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Predigt am 3.Sonntag im Januar – 16. Januar 2011

6000 Punkte in den Himmel? 6000 Punkte in den Himmel – liebe Gemeinde! Die Zahl steht nirgends in der Bibel, aber wir haben – glaub ich alle – ziemlich deutlich verstanden. Haben Sie während des Films mal so ein wenig ihre Punkte überschlagen? Also, Herr Weber hat es ja nicht mal auf 50 geschafft. Ich käme da bestimmt weiter, weil ich bislang noch mit keinem Nachbar vor Gericht ziehen musste und Seitensprung in der Ehe war bei mir auch noch nie ein Thema. Aber – wie war das nochmal mit den Gedanken? Jesus hat doch – in Mt.5, 28 – mal gesagt: „Wer eine Frau ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen!“ Ups – mittlerweile bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich weiter käme als Herr Weber im Film. Ganz schön weit weg von den geforderten 6000 Punkte für den Himmel – Sie auch? Aber im Grunde genommen geht es überhaupt nicht um die 6000 Punkte – die sind für den Film vollkommen willkürlich ausgewählt worden. Die sollen lediglich verdeutlichen, wie groß der Unterschied zwischen unserem gelebten Leben und dem Anspruch Gottes ist. Herr Weber wollte unbedingt in den Himmel. Er konnte ja bereits sehen, wie unglaublich schön es dort ist: dieses helle Licht, diese Wärme – ohne Ende anziehend. Und genau so, wie es in so manchen Nahtodes-Erlebnissen berichtet wird. Von Menschen, die reanimiert wurden und die tatsächlich wieder geholt werden konnten. Ich kenne noch aus Altdorfer Zeiten einen Baggerführer, der mir ganz detailliert beschrieben hat, was er gesehen hat und wie er eigentlich gar nicht mehr zurück wollte. Und der seither sowas von anders weiter lebt – immer mehr von Gott wissen will. Ich weiß nicht, wie’s Ihnen geht – aber ich möchte unbedingt einmal dort landen. NUR: wie gut muss ich denn nun tatsächlich sein, um in den Himmel zu dürfen? Vielleicht waren Sie ja auch bisher immer der Ansicht, dass es vollkommen ausreicht, ein einigermaßen anständiges Leben zu führen, um dort einmal zu landen. So ganz nach Herrn Webers Motto: „Also ich habe immer nach dem Grundsatz gelebt: Tue recht und scheue niemand!“ Getauft, in die Jungschar gegangen, konfirmiert – später Kirchensteuer bezahlt, gespendet für Brot für die Welt und den CVJM, die Kirchengemeinde oder die Liebenzeller Gemeinschaft vor Ort. Also – so ein paar kleine Fehltritte im Leben werden einem doch nicht den Zugang in den Himmel verwehren – oder?

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Herr Weber: „Ich bin doch eigentlich kein schlechter Mensch gewesen – aber das müssten Sie hier oben ja schließlich wissen: nie jemanden umgebracht, nie gestohlen – immer versucht zu Mitmenschen freundlich zu sein. Ging regelmäßig zur Kirche – na ja, fast regelmäßig!“ Vielleicht kommt Ihnen auch das andere Argument bekannt vor: der Vergleich mit den Mördern und Kinderschänder, den Vergewaltigern und den Finanzhaien, die in großem Stil Steuern hinterziehen. Sicher sind Sie und ich nicht schlechter – es stellt sich nur die Frage, ob das der Maßstab ist, der letzten Endes zählt! Nochmal Matthäus 5 – diesmal Vers 48. Dort steht: „Ihr aber sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!“ Okay – Gott ist vollkommen. Aber ich soll es auch sein? Au weja! Also mit meiner Punkteliste bin ich ganz schön weit davon entfernt. Natürlich versuche ich mein Leben so anständig wie möglich zu leben – so wie Herr Weber! Aber ich schaffe es einfach nicht, Gott in allen Dingen zu gefallen. Ich versuche, nach den 10 Geboten zu leben – aber schon beim ersten: „Ich bin der Herr, dein Gott – du sollst keine anderen Götter neben mir haben! Wie oft war mir schon – und sei es auch nur kurzzeitig – anderes viel wichtiger als Gott? Ich schaff es nicht – ich nicht. So ging es auch Herr Weber, denn als die beiden Männer nur einen Blick unter die Oberfläche seines doch so anständigen Lebens werfen, muss er zugeben, dass er im Grunde keines dieser Gebote wirklich gehalten hat. Nicht stehlen – und die Steuererklärung? Nicht ehebrechen – Mt.5, 28: „ … auch nur ansieht ihrer zu begehren …!“ Nicht töten – wie war das in Gedanken mit dem Nachbarn, als dem Recht zugesprochen wurde? Und mit der Schwiegermutter und mit dem Erben? Herr Weber genervt: „Wie viele Punkte hab ich denn schon – mir reicht das allmählich?“ „Was? 32? Aber so komm ich doch höchstens auf 50 Punkte? Das ist doch nicht fair hier – schauen Sie sich doch mal die Menschen an – Mann! Ich bin doch nicht schlechter als Mörder, Kinderschänder!“ „Herr Weber, wir schauen hier nicht auf das Leben anderer, wir schauen Ihr Leben an!“ „Aber ich hab doch fast alle Gebote gehalten!“ In der Bibel heißt es in Römer 3, 20+23: „Niemand soll meinen, er sei dadurch, dass er bestimmte Gesetzesvorschriften einhält, vor Gott gerechtfertigt. Das Gesetz führt vielmehr dazu, dass man die Sünde erkennt. Denn alle haben gesündigt, und in ihrem Leben kommt Gottes Herrlichkeit nicht mehr zum Ausdruck.“ Es ist also voll daneben zu glauben, dass man sich die Gunst bei Gott, dass man sich den Himmel in irgendeiner Form verdienen könnte. Voll verlogen – und wird auch nicht zur Wahrheit dadurch, dass ganz viele Menschen genau davon überzeugt sind. Auch unter den Frommen. Die Wahrheit aber ist: Sie müssen sich die Gunst Gottes überhaupt nicht verdienen. Er hat Sie nämlich von Anfang an ohne Ihr Zutun bereits geliebt.

