Gottesdienst am Sonntag Okuli,

Gottesdienst am Sonntag Okuli, 24.02.08 Vorspiel Begrüßung Lied 440,1-4 Eingangswort: Psalm 34,16-23 Gloria Gebet Lesung: Lukas 9, 49-56 Credo Lied 4...
Author: Heidi Hofer
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Gottesdienst am Sonntag Okuli, 24.02.08

Vorspiel Begrüßung Lied 440,1-4 Eingangswort: Psalm 34,16-23 Gloria Gebet Lesung: Lukas 9, 49-56 Credo Lied 428,1.3.5 Predigt: 1. Könige 19,1-13a Lied 365,1-5 Abkündigung Lied 390, 1-3 Gebet Vaterunser Segen Nachspiel

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Eingangswort Psalm 34,16-23 16 Die Augen des Herrn sind bei den Gerechten und seine Ohren bei ihrem Schreien. 17 Das Angesicht des Herrn steht gegen die, die Böses tun, um ihr Andenken zu tilgen von der Erde. 18 Schreien die Gerechten, hört es der Herr, und er befreit sie aus all ihrer Not. 19 Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens, hilft denen, die zerschlagenen Geistes sind. 20 Zahlreich sind die Leiden des Gerechten, doch aus allem befreit ihn der Herr. 21 Er behütet alle seine Gebeine, nicht eines von ihnen wird zerbrochen. 22 Den Frevler wird das Unheil töten, und die den Gerechten hassen, werden es büssen. 23 Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte, und keiner wird es bereuen, der Zuflucht sucht bei ihm.

Gebet Herr, unser Gott, du bist denen nahe, die zerbrochenen Herzens sind, und du hilfst denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Du hilfst nicht immer so, wie wir es wünschen. Aber du lässt den nicht fallen, der auf dich vertraut. Herr, stärke unser Vertrauen. Amen

Lesung Lukasevangelium 9, 49-56 49 Einer der Jünger, der Johannes hieß, sagte zu Jesus: »Herr, wir haben einen Mann gesehen, der hat deinen Namen dazu benutzt, böse Geister auszutreiben. Wir haben versucht, ihn daran zu hindern, weil er sich dir nicht anschließt so wie wir.« 50 »Lasst ihn doch!« sagte Jesus. »Wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.« 51 Als die von Gott bestimmte Zeit da war und der Tag näher kam, an dem Jesus in den Himmel aufgenommen werden sollte, machte er sich stark und fasste den Entschluss, nach Jerusalem zu gehen. 52 Jesus schickte Boten vor sich her. Die kamen in ein Dorf in Samarien und wollten eine Unterkunft für ihn bereitmachen. 53 Aber die Dorfbewohner weigerten sich, Jesus aufzunehmen, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. 54 Als seine Jünger Jakobus und Johannes das hörten, sagten sie zu Jesus: »Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?« 55 Jesus wandte sich nach ihnen um und wies sie zurecht. 56 So zogen sie in ein anderes Dorf.

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Predigt 1. Könige 19,1-13a Der heutige Predigttext aus dem Alten Testament führt uns weit zurück in die Vergangenheit, ins 9. Jahrhundert v. Chr. Damals war das große Königreich, das David und Salomo regiert hatten, schon geteilt in das Nordreich Israel mit der Hauptstadt Samaria und das Südreich Juda mit der Hauptstadt Jerusalem. Die Geschichte vom Propheten Elija, die Sie gleich hören werden, spielt in der Zeit des Königs Ahab, der im Nordreich regierte. Ahab hatte die Tochter eines kanaanitischen Königs geheiratet, Isebel, eine „heidnische“ Frau. Diese brachte ihre Religion mit dem Gott Baal und anderen Göttern mit, errichtete Tempel für sie und beschäftigte eine große Zahl von Propheten dieser Götter. Damit haben wir den Konflikt, der Jahrhunderte lang die Geschichte des alten Israels prägte: den Konflikt zwischen der Verehrung des einen Gottes und der Verehrung vieler anderer Götter. Der Prophet Elija kämpfte heftig gegen die fremden Götter und ihren Kult. Es wird im Alten Testament von einem merkwürdigen öffentlichen Opfer-Wettkampf erzählt. Elija forderte die Priester des Baal heraus: sie sollten ein Opfer für Baal bereiten, er bereitete daneben ein Opfer für den einen Gott Israels. Jede Partei bekam einen Stier. Aber keiner durfte das Holz selbst anzünden, um den Opferstier zu verbrennen. Der richtige Gott sollte Feuer vom Himmel fallen lassen. Natürlich haben die Baalspriester keinen Erfolg, während Elijas Opfer im Feuer vom Himmel verbrennt. Danach lässt Elija alle Propheten der anderen Götter abschlachten. Wir werden das heute mit Kopfschütteln hören: finstere Vergangenheit, „archaisch“. Das Furchtbare ist nur, dass so etwas „Archaisches“ auch noch heute vorkommt. Hören wir wie die Geschichte weitergeht.

