Jahrbuch des Plaidter Geschichtsvereins

Jahrbuch des Plaidter Geschichtsvereins 1. Jahrgang 2003 Jahrbuch des Plaidter Geschichtsvereins 1. Jahrgang Plaidt 2003 Dieses Heft erscheint m...
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Jahrbuch des Plaidter Geschichtsvereins

1. Jahrgang 2003

Jahrbuch des Plaidter Geschichtsvereins

1. Jahrgang Plaidt 2003

Dieses Heft erscheint mit freundlicher Unterstützung von: Boch GmbH Brengmann Gärtnerei Burgquelle GmbH & Co. KG Daub GmbH Durwen Maschinenbau GmbH Gebr. Gemein GmbH Hähnchen Clem GmbH Hengesbach Beerdigungsinstitut Jungbluth & Mürtz GmbH Jungbluth Nutzfahrzeuge GmbH Kayser GmbH Kreissparkasse Plaidt Kunsthandel u. Galerie Lampa Neumann Küchenstudio Rausch Therm-Stein GmbH Romey Baustoffwerke GmbH & Co. KG Dr. med. Winfried Ünzen Victoria Apotheke VR Bank Rhein-Mosel eG

Impressum: Plaidter Blätter, 1. Jahrgang 2003, im Eigenverlag des Plaidter Geschichtsvereins Anschrift: Postfach 1246, 56637 Plaidt Herausgeber: Plaidter Geschichtsverein e.V. Redaktion: Maria Zaar-Görgens, Frank Neupert und Erwin Unger Gestaltung: Otmar Lohner Druck: Druckerei Niederprüm, Andernach

Inhalt Grußwort · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · 1 Bürgermeister Klaus Bell Grußwort · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · 3 Ortsbürgermeister Wilhelm Anheier Der Plaidter Geschichtsverein stellt sich vor · · · · · · · · · · · · · · · · 5 Frank Neupert Jagd auf „böse Leute“. Hexenverfolgungen in der Region um den Laacher See (16.-17. Jahrhundert) · · · · · · · · · · · · · · · · 11 Rita Voltmer Hexenverfolgung in Plaidt · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · 25 Frank Neupert „Ganz Plaidt ist unterhöhlt“. Tuffsteinabbau, Stollen, Höhlen und Bunker, Teil 1: Bereich westlich der Bahnhofstraße · · · · · · 39 Wolfgang Horch Alte Plaidter Familien, Teil 1 · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · 57 Klaus Marzi Ortstypische Straßenbezeichnungen: Gelbe Gefahr, Im Holland, Kamerun, Klein-Korea, An der Kirchport · · · · · · · · · · 71 Wolfgang Horch/Frank Neupert Wer kannte Stefan Baretzki? Über einen Blockführer in Auschwitz-Birkenau · · · · · · · · · · · · · 75 Maria Zaar-Görgens Die Gründung der Volkshochschule im Jahr 1951 · · · · · · · · · · · · 83 Frank Neupert Daniel Lampa - ein Künstler aus Plaidt· · · · · · · · · · · · · · · · · · 93 Gert Fröhlich Ortschronik August 1952 bis Juni 1953 · · · · · · · · · · · · · · · · · 101 Maria Zaar-Görgens Ortschronik Juli 2002 bis Juni 2003 · · · · · · · · · · · · · · · · · · 117 Frank Neupert Personenindex· · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · 127

Grußwort von Bürgermeister Klaus Bell Liebe Leserin, lieber Leser, erstmals veröffentlicht der Plaidter Geschichtsverein ein Jahresheft. Dies im ersten Jahr seines Bestehens. Als alter Plaidter war und bin ich hoch erfreut, dass sich ein Verein in der Ortsgemeinde etabliert hat, der sich mit der Geschichte meines Heimatortes auseinander setzt. Ich bin froh und dankbar, dass sich Männer und Frauen zusammen gefunden haben, die es sich zur Aufgabe machen, geschichtlich Verwertbares zu suchen, zu sichten, zu sammeln und zu dokumentieren. Sie erforschen neben den bereits vorhandenen Dokumenten und Bekanntem, Neues über die Geschichte der Ortsgemeinde Plaidt. Sie suchen nach den Wurzeln des Ortes. Sie dokumentieren Ereignisse, Geschehnisse aus der jüngeren und ferneren Vergangenheit. Endlich ist nunmehr gewährleistet, dass auch der breiten Öffentlichkeit dieses Wissen um die Vergangenheit von Plaidt zugänglich gemacht wird. Auch die Neubürgerinnen und Neubürger erfahren mehr über die Wurzeln des Ortes. Sowohl die jungen als auch die alten Triebe dieser Wurzeln werden in Zukunft dargestellt werden können. Wurzeln sind die unabdingbare Voraussetzung zum Gedeihen eines kräftigen und stabilen Baumes. Ich wünsche mir, dass die Mitglieder des Geschichtsvereins viel Freude und Spaß an ihrem Hobby haben. Der Ortsgemeinde Plaidt wünsche ich ein gutes Gedeihen des Baumes im Sinne stabiler Wurzeln. Ihr Klaus Bell

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Grußwort von Ortsbürgermeister Wilhelm Anheier Schön, dass es seit November 2002 den „Plaidter Geschichtsverein“ gibt. Es ist wichtig, sich mit der eigenen Geschichte zu befassen und aus Fehlern, aber auch aus positiven Entwicklungen zu lernen. Wann der Erste Weltkrieg war, wann Karl der Große regierte, all das ist bekannt. Aber viele Daten und Fakten aus der Geschichte meines Heimatortes Plaidt sind noch unerforscht und warten darauf, einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt zu werden. Der „Plaidter Geschichtsverein“ hat in diesem Jahr bereits zusammen mit unserer VHS einen Kurs „Lesen altdeutscher Schriften“ und einen gut besuchten Festakt anlässlich der Vereinsgründung durchgeführt. Zudem ist es gelungen, den Standort der alten Plaidter Pfarrkirche zu ermitteln und darzustellen. Nun liegt das erste Heft der Vereinszeitschrift „Plaidter Blätter“ vor. Es beinhaltet eine ganze Reihe interessanter Beiträge, u.a. über Hexenverfolgung, alte Plaidter Familien, die „Römerstollen“ oder den Lebenslauf des Plaidter Künstlers Daniel Lampa. Interessant ist die Gegenüberstellung einer aktuellen Ortschronik der Jahre 2002/2003 mit dem Geschehen vor 50 Jahren, also 1952/1953. Der „Plaidter Geschichtsverein“ stellt zweifellos eine Bereicherung für das kulturelle Leben der Gemeinde dar. Ich wünsche ihm weiterhin viel Erfolg, einen „langen Atem“ und den Lesern viel Spaß mit den „Plaidter Blättern“. Ihr Willhelm Anheimer

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Frank Neupert

Der Plaidter Geschichtsverein stellt sich vor Frank Neupert Seit einiger Zeit sind Gert Fröhlich und Wolfgang Horch in Sachen Ortsgeschichte unterwegs. Der eine, weil er ein Faible für alte Postkarten und Fotos hat, der andere, weil er sich sehr für die Tuffsteinhöhlen unter Plaidt interessiert. Bei ihren Recherchen ist ihnen immer wieder aufgefallen, daß es im Ort viele Leute gibt, die einerseits sehr viel zur Geschichte wissen, was bisher nicht in „vernünftiger Form“ festgehalten wurde, die andererseits noch viel mehr über Plaidt und Umgebung wissen wollen. Nachdem die beiden mich mit ins Boot gezogen hatten, was nicht sehr schwer war, wie ich zugeben muß, gingen wir daran, den Plaidter Geschichtsverein zu gründen. Nach einigen vorbereitenden Treffen und den dazugehörigen hitzigen Diskussionen, konnte der Verein am 28. November 2002 mit folgendem Vorstand gegründet werden: 1. Vositzender Frank Neupert 2. Vorsitzende Maria Zaar-Görgens 1. Geschäftsführer Wolfgang Horch 2. Geschäftsführer Gert Fröhlich 1. Kassierer Peter Thewalt 2. Kassierer Elmar Weinand Beisitzer: Berni Cornet, Bodo Geromont, Klaus Marzi, Karl Nachtsheim und Erwin Unger.

Abb. 1: Vorstand des Plaidter Geschichtsvereins, von links: Elmar Weinand, Karl Nachtsheim, Berni Cornet, Gert Fröhlich, Frank Neupert, Bodo Geromont, Klaus Marzi, Peter Thewalt, Erwin Unger, Maria Zaar-Görgens, Wolfgang Horch, Foto Dirk Schwindenhammer

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Der Plaidter Geschichtsverein stellt sich vor

Inzwischen hat der Verein über 150 Mitglieder. Das ist eine ganze Menge für einen historischen Verein, und es zeigt, daß die Identifikation der Menschen mit ihrem Heimat- oder Wohnort sehr hoch ist. Die Ziele des Plaidter Geschichtsvereins sind in der Satzung folgendermaßen dargelegt: 1) Zweck des Vereins ist die Förderung der Erforschung der Heimatgeschichte und des Geschichtsverständnisses in der Bevölkerung sowie die ideelle oder finanzielle Hilfestellung bei der Erhaltung von Kunst- und Kulturdenkmälern. (2) Der Satzungszweck wird insbesondere verwirklicht durch Veröffentlichungen zur Orts- und Heimatgeschichte, historische Ausstellungen und Vorträge sowie durch die Betreuung heimatkundlicher Sammlungen. Diese theoretischen Vorgaben gilt es, in die Praxis umzusetzen. Angefangen haben wir mit einer gemeinsamen Veranstaltung mit der VHS-Plaidt „Lesen altdeutscher Schriften“. In zehn Doppelstunden versuchten rund zwölf Geschichtsinteressierte mit großem Engagement, die Texte aus dem 19. und 18. Jahrhundert zu entschlüsseln. Das Besondere an dieser Veranstaltung war, daß ausschließlich Quellen zur Orts- und Heimatgeschichte gelesen wurden. Etwas ganz Besonderes hatte sich der Plaidter Geschichtsverein zur Feier seiner Gründung einfallen lassen: einen Festakt, der am 10. Mai in den Räumen des Vulkanparks stattfand. Die Gelegenheit wurde genutzt, um den etwa 130 anwesenden Gästen den neuen Verein mit seinen Zielen und konkreten Projekten vorzustellen. Den umfangreichen Festvortrag hielt Dr. Rita Voltmer von der Universität Trier zum Thema: Jagd auf „böse Leute“. Hexenverfolgungen in der Region um den Laacher See im 16. und 17. Jahrhundert. Wer damals nicht alles mitbekommen hat, kann den leicht überarbeiteten Beitrag in diesem Heft nachlesen. Der Plaidter Geschichtsverein will versuchen, ähnlich hochwertige Vorträge einmal jährlich nach Plaidt zu holen. Dabei geht es um die Förderung der Erforschung der Heimatgeschichte. Wichtig ist dabei aber, daß wir mit diesen Vorträgen engagierter Historiker zeigen wollen, daß sich die moderne Geschichtsforschung schon lange nicht mehr, wie wir das aus der Schule kennen, allein mit der Herrschaftsgeschichte befaßt. Untersucht werden vielmehr gesellschaftliche Strukturen und Prozesse. Die Beschäftigung mit Ge-

Abb. 2: Gut besuchter Festakt des Plaidter Geschichtsvereins, Foto Wolfgang Horch

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Frank Neupert

schichte und gerade mit der regionalen Geschichte ist um vieles interessanter, als die Regierungsjahre von Kaisern und Päpsten auswendig zu lernen. Das musikalische Rahmenprogramm des Festaktes übernahm der „Junge Chor“ Plaidt unter Leitung von Klaus Bell. Eingerichtet haben wir einen Stammtisch, der an jedem ersten Montag im Monat beim „Eifler Hof“ um 20.00 h stattfindet. Es war bislang so gut besucht, daß oft nicht alle einen Sitzplatz am runden Tisch finden konnten. Die Leute bringen alte Schriftstücke, Fotos u.ä. mit, über die dann trefflich diskutiert wird. In den Gesprächen kommen viele historische Fakten und natürlich auch „Histörchen“ zum Vorschein, die uns wiederum Anregungen für weitere Arbeit geben.

Abb. 3: Dr. Rita Voltmer beim Vortrag, Foto Wolfgang Horch

Wir haben angefangen, uns um die alten Basaltkreuze zu kümmern, die früher in der Mauer des alten Friedhofteils eingebracht waren. Es sind Grab- und vielleicht auch Wegekreuze vornehmlich aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Immerhin haben wir bislang erreicht, daß sie vom Bauhof der Gemeinde, wo sie auf einem Haufen lagen, nunmehr auf den alten Friedhof zurückgebracht wurden. Wir werden uns - zusammen mit der Gemeinde - weiterhin um die Sache kümmern müssen. Am 14. Juni 2002 konnte der Plaidter Geschichtsverein der Bevölkerung ein „historisches Event“ präsentieren: die Einmessung des Standortes der alten Plaidter Pfarrkirche. Anhand einiger alter Lage- und Katasterpläne rekonstuierte Klaus Marzi exakt die Position der alten Kirche. Die Eckpunkte wurden ausgemessen und farbig markiert. Die Aktion fand eine positive Abb. 4: Die Steinkreuze sind zurück auf Aufnahme bei Pfarrer Rith, bei allen Teilnehmern und Zuschauern. Glaubten bislang dem Friedhof, Foto Frank Neupert 7

Der Plaidter Geschichtsverein stellt sich vor

Abb. 5: Rekonstruktion der Lage der alten Plaidter Pfarrkirche von Klaus Marzi

viele, daß die Kirche im Bereich von „Marzis Loch“ gestanden habe, so ist nun klar, daß sie wesenlich weiter südlich und zu einem guten Teil über dem „Neuen Weg“ lag. Bei der Einweihung der neuen Gemeindehalle war den Vereinen die Möglichkeit gegeben, sich sonntags, den 31. August, der Öffentlichkeit vorzustellen. Diese Chance nahm der Geschichtsverein gerne wahr und präsentierte alte Fotos, historische Quellen u.ä. Das Interesse und der Zuspruch waren außerordentlich groß. Möglichst jedes Jahr wird der Plaidter Geschichtsverein eine Exkursion zu historisch interessanten Orten durchführen, an der selbstverständlich auch „Nicht-Vereins-Mitglieder“ teilnehmen können. Die erste führte uns am 27. September nach Mayen. Unter fachkundiger Führung wurden die „Adorf-Halle“ und die neugestaltete Ausstellung im Bunker unter der Genovevaburg besichtigt. Viel Arbeit und Zeit haben wir in das jetzt erstmals erscheinende Vereinsheft gesteckt. Schon bei der Namensgebung wurde diskutiert. „Plaidter Geschichte(n)“, „Plaidt einst und jetzt“, „Plaidt in Geschichte und Gegenwart“ und „Plaidter Blätter“ standen zur Debatte. Bis auf die letzte finden sich alle Bezeichnungen für gleichartige Veröffentlichungen in anderen Gemeinden. Zudem kann man den Titel sehr schön 8

Frank Neupert

Abb. 6: Erste Exkursion des Plaidter Geschichtsvereins nach Mayen, Foto Frank Neupert

in Dialekt sagen: „Pläde Bläde“. Daher fiel uns die Wahl für den Namen unseres Vereinheftes letztlich doch nicht so schwer. Das Heft soll einmal jährlich im November erscheinen und geht kostenlos an die Vereinsmitglieder. Neben den Vortragstexten wollen wir eine aktuelle Jahreschronik führen, der wir eine Auswertung der vor 50 Jahren erschienenen Zeitungsartikel aus dem Archiv von Karl Nachtsheim gegenüberstellen. Es wird u.a. Beiträge geben, die über mehrere Jahrgänge fortgeführt werden, so z.B. über ältere Plaidter Familien von Klaus Marzi, über die Plaidter Tuffsteinhöhlen von Wolfgang Horch oder die Erklärung ortstypischer Straßen- und Flurnamen. Gerade was die Veröffentlichungen angeht, steht der Plaidter Geschichtsverein in einem Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und „Amateur-Historikern“. Wir müssen das eine tun, ohne das andere zu lassen. Selbstverständlich werden in unserem Geschichtsheft wissenschaftliche Beiträge erscheinen. Wir wollen aber auch denjenigen ein Forum bieten, die sich ganz privat mit Geschichte beschäftigen. Wir haben uns ganz besonders vorgenommen, gerade diesen Leuten Hilfestellung zu leisten, allerdings - und das ist wichtig - ohne in verklärende „Heimattümelei“ abzurutschen. Ein gewisses Maß an Geschichtskultur, wie man das jetzt nennt, muß gewahrt bleiben. Wer also etwas hat, das er veröffentlichen will, kann sich gerne an uns wenden. Wir werden, so gut es geht, weiterhelfen. Wenn wir die Leute im Ort auf unsere Vorhaben ansprechen, rennen wir fast immer offene Türen ein. Das Interesse ist groß. Das zeigt sich auch daran, daß uns Material der unterschiedlichsten Art angeboten wird. Über kurz oder lang werden wir Probleme damit haben, daß wir (noch) keine geeigneten Räumlichkeiten für Einlagerungen zur Verfügung haben. Gemeinde und katholische Kirchengemeinde können uns nicht weiterhelfen. Der Plaidter Geschichtsverein ist immer noch auf der Suche nach einem Lagerraum.

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Der Plaidter Geschichtsverein stellt sich vor

Für das kommende Jahr gibt es eine ganze Reihe von Plänen. So will der Plaidter Geschichtsverein versuchen, mitten im Dorf in „Marzis Loch“ einen kleinen Weinberg in Erinnerung an die alte Weinbautradition in Plaidt anlegen. Dafür spricht u.a. ein Zitat bei Stephan Weidenbach in seiner kleinen Plaidter Ortschronik aus dem Jahr 1911 (S. 79): Ueber die Güte des Weines sagt 1736 Mog: Der Wein sei zu seiner Zeit in Plaidt ein sehr guter gewesen. Da es nun schon Weißweinanbau hinter dem Hummerich „In der Adenhell“ gibt, wollen wir es vielleicht mit einem Roten versuchen. Schon im Dezember 2003 setzen wir die Zusammenarbeit mit der VHS fort. Dr. Walter Rummel, Archivar beim Landeshaupt- Abb. 7: Umlagerter Stand des Plaidter Geschichtsvereins bei der Eröffnung des neuen „Bürgerhauses“, archiv in Koblenz, wird das SemiFoto Frank Neupert nar „Arbeiten im Archiv“ anbieten. Eingelassene Messingplatten sollen dauerhaft die Umrisse der alten Kirche darstellen. Eine Hinweistafel auf einem - mittlerweile aufgetauchten - Säulenfragment der alten Pfarrkirche soll mit einem kurzen Text zur Geschichte des Bauwerks auf die Markierung hinweisen. Im Wasserschloß in Gondorf, einer Außenstelle des Landeshauptarchivs Koblenz, lagert das Urkataster von Plaidt aus dem Jahr 1829. Eine der Karten stellt den Dorfkern dar. Diese Karte wurde bis zum Jahr 1863 fortgeführt und ergänzt. Die einzelnen Hausbesitzer können über die dazugehörigen Katasterbücher und Fortschreibungsprotokolle ermittelt werden. Der Plaidter Geschichtsverein wird die Karte grafisch überarbeiten und mit den Namen der Besitzer drucken lassen. Ein Vortrag zu einem historischen Thema, die Jahresexkursion und natürlich das zweite Heft der „Plaidter Blätter“ wollen geplant und durchgeführt werden. Im nächsten Heft werden die Beiträge von Klaus Mazi und von Wolfgang Horch fortgesetzt. Weiter wollen wir der Frage nachgehen, wann der erste Apotheker sich in Plaidt ansiedelte, und die von Lehrer Mülhausen geführte „Kriegschronik“ des Jahres 1944 soll abgedruckt werden.

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Rita Voltmer

Jagd auf „böse Leute“. Hexenverfolgungen in der Region um den Laacher See (16.-17. Jahrhundert)1 Rita Voltmer Wie der Prior Johannes Butzbach berichtet, wurden zu Beginn des 16. Jahrhunderts die ehrwürdige Abtei Maria Laach und der Ort Kruft zum Schauplatz unerhört schrecklicher Ereignisse: Schwere Unwetter verwüsteten Weinstöcke und Felder, das Vieh in den Ställen erkrankte, den Kühen versagte die Milch, Menschen litten an unerklärlichem Siechtum, allzu häufig fanden Mütter im Kindbett zusammen mit ihren Neugeborenen den Tod. Auch verstarb im Jahr 1512 der junge, gelehrte und reformwillige Abt Simon von der Leyen plötzlich an einer geheimnisvollen Krankheit. Nur eine plausible Erklärung konnte es für diese Schadensfälle geben: Hier war Hexerei im Spiel! Im Jahr 1514 kam es so in der Herrschaft Kruft zu einer großen Jagd auf die vermeintlichen Übeltäter, in deren Folge fünf Frauen vor dem weltlichen Gericht als Zauberinnen angeklagt, durch die Folter zum Geständnis gebracht und lebend verbrannt wurden. Ihr Besitz fiel der Abtei zu, die Kosten für den Henker mussten die hinterbliebenen Ehemänner zahlen - so ein dürrer Eintrag in der archivalischen Überlieferung des Klosters. Butzbach, Augenzeuge der Ereignisse, glühender Verehrer des verstorbenen Abtes Simon von der Leyen und selbst ausgesprochen hexengläubig, verfasste ein langes Gedicht über die Vorgänge in Kruft und enthüllte darin den vermeintlichen Hintergrund: Eine Pfründnerin des Klosters, die zugleich das Amt der Hospizmeisterin versah, hatte den Abt mithilfe eines mit Eisenhut vergifteten Käses ermordet - aus purer Rachsucht, denn Simon von der Leyen hatte ihre Unterschlagungen aufgedeckt. Lange schon entzog sie den Armen und Pilgern im Hospiz die Almosen, steckte sie in die eigene Tasche oder verteilte sie unter ihrer Verwandtschaft. Diese Frau, die Butzbach in hämischen Tiraden als alte, hässliche, stinkende, männerfressende Vettel diffamierte, deren rote Augen das Sonnenlicht scheuten, sollte jedoch keine einfache Mörderin, sondern eine Hexe gewesen sein, die sich dem Teufel verschrieben hatte und nun in Kruft ihr verderbenbringendes Unwesen trieb. Sie und ihre Kumpaninnen stifteten Unfrieden und Streit, störten das Gemeinwesen, schädigten Mensch und Vieh, riefen Unwetter herbei und versuchten, auf jede nur erdenkliche Weise, Gottes Schöpfung zu vernichten. Angeblich konnte sich die Hospizmeisterin in eine Eule verwandeln und in dieser Gestalt 2 nachts auf den Hexensabbat zum Tref- Abb.1: auf einem Besen fliegende Hexe 11

Jagd auf „böse Leute“

fen mit ihrem Teufelsbuhlen fliegen, manchmal benutzte sie dafür auch einen Besen und verhöhnte mit ihrem nackten Hinterteil Bildstöcke und Wegkreuze, über die sie hinwegflog. Im Gottesdienst aber heuchelte sie besondere Frömmigkeit, während sie hinter vorgehaltener Hand den Priester und die heiligen Handlungen lästerlich schmähte. Alle diese gottlosen Schandtaten - so Butzbach - gestand die ehemalige Hospizmeisterin unter der Folter. Und so schrecklich wie die ihr angelasteten Untaten, so verdient sei auch ihre Strafe gewesen: Gefesselt habe man sie an ihren Brüsten über die Erde zur Richtstätte geschleift, auf dem Weg dorthin mit glühenden Zangen gezwickt und letztlich dem Feuer übergeben. Butzbach wollte sich der Barmherzigkeit Gottes zwar nicht in den Weg stellen, doch zum Abschluss seines Gedichtes gab er der Hoffnung Ausdruck, dass diese schreckliche Abtsmörderin doch recht lange im Fegefeuer verbleiben sollte. Interessant erscheint, mit welcher Selbstverständlichkeit der weitgereiste und gebildete Johannes Butzbach das angebliche Treiben der Hexensekte beschrieb, von deren Existenz die gelehrte Welt Europas erst seit etwa Mitte des 15. Jahrhunderts zu wissen glaubte. Offensichtlich hatte er die erst einige Jahre zuvor gedruckt erschienene Schrift des Dominikaners Heinrich Institoris, den Malleus maleficarum („Der Hexenhammer“), gelesen und daraus erfahren, wer für Unwetter, Giftmorde und andere Schädigungen verantwortlich sein sollte: Nach den darin und in anderen dämonologischen Schriften zu Papier gebrachten Vorstellungen erlagen schwache, sündige Menschen scharenweise den Verführungen des Teufels, wobei es der Dämon grundsätzlich auf beide Geschlechter abgesehen hatte. Doch war man davon überzeugt, dass zumeist Frauen in seine Fänge gerieten, galten sie doch schon seit der Antike als leichtgläubige, wankelmütige, schnell verführbare Wesen. Weiter glaubte man, der Teufel mache sich seine neuen Anhänger durch falsche Versprechungen gefügig und fordere dann völlige Unterwerfung von ihnen: Nach ritueller Abschwörung von Gott musste der Pakt mit dem Teufel besiegelt werden durch die „Buhlschaft“, den Geschlechtsverkehr mit dem Satan. Wie Geständnisse aus dem Eifelraum überliefern, soll der Teufel zur Bekräftigung des Bündnisses und zur Verhöhnung Gottes die neuaufgenommenen Hexen auch mit dem entblößten Hintern gegen ein Wegkreuz gestoßen haben. Ähnlichen Vorstellungen nach flogen regelrechte Heerscharen von Teufelsbündnern auf Besen, Ofengabeln, schwarzen Böcken und Hunden oft über weite Strecken zu ihren nächtlichen Gelagen, zu wilden Tänzen und Orgien auf den Hexensabbat, wo sich die angehenden Teufelsjünger demonstrativ der satanischen Herrschaft unterwerfen mussten. Dies geschah in der Regel durch einen Kuss auf den After des Teufels oder durch eine ähnliche Huldigung an die sogenannten Obersten der Hexengesellschaft. Der Hexentanz war auch der Ort, wo man die Verderben bringenden Schadenzauber ausheckte. Dabei blieb - wie im wirklichen Leben auch - die Unterordnung der Armen unter das Diktat der Reichen erhalten. Ärmere Hexen mussten abseits vom großen Gelage stehen, wurden drangsaliert und misshandelt. Augustin Loß aus Plaidt fabulierte 1629 in seinem Geständnis, die wohlhabenden Hexen und Hexenmeister hätten in einem Palast diniert, er selbst habe nicht an diesem Tisch Platz nehmen dürfen. Angeblich verursachten Teufelsdiener Impotenz und Unfruchtbarkeit bei Mensch und Tier; sie töteten ungetaufte Säuglinge oder gruben auf Friedhöfen Kinderleichen 12

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Abb. 2: Titelkupfer einer Trierer Schrift über Hexen und Zauberer 3

aus, um deren zu Asche verbrannte Körper bzw. ihre kleingeschnittenen Herzen der Zaubersalbe unterzumischen, die durch die Beigabe einer gestohlenen und geschändeten Hostie ihre volle Wirksamkeit entfaltete. Eben deshalb erschienen den Zeitgenossen eifriger Kirchgang und die häufige Einnahme der Kommunion als hochverdächtig, glaubte man doch, die Hexen würden das Sakrament stehlen, um es auf widerwärtige Weise zu verhöhnen und für ihre Zwecke zu missbrauchen. Auch fürchtete man, die Teufelsdiener würden des nachts am Bett ihrer Nachbarn und Dorfgenossen erscheinen, um sie in Tiergestalt zu erschrecken, zu vergiften oder zu ersticken. In den Ställen schmierten sie angeblich dem Vieh Tod bringende Zaubersalbe in den Rachen oder auf den Rücken, ließen sie die Milch der Kühe versiegen. Verheerende Hagelstürme, Blitz und Donner, Frost, Schnecken- und Raupenplagen wurden angeblich von ihnen herbeigezaubert, um die Saat und die Früchte der Erde zu vernichten. Kurz, die Kohorten der sogenannten „bösen Leute“ rüsteten zu einem apokalyptischen Krieg, der die völlige Vernichtung der göttlichen Schöpfung zum Ziel hatte. 13

Jagd auf „böse Leute“

Soweit die Welt der Phantasie und der Ängste, von denen im Laufe des 15. Jahrhunderts zuerst die gelehrten Eliten und dann schnell auch einfache Menschen erfasst wurden. Das erschreckendste und fatalste Element dieser Endzeitvisionen war sicher der Glaube, dass Hexen nicht an Äußerlichkeiten zu erkennen waren, im Gegenteil, dass sie sich hinter ihrem Alltagsgesicht verstecken konnten. Jeder Gegenüber konnte deshalb ein potentielles Mitglied der Hexensekte sein. Tatsächlich fanden Hexensabbat und Teufelsspuk aber nur in den Köpfen der Menschen statt; niemand traf sich zu heimlichen Kulten auf vermeintlichen Hexentanzplätzen, doch boten die Imaginationen von jener gigantischen teuflischen Verschwörung eine oberflächlich plausible Erklärung für Unwetter, für schlechte Ernten und für neue Seuchen. So gehören auch die eingangs geschilderten ersten Hinrichtungen in Kruft zur ersten großen Welle von Hexenjagden, von denen der gesamte Raum zwischen Rhein, Maas und Mosel erfasst wurde. Allerdings - und das sei betont - fanden schon diese ersten Hexenprozesse nicht vor geistlichen, sondern vor weltlichen Gerichten statt. Priester und Pfarrer waren an den Verfahren jedoch als Exorzisten und Beichtväter beteiligt, während Prediger und Theologen als geistige Brandstifter nicht müde wurden, in Wort und Schrift die Ausrottung der verderblichen Hexensekte von den Obrigkeiten einzufordern. Die Region um den Laacher See hatte nicht nur Anteil an der ersten größeren Verfolgung zu Beginn des 16. Jahrhunderts, auch die nachfolgenden Phasen schwerer Hexenpaniken, von denen der europäische Westen in unterschiedlicher Stärke nach 1570 erfasst wurde, lassen sich in der gesamten Eifel feststellen. Dabei wurden das kurtrierische Oberamt Mayen mit der Pfandherrschaft Kempenich, die Gerichte Ober- und Niedermendig, die Herrschaften Bürresheim, Wehr und Kruft sowie die gesamte Pellenz zwischen 1583 und 1597, 1602 und 1614, 1628/29, 1647 und 1651 von schweren Verfolgungen heimgesucht. In Kaisersesch lassen sich bereits 1569 mehrere Hinrichtungen von Frauen aus der Umgebung nachweisen. Da aufgrund eines kurfürstlichen Geheimbefehls die Hexenprozesse in Kurtrier nach 1652 verboten und die bis dahin überlieferten Akten systematisch vernichtet wurden, sind die Spuren dieser Menschenjagd meist nur mehr aus den besser dokumentierten Verfolgungen in der Stadt Mayen und in den kleinen Herrschaften der Region zu erschließen. Immerhin haben sich auch aus Plaidt und Nickenich insgesamt drei Geständnisauszüge aus den Jahren 1628/29 erhalten. Hervorragende Bedeutung kommt allerdings den über 450 Seiten Prozessakten aus der Herrschaft Bürresheim zu. In diesem kaum 500 Einwohner zählenden, zwischen mehreren Herren geteilten Gebilde, wurden allein zwischen 1602 und 1651 mindestens 51 Menschen beiderlei Geschlechts als vermeintliche Hexen hingerichtet - nahezu ein Viertel aller Erwachsenen. Darin erinnert heute noch die Bezeichnung „Hexensaal“ für die sogenannte Reiterstube des Schlosses, wo tatsächlich die meisten Verhöre stattgefunden haben. In dem kleinen, von einer Filiale der Abtei Steinfeld dominierten Straßendorf Wehr wütete der Abt Balthasar Pannhausen durch seinen Schultheißen nicht weniger heftig, hier starben zwischen 1603 und 1609 mindestens zehn Menschen den Flammentod. Ähnlich hohe Hinrichtungsquoten wurden nur mehr in den Grafschaften Manderscheid-Blankenheim, Manderscheid-Gerolstein oder in der Reichsabtei St. Maximin vor Trier erreicht. Insgesamt scheinen die Hinrichtungen in der Region um den Laacher See in die Hunderte gegangen zu sein, wobei zu circa zwei Dritteln Frauen verbrannt wurden. Wie unter den weiblichen, so finden sich auch unter den 14

Rita Voltmer

männlichen Opfern viele Angehörige aus der dörflichen und städtischen Oberschicht. Die folgenden knappen Beispiele zu den Hexenverfolgungen um den Laacher See zeigen, dass sich Hexereibeschuldigungen und -klagen zunächst in den dörflichen Gemeinschaften selbst entwickelten, während die Durchführung der eigentlichen Prozesse in den Händen der weltlichen Obrigkeit lag. Viele Hexereianklagen waren eindeutig durchdrungen von Neid, Missgunst und Hass; alte Feindschaften, Streitereien und soziale Konflikte wurden mit ihrer Hilfe ausgetragen; denn jemanden als Zauberer, als Hexe zu bezichtigten galt als schlimmste Diffamierung. In welchem Maße sich Beschuldigungen und Beleidigungen letztlich zu einer Anklage wegen Hexerei hochschaukeln konnten, zeigt das Beispiel des Schneiders Tonis aus St. Johann. Schon während der frühen Hexenjagden in der Herrschaft Bürresheim um 1595 war seine erste Frau Eva verbrannt worden, und auch gegen ihn wurde der Verdacht laut, ein Hexenmeister zu sein. Als der Gerichtsbüttel mit zwei Dorfgenossen bereits unterwegs war, um ihn zu verhaften, machte er sich feldflüchtig und blieb solange versteckt, bis sich die Pogromstimmung abgekühlt hatte. Nach seiner Rückkehr duldete man Tonis zwar einige Jahre im Dorf, doch wurde er in der Gemeindeversammlung immer wieder als einer der bösen Leute beschimpft. Wie es später in den Akten protokolliert wurde, retournierte Tonis den Vorwurf mit den Worten, der solches sage, sei ein Dieb und Schelm und zehnmal ärger als er, doch darüber hinaus weigerte er sich entschieden, vor dem herrschaftlichen Gericht in Bürresheim eine Verleumdungsklage anzustrengen; denn - so seine weise Einschätzung - je mehr man einen Dreck reibe, desto mehr stinke er. Diese abwartende Haltung half ihm wenig, zumal man ihn bald auch konkret verdächtigte, der Schafherde eines Nachbarn den Mangel angezaubert zu haben. Dazu sollte es gekommen sein, als Tonis seine Kühe auf einem Stoppelfeld geweidet und die aufziehenden Schafe mit Steinwürfen vertrieben hatte. Bald darauf begannen einige der Tiere sich merkwürdig zu verhalten, zu zittern, wie unsinnig herumzuspringen und tot umzufallen. Für den Besitzer gab es nur mehr einen Weg, den Rest seiner Herde zu retten: Er drang in Tonis Haus ein, drohte ihm mit Prügel, beschimpfte ihn als Zauberer und rief, es mueße Feuer darzu gebraucht werden. Stracks, also unmittelbar darauf, sei es mit der Herde besser geworden - für ihn und den Rest der Dorfgemeinde ein unwiderlegbarer Beweis, dass Tonis für die Verhexung verantwortlich gewesen war. Da man fürchtete, er würde ein zweites Mal sein Heil in der Flucht suchen, verhaftete man ihn 1602 vom Fleck weg und brachte ihn aufs Schloss in Gewahrsam. Er wurde am 20. Juni 1602 hingerichtet, nachdem die Folter ihm das notwendige Geständnis abgerungen hatte. Nicht nur streitlustige Verstöße gegen den Dorffrieden, auch Vergehen gegen „Sitte und Moral“ konnten in einer Hexereibezichtigung enden. Bedrückend ist die Geschichte der Johanna aus Wehr, die sich einem Verehrer aufgrund seines Eheversprechens hingegeben hatte, schwanger von ihm wurde und dann feststellen musste, dass er längst verheiratet war. Drei Jahre lang lebte die ledige Mutter in großer Armut, bevor es ihr gelang, sich doch noch mit einem Kuhhirten aus Andernach, der in Wehr diente, zu verheiraten. Ihre Leidenszeit begann jetzt jedoch erst richtig, denn der ungeliebte Mann prügelte sie unbarmherzig und quälte ihr Kind auf sadistische Weise. Immerhin nahmen die inquirierenden Richter die Aussagen der 1604 als Hexe hingerichteten Frau so ernst, dass sie einen Bericht über die Misshandlungen zusammenstellten und den Scherer, der das malträtierte Kind immer wieder versorgt hatte, als 15

