Frauen in der Landwirtschaft

LANDWIRTSCHAFT Dipl.-Mathematiker Hannelore Pöschl Frauen in der Landwirtschaft Ein nachrangiges Thema in den Agrarstatistiken Im Zusammenhang mit d...
Author: Angela Grosser
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LANDWIRTSCHAFT

Dipl.-Mathematiker Hannelore Pöschl

Frauen in der Landwirtschaft Ein nachrangiges Thema in den Agrarstatistiken Im Zusammenhang mit dem gesellschaftspolitischen Thema „Gender Mainstreaming“ wird zur Analyse der Ist-Situation auch im Rahmen der amtlichen Statistik sowohl auf nationaler als auch supranationaler Ebene nach Datenmaterial gesucht, das geschlechtsspezifische Unterschiede aufzeigt. Diese so genannten „Gender-Statistiken“ sollen international vergleichbare Daten liefern, mit denen Veränderungen gemessen und somit die Auswirkungen politischer und gesetzgeberischer Aktivitäten evaluiert werden können. Gender-Statistiken in der Agrarstatistik gibt es lediglich im Zusammenhang mit dem Erhebungskomplex „Arbeitskräfte“. Dieser Erhebungskomplex spielt nur in den Agrarstrukturerhebungen (i. d. R. zweijährlich) und den Großzählungen wie der Landwirtschaftszählung, einschließlich Weinbauerhebung, Gartenbauerhebung und Binnenfischereierhebung (i. d. R. alle 10 Jahre), eine Rolle. Aus diesen Angaben lässt sich nur sehr eingeschränkt ein Bild über die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft ableiten.

Vorbemerkung Die agrarpolitischen Entscheidungen der Europäischen Union (EU) sind eine der Hauptursachen für die Veränderungen in der deutschen Landwirtschaft. Die Maßnahmen der 1992 begonnenen Agrarreformen, die mit der Agenda 2000 ihren Fortgang nahmen, erforderten von den landwirtschaftlichen Betrieben entsprechende Anpassungen, die ihre

Struktur und Produktion beeinflussten und auch weiterhin prägen. Der Strukturwandel bei den landwirtschaftlichen Betrieben führt zu einer deutlichen Abnahme der Betriebsund Arbeitskräftezahlen bei gleichzeitig wachsender durchschnittlicher Betriebsgröße. Inwieweit dies auf Männer und Frauen, die in landwirtschaftlichen Betrieben leben und arbeiten, unterschiedliche Auswirkungen hat, wird im Allgemeinen wenig thematisiert. Informationen über die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft lassen sich nur sehr begrenzt aus der amtlichen Agrarstatistik ableiten. Das Hauptanliegen der Agrarstatistiken ist bis heute die Messung der Produktion, wobei Strukturdaten über die Betriebe nur als Zusatzinformation und auch nur in größeren zeitlichen Abständen ermittelt werden. Zur Information über die Betriebsstruktur werden auch die Ergebnisse der Arbeitskräfteerhebungen in der Landwirtschaft herangezogen, und nur hier werden geschlechtsspezifische Angaben ermittelt. Im Vordergrund der Erhebung über Arbeitskräfte in der Landwirtschaft stand bis 1997 die Widerspiegelung der Arbeits- und Lebensverhältnisse der Familienarbeitskräfte in den landwirtschaftlichen Betrieben der Rechtsform „Einzelunternehmen“. Erst seit 1999 ist der Fokus eindeutig auf die gesamte Arbeitsleistung für den landwirtschaftlichen Betrieb ausgerichtet (einschl. ständig beschäftigter familienfremder und Saisonarbeitskräfte), seither ist die Arbeitskräfteerhebung in das Ergänzungsprogramm der Agrarstrukturerhebung integriert1).

1) Siehe Nause, G./Pöschl, H.: „Zur Methodik der Arbeitskräfteerhebungen in den landwirtschaftlichen Betrieben Deutschlands 1991 bis 2003“ in WiSta 10/2003, S. 922 ff.

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Datenquelle: Agrarstrukturerhebung

nach dem Personenkonzept. Die Arbeitszeiten wurden für einen Berichtszeitraum von vier Wochen nach der durchschnittlichen Arbeitszeit je Woche ermittelt.

Die Strukturerhebungen in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben setzen sich zusammen aus den im Abstand von acht bis zwölf Jahren durchzuführenden Landwirtschaftszählungen und den sie seit 1975 ergänzenden, zweijährlich stattfindenden Agrarstrukturerhebungen. Mit dem Erhebungs- und Darstellungsprogramm der Agrarstrukturerhebung werden zugleich die Anforderungen der ebenfalls in der Regel im zweijährlichen Turnus vorgeschriebenen Agrarstrukturerhebungen der Europäischen Gemeinschaften erfüllt. Daher gibt es vergleichbare Daten zu den in den Strukturerhebungen behandelten Themenkomplexen für alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Die nicht ständig Beschäftigten (einschl. Saisonarbeitskräften) wurde in einer Summe – getrennt nach Geschlecht – ermittelt, wobei der Berichtszeitraum zwölf Monate betrug (vom Mai des Vorjahres bis zum April des Berichtsjahres) und die Arbeitszeiten in geleisteten Arbeitstagen (zu acht Stunden) gemessen wurden.

