Statistischer Jahresbericht Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialstatistik

Statistischer Jahresbericht 2017 Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialstatistik www.arbeitnehmerkammer.de HERAUSGEBER Arbeitnehmerkammer Bremen Bürger...
Author: Sigrid Beck
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Statistischer Jahresbericht 2017 Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialstatistik

www.arbeitnehmerkammer.de

HERAUSGEBER

Arbeitnehmerkammer Bremen Bürgerstraße 1 28195 Bremen Telefon 0421.3 63 01 - 0 Telefax 0421.3 63 01 - 89 [email protected] www.arbeitnehmerkammer.de Redaktion Elke Heyduck Nathalie Sander Arbeitnehmerkammer Bremen Autoren Kai Hausen Jörg Muscheid Tobias Peters Thomas Schwarzer Lektorat Martina Kedenburg Gestaltung GfG / Gruppe für Gestaltung, Bremen Fotografie Kay Michalak Druck Druckerei Girzig+Gottschalk GmbH

Stand: Juni 2017

— 3

Inhalt

20

5. Öffentliche Finanzen

Haushaltszahlen für das Land Bremen überraschend positiv Insbe­sondere der nach wie vor hohe Schulden­stand sorgt für hohe Vorbelastungen des Haushalts 22

5

Einleitung

6

1. Wirtschaft Wirtschaftsentwicklung im Land ­Bremen ist überdurchschnittlich – in der langen Sicht besteht aber noch Nachholbedarf Hohe Produktivität des Landes Bremen – Beschäftigung wächst ­weniger als die Wirtschaft

10

2. Beschäftigung Die Beschäftigung steigt – Im Vergleich hängt das Land Bremen der bundesdeutschen Entwicklung hinterher Es entstehen wieder mehr Vollzeitstellen, aber auch die atypische ­Be­schäftigung wächst weiter

14

3. Arbeitsmarkt

Trotz der positiven Entwicklung in Wirtschaft und Beschäftigung konnte die Arbeitslosigkeit nicht wesentlich gesenkt werden 16

4. Einkommen

Niedrige Inflation und Mindestlohn ­führen zu realen Lohnzuwächsen Weiterhin hohe Unterschiede zwischen den Branchen, aber auch zwischen Männern und Frauen sowie Teilzeit und Vollzeit

6. Bevölkerung

Bremen und Bremerhaven wachsen, insbesondere die Auslandswanderung ist hoch Geburtenrate ist zu niedrig, die ­Prognosen sind aber positiver 26

7. Soziales

Armutsgefährdung im Land ­Bremen weiterhin sehr hoch Familien- und Kinderarmut auch im Vergleich mit anderen Städten ­be­­sonders hoch

— Einleitung

— 5

Einleitung

Postfaktisch war 2016 das Wort des Jahres. Gemeint ist: Immer öfter zählen emotionale Effekte für Politik und Entscheidungen, nicht mehr die Fakten. Fake-News und gefühlte Wahrheiten sind auf dem Vor­ marsch. Diesem Politikstil gilt es, sachliche Argumente entgegenzusetzen. Ein (kleiner) Baustein dazu ist unser ­Statistischer Jahresbericht. Damit unternehmen wir den Versuch, ein breites Feld an arbeitnehmerrelevan­ ten Themen zu beschreiben und aktuelle Entwicklungen anhand von Fakten aufzuzeigen. In den folgenden Kapiteln Wirtschaft, Beschäftigung, Arbeitsmarkt, Einkommen, öffentliche Finan­ zen, Bevölkerung und S ­ oziales haben wir aktuelles Material zusammengetragen, das unterschiedliche Aspekte beleuchtet. Denn wie gut es einer Gesellschaft geht, hängt nicht nur vom Wirtschaftswachstum ab. Vielmehr müssen die Menschen über Beschäftigung oder gute Löhne an diesem Wachstum teilhaben. Daher geht es beispielsweise um die Qualität der entstandenen Arbeitsplätze oder Entwicklungen in ande­ ren wichtigen gesellschaftlichen Fragen wie Arbeitslosigkeit oder Armut. Fakt ist: Das Jahr 2016 ist ein positives Jahr für das Land Bremen: Die Wirtschaft ist mit 2,2 Prozent über­ durchschnittlich stark gewachsen. Das ist gut, wenngleich man hier eine nachholende Entwicklung sieht, da das Land Bremen in der langen Frist hinter der bundesweiten Entwicklung zurückbleibt. Und auch in der Beschäftigung gibt es gute Meldungen: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist ­wieder deutlich angestiegen; um 7.851 Arbeitsplätze im Vergleich zum Vorjahr. Erfreulich ist außer­ dem, dass wieder Vollzeitstellen geschaffen werden. Allerdings sind die atypischen Arbeitsverhältnisse ebenfalls angestiegen, sowohl in der Leiharbeit als auch in Form von Teilzeitstellen. Zudem wächst die ­Beschäftigung in geringerem Umfang als die Wirtschaft. Fakt ist aber auch, dass die Arbeitslosigkeit nach wie vor auf hohem Niveau ist. Die Erfolge beim Wirt­ schaftswachstum tragen nicht in gleicher Stärke zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit bei. Gerade vor dem Hintergrund der neuen Herausforderung, Geflüchtete in den Arbeitsmarkt zu integrieren, wird dieses Thema uns noch auf Jahre hin beschäftigen.

„Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Be­schäftigten ist wieder deutlich ange­ stiegen; um 7.851 Arbeitsplätze im Vergleich zum Vorjahr.“

— 6

01 — Wirtschaft Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts 2016 in Prozent 2,7 2,7

Berlin Sachsen

2,2 2,2 2,1

Baden-Württemberg Bremen Bayern

Im Vorjahresvergleich hat das BIP (Bruttoinlandsprodukt) in Bremen um 2,2 Prozent zugenommen – das Land liegt damit auf dem vierten Platz im Bundesländervergleich. Sieht man sich allerdings den langfristigen Verlauf an, so ist festzustellen, dass in den vergange­ nen zehn Jahren ein unterdurchschnitt­ liches Wachstum vorlag. Das aktuell hohe Plus ist als nachholende Entwick­ lung nach dem starken Einbruch in der Wirtschafts- und Finanzkrise zu betrach­ ten. In den vergangenen zehn Jahren bleibt Bremen leicht hinter dem Bundes­ niveau zurück. Die bereits in der Vergangenheit vorge­ nommene Analyse der Arbeitnehmer­ kammer bestätigt zudem: Im Land ­Bremen profitieren die Beschäf­tigten unterdurchschnittlich vom Wirtschafts­ wachstum. Vor allem die Arbeits­ markt­entwicklung bleibt hinter der ­deutschlandweiten Entwicklung zurück. Er­werbs­­­tätigkeit meint hier alle ab­­ hängig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Beamte, gering­ fügig Beschäftigte und Selbstständige.

1,9 1,8 1,8 1,7 1,5 1,5 1,4 1,4 1,3 1,3

Deutschland Nordrhein-Westfalen Thüringen Brandenburg Rheinland-Pfalz Hessen Niedersachsen Schleswig-Holstein Mecklenburg-Vorpommern Hamburg

1,0

Sachsen-Anhalt Saarland

0,0 0,0

0,5

1,0

1,5

2,0

2,5

3,0

Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr, preisbereinigt Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder 2017; eigene Darstellung

Entwicklung der Erwerbstätigkeit 2016 in Prozent 2,5

Berlin

1,5 1,4 1,3 1,2 1,1 1,1 1,0 1,0 0,8 0,7 0,7 0,5

Hamburg Schleswig-Holstein Bayern Brandenburg Hessen Baden-Württemberg Deutschland Sachsen Nordrhein-Westfalen Niedersachsen Bremen Rheinland-Pfalz

0,2 0,1 0,0

Saarland Sachsen-Anhalt Thüringen Mecklenburg-Vorpommern

-0,1

-0,5

0,0

0,5

1,0

1,5

2,0

2,5

3,0

Erwerbstätige am Arbeitsort; Veränderung zum Vorjahr Quelle: Arbeitskreis „Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder“: eigene Darstellung

— 01  Wirtschaft

— 7

Wirtschaftswachstum 2009 bis 2016 in Prozent 6,0

4,1

4,0

4,6

3,7 2,7

2,4

1,6

2,0 0,0

0,5

2009 2010

2011

2012

-2,0

0,5

1,7

2,1 1,9 2,2

0,1

-0,7

2014

2015

2016

2013

-4,0 -6,0

BIP – Bruttoinlandsprodukt Das BIP ist definiert als der Gesamtwert aller Güter und Dienstleistungen, die innerhalb eines Jahres erwirtschaftet wurden – ab­­züglich der Vorleistungen und um S ­ teuern und Subventionen bereinigt. Vorleistungen wiederum sind Güter und Dienstleistungen, die im Verlauf der Produktion von anderen Wirtschaftseinheiten bezogen wurden.