Jagd auf „böse Leute“

Zeugen beriefen. Auch Eva, die Frau des Müllers zu Wehr, geriet aus ähnlichen Gründen in Hexereiverdacht; denn während ihrer Dienstzeit als Magd in Wassenach war sie von ihrem Herrn, dem Junker Anton Kolb, verführt und geschwängert worden. Eine ledige Mutter wollte man nicht länger dulden und schickte Eva nach Wehr, wo sie ihr Kind zur Welt brachte. Doch traf sie sich auch weiterhin heimlich mit dem Junker im Feld zwischen Wassenach und Wehr zum Schäferstündchen. Solche Verstöße gegen die rigide, von kirchlicher wie weltlicher Obrigkeit zunehmend strenger überwachte Sexualmoral wurden als eindeutige Indizien für Hexerei gewertet. Immerhin war die Teufelsbuhlschaft, also die Unzucht mit dem Satan ein integraler Bestandteil der Hexenlehre. Da lag die Vermutung nahe, dass diejenigen, denen man im Alltagsleben Hurerei, Ehebruch und andere fleischliche Sünden nachsagte, auch intimen Kontakt mit einem teuflischen Buhlen haben könnten. Die Angeklagte Helene Conrads aus Rieden brachte es 1647 auf den Punkt: Wer ein ehebrecher / müste auch ein zauberer sein. Nicht selten brachten Menschen sich geradezu leichtfertig selbst in Verdacht. Diedrich Innich, Weber aus Mayen, beging dabei einen fast folgenschweren Fehler: Als man sich auf der Zunftstube beim Wein über das Beichten unterhielt, erzählte einer die Geschichte von Tannhäusers Reise zu Frau Venus und dass dieser seine Sünden nur beim Papst hätte beichten können. Ein zweiter Tischgeselle fügte hinzu, im Venusberg müsse es ja heiter und fröhlich zugehen. Nun ergriff Innich das Wort: Dem sei ganz und gar nicht so, im Gegenteil, der Venusberg sei voller Dünste und Dämpfe, man könne kaum die Hand vor den Augen sehen, denn darin würde unablässig gebraten und gekocht. Seine Trinkkumpane wollten ihm die Geschichte nicht glauben, aber Innich beharrte darauf, ja, er nahm sogar Kreide zur Hand und zeichnete das Innere des Berges mit Türen, Treppen und Winkeln auf den Tisch. Nun wurde es seinen Zuhörern mulmig, setzte Innich doch noch hinzu, der Berg läge bei Neapel, der Kaiser ließe ihn mit Truppen bewachen und nur mehr heimlich bekomme man Zutritt. Er selbst sei dort gewesen. Zu guter Letzt bemerkte Innich dann aber doch, dass seine Tischgenossen bedeutungsvolle Blicke tauschten und räumte ein, die Geschichte nur gehört zu haben. Doch seine Prahlerei hatte Folgen; bald wurde er als Hexenmeister beschimpft, der seinen Reichtum aus Frau Venus Berg mit Säcken getragen habe. Das allgemeine Misstrauen gegen ihn verstärkte sich, schließlich war seine Mutter bereits unter Hexereiverdacht geflohen und seine Schwester Appolonnia sogar hingerichtet worden. Hier wiederholte sich ein gängiges Muster, denn war einmal ein Familienmitglied als Hexe oder Hexenmeister hingerichtet, fiel neuer Verdacht schnell auf die verbliebenen Angehörigen. Bei Diedrich Innich kamen noch andere belastende Momente hinzu. So sollte er Wolle falsch gewogen und zu Kruft ein Pferd gestohlen haben. Überdies sagte man ihm, der sich als junger Mann in den Spanischen Niederlanden als Söldner verdingt hatte, nach, er sei von seiner Truppe desertiert und ohne gültige Entlassungspapiere nach Mayen zurückgekehrt. Im Gegensatz zu Tonis Schneiders aus St. Johann wehrte sich Innich aber gerichtlich gegen die Vorwürfe und entging der Verfolgung. Er starb 1597 an der Pest. Zaubereivorwürfe und Hexereiverfahren richteten sich - wie bereits angedeutet oft gegen dörfliche und städtische Eliten. In diesem Kontext sind die 1629 vom Pellenzgericht an das Andernacher Stadtgericht gesandten Auszüge aus den Geständnissen von drei aus Plaidt und Nickenich hingerichteten Personen zu verstehen. So hatten Trein, Thomas Hovers Ehefrau aus Plaidt, und Margarethe Laux aus Nickenich 16

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angeblich einen Tuchhändler namens Wölfgen aus Andernach auf dem Tanzplatz gesehen; der hingerichtete Augustin Loß, ebenfalls aus Plaidt, behauptete gar, die Brüder Jeremias und Johannes Pergener, Mitglieder einer bedeutenden Andernacher Schöffenfamilie, beim Hexentanz erkannt zu haben. Es scheint offenkundig, dass man in Andernach gegen Abb. 3: Ausschnitt aus der Darstellung des so genannten diese genannten Personen we- Trierer Hexentanzplatzes, 1594, Kupferstich (auch als gen Zaubereiverdacht ermit- Flugblatt); im Vordergrund fliegende Hexen, unten telte. Margarethe Laux aus Ni- kommt der Anführer der Hexen in einer Kutsche auf den Tanzplatz gefahren ckenich gehörte im übrigen selbst der dörflichen Oberschicht an, war sie doch die Tochter des Hofmanns auf dem großen Pommerhof bei Plaidt. Auch niedere Adlige blieben vom Hexereivorwurf nicht verschont. So rettete 1590 nur der natürliche Tod Eligia von Bentzerath, genannt „Eulchen“, vor einem Hexereiverfahren; dieses angeheiratete Mitglied der Familie Plaidt zu Longuich war mehrmals der Hexerei bezichtigt worden. Wie der konkrete Hexereiverdacht, entstand auch der dringende Wunsch, die übeltäterischen Hexen auszurotten in den dörflichen und städtischen Gemeinschaften selbst. So waren schon die sechs Frauen aus Kruft 1514 aufgrund gemeindlicher Initiativen angeklagt worden. Wenn es auch in einigen Fällen zu Lynchjustiz gekommen ist, so sind Hexenprozesse doch in der Regel als rechtmäßige Verfahren vor ordentlichen Gerichten geführt worden. In vielen Gegenden richteten die Untertanen Petitionen an ihre Herrschaft, um Gottes willen doch Hexenprozesse durchzuführen, damit die frommen Menschen von der Hexenplage befreit werden könnten. In anderen Orten wie z.B. in Mayen, Kaisersesch, Kempenich und Bürresheim bildeten sich sogenannte Hexenausschüsse, deren alleinige Aufgabe es war, den Gerüchten über angebliche Hexen nachzugehen, Schadensfälle und Indizien zu sammeln und die verdächtigen Personen schließlich im Namen der Dorfgemeinschaft vor den jeweiligen weltlichen Gerichten anzuklagen. So bestürmte 1597 in Bürresheim der örtliche Hexenausschuss den Verwalter der Herrschaft, weitere Prozesse durchzuführen; denn obwohl es bereits zu zahlreichen Verbrennungen gekommen war, seien doch noch etliche mehr personen in iren nachpaurschafft vorhanden, welche mit dem laster der zaubereyen behafft. Er bat, die gerechtigkeit obrigkeit halben ergehen, und denselben besagten oder beruchtigten personen gleichs anderen ir recht widerfaren zu lassen. Darüber hinaus gab es auch immer wieder Frauen und Männer, die ihre Nachbarn bei der Obrigkeit als vermeintliche Hexen und Hexenmeister denunzierten oder als Zeugen der Anklage auftraten. Manchmal konnte sich ein Hexereiverfahren aus einem ganz gewöhnlichen Kriminalfall entwickeln und andere Prozesse in Gang setzen. So wurde 1647 Helene Conrads aus Rieden zum Verhör nach Bürresheim gebracht, weil sie angeblich Opfer zahlreicher Geistererscheinungen geworden war. Jeweils dort, wo sie sich aufhielt, hörte man nachts eine Stimme, die wehklagend behauptete, man tue einem Menschen 17

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unrecht, man müsse nach Fraukirchen wallfahren, erst dann werde man ein Kind des ewigen Lebens. Dieser Geist - so verbreitete Helene im Ort - habe bereits mehrmals als Zeichen seiner Anwesenheit ihre Schürze in Brand gesteckt, das Feuer habe sich erst löschen lassen, nachdem Dritte den Geisterbrand auch bemerkt hätten. Vor Gericht beharrte sie zunächst auf der Wahrheit dieser Erzählungen, doch als man den abergläubischen Spuk als Lüge bezeichnete, gab sie unumwunden zu, selbst mit geisterhaft verstellter Stimme das Dorf beunruhigt zu haben. Manchmal hätte sie auch mit umgehängten weißen Bettlaken die Spukerscheinung gemimt. Und während das Gericht noch über ihre Motive spekulierte, bekannte Helene, die Geistererscheinungen hätten ihre Dorfgenossen dazu bringen sollen, sie nicht weiter des Totschlags zu verdächtigen; denn vor zehn Jahren sei in ihrem Haus eine Frau namens Anna umgekommen. Bevor die inquirierenden Beamten noch reagieren konnten, fuhr Helene mit ihrem Geständnis fort und gab an, damals ihre Mitbewohnerin Anna in Notwehr mit einer Axt geschlagen zu haben, daraufhin sei Anna die Treppe hinuntergestürzt und unten in eine Axt gefallen. Die Widersprüche in ihrer Aussage fielen auf, man befragte die Nachbarn, die damals hinzugelaufen waren. Nach deren Beschreibung hatte die blutverschmierte Axt am Absatz einer ebenfalls blutbefleckten Treppe gelehnt, Anna jedoch habe oben in ihrem zusammengefallenen Bett gelegen, Gesicht, Kopf und Rücken mit Verletzungen übersät, den linken Arm mehrfach gebrochen, die Augen jedoch hätten ausgesehen, als sei sie gewürgt worden. Die Leichenschau habe der Kellerer aus Mayen, Arnold Kolb, durchgeführt, der nach kurzem Blick den Körper zur Beerdigung freigegeben hatte. Es schien dem Gericht offensichtlich, dass Helene Conrads die Tat nicht alleine begangen haben konnte. Nach einigem Hin und Her und den drängenden Fragen nach ihrem Helfershelfer, erklärte Helene erst, vom Teufel zu dieser Bluttat angestiftet worden zu sein; dann, sie sei nach ihrem Abfall von Gott durch den bereits erwähnten Arnold Kolb in seiner Zehntscheune verführt worden, er habe ihr auch zu dem Totschlag geraten und ihr dabei geholfen. Gemeinsam seien sie in das Zimmer von Anna eingedrungen, sie habe sich auf die im Bett liegende Frau gekniet, sie mit einem Eisenrohr geschlagen, während Kolb sie würgte. Erst nach dem Mord habe man Anna mit der Axt verletzt, diese dann unten an die Treppe gelegt; außerdem habe man ihr das blutige Haar gewaschen und dieses Wasser dann ebenfalls an die Treppe geschüttet, damit alles den Eindruck eines Unfalls erwecken sollte. Als das Gericht Helene jedoch mit dem schwer belasteten Kellerer aus Mayen konfrontieren wollte, änderte sie abermals ihre Aussage: Nicht der Kolb, sondern ihr eigener Vater, mit dem sie seit 14 Jahren im Inzest lebe, habe ihr bei dem Mord geholfen. Wie sie selbst sei auch er ein Teufelsdiener. Helene wurde am 16. Februar 1647 wegen Inzest, Totschlag und Hexerei hingerichtet, ihr Vater folgte ihr zehn Tage später auf den Richtplatz. Die in langen Verhören von ihr erzielten Bezichtigungen gegen andere angebliche Komplizen auf dem Hexentanz wurden in weitere Verfahren wegen Hexerei umgemünzt. Von den Untertanen geforderte und vorbereitete Hexereiverfahren konnten nur durchgeführt werden, wenn die Obrigkeit ihren Justizapparat zur Verfügung stellte. In der Region um den Laacher See arbeiteten - wie anderenorts auch - die einzelnen Herrschaftsträger mit fataler Effizienz zusammen. So informierte 1603 der Abt von Steinfeld die Freifrau auf Bürresheim, Gertrudt Schall von Bell, über Bezichtigungen gegen ihre Untertanen, die in Wehrer Prozessen zutage gekommen waren, und forderte sie auf, gegen die vermeintlichen Unholde vorzugehen - was die Freifrau im 18

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übrigen auch getan hat, ein Beispiel dafür, dass es, wenn auch nur vereinzelt, auch weibliche Hexenverfolger gegeben hat. Anton von Eltz, Kurtrierischer Marschall, Amtmann in Mayen, Herr zu Kempenich und Eltz sowie zeitweise Administrator der Herrschaft Bürresheim, muss ebenfalls als ein fanatischer Hexenverfolger gelten, der in seinen gesamten Herrschaftsbereichen die Klagen der dörflichen Hexenausschüsse akzeptierte und bis Ende des 16. Jahrhunderts zahlreiche Verfahren initiierte. Fast wehmütig erinnerte man sich in Bürresheim, dass bey lebzeitten deß edlen und strengen Anthon herren zu Eltz ... allerhandt ... executiones mitt / etlichen underschiedlicher, so woll mans als / weibs persohnen angestelt, die mit diesem greuligen laster / der zaubrei belastet gewesen seien und hinrichtung alsolcher zue Rieden, Waltesch / Nitz und St. Johan furgenommen sein wordten, / und man seithero in gueter hoffnung gestandten, es / werde damitt alsolch hochgestrafft laster genugsam / außgerotten. In den Jahren 1647 und 1651 übernahm in Bürresheim der berüchtigte Hexenkommissar Dr. Johannes Möden die Verfahrensführung. Bereits in Manderscheid-Gerolstein, Manderscheid-Blankenheim, Rheinbach, Ahrweiler, Satzvey und anderen Orten hatte dieser studierte Jurist seine unheilvolle Tätigkeit entfaltet. Als ausgesprochener Spezialist in Sachen Hexereiverfahren muss er persönlich verantwortlich gelten für mehr als 200 Hinrichtungen. Der von ihm aus den Verfahren gezogene finanzielle Profit war nicht unbeträchtlich, und er scheute sich nicht - wie zum Beispiel in Rheinbach - die Häuser von Geflohenen eigenhändig zu plündern. In Bürresheim wurde Dr. Möden 1647 während des laufenden Verfahrens gegen Helene Conrads hinzugezogen, nachdem er zuvor bereits mit dem Junker und seiner Gemahlin Kontakt aufgenommen hatte. Geradezu zynisch hatte diese in einem Brief an ihren Verwalter geschrieben, wenn Möden erst einmal nach Bürresheim kommen würde, dann gäbe es große Veränderungen und bei vielen sehr saure Gesichter. Das sollte sich bewahrheiten. Gemeinsam mit den dörflichen Hexenausschüssen, dem Gerichtsjunker und den Schöffen schuf Möden ein nach außen hermetisch abgeschlossenes Verfolgungsmilieu, aus dem es für einmal Inhaftierte keinen Ausweg mehr gab. Widerstand erwuchs Möden offenbar nur in der Person des Johannes Mohr, Schultheißen zu Rieden und Bruder der Helene Conrads. Doch war es für den Doktor aus Koblenz, wie er auch genannt wurde, ein leichtes, Johannes Mohr ebenfalls in Hexereiverdacht zu bringen: Der Vorwurf, die Verfahren zu verzögern, wurde ihm als belastendes Indiz ausgelegt. Dies zeigt deutlich: Widerstand gegen die allgemeine Hexenhatz konnte lebensgefährlich sein. Überdies hatte Möden Erfahrung darin, Personen aus dem Weg zu räumen, die sich seiner Prozessführung in den Weg stellten. So hatte er bereits in Rheinbach für die Hinrichtung skeptischer Gerichtsschöffen gesorgt und in Gerolstein sogar den einflussreichen Amtmann Heinrich von Mühlheim als Hexenmeister hinrichten lassen. Waren die der Hexerei verdächtigten Personen erst einmal in Haft, mussten Rechtsgelehrte über den Fortgang der Verfahren entscheiden. Dies geschah entweder, indem Klagepunkte und Zeugenverhöre an ein übergeordnetes Gericht, z.B. nach Koblenz oder Andernach zur Begutachtung geschickt wurden, oder indem ein Rechtsgutachter vor Ort - z.B. in Person eines Hexenkommissars wie Johannes Möden - die Aktenlage prüfte. In der Regel lauteten diese Begutachtungen auf erst gütliche, sodann peinliche Befragung der Delinquenten. Nicht selten fanden diese Inquisitionen in den Hinterstuben von Wirtshäusern statt, in Bürresheim im sogenannten Hexensaal. Von einer Geheimhaltung der Verfahren, wie es die Gesetze vorschrie19

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ben, konnte dabei keine Rede sein. Der Inhalt der Verhöre, Denunziationen, belastende Aussagen und die Folterpraxis wurden hingegen schnell allgemein bekannt und trugen dazu bei, die ohnehin schon erhitzte Atmosphäre in den Dörfern zusätzlich anzufeuern. Eine Verurteilung war grundsätzlich nur nach einem abgelegten Geständnis möglich. Deshalb blieb das Hexereiverfahren - wie andere Strafverfahren - darauf ausgelegt, dem Delinquenten ein umfassendes Bekenntnis abzuzwingen. Wurde dies nicht freiwillig abgelegt, durfte die Folter als legales Mittel eingesetzt werden, um die „Halsstarrigkeit“ des Verdächtigen zu brechen. Wer jedoch die Folter ungeständig überlebte, musste als unschuldig freigelassen werden. Da das Hexereiverbrechen als crimen exceptum, als Ausnahmeverbrechen gewertet wurde, das alle Mittel im Kampf gegen die Hexen erlaubte, kam es zu schlimmsten Exzessen, um das notwendige Geständnis zu erreichen. Das erste, „gütliche Verhör“ fand noch ohne die Anwendung direkter Gewalt statt. Dabei wurde der angeklagten Person die Klageschrift Punkt für Punkt vorgelesen; zu jedem Vorwurf musste sie Stellung nehmen. Obwohl viele der Betroffenen schon vor ihrem Prozess im bösen Gerücht gestanden hatten, erfuhren sie oft erst jetzt konkret, welch ungeheuren Verbrechen man ihnen nachsagte, welche angeblichen Schadenzauber und Verhexungen sie in Teufels Namen angestellt haben sollten. Blieben die angeklagten Personen ungeständig, begann man mit der peinlichen Befragung, dem Verhör unter der Folter, nachdem man ihnen zunächst die Marterinstrumente gezeigt hatte. Dabei wurden Frauen und Männer oft erst durch einen Priester exorziert und mit Weihwasser besprengt, sodann vom Henker entkleidet. Man rasierte und durchsuchte sie am ganzen Körper, schnitt ihnen die Nägel bis aufs Fleisch und kleidetet sie in ein neues Hemd aus grobem Leinen; denn man befürchtete, die Hexen könnten teuflische Amulette zum Schutz vor Folterqualen in ihren Haaren und anderen Körperöffnungen bei sich tragen. Während einer solchen höchst demütigenden und ehrverletzenden Behandlung sollen unter einer Angeklagten aus Rieden zwei große schwarze Spinnen hervorgekrochen sein, die Möden sofort als Boten ihres Teufelsbuhlen klassifizierte. Die übliche Folter war das Aufziehen mit nach hinten verschränkten Armen an einem Seil oder über eine Leiter. Dabei konnten verschärfend Gewichte an die Zehen gehängt werden. Zum Einsatz kamen auch Daumen- und Beinschrauben sowie Rutenschläge. Die Dauer der Folter war unbegrenzt, man maß die Zeiteinheiten nach dem Beten eines oder mehrerer Vaterunser. Die protokollierten Folterverhöre stellen diese Prozedur und den Kampf mit den Angeklagten um ein Geständnis in der Regel stark verharmlosend dar; fiel eine Person in Ohnmacht, wertete man dies als den sogenannten Hexenschlaf, als eine Unempfindlichkeit, in die sie der Teufel zum Schutz vor den Qualen versetzte. Viele der Angeklagten beteten unter der Tortur oder sangen wie Eva aus Wehr mit lauter Stimme Kirchenlieder, aber auch diese Hilferufe um Beistand wurden von den Gerichten lediglich als trickreiche Versuche aufgefasst, von der Folter abgelassen zu werden. In den erzwungenen Geständnissen mussten die Beklagten Verbrechen gestehen, die sie niemals begangen hatten, und außerdem angebliche Komplizen nennen, die sie auf dem Hexensabbat gesehen haben sollten. Beides, durch die Tortur abgepresste Geständnisse und Besagungen, galten als wahre Bekenntnisse, während jeder Delinquent in seinem Inneren um ihre Unrichtigkeit wissen musste. Auch die letzte 20

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Abb. 4: Verhör eines der Hexerei verdächtigten Mannes unter der Folter (Beinschrauben) in Anwesenheit des Gerichts; im Hintergrund ist die gängige Folter des Aufziehens zu sehen. 4

Beichte vor der Hinrichtung bot oft keine Möglichkeit, sich wenigstens vor Gott von dieser Sünde der - wenn auch erzwungenen - Lüge und der falschen Bezichtigung zu reinigen; denn die Geistlichen waren gehalten, Änderungen der Geständnisse der weltlichen Obrigkeit anzuzeigen. Widerrufe jedoch wurden mit erneuter Folter geahndet, die in der Regel mit einer Bestätigung des alten Bekenntnisses endeten. Außerdem schärfte man den Verurteilten ein, niemanden zu Unrecht zu besagen, denn dies sei eine Todsünde und werde mit ewiger Verdammnis bestraft. Aus diesem tiefen Dilemma zwischen seelischer Not und körperlicher Gewalt gab es kaum einen Ausweg. Einen verzweifelten Versuch, die aufgezwungene Sünde der falschen Bezichtigung abzumildern, machten Augustin Loß aus Plaidt und Margarethe Laux aus Nickenich, indem sie das Gericht kurz vor ihrer Hinrichtung beschworen, niemanden nur aufgrund ihrer Bezichtigungen anzuklagen. Nach abgelegtem Geständnis befand das Gericht über das Urteil. In der Regel lautete es auf: „Tod durch Verbrennen“. Gnadenhalber erdrosselte man manchmal die Verurteilten, bevor der Scheiterhaufen angezündet wurde. Besonders „Widerspenstige“ dagegen, die womöglich lange der Folter standgehalten oder gar ihr Geständnis mehrmals widerrufen hatten, wurden nicht selten lebend verbrannt. In den Ämtern und Herrschaften rund um den Laacher See baute man besondere Verbrennungshütten, in denen die Verurteilten, oft gemeinsam mit zwei oder drei anderen Leidensgenossen, durch das Feuer hingerichtet wurden. Helene Conrads und ihr Vater dagegen wurden wegen des gestandenen Inzests zuerst gevierteilt, dann geköpft, die Körper verbrannt und die Schädel zur Abschrekkung am Galgenplatz aufgestellt. Alle Dorfgenossen waren verpflichtet, den Hinrichtungen beizuwohnen, dazu fanden sich viele Schaulustige ein. Der Galgenplatz

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Abb. 5: Hinrichtungsszene; zwei Verurteilte befinden sich in der Verbrennungshütte angebunden, während einer von ihnen bereits gnadenhalber vom Henker mit einer Garotte erdrosselt wird; davor der Beichtvater, im Vordergrund das Publikum, z.T. betend, im Hintergrund Fahrten zur Hinrichtungsstätten und brennende Hütten. 5

von Mayen beispielsweise wurde durch den großen Andrang derart verwüstet, dass man 1594 einen neuen Platz herrichten musste. Das öffentlich inszenierte Ritual sollte beweisen, dass die Obrigkeit fähig war, die so bedrohlich wirkende Hexensekte erfolgreich zu bekämpfen. Gerade in diesem Kontext wirkten Hexenhinrichtungen herrschaftsstützend und -legitimierend. Wann jedoch die letzte Hexenhinrichtung in den Territorien und Herrschaften rund um den Laacher See durchgeführt worden ist, lässt sich nicht sicher sagen, doch dürfte es spätestens nach 1700 keine Verfahren mehr gegeben haben.

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Literaturliste BECKER, Thomas: Hermann Löher - Leben und Werk, in: Die „Hochnötige, unterthanige wemütige Klage der Frommen Unschültigen ...“ des Hermann Löher, Amsterdam 1676. Begleitheft zum Faksimile-Nachdruck, Bad Münstereifel 1998, S. 5-33 DILLINGER, Johannes: „Böse Leute“. Hexenverfolgungen in Schwäbisch-Österreich und Kurtrier im Vergleich, Trier 1999 HILGERS, Beatriz: Das Longuicher „Eulchen“ oder sieht so eine Hexe aus? in: Hexenglaube und Hexenprozesse im Raum Rhein-Mosel-Saar, hg. v. Gunther FRANZ/Franz IRSIGLER. Trier 21996, S. 459-467 NEUPERT, Frank (Hg.): 1100 Jahre Plaidt. Beiträge zur Ortsgeschichte, Plaidt 1995 NEUPERT, Frank: Hexenverfolgung in Plaidt, in: Plaidter Blätter, 1. Jg. 2003, S. 25-37 PRACHT, Hans-Peter: täntze, todt und teuffel. Die grausame Spur der Hexenverfolgung in der Eifel, Aachen 1991, S. 85-89 RUMMEL, Walter: Hexenverfolgungen in den Manderscheider Territorien (15281641), in: Die Manderscheider. Eine Eifler Adelsfamilie. Herrschaft-WirtschaftKultur. Katalog zur Ausstellung, Koblenz 1991, S. 37-48 RUMMEL, Walter: Phasen und Träger kurtrierischer und sponheimischer Hexenverfolgungen, in: Hexenglaube und Hexenprozesse im Raum Rhein-Mosel-Saar, hg. v. Gunther FRANZ/Franz IRSIGLER, Redaktion: Elisabeth BIESEL (= Trierer Hexenprozesse - Quellen und Darstellungen 1), Trier 21996, S. 255-331 TERWELP, Dr.: Hexenprozesse in Andernach, in: Niederrheinischer Geschichtsfreund Nr. 23, 1883, S. 179-181 und 187-190 VEESER, Elmar: Kruft. Geschichten aus fünf Jahrhunderten, Kruft 2002, S. 23-27 VOLTMER, Rita: Hexenprozesse in der Herrschaft Kail unter Dietrich II. von Manderscheid-Kail (1591-1613), in: Erich GERTEN/Jörg KREUTZ/Claus RECH: Oberkail. Geschichte eines Dorfes in der südlichen Eifel, Neuerburg 2001, S. 47-52, 402-403 VOLTMER, Rita: Monopole, Ausschüsse, Formalparteien: Vorbereitung, Finanzierung und Manipulation von Hexenprozessen durch private Klagekonsortien, in: Hexenprozesse und Gerichtspraxis, hg. v. Herbert E IDEN/Rita VOLTMER, Trier 2002, S. 5-67 VOLTMER, Rita: Hochgerichte und Hexenprozesse. Zur herrschaftlich-politischen Instrumentalisierung von Hexenverfolgungen, in: Hexenprozesse und Gerichtspraxis, hg. v. Herbert EIDEN/Rita VOLTMER, Trier 2002, S. 475-525 VOLTMER, Rita: Konflikt, Streit, Gewalt: Geschlechterverhältnis und Sexualität in den Dörfern des Luxemburger, Eifeler und Trierer Landes zur Zeit der Hexenverfolgungen, in: Alltagsleben und Magie in Hexenprozessen, hg. v. Rita VOLTMER/Günther GEHL, Weimar 2003, S. 33-46 VOLTMER, Rita: „In Wittlich des zauberei lasters hingericht.“ Überlegungen zu den Hexenverfolgungen im Wittlicher Land während des 16. und 17. Jahrhunderts, in: Kreisjahrbuch Bernkastel-Wittlich 2004 (im Druck) VOLTMER, Rita/IRSIGLER, Franz: Die europäischen Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit - Vorurteile, Faktoren und Bilanzen, in: Hexenwahn. Ängste der Neuzeit, hg. v. Rosmarie BEIER-de HAAN/Rita VOLTMER/Franz IRSIGLER im Auftrag des Deutschen Historischen Museum Berlin, Berlin 2002, S. 30-45

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Jagd auf „böse Leute“

WOLL, Herbert: Hexenverfolgung in der Herrschaft Bürresheim, in: Heimatjahrbuch Kreis Mayen-Koblenz 1985, S. 124-128 Anmerkungen 1

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Leicht gekürzte Version des gleichnamigen Vortrages, gehalten am 10. Mai 2003 anläß lich der Gründungsveranstaltung des Plaidter Geschichtsvereins. - Die Autorin bereitet eine Monograpie über die Hexenverfolgungen in den Mosel- und Eifelterritorien vor. Miniatur aus Martin LE FRANC, Le champion des dames, 1451 BINSFELD, Petrus: Von Bekanntnuß der Zauberer und Hexen, München 1592 (lat. Ausgabe Tractatus de Confessionibus Maleficorum et Sagarum, Trier 1589) SPEE, Friedrich von: Cautio Criminalis oder Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse, übers. v. Friedrich R ITTER, 6 erw. Aufl. München 2002 (dtv); urspr. stammt die Abbildung aus der „Bilder-Cautio“, 1632

Ebd.

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Frank Neupert

Hexenverfolgung in Plaidt Frank Neupert Hans Morbach widmete dem Thema „Hexenverfolgung“ ein kurzes Kapitel in seiner Ortschronik „Plaidt in der Pellenz“.1 Er stellte dort lapidar fest, daß es wenige Hinweise auf Hexenprozesse in der Eifel und in der Pellenz gebe und weiter: Aus Plaidt selbst ist aus dieser Zeit nichts überliefert. Das stimmt nicht ganz, denn zum einen ist die Überlieferungslage zumindest für Teile der Eifel gar nicht schlecht, zum anderen hatte sich Gerhard Terwelp schon 1883 mit Materialien zu Hexenprozessen im Andernacher Stadtarchiv beschäftigt und war bei dieser Gelegenheit u.a. auf Hinweise zu Hexenverfolgungen in Plaidt gestoßen.2 Dieser Beitrag ist ganz offensichtlich in Vergessenheit geraten. Zudem macht Terwelp keinerlei Quellenangaben, so daß die eigentliche Quelle erst vor kurzer Zeit gleichsam „wiederentdeckt“ wurde. Es handelt sich um Auszüge aus Verhören von Plaidtern, die der Hexerei beschuldigt und letztlich hingerichtet wurden.3 Fachleuten ist seit geraumer Zeit klar, daß es gerade im 16. und 17. Jahrhundert eine Vielzahl von Hexenprozessen gab, die kaum einen Ort verschonten. Das gilt selbstverständlich auch für die Pellenz. Plaidt war sogar ein eher exponierter Ort, wurde doch der nahe gelegene Hummerich in vielen Prozessen der Region als Veranstaltungsort für Hexensabbate und Tänze genannt.4 Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, daß es in Plaidt zu Hexenverfolgungen gekommen ist. Natürlich kann in diesem kleinen Beitrag nicht die vielfältige Geschichte der Hexenverfolgung wiedergegeben werden. Gerade in den letzten zwanzig Jahren hat sich die moderne sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Forschung mit diesem Themenbereich intensiv beschäftigt. Gemeinplätze wie die immer wieder auftretende Behauptung, die Verfolgung habe es in erster Linie auf „weise Frauen“ (Hebammen, Heilerinnen u.ä.) abgesehen, haben sich als unhaltbar erwiesen.5 Die neuere Forschung untersucht vielmehr gesellschaftliche Aspekte: Welche politischen und sozialen Interessen sollten mit den Verfahren verfolgt werden? Welche Probleme ergaben sich für die Zeitgenossen aus dem Hexenglauben und wie wollten sie diese lösen? Gab es soziale Spannungen zwischen Zeugen und Beklagten? Wer sich intensiver mit dem Thema befassen möchte, sei auf die Auswahlbibliographie am Ende dieses Artikels hingewiesen. Der Blick in diesem Beitrag richtet sich vielmehr auf die bislang nicht bekannten Zeugnisse aus der Geschichte der Gemeinde Plaidt. Zum Verständnis der Vorgänge sind allerdings einige Anmerkungen grundsätzlicher Art zum Aufkommen des Hexenglaubens und zum Vorgehen der Ermittler notwendig. Die Kernzeit der massenhaften Hexenverfolgung liegt zwischen der Mitte des 15. und dem Ende des 17. Jahrhunderts.6 Hexerei wurde grundsätzlich vor weltlichen Gerichten angeklagt. Das Delikt selbst setzte sich ... aus mindestens drei Einzelstraftatbeständen zusammen: 1. der Gotteslästerung, weil man glaubte, die vermeintlichen Hexen kündigten ihren Taufbund auf, verleugneten Gott und gingen einen Pakt mit dem Leibhaftigen ein; 2. Unzucht oder Ehebruch, weil man unterstellte, sie würden diese neue Verbindung wie eine Eheschließung durch geschlechtlichen Verkehr mit der Gestalt des Teufels vollziehen; schließlich 3. Schadenszauber, den die „Hexen“ zur Vernichtung von Saat und Ernten sowie durch Verletzung und Tötung von 25

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Haustieren und Menschen ausüben würden. Nach der damaligen Rechtsordnung mußten schon die beiden ersten Delikte mit dem Tode bestraft werden. Aber auch der Schadenszauber galt als todeswürdig, glaubte man doch, die Hexensekte habe es auf die gesamte göttliche Schöpfung abgesehen. Tatsächlich ist für das ausgehende 16. und das beginnende 17. Jahrhundert eine drastische Klimaverschlechterung nachweisbar, eine „kleine Eiszeit“, die zu verheerenden Ernteverlusten führte. Nichts war einfacher, als dieses Phänomen dem „Wetterzauber“ der Hexen und Hexer anzulasten.7 In der heutigen Strafverfolgung gilt die „Unschuldsvermutung“, nach der jeder solange unschuldig ist bis ihm ein bestimmtes Verbrechen bewiesen wird. Dieses Recht, das den Angeklagten einen gewissen Schutz geben soll, war bei der Hexenverfolgung vielfach außer Kraft gesetzt. Um die vermeintlichen Hexen in Haft zu bringen, genügte eine einfache Bezichtigung, oft sogar ein bloßes Gerücht. Nun war es an den Beklagten, ihre Unschuld zu beweisen. Man konnte einen Rechtsbeistand hinzuziehen, der die komplizierte Justizmaschinerie kannte. Das war eine kostspielige Sache, die sich die meisten nicht leisten konnten, zumal sie bereits in Haft waren und von dort aus kaum tätig werden konnten. Vielfach drängten die direkten Angehörigen die Angeklagten zu Geständnissen, um die Familien nicht in den finanziellen Ruin zu treiben.8 Ohne Rechtsbeistand konnte man seine Unschuld anschließend nur beweisen, indem man Befragung und Tortur - die „peinliche Befragung“ - ohne Geständnis überstand. Es gab nur wenige, die das schafften.9 Zunächst verhörte man die Angeklagten allerdings mündlich. Es wurden ihnen dabei die Beschuldigungen vorgetragen und sie zu einem Geständnis aufgefordert. Oft führte das nicht zum gewünschten Ergebnis. In einer zweiten Stufe wurden ihnen vom Henker die Folterwerkzeuge - Stricke, Zangen usw. - vorgeführt („territio verbalis et realis“). Die dritte Stufe war die „peinliche Befragung“. Üblich war es, den Delinquenten die Arme auf den Rükken zu binden und über ein Seil an der Decke nach oben zu ziehen. Dabei wurden die Arme ausgerenkt, so daß die Gelenke anschwollen. In unserer Region war es üblich, diese Tortur durch das „Schnellen“, das Schwingen am Seil, oder dadurch, daß zusätzliche Gewichte an den Köper des Angeklagten gehangen wurden das konnte durchaus die Person eines Folterknechtes sein - zu verschärfen. Weiter wurden Finger- und Beinschrauben eingesetzt. Es liegt in der Natur der Sache, daß den Angeklagten die Dauer der Folter zu lang war, die Inquisitoren sie aber gerne möglichst lange quälen wollten, um das gewünschte Geständnis zu erhalten. Daher finden wir in den Vernehmungsprotokollen bisweilen Zeitangaben. Das können exakt gemessene Stunden sein oder vage Angaben wie „ein Vater Unser“ oder ein „Miserere“ lang; man konnte diese Gebete schnell aufsagen, aber auch recht langsam. Konkrete landesherrliche Vorgaben für die Durchführung der Folter gab es nicht. Die Peinliche Halsgerichtsordnung stellte die Handhabung in das Ermessen eines „guten vernünfftigen Richters“.10 Es kam hinzu, daß die Verhörmethoden äußerst suggestiv waren. Mit dem Eingeständnis, der „Urgicht“, war das Schicksal der Angeklagten entschieden: Sie wurden verbrannt. Als Gnade konnte eine vorherige Enthauptung oder ein Säckchen Pulver um den Hals gewährt werden. Bei den Verhören wurde immer nach den Namen weiterer Hexen oder Hexern gefragt, die dann in den meisten Fällen von den Gepeinigten „besagt“ wurden. Diese Besagungen waren dann wieder Anlaß für weitere Verfolgungen. Aus einigen wenigen Verhören konnten sich so regelrechte Prozeßlawinen entwickeln. 26

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Abb. 1: „Aufziehen“ eines Beschuldigten, aus: Folterwerkzeuge und ihre Anwendungen 1769 (= Reprint der „Beylagen“ der Constitutio Criminalis Theresiana, Leipzig 2002)

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Alle Prozeßkosten, von der Haft über die Wächter, die Ankläger, Verteidiger, Richter bis hin zu den Kosten für die eigene Hinrichtung waren von den Beklagten zu tragen. Teilweise gehörte dazu sogar noch das Festgelage für das ganze Dorf, das im Anschluß an die Hinrichtung begangen wurde. 11 Eine erste große Welle von Hexenprozessen im Kurfürstentum Trier in den 1580er und 1590er Jahren flaute gegen Ende des 16. Jahrhunderts ab.12 Die Ruhezeit wurde für unsere Region bereits in den Jahren 1609-1615 durch eine „Zwischenwelle“ unterbrochen, bei der es es zu Verfolgungen in den Herrschaften Neuerburg, Eltz, Bürresheim, Obermendig und Wehr kam.13 Eine weitere große Prozeßwelle begann in den Jahren 1628-1631. Die nun für Plaidt vorliegenden Quellen passen genau in diesen zeitlichen Rahmen. Für die meisten Regionen können wegen großer Aktenverluste nur Schätzungen für die Zahlen der Opfer der Hexenjagden angegeben werden. Es stellt sich die Frage: Wie kam es zu diesen Überlieferungslücken? In den Herzogtümern Lothringen14 und Luxemburg fanden wohl mehr als 2.000 Menschen den Tod. Für das regional sehr begrenzte Gebiet der Trierer Abtei St. Maximin sind bei guter Quellenlage für die Zeit zwischen 1586 und 1596 allein fast 400 Menschen verbrannt worden.15 Ebenfalls für das Ende des 16. Jahrhunderts berichten Augenzeugen von einer Vielzahl von Hinrichtungsstätten bei den Städten Trier und Mainz; so Franciscus Modus: Die ganze Gegend wie auch die Stadt Trier ist wegen der Hexen berüchtigt. Ich sah einen Ort, wo die Anzahl der Pfähle zeigte, daß hier erst kürzlich mehr als 100 Männer wie Frauen lebendig verbrannt worden waren. Ein weiterer Zeuge ist Jean Boucher, der um 1600 Trier und Mainz bereiste und dort große Hinrichtungsstätten sah, die mit derartig vielen Pfählen ausgestattet waren, daß er dies allerdings als ein untrügliches Zeichen für die große Zahl wirklicher Hexen dort sah. 16 Wie verbreitet diese Prozesse damals in unserem Raum waren und wie sehr die Stimmen aus der Bevölkerung danach riefen, mag ein Schreiben der Stadt Rhens aus dem Jahr 1628 an ihren Landesherren zeigen, in dem man nachdrücklich darum bittet, doch endlich auch in Rhens tätig werden zu dürfen: ... was gestalt bey unß in der Nachbarschafft herumb etliche Zauberinnen und Zauberer verbrennt worden und noch werden, die Gott dem Allmechtigen abgeschworen und dem bosen Sathan sich ergeben, ... welcher boeßen Leutte dann wir bey unß zu Rhens auch haben ... 17 Ähnliches läßt sich für die kurkölnischen Orte in der direkten Nachbarschaft von Plaidt nachweisen. Nachdem die Gemeinden Miesenheim, Kell und Namedy offensichtlich vergebens versucht hatten, den Andernacher Amtmann und den Stadtrat dazu zu bringen, endlich ernsthaft gegen das geverliche Hexenlaster vorgehen zu lassen, wandten sie sich Anfang des Jahres 1629 direkt an den Hofrat in Köln. 18 Kurfürst Ferdinand forderte darauf hin den Andernacher Amtmann Georg von der Leyen auf, Schultheis und Schöffen anzumahnen ... damit sie zu Ausrottung und Verfolgung gedachten Lasters vermug der Rechtenn Peinlicher Halßgerichts und hiebevoren publicirter Hexenordnung verfahren, bei jedes Orts Underthanen oder deren Ausschuß notigen Bericht einziehen, darauf ad capturam et torturam successive usque ad executionem procediren.19 Ganz offensichtlich hatten die Andernacher Behörden selbst kaum Interesse, eine Verfolgungswelle zu initiieren, kannte man doch die Vorgänge in den benachbarten Orten nur allzu gut, bei denen die Familien der Schöffen, Schultheisen und Räte in ganz besonderem Maß betroffen waren.20 Daß diese Ängste nicht unbegründet waren, zeigt sich im folgenden Verhörauszug von Augustin Loß, in dem 28

