Umbau und Sanierung Rettungsschuppen Stand

Umbau und Sanierung Rettungsschuppen Stand 19.02.16 Allgemeine Beschreibung Inhalt: 1. Geschichte 2. Bauliche Maßnahmen zum Hochwasserschutz 3. Zuk...
Author: Alwin Dresdner
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Umbau und Sanierung Rettungsschuppen

Stand 19.02.16

Allgemeine Beschreibung

Inhalt: 1. Geschichte 2. Bauliche Maßnahmen zum Hochwasserschutz 3. Zukunft 4. Nutzung 5. Grundgedanken zum Umbau 6. Grundgedanken zum Material 7. Grundgedanken zu den Formen: 8. Umsetzung der Aufgabenstellung im Innenraum durch Neubau 9. Umsetzung der Aufgabenstellung im Innenraum durch „fliegende“ Bauten 10. Umsetzung der Aufgabenstellung mit Innenwirkung durch Sanierung 11. Umsetzung der erforderlichen Haustechnik 12. Beleuchtung 13. Sanierung Dach und Wand 14. Ausbau OG 15. Ausstattung OG 16. Außenanlage

1. Geschichte: Bei der geplanten Baumaßnahme handelt es sich um den 1902 errichteten ziegelsichtigen Bau eines Rettungsschuppen mit Doppeltoranlagen aus Holz an den Giebelseiten, traufenseitiger Lisenengliederung mit alternierenden Rundfenstern und Segmentbogenfenstern aus Guss mit Sprossenteilung, mittleren Zwerchgiebeln an den Traufseiten und begleitenden kleinen Gauben in der mit Schiefer gedeckten Satteldachkonstruktion, für die Bereitstellung von Ruderrettungsbooten. Der Rettungsschuppen steht in Travemünde „Am Leuchtenfeld 4“ in markanter Lage und unterstreicht damit, neben anderen Gebäuden in Travemünde, die hohe städtebaulich-historische Bedeutung und auch seine Funktion als „Lebensretter“ von Travemünde. Travemünde hat durch seine Lage an der Travemündung und Lübecker Bucht und seine Bebauung einen hohen Wiedererkennungswert. Dieser historische denkmalgeschützte Schuppen und auch die noch vorhandene Gleisanlage, die in ihren bisher fast unverbauten Zustand in der Lübecker Bucht als einzigartig einzustufen sind, tragen auch zu diesem Wiedererkennungswert bei. Unterstrichen wird diese Wirkung durch die Lage in der lockeren Bebauung der Uferwiesen, die ihn, dicht am Traveufer stehend, schon aus der Distanz erkennen lassen. Diese Erlebbarkeit von Schuppen und Gleisanlage soll als Symbiose erhalten werden.

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Zwei Vorgängerschuppen sollen nach Auskunft der DGzRS schon vorher an beinahe gleicher Stelle gestanden haben. Der 2. Vorgängerschuppen wurde 1873 zusammen mit der noch heute zum Großteil vorhandenen Slipanlage gebaut. Die uns älteste bekannte Postkarte des heutigen Schuppens stammt von 1904. Eine Besonderheit ist auf der nördlichen Giebelseite des Schuppens vorhanden. Es handelt sich um eine Inschrift, die z.Zt. nur mit größter Mühe lesbar ist und ggf. in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege wieder hergestellt werden kann. Ähnliches wurde bisher bei keinem der bekannten DGzRS- Schuppen gefunden. Das Äußere des Gebäudes und die Slipanlage stehen seit 1989 unter Denkmalschutz. Der Lübecker Yacht Club übernahm das Gebäude im Juni 1983 für die Jugendabteilung, die auch auf dem Gelände an der Wakenitz beheimatet ist und auf über 100 Mitglieder angewachsen war, als alternativen Segel- und Trainingsstützpunkt insbesondere für „erfahrene Junioren“ an der Ostsee. Ein weiterer Grund für den LYC bestand in seiner federführenden Rolle für die Organisation innerhalb der Regattagemeinschaft Lübecker Bucht. Zunächst sollte der Schuppen deshalb auch für die Unterbringung von technischem Regattamaterial genutzt werden, wofür er zuvor auch schon von der DGzRS zur Verfügung gestellt wurde. Der letzte Umbau, die Überarbeitung einzelner Bauteile und der Einbau von Wärmedämmung in der Dachkonstruktion wurden 1994 in Abstimmung mit dem Amt für Denkmalpflege durchgeführt, um es den Seglern und als Büro für die Organisation und Betreuung bei Segelveranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Bei dieser Baumaßnahme wurden Duschanlagen für Damen und Herren in das EG eingebaut, eine Stahltreppe in das OG, ein Holzfußboden im EG und eine weitere Toranlage in dem Giebel zur Trave. Im OG wurden leichte Trennwände zur Schaffung erforderlicher Räume für die Travemünder Woche und andere Segelveranstaltungen eingebaut. Für diese damals neue Nutzung wurde auch eine Heizungsanlage installiert.

