DIE REICHSBRUDERSCHAFT JESU CHRISTI

Die Reichbruderschaft Jesu Christi DIE REICHSBRUDERSCHAFT JESU CHRISTI Judenchristliche Gemeinde: Jerusalem-Israel, POB 1353. Vorsitzender: Baron Alb...
Author: Linus Bergmann
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Die Reichbruderschaft Jesu Christi

DIE REICHSBRUDERSCHAFT JESU CHRISTI Judenchristliche Gemeinde: Jerusalem-Israel, POB 1353. Vorsitzender: Baron Albert von Springer. Patmos-Verlag: Möttlingen, Kreis Calw. Zeitschrift: Judenchristliche Gemeinde - Die Botschaft vom Reich, herausgegeben von A. Poljak. Schriften von A. Poljak: - Judenchristen im Heiligen Lande. 1936 - Das Kreuz im Davidstern. 1937 - Gottes Zeiten. - 1942 - Die jüdische Kirche. 1945 Jerusalem, Jerusalem..., - o. J. - Krieg und Frieden, Predigten und Briefe aus der Gefangenschaft, - o. J. - An den Flüssen Babels. - 1948 - In diesem Zeichen. - 1948 - Frühregen und Spätregen. - 1948 - Zertrümmertes Hakenkreuz. - 1948 - Der Ölzweig, - o. J. - Briefe aus Jerusalem, - o. J. - Die Botschaft vom Reich, - o. J. - Trost und Hoffnung, o. J.

Das Judentum in der christlichen Eschatologie Das jüdische Volk bildete immer eine Hauptfigur der christlichen Eschatologie. Seine Auserwähltheit setzte sich auch in diesen Bezirk hinein fort, und zwar gemäss den biblischen Linien mit den beiden Polen: als Volk des Segens und als Volk des Fluchs. Einerseits ist es das Volk der Patriarchen und Propheten und Jesu Christi, das Eigentumsvolk Gottes. In seiner Mitte und durch seine Geschichte hat er sich geoffenbart, und ihm hat er seine Verheissungen gegeben, die darin gipfeln, dass der Zion die Mitte der Welt, der Ort der Anbetung für alle Völker sein werde. Andererseits hat dieses Volk den Sohn Gottes verstossen und ans Kreuz geschlagen. Und während die Heidenwelt seine Botschaft aufnahm,

zeigte es sich verschlossen und verstockt, und seine schweren Schicksale seit Golgatha, beginnend mit der Zerstörung Jerusalems und der Zerstreuung der Juden in alle Welt, galten der Christenheit als Beweis dafür, dass es infolge dieser Tat unter dem Fluch Gottes steht. Wie lange? Für immer? Nein, da waren die alttestamentlichen Verheissungen, die immer noch galten, auch wenn sie ausgesetzt waren. Da war die grosse Zukunftsschau des Paulus Röm. 9-11, die Israels Auserwähltheit bestätigte und in dem »Geheimnis« gipfelte, dass die Blindheit dieses Volkes nur so lange dauern werde, »bis die Fülle der Heiden eingegangen ist« (Röm. 11, 25 f.). Diese Spannung von Segen und Fluch, die nach Paulus letztlich nicht in menschlicher Leistung oder Schuld, sondern in der Souveränität des heiligen und das Heil verwirklichenden Gottes wurzelt (Röm. 11, 11-15), bestimmte auch die Rolle, die das jüdische Volk in der christlichen Eschatologie spielte. Dabei zeigt ein Blick in die Geschichte dieser Eschatologie, dass die Akzente in den verschiedenen Zeiten verschieden lagen. Nachdem zunächst die Antichristerwartung mit Nero bzw. nach seinem Tod mit der Gestalt des Nero redivivus verbunden worden war, setzte sich später, auf Grund von 2. Thess. 2, 3 f. und älteren Traditionen, die Anschauung durch, dass der Antichrist in Jerusalem den Thron besteigen werde. Irenäus, Hippolyt u. a. schrieben, dass er sich zum Messias der Juden ausrufen, diese aus der Zerstreuung sammeln, ihren Staat wieder aufrichten und auf ihren Wunsch die Christen zur Beschneidung zwingen und verfolgen werde. Hippolyt (nach 200) verband den Antichrist noch enger mit dem

