Predigt Lukas 12, 8-12

Studentengemeinde Cottbus Hochschulgottesdienst zum Beginn der Vorlesungszeit 15.4.2014 Predigt – Lukas 12, 8-12 von Pfarrer Reinhard Menzel Gnade s...
Author: Gert Sachs
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Studentengemeinde Cottbus Hochschulgottesdienst zum Beginn der Vorlesungszeit 15.4.2014

Predigt – Lukas 12, 8-12 von Pfarrer Reinhard Menzel

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Selber Denkende! „Dieser Petrus!“ Wir schütteln den Kopf und denken: Dieses Großmaul!

Erst verspricht er Jesus: „Du kannst dich auf mich verlassen. Ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und sogar in den Tod zu gehen!“ (vgl. Lk. 22, 33) Und dann, als er Farbe bekennen soll, kneift er.

Dreimal streitet er ab, zu Jesus zu gehören. Dreimal will er mit ihm nichts zu tun haben. „Dieser Petrus!“ Doch sind wir manchmal nicht auch wie „dieser Petrus“?

Ein weniger bekannter Text gibt mir zu denken. Tausende sind zu Jesus gekommen und wollen ihn hören. Und dann spricht er zu ihnen.

Nicht nur seine 12 Jünger hören die mahnenden Worte. Sympathisanten und Anhänger, Neugierige und Schaulustige hören zu. Lukas hat es im 12. Kapitel seines Evangeliums so aufgeschrieben:

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Predigt zu Lukas 12, 8-12

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8 (Jesus spricht:) Das sage ich euch: Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn bekennen vor den Engeln Gottes. 9 Wer mich aber vor den Menschen nicht kennen will, den wird auch der Menschensohn nicht kennen vor den Engeln Gottes.

10 Wer etwas gegen den Menschensohn sagt, dem kann vergeben werden. Wer aber den Heiligen Geist lästert, dem kann nicht vergeben werden.

11 Wenn sie euch vor die Gerichte schleppen, die in den Synagogen tagen, vor andere Gerichte und vor die Machthaber: Dann macht euch vorher keine Sorgen darüber, wie ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt. 12 Denn der Heilige Geist wird euch in dem Augenblick eingeben, was ihr sagen müsst."

Dieser Text gibt mir zu denken. Denn es ist ein Text zum Selberdenken, ein Text, in dem Jesus das in den Blick nimmt, was nach ihm kommen wird.

Wie wird es sein, wenn die Christen sich in der Welt allein zurechtfinden müssen? Es wird vor allem darum gehen, ihn zu bekennen. Daran lässt Jesus keinen Zweifel. Seite 2

Predigt zu Lukas 12, 8-12

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Jesus schaut also deutlich über seinen eigenen Tod und seine Auferstehung hinaus in eine Zeit, in der sich bereits so etwas wie eine Kirche gebildet hat. „Wer sich zu mir bekennt, zu dem bekenne ich mich auch vor den Engeln Gottes“, sprich: am Jüngsten Tag. Es folgen weitere Ermahnungen und Anweisungen. Jesus gibt seinen Anhängern hier – Bitte erschreckt nur ein wenig! – eine Anleitung zum Martyrium.

Bei „Martyrium“ denken wir gleich an Leid, Gefängnis, Folter und Tod als Schicksal unzähliger Martyrer.

Das griechische Wort Martyria bedeutet jedoch nichts anderes als „Zeugnis“. Märtyrer sind „Zeugen“ ihres Glaubens.

Und als solche Zeugen sollen die Christen nicht etwa andere Menschen zwingen, bekämpfen oder gar töten. Sie sollen vielmehr bereit sein, für ihre Sache einzustehen, sie sollen bekennen.

Für die ersten Christinnen und Christen war das Bekennen eine ausgesprochen riskante Sache. Darum ist es kein Wunder, dass wir im Lukasevangelium so klare Worte Jesu finden.

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Aber was meint Jesus damit, auf gar keinen Fall den Heiligen Geist zu lästern? Das wird seit Jahrhunderten leidenschaftlich diskutiert.

Ich kann mir vorstellen, dass Jesus in diesem Zusammenhang meint: Der Heilige Geist wird den „Zeugen“ gegeben, damit sie – in welcher Situation auch immer – reden können, bekennen können.

Nicht zu bekennen, nicht Zeugnis abzulegen für den eigenen Glauben, kommt darum einer Lästerung des Heiligen Geistes gleich.

Für Jesus ist aber nicht unser Versagen entscheidend. Er will viel mehr zum Zeugesein ermutigen: Vertraue darauf, dass du schon das Richtige sagen wirst, wenn du anderen – vielleicht sogar öffentlich – von mir erzählen sollst. Vertraue darauf und tu es!

Jesus will, dass wir in jedem Fall den Mund aufmachen, wenn unser Glaube gefragt ist.

Wir werden heute nicht „in die Synagogen und vor die Machthaber“ geführt, weil wir einen Glauben haben, der den Mächtigen nicht passt. In unserem Land bedeutet „Martyrium“ keineswegs, sich in Lebensgefahr zu begeben. Seite 4

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Nach Artikel 4 unseres Grundgesetzes sind die „Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses“ sogar „unverletzlich“.

Gott sei Dank! Darum beneiden uns Christen in vielen Ländern.

Unser Bekenntnis ist jedoch gefragt, wo wir es mit Menschen zu tun haben, die unseren Glauben nicht teilen und die ihn lächerlich finden.

Wenn uns Studienfreunde oder Kollegen verachten oder mit verletzenden Bemerkungen kränken, dann schweigen wir lieber und geben uns nicht als Christen zu erkennen. Sind wir da so viel anders als „dieser Petrus“?

Ich möchte euch zwei Fragen mitgeben, die allerdings jeder für sich selbst bedenken und beantworten muss.

Vielleicht fällt es uns dann leichter, uns ab und zu als Christen zu erkennen zu geben.

Die erste Frage: Was finde ich an meinem Glauben so gut, dass es eigentlich andere hören sollten?

Und die zweite Frage: Wie kann ich das glaubhaft ´rüber bringen? Seite 5

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Studentengemeinde Cottbus Hochschulgottesdienst zum Beginn der Vorlesungszeit 15.4.2014

Es kann sein, dass wir bei allen guten Vorsätzen und allem guten Willen Erfahrungen machen wie „dieser Petrus“.

Wenn wir wieder einmal geschwiegen haben, ist es als spüren wir selbst diesen Blick, den Petrus damals im Hof des Hohen Priesters spürte, als sein Blick dem Blick Jesu begegnete. Wie „dieser Petrus erkennen wir uns selbst. Wir fühlen uns als Versager und Feigling.

Aber wie „dieser Petrus“ werden wir auch die Erfahrung machen, dass wir kein hoffnungsloser Fall sind. „Ich habe für dich gebetet, damit dein Glaube nicht aufhört. Und wenn du dann wieder zu mir zurückgekehrt bist, stärke deine Brüder und Schwestern.“ (Lk. 22, 33), auch das hatte Jesus „diesem Petrus“ gesagt.

Bis heute erinnert auf vielen Kirchen ein Hahn als Wetterfahne an „diesen Petrus“ und seine Geschichte mit Jesus.

Und auch das Logo der Evangelischen Studierendengemeinden in Deutschland lässt uns daran denken, dass wir keine hoffnungslosen Fälle sind, wenn wir selber denken und uns die Frage stellen:

Der Friede Gottes, welcher höher ist

Was finde ich an meinem Glauben so gut,

als alle Vernunft,

dass es eigentlich andere hören sollten?

bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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