University of Illinois at Urbana-Champaign

Erfahrungsbericht University of Illinois at Urbana-Champaign Fall 09 – Spring 10 ____________________________________________________________________...
Author: Jörn Förstner
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Erfahrungsbericht

University of Illinois at Urbana-Champaign Fall 09 – Spring 10 __________________________________________________________________________________

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Christoph Rakousky TU Darmstadt, Materialwissenschaften Email: [email protected]

Einleitung Ich studiere Materialwissenschaften an der TU Darmstadt und habe im Rahmen des Austauschprogramms der TUD mit der University of Illinois at Urbana-Champaign (UIUC), ein Jahr an der UIUC studiert. Dank der aufgeschlossenen Art amerikanischer und internationaler Studenten konnte ich mich sehr schnell einleben und habe die Zeit durchweg genossen. An dieser Stelle kann ich jeden, der sich unsicher ist, ob er generell ins Ausland oder speziell an die UIUC gehen soll, nur ermutigen: Macht es! Die UIUC kümmert sich vorzüglich um euch und steht bei Fragen, Problemen und Komplikationen mit Rat und Tat zur Seite. Wenn ihr ankommt, seid ihr einer von etwa 2000 anderen international students und könnt euch deshalb auf ein sehr gut organisiertes Verwaltungssystem verlassen. Zu welchem Zweck schreibe ich meine Erfahrungen auf? Um eine Übersicht über die Schritte zu geben, die ihr abarbeiten müsst, um hierher zu kommen. Ich möchte beschreiben, wie ich meinen Austausch organisiert und geplant habe, wo ich hilfreiche Informationen und Unterstützung bekommen habe und was ich lieber hätte sein lassen sollen. Das ist keineswegs der einzige mögliche Weg an die UIUC zu kommen und soll nur meine persönlichen Erfahrungen wiedergeben. Wer im Internet nach Erfahrungsberichten an der UIUC sucht wird schnell fündig. Ich hatte zur Vorbereitung meines Auslandsjahres einige von ihnen gelesen und kann die meisten Erfahrungen teilen. Ich schreibe diesen Bericht daher um Ungesagtes zu betonen und den Ablauf der Bewerbung klarzustellen.

Vorbereitungen Wer aus dem Fachbereich Materialwissenschaften an diesem Austausch teilnehmen möchte, kann an einer der Infoveranstaltungen des International Relation Office der TUD teilnehmen oder sich bei anderen oder hier über das Programm informieren. Um einen der begehrten Plätze zu bekommen, schreibt ihr ein Motivationsschreiben, füllt das Bewerbungsformular aus und fügt eine Leistungsübersicht bei. Habt ihr einen Platz erhalten, geht jetzt die wichtige und längere zweite Phase eurer Bewerbung los. Im Schnelldurchlauf: TOEFL ablegen, Bankstatement einholen, Reisepass beantragen, Bewerbungsunterlagen vervollständigen und abschicken, DS2019 erhalten und sich freuen, Termin bei der US-Botschaft vereinbaren, Termin wahrnehmen, Flug buchen, Visum erhalten, sich um Wohnung kümmern und losfliegen. Da das US-Visum eine so wichtige Hürde darstellt, solltet ihr euch hier ganz genau informieren und tunlichst keine Fristen verbummeln. Da alle Korrespondenz häufig über eine Vielzahl von Schreibtischen geht, kostet eine Korrektur von Daten oft wertvolle Zeit. TOEFL: Der Test of English as a Foreign Language ist ein Englischtest, den die meisten Studenten vorweisen müssen, die an einer US-amerikanischen Uni studieren möchten. Der TOEFL nimmt mehr Zeit in Anspruch als ihr denkt, versucht deshalb möglichst früh einen Termin zu bekommen. Was ist TOEFL überhaupt, wie lange dauert der und was heißt früh? Chronologisch: Ihr habt herausgefunden, dass ihr einen Austauschplatz bekommen habt 2

