Die neue Liebe prickelt

SONNTAG, 24. FEBRUAR 2008 | NR. 53 MENSCHEN BEI TISCH STYLE Ein gemütlicher Spaziergang mit einem der schnellsten Männer der Welt. SEITE 4 Auch ku...
Author: Alexa Müller
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SONNTAG, 24. FEBRUAR 2008 | NR. 53 MENSCHEN

BEI TISCH

STYLE

Ein gemütlicher Spaziergang mit einem der schnellsten Männer der Welt. SEITE 4

Auch kulinarisch ganz weit oben: «Bruhins Weissfluhgipfel» hoch über Davos. SEITE 5

Die Kosmetikbranche will das Mittel für ewige Jugend gefunden haben. SEITE 6

WASSER

Die neue Liebe prickelt Zwei Wasserstoffatome, ein Sauerstoffatom – eigentlich eine einfache Formel. Und dennoch ist Wasser ein ganz besonderer Stoff, den jetzt auch die LifestyleBranche entdeckt. Von Sermîn Faki Wasser inWein verwandeln – damit lockt man keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Im Gegenteil, wer im Moment den Lifestyle-Markt beobachtet, bekommt den Eindruck, dass vielmehr die umgekehrteVerwandlung Erfolg verspricht: Wasser ist in,Wasser ist hip,Wasser ist ganz einfach Trend.Vor allem das zum Trinken. Immer mehr Menschen hören auf ihren Durst und trinken Wasser. Allein in der Schweiz hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch an Mineralwasser in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt – wie viel öfter zum Hahnenwasser gegriffen wird, ist unklar.

Wasser zu trinken: Es ist gut, es ist umweltverträglich und obendrein günstiger als Regenwasser aus der Antarktis in Halbliterflaschen. «Cape Grim» heisst das Produkt, das derzeit die Gaumen der Gäste in der First Class der australischen Fluggesellschaft Quantas verwöhnt. Es wird sicher nicht mehr lange dauern, bis es auch in der Schweiz erhältlich ist. Luxushotels und Gourmetrestaurants lassen es sich nicht mehr nehmen, Wasserkarten zu führen. Denn es kann durchaus Sinn machen, zu einem bestimmten Essen oderWein ein besonderes Mineralwasser zu trinken. Die unterschiedlichen Mineraliengehalte könnten einen Wein bitter machen, und hoch mineralisierte, also «salzige» Wasser eigneten sich weniger zum Essen, sagen Experten wie derWassersommelier Arno Steguweit. Dessen Lieblingswasser ist übrigens Chateldon 1650, das erste Wasser, das am Hof von Sonnenkönig Louis XIV. in Flaschen serviert wurde.

Von innen: Je weiter weg die Quelle, desto besser Solch einen Trend lässt sich auch die Lifestyle-Industrie nicht entgehen. Immer mehr Menschen müssen nicht gross überredet werden, zehn Franken und mehr für eine Flasche Mineralwasser zu zahlen. Die einheimischen Mineralquellen profitieren davon allerdings nicht. Denn bei den so angesagten Luxus-Wässerchen gilt: Je weiter der Transportweg, desto besser. Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande, um beim biblischen Bild zu bleiben. Schade, denn sowohl ökonomisch wie auch ökologisch macht es Sinn, einheimisches

Von aussen: Aquatische Wellness Doch die neu entdeckte Liebe zum Wasser beschränkt sich nicht auf die innere Anwendung. Auch im Wellness-Bereich findet es ständig neue Freunde. Zum Beispiel in einem Floating Tank, wie er in Zürich-Wipkingen steht. Da schwebt man dann, ausgestreckt auf warmem Wasser mit 50 Prozent Salzanteil, und hängt seinen Gedanken nach – so entspannend kannWasser sein. Betritt man nach einer Stunde im «Toten Meer» wieder die Erde, hat man vor allem – Durst. Und greift dankbar selbst zum Zürcher Hahnenburger.

WASSER

F L O AT I N G

DIE SÜDOSTSCHWEIZ AM SONNTAG | 24. FEBRUAR 2008

Eine Stunde schwerelos

SCHÖNHEIT

Der Frische-Kick

Besonders in stressigen Zeiten oder nach einer kurzen Nacht sieht die Gesichtshaut fahl und grau aus. Diese Blitzkur bringt den strahlenden Teint zurück.

Entspannung pur verspricht der neue Wellness-Trend Floating. Gestresste Zeitgenossen legen sich in hochkonzentriertes Salzwasser, das die Schwerkraft aufhebt, und schweben körperlicher und geistiger Erholung entgegen. Von Sermîn Faki

Wer kennt das nicht: Manchmal wirkt die Haut müde und blass, Augenringe zieren das Gesicht.Wer an so einem Tag keinen schlechten Eindruck im Geschäft hinterlassen darf, sollte es mit dieser Blitzkur versuchen: Zuerst muss die Haut «aufwachen». Füllen Sie das Waschbecken mit heissem Wasser und schaufeln Sie es sich beidhändig 20 Mal ins Gesicht. Nun wiederholen Sie das Ganze mit fliessend heissem Wasser. Diese Prozedur löst abgestorbene Hautschüppchen, schwemmt Schadstoffe aus der Haut, aktiviert die Blutgefässe und intensiviert die Kollagenproduktion. Damit sorgen Sie dafür, daß die fahle Blässe aus dem Gesicht verschwindet. Angenehmer Nebeneffekt: Sie selbst wachen auch auf. Nach diesem erstenTeil der Blitzkur sollte die Haut schon deutlich frischer wirken.

Das ist er also, der Tank der Entspannung. Er steht in einem dezent ausgeleuchteten, grosszügigen Badezimmer und sieht aus wie ein futuristischer Sarg. Ich bin zum Floaten angemeldet. Was das ist? Nun, offensichtlich werde ich für eine Stunde in diesen Tank steigen, der mit warmem Salzwasser gefüllt ist, und darin floaten, also schweben. Trägt das Wasser wirklich? Vorsichtig nähere ich mich dem eiförmigen Monster. Ich setze mich auf den Rand und lasse langsam die Beine in das 34,8 Grad warme Wasser gleiten. Wird das mit 50 Prozent Medizinalsalz versetzte Wasser meinen Körper wirklich tragen? Tatsächlich, es klappt. Nun muss ich nur noch den Deckel schliessen. Lebendig begraben in einem Wasser-Sarg … die Vorstellung ist ein bisschen unheimlich. OscarTrott, der gemeinsam mit seiner Frau Sabine Riess das erste FloatCenter der Schweiz in Zürich-Wipkingen betreibt, hatte mich beruhigt: Im Notfall soll ich einfach den roten Knopf im Inneren des Tankes drücken, dann wird er den Deckel öffnen und sich vergewissern, dass bei mir alles okay ist. Schliesslich soll mir das Floaten doch ein «einzigartiges Erlebnis der Schwerelosigkeit in völliger Abgeschiedenheit, Ruhe und Intimität ermöglichen», wie Oscar Trott versprochen hatte. Technik wird schon lange genutzt Ende November 2007 hat das Float Zürich seine Türen geöffnet, und schon jetzt finden sich Stammkunden, die sich regelmässig schwebend entspannen. Als Wellness-Trend ist Floating recht neu, die Technik wird hingegen schon länger eingesetzt. Bereits 1954 entwickelte der Neurologe John C. Lilly im Auftrag der amerikanischen Regierung den ersten Floating-Tank, um die Auswirkungen längerer Phasen der Schwerelosigkeit auf Astronauten im Weltall zu testen. Später wurden Forschungen durchgeführt, um die gesundheitliche Wirkung zu prüfen. Floating soll die Wirbelsäule entlasten,Verspannungen lösen, bei Bandscheibenvorfall und Hexenschuss spürbare Linderung verschaffen. Manche sprechen dem Floa-

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Kompresse und Peeling sorgen für rosigen Teint Dann sorgt eine Schnell-Kompresse für Entspannung und rosige Wangen: Legen Sie sich ein heisses, feuchtes Handtuch für etwa drei Minuten auf das Gesicht. Anschliessend tragen Sie ein Peeling-Gel auf und lassen es zirka zwei Minuten einwirken. ZumAbschluss waschen Sie Ihr Gesicht zuerst mit kaltem und danach mit warmemWasser. Jetzt fühlt sich Ihre Haut schon besser an, und die Wangen sind rosig.

ting sogar zu, chronische Schmerzen wie Migräne und rheumatische Beschwerden deutlich zu reduzieren. Ich spüre, wie die Last des eigenen Körpergewichts entfällt, meine Muskeln und Gelenke entspannen sich vollständig. Ich treibe im Tank wie eine Wasserleiche. Das ist keineswegs unangenehm, ich wiege mich leicht hin und her, herrlich. Keine Schwerkraft, keine Geräusche, keine visuellen Reize, … nur ich. Das allerdings muss man erstmal ertragen können. Kann ich das? Mir ist ein bisschen langweilig, und ich frage mich, wie viel Zeit schon vergangen ist. Um etwas mehr Spannung in die Sache zu bringen, lösche ich die LED-Leuchten, die mein Tank-Ei in rotes Licht tauchen. Nun ist alles um mich herum schwarz. Lediglich zwei ganz schmale Lichtschlitze erinnern daran, dass es noch eine Aussenwelt gibt. In der Dunkelheit scheinen sich die Grenzen des Körpers zur Umgebung aufzulösen. Ich höre, so laut wie selten, meinenAtem. Er klingt wie die Brandung des Atlantik. Ausserdem wechselt mein Ei scheinbar seine Grösse, und ich taste nach den Wänden, um wenigstens für Sekunden ein Gefühl für den Raum zu bekommen.