2. Bauliche Maßnahmen zum Hochwasserschutz: Der Rettungsschuppen liegt in einem von Hochwasser gefährdetem Gebiet. Die vorhandenen Schotten in Tür- und Torbereichen werden für die regelmäßig auftretenden Hochwasser saniert. Die Oberkanten liegen ca. 60 cm über Gelände, das entspricht einer Höhe von ca. 2,45 m über Normal - Null. Bauliche Maßnahmen, die einem „Jahrhunderthochwasser“ standhalten, sind nicht geplant. Lediglich bei der Materialauswahl für die neuen erforderlichen Bauteile im EG werden Baustoffe gewählt, die keine nachhaltigen Schäden bei Hochwasser aufweisen und mit nur geringem Aufwand zu trocknen sind. Die Sohle wird aus wasserundurchlässigem Beton erstellt. Die Ausführungen von Ausstattungsgegenständen sind in Porzellan, Edelstahl und sonstigen wasserunempfindlichen Materialien geplant.

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3. Zukunft: Die gewünschte neue Nutzung soll langfristig multifunktionalen Ansprüchen Rechnung tragen und für Vereinszwecke sowie der Durchführung der Travemünder Woche und anderer Segelveranstaltungen des LYC zur Verfügung stehen. Nachfolgenden Seglergenerationen im LYC, aber auch Segelinteressierten, soll mit diesem Gebäude ein Umfeld geboten werden, in dem Jugendausbildung und -förderung weiterhin wesentliche Rollen übernehmen. Diese Aufgaben genießen im LYC schon seit dem Erwerb einen hohen Stellenwert. Weiterhin wird der Schuppen für die Abwicklung von Segelveranstaltungen des LYC in der Lübecker Bucht und der Travemünder Woche zur Verfügung stehen. Der Umfang der Baumaßnahme soll im Ergebnis langfristig nicht nur eine multifunktionale, flexible und möglichst ganzjährige Nutzung ermöglichen sondern auch die Gebäudesanierung und -erhaltung in Abstimmung mit der Denkmalpflege beinhalten. Für die Realisierung ist ein umfangreicher Rückbau einzelner Bauteile, die ab 1990 eingebaut wurden, erforderlich. Erhalten werden jedoch: die Treppe im Innenbereich, die ergänzte Toranlage aus Holz am Südgiebel, die großen Fenstertürelemente aus Stahl. Vom Rückbau ist auch die ca. 12 cm dicke Sohle betroffen, da zum Schutz von aufsteigender Feuchte bei Hochwasser und zur Schaffung eines behaglichen Raumklimas eine wasserundurchlässige Sohle aus Beton mit Fußbodenheizung auf Perimeterdämmung eingebaut werden soll.

