EINE AUSWAHL DER WICHTIGSTEN OBJEKTE

EINE AUSWAHL DER WICHTIGSTEN OBJEKTE Prager oder Wiener Meister Erzherzog Rudolf IV., genannt der Stifter Um 1360/65 Wien, Dommuseum, Inv.-Nr. L-II ...
Author: Käte Dunkle
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EINE AUSWAHL DER WICHTIGSTEN OBJEKTE

Prager oder Wiener Meister Erzherzog Rudolf IV., genannt der Stifter Um 1360/65 Wien, Dommuseum, Inv.-Nr. L-II (Leihgabe des Dom- und Metropolitankapitels zu St. Stephan und allen Heiligen) © Dommuseum, Wien Rudolf (1339–1365) gründete die Wiener Universität und war Stifter des Stephansdomes. Obwohl Schwiegersohn des Kaisers, blieb ihm die Kurfürstenwürde vorenthalten. Daraufhin erfand Rudolf für sein Haus den bis dahin nicht existenten Titel Erzherzog, der sich auf lange Sicht auch durchsetzte. Als eines der ältesten erhaltenen Bildnisse im Europa nördlich der Alpen nimmt die wohl noch zu Lebzeiten Rudolfs geschaffene Tafel einen in den folgenden Jahrhunderten äußerst erfolgreichen Porträttypus vorweg. vorweg.

Hans Holbein d. J. (1497–1543) Benedikt von Hertenstein 1517 New York, The Metropolitan Museum of Art, Rogers Fund, Inv.-Nr. 06.1038 © bpk / The Metropolitan Museum of Art Hans Holbein d. J. kam 1515 als junger Maler aus Augsburg nach Basel. Zwei Jahre später führte er gemeinsam mit seinem Vater einen großen Auftrag mit Wandgemälden am Haus des Kaufmanns Jacob von Hertenstein in Luzern aus. Zur gleichen Zeit entstand das Bildnis von Hertensteins Sohn Benedikt, der 1517 Mitglied des Großen Rats der Stadt Luzern wurde und 1522 als Söldner in der Schlacht bei Bicocca fiel. Mantegna stand Pate bei dem Triumphzug, den Holbein im Hertenstein-Bildnis unmittelbar oberhalb des Dargestellten als simuliertes Flachrelief ins Bild setzte – womit er zugleich die hochfliegenden Zukunftspläne des jungen Patriziers kommentierte.

Meister der Thenn’schen Kinderbildnisse (tätig um 1516 in Salzburg) Ruprecht Thenn, Sohn des Münzmeisters Thenn 1516 Frankfurt a. M., Städel Museum, Inv.-Nr. SG 450 © U. Edelmann – Städel Museum – ARTOTHEK

Johann Thenn erhielt nach 1500 das Amt des Münzmeisters im Fürsterzbistum Salzburg. 1516 ließ er seine Kinder Ruprecht, Wolf und Barbara in drei Bildnissen in Form eines Triptychons porträtierten, mit dem Ältesten in der Mitte, flankiert von den beiden jüngeren Geschwistern. Der Maler ist unbekannt, er dürfte aus dem Umkreis von Wolf Huber kommen, wie die lockere Pinselführung und die Landschaften im Hintergrund nahe legen. Ruprechts Rechte steckt in einem gelben Lederhandschuh, auf dem ein Singvogel sitzt, womit der Dargestellte in die Rolle eines kleinen Falkners schlüpft. Damit sollte dem Betrachter die zukünftige Rolle des Knaben in der Gesellschaft vermittelt werden.

Albrecht Dürer (1471–1528) Bildnis eines achtzehnjährigen Jünglings 1503 Kohle, gewischt, stellenweise mit Deckweiß gehöht Wien, Akademie der bildenden Künste Wien, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. HZ 17784 © Akademie der bildenden Künste Wien, Kupferstichkabinett Bald nach 1500 begann Dürer, mit Kohle Porträtstudien zu zeichnen. Das weiche Material erlaubt eine malerische Modellierung und rasches Arbeiten, womit es sich hervorragend für Studien unmittelbar nach dem Leben eignet. Bei diesem Blatt handelt es sich jedoch nicht um die Vorbereitung eines gemalten Bildnisses, sondern um ein selbständiges Kunstwerk, wie auch die Aufschrift am oberen Blattrand beweist. Der unbekannte Jüngling lebte wohl in Dürers engerer Umgebung. Für diese Annahme spricht die intime Nähe, aus der die trotzige Miene und die asymmetrische Physiognomie studiert wurden.

