Die Logistikbrigade 1 geht hoch hinaus

1 / 16 Die Logistikbrigade 1 geht hoch hinaus  4 «Wer Leistung will, muss Sinn geben!» Brigadekommandant Thomas Süssli am Jahresrapport in Lausanne ...
Author: Michaela Albert
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Die Logistikbrigade 1 geht hoch hinaus  4 «Wer Leistung will, muss Sinn geben!» Brigadekommandant Thomas Süssli am Jahresrapport in Lausanne

 8 Stille Helfer für die grosse Röhre Das VT Bat 1 im Einsatz an der Eröffnung des Gotthard-Tunnels

14 Achtung Hochstapler! Reportage aus dem Schmalganglager

Editorial

… und dies immer schneller. In den letzten Monaten hatten wir in Europa lange Perioden mit täglichem Starkregen und vielen Gewittern. Die Folgen waren Überschwemmungen. Verkehrsverbindungen waren unterbrochen, Veranstaltungen mussten abgebrochen oder abgesagt werden. Andernorts auf der Welt wurden gleichzeitig Hitzerekorde mit grosser Trockenheit registriert. Ernten fallen aus, Tiere verenden, Menschen verlieren ihre Lebensgrundlagen. Der Islamische Staat ruft offen zu Anschlägen in Europa auf, während er in seinem Kalifat an Boden verliert. Europa und damit auch die Schweiz bereiten sich weiter auf eine grosse Anzahl Asylsuchender vor, denn jeden Tag machen sich irgendwo auf der Welt rund 40’000 Menschen auf den Weg. Jahrelang wurde in Brüssel über den «Eurowackel­kandidaten Griechenland» debattiert und dabei die Unzufriedenheit weiterer EU-Bürger unterschätzt. Die Briten sind mit ihrem sogenannten «Brexit» verantwortlich für grosse Unsicherheit auf Finanz- und Wirtschaftsmärkten. Dies sind nur einige Beispiele, welche aufzeigen, wie vernetzter und gleichzeitig verwundbarer die moderne Welt ist. Wir reden von der VUCA-Welt, einer volatilen, ungewissen, komplexen und mehrdeutigen Welt. Die Antwort auf die vielen unausgesprochenen Fragen und nachvollziehbaren Ängste in der Bevölkerung muss sein, dass wir uns stark auf die Menschen und deren Bedürfnisse fokussieren. Das ist der Grund, warum wir intensiv in anspruchsvollen und realitäts­ nahen Einsätzen trainieren. Deshalb trainieren wir auch die Mobilmachung. Nur so bleiben wir ein verlässlicher Partner, welcher sich auch in unklaren Lagen für die Mitbürgerinnen und Mitbürger unseres Landes einsetzen kann. In vielen persönlichen Begegnungen und Gesprächen mit Ihnen anlässlich meiner Besuche bei der Truppe durfte ich Ihnen erklären, warum ich Sie brauche, die Armee Sie braucht und unser Land Sie braucht. Gleichzeitig bewiesen Sie mir, dass wir bereit sind, wenn es uns braucht. Bereit, um unserem Land und seinen Leuten zu helfen, sie zu schützen oder wenn nötig für sie zu kämpfen. Das gibt mir die Gewissheit, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dafür danke ich Ihnen. Gerade wir in der Logistikbrigade können vieles möglich machen, dessen sind wir uns bewusst. Ich wünsche Ihnen schöne Sommertage und gute Erholung. Ich zähle auf Sie, die Schweiz zählt auf Sie.

Brigadier Thomas Süssli Kommandant Logistikbrigade 1

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Bild: ZEM

Die VUCA-Welt bewegt sich weiter…

Inhalt

Titelbild Soldat Schneider seilt sich während der Pannenübung in der KVK Woche des Log Bat 101 von der Führerkabine ab. (Bild: Log Bat 101)

Inhalt

2 Editorial Der Brigadier hat das Wort 4 «Wir sind eine Einsatzarmee!» Rapport der Logistikbrigade 1 in Lausanne 8 Ein Mega-Event rund um den Weltrekord-Tunnel Das VT Bat 1 am Einsatz an der Eröffnung des Neat-Basistunnels 10 Kommunikation ist das A und O Das VT Bat 1 übt mit dem Taktiksimulator für mechanisierte Verbände (ELTAM) 12 Die Ängste der Soldaten sind schnell verschwunden Das Spitalbataillon 2 im Einsatz



4 «Wer Leistung will, muss Sinn geben!»



8 Stille Helfer für die grosse Röhre

Brigadekommandant Thomas Süssli am Jahresrapport in Lausanne

14 Hoch hinauf Eine Reportage aus dem Logistikbataillon 101 16 Zusammenarbeit mit Inselspital als Höhepunkt Das San Log Bat 81 übt den Einsatz mit zivilen Kräften 18 «Das Log Bat 52 wird mir fehlen» Der abtretende Kommandant im Interview 20 Sich vorstellen und danke sagen Übung Familia: Einblicke beim FU Bat 15 24 Waidmannshail Kolumne

Impressum armee.ch, die Zeitschrift für die Angehörigen der Log Br 1, erscheint zweimal jährlich auf deutsch und französisch. Nächste Ausgabe: 2/2016 Redaktionsschluss: 01.10.2016 Erscheint im: Dezember 2016 Herausgeber: Chef der Armee und Kommandant Log Br 1 Redaktion: Oberstleutnant Philippe Matter, Chef Kommunikation Log Br 1; Fachof Philipp Arnold, Journalistof Log Br 1; Kdo Log Br 1, Worblentalstrasse 36, 3063 Ittigen Übersetzungen: Wachtmeister Nicolas Marti Gestaltung: Zentrum elektronische Medien (ZEM), Bern Druck: Kromer Print AG, Lenzburg Adressänderungen: Eingeteilte AdA schriftlich beim Sektionschef des Wohnorts. Alle anderen schriftlich beim Kommando Log Br 1 Copyright: VBS, Bereich Verteidigung Internet: www.logistikbrigade.ch www.logistikbasis.ch



Das VT Bat 1 im Einsatz an der Eröffnung des Gotthard-Tunnels

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Achtung Hochstapler!

Reportage aus dem Schmalganglager

www.armee.ch

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Brigaderapport

Rapport der Logistikbrigade 1 in Lausanne

«Wir sind eine Einsatzarmee!» An seinem ersten Rapport als Brigadekommandant sprach Brigadier Thomas Süssli am Brigaderapport in Lausanne über aktuelle Themen. Hier Auszüge aus seiner Rede.

Fachoffizier Philipp Arnold, Journalistoffizier Logistikbrigade 1

Der Brigadekommandant über… … die weltpolitische Lage

«Wir leben in einer der spannendsten Zeit der Geschichte. Das gilt sowohl für die Chancen, als auch für die Risiken. Es ist eine VUCAWelt. Eine volatile, unsichere, komplexe und vieldeutige Welt. Bis in die 80er Jahre war die grösste sicherheitspolitische Bedrohung für die Schweiz eine grosse rote Kugel, die von Osten nach Westen über die Weltkarte gerollt wäre. Diese grosse Kugel ist zum Glück Ende der 80er Jahre zerbrochen. Im Hinblick auf eine offene und friedliche Welt wurden die Armeen abgebaut. Im Vergleich zu dieser

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einen, grossen, roten Kugel, sehen wir heute viele kleine Kugeln. Viele von denen rollen nicht mehr, sondern sie fliegen oder bewegen sich im Cyberspace. Nebst den sich täglich überschlagenden VUCA-Meldungen in den Medien, sehen wir auch immer mehr Bilder von Armeen im Einsatz. Gegen den Terror in Europa oder bei der Hilfe an die Bevölkerung bei Naturkatastrophen. Die Situation ist klar – wir sind eine Einsatzarmee geworden. Der Einsatz steht im Zentrum.» … Leistungserbringung auf Anhieb

«Die an Sie gestellten Erwartungen waren auch im letzten Jahr wieder hoch. Für die Erfüllung zahlreicher Einsätze wurde von Ihnen Leistung auf Anhieb gefordert. Diese Leistung musste nicht nur auf Anhieb sondern sogar auch aus dem Stand erbracht

werden. Stellen Sie sich eine zivile Firma mit rund 500 Mitarbeitern vor, die am Montag gegründet wird und bereits am Dienstag produktiv ist und zuverlässig Leistungen erbringt. Das würden nicht viele schaffen. Auf Anhieb Leistungen erbringen ist eine grosse Stärke unserer Milizarmee. Sie rücken in den WK oder einen Einsatz ein, sie organisieren und rüsten sich aus, und dann bilden sie sich aus, bevor sie ihre Tätigkeit aufnehmen. Die Milizarmee ermöglicht es, die Mittel und Fachspezialisten schnell einzusetzen.» … Positive Auftritte

«Positive Auftritte schaffen Vertrauen bei unser Bevölkerung. Um dieses Vertrauen zu wahren braucht es aber auch tadelloses Auftreten. Oder würden Sie sich in einem Flugzeug sicher fühlen,

Brigaderapport

«Positive Auftritte schaffen Vertrauen bei unser Bevölkerung. Um dieses Vertrauen zu wahren braucht es aber auch tadelloses Auftreten.»

in dem der Pilot schmuddelig aussieht und seine Uniform nachlässig trägt? Würden Sie sich von einem Arzt behandeln lassen, der ungepflegt ist? Oder haben Sie schon einmal einen Polizisten mit unkorrektem Tenue gesehen?»

Zahlen aus der Brigade • Einer von zwölf Flüchtlingen, die 2015 in die Schweiz kamen, wurde von der LogistikBereitschaftskompanie104 transportiert. • Die Angehörigen der Log Ber Kp 104 fuhren 26-mal um die Erde, ohne nennens­ werte Unfälle.

… Fehlerkultur und Nachbearbeitung

«Als ich selber noch Bataillonskommandant war, habe ich mich bei meiner Auftragsanalyse gefragt, was es denn braucht für diese Auftragserfüllung auf Anhieb. Es braucht die entsprechenden Fähigkeiten bei der Truppe. Es braucht gründliche Planung und Vorbereitung. Es braucht aber vor allem regelmässiges und anspruchsvolles Training im Verband. Wir müssen unseren Unterstellten in diesem Training auch die Möglichkeit geben, Fehler zu machen um aus diesen zu lernen. Das braucht Vertrauen und Mut. Aber das ist Fehlerkultur und macht uns besser. Fehlerkultur ist so mächtig, weil wir am nachhaltigsten aus Fehlern lernen. Und meistens wissen

• Die Leistung der Log Bat zu Gunsten der Logistikbasis der Armee entspricht ca. 120 Vollzeitstellen. • Die gesamte Transportmenge des VT-Bataillons und der Logistikbataillone entsprechen 110 Kampfpanzern Leo oder 605 I­VECO 4x4 Lastwagen. • Die 1’169 Tage von den Spitalbataillonen geleisteten Tage entsprechen ca. 250 Vollzeit Pflegehelfern für alle vier Bataillone.

«Was wir alle brauchen, ist der Sinn, das Warum, das Verständnis des eigenen Beitrages zum Ganzen.»

• Die vom Sanitäts-Logistikbataillon geleisteten Stunden zu Gunsten der Armeeapotheke entsprechen zirka einer halben Million Franken Lohnkosten.

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Brigaderapport

«Wir leben in einer der spannendsten Zeit der Geschichte. Das gilt sowohl für die Chancen, als auch für die Risiken.»

wir ja selber am besten, was nicht gut ging. Aus Fehler lernen muss nach jedem Einsatz und nach jeder Übung systematisch erfolgen. Der Nachbearbeitung kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Nur wenn wir systematisch auswerten, was wir beim nächsten Mal besser machen können, dafür Massnahmen definieren und diese konsequent umsetzen, machen wir Fortschritte und können gewinnen. … Kadergewinnung

«Wenn wir von der Armee sprechen, kommen uns Bilder von Waffen, Fahrzeugen, Flugzeugen, Geräten in den Sinn. Das ist nicht die Armee. Wir sind die Armee. Schweizer Bürger in Uniform. Es sind Menschen, die diese Geräte bewegen, die führen und planen. Für diese Aufgaben müssen wir jeweils die Besten motivieren und gewinnen können. Ich bin stolz, dass es uns auch dieses Jahr wieder gelungen ist, die Besten für neue Funktionen und Ämter zu finden.» … Erwartungen an die Armee

«Als Soldaten ist es nicht unsere Verantwortung darüber zu urteilen, wie wahrscheinlich ein Einsatz der Armee ist. Die Rollen sind klar verteilt. Wir unterstehen dem Primat der Politik. Wir, die Armee, setzen uns nicht selber ein und drängen uns nicht auf. Werden wir aber eingesetzt, sind die Erwartungen unserer Bevölkerung an uns hoch. Wenn wir aufgeboten werden, sind Krise oder Katastrophe schon da. Krisen und Katastrophen gibt keine Vorwarn- oder Aufwuchszeit. Übrigens auch bei Kriegen nicht mehr. Aus der Taktik wissen wir, dass die Reserve ausgelöst wird, um eine Entscheidung herbeizuführen. Die Armee ist die sicherheitspolitische Reserve der Schweiz. Wenn wir ausgelöst werden, sind die zivilen Mittel mit grösster Wahrscheinlichkeit erschöpft oder deren Durchhaltefähigkeit gefährdet. Es wird von uns erwartet, dass wir rasch Wirkung erzielen. Wirkung in Schutz oder Hilfe unserer Bevölkerung. Die Erkenntnis liegt auf der Hand: Wir sind eine Einsatzarmee!» … ausserordentliche Einsätze

«Es ist ein Denkfehler, sich lediglich auf den Normalfall vorzubereiten. Wir müssen vielseitige Einsätze flexibel leisten können. Die Armee kommt zum Einsatz, wenn die zivilen Mittel nicht mehr ausreichen, im ausserordentlichen Fall. Die Bewältigung genau dieser Lagen ist eine Kernkompetenz der Armee. Es geht darum, unser Handwerk auch in schwierigen Situationen auszuüben. Wenn nötig sogar unter Einsatz unseres Lebens.» … die Sinn-Frage

«Schweizer Soldaten sehen keinen Sinn in der Armee.» Schlagzeilen wie diese sind

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Brigaderapport

«Nur wenn wir systematisch auswerten, was wir beim nächsten Mal besser machen können, dafür Massnahmen definieren und diese konsequent umsetzen, machen wir Fortschritte und können gewinnen.»

schmerzhaft. Der fehlende Sinn ist ein Problem, welches mir Sorgen bereitet. Auf einem meinen Besuchen letztes Jahr bei der Truppe fragte ich einen unseren Soldaten auf der Wache, was denn sein Auftrag sei. Er antwortete mir, er müsse diesen Eingang bewachen. Ich sagte ihm, «Das sehe ich», und fragte, ihn warum er diesen Eingang bewachen müsse. Er wusste es nicht. Er wusste nicht warum, er wusste nicht, auf was er besonders acht geben muss, was die Bedrohung ist. Und das Schlimmste: Er wusste nicht, was der Sinn ist. Und das unmittelbar nach den Brandanschlägen von Hinwil. Was wir alle brauchen, ist der Sinn, das Warum, das Verständnis des eigenen

Beitrages zum Ganzen. Und für alle Chefs gilt: Wer Leistung will, muss Sinn geben!» … den Ausblick 2016

«2016 wird anspruchsvoll. Die Dynamik geht weiter. Genauso wenig wir die Annektion der Krim, den sogenannten Islamischen Staat, den Terrorismus in Europa oder die grossen Flüchtlingsströme vorausgesehen haben, wird auch 2016 ein Vuca-Jahr. Es wird auch 2016 wieder zu Terroranschlägen kommen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass uns einige davon nahe kommen. Das Klima wird sich weiter verändern und Menschen die Lebensgrundlage entziehen. Das sind keine hellseherischen Voraussagen, sondern eine

realistische Erwartung in dieser Vuca-Welt. Wir hoffen das Beste und rechnen mit dem Schlimmsten.» n Der Brigaderapport Der Jahresrapport der Logistikbrigade 1 fand am 22. Januar 2016 im Swiss Tech Convention Center in Ecublens VD statt. Dabei begrüsste der Kommandant der Logistikbrigade 1, ­Brigadier Thomas Süssli rund 800 Teilnehmer. Neben Brigadier Süssli referierten auch Divisionär Thomas Kaiser Chef L ­ ogistikbasis der A ­ rmee zu den Erwartungen an die Logistikbrigade 1 und Korpskommandant André ­Blattmann, Chef der Armee, zu den aktuellen Herausforderungen der Armee.