4. Nutzung: Das EG soll während der Travemünder Woche und bei sonstigen Segelveranstaltungen in der Lübecker Bucht als Regattazentrum genutzt werden, in dem Organisations- und Regattaleitung untergebracht sind. In den übrigen Zeiträumen soll der Raum Vorträgen, Schulungen und Ausbildungsveranstaltungen insbesondere im Jugendbereich sowie zum Verweilen von Mitgliedern des LYC zur Verfügung stehen. Die herzustellenden Räume im OG werden, wie auch der Raum im EG, während der Durchführung der Segelveranstaltungen genutzt. Außerhalb dieser Zeiträume stehen diese Räume auch für Schulungszwecke im EDV- Bereich und für administrative Tätigkeiten in Verbindung mit der TW, zur Vorbereitung und Durchführung der diversen Schulungen, Vorträge und sonstigen Vereinsveranstaltungen zur Verfügung. 5. Grundgedanken zum Umbau: Der Rettungsschuppen steht frei, von weitem gut sichtbar, als Solitär an der Hafenpromenade in Travemünde gegenüber der Passat. Seine historische Verbindung zum Umfeld ist die noch in einem Graben vorhandene Slipanlage von 1873, die wichtiger Bestandteil seiner Nutzung / seiner Funktion als Rettungsschuppen war.

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Die Gleisanlagen sollen auch im Gebäude noch unter der Betonsohle vorhanden sein, sie stehen ebenfalls unter Denkmalschutz. Sanierungsmaßnahmen, Umbauten oder auch Anbauten, die den äußeren Charakter des Schuppens in seiner einfachen, aber kräftigen Sprache mit seinem Mauerschmuck und Ziergebinden hätten zerstören können, sind in der Vergangenheit nicht erfolgt. Damit ist der Rettungsschuppen heute als fast einmaliges Juwel, nicht nur aus denkmalpflegerischer Sicht, zu bezeichnen. Äußerlich erscheint der Schuppen, abgesehen von kleineren, nicht störenden und von der Denkmalpflege genehmigten Umbauten an den nördlichen Toranlagen, damit noch im Original. Diese Feststellungen lassen sich nicht auf den Innenbereich übertragen, da die geschilderten Nutzungen Umbauten zur Folge hatten. Einbauten in der Nord-Ost-Ecke, die ungefähr ein Viertel der Grundfläche des Schuppens für sich beanspruchen und deren Trennwände fast bis zur Decke führen, haben der "Bootshalle" ihre Raumwirkung genommen. Diese ursprüngliche Raumwirkung soll durch die jetzt geplante Umbaumaßnahme wieder hergestellt werden. Das sich aus der zukünftigen Nutzung entwickelte und gewünschte Raumprogramm führt zu einer baulichen Lösung, die als „Raum im Raum“ bezeichnet wird. Dieser „Raum im Raum“ stellt die gewünschten Nassräume und WC-Anlagen zur Verfügung, die auch behinderten Menschen den erforderlichen Barriere-freien Zugang und Platz bieten. Durch die erforderliche Nutzung des Obergeschosses bleibt die vorhandene, 1994 eingebaute Treppe, in der Lage erhalten. Die Treppe und auch der „Raum im Raum“ sind die einzigen festen Einbauten im Erdgeschoss. Sonstige nutzungsbedingt erforderliche Einbauten werden als „mobile Bauteile“ erstellt, die in Abhängigkeit von den Erfordernissen der jeweiligen Veranstaltung variabel positioniert werden können.

6. Grundgedanken zum Material: Der Rettungsschuppen besticht durch seine ausgewogenen Proportionen und durch die Einfachheit und Robustheit seiner Materialien, die ihn auch puristisch wirken lassen. Ziegel, Schiefer, Zinkblech, Gusseisen, Glas, und Holz - widerstandsfähige Materialien, die langlebig sind und sich zum Teil regenerieren (Holz) lassen. Diese Anforderungen sollen auch die neuen Baustoffe erfüllen und sich dennoch klar von den historischen Bauteilen absetzen. Zur Auswahl kommen: - geschliffener Beton als Boden (Terrazzocharakter) - Sichtmauerwerk aus hellem Ziegel (Raum im Raum) - Cortenstahl (Verkleidung Treppenlauf)

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Diese Baustoffe sind widerstandsfähig, nachhaltig, puristisch eingesetzt und erfordern einen nur sehr geringen Erhaltungsaufwand. Die neuen Wände des „Raum-in-Raum“ - Würfels aus hellem Ziegel stehen in einem weichen Kontrast zu den Bestandsaußenwänden aus rotem Ziegel, der geschliffene graue Betonboden steht hierzu in seiner ruhigen Flächigkeit in einem zurücknehmenden Materialkontrast, während die schmalen, skulpturellen Verkleidungen der Treppenläufe spielerisch in ihrem Rostfarbton die Farbigkeit der Decke aufnehmen, sich aber habtisch zum Holz der Decke deutlich absetzen.