(oder wollt euch initiativ bewerben), dann schnell bei www.ects.org ein TOEFL Zentrum in einer für euch gut gelegenen Stadt suchen und den Wunschtermin buchen. Der Test kostet momentan $180. ECTS ist der Veranstalter und einziges Unternehmen das den TOEFL abnimmt, es lohnt sich also nicht nach günstigeren Anbietern zu suchen. Die momentan aktuelle Version ist der internetbasierte TEST ibT. Je nach Fachrichtung, die ihr an der UIUC studieren wollt, müsst ihr eine Mindestpunktzahl auf der Skala von 0-120 erreichen. Für das college of engineering liegt die Hürde bei stolzen 103 (wer weniger hat, muss in Illinois einen Englischkurs belegen). Da ECTS die Anzahl der angebotenen Test je nach Nachfrage bestimmt, wartet ihr im Schnitt einen Monat auf den nächsten Termin, der in eurer näheren Umgebung (bis 20 km) abgehalten wird. In dieser Zeit könnt ihr euer Englisch mit diversen Vorbereitungsbüchern auf Vordermann bringen oder euch mit dem Prinzip und der Art der Fragen vertraut machen. Der TOEFL ist unterteilt in die Sections Reading, Listening, Speaking und Writing und dauert insgesamt 3-4 Stunden. Üben hilft, denn wer sich Strategien für die jeweiligen Fragen zu Recht legt und weiß, was auf ihn zukommt, der kann mit demselben Englisch deutlich höhere Punktzahlen erreichen. Nach dem Test und mit dem Gefühl im Bauch: „Verdammt, ich habe alles falsch gemacht“ könnt ihr euch dann auf euer Ergebnis freuen. Nach etwa drei Wochen habt ihr online Einsicht und nach insgesamt vier Wochen erhaltet ihr schriftlich Post mit eurem Ergebnis, dass, wie bei den meisten, besser sein wird als erwartet. ECTS schickt eure Testergebnisse auf Wunsch direkt an die Uni, aber auch euer schriftliches Ergebnis schickt ihr hin. Reisepass: Ein gültiger Reisepass, der auch noch nach der geplanten Ausreise aus den USA Gültigkeit hat, ist Vorraussetzung für die Bewerbung an der UIUC und sofern ihr noch keinen habt, beantragt ihr den früh genug. Bankstatement: Ihr werdet nachweisen müssen, dass ihr, eure Eltern oder andere Menschen die euch sehr mögen, genügend Geld auf der hohen Kante haben um euren Aufenthalt zu finanzieren. Pro Semester müssen $7500 bescheinigt werden. Lasst euch von eurem Auslandsbeauftragten ein Musterstatement geben, denn bei eurer Bank könnt ihr wahrscheinlich nicht damit rechnen, dass sie wissen was ihr da verlangt. Je mehr Stempel und je offizieller das Statement wirkt, desto besser. Es soll angeblich mit blauem Kugelschreiber unterschrieben sein, damit eindeutig erkenntlich ist, dass es sich nicht um eine Kopie handelt. Mir kam das ziemlich übertrieben vor, aber bevor euch irgendeine Stelle wegen der Unterschriftenfarbe unnötige Steine in den Weg legt, gebt ihr das halt an eure Bank weiter. Macht eine Kopie und reicht das Original ein. Von der UIUC bekommt ihr eure Bewerbungsunterlagen per Email zugeschickt, diese füllt ihr aus und reicht sie zusammen mit dem TOEFL, Kopie des Passes und dem Bankstatements beim IRO ein. Hier möchte die UIUC ebenfalls wissen, ob ihr privat oder in einem Wohnheim wohnen wollt. Das alles sollte in meinem Fall bis zum 15. Februar passiert sein. Ich möchte noch einmal daran erinnern, dass ihr bitte möglichst frühzeitig in Erfahrung bringt, ob ihr einen Austauschplatz bekommen werdet, damit ihr einen frühen TOEFL-Termin bekommt. Ich habe meinen TOEFL erst am 27. Februar ablegen können und das Ergebnis daher nachgereicht. Gut, ihr habt alles rechtzeitig vorliegen, abgeschickt und wartet jetzt. Und wartet. Die Antwort der UIUC kann bis Mitte Juni auf sich warten lassen. Genügend Zeit also, 3

