LIEBHABER. des Halb- SCHATTENS DEUTSCHE BANK

title circulation issue page manager magazin 111.619 1/2017 36-41 LIEBHABER des HalbSCHATTENS DEUTSCHE BANK Der wichtigste Kapitalgeber des Konzern...
Author: Renate Brahms
2 downloads 1 Views 1MB Size
title circulation issue page

manager magazin 111.619 1/2017 36-41

LIEBHABER des HalbSCHATTENS DEUTSCHE BANK

Der wichtigste Kapitalgeber des Konzerns ist ein Meister dubioser

Geschäfte. Ein Porträt des Kataris, der seinen Einfluss beim

angeschlagenen Geldhaus ausbaut und es in der Hand hat. -

London klageberechtigt,warf HBJ vor, seiner Sippe in Katar Land abgepresst zu haben; sogar von Folter war die Rede. Richter Nicholas Blake möge HBJ dessen diplomatischen Status absprechen, um ermitteln zu können. Schließlich sei Al-Thani seit seiner Demission als Premier 2013 nur noch als Geschäftsmann tätig. Judge Blake sah das ähnlich: HBJ gebiete über Vermögen von "unvorstellbarem Wert" und bezeichne sich selbst öffentlich als Geschäftsmann. Sein Status als Diplomat sei eigentlich nicht gerechtfertigt. Am Ende streckte der Richter seiner Majestät dennoch die Waffen. Katar habe nun einmal Diplomatenstatus beantragt und die britische Regierungselbigen genehmigt. Daran könne er nichts ändern. Sehr wichtigfür HBJ, der vor Gericht durch seinen Anwalt alle Vorwürfe zurückweisen ließ. Und sehr wichtig auch für die Deutsche Bank. Denn der Scheich, geboren in einer Wüstenstadt in Katar, ist zu einer Art

Lebensversicherungfür das angeschlagene Geldhaus aufgestiegen.

amad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani (57; genannt HBJ) beschäftigtregelmäßig die Fantasie der DeutscheBank-Manager, gelegentlich aber auch die Gerichte. Im Frühling2016 beriet der Londoner High Court über den steinreichen Großaktionär des noch immer wichtigsten deutschen Bankhauses. Ein Mitgliedder prominenten katarischen Familie Al-Attiya, zugleich britischer Staatsbürgerund daher in

Zu seinem milliardenschweren Portfolio gehört neben viel Betongold und Bluechip-Aktien (siehe Grafiken Seite 38) vor allem die 10-prozentige Beteiligung an der Deutschen Bank. Die teilt er sich formal mit Cousin Hamad Bin Khalifa Al-Thani (64), Katars Ex-Emir, dem er Aufstiegund Reichtumverdankt. Das Sagen aber hat HBJ. 2017 werden die Cousins, die jetzt schon die größten Aktionäre sind, ihren Einfluss bei dem siechen Frankfurter Finanzkolossmöglicherweise noch erhöhen. Denn kaum etwas braucht die in Rechtshändel verstrickte, strategischmäandernde Bank nötiger als Kapital. Bereitstellen können und wollen das in größerem Um- > -

-

1/5

fang nur die Kataris, womöglich im Verbund mit Staatsfonds aus Nahost und Investorenaus China, zu denen HBJ Kontakt hält (siehe manager magazin 11/2016). Wenn er aber gemeinsam mit seinem Cousin auf mehr als 10 Prozent aufstocken will, muss er das Inhaberkontrollverfahren der FinanzaufsichtBahn überstehen. Und da wäre ein Prozess in London für die Bank nicht hilfreich gewesen. Den reichen Mann vom Golf umweht etwas Halbseidenes. Recherchen des manager magazins in Doha, London und Frankfurt bei Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Kontrahenten legen nahe, dass HBJ nicht verhindert hat, dass aus Katar in seiner Regierungszeitislamistische Terrorgruppen wie al-Qaida und Isis gesponsert

wurden; bei Investments des Staatsfonds privat mitverdient und so sein Vermögen vergrö-