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Judentum, indem er lehrte: Er ist die teuflische Nachäffung Christi; er tut Wunder wie dieser, sendet in alle Welt Apostel aus wie dieser, stammt aus der Beschneidung wie dieser und ist ein Löwe wie dieser; folglich muss er nach 5. Mose 33, 22 aus dem Stamm Dan kommen. Dieser Gedanke pflanzte sich fort und kehrte in den mittelalterlichen Antichristvorstellungen häufig wieder. Die aus dem 9. oder 10. Jahrhundert stammende Weissagung des Methodius liess ihn in Chorazin geboren werden. Andere sahen seine Herkunft aus dem Stamm Dan durch 1. Mose 49, 17 bewiesen. Daneben suchte man zwar den Antichrist auch im Papsttum oder im Islam; aber noch im ausgehenden Mittelalter wurde in zahlreichen volkstümlichen Schriften geschildert, dass der Antichrist aus Dan komme, in Babylon geboren werde, in Galiläa aufwachse, in Bethsaida und Chorazin von Zauberern und Hexen erzogen und in die Schwarzen Künste eingeweiht werde, mit 30 Jahren nach Jerusalem gehe, sich dort beschneiden lasse und den jubelnden Juden verkündige, dass er der verheissene Messias und Jesus ein Betrüger sei. Luther bereitete dieser ganzen Vorstellung im Raum der evangelischen Kirche ein Ende. Er bezeichnete die Meinung, dass der Antichrist aus dem Judentum komme, als lauter Narrenwerk: der rechte Antichrist sei schon am Tag, und er sei kein Jude, sondern der römische Papst, in zweiter Linie auch der Türke. In seiner hochgespannten Erwartung, dass die Juden das neu ans Licht gebrachte Wort Gottes annehmen und sich bekehren werden, wurde Luther allerdings enttäuscht. Der Pietismus erinnerte sich schon in seiner Frühzeit wieder

des paulinischen »Geheimnisses«, dass am Ende der Zeiten »das ganze Israel selig werde«, und da man von der Gewissheit der nahen Wiederkunft erfüllt war, wurde dem Judentum ein grosses missionarisches Interesse zugewandt. Schon Johannes Coccejus (1603 bis 1669), der mit seiner Geschichtstheologie den Pietismus stark beeinflusst hat, war von einem brennenden Eifer für die Judenbekehrung beseelt: Aus der jetzigen Bekehrung einzelner Juden wird in der nahe bevorstehenden grossen Missionszeit die Wiederannahme ganz Israels werden; dann sollen die Juden bei der Heilung der Kirche und der Zerstörung der Feinde Christi zu Führern der ganzen Welt werden. Dieses eschatologische Motiv stand seitdem immer, mehr oder weniger betont, hinter der christlichen Judenmission.

Abram Poljak In der Judenchristlichen Gemeinde wurde dieser Heilsakzent noch wesentlich verstärkt. Ihr Gründer, Abram Poljak, ist am 10. März 1900 in Mohilev (Russland) geboren. Sein Grossvater war Rabbiner. Schon als fünfjähriges Kind erlebte er in Jekaterinoslaw die Schrecken eines Pogroms. Seine Eltern siedelten einige Wochen darauf nach Deutschland über. Auch hier begegnete er in der Schule dem Judenhass. Andererseits begann er, durch Tolstoi angeregt, das Matthäusevangelium zu lesen, und wurde durch die Bergpredigt tief ergriffen. Später las er Martin Buber und christliche Mystiker und fand Anschluss an einen christlichen Kreis, wo ein Schriftsteller und ein

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Ministerialdirektor ihn entscheidend beeinflussten. Als er mit voller Klarheit begriff, dass Jesus ein Jude und der König der Juden war, zerbrach seine letzte Barrikade, sein jüdischer Wille. »Mein Christentum war bis dahin tolstojanisches Erlebnis, jetzt wurde es jüdisches.1« Dass er nun als Bekenner Christi nicht zur Kirche fand, dafür sorgten einige »kriegsbegeisterte Pastoren«, die er kennenlernte. Er machte einen Unterschied zwischen jüdischem und nichtjüdischem Christentum und hoffte auf eine jüdische Kirche. Beruflich war er als Journalist tätig, leitete bis 1930 eine kleine Tageszeitung in Mitteldeutschland und wurde dann freier Journalist. Ostern 1933 wurde er von der Gestapo verhaftet, aber nach acht Tagen wieder entlassen. Das war eine wunderbare Rettung, und es wurde ihm erstmals klar, dass Gott eine besondere Aufgabe für ihn habe. Er floh ins Ausland und kam nach einem Aufenthalt in Paris, wo er sich von einem Baptistenprediger taufen liess, und in der Schweiz 1935 nach Palästina. Dort wurde ihm seine »judenchristliche Aufgabe« klar. Sie überkam ihn wie ein innerer Zwang. Zusammen mit zwei Freunden gründete er die »Judenchristliche Union« und gab eine »Judenchristliche Pressekorrespondenz« heraus. Ein Versuch, auch in Wien die Union ins Leben zu rufen, scheiterte 1936 an einem Verbot der Regierung. Dagegen konnte er Anfang 1937 in der Schweiz eine »Internationale Vereinigung für judenchristliche Siedlung in Palästina« gründen. Gleichzeitig erschien in Wien sein Buch »Das Kreuz im Davidstern«. Das Kreuz im Davidstern „wurde alsbald zu einem Symbol, zu einer Fahne.