Das Gefühl, vom Wasser getragen zu werden, und die absolute Abwesenheit jeglicher Aussenreize lösen Stress undAlltagshektik in ein schwereloses Nichts auf.Von einer versprochenen Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, Kreativität, Produktivität hingegen merke ich nichts. Dann, nur Minuten oder aber Tage später, ertönt sanfte klassische Musik. Meine Stunde in der Schwerelosigkeit neigt sich ihrem Ende zu. Ich muss den Deckel wieder öffnen und habe Mühe, den passenden Schalter zu finden – mein Orientierungssinn tendiert gegen null. Richtig gemein wird es, als ich wieder aus dem Ei steige. Plötzlich, mit unvorstellbarer Macht, schlägt die Schwerkraft zu, drückt mich fast zu Boden. In der nächsten Stunde bin ich noch etwas benommen. Aber entspannt? Ich weiss nicht recht. Am nächsten Morgen verlasse ich beim ersten Weckerklingeln ausgeruht das Bett, und mein gestern noch so schmerzhafter Muskelkater vom Skifahren ist auch weg – wahrscheinlich davongeschwebt.

Der Deckel schliesst sich: Schwebend entspannen im Floating Tank.

Float Zürich, Röschibachstrasse 71, 8037 Zürich, www.float-schweiz.ch

Sparsam mit Make-up umgehen Nun können Sie mit Ihrer normalen Morgenpflege beginnen.Allerdings sollten Sie mit der Menge des Makeups für die Wangen und das Gesicht etwas zurückhaltender sein. Die Poren sind nun weit geöffnet, was die Haut insgesamt empfindlicher macht. Ausserdem sollten Sie sie möglichst schonen, damit sie sich von den Strapazen der vergangenen Nacht erholen kann. chch

Beilage zur «Südostschweiz am Sonntag» Redaktion: Mirjam Fassold (Leitung), Sermîn Faki Redaktion «Chili» Die Südostschweiz, Postfach, 7007 Chur Telefon 081 255 50 50 E-Mail: [email protected] Anzeigen: Südostschweiz Publicitas AG, Chur Comercialstrasse 20, Postfach, 7007 Chur Telefon 081 255 58 58 E-Mail: [email protected] Bilder dieser Ausgabe: Nicola Pitaro, Nadja Simmen, Giancarlo Cattaneo, Marcel Giger, Informationszentrale Deutsches Mineralwasser, Pressedienste.

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WASSER

DIE SÜDOSTSCHWEIZ AM SONNTAG | 24. FEBRUAR 2008

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Stille Wasser sind verschieden

MINERALISCH

Der Markt der Durstigen wird von Lifestyle-Wassern geradezu überflutet. Die Mineralwasser-Branche redet mittlerweile vom «blauen Gold». Wasser ist einfach nur Wasser? Weit gefehlt. Jedes ist ein bisschen anders, wie eine «Chili»-Degustation zeigt. Von Sermîn Faki «Image ist nichts, Durst ist alles», lautete vor wenigen Jahren der Werbeslogan einer international bekannten Getränkemarke. Was sich zurzeit auf dem Mineralwassermarkt abspielt, spricht eher für das Gegenteil. Das Wassergeschäft boomt, der Konsum von Mineralwasser steigt kontinuierlich an. Tranken Herr und Frau Schweizer 1990 noch je 69,2 Liter pro Jahr, waren es 2006 bereits 120,3 Liter. Seit einigen Jahren etablieren sich neben den immer günstigeren Angeboten der Discounter vermehrt hochpreisige Luxuswasser. Dabei verlangt der Kunde vermehrt kohlensäurefreies Wasser, und die schweizerischen Mineralquellen passen sich dem Trend an. Doch vermochten sich die einheimischen Stillen bis jetzt nicht gegen die ausländische Konkurrenz durchsetzen: Wer hip sein will, trinkt, was exotisch und weit gereist ist und von Promis bevorzugt wird. Etwa das norwegische «Voss», das lange als Madonnas Lieblingswässerchen galt, bevor sie Kabbala-Wasser entdeckte. Der neuste Schrei heisst «concentrated water»: Einfach mit Wasser mischen und man erhält – richtig: Wasser. Der Test der Luxuswasser Jenseits dieser an Scharlatanerie grenzenden Produkte gibt es jedoch Luxus-Mineralwasser, die nicht mehr versprechen, als sie sind. Sie zeichnen sich durch unterschiedliche Geschmäcker und Mineralienkonzentrationen aus. Wir haben die gängigsten, in der Schweiz erhältlichen (stillen) Lifestyle-Wasser einer kritischen Degustation unterzogen. Dabei wurde mit dem günstigsten Wasser begonnen und entlang des Preises nach «oben» getrunken. Eine Ausnahme machten wir beim einheimischen «Allegra» – das kam zum Schluss ins Glas.Auf einer Skala von 1 bis 6 vergaben wir Punkte für den Geschmack. Wir begannen mit dem in der PET-Flasche erhältlichen «Fiji» (5.80 Franken). Es stammt aus der Yaqara-Quelle der Fiji-Insel Viti Levu. Die Quelle ist artesisch, aus ihr sprudelt das Wasser infolge des eigenen Überdrucks von selbst über das Gelände, muss also nicht gefördert werden. Auf dem Etikett wirbt Fiji Waters denn auch damit, dass dasWasser von Menschenhand und Umwelteinflüssen unberührt sei, bis man den Verschluss öffne. «Fiji» offenbarte sich als relativ neutral, mit einer leichten mineralischen Note, die eine gewisse Frische mit sich brachte. 4 von 6 Punkten. Nummer 2 auf der Liste war das walisische «Tau» aus dem Hause Tyˆ Nant. Ein Liter kostet 8.40 Franken. Das Wasser hat einen relativ geringen Mineralgehalt und soll besonders gut zu Wein passen. Das wird stimmen, denn sowohl in der Nase als auch am Gaumen präsentierte sich «Tau» als neutral. Wir fanden es einfach wässrig, 3 von 6 Punkten. Danach kam das vermeintlich reinste Wasser der Welt unter die Lupe, besser gesagt auf die Zunge. Das norwegische «Voss» (9.60 Franken) in der von Calvin Kleins

STIMMTS?

Glitzert nett, schmeckt aber staubig: «Bling» bekam 3 Punkte. Frisch, aber mit Vanilleton: «Voss», 4 Punkte.

4 Punkte bekam das Churer Hahnenwasser.

Das neutrale «Fiji» erhielt 4 Punkte.

Der Favorit: «Allegra» erreichte 5 von 6 Punkten.

Wässrige 3 Punkte für «Tau».

Ex-Kreativ-Direktor Neil Kraft designten Flasche hat in den letzten Jahren enormen Erfolg in Luxushotels und Gourmetrestaurants. Mit einem Mineraliengehalt von nur 22 Milligramm pro Liter ist «Voss» zwar ernährungsphysiologisch rausgeworfenes Geld, aber sehr chic. Wir mochten es, weil es schön frisch schmeckte. Allerdings irritierte die anfangs sehr deutliche Vanillenote in der Nase. Seltsam, 4 von 6 Punkten. Weiter gings ans andere Ende der Welt, 600 Meter unter den japanischen Vulkan Fuji. Von dort stammt «Finé», artesisches Thermalwasser, das uns leider gar nicht überzeugte. Es war zwar ziemlich neutral in der Nase, hatte aber einen Geschmack, der uns an verdorbene Scampis und Plastik erinnerte – als ob es drei Monate in einem alten Kanister gelagert hätte. Und das für 23 Franken – 2 von 6 Punkten. Nummer 5 ist sozusagen die Paris Hilton unter den Mineralwassern – oder zahlt wirklich jemand 120 Franken für einen Liter Inhalt, selbst wenn der aus dem US-Staat Tennessee kommt? Wir vermuten, dass es eher die mit Swarovski-Steinen beklebte, glitzernde Verpackung ist,

Nur 2 Punkte für den merkwürdigen Geschmack von «Finé».

die zum Kauf von «Bling» animiert. Zumal wir fanden, dass das Wasser abgestanden, irgendwie staubig schmeckte und bitter im Abgang war. 3 von 6 Punkten. Nun gaben wir der einheimischen Konkurrenz der Luxus-Wasser eine Chance. «Allegra» (1.10 Franken) von Passugger war deutlich mineralischer, frischer, markanter. 50 Prozent derTester fanden «Allegra» das beste der getestetenWasser, 50 tendierten zu den unauffälligeren. Der ideale Begleiter zu einem sensiblen Wein ist «Allegra» aufgrund seines Eigengeschmacks vielleicht nicht, aber als Solist unser Favorit: 5 von 6 Punkten. Nun wollten wir es wissen und verglichen die LifestyleWässerchen mit ortsüblichem Churer Hahnenwasser: Das war sehr markant im Geschmack, frisch und angenehm. 4 von 5 Punkten. Bei einem Literpreis von 0.09 Rappen werden wir in Zukunft wohl dabei bleiben – die schönen Flaschen haben wir ja jetzt. Alle angegebenen Preise beziehen sich auf einen Liter. Die Literpreise wurden zur vereinfachten Anschauung auf Basis der einzelnen Flaschenpreise errechnet.