-5,6

-8,0 -10,0

-9,3 Bundesgebiet

Ebenfalls wichtig bei beiden Indikatoren ist der Blick auf die mittelfristigen Ent­ wicklungen. So können Trends deutlich besser erkannt werden. Sowohl beim BIP wie auch bei den Erwerbstätigen haben wir den Zeitraum seit 2009 gewählt, da die damalige Finanzkrise zu einem mas­ siven Einbruch der Wirtschaftsleistung geführt hat. Die vergleichsweise hohen Wachstumsraten in den beiden Folge­ jahren erklären sich vor diesem Hinter­ grund.

Bremen

Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder 2017; eigene Darstellung

Entwicklung der Erwerbstätigkeit 2009 bis 2016 in Prozent 2,0

1,4 1,4

1,5

1,5 1,2

1,0

0,8 0,6

0,5

0,4

0,3

1,0 0,7

0,5

0,2

0,1 0,0

0,9

2011

2012

2013

2014

2015

2016

-0,2 -0,5

2010

-0,6 -1,0

2009 Bundesgebiet

Bremen

Quelle: Arbeitskreis „Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder“: eigene Darstellung

— 8

— Statistischer Jahresbericht 2017

Die überdurchschnittliche wirtschaft­­­liche Entwicklung im Land Bremen wurde 2016 vom verarbeitenden Gewerbe ge­ tragen, das mit 10,2 Prozent das höchste Plus verzeichnet. Im Dienstleistungs­ bereich lag das Wachstum dagegen ­deutlich niedriger: Mit einem Plus von 0,5 Prozent liegt Bremen hier am Ende des Bundesländervergleichs. Der Blick auf die reine Wertschöpfung ist jedoch einseitig. Deutlich wird dies, wenn man die Beschäftigungsentwick­ lung hinzuzieht (siehe Kapitel Beschäf­ tigung). Im Land Bremen konnte das höhere Wachstum nur wenig Beschäfti­ gung generieren. Insbesondere im pro­ duzierenden Gewerbe und in der Indus­ trie wird diese Diskrepanz für das Land ­Bremen deutlich: Die hohen Zuwachs­ raten in der Bruttowertschöpfung ­schla­gen sich nicht in gleicher Höhe bei den Arbeitsplätzen nieder.

Entwicklung der Bruttowertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes 2016 in Prozent 10,2

Bremen

3,9 3,4 3,3 3,0 2,7 2,0 1,9 1,8 1,6 1,1 0,8 0,6 0,5

Brandenburg Thüringen Sachsen Bayern Niedersachsen Baden-Württemberg Deutschland Hamburg Rheinland-Pfalz Sachsen-Anhalt Nordrhein-Westfalen Berlin Mecklenburg-Vorpommern

-0,5 -1,1 Saarland -1,3 Hessen

Schleswig-Holstein

-2,0

0,0

2,0

4,0

6,0

8,0

10,0

Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr, preisbereinigt Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder 2017; eigene Darstellung

Bruttowertschöpfung Die Bruttowertschöpfung (BWS) der einzelnen Wirtschaftsbereiche ist die Grundlage für die Berech­nungen des Bruttoinlandsprodukts. Sie ist ein Maß für den Wert, den ­Branchen in Form von Gütern und Dienstleis­ tungen schaffen. Dafür werden vom Umsatz aller Unternehmen die ­Kosten der für die Produktion notwendigen Güter und Dienstleistungen abgezogen. Produziert ein Unter­­­neh­ men beispielsweise ein gestanztes Metallteil, so werden vom Preis des Produkts das zugekaufte Blech, der notwendige Strom und die Transport­ dienstleistung abgezogen. Erfasst werden soll nur die „Wertsteigerung“, die das Produkt erhält. Die Bruttowertschöpfung besagt jedoch nichts über den Wert einer Sache, nur über ihren Preis. Maßgeblich ist der Preis, zu dem ein Produkt oder eine Dienstleistung gehandelt wird. Die Summe der BWS der einzelnen Wirtschaftsbereiche wird für das BIP addiert und um die Gütersteuern und Güter­ subventionen korrigiert.

Entwicklung der Bruttowertschöpfung in den Dienstleistungs­ bereichen 2016 in Prozent 2,8

Berlin

2,5

Sachsen

2,3 2,2 2,1

Baden-Württemberg Nordrhein-Westfalen Schleswig-Holstein

1,9 1,7 1,7 1,6 1,4 1,4 1,4 1,4

Deutschland Bayern Hessen Brandenburg Mecklenburg-Vorpommern Thüringen Niedersachsen Rheinland-Pfalz

1,0 1,0 0,9

Hamburg Sachsen-Anhalt Saarland

0,5

Bremen 0,0

0,5

1,0

1,5

2,0

2,5

Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr, preisbereinigt Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder 2017; eigene Darstellung

3,0

— 01  Wirtschaft

— 9

Bruttowertschöpfung je Arbeitsstunde 2015 58,47 € 51,86 € 50,68 € 49,91 € 49,21 € 47,39 € 46,15 € 45,37 € 44,64 € 43,35 € 43,25 € 41,97 € 37,67 € 35,34 € 35,22 € 33,96 € 33,73 €

Hamburg Hessen Bremen Baden-Württemberg Bayern Nordrhein-Westfalen Deutschland Saarland Rheinland-Pfalz Niedersachsen Berlin Schleswig-Holstein Brandenburg Sachsen-Anhalt Sachsen Mecklenburg-Vorpommern Thüringen 0,00

20,00

40,00

60,00

Bruttowertschöpfung in jeweiligen Preisen je Arbeitsstunde der Erwerbstätigen Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder 2016; eigene Darstellung

Exportquote des verarbeitenden Gewerbes 2016 in Prozent 62,5 59,4 57,0 55,4 53,9 52,2 49,7 49,7 47,6 46,0 42,4 39,5 34,0 33,4 31,6 31,5 29,9

Bremen Berlin Baden-Württemberg Rheinland-Pfalz Bayern Hessen Saarland Deutschland Niedersachsen Nordrhein-Westfalen Schleswig-Holstein Sachsen Thüringen Mecklenburg-Vorpommern Hamburg Brandenburg Sachsen-Anhalt 0

10

20

30

40

50

60

70

Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz in Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten Quelle: Bundesamt für Statistik

Wie in den Vorjahren belegt Bremen den dritten Platz bei der Bruttowertschöp­ fung pro Arbeitsstunde (da die aktuellen Werte für 2016 noch nicht veröffentlicht sind, zeigt die Abbildung das Ranking auf der Basis der Vorjahreszahlen). Der Spitzenplatz von Hamburg und Hessen erklärt sich dadurch, dass neben wichti­ gen Industrieunternehmen hier vor allem auch hochwertige Dienstleistungen an­­ gesiedelt sind. Beim Export liegt Bremen seit Jahren mit an der Spitze im Bundesländer­vergleich – ein Ausdruck des stabilen ­industriellen Kerns und der logistischen Stärke ­Bremens. ­Hamburg als Dienstleistungs­ metropole liegt hier nahezu am anderen Ende der Skala. Allerdings war Bremen deshalb auch von der Finanzkrise mit ihren welt­weiten Auswirkungen 2009 im besonderen Maße betroffen.