Mit diesem Symbol trat die judenchristliche Bewegung in Erscheinung«2. Im Herbst 1937 entstand in London eine Gruppe der »Judenchristlichen Union«. Ende 1938 wurde eine englische Zeitschrift »Die Judenchristliche Gemeinde« gegründet. Kämpfe mit äusseren und inneren Gegnern veranlassten aber Poljak, sowohl die schweizerische »Internationale Vereinigung« als die Londoner »Union« aufzulösen und das Ganze auf der Grundlage eines »Gebetsbundes der judenchristlichen Union« neu aufzubauen. Seine Internierung in England und Kanada brachte einen Stillstand. Als er 1944 freigelassen wurde, begann er in London mit der Herausgabe eines monatlichen »Rundbriefs«, und am 16. Juni konnte in Whitechapel ein erster Gottesdienst der judenchristlichen Gemeinde gehalten werden. Sie wurde im Sommer 1945 in England durch die Aufnahme von Heidenchristen erweitert und ein äusserer Kreis unter der Bezeichnung »Jerusalem-Gemeinschaft« geschaffen. Die programmatische Grundlage dieses Werks ist in der »Ordnung der judenchristlichen Gemeinde« enthalten. Hier werden als Punkte des Glaubens bezeichnet: »a) dass Jesus von Nazareth der menschgewordene Sohn Gottes, der verheissene Messias ist; b) dass die Bibel - Altes und Neues Testament das offenbarte Wort Gottes ist; c) dass es keine andere Erlösung des Menschen gibt als durch das Blut Christi und keine andere Erlösung der Welt aus ihrer geistigen, politischen und sozialen Not als durch die Wiederkehr Christi und die Aufrichtung Seines Reiches; d) dass die Wiederkehr Christi nahe ist.« Während damit allgemeinchristliche Gedanken ausgesprochen sind, wird die eigene Aufgabe und

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Sendung der Judenchristlichen Gemeinde in folgender Weise beschrieben: Das jüdische Volk spielt im Heilsplan Gottes eine besondere Rolle. Aber durch die Verwerfung Christi hat es sich ausserhalb seiner Berufung gestellt, ein »Königreich von Priestern« zu werden. Seine Leiden waren eine Folge des Ungehorsams. Sie werden bis zur Wiederkunft Christi fortdauern. Aber danach wird sich seine Not in Freude verwandeln, und die Juden werden als Gesandte Christi die Heilbringer für alle Völker sein. Jetzt steht die Welt auf der Schwelle dieses grossen Umbruchs. Hier wurzelt auch der Auftrag der Judenchristlichen Gemeinde. Sie will, »auf dem Boden des geschichtlichen Judentums stehend, Christus, dem Haupt der Kirche und König der Juden, dienen«. Sie ist »der Vorläufer der Bekehrung Israels als Volk, der Herold des wiederkommenden Königs der Juden«. Sie sieht ihre Aufgabe darin, dem Herrn einen Weg zu bahnen, Christus zu predigen und seine nahe Wiederkunft zu verkündigen. Das geschieht durch Busse, Gebet, Predigt, Bildung neuer Formen des Gottesdienstes und Schaffung von Siedlungen in Palästina als Zellen judenchristlicher Lebensgemeinschaft. Im Juni 1946 entstand auch in Jerusalem eine Judenchristliche Gemeinde durch Pauline Rose, ein Mitglied des Londoner Kreises. Sie sollte nicht missionieren, sondern lediglich durch ihr Dasein bezeugen, dass die Zeit der Erfüllung bevorstehe und dass dann Christus an dem ganzen jüdischen Volk die biblischen Heilsverheissungen verwirklichen werde. Ihre Gottesdienste wurden denen der Synagoge angepasst. In ihrem Versammlungsraum hängt über

einem weissgedeckten Tisch die Fahne mit dem Kreuz im Davidstern auf dunkelblauem Grund. Der Sabbat-Abendgottesdienst am Freitag beginnt mit der Hymne: »Preis dem Gott Abrahams«. Dann werden die zwei Sabbatlichter angezündet. Die Schriftlesung gleicht sich in ihrem alttestamentlichen Teil der Textwahl in der Synagoge an und fügt noch ein entsprechendes Kapitel aus dem Neuen Testament hinzu. Dann folgen Predigt, freies Gebet, Danksagung für den Wein, Gesang und Aaronitischer Segen. Am Sabbatmorgen ist Bibellesung, während der Woche einmal Bibelstunde, allmonatlich eine Abendmahlsfeier und ein Fürbittegottesdienst. Das Passahfest wird nach jüdischem Brauch zum Gedächtnis des Auszugs aus Ägypten gefeiert. An der Beschneidung wird festgehalten. Die judenchristliche Gemeinde wird von einem vierköpfigen Rat geleitet, der unter dem Vorsitz des Barons Albert von Springer steht, einem Glied der Rothschild-Familie. Sie ist sehr klein; mit ihren 18-20 Mitgliedern fällt sie selbst unter dem zahlenmässig bescheidenen Judenchristentum im Staat Israel nicht ins Gewicht. Daran änderte auch nichts, dass 1953 in Haifa eine zweite Messianische Gemeinde mit 10-15 Mitgliedern unter Leitung von Daniel Zion entstand. Dafür versuchte man die eigene Basis durch Gewinnung sonstiger christlicher Juden zu verbreitern. Am 8. und 9. Dezember 1950 fand in Jerusalem eine Konferenz von etwa 60 Messianischen Juden und 20 Heidenchristen statt, die Poljak als »den Durchbruch in Israel« bezeichnete. Der Sinn der Konferenz war die Einigung aller Judenchristen im Staat Israel auf der von Poljak gegebenen geistigen