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mit Jeremias und Johannes Pergener Mitglieder einer damals bedeutenden Andernacher Schöffenfamilie benannt werden.21 Beide waren seit den 1580/1590er Jahren Mitglieder der Andernacher „Cäcilien-Bruderschaft“, Johannes Pergener zeitweise deren Vorsteher („regens“).22 Zwischen 1598 und 1600 war er Bau- und Kirchenmeister, von 1619-1621 Hospitalsmeister und zwischen 1598 und 1638 Mitglied des Stadtrates.23 Jeremias Pergener tritt 1599 in einer Quelle als „alter Rektor“ auf.24 Mit der Eingabe der Gemeinden und der darauf folgenden Anweisung aus Köln waren Amtmann und Räte der Stadt Andernach allerdings in ein Spannungsverhältnis zwischen Obrigkeit und Bevölkerung geraten, dem man sich kaum entziehen konnte. Untersucht wurden die Anklagen von örtlichen Hexenausschüssen.25 Zahlreiche Aufgaben waren zu erledigen, für die Spezialisten verpflichtet wurden: Amtsknechte, Büttel, Schmiede, Wirte und Scharfrichter.26 Alle ließen sich ihre Arbeit gut bezahlen. Konnten die Kosten nicht allein von den Angeklagten beglichen werden, mußte die dörfliche Gemeinschaft und/oder die Landesherrschaft eintreten. Das konnte eine kostspielige Sache werden, zumal mehr und mehr prozessuale Mißstände auftraten. Nachdem mehrfach seit dem Ende des 16. Jahrhunderts von amtlicher Seite versucht worden war, Mißbräuche zu beheben und mehr landesherrlichen Einfluß auf die Prozeßführung zu gewinnen, schob der seit 1652 regierende Trierer Kurfürst Carl Caspar von der Leyen dem Unwesen einen entschiedenen Riegel vor, indem er diese Art der Prozesse verbot. Zugleich ließ er alle entsprechenden Akten einziehen und vernichten. Letztlich war das die entscheidende Maßnahme.27 Dies liefert uns zugleich die schlüssige Erklärung dafür, daß die Überlieferung zu den Hexenprozessen grundsätzlich auf kleinere weltliche Herrschaften außerhalb des kurtrierischen Herrschaftseinflusses oder auf Zufallsfunde beschränkt bleibt. Hier zunächst der Text der ‚Plaidter Funde‘:28 Extractus Denutiationum Thomas Hovers Hausfraw Trin von Pleidt ist ahm 28ten [Monat fehlt] 1629 in der Pellenz Zauberei halber hingerichtet worden und bei ihren gethanen Urgichten bekennet, das sie der boeße Feindt an29 der Rizen uff einen schwarzen Bock gesetzt und30 uff den Homberg zum Zauberdanz gefuhret. Alda viel Volckh gewesen, gedanzt und gesprungen, auch geßen und gedruncken, aber kein Brodt gehabt. Alda gewesen am 14. July. Affirmirt dasjenige, was vorhin bekennet und sagett ferner auß, ihrer Zauberergeselschafft zu sein binnen der Statt Andernach das Wölffgen, ein kurz 31 Mentgen und habe Wullenduch feill [geboten]. Item den alten Becker und Beseheren32, welcher der aller Obrist gewesen. Augustin Loß von Pleidt ist ahm 3ten November 1629 bekandter Zauberei halber auch in der Pellenz iustificirt worden und ahm 27ten Octobris in seine gethanen Urgichten angezeigt. Seinen Geduncken nach habe er eigentlich Jeremias Pergners Bruderen, Joannes Pergner zu Andernach, wie er uffm Homberg

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gewesen, bei der Geselschafft gesehen; zwar nit mit ime an einem, sondern [an] anderm ansehentlichem Gemach wie ein Pallast zu Disch gesessen, herauff an obg[emeltem] Tagh gestorben, zuvor aber begehrt, weil es ein selsame wesen, niemandt uff sein Wortt allein zu fahren. Emmerich Lauxen Hausfraw zu Nicknich, ahm 24ten September negst verwichenen Jahr Zauberei halber gleich obg[emelten] in der Pellenz iustificirt, bekandt am 15ten eiusdem, ______________________________________________________

das die negste Fronfast, nachdem sie von Gott dem Allmechtigen abgefallen, der boeße Feindt in eines schwarzen Mans Gestalt zu ihr kommen und Zauberschmer gereicht. Alß sich damit bestrichen, zur Fenster auß uff Pleidter Homberg gefahren, daselbsten gedanzt und gesprungen, geßen und auß runden, silbernen Bechern gedruncken, dan sie fast bei den Obristen zu Disch geseßen. Bei dieser Geselschafft gesehen das Wölfgen zu And[er-] nach, den sehr woll und eigentlich gekennet, dan auch sonsten verscheidentlich bei demselben Wullenduch geholt. Item Bender Johentges Fraw, so aus dem Kempenicher Ländtgen burtisch und Marx Hahnen Schwester zu Nickenich. Seie vermeldt ahm 20ten [Septem]bris, das die jenige, welche sie genennet, eben also gutt wie sie und auch alles was bekennet wahr wehre, darauff urbiettig zu sterben. Pro copia Protocolli Francisen Haußman, Gerichtsschreiber zu Meien [manu propria] Nota: Diese Mergh zeigt ipso die executionis an, das sie zwar an denjenigen, welche sie besagtt nit zweiffelt, dennoch gebetten haben wolte, dieselbe, ohne andere zufallende Denunciationes, uff ihr Wortt allein nicht zu fahren. Bei dieser Quelle handelt es sich um einen Extractus Denutiationum, einen Auszug aus den eigentlichen Verhörprotokollen, der vor allem die weiteren Beschuldigungen, die Denunziationen, enthält. Das zuständige Andernacher Gericht bat das Pellenzgericht um Amtshilfe, um diese Aussagen für andere, nachfolgende Prozesse zu gebrauchen. Aus den Texten drängt sich ein Andernacher Tuchmacher oder -händler namens Wölfchen („Wölfgen“) auf, dessen Nachname nicht genannt wird, der demnach unter diesem Namen allseits bekannt war. Von daher steht zu vermuten, daß es sich um ein Mitglied der damals in Andernach sehr bekannten Rats- und Schöffenfamilie Wolf handelte.33 Weiter werden benannt: der alte Becker (Bäcker?), Johann und Jeremias Pergener aus Andernach, die Frau von Johann Bender und die Schwe30

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Abb. 2: Extractus Denuntiationum (Auszug der Beschuldigungen) Landeshauptarchiv Koblenz Bestand 612 Nr. 2695, S. 159-160

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ster von Marx Hahnen, beide aus Nickenich. In diesen Auszügen werden zu den Besagungen nur die Passagen aus den Verhören zitiert, die rechtlich von Belang sind: das Geständnis (evtl. mit Affirmierung), eine kurze Schilderung des „Tathergangs“ und - das ist eine Besonderheit - am Ende Einschränkungen der Aussagen. Wir haben es also in erster Linie mit den oben beschriebenen „Besagungen“ zu tun, die oft die einzig überlieferten Quellen darstellen. Die aus Plaidt stammende Katharina (Trin), die Frau von Thomas Hovers, wurde im Jahr 1629 wegen Zauberei hingerichtet. Als Ort wird „in der Pellenz“ angegeben. Damit ist die Richtstätte des in Mayen ansässigen Pellenzgerichtes in Mendig gemeint. Trin ist zuvor hochnotpeinlich vernommen worden und hat ein vollständiges Geständnis („Urgichten“) abgelegt: Der böse Feind, der Teufel, habe sie auf der „Ritz“ auf einen schwarzen Bock gesetzt und auf den Hummerich („Homberg“) geführt. Die „Ritz“ ist eine bei Plaidtern noch heute gebräuchliche Bezeichnung für die „Fraukircher Straße“, die damals weit außerhalb des Ortskerns Richtung Hummerich lag.34 Der schwarze Bock steht wiederum als Zeichen für das Böse und Satanische, 32

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der Hummerich als in Hexenprozessen vielbenannter Treffpunkt für Zauberer und Hexen. Das mag an seiner Form als Sattelberg, an seiner Position als landschaftsbeherrschender Berg oder an eine tradierte Erinnerung an eine alte Kultstätte gelegen haben. Dort traf Trin am 14. Juli 1629 auf viel Volk. Es wurde getanzt, gesprungen und gegessen, wobei sie aber kein Brot gehabt hätte. Hier treffen wir auf eine typische Aussage in Hexenprozessen. Die unter Folter erpreßten Sabbatbeschreibungen zeigen ... eine Umkehrung christlicher Festkultur, es fehlten Salz und Weißbrot, das Fleisch wurde roh verzehrt, schmeckte zäh und stammte nicht selten von Kadavern, der Wein mußte zuvor aus Kellern gestohlen werden. Wie bei Dorffesten spielte man zum Tanz auf, doch klang die Musik unnatürlich und wurde auf Tierschädeln und anderen obskuren Instrumenten gemacht. Auch beim Tanz verleugnete man die gottgegebene Ordnung, man bewegte sich links-, statt rechtsherum, tanzte mit den Rücken aneinander.35 Weiter sagte Trin Hover aus, daß sie an einer weiteren „Zauberergesellschaft“ in der Stadt Andernach teilgenommen habe. Dort habe sie das „Wölfgen“ gesehen. Sie beschreibt ihn als ein kleines Männlein („kurz Mentgen“), das dort Wolltuch („Wullenduch“) angeboten habe. Bei diesem Andernacher Hexensabbat sei zudem der alte Becker anwesend gewesen, der der Oberste der Gesellschaft gewesen sei. Augustin Loß ereilte am 3. November 1629 dasselbe Schicksal wie Trin Hover, nachdem er seine vermeintliche Zauberei eingestanden hatte. Auch er mußte gestehen, bei einem Hexensabbat auf dem Hummerich zugegen gewesen zu sein. Dort habe er aber nicht Jeremias Pergner, sondern dessen Bruder Johannes angetroffen. Das deutet darauf hin, daß das Andernacher Gericht eigentlich einer Besagung gegen Jeremias Pergner nachging. Johannes Pergner habe in einem sehr ansehnlichen Gemach, fast einem Palast gleich, zu Tisch gesessen. Augustin Loß selbst war wohl ein Platz bei den einfacheren Chargen vorbehalten. Weil es eine seltsame Sache gewesen sei, solle aber niemand wegen seiner Besagung allein (uff sein Wortt allein) eine Anklage erheben. Beim dritten Fall geht es um die Frau von Emmerich Laux aus Nickenich, deren Vorname weiter unten mit Margarete (Mergh) angegeben wird. Es handelt sich um die Tochter von Thonnis Blom, seinerzeit Hofmann auf dem Pommerhof in Plaidt.36 Sie wurde am 24. September 1628 hingerichtet, nachdem sie neun Tage zuvor ein Geständnis abgelegt hatte. Sie hatte ausgesagt, daß sie von Gott abgefallen sei. Der Satan sei in Gestalt eines schwarzen Mannes zu ihr gekommen und habe ihr eine „Zauberschmer“ gegeben. Auch dies sind Klischees, die uns in vielen Hexenprozessen begegnen. Zaubersalben sollten nach damaligem Aberglauben von Hexen benutzt worden sein, um Saat und Ernte, Mensch, Tier und alle Nachkommenschaft zu vernichten. Angeblich verursachten sie männliche Impotenz und weibliche Unfruchtbarkeit.37 Emmerich Lauxens Frau bestrich sich mit einer Zaubersalbe und flog zum Fenster hinaus auf den Hummerich in Plaidt, um an einem Hexensabbat teilzunehmen. Sie habe dort getanzt und gesprungen, gegessen und aus runden, silbernen Becher getrunken. Fast habe sie bei den Obersten zu Tisch gesessen, aber eben nur fast. Sie habe bei dieser Gelegenheit das Wölfchen gesehen und sehr wohl gewußt, wer das war. Bei ihm habe sie gelegentlich Wolltuch geholt. Dasselbe gelte für Johann Benders Frau, die aus dem Kempenicher Ländchen gebürtig sei, und für Marx Hahnens Schwester aus Nickenich. Sie bekräftigte ihre Aussage und bat darum, sterben zu dürfen. Durch Tortur und Verhör war die Frau von Emmerich Laux physisch und 33

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psychisch am Ende. Sie wollte nur noch sterben, auch dies ist ein durchaus verständlicher Wunsch. In einem Zusatz zu diesem Protokoll fügt der Mayener Gerichtsschreiber Franz Haußmann an, daß diese Mergh noch am Tag ihrer Exekution nicht an ihren Besagungen gezweifelt habe. Sie habe aber darum gebeten, ohne weitere, zusätzliche Besagungen nicht allein auf ihr Wort gegen die Denunzierten gerichtlich vorzugehen. Diese Einschränkung entspricht genau der von Augustin Loß und bildet in dieser Form eine hervorstechende Besonderheit. Natürlich war es beiden Angeklagten klar, daß man aus ihnen unter der Folter völlig aberwitzige Aussagen herausgepreßt hatte. Viele waren dadurch mental stark belastet, daß sie andere aus ihrem Dorf bezichtigen mußten. Sie hatten damit außerdem eine schwerwiegende Sünde begangen, eine Todsünde, und wußten aus eigener leidvoller Erfahrung, was auf die Besagten zukommen würde. Um sich größere Qualen bei der Hinrichtung zu ersparen, wiederriefen die meisten nicht - sie wären sonst langsam und qualvoll gestorben. Augustin Loß und Margarete Lauxen fanden einen Ausweg, indem sie bis zuletzt bei ihren Aussagen blieben, aber einräumten, daß sie sich geirrt haben könnten und daher die von ihnen Besagten nur beim Auftreten weiterer Beschuldigungen gerichtlich verfolgt werden sollten. Die Protokollauszüge von Augustin Loß und von Margarete Laux geben Hinweise auf ihre gesellschaftliche Stellung. Loß gibt an, bei einem Hexentanz auf dem Hummerich den Andernacher Schöffen Johann Pergener gesehen zu haben, wie er in einem prächtigen Gemach, fast ein Palast, zu Tisch gesessen habe. Loß selbst gehörte dieser „Oberschicht“ jedoch nicht an. Margarete Laux hingegen gestand, selbst aus silbernen Bechern getrunken und den obersten Hexern nahe gewesen zu sein. Diese Aussage entspricht ihrer realen gesellschaftlichen Position als Tochter des Pommerhofer und Frau eines begüterten Nickenicher Hofmannes. Die drei Protokollauszüge sind Beweis dafür, daß es in Plaidt, Nickenich und Andernach Hexenprozesse gegeben hat. Über das gesamte Ausmaß der Verfolgungen in dieser Region können wir nur spekulieren, ebenso über die Verfolgungen und Opfer der ersten großen Welle Ende des 16. Jahrhunderts. Daß aber die Pellenz und die Stadt Andernach keine weißen Flecken bei der Bestandsaufnahme der Hexenverfolgung sind, steht fest. Auswahlbibliographie zum Thema Hexenverfolgung Im Internet kann man über eine der gängigen Suchmaschinen unter dem Stichwort Hexenverfolgung eine kaum noch überschaubare Menge an Literatur finden. Diese kleine Auswahlbibliographie stellt zum einen Standardwerke zusammen, zum anderen Titel mit regionalem Bezug. BEHRINGER, W.: Hexenverfolgung in Bayern. Volksmagie, Glaubenseifer und Staatsräson in der Frühen Neuzeit, München 1987 ders. (Hg.): Hexen u. Hexenprozesse in Deutschland, 1988 (Zusammenstellung der wichtigsten Quellen) ders.: Erträge und Perspektiven der Hexenforschung, in: Historische Zeitschrift 249/1989, S. 619ff. BIESEL, E.: Hexenjustiz, Volksmagie und soziale Konflikte im lothringischen Raum (= Trierer Hexenprozesse, Bd. 3), Trier 1997 BLAUERT, A.: Frühe Hexenverfolgungen, Ketzer-, Zauberei und Hexenprozesse des 15. Jhs., Hamburg 1989 34

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ders. (Hg.): Ketzer, Zauberer, Hexen. Die Anfänge der europäischen Hexenverfolgungen, Frankfurt a. M. 1990 (Suhrkamp-Tb.) DELUMEAU, J.: Angst im Abendland, Frankfurt a.M. 1985 DILLINGER, J.: „Böse Leute“. Hexenverfolgungen in Schwäbisch-Österreich und Kurtrier im Vergleich, Trier 1999 DÜLMEN, R. van (Hg.): Hexenwelten, Magie und Imagination vom 16.-20. Jh., Frankfurt a.M. 1987 EIDEN, H. u. VOLTMER, R. (Hg.): Hexenprozeß und Gerichtspraxis, Trier 2002 FRANZ, G. u. IRSIGLER, F. (Hgg.): Hexenglaube und Hexenprozesse im Raum Rhein-Mosel-Saar, Trier 1995 dies. (Hgg.): Methoden und Konzepte der historischen Hexenforschung, Trier 1998 HEINEMANN, E.: Hexen und Hexenglauben. Eine historisch-sozialpsychologische Studie, Frankfurt a.M. 1987 HEUSER, P. A.: Hexenverfolgung und Volkskatechese. Beobachtungen am Beispiel der gefürsteten Eifelgrafschaft Arenberg 1590-1593, in: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde, Bd. XLIV 1999, S. 95-142 LABOUVIE, E.: Zauberei und Hexenwerk. Ländlicher Hexenglaube in der frühen Neuzeit. Frankfurt a. M. 1991 LORENZ, S., BAUER, D. (Hg.): Hexenverfolgung. Neuere Forschungen zu südwestdeutschen Hexenprozessen, Würzburg 1981 MIDELFORT, H. C. E.: Witch Hunting in Southwestern Germany 1562-1684. Stanford/California 1972 SCHIEDER W. (Hg.): Volksreligiosität in der modernen Sozialgeschichte, Göttingen 1986 (= Geschichte und Gesellschaft, Sonderheft 11) RUMMEL, W.: Bauern, Herren und Hexen. Studien zur Sozialgeschichte sponheimischer und kurtrierischer Hexenprozesse 1574-1664 (Kritische Studien z. Geschichtswiss. Bd. 94), Göttingen 1991 ders.: Phasen und Träger kurtrierischer und sponheimischer Hexenverfolgungen, in: Gunther FRANZ und Franz IRSIGLER (Hg.), Hexenglaube und Hexenprozesse im Raum Rhein-Mosel-Saar (= Trierer Hexenprozesse - Quellen und Darstellungen; 1), Trier 1995, S. 255-331 SCHORMANN, G.: Hexenprozesse in Deutschland, Göttingen 1981 ders.: Der Krieg gegen die Hexen, Göttingen 1991 WALZ, R.: Der Hexenwahn vor dem Hintergrund der dörflichen Kommunikation; in: Zeitschrift für Volkskunde 82/1986

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MORBACH, Hans: Plaidt in der Pellenz, Plaidt 1983, S. 62 TERWELP, Gerhard: Hexenprozesse in Andernach, in: Niederrheinischer Geschichtsfreund Nr. 23, 1883, S. 179-181 und 187-190 3 Landeshauptarchiv Koblenz (= LHA Ko) Bestand 612 Nr. 2695, S. 159f. Den Hinweis auf diese Quelle verdanke ich Walter Rummel. 4 So u.a.: LHA Ko Bestand 33 Nr. 12334, fol. 163v.: In ihrem Geständnis sagt Margaretha Moden aus Winnigen aus, sie sei uff Pleyder Homberg uffm Hexendantz gewesen. LHA Ko Bestand 33 Nr. 8857, fol. 23v.: Margaretha Kröber aus Winningen sei ebenfalls zum Hexentanz auf dem Bleyder Homberg gewesen. 5 IRSIGLER, Franz: Hebammen, Heilerinnen und Hexen, in: Incubi/succubi. Hexen und Henker bis heute, hg. v. Rita V OLTMER u. Franz IRSIGLER, Luxemburg 2000, S. 107ff., RUMMEL, Walter: ‘Weise’ Frauen und ‘weise’ Männer im Kampf gegen Hexerei. Die Widerlegung einer modernen Fabel, in: Christof D IPPER/Lutz KLINKHAMMER/Alexander NÜTZENADEL: Europäische Sozialgeschichte. Festschrift für Wolfgang Schieder (= Historische Forschungen 68), Berlin 2000, S. 353-375 6 Die folgenden Ausführungen nach: RUMMEL, Walter/VOLTMER, Rita: Die Verfolgung eigener Interessen durch Untertanen, Funktionäre und Herrschaften bei den Hexenjagden im Rhein-Maas-Mosel-Raum, in: Unrecht und Recht. Kriminalität im Wandel von 1500-2002 (= Veröff. d. Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Bd. 98), Koblenz 2002, S. 297 ff. 7 RUMMEL/VOLTMER (wie Anm. 6); dort zitiert: L EHMANN, Hartmut: Frömmigkeitsgeschichtliche Auswirkungen der „Kleinen Eiszeit“, in: Volksreligiosität in der modernen Sozialgeschichte, hg. v. Wolfgang S CHIEDER. Göttingen 1986, S. 31-50 8 RUMMEL, Walter: Bauern, Herren und Hexen. Studien zur Sozialgeschichte sponheimischer und kurtrierischer Hexenprozesse 1574-1664 (Kritische Studien z. Geschichtswiss. Bd. 94), Göttingen 1994, S. 87ff. 9 So Hans Wilhelm Mölich aus Winningen (RUMMEL wie Anm. 8 an verschiedenen Stellen) und Margaretha Dreys aus Rhens (Ingrid B ÁTORI, Die Rhenser Hexenprozesse der Jahre 1628 bis 1630, in: Landeskundliche Vierteljahresblätter, 33. Jg., H. 4 1987, S. 147f.) 10 RUMMEL (wie Anm. 8), S. 95f.; Beispiele für die Zeitmessung u.a. in LHA KO Best. 612 Nr. 2695, 2696 11 RUMMEL (wie Anm. 8), S. 117ff., S. 245 f. 12 Für die zeitliche Abfolge der Verfolgungswellen vgl. R UMMEL, Walter: Phasen und Träger kurtrierischer und sponheimischer Hexenverfolgung, in: Hexenglaube und Hexenprozesse im Raum Rhein-Mosel-Saar, Bd. 1, hg. v. Gunther F RANZ u. Franz IRSIGLER, Trier 1995, S. 255ff., hier S. 274 13 RUMMEL (wie Anm. 12), S. 274 Anm. 60; für die „Zwischenwelle“ vgl. auch: Peter Arnold HEUSER: Hexenverfolgung und Volkskatechese. Beobachtungen am Beispiel der gefürsteten Eifelgrafschaft Arenberg 1590-1593, in: Rheinisch-Westfälische Zeitschrift für Volkskunde 1999, S. 95-142, hier S. 128 14 Zu den Hexenverfolgungen in Lothringen s. B IESEL, Elisabeth: Hexenjustiz, Volksmagie und soziale Konflikte im lothringischen Raum (= Trierer Hexenprozesse, Bd. 3), Trier 1997 15 Angaben nach RUMMEL/VOLTMER (wie. Anm. 6) 16 Zitiert nach RUMMEL (wie Anm. 12), S. 266f. 17 BÀTORI (wie Anm. 9), S. 135-156, hier: S. 135f. 18 LHA Ko Best. 612 Nr. 2004, S. 419; SCHORMANN, Bernhard: Der Krieg gegen die Hexen, Göttingen 1991, S. 60 19 LHA Ko Best. 48 Nr. 4298 2

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RUMMEL (wie Anm. 8); RUMMEL (wie Anm.12); vgl. LHA Ko Best. 612 Nr. 2695, 2696; dort ist einiger Schriftwechsel zwischen der Stadt Rhens und dem Obergericht Andernach überliefert, der zumindest zwischen den Zeilen andeutet, daß die Stadt Andernach keine neue Prozeßwelle in Gang setzen wollte. 21 Zur Schöffenfamilie Pergener (Pergner): R EIF, Karl-Heinz/MÜLLER, Hermann: Familienund Bürgerbuch der Stadt Andernach, Koblenz 1983, S. 264 und 545 22 LHA Ko Best. 612 Nr. 2762, S. 15, 21. 31, 37, 43; vgl. hierzu: T ERWELP: Die Cäcilia-Bruderschaft zu Andernach, in: Niederrheinischer Geschichtsfreund 1884, S. 52 23 LHA Ko Best. 612 Nr. 2093, S. 197, 302 und 364; R EIF/MÜLLER (wie Anm. 21), S. 545 und 547 24 LHA Ko Best. 612 Nr. 2730, S. 157 25 Zur Bildung von Ausschüssen s. Beitrag VOLTMER in diesem Heft, S. 15ff. 26 RUMMEL (wie Anm. 8), S. 117 27 FUGE, Boris: Das Ende der Hexenverfolgung in Lothringen, Kurtrier und Luxemburg im 17. Jahrhundert, in: Incubi/succubi. Hexen und Henker bis heute, hrsg. v. Rita V OLTMER u. Franz IRSIGLER, Luxemburg 2000, S. 87ff.; R UMMEL (wie Anm. 8), S. 245ff. Der Erlaß zur Einstellung der Prozesse ist nachgewiesen. Die Vernichtung der Akten scheint eine Art geheimer Kommandosache gewesen zu sein. 28 LHA Ko Bestand 612 Nr. 2695, S. 159f. 29 über gestrichen „uff“ 30 „und“ über der Zeile eingefügt 31 statt gestrichen „klein“ 32 folgt gestrichen „zu“ 33 REIF/MÜLLER (wie Anm. 21), S. 161f. lfd. Nr. 822 und 823; diese Familie Wolf gehörte zur Weberzunft, was zu den Angaben paßt; Schöffenfamilie s. ebd. S. 546 34 Der Flurbezeichnung „Ritz“ dürfte wohl die Bedeutung Ritze, Spalte oder Riß im Erdbo den zukommen, vgl. DITTMAIER, Heinrich: Rheinische Flurnamen, Bonn 1963, S. 248. 35 RUMMEL/VOLTMER (wie Anm. 6) 36 SCHOMMER, Helmut/REIF, Karl-Heinz: Familienbuch Plaidt für die Zeit des 16. - 18. Jahrhunderts, Plaidt 1987, S. 501 37 RUMMEL/VOLTMER (wie Anm. 6)

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„Ganz Plaidt ist unterhöhlt“. Tuffsteinabbau, Stollen, Höhlen und Bunker Teil 1: Bereich westlich der Bahnhofstraße Wolfgang Horch „Ganz Plaidt ist unterhöhlt.“ „Überall gibt es Römerstollen.“ „In manchen Häusern sind ganze Keller weggesackt.“ „Man kann unter dem ganzen Ort her durch Höhlen laufen.“ „Es gibt einen Tunnel von der Alten Burg bis zur Rauschermühle.“ Das sind nur einige der „Theorien“, die man hört, wenn man sich mit Ortsansässigen über römischen und späteren Tuffsteinabbau in Plaidt unterhält. Was ist dran an diesen Aussagen? Gibt es wirklich ein regelrechtes System von Höhlen, Gängen und Stollen, das sich unter ganz Plaidt erstreckt? Gibt es diese Plaidter Unterwelt? Solchen Fragen wollen wir in diesem Aufsatz und in zwei weiteren Beiträgen nachgehen. Eine Dreiteilung ist sinnvoll, weil in der Ortslage Plaidt drei Schwerpunkte von Absackungen, Stollen und Gängen unterschieden werden können. Es soll versucht werden, ein aktuelle Bestandsaufnahme zu liefern. Nach einer allgemeinen Einführung in das Thema untersucht dieser erste Teil das Gebiet im Westen und Nordwesten der Gemeinde zwischen der Friedhofstraße und der B 256 und westlich der Bahnhofstraße bis über den Pommerhof hinaus. Der zweite Bereich liegt östlich von Bahnhof- und Hauptstraße. Der dritte Teil umfasst den südwestlichen Ortsteil von der Kurt-Schumacher-Straße über die Kretzer Straße bis zur „Neuen Mühle“. Seit 1996 werden von mir die Ereignisse festgehalten, die mit den Einstürzen zu tun haben. Im einzelnen musste ich lernen, dass wir es in Plaidt mit sehr unterschiedlichen Stollen zu tun haben. Vulkanausbrüche und frühe Besiedlung Gehen sie mit mir auf eine Zeitreise - und schauen sie 13.000 Jahre zurück. Die Aktivitäten der etwa 100 Vulkane in der Osteifel, wie Plaidter Hummerich, Krufter Ofen oder Eicher Nastberg, waren schon vor 200.000 Jahren abgeklungen. Es war ruhig geworden im Neuwieder Becken. Das Klima jener Zeit, der Allerödzeit, war feucht und kühl, mit dem des heutigen Mittelschweden vergleichbar. Die Landschaft, geprägt durch Lößboden, war mit Birken, Weiden und Pappeln bewaldet, an trockenen Stellen wuchsen Kiefern. In den Wäldern lebten Elch, Hirsch und Ur. Auch der Biber kam in dieser feuchten Umwelt häufig vor. Die Menschen besiedelten die Region in kleinen Gruppen und wechselten häufig ihren Aufenthaltsort. Verschiedentlich wurden die Senken auf den Kratergipfeln, wie dies beim Plaidter Hummerich durch Ausgrabungen belegt ist, besiedelt. Sie boten Schutz, man konnte die Tierherden beobachten und Jagdstrategien entwickeln Plötzlich kündete ein dumpfes Grollen den Ausbruch des Lacherseevulkans an. Im nächsten Moment wurde die Landschaft durch eine gewaltige Detonation verwüstet. Sie löste eine Druckwelle ähnlich einer Atombombenexplosion sowie eine dampfund aschenreiche Bodenwolke aus, die durch das ganze Neuwieder Becken raste. Bäume wurden entwurzelt, am Boden lagerten sich große Mengen feiner Aschen ab. Dadurch staute sich am Andernacher Engpass der Rhein etwa 25 m hoch auf. Er bildete einen See bis die Dämme brachen und der Fluss alles mit brachialer Gewalt mit39

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riss. In der nächsten Phase des Ausbruchs stiegen aus dem neu entstandenen Krater Bims, Asche und Gase in Form einer Eruptionssäule über 35 Kilometer auf. Mitunter wurden hierbei große Brocken älteren vulkanischen Gesteins kilometerweit hinausgeschleudert. In großer Höhe transportierte der Wind das leichtere Material hauptsächlich nach Nordosten, wo es auf die Landschaft abregnete. Vor allem der Bims bedeckte als Fallablagerung die Landschaft. Die nächste Phase brachte eine Veränderung im Verlauf des Ausbruchs. Die Eruptionssäule brach teilweise zusammen. Eine Glutlawine raste am Boden entlang durch die angrenzenden Täler. Mehr als 30 mal schossen diese bis zu 600 Grad heißen Lawinen mit einer Geschwindigkeit von über 100 km pro Stunde zu Tal. Ihre Ablagerungen füllten die Niederungen auf. Im Tal des Krufter Bachs blieben mehr als 30 m starke Schlammschichten, die sich zu Tuff verfestigten, zurück. Im Plaidter Ortszentrum, im heutigen Kreuzungsbereich Bahnhof-/ Miesenheimer und Hauptstraße, sind diese Tuffablagerungen etwa 20 m stark, belegt durch Bohrungen für die „Eifler Backstube“. Gleichzeitig fiel immer wieder Bims aus großer Höhe. Am Ende der Eruption wurden nochmals große Mengen Bims ausgestoßen, die die gesamte Landschaft meterhoch zudeckten. In nicht ganz zwei Wochen war der „Spuk“ vorbei und das Land erstarrte. Doch schon bald eroberte sich die Vegetation auf dem Bims ihren Lebensraum zurück, und der Krufter Bach grub sich in dem noch weichen Material sein Bett. Was wissen wir über die Menschen? Im Juli 1984 wurde Professor Dr. Gerhard Bosinski, der die Grabungen auf dem Plaidter Hummerich leitete, gefragt, ob er denn fündig geworden sei? „Ganz und gar“, sagte der Professor, „wir haben unsere Vermutungen bestätigt gefunden. Hier auf diesem Plateau lebten zur Zeit des Neandertalers Jäger und Sammler“.1 1997 entdeckte der Archäologe Axel von Berg in den Wannenköpfen bei Ochtendung die Schädelkalotte eines Neandertalers. Mit einem Alter zwischen 120.000 und 150.000 Jahren handelt es sich um den ältesten Urmenschenrest in Rheinland-Pfalz. In Deutschland sind bisher nur acht Skelettreste von Neandertalern bekannt. Insgesamt wurden in Europa, Asien und dem Nahen Osten bisher etwa 300 Fossilien dieser Urmenschen entdeckt, die in die Zeit zwischen 150.000 und 30.000 v. Chr. einzuordnen sind. Direkt bei Plaidt ist also ein äußerst seltener Fund gemacht worden, dem über die Grenzen von Rheinland-Pfalz hinaus europaweit große Bedeutung zukommt.2 Im Jahr 1912 wurde, vermutlich bei den Erdarbeiten für den Bau des Elektrizitätswerkes, ein menschlicher Schädel an der Rauschermühle, 18 m tief unter der heutigen Oberfläche, in der oberen Lößschicht unter dem vulkanischen Sand gefunden.3 Weiter entdeckte man 1922 unter dem Bims der Kettiger Höhe in Weißenthurm menschliche Skeletteile. Obwohl man den beiden Funden früher eher weniger Bedeutung zu teil werden ließ, gelten sie heute als Überreste möglicher Opfer des Laacherseeausbruchs am Ende der letzten Eiszeit. Da man bei der Ausbeute selten bis an die Sohle des Urbachtals gestoßen ist, steht zu vermuten, dass noch reichhaltiges Fundmaterial in der Erde schlummert. Direkt am südlichen Ortsausgang von Plaidt, an der Stelle, wo die Straßen nach Ochtendung und nach Saffig sich gabeln, springt ein niedriger Hügel von ovalem Grundriss vor. Er besteht aus vulkanischem Tuff. Hier legte man 1910 eine jung40

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steinzeitliche Wohnsiedlung (4.600-2.000 v.Chr.) von beträchtlichem Ausmaß frei. Für die Archäologie waren und sind diese Funde ebenfalls von erheblicher Bedeutung. Diese hier genauer zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen.4 Es bleibt festzuhalten, dass die Menschen damals auf dem kleinen Tuffhügel, der nach dem Vulkanausbruch entstanden war, einen geeigneten Siedlungsplatz fanden. Es wurden in den Tuff geschlagene Höhlen und Gänge freigelegt, die relativ trocken blieben, weil Tuff schlecht Feuchtigkeit aufnimmt. Auf der selben Stelle breitete sich in der La-Tènezeit eine neue Ansiedlung mit insgesamt 67 Gruben aus. Es muss schon eine guter Platz gewesen sein, den die Menschen damals besiedelten. Tuffabbau seit der Römerzeit Damit sind wir in der römischen Zeit angelangt, die für unsere Region von 55 v.Chr. bis etwa 450 n.Chr. angesetzt werden kann. Kein geringerer als Gaius Julius Caesar schlug im Jahr 55 v.Chr., wahrscheinlich zwischen Plaidt und Ochtendung, die vordringenden germanischen Stämme der Usipeter und der Tenkterer vernichtend. Damit war das römische Imperium bis an den Rhein vorgerückt.5 Für uns interessant ist, dass die Römer ein großes Wissen um den Abbau und die Verarbeitung von Tuffstein mitbrachten. Der leicht zu bearbeitende Stein war vor allem als Baumaterial sehr begehrt. Er fand in ländlichen Siedlungen ebenso Verwendung wie in großen Städten und in Kastellen. Zahlreiche Altertümer des römischen Totenkultes wurden aus Tuffstein gefertigt. Dies gilt für Aschenkisten, Sarkophage und zahlreiche Grabbauten. In den Tälern des Krufter- und des Brohlbaches legten die Römer die größten antiken Tuffsteinbetriebe nördlich der Alpen an. Sie hinterließen uns Bergwerke die weltweit einmalig sind. Schon im ersten Jahrhundert n.Chr. wurde der zumeist mehrere Meter unter der Oberfläche lagernde Tuffstein in ausgedehnten unterirdischen Steinbrüchen gewonnen. Weitläufige Stollensysteme kennen wir aus Plaidt, Kretz und Kruft.6 Die Römer kannten den Tuffstein von den Ablagerungen am Vesuv nahe der Stadt Puteoli. Dort fand man staubfein gemahlenen Tuffstein, den Trass. Seine wesentlichen Bestandteile sind Kieselsäure und Tonerde. Stoffe dieser Art nennt man auch „Puzzolane“ nach dem Fundort Puteoli. Die römischen Architekten haben die vortrefflichen Eigenschaften des Staubes von Puteoli besonders im alten Rom in reichem Maße als natürliches Baumaterial genutzt, zum Beispiel beim Pantheon, beim Kolosseum, bei der Engelsburg oder beim Grabmal Kaiser Hadrians. Diese Bauwerke haben nahezu zwei Jahrtausende den Naturgewalten getrotzt. Infolge ihrer Vertrautheit mit Puzzolanen in Italien haben die Römer Tuff und Trass im vulkanischen Eifelgebiet entdeckt und für Mörtel- und Betonaufbesserung verwendet. Von den Funden weiß man, dass hier die 25. und 26. Kohorte7 der 30. römischen Legion in bergmännischer Weise den Tuffstein abgebaut haben. Sie waren mit den Gesetzen der Statik bestens vertraut. Nach einer Ruhepause von mehreren Jahrhunderten wurde das Bergwerk bei Kretz im hohen Mittelalter wieder genutzt. Zahlreiche Keramikfunde belegen eine intensive Nutzung in den Jahrzehnten um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert. 8 Zu Beginn des 17. Jahrhunderts erlebten die Niederlande einen wirtschaftlichen Aufschwung von bis dahin unbekanntem Ausmaß. Als die Städte und Hafenanlagen gebaut wurden, bezog man aus unserer Region den Trass in Tausenden von Tonnen um Bauteile und Bauwerke gegen Feuchtigkeit und Wassereinwirkungen wider41

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standsfähig zu machen. Tuff wurde wieder in den Stollen abgebaut, allerdings hat man es mit der Statik nicht mehr so genau genommen. Man betrieb regelrecht Raubbau. Dies ist in dem freigelegten Bergwerk bei Kretz gut zu erkennen. Dies führte zwangsläufig zu vermehrten Absackungen und Einbrüchen. 9

Abb. 1: Tuffgruben in Plaidt 10 um 1910, Grubenränder in

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Um 1900 erreichte die Trassindustrie im Krufter Bachtal einen Höhepunkt, nachdem neue Techniken ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Anlage sehr tiefer und großer Tagebaugruben ermöglicht hatten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist der Betrieb in unterirdischen Steinbrüchen eingestellt worden. Tuff und Tauch werden heute mit großen Maschinen nur noch oberirdisch abgebaut. 11 In welchem Niveau waren die Brüche nun angelegt? Betrachten wir ein Grubenprofil von 28 Meter Tiefe der Trasswerke Meurin bei Kruft. Oben aufliegend der Mutterboden, in Abhängigkeit der Entfernung vom Krater verschiedene Stärken Bims, nachfolgend der verfestigte Tuff („Römertuff“), dann die Tuffasche („Tauch“), folgend den im Grundwasser liegenden Tuffstein und ganz unten auf der Uraue aufliegendem Bims. Im Prinzip ist das der Aufbau im gesamten Krufter Bachtal, jedoch in der Höhe der einzelnen Schichten schwankend.

