EINE AUSWAHL DER WICHTIGSTEN OBJEKTE

EINE AUSWAHL DER WICHTIGSTEN OBJEKTE Blatt aus einer Koranhandschrift in kufischer Schrift Qayrawan, Tunesien (?), 9. Jh. Tusche, Malerei und Gold a...
Author: Lennart Haupt
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EINE AUSWAHL DER WICHTIGSTEN OBJEKTE

Blatt aus einer Koranhandschrift in kufischer Schrift Qayrawan, Tunesien (?), 9. Jh. Tusche, Malerei und Gold auf Pergament 145 x 210 mm © al-Sabah Collection Kuwait Kufi ist eine der ältesten Schriften der islamischen Welt und nach der Stadt Kufa im Irak benannt. Durch ihre beeindruckende formale Eleganz eignete sich Kufi besonders für monumentale Inschriften, etwa in Moscheen oder Medresen (Koranschulen) sowie zur Abschrift des Korans. Die Überschriften der Suren sind häufig in Gold geschrieben, die Verwendung von Gold für den gesamten Text ist hingegen selten. Kommt sie dennoch vor, lässt dies auf einen besonders bedeutenden Auftraggeber schließen. Im 9. und 10. Jahrhundert

bestand

im

tunesischen

Kairouan

eine

Schreibschule

mit

hohem

künstlerischen Niveau, aus deren Werkstätten das vorliegende Blatt stammen dürfte.

Deckeldose mit Einhörnern, Vögeln und Pflanzenmotiven Spanien, unterer Teil frühes 11. Jh., Deckel und Fassung spätere (aber nicht moderne) Ergänzungen Elfenbein, bemalt, Fassung: Bronze H. 10 cm, Dm. 7,5 cm © al-Sabah Collection Kuwait Dosen oder Kelche aus geschnitztem Elfenbein mit eleganten Darstellungen von Tieren und Figuren, die in ein Gitter aus teilweise runden Medaillons (das von textilen Vorbildern inspiriert ist) eingefügt sind, waren Luxuserzeugnisse islamischer Werkstätten in Spanien; ähnliche Objekte entstanden aber wahrscheinlich auch im restlichen südlichen Mittelmeerraum, im Maghreb, in Sizilien und in Süditalien. Sie dienten zur Aufbewahrung von Schmuck oder duftenden Essenzen und waren häufig mit Inschriften dekoriert. Viele dieser Werke gelangten später in europäische Kirchenschätze.

Fragment aus Seidensamt Türkei, Mitte 16. Jh. Brokatsamt mit Metallfäden 88 x 59 cm © al-Sabah Collection Kuwait Cintamani wird dieses alte Dekormotiv zentralasiatischer Herkunft genannt. Die Kugeln und Wellenlinien werden allgemein als Stilisierung der Innenseite der Pfote einer Raubkatze (mittels der drei Kugeln) und des entsprechenden Fells mit Flecken oder Streifen (etwa eines Leoparden oder Tigers) interpretiert. Wahrscheinlich wurden derartige Tierfelle vom Herrscher als Zierde getragen und in der Folge stilisiert. Das Cintamani-Muster (mit nur drei Kugeln) war auch das Emblem Tamerlans (1336–1404), eines mächtigen, aus Zentralasien stammenden Herrschers. Unter den Osmanen (1281–1924) erfreute sich das Motiv großer Beliebtheit und zierte königliche Kaftane oder Palasteinrichtungen (wie im Fall des vorliegenden Objektes, bei dem es sich um einen Kissenbezug für den kaiserlichen Diwan handelt). Man findet dieses Motiv nicht nur auf Stoffen, sondern auch auf anderen Materialien. So trägt eine der Figuren in Tizians Grablegung Christi, die sich heute im Prado in Madrid befindet, einen mit diesem Motiv geschmückten Kaftan.

. Blatt aus einer Handschrift von Nizamis „Fünf Schätzen“ („Chamse“) Darstellung der nächtlichen Reise Mohammeds nach Jerusalem Illuminierte Handschrift Iranische Welt, ca. 16. Jh. Tusche, Malerei und Gold auf Papier 224 x 144 mm © al-Sabah Collection Kuwait Die auf dieser persischen Miniatur aus dem 16. Jahrhundert dargestellte Szene zeigt die nächtliche Reise (Mi’raj) des Propheten Mohammed nach Jerusalem auf dem mythischen und magischen, mit dem Gesicht einer Frau versehenen Reittier Buraq. Wie in Darstellungen aus dem 16. Jahrhundert üblich, trägt der Prophet einen Gesichtsschleier und ist ebenso wie sein geflügeltes Pferd von einem goldenen Flammenkranz umgeben. Im mit chinesischen Wölkchen gefüllten Himmel schweben engelsartige Figuren mit Opfergaben.