— 10

02 — Beschäftigung Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung 2011 bis 2016 in Prozent

Die Beschäftigtenzahlen in der Bunde­srepublik Deutschland ­steigen seit Jahren an. Das gilt auch für ­Bremen. 2016 konnte hier ein Zuwachs von 2,5 Prozent erreicht werden. Das Bundesl­and mit dem stärksten Anstieg war wie im Vorjahr Berlin mit 4,1 Pro­ zent. Der mittelfristige Vergleich mit 2011 zeigt allerdings ein im Verhält­ nis zum Bund unterdurchschnittliches Wachstum mit 8,8 Prozent (Deutschland 9,5 ­Prozent). Den stärksten Zuwachs seit 2011 er­­reichte im Bundesländervergleich ­Berlin mit einem Plus von 18 Prozent. 2016 waren im Land Bremen 319.041 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, das sind 7.851 mehr als im Vorjahr und 25.919 mehr als in 2011. Noch im vergangenen Jahr hatte ­Bremerhaven beim mittelfristigen Zuwachs die Nase vorn, getragen vor allem von den Zuwächsen in der Wind­ energiebranche und im Hafen. Aber schon im vergangenen Jahr zeichnete sich ab, dass die Dynamik der Beschäfti­ gungsentwicklung hier nachlässt. Aktu­ ell ist es sowohl im Vorjahresvergleich wie auch bei der mittelfristigen Entwick­ lung die Stadt B ­ remen, die das Beschäf­ tigungsplus im Land im Wesentlichen trägt. 2016 war es hier vor allem die ex­trem starke Entwicklung der ­Industrie, die den Beschäftigungsaufbau trägt, gefolgt von den sozialen Dienstleistungs­ branchen, die im Zusammenhang mit der Flüchtlingszuwanderung expandierten.

18,0

Berlin

12,1 11,4 11,1 10,3 10,0 9,5 9,3 8,8 8,3 8,0 7,0 5,5 4,2 4,1 3,8

Bayern Hamburg Baden-Württemberg Niedersachsen Schleswig-Holstein Deutschland Hessen Bremen Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz Sachsen Brandenburg Saarland Mecklenburg-Vorpommern Thüringen

1,5

Sachsen-Anhalt 0

5

10

15

Stichtag 30. Juni Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Prozent

10

9,5

9,0

8,6

8 6 4 2 0

2,7

2,0

Deutschland

1,5

Bremen

Fünfjahresvergleich im Vergleich zum Vorjahr und zum Jahr 2011 Stichtag 30. Juni Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Bremerhaven

Vorjahresvergleich

20

— 11

— 02  Beschäftigung

Die Branchen nach ihrer Größe im Land Bremen 2016 in Prozent

verarbeitendes Gewerbe

17,7

Handel, Instandhaltung, Reparatur von Kfz

12,4 10,9

Verkehr und Lagerei Immobilien, freiberufliche wissenschaftliche und technische Dienstleistungen

9,0

Gesundheitswesen

7,0 6,6

Heime und Sozialwesen sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (ohne Arbeitnehmerüberlassung)

4,9 4,7 4,6 4,2 4,1 3,9 3,1 2,9 2,5 1,6

sonstige Dienstleistungen, private Haushalte Arbeitnehmerüberlassung öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung, ext. Organisationen Erziehung und Unterricht Baugewerbe Gastgewerbe Information und Kommunikation Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen Bergbau, Energie- und Wasserversorgung, Energiewirtschaft 0 Anteile der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der jeweiligen Branche an allen Beschäftigten, Juni 2016 Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Boombranchen und Beschäftigungsrückgänge im Land Bremen 2016

2.293

verarbeitendes Gewerbe

909

Heime und Sozialwesen Immobilien, freiberufliche wissenschaftliche und technische Dienstleistungen

843 811

Arbeitnehmerüberlassung sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (ohne Arbeitnehmerüberlassung) Handel, Instandhaltung, Reparatur von Kfz Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen

572 -103 -265 -500

im Vergleich zum Vorjahr (WZ 2008) Stichtag 30. Juni Quelle: Bundesagentur für Arbeit

0

1.000

2.000

5

10

15

— 12

— Statistischer Jahresbericht 2017

Verteilung der Arbeitsverhältnisse im Land Bremen 2016 250.000

228.544

200.000 150.000

Wie schon im Vorjahr ist die Zahl der sogenannten „ausschließlichen ­Minijobs“ deutlich geschrumpft. Anders als im Minijob im Nebenjob gibt es hier kein weiteres Einkommen zum Beispiel aus sozialversicherungspflichtiger Beschäfti­ gung oder aus Rente. Der Rückgang lässt sich teilweise mit der Einführung des Mindestlohns erklären: Der Anteil der Beschäftigten mit einem Stundenlohn von unter 8,50 Euro – heute 8,84 Euro – war bei den Minijobbern besonders groß. Nach wie vor dominiert auch im Land Bremen das Vollzeitarbeitsver­hältnis (35 Stunden und mehr) die atypischen Arbeitsverhältnisse – allerdings mit leicht sinkender Tendenz. In den bei­ den Abbildungen überlappen sich die Beschäftigungsformen teilweise. So ­be­deutet Minijob im Nebenjob, dass da­­neben noch ein Arbeitsverhältnis besteht, sei es in Vollzeit- oder Teilzeit­ beschäftigung oder als Beamter. Leih­ arbeitsverhältsnisse wiederum finden überwiegend in Vollzeitbeschäftigung statt, daneben aber auch in Teilzeit oder sogar als Minijob. Und noch eine Unter­ scheidung ist in ­diesem Zusammenhang wichtig: In den beiden Abbildungen wer­ den alle Leiharbeitnehmer betrachtet, also auch diejenigen, die in Unterneh­ men arbeiten, die ihren Schwerpunkt in einer anderen Branche haben. Leih­arbeit ist in einer Reihe von Unternehmen nur eines von mehreren Tätigkeitsfeldern. Die Zahlen zur Leiharbeit als Beschäfti­ gungsform hier unterscheiden sich also von denen in der Branche Leiharbeit und sind deutlich höher.

90.493

100.000

46.290

50.000 0

Vollzeit

Teilzeit

23.353

Minijob Minijob im (ausschließlich) Nebenjob

17.310 Leiharbeit

Stichtag Juni 2016 Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Entwicklung der Beschäftigungsformen im Land Bremen 2016 im Vorjahresvergleich 6.000

4.791 4.000

3.093

2.000 Minijob (ausschließlich) 0

Vollzeit

Teilzeit

-2.000

1.251 199 Minijob im Nebenjob

Leiharbeit

-1.663

Stichtag 30. Juni Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Entwicklung der Beschäftigungsformen im Land Bremen von 2011 bis 2016 28.682 28.000

18.000

8.000 Minijob Minijob im (ausschließlich) Nebenjob

Vollzeit 0

-488

Stichtag 30. Juni Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Teilzeit

-29

-793

1.831 Leiharbeit

— 02  Beschäftigung

— 13

Frauenanteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 2016 in Prozent 51,3

Mecklenburg-Vorpommern

50,6

Berlin

49,6

Sachsen-Anhalt

49,0

Sachsen

48,6

Thüringen

Der Frauenanteil an den Be­­schäftigten hat leicht abgenommen. Das Land Bremen ist damit nach wie vor im ­Ländervergleich an letzter Stelle. Da der Beschäftigungsaufbau vor allem in der Industrie stattfand, lagen auch die Beschäftigungsgewinne vor allem bei den Männern. Hier entstanden 5.279 Arbeitsplätze, ein Plus von 3,0 Prozent. Bei den Frauen war das Wachstum mit 1,9 Prozent deutlich geringer, hier ent­ standen 2.572 Arbeitsplätze. Maßnah­ men für einen ­leichteren Arbeitsmarkt­ einstieg für Frauen sind daher weiterhin wichtig.