Abb. 2: Grubenprofil; Skizze der Fa. Meurin

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Abb. 3 und 4: Tuffhöhlen im nord-westlichen Bereich von Plaidt; die eingetragenen Zahlen beziehen sich auf die Nummerierung im folgenden Text. Karten bearbeitet von Wolfgang

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Gemahlener Tuff ist Trass. Der Name Trass ist dem niederländischen „Tyrass“ (Tarras), Kitt (Bindemittel), entlehnt. In der Bindemittelindustrie versteht man unter „Puzzolanen“ Stoffe, die selbst keine Bindefähigkeit besitzen, aber in Verbindung mit Kalk und Wasser bei gewöhnlicher Temperatur beständige und relativ wasserfeste Verbindungen eingehen. In Mörtel- und Betonmischungen erhöht Trass die Dichtigkeit, Festigkeit, Elastizität und Aggressivbeständigkeit. Wen wundert es, wenn heute dieser hervorragende Werkstoff immer noch Verwendung findet? 12 Die Situation in Plaidt In Plaidt finden sich neben den Tuffsteinhöhlen, die aus römischem, mittelalterlichem und frühneuzeitlichem Abbau stammen, noch eine ganze Reihe anderer unterirdischer Aushöhlungen. So gibt es Hinweise auf den „Bianchischen Entwässerungsstollen“,13 der angeblich unter dem ganzen Dorf hindurch führte und der Entwässerung der Tuffsteingruben diente.14 Bei Befragungen des Ortsvorstehers in den Jahren 1905-1907 wurde mehrmals von einem unterirdischen Stollen gesprochen, dessen Öffnung heute noch im Rauscherpark, in Höhe der Lavabänke, zu sehen ist. 15 Weiter spricht man von einem Stollen der von der Burg Wernerseck ins Dorf gegangen sei. Hier gibt es keinen einzigen brauchbaren Hinweis. Dichtung und Wahrheit liegen hier wohl dicht beieinander. Dann stößt man auf Luftschutzbunker oder Stollen, die während des Zweiten Weltkriegs von der Bevölkerung angelegt wurden. Eine Reihe von Hohlräumen hat mit dem Tuffabbau nichts zu tun. Kommt Tuffasche („Tauch“) mit Wasser in Verbindung, wie dies häufig bei Wasser- und Kanalrohrbrüchen oder falsch abgeleitetem Oberflächenwasser vorkommt, verliert die Asche bis zu Zweidrittel an Volumen. Es entstehen Hohlräume, die in Plaidt so manchem Gebäude zum Verhängnis wurden. Oberirdische Tuffsteinbrüche in der Ortslage und am Rand von Plaidt waren an der Tagesordnung. Die Lage kann man aus einem Plan des Grabungsberichtes des Provinzialmuseums Bonn von 1913 gut erkennen (s. Abb. 1). Vor und nach dem Ersten Weltkrieg, sind diese Brüche verfüllt worden. Dagegen werden einige Tuffkeller (Britzkeller) bis heute benutzt. Einzelne Befunde für den Bereich westlich der Bahnhofstraße; die Zahlen in [...] bezeichnen die in Abb. 2 eingezeichneten Fundstellen. Am Schützenplatz 2 [1] An der südwestlichen Ecke der Schützenhalle und des Hauses Schützenplatz 2 war in den 80er Jahren eine „Sänke“ abgesackt.16 Vermutlich handelte es sich hier um Tuffabsackung in Verbindung mit Abwasser. Die Firma Lampa aus Plaidt sanierte die Fundamentierung am Hause. Am Schützenplatz 4 [2] Hinter dem Haus gibt es einen Eingang zu einem Britzkeller. Er führt in mehreren Abschnitten unter die Römerstraße. Der in den Tuff getriebene Stollen hält die Temperatur das ganze Jahr über auf 6 - 8 C°. Er ist wahrscheinlich von dem Bauer Heuser hergestellt worden, der früher hier Eigentum und in der Nähe seinen Bauernhof hatte. Man lagerte dort die „Krompbiere“ und „Knolle“ ein. Rechts neben dem Haus, jetzt 45

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Abb. 4: Wolfgang Horch im Britzkeller, Foto Wolfgang Horch

hinter Garagen, gab es einen Stollen, der Richtung Norden führte. Dieser wurde von Herbert Schmitt, dem heutigen Besitzer, vor der Zumauerung begangen. Er schätzt, dass er etwa 100 Meter weit gekommen ist. Der Stollen sei relativ gerade gewesen. Nach der Beschreibung könnte es ein Teil des „Bianchistollens“ sein.17 Am Schützenplatz 4 und 6 [24] In der Bauphase 1973/74 sind durch einen geplatzten Wasserschlauch etwa 40 Kubikmeter Wasser in den weichen Tauch geflossen, was zu erheblichen Absackungen und Schäden an den Häusern führte. An Haus Nummer 6 kam es zu Absackungen von Kellerbodenflächen. Hier hatte man Streifenfundamente hergestellt. An Haus Nummer 4 wurde ein Teil der gegossenen Bodenplatte freigesetzt. Nur mit erheblichen Aufwendungen konnten die Schäden behoben werden. 18 Goethestraße 10 [3] Beim Bau des Hauses im Jahre 1958 füllte man zunächst die Baugrube mit Wasser, um zu sehen, ob es zu einem Wassereinbruch kommen würde. Das war früher gängige Praxis, wenn man Stollen vermutete. Tatsächlich trat das ein. Die Grube war in fünf Minuten leer. Im hinteren Bereich, etwa drei Meter von der Baugrube in Richtung der evangelischen Kirche zeigte sich eine Öffnung. Hier war eine Wendeltreppe sichtbar.19 Das Ereignis bestätigt Gertrud Spurzem, die in diesem Haus wohnt. Goethestraße 11 [4] Das Haus wurde durch eine undichte Wasserleitung so stark beschädigt, dass der vordere Teil starke Risse zeigte und abgerissen werden musste.20 Hier handelt es sich um eine Tuffabsackung in Verbindung mit Wasser.

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Goethestraße 13 [23] Direkt neben dem Haus, nahe dem Schützenplatz, platzte ein Wasserrohr und richtete einen Schaden von etwa 50.000 DM an. Es konnte nicht verhindert werden, dass das Haus erhebliche Schäden (Risse) davontrug. 21 Kreuzungsbereich Römerstraße/Goethestraße [5] Bei Kanalbauarbeiten um 1965 sank der „Dreibock“, den man für die schweren Kanalrohre benötigte, in diesem Bereich ein. Nach der Beschreibung der Zeitzeugin Maria Jäschke muss es sich um einen Römerstollen handeln. Im Remmerich 13 [6] Bei Hans Glagau kam es 1975 zu einer Absackung wegen eines defekten Hydranten. Am Haus war durch Unterspülung ein 15 breiter cm Riss entstanden, und es musste mit schweren Holzpfeilern (alte Strommasten der RWE) gesichert werden. Eine Baufirma aus Andernach erneuerte die freigespülten Fundamente mit Beton. Interessant ist, dass es schon Monate vorher Informationen seitens der Familie Glagau an zuständigen Stellen gegeben habe.22 Die damaligen Nachforschungen ergaben, dass über längere Zeit hinweg 300 bis 400 Kubikmeter Wasser aus dem undichten Hydranten ins Erdreich gesickert waren. Der Kostenaufwand wurde auf 20.000 DM geschätzt.23 Der Schaden wurde von der Versicherung abgedeckt. Morangiser Str. 12 [25] 1999 kam es zu einer Absackung im Hof der Familie Jung, weil die eingebaute Zisterne undicht geworden war und das Wasser seinen Weg in den Tuff gesucht hatte. Die darüber liegende Mauer musste mit Beton gesichert werden.24

Abb. 5: Gabi Engels im Britzkeller beim Pommerhof; im Hintergrund eingelagerte Kartoffeln, Foto Wolfgang Horch

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Pommerhof [7 und 8] Südlich der Häusergruppe, im unteren Hang direkt am Kretzer Wanderweg gibt es einen Britzkeller mit mehreren Gängen, der vom Pommerhofgut angelegt wurde. Er ist sicher mehr als 100 Jahre alt und wurde noch 1998 vom Landwirt Uwe Engels von der Gottschalksmühle wegen der beständigen Temperatur von 6-8° C als Kartoffelkeller genutzt. Beim Pommerhof, am Wanderweg nach Kretz, in Höhe des zweiten Tenniszeltes kam es 1998 zu einer Absackung, die einen Stollen erkennen ließ. Wegen der großen Einsturzgefahr konnte keine genaue Untersuchung durchgeführt werden. Von oben war nicht klar auszumachen, ob es sich um ein mittelalterliches System oder um einen Römerstollen handelt.25 Rathenaustraße [9] Durch einen Wasserrohrbruch traten an mehreren Häusern Risse auf. Man bemerkte den Schaden relativ schnell und stellte sofort das Wasser ab. Eine Baufirma füllte den entstandenen Krater mit Beton, in der Hoffnung den Schaden damit behoben zu haben. Angeblich sei durch diesen Wasserbruch ein unbekannter unterirdischer Stollen eingestürzt.26 Rathenaustraße 10 und 17 [10] Ebenfalls durch einen Wasserrohrbruch zeigten sich am 22. August 1979 derart starke Risse und Absackungen an zwei Wohnhäusern (Breitbach und Jungbluth), dass sogar die Einwohner evakuiert werden mussten. Die Häuser konnten im Nachhinein stabilisiert werden, obwohl man anfangs von Abbruch sprach. Hier wurde der Volumenverlust bei der Verbindung von Tuffasche und Wasser besonders deutlich. Im Pfarrsaal der evangelischen Kirchengemeinde versammelten sich die Betroffenen, um mit Vertretern der Verbandsgemeinde zu diskutieren. In der Rathenaustraße

Abb. 6: Risse am Haus Rathenaustraße Nr. 17, Foto Sammlung Sauerborn

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wurden Wochen später Kanalisation, Wasserleitung und Straße erneuert. Der Wasserrohrbruch mit seinen Folgen wurde in der Presse lebhaft diskutiert. Interessant ist, dass ein betroffener Anwohner schon 1978 und im März 1979 Absackungen auf seinem Grundstück der Verwaltung gemeldet hatte.27 Rathenaustraße 26 [11] Schon beim Bau des Hauses stellte man fest, dass sich kleine Risse im Mauerwerk bildeten. Um dies aufzufangen, wurde ein Ringanker betoniert.28 Frau Hündgen, die seit 1968 das Haus bewohnt, ist das nicht bekannt. Wie sie allerdings berichtete, sei es vor ihrem Haus in der Straße zu einer starken Absenkung gekommen. Zeitlich war dies für sie nicht einzuordnen. Die Straße musste Abb. 7: alte evangelische Kirche in Plaidt, Foto Sammlung damals repariert werden. Die Gert Fröhlich Ursache für die Absenkung blieb unklar.29 Rathenaustraße 28 [12] Etwa 1 ½ Jahre nach der Erstellung des Hauses kam es 1957 zu einer Absackung im hinteren Teil. Da die Bodenplatte im Keller noch nicht eingebracht war, konnte man das Betonfundament neu gründen. Nach Aussage des Besitzers war die Absackung 1,5 m tief, und Teile des Fundaments hingen in der Luft.30 Warum es zur Absackung gekommen war, konnte nicht geklärt werden. Eindeutig ist allerdings der Tuffuntergrund. Rathenaustraße, evangelische Kirche [13] Wenn man gewusst hätte, auf welchen Untergrund man die Kirche stellte, hätte man sich viel Geld und Ärger ersparen können. 1955 erfolgte die Grundsteinlegung. Schon in der Bauphase stellte sich heraus, dass der Boden an einer Stelle absackte. Ohne die Angelegenheit weiter zu untersuchen, wurde mit Beton verfüllt. 1959 zeigten sich Risse in der Altarfront, die man seitdem mit Gipsspionen kontrollierte. Um weitere Veränderungen direkt erkennen zu können, wurden Gipsbrücken über die Risse gelegt, die bei weiteren Setzungen direkt aufreißen. 1964 errichtete man eine 49

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Stützmauer hinter der Kirche, die aber nicht ausreichte, die gewünschte Stabilität herzustellen. 1973 erfolgte der Beschluss zum Abriss, dem 1974 ein beschränkter Wettbewerb zum Neubau folgte. Im Jahre 1979 begann man mit dem Abriss und Wiederaufbau. Die neue Kirche stellte man auf 22 Betonfüße, die mittels Bohrungen tief abgesenkt wurden. Dabei war man zwar auf Hohlräume gestoßen, die aber nicht erforscht wurden. Die Brunnenbohrtechnik erforderte dies nicht, so der Architekt Helmes aus Koblenz. Hier kann man von römischen Stollen ausgehen, so der Zeitzeuge Bodo Geromont, der von seiner Baugrube bis zur Kirche vorgedrungen ist. Auch diese Angelegenheit wurde in der Presse publiziert.31 Die Geschichte der evangelischen Kirche ist in dem Buch 1100 Jahre Plaidt eingehend niedergeschrieben. Rathenaustraße 33 [14] Beim Ausheben der Baugrube 1974 stieß man auf Römerstollen. Der Eigentümer Bodo Geromont war mit eingestiegen. Unmittelbar vor seinem Haus waren zwei größere Hohlräume, vermutlich Verteiler oder sich kreuzende Gänge. Vom nördlichen Hohlraum aus gingen Stollen in Richtung Römerstraße 1, möglicherweise auch weiter, da bekannt war, dass beim Entladen der Bierfässer an der Gaststätte „Zur Post“ eine eigentümliche Schallübertragung auftrat. Ein anderer Stollen führte unter das Haus Rathenaustraße Nr. 34. Hier waren kleine Nischen in die Wände gehauen. Ein anderer Stollen mit kleinen Nischen in den Wänden ging nördlich zur damaligen Waschküche. Dort fand man einen viereckigen Nagel. An diesen Fundbereich grenzt das Haus Römerstraße 3. Vom südlichen Hohlraum ging ein Stollen in Richtung Haus Nr. 32. Ein weiterer Stollen führte unter dem Haus Geromont in Richtung Römerstraße Nr. 5. Weitere Stollen führten in Richtung Goethestraße und unter die evangelische Kirche. In letzteren war man damals vorgedrungen. Zur Gründung seines eigenen Hauses ließ Bodo Geromont die Stollen schlemmen und mit Beton verfüllen.32 Rathenaustraße 34 [15] Bei diesem Haus wurde vorsorglich eine kräftige Betonplatte gegossen, weil Architekt Mehlis die Stollen in der Römerstraße kannte.33 Römerstraße 3 [16] Um 1920 stürzten die „Sänke“ und große Teile des Gartens in einen Römerstollen. Die Feuerwehr musste gerufen werden.34 Römerstraße 5, „Hotel Geromont“ [17] Dies war der Hof des Landwirts Heuser. Bei einem Stolleneinbruch im Stall, dort, wo sich heute der Saalanbau des Hotels Geromont befindet, ist um 1920 ein Pferd in einen Stollen gestürzt. Man konnte das Tier lebend wieder heraus holen. 35 Römerstraße 7 [18 und 26] Eines abends um das Jahr 1940 ging August Zannin, der Vater von „Kätt“ Schommer, in den Keller, um das Wasser abzustellen. Als er übermäßig lange fortblieb, suchte man ihn. Man fand ihn im Keller. Er war in einen Stollen eingebrochen, und nur seine Hände, mit denen er sich am Rand des Loches festhielt, waren zu sehen. Er konnte wohlbehalten geborgen werden. Verständlicherweise herrschte große Angst 50

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in dem Haus. Zudem waren die Familien hart getroffen, waren doch bei gleicher Gelegenheit die eingelagerten Brikett und Kartoffeln in dem Loch verschwunden. Bei der anschließenden genauen Kontrolle man hatte den im Erdgeschoss wohnenden Josef Bartz an einem Seil abgelassen - stellte man fest, dass es ein römisches Stollensystem war und dass eine Zwischenwand in der Luft hing. Nach seinen Vermutungen sei der Stollen in Richtung ev. Kirche gegangen. Mit 26 „Ochsenkarren“ Sand und Gestein verfüllte man schließlich die Absenkung, so die Zeitzeugin Katharina Schommer aus der Bachstraße. Maria Jäschke aus der Römerstraße erinnerte sich weiter an einen Stolleneingang im Garten des Hauses, der unter die evangelische Kirche führte.36 Dies Abb. 8: Gangsystem in der Römerstraße, Foto Wolfgang war der Eingang zu einem Luft- Horch schutzbunker, der von Josef Bartz angelegt worden war. Nach nur kurzem Vortrieb war Bartz auf einen römischen Stollen gestoßen, der groß genug für seinen Bunker war, sodass er sich dort mit Liegen und verschiedenem Kleinmobiliar einrichten konnte. Nach der Überlieferung fand man dort römische Relikte.37 Römerstraße 15 [19] Während des Zweiten Welkriegs gruben die damaligen Anwohner Kahlhofen, Jäschke, Hirsch, Bohr und Hensgen im Hang zum Wohnhaus einen Luftschutzbunker. Das Stollensystem hat eine Länge von immerhin 25 m. Die Familien richteten sich für den Notfall ein, indem sie Schlaf- und Ruhegelegenheiten schufen. Sogar eine kleine Nische für eine Muttergottes-Figur wurde geschlagen. Der Bunker hatte zum Haus Schützenplatz 12 einen zweiten Ausgang. Zum Keller der Familie Hensgen wurde ein kleiner Gang vorgetrieben. Dort stellte man Pickel und Schaufel bereit, um sich bei einer Verschüttung durchgraben zu können. Kurz vor Kriegsende legte man sogar Elektroleitungen in den Bunker.38 Das System ist bis heute völlig intakt und begehbar, allerding ist der eigentliche Zugang seit Herbst 2003 eingefallen.

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L 117 (Umgehungsstraße) [20] Im Grenzbereich von Hart- und Rasenplatz kam es 1989/90 auf der L 117 zu einer Absackung, die repariert wurde.39 Dasselbe geschah in gleicher Höhe nur wenige Meter weiter östlich im Bimswerk im Bereich der alten Trockenanlage. Das Gebäude musste abgerissen und neu errichtet werden.40 Sportplätze [21] Dort, wo heute der Hartplatz an der Kreuzung B 256 und L 117 ist, war füher die „Säukaul“ des Pommerhofs. Es ist eine alte Tuffgrube, in der die Familie Herfeldt später ihre Schweine hüten ließ. Ursprünglich lag der Boden der Grube einige Meter tiefer. Das heutige Niveau wurde dadurch erreicht, dass einige umliegende Bimssteinfirmen die „Kaul“ nutzten, um ihre Abwässer dort einzuleiten, damit sich die Schlacken und Schlämme vor der endgültigen Ableitung des Wassers absetzen konnten. Da die Grube weder nach unten, noch nach den Seiten abgedichtet war, sind große Mengen Wasser in die Umgebung eingedrungen. 1973 sackte ein Teil des Rasenplatzes in der Nähe des Abwasserkanals ab, und 1978 kam es zu einer Absackung am Hartplatz. Trotz mehrerer Probebohrungen konnte kein eindeutiger Hinweis auf Stollen o.ä. gefunden werden. Zweifellos handelt es sich in beiden Fällen um die Ausbildung von Kavernen durch das Zusammentreffen von Tuff und Wasser. 41 Gildestraße [22] 1972 wurde kurz vor der Kreuzung zur Friedhofstraße ein Heizöl-Tankwagen des Plaidter Unternehmens „Kohlen-Marci“ plötzlich dadurch gestoppt, dass er mit seinen Hinterrädern in die Straßendecke einbrach. Es war ein großer Schreck für den Fahrer Adam Roch aus Plaidt. Ein Kranwagen hob das Fahrzeug, das bei dem Ein-

Abb. 9: Eingesackter Heizöltransporter; Julius Braun und Adam Roch „begutachten“ den Schaden (Rhein-Zeitung vom 22./23.4.1972).

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bruch Schaden genommen hatte, wieder heraus. Laut Rhein-Zeitung sollen Römerstollen die Ursache gewesen sein. 42 Friedhofstraße [27] In der Friedhofstraße brach 1953 ein Teil der Straßendecke ein. Wie sich herausstellte, war ein unter der Straße verlaufender, früherer Luftschutzstollen eingefallen.43 Bundesstraße 256 [28] „Im Frühsommer 1960 zeigte sich, dass die Bundesstraße zwischen km 11,5 (Ortseingang Kretz) und km 12,2 (Trassgrube Herfeldt) durch die unterirdischen Steinbrüche dem ständigen Verkehr nicht mehr gewachsen war und zu schwersten Besorgnissen wegen möglicher Einbrüche der Straßendecke Anlass gab. Die Straße wurde, nachdem es sich gezeigt hatte, dass sich die unterirdischen Einbrüche stellenweise bis zur Straßendecke erstreckten, ohne Ankündigung plötzlich gesperrt. Eine durchgreifende Sanierung war nötig geworden. In Straßenbreite wurden der Bims und die Decken der alten Steinbrüche weggebaggert und die Stollenzüge verfüllt. Dabei wurden in Strassenmitte die sichtbaren Stollenzüge, allerdings ohne deren Richtung festzustellen, von der Straßenverwaltung eingemessen. Auf einem Trassenplan wurden 106 Berührungspunkte mit Stollen markiert“. 44 „Ein Loch, in Höhe der heutigen Stein AG, klaffte plötzlich in der Bundesstraße 256 auf 4 Meter Länge. Ein Bediensteter der Straßenmeisterei Kruft, gerade auf dem Weg nach Hause, schreckte mit entsetztem Erstaunen plötzlich auf, als er während der Fahrt das Loch in der Bundesstraße entdeckte. Sofort reagierte er und regelte den Verkehr. Unfälle konnten durch seine Initiative verhindert werden“, so der knappe Bericht der Rhein-Zeitung.45 In kürzester Zeit wurde die Öffnung mit Beton verfüllt

Abb. 10: Skizze von Sepp Leiß vom 8.2.1957

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„Ganz Plaidt ist unterhöhlt“

und die Straße repariert. Die Presse zog damals den irrigen Schluss, die Römer hätten hier unterirdisch den Tuffstein abgebaut, um damit in Trier die Porta Nigra bauen zu wollen. Mittlerweile hat man Klarheit über die schachbrettartig angelegten Stollen. Archäologische Ausgrabungen ergaben, dass die Stollen in die Zeit zwischen 1627 und 1858 einzuordnen sind. Dies ist auf den Informationstafeln der Vulkanparkstation „Krufter Bachtal“ dargestellt.46 Jahre vorher waren die Stollen mit Wasser vollgelaufen. Einige Plaidter nutzten die Gelegenheit für eine kleine Erkundung. Fritz Mürtz berichtet, dass er mit einem Boot der Andernacher Feuerwehr vom Waschsee der Stein AG aus in diese Stollen eingefahren sei. Mit von der Partie waren Bodo Herfeldt, Hans Bell, Willi Gorges, Josef Mürtz, und Alois Hickmann. Er sei etwa 400 Meter in den Stollen Richtung Westen nach Kretz hin vorgedrungen. Man habe eine Schnur gespannt, um den Weg zu verfolgen und Kerzen mitgenommen, um auftretenden Sauerstoffmangel rechtzeitig bemerken zu können. Auch Sepp Leiß, Architekt aus Plaidt, war mit einem Boot in die Stollen gefahren. Seine Skizze von 1957 spiegelt die Situation im Stollen wider. Heinrich Peters fuhr in das Höhlensystem sogar mit einem selbstgebauten Floß ein. 1959 ist das Wasser unvermittelt durch einen Durchbruch in den Krufter Bach abgelaufen. Danach kam es vermehrt zu Einbrüchen. An anderer Stelle konnte ein Kraftfahrer am 7. Oktober 1998 einen Mann beobachten, der hinter dem „Truckpoint“ in einem Tuffloch versank. Man half ihm heraus, und er verschwand, ohne seinen Namen zu nennen. Dieser Mann stand sicher unter einem kleinen Schock. Hier war mal wieder der Tuff, aus welcher Ursache auch immer, in sich zusammen gefallen.47 Zusammenfassung Wenn man die vielen Ereignisse an der Römerstraße, Rathenaustraße, Schützenplatz und Remmerich betrachtet, könnte man von einem „Schweizer Käse“ sprechen, so durchlöchert ist dieses Terrain. Die Römerstraße liegt auf altem Niveau des Vulkanausbruchs des Laacher See vor 13.000 Jahren, wogegen der untere Teil durch die Bims- und Tuffausbeute tiefer gelegt worden ist. Dieser Ortsteil steht also auf dem weichen Tauch, der bei Wassereinbruch sein Volumen stark vermindert, was die vielen Ereignisse belegen, und auf römischen Bergwerksystemen, die erst durch Einbrechen erkannt werden.

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LERCH, Harry: Jagdplatzgirlande von Vulkan zu Vulkan, in: Rhein-Zeitung Ausg. C (= RZ) vom 24.7.1984 2 BERG, Axel von: Die Schädelkalotte eines Neandertalers aus dem Wannevulkan bei Ochtendung, Kreis Mayen-Koblenz, Sonderdruck aus: Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst des Trier Landes und seiner Nachbargebiete, Beiheft 23, 1997 3 SCHRÖTER, Peter: Zum spätpaläolithischen Schädelfund an der Rauschermühle bei Plaidt, in: Pellenz-Museum, Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte des Kreises Mayen-Koblenz, Heft 7, 1998, S. 5-14 4 Der ausführliche Grabungsbericht siehe L EHNER, Hans: Prähistorische Ansiedlung bei Plaidt an der Nette, in: Bonner Jahrbücher, Heft 122,3, 1913, S. 271ff. 5 MORBACH, Hans: Plaidt in der Pellenz, Plaidt 1983, S. 22 6 RÖDER, Josef: Die antiken Tuffsteinbrüche der Pellenz, in: Bonner Jahrbücher, Heft 157, 1957, S. 213-271 7 Eine Kohorte bestand aus etwa 600 Soldaten. 8 Zur mittelalterlichen Tuffsteingewinnung s. R ÖDER, Josef: Zur Steinbruchgeschichte des Pellenz- und Brohltaltuffs, in: Bonner Jahrbücher, Heft 159, 1959, S. 47ff. 9 HUNDER, Hans: Der Andernacher Tuffsteinhandel (Schriftenreihe zur Stadtgeschichte Nr. 4/1970 Teil 2/I), S. 11ff. 10 aus: LEHNER, Hans (wie Anm. 4), S. 273 11 HUNOLD, Angelika/IPPACH, Peter/SCHAAF, Holger: Kirchen, Stollen, Steinbrüche (= Vulkanpark-Forschungen Bd. 4, 2002) 12 TRASSWERKE MEURIN (Hg.), Rheinischer Trass, Trass-Kalk, Trass-Zement, Trass-Hochofenzement, Andernach o.D. 13 Florian Bianchi war ein Unternehmer aus Neuwied und besaß Tuffsteingruben in Plaidt; Quellen: Stadtarchiv Neuwied, Bestand 630,1 Nr.3002; LHA Ko Best.441 Nr.12855 14 ARENZ, Wilhelm: Die Basaltvulkane des südöstlichen Laacher-See-Gebietes und ihre Lavaströme, in: Jahrbuch des preuß. Geologischen Landesamtes, 1853, S. 864 und M EYER, Wilhelm: Geologie der Eifel, 3. Auflage, Stuttgart 1994, S. 404f. 15 Befragungsbögen beim Amt für Denkmalpflege Koblenz-Ehrenbreitstein 16 Mündliche Aussage von Gisela WIRFS 14.1.1998 17 Mündliche Aussage von Herbert SCHMITT Februar 1998 18 Mündliche Aussagen Herbert und Gretel S CHMITT 31.5.2003 19 Mündliche Aussage Fritz MEHLIS Mai 2003 20 Mündliche Aussage Emmerich ENGELS 13.2.1998; RZ vom 11.7.1986 21 RZ vom 25.6.1976 22 Mündliche Aussage von Christine GLAGAU 23.6.2003 23 RZ vom 14.2.1975 24 Mündliche Aussage Monika JUNG 22.6.2003 25 Eigene Untersuchung 26 RZ vom 12.1.1972 27 RZ August 1979 28 Mündliche Aussage Heinrich PETERS 22.1.1998 29 Mündliche Aussage Frau HÜNDGEN 1998 30 Mündliche Aussage Lehrer HEILIGER 31 RZ vom 13./14.10.1979; zur Geschichte der evangelischen Kirche s. H EINEMANN, Reinhold: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Plaidt, in: 1100 Jahre Plaidt. Beiträ ge zur Ortsgeschichte, hg. v. Frank N EUPERT, Plaidt 1995, S. 299-336 32 Alle Angaben von Bodo GEROMONT 1998 33 Mündliche Aussage Helmut MEHLIS 1998 34 Mündliche Aussage Maria JÄSCHKE 1998 35 Mündliche Aussage Maria JÄSCHKE 20.1.1998 36 Hinweis Maria JÄSCHKE 1998; mündliche Aussage von Katharina SCHOMMER 2003

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Mündliche Aussage Christa WERLING geb. Bartz (Tochter von Josef Bartz) 14.8.2003. Sie konnte sich noch genau erinnern, als ihr Vater von den Funden erzählte, über die er sehr erstaunt war. 38 Interview 18.11.2002 mit Maria J ÄSCHKE, Mathilde WOLF und Anita DREISER 39 Mündliche Aussage Walter WEILER 1998 40 Mündliche Aussage Klaus BELL 1998 41 Vgl. Bericht in der RZ vom 31.7.1973 42 Mündliche Aussage Adam ROCH 18.1.1998; RZ vom 22./23.4.1972 43 RZ Januar 1953 44 RÖDER (wie Anm. 6), im Nachtrag für 1960 S. 87f. 45 RZ vom 2.11.1973 46 Vgl. HUNOLD (wie Anm. 11) 47 Berichte in der „Andernacher Stadtzeitung“ und im „Pellenzblatt“ vom 7.10.1998

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Alte Plaidter Familien, Teil 1 Klaus Marzi Zu den älteren Plaidter Familiennamen zählen u.a. Ackermann, Bartz/Barz1, Butz, Engels, Frank/Franck, Geil/Gail/Gayl/Gaylen, Hilger/Hilgert, Klein, Krob, Lauermann, Lohner, Lüscher, Marci/Marzi, Monreal, Weiler, Wilkes sowie die Familie Zirvas/Zerwas. Grundlage für die mehr als 300 Jahre umspannenden familiengeschichtlichen Betrachtungen bilden neben den von den jeweiligen Pfarrern geführten Kirchenbüchern, die Bruderschaftsverzeichnisse2 sowie die im Zusammenhang mit Verpachtungen und Zinsabgaben entstandenen Dokumente. Alle Geburts-, Heiratsund Todesdaten wurden aus diversen Familienbüchern3 der näheren Umgebung übernommen. Im ersten Teil stehen die Abstammungslinien der Familien Marci/Marzi und Geil im Mittelpunkt der Darstellung. Die Familien Marci/Marzi Für Plaidt darf man von zwei unterschiedlichen „Urfamilien“ Marci/Marzi ausgehen: Ein Jakob Marci, der vermutlich aus Berresheim4 stammte, ehelichte am 8.7.1808 in Plaidt Maria Barbara Schommer, die Tochter von Friedrich Schommer und Anna Ackermann.5 Nachkommen aus dieser Ehe leben noch heute in Plaidt und führen noch immer die Schreibweise „Marci“.6 Die Vorfahren des Verfassers können bis zu einem Philipp Marci zurückverfolgt werden, der am 1.12.1683 in Polch starb.7 Hier ist ein Philipp „Marx“ erwähnt, während seine Kinder schon unter dem Namen „Marci“ in den Kirchenbüchern geführt wurden. Aus der Ehe von Philipp Marx/Marci und dessen Ehefrau Elisabeth8 gingen fünf Kinder hervor: 1. Catharina Marci heiratete am 22.1.1686 Anton Scheffer, gebürtig aus Welling und im Polcher Familienbuch als „Hofmann“9 erwähnt. 2. Johann Balthasar Marci heiratete am 21.11.1683 Maria Weckber, die Tochter von Johann Weckber. Die Eheleute und ihre Nachkommen lebten in Polch. 3. Balthasar Marci (geb. am 3.10.1658 in Polch) wurde Priester und war von 1689 bis 1728 Pfarrer in Plaidt, wo er auch verstarb. 10 4. Johann Friedrich Marci (geb. am 29.5.1661 in Polch) heiratete am 18.2.1703 in Plaidt Eva Schommer, die Tochter von Reinart Schommer und Elisabeth Richter aus Plaidt. Er war der erste Urahn des Verfassers, der in Plaidt ansässig wurde. Johann Friedrich Marci verstarb nach 1724 und seine Frau Eva am 14.5.1748. Ihr Grabstein ist bis heute erhalten und befindet sich derzeit mit anderen alten Grabsteinen auf dem oberen, älteren Teil des Friedhofs. Diese alten Grabsteine sollen zu einem späteren Zeitpunkt einen neuen, würdigen Platz auf dem Friedhof erhalten. 5. Anna Maria Marci (geb. am 25.11.1663 in Polch) heiratete am 19.11.1680 in Welling Nicolaus Polch und wurde mit ihm in Welling ansässig. Die Ehe von Johann Friedrich Marci (4.) und Eva Schommer war mit zwölf Kindern gesegnet, von denen zwei schon früh verstarben. Der erste Sohn Peter (geb. am 14.11.1704) erhielt am 18.12.1728 in Trier die Priesterweihe und war dann als Pfar57

Alte Plaidter Familien, Teil 1

Abb. 1: Kartoffelernte in der Miesenheimerstraße um 1930; 2. v. r.: Maria Marzi geb. Bartz, davor Sohn Peter

rer in Hatzenport (1733), Manderfeld (1748) und Vallendar (1754) tätig. Seine letzte Pfarrei übernahm er 1780 in Moselkern, wo er am 9.7.1784 verstarb. Der letzte Sohn, Johann Friedrich (geb. am 17.11.1724), ist als Subdiakon urkundlich erwähnt. In Plaidt ansässig wurden Margaretha Marci, die am 21.1.1727 in Plaidt Balthasar Gödertz heiratete, Johann Balthasar Marci, Johann Marci, der mit Anna Catharina Blum verheiratet war, und Johann Matthias Marci (geb. am 15.7.1717), der am 7.2.1758 in Plaidt Anna Margaretha Weber aus Vallendar ehelichte. Dieser Vorfahr war Gräflich Leyischer Hofmann auf dem Schillingshof11 in Plaidt. Johann Matthias Marci starb am 29.12.1795 und seine Ehefrau am 30.3.1807. Aus ihrer Ehe gingen zehn Kinder hervor, bei ihnen trat übrigens erstmals die Schreibweise „Marzi“ auf: 1. Maria Catharina Marzi (geb. am 17.12.1758). Sie heiratete am 20.1.1787 in Plaidt Hermann Künster aus Glees.

Abb. 2: Goldene Hochzeit am 19.1.1940 Peter Bartz und Frau Anna Maria geb. Gilles

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2. Anna Maria Marzi (geb. am 20.11.1760). Sie heiratete ebenfalls am gleichen Tag in Plaidt den Tagelöhner Matthias Arenz, den Sohn von Anton Arenz und dessen Ehefrau Cäcilia aus Kruft. 3. Johann Marzi (geb. am 19.5.1763). Er war Tagelöhner und heiratete am 4.8.1812 in Plaidt Anna Margaretha Bartz, die Tochter von Jacob Bartz und Maria Elisabeth Lotzen aus Ochtendung. 4. Johann Georg Marzi (geb. am 6.6.1768) heiratete am 21.1.1794 in Plaidt Anna Maria Kolligs, die Tochter von Anton Kolligs und Margaretha Pinger aus Plaidt. 5. Peter Marzi (geb. am 16.3.1770). Er war von Beruf Schuster und heiratete am 29.6.1801 in Plaidt Anna Catharina Pütz, die Tochter von Johann Willibrord Pütz aus Plaidt und Maria Magdalena Hillesheim aus Kettig. 6. Wilhelm Marzi (geb. am 14.4.1779). Der Ackerer (Landwirt) heiratete am 3.9.1816 in Plaidt Catharina Margaretha Busenthür, die Tochter von Jacob Busenthür und Margaretha Alsbach aus Kretz. Von den restlichen vier Kindern ist außer den Geburtsdaten nichts näheres bekannt.