Im Rahmen der Strukturerhebungen werden im Mai des Erhebungsjahres Informationen zur Bodennutzung und Viehhaltung sowie über Arbeitskräfte und weitere sozialökonomische Merkmale der landwirtschaftlichen Betriebe erhoben. Die Agrarstrukturerhebung wird im Wechsel allgemein und repräsentativ durchgeführt und dient gleichermaßen dem produktions- und dem strukturstatistischen Ergebnisnachweis. In die allgemeine Agrarstrukturerhebung sind alle landwirtschaftlichen Betriebe einbezogen, die die im Agrarstatistikgesetz2) vorgesehenen Mindestflächen oder -viehbestandsgrenzen erreichen. Repräsentative Erhebungen finden in Form einer Stichprobe von rund 100 000 Betrieben statt, die nach fachlichen und regionalen Gesichtspunkten geschichtet ist. Art und Umfang der Angaben über Frauen im Rahmen des Themenkomplexes „Arbeitskräfte“ hängen eng mit den Rechtsformen der Betriebe zusammen. Eine differenzierte Darstellung ist nur für Betriebe der Rechtsform „Einzelunternehmen“ mittels repräsentativ erhobener Daten möglich (siehe Übersicht 1). Die Erfassung der Arbeitskräfte erfolgte in der Landwirtschaftszählung 1999 und der Agrarstrukturerhebung 2001 für – Familienarbeitskräfte (Betriebsinhaber, Ehegatte, sonstige Familienangehörige) sowie – ständig beschäftigte (familienfremde) Arbeitskräfte

Eine Veränderung der Merkmalsdifferenzierung trat mit der Agrarstrukturerhebung 2003 ein, wovon sowohl der Berichtszeitraum als auch die Messung der Arbeitszeiten betroffen waren. Die Arbeitszeiten der Familienarbeitskräfte und ständig Beschäftigten wurden nach fünf Arbeitszeitgruppen erfragt: – vollbeschäftigt, – überwiegend beschäftigt, – teilweise beschäftigt, – gering beschäftigt. – fallweise beschäftigt. Die Zahl der nicht ständig Beschäftigten (einschl. Saisonarbeitskräften) und ihre Arbeitszeiten wurden wie bisher erhoben. Der Berichtszeitraum betrug für alle Personen zwölf Monate (vom Mai des Vorjahres bis zum April des Berichtsjahres). Die erhobenen Merkmale zu diesem Themenkomplex für die einzelnen Personengruppen sind in Übersicht 2 dargestellt. Mit dem Themenkomplex „Arbeitskräfte“ hängt das Merkmal „Außerbetriebliche Einkommen“ 3) eng zusammen. Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, die im Nebenerwerb tätig sind, verfügen häufig über außerbetriebliche Einkommen aus anderer Erwerbstätigkeit. Außerbetriebliche Einkommen werden nur in Betrieben der Rechtsform „Einzelunternehmen“ erfragt und hier nur für den Betriebsinhaber, seinen Ehegatten und deren mit betrieblichen Arbeiten beschäftigte Familienangehörige, soweit sie im Betrieb

Übersicht 1: Mit betrieblichen Arbeiten in den landwirtschaftlichen Betrieben Beschäftigte Gesamtsumme

Betriebsinhaber und seine mit betrieblichen Arbeiten beschäftigten Familienangehörigen sowie mit betrieblichen Arbeiten beschäftigte ständige und nicht ständige Arbeitskräfte Betriebsinhaber Ehegatte Familienangehörige

Familienarbeitskräfte

Arbeitskräftekategorien

Nachweisbereich Betriebe der Rechtsform

ständig beschäftigte (familienfremde) Arbeitskräfte

ständig beschäftigte Arbeitskräfte

nicht ständig beschäftigte (familienfremde) Arbeitskräfte

nicht ständig beschäftigte Arbeitskräfte

Einzelunternehmen (Familienbetriebe) Haupterwerbsbetriebe

Personengesellschaften

Juristische Personen

Nebenerwerbsbetriebe

2) Gesetz über Agrarstatistiken (Agrarstatistikgesetz – AgrStatG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 2002 (BGBl. I S. 3118). 3) Siehe Pöschl, H.: „Zur Erfassung von Einkommen in der Landwirtschaft“ in WiSta 5/2003, S. 410 ff.

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Übersicht 2: Merkmale des Themenkomplexes „Arbeitskräfte“ in den Agrarstrukturerhebungen Personengruppe

Merkmal

Geschlecht Betriebsinhaber und seine Familienangehörigen Geburtsjahr Geburtstag (im Zeitraum 1.1. bis 30.4. und 1.5. bis 31.12.) Verwandtschafts- oder Schwägerschaftsverhältnis zum Betriebsinhaber Betriebsleitereigenschaft

Ständig im Betrieb Beschäftigte, die keine Familienangehörigen sind

Nicht ständig im Betrieb Beschäftigte, die keine Familienangehörigen sind

Arbeitszeiten im Betrieb Arbeitszeiten im Haushalt des Betriebsinhabers Arbeitszeiten in anderer Erwerbstätigkeit Berufsbildung Betriebsinhaber, Ehegatte, Betriebsleiter Quellen des außerbetrieblichen Einkommens Geschlecht

Landwirtschaftszählung 1999

Agrarstrukturerhebung 2001, 2003

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

nur Betriebsinhaber und Ehegatte

nur Betriebsinhaber und Ehegatte

X

X

X



X

X

X

X

Geburtsjahr Geburtstag (im Zeitraum 1.1. bis 30.4. und 1.5. bis 31.12.) Bezeichnung der ausgeübten Tätigkeit