1.Buch der Könige 19,1-13: „1 Ahab berichtete Isebel alles, was Elija getan und dass er alle Propheten Baals umgebracht hatte. 2 Da schickte Isebel einen Boten zu Elija und ließ ihm sagen: »Die Götter sollen mich strafen, wenn ich dich morgen um diese Zeit nicht ebenso umbringen werde, wie du meine Propheten umgebracht hast!« 3 Da packte Elija die Angst, und er floh, um sein Leben zu retten. In Beerscheba an der Südgrenze von Juda ließ er seinen Diener zurück 4 und wanderte allein weiter, einen Tag lang nach Süden in die Steppe hinein. Dann setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte den Tod herbei. »HERR, ich kann nicht mehr«, sagte er. »Lass mich sterben! Ich bin nicht besser als meine Vorfahren.« 5 Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Aber ein Engel kam, weckte ihn und sagte: »Steh auf und iss!« 6 Als Elija sich umschaute, entdeckte er hinter seinem Kopf ein frisches Fladenbrot und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder schlafen. 7 Aber der Engel des HERRN weckte ihn noch einmal und sagte: »Steh auf und iss! Du hast einen weiten Weg vor dir!« 8 Elija stand auf, aß und trank und machte sich auf den Weg. Er war so gestärkt, dass er vierzig Tage und Nächte ununterbrochen wanderte, bis er zum Berg Gottes, dem Horeb, kam. 9 Dort ging er in die Höhle hinein und wollte sich darin schlafen legen. Da hörte er plötzlich die Stimme des HERRN: »Elija, was willst du hier?« 10 Elija antwortete: Ich habe geeifert für den HERRN, den Gott Zebaoth; denn die Leute von Israel haben den Bund gebrochen, den du mit ihnen geschlossen hast; sie haben deine Altäre niedergerissen und deine Propheten umgebracht. Ich allein bin übrig geblieben, und nun wollen sie auch mich noch töten.« 11 Der HERR sagte: »Komm aus der Höhle und tritt auf den Berg vor mich hin! Ich werde an dir vorübergehen!« Da kam ein Sturm, der an der Bergwand rüttelte, dass die Felsbrocken flogen. Aber der HERR war nicht im Sturm. 3

