Die Gabe der Prophetie

Studienanleitungen zur Bibel Herausgegeben von der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten Die Gabe der Prophetie 1. Vierteljahr 2009 Manuskriptvor...
Author: Jasper Kuntz
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Studienanleitungen zur Bibel Herausgegeben von der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten

Die Gabe der Prophetie 1. Vierteljahr 2009 Manuskriptvorlage: Gerhard Pfandl

Inhalt 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13.

Wie Gott sich offenbart Die Gabe der Prophetie Geistliche Gaben und Prophetie Die Gabe der Prophetie und die Übrigen Das Geheimnis der Inspiration Propheten im Test Die Aufgabe der Propheten Die Autorität der Propheten Propheten in der Kritik Grundpfeiler des Glaubens Verstehst du auch …? Vom Segen der Prophetie Glaubt den Propheten!

____________________________________________________________________ Das Studienheft zur Bibel wird vom Arbeitskreis Bibelschule in Übereinstimmung mit den Richtlinien der Generalkonferenz (Euro-Afrika-Division) erstellt. Es behandelt die gleichen Themen wie die Standardausgabe und stellt den christlich-adventistischen Glauben biblisch fundiert und zeitgemäß dar.

Tipps & Anregungen (nicht nur) für Gesprächsleiterinnen und Gesprächsleiter Das Studienheft zur Bibel soll eine praktische Hilfe zum persönlichen Bibelstudium sein. Das ist und bleibt die beste Vorbereitung für die Teilnahme am Bibelgespräch im Gottesdienst. Mehr noch – regelmäßiges Bibelstudium vertieft die Beziehung zu Jesus Christus und fördert geistliches Wachstum. Millionen Christen lesen täglich anhand von Lesehilfen und Bibelleseplänen Gottes Wort. Warum sollten wir es nicht auch tun – und zwar mithilfe des Studienhefts? Wie nutze ich das Studienheft zur Bibel am besten als praktische Bibellesehilfe für meine tägliche Andacht? Zum Wochenbeginn (oder am Sabbatnachmittag?) lese ich die erste Seite der Studienanleitung und anschließend möglichst den gesamten Bibelabschnitt der Woche einmal durch. Auf diese Weise verschaffe ich mir einen ersten Eindruck von der Thematik und dem Inhalt. Dazu eignet sich besonders eine sprachlich moderne Bibelübersetzung wie „Die Gute Nachricht Bibel“, „Hoffnung für alle“ oder „Neues Leben“. Wenn es um Textgenauigkeit geht, sind die „Lutherbibel“ oder die „Revidierte Elberfelder Bibel“ zu empfehlen. An den folgenden Wochentagen lese ich zunächst den jeweiligen Tagesabschnitt in der Bibel und frage dabei: Welche Bedeutung hatte die Botschaft des Textes für die damaligen Empfänger? Was will der Text mir sagen? Danach beantworte ich die Fragen zum Text und lese die ergänzenden Anmerkungen. Zum Schluss spreche ich über meine Einsichten und Fragen im Gebet mit Gott. Dann denke ich über das nach, was er mit (ge)antwortet (hat). Da jede Studienanleitung in überschaubare Tagesabschnitte gegliedert ist, lerne ich Schritt für Schritt die Bibel (besser) kennen. Am Ende der Woche mache ich mir noch einmal den Grundgedanken bewusst und überdenke die Zusammenfassung. Damit bin ich gut auf das Bibelgespräch in der Gruppe vorbereitet. Zum Gruppengespräch gehört neben dem Studienheft natürlich die Bibel (bzw. die ausgedruckten Texte), um den genauen Wortlaut zur Hand zu haben. In der Gruppe tauschen wir unsere Einsichten und Erfahrungen aus und vertiefen dadurch noch einmal das während der Woche Gelesene.

