Lüc1dGrünwald/Geuter/Miller/Rechtien Sozialgeschichte der Psychologie

Helmut E. Lück Harald Grünwald Ulfried Geuter Rudolf Miller

Wolfgang Rechtien

Sozialgeschichte der Psychologie Eine Einführung Mit einem Beitrag von Almuth Bruder-Bezzel

Leske

+ Budrich, Opladen 1987

Autorenvorstellung s. S. 298

Foto auf dem Buchtitel: "Versuchsanordnung zur Messung von Reproduktionszeiten bei graphischer Registrierung" aus: Rudolf Schulze, "Aus der Werkstatt der experimentellen Psychologie und Pädagogik", Leipzig 1909. CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek Sozialgeschichte der Psychologie: e. Einf./ Helmut E. Lück ... Opladen: Leske und Budrich, 1987. ISBN 978-3-8100-0661-5 DOI 10.1007/978-3-322-97189-0

ISBN 978-3-322-97189-0 (eBook)

NE: Lück, Helmut E. [Mitverf.l

© 1987 by Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen Satz und Umbruch: Leske Verlag + Budrich GmbH Gesamtherstellung: Druckhaus Beltz, Hemsbach/Bergstraße

Vorwort

Dieses Buch bietet eine Einführung in die Geschichte der Psychologie, ihrer Theorien, Methoden und Anwendungen. Die Bezeichnung "Sozialgeschichte" verweist dabei auf die grundlegende Auffilssung, daß sich Psychologiegeschichte nicht in der fitchimmanenten Rückschau erschöpfen darf, sondern zumindest den Versuch machen muß, die Wechselwirkungen zwischen fachlicher und gesellschaftlicher Entwicklung mitzubetrachten - auch wenn dies angesichts der Komplexität des Themas nicht immer gelingen mag. Auf dieser Grundlage werden zunächst verschiedene Auffassungen von Funktion und Aufgabe einer Historiographie der Psychologie reflektiert und anschließend ein allgemeiner Überblick über Anfänge und wichtige Entwicklungen der Disziplin gegeben (Kapitell, Autor: Harald Grünwald). Vertieft dargestellt wird im zweiten Kapitel von Ulfried Geuter die Entwicklung in einer Zeit, in deren allgemeiner kritischer Aufarbeitung die Psychologie lange Zeit nicht thematisiert wurde und die in der Fachgeschichte bis zum Anfang der achtziger Jahre weitgehend ignoriert wurde, nämlich in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. Die wesentlichen inhaltlichen und methodischen Ansätze der Psychologie in der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 werden im Zusammenhang mit ökonomischen und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen dargestellt (Autor: Rudolf Miller); besonders eingegangen wird dabei auf die Geschichte der S0zialpsychologie (Autor: Helmut E. Lück) und der Klinischen Psychologie (Autor: Wolfgang Rechtien). Das vierte Kapitel (Autor: Helmut E. Lück) behandelt die Geschichte der Psychoanalyse. Ergänzt wird dieser Thil um eine Darstellung der Geschichte der Individualpsychologie in Form eines Originalbeitrages von Frau Almuth BruderBezzel. Dieses vierte KaPitel weicht von den ersten drei dadurch ab, daß nicht eine bestimmte Epoche, sondern eine Strömung exemplarisch behandelt wird. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß die Schlußbemerkung (Kap. 5) von Lück und Rechtien verfaßt wurde. Das Buch ist für das Selbststudium konzipiert und enthält Übungsaufgaben, Lösungshinweise sowie Marginalien zum schnelleren Auffinden wichtiger Textpassagen. Bei intensiver Nutzung dieser Lernhilfen wird der Leser feststellen, daß Psychologiegeschichte nicht etwas nur für "Spezialisten" ist, sondern für jeden, der psychologische Inhalte erarbeitet oder verwendet, von Interesse sein kann. Für Thre Arbeit wünschen wir llmen Erfulg und Vergnügen! 5

Herrn Werner Traxel, Passau, danken wir für die Erlaubnis zum Abdruck einer Arbeit über die Wiederbelebung der experimentellen Psychologie nach 1945 sowie für seine förderliche Kritik an einem Teil des Buchmanuskriptes. Hagen, Juli 1987

6

Inhalt

1.

Psychologiegeschichte und Anfänge der Psychologie. Allgemeiner Überlick ............................................................. .

11

1.1

Einführung ............................................................... .

11

1.2

Rolle und Aufgabe der Psychologiegeschichtsschreibung ......... . Die traditionelle Historiographie in der Psychologie .............. . Die Kritik an der traditionellen Psychologiegeschichtsschreibung Neubestimmung von Rolle und Aufgabe der Psychologiegeschichtsschreibung ...................................................... .