Abb. 3: Margarethe Marzi geb. Geisen mit Sohn Johann und Enkel Johann Josef um das Jahr 1930

Johann Georg Marzi (4.) war von Beruf Schreiner und wohnte in der Niedergasse in Plaidt. Mit seiner Frau Anna Maria, geb. Kolligs, hatte er neun Kinder. Verheiratet waren: Anna Margaretha mit Johann Vogt, Anna Christina mit Peter Reuter, Wilhelm mit Anna Catharina Heinzen, Anna Elisabeth mit Johann Weber und Sohn Nikolaus, der nächste Vorfahre des Verfassers, mit Maria Margaretha Weidenbach. Johann Georg Marzi starb am 14.1.1840 und seine Ehefrau Anna Maria am 6.9.1839. Beide wurden in Plaidt auf dem damaligen Friedhof neben der alten Kirche begraben. Zu erwähnen ist ein Sohn von Wilhelm Marzi und Catharina Heinzen. Dieser Sohn, ebenfalls Wilhelm (geb. am 5.12.1848), war Junggeselle und von Beruf Mühlenbauer. Er wohnte in einem kleinen Haus in der Niedergasse. Von ihm wird erzählt, 59

Alte Plaidter Familien, Teil 1

daß er ein Loch in die Rückwand seines Hauses brach, um immer genau zu wissen, wie spät es ist, denn so hatte er einen wundervollen Blick auf die Kirchturmuhr der (neuen) Kirche. Nikolaus Marzi, der Sohn von Johann Georg (geb. am 25.12.1813), wohnte in der Hauptstraße12 und war von Beruf Landwirt. Er heiratete am 1.6.1841 in Plaidt Maria Margaretha Weidenbach, die Tochter von Johann Wilhelm Weidenbach aus Obermendig und Maria Magdalena Scherhag aus Plaidt. Gemeinsam hatten sie sieben Kinder, von denen Abb. 4: Goldene Hochzeit 1983 Johann Marzi aber vier frühzeitig starben. Tochter und Frau Helene geb. Schommer Magdalena heiratete am 30.11.1874 Peter Reuter, von Tochter Christina ist nur das Geburtsdatum (30.12.1848) bekannt. Nikolaus Marzi starb 1878 und seine Frau im Jahre 1895 13. Wilhelm Marzi sen. (geb. am 10.9.1854), das dritte überlebende Kind von Nikolaus und Maria Margaretha Marzi, war wie sein Vater Landwirt. Er heiratete am 27.1.1888 in Plaidt Margarete Geisen aus Mertloch, die Tochter von Philipp Geisen und Katharina Peters. Zusammen hatten sie zwölf Kinder, allerdings verstarben zwei schon kurz nach der Geburt: 1. Christine Marzi (geb. am 3.11.1890) heiratete am 27.9.1910 Wilhelm Mösch und zog mit ihm nach Leutesdorf. Sie hatten zwei Söhne und zwei Töchter. 2. Margarethe Marzi (geb. am 24.5.1892) heiratete am 14.2.1920 in Plaidt Bartholomäus Busenthür, den Sohn von Franz Josef Busenthür und Barbara Linden aus Plaidt. Ihre beiden Töchter verheirateten sich in Plaidt: Margarethe mit Josef Albert Lotzen und Erna mit Friedrich Walter Müller. 3. Wilhelm Marzi (geb. am 8.10.1893) heiratete am 8.5.1920 in Andernach Maria Bartz, die Tochter von Peter Bartz („Säu-Pitter“)14 aus Plaidt und Anna Maria Gilles aus Landkern. 4. Anna Marzi (geb. am 2.8.1897) heiratete den Bäcker- und Konditormeister Johann Willems und zog mit ihm nach Opladen. 5. Anton Marzi (geb. am 14.7.1899) heiratete am 7.8.1924 in Andernach Katharina Rollmann aus Plaidt, die Tochter von Peter Rollmann und Gertrud Büchel. 6. Susanna Marzi (geb. am 2.5.1901) heiratete am 11.9.1926 Johann Josef Thomas aus Klotten/Mosel. 7. Johann Marzi (geb. am 8.10.1904) heiratete im Jahre 1933 Helene Schommer, Tochter von Gangolf Schommer und Gertrud Schmitz aus Plaidt. Sohn Josef heiratete Eleonore Krechel, Tochter von Jakob Krechel aus Mayen und Katharina Kölzer aus Plaidt. Er ist wie sein Vater Landwirt in Plaidt und hat zwei Töchter, Geno und Martina. 8. Philipp Marzi (geb. am 4.8.1906) heiratete Maria Schweikert aus Koblenz-Horchheim und zog nach Horchheim. Aus der Ehe ging Tochter Hiltrud hervor, die heute in Horchheim lebt. 60

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Abb. 5: Wilhelm Marzi jun. *8.10.1893 =8.7.1955

Abb. 6: Wilhelm Marzi jun. mit Ehefrau Maria, geb. Bartz, und Sohn Peter

9. Joseph Marzi (geb. am 12.9.1907) heiratete am 17.1.1932 in Plaidt Anna Breitbach. Beide hatten zwei Söhne, Karl und Toni. 10. Maria Marzi (geb. am 20.5.1910) heiratete 1933 Josef Castor aus Andernach (Doppelhochzeit mit ihrem Bruder Johann). Sohn Werner heiratete Elisabeth Hilt und ist als Architekt und Diplom-Designer in Andernach tätig. Wilhelm Marzi sen. erwarb ein Wohnhaus mit Grundstück in Plaidt „an der Pfaut“ von zwei Junggesellen, den Brüdern Vogt aus Plaidt. Er verstarb am 20.1.1920, seine Ehefrau Margarethe am 6.9.1949. Wilhelm Marzi jun. (3.), Großvater des Verfassers, war Werkmeister bei der Firma Meurin in Plaidt und in seiner Freizeit mit Leib und Seele Feuerwehrmann. Maria Bartz, seine Ehefrau, hatte am 14.5.1917 in erster Ehe den Plaidter Nikolaus Schäfer geheiratet, doch dieser fiel schon drei Wochen später, am 3.6.1917 im Ersten Weltkrieg. Wilhelm und Maria Marzi (geb. Bartz) heirateten am 8.5.1920 in Andernach, erwarben zusammen mit der Familie Friedrich Batta einen Doppelhaus-Rohbau an der Ecke Miesenheimer-/Rauschermühlenstraße, den sie gemeinsam ausbauten. Am 10.2.1921 wurde Sohn Peter geboren, der am 12.9.1941 als junger Soldat bei Nowgorod in Rußland fiel. Auch der zweite Sohn, Johann Josef, mußte zum Militärdienst und kämpfte als Soldat bei Stalingrad. Nachdem er nach längerer Gefangenschaft nach Plaidt zurückgekehrt war, lernte er Anna-Maria Kleiner kennen, die Tochter von Peter Wilhelm Kleiner aus Kretz und Anna Maria Frank aus Plaidt. Sie heirateten am 2.2.1948 in Andernach. Johann Josef Marzi war als Nachfolger von Lorenz Lauterbach über 40 Jahre als Küster, Organist und Chorleiter bei der katholischen Pfarrgemeinde in Plaidt angestellt. Nebenbei verdiente er sich als Chorleiter verschiedener Männergesangsvereine in den Nachbarorten ein Zubrot. Vielen Plaid61

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ter Bürgern ist er als Torwart des FC „Alemannia“ Plaidt noch ein Begriff. Die erste Wohnung bezog man über dem damaligen Kindergarten an der Pfarrkirche. Nach dem Tode seines Vaters Wilhelm (8.7.1955) zog Johann Josef Marzi mit seiner Familie in die Wohnung seiner Mutter in die Miesenheimerstraße. Aus der Ehe gingen die Kinder Klaus, Annelie, Trudel, Hedwig und Werner hervor. Letzterer trat in die Fußstapfen des Vaters und ist heute als Kirchenmusikdirektor und Kantor in Duisburg tätig. Johann Josef Marzi starb am 10.1.1993 im Andernacher Krankenhaus an den Spätfolgen eines Herzinfarktes.

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Die Familie Geil Wie früher üblich tauchen bei der Familie Geil die unterschiedlichsten Schreibweisen, manchmal sogar innerhalb einer Familie auf, z.B. Gehlen, Geylen, Gayllen oder Geilen. In diesem Beitrag wird bei allen Namen die heutige Plaidter Schreibweise Geil verwendet. Der Ursprung der Plaidter Familie Geil ist in Gondorf an der Mosel zu suchen, wo ein Matthias Gehlen mit seiner Ehefrau Maria Magdalena15 erwähnt ist. Ein Sohn, Nicolaus, der um das Jahr 1700 geboren wurde, tritt als erster Stammvater in Plaidt um das Jahr 1726 auf. Ein anderer Sohn namens Peter (geb. am 28.5.1710) ehelichte am 14.12.1732 in Niedermendig Anna Juliana May,16 die Tochter von Wilhelm May und Maria Mannebach. Sie hatten insgesamt elf Kinder, deren Nachfahren heute unter dem Namen Geilen in Nieder- und Obermendig ansässig sind. Der oben genannte Nicolaus Geil (Gehlen) aus Gondorf heiratete am 11.4.1726 in Plaidt Christina Wolscheid. Diese war die Tochter des Müllers Wilhelm Wolscheid und dessen Ehefrau Elisabeth, geb. Marci, die in Plaidt die „Obermühle“ als Pächter betrieben. Diese Mühle, auch Olbrück’sche oder Bassenheimische Mühle genannt, lag im Dorf am Krufter Bach, an der Straße „Hinter der Mühle“, auf dem heutigen Grundstück Müller/Kurth. Sie war in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von Freiherr Georg Anton von Waldbott zu Olbrück an den Vater von Wilhelm Wolscheid, Anton Wolscheid aus Miesenheim und dessen Ehefrau Christina, verpachtet worden.

Abb. 7: Die Olbrück’sche oder Obermühle, neu erbaut im Jahr 1864

Christina Wolscheid heiratete in erster Ehe am 8.2.1718 Johann Polch aus Ochtendung. Dieser erfror auf tragische Weise am 19.1.1726 in der Nähe von Eich. 17 Die vier kleinen Kinder brauchten einen neuen Vater und Christina Wolscheid heiratete Nicolaus Geil. Aus dieser zweiten Ehe gingen drei Kinder hervor: Anna Christina, die mit 15 Jahren starb, Balthasar, der mit 14 Jahren im Räderwerk der Mühle zu To64

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Abb. 8: Engelbert Geil *8.10.1875 =12.10.1911

Abb. 9: Eva Geil, geb. Schäfer, 22.9.1877 =8.8.1950

de kam und Jacob, der später als Müller nach Föhren (bei Trier) ging und dort mit 67 Jahren verstarb. Christina Geil starb am 26.5.1732 und Nicolaus Geil heiratete im Jahre 1734 in zweiter Ehe Margaretha Richter, die Tochter von Anton und Lucia Richter aus Polch. Mit ihr hatte er insgesamt acht Kinder: 1. Maria (*5.12.1734 =?) 2. Anna (*18.2.1736 =?) 3. Anna Maria (*15.5.1737 =14.11.1741) 4. Wilhelm (*1.11.1739 =28.2.1741) 5. Johann Jakob (*9.5.1741 =14.11.1799) 6. Barbara (*10.5.1743 =?) 7. Maria Elisabeth (*12.10.1744 =23.10.1794) 8. Catharina (*9.3.1750 =?). Johann Jakob Geil (5.) erwarb das Erbrecht auf die Mühle seines Vaters und heiratete am 14.11.1766 Anna Maria Wilkes, die Tochter von Johann Balthasar Wilkes und Anna Catharina Engels. Gemeinsam hatten sie zehn Kinder, von denen allerdings vier schon frühzeitig verstarben. Der erste Sohn, Severin, bat am 14.5.1801 um eine neue Belehnung der Bassenheimischen Mühle und erhielt den entsprechenden Pachtbrief. Er heiratete im Jahre 1803 Genoveva Kütscher, die Tochter von Michael Kütscher und Elisabeth Köntgen aus Obermendig. Von den insgesamt zwölf Kindern starben drei schon frühzeitig. Sechs Kinder verheirateten sich in Plaidt: Anna Maria am 3.9.1835 mit Johann Kehrig aus Obermendig, Maria Anna am 28.10.1832 mit Johann Georg Wilbert aus Miesenheim sowie Jakob am 13.11.1851 mit Maria Catharina Marci aus Plaidt. Johann Geil heiratete Magdalena Weidenbach aus Plaidt und Christina Geil Anton Kurth aus Köln-Bickendorf. 65

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Der erste Sohn Matthias (geb. am 6.2.1810) erbte die Mühle seines Vaters und ehelichte am 21.7.1835 in Plaidt Barbara Schneider, die Tochter des Landwirtes Johann Schneider und dessen Frau Gertrud Bartz aus Trimbs. Von den insgesamt neun Kindern aus dieser Ehe verheirateten sich fünf in Plaidt, deren Familien noch heute im Ort ansässig sind: 1. Peter Geil (geb. am 21.3.1836) ehelichte am 22.9.1865 Genoveva Strahl aus Obermendig, Tochter von Andreas Strahl und Maria Anna Mohr. 2. Elisabeth Geil (geb. am 17.11.1838) heiratete am 4.4.1864 in Plaidt den Mertlocher Anton Vogt. 3. Jakob Geil (geb. am 19.9.1841) heiratete am 11.1.1866 in Plaidt Juliane Schmitz, die Tochter des Plaidter Landwirtes Friedrich Schmitz und dessen Frau Luzia Frank. 4. Engelbert Geil (geb. am 18.12.1843) heiratete am 15.1.1873 in Plaidt Anna Hillesheim, Tochter von Peter Josef Hillesheim und Gertrud Frickel aus Kettig. 5. Christina Geil (geb. am 30.9.1849) ehelichte am 28.4.1874 Johann Stefan Marci, Sohn von Matthias Marci und Anna Barbara Lehmann aus Plaidt. Jakob Geil (3.) war von Beruf Gastwirt und betrieb die Gaststätte und Poststation18 „zur Post“ in der Bahnhofstraße, dem heutigen Speiselokal „Kreta“. Neun Kinder wurden in den Jahren zwischen 1866 und 1878 geboren. Fünf starben schon im ersten Lebensjahr. Tochter Barbara (geb. am 7.6.1866) heiratete am 7.7.1890 Walter von der Hütten. Tochter Genoveva heiratete den Landwirt Friedrich Mürtz, Sohn von Anton Mürtz aus Plaidt und Gertrud Bonlanger aus Nickenich.

Abb. 10: Karl Geil *31.1.1981 =26.3.1981

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Abb. 11: Eva-Maria Geromont 1.10.1903 =30.9.1935

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Abb. 12: Karl Geil und Eva-Maria Geromont im Jahr 1915

Sohn Engelbert (geb. am 8.10.1875) war Gastwirt und Kaufmann. Er betrieb die Gaststätte seines Vaters weiter und heiratete am 22.6.1897 Eva Schäfer, Tochter des Bäckermeisters Jakob Schäfer und dessen Ehefrau Maria Preuser aus Urmitz. Engelbert Geil war übrigens Mitbegründer der Plaidter Feuerwehr. Die drei Kinder aus dieser Ehe waren: 1. Karl Geil (geb. am 31.1.1898) 2. Adam Engelbert Geil (geb. am 22.6.1900) 3. Jakob Walter Geil (geb. am 29.7.1904). Engelbert Geil verstarb am 12.10.1911, seine Ehefrau Eva am 8.8.1950. Sohn Karl (1.) war von Beruf Elektroingenieur und in seiner Freizeit passionierter Jäger. Er baute ein Haus in der Römerstraße und heiratete am 7.12.1925 in Bornhofen Eva-Maria Geromont, die Tochter des Bingener Gutsbesitzers Nikolaus Ignaz Geromont und dessen Ehefrau Paula Rumpf von der Rumpfmühle in Gensingen. Drei Kinder gingen aus dieser Ehe hervor: Walter Franz Lothar, Maria Gisela und Bodo Engelbert, die alle in Plaidt ansässig sind. Die beiden Söhne Walter und Bodo nahmen im Jahre 1970 den Geburtsnamen ihrer Mutter (Geromont) an. Sohn Adam Engelbert (2.) heiratete Maria Scherhag aus Ochtendung und hatte mit ihr fünf Söhne. Sohn Jakob Walter (3.) heiratete am 19.8.1931 Maria Margaretha (Meta) Sauerborn aus Plaidt und hatte mit ihr zwei Söhne und drei Töchter.

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Die Schreibung der Familiennamen war - im Unterschied zu heute - nicht festgelegt; sie konnte z.B. bedingt durch mundartliche Unterschiede (der Schreiber) wechseln. Alle hier vorkommenden Namen werden in der „heutigen“ Schreibweise aufgeführt. 2 Bruderschaften waren kirchliche Verbindungen von (meistens) wohlhabenderen Bürgern mit dem Zweck u.a. in Not geratenen Mitbürgern wirtschaftlich beizustehen. 3 Plaidt, Saffig, Miesenheim von Helmut S CHOMMER, Köln; Polch, Ruitsch, Ochtendung, Mertloch von Karl-Heinz REIF und Hermann MÜLLER; Allenz, Hausen, Berresheim und Umgebung der Stadt Mayen von Karl-Heinz R EIF und Reinhold RÖSER. 4 Im Familienbuch Plaidt ist „Bürresheim“ angegeben, es könnte sich aber um den am 4.11.1769 geborenen Jacobus Marci aus dem Familienbuch Berresheim, den Sohn von Nicolaus Marci und dessen Frau Maria handeln. 5 Familienbuch Plaidt von Helmut SCHOMMER, Seite 297 6 Die Nachkommen sind u.a. als Wirte des „Eifler-Hofes“ belegt. 7 Familienbuch Polch von Karl-Heinz R EIF und Hermann MÜLLER, Seite 218 8 Nachname ist nicht bekannt 9 Pächter eines Gutshofes 10 Übernahme der Pfarrei Plaidt am 24.6.1689. Seine Grabplatte lag nahe der Sakristei an der alten Kirche. 11 Der Gutshof der Grafen von der Leyen lag damals im Bereich der heutigen Bäckerei Gemein in der Hauptstraße. 12 Neben der früheren Bäckerei Unger. 13 Genauere Daten sind nicht bekannt. 14 „Säu-Pitter“ war der Spitzname für den sogenannten „Kopfschlächter“ (Hausschlächter), hauptsächlich von Schweinen. 15 Familienbuch-Plaidt von Helmut SCHOMMER, Seite 69 16 Familienbuch-Niedermendig/Obermendig von REIF/RÖSER, Seite 257 17 Familienbuch-Plaidt von Helmut SCHOMMER, Seite 240 18 Hier wurden früher auch die Pferde der Postkutschen gewechselt.

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Wolfgang Horch und Frank Neupert

Ortstypische Straßenbezeichnungen: „Gelbe Gefahr“, „Im Holland“, „Kamerun“, „Klein-Korea“, „An der Kirchport“ Wolfgang Horch und Frank Neupert Wenn manche Plaidter „Urgesteine“ sich unterhalten, sprechen sie mitunter von Straßen, die man beim besten Willen nicht im Ortsplan finden kann. Das kommt daher, daß sich für einige „Gegenden“ oder Straßen neben den offiziellen noch andere Bezeichnungen eingebürgert haben. Der Plaidter Geschichtsverein will dem auf den Grund gehen und gelegentlich in den „Plaidter Blättern“ Erklärungen für diese ortstypischen Begriffe geben.

Abb. Auszug Gemarkung Plaidt aus Blatt 5610 der Topografischen Karte 1 : 25.000 des Landesvermessungsamtes Rheinland-Pfalz (Ausgabe 1989) mit Eintragung der aufgeführten ortstypischen Straßennamen

„Gelbe Gefahr“ ist die im Ort gebräuchliche Bezeichnung für die Karl-Marx-Straße. Um 1928 sind die ersten Häuser auf der rechten Seite von der Rauschermühlenstraße her gesehen gebaut worden. Die ausführende Firma hatte die Häuser verputzt und in einem kräfti71

Ortstypische Straßenbezeichnungen

gen Gelbton angestrichen. Daraus leitet sich der noch heute übliche Begriff „Gelbe Gefahr“ für die Karl-Marx-Strasse ab. Die Siedlung liegt zudem im Osten von Plaidt. Der Begriff der „Gelben Gefahr“ war entstanden nach dem Boxeraufstand in China (1900) und dem Sieg Japans über Rußland (1904/ 05) und den Zeitgenossen noch sehr präsent. Gelb gestrichene Häuser im Osten von Plaidt - das ist die „Gelbe Gefahr“. „Im Holland“1 Gemeint ist damit die Rathenaustraße. Das Gelände gehörte zumindest bis zum Ersten Weltkrieg zum Pommerhof. Die beiden ersten Häuser mit den Hausnummern 1, 3, 5 und 7 sowie 9, 11, 13, und 15 sind von der Familie Herfeldt als Besitzer des Pommerhofes um 1870 gebaut worden. Jedes Haus besteht aus vier Wohneinheiten. Zwei Eingänge liegen zur Strasse hin und zwei zur Rückseite. Jeder Familie war ein Stück Garten zugeordnet. Ein holländischer Baumeister oder Architekt soll die Häuser geplant haben. Hier wohnten Angestellte des Pommerhofes, zum Beispiel der Schmied, der Fuhrwerker und Kutscher sowie die jeweiligen „Schweizer“; so nennt man ausgebildete Melker und spezialisierte Fachleute für Rindvieh. Die beim Pommerhof tätigen „Schweizer“ stammten um die Jahrhundertwende aus Holland. Bei so viel holländischem Einfluß liegt es nahe, daß die Häuser schnell „Hollandhäuser“ hießen, und der von hier in den „Remmerich“ (das war nicht die heutige Straße „Im Remmerich“, sondern der obere Teil der Goethestraße mit der Kreuzung Römerstraße) führende Weg „Hollandspetsche“ genannt wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Häuser verkauft. Die Wohneiheit Nr. 5, also ein Viertel des Hauses, erwarben am 28. Juli 1928 die Eheleute Franz Müller und Maria (geb. Seul) von der Gutsverwaltung des Pommerhofes. Wohl Mitte der 20er Jahre wurde „Im Holland“ der offizielle Straßenname „Rathenaustraße“ gegeben nach dem am 24.6.1922 ermordeten Reichsaußenminister Walter Rathenau. Gerade die Nazis sahen in Rathenau als Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) einen ihrer ideologischen Hauptgegner. Daher ist es nicht verwunderlich, daß „Im Holland“ während der NS-Zeit umbenannt wurde. „Her72

Wolfgang Horch und Frank Neupert

bert-Norkus-Straße“ hieß sie damals. Herbert Norkus (* 26.7.1916) war ein Hitlerjunge, der am 24.1.1932 bei einer Schlägerei mit Anhängern der KPD in Berlin ums Leben kam. Er wurde hochstilisiert zum Vorbild der Hitlerjugend. Das Schicksal von Herbert Norkus lieferte den Stoff für den Propagandafilm „Hitlerjunge Quex“ aus dem Jahr 1933.2 Erst nach dem Ende des NS-Regimes wurde „Im Holland“ wieder die Rathenaustraße. „Kamerun“ Das ist die Stelle, an der die Saffiger aus der Ochtendunger Straße abzweigt. Hier wurden um 1890 auf der rechten Seite drei oder vier Häuser von dem Plaidter Kaufmann und Gastwirt Max-Felix Zillien aus Güls (*04. Oktober 1834, =10. März 1896) erbaut. Es waren die ersten Häuser, die damals weit außerhalb des Dorfkerns im Süden, jenseits der Nette errichtet wurden. Die seit 1884/85 einsetzende Kolonialpolitik des Deutschen Reiches mit den afrikanischen Kolonien („Schutzgebiete“) Togo, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika und Deutsch-Ostafrika, war zweifellos maßgeblich für die ortsübliche Bezeichnung Kamerun (Land im Süden, jenseits des großen Wassers - der Nette).3 „Klein Korea“ Der Koreakrieg dauerte vom 25. Juni 1950 bis zum 27. Juli 1953. In dieser Zeit wurde der Wankelburgsweg als Baugebiet erschlossen und die Häuser gegenüber der „Burg-Quelle“ gebaut. Die Bauherren sind gerade in der Anfangsphase des öfteren aneinander geraten. Daher bot sich analog zum Zeitgeschehen der Vergleich mit den Streitigkeiten zwischen Nordund Südkorea an. Offenbar wurden die Differenzen bald beigelegt, so daß die Bezeichnung „Klein Korea“ für den Wankelburgsweg im Ort nicht sehr gängig geworden ist. „An der Kirchport“ heißt der Teil der Hauptstraße von der Einmündung in die Niederstraße bis zur Abzweigung nach Miesenheim. Die Einmessung des Standortes der alten Plaidter Pfarrkirche, die der Plaidter Geschichtsverein im Juni 2002 vorgenommen hat, belegt, daß die Treppe zur 73

Ortstypische Straßenbezeichnungen

Pforte der Kirche ziemlich genau an der Ecke Hauptstraße/Alter Kirchplatz gelegen hat, wodurch sich die ortstypische Bezeichnung ergeben hat.

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Für ergänzende Angaben ein herzliches Dankeschön an Hermann DEGEN und Franz MÜLLER. ZENTNER, Christian/BEDÜFTIG, Friedemann (Hgg.): Das Große Lexikon des 3. Reiches, München 1985, S. 420; Landeshauptarchiv Koblenz Best. 700,145 Nr. 128/9. Während der NS-Zeit waren, wie in anderen Gemeinden auch, in Plaidt einige Straßen „zeitgemäß“ umbenannt worden, typischerweise diejenigen, die die Namen nicht systemkonformer Politiker trugen. Aus der Erzberger- wurde die „Schlageterstraße“. Albert Leo Schlageter war Nationalsozialist, der während der Besetzung des Ruhrgebietes an Sabotageakten gegen die französischen und belgischen Truppen teilnahm und deswegen 1923 zum Tode verurteilt und folglich von den Nazis als Held verehrt wurde (vgl. B RANDT, Rolf: Albert Leo Schlageter. Leben und Sterben eines deutschen Helden, Hamburg 1926; R EHBEIN, Arthur: Für Deutschland in den Tod. Leben und Sterben Albert Leo Schlageters, o.O. 1928; dagegen eine neuere Untersuchung: F RANKE, Manfred: Albert Leo Schlageter. Der erste Soldat des 3. Reiches. Die Entmythologisierung eines Helden, Köln 1980). Die Friedrich-Ebert-Straße wurde zur „Gustav-Simon-Straße“ nach dem Leiter des Gaues Koblenz-Trier, seit Februar 1941 Gau Moselland (zu biographischen Angaben vgl. HÜTTENBERGER, Peter: Die Gauleiter. Studie zum Wandel des Machtgefüges in der NSDAP, in: Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 19/1969, S. 218). Die Bahnhofstraße war damals die „Hitlerallee“. Für ergänzende Angaben ein herzliches Dankeschön an Josef N ACHTSHEIM (=).

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Maria Zaar-Görgens

Wer kannte Stefan Baretzki? Über einen Blockführer in Auschwitz-Birkenau Maria Zaar-Görgens1 Der 26jährige Stefan Baretzki kam im Herbst 1945 nach Plaidt. Entlassen aus russischer Gefangenschaft, in die er Anfang Mai 1945 geraten war, begleitete er seinen Freund, den Elektromeister Peter D. aus Plaidt. Ihm - so heißt es im ehemaligen Bekanntenkreis - soll Baretzki einmal das Leben gerettet haben. Stefan Baretzki erwies sich als fleißiger und hilfsbereiter Mensch, der sich vor keiner Arbeit scheute. Als Hilfsarbeiter verdiente er sein Auskommen beim Landwirt und Kohlenhändler Johann Wilhelm Marci und war sich während der Kartoffelernte auch als Sackträger bei der Kartoffelgroßhandlung Peter Weinand nicht zu schade. Anfangs wohnte er im „Eifler Hof“, der Josef Marci gehörte, später lebte er bei seiner Freundin.

Abb.1: Stefan Baretzki während des Krieges (Foto: dpa, taz. vom 27. 1. 95)

Bekannte und Freunde waren schockiert und überrascht, als Baretzki im April 1960 festgenommen, in Untersuchungshaft2 nach Frankfurt überführt wurde und sich als ein Täter im großen Frankfurter Auschwitz-Prozeß zu verantworten hatte. Dabei war er schon in Plaidt durchaus auffällig geworden, hatte sich als jähzornig erwiesen und ab und an Naziparolen verlauten lassen: So wurde er im Mai 1953 im Zusammenhang mit einer Schlägerei zu 21 Tagen verschärftem Arrest verurteilt, im April 1955 erhielt er wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt eine Geldstrafe von 75 Mark, 14 Monate später wurde er erneut wegen Körperverletzung mit 300 Mark bestraft. Dies sei aber alles - so wird dies von den Zeitzeugen entschuldigend erklärt nur unter Alkoholeinfluß geschehen. Insgesamt hatte man Baretzki als umgänglichen 75

Wer kannte Stefan Baretzki?

und höflichen Menschen kennengelernt, zu dem auch die Kinder gerne spielen kamen. Niemand will etwas von seiner Vergangenheit in Auschwitz, im größten der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager, gewußt haben. Als am 20. Dezember 1963 im Frankfurter Römer, dem damals größten Saal der Stadt Frankfurt, die „Strafsache Mulka und andere“ zur Verhandlung aufgerufen wurde - der Prozeß sollte immerhin einige Jahre dauern -, standen neben Baretzki noch 19 weitere Lagerfunktionäre vor Gericht, die aus Mordlust oder anderen niedrigen Beweggründen, grausam oder heimtückisch ... getötet oder Tötungen unterstützt ... haben sollen.3 Es handelte sich also nicht, wie der Historiker Norbert Frei zu Recht betont, um Schreibtischtäter, die hier vor Gericht standen, sondern um Täter und konkret und strafrechtlich korrekt faßbare einzelne Verbrechen, die zwar vielfach, aber keineswegs ausschließlich von untergeordneten Schergen begangen worden waren.4 Von den Angeklagten hatte Baretzki freilich den niedrigsten Dienstgrad eingenommen. Nicht nur dies unterschied ihn von seinen Mitangeklagten, zu denen Ärzte, Apotheker und andere Akademiker gehörten. Er galt als „primitivster“ unter ihnen. Im Gegensatz zu den anderen durchbrach er aber die „Mauer des Schweigens“,5 die die SS-Chargen und Zeugen angesichts der Holocaust-Greuel aufgerichtet hatten, und belastete seine Mitangeklagten. Seine Schilderungen der Zustände im Vernichtungslager waren beklemmend lebendig; ein Prozeßbeobachter kommentierte: Manchmal hat es den Anschein, als ob er immer noch Blockführer in Auschwitz wäre...6

Abb. 2: Polizeifotos von Stefan Baretzki 1960, Foto dpa

Wer ist nun Stefan Baretzki, was wurde ihm zur Last gelegt? 1919 in Czernowitz (Rumänien) geboren, verlor er seinen Vater, einen Telefonmechaniker, als er 19 Jahre alt war. Er besuchte die Volksschule und machte eine Ausbildung als Strumpfwirker. Baretzki arbeitete nach der Lehre als Maschinenführer in einer Strumpffabrik in Czernowitz. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Rumänien wurde er Ende 1940 nach Deutschland als Volksdeutscher umgesiedelt; nach eigenen Angaben wurde in der Kirche verkündet, daß alle Volksdeutschen sich zur Umsiedlung melden sollten.7 Er folgte der Aufforderung und kam später nach Breslau, wo die jungen Männer für die Waffen-SS gemustert wurden; dies sei ihnen aber nicht gesagt worden.8 Hermann Langbein, der beste Kenner des Auschwitz-Prozesses, der selbst zwei Jahre in Auschwitz verbrachte, zählt Baretzki damit zu den mehr oder weniger zufällig nach Auschwitz gekommenen SS-Männern. Wohl schon Ende 1941 - in dieser Zeit war der Umbau des Lagers für die „Endlösung der Judenfrage“ in vollem Gange 76

Maria Zaar-Görgens

- diente er bis 1942 in der Wachkompanie.9 Ihm wurde vorgehalten, daß er in dieser Zeit einen Häftling erschossen hätte, was von Baretzki nicht bestritten wurde: Ich habe aus meiner Pistole nur einmal geschossen. Da war ich noch im Wachsturm und tat Dienst im Turm. Ich mußte auf einen Häftling schießen, wie er in die Sperrzone vor dem elektrisch geladenen Draht gelaufen war, um Selbstmord zu begehen. Man mußte in solchen Fällen schießen. Mit einem Satz ist der Häftling im Zaun. Selbst wenn man ihn trifft, kommt der Häftling noch an den Draht. Wenn es einer trotzdem fertigbrachte, ihn vorher zu erschießen, bekam er sieben Tage Urlaub.10 Von März bis August 1943 war er Kommandanturläufer,11 im August, vermutlich im Kontext der zahlreichen Umbesetzungen in den Führerstellen im Lager,12 wurde er zum Blockführer in Birkenau ernannt. Baretzki wurde wie alle SS-Männer in Auschwitz einer kontinuierlichen „Belehrung“ unterzogen. Durch diesen Drill wurde den Männern bedingungsloser Gehorsam und blinde Treue gegenüber dem Führerwillen sowie das Bewußtsein, einer Elite anzugehören, „eingehämmert“.13 Zur in der Waffen-SS gezüchteten Mentalität gehörte ein ausgeprägtes Freund-Feind-Bewußtsein. Die Formen und Mittel der Belehrung waren vielfältig; Baretzki berichtete z.B. von der Vorführung von Hetzfilmen: Damals wurden uns Hetzfilme gezeigt, wie „Jud Süß“ und „Ohm Krüger“. An diese beiden Titel kann ich mich erinnern. Und was für Folgen das für die Häftlinge hatte! Die Filme wurden der Mannschaft gezeigt - und wie haben die Häftlinge am nächsten Tag ausgesehen! 14 Seine Zeit als Blockführer in Birkenau ist durch Gewalt und Sadismus gekennzeichnet. Baretzki war allen als „Schrecken des Lagers“ bekannt,15 der damit prahlte, daß der gleich umfällt, den er einmal schlägt.16 Sein „Spezialschlag“ war berüchtigt. Ein Zeuge im Auschwitz-Prozeß erzählte: Er hat mit Hand und Ellbogen geschlagen. Dann trat er auch in gefährliche Stellen. Ich habe manche Opfer von ihm nachher im Krankenhaus gesehen. Ich kann mich genau an einen Juden erinnern, der lag im Sterben. Er war so getreten, daß die Genitalien derart geschwollen waren und so voll Eiter, daß man es nicht beschreiben kann. Er sagte, Baretzki hätte das gemacht. Später hat mir der Blockälteste mitgeteilt, daß dieser Jude nicht mehr lebt.17 Als Blockführer gehörte es zu Baretzkis Aufgaben, turnusweise zur „Rampe“18 zu gehen, auf die Deportierten zu warten und sie ins Lager zu überführen. Anfangs zwar von ihm vehement bestritten,19 war er damit daran beteiligt, die Neuankömmlinge zu selektieren: Er entschied, wer gesund und kräftig genug für den Arbeitsdienst war - die Arbeitsunfähigen wurden in die Gaskammern geschickt. Menschenverachtende Härte, von der SS-Propaganda als „Qualitätsnorm“ idealisiert,20 kennzeichnete dabei sein Vorgehen; er galt als aktiver Treiber mit der Peitsche in der Hand. Simon Gotland, der in Auschwitz im Aufräumungskommando auf der „Rampe“ arbeitete und im Prozeß befragt wurde, beschrieb den angeklagten Baretzki und schilderte einen Vorfall, der in seiner Grauenhaftigkeit wohl kaum zu überbieten ist: Ja, ich habe ihn [Baretzki] dort einige Male gesehen. Er hatte immer einen Stock in der Hand, er hat immer geschrien. Er war so aktiv, daß ich es nicht beschreiben kann. Einmal kam ein Zug mit etwa 3000 Menschen. Ich war immer einer von den letzten, die am Zug waren. Die Menschen waren alle krank. Baretzki sagte mir: „Du hast 10 bis 20 Minuten Zeit, dann sind alle Menschen aus den Waggons!“ Eine Frau schrie laut, sie war gerade während der Geburt. Ich zog das Kind aus der Frau und habe es in Kleidungsstücke eingewickelt und neben der Frau auf den Boden gelegt. Dann brachte ich ein Lebensmittelpaket zur Mutter. Baretzki kam mit dem Stock auf mich zu und schlug mich und 77

Wer kannte Stefan Baretzki?

Abb.2: Lageplan von Auschwitz (entnommen:Langbein, Auschwitz-Prozeß, S.929).

die Frau. Er schrie mich an: „Warum spielst du noch mit dem Dreck!“ und trat nach dem Kind, daß es fortfiel wie ein Fußball. Dann befahl er mir: „Bring die Scheiße hierher!“ Das Kind war tot. Als ich später wieder an die Stelle kam, war die Mutter auch tot.21 Zu Baretzkis Pflichten gehörte es außerdem, die Häftlinge des „Kanada“-Kommandos, eines Spezialkommandos für die Sammlung all der Güter, die den Opfern bei der Ankunft abgenommen wurden,22 zur „Rampe“ zu bringen. Dies bot ihm die Möglichkeit - und hier bildete Baretzki keine Ausnahme unter der durchaus als korrupt zu bezeichnenden SS-Wachmannschaft -, „Geschäfte“ mit den Habseligkeiten der Deportierten zu machen, denen sogar Kleidungsstücke und Essen abgenommen 78

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wurden.23 Baretzki zeigte sich auch bei anderen Gelegenheiten nicht abgeneigt, aus der Not der Häftlinge Kapital zu schlagen: So besorgte er für viel Geld den in Auschwitzer Sonderkommandos beschäftigten Juden Alkohol. Die Juden beschafften sich das verlangte Geld, indem sie die Kleidung der für die Vergasung bestimmten Häftlinge „umsetzten“.24 Nicht Befehlsnotstand bestimmte Baretzkis Verhalten25 - und dies wurde im Urteil später deutlich formuliert -, sondern reine Mordlust und Sadismus lenkten sein Verhalten gegenüber den Lagerinsassen. Ohne Befehl handelte er grausam; Bestrafungen führte er brutal aus, er hielt sie für notwendig, um die Ordnung im Lager aufrechtzuerhalten: Sonst konnte man ja das Lager überhaupt nicht in Schuß halten. Da waren doch zehntausende Häftlinge. Anders wäre es gar nicht möglich gewesen ... Mit Güte konnte man sich im Lager nicht durchsetzen.26 Zeugenaussagen über einen „Bestrafungsakt“, an dem Baretzki mitgewirkt hatte, und der in der Voruntersuchung noch nicht bekannt geworden war, führten während des Frankfurter Prozesses zu einer Nachtragsanklage: Mitte 1944 hatte sich ein russischer Häftling vor dem Arbeitseinsatz gedrückt und war eingeschlafen. Er wurde später gefunden und strengstens bestraft. Mithäftlinge protestierten angesichts dieser Bestrafung; dies wurde vom Kommandoführer als Aufstand interpretiert, woraufhin auch diese Häftlinge geprügelt wurden: Als wir in das Lager zurückmarschierten, mußte ein Teil des Kommandos zur Strafe bei der Küchenbaracke stehenbleiben. Baretzki und andere SSler inspizierten diesen Strafappell. Mir [dem Zeugen Doering] ist es nach einiger Zeit gelungen, in die Baracke zu kommen; die Häftlinge der Feuerwache, die aufzupassen hatten, daß sich niemand entfernen konnte, paßten nicht genau auf. Nach etwa zwei Stunden Stillstehen fielen die ersten um. Daraufhin wurden sie geschlagen. Zwanzig Meter von dem Platz entfernt, wo die Häftlinge stehen mußten, war ein Wasserreservoir. Baretzki hat Häftlinge ins Wasser hineingeworfen - es dürften vielleicht fünf gewesen sein. Wenn diese versuchten, an den schrägen Wänden des Löschteiches herauszukommen, hat sie Baretzki mit Füßen zurückgestoßen. Keiner konnte heraus.27 Angesichts der zahlreichen Grausamkeiten Baretzkis, der leichthin einen Häftling erschlug, weil er ihn, den SS-Mann, zu spät gegrüßt hatte,28 fällt es schwer, eine andere Seite seines Verhaltens zu verstehen. So ist dokumentiert, daß Baretzki im Kontext der Liquidierung des Theresienstädter Familienlagers zusammen mit anderen um das Leben der Kinder gebeten hatte.29 So sprach er beim Schutzhaftlagerführer Schwarzhuber vor, damit die Frauen im berüchtigten Lagerabschnitt „Mexiko“30 mehr Wasser erhielten; Baretzki wurde damit abgewiesen: Das geht Sie doch nichts an, Sie müssen endlich einmal begreifen, daß das Juden sind!“31 Auffallend milde verhielt er sich auch gegenüber Häftlingen, die aus seiner Heimatregion32 stammten. Als er während eines Urlaubs 1943 in Rumänien seiner Mutter und seinem Bruder von den Vergasungen in Birkenau berichtete und diese ihm rieten, nicht wieder nach Auschwitz zurückzukehren, sondern in die Berge zu gehen, so habe er dann gedacht, wenn ich nicht zurückkehre, werden womöglich Repressalien gegen meine Mutter ergriffen.33 Stefan Baretzki wurde am 20.August 1965 verurteilt. Er wurde in fünf Fällen des Mordes schuldig erkannt und zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Zusätzlich wurde er der Beihilfe zum Mord in mehreren Fällen schuldig gesprochen: Bei mindestens fünf Selektionen, von denen bei jeder mindestens 1.000 Menschen dem Tod überantwortet wurden; bei mindestens fünf Lagerselektionen, von denen jede mindestens 50 79

Wer kannte Stefan Baretzki?

