Gottesdienst am in Ronsdorf Jesus das Licht der Welt und die Nacht der Engel

1 Gottesdienst am 25.12.2013 in Ronsdorf Jesus – das Licht der Welt und die „Nacht der Engel“ von Pfr. Dr. Jochen Denker Ihr Lieben, mitten in der du...
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1 Gottesdienst am 25.12.2013 in Ronsdorf Jesus – das Licht der Welt und die „Nacht der Engel“ von Pfr. Dr. Jochen Denker

Ihr Lieben, mitten in der dunklen Jahreszeit erleben wir besonders eindringlich, wie nötig wir „Licht“ brauchen. Nicht nur, um etwas sehen zu können, sondern weil Licht auch Seele und Herz erreicht. Es gibt inzwischen Lichttherapien gegen Depression und chronische Antriebsschwächen. Licht schenkt Leben. Von alters her weiß man das, und dass die Schöpfungsgeschichte mit dem „Es werde Licht“ beginnt, kommt nicht von ungefähr. Licht zieht an. Das gilt nicht nur für Insekten, die das Licht suchen und die engsten Wege ausfindig machen, um zu ihm zu gelangen. Auch uns Menschen zieht das Licht an, wenn es um uns herum Dunkel ist. Wir Menschen suchen das Licht, weil es uns hilft, unsere Sinne zu gebrauchen, weil es uns Geborgenheit schenkt und Sicherheit gibt. Wer erinnert sich nicht daran, dass er selber oder seine Kinder oder Enkel darum gebeten haben, die Tür einen Spalt aufzulassen, damit das Licht aus dem Flur ins Schlafzimmer fällt. Licht nimmt die Angst, weil Dunkelheit immer auch etwas Bedrohliches hat. Gleichzeitig stimmt allerdings auch, dass wir Menschen manchmal die Dunkelheit suchen. Nicht die absolute Finsternis, aber doch das Dunkel, weil man sich in ihm verstecken kann. Wer wüsste nicht von dunklen Gestalten, lichtscheuem Gesindel, das den Schutz der Nacht sucht, um Dinge zu tun, die man sich bei Licht nicht traut? Und wer von uns hätte das Dunkel oder Halbdunkel nicht selbst schon gesucht, das aus welchem Grund auch immer, vor den Blicken anderer schützt. Immer im Licht zu stehen ist auch nicht gut, schon gar nicht im Rampenlicht, wo jeder einen beobachtet, wo nichts verborgen bleibt. Im Licht zu stehen kann auch Angst machen. Es müsste schon so sein, dass der, der mich im Licht sieht, mein volles Vertrauen hat, damit ich bereit bin, ihm auch meine versteckten Seiten zu zeigen und ich keine Angst habe, dass er mich damit fertig macht. Wenn die Bibel von Jesus oder von Gott als dem Licht spricht, dann weiß sie sehr wohl, welche sehr unterschiedlichen Gefühle wir Menschen mit Licht und Dunkelheit verbinden. Und wir dürfen getrost davon ausgehen, dass das Licht deshalb zu einem Bild, zu einem Vergleich für Gott und für Jesus wird, weil es eben die positiven Gedanken in uns wachrufen kann. Jesus, so erzählt es das Johannesevangelium schon in seinen ersten Versen ist das Licht der Welt. Was zuvor schon von Gottes Wort gesagt wurde – es ist ein

2 Licht in der Nacht, eine „Leuchte für meine Füße“ (Psalm 119,105) – das wird nun von Jesus gesagt. Er ist „das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in die Welt kommen“ (Joh 1,9). Jesus, das Licht, das mir Geborgenheit und Sicherheit gibt. Das Licht, dem ich mich vertrauensvoll auch mit meinen Schattenseiten aussetzen darf, weil er mich heilen will und nicht bloßstellen. Er ist „das Licht das in die Finsternis scheint, und die Finsternis konnte es nicht überwältigen“ (Joh 1,5). Seht, die Naturwissenschaften lehren uns: Licht ist etwas. Finsternis ist nichts. Finsternis ist nichts anderes als die Abwesenheit von Licht. Sie lebt nur in der Negation. Sie hat keine Chance gegen das Licht. Selbst ein Glühwürmchen ist in der Lage die Finsternis zu durchbrechen, eine Kerze kann einen ganzen Raum erhellen und ein Leuchtturm hat schon manches Menschenleben gerettet, weil sein Licht die Finsternis besiegt. Licht ist immer ein Angriff auf die Finsternis. Wo Licht ist, muss die Finsternis weichen. Ihr haltet ein Bild von Beate Heinen in der Hand. Die „Nacht der Engel“ hat sie es überschrieben.

