Ringvorlesung Forschungs- und Anwendungsfelder der Klinischen Psychologie

V Vorlesung Ringvorlesung Forschungs- und Anwendungsfelder der Klinischen Psychologie Wintersemester 2016-2017 Forschungs- und Anwendungsfelder de...
Author: Marcus Franke
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V

Vorlesung

Ringvorlesung Forschungs- und Anwendungsfelder der Klinischen Psychologie Wintersemester 2016-2017

Forschungs- und Anwendungsfelder der Klinischen Psychologie - worum geht’s? • Die Klinische Psychologie ist ein komplexes Fach mit zahlreichen praxisrelevanten Inhalten • • • •

Diagnostik Gesprächsführungstechniken Gesundheitspsychologische Anwendungen Interventionsverfahren • • • •

Expositionsverfahren Entspannungsverfahren Kognitive Verfahren Usw.

Forschungs- und Anwendungsfelder der Klinischen Psychologie - worum geht’s? Ursachen und Aufrechterhaltung nicht-normativen Verhaltens

Klassifikation

Definition und Beschreibung psychischer Störungen

Anwendung

Grundlagen Prävention Psychobiologie/ Neurobiologie von Verhalten Biopsychologie

Diagnostik

Psychische Aspekte bei somatischen Erkrankungen

Rehabilitation Psychotherapie

Forschungs- und Anwendungsfelder der Klinischen Psychologie - worum geht’s?

Entwicklungspsychologie

Lerntheorie

Epidemiologie

Familiengenetik Sozialpsychologie

Anwendung

Grundlagen u.v.a. … Biopsychologie

Psychopharmakologie

Neurologie/ Psychiatrie

Interventionsforschung

Forschungs- und Anwendungsfelder der Klinischen Psychologie - Ziele • Exemplarische Einführung in einzelne Störungs- und Forschungsbereiche • Überblick über Breite und Differenziertheit des Fachbereichs Klinische Psychologie • Überblick über Methoden und Zugangswege • Erkennen wesentlicher Schlüsselkonzepte • Erkennen der Grenzen des Faches • Vorbereiten auf die Bachelorarbeit und Wahl des Masterstudiengangs

Forschungs- und Anwendungsfelder der Klinischen Psychologie - Ziele Am Ende des Semesters kennen Sie: • Verschiedene klinisch-psychologische Forschungsstränge • Grundlagen und Konzepten zu ausgewählten aktuellen Forschungsfragen • Methoden zur Annäherung an diese Forschungsfragen • Die Praxisrelevanz ("Was wird wie und zu welchem Zweck erforscht?")

Forschungs- und Anwendungsfelder der Klinischen Psychologie - Konzept 3 inhaltliche Schwerpunkte: • Forschungsfeld I: Einblicke in die epidemiologische Forschung • Forschungsfeld II: Grundlagenforschung Charakteristika und Prozesse psychischer Störungen • Forschungsfeld III: Anwendungsfeld Psychotherapieforschung

Forschungs- und Anwendungsfelder der Klinischen Psychologie - Programm Forschungsfeld I: • 17.10.16 - Dr. E. Asselmann: Einführung in die klinische Entwicklungsepidemiologie: Gegenstand, Methoden und aktuelle Ergebnisse • 24.10.16 - Dr. L. Pieper: Einblicke in die Arbeit am CELOS-Center anhand ausgewählter Forschungsprojekte • 07.11.16 - Dr. S. Knappe: Familiengenetische Grundlagen in der Epidemiologie

Forschungs- und Anwendungsfelder der Klinischen Psychologie - Programm Forschungsfeld II: • 14.11.16 - DP J. Schäfer: Anwendung experimenteller Paradigmen zur Erforschung psychischer Störungen I: Trauma und PTBS • 21.11.16 - Dr. S. Trautmann: Anwendung experimenteller Paradigmen zur Erforschung psychischer Störungen II: Stress und Alkoholkonsum • 28.11.16 - DP Y. Stankevich: Der Verlust von Dopamin bei Parkinson: Auswirkungen auf Denkprozesse und Handlungsregulation

