickkontakt mit der sie anstarrenden schwarzen Katze. Das sowie ihre Ohrenhaltung zeigen ihre Unsicherheit B: Sie wendet sich weiter ab ... C: … und zieht sich mit ganz langsamen Bewegungen – im Zeitlupentempo – zurück

Lösungsstrategien In diesen Fällen hilft oft schon ein größeres Platzangebot mit mehr Rückzugs- und Sichtschutzmöglichkeiten. Pheromone, Gegenkonditionierung und Desensibilisierung können die Befindlichkeit verbessern. In Extremfällen sind Medikamente zweckmäßig. Bei einer Katze, die durch ein einmaliges Angst- oder Schreckerlebnis mit einer anderen Katze dauerhaft verunsichert worden ist und auf Artgenossen mit defensiver Aggression reagiert, werden dieselben Maßnahmen angewendet. Man sollte den Leidensdruck in derartigen Situationen nicht unterschätzen. Der vor allem mit der aktiven Bedrohung durch eine andere Katze verbundene Dauerstress kann - wie Mobbing bei Menschen - sogar organische Erkrankungen verursachen und eine Umplatzierung einer der Katzen unumgänglich machen. Umgerichtete Aggression Bei umgerichteter Aggression wird das aggressive Verhalten nicht gegen das eigentliche Zielobjekt gerichtet: Es befindet sich außer Reichweite und daher wird der Nächstbeste in unmittelbarer Nähe angegriffen. Auch wenn irgendwelche anderen

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Ausgabe 10-2012-04 l April 2012 l Verhaltensprobleme bei der Katze 21

Verhaltensprobleme bei der Katze

verschlechtern. Strafmaßnahmen oder Beruhigungsversuche verstärken auf Dauer meist das Problem. Die Aussichten, eine derartige Situation dauerhaft in den Griff zu bekommen, sind von der Intensität des gezeigten Aggressionsverhaltens abhängig, vom Territorialbedürfnis der offensiven Katze und davon, wie sehr die andere Katze schon terrorisiert ist. Eine Therapie ist erfahrungsgemäß langwierig. Die Behandlungsmaßnahmen beinhalten ein insgesamt verbessertes Raumangebot mit mehr Rückzugs- und Sichtschutzmöglichkeiten, Gegenkonditionierung und Desensibilisierung und nicht selten zunächst eine räumliche Trennung. Pheromone und Medikamente können die Grundstimmung der beteiligten Katzen positiv beeinflussen, ihre soziale Kompetenz verbessern und so die Durchführung einer Therapie erleichtern. In manchen Fällen ist eine dauerhafte räumliche Trennung unumgänglich. Oft ist ein Platzwechsel die beste Lösung.

C)

Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

B)

Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

A)



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Reize, z. B. ein Schreck, aggressive Reaktionen auslösen, die sich dann einfach entladen und den Nächstbesten treffen, spricht man von umgerichteter Aggression.

Verhaltensprobleme bei der Katze

Lösungsstrategien Wenn es durch unglückliche Umstände zu umgerichteter Aggression zwischen Katzen, die zusammenleben, kommt, kann eine Katzenbeziehung ernsthaft und dauerhaft Schaden nehmen. Situationen, die dazu führen können, sollten also möglichst von vornherein vermieden werden. So könnten z. B. bei einem gemeinsamen Transport in einer Reisebox Reize außerhalb der Box Aggressionsverhalten gegenüber der „mitreisenden“ Katze auslösen. Nach einem solchen Zwischenfall sollten die Tiere so schnell wie möglich räumlich getrennt werden, bis sie sich wieder völlig beruhigt und entspannt haben. Je nach Naturell der Katzen und nach Schwere des Zwischenfalls kann das Stunden oder gar Tage dauern. In schweren Fällen wird durch Gegenkonditionierung, Desensibilisierung und evtl. mit Hilfe von Medikamenten die gute Beziehung zwischen den Katzen sorgfältig wieder aufgebaut. Das kann Wochen oder sogar Monate in Anspruch nehmen, aber wenn das Verhältnis der Katzen vor dem Zwischenfall gut war, sind auch die Zukunftsaussichten nicht schlecht.

Aggressionsverhalten gegenüber Menschen Auch gegenüber Menschen kann offensive, defensive und umgerichtete Aggression gezeigt werden. Offensive Aggression gegenüber Menschen ist zum Glück ausgesprochen selten. In diesen Fällen ist äußerste Vorsicht geboten. Je weniger die Ursachen und Auslöser zu erkennen sind und ausgeschaltet bzw. kontrolliert werden können, desto gefährlicher ist es. Zu defensiver Aggression gegenüber Menschen kommt es immer dann, wenn eine Katze bedrängt wird, sich bedroht fühlt und keine Möglichkeit zur Flucht sieht. Das geschieht vorwiegend bei Zwangsmaßnahmen, also z. B. beim Verbringen in ein Transportgefäß, im Verlauf einer tierärztlichen Behandlung, aber auch bei manchen Körperpflegemaßnahmen wie beim Kämmen und Bürsten bei Langhaarkatzen, besonders dann, wenn damit Schmerzen verbunden sind. Ausschlaggebend für die Auslösung von Abwehrverhalten sind verschiedene Faktoren: Katzen haben vor Menschen grundsätzlich eher dann Angst, wenn sie nicht gut mit Menschen sozialisiert sind, d. h. wenn sie während ihrer Aufzucht und in den ersten Lebensmonaten nicht ausreichend positive Erfahrungen mit Menschen sammeln konnten.

Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

Abbildung abc: Diese Katze zeigt deutlich: bitte nicht näher kommen. Bei weiterer Annäherung ist ein defensiver Angriff durchaus möglich

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Verhaltensprobleme bei der Katze l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Lösungsstrategien Allgemeine Regeln, an denen man rechtzeitig erkennen kann, dass ein Verteidigungsangriff droht, gibt es nicht. Man muss einfach genau auf die Körpersprache der Katze achten (Abbildung abc). Dabei darf man sich nicht täuschen lassen: Katzen können in bedrohlichen Situationen in eine Erstarrung gehen, in der sie völlig ruhig erscheinen. Aus diesem Zustand kann es jedoch schlagartig zu einem Überraschungsangriff kommen. Strafmaßnahmen vergrößern die Angst der Katze und verschlechtern folglich das Verhalten. Positive Änderungen sind mit entsprechendem Zeitaufwand zu erreichen. Dazu müssen die Auslöser identifiziert und dann mittels Gegenkonditionierung und/oder Desensibilisierung abgearbeitet werden. Petting and Biting Eine ganz spezielle Form von Aggressionsverhalten kommt häufiger vor. Sie wird als „Petting and Biting“, Streicheln und Beißen, bezeichnet. In diesen Fällen lässt sich die betreffende Katze erst einmal ruhig streicheln. Plötzlich, für den Streichelnden meist völlig unerwartet, wendet sie sich um, schlägt nach der streichelnden Hand oder beißt

sogar zu. Das kann bis zu blutenden Verletzungen führen. Manche Katzen benutzen ihre Krallen nicht und beißen nur zart, aber mit der Zeit kann das Verhalten zunehmend grob werden. Es ist nicht klar, was für dieses Verhalten verantwortlich ist. Möglicherweise empfindet die Katze das Streicheln nur kurzzeitig als angenehm. Strafen machen das Verhalten meist eher schlimmer. Am besten lässt man eine Katze, die in diesem Augenblick auf dem Schoß sitzt, einfach vom Schoß fallen, indem man aufsteht. Man sollte die Verletzungsgefahr nicht unterschätzen. Vor allem ältere Menschen sind gefährdet, weil ihre Haut dünner ist und die Blutgefäße besonders im Handrückenbereich wenig geschützt dicht an der Oberfläche liegen. Schützen kann man sich mit entsprechender Kleidung, z. B. mit Handschuhen und Kleidungsstücke mit dicken Ärmeln. Die meisten Katzenhalter möchten nicht gern einfach ganz auf das Streicheln verzichten. Änderungen sind aber erfahrungsgemäß zeitaufwendig. Dazu würde man folgendermaßen vorgehen: Während des Streichelns achtet man genau darauf, wie lange es dauert, bis die Katze zuschlägt. Wenn man weiß, wie lange es ungefähr dauert, hört man mit dem Streicheln rechtzeitig auf, kurz bevor die Katze reagiert. In ganz kleinen Schritten wird das Streicheln verlängert. Man muss dabei aber wirklich aufmerksam bleiben, sonst kann der richtige Augenblick leicht verpasst werden. Auch mittels einer Gegenkonditionierung kann das Verhalten verändert werden. Umgerichtete Aggression kann auch gegen Menschen gerichtet werden. Meist trifft es den Halter oder andere nahe Bezugspersonen, einfach, weil diese Personen sich in der näheren Umgebung der Katze befinden. Das Verhalten wird durch eine unangenehme Erfahrung, z. B. einen Schreck oder plötzlichen Schmerz, ausgelöst. Das geschieht schlagartig und meist ohne Vorwarnung. Das Verhalten wird in voller Stärke, also völlig ungehemmt, ausgeführt. Dadurch ist die Verletzungsgefahr für die betroffenen Menschen hoch.

Bachblüten

zur Therapie von Aggressionsverhalten gegenüber Artgenossen und Menschen: 3, 15 unkontrollierte Aggression: 6 bedingt durch Ungeduld: 18 Dominanz: 32, 34, 36, 38

Verhaltensprobleme bei der Katze

Die Befindlichkeit der Katze in der aktuellen Situation ist von Bedeutung: Je größer die schon vorhandene Angst und je höher die Erregungslage sind, desto größer ist die Gefahr, dass Abwehrverhalten ausgelöst wird. Katzen, die aufgrund chronischer Erkrankungen gestresst sind (Stoffwechselerkrankungen, Hauterkrankungen mit Juckreiz etc.) oder chronische oder akute Schmerzen haben (Orthopädie oder Zähne beispielsweise), reagieren schnell aggressiv. Die Entfernung, in der sich die Bedrohung befindet. Bei vielen Katzen kommt es erst bei körperlicher Berührung zu Abwehrverhalten. Eine Katze, die die Erfahrung macht, dass Abwehrverhalten ihr nützt, lernt so, das Verhalten schneller auszuführen.

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Ausgabe 10-2012-04 l April 2012 l Verhaltensprobleme bei der Katze 23

Verhaltensprobleme bei der Katze

Abbildung abc: Jagdverhalten: A: Jede Deckung wird beim Anschleichen genutzt B: Die Beute wird fixiert, die Katze positioniert sich für den Sprung C: Mit Höchstgeschwindigkeit zur Beute

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Lösungsstrategien Nach einem solchen Ereignis sollte die Katze sofort isoliert werden, bis sie sich wieder beruhigt hat. Das kann, wie schon weiter vorn erwähnt, Stunden oder sogar Tage dauern. Beruhigungsversuche sind erfahrungsgemäß nicht sinnvoll und können sogar schaden. Ein solcher Zwischenfall ist für die Beziehung zwischen Halter und Katze oft traumatisch. Der Halter, der seine Katze als Bestie erlebt hat, kann sein Vertrauen zu ihr verlieren. Die Katze kann den Schreck bzw. Schmerz mit dem Halter verknüpfen und dadurch auf den Halter weiterhin mit Abwehrverhalten reagieren. Deshalb ist es manchmal erforderlich, die Beziehung zwischen Halter und Katze erst wieder sorgfältig aufzubauen. Die Auslöser sollten identifiziert werden, damit sie in Zukunft vermieden bzw. durch Gegenkonditionierung und/oder Desensibilisierung ausgeschaltet werden können. Erfahrungsgemäß reagieren oft Katzen, die schlecht sozialisiert oder aus anderen Gründen ängstlich und schreckhaft sind, bei einem Schreckerlebnis mit umgerichteter Aggression. Diese Grundeigenschaften sind nun einmal vorhanden und lassen sich nicht einfach ändern. Es ist also wahrscheinlich, dass eine Katze, die umgerichtetes Aggressionsverhalten gegen Menschen gezeigt hat, dies in einer ähnlichen Situation wieder tut. Diese zugrundeliegende Unsicherheit und Schreckhaftigkeit kann in manchen Fällen durch Psychopharmaka vermindert werden.

Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

C)

Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

B)

Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

A)

Jagdverhalten Jagen dient dem Nahrungserwerb. Auslöser ist allerdings nicht Hunger, sondern vor allem Bewegung. Beim Anblick einer geeigneten Beute erstarrt die Katze und belauert die Beute. Dann versucht sich die Katze anzunähern. Das geschieht, indem sie längere Strecken bei guter Deckung in schnellem Lauf geduckt überwindet oder sich langsam und vorsichtig anschleicht. Im geeigneten Augenblick springt sie schnell und gezielt nach vorn, ergreift die Beute mit Krallen und Zähnen und ringt sie bei Bedarf nieder. Anschließend kann der Tötungsbiss gesetzt werden (Abbildung abc). An diesen Verhaltensweisen unterscheidet sich Jagdverhalten deutlich von Aggressionsverhalten. Katzen sind aufgrund ihres Körperbaus perfekte „Jagdmaschinen“. Jagdverhalten gegenüber Artgenossen Zu spielerischem Jagdverhalten kann es zwischen Katzen kommen, die sehr gut mit Artgenossen sozialisiert sind, sich gut kennen und sich gut miteinander vertragen. Aber echte Jagdspiele mit Artgenossen sind bei Katzen, im Gegensatz zu Hunden, eher selten. Wenn immer nur eine Katze gejagt wird oder wenn die Gejagte dem Jäger körperlich nicht gewachsen ist, handelt es nicht wirklich um ein Spiel. Gegen Spielverhalten spricht auch, wenn die Gejagte auf die „Spielversuche“ mit Abwehrverhalten reagiert, der anderen Katze zunehmend ausweicht oder wenn Kratzspuren auf der Haut und ausgerissene Haarbüscheln zu finden

Verhaltensprobleme bei der Katze l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Lösungsstrategien Schuld ist meist eine unzureichende geistige und körperliche Auslastung von jüngeren Katzen durch das Leben in einer Wohnung. Der Halter, der zunächst meint, es handle sich um ein Spiel in gegenseitigem Einvernehmen, verstärkt das Verhalten häufig unbewusst und unbeabsichtigt. Um Abhilfe zu schaffen muss die körperliche und geistige Auslastung des Jägers durch mehr Beschäftigungsangebote verbessert werden, u. a. die Einführung von täglichen Spielzeiten. Dabei wird das Jagdverhalten auf andere Objekte, z. B. Spielangeln, umgelenkt. Bei einer Katze, die zu bestimmten Zeiten mit Jagen beginnt, fängt man am besten kurz davor an, mit ihr zu spielen. Überraschungsüberfälle sind weniger leicht möglich, wenn der Jäger an ein Halsband mit Glöckchen gewöhnt wird. Für die gejagte Katze müssen geeignete Fluchtwege und ausreichend viele Rückzugs- und Sichtschutzmöglichkeiten geschaffen werden, damit sie sich der Verfolgung entzie-

hen kann. Gerade Katzen, die schon sehr verunsichert sind, lösen allein durch ihre Flucht häufig eine Verfolgungsjagd aus. Mit Hilfe von Medikamenten kann die der Flucht zugrundeliegende Angst vermindert werden. Jagdverhalten gegenüber Menschen Wenn die Katzen ihre angeborene Jagdneigung nicht auf Gegenstände und Spielsachen sondern ungehemmt auf menschliche Gliedmaßen richten, kann das für Menschen nicht nur lästig, sondern durchaus gefährlich werden. Wie oben beschrieben unterscheiden sich diese Angriffe von Aggressionsverhalten im Hinblick auf Körpersprache, Mimik und Lautäußerungen. Sie werden durch Bewegung ausgelöst, erfolgen oft aus einem Versteck heraus und sind häufig mit einer Verfolgungsjagd verbunden. Das Problem entwickelt sich meist schleichend. Der Halter findet das „Spielverhalten“ der jungen Katze anfangs attraktiv, geht darauf ein und verstärkt es dadurch. Was jedoch bei einem Katzenwelpen noch niedlich ist, wird bei einer ausgewachsenen Katze schnell ziemlich unangenehm, wenn diese Katze nicht gelernt hat, vorsichtig mit Krallen und Zähnen umzugehen (s. Tipps für Welpenbesitzer).

Verhaltensprobleme bei der Katze

sind. Im Lauf der Zeit nehmen bei der gejagten Katze Meide- und Abwehrverhalten zu. Es können Zeichen von Stress bis hin zu Änderungen im Ruhe-, Schlaf- und Fressverhalten auftreten.

» Empfehlungen für Welpenbesitzer

Spielen Sie mit dem Katzenwelpen viel. Aber immer mit Spielzeug. Sobald der Welpe Sie im Eifer des Gefechts kratzt oder beißt, wenden Sie sich empört ab und spielen nicht weiter. Auch wenn es nicht wehgetan hat. Der Welpe soll lernen, dass er mit Menschen immer vorsichtig spielen muss. Bieten Sie ihrem Welpen viele verschiedene Futtersorten und Geschmacksrichtungen an. Katzen prägen sich ein, was sie als Welpen kennen gelernt haben. Fremdes Futter wird später tendenziell vermieden. Lassen Sie das Kätzchen Freundschaft mit dem Transportkorb schließen. Wenn das Kätzchen den Korb erst kennen lernt, wenn es zum Tierarzt muss, wird es zukünftig den Korb meiden. a) Füttern Sie Ihren Welpen entweder grundsätzlich oder zumindest mit Leckerbissen im Transportkorb. b) Gewöhnen Sie den Welpen auch daran, dass die Türe des Transportkorbs auch mal zu ist und füttern Sie durch die Ritzen. c) Heben Sie den Korb an und setzen Sie ihn anfangs gleich wieder ab. Während dessen wieder durch die Ritzen füttern. d) Später können Sie damit auch ein paar Schritte machen oder mal vor die Türe gehen. Laden Sie sich Gäste ein: Erwachsene, Kinder und katzenfreundliche Hunde. Je besser der Welpe an unterschiedliche Menschen und ihre Begleiter gewöhnt sind, umso weniger sind sie als erwachsene Tiere bei Begegnungen gestresst. weiter auf der nächsten Seite Ausgabe 10-2012-04 l April 2012 l Verhaltensprobleme bei der Katze 25

Bachblüten

zur Therapie von Jagdverhalten 31

Die Aufgabe ist also eine gute Balance zu finden, die Katze zwar im Spiel zu fordern und zu ermüden, andererseits die Erregung aber nicht zu groß werden zu lassen, weil die Katzen dann wieder gern auf die „alten Spielstrategien“, also Jagen von Menschen und menschlichen Gliedmaßen, verfallen.

Lösungsstrategien Managementmaßnahmen stehen an erster Stelle. Alle Situationen, in denen das Verhalten ausgelöst wird, sollten vermieden werden. Durch Schutzkleidung wie feste Jeans oder Kleidungsstücke mit langen Ärmeln kann die Verletzungsgefahr vermindert werden. Um das Verhalten zu verändern, werden regelmäßige Spielzeiten eingeführt, um so die Katze besser auszulasten. Mit der Katze wird neues Spielverhalten trainiert. Spielen mit geeigneten körperfernen Objekten (Spielangeln) wird durch Loben und weiter spielen belohnt. Sobald die Katze durch Blickfixieren und Lauern wieder Interesse an menschlichen Gliedmaßen zeigt, wird das Spiel gezielt wieder auf geeignete Spielobjekte umgelenkt. Lerntheoretisch wäre eigentlich auch sinnvoll, bereits bei der Intention menschliche Gliedmaßen zu jagen mit einem Spielabbruch zu reagieren. Davor ist jedoch zu warnen! Denn das hat oft zur Folge, dass die Katzen wegen der Frustration, die sie durch den Spielabbruch erleben, noch schneller und entschlossener „die Beute“ angreifen.

Bei Verhaltensweisen, die eindeutig vom arttypischen Verhalten von Katzen abweichen und/oder das Wohlbefinden bzw. die körperliche Gesundheit der Katze beeinträchtigen spricht man von Verhaltensstörungen. Dazu gehören u.a. bis zur Selbstbeschädigung gesteigertes Putzverhalten, die sogenannte Psychogene Alopezie, außerdem Hyperästhesie, ein auffallendes und unnormales Zucken der Haut, aggressive Attacken auf den Schwanz sowie Pica, das Fressen von unverdaulichem Material.