Gut Kirschen essen Ums Wasser ranken sich viele Alltagslegenden. Wofür ist es gut, wann sollte man es meiden? Wir wollten es genauer wissen und haben die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung gefragt. Viele kennen aus ihrer Kindheit den einem Verbot nahe kommenden Rat, nach dem Genuss von Kirschen kein Wasser zu trinken. Das gebe Bauchweh, hiess es zur Begründung. Doch, wie Bernadette Gölz von der Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) sagt, ist eher die Menge der gegessenen Kirschen für eventuelle Bauchschmerzen verantwortlich. Nach dem schnellen Verzehr von grossen Mengen (ab 500 Gramm) Kirschen können nämlich auch ohne Wasser Blähungen auftreten: «Steinobstschalen haben meist eine hohe Besiedelung von Hefekeimen. Normalerweise reicht die Konzentration der Magensäure jedoch aus, um die Gärtätigkeit der Mikroorganismen wirkungs-

voll zu unterbinden.» Eine mögliche Erklärung für Grossmutters Rat gibt es aber trotzdem: Früher war die Wasserqualität nicht über alle Zweifel erhaben. Der Rat, zu Kirschen keinWasser zu trinken, hatte zu Grosis Zeiten also hygienische Gründe. Hilft Wasser gegen einen Kater? Viele schwören darauf, zur Vorbeugung gegen einen Kater viel Wasser zu trinken. Wie sieht es damit aus? «Vor dem Zubettgehen und am nächsten Morgen vielWasser zu trinken, kann die Symptome des Katers tatsächlich etwas lindern», sagt Bernadette Gölz. Der Alkoholabbau werde dadurch aber nicht beschleunigt. Nächster Mythos: Immer wieder hört man von der entschlackenden Wirkung von destilliertem Wasser.

Andere warnen: Davon platzen die Zellen. Was stimmt, Frau Götz? «Richtig ist, dass sowohl tierische als auch pflanzliche Zellen durch die so genannte Osmose zerplatzen können», sagt die Ernährungsberaterin. «Die Zellwände pflanzlicher und tierischer Zellen sind halbdurchlässig», erklärt sie, «das heisst: Nur Wassermoleküle gelangen hindurch, gewisse Salze oder Zuckermoleküle sind jedoch zu gross, um passiv durch die Membranporen zu gelangen. Das Wasser strömt im Bestreben, die Konzentration im Zellinnern mit der Konzentration ausserhalb der Zelle auszugleichen, in die Zelle rein.» Ist das Konzentrationsgefälle gross, strömt so viel Wasser nach, bis die Zellwand schliesslich nachgibt und die Zelle zerplatzt. Prinzipiell stimmt das auch für die menschlichen Blutkörperchen, allerdings müssten wir uns an einen Tropf mit destilliertem Wasser hängen, um unsere Zellen zum Platzen zu bringen. «Destilliertes Wasser zu

trinken ist weniger folgenschwer, denn durch die Magensäure und die aufgenommene Nahrung wird chemisch reines Wasser wieder mit Mineralstoffen vermengt, sodass unsere Zellen gar nicht erst damit in Berührung kommen», erklärt Bernadette Gölz. Entschlackt destilliertes Wasser? Aber ist destilliertesWasser gesund? «Einige», so Fachfrau Gölz, «sehen in destilliertem Wasser tatsächlich ein Gesundheitsmittel, da es keine Schadstoffe wie Blei, Nitrate und Pestizide enthält und den Körper entschlacken soll. Die meisten Wissenschaftler warnen jedoch vor dem Gebrauch von destilliertemWasser.» Insbesonders bei einer einseitigen Ernährung entziehe das Destillat den Zellen auf Dauer Kalium- und Natriumionen und bringt so den Elektrolythaushalt des Körpers aus ser dem Gleichgewicht. Weitere Informationen: www.sge-ssn.ch

MENSCHEN S PA Z I E R G A N G M I T …

DIE SÜDOSTSCHWEIZ AM SONNTAG | 24. FEBRUAR 2008

Andy Green

KNIGGE

Richtig einladen

Der schnellste Mann auf Rädern bedient nahezu jedes Klischee, das englischen Engadin-Gästen anhaftet: ein charmanter Gentleman, ein furchtloser und fairer Sportler … und irgendwie ein bisschen «crazy». Doch Geschwindigkeit allein ist für ihn keine Faszination. Von Mirjam Fassold

Wenns etwas zu feiern gibt, müssen Gäste eingeladen werden. Bitte mit Stil – und Rückantwort. So gehts:

Name: Andrew Green Alter: 45 Jahre Wohnort: London Beruf: Kampfjetpilot bei der British Royal Air Force Rekorde: 1227,99 km/h bedeutet Geschwindigkeitsweltrekord für ein Landfahrzeug (15.10.97); 563,418 km/h sind Geschwindigkeitsweltrekord mit einem Dieselfahrzeug (23.8.2006) Für die Ewigkeit: durchbrach am 15. Oktober 1997 als erster Mensch auf Rädern die Schallmauer.

Wenn man Andy Green zum ersten Mal sieht, kommt man nicht um den Gedanken herum, dass dies einer der begehrtesten Junggesellen des Vereinigten Königreichs sein muss: gutaussehend, schlank und grossgewachsen.Wir sind zu einem Spaziergang verabredet, da sind die über 1,90 Meter Körperlänge des Kampfjetpiloten noch ein wenig präsenter als bei einem «normalen» Interview. Immer wieder muss ich hoch hinauf schauen, um einen Blick in Greens blaue Augen zu werfen. Obwohl der 45-Jährige nicht eine Sekunde den Eindruck erweckt, als würde er auf jemanden herabblicken. 20 Fahrten mit über 1000 km/h Also, Mister Green, wie war das, als Sie mit einem Auto die Schallmauer durchbrochen und den Geschwindigkeitsweltrekord für Landfahrzeuge «erobert» haben? «Vom Gefühl her war das nichts Besonderes», antwortet er. «Dass man schneller als der Schall ist, spürt man nicht, und bei so hohen Tempi realisiert man auch keine Erschütterungen, da ist einfach alles ruhig.» Deshalb mache es für einen selbst keinen Unterschied, ob man die Schallmauer am Boden oder in der Luft durchbricht. Green muss diese Fragen wohl schon Tausende Male beantwortet haben, so unspektakulär wie er die Sache darstellt. Falls er müde sein sollte, immer wieder das Gleiche zu erzählen, versteckt er das gut. Höflich beantwortet er auch die Frage nach der körperlichen Anstrengung, die mit der Rekordfahrt einhergeht. «Klar muss man fit sein», das sei wie das Fliegen eines Kampfjets «körperlich harteArbeit». Er habe sich selbstverständlich entsprechend vorbereitet

Spaziergang im Schnee: Während seiner Winterferien in St. Moritz nahm sich Andy Green Zeit für ein ausführliches Gespräch mit der «Chili»Redaktorin.

und in den Wochen vor der Rekordfahrt peinlich darauf geachtet, ausreichend zu schlafen und sich körperlich fit zu halten. «Zudem hielt ich Diät, nahm nur gesunde Nahrung zu mir und trank keinen Alkohol – Letzteres vor allem um dem Team zu zeigen, dass auch ich bereit bin für den Rekord Opfer zu bringen.» Körperliche Fitness ist das eine, aber da wäre ja auch noch die Sache mit dem Kopf. Mit über 1000 km/h durch dieWüste zu rasen ist ganz schön gefährlich, oder nicht? «Es war ja nicht so, dass ich ins Auto gestiegen bin und bei der ersten Fahrt die Schallmauer durchbrochen habe», erklärt Green. Er habe sich langsam an diese Geschwindigkeit herangetastet, insgesamt sei er etwa 20 Mal schneller als 1000 km/h gefahren. «Da kann man das Risiko managen.» Klar, solche Fahrten verlangten höchste Konzentration, aber er habe auch 20 Jahre Erfahrung als Jetpilot mitgebracht. «Ich habe gelernt, mich völlig auf eine Tätigkeit zu fokussieren.» «Plötzlich jubelten alle» Andy Green beginnt zu lachen. Eine witzige Geschichte gebe es rund um die Rekordfahrt doch, sagt er. «Als ich das erste Mal die Schallmauer durchbrochen habe, sah ich aus der Ferne, dass das ganze Team jubelte. Ich war völlig überrascht: Woher wussten die bereits vom Rekord? Da gabs doch noch keine Radiomeldung und auch keine Anzeigetafel, auf der die Geschwindigkeit aufgeleuchtet hätte. Der Techniker mit dem Messgerät war kilometerweit entfernt. Nur er und ich im Auto – ich hatte einen Tachometer – konnten schon wissen, wie schnell ich gefahren bin. Es hat ziemlich lange gedauert, bis mir bewusst wurde, dass alle den Überschallknall gehört hatten. Alle ausser mir – ich fuhr vor dem Schall.» Nicht süchtig nach Geschwindigkeit 20 Jahre bei der Royal Air Force und mehrere Geschwindigkeitsrekorde mit Landfahrzeugen, da drängt sich die Frage auf, ob Andy Green süchtig nach Geschwindigkeit ist. «Nein, überhaupt nicht», schüttelt er den Kopf. Im Moment habe er bei der Luftwaffe zwar einen Schreibtischjob und hoffe sehr, irgendwann wieder ins Cockpit zurückzukehren, aber er sei alles andere als ein Raser. «Im Strassenverkehr halte ich mich immer an die zulässige Höchstgeschwindigkeit – den Gefallen tu ich keinem Polizisten, dass er mir eine