Bilder: Zentrum Elektronische Medien (ZEM)

«Es ist ein Denkfehler, sich lediglich auf den Normalfall vorzubereiten. Wir müssen vielseitige Einsätze flexibel leisten können.»

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VT Bat 1

GOTTARDO 2016

Ein Mega-Event rund um den Weltrekord-Tunnel Die Verkehrskompanie 1 des Verkehrs- und Transportbataillon 1 unterstützt die grosse Eröffnungsfeier des Gotthard Basistunnels am nördlichen und südlichen Portal.

Major Roger Büchler, Presse- und Informationsoffizier Verkehrs- und Transportbataillon 1

Das Verkehrs- und Transportbataillon 1 (VT Bat 1) ist ein wichtiges Bataillon für das gesamte Einsatzspektrum. Zur Übung der Einsatzart unterstützt es alleine in diesem Jahr zahlreiche Volksfeste wie Gottardo 2016, Tour de Suisse sowie das Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und Co anreisen

Pünktlich am 1. Juni 2016 wurde der neue Gotthard Basistunnel durch die schweizerischen Bundesbahnen und viele Teilnehmer aus der classe politique eröffnet. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen lief diese Feier, auch dank des unermüdlichen Einsatzes aller Helfer, reibungslos ab. Der Dank gilt auch der Verkehrskompanie 1 die ihr Können einmal mehr unter Beweis stellte und einen super Einsatz leistete. «Der Auftrag ist dann erfüllt, wenn unsere Auftraggeber zufrieden sind. In diesem Fall die Kantonspolizeien Uri und Tessin und im entferntesten Sinne alle bekannten und weniger bekannten Besucher an eben diesem historischen Mittwoch», sagte Hauptmann Diego Heinen, Kommandant der Verkehrskompanie 1. Es reisten zahlreiche Staatschefs und offizielle Vertreter der Wirtschaft und Politik aus dem Inund Ausland an. Die Verkehrssoldaten zeigten sich für den Verkehrsfluss sowie die Einweisung auf die zugewiesenen Plätze verantwortlich. Flexibel im Einsatz auch für die breite Masse am Wochenende

Der Tag begann früh. Tagwache war um vier Uhr mit anschliessendem Frühstück und Verschiebung in die Einsatzräume. Nach kurzer Befehlsausgabe durch die Kantonspolizei wurden die definierten Posten bezogen und betrieben. Die Heerscharen von

Von Links: Küchenchef Wachtmeister W. Kuhn, Soldat H. Gimmi, Soldat. L. Hinder und Obergefreiter M. Keller

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Besuchern liessen nicht lange auf sich warten und reisten mit Bahn, Bus, Velo und Auto an die zahlreichen Standorte der Eröffnungszeremonien an. Für die Verkehrszüge waren die übertragenen Aufträge im üblichen Rahmen und so zeigten alle Beteiligten eine solide Leistung. Dank dem mobilen Reserve-Element konnten Engpässe sehr rasch und unkompliziert überbrückt werden. Für Wechsel im Rahmen der Verpflegung und Pausen wurde ebenfalls mit dem Reserve-Element gearbeitet und so konnten die Standorte problemlos ohne Unterbruch betrieben werden. Da im Norden sowie im Süden der Andrang im Individualverkehr nicht riesig war, hielt sich der Stressfaktor bei den Einsatzelementen auch tief. So konnte der Kontakt mit der Bevölkerung oder aber auch derjenige mit der Polizei in kurzen Gesprächen gepflegt werden. Die kleinen Biskuit-Portionen, die der Bevölkerung dabei abgegeben wurden, fanden grossen Anklang. Ein langer Tag

Dass es lange Tage werden wussten alle. Dass jedoch die Verkehrsführung über so lange Zeit auch körperlich müde macht, war spätestens nach dem ersten Einsatztag auch kein Geheimnis mehr. Gerade das wechselhafte Wetter mit Sonne, Wolken und teils leichtem Regen erforderte ständiges Anpassen an die Wetterlage. Die Rückreise aus dem Süden schlug dabei auch nochmals mit rund einer Stunde zu Buche und so blieb nach der Rückkehr in die Unterkunft gerade genügend Zeit für einen geregelten Dienstbetrieb. Gleich im Anschluss an Verpflegung, Retablierung und Dusche fanden die müden Knochen die nötige Ruhe um auch den folgenden Tag ausgeruht in Angriff zu nehmen. Ein kulinarischer Gruss aus der Küche

Damit die Soldaten und Kader rund um das Festgelände einen guten Job machen können, braucht es auch das Dienst-

Soldaten der Vrk Kp 1/1 bei der Ablösung auf der Nordseite

VT Bat 1

personal im Rückwärtigen. Die Möglichkeit mit dem Küchenpersonal zu sprechen und einen Einblick in deren Arbeitswelt zu erhalten rundet das Bild des Einsatzes ab. Auf dem Menüplan für Freitag-Abend steht Rindsschmorbraten mit Gnocchi und Schmorgemüse. Als ich um halb fünf Uhr in der Küche eintreffe, finde ich eine motivierte Mannschaft in einer sehr angenehmen Atmosphäre vor. Der Küchenchef mit seinen drei Truppenköchen steckt mitten in den Vorbereitungen für das Abendessen. Angesprochen auf die ordentliche Küche meint er locker: «Eine aufgeräumte Küche hat mit Hygiene zu tun und ist selbstverständlich.» Es brauche Durchsetzungsvermögen für eine ordentliche Küche. Aber ihm sei das sehr wichtig. Ebenfalls wird in dieser Küche darauf geachtet, dass es nach Möglichkeit dreimal Fleisch pro Tag gibt und sicher dreimal pro Woche ein Dessert angeboten wird. Die zivilen Berufsbilder die hier in der Küche arbeiten, könnten nicht besser passen. Das Team setzt sich aus einem Metzger und drei Köchen zusammen. Die Küchencrew, so erwähnten sie ganz stolz, haben auch die Schiessübung und den Marsch absolviert. Da das Miteinander mit der Kompanie sehr wichtig ist, trägt auch das Küchenteam, wo es kann, zur guten Laune bei. Dies kann mit einem spontanen Schoggiangebot oder aber mit einem feinen Dessert sein. Auch die Menuvariation hilft bei der Moral der Truppe. So kochte Wachtmeister Wolfgang Kuhn bereits einmal ein Weihnachtsmenu am 23. Dezember. Dieses setzte sich aus einer raffinierten Tannadelsuppe, einem Pferde Entrecote und Kartoffelgratin zusammen. Mit einem Tiramisu zum Dessert wurde das Menu abgerundet. Die Truppenköche Obergefreiter Mathias Keller, Soldat Lars Hinder, Soldat Herbert Gimmi und ihr Chef Wachtmeister Wolfgang Kuhn schnippeln weiter am Gemüse und bereiten damit den nächsten Leckerbissen zu.

Auch die Muse braucht ihren Platz

Nach dem sehr intensiven Dienstwochenende, welches ohne Zwischenfälle über die Bühne ging, durften sich alle über eine Tagwache jenseits von vier Uhr freuen. Der Montag sollte ganz im Zeichen der Erholung stehen und damit Verbunden ein ausgiebiges Frühstück, bei dem man sich etwas mehr Zeit nehmen konnte als üblich. Dies wurde von der Truppe sehr geschätzt und es nahmen sich alle Zeit für mehrere Gänge und abwechslungsreiche Gespräche während dem Frühstück. Die Küche liess sich dabei auch nicht lumpen, sondern tischte kalte und warme Speisen auf, sodass keiner zu kurz kahm. Da dies sicher nicht der letzte Einsatz im Rahmen der Unterstützung von Volksfesten für die Verkehrskompanie 1 war, erwarten alle weitere spannende Einsätze in den kommenden Jahren. Vorab jedoch übernehmen die restlichen Kompanien des Verkehrsund Transportbataillon 1 weitere Volksfeste wie die Tour de Suisse, das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest und Aufträge der Armee Transportkoordinationszentrale (ATKZ). n

Gute Laune auch bei den Kadern im Einsatz. Von Links: Ober­ wacht­meister M. Tanner, Oberwachtmeister D. Schneeberger, Wachtmeister D. Ingold und Oberwachtmeister M. Ortelli

Von Links: Soldat S. Schneuwly, M. Renggli und F. Jaun auf der Südseite im Rahmen der Verkehrsregelung

Soldat F. Hechenberger auf der Südseite im Einsatz (Vrk Kp 1/1)

Sdt S. Studer (links) und Obgfr S. Hediger im Einsatz auf der Südseite. Beide Vrk Kp 1/1

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VT Bat 1

Training ELTAM

Kommunikation ist das A und O Das Verkehrs- und Transportbataillon 1 überprüft seine Einsatzdoktrin im Simulator und zieht spannende Schlüsse die allgemein für den Einsatz von Verkehr und Transport gültig sind.

Major Roger Büchler, Presse- und Informationsoffizier Verkehrs- und Transportbataillon 1

Das Verkehrs- und Transportbataillon 1 (VT Bat 1) ist ein wichtiges Bataillon für das gesamte Einsatzspektrum. Damit dieses bei ausserordentlichen Ereignissen rasch agieren kann, zählt es zu den Bataillonen mit erhöhter Bereitschaft. Kommunikation als kritisches Element identifiziert

Anlässlich eines Verbandstrainings, welches letztes Jahr im Wiederholungskurs stattfand, wurden Punkte identifiziert, die für den Einsatz des VT Bat 1 wichtig sind und nicht optimal funktionierten. In der Übung wurde die Situation eines Erdbebens in Basel dargestellt. Das Verkehrs- und Transportbataillon 1 wurde zu Gunsten der zivilen Behörden als Sensoren der ersten Stunde eingesetzt. Dabei kristallisierte sich die Kommunikation als kritisches Element heraus. Das Fachwissen wie Fahrleistung, Kartenlesen und Funkdisziplin wurden dabei sehr gut ausgeführt. Es waren die Informationsinhalte und technische Schwierigkeiten mit dem Funksystem was auf allen Stufen zu schaffen machte. Da bei einem Einsatz der «Sensorik» die Kommunikation «Bottom-up» (von unten nach oben) sehr wichtig ist, machte man sich beim VT Bat 1 Gedanken über die Einsatzdoktrin im Allgemeinen.

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Übermittlungstechnik als kritischer Pfad

Die Funkmittel setzen sich im Etat des VT Bat 1 aus SE-x35 und SE-240 zusammen. Jedoch war es nicht möglich die Funkverbindung stabil aufrecht zu halten. Die Situation gestaltete sich schwierig. Man wollte die Resultate der Übung auswerten, konnte aufgrund der fehlenden Meldungen jedoch die Schemata nicht überprüfen. Das war ernüchternd. Dank der vielen Übungsgehilfen und der zusätzlichen Schiedsrichter aus den eigenen Reihen konnte das Übungsergebnis trotz allem beurteilt und die Schwerpunkte herausgeschält werden. Diese konzentrierten sich auf die Kommunikation im technischen und inhaltlichen Sinne, als auch der Form der Übermittlung. Im Bereich des Einsatzes der Funkmittel auf der technischen Ebene (installieren/konfigurieren) müssen Fachspezialisten aus den Kompanien und dem Stab die Geräte beherrschen und den technischen Einsatzrahmen kennen. Das ist Ausbildungssache. Jedoch sollte auch ein anderer Punkt beleuchtet werden: Es geht in diesem konkreten Szenario um rasche Informationsbeschaffung, damit zeitnah ein möglichst genaues Lagebild erstellt werden kann. Wenn also ein Motorradfahrer ein Funkgerät um die Brust geschnallt hat und den Helm trägt, muss er mindestens anhalten um einen Funkspruch abgeben zu können. Im schlimmsten Fall muss er dafür sogar den Helm abnehmen. Noch prekärer sieht es beim Empfangen von Funksprüchen aus. Die kann der Fahrer während der Fahrt kaum hören. Diese Tatsache stellt eine Herausforderung an das eingesetzte Material dar.

VT Bat 1

Was wäre wenn?

In den Wiederholungskursen unterstützt das VT Bat 1 mit dem Gros des Bataillons zivile Grossanlässe wie die Tour de Suisse, das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, das Eidgenössische Schützenfest und viele mehr. Dazu ist das VT Bat 1 in der Lage. Aber was wenn die Angehörigen des VT Bat 1 als Sensoren der ersten Stunde eingesetzt werden und Unterstützung zugunsten der zivilen Behörden leisten? Dann fehlt die Routine. Deshalb braucht es hierfür eine Anpassung der Einsatzdoktrin. Es müssen die Verhaltensmuster für Informationsbeschaffung und der Einsatz der Funkmittel geschult werden. Was wird wann gemeldet? (Meldeschema) Zwingend sind kurze Funksprüche mit den relevanten Informationen auf den Punkt gebracht. Und dies mit möglichst wenigen Funksprüchen. Es ist ein zeitliches Phänomen, dass heute Informationen sehr schnell und zeitnah weitergeleitet werden und für eine definierte Gruppe von Personen zur Verfügung stehen. Es sind die modernen Kommunikationsmittel, die diese rasant schnelle Informationsverbreitung ermöglichen. Doch wie schnell sind wir in der Lage die benötigten Informationen zu beschaffen, wenn wir nicht auf die Netze die wir heute täglich nutzen, zurückgreifen können? Da braucht es zuverlässige Funksysteme die dem Spezialisierungsgrad der Verkehr- und Transportformationen gerecht werden. Kurzum: Das VT Bat 1 beherrscht sein Handwerk. Jedoch müssen seine Angehörige die Informationsübermittlung im taktischen Rahmen auf geeigneten Systemen trainieren können. Dabei hilft der sehr realitätsnahe elektronische Taktiksimulator für mechanisierte Verbände (ELTAM, siehe Box). Technische Weiterentwicklung

Ein Blick in die Zukunft zeigt, wie die informationstechnische Ausrüstung des Soldaten im nächsten Schritt aussehen könnte: Helmkameras und integrierte Sprechgarnituren für Motorräder sowie Funksysteme für Lastwagen. Bereits heute werden moderne Systeme für andere Truppengattungen getestet. Diese beinhalten GPS, Sprechgarnituren, Infrarotsysteme sowie Kameras. Es ist sehr herausfordernd und aufwändig den technischen Kommunikationsbereich für ein Verkehr- und Transportbataillon zu evaluieren. Denn der Spezialisierungsgrad und gleichzeitig die Nische die dieses Bataillon belegt ist in der Schweizer Armee einmalig. Und dennoch muss sich das VT Bat 1 weiterentwickeln – in allen Belangen. Dafür setzen sich die Verantwortlichen ein. Fazit

Dass das VT Bat 1 seine Kernkompetenzen beherrscht, konnte das Bataillon bereits dutzende Male unter Beweis stellen, indem es viele zivile Grossanlässe unterstützt hat. Das VT Bat 1 will sich jedoch in folgenden Punkten verbessern: ELTAM: ein modernes Ausbildungsmittel: Der elektronischen Taktiksimulator für mechanisierte Verbände (ELTAM) ermöglicht, in einem computergenerierten Gelände von neu 1666 km2 Fläche beliebige Übungen durchzuführen. Die Übungen sind nicht fest vorgegeben, ihr Ablauf ergibt sich wie in Realität aus dem Verhalten der beübten Verbände. Ein kleiner Teil der «Objekte» besteht aus den realen Besatzungen in nachgebildeten Panzern und Schützenpanzern («bemannte Objekte»). Der Grossteil der «Objekte» ist unbemannt, d.h. computergeneriert und wird durch die Zugführer an multifunktionalen Bildschirmarbeitsplätzen computerunterstützt gesteuert. Mit dem elektronischen Taktiksimulator für mechanisierte Verbände hat die Armee ein modernes Ausbildungsmittel zur Schulung der Kommandanten und Stäbe aller mechanisierten Kampf-Bataillone und -Kompanien im Gefecht der verbundenen Waffen. Auch nach der Übergabe im Jahre 2002 an die Truppe wurde das System stetig weiterentwickelt und für den Simulationseinsatz verbessert. Weitere Informationen:

→→ http://www.he.admin.ch/internet/heer/de/home/themen/ ausbildungszentren/mazthun/simulatoren/eltam.html

• Kommunikation (Inhalt und Übermittlung) • Taktische Manöver der Chefs (Führungsausbildung / Befehlsrhythmus) • Kommandozug (analog Führungsstaffel) • Technische Ausrüstung Die Kommunikation respektive das befohlene Meldeschema muss bis auf Stufe Soldat verstanden und geübt werden. Jeder muss in der Lage sein ohne Probleme Informationen über die definierten Kanäle weiterzugeben. Da ein Soldat heute nur noch wenige Wiederholungskurse leistet, muss die Einsatzdoktrin stetig wiederholt werden. Das beginnt mit der Ausbildung in der Rekrutenschule und muss sich durch alle Kurse durchziehen. Nur so kann sichergestellt werden, dass auch die taktischen Manöver von hoher Qualität sind. Dasselbe gilt auch für die Chefs, die den Befehlsrhythmus trainieren müssen. Es ist für alle elementar, Fehler machen zu können und daraus zu lernen. Um die Kommunikation und die Führungsausbildung weiter zu fördern ist der Simulator ELTAM ein optimales Instrument und muss auch in Zukunft genutzt werden. Es gilt, die Einsatzdoktrin unseres Verbandes laufend zu überprüfen und wo nötig anzupassen. Bei den Simulationen stellte sich diesbezüglich auch heraus, dass die Kommandozüge analog einer Führungsstaffel auf der definierten Stufe triagieren. Welche Informationen müssen mit welcher Dringlichkeit zu welchem Zeitpunkt weitergeleitet werden. Diese Aufträge müssen zu Beginn genau definiert werden, damit die Kommandozüge in der Lage sind die Informationen korrekt zu filtern. Um in Zukunft die gewünschten Informationen zeitnah weitergeben zu können, muss die technische Ausrüstung überprüft und ausgerichtet an die Einsatzdoktrin angepasst werden. Dabei gilt es adaptive Lösungen zu entwickeln die angelehnt an die laufenden Beschaffungen einfach integriert werden können. n

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FDT 2016

Spit Bat 2

Die Ängste der Soldaten sind schnell verschwunden Einsätze wie diesen ermöglichen es den Soldaten, ihrem Militärdienst einen Sinn zu geben: Vom 18. bis zum 24. April 2016 wurden etwa hundert Soldaten des Spitalbataillons 2 in vier Neuenburger Spitälern und in einem Altersheim eingesetzt. Sie wurden dort durch ein professionelles Team unterstützt.

Fachoffizier Lucas Imhof, Presse- und Informationsoffizier Spitalbataillon 2

Nach mehreren Monaten sorgfältiger Vorbereitung zwischen der Direktion der Neuenburger Spitäler (HNE) und dem Stab des Spitalbataillons 2, das zum ersten Mal unter der Leitung des Oberstlt Denis Orange stand, rückten am 11. April mehr als 300 Soldaten in Moudon ein. Die erste Übung, an deren das ganze Bataillon teilnahm, war die Mobilma-

Die Fahnenübergabe im Ehrenhof des Schlosses Colombier.

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chung. Deren Zweck war, ein realitätsnahes Einrücken zu simulieren. Sobald die Soldaten auf den Waffenplatz Moudon angekommen waren, wurden sie zu verschiedenen Posten geschickt, um dort die Handhabung der persönlichen Waffe und die Zwangsmittel zu trainieren und zwar unter strahlender Sonne. Dann wurden die verschiedenen Fachausbildungen wiederholt, u.a. die Ausbildung des Sanitäts- und ABC-Dienstes. Nach der erfolgreichen Mobilmachung wurden die

Kompanien in ihre entsprechenden Unterkünfte im Neuenburgischen verschoben. Die Stabsübung «EPSON 2», die zum ersten Mal gleichzeitig mit der Mobilmachung stattfand, ermöglichte den Stabsoffizieren, eine realitätsnahe Mobilmachung zu erleben. Zuerst die Ausbildung, dann die Prüfung

Eine Woche vorher bereiteten sämtliche Offiziere und Unteroffiziere die Ankunft der Sol-

FDT 2016

daten vor. Es ging darum, die Ausbildungsposten in der geschützten Operationsstelle (GOPS) des Spitales Pourtalès in Neuenburg aufzustellen. Damit konnten die Soldaten als «Wiederholungsspritze» eine intensive Ausbildung bekommen, um nachher auf die verschiedenen Standorte der Neuenburger Spitäler eingesetzt werden zu können. Die Prüfung, die die Ausbildungswoche der Sanitätssoldaten abschloss, war nötig für den Einsatz bei echten Patienten. Überprüft wurde die Ausbildung sowohl von Kadern aus dem Spital als auch von Kadern aus dem Militär. Die hohe Erfolgsquote zeigte, wie motiviert die Soldaten des Spit Bat 2 waren, eine unvergessliche Erfahrung im Dienst des (öffentlichen) Gesundheitswesens zu erleben. Zu zweit mit einem Krankenpfleger

Mehr als neunzig Soldaten wurden in vier Spitälern und in einem Altersheim eingesetzt. Sie wurden dort durch ein professionelles Team unterstützt. Nachdem ihre Ängste aufgrund der Seriosität des Umfelds verschwunden waren, konnten die Soldaten

der Spitalkompanien 2/1 und 2/2 an der täglichen Arbeit der Pflegerinnen teilnehmen. Die Türen vieler Abteilungen wurden ihnen geöffnet, namentlich diejenige der internen Medizin, der Chirurgie, der Intensivpflege, der Dauerpflege, der Notfallstation und des Zentrums Therapie und Rehabilitation (auf französisch CTR). Hinter den Kulissen nahmen einige Soldaten der Stabskompanie verschiedenen Aufgaben wahr, die in ihrem Kompetenzbereich liegt, u.a. im Zentralmagazin, in der Küche, in der Verwaltung und in der Patientenbeförderung. Glaubwürdige Partner

Für das Spit Bat 2 war ein solcher Einsatz nicht Neuland. Schon im April 2015 gab es einen ähnlichen Einsatz. Mit diesem letzten Schritt belohnen sich die Soldaten für ihre geleistete Arbeit während der ganzen Dauer ihrer militärischen Karriere. Mit einem solchen echten Einsatz wird das Spit Bat 2 zu einem glaubwürdigen Partner, um bei Bedarf der Bevölkerung zu Hilfe zu kommen. Zudem ermöglichen diese Einsätze den

Die Übung SSI DUE Im Rahmen des Einsatzes an den Neuenburger Spitälern nahm die Truppe an der Übung «SSI DUE» in Moudon teil. Es ging darum, die Erfüllung eines anderen Auftrags des Spit Bat zu trainieren: die Installation und der Betrieb einer improvisierten Pflegestation. Damit konnten noch weitere Sachen geübt werden, u.a. die Koordination zwischen den Kompanien und dem Stab, welche ja der Schlüssel zur Effizienz des Bataillons darstellt.

Soldaten, ihrem Militärdienst einen Sinn zu geben. Es bleibt zwar noch viel Arbeit um alle Aufträge der Spit Bat erfüllen zu können. Es darf ja nichts als sicher betrachtet werden. Nach dieser neuen Erfahrung haben jedoch alle den Willen geäussert, an einem solchen Einsatz wieder teilzunehmen, sobald sich die Möglichkeit wieder ergibt. Die Standardübergabe im Ehrenhof des Schlosses Colombier schloss den WK 2016 ab. In seiner Rede kündigte der Bat Kdt an, dass der WK 2017 voraussichtlich im Kanton Wallis stattfinden wird. Dort warten auf ihn und seine Soldaten weitere Herausforderungen. n

Der Partnertag in der GOPS des Spitales Neuchâtel Pourtalès.

Der erste Posten beim Training der Mobilmachung.

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FDT 2016

Logistik Bataillon 101

Hoch hinauf Das Armeelogistikcenter in Hinwil besitzt seit April 2016 ein Schmalganglager. Dieses wurde im FDT 2016 durch eine Nachschub-Gruppe mit sechs Schmalganglager-Fahrer des Logistikbataillons 101 unterstützt. Die Reportage zeigt den Weg des Soldaten Philipp Schneider (21) vom Erhalt des Aufgebots, über die Mobilmachung und Sofortausbildung bis hin zu seiner Arbeit als Nachschubsoldat in der Führerkabine des Schmalganglager-Staplers.

Fachoffizier (Hptm) Remo Schraner, Presseund Informationsoffizier Logistikbataillon 101

«Damit der dreiwöchige Einsatz optimal vorbereitet werden konnte, musste ich am Freitag vor dem Kadervorkurs (KVK) für einen Tag im Armeelogistikcenter Hinwil für das Repetitorium Verkehr und Transport (VT) einrücken. Alle Fahrer unseres Bataillons mussten zeigen, dass sie die Fahrzeuge noch immer sicher und routiniert führen können. Grund dafür ist, dass auch AdA wie ich, die in ihrem zivilen Leben nicht mit Staplern oder anderen Fahrzeugen in Berührung kommen, nach einem militärischen Aufgebot in kürzester Zeit einsatzbereit sind. Dieses Repetitorium war Voraussetzung, um eine Woche später die Ausbildung zum Schmalganglager-Fahrer zu absolvieren. Diese wurde von der Schweizerischen Vereinigung für die Berufsbildung in der Logistik (SVBL) durchgeführt. Die SVBL ist eine zivile Organisation, die selbst Logistiker ausbildet. Da ich noch nie zuvor in einem Schmalganglager gearbeitet hatte, war dieser Kurs sehr spannend und lehrreich für mich und meine Kameraden. Wir Gabelstapler-Fahrer wurden zum Beispiel im Umgang mit Pannen geschult. So lernte ich, mich von elf Metern Höhe aus der steckengebliebenen Führerkabine abzuseilen. Ich hoffe wirklich, dass mir dies nie ausserhalb der Ausbildung passieren wird!

Vom Wareneingang her gelangt die Ware mittels Fördertechnik in das SGL. Bis zu elf Meter in die Höhe

Kurz zu den Staplern: Die sogenannten BTVector VCE150-Stapler sind für die Kommissionierung in grossen Höhen besonders gut geeignet. Denn sie besitzen eine erhöhte Kippstabilität, eine Tragfähigkeit von bis

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zu 1500 kg und eine Hubhöhe von rund elf Metern. Diese Fahrzeug-Eigenschaften sind unumgänglich für die Arbeit im Schmalganglager, in dem sich bis zu 12’000 Palletten in teilweise luftiger Höhe befinden. Da die beiden erwähnten Ausbildungen einen grossen, koordinativen Aufwand für die Schweizer Armee bedeutet, werden für die Arbeit im Schmalganglager AdA eingesetzt, welche ihre Wiederholungskurse noch vor sich haben und erst den ersten oder zweiten Dienst nach der Rekrutenschule leisten.

Einsatz! Bereit!

Noch am Einrückungstag wurden die Kompanien durch den Kommandanten des Logistikbataillons 101 befohlen und so konnten die Kompanie Kommandanten den Einsatz vorbereiten. So ging es also für mich und ein paar Kameraden in das Armeelogistikcenter (ALC) in Hinwil. Unsere Aufgabe war es, das zentralisierte Material verschiedener Truppenkörper, vom Schlafsack, über Geschirr, Bekleidung und Geräte, im Schmalganglager einzulagern.

Mobilmachung

Zusammen mit rund 400 weiteren Kameraden des Logistikbataillons 101 rückte ich am ersten Tag des Wiederholungskurses in Form einer Mobilmachung ein. Denn das Ziel des FDT 2016 war es, den Einsatz so realitätsnah wie möglich zu trainieren und sich gemäss den Vorgaben der Weiterentwicklung der Armee (WEA) vorzubereiten. Das Logistikbataillon 101 wird ab 2018 ein Mittel der ersten Stunde für die Armeeführung sein und ist somit eine Formation Miliz mit hoher Bereitschaft (MmhB). Dies bedeutete, dass beim Einrückungsort Identitätskontrollen und eine Sanitarische Eintritts-Musterungen (SEM) durchgeführt wurden. Zudem wurde die komplette persönliche Ausrüstung kontrolliert. Weiteres Material, das wir für den WK benötigen würden, sowie die Fahrzeuge wurden anschliessend gefasst und übernommen. Danach folgte die Sofortausbildung (SOFA) der momentan gültigen Bedrohungsstufe ALPHA: Das Wissen über das Verhalten als Teil der Wache wurde durch praktische Übungen aufgefrischt und der Umgang mit der persönlichen Waffe zuerst mit Manipulieren und anschliessend mit praktischen Schiessübungen geübt. Das alles passierte, noch bevor wir die militärische Unterkunft beziehen konnten. Nicht nur wir Soldaten wurden gefordert! Auch der Stab des Logistikbataillons 101 hatte alle Hände voll zu tun. Dieser plante parallel zu unserer Mobilmachung die logistischen Einsätze zu Gunsten der Logistikbasis der Armee (LBA). Das musste sehr schnell gehen, denn schon am zweiten Tag wurde mit der Standartenübernahme die Mobilmachung abgeschlossen.

Sdt Schneider mit Thomas Maurer, stv. Leiter des SGL. Die zivil-militärische Zusammenarbeit funktioniert! Die Ware wurde meist auf Palletten von den Aussenlagern mit Camions angeliefert und in der Abgabezone im oberen Geschoss des Schmalganglagers entgegen genommen. Dort wurde der Inhalt der Holzkisten genau durchgezählt, beschriftet und weitere Informationen in das elektronische System eingegeben. Über den Warenlift gelangte das Material dann in das untere Geschoss, in die Zone des Wareneingangs. Von hier wurde die jeweilige Palette mittels Fördertechnik in die grosse Halle des Schmalganglagers befördert (und umgekehrt beim Auslagern dann in den Warenausgang). Hier kam dann ich mit dem Schmalganglager-Stapler zum Zug: Ich scannte den auf der Palette aufgeklebten Strichcode ab, um auf dem Display in der Führerkabine sehen zu können, in welches Regal die Ware eingelagert

Rubriktitel

Nach dem Scannen zeigt das Display in der Führerkabine den genauen Ort für die Einlagerung an. werden muss. Um die Effizienz beim Ein- und Auslagern gewährleisten zu können, wurden die Kisten jeweils als schnell-, mittel- oder langsamdrehendes, sprich, in viel oder eher wenig benutztes Material eingestuft. Somit wurde der Einlagerungsort weiter vorne oder weiter hinten im Regal eingeplant. Ziel des FDT 2016

So sollte es möglich sein, dass in der Stosszeit während der Mobilmachung mehrere Hundert Palletten pro Tag von uns kommissioniert werden können. Denn bei einer Mobilmachung für den Einsatz müssen wir nach maximal 48 Stunden täglich zwei Truppenkörper für den Einsatz ausrüsten können. Das bedeutet, dass wir pro Verband rund 1’000 Paletten mit Material und die entsprechenden Fahrzeuge bereitstellen müssen. Das Logistikbataillon 101 in der Weiterentwicklung der Armee (WEA) wird zu einer Formation Miliz mit hoher Bereitschaft (MmhB) und muss das Erstellen der Einsatzbereitschaft der Armee in den FDT so effizient wie möglich trainieren können. Das Logistikbataillon 101 wird auch Dank der bereits heute absolvierten Ausbildung im Schmalganglager des ALC Hinwil bereit sein, wenn diese Weiterentwicklung der Armee ab 2018 umgesetzt wird. Die logistische Unterstützung in der Mobilmachung der weiteren MmhB Formationen ist unsere Pflicht und Aufgabe! Wir sind es, die den Einsatz für andere Verbände erst möglich machen! Wir machen das!