A)

B)

Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

Abbildung abc: Psychogene Alopezie A: Leckdermatitis an beiden Vorderläufen; auffallend: die klare Abgrenzung B: Differentialdiagnostisch kömen u.a. Parasitenbefall oder Hormonprobleme in Frage

Das Problem tritt vor allem bei jüngeren, besonders temperamentvollen und nicht ausgelasteten Katzen auf. Versuche, das Verhalten abzubrechen, verschlimmern es oft. Je gröber und intensiver das Abwehrverhalten des Menschen wird, desto ungehemmter wird meist das Verhalten der Katze. Damit steigt die Verletzungsgefahr für Menschen.

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Verhaltensstörungen

Psychogene Alopezie Oft entwickelt sich das Verhalten schleichend aus dem normalen Putzverhalten. Zunächst erscheint der Haarwuchs nur an manchen Stellen lichter oder stoppeliger. Später können Haarverlust, völlig kahle Stellen und sogar Hautdefekte auftreten (Abbildung abc). Die Haut selbst ist dabei oft völlig unauffällig. Manchmal fällt dem Halter auf, dass die Katze sich vermehrt oder besonders hektisch putzt oder dass kleine ausgerissene Haarbüschel herumliegen.

Quelle: Rosemarie Schär, © Deutscher Tierschutzbund

Fortsetzung von Seite 25

Verhaltensprobleme bei der Katze



Verhaltensprobleme bei der Katze l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Behandlungsmöglichkeiten Ausschluss bzw. die Behandlung organischer Ursachen. Dazu kann auch als vorübergehende Managementmaßnahme das Anlegen eines Halskragens angezeigt sein. Dies muss aber gut abgewogen werden. Der verlockende Vorteil besteht darin, dass die Katze durch den Halskragen die bevorzugte Hautstelle nicht mehr erreichen kann, so dass die Wunde abheilen kann. Der Nachteil besteht jedoch häufig darin, dass es für viele Katzen großen Stress bedeutet, einen Halskragen zu tragen. Häufige Folgen der Halskragen-Intervention sind dann, dass sich die Tiere andere Stressabbau-Strategien oder eine andere Leckstelle suchen oder dass die Katzen in eine Resignation verfallen, wenn der Kragen angelegt ist. Sobald der Kragen

jedoch abgenommen wird, hauen die Katzen ab, verkriechen sich, um sich im Versteck umso vehementer und entschlossener zu belecken und benagen. Außerdem bleiben natürlich eventuell vorhandene Missempfindungen weiterhin vorhanden. Daher muss das dauerhafte Tragen eines Halskragens als tierschutzrelevant betrachtet werden. Verbesserung der Haltungsbedingungen Reduzierung von Stressfaktoren Wenn einzelne Stressoren bekannt sind, können die diesbezüglichen Gefühle der Katze mittels Habituation, Desensibilisierung und Gegenkonditionierung positiv verändert werden. Medikamente Die der psychogenen Alopezie zugrunde liegende Angst- und Stressproblematik kann durch Psychopharmaka positiv beeinflusst werden. Wenn das Putzverhalten der Katze durch Außenreize kaum oder überhaupt nicht mehr zu unterbrechen ist oder wenn die Haut wundgeleckt wird, ist eine Behandlung ohne Psychopharmaka erfahrungsgemäß nicht erfolgreich. Bei organischen Hintergründen, z. B. besonders bei stark juckenden Hauterkrankungen, kann die mit diesem Zustand verbundene psychische Belastung durch Psychopharmaka gelindert werden. Hyperästhesie Bei der sogenannten Hyperästhesie zuckt die Haut am Rücken immer wieder an einzelnen Stellen. Es können auch wellenartige Bewegungen der Haut über den gesamten Rücken laufen. Die betroffenen Katzen reagieren unterschiedlich intensiv. Manchmal wird die Haut hektisch und intensiv beleckt, manchmal springen die Katzen sogar aus dem Schlaf auf und laufen weg. Dabei wenden sie sich immer wieder den zuckenden Stellen am Rücken zu und belecken diese oder beißen sogar hinein. Derartige Anfälle dauern unterschiedlich lange. Allgemeinerkrankungen und Parasitenbefall können ähnliche Symptome auslösen und müssen daher ausgeschlossen werden. Als Ursache der Hyperästhesie werden neurologische Hintergründe vermutet. Psychopharmaka bewirken manchmal eine Besserung.

Bachblüten

zur Therapie von Verhaltensstörungen Lecken: 1 Blecken: 8 übersteigertes Reinlichkeitsverhalten: 10 Fellbeißen: 3 Selbstverstümmelung: 14 Benagen von Körperteilen: 21 Pica, Autoaggressives Verhalten: 36

Verhaltensprobleme bei der Katze

Kennzeichnend ist, dass immer Hautbereiche betroffen sind, die die Katze selbst erreichen kann: der hintere Bauch- und Rückenbereich die Innen- und Außenseite der Oberschenkel die Flanken Bereiche an den Gliedmaßen, z. B. die Vorderseite der Vorderpfoten. Zur Abklärung sind umfassende tierärztliche Untersuchungen unumgänglich. Neben Parasitenbefall müssen alle Erkrankungen ausgeschlossen werden, die mit Juckreiz und/oder Schmerzen einhergehen und dadurch vermehrtes Belecken einer bestimmten Körperstelle verursachen können. So kann z. B. ein Blasenstein ein Belecken und damit eine kahle Stelle im hinteren Bauchbereich auslösen. Im Zusammenhang mit organischen Ursachen können Lernvorgänge die Entwicklung des Verhaltens stark beeinflussen: Die Katze leidet unter Hautveränderungen, die nicht beleckt werden sollen. Der Halter versucht immer wieder, die Katze vom Belecken einzelner Körperstellen abzuhalten Das kann eine Verstärkung des Verhaltens bewirken, die dann über die eigentliche Erkrankung hinaus andauern kann. Neben organischen Erkrankungen können auch unzureichende Haltungsbedingungen und Stress jeder Art ursächlich sein.

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Ausgabe 10-2012-04 l April 2012 l Verhaltensprobleme bei der Katze 27

Quelle: Christiane Wergowski

Verhaltensprobleme bei der Katze

Abbildung abc: Pica Beim Herumkauen auf dem erwählten Material scheinen die Tiere in einer Art Trance zu sein

Aggressive Attacken auf den Schwanz Die Katze beobachtet zunächst den Schwanz argwöhnisch, evtl. mit Fauchen und Anknurren. Dann folgen Fangversuche und, wenn sie den Schwanz erhascht hat, mehr oder weniger heftige Bisse in den Schwanz. In anderen Fällen kann der Angriff auf den Schwanz, ebenfalls mit heftigen Bissen, ohne jede Vorankündigung erfolgen. Oft ist ein Blutbad die Folge. Die Ursachen scheinen neurologische Hintergründe zu sein. Differentialdiagnostisch kommen Allgemeinerkrankungen sowie Veränderungen, Erkrankungen und Schmerzen im Schwanzbereich in Frage. Als Sofortmaßnahme kann eine Schmerzbehandlung mit Medikamenten hilfreich sein. Manchmal machen die Verletzungen eine (Teil)Amputation des Schwanzes erforderlich. Das kann jedoch keinesfalls als Therapie betrachtet werden. Mit mechanischen Schutzmaßnahmen, z.  B. einem Verband, kann man den Schwanz vor weiteren Verletzungen bewahren. In manchen Fällen bewirkt eine Vollnarkose eine längere Symptomfreiheit. Eine Verbesserung wird erfahrungsgemäß allenfalls durch Psychopharmaka erreicht. Pica Als Pica wird das Fressen unverdaulicher Stoffe bezeichnet. Dabei lutscht die Katze in einer Art Trance an einem zum Fressen

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ungeeigneten Material, kaut darauf herum und beißt schließlich Stücke ab, die sie auch verschluckt (Abbildung abc). Meist spezialisiert sich eine Katze auf ein bestimmtes Material, z. B. Textilien, Wolle oder auch Kunststoffe, z. B. Plastiktüten. Erheblicher Schaden kann entstehen, wenn die Katze sich auf hochwertige Stoffe wie Kaschmir festgelegt hat. Wenn das verschluckte Material zu einem Darmverschluss führt, besteht für die Katze akute Lebensgefahr. Als Ursache werden u. a. ungünstige Aufzuchtbedingungen diskutiert und genetische Hintergründe vermutet, weil überwiegend Siamkatzen und Burmesen betroffen sind. Die genaue Ursache ist jedoch bisher nicht geklärt. Eine betroffene Katze sollte möglichst keinen Zugang zu Materialien haben, die bei ihr Pica auslösen. Die Neigung dazu kann vermindert werden, wenn die Haltungsbedingungen optimiert werden, z. B. durch vermehrte Spielangebote, eine insgesamt bessere Auslastung und weniger Gelegenheit zu Langeweile. Bei stark ausgeprägtem Verhalten kann der Einsatz von Medikamenten versucht werden.

Zusammenfassung Probleme im Zusammenleben von Mensch und Katze beruhen mitunter auf echten Verhaltensstörungen. Viel häufiger jedoch

Verhaltensprobleme bei der Katze l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Säugetieren zeigen. Andererseits ist beides nicht selten die Folge einer unzureichenden Sozialisation. Katzen, die nicht frühzeitig ausreichend viele und vor allem gute Erfahrungen mit Menschen, anderen Tieren und der Umwelt gemacht haben, bleiben oft zeitlebens ängstlich und unsicher. Um der Entwicklung von unerwünschtem Verhalten vorzubeugen sollte man daher schon bei der Auswahl einer Katze die individuellen Eigenschaften der Katze und die zukünftigen Lebensumstände beachten. Bei Problemen im Zusammenleben sollte frühzeitig fachkundige Hilfe eingeschaltet werden. Ein Außenstehender kann eine Situation objektiv betrachten und dadurch manches besser beurteilen, z.  B. soziale Strukturen, die Gefährlichkeit eines Verhaltens oder Kleinigkeiten, die dem Halter gar nicht aufgefallen sind, aber in Zusammenhang mit dem unerwünschtem Verhalten stehen. Meist besteht der erste Schritt darin, die Haltungsbedingungen zu verbessern, durch gezielte weitere Maßnahmen kann eine Verschlechterung, z.  B. durch ungünstige Lernprozesse, vermieden und ein Zusammenleben von Tier und Mensch verbessert werden.

Weiterführende Literatur Heath S (2002): Katzen verstehen. Pala-Verlag, Darmstadt Jones-Baade R (2012): Unsauberkeit bei Katzen. Kosmos Verlag, Stuttgart Schär R (2003): Die Hauskatze. 5. Auflage, Ulmer Verlag, Stuttgart Schroll S, Dehasse J (2004): Verhaltensmedizin bei der Katze. Enke Verlag, Stuttgart Schroll S (2001): Miez Miez - na komm. Artgerechte Katzenhaltung in der Wohnung. Videel Verlag, Niebüll Turner DC, Bateson R (2000): The domestic cat: the biology of its behaviour. 2nd Edition, Cambridge University Press

Dr. Renate Jones-Baade Tierärztliche Praxis für Verhaltenstherapie Clemensstr. 123, D-80796 München [email protected]

Dr. Katharina Andreas Rosin Tiergesundheit GmbH Heerstraße 18-20, D-14052 Berlin [email protected]

Literatur Bachblüten Kübler H (2006): Bach-Blüten-Therapie in der Tiermedizin: Grundlagen und Praxis. 3. Auflage, Verlag Sonntag, Stuttgart Literatur TCM Focks C, Hillenbrand N (2000): Leitfaden Traditionelle Chinesische Medizin. Verlag Urban & Fischer, München und Jena Hempen CH (2006): Leitfaden chinesische Rezepturen. Verlag Urban & Fischer, München und Jena Wynn SG, Marsden S (2005): Leitfaden Naturheilverfahren in der Kleintierpraxis. Verlag Urban & Fischer, München und Jena

Sabine Häcker Planet-Hund - Verhaltensberatung und Training Helmkrautstr. 45a, D-13503 Berlin [email protected]

Katrin Noack Kleintierpraxis Cottbus Uhlandstraße 53, D-03050 Cottbus [email protected]

Ausgabe 10-2012-04 l April 2012 l Verhaltensprobleme bei der Katze 29

Verhaltensprobleme bei der Katze

zeigen Katzen eigentlich normales Verhalten in einer Intensität und/oder Form, die für Menschen mehr oder weniger unerträglich ist. Dafür verantwortlich ist meist, dass das Leben einer Katze in einer Wohnung sehr eingeschränkt ist. Unerwünschtes Verhalten bei einer Katze ist oft der Versuch dieses Tieres, ungünstige Lebensumstände für sich selbst erträglich zu machen. Einer derartigen Entwicklung kann vorgebeugt werden, wenn die arttypischen Bedürfnisse und die Anforderungen von Katzen an ihre Umwelt von vornherein so gut wie möglich erfüllt werden. Neben den Haltungsbedingungen sind natürlich auch die Eigenschaften einer Katze, also ihr individueller Charakter, von Bedeutung. Katzen, die ängstlich und unsicher sind, können nicht so gut mit Stress umgehen. Sie verkraften ungünstige Haltungsbedingungen schlechter, sind weniger anpassungsfähig und werden durch Veränderungen in ihrer Umwelt leicht überfordert. Diese Eigenschaften begünstigen die Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten. Unsicherheit und Ängstlichkeit kann einerseits genetisch bedingt sein, wie Untersuchungen an Hunden und anderen



Neuraltherapie - Teil 2

Fortsetzung von Seite 11

Neuraltherapie bei orthopädischen Schmerzen

© ctl – leuchtisch.de

Markus Kasper

Neuraltherapie

Die Neuraltherapie ist eine bewährte Methode zur Behandlung akuter und chronischer Schmerzen und gehört bei orthopädischen Problemen zu den Therapieoptionen der ersten Wahl. Der Erfolg der Neuraltherapie ist an die Qualität der Diagnostik geknüpft, da sich der Therapieplan direkt davon ableitet. Richtig eingesetzt stellt sie eine effiziente und nachhaltige Methode dar, die noch dazu nebenwirkungsarm bis nebenwirkungsfrei arbeitet – also im Trend der Zeit und der Markterfordernisse liegt.

D

ie Neuraltherapie wird mitunter als westliche Schwester der Akupunktur bezeichnet. Dieser Vergleich ist insofern stimmig, als in der Neuraltherapie „locusdolendi“-Behandlungen, segmentale Techniken und Akupunkturpunkte bekannter Wirkung einbezogen werden. Die Domäne der Neuraltherapie ist jedoch - im Gegensatz zur Akupunktur, bei der physiologische Meridianverhältnisse angestrebt werden der gezielte Einsatz von Lokalanästhetika, tiefe neurale Techniken zur Behandlung von viszeralen Organen sowie die Störfelddiagnostik und -ausschaltung.

Wirkmechanismus Im Rahmen der Neuraltherapie werden Lokalanästhetika vom Estertyp (Procain) oder vom Amidtyp (Lidocain, Mepivacain) in 1%iger Lösung ohne Vasokonstriktor 30

eingesetzt. Die Anwendung führt zu einer Verbesserung der Durchblutungsverhältnisse, dadurch zum Abtransport von Entzündungs- und Schmerzmediatoren, zum Antransport von Sauerstoff und Nährstoffen, zur Relaxation des reaktiven Muskelhypertonus und dadurch Normalisierung des Bewegungsablaufes. Die verbesserte Durchblutung ist mit Sicherheit der Langzeiteffekt der Schmerzstillung, vor allem im Bereich der kapillären Versorgung der Gewebe. Die verbesserte Versorgung hilft aber auch, Reparationsprozesse in Gang zu bringen. Procain hat einen sauren pH-Wert, ist daher kurzfristig schmerzhafter als das eher neutrale Lidocain. Procain hat einen stark vasodilatatorischen Effekt und wird gern bei chronischen Prozessen (Lähmungen bzw. neurologisch bedingten Ataxien) eingesetzt. Dem gewebsneutralen Lidocain wird eine regulatorische Wirkung der Gefäßweite nachgesagt und daher auch eine deutlich breitere Indikationspalette.

Praktischer Einsatz Gute anatomische Kenntnisse, eine umfassende allgemeine und natürlich auch symptomorientierte Anamnese, Erfahrung in der Gangbildanalyse und einfühlsame Palpation sind proportional zum Erfolg der Neuraltherapie. Beim Bewegungsapparat kommen lokale und segmentale Applikationen zum Einsatz. Neuraltherapie l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Typische Beispiele für eine Lokalbehandlung Typische Lokalbehandlungen bei orthopädischen Problemen sind die peritendinäre sowie präperiostale Infiltration von Insertionstend(in)opathien bei Veränderungen am Periost-Sehnen-Übergang, die Infiltration von Myotendinosen bei Veränderungen am Sehnen-Muskel-Übergang sowie intramuskuläre Infiltrationen, zum Beispiel häufig vorkommende Zerrungen

im Bereich des M. gastrocnemius im Bereich der Kniekehle. Segmentbehandlung Wirbelsäule Im Bereich der Wirbelsäule erfolgt eine Behandlung der palpatorisch verändertbefundeten Rückenhautbereiche durch Applikation medianer und paramedianer Quaddelungen. Ein bis zwei vor- und nachzählige Segmente müssen mitbehandelt werden, da interneuronal auch diese bereits mit involviert sein können. Die Effektivität der Behandlung wird erhöht, wenn die medianen Quaddeln über den Procc. spinosi platziert und jeweils an das Periost der Dornfortsätze infiltriert werden. Paramedian wird durch die Quaddeln die meist verspannte Muskulatur infiltriert. Bei akuten Rückenproblemen ist angezeigt, zuerst intramuskulär zu infiltrieren, weil der relaxierende Effekt zu einer raschen Beschwerdelinderung führt und den Druck auf die Bandscheiben verringert. Segmentbehandlung eines Gelenkes Für die Segmentbehandlung von Gelenken wird eine Umquaddelung an der größten Gelenkszirkumferenz (Abstand der Quaddeln je nach Größe des Tieres 1–2½ cm) sowie eine Umquaddelung der jeweils proximal bzw. distal benachbarten Gelenke vorgenommen. Zusätzlich oder bei lediglich funktionellen Störungen (ohne pathomorphologisches Substrat) – z. B. des Knies – erfolgt eine Quaddelung dorsal median und paramedian in den Segmenten L 2/3–S1, wenn anamnestisch Hinweise auf Auffälligkeiten seitens der Beckenorgane bestehen.

Abbildung ABC: Schon geringe Anzeichen deuten auf ein orthopädisches Problem hin A: gleichmäßige Belastung der Hintergliedmaßen B: Schonhaltung – Entlastung der linken Hintergliedmaße

Neuraltherapie

Die einfachsten Methoden der Neuraltherapie sind streng intrakutane Quaddelungen oder i. m.-Infiltrationen, präperiostale Infiltrationen sowie gezielte Leitungsanästhesien. Hierbei werden lokale Schmerzpunkte, die segmentalreflektorisch über das Derma-, Myo-, Sklero-, Angio- oder Neurotom verbunden sind, therapeutisch genutzt und wirksam. Als Ansatzpunkte dienen die palpatorisch veränderten, verquollenen Segmente bzw. die druckschmerzhaften Maximalpunkte. Die Beeinflussung der Segmente schließt dabei natürlich auch das Viszerotom ein. Bei jeder Therapieplanung muss bedacht werden, dass sich orthopädische Probleme – auch die peripheren Geschehen in den Extremitäten – am Stammorgan aufgrund funktioneller und segmentaler Zugehörigkeiten manifestieren. So ist zum Beispiel bei chronischen Lahmheiten der Vorderextremitäten der thorakolumbale Übergang eine Region, die funktionell verknüpft ist (M. latissimus dorsi, teilweise auch der kaudale Anteil des M. trapezius), während die Region zwischen den Schulterblättern (LG12) segmental zugeordnet ist.

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Ausgabe 10-2012-04 l April 2012 l Neuraltherapie 31

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Akute Lahmheiten Nichts auf die lange Bank schieben! Jedes Trauma gehört therapiert, denn Prellungen der Muskeln, Gelenke und Knochen führen gefäßvermittelt über die sympathische Reaktion der perivaskulären Gefäßnetze zu Spätfolgen, die nach Monaten oder Jahren erst symptomatisch relevant werden und dann nur mit großem therapeutischen Aufwand behandelt werden können. Akute Beschwerden durch Zerrungen und Prellungen sind nach ein bis zwei Sitzungen und gleichzeitiger Schonung meist ausgeheilt. Nach einem Trauma sollte zumindest ein Schmerzmittel über mindestens eine Woche verabreicht werden und dann bei der Wiedervorstellung des Patienten auffällige Regionen neuraltherapeutisch nachbehandelt werden. Der durch die Neuraltherapie erreichte durchblutungssteigernde Effekt ermöglicht durch den verbesserten Stoffwechsel unter anderem auch verbesserte Reparationsvorgänge.