48,4

Brandenburg

47,9

Schleswig-Holstein

46,6

Rheinland-Pfalz

46,6

Hamburg

46,4

Deutschland Bayern

45,8

Niedersachsen

45,8 45,5

Hessen Saarland

45,3

Nordrhein-Westfalen

45,2 45,2

Baden-Württemberg

43,8

Bremen 40

45

50

Stichtag 30. Juni Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Qualifikation der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 2016 in Prozent

62,6

61,9 58,2

60

40

20

0

13,3 12,2 11,8

ohne beruflichen Ausbildungsabschluss Deutschland

15,0

17,1 9,9

mit anerkanntem Berufsabschluss

mit akademischem Abschluss

Bremen, Stadt

10,7

12,4

14,9

Ausbildung unbekannt

Bremerhaven

Anteil der Beschäftigten nach ihrem Ausbildungsniveau an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, Stichtag 30. Juni Quelle: Bundesagentur für Arbeit

— 14

03 — Arbeitsmarkt Arbeitslosigkeit in Bremen 2016

Arbeitslose insgesamt

Arbeitslosenquote (bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen)

darunter: Langzeitarbeitslose

Ausländer

unter 20 Jahre

über 55 Jahre

Männer

Frauen

gesamt

absolut

Männer

Frauen

in Prozent

Land Bremen

36.393

16.183

11.730

658

5.763

20.244

16.149

10,5

11,0

Stadt Bremen

27.856

11.896

9.321

472

4.410

15.397

12.459

9,7

10,1

9,2

8.537

3.757

2.410

186

1.353

4.847

3.690

14,6

15,1

14,0

Bremerhaven

10,0

Bestand an Arbeitslosen, Jahresdurchschnittswerte 2016 Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Die Arbeitslosenquote im Land ­ remen lag im Jahr 2016 bei 10,5 Pro­ B zent. Damit bewegt sie sich auf dem Niveau der vergangenen Jahre, wie auch die Zahl der Arbeitslosen mit rund 36.400 Menschen. Trotz der steigenden Beschäftigung konnte die Arbeitslosig­ keit im Land Bremen nicht nachhaltig gesenkt werden, die Arbeitslosen profi­ tieren folglich nicht von der Entwicklung des Arbeitsmarktes. Deutschlandweit ist hingegen ein rück­ läufiger Trend zu beobachten. Im Bun­ des­­­­­­durchschnitt liegt die Arbeits­losen­ quote bei 5,9 Prozent, alle Bundesländer weisen im Vorjahresvergleich eine sin­ ken­de Quote auf. Wie schon im Vorjahr belegt das Land Bremen den letzten Platz im Bundesländervergleich.

„Arbeitslose profitieren folglich ­ nicht von der Entwicklung des Arbeitsmarktes.“

Langfristige Entwicklung der Arbeitslosenquoten im Land Bremen und Deutschland 2006 bis 2017 in Prozent 16

14,9

14 12 10 8

12,6 11,1

10,5 8,8

7,5

12,0 12,0 11,6

8,1

7,5

11,0 10,9 10,8 10,9 10,5 10,4

6,9 6,6 6,6 6,5 6,2

6 4

5,9 6,0

Juni Juni Juni Juni Juni Juni Juni Juni Juni Juni Juni März 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Deutschland

Stichtag jeweils 30. Juni; Ausnahme 2017: 31. Mai Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Land Bremen

— 15

— 03  Arbeitsmarkt

Arbeitslosenquoten im Landervergleich 2016 in Prozent 10,5 9,8 9,7 9,6

Bremen Berlin Mecklenburg-Vorpommern Sachsen-Anhalt

8,0 7,7 7,5 7,2 7,1 6,7 6,3 6,1 6,0 5,3 5,1

Brandenburg Nordrhein-Westfalen Sachsen Saarland Hamburg Thüringen Schleswig-Holstein Deutschland Niedersachsen Hessen Rheinland-Pfalz

Die Arbeitslosenquote steht häufig in der Kritik, da sie nicht alle Arbeit suchen­ den Menschen erfasst. Deshalb weist die Bundes­agentur für Arbeit auch eine so­ genannte Unterbeschäftigungsquote aus. Dabei werden auch Menschen berück­ sichtigt, die kein reguläres Beschäfti­ gungsverhältnis haben. Beispielsweise Menschen, die eine geförderte Qualifizie­ rung erhalten oder in einem geförderten Beschäftigungsverhältnis arbeiten. Neben den 36.366 Arbeitslosen im Land Bremen sind weitere 12.810 Personen ent­weder „im weiteren Sinne arbeitslos“ oder „nah am Arbeitslosenstatus“. Damit liegt die Unterbeschäftigungsquote im Land ­Bremen bei 13,9 Prozent, in Deutschland hingegen nur bei 7,9 Prozent.

3,8 3,5

Baden-Württemberg Bayern 0

2

4

6

8

10

12

Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, Jahresdurchschnittswerte 2016 Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Arbeitslosenquoten 2016 Bremen im Städtevergleich in Prozent

Arbeitslosenquoten 2016 Bremerhaven im Städtevergleich in Prozent

Essen

11,9

Bremerhaven

Dortmund

11,8

Offenbach

9,7

Bremen

0

5

7,2 6,5

Koblenz

6,6

Nürnberg

7,6

Pforzheim

7,3

Dresden

8,7

Bottrop

7,8

Düsseldorf

10,3

Remscheid

8,8

Leipzig

14,6

6,0

Fürth 10

15

Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, Jahresdurchschnittswerte 2016 Quelle: Bundesagentur für Arbeit

0

5

10

15

Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, Jahresdurchschnittswerte 2016 Quelle: Bundesagentur für Arbeit

— 16

04 — Einkommen Arbeitnehmerverdienste 2016 in Euro

Die Verdienste im Land Bremen sind gegenüber dem Bund nach wie vor über­ durchschnittlich. Die Abbildung zeigt das durchschnittliche Monats­gehalt aller Vollzeitbeschäftigten – ohne Sonder­ zahlungen (siehe Kasten). Auch hat sich der Anstieg der realen Einkommen wei­ ter fortgesetzt, das heißt, selbst nach Abzug der Preissteigerungen haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nun tatsächlich wieder mehr Geld in der Tasche, die Kaufkraft ist gewachsen. Es sind insbesondere die Löhne im verar­ beitenden Gewerbe, den Unternehmens­ beratungen und den Finanzdienstleistun­ gen, die den Bremer Schnitt verbessern. Zusätzlich spielte die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns Anfang 2016 bei den schlecht bezahlten Tätigkeiten eine wichtige Rolle.

4.111

Hamburg

4.065

Hessen

3.995

Baden-Württemberg

3.880

Bayern

3.797

Nordrhein-Westfalen

3.759

Bremen

3.703

Deutschland

3.655

Rheinland-Pfalz Berlin

3.613

Saarland

3.570 3.505

Niedersachsen

3.393

Schleswig-Holstein Brandenburg

3.023

Sachsen-Anhalt

3.002

Sachsen

2.998

Thüringen

2.918

Mecklenburg-Vorpommern

2.876 0

1.000

2.000

3.000

4.000

Vollzeitbeschäftigte, ohne Sonderzahlungen, Jahresdurchschnittswerte Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Sonderzahlungen Bei den Bruttomonatsverdiensten in den Branchen werden auch die Sonderzahlungen aufgezeigt. Sonderzahlungen entsprechen den „sonstigen Bezügen“ gemäß den Lohnsteuerrichtlinien. Dies sind unregelmäßige, nicht jeden Monat geleistete Zahlungen wie Urlaubs-, Weihnachtsgeld, Leistungsprämien, Prämien für Verbesserungsvorschläge oder Er­­ findungen, Abfindungen, Gewinnbeteiligungen. Auch Nachzahlungen, zum Beispiel aufgrund von Tarif­­er­höhungen, die sich auf Zeiträume außerhalb des laufenden Kalender­ jahres beziehen, zählen zu den Sonder­­­­zahlungen im Sinne der Lohnsteuerrichtlinien.

