Genie und Intelligenz

Genie und Intelligenz Referat PS Differentielle Psychologie am 23. April 2007 Jakob Bergmann & Kathrin Kollndorfer Überblick ● ● ● Einführung Krit...
Author: Rudolf Busch
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Genie und Intelligenz Referat PS Differentielle Psychologie am 23. April 2007 Jakob Bergmann & Kathrin Kollndorfer

Überblick ●

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Einführung Kritik am IQ Konzept Messung von Genie und Intelligenz ●



Studie von Cox

Hoher IQ ≠ Genie ● ●

Studie von Terman Studie von Terman & Oden

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Überblick ● ●



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Kritik an Termans Studie Aneignung außergewöhnlicher Fähigkeiten Zufallssuche und Intelligenz vs. Kreativität Assoziation und Kreativität Zusammenfassung: Intelligenz vs. Kreativität 3

Einführung ●



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Nicht alle intelligenten Menschen sind Genies dispositional variable vs. achievement variable trait vs. state Intelligenz ≠ Leistung Kompetenz vs. Intelligenz 4

Einführung ●

Zentrale Punkte nach McClelland: ●





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Schulerfolg sagt nicht den Berufserfolg voraus Intelligenztests sagen nicht den Erfolg im Beruf bzw. im weiteren Leben voraus. Akademische Leistungstest sagen Leistungen im Beruf voraus, da es eine Verbindung gibt. Test sind unfair gegenüber Minderheiten. Kompetenzen sagen Erfolg im Leben besser voraus als traditionelle Tests. 5

Kritik am IQ Konzept ● ● ● ●

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Keine Bedeutungsübereinstimmung Messen IQ Tests wirklich den IQ IQ hat biologische Basis Intelligenz „existiert“ nicht  wissenschaftliches Konzept Keine übereinstimmende Theorie Keine übereinstimmende Definition

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Studie von Cox (1926) ●



Grundlage: Liste von 1000 Genies (Cattell) Auswahl von 301 Personen nach folgenden Kriterien: ● ●







Berühmtheit/ Bedeutung Bedeutende Leistung Genügend Aufzeichnungen

Niemand vor 1450 wurde ausgewählt  zu wenige Daten Meist Briten, Franzosen od. Deutsche 7

Studie von Cox (1926) ●

Personen in 10 Kategorien unterteilt: ● ● ● ● ● ●

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Schriftsteller (Künstler) Politiker und Staatsmänner Schriftsteller (Historiker, Gelehrte) Wissenschaftler Soldaten bzw. Heerführer Religiöse Personen Philosophen Künstler Musiker Revolutionäre 8

Studie von Cox (1926) ●





Für jede Person wird nun der IQ berechnet Cox unterschied 2 Bewertungen:  bis 17 Jahre  17 bis 26 Jahre Beispiel der IQ Berechnung für Sir Francis Galton (nach Terman)

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Studie von Cox (1926) ●

The earliest period of intstuction ●



Galton wurde von seiner Schwester unterrichtet, schon bevor er sprechen konnte.

The nature of earliest learning ●

Er konnte das Alphabet bereits mit 18 Monaten. Mit 3

Jahren konnte er seinen Namen schreiben.



The earliest production ●

Es existieren Briefe, die Galton im Alter von 4 Jahren verfasst hat.

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Studie von Cox (1926) ● ● ●

The first reading The first mathematical performance Typical precocious activities ●

Mit 4 Jahren schrieb er seiner Schwester einen Brief, in dem er ihr mitteilte, dass er jedes englische Buch und etwas französisch lese könne.



Unusually intelligent applications of knowledge

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Studie von Cox (1926) ●

The recognition of similarities or differences ●

Mit 5 konnte er bereits fließend lesen. Er konnte auch passend zitieren.



The amount and character of his reading ●

Mit 6 war er bereits mit der Illias und der Odyssee vertraut.



The character of his interests other than reading ●

Er interessierte sich nicht nur für Literatur, auch für technische Bereiche.