Entlastung heißt Überlastung Bei Arthrosen in den Vorderbeinen ist es wichtig, auf Grund der ganzheitlich-orthopädischen Untersuchung, die dauerhafte

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Abbildung ABC: Auch die Sitzposition gibt Hinweise auf ein orthopädisches Problem: A: physiologische Sitzhaltung B: Schonhaltung, die Hintergliedmaßen werden seitlich verschoben

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Neuraltherapie



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Überlastung durch Probleme in den Hintergliedmaßen auszuschließen. Primäre Ellbogengelenks- oder Schultergelenksarthrosen sind höchst selten. Viel häufiger kommen sie durch vermehrte Gewichtsoder Arbeitsübernahme aufgrund von Leistungsverlusten der Hinterextremitäten (z.  B. durch HD bzw. Coxarthrosen) zu Stande. Es schreit das Opfer, nicht der Täter! Durch Therapie des Täters (z. B. Hüftregion) werden die Vorderbeine entlastet (das Tier übernimmt wieder Vorwärtsschub und Gewicht hinten) andererseits wird auch das Opfer (z. B. Ellbogenarthrose oder Zehengrundgelenksarthrose) lokal therapiert. Solche funktionellen Abhängigkeiten bestehen zwischen vielen Abschnitten des Bewegungsapparates – am häufigsten natürlich bei chronischen und älteren Schmerzpatienten.

Mögliche Nebenwirkungen Die neuraltherapeutisch eingesetzten Lokalanästhetika haben eine vasodilatatorische Wirkung und können bei Erreichen von größeren verabreichten Mengen oder bei unbeabsichtigter i.v. Applikation zu einem raschen Blutdruckabfall führen. Nach der ersten Therapiesitzung ist es also angebracht, den Patienten noch ca. 15 Minuten

Neuraltherapie l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

zu beobachten. Des Weiteren kann es in den folgenden 24 bis 36 Stunden zu einer sogenannten Erstverschlimmerung kommen, was sich in einer Verstärkung der vorhandenen Symptomatik zeigt. Dies sollte man dem Patientenbesitzer mitteilen, weil es sonst zu unnötiger Aufregung kommt, mit dem Verdacht, der Tierarzt hätte etwas falsch gemacht. Die Erstverschlechterung löst sich von alleine auf und in der Regel ist dann die Symptomatik deutlich besser als vor der Behandlung.

Die neuraltherapeutische Quaddel hat auf Grund der stärkeren segmentalen Wirkung auch eine große Erstverschlimmerungspotenz. Darum wird sie bei akuten Bandscheibenpatienten mit Verdacht auf Protrusion durch die intramuskuläre Infiltration in die Stammmuskulatur und an die kleinen Wirbelgelenke ersetzt. Wie schon erwähnt führen diese Infiltrationen zu einer raschen Schmerzlinderung, Muskelrelaxation und daher Druckreduktion auf die Bandscheibe.

Weiterführende Literatur

Dr. Markus Kasper

Kasper M, Zohmann A (2007): Ganzheitliche Schmerztherapie für Hund und Katze. 1. Auflage, Sonntag Verlag Stuttgart Zohmann A, Kasper M (1994): Neuraltherapie in der Veterinärmedizin. 1. Auflage, Schlütersche Verlagsanstalt Hannover

Tierklinik & Tierheilzentrum Aspern Aspernstraße 130, A-1220 Wien [email protected]

Vorschau auf 03-2012 Lesen Sie in der nächsten Ausgabe die Fortsetzung der Themenreihe: Neuraltherapie bei Narbenstörungen

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Biologische Heilmittel Heel GmbH Dr.-Reckeweg-Straße 2-4; 76532 Baden-Baden; www.heel.de



Fortsetzung von Seite 11

Traditionelle Chinesische Medizin

Grundlagen der TCM – Teil 2

© ctl – leuchtisch.de

DVM Katrin Noack

Traditionelle Chinesische Medizin

In diesem zweiten Teil der Artikelreihe erfahren Sie mehr über die diagnostischen Grundlagen der TCM und die Einordnung erhobener Befunde in Syndrome.

D

ie Entstehung einer Krankheit wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin als Angriff verschiedener pathogener Faktoren auf das Qi des Körpers beschrieben. Entweder ist der pathogene Faktor so stark, dass er trotz eines guten Qi (Zheng Qi) den Körper krank macht oder es besteht gleichzeitig eine funktionelle Schwäche im Körper. Dann kann der pathogene Faktor leicht in den Körper eindringen und das angestrebte Gleichgewicht von Yin und Yang stören. Eine Krankheit wird manifest. Krankheit definiert sich also durch eine Disharmonie von Yin und Yang bzw. eine Störung des Qi- und Blutflusses im Körper. Um zu einer TCM Diagnose zu kommen, werden die Befunde, die der Arzt durch Sehen, Fragen, Palpieren, Hören und Riechen erhoben hat, in Syndrome/Muster eingeteilt. Zur Einordnung der Befunde werden verschiedene Kriterien herangezogen, die nicht immer alle gleichzeitig Verwendung finden, sondern abhängig von den erhobenen Befunden eingesetzt werden. Hierzu zählen: BA GANG Diagnostik (8 diagnostische Kriterien) ZANG FU Diagnostik

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Diagnostik nach Störungen von Qi, Blut und Körperflüssigkeiten Diagnostik nach den Meridianen Leibeshöhlendiagnostik Diagnostik nach den 6 Schichten – Kältekrankheiten Diagnostik nach den 4 Schichten (Wei, Qi, Ying, Blut)

Pathogene Faktoren Als Hilfsmittel dienen die pathogenen Faktoren. Die chinesische Medizin kennt sechs äußere pathogene Faktoren und fünf innere pathogene Faktoren. Zu den äußeren pathogenen Faktoren gehören der Wind, die Kälte, die Hitze, die Nässe, die Trockenheit und die Sommerhitze. Entsprechend ihrer Charakteristik können sie verschiedene Störungen verursachen. Sie dringen von außen nach innen in den Körper ein und stören den harmonischen Fluss von Qi und Blut. Sie können aber auch Organe schädigen. Die pathogenen Faktoren dienen einerseits als Beschreibung von Krankheitsursachen, andererseits aber auch zur Beschreibung von Symptomen innerer Erkrankungen. So könnte ein grippaler Infekt als Angriff von Wind und Kälte auf das Abwehr Qi beschrieben werden, andererseits kann ein Blutmangel zu Leber und Wind führen. Eine Übersicht der äußeren pathogenen Faktoren und ihrer Charakteristika ist in Tabelle xyz zusammengestellt.

Traditionelle Chinesische Medizin l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

8 diagnostische Leitkriterien – BA GANG Eine diagnostische Einordnung erfolgt nach den sogenannten 8 Leitkriterien - BA GANG (Tabelle xyz). Sie ermöglichen eine bessere Klassifizierung der beobachteten Symptome für eine differenzierte TCM-Diagnose. Mit ihrer Hilfe kann auch eine prognostische

Aussage getroffen werden über die Schwere und den Verlauf einer Erkrankung. Außerdem kann danach der Ort, die Art und Technik der Behandlung festgelegt werden. Eine typisches Außen - Fülle - Kälte - Syndrom wäre eine akute Erkältung mit Abneigung gegen Kälte, Frösteln und Nasenausfluss. Hier muss der pathogene Faktor Kälte eliminiert werden aus entsprechenden Meridianen, dann wird man schnell wieder gesund. Innere Organe sind nicht betroffen. Eine schon länger bestehender Husten mit gelblichem Auswurf, leichter Dyspnoe und evtl. Fieber wäre dagegen ein Innen - Leere - Hitze - Syndrom. Hier ist das Lungen Qi schwach und der pathogene Faktor konnte sich in der Lunge festsetzen. Hier muss der pathogene Faktor Hitze eliminiert werden und das Lungen Qi gestärkt werden. Hier ist ein inneres Organ schon betroffen und die Therapie dauert länger.

Grundlegendes Kriterium Lokalisation Quantität Qualität

Yin Innen Leere Kälte

Yang Außen Fülle Hitze

Tabelle xyz: die 8 diagnostischen Leitkriterien – BA GANG

Tabelle xyz: Äußere pathogene Faktoren und ihre Charakteristiken

Wind Yang Neigt zur Bewegung, wechselt leicht, flüchtig, häufig an oberer Körperhälfte

Kälte Yin Obstruiert, koaguliert, sinkt nach unten, zieht zusammen, verursacht Schmerz

Hitze Yang Verbrennt & steigt auf, schädigt die Körperflüssigkeiten, wirbelt Leber Wind und Blut auf

Nässe Yin Schwer und trüb, viskös und träge, sinkende Tendenz

Trockenheit Yang Schädigt die Körperflüssigkeiten, belastet die Lunge

Organbezug Besonderheiten

Leber Tritt meist zusammen mit anderen pathogenen Faktoren auf

Niere Kann auch durch Diätfehler verursacht werden (zu viel kalte Nahrung – Kühlschrank, Rohkost)

Herz Langanhaltende Pathogene Faktoren wandeln sich oft in Hitze um

Milz Aufgrund der Trägheit schwer zu beseitigen

Lunge Milz / Herz Zentralheizung Meist fieberhafte führt oft zu tro- Infekte ckener Luft, auch konsumierende Erkrankungen, Schwächung von Essenz und Blut im Alter

Beispiele für Krankheitszeichen, die durch den pathogenen Faktor verursacht werden

Urtikaria, Juckreiz, Kopfschmerz, Schwindel, Ticks, Tremor

Schüttelfrost mit Kälteaversion, Rhinitis mit klarem Sekret, klarer Urin, Durchfall, Gelenksteife, Nackensteife

Fieber, Obstipation, Zahnfleischbluten, Ulzera, Unruhe

Schweregefühl, Husten, Verstop- Dysenterie Polymyalgien, fung, trockenes Erbrechen, Fell Durchfall, Ödeme, Schwellungen (auch Gelenke)

Charakter Eigenschaften

Sommerhitze Yang Aufsteigend und verteilende Tendenz, mit Nässe verbunden

Ausgabe 10-2012-04  l  April 2012 l  Traditionell Chinesische Medizin 35

Traditionelle Chinesische Medizin

Zu den inneren pathogenen Faktoren gehören die Emotionen: Zorn / Wut: schädigen die Wandlungsphase Holz (Leber/Gallenblase) Freude: schädigt die Wandlungsphase Feuer (Herz/Dünndarm) Grübeln / Sorge: schädigen die Wandlungsphase Erde (Milz/Magen) Trauer / Kummer: schädigen die Wandlungsphase Metall (Lunge/Dickdarm) Angst / Furcht: schädigen die Wandlungsphase Wasser (Niere/Blase) So ist zum Beispiel bei sehr ängstlichen Tieren meist der Funktionskreis Niere gestört, der dann entsprechend mit Akupunktur, Kräutern u. a. gestärkt werden kann, um die Ängstlichkeit zu überwinden.



Fortsetzung von Seite 35

ZANG FU

Traditionelle Chinesische Medizin

Das System der ZANG FU Organe stellt das Hauptdiagnostikum in der TCM dar. Die ZANG Organe dienen in der ersten Linie der Speicherung von Qi, Blut und Essenz, die FU Organe haben einen Bezug nach außen und dienen der Aufnahme und dem Transport der Nahrung und der Ausscheidung (Tab. 12). Die Syndrome der ZANG FU basieren auf Krankheitszeichen, wenn Yin, Yang, Qi und Blut der inneren Organe sich nicht mehr im Gleichgewicht befinden. Entsprechend der Hauptfunktionen der jeweiligen Organe werden bestimmte Yin oder Yang Syndrome unterschieden. Die physiologischen Aufgaben und pathologischen Kennsymptome der ZANG FU Organe sind in den Tabellen xyz dargestellt. Die erhobenen Befunde werden dann wie ein Puzzle zusammengesetzt und ergeben ein Muster/Syndrom.

Tabelle xyz: ZANG FU

Beispiel Bei einem chronischen Husten können folgende Befunde erhoben werden: schon lange bestehender Husten mit schleimigwässrigem Auswurf, Inappetenz, Antriebslosigkeit, die Zunge hat Zahneindrücke, einen dicken schleimigen Belag, der Puls ist schlüpfrig. Die Chronizität spricht für eine Beteiligung der Zang Fu Organe. Inappetenz und Antriebslosigkeit sind ein Zeichen für Milz Qi Mangel, schleimiger Auswurf, schlüpfriger Puls

ZANG (Speicherorgane)

FU (Hohlorgane)

Herz (Xin)  Lunge (Fei)  Milz (Pi)  Leber (Gan)  Niere (Shen) 

Dünndarm (Xiao Chang) Dickdarm (Da Chang) Magen (Wei) Gallenblase (Dan) Blase (Pang Guang)

Umwandlung, Speicherung, Regulation von Qi, Blut, Essenz, Flüssigkeiten und Geist

Hohl, Aufnahme und Transport von Nahrung, Absorption, Umwandlung und Ausscheidung von Stoffwechselprodukten

YIN

YANG

Innen (im Verhältnis zu FU); Gekoppelt mit einem Fu Organ

Außen (im Verhältnis zu ZANG); Verbindung direkt mit außen

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und der Zungenbefund sind Zeichen für Nässe/Schleim. Husten ist ein Symptom der Lunge. Das ergibt das Muster/Syndrom eines Milz-Qi-Mangel mit Schleim-Nässe -Retention in der Lunge. Daraus ergibt sich die Therapieempfehlung: Schleim/Nässe muss aus der Lunge eliminiert werden und das Milz-Qi gestärkt werden. Die Therapie umfasst hier meist Akupunktur, chinesische Kräuter und diätetische Maßnahmen.

Meridiansyndrom Eine weitere diagnostische Einordnung stellt die Diagnose nach dem Meridiansystem dar. Meridiansyndrome beschreiben Veränderungen an den Meridianen – also eher außen, an der Körperoberfläche, im Bewegungsapparat, im Meridianverlauf. Es gibt 12 Hauptmeridiane, 8 außerordentliche Meridiane und eine Reihe von Kollateralen, Divergenzen und anderen Verbindungen. In den Meridianen kreisen Qi und Blut, so dass in erster Linie Qi und Blutzirkulationsstörungen Meridiansyndrome verursachen. Ursachen für Störungen sind das Eindringen pathogener Faktoren, traumatische Insulte, Mangel an Qi und Blut. Außerdem können sich Organstörungen der ZANG FU an der Körperoberfläche zeigen. Um eine entsprechende Diagnose zu stellen, ist es erforderlich einzuschätzen, ob es sich nur um ein äußeres Meridiansyndrom handelt oder sich Organstörungen an der Oberfläche zeigen. So kann es sich zum Beispiel bei einer Gonitis um ein reines Meridiansyndrom handeln (akutes Auftreten nach körperlicher Belastung, Zunge und Puls sind nicht verändert) oder aber um eine Störung der Niere (langsamer Beginn, zusätzlich Probleme der Lendenwirbelsäule, bestehende Inkontinenz, Zungen und Pulsveränderungen). Unter Zuhilfenahme der pathogenen Faktoren ergibt sich durch die Einordnung nach den BA GANG, der Zuordnung zu den ZANG FU und den Meridianen sowie der Beschreibung von Störungen von Qi und Blut eine chinesische Diagnose/Muster und diese stellt gleichzeitig die Grundlage für die Therapie dar.

Traditionelle Chinesische Medizin l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Herz

Dünndarm

Physiologie

regiert das Blut  I  kontrolliert die Blutgefäße und das Schwitzen  I  beherbergt den Geist Shen  I  öffnet sich in der Zunge und manifestiert sich im Gesicht

empfängt und verarbeitet die vorverdaute Nahrung und resorbiert die Nährsubstanzen und transportiert sie zur Milz  I  trennt verwertbare Substanzen von nicht verwertbaren Anteilen (auch im mentalen Sinn)  I resorbiert große Mengen an Wasser. Die trüben Anteile des Wassers werden weiter zur Blase geleitet

Pathologische Kennsymptome

Palpitationen, Ängstlichkeit  I  Schlafstörungen, mentale Unruhe  I  thorakale Beklemmungen, Brustschmerz  I Erstickungsgefühl I  Delirium, Bewusstlosigkeit

wenig, dunkelroter Urin  I  verzögerte Miktion  I  brennende Beschwerden  I Durchfall (Obstipation)

Lunge

Dickdarm

beherrscht das Qi und die Atmung  I  kontrolliert Leitbahnen und Blutgefäße  I  reguliert die Wasserwege  I  kontrolliert das Verteilen und Absteigen  I  kontrolliert Haut und Haare  I öffnet sich in der Nase Husten, Schleim Asthma, Kurzatmigkeit  I  heisere leise Stimme  I Hämoptysis I Brustschmerz

übernimmt die Nahrung und Flüssigkeiten vom Dünndarm  I  absorbiert restliche Flüssigkeiten, Ausscheidung mit dem Stuhl

Pathologische Kennsymptome

Verstopfung  I Durchfall I blutiger Stuhl  I  Stuhl mit Schleimauflagerungen

Milz

Magen

Physiologie

regiert Umwandlung und Transport  I  ist Quelle von Qi und Blut  I  kontrolliert das Blut  I  kontrolliert die Muskeln und die 4 Extremitäten  I  öffnet sich in den Mund und manifestiert sich in den Lippen  I  kontrolliert das aufsteigende Qi  I  beherbergt das Denken  I  zeigt sich in den Lippen

Nahrungsaufnahme und Fermentierung  I  Ursprung der Flüssigkeiten  I  kontrolliert das absteigende Qi  I  kontrolliert den Transport der Nahrungsessenzen

Pathologische Kennsymptome

Inappetenz, Antriebslosigkeit, weicher Stuhl, Durchfall  I Ödeme I  Blutungen Mattigkeit

Epigastrische Schmerzen  I Übelkeit I  Erbrechen  I Aufstoßen I Rülpsen

Leber

Gallenblase

beherrscht den freien Fluss von Qi und Blut  I  beherbergt das YIN Blut  I  kontrolliert Sehnen und zeigt sich auf den Nägeln  I öffnet sich in die Augen ziehende, brennende Schmerzen im Hypochondrium  I Benommenheit & Schwindel  I  Erregbarkeit, Ärger  I Händezittern  I Konvulsionen I  Störungen von Menses & Testis

speichert Galle  I  kontrolliert die Urteilskraft  I  kontrolliert die Sehnen Gelbsucht  I  bitterer (galliger) Mundgeschmack  I  Palpitationen durch Furcht  I Schlaflosigkeit

Niere

Blase

Physiologie

Die Hauptaufgabe der Nieren besteht in der Speicherung der Essenz, die Beherrschung der Speicherfunktionen des Körpers und die Reproduktion. Die Niere wird daher als Grundlage der angeborenen Konstitution betrachtet. Die Niere speichert Essenz und kontrolliert die Reproduktion. nimmt das Qi der Lunge auf  I  manifestiert sich im Haar  I produziert das Mark, füllt das Gehirn und die Knochen  I regiert das Wasser  I  öffnet sich in den Ohren  I  die Lumbalregion ist das Haus der Niere  I  das Nieren Qi kontrolliert das Öffnen und Schließen der unteren Öffner

speichert Harn und scheidet ihn aus  I als Yang Aspekt der Niere hat sie Bezug zum MING MEN  I  Unterstützt wird die Funktion der Blase ebenfalls noch durch den Dünndarm, um die Flüssigkeiten in der unteren Leibeshöhle zu bewegen

Pathologische Kennsymptome

Beschwerden lumbal und im Knie  I Benommenheit I Tinnitus, Taubheit  I Entwicklungsstörungen I Alopezie I Störungen des Zahnhalteapparates  I  Osteoporose & Osteogenesestörungen  I  nächtliche Pollutionen, Enuresis  I  vorzeitige Ejakulation & Impotenz, Sterilität

häufiges Harnlassen  I  starker Harndrang  I  schmerzhafte Miktion  I  Anurie  I Enuresis

Physiologie

Pathologische Kennsymptome

Weiterführende Literatur Focks C, Hillenbrand N (2000): Leitfaden Traditionelle Chinesische Medizin. 2. Auflage, Verlag Urban & Fischer, München und Jena Kubiena G (2000): Chinesische Syndrome verstehen und verwenden. 2. Auflage, Verlag Maudrich, Wien Van Nghi N (1996): Hoang Ti Nei King So Quenn („Lehrbuch des Gelben Kaiser“). Medizinisch Literarische Verlagsgesellschaft, Uelzen

DVM Katrin Noack Kleintierpraxis Cottbus Uhlandstraße 53, D-03050 Cottbus [email protected]

Tabellen xyz: Physiologische Aufgaben und pathologische Kennsymptome der ZANG FU Organe

Vorschau auf 03-2012 Lesen Sie in der nächsten Ausgabe die Fortsetzung der Themenreihe TCM: Grundlagen der Akupunktur

Ausgabe 10-2012-04  l  April 2012 l  Traditionell Chinesische Medizin 37

Traditionelle Chinesische Medizin

Physiologie



Fortsetzung von Seite 11

Dermatologie – Teil 2

Die zytologische Untersuchung

© Rosin Tiergesundheit GmbH

Dr. Monika Linek

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Das Präparat wird zunächst nach Keimen durchsucht, ob und welche Entzündungszellen vorhanden sind und ob es Hinweise auf eine primäre Erkrankung gibt. Hinweise auf eine bakterielle Infektion Viele Hauterkrankungen gehen mit Sekundärinfektionen durch Kokken, Stäbchen oder Malassezien einher (Abb. Abc a, b, c). Manche Tiere haben beides gleichzeitig oder nacheinander, manchmal auch abwechselnd Bakterien. Wenn diese in größerer Anzahl als normal gefunden werden, spricht das für eine bakterielle Überwucherung. Sind neutrophile Granulozyten vorhanden, die Bakterien phagozytiert haben, liegt eine Pyodermie vor. Bei Immunsuppression, z. B. beim Hyperadrenocortizismus, sind auffallend viele Bakterien zu finden, während bei tiefen, pyogranulomatösen Prozessen oft nur sehr

© Dr. Monika Linek

ie normale Haut und deren Besiedlung mit Keimen an den verschiedenen Lokalisationen sowie Kontaminanten sollten dem Beurteiler vertraut sein. An mukokutanen Übergängen ist eine gewisse Anzahl an Bakterien/Malassezien als normal anzusehen. Megabakterien wie Simonsiella (Abb. Abc) sind meist Kontaminanten. Makrokonidien werden von Dermatophyten auf der Haut nicht ausgebildet. Werden welche gefunden so stammen sie von Schimmelpilzen aus der Umgebung und haben keine klinische Relevanz (Abb. Abc).

