Ergonomische PC-Mäuse das sollten Sie wissen!

Ergonomische PC-Mäuse – das sollten Sie wissen! Schon verrückt, wie viele „alternative“ PC-Mäuse es mittlerweile auf dem Markt gibt. Und alle mit dem ...
Author: Angelika Bayer
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Ergonomische PC-Mäuse – das sollten Sie wissen! Schon verrückt, wie viele „alternative“ PC-Mäuse es mittlerweile auf dem Markt gibt. Und alle mit dem Versprechen, irgendwie ergonomisch zu sein… In diesem Artikel wollen wir uns mal zusammen die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema „alternativ gestaltete PC-Mäuse ansehen“.

Die Bedienung von PC-Mäusen ist unter den PC-Nutzern mit 97% nahezu flächendeckend verbreitet (Woods et al. 2002) und wird als Mitverursacher für gesundheitliche Beschwerden der Arm-Schulter-Nackenregion in Verbindung gebracht (Cook 1998; Karlqvist et al. 1998). Da die Tastatur zentral vor dem Anwender und dem Bildschirm platziert ist, wird die Maus i.d.R neben der Tastatur auf gleicher Höhe positioniert (Dennerlein & Johnson 2003).

Diese Positionierung provoziert eine verstärkte Armabspreizung und Armaußenrotation der Bedienseite, zunächst einmal völlig unabhängig der Mausform.

Dies führt dazu, dass es zu vermehrten Problemen der Nackenmuskulatur i.S. schmerzhafter Spannungserhöhungen kommen kann (Lin et al. 2015; Cook 1998). Je weiter die Maus seitlich an die Tastatur herangeführt wird, desto geringer fallen die Armabspreizung und die Armaußenrotation aus, was eine abnehmende Spannung der schulterhebenden Nackenmuskulatur zur Folge hat. Empfohlen werden deshalb möglichst schmale Tastaturen mit separierten Nummernblock (Keller Chandra et al. 2008; Cook 1998). Auch die Verringerung des Mausweges / der Mausgeschwindigkeit über die Softwareeinstellung kann einen positiven Beitrag leisten (Dennerlein & Yang 1999; Pekelney & Chu 1995). Die Gestaltung der Maus, z.B. die Vertikalisierung als auch die Gestaltung als Pen (Griffel) oder Joystick spielt für die Prävention von Arm-SchulterNackenbeschwerden ebenfalls eine Rolle.

So konnten in Studien mit joystickähnlichen Mäusen Verbesserungen bei Beschwerden im Hand-Arm-Schulter- und Nackenbereich festgestellt werden (Aaras et al. 2001; Aaras & Ro 2000). Auch die Muskelaktivitäten in diesen Bereichen nehmen ab und es werden häufiger als positiv bewertete Mikropausen eingelegt (Gustafsson & Hagberg 2003; Aaras & Ro 1997). Auch Griffelmäuse zeigen diese Ergebnisse (Ullman et al. 2003). Bzgl. der Performance (Bedienschnelligkeit, Bediengenauigkeit, Klickgeschwindigkeit) kommen Studien (Keller-Chandra et al. 2008) jedoch zu dem

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Schluss, das je ausgefallener ein alternatives Mausdesign ist, desto geringer die Performance. Wichtiger als das Mausdesign und die Art der Maus scheint im Hinblick auf biomechanische Belastungsparameter jedoch die Positionierung eines solchen Eingabegerätes zu sein (Lin et al. 2015; Dennerlein & Johnson 2003; Cook 1998; Harvey & Peper 1997). Eine alternative bietet hier eine sogenannte „Rollermouse“.

Dabei handelt es sich um ein sogenanntes zentrales Eingabegerät, das in der Mitte des Computerarbeitsplatzes direkt vor der Tastatur platziert und über einen dicken langen Rollstab und mehrere Tasten bedient wird. Der Rollstab, der mit Sensoren ausgestattet ist, wird mit den Fingerspitzen beider Hände oder abwechselnd mit der rechten und linken Hand bewegt. Durch die zentrale Anordnung unterhalb der Tastatur entfällt die bei Standartmäusen erforderliche Armabspreizung und Außenrotation, die Hände und Arme behalten Ihre Ausrichtung und Position vor der Tastatur bei (Lin et al. 2015). Dies kann einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion gesundheitlicher Beschwerden der Arm-Schulter-Nackenregion leisten (Dennerlein & Johnson 2003; Cook 1998; Harvey & Peper 1997). So konnten Lin et al. (2015) in einer Vergleichsstudie aufzeigen, dass es durch die Anwendung zentral angeordneter Eingabe-hilfen (Touchpad und Rollermouse) zu einer signifikanten Aktivitätsabnahme der Unter-armmuskulatur gegenüber einer klassischen seitlich geführten Maus und einem Trackball kam. 3

Gegenüber einem Touchpad erwies sich die Performance der Rollermouse als vorteilhafter (Lin et al. 2015).

