Mein Jahr in Kanada. Vorbereitung

Nachname Neplech Vorname Marc Email-Adresse [email protected] Studienfach Wirtschaftswissenschaft Angestrebter Studienabschluss Diplom Der ...
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Nachname

Neplech

Vorname

Marc

Email-Adresse

[email protected]

Studienfach

Wirtschaftswissenschaft

Angestrebter Studienabschluss

Diplom

Der Auslandsaufenthalt erfolgte im

5. Fachsemester

Auslandsstudienaufenthalt

von (MM/JJ) 08/07 bis (MM/JJ) 04/08

Gastland /-stadt

Kanada / Toronto

Gasthochschule

Ryerson University

Einverständniserklärung zur Weitergabe meiner email-Adresse / Veröffentlichung des Berichtes

ja

Weitergabe meiner Email-Adresse an interessierte Studierende der Universität Ulm Veröffentlichung des Berichtes auf der Internetseite des International Office … Veröffentlichung … anonymisiert Veröffentlichung auf der Internetseite der Stipendienorganisation (falls Sie ein BWSTIPENDIUM oder Stipendium eines anderen Stipendiengebers erhalten haben) … Veröffentlichung … anonymisiert

Mein Jahr in Kanada Vorbereitung Wenn man ein Studium anfängt ist normalerweise ein Auslandsaufenthalt nicht erstes Gesprächsthema. In meinem Fall war dies aber schon nach dem zweiten Semester anders. Da man sich für Kanada gut ein Jahr im Voraus bei uns im International Office bewerben muss und ich nach meinem Grundstudium schon ins Ausland wollte, musste ich mich also frühzeitig in meinem Studium entscheiden, wohin ich wollte. Für Kanada habe ich mich schließlich entschieden, weil ich in ein englischsprachiges Land gehen wollte, am liebsten nach Nordamerika, aber nicht in die USA (da blieb dann natürlich auch nicht mehr viel übrig) und weil einfach jeder von diesem Land begeistert ist, der dort schon einmal war. Im September 2006 begann alles mit dem TOEFL Test. Da ich mich für eine Bewerbung fürs Ausland recht kurzfristig entschieden hatte, musste ich auch schnellstmöglich den TOEFL Test machen und musste daher leider bis nach Mannheim fahren. Nachdem ich dann meine Bewerbung im International Office abgegeben hatte, war das noch lange nicht das Ende eines Unterlagen- und Entscheidungsmarathons. Die Entscheidung für welche Uni man sich bewirbt und die Entscheidung auch noch gut zu begründen ist nicht so einfach. Da ich über das

nein

Baden-Württemberg Programm ins Ausland gegangen bin, hatte ich die Auswahl aus 15 Universitäten in Ontario. Seine Traum-Uni daraus auszuwählen ist also alles andere als einfach und benötigt viel Zeit. Wenn man dies geschafft hat, sind dann auf alle Fälle noch Reisepass und Studentenvisum wichtig. Das Visum zu bekommen stellt aber gar kein Problem dar. Man schickt einfach einen ausgefüllten Bogen an die kanadische Botschaft in Berlin und ein paar Tage später liegt schon der Brief im Briefkasten. Auch so ganz allgemein hatte ich nie Probleme mit der kanadischen Verwaltung. Alles sehr gut organisiert! Aber die Kanadier sind das auch gewöhnt, bei der Masse an ausländischen Studenten.

Ankunft in Kanada Wenn man, wie ich, zum ersten Mal in Nordamerika ist, muss man sich an einige Sachen erst gewöhnen. Da gibt’s zum Beispiel die kanadische Variante von Starbucks, Tim Hortons. Dort stehen zu wirklich jeder Uhrzeit die Menschen in einer langen Schlange um ihren billigen Kaffee zu bekommen. Dieser Laden gibt es deswegen wirklich in jedem noch so kleinen Dorf und hier Downtown natürlich alle paar hundert Meter.

Das Nahverkehrssystem ist in keinem guten Zustand. Vor allem die U-Bahn in Toronto, aber sie bringt einen trotzdem schnell und günstig zu allen Punkten der Stadt. Der einzige Nachteil ist, dass es quasi nur 2 Linien gibt. Um andere Punkte in der Stadt zu erreichen muss man Bus oder Straßenbahn nehmen. Dies ist dann schon etwas schwieriger, da es ziemlich viele Linien gibt und mir immer noch etwas chaotisch vorkommt.