Interpretation zytologischer Präparate

Abbildung abc: Simonsiella

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© Dr. Monika Linek

Diagnostik & Therapie

Die Hautzytologie ist eines der wichtigsten diagnostischen Hilfsmittel in der Dermatologie. Grundsätzlich wird eine Hautzytologie wann immer es möglich ist angefertigt und bei jeder Kontrolluntersuchung wiederholt. Die Probengewinnung wurde bereits ausführlich im ersten Teil der Artikelreihe erläutert, im Folgenden wird die Interpretation zytologischer Präparate vorgestellt.

Abbildung abc: Makrokonidie eines Schimmelpilzes

Diagnostik & Therapie l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Abb. 10: Gemischte Zellpopulation bei tiefer Pyodermie

Abbildung abc: Riesenzelle

© Dr. Monika Linek

weiter auf der nächsten Seite

© Dr. Monika Linek

sen Färbung darstellen. In der Diff-Quickfärbung sind sie nicht anfärbbar und daher mitunter lediglich durch intrazytoplasmatische „Schatten“ zu erkennen. Akantolytische Zellen sind hinweisend für einen Pemphigus foliaceus: die subkornealen und daher sehr fragilen Pusteln sind mit „gesund“ aussehenden neutrophilen Granulozyten gefüllt und enthalten eine größere Anzahl von akantholytischen Zellen. Dabei handelt es sich um Epithelzellen, die durch die Destruktion der Haftscheiben (Desmosomen) zwischen den Zellen des Stratum spinosum abrunden. Sie besitzen einen großen basophilen Kern und reichlich basophiles Zytoplasma (Abb. abc). CAVE! Akantozyten können bei jeder oberflächlichen Entzündung auftauchen, sowie bei oberflächlichen Pilzinfektionen (z.  B. Mikrosporum persicolor). Pusteln, die überwiegend Eosinophile, eventuell auch Makrophagen und nicht degenerierte Neutrophile und keine Mikroorganismen enthalten, geben einen Hinweis auf eine sterile eosinophile Follikulitis/ Furunkulose (Abb. Abc). Eosinophile bei der Katze sind allerdings wenig spezifisch und kommen als Reaktionsmuster bei so unterschiedlichen Ätiologien wie Parasiten, Dermatophyten, Viren und Hypersensitivitätsreaktionen vor. Eosinophile können

© Dr. Monika Linek

Hinweise auf mögliche primäre Erkrankungen Treten Riesenzellen auf, so ist von einem „schwerverdaulichen“ Agens, wie Pilzhyphen, Bakterien wie Mycobakterien, Actinomyceten oder Nocardien, Fremdkörpermaterial oder auch Parasiten auszugehen und intensiv danach zu suchen (Abb. Abc). Mycobakterien sind säurefeste Stäbchen und lassen sich nur durch die Ziehl Neel-

Abbildung abc: Malassezien

Diagnostik & Therapie

© Dr. Monika Linek

Abbildung abc: Stäbchen

wenige Bakterien vorhanden sind. Wenn bei tiefen Prozessen keine Bakterien gefunden werden, bedeutet das nicht, dass solche nicht vorliegen. Oft ist es dann sinnvoll eine bakterielle und mykologische Kultur aus steril entnommenem Gewebe anzulegen. Melaningranula der Hornschollen dürfen nicht mit bakterieller Besiedelung durch stäbchenförmige Bakterien verwechselt werden. Die beteiligten Entzündungszellen geben Hinweise auf die Tiefe der bakteriellen Infektion. Bei einer oberflächlichen Pyodermie liegen hauptsächlich neutrophile Granulozyten mit degenerativen Veränderungen vor. Eine tiefe Pyodermie zeigt eine gemischte Zellpopulation mit neutrophilen Granulozyten und Makrophagen, evtl. Plasmazellen, Lymphozyten und besonders bei Furunkulosen Eosinophilen (Abb. abc).

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Abbildung abc: Pyodermie mit vielen Kokken

Abbildung abc: Akantozyten

Ausgabe 10-2012-04  l  April 2012 l  Diagnostik & Therapie 39

Abbildung abc: Histiozytom

Abbildung abc: Mitosen

durch Teildegranulation neben den typisch eosinophilen Granula auch nur blassblaue Granula aufweisen. Einige Plasmazellen in einer gemischten Zellpopulation geben Hinweise, dass es sich um einen chronischen, meist infektiösen Prozess handelt. Lymphozyten als überwiegende Zellart in der Zytologie sind ungewöhnlich und deuten auf einen immunologischen Prozess hin. Viele und große Lymphozyten mit zum Teil veränderter Zellmorphologie und Mitosen treten beim epitheliotropen Lymphom auf (Abb. Abc a, b). Gelegentlich können auch spezielle Erreger gefunden werden wie Leishmanien (Abb. Abc), Sporotrix schenkei, Cryptokokken oder andere Erreger subkutaner Mykosen, die bei uns allerdings sehr selten sind. Um Neoplasien sicher beurteilen zu können, bedarf es sicher der meisten Übung (Abbildung abc). Um sich in die Materie einzuarbeiten, können Probenduplikate an einen erfahrenen Pathologen eingesandt werden, um so die

Diagnostik & Therapie

© Dr. Monika Linek

© Dr. Monika Linek

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Abbildung abc: Eosinophile Follikulitis

eigene Beurteilung zu überprüfen. Außer beim Vorliegen von Lipomen sollte auf die Bestätigung der Diagnose durch eine histologische Untersuchung nicht verzichtet werden. Bei Mastzelltumoren ist die Histologie für die Gradeinteilung und die Beurteilung der Schnittränder wichtig. Als wichtige Einschränkung der zytologischen Untersuchung ist zu berücksichtigen, dass nur die Zellen, die im Aspirat enthalten sind, beurteilt werden können. Besonders bei den mesenchymalen Tumoren erhält man oft kein relevantes Zellmaterial, auch wenn die Zubildung genau getroffen wird. Das Gleiche gilt für zellarme Flüssigkeitsansammlungen. Ein negativer zytologischer Befund ist kein sicherer Ausschluss einer Neoplasie. Ein weiterer einschränkender Aspekt ist die fehlende Möglichkeit Invasivität zu beurteilen, bei vielen Tumoren ein wichtiges Kriterium zur Unterscheidung von Malignität und Benignität. In vielen Fällen ist daher nur ein Verdacht möglich.

© Dr. Monika Linek

Weiterführende Literatur

Abbildung abc: Leishmanien

Cowell RL, Tyler RD, Meinkoth JH, DeNicola DB (2008): Diagnostic Cytology and Hematology of the Dog and Cat. 3rd Edition, Mosby

Dr. Monika Linek

© Dr. Monika Linek

Tierärztliche Spezialisten Rodigallee 85 / Holstenhofweg, D-22043 Hamburg [email protected]

Abbildung abc: Mastzelltumor

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Vorschau auf 03-2012 Lesen Sie in der nächsten Ausgabe ein Update zur Diagnostik und Therapie von Ektoparasiten

Diagnostik & Therapie l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

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Fortsetzung von Seite 11

Labordiagnostik – Teil 2

Interpretation des roten und weißen Blutbildes

© Rosin Tiergesundheit GmbH

Dr. Christiane Spennes

Diagnostik & Therapie

Bei der Interpretation des roten und weißen Blutbildes bei Hund und Katze ergeben sich zahlreiche wertvolle Hinweise auf eventuelle pathologische Vorgänge im Organismus. Dieser Artikel bietet einen kurzen Überblick über die physiologischen Verhältnisse und liefert eine Interpretationshilfe, welche Differentialdiagnosen der Tierarzt im Auge behalten und weiter verfolgen sollte.

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en größten zahlenmäßigen Anteil der im Blut enthaltenen Zellen bilden die Erythrozyten, sie liegen im Verhältnis 1:1000 zu den Leukozyten vor. Die kernlosen flachen Erythrozyten sind in erster Linie für den Sauerstofftransport im Blut zuständig und werden – wie alle anderen Blutzellen auch – im roten Knochenmark aus pluripotenten Stammzellen gebildet. Die mittlere Überlebenszeit der Erythrozyten ist abhängig von der Größe der Tiere. Je kleiner das Tier, umso schneller der Stoffwechsel und umso geringer die Überlebenszeit der roten Blutzellen. Auch der Anteil der unreifen Erythrozyten, der sogenannten Retikulozyten, ist bei kleineren Organismen physiologischerweise höher als bei großen Tieren. Bei Hund und Katze beträgt die mittlere Überlebenszeit der Erythrozyten ca. 70 Tage, bevor sie in der Milz abgebaut werden. Die zweite, in verschiedenste Zellformen differenzierte Gruppe der Blutzellen ist die

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der sogenannten „weißen Blutkörperchen“, der Leukozyten. Auch sie werden aus den pluripotenten Stammzellen des roten Knochenmarks gebildet. Aus diesen pluripotenten Stammzellen entwickeln sich im Rahmen der Zellreifung zwei verschiedene Stammzellenarten. Dies sind einerseits die sogenannten myeolotischen Stammzellen, aus denen die Vorläufer für Erythrozyten, Mastzellen, Granulozyten, Monozyten und Megakaryozyten hervorgehen. Aus den Megakaryozyten spalten sich später die Thrombozyten ab. Andererseits entwickeln sich die sogenannten lymphatischen Stammzellen, die B- und T- Lymphozyten sowie die natürlichen Killerzellen hervorbringen. Die Zellreifung ist in Abbildung abc dargestellt. Im Blut findet man nur ca. 5% des im gesamten Körper verteilten Leukozytenpools. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zwischen roten und weißen Blutzellen. Während Erythrozyten im Gefäßsystem im weitesten Sinne „gefangen“ sind, ist dieses für Leukozyten quasi ein Transportmedium, das sie an ihre eigentlichen Wirkungsstätten bringt. Granulozyten und Monozyten verbleiben im Zielgewebe, während Lymphozyten zwischen Geweben und Blut hin und her wandern können. Die Anzahl der Leukozyten im Blut gibt somit sichere Hinweise auf die aktuelle Abwehrlage des Organismus. Diagnostik & Therapie l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Parameter Hämatokrit

Referenzbereich Hund (l/l): 0,44 – 0,52

Referenzbereich Katze (l/l): 0,30 – 0,44

Hämoglobin MCH

Größe: 7,3 μm Anzahl (x1012): Hund 5,5 – 8,5 (g/l): 150 – 190 (pg): 20-25

Größe: 5,7 μm Anzahl (x1012): 5,0 – 11,5 (g/l): 90 – 150 (pg): 12,5-17,6

MCV MCHC

Hämoproteid mit zentralem zweiwertigem Eisenatom Hämoglobinkonzentration pro Einzelerythrozyt: wird auch „Färbekoeffizient“ bezeichnet Mittleres Corpusculäres Volumen (fl): 60 – 77 Berechnung: Hämatokrit / Erythrozytenanzahl Mittlere Corpusculäre Hämoglobinkonzentration: durch(g/l): 310 – 340 schnittliche Hg-Konzentration der Erythrozyten Berechnung: Hämoglobingehalt / Hämatokrit

Interpretation rotes Blutbild Die Parameter des roten Blutbildes sind in Tabelle xyz dargestellt. Erythrozyten Die Erythrozytenzahl kann erniedrigt oder erhöht sein. In der Tabelle xyz sind die möglichen Ursachen für eine Veränderung des roten Blutbildes zusammengefasst. Retikulozyten Retikulozyten sind unreife Erythrozyten, die als Reaktion auf eine Blutarmut aus dem Knochenmark freigesetzt werden. Man unterscheidet – besonders bei der Katze - die

aggregierten und die punktierten Retikulozyten. Die Ausdrücke aggregiert und punktiert beziehen sich hierbei auf die Ribosomenmenge in den Retikulozyten, die mit der Reifung der Zellen abnimmt und mittels Methylenblaufärbung sichtbar gemacht wird. Beim Hund finden sich hauptsächlich aggregierte Retikulozyten. Die Zählung dieser Zellfraktion lässt Rückschlüsse über den Grad der Neubildung der roten Blutkörperchen zu. Es ist allerdings nicht sinnvoll, lediglich den prozentualen Anteil der Retikoluzyten zu bewerten, da dieser Wert bei Anämie oft überschätzt wird, sondern es sollte immer auch die absolute Retikulozytenzahl berechnet werden. Die

(fl): 40-55 (g/l): 310 - 350

Tabelle xyz: Parameter des roten Blutbildes

Tabelle xyz: Mögliche Ursachen für eine Veränderung des roten Blutbildes

Hund

Katze

Erythrozytenzahl erniedrigt

Relativer Erymangel durch Infusionstherapie  I Akute Blutung oder Hämolyse  I  Antikörper gegen Stammzellen  I Hypothyreose I Hypoadrenokortizismus  I  Chron. Niereninsuffizienz  I  Vit B12 Mangel  I  Vit B6 Mangel  I Massiver Ektoparasitenbefall  I  Chron. Blutung in GI-Trakt oder Blase  I Hypophosphatämie I  Babesiose  I Cu-Intoxikation I Autoimmunhämolytische Anämie  I Hämoplasmeninfektion

Relativer Erymangel durch Infusionstherapie  I  FeLV- Infektion  I  Applikation von Chloramphenicol  I Hypothyreose I Hypoadrenokortizismus  I  Chron. Niereninsuffizienz  I Vit B12 Mangel  I  Vit B6 Mangel  I Massiver Ektoparasitenbefall  I  Chron. Blutung in GI-Trakt oder Blase  I Hypophosphatämie I Babesiose  I  Autoimmunhämolytische Anämie  I Hämoplasmeninfektion  I  Klysma mit Leitungswasser

Panzytopenie (Anzahl aller Blutzellen erniedrigt)

Lymphom  I  Zytostatika, Sulfonamide  I  Östrogenintoxikation  I Leishmaniose I Intoxikation mit Blei oder Thallium  I  Chronische Ehrlichiose

Lymphom  I  Zytostatika, Sulfonamide  I FeLVInfektion  I  Intoxikation mit Blei oder Thallium

Erythrozytenzahl erhöht

Relative Erhöhung durch Dehydratation  I Polycythaemia rubra vera  I  Erhöhte Erythropoetinproduktion durch Aufenthalt in großer Höhe  I  Erhöhte Erythropoetinproduktion durch Nierentumor  I Lungenödem  I Lungentumor I Larynxparalyse I Trachealkollaps  I  Brachiozephales Syndrom  I Pneumonie I DCM  I Aortenstenose I VSD I PDA I Pulmonäre arteriovenöse Fistel

Relative Erhöhung durch Dehydratation  I Erhöhte Erythropoetinproduktion durch Aufenthalt in großer Höhe  I  Erhöhte Erythropoetinproduktion durch Nierentumor  I Lungenödem I Lungentumor  I Larynxparalyse I Trachealkollaps I Pneumonie  I Aortenstenose I VSD I PDA I Pulmonäre arteriovenöse Fistel

Ausgabe 10-2012-04  l  April 2012 l  Diagnostik & Therapie 43

Diagnostik & Therapie

Erläuterung Verhältnis zwischen zellulären und flüssigen Blutbestandteilen Erythrozyten Blutzellen, die dem Sauerstofftransport dienen

Regeneration Keine Geringgradig Mittelgradig Hochgradig

Canine Retikulozyten

< 60 (x 109/l) 150 (x 109/l) 300 (x 109/l) > 500 (x 109/l)

Tabelle xyz : Beurteilung der caninen Retikulozytenantwort

Referenzwerte zur Beurteilung der caninen Retikulozytenantwort für den Hund sind in Tabelle xyz zusammengefasst. Prozentuale Retikulozytenzahl: Verhältnis Retikulozyten zu reifen Erythrozyten Abolute Retikulozytenzahl: Retikulozyten % x Erythrozytenzahl (l) Durch diesen Wert kann die Knochenmarkantwort bzw. die Erythrozytenregenerationsfähigkeit sehr gut bewertet werden. Ist die Erythrozytenzahl nicht bekannt, kann auch mit Hilfe des Hämatokritwertes der korrigierte Retikulozytenprozentsatz (KRP) berechnet werden.

Diagnostik & Therapie

Tabelle xyz: Parameter des weißen Blutbildes

KRP: Retikulozyten % x (Hkt % ÷ physiologischer Hkt %) (der physiologische Hkt wird hier beim Hund mit 45% veranschlagt)

Bei der Katze ist physiologisch eine größere Menge punktierter Retikulozyten vorhanden. Es ist wichtig, bei der Retikulozytenzählung der Katze die Anzahl der punktierten und aggregierten Retikulozyten gesondert aufzulisten. Wird dies nicht unterschieden, ist eine Interpretation nicht möglich. Die Reifung der aggregierten Form zu punktierten Retikulozyten dauert nur etwa 12 Stunden, während die punktierten Zellen sehr langsam über 10–12 Tage weiter heranreifen. Im Blut eines anämischen Tieres ist es also sehr wahrscheinlich, dass eine große Menge punktierter Retikulozyten zu finden ist. Die aggregierte Form ist aber auf jeden Fall mit zu beurteilen, um die Nachlieferung neuer Retikulozyten nachzuweisen. Referenzwerte gesunde Katze: 8,5-42 x 109/l aggregierte Retikulozyten 22,5-1270 109/l punktierte Retikulozyten

Parameter Leukozyten

Erläuterung kernhaltige Blutzellen mit Abwehrfunktionen

Neutrophile Granulozyten

größte Fraktion der Leukozyten; ihre Funktion ist die Phagozytose von Bakterien, Zelltrümmern und Fremdpartikeln im Gewebe; unreife Granulozyten haben noch keinen segmentierten Zellkern, man bezeichnet sie daher als „stabkernige Granulozyten“- eine sog. Linksverschiebung bedeutet einen deutlichen Anstieg ihres Anteils an der Gesamtgranulozytenzahl extrem kurze Aufenthaltsdauer im Blut (30 min); haben sehr ähnliche Funktion wie die Neutrophilen Granulozyten, allerdings geben sie die Inhaltsstoffe ihrer Granula in das umgebende Gewebe ab und können so auch Organismen, die zu groß zur Phagozytose sind, eliminieren kleinste Fraktion der Leukozyten; beteiligt an allergischen Reaktionen, geben Histamin und Serotonin ins Gewebe ab Aufenthaltsdauer im Blut einige Tage; nach Auswanderung in die Zielgewebe differenzieren sie zu Makrophagen; sie sezernieren über 100 verschiedene Proteine, u. a. Interleukin-1 und den Tumornekrosefaktor; sie sind wie die neutrophilen Granulozyten zur Phagozytose fähig, nur können sie dies deutlich länger. Außerdem spielen sie durch Antigenpräsentation eine wichtige Rolle für das spezifische Abwehrsystem des Körpers Blutzellen der spezifischen Abwehr, die sich in B-Zellen (zuständig für die humorale Immunreaktion), T-Zellen (zellvermittelte Immunreaktion) und die natürlichen Killerzellen aufgliedert. Da diese Zelllinien sich nur anhand ihrer Oberflächenmarker differenzieren lassen, werden sie im Blutbild als Gesamtpopulation gezählt. entstehen aus Megakaryozyt bei ihrem Weg aus dem Knochenmark ins Blut, aus einem Megakaryozyt werden ca. 1000 kernlose Blutplättchen mit einer Lebensdauer von nur 3-10 Tagen, was bedeutet, das pro Sekunde 2-5 Millionen Plättchen neu gebildet werden müssen!