— 04  Einkommen

— 17

Bruttomonatsverdienste nach Branchen im Land Bremen 2016 in Euro

1.675 4.924 1.675 4.747 1.503 4.627 1.464 4.080 1.060 4.442 927 4.320 758 4.396 218 4.538 302 4.360 56 4.530 600 3.984 612 3.833 33 4.297 558 3.649 590 3.511 411 3.624 423 3.611 476 3.543 332 3.550 77 3.791 370 3.409 20 3.696 3.196 513 3.137 549 2.663 275 2.443 102 8 2.080

Finanzdienstleistungen Herstellung von Kfz und Kfz-Teilen Finanz- und Versicherungsdienstleistungen Versicherungen verarbeitendes Gewerbe Herstellung von Metallerzeugnissen Maschinenbau

Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie

Information und Kommunikation Kunst, Unterhaltung und Erholung Telekommunikation Verlagswesen Erziehung und Unterricht Herstellung von chemischen Erzeugnissen Verkehr und Lagerei Herstellung von Nahrungs-und Futtermitteln Herstellung von Druckerzeugnissen Großhandel Dienstleistungsbereich Gesundheits- und Sozialwesen Grundstücks- und Wohnungswesen öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung

Baugewerbe Schlachten, Fleisch- und Fischverarbeitung Einzelhandel Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften

Gastgewerbe 0 Sonderzahlungen

2.000

4.000

6.000

Bruttomonatsverdienste

Bruttomonatsverdienste und Sonderzahlungen vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer, 2. Quartal 2016 Quelle: Statistisches Landesamt Bremen

8.000

Die Abbildung zeigt die deutlichen Unter­­­schiede bei den Einkünften der sozialversicherungspflichtig Vollzeit­­­be­ schäftigten. Finanzdienstleistungen und die Automobilindustrie führen die Liste der Verdienste an. Zugleich beziehen sie nennenswerte Sonderzahlungen. Am unteren Ende der Skala liegen Einzel­ handel, Leih­arbeit und Gastgewerbe. ­Insbesondere bei ­Leiharbeit und Gastge­ werbe haben auch die Sonderzahlungen einen deutlich geringeren Stellenwert. Eine ausführliche Analyse der Arbeit­ nehmereinkommen findet sich auf der Website der Arbeitnehmerkammer.

— 18

— Statistischer Jahresbericht 2017

Nachdem die vorigen Abbildungen in diesem Kapitel die Monatsverdienste Vollzeitbeschäftigter betrachtet haben, lassen sich Verdienste in Teilzeitbe­ schäftigungen nur anhand von Stunden­ löhnen miteinander und mit denen von Vollzeitbeschäftigten vergleichen. Der Befund ändert sich dabei nicht: In allen ­Branchen außer in der öffentlichen Ver­ waltung sind die Stundenlöhne von Teilzeitbeschäftigten zum Teil ­deutlich geringer als die der Vollzeiterwerbs­ tätigen. Die Ursachen sind vielfältig: So sind Leitungsstellen in der Regel nur in Vollzeit zu haben, sie haben aber auch die höheren Stundenlöhne. Der Gleich­ klang von Voll- und Teilzeitstunden­ löhnen im öffentlichen Dienst und bei den Sozialversicherungen liefert einen Hinweis darauf, dass hier auch besser dotierte Stellen in Teilzeit ausgeübt wer­ den und die Tarifbindung eine Ungleich­ behandlung verhindert. Übrigens: Der mit Abstand größte Verdienstunterschied in der Branche Kunst, Unterhaltung und Erholung ist nicht zuletzt auf den Werder-­Kader zurückzuführen: Hier wird in Vollzeit gekickt und bekanntlich recht gut verdient. Studien zeigen jedoch, dass ein Grund für den Abstand der Stundenlöhne leider auch und nach wie vor die Lohndiskrimi­ nierung Teilzeitbeschäftigter ist. Obwohl gesetzlich verboten, muss davon ausge­ gangen werden, dass in der betrieb­lichen Praxis sowohl Minijobber als auch „nor­ male“ Teilzeitbeschäftigte schlechter bezahlt werden als Vollzeitbeschäftigte, die derselben Arbeit nachgehen.

Lohnabstand zwischen Vollzeit und Teilzeit 2016 im Land Bremen in Euro 27,68 24,14 27,39 22,74 26,60

Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verarbeitendes Gewerbe Kunst, Unterhaltung und Erholung

15,14

Information und Kommunikation

19,63

25,45

25,00 21,80 23,68 19,75 22,56 18,01 21,42 21,08 21,10 17,33 19,95 17,28 19,15 17,35 18,61 14,24 15,99 13,94 Vollzeit 12,69 Teilzeit 9,82

Erziehung und Unterricht Erbringung von freiberuflichen, wiss. und technischen Dienstleistungen Gesundheits- und Sozialwesen öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung Dienstleistungsbereich Erbringung von sonstigen Dienstleistungen Baugewerbe Handel Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen Gastgewerbe 0

10

20

30

Bruttostundenverdienste ohne Sonderzahlungen, jeweils für vollzeit- und teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer, 2. Quartal 2016, Quelle: Statistisches Landesamt Bremen

Stundenlöhne nach Leistungsgruppen von Männern und Frauen im Land Bremen 2016 in Euro 45 40 35 30

Männer

40,11

Frauen

31,60 27,99

25

22,91

20

20,69 17,47

15

17,46 13,30

10

11,97 11,26

5 0 Arbeitnehmer herausgehobene in leitender Fachkräfte Stellung Leistungsgruppe 1

Leistungsgruppe 2

Fachkräfte

angelernte Arbeitnehmer

ungelernte Arbeitnehmer

Leistungsgruppe 3

Leistungsgruppe 4

Leistungsgruppe 5

Bruttostundenlöhne für vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer nach Geschlecht und Leistungsgruppen ohne Sonderzahlungen, 2. Quartal 2016 Quelle: Statistisches Landesamt Bremen

— 04  Einkommen

— 19

„In keiner Branche, auch nicht in den frauentypischen, verdienen Frauen mehr als Männer.“ Verdienstabstände zwischen Männern und Frauen im Land Bremen 2016 in Prozent öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung

-6,5

Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen

-11,4

Gastgewerbe

-11,6

Erziehung und Unterricht

-11,9

Der Lohnabstand bei den S ­ tundenlöhnen von Männern und Frauen – der soge­ nannte unbereinigte Gender Pay Gap – liegt im Land B ­ remen insgesamt bei rund 18 Prozent – mit Einbeziehung der Sonderzahlungen ist er deutlich höher. Qualifikationsunterschiede, ­schlechter bezahlte „typische“ Frauenberufe, mehr Teilzeitbeschäftigung von Frauen, aber auch geringere Gehaltszuwächse im Lebensverlauf durch Erwerbsunterbre­ chungen zugunsten von Kindererziehung spielen hier typischerweise eine Rolle. Studien, die versuchen, solche Struktur­ effekte aus dem Lohnabstand herauszu­ rechnen, kommen im Ergebnis zu einem sogenannten „bereinigten“ Gender Pay Gap von rund acht Prozent, der letztlich nur mit diskriminierenden Praktiken am Arbeitsmarkt erklärt werden kann. Er enthält keine erklärbaren, strukturellen oder arbeitsplatzrelevanten Gehaltsun­ terschiede mehr.

-12,7

Handel

-14,3

Dienstleistungsbereich

-15,0

Grundstücks- und Wohnungswesen

-16,7

Verkehr und Lagerei Erbringung von sonstigen Dienstleistungen

-17,3 -18,0

alle Branchen

-19,2

verarbeitendes Gewerbe

-21,0

Information und Kommunikation Erbringung von freiberuflichen, wiss. und technischen Dienstleistungen

-25,0

Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen

-26,1

Gesundheits- und Sozialwesen -31,2 -35

-30

-25

-20

-15

-10

Stundenlöhne ohne Sonderzahlungen der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer, 2. Quartal 2016 Quelle: Statistisches Landesamt Bremen

-5

0

Und: In keiner Branche, auch nicht in den frauentypischen, verdienen Frauen mehr als Männer.

— 20

05 — Öffentliche Finanzen Finanzierungsdefizit (Kernhaushalt) des Stadtstaats Bremen in Millionen Euro (ohne Konsolidierungshilfen)

Die Haushaltszahlen für das Land Bremen waren im vergangenen Jahr überraschend positiv: Mit den 300 Mil­ lionen Euro an Konsolidierungs­hilfen konnte sogar ein leichtes Plus ­verbucht werden. Ursächlich waren höhere Steuer­­­­einnahmen, mehr Geld vom Bund und aus dem Länderfinanzausgleich, geringere Zinszahlungen und niedrigere Ausgaben für geflüchtete Menschen. Der positive Trend hält damit an. Zu Beginn des Konsolidierungspfades 2010 betrug das Defizit noch über 1,2 Milliarden Euro und konnte seither auf unter 300 Millionen Euro (ohne Konsolidie­ rungshilfen) in 2016 und damit weniger als ein Viertel des Ausgangswertes re­du­ ziert werden. Dennoch bleibt die finanzielle S ­ ituation hierzulande angespannt. Insbe­sondere der nach wie vor hohe Schulden­stand sorgt für hohe Vorbelastungen des Haus­ halts – und auf Sicht für ein enormes Risiko. Schon beim heutigen historisch niedrigen Zinsniveau ist jeder sechste Euro an Steuereinnahmen für die Zins­ zahlungen gebunden. Im Durchschnitt aller Bundesländer liegt der Anteil der Steuereinnahmen, der für Zins­ ausgaben aufzuwenden ist, bei ledig­ lich 5,6 Prozent. Rein rechnerisch hat jede ­Bremerin und jeder ­Bremer allein über 32.000 Euro an Landes­schulden zu ­tragen.