12 13 15

1.2.1 1.2.2 1.2.3 1.3

1.3.1 1.3.2 1.3.3

1.4 1.4.1 1.4.1.1 1.4.1.2 1.4.1.3 1.4.2 1.4.2.1 1.4.2.2 1.4.2.3 1.4.2.4 1.4.2.5 1.4.3 1.4.3.1 1.4.3.2 1.4.3.3

Psychologiegeschichte als sozialer Prozeß .......................... . Zur Genese, Struktur und Konkurrenz von Konzeptionen psychologischer Forschung .................................................... . Die Bedeutung der Wissenschaftlergemeinschaft (Scientific Community) für die Entwicklung der Wissenschaft .................... . Die Beziehung von externen und internen Forschungsregulativen Anfänge und wichtige Entwicklungen der Psychologie ............ . Die experimentelle Untersuchung psychischer Phänomene. Zu den Anfängen der Psychologie als Einzelwissenschaft ............ . Zur Institutionalisierung der Psychologie in Deutschland und den USA ....................................................................... . Konzeptionen psychologischer Forschung in der frühen deutschen Psychologie .............................................................. . Zeittafel zur Orientierung ............................................ .. Die Diagnose interindividueller geistiger Unterschiede Zur Auseinandersetzung um die Ursachen: Erbe oder Umwelt? . Die Entwicklung in Deutschland .................................... .. Die Entwicklung in Frankreich ....................................... . Die Entwicklung in England .......................................... . Die Entwicklung in den USA ......................................... . Zeittafel zur Orientierung ............................................. . Beobachtbares Verhalten und mentale Prozesse Zur Auseinandersetzung um den Gegenstand der Psychologie .. . Der soziale Entstehungskontext des Behaviorusmus .............. . Entwicklung und Krise des Behaviorismus ........................ .. Zeittafel zur Orientierung ............................................ ..

19 21 23 27 29 30 31 31 36 41 41 42 43 45 47 51 51 53 55 59 7

2.11 2.12 2.13 2.14

Psychologie in der Zeit des Nationalsozialismus ................ Die verhinderte Nachkriegsdiskussion .............................. Zur Lage der Psychologie vor 1933 .................................. Entlassungen und Emigration ......................................... Die Reaktion der Deutschen Gesellschaft für Psychologie auf den politischen Machtwechsel und die Entlassungen ................... Psychologie und nationalisozialistische Ideologie - Die Anpassung der Theorien an die neuen Verhältnisse ....................... Der Beruf des Psychologen im Nationalsozialismus............... Psychologische Theorie und berufliche Praxis ..................... Psychologie in der Lehre - Die Entwicklung der DiplomPrüfungsordnung von 1941 ............................................ Psychologie, Psychotherapie und Medizin .......................... Das Vordringen der Psychologie in die Erziehungsberatung wllhrend des Krieges ........................................................ Die Auflösung der Heeres- und Luftwaffenpsychologie 1942 .... Zum Selbstverständnis von Deutschlands Psychologen ........... Schlußbetrachtung ...................................................... Zeittafel ...................................................................

3.

Psychologie in Deutschland nach 1945 ............................ 141

2. 2.1 2.2 2.3 2.4

2.5 2.6 2.7 2.8 2.9 2.10

3.1 Allgemeine Daten zur Entwicklung ................................... 3.1.1 Vorbemerkungen zur (Fach)-Geschichte ............................ 3.1.2 Der Wiederaufbau der Psychologie in der BRD ................... 3.1.2.1 Die ersten Nachkriegsjahre ........................................... 3.1.2.2 Beginnende Veränderungen ........................................... 3.1.2.3 Die Zeit zwischen 1960 und 1980 .................................... 3.1.2.3.1 Der Methodenstreit ..................................................... 3.1.2.3.2Grundlagenforschung oder Anwendungsbezug ..................... 3.1.2.3.3Die Professionalisierung ............................................... 3.1.2.4 Die gegenwärtige Situation der Wissenschaftsdisziplin ........... 3.1.3 Einige Aspekte der Entwicklung der Nachkriegspsychologie in der DDR ................................................................. 3.1.3.1 Vorbemerkung ........................................................... 3.1.3.2 Die ersten Jahre nach dem Krieg ..................................... 3.1.3.3 Die 2. Periode der Entwicklung ...................................... 3.1.3.4 Die Zeit ab 1965 ........................................................ 3.1.4 Schlußbemerkung .......................................................

3.2 3.2.1 3.2.2 3.2.2.1 3.2.2.2 3.2.2.3

8

Zur Geschichte der Sozialpsychologie ............................... Zur Kennzeichnung der Sozialpsychologie ......................... Zur Geschichte der Sozialpsychologie bis 1945 .................... Johann Friedrich Herbart .............................................. Völkerpsychologie ...................................................... Sozialpsychologische Geschichtswissenschaft ......................