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Geschwindigkeitsbusse verpassen kann.» Die Polizei habe nämlich stets ein Auge auf ihn, erklärt er lachend.Wen wunderts, er ist nicht nur der schnellste Mann auf Rädern, er fährt privat auch ein sehr sportliches Auto: «Einen Jaguar XK8». Sport ist auch der Grund, der Andy Green ins Engadin geführt hat: der Cresta Run. «Seit 1992 fahre ich Cresta, deswegen komme ich jeden Winter für rund zweieinhalbWochen nach St. Moritz.» Ob er auch mal in anderen Orten mit dem Skeleton durch den Eiskanal rase, möchte ich wissen. «Pardon? Es gibt doch nur einen Cresta Run!» Man kann mit dem Skeleton aber auch in die Bobbahn. «Cresta und Skeleton sind zwei verschiedene Dinge», erklärt Green. Dem ist dann nichts hinzuzufügen. Ausser die Frage, was ihn am CrestaFahren fasziniere. «Dass es so komplex und schwierig ist.» Man dürfe keine Angst haben, müsse stets das Risiko im Auge behalten und damit umgehen können. «Cresta-Fahren ist ein wirklich guter Weg, sich selbst kennen zu lernen. Und ich denke, es ist das beste Militärtraining überhaupt.» Aha, darum kämpfen seit über 50 Jahren jeweils im Februar Teams der Royal Air Force, der Royal Navy und der British Army auf dem Cresta Run um die Prinz-Philipp-Trophy. Die Zeit ist reif Unser Spaziergang durch die verschneite Oberengadiner Landschaft hat uns zum Ausgangspunkt – der Zeltstadt auf dem gefrorenen See – zurückgeführt. Letzte Gelegenheit, über Zukunftspläne zu sprechen.Andy Green blickt ernst: «ZehnTage vor dem Verschwinden von Steve Fossett habe ich mit ihm zu Abend gegessen; ich wollte ihm helfen, meinen Rekord zu brechen.» Der Brite hätte seinem 63-jährigen Herausforderer, der vor einer Woche für tot erklärt worden ist, den Rekord gegönnt: «Die Zeit ist reif. Da draussen in derWelt sindTausende von zehn- und zwölfjährigen Jungs, die einen solchen Rekord miterleben möchten.» Green – die Ehre, als Erster die Schallmauer durchfahren zu haben, wird ihm immer bleiben – ist überzeugt, dass der Rekord in den nächsten zwei Jahren gebrochen wird. «Drei Teams arbeiten darauf hin, eines wird erfolgreich sein.» Und seine privaten Zukunftspläne? Am 8. März wird er Langzeitfreundin Emma heiraten, danach gehts für zwei Wochen nach Thailand. In den Flitterwochen will das Paar segeln, «ganz gemütlich», sagt Green.

Die Einladung beginnt bereits mit der äusseren Form. Verwenden Sie deshalb keine Adressaufkleber, sondern bedrucken Sie den Briefumschlag oder nehmen ein Fenstercouvert. Oder – das ist am Schönsten – Sie schreiben die Adresse von Hand. Verwenden Sie Briefmarken statt Freistempler und achten Sie auf hochwertige, saubere Kopien. Und, last but not least, unterschreiben Sie persönlich; kopierte oder gestempelte Signaturen gehören nicht auf Einladungen! Der Einladungstext sollte auf die bevorstehende Veranstaltung einstimmen. Sagen Sie dem Adressaten möglichst konkret, um welche Veranstaltung es sich handelt, und machen Sie deutlich, wen Ihr Gast mitbringen darf. Zudem muss auf der Einladung stehen, wer einlädt – eine Person, ein Paar, eine Gruppe –, um welchen Anlass es sich handelt, dazu Datum, Uhrzeit und Ort. Informieren Sie Ihre Gäste vorab, ob und wie bewirtet wird. Und tun Sie sich selbst einen Gefallen, indem Sie einen Zeitpunkt angeben, bis wann Sie eine Antwort (telefonisch, per E-Mail oder Briefpost) erwarten. Kein Muss, aber für die Gäste sehr hilfreich sind Bekleidungsvermerk, Anfahrtsskizzen und im gegebenen Fall auch Übernachtungstipps. Hinweise auf Geschenke oder Spenden können unter Umfam ständen Peinlichkeiten vermeiden helfen.

7 FRAGEN AN …

… Anita Buri

Mögen Sie lieber Milch- oder Bitterschokolade? Am besten ist die normale braune Schokolade. Schwarze Schoggi mag ich nicht. Milch ist immer gut … Salzen Sie Ihre Mahlzeiten schon, bevor Sie den ersten Bissen kosten? Nein, das ist unanständig, vor allem dem Koch gegenüber. Aber ich bin süchtig nach Aromat. Haben Sie sich schon einmal selbst gegoogelt? Ja, aus reiner Neugier. Wie viel Zeit vertrödeln Sie jeden Tag? Ich vertrödle keine Zeit – ausser wenn ich mich mit unehrlichen Menschen abgebe. Was macht einen Menschen charismatisch? Guter Smile, Humor, lieber Blick. Welchen Teil eines Essens bevorzugen Sie? Ich bin ein Fan von Brunch und Dessert. Worüber denken Sie nach, wenn Sie sich langweilen? Trifft sozusagen nie zu, da ich mich nicht langweile. Wenns doch mal passieren sollte, würde ich nachdenken, was ich tun könnte, damit ich nicht mehr gelangweilt bin … Geboren: 3. Juli 1978 Liebe: getrennt von Ex-Fussballer Marc Hodel, frisch verliebt in Ex-Radprofi Armin Meier Titel: Miss Schweiz 1999 Berufe: Model (unter anderem für den Jelmoli-Katalog), Event-Moderatorin, Hausfrau und Mutter.

BEI TISCH A U S G E L Ö F F E LT

DIE SÜDOSTSCHWEIZ AM SONNTAG | 24. FEBRUAR 2008

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Weissfluhgipfel, Davos

Es gibt viele (gute) Gründe, bei Matthias Bruhin auf dem Weissfluhgipfel zu verweilen: die Gourmetkarte, die Rusticokarte, die Weinkarte, der charmante Service – und die atemberaubende Rundsicht. Von Mirjam Fassold Seit acht Jahren ist Matthias Bruhin Gastgeber im höchstgelegenen Restaurant des Davoser Parsenn-Gebietes. In dieser Zeit hat er einiges bewegt, vor allem aber der Bündner Berggastronomie entscheidende Impulse verpasst. Das «Bruhin’s Weissfluhgipfel» ist bereits zum fünften Mal in der Gourmetbibel «GaultMillau» vertreten und wird in der aktuellenAusgabe mit 13 Punkten bewertet. Zu Recht, wird der «Weissfluhgipfel»-Gast bemerken. Bewährtes Team Bruhin kann auf 2844 Meter über Meer auf ein erfahrenes Team zählen. Restaurantleiterin Katrin Schnur hält dem «Weissfluhgipfel» (und im Sommer dem Davoser Golfrestaurant) von Anfang an die Treue, Küchenchef Sebastian Schaller ist seit

Der kreative Kopf am Herd: Küchenchef Sebastian Schaller.

HITZBERGER

drei Jahren mit an Bord. Der Deutsche hat sein Handwerk von der Pieke auf gelernt – und das auf höchstem Niveau. Die Lehre absolvierte er bei Johann Lafer auf dessen «Stromburg» in Stromberg, es folgten Lehrund Wanderjahre bei weiteren renommierten Gourmetköchen. In Davos geniesst Schaller das volle Vertrauen seines Arbeitgebers: «Der Küchenchef hat völlig freie Hand bei der Zusammenstellung der Karte», sagt Bruhin. So lange die Gäste zufrieden sind, darf Schaller seine Kreativität ausleben. Und das tut er auf gekonnte Art und Weise. Zwei Karten zum Geniessen Ab dieser Saison bekommt der Gast in «Bruhin’s Weissfluhgipfel» zwei Speisekarten vorgelegt: die in feingeschwungener Schrift gedruckte Gourmetkarte zum einen und eine auch optisch währschaftere Rusticokarte zum andern. Auf Letzterer finden sich einfachere Gerichte aus der heimischen (und italienischen) Küche. Im Gourmetbereich – «60 Prozent der Gäste wählen Gerichte aus dieser Karte», so Bruhin – zieht Schaller dann alle Register und überrascht mit Meerfischen genauso wie mit Kombinationen exotischer Zutaten und heimischer Kräuter. Beide Speisekarten werden im 3Wochen-Rhythmus komplett erneuert. «Das garantiert dem Gast Abwechslung; wir haben Stammgäste, die regelmässig am Wochenende zu uns essen kommen», erklärt Bruhin. «Fixplätze» gebe es nur auf der Rusticokarte, und die seien an die Klassiker Wurst-Käse-Salat, Rösti mit Spiegelei und Bergkäse sowie Tomatensuppe vergeben. Eigentlich scha-

Eine erfrischende Erfolgsstory «Wasser – schenk mir dein Geheimnis» lautet derTitel eines Buches von Erich Purk. Damit bringt der Kapuzinerpater dasWesen desWassers auf den Punkt: Es ist geheimnisvoll, entzieht sich dem menschlichen Fassungsvermögen, überrascht immer wieder aufs Neue und hat unendlich viel Gutes zu bieten.