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Grundlage. Es wurde die Gründung einer „Union der Messianischen Juden“ beschlossen. Aber schon im Herbst 1951 wurde sie durch innere Spannungen wieder zersprengt. So blieb die Judenchristliche Gemeinde wieder allein. Mit um so grösserer Energie betrieb Poljak seine Tätigkeit in Europa. Hier hatte er sich mit der Judenmission verfeindet. Schon in seinem Buch »Judenchristen im Heiligen Land« (1936) hatte er sie kritisiert. Während des zweiten Weltkriegs bezeichnete er sie zusammen mit der kirchlichen Emigrantenfürsorge als den »verlängerten Arm Hitlers«, da sie die judenchristlichen Flüchtlinge so lange in der Schweiz durch Almosen hinhalten wolle, bis Hitler komme und sie fange. Er sprach von einem »Missbrauch des Namens Christi durch entartete Juden und die bezahlte Judenmission«, den er als Jude und Christ nicht dulden werde. Nun veranstaltete er am 8. April 1951 in Basel eine Konferenz, deren Aufgabe die Einigung der Judenchristen in der Schweiz und der Friedensschluss mit der Judenmission sein sollte. Keines der beiden Ziele wurde erreicht. Dagegen gelang Poljak in Basel der »Durchbruch in der heidenchristlichen Welt«. Zunächst bildete er im Mai 1951 in Strassburg ein Komitee für Frankreich. Aber während die Anhängerschaft dort wie auch in England und anderen Staaten nur bescheiden blieb, fand er ein unerwartetes Echo, als er Anfang Juni 1951 nach Deu tsc hlan d kam. Seine Versammlungen, besonders in Süddeutschland, aber auch in Berlin und im Nordwesten, wurden von Tausenden besucht. Vor allem aus den Kreisen der Gemeinschaften, der Freikirchen und verschiedener

Sekten liefen ihm die Leute zu. Was sie anzog, war seine Kombination von judenchristlicher Gemeinde und endzeitlicher Schau; unter dem Eindruck der Zeitereignisse waren sie überzeugt, dass die Gründung der Judenchristlichen Gemeinde in Jerusalem ein eschatologisches Signal sei. Poljak blieb fortan in Deutschland. Er liess sich in Neckargemünd nieder und gründete hier 1951 den Patmos-Verlag. Die zweite Basler Konferenz gab 1952 der Bewegung den Namen »Judenchristliche Reichsbruderschaft« und bildete einen Ältestenrat aus Vertretern der Kreise in England, Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Im Sommer 1954 erfolgte die Umbenennung in »Reichsbruderschaft Jesu Christi«. Sie will einen neuen Menschen- und Glaubenstyp sammeln: den auf das Reich ausgerichteten Christen. Ihre Aufgabe sieht sie in der Vorbereitung des Tausendjährigen Reichs; ihre Glieder haben als »Wächter auf den Mauern Jerusalems« (Jes. 62, 6), die Botschaft vom Reich in alle Welt zu tragen. Zum Präsidenten der Reichsbruderschaft wurde Baron von Springer gewählt, und die Zentrale wurde nach Jerusalem verlegt. Für die Anhänger - Mitgliederlisten werden nicht geführt, und es werden auch keine Beiträge erhoben - wurden Abzeichen geschaffen: Anstecknadeln mit dem Kreuz im Davidstern. Die Reichsbruderschaft gliedert sich in Gebetskreise, deren Themata die Wiederkunft Christi, Israel und die Judenchristliche Gemeinde sind. 1953 und 1954 wurden internationale Konferenzen in Stuttgart gehalten, an denen je 4000 Anhänger teilnahmen. Fortan verzichtete man auf solche Grosskundgebungen, und die Bewegung zog sich mehr in die Stille

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zurück. Sie hatte sich allerlei unnüchterner Elemente - Poljak sprach von »Sektierern, Schwärmern, Geschäftemachern und Geisteskranken« - zu erwehren und in dem inzwischen ausgebrochenen Konflikt mit der Kirche um eine innere Klärung und Festigung zu ringen. Poljak selbst verzog nach Möttlingen und gründete dort 1955 eine Siedlung. Ein zweites Zentrum entstand im gleichen Jahr auf dem Gut des schweizerischen Patmosvereins Tenuta Crespera in Breganzona Lugano, das der Erholung und der Abhaltung von Bibelkursen dient.