Einführung Als „Prophet“ (nabi) galt im alten Israel ein vom Geist Gottes ergriffener Mensch. Manche von ihnen (wie Samuel, Elia und Elisa) wurden auch als „Seher“ (roëh, hoséh) bezeichnet, weil sie auf visionäre Weise Einsichten und Weisungen von Gott erhielten, die sie weitergaben. Später finden wir die „Seher“ im Tempel und am Königshof, wo sie als Berufspropheten wirkten (Nathan, Gad) und König wie Volk Gottes Weisungen mitteilten. Diese „Kultpropheten“ bildeten einen eigenen Berufsstand, der aufgrund der materiellen Abhängigkeit von seinen Auftraggebern gegen Korruption nicht gefeit war. Die „Schriftpropheten“ gaben ihnen eine Mitschuld am Untergang Jerusalems. Ihre Unabhängigkeit ermöglichte es ihnen, das „Wort Jahwes“ unverfälscht weiterzusagen. Sie deckten Missstände auf, riefen zur Umkehr und warnten vor dem nahen Gericht. Dabei richtete sich ihre Verkündigung nicht nur an König und Volk, sondern auch an die Nachbarvölker. Ihre Botschaften wurden von ihnen selbst oder von Jüngern aufgezeichnet und fanden später einen Platz in der Heiligen Schrift. Auch Jesus wurde von vielen Zeitgenossen als Prophet oder Wiederverkörperung eines großen Propheten verehrt. Die Prophezeiung im Gesetz Moses über „einen Propheten wie mich“ (5 Mo 18,15.18), wurde von den Christen als Weissagung auf Jesus verstanden. Schließlich war er wie kein anderer vor oder nach ihm ein „Sprecher für Gott“, ein Prophet gewesen (vom Griech. pro-phēmi, reden für). Unter den „Gaben des Heiligen Geistes“, die der auferstandene und erhöhte Christus seiner Gemeinde verlieh, findet sich auch die Prophetie. In den Gabenlisten des Neuen Testaments taucht sie an prominenter Stelle auf. Nach urchristlichem Verständnis bilden die Apostel und Propheten das Fundament der Gemeinde (Eph 2,20; 3,5). Darum verwundert es nicht, dass das Auftreten von Propheten eine normale Erscheinung war. Paulus hebt die prophetische Rede sogar besonders hervor. „Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber um die Gabe der prophetischen Rede!“ (1 Kor 14,1) Sie dient „zur Erbauung, zur Ermahnung [oder: Ermutigung] und zum Trost“ (V. 3 SLT) Besser lässt sich die Funktion prophetischer Rede nicht beschreiben. Im Unterschied zur Erkenntnis- und Weisheitsrede (also zur Lehre) geht sie auf göttliche Eingebung (Offenbarung) zurück; das ist ihre formale Seite. Inhaltlich ist sie – wie jede „normale“ Predigt auch – darauf ausgerichtet, den Glauben zu wecken und zu stärken und die Gemeinde zu bauen. Was bedeutet dieser Befund für die Kirche Jesu in nachapostolischer Zeit? Wie äußert sich das prophetische Charisma (wenn überhaupt) in ihrer Mitte? Welche Bedeutung besitzt die prophetische Rede im Leben der Gemeinde hier und heute? Wie sieht eine „prophetische Gemeinde“ aus, die das biblische Zeugnis ernst nimmt und offen bleibt für die Manifestation der Gabe und des Geistes der Weissagung in ihrer Mitte? Für Siebenten-Tags-Adventisten schließt dies das Zeugnis Jesu ein, das sie in den Botschaften Ellen Whites vernommen haben. In ihren „Zeugnissen“ manifestierte sich der „Geist der Weissagung“, um die Gemeinde zu ermahnen, zu ermutigen und zu trösten. Bis heute erfüllen ihre Bücher diese Aufgabe, indem sie zum Glauben führen und darin festigen. Dies ist das eigentliche Anliegen und Ziel jeder prophetischen Verkündigung. (Nach: „Die Gabe der Prophetie“, AdventEcho, Nr. 7-8/2008, 10-13) 3

1. Studienanleitung Woche vom 28. Dezember 2008 bis 3. Januar 2009

Wie Gott sich offenbart „Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat.“ (Hbr 1,1.2) Grundgedanke

Gott teilt seine Absichten auf unterschiedliche Weise mit. Er möchte, dass möglichst viele begreifen: Gott liebt mich, er hat alles für meine Rettung getan und er wird seinen Heilsplan vollenden.