1.400

1.217 1.200

1.000

839

801

768

800

725 561

600

400

298

200

0

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

Quelle: Senatorin für Finanzen

Zins-Steuer-Quote 2016 in Prozent 1,9 2,2

Sachsen Bayern

4,6 5,2 5,3 5,5 5,6 6,0 6,4 6,5 7,0 7,1 7,5 8,1 8,7

Brandenburg Nordrhein-Westfalen Baden-Württemberg Mecklenburg-Vorpommern Länderdurchschnitt Hessen Hamburg Niedersachsen Thüringen Sachsen-Anhalt Schleswig-Holstein Rheinland-Pfalz Berlin

13,5

Saarland

16,3

Bremen 0 Quelle: Stabilitätsrat

5

10

15

20

— 21

— 05  Öffentliche Finanzen

Schuldenstand je Einwohner 2016

35.000 € Bremen

30.000 €

Durchschnitt

Haushalt und Schulden je Einwohner 2016

25.000 € 20.000 € Hamburg 15.000 € 10.000 € 5.000 € 0€ - 200 €

Saarland NordrheinWestfalen Rheinland-Pfalz Baden-Württemberg

Schleswig-Holstein

0€

Sachsen-Anhalt

Niedersachsen

Hessen

Durchschnitt Thüringen Brandenburg

Bayern

Sachsen -100 €

Berlin

100 €

200 €

300 €

MecklenburgVorpommern 400 €

500 €

Finanzierungssaldo je Einwohner 2016 Quellen: Statistisches Bundesamt 2017 (Fachserie 14, Reihe 5.2) und Bundesministerium der Finanzen 2017 (Monatsbericht Februar) Im Finanzierungssaldo sind für Sachsen 387 Millionen Euro (95 Euro je Einwohner) Tilgungsausgaben an Extra­haushalte rausgerechnet (Schulden beim nicht öffentlichen Bereich). Die Umrechnung erfolgt anhand der Einwohnerzahlen zum 31.12.2015, da sich die Bevölkerungsfortschreibung 2016 des Statistischen Bundesamts verzögert.

Der gefundene Kompromiss beim Län­ derfinanzausgleich sorgt nicht nur für Planbarkeit über das Jahr 2020 ­hinaus, sondern auch für zusätzliche Einnah­ men im Landeshaushalt. Unter anderem ­stehen Bremen – ebenso wie dem Saar­ land – 400 Millionen Euro als Sanie­ rungshilfe im Jahr zu. Alle Ausgaben­ wünsche werden jedoch auch zukünftig nicht erfüllt werden können: Bremen hat sich verpflichtet, ab 2020 jedes Jahr 80 Millionen Euro an Schulden abzu­ bauen – den Schuldenberg von rund 21,5 Milliarden Euro wäre man damit rechnerisch zwar erst in fast 270 Jahren los, aber die Trendumkehr nach Dekaden immer steigender Schulden wäre ohne Zweifel ein Erfolg, der der finanzpoliti­ schen Stabilität Bremens zugutekäme.

— 22

06 — Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung im Land Bremen 2011 bis 2015

Bremen wächst Bedingt durch statistische Ungenauig­keiten bei der Fortschreibung der Bevölkerungszahlen mussten diese in nicht unerheblichem Umfang in vielen Regionen Deutschlands nach den Zensus-­ Ergebnissen 2011 nach unten korrigiert werden. Davon waren sowohl Bremen als auch Bremerhaven betroffen. D ­ ennoch konnte für das Land Bremen in den ver­ gangenen Jahren ein deutlicher Wande­ rungsgewinn verzeichnet werden, der vor allem durch europäische Fernwan­ derungen verursacht wurde. Den größ­ ten Anteil am Wanderungssaldo aus dem Ausland haben Bürger der EU-28-Staaten unter anderem aus Bulgarien, Griechen­ land, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowe­ nien und Ungarn. Aufgrund der positiven Wanderungssalden nimmt die Bevölke­ rung im Land Bremen weiter zu. Aller­ dings gibt es nach wie vor ein ­negatives Geburtensaldo – es werden also in einem Jahr weniger Menschen geboren als ­sterben.

Land Bremen

2011

2012

2013

2014

2015

652.182

654.774

657.391

661.888

671.489

Bremen

544.043

546.451

548.547

551.767

557.464

Bremerhaven

108.139

108.323

108.844

110.121

114.025

2013

2014

2015

Quelle: Statistisches Landesamt Bremen

Bevölkerungsbewegung 2011 bis 2015

2011

2012

Bevölkerungszunahme (+) bzw. -abnahme (-) Land Bremen

595

2.592

2.617

4.497

9.601

Bremen

979

2.408

2.096

3.220

5.697

184

521

1.277

3.904

Bremerhaven

-384

Wanderungsgewinn (+) bzw. -verlust (-) Land Bremen

2.708

4.103

4.542

Bremen

5.070

10.465

2.566

3.514

3.434

3.392

6.244

Bremerhaven

142

589

1.108

1.678

4.221

Land Bremen

-2.023

-1.848

-2.141

-1.226

-1.302

Bremen

-1.513

-1.411

-1.529

-771

-969

-510

-437

-612

-455

-333

Geburten- (+) bzw. Sterbeüberschuss (-)

Bremerhaven

Quelle: Statistisches Landesamt Bremen

Bevölkerungsveränderungen Land Bremen 2011 bis 2015 Datenbasis Derzeit muss für die Berichts­­quartale ab 2016 in der Bevölkerungsfortschreibung mit Verzögerungen von mehreren Monaten gerechnet werden; das erste Quartal 2016 nach Bundesländern wird aus heutiger Sicht frühestens im Mai 2017 vorliegen und findet somit in ­dieser Ver­ öffentlichung noch keinen Eingang.

9.601

10.000 8.000 6.000

4.497 4.000

2.592

2.617

2012

2013

2.000

595 0

2011

Quelle: Statistisches Landesamt Bremen

2014

2015

— 06  Bevölkerung

— 23

Saldo aus Zu- und Fortzügen für die Stadt Bremerhaven 2011 bis 2015

Besonders bemerkenswert ist die nun schon fünf Jahre andauernde positive Wanderungsbilanz der Stadt Bremer­ haven – ganz offensichtlich ein Indiz für die zunehmende Attraktivität der Stadt am Meer. Damit scheint der über viele Jahre andauernde Prozess der Schrump­ fung gestoppt und die Trendwende im Hinblick auf die Bevölkerungsentwick­ lung vollzogen.

5.000

4.221 4.000 3.000

1.678

2.000

1.108 1.000

589 142

0

2011

2012

2013

2014

2015

Quelle: Statistisches Landesamt Bremen

Bevölkerungsentwicklung in den Bundesländern 2011 bis 2015 in Prozent

5,8

Berlin

4,0

Hamburg

3,5

Baden-Württemberg

3,2

Bayern Hessen

3,0

Bremen

3,0

Schleswig-Holstein

2,0

Niedersachsen

2,0

Der Fünfjahresvergleich für die Bundes­ länder zeigt ein uneinheitliches Ergebnis hinsichtlich der Bevölkerungsentwick­ lung. Konnten unter den Flächenländern vor allem Baden-Württemberg, Bayern und Hessen in deutlichem Umfang neue Einwohner hinzugewinnen, mussten vor allem Sachsen-Anhalt, Thüringen und das Saarland Bevölkerungsrückgänge hinnehmen. Der Bevölkerungszuwachs im Land Bremen fällt hingegen mit fast drei Prozent hoch aus, ist aber im direk­ ten Vergleich mit den Stadtstaaten ­Hamburg und Berlin geringer.