Hemd mit glückbringenden und frommen Inschriften darunter der gesamte Koran und die 99 Namen Gottes Indien, wohl spätes 15. Jh. Tusche und Malerei auf Baumwollstoff 50,0 x 92.5 cm © al-Sabah Collection Kuwait Der Koran ist die Grundlage der gesamten islamischen Kultur: seine Verbreitung und Niederschrift gelten als besonders verdienstvolle Taten im Angesicht Gottes. Derartige glücksbringende Kleidungsstücke wurden unter einem Kaftan getragen und zeugen vom Aberglauben, der im Islam weitgehend toleriert wird. Dieses interessante und seltene Objekt dokumentiert, dass die Ausprägungen einer allgemeinen Gottesfurcht allen großen Religionen gemein sind.

Schale Ostiranische Welt, wohl Nishanpur, 10. Jh. Mit weißem Engobe überzogener und mit schwarzem Schlicker bemalter Ton, graviert, farblose Glasur H. 4,8 cm, Dm. 13,8 cm © al-Sabah Collection Kuwait Die ostiranische Welt (Chorasan) war im Mittelalter eines der bedeutendsten islamischen Kunstzentren, und die Hochwertigkeit der hier hergestellten Arbeiten aus Keramik, Glas und Metall sowie der Textilien zeugt von der Entwicklung einer gegenüber anderen Strömungen offenen hochkultivierten Gesellschaft. Seine zentralasiatische Lage machte Chorasan zu einem Durchzugsgebiet des Handelsverkehrs mit China und Indien. Die Stadt Nishapur wurde von einer amerikanischen archäologischen Mission in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts ausgegraben: Tausende Fundstücke belegen die qualitativ besonders hochwertige örtliche Keramikerzeugung. Die wunderbare Verzierung dieser Schale mit Palmetten – man könnte dieses Motiv auch als im zeitgenössischen Sinne abstrakt bezeichnen – ergibt auf Grund der Virtuosität des Künstlers sowie der Ausgewogenheit, des Raffinements und der Eleganz der Komposition ein kleines, in Serie gefertigtes, vollendetes Meisterwerk.

Mauerzinne (möglicherweise von der Ummauerung eines Kenotaphs) Iran, 12. Jh. Fritte-Keramik mit opaker türkiser Glasur 25 x 24 cm © al-Sabah Collection Kuwait Diese einfache, mit einem Muster aus gespiegelten Halbpalmetten verzierte türkisfarbige Zinne dokumentiert eindrucksvoll, wie in der islamischen Kunst mittels maßvoller und ausgewogener Verwendung von Formen und Farben künstlerische Ergebnisse von hoher Qualität erzielt werden können. Die Farbe Türkis wird im Persischen firuz genannt; dieselbe sprachliche Wurzel hat der Name Peroz, einer der traditionsreichsten, auch für die Herrscher des Sasanidenreichs (224 – 642 n. Chr.) verwendeten Namen, dem die Bedeutung von „siegreich“ zugeschrieben wird. Es handelt sich demnach um eine wahrhaft triumphale Farbe, die nicht zufällig herausragende Bauten ziert: Beispiele hierfür findet man in den Moscheen von Isfahan und Samarkand, deren Kuppeln von dieser magischen Farbe dominiert werden.

Glasbecher mit Darstellung von zwei Männern bei der Vogeljagd am Ufer eines Sees Ägypten oder Syrien, 2. Hälfte 13. Jh. Emailliertes und vergoldetes Glas H. 11,6 cm, Dm. 8 cm © al-Sabah Collection Kuwait Dieser Becher hat sich auf wundersame Weise unbeschädigt bis in unsere Zeit erhalten, um uns die Geschichte einer Vogeljagd in einem Sumpfgebiet zu erzählen. Die am Ufer eines Flusses oder eines Teiches sitzende Gestalt scheint an einem Faden zu ziehen, um möglicherweise einen Vogel, wohl einen Kranich oder Reiher, zu fangen, der zwischen der Ufervegetation umherfliegt. Die Szene ist ausgesprochen lebendig geschildert, auch die Details der Kleidung – wie der Turban, der in ein andersfarbiges Band ausläuft – sind äußert getreu wiedergegeben. Die in Kairo, Damaskus und Aleppo um die Mitte des 13. Jahrhunderts

hergestellten

Glasobjekte

gehören

außerordentlichsten der gesamten islamischen Kunst.