Einführung

In der Antike gab es zahlreiche Geheimkulte und Mysterienreligionen. Die bekanntesten sind die Mysterien von Eleusis, der Dionysoskult, der Mithraskult oder der Isis- und Osiriskult. Trotz unterschiedlicher Prägung und Ausrichtung war ihnen eines gemeinsam: Ihre Lehren und Gepflogenheiten wurden vor Außenstehenden geheim gehalten. Wer einer solchen Religion beitreten wollte, musste spezielle Aufnahmeriten über sich ergehen lassen. Die Mitglieder wurden „Mysten“ genannt. Das Wort Mysterium geht auf das griechische mysterion zurück, und das entsprechende Verb myein bedeutet „schließen“. Es handelte sich also bei all diesen Gruppierungen um „geschlossene Gesellschaften“ – Zutritt nur für Eingeweihte! Völlig anders verhält es sich mit dem Gott der Bibel. Er hatte schon immer die gesamte Menschheit im Blick. Selbst die Erwählung Israels zum besonderen Eigentum diente dem Ziel, dass dieses Volk den anderen Völkern den einzigen, wahren und ewigen Gott nahe bringen sollte. Weder Judentum noch Christentum waren je als „geschlossene Gesellschaft“ gedacht – im Gegenteil. Schon immer lädt Gott alle in die Gemeinschaft mit sich ein, und er hat nichts unversucht gelassen, das auch deutlich zu machen. Wie das geschah, soll uns in dieser Woche beschäftigen.

4

Sonntag, 28. 12.

Wie Gott sich offenbart

1

Persönliche Begegnungen Psalm 84,2.3.11.12

Welche Bedeutung haben Tempelbesuch und Gottesdienst? Womit dürfen alle rechnen, die dort Gott begegnen möchten?

Erklärung

Der Gottesdienst war und ist der bevorzugte Ort der Gottesbegegnung. „Als Ort der Begegnung mit Gott war der Tempel in Jerusalem das religiöse Zentrum Israels. Vor allem zu den großen Festen zogen Leute aus dem ganzen Land zum Tempel hinauf, in dem sich der Gottesdienst in vielerlei Weise entfaltete. Er wurde von Priestern, Leviten, der Gemeinde und Einzelnen durch Opfer und Gebete, durch feierliche Prozessionen und Versammlungen, begleitet von Musik, Liedern/Psalmen und Tanz, gefeiert.“ (GBL, Bd. 3, 1535) Die Priesterschaft spielte dabei eine besondere Rolle. Die Gläubigen kamen zum Tempel, um von diesen geistlichen Leitern „Weisung“ (Tora), d. h. Gottes Wort, zu hören (Mal 2,7). Ähnlich wie die Propheten waren Priester Vermittler des göttlichen Willens. Auch sie erhielten manchmal Visionen und wurden mit göttlichen Botschaften für ihr Volk betraut (Lk 1,8-23; Hes 1,2f.: der Prophet Hesekiel war zugleich Priester). An der Spitze aber stand der Hohepriester, der den „Rechtsspruch“ Gottes stets an seinem Herzen trug (2 Mo 28, 30) und dem sich Gott offenbarte und zu ihm sprach (2 Mo 25,22; 30,6; vgl. Joh 11,49-52). So vertrat der (Hohe)Priester durch Unterweisung Gott vor den Menschen und durch Opfer und Fürbitte die Menschen vor Gott.

Vertiefung

Die durch Tempel und Priesterschaft vermittelte Gottesbegegnung erfährt im Neuen Testament eine neue Dimension und Qualität, weil nun jeder Christ selbst zum Priester (1 Ptr 2,9) und zu einem heiligen Tempel (1 Kor 3,16.17) wird. Entsprechend wurde der Geist Gottes – im Gegensatz zum Alten Testament (vgl. 1 Sam 16,13; 2 Mo 30,30) – auf alle Gläubigen ausgegossen (Apg 2,1-4; 10,44-48). 5

Montag, 29. 12.

