EINE AUSWAHL DER WICHTIGSTEN OBJEKTE

EINE AUSWAHL DER WICHTIGSTEN OBJEKTE SIZILIEN, Syrakus Tetradrachme, (von Kimon), um 413 – 399 v. Chr. Kunsthistorisches Museum Wien Vorderseite: Ko...
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EINE AUSWAHL DER WICHTIGSTEN OBJEKTE

SIZILIEN, Syrakus Tetradrachme, (von Kimon), um 413 – 399 v. Chr. Kunsthistorisches Museum Wien Vorderseite: Kopf der Nymphe Arethusa in Dreiviertelansicht nach links; auf dem Stirnband KIMΩN; außen APEΘOΣA (Stempel schlecht zentriert) Rückseite: Quadriga nach links, darüber Nike, im Abschnitt Kornähre; darüber ΣYPAKOΣION Die dreiviertelfrontale Darstellung von Gesichtern auf Münzen wurde im späten fünften Jahrhundert vor Christus in Syrakus erfunden – ohne Zweifel war diese bahnbrechende Innovation von der Rundplastik inspiriert. Die Graveure der Münzstempel zählten zu den hervorragendsten Künstlern ihrer Zeit, die ihren Kollegen aus der Bildhauerei oder der Vasenmalerei in nichts nachstanden. Wie diese signierten sie nun ebenfalls ihre Werke – auch dies war bislang in der Münzprägung ohne Beispiel. Dieser Münzstempel wurde von Kimon hergestellt, der seinen Namen am Stirnband der Nymphe, mit winzigen Lettern und daher kaum sichtbar, hinterlassen hat. Zusammen mit einem weiteren Stempelschneider namens Euainetos gilt er als Erfinder dieser Stilrichtung.

Sizilien, Katania Tetradrachme, um 415 – 404 v. Chr. Kunsthistorisches Museum, Wien Vorderseite:

Dreiviertelfrontaler

Kopf

des

Apollon

mit

Lorbeerkranz;

[rechts

die

Künstlersignatur HPAKΛEIΔAΣ, auf diesem Stück abgeschnitten] Rückseite: Quadriga nach links, der Lenker wird von einer Nike bekränzt; im Abschnitt ein Fisch und die Legende KATANAIΩN Dieses Stück zeigt den Gott Apollon in Kombination mit der Quadriga. Die Bildwahl und vor allem der Stil lehnen sich allerdings stark an das übliche Syrakusaner Münzbild an. Die Vorderseite ist bereits in der neuen, geradezu revolutionären dreiviertelfrontalen Darstellungsweise von portraithafter Qualität gestaltet. Diese Neuerung verbreitete sich zuerst innerhalb Siziliens, wie hier im Syrakus benachbarten Katania, dann begann man auch in anderen Regionen, diese Darstellungsweise zu kopieren. Der Stempel, aus dem diese Münze geprägt wurde, stammt von Herakleidas, was auf diesem Stück allerdings nicht zu erkennen ist.

MAKEDONIEN, Alexander I. (498 – 454 v. Chr.) Oktadrachme (= achtfache Drachme), um 476 – 460 v. Chr. Kunsthistorisches Museum, Wien Vorderseite: Ein Krieger mit zwei Lanzen nach rechts, führt ein Pferd Rückseite: Quadrat mit der Legende AΛEΞANΔPOY Um aus Silber Münzen zu schaffen, die Goldmünzen zumindest annähernd gleichwertig sein sollten, mussten sie möglichst schwer sein. Meistens waren Tetradrachmen, also vierfache Drachmen, die schwersten hergestellten Münzen, in Makedonien aber, das reich an Silbervorkommen war, entstanden auch solche achtfachen Drachmen. Als Bild wählte man einen Krieger mit Pferd – für die Qualität beider war das Land allgemein bekannt. Die Rückseite zeigt noch ein Quadrat, das eine einst bildlose Rückseite imitiert, denn ursprünglich wurden Münzen mit einem einzigen Bildstempel sowie einem Meißel geprägt, der eben nur eine quadratische Vertiefung hinterließ. In diesem Fall nutzte man die Rückseite einzig zur Anbringung des Königsnamens. Alexander I. war übrigens ein Vorfahre von Alexander III. (336 – 323 v. Chr.), der der Welt besser bekannt ist als „der Große“.

