Erfahrungsbericht OBW Floyd Hornung University of Windsor

Erfahrungsbericht OBW – Floyd Hornung – University of Windsor Vorwort Im vierten Semester hatte ich auf Empfehlung eines Freundes beschlossen, mich fü...
Author: Sophie Frei
5 downloads 1 Views 67KB Size
Erfahrungsbericht OBW – Floyd Hornung – University of Windsor Vorwort Im vierten Semester hatte ich auf Empfehlung eines Freundes beschlossen, mich für ein Auslandssemester am Ende meines Bachelorstudiums zu bewerben. Von vorne herein war mir klar, dass ich in den englischsprachigen Raum möchte. Zunächst brauchte man dafür Empfehlungsschreiben von Professoren oder wissenschaftlichen Mitarbeitern, ein Motivationsschreiben und den Toefl-Test. Der Toefl-Test ist mit 240€ nicht ganz billig, das ist dann aber schon die einzige Hürde die der Toefl bietet: Das Erreichen der Mindestpunktzahl die für (fast) alle Austauschprogramme besteht, sollte kein großes Problem darstellen. Als Vorbereitung auf den Test würde ich sagen genügt es sich mit dem generellen Aufbau des Tests vertraut zu machen, so findet man zB raus, dass nach dem Reading der Text nicht verschwindet, man sich also anstatt ihn am Anfang zu lesen, einfach bis zu den Fragen durchklicken kann, und dann nur suchen muss was gefragt ist, so kann man ordentlich Zeit sparen und muss gegebenenfalls nicht alles lesen. Etwas tricky fand ich das Speaking, man hat so 10-20 Sekunden Zeit sich etwas zu überlegen zu einem Gespräch oder einem kurzen Text und darf dann 30-60 Sekunden darüber reden. Da kann es sein dass je nach Thema man eben nicht die volle Zeit benutzt, darauf vorbereiten kann man sich aber meiner Meinung nach nur sehr schwer bzw. nicht mit vertretbarem Zeitaufwand. Die ca. 80 Punkte jedenfalls sind absolut human zu erreichen, deshalb würde ich empfehlen sich nicht verrückt zu machen. Nachdem der Toefl geschrieben, Motivations- und Empfehlungsschreiben abgegeben waren dauerte es etwas, bis man die Zulassung zum jeweiligen Programm bekam. Da ich im OBW Landesprogramm war kam noch ein „zweiter“ Bewerbungsschritt hinzu, an die jeweiligen Unis im Landesprogramm: Wieder kleine Motivationsschreiben für

jede der 3 Unis in den Präferenzen. Als dann die Plätze letztendlich vergeben wurden, nahm das Projekt „Austausch“ dann tatsächlich Form an. Über die obligatorischen Facebook-gruppe kann man sich schon mal austauschen über Flugpreise, Reisepläne etc. Im OBW Programm gibt es dann ein (sensationelles) Info&KennenlernWochenende in Bad Herrenalb. Hier lernt man alle anderen aus dem Austauschprogramm kennen und kann sich schon mal ein Bild davon machen, mit wem man den Austausch gemeinsam verbringt. Der erste offizielle Part in Kanada selber waren wieder 3 Tage (sensationelles, beide Seminare wirklich nicht verpassen!) Einfühungsseminar auf einem Campus der York University in Toronto. Man trifft die aus Bad Herrenalb bekannten Gesichter wieder und wird etwas auf das bevorstehende Semester vorbereitet. Hier waren auch kanadische Studenten die in Deutschland waren und konnten gute Informationen über Ähnlichkeiten und Unterschiede geben. Einige Themen wiederholen sich natürlich, aber dennoch waren die Tage ziemlich witzig.

Windsor, ON Windsor liegt so 5 Stunden mit dem Greyhound von Toronto entfernt. Mir wurde von Greyhound abgeraten wenn man zuverlässig und pünktlich ankommen möchte, das kann ich aber nicht bestätigen, ich bin einige male zwischen Toronto und Windsor hin-und hergefahren und hatte nie nennenswerte Verspätung (klar ist Freitag Abend mal Stau, aber mehr als 30Minuten waren es nie.) Wenn man vom Flughafen in Toronto direkt abfahren möchte kann man sich überlegen, sich eine Stunde U-Bahn und Bus zu sparen, und ein Airportshuttlebus (ROBERT Q) zu buchen, der ist ungefähr doppelt so teuer wie der Greyhound, aber fährt eben vom Flughafen und nicht von Downtown, da ich davor aber sowieso in Downtown Toronto war, war das für mich kein Thema. In Windsor angekommen war ich definitiv froh, dass ich ein Wohnheim hatte. Ich war nur für ein Semester, also dort knappe 4 Monate, in Windsor. Im Wohnheim wohnten 30-40 andere Austauschstudenten, man fand sofort Anschluss, hatte eine

Einführungswoche mit Partys abends und hatte immer „gleichgesinnte“ um sich herum. In Windsor bekommt man einen Wohnheimsplatz garantiert als Austauschstudent. Man kann wählen zwischen 2 Wohnheimen, wobei der Hauptunterschied ist, dass es im einen einen Meal-plan gibt, der gottseidank nicht wirklich groß ist. Ich war im besagten Wohnheim und regte mich Anfangs ziemlich über den Mealplan auf, wobei ich im nachhinein sagen muss, dass es schon recht angenehm war nicht immer selber kochen zu müssen. Studium