Wie Gott sich offenbart

1

Die Schöpfung Psalm 19,1-7; Römer 1,19-22; Hebräer 11,3

Worüber staunt der Psalmdichter? Worauf weisen die Werke der Schöpfung hin? Vertiefung

Ob Paulus für die Menschen unserer Tage Römer 1,19-22 anders formuliert hätte? Wohl nicht, denn besonders diese Aussage gilt damals wie heute: „Was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart.“ (V. 19) Doch „dieses Erkennen ist nicht zwangsläufig für jeden. Das griechische Wort für ‚ersehen‘ (V. 20) meint das aufmerksame, das Geschaute verarbeitende Denken … Ein fragendes, hinterfragendes, auf Gott hin fragendes Schauen ist nötig. Das gerade unterscheidet ja den Menschen von allem anderen Geschaffenen, dass er nicht nur sinnliche Wahrnehmung hat, sondern das, was er sieht, hört und fühlt, auch denkend und bedenkend einordnen kann … Gott hat sich so verstehbar und begreifbar gemacht, damit die Menschen ihm nicht mit Entschuldigungen oder Verteidigungen ausweichen können. Die Gotteserkenntnis aus den Werken Gottes hält den Menschen in seiner Verantwortlichkeit fest … Die Not und Schuld des Menschen ist, dass ihn diese Möglichkeit oft völlig gleichgültig lässt, dass er sehenden Auges blind bleiben will, und wo er erkennt, verweigert er die Anerkenntnis. Denn Gotteserkenntnis drängt zur Anerkenntnis, ruft den Menschen zur Entscheidung.“ (EdC, Römerbrief, 57f.)

Zum Nachdenken

David war besonders von der Sonne fasziniert (Ps 19,5-7), obwohl er die meisten Fakten gar nicht kannte: Die Entfernung zur Erde beträgt ca. 150 Millionen km, ihr Durchmesser 1,39 Millionen km (109facher Durchmesser der Erde). Sie ist ein unvorstellbar heißes nukleares Inferno (Oberfläche: 6000 °C; im Kern ca. 15 Millionen °C) und der innere Druck ist 250 Milliarden Mal größer als der irdische Atmosphärendruck. Die Sonne ermöglicht den komplizierten Prozess der Fotosynthese, bei dem die Pflanzen Sonnenlicht und Wasser in Energie umwandeln. Ist nicht schon dieses gigantische „Produkt“ des vierten Schöpfungstages Anlass genug, den Schöpfer anzubeten?

6

Dienstag, 30. 12.

Wie Gott sich offenbart

1

Die Propheten 2. Mose 4,10-16; Jeremia 1,4-9; Amos 1,1; 7,10-15

Welche Bedenken hatte Mose? Wie erlebte Jeremia seine Berufung? Warum ließ sich Amos nicht einschüchtern?

Erklärung

Das im Hebräischen am häufigsten verwendete Wort für Prophet ist nabi und bedeutet „Berufener“, „Verkünder“ oder „Sprecher“. Daneben kommen vereinzelt auch die Begriffe roäh („Seher“, 1 Sam 9,9; 1 Chr 29,29) und chosäh („Seher“, 2 Sam 24,11; Am 7,12) vor. Entscheidend für den prophetischen Dienst war ein klarer Ruf Gottes, denn die Botschaften sollten sich immer auf ein „So spricht der Herr“ gründen und nicht auf eigene Ideen oder Sichtweisen. Die Berufung Moses und Jeremias beispielsweise zeigt, dass Gott sich die Propheten gezielt aussuchte und Ausreden nicht gelten ließ. Prophetische Verkündigung konnte sich auf die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft beziehen und aus Unterweisung, Tadel, Ermutigung oder Vorhersagen bestehen.

Vertiefung

Propheten sind Menschen, „die in der lebendigen Beziehung zur Geschichte Gottes mit seinem Volk stehen, andererseits um Gottes Weg mit seinem Volk in der Zukunft wissen. Die Propheten sind Gottes Gabe an sein Volk als das mahnende Gewissen … So spiegelt sich im Prophetenamt die Erwählung Israels und der besondere Charakter dieses Volkes unter den Völkern. Und der Auftrag der Propheten hat keinen anderen Sinn, als immer wieder – in Gnaden- und Gerichtswort – diese Besonderheit Israels als des Gottesvolkes zu erhellen … Die Botschaft der Propheten fordert Glauben und Entscheidung. Das wird deutlich in der Gegenüberstellung von falschen und echten Propheten (Jer 28) … Die Botschaft der Propheten weist, auch wenn sie jeweils in akute geschichtliche Lagen hinein gesprochen ist, in die Zukunft, auf Gottes entscheidenden Neuanfang, auf Jesus Christus.“ (LzB, 1096.1098) 7

Mittwoch, 31. 12.