3 Im Zentrum sehen wir in warmen Rottönen den Stall von Bethlehem. In dem Ort, der „Haus des Brotes“ heißt, steht ein „Backofen voller Liebe“ – wie Luther Gott einmal wunderschön umschrieb. Er wirft ein warmes, mildes, anziehendes Licht. Josef beugt sich schützend über Maria und legt seine rechte Hand auf ihre Schulter. „Habt keine Angst“, strahlt seine Haltung aus. „Ich bin bei Euch.“ Mit dem Stab in der Hand ist er bereit, auch einen schweren Weg mit den Seinen zu gehen, auch durch finstere Täler zu wandern. Maria hält Jesus auf dem Schoß. Er ist es, von dem das Licht ausgeht. Sein strahlendes Weiß bringt alles zum Leuchten. An ihm entzündet sich das Rot der Liebe, das den ganzen Raum ausfüllt und geradezu überfließen lässt. Das Haus der Liebe und Geborgenheit strahlt nach außen. Draußen ist es kalt. Nacht breitet sich aus. Aber sie ist nicht still und leer. Sie ist erfüllt von vielen Gestalten. Man kann geradezu das Rauschen unzähliger Flügel erahnen. Es ist die „Nacht der Engel“. Alles ist in Bewegung da draußen und strebt dem Licht zu. Mitten in der kalten, gottvergessenen Welt sind die Engel am Werk. Die in der oberen Hälfte lassen sich in das Licht der Weihnacht stellen und werden zu Botenengeln, die, von der Liebe entzündet, zu strahlen beginnen. Im Vordergrund sind drei Engel auf dem Weg. Liebevoll leitet jeder eine dunkle Menschengestalt auf das Licht zu. Einen Menschen wie Du und ich. Vorsichtig, neugierig, abwartend scheinen sie zu sein. Fremd ist das Licht – aber anziehend zugleich. Darf ich mich in dieses Licht stellen? Leuchtet es für mich? Wie gerne würde ich von seiner Wärme spüren, die Kälte hinter mir lassen und die Dunkelheit. Es ist, als leuchtet mir dieses Licht heim. Zurück in unbeschwerte Tage, in denen mir alle Angst genommen war, wenn Mutter oder Vater sagten: „Alles ist gut“. Für Momente nur. Aber diese Momente zählen. „Lass los. Hier ist alles gut.“ Darf ich zu Jesus? Ist da Platz in seiner Nähe? Vertreibt der Schein seines Lichtes „auch meine Angst und Pein?“ Darf ich kommen, so wie ich bin? Ihr kennt vielleicht folgende Kindergeschichte: Ein Kind trat an Jesu Krippe. „Ich will dir das Schönste schenken, das ich besitze!“ sagte es: „Meine Playstation, meinen neuen Fussball und (wenn Papa das erlaubt) die elektrische Eisenbahn.“