X

X

X

X

X

X

Stellung im Beruf

X

X

Betriebsleitereigenschaft

X

X

Arbeitszeiten im Betrieb

X

X

Berufsbildung der Betriebsleiter

X



Gesamtzahl nach Geschlecht Arbeitszeiten im Betrieb

X X

X X

leben. Die Unterscheidung nach der Art der außerbetrieblichen Einkommen dieses Personenkreises erfolgt nach den vier Kategorien: – Einkommen aus anderer Erwerbstätigkeit in einem anderen Betrieb, – Altersrente für Landwirte, Landabgaberente, Produktionsaufgaberente u. Ä., – Rente, Pension, Arbeitslosengeld/-hilfe, Sozialhilfe u. Ä., – Einkommen aus Verpachtung, Vermietung, Kapitalvermögen u. Ä. Berücksichtigt werden die im Zeitraum vom Mai des Vorjahres bis April des Berichtsjahres bezogenen Einkommen. Beide Sachverhalte zusammen betrachtet, machen es in der Untergliederung nach dem Geschlecht der Personen möglich, Aussagen über die Arbeitssituation der Frauen in der Landwirtschaft zu treffen.

Ergebnisse Frauen in der Landwirtschaft der EU-154) im Jahr 1999/20005) Die derzeit aktuellsten und auf EU-Ebene vergleichbaren Ergebnisse aus der Agrarstrukturerhebung stammen aus dem Agrarzensus, der in den Mitgliedstaaten in den Jahren 1999 bzw. 2000 durchgeführt wurde. Danach waren 13,5 Mill. Personen regelmäßig oder dauerhaft in der Landwirtschaft der EU-15 tätig, davon waren knapp 5 Mill. (36%) Frauen. Gut 12,2 Mill. der Arbeitskräfte in der EU-Landwirtschaft waren Familienarbeitskräfte in Betrieben der Rechtsform „Einzelunternehmen“, wobei der Frauenanteil hier sogar bei 38% lag. Dieser Wert war jedoch in den einzelnen Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich: So lag der Frauenanteil an den Familienarbeitskräften in Portugal bei knapp 47%, während er in Irland und Dänemark unter 30% betrug. Für Deutschland ergab sich eine vergleichbare Frauenquote von knapp 38%, also ein Wert, der dem EU-weiten Durchschnitt entspricht. Betrachtet man die Rolle, die die Frauen in den Betrieben ausüben, so ist festzustellen, dass im EU-Durchschnitt nur

4) EU-15 bezeichnet als Summenwert die EU bis zum Stand April 2004 mit den Mitgliedsländern Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweden, Spanien und Vereinigtes Königreich. 5) Quelle: Statistisches Amt der Europäischen Gemeinschaft (Eurostat): „Frauen und Männer in der Landwirtschaft“, Statistik kurz gefasst , Thema 5 – 4/2003.

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Schaubild 1 Landwirtschaftliche Arbeitskräfte in der EU-15 Ergebnis der Betriebsstrukturerhebung 1999/2000

Familienarbeitskräfte Personen: 12,2 Mill. JAE1): 4,7 Mill. Frauen: 38% der Personen 33% der JAE1)

Betriebsinhaber Personen: 6,5 Mill. JAE1): 2,8 Mill. Frauen: 24% der Personen 18% der JAE1)

Familienfremde Arbeitskräfte JAE1):

Ehegatten von Betriebsinhabern Personen: 2,9 Mill. JAE1): 1,0 Mill. Frauen: 76% der Personen 79% der JAE1)

Andere Familienangehörige von Betriebsinhabern Personen: 2,8 Mill. JAE1): 0,8 Mill. Frauen: 32% der Personen 28% der JAE1)

Ständige Arbeitskräfte Personen: 1,3 Mill. JAE1): 1,0 Mill. Frauen: 25% der Personen 23% der JAE1)

Vollbeschäftigte Personen: 1,5 Mill. Frauen: 13%

Vollbeschäftigte Personen: 0,3 Mill. Frauen: 83%

Vollbeschäftigte Personen: 0,3 Mill. Frauen: 19%

Vollbeschäftigte Personen: 0,8 Mill.

Teilzeitbeschäftigte Personen: 5,0 Mill. JAE1): 1,4 Mill. Frauen: 24% der Personen

Teilzeitbeschäftigte Personen: 2,6 Mill. JAE1): 0,7 Mill. Frauen: 75% der Personen

Teilzeitbeschäftigte Personen: 2,5 Mill. JAE1): 0,6 Mill. Frauen: 34% der Personen

Teilzeitbeschäftigte Personen: 0,5 Mill. JAE1): 0,2 Mill.

1,5 Mill.

Nicht ständige Arbeitskräfte

JAE1):

0,5 Mill.

Nichtarbeitend Personen: 0,1 Mill. Frauen: 68% der Personen

Quelle: Eurostat, „Statistik kurz gefasst“, Thema 5 – 4/2003 „Frauen und Männer in der Landwirtschaft“. 1) Jahresarbeitseinheiten.