Wie Gott sich offenbart

1

Die Heilige Schrift Was sagen folgende Texte über die Zuverlässigkeit der biblischen Bücher? Joh 20,29-31 _________________________________________ Lk 1,1-4

_________________________________________

Apg 1,1-3

_________________________________________

2 Tim 3,14-17 _________________________________________

Erklärung

Das Christentum versteht sich als Offenbarungsreligion, deren Niederschrift sich in der Bibel findet. Was macht dieses Buch so einzigartig? 1. Ihre innere Einheit. Obwohl die Bibel über einen Zeitraum von mehr als 1500 Jahren entstanden ist und aus 66 verschiedenen Büchern besteht, hat sie in Jesus Christus ihre Mitte und bildet insofern trotz aller Vielfalt eine einzigartige Einheit. 2. Ihr Monotheismus. Sowohl im Judentum als auch im Christentum geht es um den Glauben an den einen wahren Gott – im Gegensatz zu den zahlreichen Göttern und Götzen anderer Völker und Religionen (Jes 45, 4.5; Joh 17,3). 3. Ihre Überlieferung. Im Vergleich mit anderen Schriften der Antike hat die Bibel den umfangreichsten Manuskriptbestand der gesamten klassischen Literatur vorzuweisen. So gibt es über 5000 – teils fragmentarische – griechische Textbelege des Neuen Testaments. An zweiter Stelle steht Homers „Ilias“ mit 643 erhaltenen Texten. Diese Hinweise erheben nicht den Anspruch eines Beweises. Aber sie zeigen demjenigen, der die Kraft des Wortes Gottes erfahren hat, dass das Vertrauen in die Heilige Schrift gerechtfertigt ist.

Vertiefung

„Die Bibel ist ein wunderbares Buch. Sie ist eine Geschichte, die uns die vergangenen Jahrhunderte eröffnet. Ohne die Bibel wären wir hinsichtlich vergangener Ereignisse auf Vermutungen und Fabeln angewiesen. Die Bibel ist eine Prophezeiung, die uns die Zukunft offenbart.“ (E. G. White in Bible Echo, 1. Oktober 1892, 5. Abschnitt) 8

Donnerstag, 1. 1.

Wie Gott sich offenbart

1

Christus, Gottes Sohn Johannes 1,1.14; Kolosser 2,6-10; Hebräer 1,1-4

Worin gipfelt alle göttliche Offenbarung? Was ist an der Sendung Jesu so einzigartig?

Erklärung

Mittelpunkt und Krönung aller Offenbarung Gottes ist und bleibt Jesus Christus – wahrer Gott und wahrer Mensch. Er kam in unsere Welt „als die Zeit erfüllt war“ (Gal 4,4). Der Schöpfer nahm die Gestalt eines Geschöpfs an – in Entäußerung und Selbsterniedrigung (Phil 2,6.7). Der Sündlose ließ sich für uns zur Sünde machen und erlitt freiwillig den Tod, um zu sühnen und zu versöhnen (2 Kor 5,19.21). Als Auferstandener war er der Sieger und ist seitdem Herr aller Herren und König aller Könige (Offb 17,14). All das sind wichtige heilsgeschichtliche Tatsachen, doch der entscheidende Punkt ist, dass der Mensch daran Anteil bekommt (Kol 2,9.10), wenn er Kind Gottes geworden ist (Joh 1,12). Darum geht es letztendlich, das ist das Ziel göttlicher Offenbarung und Einladung: Verlorene Menschen dürfen nach Hause kommen und ewiges Leben haben (Joh 3,16)!

Vertiefung

„Christus kam, um die Menschen zu lehren, was Gott sie lehren wollte. Am Himmelszelt, auf der Erde und in den weiten Wassern des Ozeans erkennen wir die Handschrift Gottes. Alles Erschaffene bezeugt seine Macht, seine Weisheit und seine Liebe. Aber die Sterne, der Ozean oder der Wasserfall zeigen nichts von der Persönlichkeit Gottes, die in Christus offenbart ist. Gott sah, dass eine deutlichere Offenbarung als die Natur notwendig war, um seine Persönlichkeit und sei Wesen darzustellen. Er sandte seinen Sohn in die Welt, um die Natur und das Wesen des unsichtbaren Gottes zu offenbaren.“ (T, Bd. 1, 265)

Anwendung

Die beste Werbung für das Reich Gottes sind Christen, in deren Leben sich etwas von der Gesinnung Jesu widerspiegelt.