Zwei Heilslinien in der Bibel? Poljaks Botschaft ist von zwei Grundgedanken bestimmt. Einmal: Die Endzeit ist angebrochen; damit leben alle biblischen Verheissungen für das Volk Israel wieder auf und stehen vor ihrer Erfüllung. Er unterscheidet drei Zeitperioden seit Christus. Mit Golgatha begann die »Gnadenzeit«. Sie wurde 1914 durch die »Gerichtszeit« abgelöst. Ihr folgt die »Reichszeit«. Poljak hatte auch Terminberechnungen angestellt, in denen die Jahre 1954 als Beginn des dritten Weltkrieges und 1994 als Zeitpunkt der Aufrichtung des Messianischen Reichs eine besondere Rolle spielten. Diese Zeitmarkierungen verschwanden nach 1954; geblieben ist die Erwartung der bevorstehenden Endzeitereignisse. Wesentlich für die Zukunftserwartung Poljaks ist die Aufteilung der christlichen Gemeinde in zwei Gruppen, denen ein verschiedenes Schicksal bevorsteht. Die heidenchristliche Gemeinde wird vor oder während der grossen Trübsal entrückt. Dagegen bleibt die

judenchristliche Gemeinde auf Erden; denn sie ist der Vortrupp des jüdischen Volks, an dem nach seiner Bekehrung die Verheissung erfüllt werden wird, das Heilsvolk der Welt zu sein. Der 1948 gegründete Staat Israel ist freilich noch nicht das Modell oder Fundament des Messianischen Reiches, sondern nur sein Vorläufer. Er ist »auf heiligem Boden ein unheiliges Ghetto«, beginnt demokratisch und wird totalitär enden; aber er bildet die Brücke ins Reich Israel. Er wird in neuen Kriegen mit den Arabern zunächst siegen und eine hohe Blüte erleben, aber im letzten Krieg zerstört werden. Dann kommt es zur Erfüllung des letzten Fluchworts 5. Mose 28, 68, zur Wegführung Israels nach Ägypten. Aber am Ende der letzten Ghettostation wartet die Freiheit, die vollkommene Erlösung. In der Verfolgung durch den Antichrist wird nach Sach. 13, 8 f. das zweite Drittel umkommen, nachdem schon der Verfolgung durch Hitler ein Drittel zum Opfer gefallen ist. Das letzte Drittel aber wird von Christus bekehrt werden, wenn er nun bei seiner zweiten Wiederkunft allen sichtbar auf Erden erscheint und das Messianische Reich aufrichtet. Dann wird sich Theodor Herzls Traum von der aristokratischen Republik erfüllen. Aus ihr wird ein Königreich von Priestern werden. Das Ghetto wird aufhören. Alle Völker werden sich um den Thron Davids scharen, der in Jerusalem wieder errichtet wird. »Dann wird die Zeit der Knechtschaft und des Kriegs ihr Ende erreicht haben - für Israel und für alle Welt - und die Zeit der Freiheit und des Friedens wird beginnen das Tausendjährige Reichs.«3 An den Endereignissen sind also nur noch die antichristlichen Weltmächte und die ebenfalls für

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Christus noch blinden Juden beteiligt - und in ihrer Mitte die Judenchristliche Gemeinde. Weil sie der einzige, wenn auch winzig kleine Teil des jüdischen Volkes ist, der an Christus glaubt, hat sie eine besondere endzeitliche Bedeutung. Sie »ist aus der Ewigkeit und für die Ewigkeit, das erlösende Finale der unvergänglichen Symphonie des jüdischen Geistes, die Einleitung des letzten und ewigen Kapitels des Judentums und der Geistesgeschichte der Menschheit«4. Nach der Entrückung der heidenchristlichen Gemeinde tritt wieder Israel, d. h. zunächst sein sich zu Christus bekennender Teil, an ihre Stelle. »Eine neue Kirche ist in Bildung, eine altneue, die jüdische, auf dass auch Israel vollendet werde.« Sie hat die Botschaft von der nahen Wiederkunft und der Errichtung des Messianischen Reichs auszurichten. Mit seiner Zweiteilung der Christenheit knüpfte Poljak an Anschauungen an, die von dem badischen Pfarrer Theodor Böhmerle (1860-1927) vertreten wurden. Dieser unterschied zwischen zwei »Heilsökonomien«, nämlich dem irdischen »Königreich Christi«, das nur die Juden angeht, und der aus Heidenchristen bestehenden »Gemeine« der Wiedergeborenen. Die beiden Gemeinden haben nach Poljak nicht nur in der Endzeit ein verschiedenes Schicksal. Auch die Linien, die auf ihre zwei Endpunkte zuführen, sind verschieden. Der Weg der heidenchristlichen Gemeinde begann mit Golgatha, führte durch die Gnaden- und Gerichtszeit und endet mit der Entrückung. Der Weg der judenchristlichen Gemeinde begann schon mit der Erwählung Israels zum Bundesvolk Gottes. Mit Golgatha folgte eine Zeit der Verwerfung, die aber jetzt zu Ende