UNTERITALIEN, Aminaia (?) Stater, ca. 530 v. Chr. Kunsthistorisches Museum, Wien Vorderseite: Stier nach links, den Kopf zurückgewandt, auf dem Rücken eine Heuschrecke; im Abschnitt AMI (spiegelverkehrt, schlecht lesbar) Rückseite: Stier nach rechts, darauf Heuschrecke (inkus) Es ist bis heute nicht restlos geklärt, ob diese Münzen tatsächlich aus der Stadt Aminaia stammen, da diese nur aus Überlieferungen bekannt ist, aber nicht zweifelsfrei lokalisiert werden kann. Der gleiche Stier, allerdings ohne Heuschrecke und mit anderer Legende, wurde auch in Sybaris geprägt. Diese spezielle „inkuse“ Prägetechnik, bei der die Rückseite das idente Bild, allerdings eingetieft statt erhaben, zeigt, wurde überhaupt nur im frühen 6. Jahrhundert v. Chr. und ausschließlich in Unteritalien angewandt. Bei dem Insekt handelt es sich um ein Exemplar der Kurzfühlerheuschrecke, zu der auch die Familie der Wanderheuschrecken zählt. Die afrikanische Wanderheuschrecke, die auch in Südeuropa vorkommt, ist zudem markant gepunktet – ein solches Tier dürfte auf dieser Münze dargestellt sein.

SIZILIEN, Zankle Drachme, vor 493 v. Chr. Münzkabinett Winterthur Vorderseite: Delphin nach links, der sichelförmige Hafen angedeutet; DΑΝKΛΕ Rückseite: Quadratgitter mit Muschel im Zentrum Das griechische Wort Dankle bedeutet Sichel, denn tatsächlich verdankt die Stadt Dankle (auch Zankle) ihren Namen dem sichelförmigen natürlichen Hafenbecken, an dem sie einst gegründet worden war. Dies ist auch am linken Bildrand der Münzen angedeutet – der Delphin schwimmt gleichsam in jenem Hafen –, woraus sich zugleich ein gutes Beispiel für das sogenannte „sprechende Münzbild“ ergibt. Im Jahr 493 v. Chr. wurde die Stadt durch Anaxilas von Rhegion erobert, der sie in Messana umbenannte – diesen Namen tragen auch die moderne Stadt an jener Stelle sowie die Meeresenge von Messina zwischen Sizilien und Italien. Der Wissenschaft dient dieses Ereignis, das durch antike Überlieferungen einwandfrei belegt ist, als unumstößliche Zeitschranke zur Datierung dieser Münzen.

BRUTTIUM, Kroton Stater, um 340 v. Chr. Kunsthistorisches Museum, Wien Vorderseite: Kopf des Apollon nach rechts; KPOTΩNIATAΣ (ein Riss im Stempel ist über der Nase sichtbar) Rückseite: Heraklesknabe erwürgt zwei Schlangen Die Rückseite dieses Stückes zeigt eine Begebenheit aus der Mythologie. Herakles (lateinisch Hercules) war ja der Sohn der Königstochter Deianeira und des Göttervaters Zeus. Jener hatte zahlreiche Kinder mit sterblichen Frauen, sodass Hera, seine göttliche Gemahlin, notorisch eifersüchtig war. Im Falle von Herakles sandte Hera zwei Schlangen aus, die den Knaben, der noch in der Wiege lag, töten sollten. Dieser verfügte jedoch bereits in diesem zarten Alter über göttergleiche Kräfte, sodass er die Schlangen erwürgte. Die Feindschaft Heras dauerte an, auch als Herakles seine berühmten zwölf Arbeiten verrichtete und sich schließlich die Aufnahme in den Olymp verdiente. Sein Name, Herakles, bedeutet im Übrigen „der sich an Hera Ruhm verdient“. Die Darstellung jener Szene wirft aber auch ein Schlaglicht auf den Bekanntheitsgrad der griechischen Sagen in der Antike, die offenbar ebenso Allgemeingut waren wie es heute die Märchen der Gebrüder Grimm sind.