9

Freitag, 2. 1.

Wie Gott sich offenbart

1

Außergewöhnliche Ereignisse 1. Mose 6,5-7; 1. Könige 18,30-38; Matthäus 27,45.51-54

Welches Ziel verfolgt Gott, wenn er sich im Gericht offenbart? Wozu führten die ungewöhnlichen Begleitumstände auf dem Berg Karmel und bei der Kreuzigung Jesu?

Vertiefung

Die Liste Aufsehen erregender Geschehnisse lässt sich beliebig erweitern: Verwirrung der Sprachen (1 Mo 11,1-9), brennender Dornbusch (2 Mo 3,1ff.), 10 Plagen in Ägypten (2 Mo 7,14 bis 12,41), Israels Weg durchs Schilfmeer (2 Mo 14), Gesetzgebung am Sinai (2 Mo 19,14-19; 20,18-20), Eroberung Jerichos (Jos 6), Elias Himmelfahrt (2 Kön 2), Daniels Freunde im Feuerofen (Dan 3,14-30), Pfingsten (Apg 2,1-12), Tod des Hananias und der Saphira (Apg 5,1-10), Befreiung des Petrus (Apg 12,1-17) sowie des Paulus und Silas (Apg 16,23-34). Diese und andere Beispiele zeigen, dass Gottes Möglichkeiten, seine Macht und Herrlichkeit zu offenbaren, unbegrenzt sind. So unterschiedlich die Anlässe auch waren – immer ging es darum, dass Menschen Gott ernst nehmen (1 Kön 18, 39; Apg 5,11), Bösem Einhalt geboten wird, Stationen der Heilsgeschichte markiert werden und Sünder Rettung erfahren. Gleiches gilt für Jesu Wirken auf Erden, das voller Zeichen, Wunder und Machterweise war.

Anwendung

Vor Jesu Wiederkunft werden bedrohliche Ereignisse drastisch und verheerend zunehmen (Lk 21,25.27). Wie kann es gelingen, auch diese erschreckenden Vorhersagen in die Verkündigung des „ewigen Evangeliums“ aufzunehmen, ohne Ängste zu schüren (vgl. V. 28)?

Zusammenfassung

Gott nutzt viele „Kanäle“, um sich und seine Pläne zu offenbaren. Ob er dabei leise oder laute Töne anschlägt, ist unwesentlich. Alles dient dem Ziel, Menschen in sein Reich einzuladen. Dafür hat Jesus den Weg gebahnt. Sonnenuntergang 16.26 Uhr 10

Sabbat, 3. 1.

Wie Gott sich offenbart

1

Fragen für das Bibelgespräch 1. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Menschen in „Typen“ einzuteilen. Eine davon ist: introvertiert (verschlossen, schweigsam) – extrovertiert (aufgeschlossen, mitteilsam). Was sind die Vorteile bzw. Nachteile beider Wesensarten? Mit welcher kommt ihr besser zurecht? Warum? Wann habt ihr Gott als „introvertiert“ erfahren? Woran wird deutlich, dass Gott auch „extrovertiert“ ist? 2. Wir lesen Römer 1,19-21. Woran liegt es, dass trotz zahlreicher Wunder der Schöpfung viele Menschen den Schöpfergott ablehnen? Welche Beziehung zur Schöpfung führt am ehesten dazu, die ewige Kraft und Gottheit des Schöpfers zu erkennen? 3. Wir lesen Jeremia 1,4-9. Gott spricht zu Jeremia: „Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund!“ Wie stellt ihr euch das praktisch vor? 4. Wir lesen Hebräer 1,1-4. Tauscht euch darüber aus, warum Jesus Christus zu Recht als die unüberbietbare Offenbarung Gottes gilt und welchen „Nutzen“ wir davon haben. 5. Wir lesen Lukas 1,1-4. Im Hinblick auf seine Entstehung scheint das Lukasevangelium ein Buch wie jedes andere zu sein. Wie denkt ihr darüber? 6. Auf welche Weise offenbart sich Gott uns heute?