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Studie von Cox (1926) ●

Interrater Reliabilität ca. .70 -.75, Retest Reliabilität etwas höher

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Studie von Cox (1926) ●

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Die einzelnen IQ Werte wurden mit einer Verdünnungsformel korrigiert. Vor allem aus der Kindheit wenige Daten Cox‘ Annahme: Je weniger Daten, desto niedriger der IQ  Aufwertung Viele der wahren IQ Werte über 180, nur wenige unter 140 14

Studie von Cox (1926) ●

Probleme bei dieser Studie: ●



Steigerung des IQ um 20 Punkte in den letzten 50 Jahren (Industriestaaten) Annahme: Wenige Aufzeichnungen  höhere Korrektur. Möglicherweise haben diese Personen in ihrer Kindheit nichts Außergewöhnliches geleistet haben.

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Studie von Terman (1925) ● ●





„Genetic Studies of Genius“, 5 Bd. Bd. 1: Beschreibung von 1528 begabten Kindern Durchschnittlicher IQ 151, keiner unter 135, einige sogar über 170 Viel zusätzliche Information erfasst, z.B. familiärer Hintergrund, Bildung, Interessen, etc. 16

Studie von Terman (1925) ●

Drei allgemeine Ergebnisse: ●





Begabte Kinder in fast allen Bereichen voraus Sie sind nicht in allen Bereichen gleich weit voraus. Unausgeglichenheit der Fähigkeiten ist bei begabten Kindern nicht größer als bei „normalen“ Kindern.

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Studie von Terman & Oden (1959) ● ●





„The Gifted Child at Midlife“ Annahme: Begabte Kinder sind im späteren Leben an der Grenze zur Genialität. Der Großteil, aber nicht alle, war im späteren Leben sehr erfolgreich. Persönlichkeit als wichtiger Faktor

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Studie von Terman & Oden (1959)

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Studie von Terman & Oden (1959) ● ●





„sociological fallacy“ Innerhalb einer Familie: Begabtere Kinder sind erfolgreicher als weniger begabte Hoher IQ ist kein ausreichender Faktor für Genialtiät! Hoher IQ garantiert nicht Kreativität! 20

Studie von Terman & Oden (1959) ●

Beispiele hochbegabter Kinder ohne Erfolg im späteren Leben: ●



Marcello Carlin: Las fließend mit 4, las Livys „Early History of Rome“ mit 5. Mit 31 arbeitet er als Büroangestellter mit einem geringen Gehalt. Jocelyn Lavin: Hatte einen IQ von 169. Sie gewann mit 9 einen Musikpreis. Sie schaffte ihren Universitätsabschluss nicht.  Ihre fehlte die Motivation

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Studie von Terman & Oden (1959) ●



Intelligenz ist nicht die einzige Voraussetzung für Erfolg im weiteren Leben Weitere Faktoren: ● ● ●

Ehrgeiz Harte Arbeit Motivation

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Kritik an der Studie Termans ●

IQ ist nicht genug ●

Untersuchung von Leta Hollingsworth (1942) ● ●



12 Kinder im Alter von 7 - 9 Jahren mit außergewöhnlich hohem IQ (180+) Auch im jungen Erwachsenenalter sehr hohe IQ-Werte, manche erreichten die Obergrenze der Tests Leider erlebte die Vl die volle Reife der Kinder nicht mehr, es ist aber bekannt, dass keines das Niveau „Genie“ oder Ähnliches erreichte 23

Kritik an der Studie Termans ●

Die Höhe der IQ-Werte ● ●

Ist nicht wirklich gerechtfertigt Kann aber mit aktuelleren, besseren Ergebnissen verglichen werden: ●

Untersuchung von Roe (1953) ● ●

23 aktive renomierte Wissenschaftler 3 Tests durchgeführt: verbale, räumliche und numerische Fähigkeit erhoben

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Kritik an der Studie Termans Untersuchung von Roe (1953) •