Wohnheim Eigentlich wollte ich nie in ein Wohnheim ziehen, doch um neue Leute kennen zu lernen, ist wohl ein Wohnheim die beste Möglichkeit. Wenn man dann Uni-Wohnheime anschaut, speziell von meiner Uni, dann wurde es einem schnell klar, dass das im Gegensatz zu Deutschland nicht die billigste sondern die teuerste Alternative ist. Da zahlt man schnell 800 – 1000 kanadische Dollar Miete für einen 8 m² Raum im Monat. Ich hab mich dann für ein privates Wohnheim entschieden, das aber auch direkt am Campus liegt. Die 450 CAD sind

wirklich ein Schnäppchen, denn das Neill-Wycik Wohnheim liegt quasi immer noch mitten in der Innenstadt.

Universität Da die Ryerson University dieses Jahr zum ersten Mal im Baden-Württemberg Programm angeboten wurde, konnte ich mir kein Bild im vornherein machen. Ich wusste nur, dass die Uni direkt Downtown liegt und eine der größten Business Fakultäten in Kanada hat. Das war dann genug Entscheidungsgrundlage für mich, weil ich, im Gegensatz zu Ulm, mal in einer richtigen Großstadt leben wollte. Und ich sollte es nicht bereuen. Gerade die Business Fakultät hat ein hohes Ansehen in Kanada. Das ganze Fakultätsgebäude wurde erst vor zwei Jahren gebaut und fährt deshalb mit jeglichem Komfort auf, den man so braucht beim studieren. Auch von der Lage geht es wirklich nicht besser. Das Gebäude liegt zwischen Eaton-Centre und City-Hall, also wirklich im Herzen der Stadt. Vor jedem Semester bekommt man eine lange Liste mit Kursen, die wahrscheinlich angeboten werden. Mit wahrscheinlich meine ich, falls sich für einen Kurs zu Wenige anmelden, findet dieser in dem Semester nicht statt. Das musste ich leider zweimal am eigenen Leib im ersten Semester feststellen. Das war es dann auch schon mit Negativem. Schon von der Begrüßung an waren alle sehr nett und die Einführung für die internationalen Studenten war vorbildlich. Auch während der gesamten Zeit fanden immer Treffen statt, bei denen man sich austauschen konnte und gratis essen und trinken konnte. Obwohl die Studentenanzahl stattlich ist (24 000 Vollzeitstudenten), ist der Campus sehr übersichtlich und man hat keine Probleme etwas zu finden. Mit einem großen Campus kann man es natürlich nicht vergleichen, da der Campus mitten in der Stadt liegt und eigentlich nur eine einzige größere Grünfläche besitzt. Doch der Campus hat seinen eigenen Charme. Ein paar Ältere werden durch viele neue Gebäude aufgelockert. Clubs gibt es auf dem Campus fast zu jedem Thema und Kulturkreis. Im Fitnessstudio kommt man auch auf seine Kosten, da dort auch Campuseigene Ligen in vielen Sportarten ausgeführt werden. So hat man seinen Spaß und doch ein wenig Wettkampfatmosphäre.

Grundsätzlich ist es zu empfehlen, Fächer auszusuchen, die man an der Heimatuniversität nicht wählen kann. Außerdem dachte ich, dass der Sprachunterschied schwerer ausfallen würde, deswegen wählte ich für das erste Semester eher einfachere Kurse. Es hat sich aber ziemlich schnell herausgestellt, dass es eigentlich kein Problem ist, diese Veranstaltungen auf