einen Flug zu buchen (siehe Flug) und sich nach einer Wohnung umzuschauen (siehe Wohnung). Sobald der dicke Umschlag mit dem wertvollen DS2019 (ein Dokument, dass ihr braucht, um bei der Botschaft ein Visum zu beantragen) bei euch eintrifft, schleunigst einen Termin bei der US-Botschaft vereinbaren. Visum: Ein US-Visum zu beantragen ist eine Wissenschaft für sich. Sofern sich an dem Bewerbungsverfahren seit meiner Beantragung 2009 nichts geändert hat, läuft der Hase so: 1. Einen Termin bei der US-Botschaft vereinbaren. Einen Termin bekommt ihr am bequemsten und höchstwahrscheinlich auch günstigsten online. Für $10 zahlbar mit VISA oder MasterCard bekommt ihr Zugang zu dem online-Kalender, in dem ihr euch einen passenden Termin heraussuchen könnt. Ich hatte meinen Termin um 7:30 Uhr, war um 7:20 Uhr dort und habe (nur) etwa eine Stunde in der Sicherheitskontrolle und der Wartehalle verbracht. Das beschreiben viele als schnell!! Der frühe Vogel fängt hier ganz klar den Wurm. 2. Die Visumsgebühr überweist ihr auf das Konto der Berliner Anwaltskanzlei Roskos & Meier OHG. Nach erfolgtem Geldeingang schicken die euch die Zahlungsbestätigung mit Barcode und weiteren Specialeffects. Das ist euer Nachweis über die bezahlte Visumsgebühr. Ihr bringt diesen mit in die Botschaft. 3. Jeder, der ein US-Visum beantragt, wird in eine zentrale Datenbank aufgenommen, die ja auch irgendwie finanziert werden muss. Deswegen zahlt ihr hier die SEVIS-Gebühr. Für ein J-1 Visum (welches Visum ihr erhaltet, entscheidet die Uni, sehr wahrscheinlich ist es ein J-1) sind dann $180 (per VISA oder MasterCard) fällig. Die Zahlungsbestätigung druckt ihr euch aus, bekommt sie aber nach ca. 2 Wochen auch per Post zugestellt. 4. Bevor ihr euren Termin bei der Botschaft wahrnehmt, warten noch etwa 70 Fragen auf euch, die ihr beantworten müsst. Ausfüllen auf Englisch, legt euch eure bisherigen Arbeitgeber samt Adresse bereit, eure schulische Laufbahn, sowie Adressen von Freunden, die eure Angaben belegen können. Das hört sich jetzt schlimmer an als es im Endeffekt ist, auf alle Fälle plant ihr für diese lustige Fragerunde genügend Zeit ein (3 Stunden). Ebenfalls nicht auf den letzten Drücker besorgt ihr euch ein: 5. Passfoto. Laut offiziellen Angaben soll das Foto das Format 5 cm x 5 cm haben. Auf eurem Visum wird es später auf eine Fläche von etwa 4x3 cm zurechtgeschnitten sein. Ein normales Passfoto tut es also auch. Wer ohne Foto zur Botschaft kommt, muss hoffen, dass die dort vorhandenen Passbildautomaten funktionieren und sollte dafür Kleingeld bereithalten! Der Gang zur Botschaft gestaltet sich zeitaufwändig, es wird aber alles dafür getan, euch den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Nehmt euch etwas zu lesen mit. Ihr gebt alle eure Unterlagen samt Reisepass ab und erhaltet den Pass mit eingeklebtem Visum etwa eine Woche später per Post wieder.