Der Autor Eduard Hitzberger (53) ist Patron im Hotel «Paradies» in Ftan. In dessen Restaurant «La Bellezza» erkochte er sich 18 «GaultMillau»-Punkte und zwei «Michelin»Sterne. Hitzbergers heutiges Aufgabengebiet umfasst gastronomische Beratung, Mitarbeitercoaching, Prozessoptimierung, private dining und Kochworkshops; zudem arbeitet er gemeinsam mit Partnern an einem neuen «Lightstyle Fastfood»-Konzept.

de, die Entenlebervariation (Gourmetkarte) hätte ebenfalls einen Fixplatz verdient: Allein das Mille Feullie aus Entenleber und -glacé mit Apfelchutney und hauchdünnem, knusprigem Filoteig auf Apfelcarpaccio wäre selbst ohne Bergbahn den Weg auf den Gipfel wert. Gut essen ist das eine, gut trinken das andere. Matthias Bruhin hat hoch oben auf dem Berg einen bemerkens-

Mineralwasser ist nicht einfach nur Wasser, sondern etwas ganz Besonderes. Es fliesst jahrzehntelang durch Gesteinsschichten und nimmt so wertvolle Mineralstoffe auf. Dann wird es in seiner ursprünglichen Reinheit am Quellort abgefüllt. Deshalb weisen Mineralwasser auch einen individuellen Mineralgehalt auf, der Einfluss auf den Geschmack hat. Auch Art und Menge der Kohlensäure beeinflussen den «Charakter» des Wassers. Es kann prickelnd, sprudelnd, feinperlig oder still sein. Mineralwasser ist mehr als nur ein Durstlöscher, denn es trägt dazu bei, den Mineralstoffhaushalt des Körpers im Gleichgewicht zu halten. Erfrischend und erst noch kalorienfrei leistet es einen grossen Beitrag zum körperlichen und geistigen Wohlbefinden. Endlich wird das einfache und dennoch kostbarste Getränk richtig gewürdigt. In gehobenen Restaurants tritt Mineralwasser gerade zu einem wahren Siegeszug an. Ein echtes Spitzenrestaurant erkennt man nicht mehr nur an seiner Speise- oder Weinkarte. Nein – es sollte schon eine Wasserkarte haben. Und eine Fachperson, die die Gäste berät.

Auch beim Wasser hat jeder seine persönlichen Vorlieben. Hier kommen meine fünf liebsten kristallklaren Durstlöscher: Auf Platz 1 hat es der absolute Klassiker, unser heimisches «Valser», geschafft.Auf Platz 2 des anspruchsvollen Sortiments kostbarer Tropfen liegt das japanische «Rokko No». Es wurde früher gerne von Seeleuten als «Kobewasser» mitgenommen, weil es bei längeren Fahrten nicht faulig wurde. Ausserdem wird es zur Herstellung von Japans berühmtestem Reiswein «Nada No Sake» verwendet.Auf Platz 3 folgt das kanadische «Canada Geese». Dieses Mineralwasser wird im wunderschönen Spa Springs abgefüllt, einem Ort mit Tradition. Dort, im Herzen desAnnapolis Valleys, entdeckte Farefield Woodbury schon im Jahr 1879 die heilende Kraft der Mineralquelle. Auf Platz 4 liegt «Contrex», das stilleWasser aus dem gleichnamigenVogesenort. Es gilt in Frankreich als das Wasser zum Abnehmen und wird in viele Länder verschickt. Den Abschluss meiner Top Five bildet «Perrier», aus dessen Quellen schon 280 vor Christus Hannibal seinen Elefanten getränkt hat. Sicher wird jetzt jeder Umweltaktivist mit der Faust im Sack aufjaulen ob der langen Transportwege. Und weiterhin in aller Ruhe Cabernet Sauvignon aus Chile oder Syrah aus Australien trinken …

wert gut bestückten Weinkeller. Gewächse aus Italien überwiegen, aber auch Frankreich, Österreich, Spanien und die Schweiz sind gut vertreten – auch im Magnumformat. «Bruhin’s Weissfluhgipfel», Parsenn, 7260 Davos; Telefon 081 417 66 44; www.gourmetdavos.ch; 13 «GaultMillau»Punkte; 3-Gang-Menü 69 Franken, A-la-Carte-Gerichte ab 18.50 Franken.

Er treibt sein Team zu Höchstleistungen an und lockt mit einem gut bestückten Weinkeller: Gastgeber Matthias Bruhin.

Eine Versuchung, der man nicht widerstehen sollte, so man sie auf der Karte findet: die Entenlebervariation zur Vorspeise.

GLASKLAR

Ein Wein zum Bunkern Es gibt Weine, die sind recht teuer, und beim Trinken fragt man sich dauernd: Was ist da eigentlich so Grossartiges dran? Und es gibt Weine, die sind recht günstig, und beim Trinken sagt man sich: Wau, das ist aber echt gut für diesen Preis! Zur zweiten Sorte gehört der La Legua. Er stammt aus einer Gegend aus Spanien (Cigales), die hierzulande kaum bekannt ist. Das Potenzial für gute Weine würde bestehen, doch in den letzten Jahrzehnten wurde für die Qualitätsförderung wenig getan. Rioja und Ribera del Duero sind in aller Munde, weil man hier die Zeichen der Zeit erkannt und viel investiert hat. DieWeine aus Cigales hingegen sind in Spanien kaum und in der übrigen Welt nur wenig verbreitet. Das Weingut La Legua möchte das ändern und baut einen überaus charaktervollen und fruchtigen Tempranillo aus, kräftig, aber nicht zu schwer, mit charmanter, unaufdringlicher Vanillenote. Ein charaktervollerWein, der den Degustator schnell überzeugt. Das Ganze wird in eine Flasche gefüllt, die edel daherkommt und Anspruch und Ambition ausstrahlt. Freunde spanischer Weine werden erstaunt sein, denn sie sind sich gewöhnt, für Qualität auf diesem Niveau wesentlich tiefer in den Geldbeutel greifen zu müssen. Wer demnächst ein Fest anma plant, sollte sich rechtzeitig eindecken. La Legua Crianza 2004. 13.90 Franken. Selection Schwander, Zürich. Telefon 043 433 11 11. www.selection-schwander.ch

STYLE PFLEGEKOSMETIK

DIE SÜDOSTSCHWEIZ AM SONNTAG | 24. FEBRUAR 2008

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Für immer junge Haut?

Der Traum ewiger Jugend ist so alt wie die Menschheit. Zumindest für die Haut soll dieser Traum wahr werden, behauptet die Kosmetikindustrie. Und: Bereits vorhandene Alterszeichen liessen sich «ausradieren». Von Mirjam Fassold «Wir haben das ‘Youth Molecule’ gefunden», erklärte der Molekularbiologe David A. Sinclair im November in Zürich der internationalen Fachpresse. Acht Jahre lang hat Sinclair gemeinsam mit Leonard Guarente im Auftrag des amerikanischen Kosmetikkonzerns Estée Lauder geforscht, bis endlich einWeg gefunden war, die Zeit anzuhalten. Die

Die Zeichen der Zeit, sprich Pigmentund Altersflecken, einfach ausradieren: Clinique «Even Better Skin Tone Corrector» (30 ml, 75 Franken, ab Mitte März im Fachhandel).