Ich bin froh, ein Nachschubsoldat des Logistikbataillons 101 zu sein. Denn die zivil-militärische Zusammenarbeit mit den Angestellten der Logistikbasis der Armee im Armeelogistikcenter Hinwil ist sehr bereichernd und ich bin davon überzeugt, dass wir vorbereitet sind – was auch immer kommen mag. Wir machen das!» n

Schmalganglager im ALC Hinwil mit den Staplern «BT-Vector VCE150».

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FDT 2016

San Log Bat 81

Zusammenarbeit mit Inselspital als Höhepunkt

Das Sanitätslogistik-Bataillon 81 (San Log Bat 81) hat in seinem FDT 2016 die Zusammenarbeit mit der Armeeapotheke weiter vertieft. In der besonderen Lage würde das einzige San Log Bat der Schweizer Armee die Truppen mit den Arzneimitteln versorgen, bei der Medikamentenproduktion helfen und – wenn nötig – die Zusammenarbeit mit zivilen Partnern aufbauen.

Presse- und Informationsoffizier (Hptm) Dan Schnider, San Log Bat 81

Die Armeeapotheke (AApot) in Ittigen bei Bern besitzt eine topmoderne Produktionsanlage und beschäftigt hochqualifiziertes Personal. Möglicherweise reichen aber im Ernstfall auch die besten Mitarbeitenden nicht mehr aus. Dann kommt das San Log Bat 81 zum Zug. Und um genau diese Zusammenarbeit ging es in der Übung ­EPSON / SAN am 28. und 29. April. In einer besonderen Lage müssen die Erzeugnisse von der AApot so rasch wie möglich zu den Logistikzentren der Schweiz gelangen, genauer gesagt nach Grolley, Thun, Othmarsingen, Hinwil und Monteceneri. Diese logistische Aufgabe übernimmt das San Log Bat. Im Rahmen der Übung wurde diese Distribution geübt und es zeigte sich, dass die Truppe für eine effiziente Auftragserfüllung mehr Fahrer und Fahrzeuge braucht. Weiter unterstützen die Angehörigen des San Log Bat 81 die Fachleute der AApot bei der Produktion. Auch dieser Teil wurde in der Übung eins zu eins durchgespielt. Die Armeeangehörigen produzierten dabei, was die AApot so kurz vor dem Sommer sowieso herstellt: Sonnencrème für die Truppe. In der Krise Köpfe kennen

Der dritte Auftrag der Übung war für Bataillonskommandant Oberstleutnant Kaj Mazenauer am spannendsten: Die Zusammenarbeit mit zivilen Partnern. Während vor zwei Jahren die Zusam-

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menarbeit mit der Firma Bichsel in Interlaken geprobt worden war, sassen diesmal die Fachleute der Spitalpharmazie des Inselspitals am Tisch gegenüber. Nach anfänglichen Unsicherheiten stellte sich bald ein gegenseitiges Vertrauen ein und die Spitalapotheke stellte – im theoretischen Übungsrahmen – dem San Log Bat die eigene Produktionsanlage während der Nacht zur Verfügung. Die Absprachen waren derart erfolgreich, dass nun versucht wird, in einer nächsten Phase tatsächlich Armeeangehörige im Inselspital Medikamente produzieren zu lassen. Diese Zusammenarbeit dürfte sich in einer Notlage bewähren: In der Krise Köpfe kennen. Durchwegs ein positives Fazit

Der Bataillonskommandant zeigte sich am Ende der Übung zufrieden. Er sei überzeugt, im Ernstfall mit seinem San Log Bat 81 bestehen zu können, so sein Fazit. Allerdings ist für ihn auch klar, dass das San Log Bat dringend mehr Personal brauche – vor allem Apotheker und Laboranten, aber auch alle anderen, die in dieser Form ihren Dienst absolvieren wollen. Auch der Übungsleiter, Brigadier Thomas Süssli, war zufrieden: So habe die ganze Truppe einen grossen Leistungswillen gezeigt, freute sich der Brigadekommandant. Als Nagel gab er der Bataillonsführung mit, künftig von Anfang an die eigene Durchhaltefähigkeit im Auge zu behalten. n

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Absprache mit Vertretern vom Inselspital Bern.

Die Soldaten bereiten sich für die Produktion vor.

Im improvisierten KP wird akribisch geplant.

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Logistikbataillon 52

FDT 2016

«Das Log Bat 52 wird mir fehlen» Oberstleutnant im Generalstab Dominik Winter führt bis Ende 2016 das Log Bat 52. In seinem zivilen Beruf verantwortet er das Krisenmanagement der Swisscom. Ein Rückblick über drei Jahre als Bataillonskommandanten der 52er.

Hauptmann Immanuel Wüthrich, Presse- und Informationsoffizier Log Bat 52

Oberstleutnant Winter wie würden Sie die vergangenen drei Jahre als

Momente, in denen mir jemand wie selbstverständlich unkompliziert und tatkräftig geholfen hat. Es ist der Macher-Geist im Log Bat 52, den ich auf allen Stufen erleben durfte.

Kommandant des Log Bat 52 in einem Satz zusammenfassen?

Intensiv, lehrreich, abwechslungsreich und viele tolle Begegnungen. Was war für Sie die grösste Herausforderung als Kommandant?

Das System «Armeelogistik» ist komplex. Und das Log Bat 52 ist mitten drin. Als Kommandant bin ich Bindeglied zwischen vielen verschiedenen Anspruchsgruppen. Jeder unserer Leistungsbezüger, unser Logistikcenter Othmarsingen, die LBA in Bern, die Armee als Ganzes, die Logistikbrigade 1 und natürlich alle Angehörigen unseres Bataillons haben berechtigterweise Bedürfnisse oder liefern Vorgaben. Diese unter einen Hut zu bringen, auch ausserhalb des eigentlichen Dienstes, war schon eine echte Herausforderung. Was war das prägendste Erlebnis?

Es gibt nicht das prägende Erlebnis, es gibt ganz viele. Es sind all diese

Was hat Sie an der Funktion des Bat Kdt gereizt?

Ich hatte das Gefühl, einen breiten Erfahrungsschatz aus meiner militärischen wie auch zivilen Tätigkeit mitzubringen. Ich wollte die grosse Herausforderung annehmen, diese Erfahrungen zu Gunsten einer besseren Armeelogistik aber auch eines besseren Diensterlebnisses für unsere Soldaten und Kader einzusetzen. Ich wollte als Chef meinen Teil beitragen und mitgestalten. Was sind Ihrer Meinung nach die wesentlichen Fähigkeiten die ein Stabsmitarbeiter in den Bat Stab mitbringen muss?

In erster Linie muss ein Stabsmitarbeiter vielseitig einsetzbar und ein ideenreicher und zuverlässiger Projektmitarbeiter sein. Erst in zweiter Priorität geht es um fachtechnische Kenntnisse, die ein Stabsmitarbeiter aber natürlich auch mitbringen muss. Was würden Sie jemanden sagen, der unentschlossen ist, weiterzumachen / eine Führungsfunktion in der Armee zu übernehmen? Lohnt sich das?

Es lohnt sich absolut. Man investiert viel, bekommt aber mindestens auch so viel zurück. Man erhält eine sehr direkte und echte Führungserfahrung, da wir hier mit Menschen arbeiten, die man motivieren und denen man den Sinn unserer Tätigkeit aufzeigen muss. Sie sind nicht immer freiwillig bei uns. Man lernt zu führen in einer grossen, komplexen Organisation, deren Führungsstil und Umgangston sich heute nicht mehr wirklich von einer zivilen Unternehmung unterscheidet. Und das in einem Umfeld, wo jeder offen und ehrlich Rückmeldungen gibt und falls nötig unterstützt, was heute leider in privaten Unternehmungen nicht immer der Fall ist. Wer in der Armee eine Führungsfunktion bekleidet, wurde speziell dafür ausgewählt und ausgebildet. Das merkt man, und davon kann man stark profitieren. Wie haben Sie sich menschlich verändert? Was hat Sie weitergebracht?

Ich habe die Gewissheit erhalten, dass man mit einem Team respektive Bataillon sehr viel erreichen kann. Und dass ich die Anforderungen, die an mich gestellt werden, nicht alle selbst erfüllen muss. Über die letzten drei Jahre bin ich ruhiger und abgeklärter geworden. Auch in der Rolle als Bat Kdt hatte man eine Lernkurve. Zu Beginn ist man angespannter, später weiss man wie es läuft. Das gibt Vertrauen. Was nehmen Sie zurück ins Zivile, aus Ihrer Führungserfahrung als Bataillonskommandanten?

In jedem Militärdienst wird mir wieder bewusst, wie wichtig ein klarer Auftrag ist. Es ist zu einfach und beinahe etwas unfair, einen Unterstellten quasi selber erahnen zu lassen, was von ihm erwartet

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Logistikbataillon 52

wird. Ich gehe leider davon aus, dass wir alle solche vagen Aufträge aber nur zu gut kennen. Wir pflegen in der Schweizer Armee auch eine sehr direkte Feedback-Kultur. Und man traut sich auch eher über das persönliche Verhalten zu sprechen, was im Geschäftsleben weniger der Fall ist. Der Fokus liegt da oft sehr stark auf der Sachebene, oft fehlt das Bewusstsein, dass sich ein Mitarbeiter auch weiterentwickeln soll, und dazu geführt, gecoacht und motiviert werden muss. Wie hat Ihnen Ihre militärische Funktion und Ausbildung im Zivilen geholfen?

Ohne meine Ausbildung als Berufs- und Generalstabsoffizier hätte ich meine heutige Stelle als Leiter Krisenmanagement der Swisscom nicht. Ich brauche für meine Arbeit genau die Prozesse und Fähigkeiten, die ich mir in der Armee angeeignet habe. Im beruflichen Umfeld treffe ich zudem oft auf Leute aus der Bundes- oder Kantonsverwaltungen, aus Sicherheitsorganisationen und der Armee. Da hilft einerseits der Rang, aber auch die Erfahrung, das Netzwerk und die gemeinsame Sprache. Die Organisation, Ausbildung, Abläufe und Terminologie sind sehr ähnlich. Die Generalstabsausbildung hilft mir zudem beim Planen und Umsetzen von all meinem Projekten. Wie hat sich die militärische Führung seit Ihrer Zeit als Rekrut in der Armee 95 aus Ihrer Sicht verändert?

Als ich in die RS ging, hatte noch kaum jemand ein Handy, ein Jahr später hatten bereits die meisten eines. Die ganze Planung und Befehlsgebung war starrer, aber auch durchdachter. Schnellschüsse waren viel seltener. Heute ist auch die militärische Führung oft getaktet durch E-Mail und WhatsApp. Dies hat Vor- und Nachteile. Die Digitalisierung macht auch vieles möglich, was früher nicht denkbar war. Ich finde es sehr wichtig, dass wir als Armee solche Strömungen aufnehmen und in Prozesse integrieren, um einerseits glaubwürdig zu bleiben, andererseits die Leute nicht zu verlieren, die ganz natürlich damit aufwachsen. Ich glaube aber, dass sich die menschenorientierte Führung nicht verändert hat. Bereits in meiner RS wurde ich sehr respektvoll und fördernd behandelt und ich denke das ist heute noch so. Unser Respekt vor dem Kader war früher allerdings grösser, das war aber überall in der Gesellschaft so. Eine Grundautorität «von Amtes wegen» gibt es heute weniger. Als Chef muss ich heute noch viel stärker vorangehen, überzeugen, motivieren und erklären, um anerkannt zu werden. Das macht auch Spass! Was werden Sie vermissen wenn Sie nicht mehr dem Log Bat 52 vorstehen?

Die Leute des Log Bat 52 werden mir fehlen, ich fand ganz gute Kameraden mit welchen es eine Freude war gemeinsam eine ausserordentliche Leistung zu erbringen. Das wird mir fehlen. Ich hatte einen gut durchmischten Stab und Kompaniekommandanten, mit unterschiedlichen Charakteren. Das hat sich super ergänzt und ergab

etwas, was mehr war als die Summe der Einzelnen. Das Gefühl, Kommandant zu sein, werde ich auch vermissen. Es ist gleichzeitig eine Bürde, Ehre, aber meistens auch Freude, Chef von so einer grossen Einheit zu sein. Ich habe «meinen Laden» sehr gern, er wird mir fehlen. Und zum Abschluss: Was empfehlen Sie dem neuen Bat Kommandanten?

Das Log Bat 52 ist bereit. Und es läuft gut. Es lebt aber auch davon, immer wieder neue Impulse zu erhalten. Ich empfehle meinem Nachfolger, offen auf die Aufgabe und unsere Leute zuzugehen. Ich würde mir ein Bild machen, zuhören und analysieren. Dann aber auch nicht zu lange warten, seine eigenen Vorstellungen und Ziele einzubringen und dem Bataillon seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Es gibt immer etwas zu verbessern. n

Herr Oberstleutnant, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Interviews Bat Stab

Sich vorstellen und danke sagen Dies war das Ziel des Kdt FU Bat 15, Oberstlt i Gst Plüss an der U FAMILIA zum Abschluss der zweiten WK Woche. «Ich will den Angehörigen meines Bataillons die Möglichkeit geben uns zu besuchen, aufzeigen was Ihre Väter, Ehemänner, Brüder oder Söhne hier machen, aber auch vor allem Danken für die Unterstützung zu Hause und das entgegengebrachte Vertrauen.» Die einzelnen Interviews aus den rund 160 Besucher in den Kompanien und im Stab sollen einen kleinen Einblick in den gelungenen Anlass ermöglichen. Major Marc Geyer (Bat Kdt Stv), Soldat Amadeo Colonnello

Der S2 des Bat an seinem letzten Tag im FU Bat 15 (Wechsel zum MND), Maj Rainer Marti mit seiner Frau Keily Cristina und dem Kdt des Bat, Oberstlt i Gst Dominique Plüss

«Ich hätte gerne meinen Beitrag geleistet» Michael, was ist es für ein Gefühl beim ehemaligen Stab zu sein?

Heimelig! Es hat mich gefreut dass ich eingeladen wurde und es ist interessant die alten und neuen Gesichter im Stab zu sehen. Vermisst du den Militärdienst?

Jein. Einerseits wenn ich sehe was das Bataillon leistet, hätte ich gerne meinen Beitrag dazu geleistet. Andererseits geniesse ich es auch die Zeit mit meiner Familie verbringen zu können Was hat dir jeweils am besten gefallen während deiner Militärdienst?

Eindeutig die Übungen mit dem ganzen Bat, wenn die Leute alle im Einsatz waren. Ich hatte es am liebsten, wenn Action angesagt war. Hättest du dir einen solchen Anlass in deiner aktiven Zeit auch gewünscht?

Wir hatten damals ja bereits auch sogenannte Öffentlichkeitsanlässe. Finde es aber sehr gut etwas in diesem Kreise zu machen, dies fördert das Verständnis für die Tätigkeit im Militärdienst bei den Angehörigen. n

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Der aktuelle Ber Of des Stabes, Hptm Christian Durrer mit seiner Tochter Malea und seinem Vorgänger, Hptm Michael Egli

Interviews Bat Stab

Bilder: Major Marc Geyer

«Ich kann mir Zeit nehmen für die Familie»

Hptm Simon Gasser in seinem achten und letzten WK als VT Of des Stabes mit seinen Söhnen Jon und Carl

Was ist es für ein Gefühl im letzten WK?

Ich merke wie es langsam zur Routine wird. Zudem wird für mich die Herausforderung mit der Abwesenheit von vier Wochen einerseits im eigenen Unternehmen und andererseits natürlich von der Familie zunehmend grösser.

Standartenabgabe, hier kann ich mir auch wirklich Zeit nehmen für die Familie und einen kleinen Einblick gewähren, was während den vier Wochen im Dienst meine Aufgaben sind. Eine Frage an deine Frau Rebekka. Wie gross ist dein Verständnis wenn dein Mann vier Wochen im Dienst ist?