1,8

Nordrhein-Westfalen

1,6

Rheinland-Pfalz

1,3

Brandenburg

0,8

Sachsen

0,3

Mecklenburg-Vorpommern

-0,2

Saarland

-0,5

Thüringen Sachsen-Anhalt -1,4 -2

0

Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2017

2

Vergleicht man die beiden Städte ­Bremen und Bremerhaven ­hinsichtlich der Wanderungsbewegungen, so fällt auf, dass sich in beiden Städten der positive Bevölkerungssaldo vor allem auf Auslandswanderungen zurückfüh­ ren lässt. Das Land Bremen kann zum wieder­holten Mal im Saldo keine Neu­ bürger mehr gewinnen, die aus ­anderen Regionen der Bundesrepublik zu uns ­ziehen (Binnen-Fernwanderungsge­ winne). Ungebrochen ist dagegen nach wie vor der Trend zur Suburbanisierung – sogar mit zunehmender Tendenz. Im Jahr 2015 gab es sowohl in Bremen wie auch in Bremerhaven ein negatives Saldo zwischen Zu- und Fortzügen mit der jeweiligen Stadtregion.

4

6

— 24

— Statistischer Jahresbericht 2017

Der Städtevergleich zeigt indes, dass Städte insgesamt an Attraktivität gewin­ nen (Zahlen sind hier nur bis Ende 2015 verfügbar). Bremen liegt hier allerdings an letzter Stelle und hatte beim Bevölke­ rungswachstum nicht die gleiche Dyna­ mik wie entsprechende Großstädte. Bei den Vergleichsstädten Bremerha­ vens zeigt sich, dass gemeinsam mit Pforzheim, Koblenz, Fürth und Offen­ bach die Bevölkerungsrückgänge auch hier gestoppt werden konnten und in­­ zwischen wieder Gewinne zu verzeich­ nen sind. Auch Bottrop konnte wieder eine – wenn auch geringere – Zunahme verzeichnen. In Remscheid hin­gegen konnte die Trendwende noch nicht ­vollzogen werden.

Bevölkerungsentwicklung für Bremen im Städtevergleich 2011 bis 2015 in Prozent

9,9

Leipzig (560.472)

5,0

Dresden (543.825)

4,5

Hannover (532.163)

4,1

Nürnberg (509.975)

3,8

Düsseldorf (612.178)

3,0

Essen (582.624)

2,6

Dortmund (586.181)

2,5

Bremen (557.464) 0

2

4

6

8

10

Wert in Klammern: Einwohnerzahl am 31.12.2015 Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Statistisches Bundesamt 2017

„Bremen liegt an letzter

Bevölkerungsentwicklung für Bremerhaven im Städtevergleich 2011 bis 2015 in Prozent

Stelle und hatte beim Be­ völkerungswachstum nicht die gleiche Dynamik wie ­entsprechende Großstädte.“

7,7

Offenbach (123.734)

6,5

Fürth (124.171)

6,1

Pforzheim (122.247)

5,4

Bremerhaven (114.025)

4,3

Koblenz (112.586)

0,1

Bottrop (117.143)

-0,6

Remscheid (109.499) -2

0

2

4

Wert in Klammern: Einwohnerzahl am 31.12.2015 Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Statistisches Bundesamt 2017

6

8

— 25

— 06  Bevölkerung

Die prognostizierten Zahlen für das Jahr 2035 stammen aus der Bevölkerungs­ vorausschätzung des Statistischen Landes­­amtes Bremen, die die ­letzten ­verfügbaren Daten über natürliche Bevölkerungsentwicklung, das Wande­ rungsverhalten und die Migration fort­ schreibt. Demnach ist der Bevölkerungs­ stand von Anfang 1990 wieder erreicht und laut Prognose wächst die Bevölke­ rung weiter. Gegenüber der vorherigen veröffentlichten Rechnung aus dem Jahr 2016 haben sich die Zahlen etwas ver­ ändert. So erwartet man für 2035 in der Stadt Bremen nun 98.902 Kinder unter 15 Jahren.

Bevölkerungsentwicklung und -prognose Land Bremen 710.000

705.463 Bevölkerung am Jahresende

700.000 Bevölkerungsvorausberechnung 690.000

680.000

Die Bevölkerung im Land Bremen wird älter. Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter – so die Schätzung – wird bis zum Jahr 2035 um gut 7.175 (–1,6 Prozent) zurückgehen. Umgekehrt wird die Zahl der über 65-Jährigen im Zeitraum 2015 bis 2035 um rund 26.539 (18,6 Prozent) steigen. Allerdings hat sich die Alterungs-Dynamik der vorhe­ rigen Prognosen – vor allem durch die positiven Wanderungssalden – verlang­ samt und es wird von einer deutlichen Zunahme junger Menschen ausgegangen. So soll der Anteil der unter 15-Jährigen um fast 18 Prozent steigen.

677.751

681.665 671.489

670.000

660.000

650.000

1990

1995

2000

2005

2010

2015

2020

2025

2030

2035

Quelle: Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamtes Bremen (April 2017); Basiszeitpunkt 31.12.2015

Die Bevölkerung im Land Bremen wird älter (Prognose)

Veränderungen der Altersklassen im Land Bremen 2015-2035 (Prognose) in Prozent

750.000 600.000

142.615

142.850

169.154

unter 15 Jahren

444.584

445.726

437.409

15 bis 65 Jahre

83.979

89.176

98.902

über 65 Jahre

2015

2016

2035

17,8

450.000 300.000

-1,6

150.000 0

unter 15 Jahren

15 bis 65 Jahre

über 65 Jahre

Quelle: Statistisches Landesamt Bremen 2017; eigene Berechnungen

18,6 -5

0

5

10

15

Quelle: Statistisches Landesamt Bremen 2017; eigene Berechnungen

20

— 26

07 — Soziales Quoten der Armutsgefährung und SGB-II-Quoten, Land Bremen 2006 bis 2015 in Prozent

Wer in einem Haushalt lebt, dem weniger als 60 Prozent des ­mittleren (Median-)Einkommens zur Verfügung steht, gilt nach dem Konzept der re­la­ tiven Armut als armutsgefährdet. Diese Armutsgrenze lag im Jahr 2015 für einen Einpersonenhaushalt im Land Bremen bei 829 Euro netto im Monat. Lagen Armutsgefährdung und SGB-II-Bezug vor knapp zehn Jahren eng beieinander, so entwickeln sich die Quoten seitdem aus­ einander. Die Gefährdung durch Armut nimmt zu, die SGB-II-Quote ging leicht zurück, steigt jedoch aktuell wieder. Der Grund: Durch die Ausweitung von atypi­ scher und prekärer Beschäftigung nimmt der Anteil derer zu, die trotz Arbeit von Armut betroffen sind. Waren 2015 im Bund 7,7 Prozent der abhängig Erwerbs­ tätigen armutsgefährdet, so waren es im Land Bremen 13,3 Prozent.

24,6

25 24 22 21

22,0 21,1

20,4

20,1 19,1

20 19 18 17 16

19,1

18,6 18,4

18,1

18,5

2006 2007 2008 2009 2010

18,9

18,1

17,9

17,9

17,9

2011

2012

2013

2014

Armutsquote

2015

SGB-II-Quote

Quelle: Statistisches Bundesamt, Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ)

Armutsgefährdungsquoten der Bundesländer 2015 in Prozent (gemessen am Bundesmedian)

24,8 22,4 21,7 20,1 18,9 18,6 17,5 17,2 16,8 16,5 15,7 15,7 15,2 14,6 14,4

Bremen

Zur Methode Bereits seit Beginn der 1980er-Jahre setzte sich innerhalb der Europä­ ischen Ge­meinschaft das Konzept der relativen Einkommensarmut durch. Arm ist danach, wer über weniger als die Hälfte des mittleren (Median-)Einkommens ­verfügt. Sind es weniger als 60 Prozent, be­steht zumindest ein Armutsrisiko. Diese Methode berücksichtigt die sehr unterschiedlichen wirtschaft­lichen Verhältnisse in einzelnen europäischen Staaten: Denn in ­Bulgarien sieht Armut anders aus als in Deutschland, Norwegen oder Polen.