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Anreise Flug: Die UIUC nennt euch einen Termin, zu dem ihr spätestens angekommen sein solltet. Dieser lag bei mir etwa eine Woche vor Vorlesungsbeginn. Wenn ihr noch keine Wohnung habt, dann plant ruhig noch ein paar Tage mehr ein. Grundsätzlich gestattet das Visum die Einreise bis zu 30 Tagen vor Semesterbeginn. Bei der Einreise in die USA mit einem J-1 Visum brauchte man bis Januar 2010! definitiv keinen Rückflugflug vorzuweisen. Ob sich daran seit Januar 2010 etwas geändert hat, schaut ihr am besten auf der Homepage der US-Botschaft nach. Es kann jedoch manchmal günstiger sein, einen willkürlichen Rückflug mitzubuchen. Losfliegen könnt ihr erst, wenn ihr euren Reisepass mit Visum wieder an euch habt, bucht also keinen zu frühen Flug. Champaign verfügt über einen Flughafen, ihr könnt also wie ich direkt bis nach Champaign fliegen und dann zum Pauschalpreis von $10 mit dem Taxi in die Stadtmitte fahren. Etwas günstiger dürfte der Flug nach Chicago sein. Von dort gibt es mehrere Möglichkeiten nach Champaign zu gelangen: Amtrak (Zug) oder Busgesellschaften. 1. Amtrak: Den Personenverkehr mit Amtrak habe ich selbst nie ausprobiert, vorher auf www.amtrak.com nach Verbindungen schauen, denn hier fährt manchmal nur ein Zug pro Tag. Soll aber sehr angenehm sein. Einziges Problem hierbei: Ihr müsst vom Flughafen zur Union Station in Chicago kommen, wo der Zug abfährt. Der Flughafen Chicago O´Hare ist aber (im Gegensatz zu manchen anderen amerikanischen Flughäfen) gut ans öffentlich Transportnetz angebunden. 2. LEX: der Lincolnland Express fährt stündlich von Chicago nach Champaign und zurück, Reisezeit etwa 2,5-3 Stunden, Preise: $30-60. Die Busse sind schon einige Jahre auf der Straße, wirken aber gewartet, Personal ist freundlich. Den LEX werdet ihr während eurer Zeit hier oft benutzen, denn er ist der Bus der Wahl um nach Chicago zu gelangen. www.lincolnlandexpress.com 3. Megabus: fährt täglich und bietet Tickets ab einem Dollar an. Leider nur für bestimmte Zeiten und geringes Kontingent. Sehr gute Busqualität. www.megabus.com 4. Illini Shuttle: fährt von Chicago O´Hare direkt, von Midway noch über das kleine Dörfchen Crestwood nach Champaign. In der Regel etwas teurer als der LEX. www.illinishuttle.com Um bei eurem Flug einzuchecken müsst ihr eine Adresse in Illinois angeben, in der ihr die erste Nacht verbringen werdet. Wenn ihr von Deutschland aus bereits eine Wohnung gemietet habt, dann habt ihr ja ein Ziel, ansonsten müsst ihr wohl oder übel in ein Hotel ziehen. Die Illini Union, das zentral gelegene Universitätsgebäude und Hauptveranstaltungsund Aufenthaltsort, bietet Hotelzimmer an, die ihr vergleichsweise günstig mieten könnt. Hätte ich meine Wohnung nicht von Deutschland aus gemietet und suchen müssen, hätte ich mich in der Union für die Zeit bis zur eigenen Wohnung am wohlsten gefühlt (zentrale Lage, sauber, Komfort und günstig). Wer hier nicht unterkommt, findet am Stadtrand weitere billige Zimmer, die allerdings längst nicht so gut zu erreichen sind. In der Ferienzeit ist der Busfahrplan nämlich stark ausgedünnt und Laufen an den Rand der Stadt ist nicht. PS: Ihr kommt in den Ferien an! 5

Ankommen Wenn ihr früh ankommt werdet ihr den Campus als tote Stadt ohne Menschen kennenlernen. Mit Glück sieht man mal jemanden über die Straße gehen. Je näher der Beginn des neuen Semesters rückt, desto mehr Studenten treffen ein und bald habt ihr eine Studentenschaft wie sie lebhafter nicht sein könnte. Geht früh zum check-in bei der Uni, denn viele internationale Studenten werden erst später ankommen, dann wird es dort sehr voll und dauert lange. Mit dem Studentenausweis fahrt ihr kostenlos Bus, holt den also so früh wie möglich ab. Ihr werdet ein amerikanisches Mobiltelefon oder eine US-Simkarte brauchen, fahrt deshalb raus in die Mall und wählt den für euch besten Anbieter aus. Achtung, man zahlt auch wenn man SMS empfängt oder angerufen wird.