7. Grundgedanken zu den Formen: Die Wahl der Formen beruht auf dem Wunsch „keine Konkurrenz zum Bestand“: einfache, für das Auge schnell zu erfassende Formen, die die Wirkungen des historischen Raumes und seiner Formen und Materialien unterstreichen und nicht etwa ablenken. Der historische Raum soll von nahezu jedem Standort erlebt werden und neue Blickachsen ermöglichen. Durch dieses Konzept entsteht der frei in den Raum gestellte Sanitärblock und die wie 2 Objekte wirkenden Verkleidungen der Treppenläufe, die einmal auf der Betonsohle stehen und einmal an der Decke hängen.

8. Umsetzung der Aufgabenstellung im Innenraum durch Neubau: Im EG werden sanitäre Einrichtungen mit 2 WC, 2 Urinal, 3 Handwaschbecken und 1 Dusche in einem kompakten „Block“ erstellt, der frei im Raum steht und nicht bis zur Decke geführt wird. Ein Handwaschbecken und ein WC werden behindertengerecht ausgeführt. Die 2 Treppenläufe werden durch ganzflächige Verkleidungen aus Cortenstahl in 2 nebeneinander liegende Bauteile separiert. Dadurch gelingt es, diese, entsprechend dem „Sanitärraum“, wie in den Raum gestellte bzw. gehängte Objekte wirken zu lassen. Die Verkleidung des ersten unteren Treppenlaufs steht auf dem Boden und folgt in der Formgebung dem Gefälle des Handlaufs. Der Treppenlauf ist komplett verkleidet und schafft damit einen Abstellraum unter dem Treppenlauf. Die Verkleidung des zweiten Treppenlaufs hängt optisch an der Decke, folgt der Form des Treppenlaufes und wird nur bis zum Zwischenpodest geführt. Damit wird dem strengen Sanitärwürfel eine spielerische Form gegenübergestellt. Die vorhandenen hellen Holzstufen aus Buche in offner Ausführung ohne Setzstufen werden mit rutschfesten gekanteten Blechen belegt. Die Handläufe werden aus dunklem, offenporig behandeltem Holz hergestellt, wobei auch hier der Grundsatz gilt, Oberflächen habtisch erleben zu lassen. Der Holzfußboden wird durch eine wasserundurchlässige Betonsohle mit Fußbodenheizung auf Perimeterdämmung ersetzt, um hier die Möglichkeit zu nutzen, eine behagliche Raumatmosphäre zu schaffen, die mit den einschaligen Außenwänden nicht