Menschen erfaßte. Für jede Tat wird eine Strafe von 3 ½ Jahren Zuchthaus ausgesprochen. Für die Mitwirkung an der Räumung des Theresienstädter Familienlagers, die besonders grausam war und 3.000 Menschen betraf, erhält Baretzki eine Strafe von 5 Jahren. Da der Angeklagte Auslandsdeutscher ist und durch den Einfluß des Milieus und seine Schulung zum Mörder wurde, ist das Gericht an der untersten Grenze der zeitlichen Freiheitsstrafen geblieben. Diese werden zu einer Gesamtstrafe von 8 Jahren Zuchthaus zusammengezogen. Gleichzeitig wird Ehrverlust für Lebenszeit ausgesprochen.34 Stefan Baretzki sitzt noch heute im Gefängnis Butzbach ein; es heißt, daß er die Möglichkeit, entlassen zu werden, nicht genutzt habe. Als Hermann Langbein ihn nach der Urteilsverkündung - vermutlich noch 1965 - im Gefängnis besuchte, habe er Langbein gesagt, daß er immer an Auschwitz denke: Hoffentlich kommt das nicht wieder!35

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Neben den schriftlichen Quellen über Stefan Baretzki - hier sind vor allem die Aufzeich nungen von Hermann Langbein während des Frankfurter Prozesses zu nennen (L ANGBEIN, Hermann: Der Auschwitz-Prozeß. Eine Dokumentation, 2 Bde. Frankfurt a. M. 1995 unveränderter Nachdruck der Erstausgabe, Wien 1965) - gaben mir freundlicherweise Bodo Geromont und Karl Nachtsheim über die damaligen Zeitumstände Auskunft. Ihnen sei hier herzlichst gedankt. 2 Angesichts seines niedrigen Dienstgrades im Vergleich zu seinen Mitangeklagten befremdet es, daß er bis Prozeßbeginn in Untersuchungshaft blieb; anderen, ranghöheren SS-Männern blieb die Untersuchungshaft erspart, da sie in der Lage waren, Kautionen zu stellen. Woher dieses Geld kam - bisweilen sehr hohe Summen - wurde nicht gefragt. Vgl. L ANGBEIN, Auschwitz-Prozeß, S. 38. 3 FREI, Norbert: Der Frankfurter Auschwitz-Prozeß und die deutsche Zeitgeschichtsforschung, in: Fritz Bauer Institut (Hg.): Auschwitz. Geschichte, Rezeption und Wirkung, 2. Auflage, Frankfurt, New York 1997 (= Jahrbuch 1996 zur Geschichte und Wirkung des Holocaust), S. 123-138, hier S. 123

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Ebd., S. 123f. LANGBEIN, Auschwitz-Prozeß, S. 314 6 LANGBEIN, Auschwitz-Prozeß, S. 292 7 Seine Mutter wurde anscheinend nicht umgesiedelt - im Prozeß berichtet Baretzki von ei nem Besuch bei seiner Mutter in Rumänien im Jahre 1943; auch sein Bruder sei da gewesen. Vgl. Hermann LANGBEIN: Menschen in Auschwitz. Frankfurt a.M., Berlin, Wien 1980, S. 325. 8 LANGBEIN, Menschen, S. 317 9 LANGBEIN, Auschwitz-Prozeß, S. 287 10 Ebd., S. 286 11 Ebd., S. 298 12 Vgl. LANGBEIN, Menschen, S. 56ff. 13 Ebd., S. 312 14 Ebd., S. 324 15 Vgl. Aussage des Zeugen Gwozdzik (L ANGBEIN, Auschwitz-Prozeß, S. 287) und des Zeugen Kugelmann (LANGBEIN, Auschwitz-Prozeß, S. 288) 16 LANGBEIN, Auschwitz-Prozeß, S. 289 17 Ebd. 18 Als „Rampe“ wurde das Abstellgleis bezeichnet, auf dem die Deportierten ausgeladen wurden und wo Selektionen vorgenommen wurden. 19 Vgl. LANGBEIN, Auschwitz-Prozeß, S. 286 und S. 312 20 Vgl. LANGBEIN, Menschen, S. 319ff. 21 LANGBEIN, Auschwitz-Prozeß, S. 301. Baretzki leugnete diesen Vorfall. 22 Der Begriff „Kanada“ war - so L ANGBEIN (Auschwitz-Prozeß, S. 1008) - die von polnischen Häftlingen geprägte Bezeichnung für die Stelle, an der die Güter der Deportierten ge lagert und sortiert wurden (der Wortgebrauch wird damit erklärt, daß sich die Polen unter Kanada ein Land mit unbegrenztem Reichtum vorstellten ...). 23 Vgl. LANGBEIN, Menschen, S. 329 24 Vgl. Hermann LANGBEIN: ... nicht wie die Schafe zur Schlachtbank. Widerstand in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. Frankfurt a.M. 1980, S. 233. Vgl. auch LANGBEIN, Auschwitz-Prozeß, S. 292 25 Vgl. Baretzkis Schlußworte in L ANGBEIN, Auschwitz-Prozeß, S. 317 26 Ebd., S. 315 27 Ebd., S. 303 28 Ebd., S. 294 29 LANGBEIN, Menschen, S. 105 und S. 403 30 Nach Langbein war „Mexiko“ der nicht ganz ausgebaute Lagerabschnitt III in Birkenau. Dadurch, daß in diesem Lagerabschnitt zur Zeit der Ungarntransporte im Frühling 1944 Häftlinge ohne jede Bekleidung untergebracht waren und sich diese ihre aus Kanada stammenden Decken umhängten, entstand ein buntes Bild und durch dieses die Bezeichnung, siehe LANGBEIN, Auschwitz-Prozeß , S. 1009. 31 LANGBEIN, Menschen, S. 123 32 Vgl. ebd., S. 469 33 Ebd., S. 325 34 LANGBEIN, Auschwitz-Prozeß, S. 880f 35 LANGBEIN, Menschen, S. 574 5

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Frank Neupert

Die Gründung der Volkshochschule im Jahr 1951 Frank Neupert Dieser Beitrag wurde 2001 anläßlich des 50jährigen Bestehens der VHS Plaidt verfaßt und im Programmheft abgedruckt. Er wird hier in fast unveränderter Form wiedergegeben. Hinzugfügt wurde in Abbildung 2 das vollständige Programm des ersten Semesters. Am 28. November 1951 faßte der Plaidter Gemeinderat den Beschluß, unter der Trägerschaft der Gemeinde eine Volkshochschule einzurichten. Bürgermeister Johann Michael Rollmann begründete diesen Schritt dem Mayener Landrat gegenüber damit, daß ... man im Hinblick auf den schwierigen Existenzkampf des Einzelnen jedem die Möglichkeit geben wolle, das Rüstzeug, welches er in seinem Beruf oder Gewerbe benötigt, auf billigste Art vermitteln zu helfen. Dies erschien uns besonders nötig, weil infolge der Kriegs- und Nachkriegsverhältnisse das Elementarwissen der zur Schulentlassung kommenden, sehr minimal ist. Unter dem Gesichtspunkt, daß Mittel zur Allgemeinbildung der Gemeinde reiche Früchte tragen werden, wurden auch Mittel für diesen Zweck im Etat bereitgestellt. Es war eine von allgemeiner Armut gekennzeichnete Zeit, in der aber sehr deutlich der Wille des Bürgermeisters zum Ausdruck kam, den Wiederaufbau zu fördern und den Aufschwung in Gang zu setzen, indem man Möglichkeiten der außerschulischen Fortbildung anbot, die zudem noch preisgünstig sein sollte. Rollmann bemängelte das niedrige Bildungsniveau. Das ist verständlich, konnte doch in den letzten Kriegsjahren und unter der folgenden amerikanischen und später französischen Besatzung kaum geregelter Schulunterricht abgehalten werden. Die offizielle Eröffnung der VHS Plaidt fand am 8. Dezember 1951 statt. Leiter der VHS war Rektor Weiler, sein Stellvertreter Lehrer Morbach und Geschäftsführer Walter Wirfs. Mitglieder des Kuratoriums waren Bürgermeister Rollmann, Pfarrer Hoffmann, Josef Ulhas, Albert Iven, Gutsverwalter Steinbrecher, Hans Moesta, Bahnmeister Hans Heinz, Anton Müller und Hermann Weinand. Bei der Eröffnungsveranstaltung, die um 20.00 Uhr im Hotel „Nettetal“ begann, sprach Lehrer Morbach zum Thema „Volk und Bildung“. Weiter wirkten mit der MGV. „Eintracht“ und der Kirchenchor „Cäcilia“. Im Vorwort zum ersten Programmheft 1951/52 gab Rektor Weiler seine Sicht der Dinge wider: Das deutsche Volk ist jetzt in einer Not, wie wir sie gleich schwer seit Jahrhunderten nicht erlebt haben. Abgesehen von dem wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch liegen die Wurzeln des Elends zutiefst in der ganz einseitigen auf Wirtschaft, Technik und entsprechende Wissenschaften eingestellten Entwicklung der Kultur seit dem letzten Jahrhundert. Jeder von uns ist auf irgendeinem Gebiet im Zuge der modernen Arbeitsteilung ein Spezialist, ein Fachmann geworden. Ebenso sind wir aber auch auf allen übrigen Gebieten außerhalb unseres Faches Laien, die dringend der Belehrung durch andere Fachleute bedürfen. Wenn wir die Rechte des Staatsbürgers wollen, so erfordert das eine Allgemeinbildung, die in erster Linie un83

Gründung der VHS

ser Leben als verantwortlicher Mensch und Bürger im Auge hat. Möge deshalb unsere neugegründete VHS möglichst bei allen Berufsschichten Anklang finden, damit sie durch ihre Bildungsaufgabe auch die sozialen Spannungen ausgleichen helfe ... Die Ausführungen von Rollmann und Weiler ähneln sich in ihrer martialischen Sprache. Ein feiner Unterschied liegt darin, daß Rollmann sehr direkt die Verbindung zwischen beruflichem Fortkommen und Bildung zieht und erst dann deren Mangel anführt. Wobei der Erwerb einer besseren Allgemeinbildung wieder unter den Haupt- aspekt des beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommens gestellt wird. Auch Weiler sieht die Bevölkerung in einer großen Notlage. Im Gegensatz zu Rollmann hält er Bildung aber für einen Wert an sich, dessen Aneignung jeder anstreben muß, der die Rechte eines Staatsbürgers wahrnehmen will. Dabei läßt er die berufliche Weiterbildung nicht außer Acht. Das zeigt schon der zweifellos von ihm ausgesuchte Wahlspruch des ersten Programms: Man muß nicht nur wissen, man muß auch anwenden (Goethe). Die Teilnehmergebühren waren, wie Johann Rollmann das vorgegeben hatte, sehr günstig. Für berufskundliche Kurse lagen sie zwischen 6,- und 15,- DM, für Einzelveranstaltungen zwischen 0,25 und 1,- DM. Für eine Reihe von Vorträgen wurde sogar ganz auf die Erhebung einer Einschreibegebühr verzichtet. Im ersten Rechnungsjahr wurden ziemlich genau 1.500,- DM eingenommen und auch ausgegeben. Die Gemeinde Plaidt übernahm für die VHS etwa 90,- DM „allgemeine Kosten“ und 15,- DM Mieten. Das Programm (s. Abb. 2) gliederte sich in fünf Hauptgruppen: A. Einzelveranstaltungen B. Volkshochschulkurse C. Arbeitskreise D. Unterrichts- und berufsbildende Kurse E. Heimatkundliche Wanderungen Die VHS Plaidt bot von Anfang an ein umfangreiches und vielseitiges Programm. Es würde hier zu weit führen, die Angebote der nachfolgenden Jahre ähnlich ausführlich darzustellen. Es soll genügen, einige „Highlights“ der 50er Jahre wiederzugeben. 1953/54 hielt Pfarrer Kiesewetter einen Vortrag über Das Typische der männlichen Jugend heute, die Laienspielgruppe der VHS gab das Singspiel Ali Baba und die 40 Räuber und Pfarrer Hoffmann versuchte sich 1952/53 an dem Thema Eros und Ehe. Immer wieder trug Dr. Röder aus Fahr die Ergebnisse archäologischer Grabungen in der Pellenz vor, widmete sich Hans Morbach kulturgeschichtlichen Themen und Lehrer Adams den Pflanzen und Tieren der Heimat. Es wurde ein breites Band gespannt von Religion, Philosophie über Geschichte, Heimatkunde, staatsbürgerliche Themen, über Literatur und Dichtung, Geographie, Naturwissenschaften und Technik bis hin zur Medizin. Daneben bestanden permanent Arbeitskreise für Theater, Musik, Sprachen, der eigene Arbeitskreis der Gewerkschaften und Unterrichtsund berufsbildende Kurse. Ebenfalls im Jahr 1951 wurde im Nachbarort Kruft eine VHS gegründet, die sich jedoch nicht halten konnte. Die Plaidter VHS hat - allen Plaidtern zur Freude - bis zum heutigen Tag Bestand.

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Abb. 1: Deckblatt des ersten Arbeitsprogramms der VHS

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Abb. 2: Vollständiges Programm der Plaidter VHS 1951/52, Programmheft S.6

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Abb. 3: Vollständiges Programm der Plaidter VHS 1951/52, Programmheft S.7

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Abb. 4: Vollständiges Programm der Plaidter VHS 1951/52, Programmheft S.8

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Abb. 5: Vollständiges Programm der Plaidter VHS 1951/52, Programmheft S.9

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Abb. 6: Vollständiges Programm der Plaidter VHS 1951/52, Programmheft S.10

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Abb. 7: Vollständiges Programm der Plaidter VHS 1951/52, Programmheft S.11

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Quellen Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 469 Landratsamt Mayen, Nr. 35 Einrichtung von Volkshochschulen 1946-1954 Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 661,27 Verband der Volkshochschulen, Nr. 218 Programme der VHS Plaidt 1951-1980

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Daniel Lampa - ein Künstler aus Plaidt Gert Fröhlich Kindheit und Jugend Daniel Lampa wurde am 4.2.1927 als erstes Kind von Rudolf und Helene Lampa (geb. Konrads) in Plaidt geboren. Mit sieben Jahren bekam er von seinem Vater eine Ziehharmonika geschenkt, an der er viel Freude hatte. Schnell stellten Verwandte und Bekannte seine besondere musikalische Begabung fest. Dies veranlasste den Vater dazu, im Sommer 1939 in Koblenz ein besseres Instrument zu kaufen. Es war ein in der Größe besonders für Kinder konzipiertes Akkordeon der Firma Hohner, das jedoch alle Spielmöglichkeiten der großen Instrumente besaß und mit 120 Bässen ausgestattet war. Nach nur neun Unterrichtsstunden war ihm das Instrument vertraut. Es kam zu ersten Auftritten in der Öffentlichkeit, insbesondere nach Kriegsbeginn, als in Saffig und Bad Neuenahr Lazarette für Verwundete eingerichtet worden waren. Dorthin wurde er als „der kleine Akkordeonspieler aus Plaidt“ immer wieder gebeten, für die Soldaten zu spielen.

Abb. 1: Lazarett Saffig 1940/41; Daniel Lampa mit Akkordeon; BDM- und „Jungmädels“ besuchen die Verwundeten

Im Herbst 1942 verließ Daniel Lampa Plaidt und nahm ein Musikstudium zunächst an der Heeresmusikschule in Bückeburg (1942/43), dann an der Staatsmusikschule Braunschweig (1943/44) auf, das allerdings durch Kriegsereignisse und Kriegseinsatz gegen Ende 1944 unterbrochen wurde. Das Akkordeonspiel hatte er neben dem Studium perfektioniert und konnte, als er nach Kriegsende nach Plaidt zurückkehrte, damit die nötigen Rücklagen für sein wei93

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teres Studium bilden. Weniger wichtig, wenn auch ertragreich, war dabei das Musizieren bei den in Plaidt stationierten Angehörigen der französischen Besatzungsmacht. Viel entscheidender war jedoch die bald entstandene Verbindung zum Südwestfunk (SWF), wo er von 1945 bis 1948 ca. 70 Mal in eigenen Sendungen (Musik zum Feierabend) auftrat. Durch die Tätigkeit beim Südwestfunk bekam er Kontakt zur Firma Hohner in Trossingen. An der dortigen Städtischen Musikschule, bald in der Solistenklasse und hospitierend an der Hochschule für Musik, konnte er sein Studium fortsetzen. Nach dem Examen übernahm er 21-jährig ein Lehramt an der Städtischen Musikschule, musste diese Tätigkeit jedoch auf ärztliches Anraten bald aufgeben. Eine in der Kindheit erlittene Kopfwunde machte ihm zunehmend zu schaffen, und das intensive Musizie- Abb. 2: Daniel Lampa beim Südwestfunk 1945/46 ren führte zu massiven Kopfschmerzen und Schwindelanfällen. Die Musik war es, die ihn und seine Frau zusammenführte. Im November 1948 wurden Studenten der Musikhochschule Trossingen nach Sigmaringen eingeladen, um den dortigen „Chor- u. Orchesterverein“ bei der Aufführung von Haydn’s „Schöpfung“ musikalisch zu unterstützen. Er fuhr, mitten in den Examensvorbereitungen, eigentlich nur widerstrebend mit, nicht ahnend, dass diese Fahrt bestimmende Bedeutung für sein Leben haben würde. Denn er sah eine Sängerin im Chor, und es war beiderseits die vielzitierte „Liebe auf den ersten Blick“. Als er wieder mit den anderen Studenten zurückfuhr, war eine Verbindung geboren worden, die sich über Jahrzehnte bewähren sollte und in der natürlich die Musik immer einen wichtigen Platz einnahm. Von 1951 an studierte Daniel Lampa Zahnmedizin in Karlsruhe und war von 1964 bis 1981 in eigener Praxis in Nagold tätig. Seine musischen Aktivitäten beschränkten sich in dieser Zeit, speziell in den letzten fünf Jahren, eher auf die Malerei. Das Musizieren nahm er erst nach der wegen einer Allergie wiederum gesundheitlich bedingten Aufgabe seines Berufes zunächst am Flügel wieder auf. Um 1985 fing er mit dem Orgelspiel an. Diesen beiden Instrumenten widmet er sich neben der Malerei nun seit Jahren und dies mit der gleichen Freude, die er als Kind für die Ziehharmonika oder als junger Mann für das Akkordeon empfand.

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Der Maler Daniel Lampa Schon während seiner zahnärztlichen Tätigkeit setzte sich Daniel Lampa intensiv mit der Malerei auseinander und nahm bei verschiedenen Lehrern Unterricht. Er selbst bezeichnete sich zu dieser Zeit als „Hobbymaler“. Eine der ersten Ausstellungen fand im Jahr 1980 in Plaidt in den Räumlichkeiten der Raiffeisenbank statt. Er zeigte dort Werke „Aus der Werkstatt eines Freizeitmalers“. Der Erlös aus dem Gemäldeverkauf kam dem Neubau des Altenheims „Maria vom Siege“ in Plaidt zugute. Zu diesem Zeitpunkt trat er noch als Autodidakt auf, doch das sollte sich bald ändern. Aus einem Hobby wurde eine Passion. Von seinen Lehrern hatten Prof. Loschner in Saint-Affrique/Frankreich, der an der „Ecole de Paris“ lehrte, und Albert Rieger in Karlsruhe, von der dortigen Kunstakademie, den größten Einfluss auf seine künstlerische Entwicklung. Beiden Lehrern gemein war eine gegenständlich-realistische Tendenz, wobei sich Loschner als ein Meister des Details erwies und Rieger großen Wert auf farbliche Harmonie legte. Die Zusammenarbeit Loschners mit dem Kunstzentrum „Madeleine Rousseau“ in St.Affrique ermöglichte Daniel Lampa im Jahre 1979 die Teilnahme an der dortigen „Exposition Internationale de Peinture“. Hier konnte er seinen ersten künstlerischen Erfolg erzielen, als er mit seinem Werk „Paysage du Larzac“ den ersten Preis gewann. Nach zwei Jahren Unterricht bei Prof. Loschner wechselte er 1980 zu Albert Rieger. Seine zahnärztliche Tätigkeit hatte er aufgeben müssen und konnte sich nun ausschließlich der Malerei widmen. Albert Rieger zu finden, war für Daniel Lampa ein Glücksfall. Riegers malerisches Werk repräsentiert die typisch badische Landschaftsmalerei. Abgestimmte farbliche

Abb. 3: „Peggy’s Cove“ (1990), Acryl von Daniel Lampa

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Beschränkung kennzeichnet Stillleben und Landschaft. Diese Auffassung von formaler Strenge und farblicher Disziplin führte bei Daniel Lampa zu dem Malstil, der sich in den Bildern der heutigen Ausstellungen zeigt. Die Zusammenarbeit mit Rieger, der trotz aller freundschaftlicher Verbundenheit ein kritischer Lehrer blieb, endete 1982 wegen der Umsiedlung Daniel Lampas und seiner Ehefrau Lotte nach Kanada. Sie fand ihren Abschluss in einer sehr erfolgreichen Ausstellung in Nagold. Dreimal waren Daniel und Lotte Lampa nach Kanada gereist, 1977 nach Ontario, 1978 nach British Columbia und 1979 in die „Maritimes“ und in die Provinz Quebec, ehe sie sich zur Auswanderung entschlossen und im Oktober 1982 ein Haus an der malerischen Bucht an der Südküste von Vancouver Island im Stadtteil Oak Bay in Victoria bezogen.

Abb. 4: Daniel Lampa an der Staffelei

Der Blick von dort auf die Meereslandschaft mit der Inselwelt der „Strait of Juan de Fuca“ und ihrem Hintergrund, die auch im Sommer schneebedeckten Berge der „Olympic Mountains“ im amerikanischen Staat Washington, sollten den Maler zu zahlreichen Bildern anregen. Es waren ideale Voraussetzungen zum künstlerischen Schaffen, und sie wirkten sich günstig auf die neue Lebensbestimmung von Daniel Lampa aus. Er widmete sich erneut der Malerei und der Musik. Seine Frau Lotte griff zur Feder und begann ihre umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen in Reise- und Erlebnisliteratur umzuwandeln. Während der „Kanada-Zeit“ entstanden auch die gemeinsamen Publikationen von Daniel und Lotte Lampa. „Hawai. Auf der Garteninsel Kauai“ (1988) für den frühen, vorwiegend noch von europäischen Einflüssen geprägten Ausdruckstil. Dann das Buch „Alaska. Land unermeßlicher Weiten“ (1990) für die Aufnahme und Verarbeitung kanadischer und nordamerikanischer Erlebnisse, Einflüsse, Themen und Motive. Die Begegnung mit der kanadischen Kunst hat bei Daniel Lampa deutliche Spuren hinterlassen. Die ersten nachhaltigen Eindrücke gehen zurück auf das Jahr 1977, als 96

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ihn die Landschaftsbilder von Tom Thomson mit ihrer leuchtenden Farbgebung tief beeindruckten. Neben diesen Bildern faszinierten ihn die großen Landschaftsbilder der kanadischen „Group of Seven“. Neue Anregungen boten ihm Emily Carr, die bedeutendste Malerin aus British Columbia, der in Victoria beheimatete Maxwell Bates und der Maler und Direktor der „Greater Victoria Art Gallery“, Colin Graham. Mit einigen Künstlern der angesehenen Künstlergruppe der „Limners“ stand Daniel Lampa in direkter Verbindung. Hier bildete sich eine besondere Freundschaft mit Herbert Siebner, einem gebürtigen Stettiner, der von 1982-1984 sein Lehrer wurde und ihn in die Acrylmalerei einführte. Er war es auch, der ihn immer wieder ermutigte, sich in seiner Ausdrucksweise auf seine

Abb. 5: „Der Eisschnelläufer“ (1989), Acryl von Daniel Lampa

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Abb. 6: „Selbstbildnis“ (1998), Zeichnung mit Blei- und Buntstift von Daniel Lampa.

Intuition zu verlassen und somit eigene Wege einzuschlagen. Diesem Rat folgte Daniel Lampa, und es entstanden nun ganz andere Arbeiten, wie beispielsweise die Alaskabilder, die Sportbilder und die ausdrucksstarken Darstellungen von Dirigenten wie Herbert von Karajan, Sir Georg Solti und Leonard Bernstein. Die 51 Sportbilder, von denen allein die Sportklinik Stuttgart 38 erworben hat, bezeugen am deutlichsten den zu neuer Unabhängigkeit gelangten Maler. Das knappe Jahrzehnt in Kanada und Nordamerika war die bisher wichtigste Station für den Entwicklungsweg von Daniel Lampa zum Künstler. Das gemeinsame 98

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Abb. 7: „Porträt Tanja“ (1996) von Daniel Lampa

Unterwegssein „mit Pinsel und Feder“ hat zu neuen Begegnungen geführt, die der Maler für sich hat fruchtbar machen können. Im Frühjahr 1991 kehrten Daniel und Lotte Lampa nach Deutschland zurück und fanden in dem liebenswerten Ort Schobüll, in der Nähe von Husum, nur wenige Schritte von der Nordsee entfernt, ein geräumiges, Reet gedecktes Haus, das ihr neues Heim wurde. Die Begegnung mit dieser Region und ihren Menschen zeigte bald eine bestimmende Wirkung auf die malerische Ausdrucksweise von Daniel Lampa. Die Bilder wurden teilweise ernster, melancholischer, aber auch bedachtsamer und ausgeglichener. Die zahllosen neuen Motive, die sich direkt vor seiner Haustür ausbreiteten, beschäftigten Daniel Lampa ohne Unterlass. Gemeinsame Reisen in die alten und neuen Bundesländer wurden unternommen. Hierbei kam ihm der Gedanke, 99

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in den kommenden Jahren eine umfangreiche Darstellung deutscher Landschaften in Angriff zu nehmen. Einen besonderen Platz in seinem Arbeitsprogramm nehmen seit jeher Porträts ein, nicht nur Acrylbilder, sondern vor allem Zeichnungen mit Blei- und Buntstift, Kohle und Rötel. Dass die neu gewonnene malerische Ausdrucksweise Daniel Lampas breite Zustimmung findet, bewiesen seine beiden ersten Ausstellungen in der alten Heimat: 1991 im Historischen Rathaus in Andernach und 1993 im Foyer des Kurhauses in Freudenstadt. Die Presse würdigte seine Werke, man schrieb von der Farbenpracht seiner Bilder und über das „lebensbejahende Naturell dieses Malers“. Diese positive Resonanz hat seine eigenen Erwartungen weit übertroffen und ist ihm Ansporn für seinen weiteren Weg. Anlässlich seines 70. Geburtages im Jahre 1997 schenkte Daniel Lampa seinem Heimatort 70 Zeichnungen und Gemälde zum Themenkreis „Plaidt im Wandel der Zeiten“.Vier Bereiche des Lebens und der Arbeit um und in Plaidt sind dargestellt: 1. Dorfansichten gestern und heute; 2. alte und neue Landschaften; 3. Arbeitsalltag von damals; 4. verdiente Plaidter Bürger. Einzelausstellungen: 1974 Davos/Schweiz 1977/78 Heidelberg 1980 Plaidt und Nagold 1982 Nagold 1989 Victoria/Kanada 1990 Bellingham/USA 1991 Andernach 1993 Freudenstadt 2001 Schobüll (b. Husum), Plaidt; Schloss Namedy und Wiesbaden Daneben beteiligte sich Daniel Lampa an zahlreichen weiteren Ausstellungen. Geplant oder in Vorbereitung sind: 2003 Mölln 2004 Heidelberg 2004 Andernach Besonders stolz ist Daniel Lampa darauf, dass Prof. Dr. Walter Riedel 2001 in einem Dia-Vortrag sein Werk an der Universität Victoria/Kanada vorstellte. Bemerkenswert ist weiterhin, dass im „Deutsch-Kanadischen Jahrbuch“ die Vita Daniel Lampas unter dem Titel: „Die kanadische Schaffensperiode des Malers Daniel Lampa“, erschien. Autor war wiederum Prof. Dr. Walter Riedel. Literaturverzeichnis LAMPA, Daniel u. Lotte: Hawaii. Auf der Garteninsel Kauai. Unterwegs mit Pinsel und Feder, Stuttgart 1988. LAMPA, Daniel u. Lotte: Alaska. Land unermeßlicher Weiten. Unterwegs mit Pinsel und Feder, Stuttgart 1990. LAMPA, Lotte/RIEDEL, Walter: Der Weg des Malers Daniel Lampa, Husum 2000

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Maria Zaar-Görgens

Ortschronik August 1952 bis Juni1953 bearbeitet von Maria Zaar-Görgens1 August 1952 Der Turnverein „Jahn“ veranstaltet ein großes Turn- und Sportfest. In den leichtathletischen Wettkämpfen (Dreikampf) kann die Jugend beachtliche Leistungen erringen: In der männlichen Jugend (Juniorenklasse) wird Erwin Schmitz erster Sieger. Bei der A-Jugend erringt Werner Auer, bei der B-Jugend Hans Werner Schäfer die meisten Punkte. Bei den Schülern (Jahrgang 1938/39) wird Horst Spörrle2 mit grandios erkämpften 80 Punkten Erster; beim Schülerjahrgang 1940/41 siegt Friedel Reichert. Peter Butz brilliert bei den Schülern des Jahrgangs 1942 und jünger mit 50,5 Punkten. In der Klasse „weibliche Jugend“ (Jahrgang 1936) siegt Elly Brauer. Beim Jahrgang 1940/41 der weiblichen Jugend wird Gerlinde Krämer, beim Jahrgang 1942 und jünger Maritta Wambach Erste. Beim 1000-Meter-Lauf siegen - jeweils in ihrer Altersklasse - Robert Degen (3:21,0 Min.), Werner Auer (4:02 Min.), Horst Spörrle (3:47,3 Min.) sowie Robert Weller (3:55 Min.). Im nachfolgenden Spiel zwischen den Handballjugendmannschaften des TV „Jahn“ und des TB Namedy erringen die letzteren einen 5:3 Sieg. Nachmittags findet ein Schauturnen im Park „Leber“ statt; zahlreiche Zuschauer verfolgen diese Veranstaltung, bei der auch Volkstänze aufgeführt werden. Die Restaurierungsarbeiten in der katholischen Kirche gehen voran: Anstelle der Fußbodenplatten aus Basalt werden neue ockerfarbene Platten verlegt; demnächst sollen die Säulen noch geschliffen werden. Unter großem Geleit wird Alois Schuhmacher, zweiter Vorsitzender und Turnwart des TV „Jahn“, zu Grabe getragen. Es wird vermerkt, daß in diesem Herbst die Brombeerhecken reichen Behang zeigen. Leider sind in diesem Jahr die Speisepilze ausgeblieben; sogar im „Fressengraben“3 sind keine Waldfrüchte zu finden. In der Nette werden zahlreiche Forellen gesichtet. Die leichte Absatzkrise in der Bimsbaustoffindustrie scheint behoben zu sein. In der Erzbergerstraße verunglückt tödlich die fünfjährige Tochter eines dort lebenden Arztes. In der Bevölkerung wird der Zustand dieser Straße kritisiert, die - obwohl kaum wagenbreit - für den Verkehr von Bimsfahrzeugen zugelassen ist. September 1952 Die Gemeinde zählt nach neuester Erhebung 3.941 Einwohner. Seit der Volkszählung am 13. September 1950 hat die Bevölkerung damit um 292 Personen zugenommen. Die älteste Einwohnerin, die Witwe Franziska Blaszyck, verstirbt mit 90 Lebensjahren. Die Friedhofstraße ist mit einer Teermakadamdecke versehen und ein Bürgersteig errichtet worden. Kirmes in Plaidt! Anläßlich des Kram- und Viehmarktes am Kirmesdienstag gewährt die Bundesbahn im Umkreis von 30 km den Marktbesuchern Sonntagsrück-

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Ortschronik August 1952 bis Juni1953

fahrkarten. Am 21. September findet eine Nachkirmes statt. Neben einem Kinderkarussell sind dort Eisbuden und Verlosungshallen zu finden. Höhepunkt der Kirmes wird der von der MGV „Eintracht“ veranstaltete „Frühschoppen“. Beim im „Sonnenland“ errichteten Doppelwohnhaus wird Richtfest gefeiert; Ortsbürgermeister Rollmann dankt in Anwesenheit des Regierungsbaurates allen beteiligten Firmen für die schnelle Arbeit. Öffentliche Gemeindeversammlung im Gasthaus „Zillertal“: Im Mittelpunkt steht die Instandsetzung der Brücke in der Hauptstraße. Für die Bauzeit soll eine Behelfsbrücke über den Krufter Bach errichtet werden.

Abb.1: Innenansicht Gasthaus „Zillertal“, Foto aus Sammlung Gert Fröhlich

Die Witwe Jungbluth stellt den Antrag, beim Umbau ihres Geschäftshauses dieses etwa zwei Meter von der Hauptstraße zurückverlegen zu lassen. Dadurch würde ein gefährlicher Engpass in diesem Straßenabschnitt beseitigt werden. Der Antrag wird genehmigt; die Gemeinde will zusätzlich eine Kurvenerweiterung vornehmen und den Kastanienbaum auf der „Pütz“ fällen lassen. Beim Standesamt Andernach-Land werden für September folgende Personenstandsfälle notiert: - Geburten: Jürgen Butz, Ursula Leyendecker, Elisabeth Wagner und Ursula Poß; - Eheschließungen: Paul Nikolai (Plaidt) und Katharina Schneider (Miesenheim), Hans Josef Groß (Plaidt) und Gertrud Katharina Dommermuth (Saffig), Andreas Hubert Schrömges (Saffig) und Edelgard Erna Squarra (Plaidt), Peter Anton Kretzer und Anna Maria Loos (beide aus Plaidt); - Sterbefälle: Eva-Maria Meyer, Franziska Barbara Blaszyck4 (geb. Kielbassa). Oktober 1952 Der Zirkus Schickler gastiert auf dem Kirmesplatz. An der Straßenbrücke am „Modernen Theater“5 entsteht ein Schaden; der Verkehr wird über die Niederstraße umgeleitet.

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Von der Polizei wird ein Mann wegen Unzucht festgenommen und ins Gerichtsgefängnis überführt. Die Kartoffelernte ist in vollem Gange. Um etwa 40 v.H. liegen die Ernteergebnisse unter denen des Vorjahres. Trockenheit und sommerliche Hitze haben vor allem der Sorte „Ackersegen“ zugesetzt. Die Schulaufsichtsbehörde hat genehmigt, daß Schüler der vier oberen Jahrgänge von Fall zu Fall für die Kartoffelernte vom Unterricht beurlaubt werden können. Der Brückenbau über den Krufter Bach wird begonnen; der Verkehr wird z.T. über die Niederstraße umgeleitet. Am 26. Oktober findet die Sommerabschlußübung der Freiwilligen Feuerwehr Plaidt statt; der erst 23jährige Wehrführer Monreal hat die Plaidter Feuerwehr auf einen beachtlichen Leistungsstand gebracht. Am folgenden Sonntag krönen ein Feuerwehrball und eine Verlosung im Saal „Dillenberger“ diese Veranstaltung. Aufgrund der Feuerwehrveranstaltung fällt das geplante Kolping-Radrennen aus. Im festlichen Rahmen eröffnet die Volkshochschule ihr Wintersemester. Die „Sonnenland“-Straße ist mit einer regenfesten Lavalitdecke versehen worden. Im Standesamt in Andernach werden für Plaidt folgende Personenstandsfälle beurkundet: - Geburten: Udo Klinger, Rolf Hermann Josef Vogt, Nikolaus Batta; - Eheschließungen: Werner Groß (aus Miesenheim) und Margareta Müller (Plaidt), Eberhard Rollmann (Plaidt) und Hedwig Nett (Niedermendig), Otto Mucha und Maria Apollonia Müsch (Plaidt), Kurt Walter Rother und Elisabeth Roch (Plaidt); - Sterbefälle: Dorothea Margareta Doritha Bartz, Beatrix Gertrud Neumann, Katharina Lieser (geb.Gilles, 45 J.). November 1952 Vom 9. bis 11. November ist Willibrordusmarkt, die „Alte Plaidter Kirmes“! Dienstags findet wie immer ein Kram- und Viehmarkt statt. Durch die schlechte Witterung bleiben die erhofften zahlreichen Besucher aus. Die neue Brücke über den Krufter Bach, eine Eisenbetonkonstruktion, von der Firma Hillesheim aus Mayen errichtet, wird dem Verkehr übergeben. Da sich das Bett des Krufter Baches in den letzten Jahrzehnten gehoben hat, mußte die neue Brücke, zur Vermeidung eines Hochwasserrückstaus, um 45 cm gegenüber der alten, 1884 erbauten Brücke gehoben werden. Die Kosten für den Brückenbau einschließlich der Nebenarbeiten und der beiden Behelfsbrücken belaufen sich auf 28.000 Mark. Das Landesstraßenbauamt in Cochem übernimmt davon 22.000 Mark. Das Martinsfeuer wird diesmal nicht auf der „Lay“, sondern auf dem Pommerfeld vor dem Hummerich abgebrannt. Die Kinder versammeln sich zum Martinszug um 17 Uhr auf dem Schulplatz. Von da geht der Weg durch die Schulstraße, Niederstraße, Pütz, Hauptstraße, Pfaut und Kretzer Straße zum Herfeldt’schen Grundstück. Die fünf schönsten Fackeln werden prämiert und die Kinder erhalten einen Martinsweck. Pausenlos niederströmender Regen verhindert das Abbrennen des Martinsfeuers. Trotz schlechter Witterung beteiligen sich etwa 800 Menschen am Martinszug, der vom Hl. Martin (Bürgermeister Rollmann) angeführt wird. Die Lehrerin Angelika Monschauer erhält die freie Stelle an der zehnklassigen Volksschule. Der FC „Alemannia“ veranstaltet einen großen Vereinsabend im „Zillertal“.