• 05.12.16 - Dr. A. Kräplin: Die Rolle kognitiver Kontrollfunktionen für Entwicklung und Verlauf von Substanzstörungen und abhängigen Verhaltensweisen • 12.12.16 - DP S. Kuitunen-Paul: Strukturierte Tabakentwöhnung in Deutschland: Das Rauchfrei-Programm • 19.12.16 - DP K. Hilbert: Neurobiologie der Generalisierten Angststörung

Forschungs- und Anwendungsfelder der Klinischen Psychologie - Programm Forschungsfeld III: • 09.01.16 - DP G. Wieder: Stimmanalyse emotionalen Arousals in der Psychotherapie

• 16.01.16 - Dr. A. Pittig: Anwendung der Expositionstherapie in der psychotherapeutischen Praxis • 23.01.16 - MSc C. Voss: Ecological Momentary Assessment: Grundlagen und Anwendung erklärt am Beispiel von Suizidalität • 30.01.16 - Klausur für Studium Generale/ AQUA

Ihre Dozentin für heute: Dr. Eva Asselmann Professur für Behaviorale Epidemiologie Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie Falkenbrunnen, Raum 260 [email protected] Forschungsinteressen: • Epidemiologie psychischer Störungen • Prävention und Frühintervention

Gestresst? Angespannt? • Stress und Anspannung können Warnzeichen sein und das Risiko für körperliche und psychische Erkrankungen erhöhen • In einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Studie (EASY) untersuchen wir daher die Wirksamkeit eines gezielten Entspannungstrainings als Präventionsmaßnahme • Hierfür suchen wir Teilnehmer, kostenlos ein entsprechendes Training absolvieren möchten

• INTERESSE? Testen Sie unter www.easy-studie.de, ob Sie vermehrt gestresst sind und eine Teilnahme für Sie infrage kommt

Schwerpunkte und Ziele der heutigen Veranstaltung • Veranstaltungskonzept

• Organisatorisches, Formalia und Prüfungsmodalitäten • Einführung in die Klinische Psychologie • Erklärung grundlegender Aspekte und Begriffe • Exemplarische Einführung in die epidemiologische Forschung

Einführungsveranstaltung Formalia und Ansprechpartner Veranstalter:

Dr. Eva Asselmann Professur für Behaviorale Epidemiologie Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie Falkenbrunnen, Raum 260 [email protected]

Semester:

WS 2016-17

Zeit / Ort:

Montags, 3. DS (11:10 – 12:40) / ASB 0028 / H

Bei inhaltsbezogenen Fragen zu den einzelnen Veranstaltungen wenden Sie sich bitte an den jeweiligen Dozenten.

Einführungsveranstaltung Prüfungsmodalitäten Vorbereitung: • Lehrbuch Klinische Psychologie und Psychotherapie • Folien der einzelnen Lehrveranstaltungen • Mehrfachwahlaufgaben, Einfachwahlaufgaben, Freitext (ca. 20%) • Begriffe, Definitionen, Konzepte und Fakten Format: • BA Psychologie: Klausur (gesamtes KP-Modul: Klinische Psychologie, Gesundheitspsychologie, V Forschung- und Anwendungsfelder) im Sommersemester 2017 • Studium Generale: Klausur (benoteter/ unbenoteter Leistungsschein) mit Gewicht von 3.0

Wo gibt’s die Folien?

16

Fragen? Anmerkungen?

