Gottesdienst vom , Uhr EMK Solothurn

Gottesdienst vom 20.11.2016, 10.00 Uhr EMK Solothurn Thema: Erlösendes aus dem Jenseits Eingangsspiel Manuela Begrüssung Richard Lied 375,1-3 O H...
Author: Irma Dunkle
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Gottesdienst vom 20.11.2016, 10.00 Uhr EMK Solothurn Thema: Erlösendes aus dem Jenseits

Eingangsspiel

Manuela

Begrüssung

Richard

Lied 375,1-3 O Herr, du bist mein Heil und Licht Einleitung / Gebet (Vorschläge für Lesungen: Jes 25,6-9; Joh 14,1-3) Lied 371,1.2.4 Befiehl du deine Wege

Manuela

Predigt Off 21,4

Urs

Zwischenspiel

Manuela

Gedenken

Urs

Kollekte/Lied 649,1.2.5.6 Jesus lebt, mit ihm auch ich

Manuela

Abendmahl Einleitung

Urs

Lobpreislied

Yves&Band

Einsetzungworte und Austeilung

Urs

Während Austeilung: Lobpreis (4 Lieder)

Yves&Band

Persönliches/bes. Mitteilungen

UR

Segenslied 372,1 So nimm denn meine Hände:

Manuela

Segen

UR

Ausgangsspiel

Manuela

Der Bibeltext für den heutigen Ewigkeitssonntag steht in Offenbarung 21,1-7: Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn/meine Tochter sein. Diese Verse stammen aus der Zeit (ca 90 n. Chr.), da die ersten systematischen Christenverfolgungen durch den römischen Kaiser angeordnet wurden. Es gab vorher schon da oder dort lokale Gewalt gegen ChristInnen. Aber nun begann der Kaiser alle, die an Christus glaubten und ihm den Kaiserkult verweigerten, zu verfolgen und zu unterdrücken. Viele starben einen grausamen Tod. Die ChristInnen mussten sich verstecken, ihren Gott heimlich anbeten. Angst und Schmerz gehörten zu ihrem Leben. Und da kann der Seher Johannes einen Blick in eine andere Wirklichkeit werfen. Da sieht er in atemberaubenden Bildern einen neuen Himmel und eine neue Erde. Da gibt es kein Leid und kein Geschrei mehr, und er sieht, wie Gott alle Tränen von den Augen der Menschen aller Völker abwischt. Ich bleibe heute vor allem bei diesem Bild: Gott wischt alle Tränen ab. So steht es da, ganz wörtlich übersetzt: „Er wird abwischen jede Träne aus ihren Augen.“ Da kommt ein Gott, der so anders ist der römische Kaiser und andere Herrscher dieser Welt: nicht ein Gott, der Tränen verursacht, sondern der Tränen abwischt; nicht ein Gott, den Tränen und Geschrei kalt lassen, sondern ein Gott, der die Tränen sieht. „Gott wird abwischen jede Träne von ihren Augen.“ Da ist nicht eine Träne, die unbeachtet bleibt. Gott sind unsere Tränen nicht gleichgültig. Wir haben oft Mühe, wenn wir weinen müssen und andere es sehen. Manchmal kann ich es gut verstehen, aber manchmal frage ich mich: Warum eigentlich? Schämen wir uns, weil wir schwach sind? Oder haben wir Angst, weil wir uns verletzlich machen? Ich wünschte mir, dass sich niemand für seine Tränen schämen muss, dass niemand seine Tränen unterdrücken muss, weil er/sie dann nicht mehr akzeptiert wäre. Es ist ein Segen, wenn Menschen weinen können. Denn einerseits hat Weinen manchmal eine befreiende Wirkung. Und andererseits spürt man, dass da Menschen sind mit einem Herz, das lebt und fühlt, mit einem Herz, das Schmerz empfindet und erschüttert werden kann. Was für ein Segen sind Menschen, die Leid wahrnehmen und sich erschüttern lassen.