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erzielt werden kann, wenn die Oberflächenwirkung im Innenraum nicht gestört werden soll. Durch den Verzicht auf schwimmenden Estrich kann bei Wassereintritt durch Hochwasser beim Fußboden auf eine Trocknung verzichtet werden. Diese Ausführung erfordert eine überdurchschnittliche Vorplanung, da die gesamte haustechnische Installation schon beim Einbringen des Betons vorgerichtet sein muss oder sonst nur sichtbar eingebaut werden könnte. Wenn es gelingen sollte, die vorh. Gleisanlage im Innenbereich durch den erforderlichen Ausbau der ungedämmten ca. 12 cm starken Sohle zu erhalten, besteht die Möglichkeit, diese gestalterisch in das Gesamtkonzept zu integrieren. Sie würde dann in einen Graben eingebaut und mit starken Glasplatten abgedeckt werden. Die Umsetzung würde die historische Bedeutung als Bootshalle für Rettungsboote betonen. Im OG werden 3 Räume erstellt. Der mit 36m² größte Raum in der Gebäudemitte ist für Schulungszwecke vorgesehen. Die beiden anderen Räume mit jeweils ca. 16m² werden je nach Erfordernis für administrative Tätigkeiten genutzt, wobei der Raum zur Trave fest mit 3-4 Computerarbeitsplätzen ausgestattet werden soll, um interessierte Mitglieder, insbesondere aus dem Kreis der Jugendlichen, auch in Regattamelde- und Auswertungsprogrammen zu schulen. Das vorh. Duschbad und die Therme werden ausgebaut. Die Raum- Trennwände werden aus Ständerwerk, beplankt mit Fermacellplatten für Anstrich errichtet. Der Fußbodenbelag wird durch ein strapazierfähiges Material (Nadelfilz, Linoleum) ersetzt. Abstell- und Lagermöglichkeiten werden auf dem WC-Block und unterhalb der geplanten Treppenlaufverkleidungen vorgehalten. Sonstige Abstellmöglichkeiten für Gegenstände mit schnellem Zugriff müssen über die Möblierung erfolgen.

9. Umsetzung der Aufgabenstellung im Innenraum durch „fliegende“ Bauten: Der nachfolgend beschriebene Tresen und die Vorbereitungszone für Veranstaltungen mit Essen werden als leichte mobile Lösungen vorgestellt. Diese sogenannten „fliegenden Bauten“ stellen die Standardlösung dar, die in Abhängigkeit der vorgesehenen Nutzung verschoben oder auch ausgebaut werden können. Für Veranstaltungen, ggf. auch für Vorträge und Schulungen und zur Nutzung der Mitglieder wird ein mobiler Tresen mit Spüle, Geschirrspüler und Kühlschrank vorgehalten, der in den Zeiträumen von Segelveranstaltungen verschoben wird, um die Freiflächen vor dem Sanitärblock für die Regattaorganisation und -durchführung zur Verfügung stellen zu können. Während der Travemünder Woche sind in diesem Bereich bisher bis zu 7 Arbeitsplätze eingerichtet. Diese Arbeitsplätze sind auch in der neuen Nutzung während der Segelveranstaltungen vorgesehen.

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Da eine Nutzung mit ständiger Gastronomie nicht gestattet ist, ist für Veranstaltungen mit Essen ein „Event- Catering“ erforderlich. Für die entsprechenden „Dienstleister“ wird nach Bedarf im Zugangsbereich vom Parkplatz her eine „fliegende Ausstattung“ in Form von Paravants, Vorbereitungstischen und einer Spülmöglichkeit eingeplant. Die „fliegenden Bauten“ werden als leichte Rohrkonstruktion aus Edelstahl gefertigt und mit Segeltuch bespannt, die Arbeitsflächen werden, wie in der Gastronomie üblich, aus Edelstahl bestehen. Die Tresenplatte wird aus alter Eiche von den ehemaligen Steganlagen aus Travemünde hergestellt. Für die Stile der Paravants werden oberflächenbündige Hülsen in der Sohle einbetoniert.

10. Umsetzung der Aufgabenstellung mit Innenwirkung durch Sanierung: Die dunkel lasierte Holzdecke soll wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden. Dazu wird die Lasur entfernt, um dem Holz wieder seine natürliche Wirkung zu verleihen. Die Innenseiten der Außenwände sind zur Zeit weiß gestrichen. In der ursprünglichen Nutzung wird der Ziegel als Sichtmauerwerk gewirkt haben. Dieser Urzustand soll wieder erreicht werden. Eine Alternative hierzu besteht in einer ziegelrot geschlämmten Oberfläche. Die vorhandenen, 1994 eingebauten Toranlagen aus Stahl, die sich hinter den großen Holztoren verbergen, wenn diese geschlossen sind und auch die neue geplante Toranlage am Nordgiebel werden in Abstimmung mit der Denkmalpflege in einem grauen Eisenglimmerfarbton gestrichen. Die Ausführung und Teilung der neuen Toranlage aus Stahl erfolgt gem. Bestand und erhält wie die anderen Toranlagen einen Gehflügel. Die Gußfenster in der Fassade werden ausgebaut, gestrahlt, in Abstimmung mit der Denkmalpflege gestrichen und in Weißglas neu verglast. Die Maschengitter vor den Fenstern sollen erhalten bleiben und werden in Abstimmung mit der Denkmalpflege restauriert. Durch die geplante Gesamtlösung wird eine hohe Flexibilität und auch Attraktivität erreicht, die dabei helfen soll, die Auslastung des Gebäudes langfristig und kostengünstig zu sichern. Das vorgestellte Konzept schafft ein Gebäude, das erlebt werden will und auch erlebt werden kann. Es macht neugierig!