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Was ist klinische Psychologie? Definition • Teildisziplin der Psychologie, die sich mit psychischen Störungen und den psychischen Aspekten somatischer Störungen/Krankheiten befasst • Dazu gehören u.a. die Themen: • • • • •

Ätiologie/Bedingungsanalyse Klassifikation Diagnostik Epidemiologie Intervention (Prävention, Psychotherapie, Rehabilitation, Gesundheitsversorgung, Evaluation)

Was ist klinische Psychologie? Definition • Erforschung, Diagnostik und Therapie der Gesamtheit psychischer Störungen bei Menschen aller Altersstufen • Interdisziplinarität und enge Beziehungen zu vielen anderen Wissenschaftsdisziplinen, z.B.: • • • • •

Psychiatrie Soziologie Neurobiologie (Genetik, Psychopharmakologie) Neurologie Andere medizinische Fächer

Störungsbezogene Aspekte Intrapersonell

Grundbegriffe (Definitionen, Geschichte etc.) Gesundheit/Krankheit Wissenschaftstheorie Ethik Klassifikation Diagnostik Epidemiologie Ätiologie/Bedingungsanalyse • Methodische Gesichtspunkte • Allgemeine Determinanten (Genetik, Biologische

Aspekte, Umwelteinflüsse: Sozialisation, Stress etc.)

Intervention • Methodische Gesichtspunkte • Gesundheitsversorgung • Interventionen (Prävention, Psychotherapie,

Rehabilitation)

........

Betrieb

Schule

Paar

Gestörtes System

........

Neurodermitis

Schmerz

........

Angststörung

Gestörtes Funktionsmuster Depressive Störung

........

Lernen

Denken

Wahrnehmung

Gestörte Funktion

Interpersonell

Familie

Störungsübergreifende Aspekte

Was sind Aufgaben und Ziel der klinischen Psychologie? • Beschreibung, Erklärung und Vorhersage von nichtnormativem Verhalten • Beeinflussung und Kontrolle – Prävention – Intervention – Rehabilitation

• Reduktion von Leiden und Beeinträchtigung/ Verbesserung der Lebensqualität

Was ist Psychotherapie? Definition • Klinische Psychologie ≠ Psychotherapie • Lediglich ein Teilbereich der Klinischen Psychologie • Jeweils eigenständiger wissenschaftstheoretischer und berufspolitischen Anspruch • Gemeinsame breite gesellschaftliche und gesundheitspolitische Verantwortung für die Diagnostik, Prävention, Therapie und Rehabilitation psychischer Störungen

Was ist Psychotherapie? Definition • Bewusster und geplanter interaktionaler Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen, die in einem Konsensus (möglichst zwischen Patient, Therapeut und Bezugsgruppe) für behandlungsbedürftig gehalten werden • mit psychologischen Mitteln (durch Kommunikation) meist verbal, aber auch averbal, in Richtung auf ein definiertes, nach Möglichkeit gemeinsam erarbeitetes Ziel (Symptomminimalisierung und/ oder Strukturänderung der Persönlichkeit) • mittels lehrbarer Techniken auf der Basis einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens • In der Regel ist dazu eine tragfähige emotionale Bindung notwendig (Strotzka, 1969, S. 32)

Das Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der TU Dresden

Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie

Professur

Professur

Professur

Professur

Professur

Klinische Psychologie und Psychotherapie

Behaviorale Psychotherapie

Behaviorale Epidemiologie

Grundlagen und Interventionen bei Essstörungen

Suchtforschung

Prof. Dr. Jürgen Hoyer

Prof. Dr. Katja Beesdo-Baum

Prof. Dr. Corinna Jacobi

Prof. Dr. Hans-Ulrich Wittchen

Service-Plattformen (IAP, NIC, CELOS, CEPRIS)

Prof. Dr. Gerhard Bühringer

Forschung Lehre Patientenversorgung

Wie werden psychische Störungen erfasst? Psychologische Diagnostik • Systematische, geplante Erhebung von Informationen, um eine bestimmte Fragestellung zu beantworten (z.B. erfüllt ein Proband die Kriterien einer psychischen Störung?) • Genaue Erfassung von Erleben und Verhalten, um eine bestimmte Entscheidung fällen zu können

