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Schmalenbach-Gesellschaft Arbeitskreis „Strategieentwicklung und Controlling in Banken“ Jahresbericht 2006 Strategieentwicklung und Controlling in B...
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Schmalenbach-Gesellschaft Arbeitskreis „Strategieentwicklung und Controlling in Banken“

Jahresbericht 2006

Strategieentwicklung und Controlling in Banken

Joachim Neupel (bis 10/2006)/Dr. Eric Strutz (seit 10/2006)/Prof. Dr. Bernd Rudolph

Der Arbeitskreis Strategieentwicklung und Controlling in Banken tagte im Jahr 2006 zweimal und befasste sich dabei mit den Themen „Strategische Banksteuerung“ sowie „Bankencontrolling und Bankenregulierung“.

Im Fokus der Frühjahrssitzung standen Fragen der Bankstrategie, wobei der Bezug zum Themenblock „Kreditportfoliomanagement“

und

zur

Controlling-

Perspektive hergestellt wurde.

In einem ersten Schwerpunkt wurden die Besonderheiten bankspezifischer Konzepte der wertorientierten Steuerung diskutiert. Hierbei ging der Arbeitskreis näher auf die adäquate Einbeziehung des regulatorischen Eigenkapitals, die Zuordnung des Economic Capital auf einzelne Geschäftsbereiche und die Eignung der Steuerungsgrößen RoE und EPS im Zielsystem einer Bank ein.

Ein weiteres Thema der ersten Sitzung war der Zielkonflikt zwischen der Vorteilhaftigkeit einer Diversifikati-

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ons- und Spezialisierungsstrategie einer Bank. Die Wissenschaft gibt zu dieser Frage auf den ersten Blick widersprüchliche Empfehlungen. Die Diskussion basierte auf der Präsentation einer umfassenden empirischen Untersuchung der Kreditportfolios deutscher Banken. Dabei wurde etwa bezüglich mancher Branchen ein Winner´s Curse Effekt offenbar. Gegenstand der weiteren Debatte waren mögliche ökonomische Konkretisierungen für die Dimensionen des Begriffs „Diversifikation“ und ihre sinnvolle Integration mit Ratinginformationen.

Schließlich waren die spezifischen Herausforderungen an das Risikocontrolling bei Bankenfusionen Gegenstand. Am Beispiel der Fusion der HypoVereinsbank mit dem UniCredito Italiano wurde deutlich, dass dabei nicht nur die Abstimmung mit diversen nationalen Aufsichtsbehörden sowie die Koordination zweier Risikomanagementphilosophien herausfordernde Prozesse darstellen, sondern dass hier auch einem effizienten Projektmanagement eine herausragende Bedeutung zukommt.

In der Herbstsitzung wurden zunächst Ansätze zur Lenkung risikobasierter Erfolge in Universalbanken diskutiert. Die bisher in der Wissenschaft entwickelte Portfolio-Optimierungsmodelle erscheinen für einen dynami-

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schen Controlling-Ansatz, der organisatorische und verhaltensbeeinflussende Aspekte integrieren muss, nur bedingt geeignet.

Der zweite Vortrag befasste sich mit den Erfahrungen der Ersten Bank Gruppe bei der Umsetzung von Basel II in Österreich. Der vorgestellte Ansatz basiert auf dem Aufbau eines zentralen Basel II Datenpools und Rechenkerns, der Entwicklung einheitlicher Ratingmethoden und -systeme sowie der Sicherstellung der Datenqualität und des gruppenweiten Know-how Transfers. Festgehalten wurde, dass die Einführung von Basel II in den meisten Häusern zu einer Ressourcenverschiebung weg von bankinternen Portfoliomodellen geführt hat und dass die nun aufsichtsrechtlich notwendigen Prozesse und Systeme sich – allerdings erst mit Verzögerungen und nicht vollumfänglich – auch allein aus bankinternen Steuerungsüberlegungen durchgesetzt hätten.

Im letzten Vortrag wurde der Themenkomplex Bankenaufsicht mit der Sichtweise der Europäischen Zentralbank (EZB) verknüpft. Hierbei wurde deutlich, dass sich die EZB auf eine Systemaufsicht beschränkt und die Einzelinstitutsaufsicht den nationalen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden überlässt. Hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen nationaler Bankenaufsicht und nati-

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onalen Zentralbanken existieren allerdings europaweit unterschiedliche Modelle ohne einheitliche Tendenz. Unter der Zielsetzung „Sicherstellung der financial stability“ beobachtet und analysiert die EZB jedoch auch die Effekte von Basel II.

Die Präsentationen der Referenten, deren sechs Vorträge auf den beiden Sitzungen des Jahres 2006 die Basis der Diskussionen im Arbeitskreis bildeten, sind im Internet unter www.kmf.bwl.uni-muenchen.de/schmalenbach/index.html

verfügbar.

Da Herr Joachim Neupel zum Jahresende aus dem Vorstand der IKB Deutsche Industriebank AG ausscheidet, hat Herr Dr. Eric Strutz, Finanzvorstand der Commerzbank AG, im Oktober 2006 die Leitung des Arbeitskreises übernommen. Die wissenschaftliche Arbeitskreisleitung obliegt weiterhin Herrn Prof. Dr. Bernd Rudolph.

Für das Jahr 2007 sind erneut zwei Sitzungen des Arbeitskreises geplant. Dabei soll die Kapitalmarktperspektive auf Kreditinstitute im Vordergrund der Arbeit stehen. Geplant ist hier u. a., die DebtholderSichtweise (z. B. Ratingagenturen) durch die Sichtweise

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der Shareholder (z. B. Equity Analysten) zu ergänzen. Ferner soll der Einfluss von Geschäftszyklen und deren Bedeutung für das Bankcontrolling zum Thema gemacht werden.

Im Sommer 2007 soll ein ZfbF-Sonderheft zum Thema „Gesamtbanksteuerung: Portfoliomanagement, Verbriefungen und MaRisk“ erscheinen, das von Joachim Neupel, Bernd Rudolph und Lutz Hahnenstein im Auftrag des Arbeitskreises „Strategieentwicklung und Controlling in Banken“ gemeinsam herausgegeben wird. Dieses Sonderheft wird die in den letzten beiden Jahren behandelten Themen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.

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