11. Umsetzung der erforderlichen Haustechnik: Die erforderlichen Hausanschlüsse (Gas, Wasser, Strom, Telefon, Daten) werden durch 4 leichte Einzelbauteile verkleidet, die den technischen Erfordernissen angepasst und aus Zinkblech erstellt werden. Die Bauteile werden freistehend rückseitig

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am Sichtmauerwerk des Sanitärwürfels aufgestellt. Die erforderlichen Leitungen für die Versorgung des OG werden in Wickelfalzrohren bis zur Decke geführt. Die zu Heizzwecken erforderliche Therme wird auf dem Sanitärwürfel installiert. Die Anschlüsse für die „fliegenden Einbauten“ für Wasser, Schmutzwasser und Strom werden in versenkter Ausführung in der Sohle integriert und erhalten eine Abdeckung aus Edelstahl. Frischwasserleitungen im Sanitärbereich werden aus der Decke kommend vor dem Sichtmauerwerk zu den Verbrauchern und Armaturen geführt. Das warme Wasser soll nur bei Bedarf in ausreichender Menge zur Verfügung stehen und deshalb über Durchlauferhitzer erzeugt werden. Anzahl und Erfordernis sind noch zu klären. Die Abluft der Sanitärräume wird gebündelt und in einem Strang über das Dach geführt. Der erforderliche Luftwechsel im EG soll dezentral über 4 in die Außenwände integrierte Lüfter mit Wärmerückgewinnung erreicht werden. Lage und Ausführung der Abdeckung werden noch mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Für die umfangreiche, sich erfahrungsgemäß ständig weiterentwickelnde Technik für die Bewältigung der Aufgaben der Travemünder Woche und sonstiger Segelveranstaltungen und Vorträge sind diverse Daten- und Stromleitungen vorzusehen. Insbesondere die Leitungen im EG sind voraussichtlich nur für diese speziellen Nutzungen erforderlich. Daher werden diese Leitungen nicht ständig vorgehalten, es werde auch keine aufwändigen und teuren Leerohre in die Betonsohle eingebaut, sondern sie werden von oben, je nach Bedarf und Entwicklung durch „gestaltete“ Öffnungen direkt in den darüber liegenden Ergebnisraum geführt. Um einem möglichen „Kabelwirrwarr“ zu entgehen, könnten diese Kabel gebündelt zu diesen Anlässen, in abgehängten Leerrohren, zu den entsprechenden Arbeitsplätzen geführt werden. Ein weiterer Vorteil für dieses Konzept: Nur eine minimale elektrische Ausstattung in hochwassergefährdeten Bereichen.

12. Beleuchtung: Für die Ausleuchtung der Freifläche vor dem Tresen ist eine großflächige, dimmbare Deckenleuchte vorstellbar, da fix abgehängte Einzelleuchten keine flexible Möblierung für Veranstaltungen ermöglichen. Der Tresenbereich soll über eine am Sanitärwürfel befestigte, auskragende Wandleuchte ausgeleuchtet werden. Auch hier soll auf mehrere Leuchten verzichtet werden, um die mit den Einbauten in Zusammenwirkung mit den historischen Bauteilen und Oberflächen erreichte Ruhe nicht zu stören. Eine aufgeregte Beleuchtung ist nicht vorgesehen. Auch auf Wandleuchten an den Außenwänden soll verzichtet werden, um den Rhythmus der Fensteröffnungen nicht zu stören, auch ein ggf. erforderliches Schlitzen für die Kabel entfällt.