geht. Die Gründung des Staats Israel, die Poljak als ein Wunder und Zeichen der nahen Wiederkunft bezeichnet, bedeutet auch in ihrer Geschichte eine Wende: War bis zu diesem Zeitpunkt der Anschluss der getauften Juden an die heidenchristlichen Kirchen auf Grund von Apg. 15 geboten, so ist von nun an die Gründung einer eigenen judenchristlichen Gemeinde eine klare biblische Notwendigkeit. Nach der Entrückung der heidenchristlichen Gemeinde trägt sie als die Vertreterin Israels die Verheissungen, die diesem gegeben wurden, und diese Verheissungen münden im Messianischen Reich. So ist die heidenchristliche Gemeinde die »Leibesgemeinde« Christi, die judenchristliche dagegen die »Reichsgemeinde«. Sie bildet die Anfänge der 144000, Offb.7, 1-8 und 14, 1-5. Sie hat einen besonderen Auftrag, der nur in Jerusalem ausgeführt werden kann. Sie wird nach dem Ende dieser Weltzeit auf Erden ihre Aufgabe im Messianischen Königreich erfüllen. Aus ihrer Mitte werden auch einmal die zwei Zeugen Offb. 11, 3 kommen. Weil beide Gemeinden verschiedene Endschicksale und Aufträge haben, wurden sie von Gott auch verschieden erzogen und zubereitet. Sie sind miteinander in Christus verbunden. Aber die judenchristliche Reichsgemeinde kann niemals vom jüdischen Volk getrennt werden, um in der allgemeinen Christenheit aufzugehen. Sie würde sich ja damit von dem auserwählten Volk und von dem ganzen heilsgeschichtlichen Komplex lösen, dessen Träger dieses Volk ist. Sie ist vielmehr dadurch, dass sie aus Juden besteht und zugleich

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die Israel zuteil gewordenen Verheissungen in Christus erfüllt sieht, die Vorhut, der Herold und Wegbereiter des jüdischen Volkes. Jetzt hat sie Jesus zum König der Juden proklamiert; dereinst werden alle Juden sich zu ihm bekennen. Jetzt hat der verdorrte Feigenbaum (Matth. 21, 18 f.) in dem Zweig der Judenchristlichen Gemeinde zu grünen begonnen; dereinst wird der ganze Feigenbaum aus der Verdorrung erwachen. Aus diesen Gedankengängen ergeben sich zwei Folgerungen. Die eine bezieht sich auf die Stellung der christlichen Juden zur heidenchristlichen Kirche. Sie können ihr nicht angehören. Treten sie ihr bei, dann scheiden sie sich von ihrem Volk - nicht nur als einer nationalen Gemeinschaft, sondern als dem Objekt des göttlichen Bundesschlusses. Sie sind dann nicht mehr »Judenchristen«, sondern nur noch »Protestanten, Katholiken usw. jüdischer Abstammung«. Der christliche Jude gehört in die Judenchristliche Gemeinde als die Reichsgemeinde. Hier liegt der eigentliche Grund des Konflikts zwischen Poljak und der christlichen Judenmission wie auch der Internationalen Judenchristlichen Allianz. Er wirft ihnen vor, dass sie die gewonnenen Juden in die kirchiche Gemeinschaft eingliedern; darum stehe ihre ganze Arbeit unter einem falschen Vorzeichen.5 Nur »die Judenchristliche Bewegung - das Israel und die Kirche der Zukunft trägt die höchsten Verheissungen, die Gott in der Bibel niedergelegt hat«. Die Auseinandersetzung zwischen Poljak und den judenchristlichen Organisationen nahm sehr scharfe Formen an und riss einen tiefen Graben auf. Die Internationale Judenchristliche Al-