Wohnung Wohnungen gibt es zur Genüge, keiner muss auf der Straße schlafen. Wer sich nicht ins gemachte Nest setzen will, reist etwas früher an, nimmt sich ein Hotelzimmer und sucht drauf los. Dabei gibt es einige Dinge zu beachten. Ich möchte hier beschreiben, wie ich an meine Wohnung gekommen bin und was ich von anderen über deren Wohnungen weiß: Jetzt seid ihr also in Urbana-Champaign angekommen und müsst euch eine Wohnung suchen. Das ist nicht weiter schwer, denn es gibt immer noch jede Menge Apartments die noch nicht vermietet sind, bzw. Wohngemeinschaften, die einen roommate suchen. In Chambana werden die Mietverträge in der Regel etwa ein Jahr vor dem Einzug abgeschlossen, ihr seid also ohnehin schon Resteverwerter. Die Internetseite www.craigslist.com bietet unter Illinois, Champaign-Urbana eine Plattform zum Auffinden von Wohngemeinschaften und dergleichen. Ich habe hierüber von Deutschland aus unter der Rubrik „rooms and shares“ mein Apartment gefunden. Den Mietvertrag habe ich unterzeichnet nachdem ich in Urbana angekommen bin. Ich habe mich also für private housing entschieden und möchte dieses etwas genauer ausführen: Wenn ihr in der Stadt seid, ist es wesentlich einfacher eine passende Bleibe zu finden, als von Deutschland aus. Geht vor allem auch mal abends durch die Straßen rund um eure zukünftige Wohnung, denn viele Straßenzüge sehen bei Tag wohnbar aus, sind nachts aber nur sperrlich beleuchtet. Die Kriminalitätsrate liegt auf dem Campus höher als in Darmstadt. Das heißt nicht, dass man dort gefährlicher lebt, aber die Wahl des Wohnortes sollte nicht nur durch den Preis entschieden werden. Fragt bei der tenant union nach, welche Wohnungen und Vermieter zu empfehlen sind. Diese Leute sind auch eure Ansprechpartner, wenn ihr bei Problemen mit eurem Vermieter alleine nicht weiter kommt. Die tenant union führt Buch über die Art und Anzahl an Beschwerden über Vermieter wegen denen um Hilfe ersucht wurde. Schaut in die Liste um zu sehen, wo euer Vermieter steht. Der Service wird für Studenten kostenlos angeboten, bzw. ihr zahlt ohnehin dafür. 6

Speziell in Urbana habt ihr die Möglichkeit, direkt einzelne Zimmer zu mieten. Man findet diverse Häuser, bei denen Küche und Bäder von bis zu 10 Mitbewohnern geteilt werden. Dort ist meistens Gesellschaft, lauft einfach mit offenen Augen durch die Straßen und ruft bei den Telefonnummern an, die ihr seht. Im Schnitt sucht ihr etwa zwei Tage. Hier eine grobe Zusammenfassung der Wohnungslage:

Abbildung 1 Mein Versuch Licht ins Dunkel der Wohnungssuche zu bringen. Der blaue Rahmen ist eine ungefähre Vorgabe (mit Ausnahme der University Av.). Wer auf craigslist.com sucht, bekommt allerhand außerordentlich günstiges und gutes angeboten. Achtet aber darauf, dass ihr nicht zu weit vom Campus wegzieht. Generell wollt ihr nicht nördlich von der University Avenue wohnen, weil dort Kriminalität und Industrie in der Nachbarschaft den Wohnkomfort sehr stark einschränken.

Außerdem könnt ihr in ein Wohnheim (“Dorm“) ziehen. Alle Erstsemester (Freshmen) müssen in einem Dorm wohnen, alle anderen können. Je nach dem in welches ihr kommt, habt ihr entweder ein eigenes Zimmer und teilt euch ein Bad mit jemandem, teilt euch ein Zimmer oder habt alles für euch allein. Die Preise sind deutlich teurer als durchschnittliches private housing, oft sind auch sogenannte meal plans in der Miete enthalten, also 7