ßert hat; Steuerparadiese nutzt und mit Geschäftspartnern kooperiert, deren Ruf zumindest zweifelhaft ist. Als Kapitallieferant in der Not ist der Milliardär hochwillkommen bei der Deutschen Bank, seine Betreuung Chefsache. Aufsichtsratsvormann Paul Achleitner (60) umsorgt ihn regelmäßig, lobt ihn öffentlich als "verantwortungsbewussten Aktionär". Bei der Münchener Sicherheitskonferenz, wo Achleitner im Beirat sitzt, kümmerte sich der Linzer 2016 rührigum den Katari. In seinem Chairman s Office hat er eine Kraft abgestellt, die HBJs Beraterstab im Blick behält, um stets zu wissen,wer gerade den größten Einfluss auf den machtbewussten Mann vom Golf hat. Dennoch: Wenn sie könnten, würden sie sich an der Taunusanlage liebend gern einen anderen wichtigstenGeldgeberaussuchen. Solange er investiert ist, dient ihnen nach innen wie nach außen ein Argument zur Beruhigung:Der Katari mag der größte Aktionär der Bank sein; aber die ganze Regulatorik, die Compliance,ließen es nicht zu, dass er außerhalb der Hauptversammlung Einfluss auf das Haus ausübe. Er sei, so versichern Topmanagertreuherzig,ein-

gehegt. Tatsächlich nahm der Katari bei seinen Investments bisher selten Einfluss auf die Strategie.Stattdessen schimmern stets politische Motive durch, es geht auch um die Beziehungzur arabischen Heimat und den

eigenen diplomatischen Status. Die Beteiligung an Ikonen wie der London Stock Exchange oder der Deutschen Bank sollen dem jungen Emirat lebenswichtigeVerbindungen gen Westen sichern.

Bei der Deutschen Bank allerdings legt HBJ neuerdings ungewohnte Aktivität an den Tag. WirtschaftsanwaltStefan Simon (47) ist seit Kurzem sein Gewährsmann im Aufsichtsrat, auf dass dieser Achleitner genauer auf die Finger schaue. Wie reizbar HBJ ist, wissen Familienmitglieder zu berichten. Emir Hamad Bin Khalifa höchstpersönlichsoll einst an Bord seines Privatflugzeugs ein Handgemenge zwischen einem anderen Al-Thani und HBJ geschlichtet haben. Der habe sich maßlos darüber aufgeregt, dass sein Sippengenosse mit der Restaurierungeiner historischen Pferdekutsche für einen sechsstelligenDollar-Betraggeprahlt hatte für HBJ nichts als Verschwendung. Am Ende brauchte es eine Handgreiflichkeit zum Druckabbau. Begonnen hat der Aufstieg des Topaktionärs der Deutschen Bank in Al-Wakrah. Der staubumtoste Hafen liegt nur wenige Kilometer südlich von Doha, ist aber so ziemlich das Gegenteil von Katars Hauptstadt mit ihrer glitzernden Skyscraper-Promenade. Noch zu HBJs Geburtszeiten war das Örtchen ein Zentrum für Perlentaucher und Kleinhändler. Der Weltmann kehrt regelmäßig in seine heimatliche Ödnis zurück, um sich mit Vertrauten zu treffen, die seinen Aufstieg bis heute begleiten. Der begann 1982 in Katars Landwirtschaftsministerium und nahm ab 1995 so richtig Fahrt auf. Seinerzeit stürzten er und sein Cousin dessen Vater vom Thron, als der gerade in der Schweiz weilte. HBJ, schon unter dem alten Scheich Außenminister, wird der Schattenchef des Emirats, ab 2007 auch offiziell im Rang eines Premiers. Nach ihrem Coup richten die Cousins ihre Heimat gen Westen aus. "Al Udeid" wird zum größten -

US-Militärstützpunkt in Nahost, Großbritannien ist seit der Kolonialzeit ohnehin Fixpunktder Al-Thanis. Fast alle männlichen Familienmitglieder müssen die Königliche Militärakademie Sandhurst besu-

chen, wo

schon Winston Churchill

und KronprinzWilliam (34) dienten. Gleichzeitigaber tun die Cousins einiges für den radikalen Islam verhindern ihn jedenfalls nicht. 2014 etwa notiert das US-Finanzministerium, dass aus Katar seit Jahren die Hamas finanziell unterstützt wird, deren Chef Chalid Maschaal (60) von Doha aus Terroranschlägekoordiniert. Kataris könnten ungestört -