Darum hat Jesus einmal diejenigen seliggepriesen, die weinen (Lk 6,21), und diejenigen, die traurig sind. (Mt 5,4) Und er hat versprochen, dass sie getröstet werden. Ja, oft genug sieht es anders aus. Umfragewerte für PolitikerInnen mit einem Herz, das sich erschüttern lässt, sinken oft drastisch; Menschen, die traurig sind, weil sie einen nahen Menschen verloren haben, müssen möglichst schnell wieder funktionieren. Aber der Seher Johannes sieht über das hinaus, was wir sehen. Er sieht eine andere Wirklichkeit, in der Raum ist für Tränen. Und da sieht er, wie Gott jede Träne von den Augen derer wischt, die zu ihm heimgekehrt sind. Jetzt, können die sich die Tränen lösen. Da dürfen die Tränen fliessen, und gerade darum kann der Schmerz heilen. Eines Tages wird die Zeit der Tränen vorbei sein. Gott wird abwischen unsere Tränen – unsere Tränen über den Verlust geliebter Menschen, unsere Tränen der Verzweiflung, weil wir etwas Schlimmem ausgeliefert waren, unsere Tränen der Wut über himmelschreiende Ungerechtigkeit, unsere Tränen über zerbrochene Lebensträume, unsere Tränen über Fehler, die wir gemacht haben, unsere Tränen über uns selbst, weil wir nicht so waren, wie wir sein wollten. Gott wird abwischen alle Tränen aus unseren Augen. Dann werden wir erlöst sein von Schmerz und Not, von dem, was das Leben manchmal so schwer macht und verunstaltet. Wobei dieses erlösende Bild nicht erst von Bedeutung ist für das Leben nach dem Tod. Es erlöst uns in gewissem Sinn jetzt schon. Natürlich weil diese Vision uns die Angst nimmt vor dem Tod und jener endgültigen Begegnung mit Gott. Weil sie uns zeigt, wie Gott ist: ein liebender Vater und eine tröstende Mutter. Aber das Bild, dass Gott alle Tränen abwischt, hat noch in einem anderen Sinn eine erlösende Wirkung. Es gibt ein Phänomen, dass wir manchmal gegenüber Verstorbenen so eine Art Verpflichtung fühlen, die uns am Leben hindert. So habe ich gelesen, dass viele Menschen, die durch den Holocaust Angehörige verloren, aber selbst überlebt haben, sich nicht mehr erlaubten, glücklich zu sein. Sie sagten sich sinngemäss: „Wie kann ich mich des Lebens noch freuen, wenn praktisch all meine Lieben so grausam umgekommen sind?“ Das ist auf der einen Seite natürlich absolut nachvollziehbar. Auf der anderen Seite aber auch tragisch. Man gibt den Mördern von Auschwitz noch mehr Macht: Sie haben nicht nur die Leben von Millionen von Menschen ausgelöscht, sondern auch dasjenige ihrer Angehörigen kaputt gemacht. Und wäre es nicht etwas Gutes, wenn man wenigstens diese Leben der Hölle von Auschwitz entreissen könnte? Wie gesagt, ich verstehe, dass es Verlusterfahrungen gibt, da man sich sagt: „Ich kann nie mehr fröhlich sein.“ Manchmal haben Menschen das Gefühl, dass sie es irgendwie der geliebten Person, die sie verloren haben, schuldig seien, dass sie nicht mehr fröhlich sind. Manchmal kommt uns solch ein Gedanke: „Wenn wir wieder lachen und uns freuen am Leben, dann sieht das doch aus, als ob es uns gleichgültig wäre, dass wir diesen geliebten Menschen verloren haben. Ja, wenn diese Person das irgendwie mitbekäme, würde sie nicht denken, dass wir sie gar nicht vermissen und oder vielleicht gar nicht geliebt haben?“