24% der Betriebsinhaber Frauen waren, während ihr Anteil an der Personengruppe „Ehegatte des Betriebsinhabers“ bei 76% und die Quote bei „Andere Familienangehörige des Betriebsinhabers“ bei 32% lag (siehe Schaubild 1). Insbesondere die Funktion als Betriebsinhaber wurde von den Frauen in den verschiedenen Mitgliedstaaten der EU in sehr unterschiedlichem Umfang ausgeübt (siehe Tabelle 1). So gibt es eine Gruppe von Mitgliedstaaten, in der Frauen als Betriebsinhaber nur selten tätig sind: Dazu gehörten 1999/ 2000 die Niederlande, Dänemark, Deutschland, Irland, Tabelle 1: Anteil der Frauen in der Funktion als Betriebsinhaber 1999/2000 in den Ländern der EU-15 Land

Prozent

Belgien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dänemark . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Griechenland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Finnland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Frankreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Irland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Italien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Luxemburg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Niederlande . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Portugal . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schweden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Spanien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vereinigtes Königreich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . EU-15 . . .

15 8 9 24 10 23 10 28 12 8 31 23 10 21 15 24

Quelle: Eurostat, „Statistik kurz gefasst“, Thema 5 – 4/2003 „Frauen und Männer in der Landwirtschaft“.

1020

Finnland und Schweden mit einem Frauenanteil an den Betriebsinhabern von 8 bis 10%. Mit Quoten zwischen 12 und 15% immer noch unterdurchschnittlich häufig waren Frauen in Luxemburg, Belgien und im Vereinigten Königreich in der Rolle des Betriebsinhabers in der Landwirtschaft aktiv. Etwa im EU-Durchschnitt lagen die Frauenanteile an den Betriebsinhabern in Frankreich, Spanien, Portugal und Griechenland (21 bis 24%), überdurchschnittlich waren sie lediglich in Italien (28%) und Österreich (31%). Die Teilzeitarbeit hat für die landwirtschaftliche Tätigkeit erhebliche Bedeutung. In der EU insgesamt lag der Anteil der nicht Vollzeit beschäftigten Familienarbeitskräfte 1999/ 2000 bei über 80%. Dieser Anteil war in den südeuropäischen Mitgliedstaaten besonders hoch: In Griechenland, Spanien, Italien und Portugal arbeiteten über 85% der Familienarbeitskräfte Teilzeit. In Deutschland lag der Teilzeitanteil 1999 mit gut 75% der Familienarbeitskräfte unter dem EU-Durchschnitt. Knapp 90% der Frauen waren EU-weit teilzeitbeschäftigt – und drei Viertel arbeiteten weniger als die Hälfte der normalen Arbeitszeit –, während der Teilzeitanteil für Männer unter 80% lag. In Ländern wie Luxemburg und den Niederlanden machten die Teilzeit beschäftigten Frauen über die Hälfte der gesamten Teilzeitarbeitskräfte aus. Für die Frauen in der deutschen Landwirtschaft, die als Familienarbeitskräfte tätig waren, lag die Teilzeitquote bei 92%, ihr Anteil an allen Teilzeitbeschäftigten in der Landwirtschaft betrug knapp 46%. Der Teilzeitanteil der deutschen Männer war mit knapp 66% im EU-Vergleich niedrig, ähnliche oder geringere Anteile wiesen die männlichen Statistisches Bundesamt • Wirtschaft und Statistik 9/2004

LANDWIRTSCHAFT rend der Anteil junger Menschen (unter 35 Jahre) etwa 18% betrug. Dies galt zwar für beide Geschlechter, doch war die Altersverteilung zwischen diesen beiden Altersgruppen bei den Frauen noch ungünstiger: Der Anteil junger Frauen an den weiblichen Familienarbeitskräften lag bei nur 16%, während der Anteil der mindestens 65 Jahre alten Frauen 22% betrug. In Deutschland stellt sich die Situation etwas weniger kritisch dar, da der Anteil der unter 35-jährigen Familienarbeitskräfte höher war als der der 65-jährigen und älteren. 22% der Familienarbeitskräfte waren 1999 unter 35 Jahre, knapp 14% mindestens 65 Jahre alt. Bei den Frauen allerdings fiel die Altersverteilung ungünstiger aus, dennoch war auch hier der Anteil der jungen Frauen größer als der der älteren weiblichen Familienarbeitskräfte: Knapp 19% waren unter 35 Jahre und gut 13% mindestens 65 Jahre alt.

Familienarbeitskräfte nur in sechs weiteren Mitgliedstaaten auf: in Belgien, Frankreich, Irland, Luxemburg, den Niederlanden und im Vereinigten Königreich (siehe Schaubild 2). Schaubild 2

Teilzeitbeschäftigte in der Landwirtschaft in den Ländern der EU-15 Ergebnisse der Betriebsstrukturerhebung 1999/2000 Männer Frauen EU-15 Belgien Dänemark1)

Frauen in der Landwirtschaft in Deutschland 1999, 2001 und 2003

Deutschland Griechenland

Für Deutschland liegen zum betrachteten Themenkomplex auch Daten für die Jahre 2001 und 2003 vor. Somit ist es möglich, die neueren Veränderungen im Zeitablauf zu analysieren, sodass neben dem Ist-Zustand auch Entwicklungstendenzen feststellbar sind.

Spanien Frankreich Irland Italien

Wie Tabelle 2 zeigt, hat sich von 1999 bis 2003 die Zahl der in der deutschen Landwirtschaft mit betrieblichen Arbeiten beschäftigten Arbeitskräfte von gut 1,4 Mill. Personen weiter auf 1,3 Mill. Personen verringert. Dabei nahm die Zahl der Familienarbeitskräfte stärker ab als die der familienfremden Arbeitskräfte.