Spenden sammeln für al-Qaida sowie seine Ableger in Syrien, im Irak, Jemen und in Somalia. Die Kataris bestreitenjede Form staatlicher Ter-

rorfinanzierung. Während die Islamisten Geld auf-

treiben, gründen der Emir und HBJ die Qatar Investment Authority(QIA). Der Staatsfonds soll ab 2005 das Volksvermögenstreuen für die Zeit nach dem Öl- und Gasboom. 2008 sind 60 Milliarden Dollar investiert, für 2010 sind 100 Milliarden geplant. Banker und Analysten westlicher Finanzhäuser werden im Dutzend angeheuert.Rasch wächst das Team auf 140 Spezialisten heran. Zum Geldrausch wird die QIA auch für HBJ persönlich. Denn der Premier wird Chef des Fonds, fortan sind die Milliarden immer schwerer auseinanderzuhalten. Der damalige US-Vizebotschafter Michael Ratney (55) meldet 2008 in einem Lagebericht "confidential" nach Washington: "In jeder Hinsicht hat HBJ den größten Einfluss auf den Fonds, manchmal tätigt QIA Investitionen parallel mit denen aus seinem eigenen beträchtlichen Vermögen. HBJs persönlicherStab prüft Gelegenheiten und koordiniert die Deals." Schon kurz nach dem QIA-Start konstatiert der Emir mit Blick auf seinen Cousin: "Ich bin der Chefvon Katar, aber ihm gehört Katar." Spezialität: Gegengeschäfte

Dabei agiert HBJ vor allem mit alten Freunden aus Al-Wakrah. Allen voran Hussain Ali Al-Abdulla (59), der bis heute Katars Interessen im Aufsichtsrat von Volkswagenvertritt, sowie Ahmad Al-Sayed (40). Das Trio geht klandestin vor, trifft sich oft in abhörsicheren Limousinen. Wie im Rauschwerden Milliarden für den Kauf Londoner Luxusimmobilien und den Einstieg in europäische Konzerne abgepumpt. Was zählt, sind die Prominenz des Objekts und des Unternehmens -

Trophy-Assets. Von ordentlicher Buchführung scheint der QLA-Chefdagegennicht viel zu halten; in der Zentrale des Staatsfonds fehlt es sogar an Schränken für Aktenordner. 2010 stolpert ein frisch eingestellterSteuerexperte buchstäblichüber stapelweiseunausgefüllte Formulare zur Rückerstattungvon US-Quellensteuer. Der Mann fasst sich ein Herz, klaubt alle 2/5

auffindbarenFormulare zusammen, füllt sie aus und holt auf einen Schlag rund 200 Millionen Dollar vom US-Fiskus zurück. Die Kataris zucken mit den Schultern. Eine saubere Analyse der verstreuten Anlagen gibt es nicht, die hoch dotierten QIA-Mitarbeiter werden kaum in Dealentscheidungen einbezogen. Stattdessen sucht HBJ die Nähe eher rustikaler Typen. So vertraut er die auf der Isle of Man registrierte und den Cayman Islands niedrigststeuerpflichtige Immobilienfirma Delta Commercial Property dem Briten Paul Taylor (51) an. Der Londoner mit dem harten Cockney-Akzent und der Erscheinung eines Türstehers ist vom Fach: Nach seiner Zeit als Maurer auf dem Bau hat er sich zum Spezialisten für riskante, aber hochprofitable Sale-

fonds von Katar, Abu Dhabi und weiteren Ländern pumpen im Sommer und Herbst in zwei Tranchen 11,8 Milliarden Pfund in die Bank und retten sie. Katars Anteil beträgt

mit einzelnen Aktionären würden einen Verstoß gegen das Aktiengesetz bedeuten. Wir weisen darauf

6,1 Milliarden Pfund

rat oder Vorstand könnten sich auf

brutto. Netto sieht die Rechnunganders aus. Barclays zahlt 300 Millionen Pfund "Beratungshonorar" an Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan (46) aus Abu Dhabi, die ihn beratende Investmentfirma PCP, die -

QIA-Tochter Qatar Holding (Chair-

HBJ)

man: sowie Challenger, ein privates Investmentvehikel von HBJ.