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Kommunalwahlen in Plaidt. Der neue Gemeinderat setzt sich wie folgt zusammen: SPD (10 Sitze) - Johann Michael Rollmann, Anton Müller, Anton Butz, Albert Iven sen., Karl Ackermann, Peter Kurth, Jakob Döll, Kurt Grützmacher, Franz Scherhag und Josef Tirrée; CDU (6 Sitze) - Peter Mürtz, Josef Unger, Johann Johnen, Georg Müller, Karl Körner, Peter Mürtz; Freie Bürgerliste (3 Sitze) Hermann Weinand, Nikolaus Mehlis und Georg Müller. Durch die hochgehende Nette sind viele Bachwiesen, Felder und Gärten überschwemmt. Im Saal „Zillertal“ wird die Karnevalssaison von den „Stadtsoldaten“, der Karnevalsgesellschaft „Humor“ und den „Fidelen Möhnen“ eröffnet. Höhepunkt der Veranstaltung ist der Auftritt von „Konradse Änn und et Loni“. In der Pfarrkirche findet ein DekaAbb. 2: Ortsbürgermeister Johann Michael Rollnatssingen der Kirchenchöre des Demann (*6.8.1897, =17.12.1975), kanates Andernach statt. Der unter JoFoto aus Sammlung Karl Nachtsheim sef Marzi singende Plaidter Cäcilienchor singt den Choralhymnus „Jesu dulcis memoria“ und das Loblied „Singt dem König Freudenpsalmen“ (Stockhausen) und das „Tantum ergo“ von Haller. Am 30. November gibt der Madrigalchor der VHS ein Vokalkonzert im Saal „Zur Krone“. Es wirken als Solisten der Baß-Bariton Günther Berg aus Andernach und die Sopranistin Greda6 Spurzem aus Plaidt mit. Die Karl-Marx-Straße erhält eine neue Splittdecke. Rattenplage im Bereich des Krufter Bachbettes. Es wird darauf hingewiesen, daß das Ablagern von Müll dort verboten ist. Für November sind beim Standesamt in Andernach folgende Personenstandsfälle für Plaidt beurkundet: - Geburten: Harald Anton Braun, Gertrud Marzi, Rita Edith Lüdtke, Franz Arthur Krämer, Margot Müller, Dietrich Ludwig Wanschura, Peter Erich Butz, Harald Hermann Josef Maka, Maria Luise Auler, Ursula und Margot Hummes, Rosa Gabriele Hirsch, Kurt Günter Antonius Döll; - Heiraten: Peter Aloysius Kaul und Rosa Maria Unger (beide aus Plaidt), Paul Ernst Barkleit (Plaidt) und Charlotte Hildegard Margarete Franz (Godesberg), Georg Kraus (Plaidt) und Adele Josefine Pitsch (Miesenheim), Johann Peter Lohner (Plaidt) und Maria Wilhelmy (Miesenheim), Jakob Klasen und Hermine Gerke (Plaidt), Johann Wilhelm Spurzem (Plaidt) und Petronella Breit (Oberdollendorf), Kurt Johannes Schattner (Sippersfeld) und Hildegard Anna Scherer (Plaidt), Franz Lorenz Poß (Plaidt) und Maria Theresia Hübel (Perscheid), Ernst Leber und Barbara Eva Döll (Plaidt). 104

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Dezember 1952 Im Saal „Dillenberger“ versammelt sich zum ersten Male der neugewählte Gemeinderat. In geheimer Abstimmung wird Michael Rollmann (SPD) nur knapp als Bürgermeister wiedergewählt: Für Rollmann werden zehn, für den Kaufmann Georg Müller neun Stimmen abgegeben. Pastor Johannes Hoffmann, der fünf Jahre lang in Plaidt als Seelsorger tätig war, wird nach Bernkastel-Kues versetzt. Er verläßt die Pfarrei nach Weihnachten. An der feierlichen und ergreifenden Abschiedsfeier am 27. Dezember nehmen etwa 1.600 Menschen teil. Der Gemeinderat tagt im Saal „Zur Krone“. U.a. wird beschlossen, im Schulsaal und in der Lehrerdienstwohnung Anstreicharbeiten durchführen zu lassen. Im Dachgeschoß der Volksschule soll ein Lehrmittelraum eingerichtet werden. Am 15. Dezember wird berichtet, daß die Leiche eines 18jährigen Mädchens im Straßengraben am Wankelburgsweg aufgefunden worden ist. Es handelt sich um eine aus dem Kreis Daun stammende Hausangestellte, die auf der Haagsmühle7 bei Plaidt beschäftigt war. Polizeiliche Ermittlungen ergeben, daß ein 18jähriger Plaidter das Mädchen aus Eifersucht ermordet hat. Die Laienspielgruppe der VHS führt im Saale „Dillenberger“ ein Weihnachtsspiel von Dr. Plenzat auf. Beim TV „Jahn“ finden am zweiten Weihnachtstag die Vereinsmeisterschaften an den Geräten statt: In der Schülerklasse A siegt Friedrich Hillesheim - trotz Beinamputation -, zweiter wird Günter Marzi, dritter Peter Thewalt. In der Schülerklasse B gewinnt Helmut Leyendecker, den zweiten und dritten Platz nehmen Lutz Fülbier und Hans Weis ein. Bei den Mädchen erringt Karin Thewalt den ersten Platz; zweite wird Gerlinde Krämer, dritte Siegerin ist Christa Grimmig. In der Schülerklasse B der Mädchen werden Thea Matyschak und Doris Scholl als Vereinsmeister ermittelt. In der Seniorenklasse gewinnen Jakob Döll, Oskar Schmidt und Alfons Arenz. In der Gruppe Jugend (Herren) erringt Harry Gustke die meisten Punkte. Bei den Frauen siegt Anneliese Quary. In Anwesenheit des Gauoberturnwartes, des Bürgermeisters Rollmann und des Lehrers Morbach als Vertreter der Lehrerschaft werden die Sieger gekürt und langjährige Mitglieder geehrt. Ein hiesiger Fabrikant8 spendet bei dieser Gelegenheit eine Bodenturnmatte. Beim Standesamt Andernach-Land werden im Monat Dezember folgende Personenstandsfälle für Plaidt beurkundet: - Geburten: Renate Butz, Karl-Heinz Nett, Günther Kraus und Wolfgang Ludwig Haag; Heiraten - Franz Hillesheim und Magdalena Kretzer (beide Plaidt), Albert Schäfer (Plaidt) und Anneliese Drexler (Kottenheim); - Sterbefälle: Günther Kraus9, Wilhelm Friedrich Schmitz (6 Jahre), Michael Heiliger (67 J.), Margareta Kraus (geb. Röser) und Katharina Göddertz (geb. Schraven). Januar 1953 Am Neujahrstag wird der neue Pastor Nikolaus Jonas, der vorher an „Liebfrauen“ in Trier tätig war, von der Plaidter Pfarrgemeinde feierlich empfangen. Neun Jahre nach der Zerstörung des Plaidter Bahnhofs bei einem Bombenangriff nimmt eine neue Bahnhofswirtschaft in dem gegenüber dem Güterschuppen gelegenen Warteraum ihren Betrieb wieder auf.

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Ortschronik August 1952 bis Juni1953

In der Friedhofsstraße bricht ein Teil der Straßendecke ein; der unter der Straße verlaufende Luftschutzstollen war eingefallen. In der Kolpingfamilie spricht vor zahlreichen Zuhörern Lehrer Gönner über das Thema „Die Konstantinische Schenkung, Begriff und Bedeutung für den Kaisergedanken des Mittelalters“. In der Plaidter Gemeinde diskutiert man rege darüber, ob in diesem Jahr ein Rosenmontagszug stattfinden soll. In der öffentlichen Gemeindesitzung im Gasthaus „Marzi“ wird der Bürgermeister Rollmann durch den früheren ersten Beigeordneten Peter Mürtz eingeführt. Ein neuer erster Beigeordnete, Albert Iven sen., wird benannt. Zahlreiche Baumaßnahmen werden beschlossen: Ausbau der Römer-, Karl-Marx-, Haupt- und Fraukircher Strasse, Verlegung von Wasserleitungsrohren in der Friedhofsstraße und im Sonnenland, Uferbefestigung am Wiesenweg nach Wernerseck, sowie Wiederherstellung der Obernauer Brücke. Straßenarbeiten, die an auswärtige Firmen vergeben worden sind, müssen mit Steinen von Plaidter Firmen ausgeführt werden. Vom Gemeinderat wird u.a. noch das „ewige Ruherecht“ der auf dem Friedhof beigesetzten Soldaten anerkannt. Gemeindeverordneter Weinand stellt Pappeln für die Nachpflanzung am Krufter Bach zur Verfügung. Für Januar sind folgende Personenstandsfälle für Plaidt festgehalten: - Geburten: Rita Dorothea Degen, Elfriede Klara Bartz, Gilda Walburga Flaucher, Gerhard Heinrich Gert Mosen, Albert Paul van Wyk, Rita Annette Mürtz, Rainer Josef Schmitz; Eheschließungen: Willibrord Baulig (Plaidt) und Katharina Rosa Zils (geb. Scholl) (Mühlheim), Johannes Kurt Mürtz (Plaidt) und Gertrud Leseau (Ochtendung), Anton Theusch (Heimbach) und Maria Gertruda Oster (Plaidt); - Sterbefälle: Franziska Mohr (geb. Lammert), Josef Schmitz, Erika Roden, Leo Tirrée, Eva Beresheim (geb. Pauken) und Anna Meurer (geb. Neidhöfer). Februar 1953 Plaidt feiert Karneval! In der großen Prunksitzung der „Stadtsoldaten“ im ausverkauften „Zillertal“ nimmt der Vorsitzende die Proklamation des Prinzenpaares, „Jupp VII. von Olmerich zur Degenburg“ (alias Jupp Degen) und ihre Lieblichkeit Prinzessin „Mathilde von Rosenheim zu Mühlenstein“ (Mathilde Esser) vor. Das Programm gestalten u.a. „et Eierkarlche“ (Karl Nachtsheim), Günther Lohner, Heinz Durwen, Pitt Monreal, die Straßensänger Jupp Degen und Toni Mand, der „Kölsche“ Heinz Eichel sowie Werner Röhrig. Die Stimmungskapelle Ax sorgt für die musikalische Unterhaltung. Am Schwerdonnerstag treten die Fidelen Möhnen unter dem Regiment der Obermöhn „Else von der Kakteenburg“ auf dem „Alten Kirchplatz“ zum Möhnenzug an. Abends geht es zum Maskenball in „Eb´s Zillertal“. Der Rosenmontagszug, der von der Gemeinde bezuschußt wird, umfaßt 15 Wagen und etwa zehn Fußgruppen, die sich auf dem „Alten Kirchplatz“ aufstellen. Motto des Zuges bildet „Karneval für alle!“. Am 15. Februar, Karnevalssonntag, veranstalten die Möhnen ein „internationales“ Seifenkistenrennen. Gestartet wird am Gasthaus „Zur Krone“. Ziel ist das „Zillertal“. Etwa 30 „Rennmaschinen“ nehmen teil. Als Preis winkt eine Reise in das „sonnige Kamerun“. Weitere Karnevalsveranstaltungen, organisiert durch die verschiedenen Plaidter Vereine und Nachbarschaften, finden statt. In der Kolpingfamilie spricht Studienrat Adams über die Vor- und Frühgeschichte der Pellenz und Lehrer Bork aus Kruft über „England im Jahre 1952“. 106

Maria Zaar-Görgens

Der Schulsaal, dessen Deckenputz am 1. Februar herabgestürzt war, ist renoviert und kann wieder genutzt werden. Es werden Sammlungen für die von der Unwetter- bzw. Überschwemmungskatastrophe Betroffenen in England und den Niederlanden durchgeführt. Auch in Plaidt werden Hochwasserschäden beklagt. Tauwetter und zahlreichen Niederschläge machen große Teile der Feldwege unpassierbar.

Abb. 3: Überschwemmung der Nette im Bereich des alten Schützenplatzes an der Umgehungsstraße; im Hintergrund die Gebäude der „Burgquelle“, Foto aus Sammlung Gert

Der älteste Plaidter Bürger, Matthias Frank, feiert seinen 92. Geburtstag und die Eheleute Nikolaus Klasen und Maria geb. Marzi ihre Goldene Hochzeit Der 48jährige Wilhelm Nachtsheim kommt bei einem Verkehrsunfall in Neuwied ums Leben. Für Februar sind beim Standesamt Andernach-Land folgende Personenstandsfälle für Plaidt verzeichnet: - unter Geburten: Monika Heidbüchel, Christa Lustenberger, Roland Engels, Maria Schwendowius, Annemarie Mucha, Erwin Einig, Erich Müller, Agnes Schlicht; - unter Eheschließungen: Johann Felix Weis (Ochtendung) und Anna Elisabeth Reintges (Plaidt), Otto Ax und Gertrude Klein (beide aus Plaidt), Karl Gondorf und Anni Neumann (Plaidt); - unter Sterbefälle: Peter Lohner, Johann Führ, Engelbert Geil, Peter Frank, Katharina Hengesbach geb. Petmeky und Mathias Kreier. März 1953 Die Jubiläums-Handwerkerausstellung der Kolpingfamilie, die vom 8. bis zum 15. März im „Nettetal“ stattfindet und an der zahlreiche Plaidter Handwerksbetriebe beteiligt sind, besuchen über 5.000 Menschen. Bei dieser Gelegenheit werden auch vorgeschichtliche Funde sowie die Schmetterlingssammlung des Kirchen- und Kunstmalers Peter Mannebach vorgestellt.

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Ortschronik August 1952 bis Juni1953

Der Plaidter Frühjahrskram- und Viehmarkt findet am 10. März auf dem „Alten Kirchplatz“ statt. Angeboten werden, neben Textilien und Vieh, landwirtschaftliche Maschinen, Motorräder und Gebrauchsartikel aller Art. Arbeiten für eine neue größere Bimssteinfabrik an der Ochtendunger Straße sowie die Bauarbeiten an der Nettebrücke in der Ochtendunger Straße, die verbreitert und mit einem Gehsteig versehen wird, sind aufgenommen worden. Der Gemeinderat, der im Gasthof „Raab“ tagt, beschließt die Teilung der Einnahmen aus der Gemeindewaage zwischen dem neuen Pächter und der Gemeinde. Im Wasserwerk soll eine neue Pumpe angeschafft werden und das Dach des Wasserwerkes am „Alten Kirchplatz“ muß erneuert werden. In Zukunft soll eine Einwohnerkartothek im Gemeindebüro geführt werden. Längere Debatten verursacht der Antrag der Freiwilligen Feuerwehr auf Beschaffung eines Kraftfahrzeuges. Die Gemeinde will ein Fahrzeug nur dann erwerben, wenn es auch anderen Verwendungszwecken dienlich ist. Da man keine Einigung erzielt, wurde die Abstimmung über diesen Antrag auf die nächste Sitzung vertagt. Die Gemeinde beschließt, bedürftigen Erstkommunikanten und Konfirmanden Zuwendungen in Form von Gutscheinen zur Verfügung zu stellen. Am 7. März werden im „Zillertal“ nach langer Zeit wieder Boxkämpfe veranstaltet; zahlreiche Zuschauer erleben interessante Kämpfe zwischen Boxern des Boxringes Rhein-Lahn gegen Boxer aus Bochum: Vom BC Plaidt kämpfen Schäfer im Weltergewicht gegen Köller (Bochum), Mühlhausen I (Halbmittelgewicht) gegen Paye (Bochum) und Mühlhausen II gegen Kusche (Bochum). Der ehemalige Plaidter (2. Rheinlandmeister) Mohr boxt gegen Freiheit II (Bochum; 2. Westfalenmeister). Im Halbschwergewicht tritt Kallas (BSV „Rhein-Lahn“) gegen Kalinowski (Bochum), Höger (BSV) gegen Pragne (Bochum) und im Schwergewicht Laux (BSV). Im Leichtgewicht

Abb. 4: Boxstaffel des Plaidter Boxclubs in „Eb’s Zillertal“; stehend von links: Karl Wilbert, Günther Sauerborn, Walter Neideck (Ochtendung), Albert Schäfer, Karl Mülhausen (Ochtendung), Hans Reichert, Hans Bartz, Georg Horn (Trainer), Werner Wilhelmy, Hans Sachs (Vorsitzender), Peter Berens; sitzend von links: Karl Wagner (Mayen), Walter Mürtz, Anton Mülhausen (Ochtendung), Franz Bernhard, Peter Bernhard, Heinz Lohner, Foto Walter Mürtz

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Maria Zaar-Görgens

Abb. 5: Walter Mürtz im Fight, Foto Walter Mürtz

boxt Landesmeister Bach (BSV) gegen Hartmann (Bochum), im Fliegengewicht Chambers (BSV) gegen Willms (Bochum) und im Mittelgewicht Steinmetz (BSV) gegen Töpfler (Bochum). Im Junioren-Leichtgewicht kämpfen W. Mürtz (BSV) gegen Kuschinski (Bochum). Der Boxring Rhein-Lahn kann die starke Westfalenmannschaft besiegen (11:9 Sieg). Im Eifelverein spricht Prof. Dr. Spessart über Caesar. Die Ortsgruppe des Eifelvereins unternimmt am 15. März eine Wanderfahrt zur Burgruine Pyrmont. Im Zuge der Beseitigung von Verkehrshindernissen auf der Hauptstraße ist der große Baum „Auf der Pütz“ gefällt worden. Im Meisterschaftsspiel tritt „Alemannia Plaidt“ gegen „Fortuna Kottenheim“ an. Im Plaidter Café „Leber“ findet eine gut besuchte Gründungsversammlung der Kraftfahrzeugführer-Vereinigung statt. Der Verein erstrebt Disziplin und vorbildliche Haltung seiner Mitglieder im Straßenverkehr an. Die Plaidter Pfadfindergruppe „Die Kreuzritter“ ruft ihre Jungen zusammen, um mit Feldmeister Waldemar Bell (Andernach) den Jahresplan zu besprechen. Geplant ist u.a. eine Fahrt in den Schwarzwald in den großen Ferien. Beim Standesamt Andernach-Land wurden folgende, Plaidter Bürger betreffende Personenstandsfälle beurkundet: - unter Geburten: Clarissa Haefner, Peter Ernst Herbert Hengesbach, Gisela Gräf, Arthur Anton Ammel; - unter Eheschließungen: Josef Hermann (Plaidt) und Ottilie Katharina Fischer (Saffig), Hermann Köllner (Plaidt) und Isolde Ottilie Dötsch (Kruft); - unter Sterbefälle: Margareta Cornet geb. Keltermann, Peter Rudolf, Katharina Schäfer geb. Saftig, Theresia Bütgenbach geb. Lammert. April 1953 Die Osterfahrt des Eifelvereins geht über Mayen und Gerolstein nach Prüm, dann über Stadtkyll und Blankenheim an die Ahr. 109

Ortschronik August 1952 bis Juni1953

Es findet ein Frühlingskonzert des unter der Leitung von Bern Schommer stehenden Madrigalchores und der von Vogt sen. geleiteten Zithergruppe im Saal „Zur Krone“ statt. Im Saal des Hotels „Nettetal“ wird die Komödie „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist aufgeführt. Einstudiert wurde die Theateraufführung von der Laienspielgruppe der VHS unter der Leitung von Lehrer Morbach. Aufgrund des großen Andrangs muß das Stück ein zweites Mal Ende April aufgeführt werden. Die Anwohner der Hauptstraße protestieren gegen die immense Ruhestörung durch schwerbeladene Bimsfahrzeuge, die ohne Unterbrechung sogar nachts diese Straße befahren. Die Bewohner verlangen, daß - sofern die Bimsverladung am Wochenende notwendig ist - der Verkehr samstags ab 18 Uhr umgeleitet wird.

Abb. 6: Katastrophale Verkehrsverhältnisse in Plaidt; Engstelle in der Hauptstraße, rechts die Schmiede Hickmann, links der Giebel der heutigen „Sportklause“, Foto aus Sammlung Gert Fröhlich

Zur Erstkommunion gehen aus der Pfarrgemeinde 30 Mädchen und 29 Jungen; am Palmsonntag werden vier Jungen und fünf Mädchen konfirmiert. Für den zweiten Bauabschnitt der Kolpingsiedlung werden die ersten Kredite aus Landesmitteln ausgezahlt. Vorarbeiten für den dritten Bauabschnitt sind aufgenommen worden. Die Nettebrücke in der Ochtendunger Straße ist von 4,55 Meter auf sechs Meter verbreitert worden. Damit wurde eine wesentliche Gefahrenstelle - täglich passieren etwa 2.000 Lastwagen diesen Verkehrspunkt - beseitigt. Wegen schweren Diebstahls sind in Plaidt zwei Diebe gefaßt und ins Gefängnis überführt worden. Der Schüler Franz Josef Nachtsheim rettet ein dreijähriges Mädchen in der Nähe der Noldensmühle aus einem tiefen Wassergraben. Zwei Jungen kann der Schüler Paul Ahrweiler vor dem Ertrinken retten. Im Standesamtsregister ist für den April beurkundet: - unter Geburten: Maria-Anna Katharina Bozem, Karin Renate Bauch, Monika Lieselotte Büchel, Michael 110

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Abb 7: Erstkommunion Jahrgang 1943/44, Foto aus Sammlung Karl-Heinz Löhndorf

Aloysius Adams, Agnes Ackermann, Dorothea Krämer, Rosemarie Scherer, Erna Ingrid Skrinda, Hans Georg Kretzer, Norbert Weiler, Hans Dieter Grundmann, Karl Eberhard Spurzem, Reiner Georg Dietzler, Ingeborg Maria Lenzen und Friedrich Erich Gräf; - unter Eheschließungen: Michael Felix Mayer (Plaidt) und Hedwig Therese Drexler (Miesenheim), Johann Friedrich Nehmeier (Plaidt) und Marlene Schefbauer (Plaidt); - unter Sterbefälle: Friedrich Hickmann, Anna Mayer geb. Kraus, Anna Margareta Rother geb. Buschwa. Für April ist vermerkt, daß die Gemeinde Plaidt die Einwohnerzahl 4.000 überschritten hat. Mai 1953 Das Tambourkorps der Plaidter „Stadtsoldaten“ erringt den ersten Platz bei einem Tambourwettstreit in Winningen. Die Firma Hohn aus Kruft unternimmt im Hotel „Nettetal“ den ersten Versuch einer Fernsehübertragung. Zahlreiche Zuschauer besuchen diese Veranstaltung. In Zukunft sollen jeden Abend dort Fernsehsendungen gezeigt werden. An Christi Himmelfahrtstag geht die Götzwanderung des Ahr-Megin-Gaues, Gruppe Pellenz, zur Burg Wernerseck. Die Durchführung der Wanderung wird den Turnvereinen Kruft und Plaidt übertragen. Den Auftakt zu den Maiveranstaltungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes bildet ein Konzert auf dem „Alten Kirchplatz“. In einem großen Demonstrationszug bekunden die Arbeitnehmer ihr Eintreten für die allgemeinen Forderungen und Grundsätze des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Zahlreiche Gewerkschaftsjubilare werden bei der Maikundgebung im Saal des „Nettetals“ geehrt. Starke Nachtfröste richten an den Frühkartoffeln erhebliche Schäden an. Der MGV „Eintracht“ veranstaltet im „Modernen Theater“ ein großes Konzert aus Anlaß seines 100. Stiftungsfestes. Als Solist nimmt daran Christo Bajew vom Stadttheater Koblenz teil. 111

Ortschronik August 1952 bis Juni1953

Eberhard Kecker, der zwanzig Jahre lang den Vorsitz der „Alemannia“ innehat, wird in einer Feierstunde im Vereinslokal „Zillertal“ geehrt. Am 23. Mai feiern die Eheleute Peter Butz und Anna Sophia (geb.Welling) ihre Goldene Hochzeit. Richard Weiler, Rektor der Volksschule Plaidt seit 1.4.1925, nimmt seinen Abschied vom aktiven Schuldienst. In einer Feierstunde am letzten Schultag vor Pfingsten erhält er im Hotel „Nettetal“ eine Ehrenurkunde des Regierungspräsidenten. Die Spielgruppe der Mädchenoberklasse führt ihm zu Ehren das Märchenstück „Die Bremer Stadtmusikanten“ auf. Bei einer Gemeinderatssitzung im Café „Leber“ wird beschlossen - obwohl die Haushaltslage nicht gut erscheint -, Siedlungsgelände „Im Sonnenland“ für 9.000 Mark zu erwerben. Die Probleme um das Verkehrsaufkommen in der Hauptstraße - Staus, Lärmbelästigung und Unfälle sind an der Tagesordnung, Häuser drohen einzustürzen - nehmen zu: Es wird geschätzt, daß etwa 6.000 Kraftfahrzeuge täglich Plaidt durchfahren. Von privater Seite werden die katastrophalen Verkehrsverhältnisse in Plaidt sogar dem Bundespräsidenten unterbreitet. Forderungen nach einer Umgehungsstraße, nach Beseitigung von Verkehrshindernissen oder der Einführung von sonntäglichen Fahrverboten für Lastwagen werden immer lauter. In einer Bimsgrube werden bei Ausschachtungsarbeiten Teile eines menschlichen Skeletts gefunden, die dort - so wird vermutet - schon etwa dreißig Jahre lagern. Das Standesamtsregister verzeichnet für Mai: - Geburten: Gerhard Sippli, Ursula Krechel, Hildegard Mürtz, Horst Franz Flöck und Hans Georg Barz; - Heiraten: Hans Hermann Müller und Eva Kretzer (Plaidt), Erich Mathias Spitzlei (Thür) und Adelheid Seiffen (Plaidt), Karl Jakob Francois und Anna Krechel (Plaidt), Richard Karl August Schulz (Plaidt) und Lore Conradi (Berlin-Tegel), Karl Josef Unger und Helene Alwine Erna Sosna (Plaidt); - Sterbefälle: Gertrud Wilkes geb. Reichert und Anna Runk geb.Kölzer. Juni 1953 Während eines Gewitters am 1. Juni trifft gegen 17 Uhr ein Blitz den Turm der katholischen Pfarrkirche. Der Blitz reißt das massive, aus Basalt gebaute Oberteil des Kirchturmes in einer Länge von etwa 18 Metern auf; das Turmdach wird völlig zerstört und schwere Abb 8: Beschädigter Kirchturm, Foto aus Sammlung Karl Nachtsheim

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Abb 9: Beschädigter Kirchturm, Foto aus Sammlung Karl Nachtsheim

Steintrümmer werden zu Boden und durch das Dach des Kirchenschiffes geschleudert. Die erst im Jahre 1952 geweihte neue Orgel wird dabei erheblich beschädigt; man befürchtet den Absturz der Glocken. Wie durch ein Wunder kommt kein Kind in dem nahegelegenen Kindergarten - die Kinder hielten sich glücklicherweise innerhalb des Gebäudes auf - zu Schaden. Insgesamt belaufen sich die Schäden an Häusern in Plaidt, die die Gewitterkatastrophe verursachte, auf rund 100.000 Mark. Ob der Kirchturm noch einmal aus Basaltgestein aufgebaut wird, steht zur Diskussion. Am 7. Juni feiert der Junggesellenverein Plaidt sein 65. Wiegenfest; zahlreiche auswärtige Brudervereine nehmen teil. Beim Preisfähndelschwenken auf dem Kirmesplatz erringen die Vereine Oberlützingen und Rheineck die ersten Preise.

Abb 10: Großes Preisfähndelschwenken, Foto aus Sammlung Gert Fröhlich

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Ortschronik August 1952 bis Juni1953

Der 19jährige Peter S. muß sich vor Gericht wegen Totschlag und versuchter Notzucht der 18jährigen Landarbeiterin Anja T. verantworten. Er wird zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt.10 Das Tambourkorps kann bei einem Wettstreit in Polch den ersten Solistenpreis erringen. Schützenfest am Fronleichnamstag: Nach spannendem Wettkampf der Schützenbruderschaft „St.Hubertus“, die auf ein 75jähriges Bestehen zurückblicken kann, gelingt dem Schützenbruder Bernard der Königsschuß. Zum Prinzen wird Karl Görgen, zur Schützenkönigin Gertrud Mürtz und zur Prinzessin Helga Rausch gekürt.

Abb. 11: 75jähriges Jubiläum „St. Hubertus“; vorne sitzend: Josef Mürtz und Fritz Leber, mit der Fahne Peter Rohm, links Karl Hauröder, Schützenkönig Josef Bernhard, Foto aus Sammlung Karl Nachtsheim

Das neue Gemeindehaus im „Sonnenland“ ist erstmals bezogen worden. Als Nachfolger von Richard Weiler wird als neuer Schulleiter an der katholischen Volksschule der Lehrer Albert Münzel aus Koblenz-Moselweiß feierlich eingeführt. Vom 26. bis zum 29. Juni feiert der Männergesangverein „Eintracht“ sein 100jähriges Bestehen. Zum feierlichen Anlaß wird ein großer Sängerwettstreit veranstaltet. Es werden Quartiere für die zahlreichen Gäste gesucht; man erwartet allein 2.000 Sänger. Das Festzelt, das eine Länge von 35 Meter und eine Breite von 20 Meter aufweist, wird auf dem Kirmesplatz aufgestellt. Ein Fackelzug zum Gründungsstätte des Vereins, der Bäckerei Unger, wo eine Gedenktafel angebracht wird, eröffnet die zahlreichen Feierlichkeiten. Der am 26. Oktober 1875 geborene, in der Hauptstraße wohnende Wilhelm Reuter wird vermißt. Man findet ihn später hinter der Burg Wernerseck tot auf. Erneut wird in der Bevölkerung rege diskutiert, ob ein öffentliches Schwimmbad in Plaidt errichtet werden soll.

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In einer Bimsgrube kommt bei einem Unfall der 23jährige Arbeiter Matthias Roch zu Tode. Unter großer Anteilnahme - er war zweiter Vorsitzender des Junggesellenvereins - wird er zu Grabe getragen. Für Juni sind folgende Personenstandsfälle beurkundet: - Geburten: Wolfgang Herbert Röhrig, Günter Hillesheim, Hermann Kuppert, Rolf Dieter Sacher; - Eheschließungen: Heinrich Gerhard Wanders und Maria Sofia Kuppert (beide Plaidt), Franz Busenthür (Plaidt) und Gertrud Roos (Nickenich); - Sterbefälle: Johann Theis, Margareta Kölzer geb. Mösch.

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Grundlage der Ortschronik bilden die von Paul Nachtsheim gesammelten, Plaidt betreffenden Zeitungsartikel der „Rheinzeitung“. Die Sammlung hat später Karl Nachtsheim fortgeführt. Dieses hervorragende Material wurde mir dankenswerterweise von Karl Nachtsheim zur Verfügung gestellt. Die Sammlung wurde im August 1952 aufgenommen. Es ist zu beachten, daß den Zeitungsartikeln häufig eine genaue Datierung fehlt. 2 In der Zeitung „Spörle“ 3 Im Zeitungsartikel „Fressergraben“ 4 An dieser Stelle jetzt Blaszczyk 5 Kino im Kaisersaal 6 Eigentlich „Greta“ 7 Im Zeitungsartikel „Haksmühle“ 8 Name im Zeitungsartikel nicht genannt 9 Name auch bei Geburten registriert 10 Namen anonymisiert

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Frank Neupert

Ortschronik Juli 2002 bis Juni 2003 zusammengestellt von Frank Neupert An dieser Stelle wollen wir die wichtigsten Ereignisse in Plaidt jeweils von Juli eines Jahres bis zum Juni des darauffolgenden festhalten. Diese Zeitspanne wurde gewählt, um möglichst aktuell vor Redaktionsschluß (Juli) die Geschehnisse darzustellen. Dabei richtet sich unser Blick auf alles Bemerkenswerte, was in Plaidt vor sich gegangen ist. Sich Jahr für Jahr wiederholende Ereignisse, wie z.B. Kirmes, Karneval, Martinszug, Jahresversammlungen oder -ausflüge der Vereine werden in der Regel nicht erwähnt, es sei denn, daß bei diesen Gelegenheiten etwas Besonderes vorgefallen ist, wie z.B. die Ernennung von Ehrenmitgliedern oder Vereinsjubiläen. Parteipolitische Agitation findet keinen Platz, dafür natürlich alle Veranstaltungen des „Plaidter Geschichtsvereins“. Quellen für diese Aufzeichnungen sind das „Pellenzblatt“, die „Andernacher Stadtzeitung“ und die „Rhein-Zeitung“ Ausg. C (Ausschnittsammlung der Gemeinde). Juli 2002 Mehrere Kubikmeter Treibholz und Unrat entfernt die Feuerwehr aus der Nette im Rauscherpark. Die Installationsfirma „Boch“ verläßt nach 37 Jahren den Standort Plaidt und siedelt sich in Andernach im neuen Industriegebiet „Am weißen Haus“ an. Der neue Spielplatz an der „Scharbelsbrück“ (alter Schützenplatz) wird am 4. Juli eröffnet. Gemeinsam wollen die Gemeinden Plaidt und Kretz im Anschluß an das Gewerbegebiet „Kurzer Acker“ weitere Ansiedlungsflächen für kleinere und mittelständische Betriebe schaffen. Der Freundschaftskreis Plaidt-Morangis entdeckt das Boulespiel. Die Plaidter SPD unterstützt den im Mai neugegründeten Förderverein des Kindergartens „Arche Noah“ mit einer Spende. Die Anwohner der „Heseler Mühle“ protestieren gegen den geplanten Basaltabbau am Naturschutzgebiet „Nettetal“. Drei 25 Meter lange Leimbinder für die Dachkonstruktion werden am Bürgerhaus angebracht; die Bauarbeiten liegen im Zeitplan. Nach mehr als zweijähriger Vakanz tritt Andreas Martin die Stelle als Kirchenmusiker an. Der 82jährige Profimusiker Heinz Stein wird in einigen Zeitungsartikeln für sein Schaffen geehrt. Die B-Junioren der JSG Plaidt/Miesenheim werden Meister in der Landesliga. Der Spielmacher Christian Camps wechselt zum „FC Bayern München“. Öffentlich ausgeschrieben wird der Ausbau der „Eicher Straße“. 117

Ortschronik Juli 2002 bis Juni 2003

Abb. 1: Montage eines Leimbinders am Bürgerhaus, Foto Alfred Fergen

August 2002 Plaidter Gemeinderat und Bürger sprechen sich massiv gegen den geplanten Basaltabbau zwischen Plaidt und Ochtendung aus; Unterschriftenlisten liegen in Plaidter Geschäften aus. Vom 3.-10. August veranstaltet die „DJK Wernerseck“ eine Sportwoche anläßlich des 75. Vereinsjubiläums. Sophia Paulen feiert am 7. August im Altenheim Schnuch ihren 100. Geburtstag. Trotz großer personeller und finanzieller Probleme kann der Kulturverein „Pegasus“ das 20. Pellenzer Open-Air-Festival vom 16.-18. August präsentieren. Horst Kowalski startet beim sechsten Lauf der Internationalen Deutschen Meisterschaft der Seitenwagen auf dem Nürburgring. Am 24. August feiert die CDU ihr viertes Vulkanfest mit der Plaidter A-CapellaFormation „Cocolores“. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des „FC Alemannia Plaidt“ werden am 30. August sieben neue Ehrenmitglieder ernannt: Willi Ackermann, Bruno Bartz, Fritz Degen, Hans Kreier, Willi Leber, Lambert Mohr und Felix Röder. Die über 300jährige Tradition der Wallfahrt nach Kamp-Bornhofen wird am 31. August fortgesetzt. Der Ursprung der Prozession liegt in den Pestjahren des 17. Jahrhunderts. September 2002 Der Kindergarten „Arche Noah“ feiert am 1. September sein zehnjähriges Bestehen mit einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche, einem anschließenden kleinen Festakt und dem Jubiläumsfest auf der grünen Wiese. Am gleichen Tag wird das Pellenz-Museum, das in den Zehnthof in Nickenich umgezogen ist, vom Vorsitzenden des Fördervereins Dr. Klaus Schäfer der Öffentlichkeit vorgestellt. 118

Frank Neupert

Hedwig und Eberhard Rollmann feiern am 6. September Goldene Hochzeit. Rita Kretzer gewinnt den von der Gemeinde ausgeschriebenen Blumenschmuck- und Fassadenbegrünungswettbewerb. Das Musical „Die geheimnisvolle Spieluhr“, das von Schülern der Regionalen Schule Pellenz aufgeführt wird, hat einen sagenhaften Erfolg. Allein in Plaidt kamen bislang 7.500 Zuschauer. Die Einnahmen von etwa 20.000 € kommen Hilfsprojekten zugute. Die Schützenbruderschaft „St. Hubertus“ spendet der Elterninitiative krebskranker KinAbb. 2: Ortsbürgermeister Klaus Bell beim Richtfest, der in Koblenz 1.150 €. Foto Alfred Fergen

Die „Bürgerinitiative Nettetal“ wird unter Beteiligung Ochtendunger und Plaidter Bürger gegründet. Ihr geht es um den Erhalt des Naturschutzgebietes „Nettetal“, das sie durch den geplanten Basaltabbau der „Rheinischen Provinzial Basalt- und Lavawerke“ in der Gemarkung „Langacker“ gefährdet sieht. Das Richtfest der neuen Gemeindehalle findet am 19. September statt. Am 22. September geben die Plaidter ihre Stimmen für die Wahlen zum Bundestag und für die Wahl des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Pellenz ab. Aus diesem Anlaß wird den Wählern im Wahllokal, der Grundschule, eine Foto- und Keramikausstellung dargeboten, die u.a. eine Vielzahl von vergrößerten historischen Postkarten aus der Sammlung Gert Fröhlich zeigt, die Karl Heinz Scheuren anfertigte. Die Ergebnisse der Bundestagswahl [Zahlen von der Internet-Homepage der Verbandsgemeinde Pellenz]: VG Pellenz Erststimmen

Plaidt Zweitstimmen

Erststimmen

Zweitstimmen

CDU

43,2%

41,1%

43,7%

41,5%

SPD

50,3%

41,8%

50,0%

42,5%

FDP

6,6%

7,5%

6,3%

6,7%

GRÜNE

6,8%

6,5%

Andere

2,9%

2,8%

Klaus Bell (CDU), Ortsbürgermeister von Plaidt, kandidiert gegen Gottfried Busch (SPD), Ortsbürgermeister von Nickenich, für das Amt des Bürgermeisters der 119

Ortschronik Juli 2002 bis Juni 2003

Verbandsgemeinde Pellenz. Bell gewinnt mit 61,1% gegen Busch mit 38,9%. Das beste Ergebnis erzielt Bell in Plaidt mit 74,4%. Die Wahlbeteiligung liegt bei 77,8%.