Luxemburg Niederlande Österreich Portugal Finnland

Die Frauenquote an allen Arbeitskräften stieg von gut 37% im Jahr 1999 auf 38% im Jahr 2003 an, was auf einen gestiegenen Anteil bei den Familienarbeitskräften (von gut 37 auf 39%) zurückzuführen ist. Dabei lag der Frauenanteil an den Betriebsinhabern in allen drei Beobachtungsjahren auf dem EU-weit vergleichsweise niedrigen Wert von 9%, während er bei den Familienangehörigen von knapp 63% in den Jahren 1999 und 2001 auf knapp 66% im Jahr 2003 anstieg. Gleichzeitig stagnierte der Frauenanteil an den familienfremden Arbeitskräften bei rund 37%.

Schweden Vereinigtes Königreich 0

20

40

60

80

100 %

1) Für Dänemark liegt nur der Wert für Teilzeitbeschäftigte in der Landwirtschaft insgesamt vor (64%). Quelle: Eurostat ”Statistik kurz gefasst”, Thema 5–4/2003 „Frauen und Männer in der Landwirtschaft” Statistisches Bundesamt 2004 - 01 - 0894

Die unterschiedliche Rollenverteilung für Männer und Frauen in der Landwirtschaft Deutschlands macht Schaubild 3 deutlich, das neben der Gliederung im Jahr 1999 auch die aktuelle Situation im Jahr 2003 abbildet. Danach waren

Das Alter der landwirtschaftlichen Familienarbeitskräfte in der EU-15 ist sehr hoch. Etwa ein Viertel (26%) der Arbeitskräfte insgesamt war 1999/2000 mindestens 65 Jahre alt und lag damit über dem üblichen Ruhestandsalter, wäh-

Tabelle 2: Arbeitskräfte in der Landwirtschaft in Deutschland Familienarbeitskräfte

Arbeitskräfte zusammen Jahr

1999 2001 2003 1999 2001 2003

insgesamt

dar.: Frauen

zusammen

Betriebsinhaber

dar.: Frauen

%

%

dar.: Frauen

1 000

%

dar.: Frauen

37,4 37,1 38,2

940,8 860,1 822,7

352,7 318,4 320,7

37,5 37,0 39,0

440,1 413,4 388,6

38,9 37,6 35,1

500,8 446,6 434,1

313,7 280,8 285,5

62,7 62,9 65,8

496,2 462,7 480,6

184,2 172,4 177,5

37,1 37,3 36,9

195,9 188,7 191,4

63,4 61,5 63,4

32,4 32,6 33,1

18,0 18,3 19,9

231,5 207,2 209,3

29,0 27,0 35,3

12,5 13,0 16,8

175,7 159,6 161,4

dar.: vollbeschäftigt 3,3 5,9 55,8 3,7 5,9 47,6 4,8 7,7 47,9

23,1 21,1 27,5

41,4 44,2 57,4

151,0 142,6 130,6

39,8 36,9 32,5

26,4 25,9 24,9

151,0 142,6 130,6

39,8 36,9 32,5

26,4 25,9 24,9

8,8 9,1 9,0

1 000

dar.: ständige zusammen

1 437,0 536,9 1 322,8 490,7 1 303,3 498,1

Statistisches Bundesamt • Wirtschaft und Statistik 9/2004

1 000

dar.: Frauen

zusammen

%

68,8 63,9 67,8

%

dar.: Frauen

zusammen

zusammen

1 000

382,5 349,8 339,9

1 000

zusammen

Familienfremde Arbeitskräfte Familienangehörige

1 000

%

1021

LANDWIRTSCHAFT

Schaubild 3

Arbeitskräfte in der Landwirtschaft nach Beschäftigtengruppen Betriebsinhaber

sonstige Familienarbeitskräfte

ständige familienfremde Arbeitskräfte

Saisonarbeitskräfte

2003 Männer

Frauen

7,1% 21,7%

22,9%

43,9% 805 100

498 100 12,7%

15,9%

57,3% 18,4%

1999 Männer

Frauen

7,3% 19,9%

22,5%

44,6% 900 100 14,7%

536 900 11,8%

58,4% 20,8%

Statistisches Bundesamt 2004 - 01 - 0895

2003 44% der in der Landwirtschaft tätigen Männer als Betriebsinhaber aktiv, rund 18% waren als sonstige Familienarbeitskräfte, knapp 16% als ständige familienfremde Arbeitskräfte und rund 22% als Saisonarbeitskräfte im Einsatz. Bei den Frauen waren nur 7% Betriebsinhaberinnen, gut 57% sonstige Familienarbeitskräfte (d. h. überwiegend die Ehefrau des Betriebsinhabers), knapp 13% waren ständige familienfremde Arbeitskräfte und 23% nur saisonal beschäftigt. Der Vergleich mit der Verteilung im Jahr 1999 zeigt nur geringfügige Veränderungen im Zeitablauf. Der zeitliche Umfang der Beschäftigung in der Landwirtschaft war im Beobachtungszeitraum im Wesentlichen stabil. Der Teilzeitanteil bei den Familienarbeitskräften lag 1022