24,8

22,9

22,2

23

24,1

Berlin Mecklenburg-Vorpommern Sachsen-Anhalt Thüringen Sachsen Nordrhein-Westfalen Saarland Brandenburg Niedersachsen Hamburg Deutschland Rheinland-Pfalz Schleswig-Holstein Hessen

11,8 11,6

Baden-Württemberg Bayern 0

5

10

15

20

25

Anteil der Menschen mit einem Einkommen unter 60 Prozent des mittleren (Median-)Einkommens Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, amtliche Sozialberichterstattung 2016

— 07  Soziales

Armutsgefährdungsquoten der großen Großstädte 2015 in Prozent (gemessen am Bundesmedian)

26,6

Duisburg

25,7

Dortmund

25,1

Leipzig

23,1

Bremen Berlin

22,4

Nürnberg

22,3

Hannover

22,3 21,0

Essen

20,0

Dresden

19,6

Köln

18,3

Düsseldorf

15,7

Hamburg

14,8

Stuttgart

14,2

Frankfurt am Main

— 27

Es verhindert außerdem, relative Armut im eigenen Land mit dem Verweis auf noch viel ärmere Länder zu relativieren. Das Konzept der relativen Armut setzte sich auch in Deutschland Ende der 1990er-Jahre durch. Es bildet heute die Grundlage der amt­ lichen Sozialberichterstattung und der Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierung. Dieses Konzept berücksichtigt außerdem, dass in den EU-Staaten Geld, das heißt vor allem Einkommen, der zentrale Schlüssel für die Deckung der existenziellen Grundbedürfnisse und der Möglichkeiten sozialer und kultureller Teilhabe ist. Und nicht Tafeln, Kleiderkammern, Gemüse­anbau oder Teilhabegutscheine.

9,6

München 0

10

20

30

Anteil der Menschen mit einem Einkommen unter 60 Prozent des mittleren (Median-)Einkommens Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, amtliche Sozialberichterstattung 2016

Einkommensreichtumsquoten 2015 in Prozent (gemessen am Bundesmedian) 12,0 10,7 10,7 10,5

Hamburg Bayern Hessen Baden-Württemberg

8,6 8,2 8,1 7,8 7,0 6,7 6,5 6,3

Rheinland-Pfalz Deutschland Schleswig-Holstein Nordrhein-Westfalen Niedersachsen Berlin Saarland Bremen

5,2

Brandenburg

4,0 3,7 3,1 2,9

Sachsen Thüringen Sachsen-Anhalt Mecklenburg-Vorpommern 0

2

4

6

8

10

12

Anteil der Menschen mit einem Einkommen von 200 Prozent über dem Äquivalenzeinkommen Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, amtliche Sozialberichterstattung 2016

Im Vergleich der Bundesländer weist das Land Bremen mit 24,8 Prozent die höchste Gefährdung durch Armut auf. Sie stieg seit 2009 auch in der Stadt B ­ remen von 19,5 auf 23,1 Pro­ zent (2015). Dagegen liegt das Land ­Bremen bei der Quote des Einkom­ mensreichtums mit 6,3 Prozent deutlich unter dem Bundes­durschnitt und weit hinter ­Hamburg, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg. Als einkommens­ reich gilt ein Einpersonenhaushalt, der über mehr als 200 Prozent des mittleren (Median-)Einkommens verfügt. Das sind aktuell rund 3.000 Euro netto, für eine ­Familie mit zwei Kindern rund 6.000 Euro. Es herrscht jedoch ein gesellschaft­ liches Einverständnis darüber, dass mit einem solchen Einkommen zwar eine gute ­soziale Lage verbunden ist, „echter“ Reichtum jedoch durch (Betriebs- und Immobilien-)Vermögen existiert.

— 28

— Statistischer Jahresbericht 2017

Kinderarmut im Städtevergleich mit Bremen 2016 in Prozent

Mit der hohen Quote der Armutsgefähr­ dung in Bremen insgesamt, ist eine ver­ gleichsweise hohe Familien- und Kinder­ armut verbunden. Diese ist in Bremen doppelt so hoch wie im bundesweiten Durchschnitt. Fast 29 Prozent der Kinder unter 18 Jahren leben in einer Bedarfs­ gemeinschaft und sind auf Sozialleistun­ gen angewiesen (SGB II). Ein Vergleich mit ähnlichen Großstädten in Deutsch­ land zeigt: Bei der Kinderarmut gibt es lediglich in Essen, Berlin und Dortmund höhere Werte als in der Stadt Bremen. In Bremerhaven und Gelsenkirchen sind mit mehr als 37 Prozent am meisten ­Kinder auf Sozialleistungen angewiesen.

Essen

31,5

Berlin

31,2 29,9

Dortmund

28,8

Bremen

23,6

Leipzig

20,9

Düsseldorf

19,7

Nürnberg

15,4

Dresden 0

5

10

15

20

25

30

35

Kinder unter 18 Jahren in SGB-II-Bedarfsgemeinschaften Quelle: Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) 2016

Kinderarmut im Städtevergleich mit Bremerhaven 2016 in Prozent

„Fast 29 Prozent der ­Kinder unter 18 Jahren leben in einer Bedarfsgemeinschaft und sind auf Sozialleistungen angewiesen (SGB II).“

Gelsenkirchen

37,6

Bremerhaven

37,3

Offenbach am Main

33,4 21,3

Remscheid

20,5

Bottrop

19,1

Koblenz

16,1

Fürth 0

10

20

30

Kinder unter 18 Jahren in SGB-II-Bedarfsgemeinschaften Quelle: Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) 2016

40

— 29

— 07  Soziales

Schuldnerquoten der Bundesländer 2016 in Prozent

14,0 12,7 12,7 11,6 11,3 10,9 10,6 10,6 10,4 10,1 10,1 10,1 10,0 9,9 9,2 8,3 7,4

Bremen Berlin Sachsen-Anhalt Nordrhein-Westfalen Saarland Schleswig-Holstein Mecklenburg-Vorpommern Hamburg Niedersachsen Brandenburg Rheinland-Pfalz Deutschland Hessen Sachsen Thüringen Baden-Württemberg Bayern 0

5

10

Die Gefahr in Armut zu geraten, ist in den vergangenen Jahren in Deutsch­ land insgesamt gestiegen, vor allem in den Großstädten. Viele dieser Menschen leben jedoch nicht allein mit wenig Geld, sondern häufig sind sie auch ver­ schuldet. Auch bei der Verschuldung kennzeichnet die Stadt Bremen, ver­ glichen mit ähn­lichen Großstädten, eine hohe Schuldner­quote. Am höchsten ist der Anteil der verschuldeten Menschen in Bremer­haven.

15

Quelle: Creditrefom, SchuldnerAtlas Deutschland 2016

Schuldnerquoten im Städtevergleich mit Bremen 2016 in Prozent

Schuldnerquoten im Städtevergleich mit Bremerhaven 2016 in Prozent

14,5

Dortmund

13,6

Essen

13,5

Leipzig

20,8

Bremerhaven Wuppertal

18,1

Offenbach

17,8 17,7

Gelsenkirchen Berlin

12,7

Bremen

12,7 12,3

Düsseldorf 10

11

12

Quelle: Creditrefom, SchuldnerAtlas Deutschland 2016

Halle

16,9

Wilhelmshaven

16,9 5,4

Würzburg 13

14

15

5

10

15

Quelle: Creditrefom, SchuldnerAtlas Deutschland 2016

20

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Statistischer Jahresbericht 2017 – Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialstatistik Einmal jährlich fassen wir die aus Arbeitnehmersicht wichtigen Entwicklungen im Statistischen Jahresbericht zusammen. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen: 2016 war ein positives Jahr für das Land Bremen. Die Wirtschaft ist mit 2,2 Prozent überdurchschnittlich stark gewachsen und auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist mit knapp 8.000 Arbeitsplätzen im Vergleich zum Vorjahr wieder deutlich angestiegen. Erfreulich ist außerdem, dass wieder Vollzeitstellen geschaffen wurden. Neben der wirtschaftlichen Entwicklung und der am Arbeitsmarkt geht der Bericht auch auf die Themen Einkommen, öffentliche Finanzen, Bevölkerung und Soziales ein.

Bürgerstraße 1 28195 Bremen Telefon 0421.3 63 01 - 0 Telefax 0421.3 63 01 - 89 [email protected] www.arbeitnehmerkammer.de

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