Mahlzeiten in der Wohnheimskantine. Deren Essensqualität wird von „lecker“ über „typisch amerikanisch“ bis hin zu „nicht essbar“ beschrieben. Es gibt Burger, Toast, Salat, Spaghetti, Kuchen, Kaffee, Obst, Popcorn, Pizza, etc., und das jeden Tag. Das einzige da was meiner Meinung nach fehlt ist die Abwechslung. Vorteil bei den Dorms ist die finanzielle Sicherheit, ihr steht nicht für eure roommates gerade, wenn die plötzlich kein Geld mehr haben, außerdem gibt es die 10 Monatsmiete und die semesterweise. Wer auf dem freien Wohnungsmarkt mietet, zahlt häufig für 12 Monate! Es hat mir geholfen, mich über das Internet recht früh mit dem Wohnungsmarkt in Champaign auseinander zu setzen, denn dabei bekommt man ein Gefühl für Mietpreise, Nebenkosten, Wohnungslage und die passende englische Übersetzung. Selbst wenn ihr erst in Champaign ernsthaft sucht, habt ihr wenigstens das passende Vokabular bereit. Erkundigt euch auch nach Nebenkosten, insbesondere für Heizung. Viele Häuser haben keine bis überhaupt keine Isolierung und dann zahlt ihr bei -15 °C ordentlich.

Geld Der Einsatz von credit- oder debit-cards ist in den USA sehr viel verbreiteter als in Deutschland. Es ist keine Seltenheit, seinen Kaffee/Pizza/Sandwich mit Karte zu zahlen, genauso willkommen ist aber auch Bargeld. Wer ein Auto mieten oder einen Flug oder ein Hotelzimmer online buchen will, wird ohne Kredit-/Debitkarte keinen Erfolg haben. Wer auf Nummer sicher geht, vertraut seinen Geldnachschub nicht einer einzigen Karte an, da es durchaus passieren kann, dass die Karte aus Sicherheitsgründen, Automatenfehler, falsche Pineingabe etc. gesperrt wird. Wo also als armer Student ohne regelmäßiges Einkommen eine Kreditkarte herbekommen? Entweder aus Deutschland oder aus den USA: Geld in die USA zu überweisen kann sehr teuer werden, da sowohl die deutschen, als auch die amerikanischen Banken z.T. horrende Gebühren berechnen. Am bequemsten und kostengünstigsten empfand ich es, mein Geld einfach an Geldautomaten (ATM) abzuheben. Dazu kann ich die Deutsche Bank und die DKB empfehlen. Wer als Student bei der Deutschen Bank ein gebührenfreies Konto eröffnet, bekommt zwei Girokarten mit denen an Geldautomaten der Bank of America gebührenfrei abgehoben werden kann. Außerdem bietet die Deutsche Bank dazu eine Kreditkarte an, die im ersten Jahr für Studenten kostenlos ist. Sie ist allerdings denkbar ungeeignet, da im Nicht-Euro-Raum pro Transaktion eine Gebühr von 1,50€ berechnet wird. Hier hat sich die DKB-Visacard als sehr praktisch herausgestellt, mit der ich während meinem Aufenthalt durchweg gut gefahren bin. Kontoführung und Visacard sind kostenfrei und der Verfügungsrahmen der Karte ist identisch mit dem Kontostand. Weltweit kann mit der Karte kostenfrei abgehoben werden, d.h. selbst an dem letzten Geldautomat zahlt man keine Gebühren. Einziger Nachteil ist der Auslandseinsatz in Höhe von 1,75 %. Wer das auch noch sparen will, dem empfehle ich, ein Konto bei einer amerikanischen Bank zu eröffnen. Zu Beginn des Semesters werben viele Banken unter den Studenten um neue Kunden. Ich habe mich für Busey-Bank entschieden. Die Kontoführung und die Mastercard sind kostenfrei, allerdings kostet die Ausstellung von Checks $4 pro Check. Jawohl, Checks sind in den USA nach wie vor ein beliebtes 8

Zahlungsmittel für z.B. Miete. Mein Vermieter hat ausschließlich Checks akzeptiert, viele sind aber auch schon fortschrittlicher und akzeptieren Bargeld oder trauen sich an die ganz neue Zahlungsform: Die Überweisung. So schön eine Geldbörse voller Kreditkarten auch ist, so ganz ohne Bares solltet ihr trotzdem nicht einreisen. Wer Trinkgeld geben möchte/muss tut gut daran ein paar Dollarscheine dabei zu haben. Eintrittsgelder für Clubs und Getränke in Bars werden ebenfalls am einfachsten bar bezahlt. Fazit: Geld am ATM abheben, über die Straße tragen und bei der amerikanischen Bank einzahlen.