in allen drei Beobachtungsjahren bei rund 75%, auch die erheblichen Unterschiede in der Arbeitszeit bei Männern und Frauen blieben gleich (siehe Schaubild 4). Rund zwei Drittel der Männer waren teilzeitbeschäftigt, bei den Frauen nahm der Anteil von knapp 92% in den Jahren 1999 und 2001 leicht auf 89% im Jahr 2003 ab. Insgesamt ist damit die Bedeutung des Arbeitseinsatzes von Frauen in der Landwirtschaft trotz relativ hohem Anteil an den Familienarbeitskräften eher als nachrangig einzustufen. Es handelt sich hierbei offensichtlich um ein zusätzliches Potenzial, das im Bedarfsfall aktiviert wird, nicht aber umfassend in die regelmäßigen Arbeiten eingeplant ist. Dafür sprechen sowohl der hohe Anteil der Teilzeit- als auch Statistisches Bundesamt • Wirtschaft und Statistik 9/2004

LANDWIRTSCHAFT

Tabelle 3: Familienarbeitskräfte mit außerbetrieblicher Erwerbstätigkeit Familienarbeitskräfte darunter mit außerbetrieblicher Erwerbstätigkeit

insgesamt zusammen

Jahr insgesamt

dar.: Frauen

1 000 1999 2001 2003

940,8 860,1 822,7

zusammen

% 352,7 318,4 320,7

Betriebsinhaber

dar.: Frauen

1 000

37,5 37,0 39,0

314,1 297,4 294,7

% 65,3 66,3 78,7

Frauen % 100

80

80

91,8

91,6

89,0 40

40

66,7

65,6

65,3 20

20

1999

2001

14,5 15,6 15,6

dar.: Frauen

1 000

7,2 8,0 8,2

113,6 102,6 104,8

% 50,9 50,6 63,1

44,8 49,4 60,2

Angaben zu Familienarbeitskräften, die Arbeiten im Haushalt des Betriebsinhabers verrichten, werden nur für den Betriebsinhaber und seinen Ehegatten erfasst. Hierbei stellt sich die Situation unterschiedlich dar: Die Betriebsinhaber selbst arbeiteten 2003 nur in geringerem Umfang im Haushalt (21%), während es die Ehegatten zu 78% taten (siehe Tabelle 5). Die geschlechterspezifische Rollenverteilung fällt wie zu erwarten aus: Der Frauenanteil bei den mit Arbeiten im Haushalt beschäftigten Personen ist erheblich höher als der der Männer (siehe Schaubild 5): Selbst Betriebsinhaberinnen arbeiten zu 61% im Haushalt, während dies nur auf 17% ihrer männlichen Kollegen zutrifft, von den Ehegatten arbeiten nur 29% der Männer im Haushalt, aber 82% der Frauen. Im zeitlichen Vergleich wird deutlich, dass der Frauenanteil zwischen 1999 und 2003 zwar abgenommen hat,

0

0

%

Entsprechend zum Umfang der außerbetrieblichen Erwerbstätigkeit werden auch Einkünfte aus diesen Aktivitäten erzielt. So verfügten 2003 rund 59% der Familienarbeitskräfte über außerbetriebliche Einkünfte, und zwar zu 36% aus weiterer Erwerbstätigkeit. Der Frauenanteil lag jeweils bei knapp 30% bei den Familienarbeitskräften mit außerbetrieblichen Einkommen und bei den Familienarbeitskräften mit zusätzlichen Einkommen nur aus außerbetrieblicher Erwerbstätigkeit.

60

60

zusammen

waren es bereits 36%. Dabei handelt es sich bei diesem Personenkreis zu etwa zwei Dritteln um den Betriebsinhaber und nur zu einem Drittel um Familienangehörige. Der Frauenanteil an den Familienarbeitskräften mit außerbetrieblicher Erwerbstätigkeit ist von knapp 21% auf knapp 27% gestiegen. Hier sind es insbesondere die Familienangehörigen, deren außerbetriebliche Aktivitäten ins Gewicht fallen. Von den Familienangehörigen mit weiterer Erwerbstätigkeit waren 1999 rund 45% Frauen, 2003 waren es 60%.

Teilzeitanteile der Familienarbeitskräfte

% 100

200,5 194,9 189,9

Familienangehörige

dar.: Frauen

1 000

20,8 22,3 26,7

Schaubild 4

Männer

zusammen

2003 Statistisches Bundesamt 2004 - 01 - 0896

der Saisonbeschäftigung. Auch der von Frauen in der deutschen Landwirtschaft erbrachte Umfang der außerbetrieblichen Erwerbstätigkeit sowie der Umfang der Tätigkeiten im Haushalt des Betriebsinhabers stützen diese Annahme. Bezogen auf die außerbetriebliche Erwerbstätigkeit zeigt Tabelle 3, dass Familienarbeitskräfte in wachsendem Umfang derartigen Tätigkeiten nachgehen. 1999 waren rund ein Drittel der Familienarbeitskräfte auch außerhalb des eigenen landwirtschaftlichen Betriebes erwerbstätig, 2003

Tabelle 4: Familienarbeitskräfte mit außerbetrieblichem Einkommen Familienarbeitskräfte darunter mit außerbetrieblichem Einkommen insgesamt zusammen