Als der Sturm vorüber war, kam ein starkes Erdbeben. Aber der HERR war nicht im Erdbeben. 12 Als das Beben vorüber war, kam ein loderndes Feuer. Aber der HERR war nicht im Feuer. Als das Feuer vorüber war, kam ein ganz leiser Hauch. 13 Da verhüllte Elija sein Gesicht mit dem Mantel, trat vor und stellte sich in den Eingang der Höhle.“ Man kann diese Geschichte mit Abstand hören, als einen Bericht aus einer längst vergangenen Zeit. Sicher, einiges daran ist befremdlich für uns heute. Und doch finden wir darin Erfahrungen, die auch unserem Seelenleben nicht fremd sind. Ich will versuchen, sie zum Sprechen zu bringen. Da ist zunächst der völlige Umschlag in der Gemütsverfassung. Elija, der mächtige Eiferer, hat gerade einen Triumph erlebt und in einem Gewaltakt ausgekostet. Da droht ihm Isebel dieselbe Gewalt an. Elija flieht voller Angst und fällt in eine tiefe Depression. Der mächtige Kämpfer fällt in sich zusammen. Er legt sich hin und will nur noch sterben. Ich vermute, es gibt einen Zusammenhang zwischen dem triumphalen Ausbruch von Gewalt und dem jämmerlichen Zusammenbruch. Einen Menschen, der in einer tiefen Depression steckt, kann man nicht gleich wieder aufrichten und zu einer Änderung seiner Lebenshaltung bringen. Es gilt zunächst, ihm zu helfen, einfach durchzuhalten. So ist auch Gottes Hilfe für Elija ganz schlicht. Der Engel weckt ihn, stellt ihm etwas zu essen hin und sagt nur: Steh auf und iss! Das macht er noch einmal und fügt dann hinzu: Du hast einen weiten Weg vor dir! Du hast noch etwas vor dir, es ist nicht aus, du hast eine Perspektive. Elija macht sich auf den Weg. Die vierzig Tage, die er wandert, erinnern an die vierzig Jahre, die das Volk Israel durch die Wüste zog auf der Suche nach dem gelobten Land. Er will zum Gottesberg Horeb, er sucht eine Begegnung mit Gott. Dort angekommen, verkriecht er sich in eine Höhle und legt sich wieder schlafen. Die Stimme Gottes weckt ihn. Gott verspricht, ihm zu erscheinen. Nun erlebt Elija einen Ausbruch von Gewalten: Sturm, Erdbeben, Feuer. Das entspricht seinen Vorstellungen von Gott. Er denkt, Gott müsse sich in mächtiger Gewalt äußern. Wie tief sitzt doch in Menschen die Vorstellung vom Blitze schleudernden Gott, der mit Gewalt vom Himmel die Bösen zerschmettern soll. Auch heute. Wie wir in der Lesung aus dem Lukasevangelium gehört haben, neigten selbst einige Jünger Jesu dazu. Sie zeigen sich als Eiferer, die andere nicht gelten lassen wollen, weil sie sich nicht den Jüngern anschließen. Jesus ermahnt sie: »Wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.« Und als Jesus in einem Dorf in Samarien nicht aufgenommen wird, wollen sie gleich Feuer vom Himmel herab beschwören, um das Dorf zu vernichten. Auch hier muss Jesus sie zurechtweisen. Es ist eine gefährliche Versuchung für religiöse Menschen, Gott einspannen zu wollen für ihre Machtphantasien. Auch heute. Zurück zu Elija. „Da kam ein Sturm, der an der Bergwand rüttelte, dass die Felsbrocken flogen. Aber der HERR war nicht im Sturm. Als der Sturm vorüber war, kam ein starkes Erdbeben. Aber der HERR war nicht im Erdbeben. 12 Als das Beben vorüber war, kam ein loderndes Feuer. Aber der HERR war nicht im Feuer.“ Elija findet Gott nicht in der donnernden Macht und Gewalt, in der er ihn sucht. Er findet ihn unerwartet anders: „Als das Feuer vorüber war, kam ein ganz leiser Hauch. 13 Da verhüllte Elija sein Gesicht mit dem Mantel, trat vor und stellte sich in den Eingang der Höhle.“ Nun spricht Gott mit ihm. Er schickt Elija zurück und gibt ihm neue Aufträge. Elija hat wieder eine Perspektive. Können wir aus dieser Geschichte etwas für uns mitnehmen? 4

Ich denke schon, eine Mahnung finde ich darin. Die Mahnung, unsere Erwartungen an Gott nicht von unseren Machtphantasien bestimmen zu lassen. Gott wirkt oft ganz schlicht und unauffällig. Etwa indem er uns hilft, eine Krise einfach durchzustehen. So wie der Engel etwas zu essen hinstellt und nur sagt: Steh auf und iss! Und das zweite: Gottes Stimme hören wir selten in Sturmgebraus und Donnerwetter. Meistens aber in der leisen inneren Stimme, die uns weiter führt. Seien wir aufmerksam auf die innere Stimme in uns und hören wir auf sie. Sie kann uns sagen, was jetzt zu tun ist, heute und morgen. Amen

Gebet Herr, du treuer Gott, du bist nicht stumm, du sprichst zu uns. In unseren Phantasien von Macht und Gewalt finden wir dich nicht. Aber in der leisen inneren Stimme sprichst du zu uns. Wir wissen gar nicht recht, woher diese Stimme kommt, sie ist ganz unauffällig. Aber sie kann uns eine Gewissheit geben, die wir gar nicht begründen können. Dann wissen wir, was wir zu tun haben. Vielleicht nur für heute. Aber morgen bist du ja auch da. Denn du, unser Vater im Himmel, verlässt uns nicht. >Vaterunser

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