Albrecht Dürer (1471–1528) Brustbild einer lachenden Bauerndirne 1505 Feder und braune Tinte, der Hintergrund mit derselben Tinte ausgemalt London, The British Museum, Inv.-Nr. 1930,0324.1 © The British Museum Die fein mit Feder ausgeführte Zeichnung einer lachenden Frau trägt die halb italienische, halb deutsche Beschriftung „Una Vilana Windisch“, eine windische Dorfbewohnerin. Vermutlich hatte Dürer auf der Reise durch Kärnten und Friaul eine Skizze angefertigt und diese in Venedig in diesem Kunststück umgesetzt, um an einem unedlen Sujet seine edle Fertigkeit unter Beweis zu stellen. Dabei handelt es sich weniger um ein eigentliches Porträt als um eine exemplarische Charakterstudie, da Dürer anstatt des Alters bloß die soziale und nationale Herkunft vermerkte. Das breite Lächeln, das Zeigen der Zähne, das keck blinzelnde Auge, das unordentlich gebundene Kopftuch sowie die Betonung der Brüste entsprechen ganz dem Typus der fröhlich-unzüchtigen Bauernmagd.

Barthel Beham (1502–1540) Hans Urmiller mit seinem Sohn Um 1525 Frankfurt a. M., Städel Museum, Inv.-Nr. 919 © Städel Museum – ARTOTHEK Die deutsche Malerei jener Zeit kennt zwar schon Familienbilder, doch hatte jeder Einzelne seine eigene Tafel und das Endergebnis besaß einen ganz offiziellen, repräsentativen Charakter. Spontaneität, Emotionen, geschweige denn wechselseitige Zuneigung hatten hier keinen Platz. Anders Barthel Beham, der das Bildnis des herzoglich bayerischen Kämmerers Hans Urmiller für eine Fallstudie familiären Miteinanders nutzte. Der Dargestellte richtet seinen Blick wach und beobachtend nach rechts und lässt sich auch nicht durch den unruhig zappelnden Knaben aus der Ruhe bringen, der sich dem erzieherischen Griff des Vaters zu entziehen versucht.

Albrecht Dürer (1471–1528) Brustbild einer jungen Venezianerin 1505 datiert Fichtenholz 32,5 x 24,5 cm Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 6440 © Kunsthistorisches Museum, Wien Dürer reiste Ende 1505 zum zweiten Mal nach Venedig. Der Eindruck der venezianischen Malerei der Renaissance und die vom Geist des Humanismus bestimmte, selbstbewusste Stellung des Künstlers – „hier bin ich ein Herr, daheim ein Schmarotzer“, schrieb Dürer selbst – prägten sein Werk der folgenden Jahre. Bald nach seiner Ankunft in Venedig entstand dieses Bildnis eines unbekannten Mädchens. Der Porträttyp folgt bereits venezianischen Vorbildern, durch den dunkelgrundigen, engen Bildausschnitt wird die Aufmerksamkeit ganz auf das Gesicht gelenkt.

Albrecht Dürer (1471–1528) Johannes Kleberger Datiert 1526 Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 850 © Kunsthistorisches Museum, Wien Der Bankier Johannes Kleberger heiratete 1528 eine Tochter Willibald Pirckheimers, die er jedoch bald wieder verließ. Von Pirckheimer als Wucherer beschimpft, lebte er aber sodann in Lyon als großer Wohltäter. Die von allen anderen Porträts Dürers abweichende Form entspricht völlig dem außergewöhnlichen Wesen des Dargestellten. Dürers Bildnis erscheint als antikisierende Büste auf einem kreisrunden Mauerausschnitt: als eine gemalte Skulptur, die eine Wachsfigur vorspiegelt, hinterlegt von einem Hintergrund aus farbigem Stein mit der gleichsam im Raum schwebenden Umschrift. Das astrologische Zeichen oben links bekräftigt Klebergers vom Glück begünstigte Stellung.

Lucas Cranach d. Ä. (1472–1553) Die Prinzessinnen Sibylla, Emilia und Sidonia von Sachsen Um 1535 Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie, Inv.-Nr. 877 © Kunsthistorisches Museum, Wien

Vor schwarzem Grund präsentiert Cranach d. Ä. die Bildnisse der Töchter des sächsischen Herzogs Heinrich des Frommen. Der elfenbeinerne Teint, ihre grazilen Gesten, die kostbaren Samtgewänder: Das alles demonstriert die verfeinerte Geschmackskultur eines der bedeutendsten Fürstenhöfe und beweist Cranachs Talent, Pracht mit einer psychologischen Durchdringung der Dargestellten zu verbinden.

Jörg Muskat (um 1450 – 1527), zugeschrieben König Maximilian I. Um 1500 Bronze, dunkelbraune Naturpatina Wien, Kunsthistorisches Museum, Kunstkammer, Inv.-Nr. KK 5486 © Kunsthistorisches Museum, Wien Diese Bronzebüste zeigt, die Grenzen zur Karikatur überschreitend, die Gesichtszüge Maximilians I. (1459–1519). Die scharf gezogenen, wie geschnitzt wirkenden Details des Gesichtes mit den auffällig betonten Falten werden im Allgemeinen mit einem dem Bronzeguss zugrunde gelegten Holzmodell in Verbindung gebracht. Ihre Gestaltung als Hochrelief, das hinten glatt abgeschnitten und offen ist, setzt eine Verankerung der Büste in einem größeren Verband voraus. Allerdings sind der ursprüngliche Verwendungszweck und Aufstellungsort der Maximiliansporträts unbekannt.