Englisch zu hören. Es kommt natürlich dazu, dass das kanadische Englisch sehr gut zu verstehen ist und auch sehr viele europäische Professoren an meiner Universität unterrichteten. Die Fächer sind anders aufgebaut als in Deutschland. Mindestens 50 % der Note wird während dem Semester vergeben, zum Beispiel durch Assignments (Hausarbeiten), Mid-Term Exams, Gruppenarbeiten oder Quizzes. Ein Semester wird dadurch auf jeden Fall stressiger aber der Lernerfolg ist jedenfalls höher einzuschätzen als in Deutschland. Deswegen bin ich eher ein Fan des kanadischen Uni-Systems geworden. Ein Vorteil sind die Gruppenarbeiten. Man kommt sofort in Kontakt mit anderen Kommilitonen und lernt die Arbeitsweise anderer Kulturen kennen, die manchmal sehr unerwartet und daher sehr lehrreich waren. Da viel Wert auf diese Gruppenarbeiten gelegt werden, bekommt man eher einen Vorgeschmack auf das Berufsleben, als wenn man nur im Hörsaal sitzt und zuhört. Deshalb sind kanadische Universitäten viel eher praktisch ausgerichtet, vergleichsweise mit den deutschen Fachhochschulen. Auch der Kontakt zur regionalen / überregionalen Industrie wird sehr stark gepflegt. In meiner Zeit waren mindestens fünf Jobmessen, über die auch viele später in den Beruf einsteigen. Auch für die Vorlesungsfreie Zeit werden viele Kontakte über die Uni geschlossen. Also wer vorhat ein Praktikum anschließend zu machen, der hat genügend Gelegenheiten Kontakte zu knüpfen.

Zu meinen Kursen: -

Introduction to Management Accounting: Dieses Fach kann am ehesten als eine Art Wiederholung zu BWL I und II bezeichnen. Ich wollte dieses Fach einfach am Anfang nur nutzen, um in die kanadische Uni-Welt einzutauchen.

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Operations Management: Dieses Fach kann man zum Bereich Logistik zählen; Themenschwerpunkte waren Materialbedarfsplanung und Lean Management.

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Introductory Microeconomics: Grundzüge der Mikroökonomie; Angebot und Nachfrage

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Introduction to Managerial Economics: Eine Mischung aus BWL und VWL; Okönomische

Vorhersagen,

Produktionskosten,

Projekt

Evaluationen

sind

Schwerpunkte -

Geography of the Global Economy: Mischung aus Geschichte und Geographie mit den Auswirkungen der Eisenbahn auf die Nordamerikanische Wirtschaft in der Pionierzeit und das Global Village

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Business Statistics II: Konfidenzintervalle, Lineare Regressionen, Chi-Quadrat, ANOVA sind die Themen

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Principles of Transportation: Viele Gruppenarbeiten mit praxisnahen Ausbildungsinhalten wie Transportkosten und Industrieanalysen

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Management Control: Profit Center, Transferkosten und Personalentlohnung sind die Themenschwerpunkte

Toronto Schon vor Beginn meiner Reise hatte ich schon viel Tolles über diese Stadt gehört. Dies schürte natürlich meine Vorfreude. Das sollte sich auch bestätigen. Zuerst muss man sagen, dass man Toronto eher mit großen amerikanischen Städten vergleichen kann, als mit einer typischen kanadischen Stadt. Viele sagen, dass Toronto so wie New York ist, nur ohne Kriminalität. Das kann ich auch nur bestätigen. Ich hatte nie wirklich das Gefühl, dass es gefährlich sein könnte, wobei man auch ein paar Viertel Nachts meiden sollte. Zu Beginn ist natürlich erstmal das Bankenviertel einen Blick wert. Auch nach acht Monaten bin ich teilweise immer noch mit Kopf im Nacken durch die Innenstadt gewandert.

Kurz vor dem Ende möchte ich noch dem International Office Ulm für die gute Betreuung und die Beantwortung aller Fragen danken. Weiterhin bedanke ich mich bei der Landesstiftung Baden-Württemberg, ohne deren Stipendium mein Auslandsjahr in einem engeren finanziellen Rahmen gespannt gewesen wäre. Ein großes Dankeschön geht auch an Herrn Prof. Löffler, der mir stets bei der Anrechnung der kanadischen Kurse engagiert und beratend zur Seite stand. Dies wird meinen weiteren Studienweg im Hauptstudium erheblich erleichtern und natürlich auch andere nach mir ermutigen ins Ausland zu gehen.

Zum Schluss kann ich nur wiederholen, was ihr wahrscheinlich von jedem, der im Ausland war, schon gehört habt. So ein Jahr oder auch nur ein Semester im Ausland wird euch stark prägen und weiterhelfen in eurem zukünftigen, privaten wie auch beruflichen Leben. Ich war am Anfang skeptisch, ob zwei Semester zu lang wären. Im Nachhinein meine ich, dass ein Semester zu kurz ist, um sich richtig einzuleben. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich kann es jedenfalls jedem nur ausdrücklich ans Herz legen! Es war einfach nur eine AWESOME Zeit!