Wirst du den Militärdienst vermissen?

Sicher vermissen werde ich den Umgang mit den schweren Fahrzeugen. So lachte stets mein Herz als VT Of, wenn die Motorengeräusche der Lastwagen aufheulten oder die Führungsstaffel mit den Verkehrssoldaten und Panzer ausgelöst wurden und verzugslos verschieben konnten. Zudem war es immer schön zu sehen, dass die Aktionen welche geplant wurden, auch entsprechend 1:1 umgesetzt werden konnten und schlussendlich auch funktionierten. Was ist es für ein Gefühl wenn du die Familie hier im WK empfangen kannst?

Natürlich ein schönes Gefühl. Es ist mal etwas anderes als an einer

Ich denke es ist eine Sache der Einstellung. Einerseits bedingt es eine gewisse Organisation mit den Kindern, da ich auch noch arbeite, andererseits ist die Freude gross wenn er am Freitagabend oder Samstagmorgen zufrieden nach Hause kommt. Wie findest du den Anlass?

Es ist interessant und spannend das Umfeld kennenzulernen in dem er sich während dieser Zeit bewegt. Zudem freuten sich die Kinder schon während der ganzen Anfahrt und fragten ständig nach Ihrem Papi. Eine rundum gelungene Sache. n

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Interviews HQ Kp 15/1

«Family Day» – Besuchstag der HQ Kp 15/1 – 29. April 2016

Das Militär – Einblicke in eine völlig neue Welt

Die Mutter ist Stolz Wie ist das für Sie, wenn Ihr Sohn 4 Wochen im Jahr weg ist und im Militär seinen Dienst leistet?

Mittlerweile merke ich das nicht mehr so, da er ja nicht mehr zu Hause wohnt. In der RS war es jedoch schon speziell, ich musste mich zuerst daran gewöhnen. Aber es war eine gute Vorbereitung darauf, dass er mal ganz auszieht. Mittlerweile bin ich natürlich sehr stolz, dass er Offizier geworden ist.

Bild: Soldat Amadeo Colonnello

Münsingen. Dieses Jahr glänzte die HQ Kompanie 15/1 aus dem FU Bat 15 mit einem exklusiven Einblick in den Alltag des Schweizer Militärs. Besucher aus der ganzen Schweiz begleiteten ihre Liebsten im Dienst durch die Anlagen, während ihnen Soldaten und Kader an den einzelnen Posten Rede und Antwort standen. Das ganze Gelände war Ausgestellt mit funktionstüchtigen Richtstrahl- und Funkanlagen, Lastwagen und Transportfahrzeuge sowie auch dem neusten FIS Heer Equipment, um nur einige Highlights zu erwähnen. Die Besucher waren fasziniert und überrascht zu gleich. Was sie über diesen Tag, die technischen Mittel oder das Schweizer Militär im Allgemeinen denken, erfuhren wir in aufschlussreichen Interviews – lesen Sie selbst!

Bild: Soldat Amadeo Colonnello

Franziska Brand aus dem Kanton Bern

Der Vater hat keine Ahnung Ist das, was Sie heute hier erleben neu für Sie?

Ja, ehrlich gesagt wusste ich gar nicht wirklich, was mein Sohn im Militär eigentlich genau macht. Wir waren in der Offiziersschule in Frauenfeld damals schon zu Besuch, aber dass es hier mehr um die Fahrzeuge und die Übermittlung im Feld geht ist wirklich was neues, ich wusste nicht, dass es sowas in dieser Form überhaupt gibt. Familie Van dem Boezem aus dem Kanton Bern

Was haben Sie vom heutigen Tag erwartet?

Dass es nicht regnet (lacht). Nein, dass ich mal einen Einblick in das Militärleben erhalte, was Ihr den ganzen Tag macht, wie das alles aussieht und organisiert ist. Ich bin sehr positiv überrascht, ich hätte nicht erwartet, dass man so eine Gelegenheit erhält, die verschiedenen Räume betreten zu dürfen, sogar die Duschen und Schlafräume. Auch die FIS Heer Fahrzeuge haben mich sehr fasziniert, ich wusste nicht, dass es möglich ist, die ganze Technik inklusive Stromversorgung einfach mitzunehmen und mobil aufzubauen. Von daher sind meine Erwartungen übertroffen. Finden Sie das Militär bzw. die WK’s als Aussenstehende sinnvoll?

Sinnvoll… Schwer zu sagen, ich weiss ja nicht, was ihr in diesen 4 Wochen macht, aber das wird wohl schon gut sein. Nein ich finde es grundsätzlich gut, dass man diese Zeit opfert und sich militärisch für das Land einsetzt. Ich finde am Militär vor allem schön, dass Werte wie Kameradschaft, Teamfähigkeit und die Sozialkompetenz sehr gefördert werden, von daher wird das sicher sinnvoll sein, sowohl militärisch als auch auf menschlicher Ebene. Xenia Colonnello aus dem Kanton Baselland

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Bild: Soldat Amadeo Colonnello

Die Schwester ist fasziniert

Der Vater denkt zurück Haben Sie den Eindruck, das Militär ist für junge Männer heutzutage attraktiv?

Absolut, ich bin der Meinung, das ist eine gute Sache und die Schweiz braucht das Militär. Erst recht, wenn ich an meine eigene Militärzeit zurück denke. Es soll aber für die, die das Militär machen, interessant sein, und bis jetzt habe ich noch keinen mit einem langen Gesicht gesehen… Und auch seine Funktion mit den Richtstrahl-Anlagen sieht sehr interessant aus, das ist für mich auch neu. Was man aber immer wieder hört, sei eine schlechte Organisation mit vielen Leerläufen und Wartezeiten, aber das kann ich nicht beurteilen. Wir hatten früher immer ein fixes Programm: Ich war in der Festungsartillerie. Einrücken – Bereitmachen – Schiessen, da lief wirklich noch einiges in den WK’s.

Bild: Soldat Amadeo Colonnello

Interviews HQ Kp 15/1:

Christoph Tofaute aus dem Kanton Nidwalden

Ist es schlimm für Sie, wenn Ihr Partner 3 Wochen im WK ist?

Nein nein, das soll er nur machen… Wir wohnen zwar noch nicht zusammen, und ich sehe Ihn halt wirklich nur am Wochenende, anstatt auch mal zwischen durch wie sonst. Ich höre zwar ab und zu was von ihm, aber ich merke schon wie es zu Hause deutlich ruhiger ist als sonst.

Bild: Soldat Amadeo Colonnello

Die Freundin hat ihre Ruhe

Wissen Sie, was seine Aufgabe im Militär ist, und was er den ganzen Tag so macht?

Ja, ein bisschen Töffli fahren! Aber zu Hause macht er das ja auch, von daher denke ich, dass ihm das Spass macht – und das verstehe ich. Ich fahre zwar selbst nicht Motorrad, aber setze mich gerne hin und wieder bei ihm auf den Rücksitz. Nina Walker aus dem Kanton Uri

Soldat Marquez leistet im April 2016 seinen ersten WK im FU Bat 15. Er war während den Übungen zuständig für die Aufrechterhaltung der Funkverbindung im Panzer 002 im Fhr St Zug. Am Besuchstag wurde er von seinem Vater Francisco besucht. Dieser empfand den Tag als sehr aufschlussreich und interessant. Er bekam einen guten Einblick in die Funktion seines Sohnes als Führungsstaffelsoldat. Der gebürtige Spanier sieht die Armee als wichtiges Element für den Schutz und die Sicherheit der Schweiz.

Bild: Wm Forlin

In ihrem ersten WK führte Lt Luzia Reber den Tm Unstel Zug. Am Besuchstag des FU Bat 15 erhielt sie Besuch von zwei Freunden. Beide sind aktive Milizoffiziere (Oblt Hollenstein und Oblt Lüdin) bei der Infanterie Fhr St. Interessant war für sie am Besuchstag, eine Führungsstaffelkompanie aus Sicht einer Zivilperson wahrzunehmen. Ihrer Meinung nach war der Nachmittag sehr interessant und informativ. Beide würden es begrüssen in ihrer eigenen Kompanie ebenfalls solche Öffentlichkeitsanlässe durchzuführen. Mit solchen Anlässen kann man das Militär der Zivilbevölkerung näher bringen.

Bild: Wm Zimmermann

Bild: Oblt Althaus

Interviews Fhr St Kp 15/2:

Wachmeister Zimmermann erhielt Besuch von seiner Freundin Svenja. Zum Besuchstag meinte sie, dass ein solcher Anlass das Verständnis der Bevölkerung für die Armee fördere. Der war für sie sehr interessant und aufschlussreich. Besonders beeindruckt hat sie die moderne Einrichtung der FIS HE Panzer. Mitleid mit den Soldaten bekam sie, als sie die Schutzweste anprobieren durfte. Die Weste war ihr ein bisschen zu schwer. Während den vier Wochen WK vermisst Svenja ihren Freund doch ab und an. Allerdings sei die Freude umso grösser, wenn er an den Wochenende wieder zurückkommt. Sie würde es sehr begrüssen, auch nächstes Jahr wieder an einem Besuchstag teilzunehmen. armee.ch  Logistikbrigade 1  1 / 16

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Kolumne

Waidmannsheil Der Stolz und die Zukunft der Schweizer Armee, das sind nicht Flieger, Panzer, Duros oder Panzerfäuste, es sind die jungen strammen Rekrutinnen und Rekruten, welche auf den Waffenplätzen in der Schweiz ihre Grundausbildung absolvieren. Liest man vielerorts, bei den jungen natürlich in den sogenannten sozialen Medien, wie «unsexy» anscheinend Militär sein soll, ist es dann ziemlich erstaunlich, wenn man den aufgebrüsteten Soldaten und Kadern im Ausgang zuhört. Themen wie «heisse Wagen», «Frauen» und heutzutage natürlich auch «Männer» und die «heroischen Erlebnisse im Ausgang» werden in gekonnt ausgeschmückten Schilderungen weitergegeben. Irgendwann wird es ernster und die jungen Damen und Herren lassen die Ausbildung der letzten Woche revuepassieren. Auch hier gilt, wer nicht noch besser ausschmücken kann, als die Vorredner, sagt lieber gar nichts. Fasziniert erzählen sie sich, welche Verantwortung sie für das Land übernehmen dürfen, mit welchen Gerätschaften und Waffen sie arbeiten durften und welche Ziele sie erreicht haben. Dabei entschwindet der jugendliche Leichtsinn und trotz der wohl etwas überspitzten Darstellungen wird klar, es geht hier um weit mehr, als um belanglose Geschichten. Es geht darum, den Anforderungen zu genügen. Während dem Abend kommt natürlich auch das für mich äusserst zwiespältige Thema, die Schiessausbildung, auf den Tisch oder besser in die Tischrunde. Stehend oder liegend, in der Box oder im Stand? Fragen, welche ab einem gewissen Alter, insbesondere bei schlechter Witterung relevanter erscheinen, stelle ich fest, den Jungen ist dies völlig egal. Je komplexer und herausfordernder die Ausbildung, desto besser. Sie sehen in der Ausbildung nämlich den Sinn. Es geht darum, bereit zu sein, wenn unser Land uns braucht. Der Schiessleiter, dargestellt als der äusserst korrekte und stets auf Sicherheit bedachte «Drillinstructor», bekommt dann hin und wieder sein Fett weg. Niemand hinterfrag aber sein grundsätzliches Verhalten, denn es ist wichtig, dass er seinen Job so macht, wie er ihn macht. Schliesslich geht es um die Sicherheit aller. In diesem Moment klickt hinter meinem geistigen Auge der «Hammer» und ich sehe mich und meine Kameraden im Wiederholungskurs bei der Schiessausbildung. Der Startschuss für meinen Gedankenausflug ist gegeben – gerade heute, durften nämlich auch wir wieder einmal in den Schiessstand. In den Stand – ich betone dies, weil für mich, gerade bei dem aktuell kaltnassen Wetter, die Relevanz dieses Umstandes eben doch zugenommen hat. Natürlich behalte ich das aber für mich, will doch nicht als Weichei dargestellt werden. Feldschiessen war angesagt. Obwohl auch wir damals gedrillt wurden, ist es jeweils wieder ein langes Jahr her, seit dem letzten Schiessen. Die Waffe wird ausgestossen, die Sicherheitsvorschriften repetiert und dann frage ich mich, was mach ich hier bloss? Schiessen ist nicht mein Ding. Die ersten drei Einzelschüsse verzogen. Was soll ich heute Abend beim gemeinsamen Schlummertrunk wohl erzählen? Das könnte blamabel werden. Dann die Rettung, «auch ein blindes Huhn findet ab und an ein Korn» – und in meinem Fall zum Glück auch ein Visier. Neuner, Neuner, Neuner, Zehner, Zehner und plusminus so weiter. Das war knapp, denn selbst mein Kameraden nebenan, welcher bisher absolut nichts, als das Grün Feld hinter den Schiessscheiben getroffenen hat, hat dieses Mal getupft. Der Schiessausbilder hat ihn sich letztes Jahr bilateral vorgeknüpft. Grandios, was dabei herausgeholt wurde. Dann kribbelt es plötzlich jeweils aufs Neue wieder. Der Ehrgeiz hat mich also gepackt und steigt über mein Schiessdesinteresse. Liegt eventuell eine Auszeichnung drin oder gar ein Kranz? Die Realität ist dann schön brutal. Kranz um einen Punkt verpasst. Wenn ich dann daheim bin, verschweige ich dies und werde mich damit brüsten, dass ich eine Auszeichnung geschossen habe.

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Vom «Kurzhaarschnitttisch» wende ich mich wieder ab und folge erneut dem Gespräch am «Grauhaartisch» und siehe da, «Gesundheit», «Familie», «Kinder» und «Beruf» sind hier die dominierenden Themen. Aber und da staune selbst ich, das mehr oder weniger erfolgreiche Wettschiessen von heute wird zelebriert. Auszeichnungen, Kränze und natürlich nicht minder blumigen Äusserungen zu den Schüssen, welche nicht auf der Scheibe gelandet sind. Spannend, welche Gründe für das persönliche Versagen angebracht werden können. Vögel oder Bienen habe zumindest ich keine Gesehen; wäre ja speziell, bei dem wie gesagt eher trüben und kalten Wetter. Wenn man die Situation mit etwas Distanz beobachtet, macht ein vergleich in der Zeitblende dann wirklich Spass. Das Ziel war und bleibt für alle immer das Gleiche: Die Armee verfolgt den Grundauftrag, die Einsatzbereitschaft zu erstellen und zu erhalten. Die Soldaten und Rekruten wollen im Verband gut, beziehungsweise nicht allzuschlecht dastehen und unter dem Strich wollen alle das gleiche. Zielen, schiessen und treffen und dafür nach Möglichkeit noch bewundert werden. Wenn es dafür nicht reicht, wird es möglichst schöngeschwiegen oder todgeredet. Somit besteht also weiterhin gute Hoffnung für die Zukunft der Schweizer Armee und für unser Land. Waidmannsdank

An dieser Stelle schildert ein anonymer Angehöriger unserer Brigade in regelmässiger Abfolge seine Eindrücke aus dem Dienst. Seine Mei­ nung muss nicht mit der Redaktion von armee.ch übereinstimmen.