Krankenversicherung Die UIUC verfügt mit dem McKinley Health Center über Universitäts-Krankencenter, das bei kleinen und größeren Beschwerden gerne weiterhilft. Hier bekommt man bei Erkältung, Grippe, sozialen und sonst wie Problemen meist kostenfrei geholfen. Außergewöhnliche Medikamente werden nicht übernommen. Die Gebühr für McKinley ist in euren campus fees enthalten, die pro Semester insgesamt etwa $350 betragen. Wer sich morgens nicht wohl fühlt, kann über dial-a-nurse telefonische Hilfe bekommen oder sich einen Arzt nach Hause bestellen. Das alles wird allerdings nur an Wochentagen angeboten. Da die Universität eine Krankenversicherung anbietet, die von allen Kosten nur 80% übernimmt, solltet ihr in jedem Fall eine deutsche Auslandskrankenversicherung abschließen. Lasst euch eine englische Ausgabe der Versicherungspolice geben, damit ihr euch von den Gebühren der Universitätskrankenversicherung befreien lassen könnt. Nochwas: So aufdringlich die MLPLeute in der Mensa auch sind, wenn es um Krankenversicherung geht, haben sie wirklich gute Angebote.

Freizeit Die UIUC hat kulturell einiges zu bieten. Mit dem Krannert Center for the Performing Arts habt ihr eine Theaterbühne, die spannende und abwechslungsreiche Aufführungen anbietet. Für Studenten sind die Eintrittspreise deutlich ermäßigt. In der Assembly Hall finden Konzerte von z.B. Jay-Z statt, sie dient bis weit über die Grenzen von Champaign-Urbana hinaus als Aufführungs- und Austragungsort von u.a. auch den Basketballspielen. Memorial Stadium ist Heimstadion des Universitäts-Footballteams „Fighting Illini“. Football hat einen sehr hohen Stellenwert, an „game days“ trägt die ganze Stadt orange, was neben blau die Farbe der Universität und des Teams ist. Außer dem Footballteam ist die UIUC im Basketball, Hockey- und Volleyball sehr erfolgreich. Zahlreiche Fitnesscenter stehen euch kostenfrei zur Verfügung, bei denen auch Outdoorequipment gemietet werden kann. Schaut auf dem Quad-day die mehreren hundert studentischen Gruppen an. Hierüber lernt man schnell viele Leute kennen und kann gemeinsame Hobbies verfolgen. 9

Die meisten Campusbars sind an der Greenstreet (siehe Karte), jedoch sollte man auch nicht die vielen Kulturveranstaltungen übersehen, die die UIUC so einzigartig machen. Das AsianAmerican Culture Center zeigt Filme und organisiert Diskussionsrunden zu verschiedensten interkulturellen Themen, der Cosmopolitan Club veranstaltet Donnerstags seine international coffee hours, bei der jede Woche ein anderes Land durch typische Gerichte, Präsentationen und Tanz vorgestellt wird. Die Einwohnerzahl von Champaign-Urbana unterscheidet sich nicht stark von der von Darmstadt. Ich habe oft gehört, CU sei zu klein. Sehr wahrscheinlich liegt das daran, dass mit CU oft nur der Campus gemeint wird und weite Teile der Wohngebiete auch schlichtweg keine besonders große Attraktion darstellen. Für den mittleren Westen gilt sie wohl schon als große Stadt. Fakt ist, es gibt alles was man braucht und wer sich den vielen Veranstaltungen und studentischen Gruppen nicht verschließt, kann jeden Tag etwas Neues erleben.