61 63 65 68 71 78 91 101

112 121 129 132 134 136 138

141 141 143 143 153 167 167 168 171 177 183 183 183 184 186 188 188 189 190 191 192 193

3.2.2.4 3.2.2.5 3.2.2.6 3.2.3 3.2.3.1 3.2.3.2 3.2.3.3 3.2.3.4 3.2.3.5 3.2.3.6 3.2.4

3. 3

Erste Ansätze sozialpsychologischer Forschung in Deutschland Massenpsychologie .................................................... Amerikanische Sozialpsychologie ................................... Nach dem zweiten Weltkrieg: Expansion, Institutionalisierung und internationale Verbindungen .................................... Sozialpsychologische Forschung und Lehre in der Nachkriegszeit ....................................................................... Erste Institutsgründungen ............................................. Die European Association on Experimental Social Psychology (EAESP) ................................................................ Der Sonderforschungsbereich 24 "Sozialwissenschaftliche Entscheidungsforschung" ............ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. Auseinandersetzung mit Psychoanalyse und Ethologie ........... Sozialpsychologische Forschung im Spiegel fachwissenschaftlicher Periodika .......................................................... Bewertung und Ausblick ..............................................

194 197 198 198 199 200 201 203 205 205 208

Geschichte der Klinischen Psychologie ............................ 209 210 210 210 211 212 213 213 214 214 215 216 216 216 217 218 218 219 219 221 222

3.3.1 Vorgeschichte ........................................................... 3.3.1.1 Die erste psychologische Klinik .................................. '" 3.3.1.2 Experimentelle Psychopathologie ................................ '" 3.3.1.3 Die "Child Guidance" -Bewegung .................................. 3.3.1.4 Der Einfluß der Psychoanalyse ...................................... 3.3.2 Das Selbstverständnis der Klinischen Psychologie ............... 3.3.2.1 Veränderungen der Begriffsdeftnitionen ............................ 3.3.2.2 Veränderungen im Begriff der Störung ............................. 3.3.2.2.1 Das Krankheitsmodell ................................................. 3.3.2.2.2 Das psychosoziale Störungsmodell .................................. 3.3.2.2.3 "Bio-sozio-psychologische" Störungsmodelle .................... 3.3.3 Die Entwicklung psychologischer Therapieverfahren ............ 3.3.3.1 Die Entwicklung der Gesprächspsychotherapie ................... 3.3.3.2 Der Behaviorismus und die Verhaltenstherapie ................... 3.3.3.3 Die Familientherapie .................................................. 3.3.3.4 Gestalttherapie/Integrative Therapie ................................ 3.3.3.5 Weitere psychologische Verfahren ................................... 3.3.4 Tätigkeitsfelder des Klinischen Psychologen ...................... 3.3.5 Berufs- und Therapieverbände ....................................... Zusammenfassung...................... .......................... . .... 3.3.6 4.

Zur Geschichte der Psychoanalyse und Individualpsychologie 225

4.1

'htr Geschichte der Psychoanalyse .................................. 226 Überblick ............................................................... 228 Grundbegriffe der Psychoanalyse ................................... 229

4.1.1 4.1.2

4.2 4.2.1

Sigmund Freud und die Psychoanalyse ............................. 230 Autobiographien und Biographien .................................. 232 9

4.2.2 4.2.3

Biographische Skizzen und Impressionen ............................ Mittwoch-Gesellschaft, Wiener Psychoanalytische Vereinigung und Komitee .............................................................. 4.2.4 Freuds Verhältnis zu seinen Schülern ................................ 4.2.4.1 C. G. Jung ................................................................ 4.2.4.2 Georg Groddeck ......................................................... 4.2.4.3 Abram Kardiner .......................................................... 4.2.5 Hermine Hug-Hellmuth, die erste Kinderanalytikerin ............. 4.2.6 Freud, Zweig und Einstein ............................................. 4.2.6.1 Amold Zweig ............................................................. 4.2.6.2 Albert Einstein ........................................................... 4.2.7 Verfolgung und Emigration ............................................ 4.2.8 Gegenwärtige Situation ................................................. 4.2.9 Sigmund Freud Museum ............................................... 4.3

232 234 240 241 242 250 253 257 258 260 261 264 265

4.3.1 4.3.2 4.3.3 4.3.3.1 4.3.3.2 4.3.3.3 4.3.3.4 4.3.3.5

'Zar Geschichte der Individualpsychologie Alfred Adlers (Originalbeitrag von Almuth Bruder-Bezzel) .................................... Die Entstehungszeit der Individualpsychologie ..................... Überblick über die Entwicklung der Individualpsychologie ...... Die Entstehungsgeschichte im einzelnen ............................. 1898 bis 1914 .............................................................. Kriegszeit 1914/18 ........................................................ Zwanziger Jahre .......................................................... Dreißiger Jahre ........................................................... Nach dem zweiten Weltkrieg ...........................................

S.

Scblußbemerkungen .................................................... 282

267 267 268 270 270 277 278 280 281

Verzeichnis der Dokumente...................................................... 284 Literaturverzeichnis ............................................................... 285 Lösungshinsweise zu den Übungsaufgaben ................................... 295

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