Eosinophile Granulozyten

Basophile Granulozyten Monozyten

Lymphozyten

Thrombozyten

44

Referenzbereich (μl): Hund 6.000–16.000 Katze 5.000–20.000 (% der Gesamtleukozytenzahl): Hund 55–75 Katze 60–78

(% der Gesamtleukozytenzahl): Hund 0–4 Katze 0–4 (% der Gesamtleukozytenzahl): Hund 0-1  I  Katze 0-1 (% der Gesamtleukozytenzahl): Hund 0-4 Katze 0-4

(% der Gesamtleukozytenzahl): Hund 13–30 Katze 15-35

(109/l): Hund: 160-510 Katze: 230-680

Diagnostik & Therapie l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Neutrophile Granulozytenzahl erhöht ohne Linksverschiebung

Katze Bakterielle Infektion  I Autoimmunerkrankung  I Tumor

Chronische bakterielle Infektion  I Tumor  I Stress I Hyperadrenokortizismus I  Glukokortikoidgabe  I  Angeborene Funktionsstörung z. B. beim Irish Setter Neutrophile Granulozytenzahl erniedrigt Immunmediierte Neutropenie  I Sepsis I  Eitrige Prozesse mit Linksverschiebung

Chronische bakterielle Infektion  I  Tumor  I Stress I Hyperadrenokortizismus  I Glukokortikoidgabe

Neutrophile Granulozytenzahl erniedrigt Schock  I Knochenmarksschädigung I  Parvovirose  I  s. Panzytopenie rotes Blutbild ohne Linksverschiebung Parasitenbefall  I Allergie I DermatiEosinophile Granulozytenzahl erhöht tis  I Pneumonie I Mastzelltumor I Lymphom  I  Hypereosinophiles Syndrom  I Eosinophilenleukämie Parasitenbefall  I Anaphylaxie I  Basophile Granulozytenzahl erhöht Hyperlipidämie  I Basophilenleukämie Stress  I Hyperadrenokortizismus I GlukoMonozytenzahl erhöht kortikoidgabe  I Leishmaniose I Mykobakteriose  I Tumornekrose I Authämolytische Anämie  I Trauma I Monozytenleukämie  I  Myelomonozytäre Leukämie Lymphom  I Chylothorax I Staupe I ParvoviLymphozytenzahl erniedrigt rose  I Hyperadrenokortizismus I Glukokortikoidgabe  I Zytostatikagabe I Hyperadrenokortizismus  I Stress

Schock  I Knochenmarksschädigung

Lymphozytenzahl erhöht

Thrombozytenzahl erniedrigt

Thrombozytenzahl erhöht

Immunmediierte Neutropenie  I  Sepsis  I  Eitrige Prozesse

Parasitenbefall  I Allergie I Dermatitis  I Pneumonie I Mastzelltumor  I Lymphom I Hypereosinophiles Syndrom  I Eosinophilenleukämie Parasitenbefall  I Anaphylaxie I  Hyperlipidämie  I Basophilenleukämie Stress  I Hyperadrenokortizismus I  Glukokortikoidgabe  I Mykobakteriose  I Tumornekrose I Authämolytische Anämie  I Trauma I Monozytenleukämie  I  Myelomonozytäre Leukämie Lymphom  I Chylothorax I FeLVInfektion  I FIV-Infektion I Parvovirose  I Hyperadrenokortizismus I  Glukokortikoidgabe  I Zytostatikagabe  I Hyperadrenokortizimus I Stress HCC  I Hypoadrenokortizismus I ImpHyperthyreos  I Hypoadrenokortizisfung  I Ehrlichiose I  Lymphatische Leukämus  I Impfung I Stress I Lymphamie  I  Malignes Lymphom tische Leukämie  I  Malignes Lymphom Systemische Infektion  I AutoimmunerkranSystemische Infektion  I  kung  I Milztumor I Milztorsion I DIC I Blu- Autoimmunerkrankung  I Milztumor I  tung  I Östrogenintoxikation I RickettsioMilztorsion  I DIC I Blutung I  sen  I  s. Panzytopenie FeLV-Infektion  I Rickettsiosen Chemotherapie  I  Post Splenektomie  I HyChemotherapie  I  Post Splenektoperadrenokortizismus  I Glukokortikoidmie  I Hyperadrenokortizismus I  gabe  I Megakaryozytentumor I Massive Glukokortikoidgabe  I MegakaryozytenNeutrophilie tumor  I  Massive Neutrophilie

Interpretation weißes Blutbild In Tabelle xyz sind die Parameter des weißen Blutbildes und die Referenzbereiche bei Hund und Katze zusammengefasst. Mögliche Ursachen für Veränderungen im weißen Blutbild sind in Tabelle xyz dargestellt. Abschließend bleibt zu sagen, dass man im-

mer die Gesamtheit der Blutwerte (Blutbild, klinische Chemie, gegebenenfalls Spezialuntersuchungen) interpretieren sollte – und dabei auch die klinische Untersuchung des Tieres berücksichtigt werden muss. Nur die Auswertung aller verfügbaren Informationen in Kombination ermöglicht eine umfassende Diagnosestellung.

Tabelle xyz: mögliche Ursachen für Veränderungen im weißen Blutbild

Dr. Christiane Spennes Schürkesweg 1, D-40670 Meerbusch [email protected]

Weiterführende Literatur Kraft W, Dürr UM (2005): Klinische Labordiagnostik in der Tiermedizin. 6. Auflage Schattauer Verlag, Stuttgart Nelson RW, Couto CG (Hrsg.): Innere Medizin der Kleintiere. 1. Auflage, Urban & Fischer, München/Jena Weiss D, Tvedten H (2006): Veränderungen des roten

Blutbildes. In: Willard MD, Tvedten H (Hrsg.): Labordiagnostik in der Kleintierpraxis. 1. Auflage, Urban & Fischer, München/Jena: 43-50 Yin SA, Nolte I (2004): Praxisleitfaden Hund und Katze. 1. Auflage, Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover

Vorschau auf 03-2012 Lesen Sie in der nächsten Ausgabe die Fortsetzung der Themenreihe: Interpretation von Elektrolytverschiebungen

Ausgabe 10-2012-04  l  April 2012 l  Diagnostik & Therapie 45

Diagnostik & Therapie

Neutrophile Granulozytenzahl erhöht mit Linksverschiebung

Hund Bakterielle Infektion  I Autoimmunerkrankung  I Tumor I  Überstandene Parvovirose



Reptilien – Teil 2

Fortsetzung von Seite 11

Haltungs- und Fütterungsanforderungen von Reptilien © istock Josh Lewis Photography

Kornelis Biron

Reptilien sind mittlerweile beliebte Haustiere und werden somit auch immer häufiger in der Tierarztpraxis als Patienten vorgestellt. Nur mit einem fundierten Wissen über die Haltungs- und Fütterungsansprüche sowie mögliche Krankheiten der einzelnen Tierarten sind eine fachgerechte Behandlung des Tierarztes und vor allem Beratung des Tierhalters möglich.

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I

m ersten Teil der vierteiligen Artikelreihe wurden einige der am häufigsten in der Tierarztpraxis vorgestellten Reptilienarten kurz beschrieben. Der zweite Teil befasst sich mit wichtigen Aspekten der Haltungsanforderungen dieser Arten. Ein großer Teil der Erkrankungen von Reptilien ist haltungsbedingt und kann nur durch eine artgerechte Haltung und nicht durch medizinische Maßnahmen verhindert werden. Es sei darauf hingewiesen, dass nur ein Teil der notwendigen Informationen wiedergegeben werden können, komplette Informationen zur Haltung auch nur einer Art würden den Rahmen dieser Artikelreihe sprengen.

Wärme, Licht und Vitaminversorgung Reptilien sind poikilotherm, also „wechselwarm“ und somit „solarbetrieben“. Für die Aufrechterhaltung ihres Stoffwechsels und die zur Aktivität notwendige Temperatur (POTZ= preferred optimal temperature zone) ist die Absorption von Wärme von außen notwendig. Eine ausreichende Beheizung ist also unbedingt erforderlich, um den Wärmeanforderungen der einzel46

nen Arten zu entsprechen. Die Beheizung sollte nach Möglichkeit nur von oben über Leuchtmittel und nicht über Heizkabel oder Heizmatten erfolgen, um eine naturnahe Situation darzustellen und Verbrennungen zu vermeiden. Idealerweise befinden sich die Wärme- und Lichtquellen in einem für die Tiere nicht erreichbaren, durch Drahtgaze abgetrennten Lampenkasten über dem Terrarium. Wichtig ist jedoch neben mindestens einem Sonnenplatz die Schaffung eines Temperaturgradienten, also einer wärmeren und einer kühleren, jeweils auch mit Versteckmöglichkeiten ausgestatteten Zone im Terrarium, so dass die Tiere die Wärmezufuhr selbst regulieren können. Voraussetzung für eine artgerechte Haltung, eine gesunde Entwicklung und Gesunderhaltung der Tiere sind außerdem ein Tag-/Nacht-Rhythmus sowie eine Veränderung der Jahreszeiten (inklusive Veränderung der Feuchtigkeitsverhältnisse) und bei vielen Arten die Durchführung einer Winterruhe. Insbesondere bei tagaktiven Arten ist eine gute UV-Beleuchtung unbedingt notwendig. Da Reptilien durch spezielle Zapfen im UV-Bereich sehen können, wäre ein Mangel an UVA-Licht eine Einschränkung des Sehvermögens und somit des Wohlbefindens. Lebensnotwendig zur Vitamin D-Synthese ist jedoch das UVB-Licht. Um die ausreichende Versorgung sicherzustellen und die Defizite auch der hochwertigen „Reptilienlampen“ auszugleichen, empfiehlt sich eine zusätzliche Bestrahlung mit einem starken UV-Strahler (Osram Ultravitalux® 300 W, 30 min/Tag, 50 cm ZiVet Spezial l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Abstand). Die Versorgung mit Vitaminpräparaten ist sinnvoll, kann aber selbst bei nacht- oder dämmerungsaktiven Arten die UVB-Bestrahlung nur selten ersetzen. Außer bei Schlangen ist eine Kalziumquelle (z.  B. gebröselter Sepiaschulp in einer Schale, bzw. im ganzen Stück in Schildkrötengehegen/Aquarien) ad libitum anzubieten. Bei Schlangen ist auch die UVB-Beleuchtung von untergeordneter Bedeutung, da ihnen durch die Fütterung ganzer Wirbeltieren ausreichend Vitamin D mit der Nahrung geliefert wird.

Fütterung Die Fütterung muss der energiesparenden Lebensweise (Reptilien müssen im Gegensatz zu Säugetieren nicht den größten Teil der aufgenommenen Energie für die Aufrechterhaltung ihrer Körpertemperatur verwenden) und dem in der Haltung in Gefangenschaft geringen Energieverbrauch angepasst sein. Eine nach menschlichem Empfinden ausreichende Fütterung führt zu Verfettung, Leber- und Nierenerkrankungen und stellt einen der häufigsten Fehler in der Terraristik dar. Die Fütterung von Schlangen sollte stets in einer kleinen separaten Kiste erfolgen. Die Akzeptanz wird so stark erhöht und es besteht keine Gefahr der Fremdkörperaufnahme oder Verbeißungen mehrerer Schlangen. Nur in den ersten Lebensmonaten ist eine wöchentliche bis zweiwöchentliche Fütterung empfehlenswert. Um kein zu schnelles Wachstum, vor allem aber keine Verfettung der Tiere zu provozieren, sollte die Frequenz auf einmal pro Monat reduziert werden. Die Verdauung selbst stellt für den Schlangenorganismus eine große Belastung dar. Um möglichst schnell große Beutetiere verdauen zu können und somit wieder voll beweglich zu sein, wird das Herzvolumen kurz nach der Nahrungsaufnahme vergrößert, um eine bessere Durchblutung des Verdauungstraktes sicherstellen zu können. Die Futtertiere sollten selbst wohlgenährt sein und vor der Tötung gerade eine hochwertige Mahlzeit zu sich genommen haben, so dass wertvoller Darminhalt auch der Schlange zur Verfügung steht. Frostfutter sollte nicht nur auf-

getaut, sondern auch erwärmt sein, um die Akzeptanz und die Verdaulichkeit zu verbessern. Wegen der besseren Zusammensetzung sind adulte Futtertiere jüngeren vorzuziehen. Eine Nahrungsverweigerung bei Königspythons ist oft darauf zurückzuführen, dass der Uringeruch von Mäusen und Ratten für diese aus Trockengebieten stammenden Schlangen unappetitlich ist. In diesen Fällen eignen sich z. B. Vielzitzenmäuse oder Gerbils als Alternative. Insektenfresser sollten nicht täglich und niemals bis zur Sättigung gefüttert werden. Vielmehr ist auf hochwertiges Futter zu achten, d. h. die Insekten sollten wohlgenährt und mit einem Vitaminpräparat eingestäubt sein. Nach mehrstündigem Entzug von Feuchtfutter und Wasser kann den Insekten vor der Verfütterung ein Brei aus Sepiaschulppulver und Wasser angeboten werden, um sie mit Kalzium anzureichern. Larven („Mehlwürmer“, Wachsmottenlarven etc.) sind wegen schlechter Verdaulichkeit und hohem Fettgehalt entgegen der weit verbreiteten Meinung als Futtertiere schlecht geeignet, insbesondere für geschwächte Tiere. Eine Ausnahme stellt die Soldatenfliegenmade dar, die sogar einen hohen Kalziumgehalt aufweist. Bei Bartagamen und anderen Gemischtköstlern ist der Insektenanteil vom Schlupf an auf ein Minimum zu reduzieren; eine einmalige wöchentliche Gabe einzelner Futtertiere ist mehr als ausreichend. Die Verfütterung von Babymäusen ist weder notwendig noch sinnvoll. Pflanzenfresser sollten täglich gefüttert werden. Hierbei ist jedoch auf eine energie- und eiweißarme Ernährung zu achten. Auf Obst und Gemüse, einschließlich Möhren, sollte weitestgehend verzichtet werden. Für rein herbivore Arten, deren Verdauung in Dick- und Blinddarm stattfindet, würde dieses nicht nur ein Übermaß an Energiezufuhr darstellen, sondern sogar zu Verdauungsstörungen führen. Wiesenkräuter (Löwenzahn, Wegerich etc.) stellen für alle eine gute Nahrungsquelle dar. Der Anbau der kalziumreichen Kapuzinerkresse ist für Halter pflanzenfressender Reptilien einschließlich Chamäleons empfehlenswert. Auch die Blüten können ebenso wie Gänseblümchen und Löwenzahnblüten als

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Fortsetzung von Seite 47

Leckerbissen gereicht werden. Salate sind meist ungünstig zusammengesetzt, so dass hier vorrangig Römersalat in Frage kommt. Landschildkröten sollten einen besonders hohen Rohfaseranteil in der Nahrung haben, Heu oder „Heucobs“ sind ein gutes Grundfutter. Für Wasserschildkröten ist die kleine Wasserlinse (Lemna minor) ein hervorragendes, sich selbst vermehrendes Futter. Hier sollte jedoch je nach Art etwa die Hälfte der Nahrung aus Insekten, Regenwürmern oder Fisch (möglichst nicht gefroren, nicht ausgenommen und nicht filetiert) bestehen.

rakter. Sie ziehen es vor, sich zurückzuziehen und fühlen sich in engen kleinen Höhlen wohl. Das Terrarium sollte nicht zu groß und mit vielen Versteckmöglichkeiten eingerichtet sein. Häufig werden feines Holzgehäcksel oder Rindenstücke als Bodengrund verwendet. Dies ist jedoch nicht durchweg geeignet, da diese Substrate keine Feuchtigkeit speichern können. Königspythons dürfen zwar zur Vermeidung von Hauterkrankungen nicht zu feucht gehalten werden, ein lehmiger Boden käme dem natürlichen Untergrund aber näher und verbessert die klimatischen Bedingungen.

Schlangen (Tab. xyz)

Die Kornnatter Wegen ihrer geringen Haltungsansprüche ist die Kornnatter ein ideales „Einsteigertier“. Da die Schlangen gern klettern, sollte das Terrarium höher als breit und mit viel Geäst ausgestattet sein. Als Bodengrund ist ein Gemisch aus Erde oder Kokosfaser mit grobem Spielsand ideal, dieses kann Feuchtigkeit in der Tiefe speichern. Die Schlangen bevorzugen die feuchten Unterseiten von Steinplatten, Rinden und Tonschalen als Versteckmöglichkeit. Auch umgedrehte Blumentöpfe werden gerne angenommen. Wichtig ist die Durchführung einer Winterruhe.

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Schlangen können einzeln oder in Gruppen gehalten werden. Bei Baumpythons empfiehlt sich jedoch die Einzelhaltung um Verletzungen durch Aggressionen vorzubeugen. Starke Größenunterschiede vergesellschafteter Tiere sind zu vermeiden. Das Geschlechterverhältnis ist irrelevant, eine Trennung der Tiere im Herbst verbessert jedoch die Paarungsbereitschaft im Frühjahr. Bei Kornnattern trägt auch die Anwesenheit eines zweiten Männchens hierzu bei. Schlangen werden häufig, wenn sie zu reinen Zuchtzwecken gehalten werden in Racks („Schubladenhaltung“) gehalten. Zwar ist diese Methode zur Aufzucht und effektiven Unterbringung geeignet, entspricht aber nicht den Vorstellungen einer artgerechten Haltung und ist nicht unbedingt mit dem Tierschutzgesetz vereinbar. Der Königspython Königspythons haben einen scheuen Cha-

Abbildung abc: Fütterung einer Boa im Geäst seines Terrariums

48

Der grüne Baumpython Auch für den grünen Baumpython ist ein Bodengrund notwendig, der Feuchtigkeit in der Tiefe speichern kann und so das Klima im Terrarium stabilisiert. Die recht scheuen Tiere liegen tagsüber auf geeigneten Ästen, vorzugsweise im hinteren Bereich des Terrariums, sichtgeschützt durch Pflanzen. Diese einschließlich der Tiere sollten zweimal täglich eingesprüht werden. Baumpythons haben einen sehr hohen Feuchtigkeitsbedarf und müssen durch Tropfenablagerungen auf Haut und Blättern immer wieder zum Trinken angeregt werden. Da im Geäst keine Gefahr der Fremdkörperaufnahme besteht, müssen die stressempfindlichen Tiere zur Fütterung nicht aus dem Terrarium genommen werden. Die Abgottschlange Boas haben einen höheren Feuchtigkeitsbedarf als Königspythons, was bei der AusZiVet Spezial l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Tierart Königspython

Futter Fütterung in einer kleinen separaten Kiste; erste Lebensmonate alle 7-14 Tage, anschließend 1 x pro Monat; Futtertiere = wohlernährt und eher adult, Frostfutter: auftauen + erwärmen; Futterverweigerung: eher Vielzitzenmäuse oder Gerbils verfüttern

Haltung Einzel-/ Gruppenhaltung, Geschlechterverhältnis irrelevant; Terrarium: kleines Terrarium, viele Versteckmöglichkeiten, Bodengrund: lehmiger Boden

Kornnatter

Fütterung in einer kleinen separaten Kiste; erste Lebensmonate alle 7-14 Tage, anschließend 1 x pro Monat; Futtertiere = wohlernährt und eher adult, Frostfutter: auftauen + erwärmen

Einzel-/ Gruppenhaltung, Geschlechterverhältnis irrelevant Terrarium: höher als breit, viele Äste, Bodengrund: Gemisch aus Erde/ Kokosfaser mit grobem Spielsand (Feuchtigkeitsspeicher), Steinplatten, Rinden und Tonschalen als Versteckmöglichkeit (umgedrehte Blumentöpfe); Winterruhe durchführen

grüner Baumpython

Fütterung in einer kleinen separaten Kiste; erste Lebensmonate alle 7-14 Tage, anschließend 1 x pro Monat; Futtertiere = wohlernährt und eher adult, Frostfutter: auftauen + erwärmen

Einzelhaltung, Geschlechterverhältnis irrelevant; Terrarium: Bodengrund der Feuchtigkeit speichert, Äste und Pflanzen Sonstiges: 2x tgl. einsprühen (Pflanzen + Tier)

Abgottschlange

Fütterung in einer kleinen separaten Kiste; erste Lebensmonate alle 7-14 Tage, anschließend 1 x pro Monat; Futtertiere = wohlernährt und eher adult, Frostfutter: auftauen + erwärmen

Einzel-/ Gruppenhaltung, Geschlechterverhältnis irrelevant ; Terrarium: Äste, Bodengrund der Feuchtigkeit speichert, großes Terrarium

Echsen (Tab xyz)

Bei Arten mit noch höheren Feuchtigkeitsansprüchen wie den Phelsumen, grünen Leguanen und Chamäleons bietet sich ein Gemisch aus Kokosfaser und Sand an, welches Wasser ausreichend speichern kann, ohne zu Staunässe zu führen.