zu

den

bedeutendsten

und

Blatt aus einem Album, das einen Miniaturmaler bei der Arbeit zeigt Nordindien, frühes 17. Jh. Tusche, Malerei und Gold auf Papier 33 x 27,3 cm © al-Sabah Collection Kuwait Dies ist eine der berühmtesten Miniaturen in der umfangreichen Sammlung al-Sabah. Ein ähnliches (aber spiegelbildlich) auf Papier ausgeführtes Bild wird Gentile Bellini zugeschrieben, der es während seines Aufenthaltes am Hof Mohammeds II. in Istanbul (1479 – 1481 n. Chr.) anfertigte. Eine bereits spiegelbildliche Kopie von Bellinis Werk dürfte als Vorlage für diese Miniatur gedient haben. Die Kleidung des Malers ist äußerst prachtvoll: Das Oberteil ziert ein „Wolkenkragen“ – eine sich von China aus in ganz Zentralasien ausbreitende Mode – mit einer eleganten Arabeskenranke, die dank ihrer Qualität und Raffinesse den Ornamenten von Turban und Schärpe in nichts nachsteht. Letztere ist, so kann man auf Grund der Darstellung schließen, wohl aus Silberbrokat gefertigt. Gesichtsausdruck und leicht gerunzelte Stirn des Malers deuten an, dass er sich auf seine Arbeit konzentriert, sein nackter Fuß lässt die Intimität des Moments erahnen. Es handelt sich hierbei um ein Porträt (ein in der islamischen Kunst seltenes Genre) von hervorragender expressiver Qualität.

Griff eines Stockes Indien, wahrscheinlich Dekkan, ca. 2. Viertel 17. Jh. Jade 4,5 x13 cm © al-Sabah Collection Kuwait Zahlreiche Literaturquellen belegen, dass die Bearbeitung von Jade nicht nur in China, sondern auch in islamischen Ländern auf eine lange Tradition zurückblickt. Die bedeutendsten Erzeugnisse stammen aus Zentralasien und dem indischen Subkontinent. Aus Indien stammt auch dieser Stockgriff mit feiner naturalistischer Schnitzerei mit zwei sich gegenseitig den Rücken zuwendenden Antilopenköpfen, die in der Mitte von einer zarten Lotusblüte getrennt werden. Es handelt sich um ein Objekt von größter Virtuosität, das die überzeugend Eleganz und den Luxus der opulenten Fürstenhöfe in Indien unter den Moguln dokumentiert.

Goldkette mit Anhänger Indien, Dekkan, Hyderabad, spätes 18. Jh. Gold, mit Diamanten besetzt, Anhänger, zusätzlich mit freihängendem Smaragd Rückseite emailliert © al-Sabah Collection Kuwait Die

al-Sabah

Collection

besitzt

wohl

die

bedeutendste

Sammlung

islamischer

Schmuckkunst der Welt. Eine besondere Rolle nehmen dabei Juwelen vom indischen Subkontinent ein, der lange eine Vorreiterstellung in der Goldschmiedekunst innehatte. Dies war auch durch die dort vorhandenen Edelsteinbergwerke (etwa die von Marco Polo, erwähnte, weltberühmte Golconda-Diamantmine) und die aufsehenerregenden technischen Fähigkeiten der lokalen Künstler bedingt. Die Kundan-Technik ist eine vermutlich ausschließlich in Indien vorkommende Verarbeitungsmethode, bei der das Gold so stark raffiniert, geschlagen und gereinigt wird, dass es viskos und bei Raumtemperatur formbar wird. So schmiegt sich das auf dem Stein bzw. um ihn angedrückte Gold vollständig an diesen an, sodass dem Künstler im Hinblick auf Bearbeitung und Kreativität kaum Grenzen gesetzt sind. Ein weiteres, erwähnenswertes Charakteristikum mogulischer Schmuckkunst ist die Verwendung von Email auf Gold (eine aufwendige und äußerst schwierig zu kontrollierende Technik), wodurch Edelsteine wie Smaragde, Diamanten und Rubine von beachtlicher Größe noch wertvoller gefasst werden konnten.

Teil einer Wasserpfeife Indien, wahrscheinlich Dekkan, spätes 17. / frühes 18. Jh. Weißgraue Jade, Rubine, Smaragde, Innenbehälter: verzinntes Kupfer H. 19,6 cm, Dm. 18 cm © al-Sabah Collection Kuwait Als huqqa bezeichnet man den Behälter bzw. das Gefäß einer Wasserpfeife (nargile), die in weiten Teilen des Nahen und Mittleren Ostens verbreitet ist. Selbstverständlich wurde ein dermaßen in allen sozialen Schichten beliebter Gegenstand auch aus wertvollen Materialen und mit prunkvoller Dekoration angefertigt, wofür diese Karaffe aus Jade mit kunstvoller Edelsteinverzierung (aus Rubinen und Smaragden, Kundan-Technik [siehe Nr. 285] in Gold gefasst) ein hervorragendes Beispiel ist. Das geometrische Muster aus länglichen Sechsecken in aufsteigender oder absteigender Größe ist keine Neuerung in der islamischen Kunst; das bekannteste Beispiel hierfür ist wohl das Motiv des Inneren der Kuppel der Moschee Shaikh Lotfollah in Isfahan, Iran (erbaut im Auftrag von Shah ‘Abbas I., 1617), das wir als zentrales Medaillon auf als Isfahan gehandelten Teppichen auch neuerer Herstellung kennen. Die Jade-Plättchen sind voneinander durch einen Goldfaden getrennt. In der Mitte eines jeden Plättchens befindet sich eine Blüte aus Rubinen mit kleinen Blumenkronen aus Smaragden. Das gesamte Gefäß ist von vollendeter Schönheit und Virtuosität.