4 „Nein“, sagte Jesus. „Ich möchte etwas ganz anderes haben.“ „Was denn?" wollte der Junge wissen. Ganz leise, damit es sonst niemand hören konnte, sagte Jesus: „Schenk mir deine letzte Klassenarbeit.“ Erschrocken flüsterte der Kleine: „Jesus, da steht aber doch ‚ungenügend‘ drunter!“ – „Eben. Darum will ich sie haben“, erklärte Jesus. „Du sollst mir das bringen, wo andere in deinem Leben ‚ungenügend‘ drunter geschrieben haben.“ Der Junge staunte nicht schlecht. „Und noch ein zweites Geschenk möchte ich von dir“, sagte Jesus. „Deine tolle Tasse, wo draufsteht: ‚Eigentlich bin ich ganz anders‘. „O, nein“, sagte der Junge erschrocken. „Die ist heute Morgen kaputt gegangen!“ – „Bring mir, was in deinem Leben zerbrochen ist“, sagte Jesus leise. „Ich will es wieder heil machen.“ „Ja, wenn du so was haben willst ...“, antwortete der Junge. „Und jetzt mein dritter Wunsch“, fuhr Jesus fort. „Bring mir die Antwort, die du deiner Mutter gegeben hast, als sie dich fragte, wie die Tasse zerbrochen ist.“ Da fing der Kleine an zu schluchzen und stotterte verlegen: „Ich, ich ... habe gesagt, der Becher ist runtergefallen, als ich ihn spülen wollte. Aber – das stimmt nicht. Ich habe ihn im Streit mit meiner Schwester vom Tisch gehauen.“ „Bring mir deine Lügen und deinen Jähzorn“, bat Jesus ihn. „Ich will dich davon freimachen und dir den Mut schenken, für die Wahrheit einzustehen.“ Der Junge schwieg, denn er hatte verstanden. Ich erinnere mich an die Erzählung meines Vaters. Wir gingen an der Mauer des Friedhofs in seinem Heimatort vorbei. Da blieb er stehen. Ich wunderte mich etwas. Da sagte er: „Hier hab ich vor vielen Jahren gestanden. Ich war ein schrecklich jähzorniger junger Mann und bin das einfach nicht losgeworden. Hier hab ich gesagt: ‚Jesus, nimm mir meinen verdammten Jähzorn und begrab ihn‘. Dann hab ich ihn hier über die Mauer geschmissen.“ Ich hab manche Seite von meinem Vater kennengelernt, auch welche, die mir als Kind nicht unbedingt gefielen – aber jähzornig hab ich ihn nie erlebt. Vielleicht führt einer der Engel Dich heute zur Krippe, noch besser, zum Tisch des Herrn. Wir kommen da alle als dunkle und überschattete Gestalten. Aber wir sind eingeladen von Jesus, dem Licht der Welt. „Kommt her, die ihr Mühselig und Beladen seid“, sagt er. Kommt mit dem, was ihr an euch selbst so hasst. Mit eurem Jähzorn, der ausbricht, obwohl ihr ihn beherrschen wollt, mit euren Lebenslügen, mit denen ihr euch selbst und euren Mitmenschen etwas vormacht. Kommt mit dem, was zerbrochen ist bei Euch, mit Euren Verletzungen, die nicht heilen wollen, mit den Narben die nach Jahren noch schmerzen und der ungenannten und unvergebenen Schuld, die euch nachläuft. Kommt mit eurer Traurigkeit, über verpasste Chancen, enttäuschte Hoffnungen, verstorbene Geliebte. – Ich möchte heilen, möchte euch Frieden schenken mit euch selber und euren Mitmenschen. Bei mir darf die Lüge ihren Dienst einstellen, denn die Wahrheit tut ihn, und die macht euch frei. Bei mir

5 darf die Traurigkeit Freude atmen, damit sie das Leben nicht erstickt. Kommt – und lasst Euch heute in dieser Kirche sagen: ‚Alles ist gut‘ – für den einen Moment, der zählt und der alle anderen durchziehen soll. ‚Alles ist gut. Ich bin da.‘“ Vielleicht sind aber auch welche unter Euch, die voller Freude hier sitzen. Aufgeräumt, zufrieden, dankbar für einen wunderschönen gestrigen Abend, für liebe Worte aus den vergangenen Tagen, einen Brief, ein Geschenk. Vielleicht ist es ein Weihnachtsfest voller Gelassenheit und ihr seid froh über die Geburt Jesu, eures Heilands. Dann dürft ihr wohl einer der Engel in unserem Bild sein. Jemand, der einem anderen liebevoll den Rücken stärken und gleich zum Tisch des Herrn führen kann. Nehmt andere mit in das Licht, in dem ihr schon steht und das euch zum Leuchten bringt. So oder so, lasst uns beim Abendmahl eine Gemeinschaft derer werden, die zu Christus kommt, weil sie alles Gute von ihm erwartet und erhofft. Amen Vor der Predigt Nach der Predigt

eg 27 eg 37,1.3.5.9