4 Alpine Spitzenleistungen an der Patrouille des Glaciers

1 / 16 2 Der Armeechef zu seinem Rücktritt 6 Abwechslungsreiche Karriere in der Friedensförderung 10 Norwegische Rekruten in der Panzerschule Thun

Schreiben des Armeechefs zu seinem Rücktritt

«Die Begegnungen mit Armeeangehörigen aller Stufen sind ein Privileg» Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 23.03.16 meiner Ablösung als Chef der Armee per 01.01.17 zugestimmt. Danach werde ich dem Chef VBS bis zum 31.03.17 für besondere Aufgaben zur Verfügung stehen und anschliessend in den vorzeitigen Ruhestand übertreten. Für das über all die Jahre in mich gesetzte Vertrauen möchte ich meinen Chefs danken. Seit nunmehr 40 Jahren bin ich Angehöriger der Schweizer Armee. Ende 2016 sind es bereits 33 Jahre, in welchen ich als Berufsoffizier arbeiten konnte, über acht Jahre davon an der Spitze der Armee. Viele von Ihnen durfte ich während meinem jahrzehntelangen Wirken kennen und schätzen lernen. Zusammen haben wir viel erreicht. Für Ihren Beitrag auf diesem langen Weg, für Ihre Unterstützung, für Ihr Wohlwollen und das von Ihnen eingebrachte Herzblut zugunsten unseres gemeinsamen Anliegens danke ich Ihnen und Ihren Angehörigen aufrichtig. Im Jahr 1984 habe ich den Hptm Grad abverdient; seither durfte ich als Miliz- und Berufsoffizier in verschiedenen Funktionen Chef sein, habe viele Kommandanten unterschiedlicher Stufe ausbilden, begleiten, unterstützen oder führen dürfen. Die meisten Kontakte waren und sind bereichernd. Ja, das ganz grosse Privileg das ich geniessen durfte und darf, ist das Zusammenarbeiten mit Kommandanten und Chefs, Kadern, Soldaten und Mitarbeitenden, die sich für unser Land und seine Bevölkerung einsetzen; überzeugt, glaubwürdig und kompetent. Für all das, was Sie als Armeeangehöriger unserer Milizarmee, engagiert, loyal und verantwortungsbewusst zum guten Gelingen und zur Erfüllung unseres Auftrages, aber auch zum feinen zwischenmenschlichen Austausch beigesteuert haben, danke ich Ihnen von ganzem Herzen. Der Zeitpunkt der Ablösung als Chef der Armee ist primär im Sinn der Sache zu sehen. Nach dem erfreulichen Abschluss der WEA-Beratungen in den Eidgenössischen Räten steht nun die mehrere Jahre dauernde Umsetzung bevor. Wer hierfür die Verantwortung trägt, muss selber Weichenstellungen, zum Beispiel im personellen Bereich, vornehmen können, und die Führung während einiger Jahre innehaben. Da bereits Mitte 2017 die ersten Kaderschulen nach dem neuen Modell durchgeführt werden, macht der Stabwechsel per 01.01.2017 Sinn. Zur WEA nur so viel:

Die heutige Lösung (Armee XXI mit Entwicklungsschritt 08/11) ist in allen Belangen, insbesondere der Bereitschaft, (Kader-) Ausbildung und (vollständige) Ausrüstung schlechter als die vom Parlament verabschiedete Lösung. Die tatsächlichen Bestände erlauben keine grössere Armee, ohne die Dienstleistenden noch zusätzlich zu belasten, und nur der beschlossene Finanzrahmen ermöglicht eine flexiblere Ausgabenpolitik mit erfreulichen Anreizen zum haushälterischen Umgang mit den Finanzmitteln. Wer der Armee oder der Sicherheit des Landes darüber hinaus Gutes tun will, sollte diese Fortschritte nicht gefährden.

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Bild: ZEM

Geschätzte Armeeangehörige; Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere

Der Zeitpunkt zur Ablösung des CdA ist aus meiner Sicht auch darum richtig gewählt, weil der Departementsvorsteher sich nun Zeit für die Wahl eines Nachfolgers nehmen kann. Zudem kann ich meine Erfahrung dieses Jahr weiterhin in drei wichtige Geschäfte einbringen und damit zu guten Voraussetzungen für die Zukunft der Schweizer Armee beitragen: – Bericht im Hinblick auf die Beschaffung eines Neuen Kampfflugzeuges (NKF); – Rüstungsplanung unter Nutzung des neulich gewährten Finanzierungsrahmens; – Vorbereitung und Führung allfälliger subsidiärer (Sicherungs-) Einsätze zugunsten der zivilen Behörden im Zusammenhang mit der Migration. Die Aufzählung der anstehenden Arbeiten ist nicht abschliessend. Aber gerade beim dritten Punkt erkennen Sie Ihre eigene Bedeutung für die Auftragserfüllung der Armee. Die aktuelle sicherheitspolitische Lage um die Schweiz lässt – ohne schwarz malen zu wollen – Einsätze der Armee näher kommen. Aufgrund nachrichtendienstlicher Erkenntnisse und der konkreten Entwicklung werden allfällige Anpassungen des Dienstleistungsplanes politisch entschieden werden müssen, damit die Bereitschaft der Armee gewährleistet ist. Wenn wir auf einen Einsatz verzichten können sind wir dankbar. Wenn es uns braucht, werden wir den Auftrag erfüllen. Oder anders gesagt: Die Armee braucht die Unterstützung von Ihnen und Ihrem Verband, und ich danke Ihnen dafür. Ich freue mich, Ihnen im Dienst oder bei anderer Gelegenheit zu begegnen.

Mit den allerbesten Wünschen für Sie persönlich und freundlichen Grüssen Ihr CHEF DER ARMEE Korpskommandant André Blattmann

Neues Kartendarstellungssystem der Armee

«Albireo», das Tor zur Geoinformationswelt Das bekannte Kartendarstellungssystem der Armee, «PCMap swissline», ist in die Jahre gekommen. Im Rahmen des Projektes GeoInfo Verteidigung wurde die Kartenapplikation auf den neuesten Stand bei Technik und Design gebracht. «Albireo» wird ab Sommer 2016 zur Verfügung stehen.

Michael Lanini, Mil Geo Offizier Verteidigung

Das neue Produkt heisst Kartendarstellungssystem (KADAS) Albireo. Albireo steht dabei für einen Doppelstern im Sternzeichen Schwan, welcher eine wichtige Bedeutung in der Himmels-Navigation besitzt. Zu den Neuheiten zählen eine intuitive Benutzeroberfläche, die einfache Einbindung von Geodiensten aus der Nutzungsplattform der Militärischen Geodaten-Infrastruktur sowie uneingeschränkte Interoperabilität mit anderen Führungsinformationssystemen der Armee. Für die neue Benutzeroberfläche wurde ein Ribbon-Konzept übernommen, welches an die gängigen Office-Werkzeuge erinnert und damit eine gewohnte Einordnung der Funktionalitäten ermöglicht. Bei der Umsetzung des Konzepts wurde grosser Wert auf Ergonomie, Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit gelegt.

Das 3D-Darstellungsmodul …

Interoperabel mit anderen Systemen

Das KADAS Albireo ermöglicht den Zugriff auf ein sehr breites Angebot an standardisierten Geodiensten und Geodaten. Es orientiert sich dabei eng an map.geo.admin.ch, den Angeboten des Geoportals des Bundes. Natürlich funktioniert «Albireo» auch offline, was eine grosse Flexibilität bei Einsätzen ohne Netzwerkverbindung sicherstellt, und zwar im In- und Ausland. Dank der Integration von Symbolen und taktischen Zeichen gemäss Reglement 52.002.03 verfügt das KADAS Albireo über die Möglichkeit, Lageinformationen mit anderen Führungsinformationssysteme der Armee wie beispielsweise FABIS und FIS Heer auszutauschen. Damit können auch Angehörige der Armee, die keinen regelmässigen Zugriff auf die erwähnten Systemen haben, mit einem mächtigen Werkzeug ausgerüstet werden, welches die Vorbereitung von Einsätzen und Fortbildungsdiensten unterstützt. Offener Code ermöglicht Weiterentwicklung

Die Entwicklungsarbeiten wurden zusammen mit dem Bundesamt für Landestopografie und mit der Firma Sourcepole AG durchgeführt. Das KADAS Albireo baut auf dem Open Source Projekt Quantum GIS auf (www.qgis.org). «Albireo» kann dank sei-

… und das Lagedarstellungsmodul in der neuen Software. nes offenen Programmiercodes um weitere Anwendungen und Funktionen modular erweitert werden. Das öffnet ein breites Spektrum an Weiterentwicklungsmöglichkeiten. So können Fachfunktionalitäten als Plugins ohne grossen Aufwand integriert und damit die Anzahl an Speziallösungen im Bereich Verteidigung schrittweise reduziert werden. Dies führt zu deutlichen Vorteilen in der gemeinsamen Geodatenbewirtschaftung und bei der Sicherstellung des Prinzips «Operating off the same map», der Nutzung einheitlicher Kartendaten.

Das KADAS Albireo wird ab Sommer 2016 auf den meisten IKT-Plattformen der Armee sowie der militärischen Verwaltung zur Verfügung stehen. Ab Herbst 2016 ist eine Light-Version geplant, gedacht insbesondere für den Einsatz im Rahmen von Milizfunktionen. Im Zuge der Einführung sind zwar Multiplikatoren-Schulungen vorgesehen, jedoch ist die Bedienung des KADAS Albireo so intuitiv, dass der Einstieg insbesondere der jüngeren «Google (Maps)»-Generation keine Schwierigkeiten bereiten sollte.

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Patrouille des Glaciers

Trainingslager mit ausländischen Militärpatrouillen Die Patrouille des Glaciers zählte dieses Jahr mehr als 4700 Teilnehmer, darunter 1800 Militärs. Für die Betreuung der ausländischen Patrouillenteilnehmer ist der Bereich Internationale Beziehungen Heer zuständig. Er kümmert sich um die Formalitäten für die Einreise in die Schweiz, die Planung des Aufenthalts und die Anmeldung. Wir haben sie in Fiesch (Wallis) getroffen, zwischen Materialkontrolle und Informationsabend.

Letizia Paladino, Kommunikation Heer

Noch ist es nicht so weit, aber vor der Tür zur Materialkontrolle wartet schon eine lange Menschenschlange. «Wir bieten ausländischen Patrouillenmitgliedern die Möglichkeit, die Materialkontrolle direkt in Fiesch statt in Zermatt oder Evolène durchzuführen. Dadurch sparen sie sich unnötige Wege und gewinnen kostbare Zeit», erläutert Jean-Louis Hug, Chef Internationale Beziehungen und Chef des Lagers Fiesch. Die hier versammelten, hauptsächlich aus Europa stammenden Militärathleten wurden alle vom Heer eingeladen, sich auf die spektakuläre Patrouille des Glaciers einzulassen. «Um die Einladungen kümmert sich die Zelle Internationale Beziehungen. Zunächst kontaktieren wir die Streitkräfte unserer Nachbarländer und dann auch andere Nationen. Teilnehmen können auch Angehörige von Gendarmerie, Gebirgspolizei und Feuerwehr», erläutert Jean-Louis Hug. «Es wurden auch amerikanische Militärs eingeladen. Leider konnten sie keine Dreiergruppe

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aufstellen, sodass einer allein die Reise angetreten hat. Um diesem die Teilnahme zu ermöglichen, hat die Führung des Anlasses eigens das erste internationale Militärteam in der Geschichte der Patrouille des Glaciers ins Leben gerufen.» Unterkunft in einem ehemaligen Militärspital

Seit dem Jahr 2000 haben ausländische Militärpatrouilleure die Möglichkeit, zwecks Akklimatisierung an einem Trainingslager teilzunehmen. «Wir hatten schon sehr gut trainierte Athleten mit Höhenproblemen dabei, die bereits beim ersten Hügel aufgeben mussten», erinnern sich Oberstleutnant Pierre Vallat und Olivier Cingria, zwei Militärs der ersten Stunde, die bis heute mit dabei sind. «Damals waren die Bedingungen noch nicht so gut wie heute. Wir hatten nur etwa zwölf Teams aus fünf oder sechs Nationen.» Doch seitdem hat sich Einiges getan: dieses Jahr sind etwa vierzig internationale Militärpatrouillen der Einladung der Zelle Internationale Beziehungen gefolgt.

Die ausländischen Militärs freuen sich sehr, dabei zu sein. Sie sind im ehemaligen Militärspital von Fiesch untergebracht, das heute ein Sportzentrum und ein Feriendorf ist. «Wir könnten uns ein derartiges Angebot nicht erlauben, wenn wir keine Sondertarife aus der Zeit des Militärspitals hätten», fügt JeanLouis Hug hinzu. «Wir haben ein Team, das sich um Verwaltung und Logistik kümmert. Auch für täglich anfallende Probleme stehen wir zur Verfügung.» Die erste internationale Militärpatrouille der Geschichte

Etwas verloren steht Captain Matthew Hickey, Verantwortlicher für das Programm World Class Athlete, inmitten der Athleten und wartet darauf, dass jemand ihn über den weiteren Ablauf informiert. Die US-Armee konnte keine dreiköpfige Gruppe von Patrouilleuren aufstellen, so dass Hickey alleine in die Schweiz reiste. «Ski-Alpinismus ist bei uns keine sehr verbreitete Sportart. Es gibt bei uns schon Bergspezialisten, aber sie liefern sich keinen Wettkampf», erklärt Matthew

Französische, deutsche und österreichische Unterstützung für die Schweizer Armee Auf den Gipfeln sind die Gebirgsspezialisten der Schweizer Armee nicht allein im Einsatz. In diesem Jahr erhalten sie Unterstützung von etwa 30 Mitgliedern der 27. Gebirgsinfanteriebrigade der französischen Armee. Hinzu kommen gut 20 deutsche und 10 österreichische Militärs. Diese Zusammenarbeit hat Oberst Max Contesse, Kommandant der Patrouille des Glaciers, 2013 ins Leben gerufen. «Die Patrouille des Glaciers ist zweifellos eines der grössten Rennen dieser Art in den Alpen, aber militärisch gesehen stellt sie vor allem ein bedeutendes operationelles Engagement mit 5400 Wettkämpfenden dar, das über vier Tage im Gletschergebiet auf über 3500 Metern Höhe stattfindet», erläutert Major Jean-Cyrille Audouit, Stellvertreter des Offiziers für Kommunikation der 27. Gebirgsinfanteriebrigade. Die Gebirgsspezialisten stellen in Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee die Wegmarkierungen an den Posten Tête Blanche, Riedmatten und Tsena Réfien sicher und sind für Unterstützung, Sicherheit und medizinische Versorgung der Wettkämpfenden zuständig. Im Laufe der Patrouille des Glaciers wurden die unterstützenden ausländischen Militärs befragt. Alle zeigten sich zufrieden. «Die Zusammenarbeit mit den Angehörigen der Schweizer Armee funktioniert bestens. Unsere Soldaten sind sehr zufrieden mit dieser Partnerschaft, und diese Erfahrung ist für alle eine Bereicherung. Dabei können wir unser Know-how austauschen und für einen guten Verlauf der Veranstaltung sorgen», fasst ein Mitglied der 27. Gebirgsinfanteriebrigade der französischen Armee zusammen.

Hickey. «Ziel ist es, diese Disziplin in unserer Armee einzuführen, damit wir uns hier in den kommenden Jahren den grossen europäischen Nationen stellen können.» Damit sich Captain Matthew Hickey auf das Abenteuer einlassen konnte, hat die Organisation eine internationale Militärpatrouille geschaffen, eine Premiere in der Geschichte der Patrouille des Glaciers. «Ich freue mich sehr, gemeinsam mit Captain Melanie Birtwistle teilnehmen zu können. Wir kennen unser künftiges Mannschaftsmitglied zwar noch nicht, aber die Patrouille ist wieder eine Gelegenheit zu zeigen, wie wichtig Armeesport ist», sagt Hickey zufrieden. Und Melanie Birtwistle fügt hinzu: «Es ist mir eine Ehre, Mitglied dieser ersten internationalen Patrouille zu sein. Ich bin ziemlich aufgeregt, denn ich bin erst seit zwei Monaten mit dem Ski-Alpinismus vertraut. Normalerweise praktiziere ich Triathlon und Abfahrtski.» Aufgrund der schlechten Wetterlage mussten die Rennen A2 und Z2 abgesagt werden. Die ausländischen Patrouillen konnten nicht antreten.

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Rubriktitel

Der ungewöhnliche Werdegang eines Milizarmeeangehörigen

Von der nigerianischen Hühnerfarm in den Friedensförderungsdienst Oberleutnant Oliver Röthlisberger hat die Laufbahn in der militärischen Friedensförderung der Schweizer Armee eingeschlagen. Er ist derzeit als Hauskommandant in Bosnien und Herzegowina tätig und wird danach in der Humanitären Minenräumung im Südsudan arbeiten. Davor hatte er nach Abschluss seines Studiums während einigen Monaten eine Hühnerfarm in Nigeria aufgezogen.