Verbal-Teil: Median bei 166 und Range von 121 bis 177 (höchst möglicher Wert!) Studenten damals im Schnitt 123 Raumvorstellungs-Teil: Median bei 137 wobei der Test stark mit Alter korreliert! (20 Jahre früher viel höher) Mathematik-Teil: Median bei 154 und Range von 128 bis 194 • Niedrige Interkorrelationen • Viele verschiedene Kombinationen • Charakteristisch für Berufsfeld 25

Kritik an der Studie Termans ●

„educational fallacy“ ● ●

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Täuschung der Erziehung/Bildung „idiots savants“ mit hohen IQLeistungen in Teilbereichen trotz niedrigem generellen IQ Kritisiert das Konzept des IQ Stellt in Frage ob Genie wirklich mit hoher Intelligenz zu tun hat

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Kritik an der Studie Termans ●

Ceci (1990) behauptet: ●

Biologie/Erbgut = IQ = Intelligenz = Einzigartigkeit des Bewusstseins = Erfolg im Alltag ●



Starke Zusammenhänge, aber keine eindeutige Gleichung z.B. Scribner (1984): filling boxes Dorner et al. (1983-1985): Lothausen experiment sprechen dagegen

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Die Aneignung von außergewöhnlichen spezifischen Fähigkeiten ●







Der Mensch kann sich im Durchschnitt zwischen 7 und 9 Zahlen, Buchstaben oder Wörtern einprägen Erweiterung der Fähigkeiten durch Chunking (=Zusammenfügen von einzelnen Elementen zu Sequenzen, s.g. Chunks), Automatisierung und Strategieentwicklung Dadurch kann auch geübt werden, sich Buchstaben oder Zahlen besser zu merken, was teilweise auch bei IQ-Tests verlangt wird Baltes und Kliegel (1986): Leistungen möglich, die an einen IQ von 400 herankommen 28

Die Aneignung von außergewöhnlichen spezifischen Fähigkeiten 

Hierzu werden zwei Strategien herangezogen: ●

Zahlen werden mit Fakten oder Objekten assoziiert 





History-Dates model: Triplets, tausend historische Daten notwendig Digit-Noun model: Douplets, hundert Wörter notwendig

Diese werden dann, durch die so genannte Loci-Methode, in ihrer Reihenfolge als Sequenz eingeprägt ●

Die Assoziationen werden mit 30 bis 40 örtlichen Gegebenheiten chronologisch in Verbindung gebracht 29

Die Aneignung von außergewöhnlichen spezifischen Fähigkeiten

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Die Aneignung von außergewöhnlichen spezifischen Fähigkeiten ●

Loci-Methode ●





Ohne große geistige Anstrengung im LZG gespeichert KZG und Arbeitsgedächtnis kaum beansprucht Kliegel et al. (1986): (bereits nach 40-60 Lernsessions) ● History-Dates model: alle 90 Ziffern wiedergegeben (2 sek/Ziffer) ● Digit-Noun model: 80 Ziffern (2 sek/Ziffer) und dann auch alle 90 Ziffern (5 sek/Ziffer)

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Die Aneignung von außergewöhnlichen spezifischen Fähigkeiten ● Menschen mit durchschnittlichem IQ können mit richtigen Strategien durch Langzeitlernen bemerkenswerte Ergebnisse produzieren, die nicht mit IQ zusammenhängen und auch nicht mit IQ verglichen werden sollen ● Bsp für extreme Leistungen mit Begründung: ● „idiot savant“ Z: extrem musikalisch ● Mathematiker und Schachprofis ● Mozart, Newton & Einstein 32

Zufallssuche und Intelligenz vs. Kreativität ●

Wo genau liegt die Grenze zwischen Intelligenz und Kreativität? ● ●

mehrere Sichtweisen, kein Konsens Beides kann definiert werden über die Fähigkeit blind zu arbeiten bzw. nach Informationen zu suchen ●



Campell(1960) und Simonton(1988): creativity = chance search process leading to a configuration which satisfies a selector Furneaux(1960): intelligence = random search process leading to an organisation which satisfies a comparator 33