Und das soll nicht alles gewesen eine aktuelle Klage von PCP-Chefin Amanda Staveley > (43) nahelegt. Die Ex von Prinz Andrew (46) und Beraterin von Scheich Mansour will vor Gericht nachweisen, dass Barclays das Publikum über and-lease-back-Immobiliendeals die Rettung getäuscht hat. hochgearbeitet. So soll die am Abgrund stehende Im QIA-Auftrag steigt er beim Bank bei der zweiten RettungstranPflegeheimbetreiber Southern Cross che im Herbst 2008 heimlich rund ein. Das Ende ist bitter, vor allem für drei Milliarden Pfund nach Katar die hilfsbedürftigen Bewohner: Un- überwiesen haben, um sich im Geter der Last horrender Mietfordegenzug offiziell mit zwei Milliarden rungen seiner Eigner,darunter QIA, Pfund retten zu lassen. Dafür hätten bricht das Unternehmen zusammen. die Qatar Holding 66 Millionen Zu einer weiteren Niederlage Pfund und HBJ 280 Millionen kaswird derAngriffaufSainsbury s: Taysiert. Die britische Bank bestreitet lors mit QIA-Geld gefütterte Investdie Vorwürfe. mentfirma Delta Two investiert Deals mit bedürftigen Unterneh2007 in die britische Supermarkt- men scheinen eine Al-Thani-SpeziaIkone. Der Plan: Die komplette lität zu sein. So kam es etwa nach Übernahme für rund zwölf Milliar- dem Einstieg von QIA bei Credit den Pfund und die Abspaltung der Suisse zu einem schönen Geschäft: Kaufhäuser, um ihnen danach höhe- 2012 verkaufte die Züricher Bank ihre Mieten aufzubürden. ren Londoner Sitz für 325 Millionen Der Deal scheitert. Offiziell weFranken an den Staatsfonds, um ihn gen der Klemme an den Kreditmärk- von dort wieder zurückzumieten. ten, tatsächlich aber auch wegen HBJ und die Deutsche Bank hatTaylor, dessen rabiate Art die betei- ten ihren Honeymoon im Frühjahr ligte Sainsbury-Familieverschreckt. 2014. Erst sicherte der Katari einen Für Taylor ist es das Ende der Großteil der Kapitalerhöhung,nur Geschäftsbeziehung zu QIA, für HBJ wenige Wochen später half ihm die eine öffentliche Demütigung. Bank beim Kauf der aufafrikanische Die Kataris sind keine klassischen ÖlfelderspezialisiertenHeritage Oil. Portfoliomanager, Rendite machen Erstaunt registrierte die Szene, sie gern über Gegengeschäfte. Bei wie viel Geld Heritage-Haupteigner VW etwa landen die Kataris nur, weil Anthony Buckingham (64), ein Exder damalige niedersächsische MiSöldner, und seine Partner überwienisterpräsidentChristian Wulff (57) sen bekamen: 924 Millionen Pfund HBJ mit Kontakten zur Kanzlerin und damit einen satten Aufschlag warb. Eigentlichhatte man bei Por- von 115 Prozent im Vergleich zum sche einsteigenwollen. Kurs am Vorjahresende. Anders läuft es 2008 bei Barclays. Die Deutsche Bank weist entrüsIm annus horribilis der Weltfinanz- tet zurück, Gegengeschäftemit ihmärkte kämpft die britische Großrem wichtigsten Investor unternombank ums Überleben. Die Staatsmen zu haben: "Sonderabsprachen

sein, wie

hin, dass die Unterstellung oder die bloße Vermutung, der Aufsichtsderartige Abspracheneinlassen oder eingelassenhaben, jeder Grundlage entbehren und zutiefst ehrenrührig sind." Dass HBJ, zeitweise ein enger Vertrauter von Syriens Diktator Baschar al-Assad (51), einen selbst für Araber gewöhnungsbedürftigenStil pflegt, musste auch Saif al-Islam alGaddafi (44), Sohn des libyschen ExDiktators, erfahren. In ihrem Buch "Une France sous influence" beschreiben die Autoren Vanessa Ratignier und Pierre Pean eine illustre Dinnerrunde, die sich im Spätsommer 2010 im Haus von Abdullah al-Sanussi (67), damals libyscher

Geheimdienstchef,traf. Mit am Tisch saßen demnach neben al-Sanussi, Saif und HBJ auch der Geschäftsmann und mutmaßliche Waffenhändler Ziad Takieddine (66) sowie Gaddafis Premier Bagdadi Ali al-Mahmudi (71). GaddafiSohn Saif soll das Wort an HBJ gerichtet haben: "Wir warten darauf, dass Sie in unserem Land investie-

ren, aber es passiert nichts!" Der unterstrich sein Interesse an Libyens Öl und Gas und verlieh seiner HoffnungAusdruck, "dass wir an der Ausbeutung der Vorkommen teilhaben". Anschließend nannte der Katari seine Bedingungen: "Wenn Sie wollen, dass wir dabei sind, kostet das 300 Millionen." Inzwischen hat er keine Möglichkeit mehr, Amt und Geschäft miteinander zu verbinden. Katars jun-

ger Emir Tamim (36) will endlich die Korruption im Land bekämpfen und Doha zum wichtigsten Finanzzentrum der Golf-Region machen.