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Gott hat uns die Gebote aus einem ganz anderen Grund gegeben. Sie sind sein Maßstab, an dem wir feststellen können, wie weit wir im Grunde von ihm, von der Gottesebenbildlichkeit entfernt sind – „und er schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn – als Mann und Frau“ (1.M.1, 27). Die Gebote sind sein Maßstab, an dem wir feststellen können, wie weit wir doch von ihm entfernt sind – sie bringen uns aber nicht näher zu ihm zurück. Es ist wie bei einem Thermometer: der kann Fieber anzeigen, aber nicht senken. Gottes Gebote weisen uns auf die Bereiche in unserem Leben hin, in denen wir nicht nach seinem Willen leben. Die Bibel nennt das „Sünde“. Aber was bedeutet das im Einzelnen? Wir denken vielleicht: „Ha, der Weber, der hat seine Frau betrogen – sowas habe ich im Leben noch nicht getan.“ Okay – schön, und auch gut! Aber wahrscheinlich haben wir schon mal jemanden angelogen – und dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine große oder eine kleine Sache gehandelt hat. „Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinem Nächsten“ – wir haben mit der ersten Lüge unseres Lebens das Gesetz gebrochen und sind schuldig. In der Bibel wird das als Sünde bezeichnet. Herr Weber: „Stehlen? Ich nie – aber mein Bruder, der hat schon als Kind gestohlen. Aber ich: Nie!“ „Steuererklärung? Das ist doch kein Stehlen, das hat doch jeder gemacht!“ „Und der Versicherungsfall? – Also, wenn ihr hier so kleinlich seid, dann brauchen wir das mit den andern Geboten gar nicht erst zu erwähnen. Kleine Notlüge – meine Güte, das macht doch jeder!“ „Das ändert bei uns rein gar nichts“ – war die Antwort im Film. Sünde, liebe Gemeinde, Sünde ist all das, was einen von Gott trennt. Schlechte Dinge tun, Gutes unterlassen, böse Gedanken – vor allem aber Gott eben nicht an die erste Stelle meines Lebens zu setzen. Im Alltag nicht nach ihm zu fragen. Welche Rolle darf Gott bei Ihnen spielen? Die erste? Von dem aus würde sich so vieles andere ganz von selbst ergeben. Aus Liebe zu meiner Frau möchte ich immer mehr so sein, dass sie sich an mir freut. Aus Liebe zu Gott möchte ich immer mehr so sein, dass er sich an mir freut. Aber wir tun so oft das Gegenteil – und das wird in Römer 3, 10-12 so zusammengefasst: „Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist, keiner, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.“ Jeden Menschen trifft dieses Urteil, und das kann man auch durch ein gutes Leben nicht wieder ungeschehen machen. Ganz so, wie ein Blitzer, ein Strafzettel von damals. Nein, der wird auch nicht ungültig dadurch, dass ich schon 5 Jahre lang nicht mehr geblitzt worden bin. Schön, dass ich seither nicht mehr geblitzt worden bin – aber ich bin trotzdem schuldig. Und weil Gott halt jetzt absolut gerecht ist, kann er auch nicht einfach so mal ein Auge zudrücken. Au weh – merken Sie, dass aus diesem Grund der Himmel eigentlich ziemlich leer sein müsste? Aber das war nie Gottes Absicht. Er hat den Menschen geschaffen, um eine Beziehung mit ihm zu haben – „ihm zum Bilde“. Er liebt uns ohne Ende und möchte so gern in unserem Leben sein als der gute Hirte, das Brot, die Tür, der Vater. Um uns ein erfülltes Leben zu schenken, weil er am allerbesten weiß, was gut für uns ist.