Jahr insgesamt

dar.: Frauen

1 000 1999 2001 2003

940,8 860,1 822,7

% 352,7 318,4 320,7

37,5 37,0 39,0

zusammen

dar.: Frauen

1 000 556,8 501,6 484,2

Statistisches Bundesamt • Wirtschaft und Statistik 9/2004

nur aus Erwerbstätigkeit

% 145,7 131,4 144,8

26,2 26,2 29,9

zusammen

dar.: Frauen

1 000 259,2 249,2 227,3

% 59,5 59,5 67,1

23,0 23,9 29,5

nur aus sonstigen Quellen zusammen

dar.: Frauen

1 000 224,8 192,9 189,5

% 76,7 63,1 66,1

34,1 32,7 34,9

aus Erwerbstätigkeit und sonstigen Quellen zusammen

dar.: Frauen

1 000 72,8 59,5 67,4

% 9,5 8,8 11,6

13,1 14,9 17,2

1023

LANDWIRTSCHAFT

Tabelle 5: Betriebsinhaber und Ehegatten nach Tätigkeit im Haushalt Betriebsinhaber Jahr

zusammen

Ehegatten

dar.: mit Tätigkeit im Haushalt

dar.: Frauen

zusammen 1 000 440,1 413,4 388,6

1999 2001 2003

% 38,9 37,6 35,1

74,8 85,1 81,6

29,7 28,4 21,4

39,7 33,3 26,2

Mit Tätigkeiten im Haushalt beschäftigte Familienarbeitskräfte Betriebsinhaber % 100

Frauen

Männer

80

80

60

60

40

76,2

40

75,5 60,8

20

20

11,2

15,1

17,0

1999

2001

2003

0

0

1999

2001

2003

Ehegatten % 100

Männer

% 100

Frauen

80

80

60

60

97,4

82,3

20

25,9

28,6

1999

2001

2003

0

0

1999

2001

2003

Statistisches Bundesamt 2004 - 01 - 0897

aber immer noch ein Vielfaches des entsprechenden Wertes für die Männer erreicht. Betrachtet man die Familienarbeitskräfte nach Altersgruppen, so wird deutlich, dass die am stärksten besetzte Altersgruppe mit rund 41% sowohl 1999 als auch 2003 die der 1024

306,3 276,0 247,4

% 287,1 257,7 228,9

93,7 93,4 92,5

dar.: Frauen

1 000 284,0 254,8 193,7

% 279,6 250,1 188,5

98,4 98,1 97,3

45- bis unter 65-jährigen Personen war. Ein Siebtel war über 65 Jahre alt, ein gutes Viertel zwischen 35 und 45 Jahre. Die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern und die größten Veränderungen gab es in der Altersgruppe der unter 35-jährigen Familienarbeitskräfte: 1999 gehörten 24% der Männer und 19% der Frauen dazu, 2003 waren es nur noch 19 bzw. 16% (siehe Schaubild 6). Der Anteil der Frauen bei den unter 35-jährigen Familienarbeitskräften war damit in allen Beobachtungsjahren unterdurchschnittlich, sodass die weiblichen Familienarbeitskräfte in der Landwirtschaft insgesamt eine etwas ungünstigere Altersstruktur als die Männer aufweisen. Die Altersgliederung der Betriebsinhaber stellt sich noch extremer dar: Sie gehören ganz überwiegend zu den 35- bis unter 65-Jährigen. Die unter 35-jährigen und über 65-jährigen Betriebsinhaber sind die Ausnahme und tendenziell verringert sich ihr Anteil weiter. 1999 waren noch knapp 17% der Betriebsinhaber unter 35 Jahre alt und 6% 65 Jahre und älter. 2003 war der Anteil der jüngeren Betriebsinhaber auf 12% gesunken, der der über 65-Jährigen betrug immer noch 6%. Für die wenigen weiblichen Betriebsinhaber ergibt sich im Jahr 2003 eine etwas günstigere Altersverteilung als für ihre männlichen Kollegen. Während 17% der Frauen zu den unter 35-jährigen Betriebsinhabern gehörten, waren nur knapp 12% der Männer in dieser Altersgruppe. Gleichzeitig war jedoch auch der Frauenanteil in der Altersgruppe der über 65-Jährigen überdurchschnittlich, sodass hierzu knapp 10% der Betriebsinhaberinnen gehörten, während es bei den Männern nur knapp 6% waren (siehe Schaubild 7 auf S. 1026).

40

20

23,3

1 000

Fazit und Ausblick

97,0

40

zusammen

%

Schaubild 5

% 100

dar.: mit Tätigkeit im Haushalt

dar.: Frauen

dar.: Frauen

1 000 8,8 9,1 9,0

zusammen

Die wenigen Informationen über die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft, die sich aus der amtlichen Agrarstatistik ableiten lassen, zeichnen ein Bild von einer Nebenrolle der Frauen in der deutschen Landwirtschaft. Sie waren auch 2003 nur selten als Betriebsinhaber tätig, überwiegend teilzeit- und/oder saisonal beschäftigt und daher nur bedingt in die täglichen betrieblichen Arbeiten integriert. Ihre Domäne sind der Haushalt des Betriebsinhabers und die Arbeiten innerhalb des Haushalts. Ob dies auch in Zukunft so bleiben wird, ist offen. Im Zusammenhang mit der Förderung der Multifunktionalität der Landwirtschaft und der Erschließung neuer Einkommensquellen für die Menschen im ländlichen Raum, wird den Frauen einiges an Innovationskraft zugetraut. So sagte Bundesverbraucherministerin Renate Künast am 24. Januar Statistisches Bundesamt • Wirtschaft und Statistik 9/2004