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Im Bereich der Anrichte bzw. der Vorzone ist eine schlichte abgehängte Deckenleuchte vorgesehen. Die 3 Nassräume sollen über eine in der Decke integrierte Beleuchtung mit Licht versorgt werden. In den einzelnen Funktionsbereichen soll mit gezielten Lichtquellen gearbeitet werden, die je nach Erfordernis, Nutzung und Stimmung geschaltet werden können.

13. Sanierung Dach und Wand: Dach: Die vorhandene Schieferdeckung ist weitgehend historisch und wurde nach derzeitigem Kenntnisstand 1990 in Einzelflächen saniert. Die Dachkonstruktion ist nicht belüftet. Der Umfang der erforderlichen Sanierung ist mit der Denkmalpflege noch nicht abschließend geklärt. Entwässerung der Dachflächen: Die Dachflächen werden zur Zeit über vorgehängte halbrunde Rinnen über 4 Fallrohre an den Außenecken des Gebäudes entwässert und versickert vor Ort in das historische Traufpfaster. Der Baugrund soll für die Versickerung ertüchtigt werden.

Wand: Sockel: Der Sockel besteht bei diesem Gebäude aus Beton. Da vergleichbare Gebäude gemauerte Sockel aufweisen, ist diese Bauweise ggf. dem Hochwasser geschuldet, das schon zur Bauzeit die Travewiesen erreichte. Der Sockel zeigt Risse und wird in Abstimmung mit der Denkmalpflege materialgerecht saniert. Für eine fachgerechte Sanierung soll das Traufpflaster aufgenommen und nach Abschluss der Arbeiten wieder dem historischen Erscheinungsbild gemäß eingebaut werden. Ziegelmauerwerk: Für die ggf. aufsteigende Feuchte aus dem Erdreich in das aufgehende Ziegelmauerwerk, die nicht ausgeschlossen werden kann, ist der Einbau einer neuen Horizontalsperre angedacht. Der Zustand und die noch mögliche Funktion (Feuchtesperre) des Sockels sollen in Abstimmung mit der Denkmalpflege geklärt werden. Eine neue, ggf. erforderliche Sperre könnte dann im Sägeverfahren in der untersten Lagerfuge des Ziegelmauerwerks eingebracht werden, ein Verfahren, dass sich bewährt hat und wirtschaftlich durchzuführen ist.

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Generell zeigt das Ziegelmauerwerk für sein Alter wenig Schäden. Auffallend sind jedoch die gerissenen Ziegel unterhalb der Torbänder, deren mögliche Auswirkungen auf Folgeschäden untersucht werden müssen. Durch die Immissionen der Luft (Fährverkehr) erscheint das Mauerwerk nicht mehr in seinem ursprünglichen Ziegelrot. Eine mögliche, schonende Reinigung wird mit der Denkmalpflege diskutiert und abgestimmt. Eine Hydrophobierung wird nicht durchgeführt. Das zum Teil geschädigte Fugenbild wird nach einer Materialanalyse des Mörtels per Hand bis auf die erforderlichen Tiefen ausgekratzt und ergänzt. Schadhafte Ziegel in geringem Umfang im Bereich der Fenstergitter werden in Abstimmung mit der Denkmalpflege ausgetauscht. Weitere Maßnahmen sind am Ziegelmauerwerk nicht geplant. Sanierung der Holzbauteile in der Fassade: Die Tore und die Seitentür werden fachgerecht saniert. Verrottete Teile werden traditionsgerecht in Abstimmung mit der Denkmalpflege ersetzt. Die Beschläge werden aufgearbeitet. Vorhandene Schließfunktionen werden beibehalten. Der Farbton und das Lacksystem werden mit der Denkmalpflege geklärt. Fenster aus Guß: Für die Fenster ist eine Grundsanierung geplant. Sie werden ausgebaut, vorsichtig gestrahlt und erhalten einen neuen Farbaufbau. Im Anschluss werden sie neu verglast und wieder eingebaut. Die Maßnahme erfolgt in Abstimmung mit der Denkmalpflege. Das Kondensat, das an der Einfachverglasung und auch auf der Gussfläche anfällt, soll weiterhin über die im Bestand ausgeführten Rinnen auf den inneren Sohlbänken nach außen abgeleitet werden. Dies entspricht der historischen Ausführung. Winterfenster sind nicht geplant, da ihr Nutzen bei dem geringen Umfang der Fensterflächen im Verhältnis zu den auch ungedämmten Außenwänden in Zweifel gezogen werden darf. Einen weiteren Vorteil bietet die mögliche Kondensatbildung am Glas in Verbindung mit der beschriebenen Ableitung des Wassers nach außen statt am Mauerwerk. Außengitter: Die feinmaschigen Außengitter, aufgezogen auf einem beweglichen Rahmen aus Rundstahl, sollen erhalten bleiben. Die Anker sind im Ziegelmauerwerk eingelassen. Der Zustand des feinmaschigen Gewebes ist noch nicht abschließend geklärt. Eine Aussage zum Umfang der Sanierung ist noch nicht abschließend möglich. Die Klärung mit der Denkmalpflege steht noch aus.