25

Welche Arten von Diagnostik gibt es? • Klassifikatorische Diagnostik = Zuweisung von Diagnosen zum Symptomkomplex der Person • Funktionale Diagnostik = Bedingungsanalyse zur Mikroplanung der Indikation und Therapie • Prozessdiagnostik = Verlaufsmessung und Adaptation • Strukturdiagnostik = Zuweisung zu Typen von Behandlungskonstrukten, Interaktion mit dem Patienten • Diagnostisches Verhalten (z.B. Gesprächsführung)

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Der klassifikatorisch-diagnostische Prozess Beschwerden, Klagen, Verhaltensweisen physiologisch, motorisch, sozial, kognitiv, affektiv

Symptome/Befunde ausgewählte spezifisch und explizit definierte Aspekte

Syndrom überzufällig häufige, theoretisch und empirisch sinnvolle Symptomkombination

Diagnostische Hierarchien Ausschlusskriterien

Störung Nach bestimmten Regeln 27

Klassifikationssysteme psychischer Störungen • ICD = International Classification of Diseases (Internationale Klassifikation der Krankheiten) Herausgeber: Weltgesundheitsorganisation (WHO) • DSM = Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen) Herausgeber: American Psychiatric Association (APA)

28

Klassifikatorische Diagnostik nach DSM-5 Alle Diagnosen werden… • eindeutig beschrieben (explizit und operationalisiert) • mit zwingend erforderlichen und evtl. optionalen Merkmale versehen (ohne Trauma keine PTSD) • nach Ähnlichkeit oder Kernmerkmalen gruppiert

• ausführlich kommentiert

29

Klassifikatorische Diagnostik nach DSM-5 Systematische Beschreibung aller Störungen: • Hauptmerkmale • Nebenmerkmale • Alter bei Beginn • Verlauf • Behinderungen • Prädisponierende Faktoren • Prävalenz • Geschlechtsverteilung • familiäre Häufung • Differentialdiagnose

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Wie werden psychische Störungen erfasst? Überblick über diagnostische Instrumente • Checklisten • Strukturierte Interviews • erfordern klinisch erfahrene Diagnostiker • Strukturiertes Interview für DSM-IV (SKID) • Diagnostisches Interview bei psychischen Störungen (DIPS),

• Standardisierte Interviews • erfordern trainierte Einführung • Composite International Diagnostik Interview (CIDI)

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Wie werden psychische Störungen erfasst? Das Composite International Diagnostic Interview • Offizielles Instrument der WHO für ICD und DSM

• Weltweit am weitesten verbreitetes Instrument (v.a. in der Forschung) • Voll standardisiert und computerisiert • Kann auch durch unerfahrene trainierte Personen reliabel und valide eingesetzt werden

• Ermöglicht die Erfassung zahlreicher psychischer Störungen inklusive ergänzender Informationen zu Beginn, Verlauf, Schweregrad und Beeinträchtigung 32

Was ist Epidemiologie? Etymologie „die Lehre über das Volk“ Epi

auf, über

Demos

das Volk

Lógos

die Lehre

griechischer Wortstamm

Was ist Epidemiologie? Definition • Untersuchung der räumlichen und zeitlichen Verteilung von Erkrankungen oder anderen gesundheitsrelevanten Variablen in einer genau definierten Population • … sowie der Determinanten ihres Auftretens im Zusammenhang mit demographischen, genetischen, Verhaltens- und Umweltfaktoren • Deskriptiv • Analytisch

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Was sind Aufgaben und Ziel der Epidemiologie?  Feststellung der Krankheitsverteilung über Raum und Zeit in Abhängigkeit von Umwelt, Organismus und Persönlichkeit (deskriptive E.)  Untersuchung von Entstehung, Verlauf und Ausgang von Erkrankungen (analytische E. / Vervollständigung der klinischen Forschung)  Ermittlung von individuellen Krankheitsrisiken  Prüfung von Hypothesen über kausale Beziehungen zwischen Umweltfaktoren, Krankheit und Person (analytische E.; quasiexperimentelle Designs)  Entwicklung, Ableitung, Evaluation von präventiven Interventionen 35