Für die hier vorgestellten Echsenarten gilt, dass sie alleine oder in Gruppen gehalten werden können. Eine Ausnahme bildet das Chamäleon, hier ist eine Einzelhaltung unbedingt notwendig. Das Weibchen darf ein Männchen nur zur Paarung zu Gesicht bekommen. Bei den anderen Echsen darf sich jedoch auch immer nur ein männliches Tier im Terrarium befinden, da es sonst zu Kämpfen und Dauerstress bei den Tieren kommt. Als Bodengrund bei Bartagamen und Leopardgeckos hat sich einfacher Spielsand bewährt. Zugesetztes Lehmpulver hat einen positiven optischen Effekt und verstärkt die Konsistenz des Substrates, hat aber durch Staubablagerungen und Verklumpungsgefahr an den Zehen auch negative Eigenschaften. In jedem Fall sollte die Schicht hoch genug sein (mindestens 10 cm), so dass sie in der Tiefe Feuchtigkeit speichern kann. Nur so kann ein optimales Klima aufrechterhalten werden, so dass Häutungsprobleme und insbesondere bei den Bartagamen, die meist kaum trinken, Nierenprobleme vermieden werden können.

Die Bartagame & der Leopardgecko Diese beiden „Wüstenbewohner“ sind relativ anspruchslose Tiere und auch für Anfänger in der Terraristik geeignet. Bei den tagaktiven Bartagamen ist eine intensive UVB-Beleuchtung unbedingt erforderlich. Viele Exemplare, insbesondere unter den Bartagamen, sind neugierig und können sehr zahm werden, so dass ein kurzzeitiges (wenige Minuten!) Herausnehmen aus dem Terrarium problemlos möglich ist. Das Terrarium muss mit mehreren flachen Steinhöhlen und idealerweise mehreren Sonnenplätzen ausgestattet sein. Um einzelne Weibchen nicht zu sehr zu belasten, ist eine Gruppenhaltung ratsam. Anders als Bartagamen haben Leopardgeckos die pflegerfreundliche Eigenschaft, ihren Kot nur in einer Ecke des Terrariums abzusetzen. Die Durchführung einer Winterruhe (Verkürzung der Beleuchtungszeit im Herbst, „Abschalten“ des Terrariums und langsames „Hochfahren“ im Frühjahr) ist wichtig. Die Nahrungsaufnahme wird in dieser Zeit von den Tieren eingestellt, oft bleiben sie mehrere Wochen im Sand vergraben.

Tabelle xyz: Zusammenfassung der Haltungs- und Fütterungsanforderungen ausgewählter Schlangen

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wahl des Bodengrundes zu beachten ist. Sie sind insgesamt agiler und klettern mehr. Eine Vergesellschaftung der Arten ist keinesfalls ratsam (Abb. Abc).

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Fortsetzung von Seite 49

Insbesondere Männchen können durch ihr ausgeprägtes Territorialverhalten außerhalb des Terrariums zu unangenehmen Mitbewohnern werden, auch wenn viele Leguane zeitweise sehr zahm und zutraulich erscheinen und bei artgerechter Haltung nicht nur imposante sondern auch dankbare Pfleglinge sein können.

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Abbildung abc: Fütterung eines Chamäleons: die Futteranreichung in einem undurchsichtigen Kunststoffbecher verringert die Verletzungsgefahr und die Aufnahme von Fremdkörpern

Tabelle xyz: Zusammenfassung der Haltungs- und Fütterungsanforderungen ausgewählter Echsen

Tierart Bartagame

Leopardgecko

Grüner Leguan

Chamäleon

Taggecko

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Der grüne Leguan Grüne Leguane sind keineswegs als Anfängertiere geeignet. Hauptsächlich ist der enorme Platzbedarf der Faktor in der Haltung, der nicht umgesetzt werden kann. Die Tiere benötigen viel Frischfutter, viel Licht (einschließlich UVB-Strahlung), viel Wärme und Feuchtigkeit. Für die Haltung eignet sich ein eigener Raum, idealerweise auch mit einem Badebecken mit Abfluss, das gern zum Kotabsatz verwendet wird. Rückzugs- und stabile Klettermöglichkeiten müssen für die Tiere zur Verfügung stehen. Verletzungen bei plötzlichen panikartigen Fluchtversuchen müssen vermieden werden. Ein zu kleines Terrarium kann nicht durch Freilauf ausgeglichen werden.

Futter energie- und eiweißarme Fütterung; >80% herbivor (Löwenzahn, Römersalat etc.) Insekten in Maßen (Heuschrecken etc.), keine Larven, Fastentage einlegen, Calcium = Sepiaschulpkrümel in einer Schale tierische Nahrung (Heuschrecken etc.), mit Vitaminpräparat eingestäubt, Calcium = Sepiaschulpkrümel in einer Schale nur pflanzliche Nahrung, Calcium = Sepiaschulpkrümel in einer Schale

Das Chamäleon Die scheuen Chamäleons sollten, auch wenn einzelne Tiere recht zutraulich werden können, in einem mit vielen Versteckmöglichkeiten in Form von Gebüsch eingerichteten Terrarium gehalten werden. Chamäleons können nur die Bereiche des Terrariums nutzen, das durch Klettermöglichkeiten für sie erreichbar ist. Ein ausreichender Abstand zu den Lampen ist dabei einzuhalten. Mittels Tropftränke, sowie Pipette und Sprühnebel (niemals auf das Tier selbst) sollten Chamäleons immer wieder zum Trinken angeregt werden. Eine Freihaltung im Zimmer wird oft durchgeführt, doch ist dies der Gesundheit der Tiere nicht zuträglich. Insgesamt sind Chamäleons für Anfänger nicht geeignet, werden jedoch im Zoofachhandel regelmäßig an diese verkauft. Bei der Fütterung empfiehlt sich das

Haltung Gruppenhaltung jedoch nur 1 Männchen; Einzelhaltung: nur Männchen; Besatzdichte: max. 5 Tiere; Boden: Spielsand (mind. 10 cm hoch); Beleuchtung: UVA/UVB, zusätzliche UVB- Bestrahlung, Wärme: Grundtemperatur 25-35°C, Sonnenplatz: 45°C; Innenausstattung: Steinhöhlen, Sonnenplätze, Klettermöglichkeiten, Wasserschale, keine Kunsstoffpflanzen Terrariumgröße: P. vitticeps: mind. 150 cm x 50 cm (Einzelhaltung)/P. henrylawsonii: mind. 150 cm x 50 cm (Einzelhaltung); Winterruhe Gruppenhaltung jedoch nur 1 Männchen; Boden: Spielsand (mind. 10 cm hoch); Beleuchtung; Innenausstattung: Steinhöhlen und mehrere Sonnenplätze; Terrariumgröße: mind. 100 cm x 50 cm; Winterruhe

Einzel- oder Gruppenhaltung, jedoch nur 1 Männchen; Beleuchtung: UVA/UVB, zusätzliche UVB- Bestrahlung; Boden: Gemisch aus Kokosfaser und Sand ; Terrarium: sehr groß oder ein ganzer Raum; Ausstattung: viel Feuchtigkeit, Badebecken, Klettermöglichkeiten 2-3x / Woche füttern, Futter in Allgemein: Einzelhaltung; Beleuchtung: UVA/UVB, zusätzliche UVB- Bestrahlung; undurchsichtigem Kunststoff- Boden: Gemisch aus Kokosfaser und Sand; Ausstattung: Viele Versteckmöglichbecher anbieten Jemenchamä- keiten (Gebüsch), Tropftränke/ Pipette oder Sprühnebel (nicht das Tier ansprühen); leon: gelegentlich pflanzliche Terrariumhaltung Nahrung (Löwenzahn usw.) tierische und pflanzliche Gruppenhaltung jedoch nur 1 Männchen; Beleuchtung: mit UVA/UVB, zusätzliche Nahrung UVB- Bestrahlung; Boden: Gemisch aus Kokosfaser und Sand; Ausstattung: Babumsröhrchen (waagerecht & senkrecht)

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Nordamerikanische Wasserschildkröte

Futter energiearm und rohfaserreich (keine tierischen Bestandteile)

Haltung Freilandhaltung; Ausstattung: Steinerne überschwemmungsgeschützte Verstecke; Winterruhe: schon im 1. LJ (Kühlschrank) pflanzliche & tierische Nahrung; Teich / Aquarium; Landteil: grabfähig (weibliche einseitige Nahrung von Schildkröten- Tiere) und blickdicht, Beheizung: nicht notwendig futtersticks, Bachflohkrebsen oder (Wassertemperatur nie über der Lufttemperatur); BeFisch vermeiden, da sonst Verfettung leuchtung mit UVA/UVB Licht auch als Wärmequelle; und Mangelerkrankungen Winterruhe: kühler Raum

Anbieten des Futters in einem undurchsichtigen Kunststoffbecher, da ansonsten die Gefahr besteht, dass die Zunge an einem Ast hängenbleibt, Fremdkörper mit aufgenommen werden können oder es bei Fütterung mittels Pinzette zu Faserrissen in der Zunge kommt (Abb. Abc). Insbesondere das Jemenchamäleon sollte auch gelegentlich pflanzliche Nahrung (Stücke von Römersalatblättern oder Löwenzahn) angeboten bekommen. Eine intensive UVB-Bestrahlung ist bei den meisten Arten notwendig. Der Taggecko Phelsumen benötigen feuchtigkeitsspeichernden Bodengrund (z.  B. KokosfaserSand-Gemisch), auch wenn sie diesen kaum aufsuchen. Als Versteckmöglichkeiten sind Bambusröhren senkrecht und waagerecht zu installieren. In diese werden auch die Eier geklebt (im Gegensatz zu Leopardgeckos, Bartagamen, Chamäleons (von ovoviviparen Arten wie dem Helmchamäleon abgesehen) und grünen Leguanen, die die Eier im feuchten Substrat vergraben). Taggeckos sind nicht dazu geeignet, aus dem Terrarium genommen zu werden. Bei der Pflege des Terrariums muss sogar darauf geachtet werden, dass die flinken Scheibenläufer nicht entweichen. Beim Wiedereinfangen oder sonstigem Handling ist besondere Vorsicht geboten, da die feine Haut der Geckos leicht einreißt und es schnell zu großem Substanzverlust kommen kann. Mangelt es an UVB-Beleuchtung, erkranken Phelsumen schnell an Rachitis.

Schildkröten Europäische Landschildkröten Ohne die Möglichkeit einer Freilandhaltung, zumindest in einem Gehege auf dem Balkon, ist es kaum möglich europäische Landschildkröten ohne schwerwiegende

Erkrankungen zu halten. Im Idealfall befinden sich die Tiere das ganze Jahr draußen und werden nur zur Winterruhe, die unbedingt schon im ersten Lebensjahr durchgeführt werden muss, in einem Kühlschrank untergebracht. Steinerne überschwemmungsgeschützte Verstecke müssen zur Verfügung stehen, ein Frühbeetkasten als „Wintergarten“ bietet eine sinnvolle Ergänzung im Gehege. Die Nahrung muss energiearm und rohfaserreich sein und darf keinerlei tierische Bestandteile enthalten, da es sonst zu einer übermäßigen Nierenbelastung kommen würde, das gelegentliche Verspeisen eines Regenwurmes lässt sich jedoch nicht verhindern. Nordamerikanische Wasserschildkröten Viele Arten lassen sich im Teich halten, sollten jedoch in einem kühlen Raum überwintert werden. Auch Tiere, die in einem Aquarium gehalten werden, sollten die Möglichkeit zur Winterruhe haben. Die meisten Arten sind vorwiegend herbivor mit einem zusätzlichen Anteil an tierischer Nahrung. Die überwiegende Verfütterung von Schildkrötenfuttersticks, Bachflohkrebsen (Gammarus) oder Fisch führt zu Verfettung und Mangelerkrankungen. Eine Beheizung des Wassers ist nicht notwendig und sogar schädlich, wenn die Wassertemperatur die der Luft überschreitet. Um Erkrankungen von Haut und Panzer zu vermeiden, müssen die Tiere sich viel an Land aufhalten können. Hierfür ist ein blickgeschützter Landteil zum Sonnen notwendig, der nach Möglichkeit und unbedingt bei der Haltung von weiblichen Tieren auch grabfähig sein sollte. Die Wasserqualität lässt sich durch Zugabe von 1-2g unjodierten Meersalzes pro Liter (!) Wasser sowie durch „Beimpfung“ des Bodengrundes mit etwas Schlamm aus einem gesunden Teich positiv beeinflussen.

Tabelle xyz: Zusammenfassung der Haltungs- und Fütterungsanforderungen ausgewählter Schildkröten

ZiVet Spezial

Tierart Europäische Landschildkröten

Weiterführende Literatur www. reptilientierarzt.de

Kornelis Biron Beethovenstr.6, D-40233 Düsseldorf [email protected] www.reptilientierarzt.de

Vorschau auf 03-2012 Lesen Sie in der nächsten Ausgabe die Fortsetzung der Themenreihe Reptilien: Diagnostische Möglichkeiten bei Reptilien

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Fortsetzung von Seite 11

Hygienemanagement – Teil 2

Die Wahl des richtigen Desinfektionsmittels

Quelle: istock

Dr. Markus Spies

Praxismanagement

Desinfektion ist die gezielte Inaktivierung bestimmter Krankheitserreger, beziehungsweise die Abtötung pathogener Erreger zur Vermeidung einer Infektion. Bei der Auswahl des Desinfektionsmittels ist nicht nur das Wissen über die potentiell vorkommenden Keime relevant sondern auch, mit welchen Wirkstoffen präventive und abtötende Maßnahmen möglich sind.

I

m ersten Artikel dieser Reihe sind die vier grundlegenden Säulen der Desinfektion vorgestellt (Hände-, Haut-, Flächen-, Instrumenten-/ Gerätedesinfektion) und praktische Maßnahmen aufgezeigt worden. In diesem Teil wird nun erläutert, welche Wirkstoffe zur Auswahl stehen und wo und wie diese einzusetzen sind. Bei der Auswahl des richtigen Produktes spielt neben dem Wirkungsspektrum auch die Materialverträglichkeit bzw. die Applikation und natürlich die Toxizität für Mensch, Tier und Umwelt eine entscheidende Rolle. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Desinfektion und Hygiene werden dargestellt, da sie vor allem zum Schutz des Mitarbeiters eine hohe Relevanz in der Auswahl des richtigen Produktes haben.

52

sichtbaren Verschmutzungen entfernt und die Oberfläche von allen anorganischen und organischen Stoffen und eingeschlossenen Mikroorganismen gereinigt. Durch die Reinigung wird der Keimgehalt bereits reduziert und das Gebiet für eine gezielte Desinfektion vorbereitet. Der Bereich Desinfektion wird mit dem Begriff der chemischen Desinfektion gleich gesetzt. Die Wirkstoffe führen in der Regel durch eine chemische Reaktion zur Inaktivierung von Mikroorganismen und sind aufgrund ihrer universellen Einsatzmöglichkeiten für die meisten Indikationen in der Desinfektion und Hygiene der tierärztlichen Praxis einsetzbar und gebräuchlich.

Wirkstoffe und Einsatzgebiete

Vorbereitung

An das optimale chemische Desinfektionsmittel sind aufgrund der vielfältigen Anforderungen und das breite Einsatzspektrum folgende Anforderungen zu stellen: breites Wirkungsspektrum (viruzid, bakterizid, fungizid, sporozid, parasitizid) kurze Einwirkzeit zuverlässig und irreversibel weitgehend hitze-, kälte- und lichtbeständig verträglich für Mensch, Tier und Umwelt

Bevor eine gezielte Desinfektion stattfinden kann, muss eine grundlegende Reinigung die anschließenden Hygienemaßnahmen einleiten. Bei der Reinigung werden alle

Da es keinen umfassend geeigneten Wirkstoff gibt, werden verschiedene Desinfektionsmittel für die unterschiedlichen Indikationen eingesetzt. Praxismanagement l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Aldehyde: Formaldehyd, Glutaraldehyd, Glyoxal Aldehyde reagieren mit der Amino- und Amidgruppe von Zellproteinen und bilden Methylgruppen, welche die Zellwand der Mikroorganismen und damit das osmotische Gleichgewicht stören. Außerdem binden Aldehyde speziell bei Viren an Nukleinsäuren und inaktivieren diese. Aldehyde führen zur Inaktivierung von Bakterien, Pilzen, Viren und Sporen. Allerdings variiert die antimikrobielle Wirkung stark mit dem pH-Wert, der Temperatur (bei Kälte langsamer), der Konzentration und der Einwirkdauer. Aldehyde können zu allergischen Reaktionen und zur Reizung von Schleimhäuten führen und haben teils einen stechenden Geruch. Eine kanzerogene oder mutagene Wirkung ist bisher nicht bewiesen. Aufgrund ihrer Reaktion mit Proteinen verlieren Aldehyde in Anwesenheit von Eiweiß ihre Wirkung (Eiweißfehler). Aldehyde werden vor allem in der Flächendesinfektion und zur Desinfektion von thermolabilen Geräten eingesetzt. Alkohole: Ethanol, Propanol, Isopropanol Alkohole führen zu einer Denaturierung von Eiweißen vegetativer Organismen. Bei Bakterien verläuft dies sehr schnell, bei Viren erheblich langsamer. Alkohol sollte nie unverdünnt sondern in einer Konzentration von 60-80 % eingesetzt werden. Bei einer Konzentration von unter 30 % ist Alkohol wirkungslos. Das Wirkungsspektrum ist bakterizid und (begrenzt) viruzid. Die Alkohole zeichnen sich durch einen sehr schnellen Wirkungseintritt aus. Auch hier hängt die Wirksamkeit, wie bei den meisten Desinfektionsmitteln, von der Umgebungstemperatur ab. Diese nimmt bei niedrigeren Temperaturen zunehmend ab.

Das Einsatzgebiet ist vor allem die Hautund Händedesinfektion aber auch in der Flächen- und Gerätedesinfektion werden die verschiedenen Alkohole verwendet. Alkohole haben den Nachteil, dass sie sich schnell verflüchtigen und eine Brandgefahr von ihnen ausgehen kann. Außerdem können sie zur Austrocknung der Haut führen und sollten in der Händedesinfektion daher in Kombination mit pflegenden Lotionen oder Cremes verwendet werden. Halogene – Jodophorme: PVP-Jod, Jodtinktur, Lugolsche Lösung Jodophore sind seit langem bekannte Wirkstoffe. Es sind hochmolekulare polymere Verbindungen mit Anlagerungen von elementarem Jod. Sie wirken durch starke Oxidation des Jods und führen zur Denaturierung der Proteine. Außerdem wird der Elektronentransport in der Atmungskette von Mikroorganismen zerstört. Dadurch haben Jodverbindungen eine sehr umfassende Wirkung und sind bakterizid, (begrenzt) viruzid, fungizid und sporozid. Jodophore werden vor allem in der Hautund Wundantiseptik eingesetzt und haben einen sehr raschen Wirkungseintritt. Allerdings verliert Jod in niedriger Konzentration, bei zu hohem pH-Wert und in Anwesenheit von Eiweißen an Wirkungsstärke. Auch bei zu hohen Temperaturen kommt es zu Wirkungsverlusten. Quarternäre Ammoniumverbindungen (Quats) Quarternäre Ammoniumverbindungen wirken über eine irreversible Bindung an Phospholipide und führen zur Porenbildung der Membran. Dadurch wird das Zellmilieu gestört. Außerdem kann die Ammoniumverbindung durch die Poren eindringen und zur Proteindenaturierung führen. Quats haben ein relativ breites Wirkungsspektrum im Bereich Bakterien und Sporen, hingegen sind Pilze und Viren weniger empfindlich. Häufig werden Quats zur Oberflächendesinfektion speziell im Bereich der Lebensmittelgewinnung eingesetzt. Quaternäre Ammoniumverbindungen haben eine gute Reinigungs- und Tiefenwirkung und sind schonend für Oberflächen.