lianz und das International Committee on the Christian Approach to the Jews, die Dachorganisation der Judenmissionen, erteilten ihm eine Absage. Sie hielten ihm entgegen, dass er das Evangelium judaisiere: mit der Beschneidung, der Aufstellung der Thorarolle im Gottesdienstraum, den heilsgeschichtlichen Anschauungen. Die andere Folgerung greift noch tiefer. Aus der Unterscheidung von zwei Gemeinden, der Leibesgemeinde und der Reichsgemeinde, ergibt sich die Annahme von zwei verschiedenen Heilslinien in der Heiligen Schrift. Das führt zu einer Zerreissung der Schrift. Ein Teil ist nur für die Reichsgemeinde, ein anderer nur für die Leibesgemeinde bestimmt. Zu den für die Reichsgemeinde geschriebenen Teilen rechnet Poljak die drei ersten Evangelien, die Apostelgeschichte, den Jakobus-, den Hebräerbrief und die zwei Petrusbriefe, während die Johannesschriften und die Paulusbriefe der Leibesgemeinde gelten. Damit aber wird die Einheit des Wortes Gottes und der Christenheit an der Wurzel getroffen. An diesem Punkt setzte denn auch der Widerspruch der Kirche ein: Die Schrift kennt keine Reichsgemeinde und Leibesgemeinde als zwei verschiedene Grössen, sondern nur einen Leib Christi (Eph. 4, 4 ff.). Nach Jesu Wort Matth. 21, 43 wird den Juden das Königreich Gottes genommen und einem anderen Volk gegeben; dieses andere Volk ist »das Volk aus den Völkern« (Apg. 15, 14), d. h. die Gemeinde Jesu. Nach Gal. 3, 28; 5, 6; Eph. 2, 10-12 ist diese Gemeinde eine Vereinigung von Juden- und Heidenchristen, und Paulus bezeichnet sogar Gal. 3, 7 die gläubig gewordenen Heiden als »Abrahams Kinder«. Poljaks Ver-

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such, aus der Schrift eine besondere Heilslinie herauszulesen, die allein für die Juden gilt, ist nur möglich, wenn er die Erscheinung Christi eliminiert. Denn durch ihn wurde das alttestamentliche Gesetz samt Kultus und Tempel überwunden und die alttestamentlichen Verheissungen erfüllt: Er ist der Messias! Die alttestamentliche Hoffnung auf ein irdisches Messiasreich mit Jerusalem als Mittelpunkt entschränkte er: »Mein Reich ist nicht von dieser Welt« (Joh. 18, 36). Dieses Reich ist nicht einem national begrenzten Bundesvolk zugewiesen, sondern umfasst alle, die in Christus gläubig geworden sind und im Gehorsam leben (Röm. 14, 17; Eph. 5, 5). Christus wurde von den Juden verstossen, weil er ihren aus der alttestamentlichen und spätjüdischen Apokalyptik genährten Traum von einem irdischen Messiasreich nicht erfüllt hatte. Aber der verworfene Stein ist zum Eckstein geworden. In ihm ist diese Apokalyptik gerichtet. Es bedeutet einen Rückfall in das vorchristliche Judentum, wenn Poljak die Verheissungen des Alten Testaments unter Absehen von Christus liest. Das irdische Jerusalem als Hauptstadt eines irdischen Israel hat in der neutestamentlichen Zukunftsschau keinen Heilsakzent mehr. Im Gegenteil, dieses Jerusalem wird als »Sodom und Agypten« bezeichnet, und hier werden die zwei Zeugen durch das Tier aus dem Abgrund getötet (Offb. 11, 7 f.). Das neue Jerusalem aber, das die Hütte Gottes auf einer neuen Erde beherbergt, steht in keiner Kontinuität zum irdischen Jerusalem, sondern wird »aus dem Himmel herabfahren« (Offb. 21, 2). Es muss aber zugegeben werden, dass die alttestamentliche

Verkündigung einen Zug zur Diesseitigkeit kennt, der sich in keine Vergeistigung oder Vergeistlichung auflösen lässt. Hier liegen schwere theologische Fragen vor, die sich um das Verständnis des Tausendjährigen Reichs konzentrieren. Im einzelnen wird zu fragen sein, ob die Wiedererrichtung des Staates Israel ein eschatologisches Vorzeichen trage und was die Tatsache der »Auserwählung« Israels bedeute: Ist sie mit dem Kommen Christi erfüllt und beendet? Dem widerspricht Paulus Röm. 11, 28 f. Wenn also die Auserwählung der Juden weiter in Kraft ist und nicht völlig auf die christliche Gemeinde übertragen wurde: In welcher besonderen Weise kommt sie nach Christi Erscheinen zur Geltung? Erweist sie sich darin, dass Gott dieses Volk über alle Zerstreuung und Verfolgung hinweg bewahrte, um es schliesslich in der Endzeit von seiner antichristlichen Verblendung zu befreien? Oder ist ihm darüber hinaus in seinem christlichen Kern noch eine besondere endzeitliche Heilsmission unter den Völkern zugedacht? Geht man diesen Fragen nach, dann stösst man auf Spannungen zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. Sie lassen sich nicht dadurch beseitigen, dass man zwei getrennte Heilslinien annimmt, aber auch nicht dadurch, dass man die alttestamentliche Prophetie rund um den Auserwählungsgedanken einfach vom Judentum ablöst und zur Gänze auf die christliche Gemeinde bezieht. Poljak hat den Anstoss gegeben, dass diese Probleme neu geprüft werden; aber die Antwort wird anders ausfallen müssen, als er sie gab. Denn zwischen den Verheissungen des Alten Testaments und ihrer zukünftigen Erfüllung steht das Kreuz. Das wird