Konzeptuelle Rahmenmodelle Das epidemiologische Trias

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Konzeptuelle Rahmenmodelle Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell Vulnerabilitäten

Exposition

Intraindividuell z.B. Geschlecht, Persönlichkeit Trigger z.B. stressreiches Lebensereignis Sozial z.B. familiäre Faktoren, Bildung

Modifizierende Variablen

Folgen

Psychologisch z.B. Resilienz, Coping

Akut z.B. berufliche & soziale Probleme, Hilflosigkeit

Psychische Störung Entwicklungsbezogen z.B. neurobiologische Veränderungen (Pubertät)

Initiale Symptome

Beginn

Langfristig z.B. Arbeitslosigkeit, Hoffnungslosigkeit Verlauf

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Epidemiologische Methoden Querschnittstudien Vorteile: • Hohe Ökonomie • Hohe Teilnahmebereitschaft • Methode der Wahl zur Erhebung von (Punkt-)Prävalenzen und versorgungsepidemiologischen Fragestellungen • Hypothesengenerierung und Variablenauswahl für Längsschnittstudien ABER: • Keine Untersuchung zeitlicher Risikofaktoren möglich • Erinnerungsverzerrungen (insbesondere bei der Betrachtung langer Zeiträume) 40

Epidemiologische Methoden Längsschnittstudien Vorteile: • Ermöglicht die Untersuchung von intraindividuellen Entwicklungsverläufen und zeitlichen Risikofaktoren ABER: • Zeit- und kostenintensiv • Geringere Teilnahmebereitschaft, höhere Dropout-Rate (ggf. Selektionseffekte) • Keine Untersuchung kausaler Risikofaktoren möglich (erfordert experimentelle Designs oder Interventionsstudien) 41

Was sind Merkmale guter epidemiologischer Studien? Stichprobenziehung • Repräsentativität, Response-Rate, Stichprobengröße Datenerhebung • Einsatz bewährter standardisierter Verfahren und diagnostischer Interviews, optimierte Durchführung • Angemessene Auswahl der zu untersuchenden Variablen Auswertung und Ergebnisdarstellung • Angemessene und nachvollziehbare statistische Auswertung und Interpretation • Aussagen zu Limitationen und Generalisierbarkeit 42

Einblicke in die epidemiologische Forschung Die Early Developmental Stages of Psychopathology Study Parents (T1/T3)

Respondents (T0/T1/T2/T3) 1995

1996/7

1998/9

2003/4/5

Interval T2 to T3

Family genetic study

Respondents childhood development

12 month T3

Interval T0/T1-T2

parental mental disorders

Wave 4 (T3)

disorders and syndromes

Wave 3 T2

12 month T2

Wave 3 (T2)

Wave 2 (T1)

Interval T0-T1 12 month T1

Baseline (T0)

Lifetime T0 12 month T0

Assessments

T0: N=3,021 age 14-24

T1: N=1,228 age 15-19

T2: N=2,548 age 17-28

T3: N=2,210 age 21-34

43

Einblicke in die epidemiologische Forschung Ein Praxisbeispiel Fragestellung:

• Sagen Paniksymptome die spätere Entwicklung, d.h. das erstmalige Auftreten (Inzidenz) psychischer Störungen vorher und eigenen sich zur frühen Identifikation von Hoch-RisikoGruppen? • Ist ein höheres Ausmaß an Paniksymptomen mit einem höheren Risiko für spätere Störungen assoziiert?