HBJ, dessen Investments auf eigene Rechnung ein offenes Geheimnis in Doha sind, hat er gleich zu Beginnseiner Amtszeit aus dem Kabinett geworfen. Auch dessen QIAIntimus Al-Sayed ist seinen Job los. Den neuen Emir hat die Abnabelung von HBJ ein (Volks-)Vermögengekostet. Allein für den Verkaufseines etwa 50-prozentigen Anteils an Qatar Airways,eigentlich ein Staatsunternehmen, soll der Ex-QIA-Chef bis zu acht Milliarden Dollar kassiert 3/5

haben, schätzen Insider. Die Ablösesumme und weitere Nebenverdienste garantieren HBJ einen sorgenfreien Neustart in London. In seiner Wahlheimat verbringt er heute viel Zeit, dort stehen zwei der wertvollsten Trophy-Assets: das Nobelkaufhaus Harrods und der GebäudekomplexOne Hyde Park. Harrods hatte er noch als QIAChef dem ägyptischen Milliardär Mohamed Al-Fayed (87) für kolportierte 1,5 Milliarden Pfund abgekauft. Im obersten Stockwerk des Luxustempels residiert die QIA-EuropaZentrale. Von dort aus kann das komplette Kaufhaus via Überwachungskameras überblickt werden. One Hyde Park ist sein Basislager. Hier besitzt er ein Apartment, das vom 11. bis zum 13. Stockwerk reicht und freien Blick auf Großbritanniens wohl berühmteste Grünfläche gewährt. HBJ, dessen Immobilienvermögen Insider auf 8 Milliarden Dollar schätzen, ist Co-Bauherr des Komplexes,der zu den weltweit teuersten Wohnadressen zählt und 1,2 Milliarden Pfund gekostet hat. Um die Steuerlast so gering wie möglich zu halten, gründeten HBJ und sein Partner Christian Candy (42) auf der für Steuervermeider attraktiven Kanalinsel Guernsey den Real-Estate-EntwicklerProject Grande. Der Candy-Man hat sein Faible für Steueroasen sogar auf seine Kinder übertragen: Christians Sohn heißt Cayman, Töchterchen Isabella mit Zweitnamen Monaco. HBJ ist ihm in diesem Fall nicht gefolgt, anderenfalls hieße eines seiner geschätzt 15 Kinder Jungfrau. Denn auf den British Virgin Islands, ebenfalls ein Fiskalparadies, hat er das Investmentvehikel Paramount angemeldet, über das er an der Deutschen Bank beteiligtist. Für seine wichtigste deutsche Beteiligung hat er sich Insiderkenntnissegesichert: Michele Faissola (48), jüngst in Unfrieden demissionierter Chef der Vermögensverwaltungder Frankfurter, ist einer seiner engsten Berater. Der Italiener ist tiefverstrickt in die Libor-Zinstricksereiender Bank; 2017 muss er sich vor Gericht verteidigen, weil er der Skandalbank Monte dei Paschi geholfen haben soll, ihre Bilanz zu frisieren. Faissola weist die Vorwürfe zurück. Wöchentlich trifft man sich und bespricht mögliche Deals. So halfen die

Al-Thanis jüngst dervon Faissola und zwei

Dafür will der Katari, der strategisch

Ex-Deutsche-Bank-Kollegengegründeten InvestmentplattformF.A.B. mit Sitz im Steuerparadies Jersey beim Kauf des USRivalen CIFC für 333 Millionen Dollar. HBJs Beteiligungen sind chaotisch organisiert. Über sein Vehikel Challengeretwa hat er den Barclays-Deal laufen lassen ebensowie eine Beteiligung am deutschen Einrichtungs-Start-upHome24, ein Ange-

sonst so passive Investor, mehr Einfluss nehmen. Mit Simon im Aufsichtsrat und ConsigliereFaissola hat er Zeichen gesetzt. Die fast ungebremste Talfahrt im Februar und Septemberin Richtung Staatshilfe sei für ihn "eine Art Nahtoderfahrung" gewesen, heißt es in seiner Umgebung. Das wolle