Abb. 3: Gratulation zum Wahlsieg, von links: Georg Moesta, Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat, Klaus und Helga Bell, Hedi Thelen, MdL, Jutta Unger, Foto Dirk Schwindenhammer

Bei dem Vortrag von Pfarrer Rith zum Thema „Begegnung mit dem Islam“ im Rahmen der „Interkulturellen Woche“ im Andernacher Kolpinghaus kommt es zu einem Eklat. Die ausländischen Bürger und einige deutsche verlassen den Saal. Oktober 2002 Schüler der Regionalen Schule Pellenz sammeln 1.810,- € für die vom Hochwasser geschädigte Grundschule in Deuben (Sachsen-Anhalt). Es gibt wieder Lachse in der Nette. Das kann die ARGE Nette durch ein fischereibiologisches Gutachten nachweisen. Die „Plääde Spökesköpp“ (gegründet im Mai 2002), die das rheinische Brauchtum und die Geselligkeit in Plaidt fördern wollen, veranstalten am 12. Oktober ihr „Krombierefest“. Der Musikzug „Rot-Weiß Plaidt“ feiert sein 45. Jubiläum am 19. Oktober mit einem Herbstkonzert unter Leitung von Achim Schommer in der Sporthalle der Regionalen Schule, dabei die Dudelsackband „Dudeldorf Lion Pipes & Drums“. Käthi und Paul Nikolai feiern am gleichen Tag Goldene Hochzeit. Der lange erwartete Ausbau der „Eicher Straße“ beginnt. Ende Oktober laden Gert Fröhlich, Wolfgang Horch und Frank Neupert zu einem Informationsabend zur Vorbereitung der Gründung des Plaidter Geschichtsvereins ein. Der Einladung folgen etwa 30 Interessenten. 120

Frank Neupert

Abb. 4: Der Musikzug „Rot-Weiß Plaidt“ mit den „Dudeldorf Lion Pipes & Drums“, Foto Dirk Schwindenhammer

Rudolf Schneichel, Ortsbürgermeister von Kruft, folgt Robert Weiler als Vorsitzender der CDU-Fraktion im Verbandsgemeinderat nach. November 2002 Der erste Plaidter Kunstpreis, für den sich vierzig Künstler beworben hatten, wird in der Galerie Lampa an die gebürtige Mendigerin Gertrud Riedmüller verliehen. Die Plaidter SPD tritt der „Bürgerinitiative Nettetal“ bei, die am 15. November auf dem „Alten Kirchplatz“ Unterschriften gegen den geplanten Basaltabbau sammelt. Johanna Hecker gewinnt die Rheinlandmeisterschaft im Badminton in der Altersgruppe U 11. Der Plaidter Jugendpfleger Robert Zerwas richtet in der Halle der Regionalen Schule ein Fußballturnier für Jugendtreffs und Jugendgruppen aus. Eine Nickenicher Gruppe gewinnt. Am Volkstrauertag wird eine Basalttafel als Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit in der Friedhofskapelle angebracht. Der „Frauenchor Plaidt“ tritt unter Leitung von Karl-Heinz Kohns zusammen mit dem „Chorleiterchor des Sängerbundes Rheinland-Pfalz“ am 24. November in Maria Laach auf. Der „Plaidter Geschichtsverein“ wird am 27. November im „Hotel Geromont“ gegründet. Dezember 2002 Die Plaidter Gemeindeverwaltung zieht am 5./6. Dezember in die Räumlichkeiten der neuen Gemeindehalle um. 121

Ortschronik Juli 2002 bis Juni 2003

Die Gemeinde Plaidt lädt alle Kinder und Jugendlichen zu einer Jugendversammlung ein. Klaus Bell berichtet über die neue „Inline-Skaterbahn“ an der Grundschule. Ihm und dem Jugendpfleger Robert Zerwas gegenüber können Anregungen, Ideen und Kritik geäußert werden. Die Veranstaltung findet wenig Resonanz. Die erschienenen Jugendlichen zeigen aber viel Engagement und bringen Ideen ein. Auf einem Feld zwischen Plaidt und Kretz sackt ein „Römerstollen“ ein. Alexander Zimmermann wird bei einem Turnier in Polch Vize-Rheinlandmeister im Badminton in der Altersklasse U 15. Bei dem traditionellen weihnachtlichen Kameradschaftsabend der Freiwilligen Feuerwehr Plaidt werden Wehrführer Kurt Mürtz und sein Stellvertreter Johannes Brengmann für ihre seit 20 Jahren andauernde leitende Tätigkeit mit dem Wappenteller der Verbandsgemeinde, überreicht durch Bürgermeister Paul Werner Kohns, geehrt. Die Vulkanpark GmbH zählt bis zum 1. November fast 34.000 Besucher im „Infozentrum Rauschermühle“. Am 20. Dezember wird das ehemalige Spritzenhaus auf dem „Alten Kirchplatz“, bis vor kurzem Sitz von Gemeindeverwaltung und Bauhof, abgerissen. Der Frauenchor Plaidt gibt in der Pfarrkirche „St. Willibrord“ ein festliches Weihnachtskonzert. Der Kindergarten „Arche Noah“ spendet den Erlös (2.300 €) aus dem Fest zum zehnjährigen Bestehen dem von der Flutkatastrophe betroffenen Kindergarten in Eilenburg (Sachsen). Auf seiner Jahresabschlußveranstaltung ernennt der Männerchor Plaidt Albert Neckel und Berni Abb. 5: Abriß des seit den 50er Jahren „provisorischen“ Gemeindebüros, Foto Alfred Fergen Cornet zu Ehrenmitgliedern. Januar 2003 Der Plaidter Gartenbauverein spendet seinen Erlös aus dem Weihnachtsmarkt zu je 1.000,- € an die offene Jugendarbeit in Plaidt und an den Förderverein für Behinderte in Neuwied. Am 22. Januar wird der frühere Direktor der Raiffeisenbank, Albert Weiler, 80 Jahre alt. Neben seiner Tätigkeit in einer Reihe von Vereinen war er langjährig im Kirchenvorstand und 20 Jahre im Gemeinderat. Alexander Zimmermann und Timm Griesbach werden Rheinlandmeister im Badminton in der Altersklasse U 15.

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Frank Neupert

Februar 2003 Die Freiwilligen Feuerwehren der Pellenz ziehen die Bilanz für das Jahr 2002: 192 Feuerwehrmänner und -frauen taten Dienst; die fünf Einheiten meisterten 106 Einsätze, davon 69 für technische Hilfe und 37 bei Bränden. Der spektakulärste Einsatz war der bei einem Bombenfund in Plaidt am 29.4.2002. Am 1. Februar führen Schüler der Grundschule Plaidt das Musical „Felix‘ Reise um die Welt“ auf. Die Frauenunion spendet der Grundschule 750 € zum Ausbau des dortigen Spielplatzes. Gisela Wirfs (geborene Kretzer) ist seit 50 Jahren bei den „Fidelen Möhnen“ aktiv. Otto A. Gönner sowie Peter Kraus werden Ehrenmitglieder der „St. Hubertus Schützenbruderschaft“. Der Gemeindehaushalt 2003 hat mit rund 9,4 Millionen € das größte Gesamtvolumen der Nachkriegszeit. Nachdem Dieter Zimmermann sein Amt als zweiter Ortsbeigeordneter zur Verfügung gestellt hat, wird mit den Stimmen der CDU, gegen die der SPD, das Amt des dritten Ortsbeigeordneten eingeführt. Neuer erster Beigeordneter wird Dirk Schwindenhammer (CDU), Alois Hickmann (CDU) bleibt zweiter und Dagmar Menges (CDU) wird die neue dritte Beigeordnete. März 2003 Am 1. März wird Bürgermeister Paul Werner Kohns in den Ruhestand verabschiedet. Als Nachfolger im Amt wird Klaus Bell vereidigt. Ministerpräsident Kurt Beck verleiht bei diesem Festakt Kohns im Namen des Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz erster Klasse und Staatsminister Gernot Mittler wünscht Kohns und Bell alles Gute für die Zukunft. Sebastian Bleser heißt das 100. Mitglied des „Plaidter Geschichtsvereins“. Der Plaidter Männerchor feiert in diesem Jahr sein 150jähriges Bestehen mit einigen musikalischen und Abb. 6: Wolfgang Horch, Geschäftsführer des geselligen Veranstaltungen. Den „Plaidter Geschichtsvereins“, mit dem 100. Mitglied Anfang macht ein gemeinsames Sebastian Bleser, Foto Wolfgang Horch Konzert mit der Frankfurter Kirchen-Rockband „Unisono“ am 9. März in der Pfarrkirche „St. Willibrord“. Die Deutsche Meisterin und Teilnehmerin der Olympiade von 1964 in Tokio Erna Kreten (geb. Maisack) wird für ihre 40jährige Tätigkeit als Dozentin der VHS geehrt. Die CDU nominiert den ersten Ortsbeigeordneten Dirk Schwindenhammer einstimmig als Kandidaten für die anstehende Wahl zum Ortsbürgermeister. Gemeinderatsfraktion und Vorstand des SPD-Ortsvereins schlagen ebenso einstimmig Wil123

Ortschronik Juli 2002 bis Juni 2003

helm Anheier, von 1994 bis 1999 schon als erster Beigeordneter der Gemeinde tätig, vor. Beide Kandidaten werden auf nachfolgenden Mitgliederversammlungen der Parteien bestätigt. Ab 19. März veranstaltet der „Plaidter Geschichtsverein“ zusammen mit der VHS den Kurs „Lesen von altdeutschen Schriften“. An den zehn Doppelstunden nehmen 15 Geschichtsinteressierte teil. Der Vorsitzende des „TV Jahn“ Albert Neckel kann bei der Jahreshauptversammlung des Vereins das tausendste Mitglied begrüßen: die vierjährige Rebecca Heuft. April 2003 An jedem ersten Montag eines Monats findet ab jetzt der Stammtisch des „Plaidter Geschichtsvereins“ im „Eifler Hof“ statt, zu dem alle geschichtsinteressierten Bürger eingeladen sind. In lockerer Runde soll es um Historie und Histörchen gehen. Der Seniorentreff „Auf der Pütz“, der täglich von etwa 20 Senioren frequentiert wird, ist in Eigenleistung renoviert worden. Am Werk waren Wolfgang Lustenberger als Leiter der Einrichtung, Toni Spurzem, Richard Birkenheier, Georg Ginkel und Erich Rössel. Gert Fröhlich vom „Plaidter Geschichtsverein“ überreicht Wolfgang Lustenberger zwei Fotos mit historischen Ansichten der „Pütz“. In den Räumen des Informationszentrums Rauschermühle wird Klaus Bell offiziell verabschiedet. Die Plaidter Jugendfeuerwehr führt zusammen mit der Rettungshundestaffel Rhein-Mosel im Gelände um Burg Wernerseck eine Übung durch, bei der Vermißte und Verschüttete aufgespürt und geborgen werden. Goldene Hochzeit feiern Marlene und Fritz Nehmeier am 30. April. Ehrenmitglied des „FC Alemannia“ wird nach 57jähriger Mitgliedschaft Anton Nix. Mai 2003 Goldene Hochzeit feiern Hilde und Kurt Schattner am 10. Mai. Am gleichen Tag veranstaltet der „Plaidter Geschichtsverein“ aus Anlaß der Vereinsgründung einen Festakt im Informationszentrum Rauschermühle. Den Festvor-

Abb. 7: Beim Festakt von links Bürgermeister Klaus Bell, 2. Vorsitzende Dr. Maria Zaar-Görgens, Dr. Rita Voltmer, Landrat Albert Berg-Winters, Vorsitzender Frank Neupert, Foto Wolfgang Horch

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Frank Neupert

Abb. 8: Die beiden Vorsitzenden des Plaidter Geschichtsvereins, Foto Wolfgang Horch

trag mit dem Thema „Jagd auf böse Leute. Hexenverfolgung in der Region um den Laacher See“ hält Dr. Rita Voltmer, und der „Junge Chor“ übernimmt das Rahmenprogramm. Die Veranstaltung besuchen etwa 130 Geschichtsinteressierte. Mit einem Festakt in der Grundschule begeht der „Männerchor Plaidt“ sein 150. Jubiläum. Die Vereinsgeschichte faßt Erwin Lotzen zusammen. Am 11. Mai wird Wilhelm Anheier mit 55,21% der abgegebenen Stimmen zum neuen Ortsbürgermeister gewählt. Die Wahlbeteiligung liegt bei 57,3%.

Abb. 9: Gratulation für Wilhelm Anheier durch den Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Alfred Pickenhahn, Staatsminister Gernot Mittler und Bürgermeister Paul Werner Kohns, Foto Günter Bogisch

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Ortschronik Juli 2002 bis Juni 2003

Das 75. Jubiläum feiert die „Kolpingfamilie“. Martin Luy, eines der ältesten Mitglieder, trägt die Geschichte des Vereins vor. Juni 2003 Am 1. Juni wird in der Turnhalle der Hauptschule das Musical „Jesus Christ Superstar“ von der „Times Square-Productions New York“ mit großem Erfolg aufgeführt. Der Kunst- und Handwerkermarkt am 7. und 8. Juni, organisiert vom Kulturverein „Pegasus“, wird einmal mehr ein voller Erfolg. Wilhelm Anheier wird als neuer Ortsbürgermeister vereidigt. Kinder, Eltern, Lehrer und Gemeindearbeiter setzen die Sportanlage der Grundschule wieder instand. Anhand alter Karten und Pläne hat Klaus Marzi den genauen Standort der alten Plaidter Pfarrkirche ermittelt. Am 14. Juni werden die Eckpunkte auf dem „Alten Kirchplatz“ von Mitgliedern des „Plaidter Geschichtsvereins“ genauestens eingemessen und farbig markiert.

Abb. 10: Klaus Marzi und Pfarrer Rith begutachten den Plan; im Hintergrund Berni Cornet, Frank Neupert und Ortsbürgermeister Wilhelm Anheier, Foto Karl-Heinz Scheuren

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Personenindex

Personenindex In diesem Index sind überregional bedeutende Personen nur dann aufgenommen, wenn ein direkter Bezug zu Plaidt aus dem jeweiligen Text ersichtlich ist. Autoren, Firmen und Namen bei den Herkunftsnachweisen der Abbildungen sind nicht berücksichtigt. Bei genealogischen Aufsätzen erfolgt nur der Hinweis auf die Familie (vgl. Marci/Geil). Ackermann, Agnes, 111 Ackermann, Anna, 57 Ackermann, Karl, 104 Ackermann, Willi, 118 Adams, Michael Aloysius, 110/111 Adams, Studienrat, 84, 106 Ahrweiler, Paul, 110 Alsbach, Margaretha, 59 Ammel, Arthur Anton, 109 Anheier, Wilhelm, 3, 123-126 Anna aus Rieden, 18 Arenz, Alfons, 105 Arenz, Anton, 59 Arenz, Mathias, 59 Auer, Werner, 101 Auler, Maria Luise, 104 Ax (Peter), 106 Ax, Otto, 107 Bach, Boxer, 109 Bajew, Christo, 112 Baretzki, Stefan, 75-81 Barkleit, Paul Ernst, 104 Bartz, Anna Margaretha, 59 Bartz, Anna Maria, 58 Bartz, Bruno, 118 Bartz, Dorothea Margareta, 103 Bartz, Elfriede Klara, 106 Bartz, Gertrud, 66 Bartz, Hans, 108 Bartz, Jakob, 59 Bartz, Josef, 51, 56 Bartz, Maria, 58, 60, 61 Bartz, Peter, 58, 60 Barz, Hans Georg, 112 Bates, Maxwell, 97 Batta, Fam., 61 Batta, Nikolaus, 103 Bauch, Karin Renate, 110 Baulig, Willibrord, 106 Beck, Kurt, 123

Beger, Dr. Bruno, 86 Bell, Hans, 54 Bell, Helga, 120 Bell, Klaus, 1, 7, 56, 119, 120, 122-124 Bell, Waldemar, 109 Bender, Johann, 30, 33 Bentzerath, Eligia von, 17 Berens, Peter, 108 Beresheim, Eva, 106 Berg, Axel von, 40 Berg, Günther, 104 Berg-Winters, Albert, 124 Bernard, Schützenbruder, 114 Bernhard, Franz, 108 Bernhard, Peter, 108 Bianchi, Florian, 55 Birkenheier, Richard, 124 Blaszyk, Franziska, 101 Bleser, Sebastian, 123 Blom, Thonis, 33 Blum, Anna Catharina, 58 Bohr, Fam., 51 Bork, Lehrer, 106 Bosinski, Gerhard, 40 Boucher, Jean, 28 Bozem, Maria-Anna, 110 Brauer, Elly, 101 Braun, Harald Anton, 104 Braun, Julius, 52 Breit, Petronella, 104 Breitbach, Anna, 61 Breitbach, Fam., 48 Brengmann, Johannes, 122 Büchel, Gertrud, 60 Büchel, Monika Lieselotte, 110 Busch, Gottfried, 119 Busenthür, Bartholomäus, 60 Busenthür, Catharina Margaretha, 59 Busenthür, Franz Josef, 60 Busenthür, Franz, 115 127

Personenindex

Busenthür, Jacob, 59 Bütgenbach, Theresia, 109 Butz, Anton, 104 Butz, Fam., 112 Butz, Jürgen, 102 Butz, Peter Erich, 104 Butz, Peter, 101 Butz, Renate, 105 Butzbach, Johannes, 11, 12 Camps, Christian, 117 Carr, Emily, 97 Castor, Josef, 61 Castor, Werner, 61 Chambers, Boxer, 109 Conradi, Lore, 112 Conrads, Helene, 16-19, 21 Cornet, Berni, 5, 122, 126 Cornet, Margareta, 109 Dedenbach, Michael, 91 Degen, Fritz, 118 Degen, Hermann, 74 Degen, Josef, 106 Degen, Rita Dorothea, 106 Degen, Robert, 101 Deusen, Peter, 89 Dietzler, Reiner Georg, 111 Dillenberger, Geschwister, 90 Doering, Zeuge, 79 Döll, Barbara Eva, 104 Döll, Jakob, 104, 105 Döll, Kurt Günter Antonius, 104 Dommermuth, Gertrud Katharina, 102 Dötsch, Isolde Ottilie, 109 Dreiser, Anita, 56 Drexler, Anneliese, 105 Drexler, Hedwig Therese, 111 Dreys, Margaretha, 36 Durwen, Heinz, 106 Durwen, Nikolaus, 91 Eichel, Heinz, 106 Einig, Erwin, 107 Eltz, Anton von, 19 Engels, Anna Catharina, 65 Engels, Emmerich, 55 Engels, Gabi, 47 Engels, Uwe, 48 Engels, Roland, 107 128

Esser, Mathilde, 106 Eva aus Wehr, 16 Ferdinand, Kurfürst von Köln, 28 Fischer, Ottilie Katharina, 109 Flaucher, Gilda Walburga, 106 Flöck, Horst Franz, 112 Francois, Karl Jakob, 112 Frank, Anna Maria, 61 Frank, Luzia, 66 Frank, Matthias, 107 Frank, Peter, 107 Franz, Charlotte Hildegard Margarete, 104 Frickel, Gertrud, 66 Fröhlich, Gert, 5, 119, 120, 124 Führ, Johann, 107 Fülbier, Lutz, 105 Füllenbach, Fred, 90 Geil, Engelbert, 107 Geil/Gail, Genealogie d. Fam., 64-68 Geisen, Margaethe, 59, 60 Geisen, Philipp, 60 Gerke, Hermine, 104 Geromont, Bodo, 5, 50, 55, 80 Geromont, Eva-Maria, 66, 67 Geromont, Nikolaus Ignaz, 67 Gieseking, Charlotte, 86 Gilles, Anna Maria, 58, 60 Ginkel, Georg, 124 Glagau, Christine, 55 Glagau, Hans, 47 Göddertz, Katharina, 105 Gödertz, Balthasar, 58 Gondorf, Karl, 107 Gönner, Otto A., 89, 106, 123 Görgen, Karl, 114 Gorges, Willi, 54 Gotland, Simon, 77 Gräf, Friedrich Erich, 111 Gräf, Gisela, 109 Graham, Collin, 97 Griesbach, Timm, 122 Grimmig, Christa, 105 Groh, Dr., 89 Groß, Hans Josef, 102 Groß, Werner, 103 Grundmann, Hans Dieter, 111

Personenindex

Grützmacher, Kurt, 104 Gustke, Harry, 105 Gwozdzik, Zeuge, 81 Haag, Wolfgang Ludwig, 105 Haefner, Clarissa, 109 Hahn(en), Marx, 30, 32, 33 Haupt, Direktor, 90 Haußmann, Franz, 30, 34 Heck, Dr., 86, 90 Hecker, Johanna, 121 Heidbüchel, Monika, 107 Heiliger, Lehrer, 55 Heiliger, Michael, 105 Heinz, Hans, 83, 87 Heinzen, Anna Catharina, 59 Helmes, Architekt, 50 Hengesbach, Katharina, 107 Hengesbach, Peter Ernst Herbert, 109 Hensgen, Fam., 51 Herfeldt, Bodo, 54 Herfeldt, Fam., 52, 72, 103 Hermann, Josef, 109 Heuft, Rebecca, 124 Heuser, Landwirt, 45, 50 Hickmann, Alois, 54, 123 Hickmann, Friedrich, 111 Hillesheim, Anna, 66 Hillesheim, Franz, 105 Hillesheim, Friedrich, 105 Hillesheim, Günter, 115 Hillesheim, Maria Magdalena, 59 Hillesheim, Peter Josef, 66 Hilt, Elisabeth, 61 Hirsch, Fam., 51 Hirsch, Rosa Gabriele, 104 Hoffmann, Johannes, 83, 84, 87, 105 Höger, Boxer, 108 Höhn, Lehrer, 90 Horch, Wolfgang, 5, 6, 9, 10, 46, 120, 123 Horn, Georg, 108 Hover, Trein, 16, 29, 32, 33 Hübel, Maria Theresia, 104 Hummes, Margot, 104 Hummes, Ursula, 104 Hündgen, Frau, 49, 55 Hütten, Walter von der, 66

Innich, Appolonia, 16 Innich, Diedrich, 16 Institoris, Heinrich, 12 Iven, Albert sen., 83, 104, 106 Jaekel, Rolf Günter, 86 Jäschke, Fam., 51 Jäschke, Maria, 47, 51, 56 Johanna aus Wehr, 15 Johnen, Johann, 104 Jonas, Nikolaus, 105 Jung, Fam., 47 Jung, Hans, 87 Jung, Monika, 55 Jungbluth, Fam., 48 Jungbluth, Witwe, 102 Kahlhofen, Fam., 51 Kaiser, Dr., 86 Kaiser, Lehrer, 91 Kallas, Boxer, 108 Kaul, Peter Aloysius, 104 Kecker, Eberhard, 111 Kehrig, Johann, 65 Kiesewetter, Pfarrer, 84, 87 Klasen, Jakob, 104 Klasen, Maria, 107 Klasen, Nikolaus, 107 Klein, Gertrude, 107 Kleiner, Anna Maria, 61 Kleiner, Peter Wilhelm, 61 Klinger, Udo, 103 Kohns, Karl-Heinz, 121 Kohns, Paul Werner, 122, 123, 125 Kolb, Anton, 16 Kolb, Arnold, 18 Kolligs, Anton, 59 Kolligs, Maria, 59 Köllner, Hermann, 109 Kölzer, Katharina, 60 Kölzer, Margareta, 115 Konrads, Helene, 93 Köntgen, Elisabeth, 65 Körner, Karl, 104 Kowalski, Horst, 118 Krämer, Dorothea, 111 Krämer, Franz Arthur, 104 Krämer, Gerlinde, 101, 105 Kraus, Georg, 104 129

Personenindex

Kraus, Günther, 105 Kraus, Margareta, 105 Kraus, Peter, 123 Krechel, Anna, 112 Krechel, Eleonore, 60 Krechel, Jakob, 60 Krechel, Ursula, 112 Kreier Mathias, 107 Kreier, Hans, 118 Kreten, Erna, 123 Kretzer, Eva, 112 Kretzer, Hans Georg, 111 Kretzer, Magdalena, 105 Kretzer, Peter Anton, 102 Kretzer, Rita, 119 Kröber, Margaretha, 36 Kugelmann, Zeuge, 81 Künster, Hermann, 58 Kuppert, Hermann, 115 Kuppert, Maria Sofia, 115 Kurth, Anton, 65 Kurth, Fam., 64 Kurth, Peter, 104 Kütscher, Genoveva, 65 Kütscher, Michael, 65 Lampa, Daniel, 3, 93-100 Lampa, Lotte, 94, 96, 99 Lampa, Rudolf, 93 Lampa, Tanja, 99 Lauterbach, Lorenz, 61 Laux, Boxer, 108 Laux, Margarethe, 16, 17, 21, 30, 33, 34 Leber, Ernst, 104 Leber, Willi, 118 Lehmann, Anna Barbara, 66 Leiß, Sepp, 53, 54, 91 Lenzen, Ingeborg, 111 Leseau, Gertrud, 106 Leyen, Carl Caspar von der, 29 Leyen, Georg von der, 28 Leyen, Simon von der, 11 Leyendecker, Helmut, 105 Leyendecker, Ursula, 102 Lieser, Katharina, 103 Linden, Barbara, 60 Lohner, Günther, 106 Lohner, Heinz, 108 130

Lohner, Johann Peter, 104 Lohner, Peter, 107 Loos, Anna Maria, 102 Loschner, Prof., 95 Loß, Augustin, 12, 17, 21, 28, 29, 33, 34 Lotzen, Erwin, 125 Lotzen, Josef Albert, 60 Lotzen, Maria Elisabeth, 59 Lüdtke, Rita Edith, 104 Lustenberger, Christa, 107 Lustenberger, Wolfgang, 124 Luy, Martin, 126 Maka, Harald Hermann Josef, 104 Mand, Toni, 106 Mannebach, Maria, 64 Mannebach, Peter, 107 Marci, Elisabeth, 64 Marci, Jacobus, 69 Marci, Johann Stefan, 66 Marci, Johann Wilhelm, 75 Marci, Josef, 75 Marci, Maria Catharina, 65 Marci, Matthias, 66 Marci, Nicolaus, 69 Marci/Marzi, Genealogie d. Fam., 57-63 Martin, Andreas, 117 Marzi, Gertrud, 104 Marzi, Günter, 105 Marzi, Josef, 104 Marzi, Klaus, 5, 7, 9, 10, 126 Matyschak, Thea, 105 Maurer, Anna, 106 May, Anna Juliana, 64 May, Wilhelm, 64 Mayer, Anna, 111 Mayer, Michael Felix, 111 Mehlis, Fritz, 55 Mehlis, Helmut, 50, 55 Mehlis, Nikolaus, 104 Menges, Dagmar, 123 Meyer, Dr. Jürg, 89 Meyer, Eva-Maria, 102 Mittler, Gernot, 123, 125 Möden, Johannes, 19, 20 Moden, Margaretha, 36 Modus, Franciscus, 28

Personenindex

Moesta, Georg, 120 Moesta, Hans, 83 Mohr, Boxer, 108 Mohr, Franziska, 106 Mohr, Johannes, 19 Mohr, Lambert, 118 Mohr, Maria Anna, 66 Mölich, Hans Wilhelm, 36 Monreal, Pitt, 106 Monreal, Wehrführer, 103 Monschauer, Angelika, 103 Morbach, Hans, 25, 83, 84, 86, 90, 91, 105, 110 Mösch, Wilhelm, 60 Mosen, Gerhard Heinrich Gert, 106 Mucha, Annemarie, 107 Mucha, Otto, 103 Mühlheim, Heinrich von, 19 Mülhausen, Anton, 108 Mülhausen, Karl, 108 Müller, Anton, 104 Müller, Erich, 107 Müller, Fam., 64 Müller, Franz, 72, 74 Müller, Friedrich Walter Müller, Georg, 104, 105 Müller, Hans Hermann, 112 Müller, Margareta, 103 Müller, Margot, 104 Münzel, Albert, 114 Mürtz, Anton, 66 Mürtz, Friedrich, 54, 66 Mürtz, Gertrud, 114 Mürtz, Hildegard, 112 Mürtz, Johannes Kurt, 106 Mürtz, Josef, 54 Mürtz, Kurt, 122 Mürtz, Peter, 104, 106 Mürtz, Rita Annette, 106 Mürtz, Walter, 108, 109 Müsch, Maria Appolonia, 103 Nachtsheim, Franz Josef, 110 Nachtsheim, Josef, 74 Nachtsheim, Karl, 5, 9, 80, 106, 115 Nachtsheim, Paul, 115 Nachtsheim, Wilhelm, 107 Neckel, Albert, 122, 124

Nehmeier, Johann Friedrich, 111, 124 Nehmeier, Marlene, 124 Neideck, Walter, 108 Nett, Hedwig, 103 Nett, Karl-Heinz, 105 Neumann, Anni, 107 Neumann, Beatrix Gertrud, 103 Neupert, Frank, 5, 120, 124-126 Nikolai, Käthi, 120 Nikolai, Paul, 102, 120 Nix, Anton, 124 Olbrück, Georg Anton Waldbott von, 64 Oster, Maria Gertrud, 106 Pannhausen, Balthasar, 14 Paulen, Sophia, 118 Pergener, Jeremias, 17, 28, 29, 33, 37 Pergener, Johannes, 17, 28, 29, 33, 34, 37 Peters, Heinrich, 54, 55 Pfannstiel, Pfarrer, 87 Pickenhahn, Alfred, 125 Pinger, Margaretha, 59 Pitsch, Adele Josefine, 104 Plaidt zu Longuich, Familie, 17 Polch, Johann, 64 Polch, Nicolaus, 57 Poß, Franz Lorenz, 104 Poß, Ursula, 102 Preuser, Maria, 67 Pütz, Anna Catharina, 59 Pütz, Johann Willibrord, 59 Quary, Anneliese, 105 Rausch, Helga, 114 Rausch, Rektor, 87, 88 Reichert, Friedel, 101 Reichert, Hans, 108 Reintges, Anna Elisabeth, 107 Reuter, Peter, 59, 60 Reuter, Wilhelm, 114 Richter, Anton, 65 Richter, Elisabeth, 57 Richter, Lucia, 65 Richter, Margaretha, 65 Riedel, Prof. Walter, 100 Riedmüller, Gertrud, 121 Rieger, Albert, 95, 96 Rith, Hans, 7, 120, 126 131

Personenindex

Roch, Adam, 52, 56 Roch, Elisabeth, 103 Roch, Matthias, 115 Roden, Erika, 106 Röder, Dr., 84 Röder, Felix, 118 Röhrig, Werner, 106 Röhrig, Wolfgang Herbert, 115 Rollmann, Eberhard, 103, 119 Rollmann, Hedwig, 119 Rollmann, Johann Michael, 83, 84, 102-106 Rollmann, Katharina, 60 Rollmann, Peter, 60 Roos, Gertrud, 115 Rössel, Erich, 124 Rother, Anna Margareta, 111 Rother, Kurt Walter, 103 Rudolf, Peter, 109 Rummel, Walter, 10 Rumpf, Paula, 67 Runk, Anna, 112 Sacher, Rolf Dieter, 115 Sachs, Hans, 108 Sauerborn, Günther, 108 Sauerborn, Maria Margaretha, 67 Schäfer, Albert, 105, 108 Schäfer, Dr. Klaus, 118 Schäfer, Eva, 67 Schäfer, Hans Werner, 101 Schäfer, Jakob, 67 Schäfer, Katharina, 109 Schäfer, Nikolaus, 61 Schall von Bell, Gertrud, 18, 19 Schattner, Hilde, 124 Schattner, Kurt Johannes, 104, 124 Schefbauer, Marlene, 111 Scheffer, Anton, 57 Scherer, Hildegard Anna, 104 Scherer, Rosemarie, 111 Scherhag, Franz, 104 Scherhag, Maria Magdalena, 60 Scherhag, Maria, 67 Scheuren, Karl Heinz, 119 Schlicht, Agnes, 107 Schmidt, Oskar, 105 Schmitt, Gretel, 55 132

Schmitt, Herbert, 46, 55 Schmitz, Erwin, 101 Schmitz, Friedrich, 66 Schmitz, Gertrud, 60 Schmitz, Josef, 106 Schmitz, Juliane, 66 Schmitz, Rainer Josef, 106 Schmitz, Wilhelm Friedrich, 105 Schneichel, Rudolf, 121 Schneider, Barbara, 66 Schneider, Eva, 15 Schneider, Johann, 66 Schneider, Katharina, 102 Schneider, Tonis, 15, 16 Schnell, Lehrerin, 91 Scholl, Doris, 105 Schollmeyer, Lehrer, 91 Schommer, Achim, 120 Schommer, Bernd, 88, 110 Schommer, Eva, 57 Schommer, Friedrich, 57 Schommer, Gangolf, 60 Schommer, Helene, 60 Schommer, Katharina, 50, 51, 55 Schommer, Maria Barbara, 57 Schommer, Reinart, 57 Schönborn, Lehrer, 90 Schrömges, Hubert, 102 Schuhmacher, Alois, 101 Schulz, Richard Karl August, 112 Schwarzhuber, Lagerführer, 79 Schweikert, Maria, 60 Schwendonius, Maria, 107 Schwindenhammer, Dirk, 123 Seiffen, Adelheid, 112 Seul, Maria, 72 Siebner, Herbert, 97 Sippli, Gerhard, 112 Skrinda, Erna Ingrid, 111 Sosna, Helene Alwine Erna, 112 Spessart, Prof., 109 Spitzlei, Erich Mathias, 112 Spörrle, Horst, 101 Spurzem, Engelbert, 86 Spurzem, Gertrud, 46 Spurzem, Greda, 104 Spurzem, Johann Wilhelm, 104

Personenindex

Spurzem, Karl Eberhard, 111 Spurzem, Toni, 124 Squarra, Edelgard Erna, 102 Stein, Heinz, 117 Steinbrecher, Gutsverwalter, 83, 89 Steinmetz, Boxer, 109 Strahl, Andreas, 66 Strahl, Genoveva, 66 Terwelp, Gerhard, 25 Theis, Johannes, 115 Thelen, Hedi, 120 Theusch, Anton, 106 Thewalt, Karin, 105 Thewalt, Peter, 5, 105 Thomas, Johann Josef, 60 Thomson, Tom, 97 Tirrée, Josef, 104 Tirrée, Leo, 106 Trümper, Frl. Dr., 91 Ulhas, Josef, 83 Unger, Erwin, 5 Unger, Josef, 104 Unger, Jutta, 120 Unger, Karl Josef, 112 Unger, Rosa Maria, 104 Vianden, Eberhard, 88 Vogt, Anton, 66 Vogt, Brüder, 61 Vogt, Johann, 59 Vogt, Rolf Hermann Josef, 103 Vogt, sen., 110 Voltmer, Dr. Rita, 6, 7, 124, 125 Wagner Karl, 108 Wagner, Elisabeth, 102 Wambach, Maritta, 101 Wanders, Heinrich Gerhard, 115 Wanschura, Dietrich Ludwig, 104 Weber, Anna Margaretha, 58 Weber, Johann, 59 Weckber, Johann, 57 Weckber, Maria, 57 Weidenbach, Johann Wilhelm, 60 Weidenbach, Magdalena, 65 Weidenbach, Maria Margaretha, 59, 60 Weidenbach, Stephan, 10 Weiler, Albert, 122 Weiler, Norbert, 111

Weiler, Richard, 83, 84, 87, 91, 112, 114 Weiler, Robert, 121 Weiler, Walter, 56 Weinand, Elmar, 5 Weinand, Hermann, 83, 104 Weinand, Peter, 75 Weis, Hans, 105 Weis, Johann Felix, 107 Weller, Robert, 101 Werling, Christa, 56 Wilbert, Johann Georg, 65 Wilbert, Karl, 108 Wilhelmy, Maria, 104 Wilhelmy, Werner, 108 Wilkes, Anna Maria, 65 Wilkes, Gertrud, 112 Wilkes, Johann Balthasar, 65 Willems, Johann, 60 Wirfs, Gisela, 55, 123 Wirfs, Walter, 83 Wirth, Oberamtmann, 90, 91 Wolf, Mathilde, 55 Wölfgen, 17, 29, 30, 33, 37 Wolscheid, Anton, 64 Wolscheid, Christina, 64 Wolscheid, Wilhelm, 64 Wyck, Albert Paul van, 106 Zaar-Görgens, Maria, 5, 124, 125 Zannin, August, 50 Zerwas, Robert, 121, 122 Zillien, Max-Felix, 73 Zils, Katharina Rosa, 106 Zimmermann, Alexander, 122 Zimmermann, Dieter, 123

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Auf der Vorderseite ist eine Postkarte aus der Sammlung Gert Fröhlich mit einer Ansicht der „Pütz“ um das Jahr 1918 abgebildet. Links das Haus der Metzgerei Jakob Stefmacher, dahinter Schuster Josef Müller und Familie (Klaus) Jungbluth; rechts am Rand das Haus des Juden Hermann Haimann, dann Engelbert Spurzem („Schöffe“) und Bäckerei Fritz Leber mit Fachwerk-Scheune Auf der Rückseite der Postkarte hatte sich ein amerikanischer Soldat eine Notiz gemacht: The town we now occupy. It is neat, clean and close to the Rhine. (Die Stadt, die wir jetzt besetzen. Sie ist nett, sauber und ganz in der Nähe des Rheins.)