KYRENAIKA, Barke Tetradrachme, um 435 – 308 v. Chr. Kunsthistorisches Museum, Wien Vorderseite: Kopf des Zeus Ammon nach links, rechts eine Kornähre; BAPKAI Rückseite: Silphion-Staude, darauf Eule; KYΨEΛΩ TΩ ΦIΛΩN (spiegelverkehrt) Diese spektakuläre Münze aus Barke, im heutigen Libyen gelegen, zeigt den Zeus Ammon, dem das Orakel in der Oase Siwa geweiht war. Dort kehrte unter anderem auch Alexander der Große ein, um nach Rat in Hinblick auf die Eroberung des Perserreiches zu fragen. Die Rückseite zeigt eine sogenannte „Silphion“-Staude, auch Ferula historica oder

laserpicium genannt. Sie war der wichtigste Exportartikel der Kyrenaika und fand zu verschiedenen medizinischen Zwecken Anwendung, vom Aphrodisiakum bis hin zur Geburtenkontrolle. Diese besonders wirksame Sorte wuchs einzig in diesem Landstrich Afrikas, wurde aber bereits in der Antike ausgerottet, da sie zwar intensiv gesammelt, aber nicht erfolgreich angebaut werden konnte. Die Legende auf der Rückseite nennt den höchsten Stadtbeamten, Kypselos Philos.

MAKEDONIEN, Mende Tetradrachme, um 430 v. Chr. Münzkabinett Winterthur Vorderseite: Dionysos auf dem Rücken eines Esels gelagert nach rechts, hält Kantharos Rückseite: Mit Punkten geschmückte Kreuzplatte; ΜΕΝΔΑΙΟΝ Die Stadt Mende war bekannt für ihre Weinproduktion und gelangte durch den Weinexport zu wirtschaftlichem Reichtum; daher zierten Dionysos und eine Weinrebe die Münzen dieser Stadt. Dionysos gehört zu den ältesten namentlich bezeugten griechischen Göttern. Er war der Sohn von Zeus und Semele, der Tochter von Kadmos, dem König von Theben. Zeus verführte die Königstochter in menschlicher Gestalt. Von der eifersüchtigen Hera wurde Semele dazu gedrängt, Zeus zu bitten, doch einmal seine wahre Gestalt zu zeigen. Als sich ihr Zeus als Gott näherte, verbrannte sie durch seinen Blitz. Da Semele bereits mit Dionysos schwanger war, drohte auch dieser zu verbrennen. Um dies zu verhindern, nahm Zeus seinen Sohn an sich und nähte ihn in seinen Schenkel ein. Drei Monate später brachte er Dionysos hervor und begründete durch diese zweite Geburt seine Göttlichkeit, die ihn zu einem der Olympier machte. Hesiod nennt den Wein eine Gabe des Dionysos; dessen Kult trägt orgiastische Züge. Euripides preist ihn mit den Worten: „er hat der Welt den Weinstock, der den Kummer stillt, verliehen. Denn wo der Wein fehlt, fehlt auch die Liebeslust und jede Freude, die die Welt erquicken kann! So macht der Wein das Leben erträglich.“ Neben der Weinrebe war der Kantharos, ein zweihenkeliges Trinkgefäß, ein beliebtes Attribut des Dionysos. Der Wein wurde von den Griechen übrigens stets mit Wasser verdünnt getrunken.