bot aus dem Hause Samwer. Immerhin will er jetzt in London ein Team von Investmentbankern zusammenstellen, die ihm bei der Strukturierunghelfen. Sein wichtigster Adjutant: Ken Costa (67), Ex-Chairman des Bankhauses Lazard. Der Reiz der Dealmaschine Die Bankbeteiligungen des Milliardärs sind, mit Ausnahme des Anteils an der Deut-

schen Bank, das Spielfeld von Sohnemann (34). Er sitzt im Verwaltungsrat der Credit Suisse und führt als Chairman Qlnvest, die sich als "Katars führende Investmentbank"bezeichnet und von einem ExGoldman-Banker geleitet wird. Über Qlnvest hält die Sippe mit 43,4 Prozent den größten Anteil an Panmure Gordon. In Deutschland gelangte der traditionsreiche Londoner Wertpapierhändler zu trauriger Berühmtheit, weil er als Tochter der WestLB zum Niedergang der einst so stolzen Landesbank beitrug. In London hatte die Marke zunächst noch Klang. Die Kataris stiegen 2009 ein und wollten das Haus zum Broker für Schwellenländerfirmenauf Investorensuche machen. Doch Panmure darbt vor sich hin. Die Mitarbeiter müssen sich mit einer halben Etage begnügen, die jüngsten Pokale von Preisverleihungen, ausgestelltin der Lobby, datieren auf das Jahr 2013. CEO Patric Johnson (44), seit Februar im Amt, sagt, Jassim oder gar HBJ habe er noch nie zu Gesicht bekommen. "Es gibt keine langfristige strategische Vision von Qlnvest für Panmure Gordon." Kaufangebote hat Jassim ausgeschlagen, sie lagen deutlich unter seinem Einstandspreis. Den Gesichtsverlust, so beschied er Interessenten, wolle er sich ersparen. HBJs Scheu vor großer öffentlicherAufregung ist indes ein Segen für Achleitner. Monatelang sah es so aus, als würde er mit Ablauf der Hauptversammlungim Mai 2017 das Feld räumen müssen. Der Großaktionärhatte gegenüber Vertrautenseinen Frust über die Entwicklung der Bank und ihre vielen leeren Versprechungen kundgetan. Nun aber bahnt sich für Achleitner trotzdem eine zweite Amtszeit an, aus Mangel an personellenAlternativen. Jassim

er kein zweites Mal erleben. Denkbar ist vieles. So könnte eine deutlich über die derzeit noch offenen Rechtskosten hinausgehende Kapitalerhöhung dafür sorgen, dass die Deutsche Bank Vertrauen an den Märkten zurückgewinnt. Derzeit notieren Credit Default Swaps (CDS) für fünfjährige Anleihen weit über 200; es kostet also mehr als 20 000 Euro, um Bonds über eine Million Euro abzusichern. So ein Misstrauen schlägt keiner anderen Großbank in Europa entgegen. Fallen indes die CDS und kann sich der Konzern günstiger Geld leihen, um sein billionenschweres Derivatebuch zu refinanzieren, wäre die Bank wieder "im Geld". Viel krasser und komplexer ist ein Szenario, das in London kursiert: die Abspaltung des Investmentbankings vom Konzern. Frisch kapitalisiertmit katarischen Milliarden und neuem Sitz in London oder New York, könnte sich das Kapitalmarktgeschäftder Deutschen Bank neu erfinden. Das wäre ein spektakulärer Coup. Und ein gewaltigerVorteil für HBJ: Er hätte wieder seine eigene Dealmaschine. -

M Tim

-

Bartz/Sven Clausen

8 MRD.

$

soll HBJ für seinen Anteil an Qatar Airways bekommen

haben.

280 MIO. soll HBJ für den

Barclays-Deal erhalten haben.

4/5

STEFAN SIMON

Der Wirtschaftsanwalt scheidet bei Flick Gocke

Schaumburg aus; dafür sitzt er bei der Deutschen Bank im Aufsichtsrat.

MICHELE

FAISSOLA

Der Exchef der

VermögensVerwaltung mischt als Einflüsterer von HBJ wieder bei der Deutschen Bank mit.

CHRISTOPHE DE MARGERIE Der 2014 tödlich

verunglückte

CEO des Mineralölunternehmens Total war einer der engsten

Geschäftspartner des Kataris.

5/5