Predigt zu Lukas 3, 1-20 am 3. Advent 2014 Dom 1

Predigt zu Lukas 3, 1-20 am 3. Advent 2014 Dom 1 Ihr Lieben, Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalte...
Author: Lukas Stieber
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Predigt zu Lukas 3, 1-20 am 3. Advent 2014 Dom

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Ihr Lieben, Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa war und Herodes Landesfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst von Abilene, als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren, da geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste. Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, wie geschrieben steht im Buch der Reden des Propheten Jesaja: »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden. Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen.« Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

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Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso. Es kamen auch die Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold! Als aber das Volk voll Erwartung war und alle dachten in ihren Herzen von Johannes, ob er vielleicht der Christus wäre, antwortete Johannes und sprach zu allen: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer, der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert, dass ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen. In seiner Hand ist die Worfschaufel, und er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen. Und mit vielem andern mehr ermahnte er das Volk und verkündigte ihm das Heil. Der Landesfürst Herodes aber, der von Johannes zurechtgewiesen wurde wegen der Herodias, der Frau seines Bruders, und wegen alles Bösen, das er getan hatte, fügte zu dem allen noch dies hinzu: er warf Johannes ins Gefängnis. Wie gut, dass wir hier heute keinen Johannes im Dom haben. Einen Propheten, der voller Vollmacht unbequeme Wahrheiten sagt.

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Sagt? - nein, vielmehr: der sie uns um die Ohren hauen würde. Wir haben doch gelernt, freundlich und höflich miteinander umzugehen. Und wenn schon mal gleich zwei Familien zu Taufen gekommen sind – wer wollte da die ganze Stimmung verderben? Und dann noch in der Vorweihnachtszeit. Nein, Johannes, Du wärest heute nicht wirklich willkommen. Eher etwas peinlich, oder? Der 3. Advent ist in jedem Jahr der Sonntag des Täufers. Wie kein Anderer hat er die ersten Christen beeindruckt und herausgefordert. Nur von Jesus, von Petrus und von Paulus sind ähnlich lange Reden überliefert. Und das, obwohl er kein Christ war. Und seinen Jüngern – ja, die gab es auch – das Entscheidende fehlte. Die Erfahrung mit dem Heiligen Geist, der die Christen erfüllte und bewegte. Dennoch: der jüdische Prophet Johannes ist aus dem Evangelium nicht wegzudenken. Gerade in seiner ganzen Schroffheit - ohne Evangelium, ohne Verkündigung der Gnade oder die Rede vom Gott, der seine Kinder liebt. Im Gegenteil: „Wer hat Euch gewiss gemacht, dass Ihr dem Zorn Gottes entrinnen könntet? Glaubt doch nicht, dass Ihr Euch auf Traditionen bei Gott berufen könntet. Nicht mal die Taufe reicht aus!“ Und das aus dem Mund des Täufers! Es klingt so, als habe Johannes bei seinen Taufkandidaten kein gutes Gefühl. Als hätte er den Verdacht: „Da lassen sie sich taufen, aber gleichzeitig denken sie – das reicht dann auch.“ Tut es aber nicht! Euch Taufeltern hab ich es ja schon mal erklärt: Wer „Ja“ zur Taufe sagt, der sagt damit „ja“ zu zwei Dingen: Zu Gottes Urteil über sein eigenes Leben. Die Taufe ist das symbolische Vollziehen eines Urteils. Das Urteil über ein Leben ohne Gott lautet unmissverständlich:

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„Todesstrafe. Die Axt ist an die Wurzel gelegt. Der Baum wird gefällt. Ende!“ Taufe wäscht nicht etwas Oberflächendreck ab. Wer untergetaucht wird – der wird in den Bereich des Todes gebracht. Wer die Taufe haben will, der stellt sich zu seiner Vergangenheit ohne Gott. Wer die Taufe für sein Kind haben will, der wünscht seinem Kind dies: - dass es ein Leben mit Gott lebt und nicht ohne. - dass es die gute Ordnung Gottes lieb gewinnt und so leben will. Denn das ist das Andere, was in der Taufe geschieht: Weil wir in der Taufe mit Jesus verbunden werden, kriegen wir auch Anteil am neuen Leben. Er hat das Todesurteil Gottes auf sich genommen – für uns. Für jeden, der sich taufen lässt. Jede Taufe macht die Last auf den Schultern Jesu schwerer. Dazu hat Jesus sein Ja gesagt – lange vor unserem „Ja“. Deshalb tragen wir den Keim der Ewigkeit in uns, wenn wir getauft sind. Die Taufe im Namen von Jesus ist ein kostbares Geschenk an uns. Nicht eines, das wir anfassen oder auch nur sehen könnten. Mit der Taufe verändert sich unser Status bei Gott – in der unsichtbaren Wirklichkeit. Und das drängt danach, sich auszuwirken im praktischen Alltag. Wer sich taufen lässt, der sagt „Ja“ dazu, dass sein Leben nicht so bleiben soll. Nicht ohne die selbstkritische Nachfrage, was Gott davon hält, was ich tue. „Was sollen wir denn tun?“- fragen die Leute – genauso wie nach der Predigt des Petrus zu Pfingsten. „Was sollen wir tun?“ Wer die Frage ehrlich in sich hört – der kann sicher sein: Der Geist Gottes hat dein Herz berührt. Gott fordert uns heraus. Immer wieder. Und sehr konkret.

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Damals gab Johannes sehr konkrete Antworten – und die Leute haben sie gehört als das, was Gott genau ihnen in genau ihren Alltag sagt. „Du bist gemeint – kannst Du ein Hemd entbehren, dann gib es dem, der friert! Hast Du mehr zu essen, als Du brauchst, dann lade einen Hungrigen ein. Hüte Dich vor Raffgier. Es macht Gott keine Freude, wenn Du Dinge durch Unrecht erworben hast.“ Wer „ja“ zu seiner Taufe sagt, sagt „Nein“ zu jeder Selbstgerechtigkeit. Der sagt „Ja“ dazu, dass er den Maßstäben Gottes nicht genügt. Die Bibel nennt das Schuldig werden vor Gott. Ja, davon weiß ich etwas. Wie gut, dass ich auch von der Gnade weiß. Nun müsstet Ihr „Amen“ sagen – wenn Ihr dem zustimmt.