Cornelia Mathias, Stv Chefin Kommunikation SWISSINT

«Orkan Lothar hat nicht nur die einheimischen Wälder, sondern die gesamte Forstwirtschaft durcheinander gewirbelt», erinnert sich der 34-jährige Oliver Röthlisberger an den Sturm von 1999 zurück. Weil der Markt daraufhin mit billigem Holz überflutet wurde, reagierte die Branche mit Stellenabbau. Der gelernte Forstwart arbeitete darauf für einige Zeit als Landschaftsgärtner, bevor er die Berufsmaturität erlangte. Durch sein besonderes Interesse an Lebensmitteln sowie deren Herstellung und Vermarktung beschloss er, im Anschluss Lebensmitteltechnologie mit der Vertiefung Betriebswirtschaft an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften zu studieren. Nach dem Bachelorstudium war Röthlisberger für einige Jahre bei einem Schweizer Grossverteiler, bevor er berufsbegleitend ein Masterstudium in Betriebswirtschaft an der Berner Fachhochschule absolvierte und sich für den Schritt ins Ausland entschied. Die Hühnerfarm in Nigeria

Während des Studiums kontaktierte Röthlisberger einen langjährigen Freund und ehemaligen Arbeitskollegen in Nigeria mit der Absicht, diesen zu besuchen. Sein Freund betrieb dort eine Hühnerfarm. Doch wie sich herausstellte, hatten eine Krankheit und unzuverlässige Angestellte dazu geführt, dass die Farm nicht mehr produzieren konnte. Als ausgebildeter Unternehmensentwickler mit viel Pro-

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jekterfahrung kribbelte es den Berner geradezu in den Fingern, die Farm wieder zum Leben zu erwecken. So reiste Röthlisberger nach sechsmonatiger Vorbereitung für fünf Monate nach Nigeria, wo er sein «Hühner-Patenschaft-Projekt» erfolgreich umsetzte. Nach der Rückkehr in die Schweiz absolvierte Röthlisberger den dreiwöchigen Einführungskurs für Friedensfördernde Missionen am Kompetenzzentrum SWISSINT in Stans. Zwei Jahre zuvor war durch die Tätigkeit im Offiziersverein der Berner Fachhochschule der Kontakt zu den Internationalen Beziehungen Verteidigung (IBV) entstanden, worauf die Bewerbung für den Einsatz in der Humanitären Minenräumung folgte. Da aber dieser Einsatz erst im folgenden Jahr stattfinden sollte, bot SWISSINT Röthlisberger die Chance eines Einsatzes als Hauskommandant in Bosnien-Herzegowina. Erste Erfahrungen in der militärischen Friedensförderung

Nach der Rekrutierung am Kompetenzzentrum SWISSINT wurde er während zehn Wochen auf seinen ersten friedensfördernden Einsatz der Schweizer Armee ausgebildet. Seit knapp einem halben Jahr ist er nun als Hauskommandant in Bosnien und Herzegowina im Einsatz. Oberleutnant Röthlisberger führt mit viel Geschick ein LOT (Liaison and Observation Team) mit acht Armeeangehörigen. Und im Anschluss an diesen Einsatz wird er nun einen einjährigen Einsatz im Bereich der Humanitären Minenräumung für das Kompetenzzentrum SWISSINT im Südsudan leisten. Danach

So schützen Sie sich vor Zecken Zecken können Bakterien und Viren übertragen. Eine virale Erkrankung ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Breitet sich das Virus aus, so kann es zu einer Hirnhautentzündung kommen. Der militärärztliche Dienst zeigt Massnahmen auf, um sich vor Zeckenbissen zu schützen und empfiehlt, sich gegen FSME impfen zu lassen.

Ardian Jakupi, Kommunikation LBA

Bambus: Stabil und dennoch flexibel

«Mein Grossvater hat mich gelehrt, Dinge zu hinterfragen und auch einmal einen unkonventionellen Weg zu gehen.» So sei sein Grossvater sein grösster Förderer in seiner beruflichen und persönlichen Entwicklung gewesen. Röthlisberger ist überzeugt, dass er eines Tages alle seine Kompetenzen früherer Tätigkeiten zusammenführen kann. Dabei bleibt er offen, ob das im zivilen oder im militärischen Aufgabengebiet sein wird. «Der Orkan Lothar hat mich 1999 gelehrt, dass Starres bricht. Bambus hingegen neigt sich und richtet sich dann wieder auf.» Er sei sehr stabil und belastbar, könne aber nachgeben. Was für moderne Organisationen gilt, spielt auch für Privatpersonen eine grosse Rolle und ist entscheidend für langfristigen Erfolg.

Das Zeckenmerkblatt des Militärärztlichen Dienstes ist auf der Webseite der Logistikbasis abrufbar:

→→ http://www.lba.admin.ch/internet/lba/de/home/themen/sanit/ Organisation/milit.html Nützliche Informationen zu Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden, bietet das Labor Spiez auf seiner Webseite an:

→→ http://www.labor-spiez.ch/de/the/bs/dethebsnrzk.htm Bild: Bundesamt für Gesundheit (BAG)

kann sich der Berner auch vorstellen, den UNO-Militärbeobachter Kurs in Stans zu absolvieren, um für einen weiteren friedensfördernden Einsatz als Militärbeobachter tätig zu sein.

In den letzten acht bis zehn Jahren hat die Zahl der Zeckenenzephalitis oder «Frühsommer-Meningoenzephalitis» Fälle in der Schweiz deutlich zugenommen. Wie der Name schon sagt, besteht die höchste Gefahr sich das Virus einzufangen, ab Frühsommer, dauert aber bis September. Bei 5–15% der infizierten Personen kann das FSMEVirus zu einer Hirnhautentzündung führen. Bei Erkrankungen mit schwerem Verlauf können allenfalls Restschäden bleiben. Gute Schuhe und körperbedeckende, anliegende Kleidung sind gute Voraussetzungen, um Zeckenbissen vorzubeugen. Besonders in der Nordostschweiz sollte man den Körper nach einem Aufenthalt im Wald systematisch nach Zecken absuchen. Auch sollte eine Impfung gegen FSME in Betracht gezogen werden. Bei Militärangehörigen im Dienst ist die Impfung kostenlos und wird in der Regel während der Rekrutenschule durchgeführt. Später ist die Krankenabteilung aufzusuchen, welche die Notwendigkeit der Impfung prüft. Zivile Personen können sich über den eigenen Hausarzt informieren und impfen lassen. Insgesamt erfolgt die Impfung in drei Injektionen, welche einen Langzeitschutz von zehn Jahren gewährleisten.

Stand 2016: Gebiete mit FSME-Impfempfehlung Weitere Tipps zur Vorbeugung von Zeckenbissen: • • • •

Gute Schuhe und gut abschliessende Kleidung Meiden von Unterholz Schutzmittel für die Haut und Insektizide für die Kleider Nach einem Aufenthalt im Wald Körper und Kleidung auf Zecken untersuchen • Haustiere (z. B. Hunde, Katzen oder Pferde) ebenfalls auf Zecken absuchen

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Trio für Rio In Rio de Janeiro kämpfen die Schweizer Athletinnen und Athleten vom 5. bis 21. August an den Olympischen Sommerspielen um Medaillen und Diplome. Darunter werden sich einige befinden, die von der Spitzensportförderung der Armee profitieren und während Trainingslagern die Infrastruktur des nationalen Sportzentrums Magglingen und des Jugendsportzentrums in Tenero nutzen. Letizia Paladino, Kommunikation Heer

Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS begleitet sein «Trio für Rio» (bestehend aus Zeitmilitär-Spitzensportlern und Sportsoldaten) in einer Serie auf

dem Weg an die Olympischen Spiele. Wir berichten regelmässig darüber, wie sich die Mountainbikerin Jolanda Neff, der Rad-Bahnvierer und die Ruderer des Leichtgewichts-Vierer-ohne auf Rio vorbereiten.

Jolanda Neff: «Wie es in Rio ausgeht, werden wir sehen» Ein Bruch des linken Mittelhandknochens hat im Dezember das Programm der zweifachen Mountainbike-Weltcup-Gesamtsiegerin Jolanda Neff durcheinander gebracht. Die 23-jährige Zeitmilitär-Spitzensportlerin ist im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro, wo sie Starts auf der Strasse und im Mountainbike vorsieht, trotzdem zuversichtlich.

Kurt Henauer, Kommunikation BASPO

Jolanda Neff absolvierte die Spitzensport-RS 3/12. Das bezeichnet die St. Galler Rheintalerin heute als Glücksfall. «Mit Linda Indergand und Katrin Stirnemann waren wir drei Frauen aus der gleichen Sportart, das war genial», blickt sie heute auf die Zeit in Lyss und Magglingen zurück. Heute schätzt sie die jährlich sechs Wochen Spitzensport-WK: «Wir können im In- und Ausland zusammen trainieren und machen viele Super-Trainings». Spitzensportförderung der Armee In der Spitzensport-RS gefiel Jolanda Neff, die mit sechs Jahren zum ersten Mal auf einem Mountainbike gesessen war, auch der Einblick in die anderen Sportarten. Selber betätigte sie sich ebenfalls sportlich vielseitig. So frönte sie sechs Jahre der Gymnastik, «und mit der Familie sind wir viel beim Skifahren, Snowboarden, Wandern und Langlaufen unterwegs gewesen.» Dank ihren Erfolgen und ihrem Potential in der Disziplin Cross-Country im Mountainbike-Sport wurde Jolanda Neff nach der Spitzensport-RS als Zeitmilitär-Spitzensportlerin ausgewählt. «Auch das war für mich ein Glücksfall, und es freut mich, dass ich die Schweiz so vertreten darf», sagt sie zu dem Privileg, eine von 18 Athletinnen und Athleten zu sein, die von dieser Förderung der Armee profitieren können. Das sei für sie als junge Athletin ein Zeichen gewesen, dass man auf sie setze und zähle. «Es ist neben der finanziellen Unterstützung eine Bestätigung, dass man das Richtige macht, das gibt Mut», sagt Neff, die es gut findet, dass auch Frauen unterstützt werden. Der Trainingssturz In diesem Winter verliefen Training und Wettkämpfe von Jolanda Neff nicht ganz so, wie sie es sich vorgestellt hatte. Im Training brach sie sich den linken Mittelhandknochen, und konnte nicht wie geplant Radquerrennen bestreiten. Unlängst im Trainingslager auf Gran Canaria musste sie auf dem Rennvelo deshalb etwas improvisieren. «Abwärts bin ich halt einhändig gefahren und habe nur hinten gebremst», sagt sie mit einer Selbstverständlichkeit. Das Rennrad-Fahren auf der Strasse gehört bei ihr zum Training wie ab und zu das Kurven auf der Bahn im Velodrome in Grenchen, wo sie bei der inoffiziellen Omnium-SM mit vier Disziplinen die Beste war. Umgang mit der Favoritenrolle Für das olympische Mountainbikerennen wird Jolanda Neff in der Öffentlichkeit als Favoritin betrachtet und gilt als grosse Medaillenhoffnung. Sie lässt sich deswegen nicht unter Druck setzen. «Mein erstes Ziel ist es, gesund zu werden. Dazu muss ich mir genug Zeit lassen und mir klar machen, dass es Zeit braucht», so Neff, die zuversichtlich ist, dass sie an die früheren Resultate wird anknüpfen können. «Und wie es in Rio ausgeht, werden wir dann sehen.

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Rudern: «Wir brennen auf Revanche!» Mit dem leichten Vierer-ohne wollen die Ruder-Weltmeister von 2015 an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro ihr bestes Rennen abliefern und Revanche nehmen für den 5. Platz an den Spielen 2012 in London, wie Mario Gyr und Simon Schürch im Interview sagen. Marco Zwahlen, Kommunikation VBS

Zum Saisonbeginn habt ihr in der Heimat eures Trainers Ian Wright, im neuseeländischen Sommer verbracht. Wie sieht die Vorbereitung aus? Simon Schürch: Die Tage in Neuseeland waren vollgepackt mit harten Trainings auf dem Ergometer, im Kraftraum, auf dem Rennvelo und natürlich auf dem Wasser im Vierer- und Zweier-ohne, wo wir uns in wechselnden Kombinationen gegenseitig nichts schenkten und uns gegenseitig forderten. Die Tage waren dementsprechend lang und unsere Körper schrieen nach Erholung, doch unser Trainer pflegte jeweils zu sagen «Ich weiss, dass ihr müde seid, absolut ausgepumpt und am Boden. Aber ich will, dass ihr bis an dem Tag am Boden bleibt, bis es dann wirklich zählt» Nach der letzten Saison haben wir die Gewissheit und das Vertrauen, dass sein hartes Trainingssystem funktioniert, auch wenn wir körperlich jeweils absolut erschöpft sind. Es ist ein stahlhartes, mentales Spiel, doch die Passion für unseren Sport und unser gemeinsames Ziel in Rio, motivieren uns die Trainings durchzustehen. Das Vierer-Team sitzt sprichwörtlich im selben Boot… Mario Gyr: Rudern ist der ultimative Teamsport. Man gewinnt zusammen, man verliert aber auch zusammen. Als Athlet in einem Viererteam sind meine Träume und Ziele in anderen Händen und ihre Träume liegen in meinen Händen. Wenn sich jemand verletzt oder ausfällt, dann nehmen unsere Reise und unsere Ziele ein abruptes Ende. Jeder Einzelne unseres Vierers hat also nicht nur für sich selber eine Verantwortung, sondern auch eine Verantwortung gegenüber den anderen drei Teammitgliedern und dem Trainer.

tionieren als Gesamtteam zusammenkommen. Man kämpft und misst sich den ganzen Winter hindurch gegen seine eigenen Teamkollegen. Dann aber muss man in der Saison im Frühling und Sommer wieder als eine Einheit in der Crew zusammenkommen, um als Team gegen die anderen Nationen um Edelmetall zu kämpfen. Es ist also nicht immer ganz einfach, wenn man als Endziel den Gewinn einer Medaille an Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen mit seinen Teamkameraden anstrebt, auf dem Weg dazu allerdings in kleinen Zwischenzielen zuerst auch gegeneinander fahren muss. Ihr seid also nicht nur Freunde, sondern auch Gegner? Mario Gyr: In diesem Sinne ja. Rein mental gesehen sind das grössere Herausforderungen als sich mancher von aussen vorstellen mag. Denn man trainiert Tag für Tag, Woche für Woche mit den gleichen Leuten auf dem gleichen See miteinander, isst am selben Tisch, schläft unzählige Nächte im gleichen Zimmer und kämpft während sechs Monaten um einen Platz im Boot und sobald wir selektioniert sind, sitzen wir zusammen im gleichen Boot, sind also nicht mehr Gegner sondern Teamkameraden und haben nur ein Ziel: Das Boot gemeinsam so schnell wie möglich zu machen, und dies geht nur als eine Einheit und ein Team. Welche Ziele setzt sich das Team für die olympischen Spiele? Mario Gyr: Die Olympischen Spiele 2016 in Rio werden unsere zweiten Olympischen Spiele sein und nach unserer bitteren Erfahrung mit dem 5. Platz in London 2012 brennen wir auf Revanche. Es gibt keine Entschuldigungen, wir wollen zeigen was wir wirklich können und am Tag X unser bestes Ruderrennen auspacken. Hierfür trainieren wir so hart und smart wie wir nur können.

Gleichzeitig traniert ihr aber im Zweier-ohne mit- aber auch gegeneinander. Was bedeutet diese Konkurrenzsituation? Mario Gyr: Rudern ist insofern eine spezielle Sportart weil die Balance und das Zusammenspiel zwischen individueller Leistungsfähigkeit und dem Funk-

Bahnvierer: «Wir können mehr vollbringen, als nur an den Olympischen Spielen teilzunehmen» Das Schweizer Team war bereit für die Weltmeisterschaften im Bahnradfahren vom 2. bis 6. März in London. Die Athleten in der Verfolgung haben im Rahmen des Wiederholungskurses der Spitzensportler der Armee trainiert, um vor dem ersten grossen Tag der Saison an den letzten Details zu feilen. Die Hauptprobe für die Olympischen Spiele in Rio ist jedoch missglückt: Das Team ist an der WM bereits in den Qualifikation ausgeschieden.