LYKIEN, Perikle (um 385 – 375 v. Chr.) Stater Münzkabinett Winterthur Vorderseite: Bekränzte, bärtige Büste des Perikle mit Chlamys in Dreiviertelansicht nach links Rückseite: Behelmter nackter Krieger mit Schild und Schwert nach rechts, davor Triskelis; lykisch perikle Die Münzprägung der lykischen Dynasten ist besonders reichhaltig, und in ihrer Bildersprache vermischt sich Lokales mit griechischen und iranischen Einflüssen. Die Lykier, die eine Halbinsel an der südwestkleinasiatischen Küste bewohnten, waren unter Kyros II. als Teil der Satrapie Lydien in das persische Weltreich eingegliedert worden, traten aber um 460 v. Chr. dem attischen Seebund bei; ab 440 v. Chr. waren sie jedoch wieder auf persischer Seite. Das Land wurde von verschiedenen Adelsfamilien beherrscht, die in Städten residierten und mitunter auch bewaffnete Konflikte gegeneinander austrugen. König Perikle (um 385 – 375 v. Chr.) war es gelungen, große Teile Lykiens unter seiner Herrschaft zu vereinen; er ließ sich in Limyra ein prachtvolles Grabmal errichten, das noch heute zu bewundern ist. Seine vermutlich in Phellos geprägten Münzen zeigen auf der Vorderseite die bärtige, mit einem Mantel (Chlamys) bekleidete Büste des Dynasten in Dreiviertelansicht – eine Darstellungsweise, die erstmals von sizilischen Stempelschneidern für Münzbildnisse geschaffen wurde. Auf der Rückseite ist ein nackter Krieger mit Helm, Schild und Schwert in der erhobenen Rechten dargestellt, hinzu tritt der Name des Perikle in lykischer Schrift. In der künstlerischen Gestaltung dieser einmaligen Münzserie, die fraglos einen Höhepunkt in der klassischen Münzkunst des frühen 4. Jahrhunderts v. Chr. darstellt, ist vor allem griechischer Einfluss dominant.

ATTIKA, Athen Tetradrachme, 449 – um 415 v. Chr. Münzkabinett Winterthur

Vorderseite: Kopf der Athena nach rechts Rückseite: Eule nach rechts, Kopf von vorne, links oben Olivenzweig; ΑΘΕ Die Teradrachmen aus Athen waren die erste Welthandelswährung der Antike und im gesamten Mittelmeerraum sowie darüber hinaus bis nach Zentralasien, ins heutige Afghanistan, verbreitet. Seine politische Führungsrolle unter den griechischen Stadtstaaten hatte Athen durch den Sieg über die Perser begründet. Der wirtschaftliche Reichtum wurde durch die Silberminen gespeist, die sich im Laurion, einem Gebirgsgebiet im Südosten von Attika, befanden. Auf der Vorderseite der Münzen ist stets der behelmte Kopf der Göttin Athena, Schutzherrin der Stadt, dargestellt, auf der Rückseite ist das ihr heilige Tier, die Eule, zu sehen. Als „Eulen vom Laurion“ wurden die attischen Gepräge daher auch bei Aristophanes in seiner Komödie „Die Vögel“ bezeichnet. Die Aufschrift ΑΘΕ(ΝΑIΩΝ) weist darauf hin, dass es sich um eine „(Prägung) der Bürger von Athen“ handelt. In Athen galt ein Stater ab dem letzten Viertel des 6. Jahrhunderts v. Chr. vier Drachmen und eine Drachme teilte sich in sechs Obole. Im letzten Viertel des 5. Jahrhunderts konnte man in Athen für einen Obol beispielsweise 100 Sardellen oder einen Tonkrug kaufen, für zwei Obole gab es ein Paar Schuhe. Ein Handwerker oder ein Fußsoldat verdiente eine Drachme pro Tag.