Ich kann solche Gedanken nachvollziehen. Aber wenn ich dieses Bild aus Offenbarung 21 sehe, da Gott alle Tränen derer abwischt, die gestorben sind, dann kommen mir auch andere Gedanken. Wenn es wahr ist, dass unsere Lieben, die uns in die himmlische Heimat vorausgegangen sind, bei Gott geborgen sind, dann müssen wir uns ja eigentlich keine Sorgen mehr um sie machen. Wenn es wahr ist, dass Gott ihre Tränen abwischt, dann würden sie uns, wenn sie uns etwas sagen könnten, doch wohl sagen: „„Mach dir keine Sorgen mehr um mich. Ich bin bei Christus. Ich bin aufgehoben in seiner Liebe. Der Schmerz ist vorbei. Danke, dass du mich nicht vergisst. Aber vergiss auch nicht zu leben! Du musst dich nicht verpflichtet fühlen, mir oder dir oder irgendjemandem zu zeigen, dass das Leben ohne mich nicht mehr so viel wert ist. Freue dich an der Schönheit der Schöpfung, freu dich am Guten in deinem Leben, lebe im Licht dieses Gottes, der jeden Menschen liebt, und vertraue darauf, dass Gott eines Tages eine jede deiner Tränen abwischen wird.“ Ich stelle mir vor, dass der Seher Johannes auch etwa dies sagen wollte, als er die Verse aus Offenbarung 21 aufschrieb. Und manchmal, wenn ich diese Worte lese, dann ist es, wie wenn Gott mir jetzt schon meine Tränen wegwischt. Ich spüre, der Gott, der in Offenbarung 21 beschrieben wird, ist uns jetzt schon nahe. Amen

Gedenken „Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden!“ Unter diesem Zuspruch gedenken wir nun derjenigen Mitglieder und Freunde unseres Gemeindebezirks, die im vergangenen Jahr in die himmlische Heimat eingegangen sind: Walter Bögli, verstorben am 25. Januar im 97. Lebensjahr Hans Schuwey, verstorben am 17. Oktober, einen Tag vor seinen 80. Geburtstag

Lasst uns beten: Gott, in Liebe denken wir an Walter und an Hans, und in Liebe denken wir auch an viele andere Menschen, die uns durch den Tod genommen wurden. Wir mussten sie loslassen. Gott, wir sind dankbar, dass wir sie in deine Ewigkeit loslassen durften. Sie sind jetzt bei dir, der du die Tränen von ihren Augen wegwischst. Sie sind jetzt bei dir, wo kein Tod mehr ist, und auch kein Leid und kein Schmerz und kein Geschrei. Unsere Hoffnung auf die Auferstehung tröstet uns im Blick auf sie. Aber, Gott, bei uns gibt es noch Tränen, den Tod, Leid und Schmerz. Du weisst um unsere Trauer, unsere Hilflosigkeit, und wie wir manchmal den Boden unter den Füssen verlieren. Gott, lass uns spüren, dass du uns nicht loslässt. Halte uns sanft und fest in deiner Hand. Amen

Wir feiern nun Abendmahl. Jesus hat seinen Jüngern versprochen, dass er in der Ewigkeit wieder mit ihnen Brot und Kelch teilen wird, ja, er hat das Reich Gottes mit einem grossen Fest verglichen. Was wir jetzt feiern ist ein kleiner Vorgeschmack darauf was uns erwartet. Wir dürfen uns zum Tisch kommen, an dem wir alle willkommen sind- mit unserer Freude und unserer Trauer, mit unserem Gelingen und unserem Scheitern, mit unseren Gewissheiten und unseren Fragen. Grosser Gott! Gieße nun deinen Heiligen Geist über uns aus, die wir hier versammelt sind, und über diese Gaben, damit das Brot uns zum Brot des Lebens und der Kelch uns zum Kelch des Heils wird. Durch deinen Geist mache uns eins mit Christus, eins miteinander und eins im Dienst für die Welt, bis Christus kommt und wir an seinem himmlischen Festmahl teilnehmen. Durch deinen Sohn, Jesus Christus, im Heiligen Geist sei dir, allmächtiger Vater, Ruhm und Ehre jetzt und allezeit.