Letizia Paladino, Kommunikation Heer

Wenige Tage vor Beginn der Rad-Bahn-Weltmeisterschaft in London zeigten sich Silvan Dillier, Frank Pasche, Olivier Beer (alle Sportsoldaten) und Théry Schir bei einem Trainingsbesuch zuversichtlich. «Die Weltmeisterschaft ist die letzte grosse Probe vor den Spielen im August», erklärt Frank Pasche (RS 1/2014). «Im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Rio ist es wichtig, konzentriert zu bleiben und nicht alles ändern zu wollen.» Stephan Küng, amtierender Weltmeister, lässt die WM aus, um sich hundertprozentig vom Pfeifferschen Drüsenfieber (Mononukleose) zu erholen. Optimale Voraussetzungen Dank den Wiederholungskursen für Spitzensportler der Armee kann das Schweizer Team im Velodrome in Grenchen trainieren und gleichzeitig von der Infrastruktur der Armee in Magglingen profitieren. «Die Voraussetzungen sind fast perfekt. Wir können von der Infrastruktur, der Verpflegung und der Unterkunft in Magglingen profitieren und auf der nur 30 Fahrminuten entfernten Bahn in Grenchen trainieren», meint Silvan Dillier (RS 1/2011) erfreut. «Die Diensttage, die wir bei der Armee leisten, sind eine Gelegenheit, um uns für die wichtigen Termine vorzubereiten.»

Nach den Weltmeisterschaften in Grossbritannien werden die Athleten alle drei Wochen für einige Tage zusammenkommen, um an der Technik und der optimalen Abstimmung im Team zu feilen. «Die Armee glaubte als erste an unser Projekt. Dank den Wiederholungskursen, können sich die jungen Athleten öfter treffen. Dadurch können wir verhindern, bei null anfangen zu müssen», freut sich Daniel Gisiger, Bahnradsport-Nationaltrainer. Eine auf Rio de Janeiro orientierte Saison Eine Berufskarriere im Strassenradsport verträgt sich nicht unbedingt mit einer Karriere im Bahnradsport. Bei der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele müssen einige Bahnradsportler ihre verschiedenen Verpflichtungen miteinander vereinbaren. «Ich habe gerade einen Vertrag mit einem Schweizer Continental Team unterschrieben und konnte arrangieren, dass ich bis zu den Olympischen Spielen den Schwerpunkt auf das Bahnradfahren legen kann. Ich werde mich erst nach den Spielen auf den Strassenradsport konzentrieren», erklärt Frank Pasche. Olivier Beer (RS 1/2014), der zu den Schweizer Elitesportlern gehört, freut sich über seine Rückkehr auf die Bahn. «Im Oktober bin ich in Kolumbien schwer gestürzt und musste mein Fahrrad einen Monat lang beiseite stellen. Das Comeback ist schwierig, aber ich bin zufrieden mit meiner aktuellen Form, dass ich dabei sein und mein Bestes geben kann.»

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Norwegische Rekruten in der Panzer-RS Während der letzten Winter-RS wurden an der Panzerschule 22 in Thun Rekruten in ungewöhnlichen Uniformen ausgebildet. Fünf Angehörige der norwegischen Armee haben sich zu ihren Schweizer Kameraden gesellt, um mit ihnen zusammen die RS als Panzerbesatzung zu absolvieren. Möglich wird diese einmalige Erfahrung durch eine schon lange bestehende Verein­ barung zwischen den beiden Ländern.

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Im herbstlichen Nebel von Bure sind die norwegischen Uniformen nur schwer zu erkennen. Aber sie sind da, verteilt auf vier Panzerbesatzungen. Heute rücken die Rekruten zum ersten Mal ins Gelände aus. «Mit der Übung soll hauptsächlich der Puls der Truppe gefühlt werden. Dazu werden wir uns zum ersten Mal in den Örtlichkeiten bewegen und sie erkunden. Die eigentlichen Übungen beginnen erst später», erläutert Adjutant-Unteroffizier André Wullschleger, der in der Panzerschule 22 mit der Ausbildung der Panzerfahrer betraut ist. Beim Aufbruch müssen alle Kommunikationssysteme ordnungsgemäss funktionieren, damit die Truppe untereinander in Kontakt bleibt und die Ausbilder ihre Anweisungen erteilen können. Ein kleines Kommunikationsproblem hält den Panzerzug auf; da heisst es sich gedulden, bis man in den Übungsraum gelangt. Endlich können sich die Fahrzeuge in Bewegung setzen und wir sehen zum ersten Mal

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die fünf Norweger. Sie unterscheiden sich lediglich durch ihre Uniformen von ihren Schweizer Kameraden und sind perfekt integriert. «Der einzige Unterschied zwischen den schweizerischen und den norwegischen Rekruten ist der Motivationsgrad», meint Adjutant Wullschleger augenzwinkernd. «Diese jungen Männer wurden für die Ausbildung bei uns ausgewählt. Für sie ist es eine Art Belohnung, und deshalb strengen sie sich besonders an.» Schiessübung und Inspektion

Einige Wochen später treffen wir die norwegischen Rekruten erneut, diesmal auf dem Schiessplatz Hinterrhein (GR). Am nächsten Tag wird die Inspektion durch den Kommandanten des Lehrverbandes Panzer und Artillerie, Brigadier René Wellinger, stattfinden und man spürt, wie die Anspannung steigt. Nach 20 Wochen geht die Ausbildung der Rekruten ihrem Ende entgegen, und alle wollen zeigen, was sie gelernt haben. «Wir sind jetzt seit fast sechs Monaten hier und ha-

ben enorm viel über den Leopard, aber auch auf menschlicher Ebene gelernt», erklärt der norwegische Berufsmilitär und Zugführer Christian Holm. Sein Kollege, der Panzerfahrer Håkon Andreas Hyttedalen, ergänzt: «Diese Erfahrung war sowohl militärisch als auch persönlich eine Bereicherung. Ich habe Menschen kennengelernt, die ich sonst nie getroffen hätte. Mehrere von ihnen erwarten wir schon diesen Sommer in Norwegen.» Auch für die Ausbilder war es eine einmalige Erfahrung. «Wir waren etwas skeptisch, als wir von den Plänen erfahren haben: ausländische Militärs, eine fremde Sprache … Niemals hätten wir gedacht, dass alles so reibungslos funktionieren würde», freut sich Adjutant Wullschleger. «Anfangs hatten sie Probleme mit der Sprache, da mussten die Kollegen ihnen helfen, und wir mussten Dinge mehrfach erklären. Aber es sind motivierte junge Männer, die einen Grund haben, hier zu sein, und die sich sehr gut integriert haben. Es war eine tolle Erfahrung, die wir jederzeit wiederholen würden.

Die norwegischen Gäste Christian Holm, Zugführer und Berufsmilitär «Die Teilnahme an einem solchen Projekt ist persönlich sehr bereichernd», erklärt Zugführer Christian Holm. «Es bestehen enorme Unterschiede zwischen den Ausbildungssystemen der Schweiz und Norwegens. Beispielsweise sind die Zugführer bei uns Berufsmilitärs, in der Schweiz sind es Milizsoldaten. Die Ausbildung zum Soldaten erstreckt sich bei uns über ein Jahr, während in der Schweiz die Ausbildung von Panzerbesatzungen 21 Wochen dauert.»

Håkon Andreas Hyttedalen, Panzerfahrer «Man sagte uns, dass es vier Plätze beim Auswahlverfahren gäbe, mit dem die Kandidaten für die Teilnahme an der Rekrutenschule in der Schweiz bestimmt würden, und ich beschloss, mein Glück zu versuchen. Vor unserer Abreise in die Schweiz erhielten wir in Norwegen eine fünfwöchige Ausbildung», erinnert sich Håkon Andreas Hyttedalen. «Grundkenntnisse der deutschen Sprache waren eine Voraussetzung dafür, uns bewerben zu können, aber trotzdem waren die ersten Wochen wirklich schwierig. Ich habe kaum die Hälfte von dem verstanden, was gesagt wurde. Zum Glück haben uns unsere Schweizer Kameraden geholfen.»

André Knut Furusethagen, Richter «Im Gegensatz zu Norwegen, wo unser Arbeitstag um 6 Uhr beginnt und um 18 Uhr endet, ist die Schlagzahl in der Schweiz deutlich höher. Man muss um 5 Uhr zur Arbeit bereit sein, und selten hören wir vor 23 Uhr auf. Glücklicherweise ist es hier wärmer als in Norwegen, wo die Temperaturen teilweise auf -30° C bis -40° C fallen», vertraut uns Soldat André Knut Furusethagen an. «Jetzt, wo wir den Simulator des Waffenplatzes Thun und den Waffenplatz Bure kennen, haben wir einen schönen Einblick in die Waffenplätze der Schweiz gewonnen. In Norwegen jedenfalls sind Schiessübungen wie in Hinterrhein nicht möglich.»

Kristian Kleppang, Panzerfahrer «Ich wollte zur Armee und Panzerfahrer werden. Als ich dann von diesem ersten schweizerisch-norwegischen Versuch erfuhr, habe ich die Gelegenheit genutzt», so Kristian Kleppang. «Bei uns gibt es ein Milizsystem ähnlich wie in der Schweiz. Alle sind bei uns wehrpflichtig, einberufen wird aber nur jeder sechste. Übungen dauern bei uns immer eine Woche, das ist körperlich sehr fordernd; hier dauern Übungen oft nicht länger als einen Tag. Dafür bekommt man hier sehr viel weniger Schlaf, und die Erschöpfung macht sich bemerkbar.»

Even Helgeland, Richter «Eigentlich wollte ich bei den norwegischen Streitkräften Fallschirmaufklärer werden, habe aber die Abschlusstests nicht bestanden. Dann habe ich umgesattelt, um Panzerfahrer zu werden, und da habe ich vom Projekt einer Teilnahme an der Rekrutenschule in der Schweiz erfahren», erläutert Even Helgeland. «Ich habe fünf Jahre lang Deutsch gelernt, aber anfänglich war es hier trotzdem schwer. Bei den Rekruten sind wir gut integriert. Ich bin bereits mehrfach mit meinen Kameraden übers Wochenende Skifahren gegangen. Auch meine Eltern sind im Urlaub zum Skifahren in die Schweiz gekommen.»

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Die Armee optimiert den Eigenschutz

Mit System zu mehr Sicherheit Eigenschutz ist für die Schweizer Armee von grosser Bedeutung: Ohne Schutz ist sie in der Auftragserfüllung eingeschränkt oder kann ihre Aufträge nicht mehr erfüllen. Aus diesem Grund gehört der Eigenschutz zu den ständigen Aufgaben und ist auch ein wichtiges Ausbildungsthema in den Schulen und Kursen.

bedeutet dann etwa im Bereich der Mobilität, dass Verschiebungen ausserhalb bewachter Areale nur noch im Trupp erfolgen dürfen. Um bei diesem Beispiel zu bleiben: Bei der Schutzstufe 3 sind Verschiebungen in einer Gruppe vorgeschrieben und bei der Schutzstufe 4 sind regelmässige Meldungen der Gruppe verlangt.

Urs Müller, Kommunikation FST A

Verschiedene Ereignisse in jüngerer Zeit haben die Armee bewogen, ihre Massnahmen zum Eigenschutz eingehend zu überprüfen. Diese Analyse hat gezeigt, dass es in der Armee nicht an Grundlagen und Bestimmungen zum Schutz ihrer Angehörigen, ihres Materials und ihrer Einrichtungen fehlt. In diesem Zusammenhang wichtige Reglemente sind «Integrale Sicherheit» (52.059), «Wachtdienst aller Truppen» (51.301) sowie die Sicherheitsvorschriften und Waffen- und gerätespezifische Reglemente. Die Herausforderung liegt in der permanenten Anwendung und Durchsetzung all dieser Bestimmungen. Dabei spielt die Sensibilisierung eine wichtige Rolle: Sicherheit ist nicht selbstverständlich, sondern bedarf der ständigen Aufmerksamkeit und Wachsamkeit. Vier Bedrohungsstufen

Was sich im Eigenschutz der Armee verbessern lässt, sind die Instrumente und Möglichkeiten, um rasch und einfach auf Veränderungen in der militärischen Sicherheitslage reagieren zu können. Dabei sollen als Minimalstandard armeeweit die gleichen Sicherheitsmassnahmen zur Anwendung kommen. Aus diesem Grunde wurden im September 2015 vier generelle Bedrohungsstufen eingeführt. Aus diesen vier Bedrohungsstufen wurden Schutzstufen mit entsprechenden Massnahmen abgeleitet. Mit diesem Mechanismus kann nun die militärische Sicherheitslage

Weiterentwicklung und Ausbildung

einheitlich bewertet und eingestuft werden, um dann ein armeeweit einheitliches Dispositiv anzuordnen. Für alle Bedrohungsstufen gelten die allgemeinen Schutzmassnahmen (zum Beispiel Informationsschutz, Personenidentifikation und Zutrittskontrolle). Zusätzlich werden dann die definierten Massnahmen einer Schutzstufe zu einer Bedrohungsstufe befohlen. Dieses Vorgehen erlaubt rasches, flexibles und vorausschauendes Handeln. Bedrohungs- und Schutzstufe sind aber nicht fix aneinander gekoppelt. So ist es durchaus möglich, der Bedrohungsstufe ALPHA mit der Schutzstufe 2 zu begegnen, wenn die Lage in einem Raum dies erfordert. So kann in ALPHA zum Beispiel während eines Konferenzschutz-Einsatzes im Einsatzraum die Schutzstufe 2 gelten. Das

Bedrohungsstufe

Definition

ALPHA

Allgemeine Grundbedrohung gegen die Schweizer Armee (Personal, Immobilien/Material und Informationen).

BRAVO

Erhöhte, präziser vorhersehbare und konkreter definierte Bedrohung gegen die Schweizer Armee als Bedrohungsstufe ALPHA und/oder spezifischere Vorfälle.

CHARLIE

Es ist mit gewalttätigen Angriffen gegen die Schweiz/Schweizer Armee zu rechnen und/oder zu schwereren Angriffen als in Bedrohungsstufe BRAVO gekommen.

DELTA

Es ist zu einem massiven direkten Angriff gegen die Schweiz/Schweizer ­A rmee gekommen oder ein solcher steht unmittelbar bevor.

Bedrohungsstufe Schutzstufe

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ALPHA

BRAVO

CHARLIE

DELTA

0 (Allgemeine Schutzmassnahmen) 1

2

3

4

Die Weiterentwicklung und Ausbildung im Eigenschutz der Armee erfolgt phasenweise. Mit der Ausbildung der Schutzmassnahmen der Schutzstufe 1 wurde am 1. Januar 2016 begonnen. Ausgebildet werden die Angehörigen der Armee wie auch alle Mitarbeitenden der Gruppe Verteidigung. Ab 1. Januar 2017 werden zusätzlich die Massnahmen der Schutzstufe 2 ausgebildet. Die Massnahmen der Schutzstufen 3 und 4 werden erst bei Bedarf flächendeckend ausgebildet. Die Kader hingegen werden ab Beginn 2017 in allen Stufen ausgebildet. Das Dispositiv «Eigenschutz der Armee» wird sich weiterentwickeln. Erfahrungen werden gemacht, Lehren gezogen und Verbesserungen eingeführt. Akzeptanz, Bedrohungssensibilisierung, Aufmerksamkeit und der Wille zum Eigenschutz sind wichtige persönliche und mentale Voraussetzungen, um mögliche Gefahren rechtzeitig zu erkennen, das Überraschungsmoment auszuschalten und um Schäden und Verluste zu verhindern oder mindestens zu verringern.