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14. Ausbau OG: Für den Ausbau auf Grundlage der derzeitigen Anforderungen und für die Erkennung möglicher Feuchteschäden an den Holzbauteilen des Daches ist ein Rückbau erforderlich. Die Dachflächen zeigen im Bereich der Gauben schon leichte Verformungen, deren Ursache im Zuge der anstehenden Baumaßnahme geklärt werden muß. So können ihre Ursachen in statischer Unterdimensionierung der Sparren oder in durch Wassereintritt geschädigten Holzbauteilen liegen. Der geplante Innenausbau, mit dem Einbau einer neuen Dämmung, wird in Abstimmung mit einem Bauphysiker und mit der Denkmalpflege erfolgen. Die raumseitige Beplankung erfolgt einlagig mit Fermacellplatten für die Aufbringung eines Anstrichs. Die neuen Raum- Trennwände werden in Leichtbauweise erstellt und doppelt beplankt, Anstrich wie bei den Dach- Innenflächen.

15. Ausstattung OG: Türen mit Futter und Bekleidung aus Holz für Anstrich. Ausführung Türblatt mit Röhrenspan. Schloss, Profilzylinder vorgerichtet. Drückergarnituren in Aluminium mit Langschild. Objektbänder für erhöhte Beanspruchung. Bodenbelag in hellem Linoleum oder Nadelfilz. Beleuchtung ggf. als Wandbeleuchtung, da Deckenhöhe eingeschränkt, in Abstimmung mit dem Bauherrn. Beheizung über Planheizkörper als Konvektor, wandhängend von hinten, aus der Wand kommend angeschlossen, mit Thermostatköpfen. Elektrik und Datenleitung in Abstimmung mit dem Bauherrn. Beratung durch ITFachleute.

16. Außenanlage: Die Gleis- bzw. Slipanlage wird freigelegt und saniert. Terrasse ca. 70 m² groß in Beton in gestockter Oberfläche um die Außenecke SüdWest bis ca. 5 m vor das Gebäude herum geführt. OK auf Höhe vorhandenen Grasnarbe. Der Gehweg vom Parkplatz zur Seitentür in Beton, Oberfläche wie bei der Terrasse, Breite ca. 130 cm. Trittrost vor der Seitentür in Zink mit quadratischer Lochung, Abmessung ca. 40/60cm.

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Tische und Bänke fest montiert, in Sichtbeton und Holz für 16 bis 20 Personen. 1 Sonnenschirm fest montiert, aus Cortenstahl. Pollerleuchten mit Rostoberfläche. Alle Ausstattungsgegenstände müssen für die Travemünder Woche demontierbar ausgeführt werden.

aufgestellt, Lübeck 19.02.16

Stefan Bruns, Dipl. Ing. Architekt