Kurswahl

An der UIUC hat jeder Kurs eine Nummer, die aus einem Buchstabenkürzel und einer meist dreistelligen Zahl besteht. Kurse die vom Department „Materials Science and Engineering“ angeboten werden, beginnen mit MSE. Die Zahl im Anschluss gibt in etwa die Schwierigkeitsstufe an, wobei der letzdendliche Zeitaufwand von Professor zu Professor sehr stark schwankt. 100er und 200er Kurse richten sich an Einsteiger und sind als Grundlagenkurse zu verstehen. Wer nach seinem Vordiplom an die UIUC kommt, trifft mit 400-Level Kursen die richtige Wahl. Um sich für 500-Level Kurse registrieren zu können, braucht man die Zustimmung des Departments, da diese für Graduate Students ausgelegt sind und ihr Austauschstudenten als Undergraduate geltet. Die Kursbeschreibung im Vorlesungsverzeichnis ist meistens nicht sehr umfangreich, reicht aber um einen ganz groben Überblick über den Stoff zu bekommen, der behandelt wird. Oft wird der Besuch von Vorgängerkursen vorausgesetzt, in denen die Grundlagen gelehrt worden sind. Da ihr damit natürlich nicht dienen könnt, liegt es an euch, abzuschätzen, ob ihr für einen Kurs das nötige Hintergrundwissen habt. Generell könnt ihr euch für alle Kurse registrieren (auch die mit Prerequisites), sowohl innerhalb als auch außerhalb eures Departments. Sollte ein Kurs bereits voll sein und ihr keinen Platz mehr bekommen, dann geht trotzdem in die erste Vorlesung und fragt, ob ihr dennoch zugelassen werdet. Das stellt in der Regel kein Problem dar, denn in den ersten Vorlesungswochen registrieren sich viele Studenten noch für neue Kurse und geben alte ab. Im Fall 09 habe ich folgende Kurse belegt: MSE422: Electrical Ceramics. Batterien, Dioden, Strukturtypen. Ein guter Kurs, der einen Rundumschlag in die Welt der ceramic materials gibt. 10

MSE 443: Design of Engineering Alloys. Sehr arbeitsintensiver Kurs über die wichtigsten Metalle und Legierungen, deren Bezeichnung, Eigenschaften und theoretische Hintergründe. Prof. Bellon ist didaktisch sehr kompetent. Ich kann nur jedem empfehlen, einen Kurs bei ihm zu belegen, egal welchen. MSE 481: Electron Microscopy. Guter Kurs über den Aufbau, Funktionsweise, Handhabung und Anwendung von Transmissionselektronenmikroskopen, sowie die Auswertung und Deutung der Ergebnisse. Arbeitsintensiv aber lohnend. MSE 456: Mechanics of Composites. Sehr gut organisierter Kurs der auf die Berechnung von mechanischen Parametern von ein- und mehrlagigen Kompositwerkstoffen fokussiert ist.

Spring 10: MSE 420: Ceramic Materials & Properties. Grundlagenkurs über Keramik. Nicht übermäßig empfehlenswert da er etwas grundlagenlastig ist, aber ein netter Zeitvertreib. MSE 441: Metals Processing. Theorie und Durchführung der Metallverarbeitung: Gießen, Fräsen, Schmieden, Schneiden, Stanzen. Wir waren auch im Stahlwerk in Indianapolis, insgesamt hat der Kurs Spaß gemacht. MSE 488: Optical Materials. Guter Kurs über optische Eigenschaften zahlreicher Materialklassen. Prof. Rogers stellt viele und anspruchsvolle Hausaufgaben, mit denen man eine Weile beschäftigt ist, dafür lernt man auch einiges. MSE 397 Independent Study.

Abschließendes Ich hoffe, dass ich dem einen oder anderen, aber am besten beiden, durch meinen Bericht weiterhelfen konnte. Ich bedanke mich bei Prof. Riedel und Prof. Albe vom Fachbereich Materialwissenschaften und bei Frau Cunningham-Wandel vom International & External Affairs Office, für die Ermöglichung des Austausches und die Unterstützung bei den Vorbereitungen. Weiterhin danke ich dem DAAD für die finanzielle Unterstützung und die informative Hilfe. Sie alle haben maßgeblich zum erfolgreichen Gelingen meines Aufenthalts an der UIUC beigetragen. Jedem, der sich jetzt gleich an die Bewerbung macht, oder diese Phase schon hinter sich hat, wünsche ich viel Erfolg und Spaß in Illinois. Spaß werdet ihr auf jeden Fall haben, für den fachlichen Erfolg müsst ihr leider ein bisschen arbeiten. Wer spezielle Fragen hat, kann mich gerne auch per Email kontaktieren.

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