Forscher hatten entdeckt, welche Gene fürs Altern der Haut verantwortlich sind, und es war ihnen auch gelungen, ein Molekül zu schaffen, das diesen Alterungsprozess verlangsamt. Es trägt den Namen Resveratrate und ist eine Form des bei Estée Lauder schon zuvor verwendeten Antioxidiant Resveratrol. Dabei handelt es sich um ein Molekül, das der japanische Staudenknöterich bei Wasser- oder Mineralienmangel bildet. Resveratrate (das «Youth Molecule») liefert eine stabilisierte Form von Resveratrol. Laut Sinclair unterstützt derWirkstoff die Schutzmechanismen der Zellen und erhöht damit deren Überlebensrate: «Damit haben die Zellen mehr Zeit, Schäden zu reparieren. Ihr Lebenszyklus verdoppelt sich.» Das zum Patent angemeldete «Youth Molecule» findet sich in der «Re-Nutriv Ultimate Youth Creme», die seit diesem Monat auf dem Markt ist. Über den Beauty-Code plaudern Bereits einige Monate zuvor hatte der Schweizer Kosmetikhersteller Juvena verlauten lassen: «Wir haben den Beauty-Code geknackt.» Anlass dafür war die Schaffung der «Skin Nova Technology». Die PharmazieProfessorin Odile Damour schaffte es, aus drei Bio-Polymeren eine Matrix zu konstruieren, die Hautzellen ein ideales Umfeld bietet, um sich zu entwickeln und vermehren. Diese Technologie wurde in die gesamte «Juvedical»-Linie eingebaut, deren Starprodukt, das «Renewing Serum», seit kurzem in neuer Verpackung auf dem Markt ist. Wo man den Beauty-Code in der Haut findet, was die DNA mit der Hautalterung zu tun hat und weitere Aspekte junger Haut kann man übrigens im Internet mit Sven Gohla, Leiter Forschung und Entwicklung bei Juvena, besprechen. Am 3., 17.

Glamour für die Lippen

HAUTSACHE

Ein Jahr nach der Lancierung der dekorativen Lippenkosmetik «Wanted Shine» und «Wanted Gloss» brilliert Helena Rubinstein in diesem Frühling im wahrsten Sinne desWortes mit verführerischem Farbspiel. DieWeiterentwicklungen «Wanted Shine Brilliant» und «Wanted Gloss Brilliant» zaubern dank Mikro-Perlmuttpartikeln ein betörendes Schimmern auf weibliche Lippen. Das Geheimnis ist die optimale Lichtreflexion: Perlmutt enthält sowohl Interferenzpartikel, deren Farbe sich je nach Winkel des Lichts ändert, sowie Reflektorpartikel, die goldgelbe und weisse Lichtspiele erzeugen. Aber auch die Pflege kommt bei den Neuheiten nicht zu kurz. Sowohl «Wanted Shine Brilliant» als auch «Wanted Gloss Brilliant» enthält den kostbaren Extrakt aus reinem Gelée Royale, das die Lippen befeuchtet und fam schützt.

Helena Rubinstein «Wanted Gloss Brilliant Color», 39 Franken; Helena Rubinstein «Wanted Shine Brilliant Color», 42 Franken; in jeweils zwölf Farben im ausgesuchten Fachhandel erhältlich.

und 31. März, jeweils von 19 bis 21 Uhr ist Gohla live im Online-Chat erreichbar – einfach auf www.juvena.com/myserumstory surfen. Pigmentflecken ade Die Zeit anhalten und die Haut nicht weiter altern zu lassen, ist eine schöneVorstellung. Doch viele Menschen tragen bereits sichtbare Zeichen der Lebensjahre auf der Haut: Pigmentflecken. Ein unebenmässiger Hautton rangiert Umfragen zufolge als wichtigstes Merkmal für die Hautalterung noch vor feinen Linien. Diesen Pigmentstörungen in der Haut hat die Kosmetikbranche nun den Kampf angesagt. MitWirkstoffen, die diese Melaninansammlungen aufbrechen oder zersplittern, sodass der Teint ebenmässiger wird. Estée Lauders Tochterfirma Clinique hat dafür ein Serum entwickelt («Even Better Skin Tone Corrector»), das hierzulande Mitte März in den Handel gelangt. Die Mutterfirma lancierte bereits im Januar eine Creme («Revelation»), die – mit anderen Wirkstoffen – das gleiche Resultat verspricht.

ANGESAGT

Wer hats denn nun gefunden, das Rezept für ewig junge Haut? Estée Lauder hat in die «Re-Nutriv Ultimate Youth Creme» (oben, 50 ml, 352 Franken) das zum Patent angemeldete «Youth Molecule» reingepackt …

… das «Juvedical Renewing Serum» (links, 30 ml, 189 Franken) enthält die «SkinNova-Technology», mit welcher Juvena den Beauty-Code geknackt haben will.

Wohnen mit Diesel Im April wird Diesel auf der Mailänder Möbelausstellung (Salone Internationale del Mobile) seine erste Heimtextilien-Kollektion «Successful Living» vorstellen. Die ersten Bilder liegen aber bereits vor; jenes, das einen seidenen Überwurf und Zierkissen zeigt, wollen wir der «Chili»Leserschaft nicht vorenthalten. Designed wurde die Textilkollektion unter der Leitung von Wilber Das, Creative Director bei Diesel. Diese Kollektion soll die Kernbedeutung der Marke repräsentieren, so DieselChef Renzo Rosso. «Successful Living» wird charakterisiert durch Ironie und denVintage-Look, eine Kombination von Modernität mit einem gewissen Eigensinn.

«Successful Living» beinhaltet eine Auswahl an Produkten für Schlaf-, Wohn- und Badezimmer: Man darf sich auf Bettwäsche, Handtücher, Morgenröcke, Kissen und prächtige seidene Überwürfe freuen. Die Kollektion ist in drei Gruppen unterteilt. Bei «Diesel Denim» ist Jeansstoff der Protagonist. Fotorealistische Drucke von neuen und klassischen Mustern und Bildern stehen bei «Tromp L’oeil» im Vordergrund. Die bisherigen Diesel-Grafiken wurden neu interpretiert und finden sich in der «Fashion Graphics»-Heimtexfam tilkollektion wieder. Diesel «Successfull Living», Textilkollektion; ab September im Fachhandel erhältlich.

UNTERWEGS

IM HOTEL WOHNEN

DIE SÜDOSTSCHWEIZ AM SONNTAG | 24. FEBRUAR 2008

Solís Cambrian, Adelboden

Das alte Adelbodner Traditionshotel «Regina» strahlt in neuem Glanz. Nach der Komplettsanierung präsentiert sich das 4,5-Sterne-Haus mit zeitgemässem Auftritt und neuem Namen. Geblieben ist der Hüttencharakter – und die Verpflichtung dem Gast gegenüber. Von Sermîn Faki

Das «Regina» war das erste Hotel in Adelboden – und ist immer noch eines seiner prächtigsten. Daran hat auch die ein Jahr dauernde Komplettsanierung nichts geändert. Die äussere Erscheinung wurde so belassen und nur etwas aufgefrischt. Innen aber weht ein neuer Wind: edle Materialien, klare Formensprache, vereinzelt Designerstücke. Das «Solís Cambrian», wie sich das 4,5-Sterne-Haus nun nennt, punktet mit zeitgemässer Eleganz, die allerdings alles andere als kühl wirkt. Dafür sorgen warme Holztöne, angenehmes

Licht und die Natürlichkeit des Personals, das auf alle Wünsche des Gastes zuvorkommend reagiert. Die 71 Zimmer sind geschmackvoll und mit einem guten Gespür für Proportionen eingerichtet – und variabel. Mehrere Zimmer lassen sich zu Suiten umfunktionieren: Denn das «Solís Cambrian» ist, wie es das «Regina» war, ein (nebenbei: nichtraucherfreundliches) Familienhotel. Doch auch Paare finden Ruhe und Abgeschiedenheit: Sei es in der Lounge am kinsternden Kamin, auf der Sonnenterrasse mit atemberau-

Entspannung findet der Gast im grosszügigen Spa mit Innenpool.

AM SPRUNG

bendem Panorama auf die umliegende Bergwelt oder im grosszügigen Spa-Bereich, der mit Innen- undAussenpool (28 und 32 Grad), Sauna und Dampfbad aufwartet. Oder bei der Wellness-Behandlung für zwei: Da werden die vom Skifahren ausgepowerten oder vom Arbeitsalltag gestressten Körper mit zu 100 Prozent aus natürlichen Pflanzenextrakten und -essenzen hergestellten Produkten verwöhnt. Wellness, so Geschäftsführerin Sandra Jacobs, soll neben dem alpinen Tourismus das zweite Standbein des Hauses werden. Dazu passt, was im Restaurant «Nova» auf den Tisch kommt: moderne, leichte italienische Küche. Damit hebt man sich gut von der übrigen Gastronomie in Adelboden ab, die hervorragende Schweizer Küche anbietet. Mit dem Ort zusammengespannt hat das «Solís Cambrian» jedoch beim Umbau: Alle Arbeiten wurden von ortsansässigen Firmen erledigt, die verwendeten Materialien stammen ebenfalls aus der Nähe Adelbodens. «Solís Cambrian Hotel & Spa», Dorfstrasse 7, 3715 Adelboden. Telefon 033 673 83 83. www.solisadelboden.ch. Zimmer von 200 (Nebensaison) bis zu 1250 Franken für die Präsidentensuite.