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nicht beachtet, wo diese Verheissungen angebrochen verlängert werden, wie dies Poljak tut. Besonders die württembergische Landeskirche wurde in die Auseinandersetzung mit Poljak hineingezogen. Sie hätte in der Form eines brüderlichen theologischen Gesprächs geführt werden können, denn die Gegensätze waren nicht von grundlegender Art. Aber Poljak deutete jeden kritischen Einwand als einen Widerspruch verstockter Menschen und bezeichnete die Auseinandersetzung als »eine Kraftprobe zwischen christlichen und satanischen Mächten«. So spitzte sich der Konflikt dramatisch zu. Poljak verwies seine Gegner, darunter in hohem Ansehen stehende Führer der Kirche und der Gemeinschaften, kurzerhand in das Lager des Antichrists und verkündigte in einer Massenversammlung in StuttgartPlieningen am 13. Januar 1952 das Gericht Gottes über sie. Diese Versammlung war nach Poljaks Auffassung »das erste öffentliche Gerichtszeichen Gottes gegen die Führung der Evangelischen Kirche Württembergs und darüber hinaus der gesamtdeutschen Kirche«; die Axt sei bereits an ihre Wurzel gelegt6. Im Hintergrund dieser Haltung stand Poljaks Uberzeugung, dass seine Judenchristliche Gemeinde Gottes besonderes Werk sei: Folglich ist der Kampf, den sie führt, Gottes Kampf. Folglich sind diejenigen Christen, die aus einem andern Schriftverständnis heraus seine Gedankengänge ablehnen, Gottes Feinde. Die Scheidungen, die durch die Botschaft vom Reich unter den Christen herbeigeführt werden, sind nicht Scheidungen in zweitrangigen Fragen des Schriftverständnisses, sondern sie

haben eine absolute Bedeutung. »Gott trennt jetzt die Lager: das eine zum Gericht, das andere zur Gnade.7 « Die Reichsbruderschaft »ist Gottes letzter Einsatz vor Harmagedon«, und am Ende dieser Zeit werden sich nur noch zwei Fahnen gegenüberstehen: die Fahne des Judenkönigs und die Fahne des Antichrists. »Und wer sich nicht zur judenchristlichen Gemeinde und der Reichsbruderschaft, die das Kreuz im Davidstern tragen, bekennt, wird beim Antichrist enden.«8 Aber Poljak scheute sich, die Konsequenz aus diesen Sätzen zu ziehen. Er vermied den Bruch, stellte die Polemik gegen die Kirche in der Folgezeit zurück und nahen eine massvolle Haltung ein. So bannte er die Gefahr einer Entwicklung ins Sektiererische. Die Gebetskreise der Reichsbruderschaft haben inmitten der »heidenchristlichen« Kirchen eine ähnliche Stellung bezogen wie die Judenchristliche Gemeinde in Jerusalem inmitten des jüdischen Volks. Sie richten ihre Aufmerksamkeit auf die zeitgeschichtlichen Zeichen des nahen Endes und die besondere Rolle, welche dem jüdischen Volk und der judenchristlichen Gemeinde in der Endzeit aufgetragen ist.

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Judenchristliche Gemeinde 246, Juni 1957. Abram Poljak, Die jüdische Kirche, S. 17.

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Die Reichbruderschaft Jesu Christi

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Judendiristliche Gemeinde, Februar 1951. Poljak in einem Artikel •Die Proklamation«, 1936. 5 Die Judenchristliche Allianz will alle Juden zusammenfassen, die den Weg zu Christus gefunden haben, und »tritt, vom Lande Israel abgesehen, wo auf jüdischem Siedlungsgebiet eine Kirche mit judenchristlicher Mehrheit entstehen kann, für völli-ges Aufgehen der Judenchristen in der christlichen Kirche ein. (Der Zeuge 1953, 10). 6 Judenchristliche Gemeinde, Nr. 183. 7 Judenchristliche Gemeinde, Nr. 192, Dezember 1952. Die Stellung zu Poljaks Lehre und Gründung wurde also in seinen Augen zur Heilsfrage. Wer sein vom Heiligen Geist inspiriertes Zeugnis vom Reich hört, muss ihn entweder bejahen oder ablehnen. »Wer ihn aber ablehnt, mu£ wissen, dass et sich damit unter das Gericht Gottes stellt. Er lehnt ja im Grund nicht Poljak ah, sondern den, der ihn gesandt: Christus; er leugnet Eph. 2, 13-22 und beweist damit, da£ er Christi Geist nicht hat, (Judenchristliche Gemeinde, Nr. 197, Mai 1953). 8 Judenchristliche Gemeinde, Nr. 200, August 1953. 4

Kurt Hutten, Seher Grübler Enthusiasten - Sekten und Religiöse Sondergemeinschaften der Gegenwart. Quell Verlag, Stuttgart. 1958

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