Da ich sogut wie keine Prüfungen mehr für meinen Bachelor brauchte, und von mehreren Seiten hörte, dass es relativ schwer ist, sich in den technischen Studiengängen Fächer aus dem Ausland anrechnen zu lassen, habe ich mich nicht auf auf BWL-Fächer konzentriert, also hauptsächlich „business“-classes belegt, dazu Spanisch und ein Fach über Reden, was ich auf Englisch für sinnvoll hielt. Generell würde ich sagen die Schwierigkeit eines Studiums in Kanada ist deutlisch niedriger, jedoch wird man gezwungen am Ball zu bleiben, man muss (in manchen Fächern wöchentlich) assignments abgeben, hat Zwischenprüfungen und Anwesenheit zählt in die Note mit rein. Generell würde ich sagen es ist während des Semesters mehr Aufwand, die Prüfungen zählen aber in der regel nur 50% und weniger, sind relativ einfach und mit deutlich weniger Zeitaufwand zu bewältigen als Prüfungen zuhause. Die Kurse sind dabei noch deutlich kleiner, man nennt manche Professoren beim Vornamen und führt Diskussionen und partizipiert deutlich mehr als bei Vorlesungen wie ich sie aus Deutschland kannte. Generell würde ich sagen wäre ein Zwischending das beste, da man in manchen Fällen in den Vorlesungen kaum Inhalte behandelt hat, sondern diese zuhause selber nachlesen musste, was natürlich wieder Zeitaufwand bedeutet hat (und auch irgendwann von den meisten eingestellt wird).

Freizeit Auch abgesehen von Vorlesungen findet viel mehr Leben auf dem Campus statt, es gibt unzählige Clubs und Events. Sport hat einen großen Stellenwert, es gab alleine 4 Football/Fussball-Felder, dazu unzählige indoor&outdoor Basketball-courts und ein

Fitnesscenter für die Studenten der Uni. Nicht zu vergessen bleibt aber, dass sie auch ca. 5000$ pro Semester für die Uni bezalen. Durch das Wohnheim fiel die Integration wie schon gesagt ziemlich einfach, allerdings hauptsächlich mit anderen Austauschstudenten. Generell würde ich aber sagen dass Kanadier sehr aufgeschlossen sind, man also in Vorlesungen in denen man „alleine“ sitzt, auch sehr schnell Anschluss findet und einem sofort geholfen wird wenn man verloren aussieht. Dennoch hat man viel mit anderen Austauschstudenten zu tun, weil die natürlich keine Nebenjobs haben und einige im gleichen Wohnheim waren und man sozusagen von der Wohnsituation ausgehend jeden Abend miteinander verbracht hat. Da ich vor Beginn in Windsor noch einige Zeit hatte, besuchte ich z.B. den Algonquin National Park, 1000Islands und andere kleinere Nationalparks mit meinem Zelt und muss sagen, dass 2 Wochen für dieses Programm echt kurz waren. Man kann unfassbar viel Zeit in unfassbarer Natur verbringen, an Seen, Wäldern etc. Als Kontrast zu Kanada beschloss ich mit 4 anderen Austauschstudenten in einer Woche Ferien einen Roadtrip durch die USA nach New Orleans und an den Golf von Mexico zu machen. 4500km in ca. 50h Autofahrt in einer Woche, von kaltem Kanada in einem Tag ans Badewannen-Meer mit weißem Strand. Generell würde und habe ich jedem Austausch empfohlen, da es eine Unfassbare Erfahrung ist, man unzählige Leute kennen lernt, danach überall auf der welt willkommen ist und eben auch Kontakte pflege und Freunde aus aller Welt empfangen kann. Generell würde ich auch Kanada empfehlen, sobald man sich an „keine Wege-Biere mehr“ (Zitat eines Kanadiers auf der Infoveranstaltung in Toronto) gewöhnt, ist es auch kein Kulturschock. Windsor ansich ist etwas verrufen: Von einigen Kanadiern wird man gefragt „why would you come to this shithole?“ Die Stadt ansich hat auch wirklich wenig zu bieten, ein Casino, okay, aber von etwas wie “Innenstadt” ist tagsüber nicht zu reden. Da viel des täglichen Lebens jedoch sowieso auf dem Campus statt findet ist das garnicht so wichtig, erstrecht nicht wenn man im Wohnheim wohnt und dauerhaft Leute umsich hat. Umso wichtiger ist, dass die Stadt

Nachts wirklich erwacht. Die Tagsüber leeren Bars und Restaurants füllen sich, und es kommt ein wirklich anständiges Nachtleben (das in Ontario allerdings per Gesetz um 2 beendet wird) zu stande. Also Windsor schien anfangs schlechter als es wirklich war, schade ist, dass es am weitesten entfernt von den meisten anderen OBWStädten liegt, man also kaum Spontantreffen mit anderen aus dem Programm machen kann, braucht man aber auch nicht wirklich. Wer keine Architektonisch hochwertige Altstadt mit verträumten Cafés und kleinen Lädchen erwartet, kann also eine wirklich gute Zeit in Windsor haben, auch wenn´s nicht die schönste Stadt der Welt ist.

Suggest Documents