LANDWIRTSCHAFT

Schaubild 6

Familienarbeitskräfte in der Landwirtschaft nach Altersgruppen Alter von ... bis unter ... Jahren 35 – 45

unter 35

65 und älter

45 – 65

Insgesamt 2003

Männer

Frauen

13,9%

15,0%

15,9%

19,3%

28,0%

25,2% 42,2%

40,5%

1999 Männer

Frauen

13,4%

13,9%

18,8%

24,3%

24,6% 39,3%

43,1%

22,5%

Statistisches Bundesamt 2004 - 01 - 0898

Tabelle 6: Familienarbeitskräfte nach Altersgruppen Familienarbeitskäfte davon im Alter von . . . bis unter . . . Jahren

insgesamt unter 35

Jahr insgesamt

dar.: Frauen

1 000

%

zusammen

35 – 45

dar.: Frauen

1 000

%

1999 2001 2003

940,8 860,1 822,7

352,7 318,4 320,7

37,5 37,0 39,0

209,1 170,0 147,8

66,4 55,0 51,0

31,7 32,4 34,5

1999 2001 2003

440,1 413,4 388,6

38,9 37,6 35,1

8,8 9,1 9,0

72,5 59,1 47,2

8,8 7,4 6,1

12,2 12,5 13,0

Statistisches Bundesamt • Wirtschaft und Statistik 9/2004

zusammen 1 000

45 – 65

dar.: Frauen %

219,4 86,9 39,6 214,3 84,5 39,4 216,4 89,7 41,5 dar.: Betriebsinhaber 128,9 10,8 8,3 127,7 11,7 9,2 125,7 11,4 9,1

zusammen

65 und mehr

dar.: Frauen

1 000

%

zusammen

dar.: Frauen

1 000

%

383,5 350,1 338,7

152,1 134,3 135,3

39,7 38,4 39,9

128,8 125,7 119,8

47,3 44,5 44,7

36,7 35,4 37,3

212,9 200,5 192,6

15,2 14,9 14,2

7,1 7,4 7,4

25,7 26,1 23,2

4,1 3,6 3,4

16,0 13,6 14,5

1025

LANDWIRTSCHAFT

Schaubild 7

Familienarbeitskräfte in der Landwirtschaft nach Altersgruppen Alter von ... bis unter ... Jahren unter 35

35 – 45

65 und älter

45 – 65

dar.: Betriebsinhaber 2003

Männer

5,6%

Frauen

9,6%

11,6%

17,4%

32,3% 40,4%

50,5%

32,6%

1999 Männer

Frauen

5,4%

10,6%

15,9%

49,3%

22,7%

29,5%

39,1% 27,6%

Statistisches Bundesamt 2004 - 01 - 0899

2003 in einer Diskussionsrunde auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin6): „Frauen sind Motor der ländlichen Entwicklung. Gerade die Landfrauen engagieren sich besonders intensiv für den Auf- und Ausbau neuer Einkommensmöglichkeiten auf dem Land. Der starke Anstieg von Dienstleistungsangeboten in ländlichen Regionen, z. B. Tourismus, Direktvermarktung, soziale oder Freizeitdienstleistungen geht überwiegend auf das Konto von Frauen.“ Die statistische Erfassung derartiger Aktivitäten

steckt noch in den Kinderschuhen. Im Zusammenhang mit der Förderung der Entwicklung des ländlichen Raumes gemäß EU-Verordnung7), die den Mitte der 1970er-Jahre geschaffenen Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung ergänzt, wurden erstmals in der Agrarstrukturerhebung 2003 betriebsbezogene Daten über Einkommenskombinationen in landwirtschaftlichen Betrieben erhoben. Der Merkmalskatalog beinhaltet die pauschale Feststellung der außerlandwirtschaftlichen Aktivitäten, die in direkter

6) Siehe Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft: BMVEL-Informationen Nr. 3/4 vom 24. Januar 2003. 7) Verordnung (EG) Nr. 1257/1999 des Rates vom 17. Mai 1999 über die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raumes durch den Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL) und zur Änderung bzw. Aufhebung bestimmter Verordnungen (Amtsbl. der EG Nr. L 160, S. 80).

1026

Statistisches Bundesamt • Wirtschaft und Statistik 9/2004

LANDWIRTSCHAFT Verbindung zum landwirtschaftlichen Betrieb stehen. Diese Tätigkeiten setzen den Einsatz der vorhandenen Betriebsmittel des landwirtschaftlichen Betriebs (Grund und Boden, Gebäude, Maschinen) oder von im landwirtschaftlichen Betrieb erzeugten Produkten voraus. Da sich die Fragestellung ausschließlich auf qualitative Daten über Wertschöpfungsprozesse außerhalb der landwirtschaftlichen Primärproduktion bezieht, sollen weitere Informationen aus der Agrarstrukturerhebung herangezogen werden, um die Aussagefähigkeit der Informationen zum Themenkomplex „Einkommenskombinationen“ zu erhöhen. Erst eine Weiterentwicklung des Erhebungsprogramms in diesem Bereich wird es möglich machen, auch Informationen über den Umfang des Arbeitskräfteeinsatzes und die Akteure in diesen Tätigkeitsfeldern zu gewinnen.

Statistisches Bundesamt • Wirtschaft und Statistik 9/2004

1027

Auszug aus Wirtschaft und Statistik

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