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Gott ist die pure Liebe, und er will diese Liebe an uns weitergeben. Aber genau deswegen steht Gott vor einem Problem: die Menschen, die er liebt, die haben sich von ihm abgewandt. Sie haben sich schuldig gemacht und müssen gerechterweise verurteilt werden. Das bedeutet, von Gott und seinem herrlichen Himmel getrennt zu bleiben – die Hölle. Keiner kann etwas tun, um sein Schuld von selbst wieder loszuwerden – wir können sie nicht „abarbeiten“, selbst wenn wir’s wollten. Erkennen Sie das Problem: Gottes Gerechtigkeit muss diese Menschen gerecht richten. Seine Liebe aber will sie bewahren und sehnt sich so sehr nach der Gemeinschaft mit ihnen. Wir kann er nur diese Situation lösen? Er fasst einen weitreichenden Entschluss: er selbst trägt das Gerichtsurteil über uns Menschen. Und macht so den Weg für seine Liebe frei. Deshalb kam Jesus Christus auf diese Erde. Einer der bekanntesten Bibelverse lautet: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahin gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh.3, 16). Den Himmel! Daran hat sich auch Herr Weber mal erinnert im Film: „Aber – hat Gott nicht seinen Sohn gesandt, um für die Sünder zu sterben? Heißt es nicht irgendwo in der Bibel, dass der das ewige Leben bekommt, der an Jesus Christus glaubt?“ Die Freikarte – in den Himmel – umsonst! „Aber Herr Weber, seien Sie doch ehrlich. Sie haben doch nicht wirklich an ihn geglaubt, haben ihm doch nicht wirklich vertraut. Leben und Sterben von Jesus hatte für Sie im Grunde doch gar keine Bedeutung! Sie wollten es doch mit ihren eigenen Taten in den Himmel schaffen. Dass der Sohn Gottes für Ihre Schuld mit seinem Leben bezahlt hat, das wollten Sie doch nie hören. Denn dann hätten Sie ja Ihre Schuld eingestehen müssen. Aber in Ihren Augen waren Sie ja gar nicht so schlecht.“ – Jesus war bereit, meine und Ihre Schuld am Kreuz zu bezahlen. Hammer! Es gibt nichts, was wir noch tun könnten oder müssten, um uns den Himmel zu verdienen. Das ist Gnade! Ewiges Leben bei Gott müssen wir uns also nicht verdienen – wir bekommen es geschenkt. Lasst es uns annehmen, wie man ein Geschenk annimmt. Und lasst uns werden wir die Kinder, denn die kämen nie auf die Idee, ein Geschenk nicht anzunehmen. Und sein Geschenk kann man ganz einfach annehmen, indem man an Jesus glaubt, ihm ganz fest vertraut. Erkennen Sie, dass Sie vor Gott schuldig geworden sind? Glauben Sie, dass nur Gott Sie aus dieser Lage befreien kann? Vertrauen Sie darauf, dass Gott es wirklich nur sehr gut mit Ihnen meint und dass er sich nach einer ganz persönlichen Beziehung zu Ihnen sehnt? Wenn Sie Gott das ganz ehrlich sagen, wird er Ihnen von Herzen gerne vergeben – und Ihnen ganz nebenbei auch die Karte in die Hand drücken: bezahlt, freier Eintritt in den Himmel. Keine 6000 Punkte mehr müssen zusammengerechnet werden – rechnen am besten gleich ganz bleiben lassen. Wird eh nie reichen, nicht von uns aus.

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Nochmals ein Bibelwort, das dies alles auf den Punkt bringt – diesmal aus 1.Johannes 1, 9: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit!“ 6000 Punkte – die kann niemand bezahlen. Nur einer. Und der hat gleich für alle mit bezahlt. Es gibt diese 6000 Punkte-Karte – ganz umsonst. Wie sagte er – dieser Mensch an der Pforte des Himmels? „Wer im Leben seinen Stolz beiseite legt und sich diese Karte von Jesus Christus schenken lässt, der hat freien Eintritt. In die Ewigkeit!“ Auf was vertrauen Sie in Ihrem Leben? Auf sich selbst? Die guten Werke, die Sie tun? Natürlich ist es gut, ein rechtschaffenes Leben zu führen, hilfsbereit zu sein und sich um die Mitmenschen zu kümmern. Damit sollten wir auch nie aufhören. ABER: das ist kein Türöffner für den Himmel. Den kann man sich nicht erarbeiten und nicht verdienen. Den gibt es nur geschenkt. Aber Gott will uns noch viel mehr schenken als die „Eintrittskarte“ in den Himmel. Denn schon hier in diesem Leben – heut am 16. Januar 2011 – will er mit uns leben, unser Leben gestalten, reicher machen. Vergesst die Punkteliste – vertraut euer Leben Jesus an, nehmt sein riesen Geschenk der Liebe an. Dann wird’s jetzt schon so viel schöner – und dann mal erst: herrlich. AMEN

Wir schauen der Wahrheit ins Auge, stellen uns in dein Licht. Wir halten dort aus durch Gnade, denn du verlässt uns nicht. Du kennst unsre toten Winkel, siehst unsern blinden Fleck. Berührst unsre wunden Punkte, nimmst unsre Ängste weg. „Gnade und Wahrheit“