Praxismanagement

Die am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe können in folgende Gruppen eingeteilt werden: Aldehyde Alkohole Halogene – Jodophorme Quarternäre Ammoniumverbindungen (Quats)

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Ausgabe 10-2012-04  l  April 2012 l  Praxismanagement 53

Desinfektionsmittel Alkohole Aldehyde Jod Quats Chlor/Chlorabspalter Phenole Säuren Laugen Guanide amphotere Verbindungen Sauerstoffabspalter

Praxismanagement

Tabelle xyz: Wirksamkeit der wichtigsten Desinfektionsmittel (Müller und Schlenker 2004)

Bakterien ++ ++ ++ + ++ ++ ++ ++ + ++ ++

Viren +/+/++ +/++ +/++ ++ +/+/++

Pilze + + +/+ +/+/++ ++ ++ ++

Allerdings haben sie starke Seifen- und Eiweißfehler und verlieren bei stark saurem Milieu ihre Wirkung. Neben diesen Hauptgruppen der Desinfektionswirkstoffe gibt es noch weitere Verbindungen wie Chlor und Chlorabspalter, Sauerstoffabspalter, Laugen, Säuren, Phenole, amphotere Verbindungen und Guanide auf welche nicht detaillierter eingegangen wird. Das Wirkungsspektrum ist in der Tabelle xyz dargestellt. Da keines der aufgeführten chemischen Desinfektionsmittel eine umfassende Wirkung hat, bzw. nicht für alle Anwendungsgebiete geeignet ist, ist es unerlässlich entsprechend der Indikation verschiedene Desinfektionsmittel einzusetzen. Ein großes Problem in der Tiermedizin speziell im Bereich der nicht-Lebensmittelliefernden Tiere - ist, dass viele Keime, auf welche die Wirksamkeit der Desinfektionsmittel getestet ist, humanmedizinische Referenzkeime sind. Daher ist es in manchen Fällen wie Parvovirose oder diversen parasitären Erkrankungen (z. B. Giardien) nicht möglich eine definitive Wirkung der Wirkstoffe auszuloben. In diesen Fällen ist es sinnvoll, ein Mittel auszuwählen, welches im Falle viraler Erkrankungen absolut viruzid ist (RKI Listung) und die Mittel entsprechend den Herstellerangaben längst möglich einwirken zu lassen.

Material-, Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit Ein wichtiges Auswahlkriterium für Desinfektionsmittel ist die Verträglichkeit vor allem für die Anwender, aber auch für die zu behandelnden Oberflächen. 54

Sporen ++ ++ ++ +/++ +/++

Optimaler pH-Wert 4–9 4–8 5–9 6–9 3–9 3–7 7–9 7–9 5–9 3–5

In der Flächendesinfektion werden häufig alkoholische Präparate zur Desinfektion des Behandlungstisches oder auch kleinerer Flächen (z.  B. Ultraschallgerät) eingesetzt. Oft wird das Mittel durch eine Sprühdesinfektion über der Fläche vernebelt und verbleibt als Aerosol im Raum. Um gesundheitliche Schäden und Risiken für den Anwender zu vermeiden, sollte man zu adäquaten Darreichungsformen wie Desinfektionsschaum greifen (z.  B. Meliseptol Foam V). Mit dieser Darreichungsform werden die Alkohole nur auf der Oberfläche verteilt, erreichen ihre volle Konzentration auf der Fläche und können dort einwirken, ohne dass der Anwender Aerosole inhaliert. Ähnlich wichtig ist es, Präparate auszuwählen, welche die Oberfläche des zu behandelnden Materials nicht angreifen. Oft kommt es durch unsachgemäße Anwendung oder durch die Auswahl des falschen Desinfektionsmittels speziell in der Geräte- und Instrumentenaufbereitung zu Schäden am Material mit Korrosion an metallischen Gegenständen oder Rissen an flexiblen Geräten. Es ist unabdingbar, die Herstellerangaben des jeweiligen Präparates zu beachten und speziell bei komplexen medizinischen Geräten oder Motoren nur empfohlene und auf diese Geräte getestete Mittel einzusetzen.

Gesetzliche Regelung In der Tiermedizin sind einige Gebiete, die in der Humanmedizin durch Verordnungen streng reguliert sind, teilweise eine gesetzliche Grauzone. Anders ist dies im Bereich der Desinfektion und Hygiene. Zum einen existiert eine „Amtliche Desinfektion“ welPraxismanagement l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

www.berliner-fortbildungen.de

che als staatliche Bekämpfung von Tierseuchen angeordnet werden kann und erst mit Erlöschen der Seuche beendet wird. Zum anderen gibt es die „Prophylaktische Desinfektion“. Das Infektionsschutzgesetz definiert dafür nicht detailliert vorgeschriebene Maßnahmen, gibt allerdings Vorgaben für den Einsatz speziell wirksamer Mittel. Daneben existieren diverse Richtlinien und Gesetze, welche vor allem den Schutz der Mitarbeiter in den Vordergrund stellen und damit die Übertragung von Infektionen auf den Menschen und sekundär auch die Übertragung auf den Patienten verhindern sollen. Diese Gesetze geben meist keine Empfehlung, welches Desinfektionsmittel für welchen Bereich eingesetzt werden soll und darf, sondern geben Rahmenbedingungen vor und verweisen dann auf spezifische Desinfektionsmittellisten für Produkte die auf Wirkung, Toxizität und Umweltverträglichkeit getestet worden sind.

Infektionsschutzgesetz „Zweck des Gesetzes ist es, übertragbaren Krankheiten beim Menschen vorzubeugen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und ihre Weiterverbreitung zu verhindern“ (§1). In diesem Gesetz werden nicht nur die Anzeige- und Meldepflicht bei erfolgter Infektion geregelt, sondern auch eine adäquate und sinnvolle Prävention und Maßnahmen gegen eine Weiterverbreitung von Infektionen. Dabei wird auf die Richt- und Leitlinien des Robert Koch Institutes (RKI) verwiesen. Gleichzeitig werden Empfehlungen zum Umgang mit nosokomialen Infektionen gegeben. Arbeitsschutzgesetz/Berufsgenossenschaft Das Arbeitsschutzgesetz und die Berufsgenossenschaftliche Vorschrift BGVA1 regeln den Schutz des Mitarbeiters vor berufsbedingten Gefahren und schädigenden Belastungen. Für tiermedizinische Berufe ist

Veterinärmedizinische Seminare in Berlin Chirurgie-Workshops

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Für Tierärzte: Amputations-Workshop Chirurgie Basiskurs: Präparations- und Nahttechniken Chirurgie am Auge Chirurgie am Ohr Kastration bei Hund und Katze Knie Workshop 1: Patellaluxation und extrakapsuläre Kreuzbandtechniken Knie Workshop 2: TTA – Tibial Tuberosity Advancement Notfallchirurgie Osteosynthese Rekonstruktive Chirurgie Weichteilchirurgie: Harntrakt Kater Für Tiermedizinische FA: OP-Assistenz OP-Nachsorge Wartung und Pflege von Instrumenten und Geräten Für praktische Übungen ist viel Zeit eingeplant.

Weitere Infos sowie Anmeldemöglichkeiten finden Sie unter www.berliner-fortbildungen.de

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Praxismanagement



Fortsetzung von Seite 55

speziell die TRBA 250 (Technische Regeln für biologische Arbeitsstoffe) verbindlich und damit zu beachten. In diesem Gesetz werden die Schutzmaßnahmen für Angestellte in der Tiermedizin dargestellt und definiert. Neben baulichen und technischen Maßnahmen werden Vorgaben für die zu benutzenden Desinfektionsmittel gegeben: „Die Desinfektion ist mit einem geprüften und für die in Frage kommenden Mikroorganismen wirksam befundenen bzw. anerkannten Desinfektionsmittel durchzuführen“. Dabei verweist die TRBA 250 auf folgende Listen für Desinfektionsmittel: VAH Liste: Liste der Desinfektionsmittel-Kommission im Verbund für angewandte Hygiene (VAH) e.V. in Zusammenarbeit mit Fachgesellschaften, bzw. Berufsverbänden auf Basis der Standardmethoden der DGHM (Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie) zur Prüfung chemischer Desinfektionsverfahren. RKI: Liste der vom Robert Koch Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und Verfahren. DVG Liste: Liste der nach Richtlinien der DVG (Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft) geprüften Desinfektionsmittel für die Bereiche Lebensmittel und Tierhaltung (Handelspräparate)

Die Listen geben Auskunft über geprüfte und wirksame Mittel im Bereich: Händewaschung Händedesinfektion Hautantiseptik Flächendesinfektion Instrumentendesinfektion Wäschedesinfektion

Dr. Markus Spies

Vorschau auf 03-2012

B. Braun Vet Care GmbH Am Aesculapplatz, D-78532 Tuttlingen [email protected]

Die aufgeführten Mittel werden nach entsprechenden Prüfprotokollen an spezifischen Referenzkeimen getestet und die Wirksamkeit mit folgenden Begriffen dargestellt: viruzid begrenzt viruzid bakterizid tuberkulozid mycobakterizid fungizid/sporozid (antiparasitär) Die Listen und Verbände stehen oft in enger Zusammenarbeit mit den herstellenden Firmen und verweisen dementsprechend in den publizierten Listen auf das jeweils produzierende Unternehmen. Daher ist es meist möglich eine Übersicht der Produkte vom Hersteller zu erhalten, die sehr leicht zeigt, welche Mittel für welches Anwendungsgebiet welche Potenz und Wirkung haben und nach welchen Prüfverfahren diese getestet und damit gelistet sind.

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe die Fortsetzung der Themenreihe Hygienemanagement: Hygiene und Lagerung von Instrumenten

Weiterführende Literatur Rockhoff J (2006): Vergleichende Untersuchung von Alternativmethoden zur Desinfektionsmittelprüfung nach DVGRichtlinie. Dissertation, Universität Leipzig Gefährdungsbeurteilung in der Tiermedizin; Erstveröffentlichung 07/2006, Stand 09/2008 © 2006 Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege – BGW, TRBA250, Ausgabe: November 2003, Änderung und Ergänzung Juli 2006 (bundesarbeitsblatt 7-2006, S. 193), Ergänzung April 2007, GMBl Nr. 35 v. 27. Juli 2007, S. 720, Änderung und Ergänzung November 2007, GMBl Nr.4 v. 14.02.2008, S. 83 Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG) IfSG, Ausfertigungsdatum: 20.07.2000; Vollzitat: „Infektionsschutzgesetz vom 20. Juli 2000 (BGBl. I S. 1045), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 28. Juli 2011 (BGBl. I S. 1622) geändert worden ist“, Stand: Zuletzt geändert durch Art. 1 G v. 28.7.2011 I 1622, Strauch D, Böhm R (2002): Reinigung und Desinfektion in der Nutztierhaltung und Veredelungswirtschaft. 2. Auflage Enke Verlag, Stuttgart

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Praxismanagement l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Unsere Autoren VetMed Studium und Promotion in München (Fachgebiet Verhaltenskunde)  l  Master of Science in Tierverhaltenstherapie an der Uni Southampton  l niedergelassen in eigener Praxis  l  seit 2000 ausschließlich Verhaltenstherapie

Bildquelle: ©privat

Dr. Renate Jones-Baade

Bildquelle: BHV

Sabine Häcker Studium FU Berlin bis 1999  l  danach selbstständig in der Verhaltenstherapie bei Hund und Katze  l  seit 2010 Projektleiterin des Projekts „Qualitätssicherung in der Blindenführhundausbildung“ beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV)

Dr. Katharina Andreas Bildquelle: leuchtisch

Studium der Veterinärmedizin an der FU Berlin bis 2001 l  Promotion in Parasitologie und Tropenveterinärmedizin  l  seit 2010 Asisstentin bei Rosin Tiergesundheit

Studium VMU Wien  l  Inhaber Tierklinik & Tierheilzentrum Aspern  l  Leiter 1. Schmerzambulanz für Hunde und Katzen  l  FTA für Akupunktur / Neuraltherapie (Ö)

Verlagshinweise

Bildquelle: leuchtisch

Dr. Markus Kasper

DVM Katrin Noack

Bildquelle: ©leuchtisch.de

Bildquelle: leuchtisch

Veterinärmedizinstudium in Leipzig bis 1990  l Kleintierpraxis in Cottbus seit 1993  l  Schwerpunkt: TCM l Heilpraktikerin seit 2001

Dr. Monika Linek Studium an der TiHo Hannover  l  Dipl. ECVD  l seit 2001 Leitung der Überweisungspraxis „Tierärztliche Spezialisten“ Hamburg  l  Schwerpunkt: Dermatologie

Studium von 1997-2002 an der FU Berlin  l Promotion an der Uni Leipzig  l  seit 2004 Assistenztierärztin in Berlin  l  Schwerpunkte Innere Medizin und Ultraschall

Bildquelle: privat

Dr. Christiane Spennes

Bildquelle: privat

Kornelis Biron Studium in Leipzig  l  seit 2003 niedergelassen in Düsseldorf  l  Schwerpunkte und Leidenschaft: Reptilien, Vögel und andere „Exoten“

Studium in Gießen und Nantes  l  2003–2007 tätig in verschiedenen Kleintierpraxen und Kliniken  l  ab 2007 bei B.Braun Vet Care/Aesculap

Bildquelle: privat

Dr. Markus Spies

Ausgabe 10-2012-04  l  April 2012 l  Verlagshinweise 57

ROYAL CANIN Tiernahrung & Co. KG . Hohenstaufenring 47-51 . 50674 Köln firmenportrait - Die Menschen hinter demGmbH Label

Qualität durch Know-how Seit über 40 Jahren steht für ROYAL CANIN das Wohl des Tieres im Mittelpunkt aller Aktivitäten, mit dem Ziel, die Lebensqualität unserer Hunde und Katzen zu verbessern. Fundiertes Wissen über die wahren Ernährungsbedürfnisse sowie Respekt vor der Natur von Hund und Katze sind unabdingliche Voraussetzungen für die Entwicklung maßgeschneiderter Ernährungskonzepte. Wir sprachen mit DVM Jens Lindenberg, Marketing und Vertriebsleiter.

Interview

Sie sind Marketing- und Vertriebsleiter Vetcare der Firma Royal Canin in Deutschland. Wie war Ihr Weg zu Ihrer heutigen Aufgabe? Nach einer Berufsausbildung in der Landwirtschaft, dem Grundwehrdienst in der Armee, dem vergleichsweise späten Abitur und der Approbation zum Tierarzt begann ich 1990 meine berufliche Karriere in der Industrie im Außendienst eines niedersächsischen Tiernahrungsherstellers, der Effem GmbH. Bereits zwei Jahre später übertrug man mir die Aufgabe, den Grundstein für das Geschäft mit Tiernahrung in den Staaten der GUS zu legen. Von Moskau aus bewarb ich mich drei Jahre später auf die Stelle des Vetcare Managers bei der Masterfoods GmbH (ehem. Effem) in Verden. Der Ortswechsel von der Aller an den Rhein erfolgte aufgrund der Fusion der Veterinärabteilungen von Masterfoods und ROYAL CANIN im Frühjahr 2003. Hier bei ROYAL CANIN verantworte ich den Bereich Vertrieb, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Mit inzwischen 17 Jahren Berufserfahrung gehöre ich inzwischen zu den wohl dienstältesten Vertriebs- und Marketingleitern der Branche. Wie viele Mitarbeiter vereinen Sie unter Ihrem Dach und wie hat sich Ihre Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahren entwickelt? Als weltweit agierendes und dynamisch wachsendes Unternehmen haben wir die 58

Mitarbeiterzahl in der letzten Dekade auf inzwischen ca. 5.000 fast verdoppelt und erwarten eine ähnliche Entwicklung für die nächsten 10 Jahre. In Deutschland sind ca. 170 Mitarbeiter beschäftigt ungefähr die Hälfte davon für das Sortiment, das ausschließlich Tierarztpraxen angeboten wird. Firmen werden heute oft auf internationaler Entscheidungsebene geführt. Wie viel Chancen hat Royal Canin in Deutschland, auf die nationalen Bedürfnisse der Tierärzte einzugehen? Eine der Unternehmensstärken ist gewiss das Nutzen kollektiver Intelligenz. Die Entwicklung neuer Produktkonzepte erfolgt in international zusammengesetzten Arbeitsgruppen bzw. es werden die Spezialisten aus den verschiedenen Regionen konsultiert. Betrachtet man z. B. die Fütterungsgewohnheiten von Tierhaltern sind allein im europäischen Maßstab starke Unterschiede auffällig, wie z. B. die intensive Verwendung von Feuchtnahrungen in der Katzenfütterung in Deutschland. Die ebenfalls gemeinsam erarbeiteten Kommunikationskonzepte und Serviceleistungen werden von den lokalen Teams noch einmal an die Gegebenheiten und Bedürfnisse der individuellen Märkte angepasst bzw. komplett neu entwickelt. Aus Deutschland stammen z. B. Entwicklungen wie die ROYAL AKADEMIE – das sehr komplexe Interview l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

© ctl – leuchtisch.de

firmenportrait firmenportrait -- Die Die Menschen Menschen hinter hinter dem dem Label Label

Macht Ihnen die tägliche Herausforderung Ihres Berufes Spaß? Was motiviert Sie und Ihre Mitarbeiter? Beim Rückblick zu den Ursprüngen der klinischen Diätetik in Deutschland Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre fällt auf, dass diätetische Lösungen nur sehr zögerlich Einzug in die hiesige Lehre - und hier meine ich sowohl in die Referate als auch in Fachbücher - gefunden haben. Dass sich das inzwischen verändert hat, nicht nur im Bereich der Therapie von Patienten mit dermatologischen, urologischen oder gastro-intestinalen Problemen, sondern auch bei den weniger häufig gestellten Diagnosen, wie Diabetes bei Hund und Katze oder bei Knochen und Gelenkserkrankungen der Katze, motiviert ungemein. Ein Grund dafür sind gewiss die Vielzahl der publizierten Studien und Fachliteratur von ROYAL CANIN/WALTHAM, die auch auf internationalen Kongressen (ESVCN, ECVIM) Beachtung finden und selbstverständlich der tägliche Beweis des Nutzens in tausenden deutschen Tierarztpraxen. Auf den Industrieausstellungen führender Kongresse trifft man Sie und Ihre Mitarbeiter an Ihrem Messestand und dann fast immer im Gespräch: welchen Stellenwert hat diese Kundennähe? ROYAL CANIN ist bekannt für seinen engagiertem Innen- und Außendienst,

intensive Schulungsangeboten (Präsenzveranstaltungen und E-learning), Postsendungen, umfangreiche Internetpräsenz und gut aufgestelltem Service Center Team. Vom Studenten der Tiermedizin über die Tiermedizinische Fachangestellte bis hin zu Assistenzärzten und Praxisinhaber/innen wissen inzwischen die meisten (potenziellen) Kunden, dass ROYAL CANIN sowohl auf allen größeren Industrieausstellungen als auch während diverser Seminare und Kongresse mit einem Team erfahrener Mitarbeiter vor Ort ist: zur Beantwortung von Fragen rund um die Ernährung von Hunden und Katzen, zur Beratung bei der Entwicklung von individuellen Praxis-Marketing-Konzepten oder einfach nur mit einem offenen Ohr für Kritiken und Hinweise seitens der Kolleginnen und Kollegen. Dieser persönliche Kontakt bietet auch Mitarbeitern aus dem Innendienst mal die Chance, die Menschen zu treffen, die sie bisher ausschließlich per Telefon berieten. Wie sorgen Sie und Ihr Team dafür, dass Sie neben der sicher spannenden Mitarbeit in einem forschenden und entwickelnden Unternehmen fachlich auf dem neuesten Stand bleiben? Unsere Mitarbeiter wissen, dass ihre Tätigkeit mit permanentem Lernen verbunden ist. Für viele, war das auch ein Grund, warum sie sich bei ROYAL CANIN beworben hatten. Die internen Fortbildungsmöglichkeiten sind sehr vielfältig. Ob Schulung, webinar, online-Kurs, Fachbuch, Journal (wie z. B. der Veterinary Focus, die weltweit renommierte,

hauseigene Fachzeitschrift), Seminar oder Kongress: ROYAL CANIN ist gegenwärtig auf all diesen Ebenen aktiv, eigenständig und/oder in Kooperation mit unseren Schwesterfirmen bzw. externen Anbietern. Selbstverständlich sind unsere Mitarbeiter daran aktiv beteiligt bzw. können diese Möglichkeiten aktiv nutzen. Gibt es eine kuriose Geschichte, die Ihnen in Ihrem Berufsleben passiert ist? Bei der Präsentation von Spezialnahrung in der Zoo-Abteilung des Kaufhauses GUM am Roten Platz in Moskau beklagten zwei Pelzausführende Passantinnen den doch eher faden Geschmack der ausliegenden (Trockenfutter-)Bröckchen. Darauf hingewiesen, dass es sich bei der ausgestellten Ware, um Katzennahrung handele, die ohne übermäßiges Salz und Gewürze auskommen muss, waren sie doch etwas irritiert: „pfff… KATZENNAHRUNG!???“ Was sind Ihre persönlichen und beruflichen Zukunftsperspektiven? Aufgrund der erfreulichen Geschäftsentwicklung wäre gewiss auch eine Tätigkeit in einem unserer Schwesterunternehmen denkbar, was sowohl die persönlichen als auch die beruflichen Pläne stark prägen würde. Die aktuellen Herausforderungen im nationalen Markt sind jedoch so vielschichtig und spannend, dass ich mir noch keine konkreten Gedanken über einen Ortswechsel gemacht habe. Herr Lindenberg, wir bedanken uns für das interessante Gespräch!