Derzeit zwei Biere im Sortiment Zwei Biere bieten Bruno und seine Frau Sonja Güntensperger derzeit an: Ein «Hell’s», ein mit untergäriger Hefe gebrautes Spezialbier nach Münchner Art, und das «Weiza», ein fruchtig-frisches, naturtrübesWeizen

MAIL AUS …

… Berlin Derb is(s)t der Deutsche ja gern mal. Das merkt man nicht nur bei der Berliner Currywurst, die ich selbst hin und wieder verdrücke, sondern einmal im Jahr bei etwas, was eigentlich mit Berlin so viel gemein hat wie Ovomaltine: dem «Defftig Ollnborger GröönkohlÄten».Was das ist, verstehe ich ohne Nachhilfe genauso wenig wie die Berliner, denn das ist Plattdeutsch und bedeutet nichts anderes als das fette Oldenburger Grünkohl-Essen. Das gibts jeden Winter in der niedersächsischen Landesvertretung der deutschen Hauptstadt. Denn da kommt er her, der grüne Kohl: aus dem hohen deutschen Norden. Und dafür strömen sie alle in den Glaspalast mit Blick auf die Reichstagskuppel: Die Bundestagspräsidenten, Landwirtschaftsminister, Ministerpräsidenten und Parteichefs – eigentlich alle Grossen der Berliner Politik – und ein paar Journalisten, die umsonst was zu essen kriegen. Dieses Jahr hatte ich Glück und war auch dabei. Den Kohl, mit netter Beilage aus der traditionellen, geräucherten Pinkelwurst, Kassler und nordisch herbem Bier, gibts dann gratis und zudem mit königlicher Würde: Jedes Jahr darf sich ein Politikkopf Grünkohlkönig nennen. Die Idee der Oldenburger vor gut 50 Jahren war es, mit dem grünen Zeug den Blick der hohen Politik auf das kleine Städtchen zu lenken. Der ersteWürdenträger hiess denn auch Theodor Heuss, erster Bundespräsident der jungen Republik. Der hatte keine Lust auf Oldenburg und liess die Oldenburger samt Kohl und Pinkel in der damaligen Hauptstadt Bonn antreten. Daraus wurde eine kulinarische, wenn auch geschmacklich fragwürdige Tradition, die bundesweit, wenn nicht sogar weltweit ihren olfaktorischen Schatten vorauswirft. Letzten Montag dachten sich die Kohl-Juroren: Wenn schon Werbung, dann richtig. Der neue Grünkohlkönig von Oldenburg ist Aussenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier. Einzige Verpflichtung seiner Amtszeit: einmal in Oldenburg vorbeischauen. Das mache er gern, verriet er, schliesslich sei er selbst ein halbes Nordlicht; geboren zwar im westfälischen Detmold, aber nah dran am innerdeutschen Grünkohläquator. Der Kohl, so ein kraftvoller Landwirtschaftsminister a. D., habe einiges zu bieten.Vitamin B für die Sehkraft, sehr zu empfehlen für den nötigen Weitblick eines Politikers.Ausserdem habe der Grünkohl eine aphrodisierende Wirkung. Hilfe also für den Aussenminister in allen Lebens- und Verhandlungslagen ... Was er vergass: Der Kohl, in Massen genossen, fügt dem Körper nicht nur Vitamine zu, sondern auch eine ganze Menge frischer Gase, die auf aussenpolitischem Parkett weniger hilfreich sein dürften. Kein Problem, verspricht Ex-Grünkohlkönig und amtierender Ministerpräsident Niedersachsens Christian Wulff: Versehen mit einem guten KümmelKorn überwiegen die positiven Wirkungen. Hoffentlich ist die Luft in der Landesvertretung nach knapp 300 Kilo verputztem grünen Kohl noch angenehm rein. Und beim heimlichen Blick in die Küche lüfte ich noch ein Geheimnis: Die wichtigste Zutat zur Pinkelwurst, der Senf, der kommt gar nicht aus dem hohen Norden – sondern ganz unplattdeutsch aus dem sächsischen Bautzen. Christina Rubarth (29) lebt als freie Journalistin in Berlin.

Bier-Erfolg zum Anschauen und Probieren

Seit ein paar Monaten versucht sich eine Liechtensteiner Brauerei auf dem regionalen Markt – und das sehr erfolgreich. Dem Geheimnis auf die Spur kommt man bei einer Führung. Bier braucht Heimat, heisst es. Und nun, nach 90 Jahren «auswärts» trinken, haben auch die Liechtensteiner endlich wieder eine lokale Brauerei. Bereits 1992 hatte der Gründer und damalige Doktorand am Institut für Lebensmittelwissenschaft der ETH Zürich, Bruno Güntensperger, die Idee einer eigenen Brauerei im Ländle. 15 Jahre lang ruhte dieser Traum, bevor er am 23. Oktober 2007 endlich wahr wurde: Vor vier Monaten wurde im Liechtensteiner Brauhaus in Schaan das erste Mal gebraut.

Das prächtige Haus mit langer Tradition hat sich gelungen einer Verjüngungskur unterzogen. Der Hüttencharme blieb dank gekonnter Architektur erhalten.

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mit dem typischen Bananenaroma. Beide Biere werden streng nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516 gebraut, aus bestem Pilsner und Münchner Malz, mild gehopft mit feinem Hopfen aus Süddeutschland. Sortiment soll ausgebaut werden Doch das bestehende Sortiment ist nur der Anfang: Weitere Biere sollen folgen. Das ehrgeizige Ziel von Bruno Güntensperger sind drei Standard-Biere und ein saisonales Bier. Die Aussichten sind gut: Der Erfolg ist schon bereits in der Anfangsphase so gross, dass Güntenspergers neue Tanks anschaffen müssen. Wer die Liechtensteiner Bier-Erfolgsgeschichte von nahem betrachten möchte, dem sei eine Führung im Brauhaus empfohlen. «Wir haben

nichts zu verbergen und zeigen gerne, wie unsere Liechtensteiner BierSpezialitäten gebraut werden und der feine Unterschied entsteht», sagt Bruno Güntensperger. Gruppen ab zehn Personen können sich anmelden. In der «ProBiar-Stoba» haben diese im Anschluss an die etwa 45-minütige Führung Gelegenheit, die Biere frisch ab Fass zu probieren. Aufgrund des grossen Interesses müssen manchmal allerdings längere Wartezeiten in Kauf genommen werser den.

Liechtensteiner Brauhaus, Im Rösle 4, FL-9494 Schaan. Telefon +423 233 47 47. [email protected], www.brauhaus.li Die Führung kostet 15 Franken pro Person inklusive zwei Stangen Bier und einer Brauhaus-Bretzel.

Frisch gezapft: Die Biere des Liechtensteiner Braushauses kann man nach der Besichtigung der Brauerei probieren.

SONNTAG

DIE SÜDOSTSCHWEIZ AM SONNTAG | 24. FEBRUAR 2008

HOROSKOP

Nicht nur ein Auto

AM RANDE

Von Mirjam Fassold. – Männer und Auto sind so eine Sache. Das scheint oft die wahre Liebe zu sein. Frauen und Auto sind auch so eine Sache. In der Konstellation ist Liebe ebenfalls möglich. Allerdings gestaltet sie sich gänzlich anders. Ich weiss das sehr genau, habe ich mich doch vor Kurzem neu verliebt. In ein Auto natürlich. Das Objekt meiner Begierde ist mittlerweile sieben Jahre alt. Kein Mann würde sich in eine siebenjährige Karre verlieben – entweder ein Neuwagen mit mega-vielen PS oder eben ein Oldtimer. Der hat aber mindestens 25 Jahre auf der Haube.

Zeigen Sie Rückgrat Saturn und Sonne bringen die Aufforderung mit sich, das eigene Handeln kritisch zu reflektieren, ehe andere es tun. Einige Zeichen werden verstärkt mit diesem Thema konfrontiert. Geben Sie Ihr Bestes, und passiert mal ein Fehler, dafür geradestehen statt Ausreden suchen. Doch dank Jupiter und Merkur gehen die meisten Dinge gut aus. Ob Sie dies als Glück oder als Glück im Unglück erleben, hängt davon ab, ob Sie eine optimistische oder eine negative Lebenseinstellung haben.

Wassermann 21.1.–19.2. Herrliche Chancen in Sachen Liebe und Partnerschaft. Venus bringt Ihnen Glück und süsse Erfahrungen in Herzensdingen. Ihr Enthusiasmus verleiht Ihrer Partnerschaft ein tolles Flair. Beruflich erwartet Sie nun eher eine ruhige Zeit. Nutzen Sie diese Situation, um Pläne zu schmieden oder Konzepte auszuarbeiten.

Fische 20.2.–20.3. Neue Wege gehen oder doch am Altbewährten festhalten? Diese oder ähnliche Fragen können Sie diese Woche beschäftigen. Finden Sie einen Mittelweg, Sie müssen ja nicht gleich extreme Entscheidungen treffen. Tasten Sie sich von sicherem Boden aus ins Neuland vor. So fällt es leichter, sich neu zu orientieren.

Widder 21.3.–20.4. Vertrauen Sie in ihre Fähigkeiten, dann können Sie Spitzenleistungen erbringen. Denn mit dem nötigen Selbstvertrauen lebt und liebt es sich leichter. Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel. Ihr Verhältnis zur Chefetage ist entspannt, nutzen Sie den guten Draht, um Ihr Gehalt neu zu verhandeln.

Stier 21.4.–21.5. Beruflich können Sie in dieser Woche mit Ihren Ideen und Konzepten in höchsten Kreisen glänzen. Ihre Vorgesetzten schätzen Ihre Verlässlichkeit und Treue. Vertrauen Sie auf Ihren Sinn für das Wesentliche, nicht durch Nebensächlichkeiten verwirren lassen. Gesundheitlich sind keine störenden Faktoren in Sicht.