Fazit: Ergonomisch gestaltete PC-Mäuse können gesundheitliche Vorteile bringen, jedoch darf man die Effekte alleine aufgrund der Formgebung nicht überschätzen. Viel entscheidender scheint die Positionierung der Maus auf dem Arbeitsplatz zu sein, da diese einen wesentlichen Einfluss auf die Körperhaltung hat. Eine „Rollermouse“ scheint hier im Vorteil zu sein.

Tip: Versuchen sie doch einfach mal den Einsatz von zwei klassischen PCMäusen – ein rechts und eine links neben der Tastatur. So können Sie regelmäßig Ihre Hände abwechseln und beugen einseitigen Belastungen vor. Nach kurzer Eingewöhnung klappt das auch mit der vermeintlich „schwächeren“ Seite. Versprochen - ich habe es getestet und mich schnell daran gewöhnt. Mausbedienung mache ich jetzt mit links!

In einem der nächsten Beiträge im Ergonomie.blog geht es um ergonomische PC-Tastaturen – einfach vorbeischauen!

Bleiben Sie in Bewegung! Ihr Christof Otte

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Quellen Aaras, A.; Ro, O. (2000) Position of the forearm and VDU work. In: Proceedings oft he Human Factors and Ergonomics Society. 44th Annual Meeting, San Diego, S. 648ff. Aaras, A.; Ro, O. (1997) Workload when using a mouse as an input device. In: International Journal of Human-Computer Interaction 9, S. 105ff. Aaras, A. et al. (2001) Can a more neutral position of the forearm when operating a computer mouse reduce the pain level for visual display unit operators? A prospective epidemiological intervention study: part II. In: International Journal of Human-Computer Interaction 13, S. 13ff. Cook, C. K. (1998) Influence of mouse position on muscular activity in the neck, shoulder and arm in computer users. In: Applied Ergonomics 29, S. 439ff. Dennerlein, J.; Johnson, P. (2003) Positions of the computer mouse within a thousand workstations. In: Proceddings oft he Human Factors and Ergonomics Society. 47th Annual Meeting, Denver, S. 1279ff. Dennerlein, J.; Yang, M. (1999) Perceived musculoskeletal loading during use of a force-feedback computer mouse. In: Proceedings of the Human Factors and Ergonomics Society. 43rd Annual Meeting, Houston. Gustafsson, E.; Hagberg, M. (2003) Computer mouse use in two different hand positions: exposure, comfort, exertion and productivity. In: Applied Ergonomics 34, S. 107ff. Harvey, R.; Peper, E. (1997) Surface electromyography and mouse use position. In: Ergonomics 40, S. 781ff. Karlqvist, L. et al. (1998) Computer mouse position as a determinant of posture, muscular load and perceived exertion. In: Scandinavian Journal of Work, Environment & Health 24, S. 62ff. Keller Chandra, S.; Hoehne-Hückstädt, U.; Ellegast, R. (2008) Ergonomische Anforderungen an Eingabemittel für Geräte der Informationstechnik. In: Schriftenreihe der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) (3), Sankt Augustin. Lin, M. Y.; Young, J. G.; Dennerlein, J. T. (2015) Evaluating the effect of four different pointing device designs on upper extremity posture and muscle activity during mousing tasks. In: Applied Ergonomics 47, S. 259ff. Pekelney, R.; Chu, R. (1995) Design criteria of an ergonomic mouse computer input device. In: Proceedings oft he Human Factors and Ergonomic Society. 39th Annual Meeting, San Diego, S. 369ff. Ullman, J. et al. (2003) A new approach to the mouse arm syndrome. In: International Journal of Occupational Safety and Ergonomics 9, S. 463ff. Woods, V. et al (2002) Ergonomics of using a mouse or other non-keyboard input device. University of Surrey and Loughborough.

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