Ausgabe 10-2012-04  l  April 2012 l  Interview 59

Interview

Fortbildungsangebot für das gesamte Praxisteam oder aber Möglichkeiten zur individuellen und Praxis adäquaten Präsentationshilfsmittel für Informationen und Produkte.

Veranstaltungskalender Ausgesuchte Veranstaltungen für die Monate Mai – Juli 2012

Mai 2012

Juni 2012

04. Mai 2012

01.–03. Juni 2012

„bpt-Praxismanager“: Betriebswirtschaftliche Praxisführung www.bpt-akademie.de

05.–06. Mai 2012 „bpt-Praxismanager“: Team-Management www.bpt-akademie.de Chin. Kräuterheilkunde – Blockkurs 2 www.berliner-fortbildungen.de

06. Mai 2012

Veranstaltungskalender

Ophthalmologie bei Hund und Katze www.berliner-fortbildungen.de

09. Mai 2012 Veterinärmedizinische Physiotherapie–Kleintiere: Abschlussprüfung www.schloss-seminar.de

16. Juni 2012

Goldimplantate (GI) – GI als DauerAkupunktur: Kurs 3 www.vierbeiner-rehazentrum.de

02. Juni 2012 Knie–Workshop www.berliner-fortbildungen.de Röntgen-Aktualisierung §18a RöV www.berliner-fortbildungen.de

Tumorerkrankungen der Katze www.ava1.de Röntgenaktualisierung nach § 18a der RöV www.berliner-symposien.de

16.–17. Juni 2012 Lahmheitsdiagnostik u. -therapie www.tieraerzte-seminare.de

17. Juni 2012 Reptilien – Kurs 1 www.berliner-fortbildungen.de

Kardiologie beim Hund www.ava1.de

02.–03. Juni 2012

22. Juni 2012

Neurologie www.tieraerzte-seminare.de

Röntgen-Aktualisierung §18a RöV www.vierbeiner-rehazentrum.de

03. Juni 2012

23.–24. Juni 2012

Notfallchirurgie www.berliner-fortbildungen.de

Röntgen-Aktualisierung §18a RöV www.vierbeiner-rehazentrum.de

Röntgen-Aktualisierung §18a RöV www.berliner-fortbildungen.de

Dermatologie bei Hund und Katze www.berliner-fortbildungen.de

10.–12. Mai 2012 Frankfurter Tierärztekongress www.veterinaerwissen.de

12.–13. Mai 2012 Neurologie www.berliner-fortbildungen.de Tumorerkrankungen der Katze www.tieraerzte-seminare.de

17.–20. Mai 2012 Osteopathie – Kleintier Kompakt: M2 www.ggtm.de

07.–10. Juni 2012 Osteopathie-Kompakt 2011/12: Modul 4 www.ggtm.de

29. Juni 2012–01. Juli 2012 13.–17. Juni .2012 Veterinär-Chiropraktik für Pferde und Kleintiere Modul 3 www.BackBone-Academy.com

Ophthalmologie Basiskurs www.tieraerzte-seminare.de

Grundausbildung Veterinärosteopathie – Kurs 2 www.tao-equilibre.de

30. Juni 2012 14.–17. Juni 2012

19.–20. Mai 2012

TCM – Akupunktur praxisnah – Blockkurs 3 www.berliner-fortbildungen.de

Physikalische Medizin/Physiotherapie Kleintier: Modul 5 www.vierbeiner-rehazentrum.de

Klinische Ursachen für Verhaltensprobleme www.lupologic.de

30. Juni–01. Juli 2012 25.–27. Mai 2012 Veterinärosteopathie – Kurs 1 www.tao-equilibre.de

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Physiotherapie, Rehabilitationsmedizin, Physikalische Therapie–Modul 3 www.lupologic.de

Notfalldiagnostik und -therapie in der Kleintierpraxis www.ava1.de

Veranstaltungskalender l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Veranstaltungskalender Schloss-Seminar

bpt Akademie GmbH

01. Juli 2012

Im Schloss, D-64832 Babenhausen Fon: +49 (0)6073 725836 www.schloss-seminar.de

Hahnstraße 70, D-60528 Frankfurt Fon: +49 (0)69 669818-90 www.bpt-akademie.de

Zytologie – Basiskurs 2 www.berliner-fortbildungen.de

berliner fortbildungen

07. Juli 2012 Endokrinologie Intensiv Seminar www.ava1.de

07.–08. Juli 2012

Schlütersche Verlagsgesellschaft Hans-Böckler-All. 7, D-30173 Hannover Fon: +49 (0)511 85500 www.veterinaerwissen.de

Heerstraße 18-20, D-14052 Berlin Fon: +49 (0)30 31990841 www.berliner-fortbildungen.de

Anästhesie bei Hund und Katze www.berliner-fortbildungen.de

Berliner Symposien Düsseldorfer Str. 19, D-10707 Berlin Fon: +49 (0)30 88676826 www.berliner-symposien.de

Tierärztl. Akademie für Osteopathie

Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA)

Gesellschaft f. Ganzheitl. Tiermedizin e.V. Mooswaldstr. 7, D-79227 Schallstadt Fon: +49 (0)7664 40363810 www.ggtm.de

immendorfer Tierärzte Seminare Haupstr. 29, D-23669 Timmend. Strand Fon: +49 (0)4503 2030 www.tieraerzte-seminare.de

Lupologic GmbH

Vierbeiner Rehazentrum Dr.-Marc-Str. 4, 34537 Bad Wildungen Fon: +49 (0)5621 802880 www.vierbeiner-rehazentrum.de

Dorfstr. 5, D-48612 Horstmar-Leer Fon: +49 (0)2551 7878 www.ava1.de BackBone - Academy

Linienstraße 72, D-40227 Düsseldorf Fon: +49 (0)211 16348430 www.lupologic.de

Lindenstraße 4, D-27419 Kalbe Fon: +49 (0)4282 609643 www.BackBone-Academy.com

Birkenhof 2, D-65795 Hattersheim Fon: +49 (0)171 1278676 www.tao-equilibre.de

Inserentenverzeichnis MKW Therapie-Systeme GmbH Landstraße 67, D-76547 Sinzheim www.mkw-laser.de

Dr. Mouse c/o ZiVet Verlags GmbH Heerstraße 18–20, D-14052 Berlin www.docmouse.de Seite 2

Seite 41

ROYAL CANIN Tiernahrung GmbH & Co.KG Hohenstaufenring 47-51, D-50674 Köln www.royal-canin.de Seite 15/ Sammelkarte 03

berliner fortbildungen Heerstraße 18-20, D-14052 Berlin www.berliner-fortbildungen.de

Biologische Heilmittel Heel GmbH Dr. Reckeweg-Str. 2-4, D-76532 Baden-Baden www.heel.de Seite 33

CP-Phama GmbH Ostlandring 13, D-31303 Burgsdorf www.cp-pharma.de

Seite 55

Seite 64

Ausgabe 10-2012-04 l April 2012 l Veranstaltungskalender 61

Veranstaltungskalender

Juli 2012



Vorschau 03-2012

Fortsetzung von Seite 11

Erscheinungstermin: 15. Juli 2012

Titelthema: Schilddrüsenerkrankungen bei Hund & Katze Neuraltherapie – Teil 3

Reptilien – Teil 3

Neuraltherapie bei Narbenstörungen

TCM – Teil 3

Praxismanagement – Teil 3

Grundlagen der Akupunktur

Hygiene und Lagerung von Instrumenten

Dermatologie – Teil 3

Die Menschen hinter dem Label

Ektoparasiten diagnostizieren und therapieren

© ctl – leuchtisch.de

Diagnostische Möglichkeiten bei Reptilien

Dr. Stephan Kiessling, Virbac

Verlagshinweise Labordiagnostik – Teil 3

Veranstaltungen August – Oktober 2012

Interpretation von Elektrolytverschiebungen

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Den Abonnement-Service erreichen Sie unter: ZiVet Verlagsgesellschaft mbH Heerstraße 18–20 Das Abonnement läuft nach Bestelleingang mindestens ein 14052 Berlin Jahr und kann anschließend jederzeit bis 30. September Fon +49 (0)30 33 00 781 91 zum Jahresende gekündigt werden. Fax +49 (0)30 33 00 781 99 E-Mail: [email protected] Abonnements starten mit der aktuellen Ausgabe, sofern BEZUGSHINWEISE Die Preise verstehen sich inklusive Versand und der gesetz- das Heft noch lieferbar ist. Ansonsten erfolgt die Lieferung WIDERRUFSRECHT Die Bestellung dieses Abonnements kann innerhalb von des ersten Heftes nach Erscheinen der nächstmöglichen lichen Mehrwertsteuer. Bei den genannten Preisen sind zwei Wochen bei der ZiVet Verlagsgesellschaft mbH, Änderungen und Irrtum nicht ausgeschlossen. Im Preis des Ausgabe und benötigt im Inland und innerhalb Europas Heerstraße 18-20, D-14052 Berlin schriftlich widerrufen ca. 1-4 Wochen, außerhalb Europas ca. 4-6, nach Zahpersönlichen Abonnements ist der Online-Zugriff auf den werden. Die Frist beginnt einen Tag nach Absendung der lungseingang. Ab dem 2. Heft erfolgt die Lieferung nach geschützten Download-Bereich unter www.zivet.de und Bestellung. Erscheinen direkt ab Druckerei. der Bezug von Sammelkarten enthalten. Allgemeine informationen Jahresabo € 54,00/81,80 SFR Jahresabo Studenten € 35,00/53,00 SFR Der Erscheinungsrhythmus ist 1/4-jährlich zum 15. des Monats bei 4 Ausgaben pro Jahr. Für die Bestellung von Einzelausgaben wenden Sie sich bitte an unser Verlagsbüro.

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Verlagsinformationen l Ausgabe 10-2012-04 l April 2012

Allgemeines und Gesundheitszustand zur Katze Kastration: Wenn ja: In welchem Alter? Aus welchem Grund? Welche Verhaltensveränderungen traten nach dem Eingriff auf? Wenn nein: Warum? Wogegen ist ihre Katze geimpft? Wann zuletzt? Wann und welche Erkrankungen/Unfälle hat Ihre Katze schon gehabt, die tierärztlicher Behandlung bedurften? Hat Ihre Katze eine chronische Erkrankung? Erhält ihre Katze regelmäßig Medikamente oder muss einen Diätplan einhalten? Wenn ja, welche? Haben Sie für Ihre Katze jemals eine verhaltenstherapeutische Beratung in Anspruch genommen? Wenn ja, wann und warum? Wurde die Katze in dem Zusammenhang tiermedizinisch untersucht? Wenn ja, welche Befunde wurden erhoben? Erhielt die Katze in dem Zusammenhang ein Medikament? Wenn ja, welches? Herkunft und Jugendentwicklung Ihrer Katze Seit wann lebt die Katze bei Ihnen/Wie alt war sie, als sie bei Ihnen einzog? Woher stammt sie? Was wissen Sie über die Haltung beim Vorbesitzer/Tierheim? Wissen Sie, was aus den Wurfgeschwistern geworden ist? Umgebung und Lebenssituation bei Ihnen Sie leben in einem Haus / einer Wohnung (m²)? Zimmerzahl? Zu welchen Räumen/auch Balkon hat die Katze freien Zugang? Welche Räume sind tabu und warum? Welche Personen leben noch im Haushalt? Welche Haustiere leben noch im Haushalt? Was bedeutet Ihnen die Katze? Was bedeutet die Katze den übrigen Haushaltsmitgliedern? Hat die Katze Freigang? Wenn ja, wie lange pro Tag? Wie gelangt die Katze nach draußen und wieder herein? Füttern Wie oft? Durch wen? Wann? Welches Futter (Marke/Sorte) Gibt es Leckerbissen? Falls ja, wie oft? Wofür? Welche? Wo schläft Ihre Katze nachts/tagsüber? Welches sind Ihre Lieblingsplätze in der Wohnung? Wohin zieht sich Ihre Katze zurück, wenn sie Angst hat oder ihre Ruhe haben will? Routine-Tagesablauf aus Sicht Ihrer Katze Wie viel Zeit verbringt Ihre Katze auf welchem Platz an einem ganz normalen Routinetag? Wie lange ist die Katze an einem Routinetag alleine? Wo hält sie sich während Ihrer Abwesenheit auf und woraus schließen Sie das? Haben Sie einen Kratzbaum? Wer spielt mit der Katze? Wie oft? Wie lange? Mit Spielzeug? Welches? Wer beginnt das Spiel? Beschreiben Sie die Spiele. Spielt die Katze auch alleine? Wie oft? Wie lange? Mit

Spielzeug? Welches? Bitte beschreiben Sie die Spiele. Welches ist das Lieblingsspielzeug der Katze? Jagt Ihre Katze (Insekten, Mäuse etc)? Wenn ja, was? Apportiert die Katze Beute oder Spielzeug? Streicheln und Kraulen Wie oft? Wie lange? Wo am Körper genießt Ihre Katze das Streicheln? Wo am Körper dürfen Sie ihre Katze nicht anfassen? Können fremde Menschen die Katze auch streicheln? Wie und wann fordert die Katze Streicheleinheiten? Wer beendet die Streichelsequenz? Begrüßt Ihre Katze Sie, wenn Sie nach Hause kommen? Katzentoiletten Wie viel Katzentoiletten stehen Ihrer Katze zur Verfügung? Wo stehen die Toilette/n? Welche werden bevorzugt benutzt? Welche Art Katzenklo (offen, Deckel, Rand, Maße)? Welches Einstreu (Marke) verwenden Sie? Wie und wie oft machen Sie die Toilette/n sauber? Wie und wie oft tauschen Sie die Einstreu und machen eine Grundreinigung der Schale? Setzt die Katze Kot und Harn an unterschiedlichen Stellen ab? Scharrt die Katze? Problemverhalten Welches Verhaltensproblem zeigt Ihre Katze? Bitte beschreiben Sie eine typische Situation so gut wie möglich: Wann tritt das Problemverhalten auf (Auslöser, Tageszeit, anwesende/nicht anwesende Personen, Veränderungen im Tagesoder Haushaltsablauf etc)? Wie häufig tritt es auf? Wann ist das Verhalten zum ersten Mal aufgetreten? Was beobachten Sie an Ihrer Katze, während sie das Problemverhalten ausführt in Bezug auf Mimik (Blick, Ohren), Körperhaltung und Lautäußerungen? Was haben Sie schon alles versucht, um das Problem zu lösen? Bitte beschreiben Sie möglichst genau in zeitlicher Abfolge Ihre Therapieversuche und die Reaktion der Katze darauf. Gibt es noch andere Probleme? Haben Sie schon darüber nachgedacht, die Katze wegzugeben? Wie ist Ihre Einstellung dazu? Welche Erwartung haben Sie an die Verhaltensberatung? Was möchten Sie im Idealfall erreichen (Maximalerfolg)? Welches wäre ein Fortschritt, der Sie zufrieden stellen würde (Minimalerfolg)? Training Wer wird mit der Katze täglich üben? Wie viel Zeit wollen Sie dafür investieren? Vielleicht wird es notwendig, innenarchitektonische Veränderungen vorzunehmen, um der Katze eine optimale Lebenswelt zu bieten. Wie stehen Sie dazu?

Den vollständigen Fragebogen können Abonnenten im Internet im Archiv herunterladen (www.zivet.de/archiv/10/download.html).

Ausgabe 10-2012-04 l April 2012 l Verhaltensprobleme bei der Katze 63

Verhaltensprobleme bei der Katze

Fragen zum Verhaltensvorbericht

Hautsache?! Ein

Duo! s e k star

NEU! Das Haut-Konzept aus einer Hand

Micocep®20 mg + 20 mg

Das medizinische Shampoo für Hunde und Katzen Zur Therapie bei Malassezien-Dermatitis und M. canis-Infektionen

MalaOtic®

Milder Ohrreiniger für Tiere Reinigt die Ohren Schafft ein keimunfreundliches Milieu

Effektive Wirkstoffkombination: Miconazol-Nitrat + Chlorhexidin-Digluconat Micocep® 20 mg + 20 mg Shampoo für Hunde und Katzen. Wirkstoffe und sonstige Bestandteile: 1 ml Shampoo enthält: Wirkstoffe: Miconazolnitrat 20,0 mg, Chlorhexidindigluconat 20,0 mg (als Chlorhexidindigluconat-Lösung 20 %). Anwendungsgebiete: Hund: Zur Behandlung und Kontrolle seborrhoischer Dermatitis, die mit einem Befall von Malassezia pachydermatis und Staphylococcus intermedius einhergeht. Katze: Zur Unterstützung der Behandlung und Kontrolle von Hautpilzerkrankungen verursacht durch Microsporum canis in Verbindung mit Griseofulvin. Gegenanzeigen: Nicht bei tragenden Katzen in Verbindung mit Griseofulvin anwenden (siehe „Besondere Warnhinweise“ in der Gebrauchsinformation). Nicht einsetzen bei Überempfindlichkeit gegenüber einem der Wirkstoffe oder der sonstigen Bestandteile. Nebenwirkungen: In Ausnahmefällen können Hunde mit atopischer Dermatitis oder Katzen mit allergischen Hauterkrankungen nach der Behandlung Juckreiz und/oder erythematöse Reaktionen entwickeln. In sehr seltenen Fällen können Hunde und Katzen nach der Behandlung Hautreaktionen zeigen (Juckreiz und Rötung). Die Behandlung von Katzen mit dem Shampoo kann zu einer anfänglich erhöhten Ausbeute an M. canis bei der Probenentnahme mittels Bürstentechnik führen. Falls Sie Nebenwirkungen, insbesondere solche, die nicht in der Packungsbeilage aufgeführt sind, bei Ihrem Tier feststellen, teilen Sie diese Ihrem Tierarzt oder Apotheker mit. Wartezeit: Entfällt. Hinweis: Nicht bei Tieren anwenden, die der Gewinnung von Lebensmitteln dienen. Inhalt: 1 x 250 ml Shampoo. Nicht über 25 °C lagern. Vor Frost schützen. Das Arzneimittel nach Ablauf des auf Behältnis und äußerer Umhüllung angegebenen Verfalldatums nicht mehr verwenden! Nach Anbruch innerhalb von 3 Monaten verbrauchen. Nicht verbrauchte Reste sind nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums nach Anbruch zu verwerfen. Arzneimittel unzugänglich für Kinder aufbewahren. Apothekenpflichtig! Pharmazeutischer Unternehmer: CP-Pharma Handelsges. mbH, 31303 Burgdorf.