44

Definition von Panikattacke und Panikstörung in DSM Panikattacke: • Klar abgrenzbare Episode intensiver Angst und Unbehagens, bei der mindestens vier von 13 Symptomen abrupt auftreten und innerhalb von 10 Minuten ihren Höhepunkt erreichen Panikstörung: • Wiederkehrende unerwartete Panikattacken • Bei mindestens einer der Panikattacken folgte mindestens ein Monat mit mindestens einem der folgenden Symptome: • anhaltende Besorgnis über das Auftreten weiterer Panikattacken • Sorgen über die Bedeutung der Panikattacken oder ihre Konsequenzen • deutliche Verhaltensänderungen infolge der Panikattacken 45

Definition von Fearful Spells • Angstanfälle, die nicht die vollständigen Kriterien von Panikattacken erfassen müssen

• Erfassung mithilfe der Stammfrage der Angstsektion des Munich Composite International Diagnostic Interview (MCIDI): • “Hatten Sie schon einmal einen Angstanfall, manche nennen das auch Angstattacke, Panikanfall oder Panikattacke, bei dem Sie ganz plötzlich von einem Gefühl starker Angst, Beklommenheit oder Unruhe überfallen wurden?” 46

Beziehung zwischen Fearful Spells, Panikattacken und Panikstörung

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PD

47

Methoden • Early Developmental Stages of Psychopathology Study • Erfassung von Paniksymptomen und psychischen Störungen zu allen Erhebungswellen mithilfe des Munich Composite International Diagnostic Interviews (M-CIDI)

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Inzidente Störungen 10 Jahre

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Ergebnisse: Irgendeine Angststörung und Alkoholmissbrauch/-abhängigkeit sind stärker mit Panikattacken als mit „reinen“ Fearful Spells assoziiert * * *

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Ergebnisse: Eine höhere Anzahl an Paniksymptomen bei Personen mit Fearful Spells oder Panikattacken erhöht das Risiko für die Entwicklung einer Panikstörung und irgendeiner Angststörung Anzahl an DSM-IV Paniksymptomen 40 30 20 10 0 0-1

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(N=26) (N=80) (N=79) (N=43) (N=30)

Anzahl an DSM-IV Paniksymptomen

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Einblicke in die epidemiologische Forschung Ein Praxisbeispiel Fazit: • Nicht nur Personen mit Panikattacken, sondern auch leichteren Angstanfällen weisen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung zahlreicher psychischer Störungen auf • Das Risiko für einige Störungen variiert dabei in Abhängigkeit vom Schweregrad der Paniksymptome • Personen mit Paniksymptomen könnten von gezielten Präventionsmaßnahmen profitieren, um der Entwicklung manifester Störungen frühzeitig vorzubeugen 53

Einführungsveranstaltung Zusammenfassung Was nehmen Sie heute mit?

• Überblick über Breite und Vielfalt der Klinischen Psychologie • Kenntnis wesentlicher Begriffe (Klinische Psychologie, Psychotherapie, klinische Diagnostik, Epidemiologie) • Kenntnis wesentlicher Ziele, Aufgaben, Methoden und Konzepte der Epidemiologie

• Einblicke in die epidemiologische Forschung in der Praxis

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Fragen? Anmerkungen?

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Literatur • Wittchen, H. U. & Hoyer, J. (2011). Was ist Klinische Psychologie? Definitionen, Konzepte und Modelle. In H.U. Wittchen & J. Hoyer. (Eds.), Klinische Psychologie & Psychotherapie (pp. 3-26). Heidelberg: Springer. • Wittchen, H. U. (2011). Diagnostische Klassifikation psychischer Störungen. In H.U. Wittchen & J. Hoyer. (Eds.), Klinische Psychologie & Psychotherapie (pp. 27-56). Heidelberg: Springer. • Wittchen, H. U., & Jacobi, F (2011). Epidemiologische Beiträge zur Klinischen Psychologie. In H.U. Wittchen & J. Hoyer. (Eds.), Klinische Psychologie & Psychotherapie (pp. 57-90). Heidelberg: Springer.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit …und einen erfolgreichen Start ins neue Semester!

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