Zufallssuche und Intelligenz vs. Kreativität ●

Es gilt heute als unwahrscheinlich, dass, wie früher teilweise vermutet, viele Prozesse blind ablaufen ●



z.B. Schachspiel: bei 5 Zügen ergeben sich (mit durchschnittlich 25 Variationsmöglichkeiten pro Zug) mehr als 1014 theoretisch mögliche Ausgänge Erschöpfendes blindes Suchen ist daher schwer machbar und unwahrscheinlich bei nicht-trivialen Aufgaben

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Zufallssuche und Intelligenz vs. Kreativität Beispiel Sprache: ● Osgood, Suci und Tannenbaum (1957): „Semantisches Differential“ ●



Sprache ist streng hierarchisch strukturiert Assoziationen; keine zufällige/blinde Zuordnung von Wörtern ● Mensch : Haus = Vogel : ? (Heuristiken & Strategien) ● Prinzip der Relevanz: der mögliche Lösungshorizont ist durch das Problem a priori definiert, der die Suche auf eine beschriebene Gegend beschränkt 35

Definition von Kreativität Spearman(1931): eine kreative Idee kann definiert werden als Resultat einer Neukombination zweier oder mehrerer Ideen, die von ihrer normalen Assoziation isoliert wurden

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Definition von Kreativität Auch Mednick(1962) definiert ähnlich: ein kreativer Prozess ist die Formierung von assoziativen Elementen zu neuen Kombinationen, die entweder irgendwelche Voraussetzungen erfüllen oder auf irgendeine Art nützlich sind. Je gegensätzlicher die ursprünglichen Elemente sind, desto kreativer ist der Prozess oder die Lösung. 37

Assoziation & Kreativität ●

Kann ein Computer kreativ agieren? ● ●





Wurde oft versucht zu beantworten – unterschiedliche Ergebnisse Primär ist jedoch die Kreativität des Computers auf die Information, die ihm gegeben wird, beschränkt und dadurch ist auch schon fix vorgegeben, welche Information verarbeitet werden soll/kann Der Prozess des Auswählens von relevanter Information ist jedoch ein Gutteil des kreativen Arbeitens(!) Daher kann angenommen werden, dass zum aktuellen Zeitpunkt Computer noch nicht wirklich kreativ agieren können, jedoch, so Eysenck, scheint es dahin kein weiter Schritt mehr zu sein 38

Zusammenfassung: Intelligenz vs. Kreativität 1)

2)

3)

4)

Alle kognitiven Vorgänge benötigen neue Assoziationen oder es müssen alte reaktiviert werden Es gibt interindividuelle Unterschiede in der Geschwindigkeit, mit der Assoziationen geformt werden Die Geschwindigkeit bei der Erstellung neuer Assoziationen ist die Basis von interindividuellen Unterschieden der Intelligenz Für jedes Problem ist immer nur eine beschränkte Anzahl an Assoziationen relevant 39

Zusammenfassung: Intelligenz vs. Kreativität 5)

6) 7)

8)

Es gibt interindividuelle Unterschiede in der Reichweite von Assoziationen (Assoziationsgradient) Die Breite der Reichweite ist die Basis der interindividuellen Unterschiede der Kreativität Die Breite der Reichweite ist im Prinzip unabhängig von der Geschwindigkeit der Erstellung neuer Assoziationen, was impliziert, dass Kreativität und Intelligenz also grundsätzlich unabhängig von einander sind Höhere Geschwindigkeit bei Erstellung neuer Assoziationen jedoch führt zu schnellerem Lernen und dadurch zu mehr kognitiven Elementen mit denen man neue Assoziationen formen kann 40

Zusammenfassung: Intelligenz vs. Kreativität 9)

10)

Die Reichweite der zur Verfügung stehenden Assoziationen ist so weit, dass man eine kritische Evaluation braucht um unpassende Assoziationen zu eliminieren Kreativität auf dem Niveau eines Genies bedarf: a)

b)

c)

Einen großen Pool an Elementen mit denen man neue Assoziationen formen kann Hohe Geschwindigkeit bei der Erstellung von Assoziationen und Wiederum einen gut funktionierende Evaluation die falsche Lösungen ausschließt 41

Genie und Intelligenz

Danke für eure Aufmerksamkeit!

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