Zwillinge 22.5.–21.6. Nun ist ein wenig Sand im Getriebe. Die Dinge laufen nicht so glatt, wie Sie erhofft hatten. Saturn bremst Sie, und auch Ihre Arbeitsfreude lässt zu wünschen übrig. Dranbleiben, langfristig sind Sie auf der Siegerstrasse, Konsequenz und Ausdauer werden Ihnen helfen, Ihre Position erfolgreich zu verteidigen.

Krebs 22.6.–22.7. Sonne, Saturn und Jupiter unterstützen Sie in dieser Woche mit vereinten Kräften. Zeigen Sie, was Sie können. Zuverlässigkeit und Ausdauer machen sich bezahlt. Sie können nun wertvolle Pluspunkte sammeln und kontinuierlich vorwärtskommen. Auch Ihre finanzielle Situation verbessert sich zusehends.

Löwe 23.7.–23.8. Lebensfreude und Vergnügen sollten in dieser Woche einen besonderen Stellenwert in Ihrem Leben einnehmen. Beruflich läuft es ganz gut. Eine durchschnittliche Zeit ohne besondere Höhen und Tiefen erwartet Sie. Die Herausforderungen halten sich in Grenzen, so können Sie ein wenig mehr Freizeit geniessen.

Jungfrau 24.8.–23.9. Spucken Sie in die Hände! Saturn in Ihrem Zeichen sensibilisiert Sie für die bedeutsamen Angelegenheiten des Lebens. Nun spüren Sie, wo Ihre Verantwortlichkeit liegt. Nun wollen Sie allen Aufgaben gewachsen sein. Jupiter unterstützt Sie zwar, dennoch wird viel Disziplin erforderlich sein, um vorwärtszukommen.

Waage 24.9.–23.10. Venus fördert Ihre Experimentierfreude. Das bringt frischen Wind in die Beziehungskiste. Ihr Herzblatt wird begeistert sein. Im Gespräch mit Vorgesetzten empfiehlt sich diese Woche eine «blumenreiche» Sprache. Fallen Sie nicht mit der Tür ins Haus. Nur charmante «Überraschungsangriffe» bringen Sie weiter.

Skorpion 24.10.–22.11. Im Beruf können Sie nun zeigen, was Leistung und Einsatz ist, und Ihre Kompetenz unter Beweis stellen. Sie können nun wertvolle Pluspunkte sammeln und etappenweise vorwärtskommen. Die Finanzen entwickeln sich auch prächtig. Wer in den roten Zahlen ist, hat gute Chancen, einen Ausweg aus der Misere zu finden.

Schütze 23.11.–21.12. In dieser Woche sollten Sie sich nicht in grandiosen Hoffnungen auf einen raschen Aufschwung in Ihrer beruflichen Laufbahn verlieren, sondern ein wenig kleinere Brötchen backen. Denn es sieht ganz danach aus, als ob Sie ein paar Abstriche machen müssten. Dafür meinen es die Liebessterne gut mit Ihnen.

Steinbock 22.12.–20.1. Der Kosmos ist ganz auf Ihrer Seite. Die Sterne schenken Ihnen diese Woche viel Energie und Belastbarkeit. Sie können vor allem in beruflicher Hinsicht viel schaffen. Neue Chancen winken. Nehmen Sie sich aber auch Zeit für Genuss und Vergnügen. Entspannen in netter Gesellschaft wirkt wie ein Jungbrunnen.

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Wie dem auch sei: Es war Liebe auf den ersten Blick. Man(n) hat mir zwar ins Gewissen geredet, von wegen Alter und Unterhaltskosten et cetera, aber meine Wahl stand fest. Das «härzige» Gesicht, mit dem mich der Kleine anlächelt, die wahnsinnig stylische Innenausstattung – die Schalensitze sind mit orangem Leder überzogen –, all das wollte ich einfach haben. Selbst wenn die Unterhaltskosten ein wenig höher sein sollten als bisher, sprich ich mir pro Monat ein Paar Schuhe weniger wer-

de leisten können. Mittlerweile fahren mein «Neuer» und ich in eingetragener Partnerschaft durchs Leben. Die Trennung vom Vorgänger war dennoch schmerzvoll: Ich fotografierte meinen langjährigen Begleiter und vergoss ein Tränchen, als ich ihn alleine im Garagenbetrieb zurücklassen musste. Mein männliches Umfeld hat für derlei Emotionen nur ein Kopfschütteln übrig und versteht auch nicht, weshalb ich meinen «Neuen» nicht wöchentlich durch dieWaschanlage fahre. Wenn ich dann gestehe, mein «Brummerle» – so nenne ich mein Auto wegen der mir zuweilen fast peinlich-lauten Motorgeräusche – nie zu Höchstleistungen (die Grenzen des Autos liegen weit ausserhalb meines fahrerischen Könnens) anzutreiben, würde Mann mir am liebsten den Schlüssel wegnehmen. Undenkbar! Ich liebe mein «Rennkäferle» aufrichtig. Sie wollen Beweise? Ich kurble täglich mehrmals die Seitenscheibe runter, um in eine Tiefgarage zu fahren und klettere unelegant – dafür kräfteverschleissend – aus dem Sitz, ohne zu murren.

Problem(aus)fall Haar

HAUSARZT

Sind Sie beunruhigt über die zunehmende Zahl Haare, die Sie in Ihrer Bürste finden? Wenn ja, habe ich einigeTipps für Sie. Zunächst: Jeder Mensch verliert normalerweise 100 bis 150 Haare proTag, diese Zahl steigt im Herbst und nimmt im Frühling ab. Im Durchschnitt hat unser Kopf eine Million Haarfollikel – das ist der Schaft, der die Haarwurzel enthält –, von denen jedoch nur zehn bis 15 Prozent wachsende Haare beinhalten. Die restlichen Follikel befinden sich in einer Ruhephase. Mit steigendem Alter nimmt die Anzahl der ruhenden Follikeln zu. Ein leichter Rückgang des Kopfhaars ist mit zunehmendem Alter also normal. Die häufigste Ursache für stärkeren Haarausfall sind Hormonveränderungen, wobei manche Patienten schon auf kleine Schwankungen reagieren. Bei vielen Männern kommt es ausserdem zum erblich mitbedingten so genanntem androgenetischem Haarausfall mit

B U C H S TA B E N

Haarverlust am Hinterkopf oder der Stirn. Bei Frauen tritt Haarverlust häufig aufgrund eines Eisen- oder Zinkmangels auf.Auch eine Zuckerkrankheit und eine Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse können zu Haarausfall führen. Sind keine der erwähnten Ursachen zu finden, stoppt der Haarausfall meist nach einigen Monaten von selbst. So sehr die Werbung uns Vitamine, Pflänzchen und Haarwasser empfiehlt, so wenig halten diese Behandlungen klinischenTests stand. Bei Männern kann ein finasteridhaltiges Medikament eingesetzt werden oder eine minoxidiehaltige Tinktur, Frauen empfehle ich, die Ursache zu suchen und Hormon- und Eisendefizite auszugleichen. Der Autor Dr. Christian Comminot (50) ist Allgemeinmediziner FMH und Sportarzt mit eigener Praxis in Chur.

Zuckerman geht und keiner weint Von Olivier Berger. – Um Inkontinenz gehts in Philip Roths neuem Roman «Exit Ghost»: Roth lässt sein Alter Ego Nathan Zuckerman aus dem selbstgewählten Exil in der Pampa nach New York zurückkehren, um den tröpfelnden Urin zum Versiegen zu bringen.Am Ende von 304 Seiten geht Zuckerman – für immer, wie der Autor erklärt. Mit Zuckermans Hin-

schied endet die nachgerade symbiotische Beziehung zwischen Roth und seinem literarischen Wiedergänger, die im Jahr 1974 begonnen und zehn Romane des US-Altmeisters geprägt hatte – darunter auch den Welterfolg «Der menschliche Makel». Allzu viele Tränen werden selbst eingefleischte Roth-Fans der autobiografisch geprägten Kunstfigur Zuckerman nicht nachweinen – nicht nach der Lektüre von «Exit Ghost». War der Vorgänger-Roman «Jedermann» noch eine kluge, vielschichtige und bisweilen witzige Beobachtung von Alter und Zerfall gewesen, so kippt Roths neues Werk bisweilen ins Peinliche: Etwa dann, wenn Zuckerman seine ebenso späte wie sinnlose Libido in erfundenen Dialogen mit dem Objekt seiner Begierde bis zum Exzess zelebriert. In «Exit Ghost» gibt es nur ein wirklich berührendes Kapitel – jenes in dem Zuckerman und die einstige Geliebte seines literarischen Vorbilds auf Spurensuche in der Vergangenheit gehen. Dem Rest ist anzumerken, dass Autor und Alter Ego alt geworden sind – und dass Ersterer den Letzteren nicht in Würde hat altern lassen. So bleibt den Fans nur eins: die Erinnerung an bessere Zeiten. Philip Roth: «Exit Ghost», Carl Hanser Verlag, München. 304 Seiten, 38.90 Franken.