Liedvorschläge: 11Q, 16Q, 50 11

2. Studienanleitung Woche vom 4. bis 10. Januar 2009

Die Gabe der Prophetie „Und er sprach: Hört meine Worte: Ist jemand unter euch ein Prophet des Herrn, dem will ich mich kund machen in Gesichten oder will mit ihm reden in Träumen.“ (4 Mo 12,6) Grundgedanke

Prophetisches Wirken wird in der Bibel vielfältig beschrieben und ist bis heute von Bedeutung.

Einführung

Biblische Prophetie wurde und wird häufig als Voraussage zukünftiger Ereignisse verstanden. Auch im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet prophezeien soviel wie vorhersagen oder weissagen. Doch Prophetie ist nicht gleichzusetzen mit Prognosen über die Zukunft. Auch wenn Gott vielen Propheten einen Vorausblick in nahe oder ferne Zeiten gewährt hat, ist es eine Verengung, prophetisches Wirken auf die Vorhersage der Zukunft zu reduzieren. Denn innerhalb der prophetischen Bücher der Bibel enthalten vergleichsweise wenige Texte Weissagungen, die sich auf die Zukunft beziehen. Daneben gibt es eine reiche Sammlung von Prophetenerzählungen, an denen deutlich wird, worin prophetisches Wirken hautsächlich bestand: Gott beruft und sendet Propheten, um in die menschliche Geschichte einzugreifen und seine Geschöpfe zum Guten zu führen. Immer wieder riefen Propheten das Volk Israel und seine Regierenden – in einigen Fällen sogar Fremdvölker – im Namen Gottes dazu auf, Gott allein zu dienen und die Mitmenschen respektvoll zu behandeln. Sie deckten soziale Missstände auf, nannten die Schuld des Volkes und der Regierenden beim Namen, riefen zur Umkehr auf und kündigten Gericht oder Heil an. Ihre Predigt war konkret und bezog sich hauptsächlich auf die damalige Zeit. Kein Wunder, dass diese Verkündigung vielen Hörern nicht gefiel, weil sie sich dadurch bloßgestellt sahen. Deshalb wurden Propheten häufig verspottet, verfolgt oder getötet. Welche Bereiche der prophetische Dienst umfasste und wie bedeutsam er über die damalige Zeit hinaus für uns ist, soll Gegenstand des Bibelstudiums dieser Woche sein. 12

Sonntag, 4. 1.

Die Gabe der Prophetie

2

Ungewöhnliche Ursprünge 1. Samuel 9,5-11; 10,1.5-12

Welche Arten prophetischen Wirkens sind zur Zeit Samuels zu erkennen?

Erklärung

Propheten wurden in der Frühzeit der Geschichte Israels auch Seher oder Gottesmänner genannt. Außerdem hat es „ekstatische“ Prophetie gegeben, die als von Gott gegeben anerkannt wurde. Die Lutherübersetzung gibt 1. Samuel 10,6 so wieder: „Und der Geist des Herrn wird über dich kommen, dass du mit ihnen in Verzückung gerätst“. Was ist darunter zu verstehen? Das hier gebrauchte hebräische Wort (Grundform nabi) bedeutet „sich als Prophet äußern“ (bzw. gebärden). Offensichtlich steht diese Aussage über Saul mit der Verzückung der Prophetenschar in Verbindung (V. 5) sowie mit dem Gebrauch der hier genannten Instrumente. Der adventistische Bibelkommentar deutet den Begriff als „Ausdruck göttlicher Wahrheit in der Form des sakralen Liedes. Mit derselben Verbform werden die Baalspriester beschrieben, die sich auf dem Berg Karmel selbst verletzten, wie besessen von einem bösen Geist (1 Kön 18,28.29). Es ist nicht zu bezweifeln, dass bei Saul und den Propheten ein anderer Geist wirkte als der, der sich der Baalsdiener bemächtigt hatte. Die ‚Söhne der Propheten‘ priesen Gott durch ihren Gesang, wobei Saul sich ihnen anschloss.“ (ABC 2, 494)

Vertiefung

Vielen von uns sind ekstatische Erscheinungen jedweder Art verdächtig – und das nicht unbegründet. Dennoch müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Gott auch in einer Weise wirken kann, die uns „unterkühlten“ Mitteleuropäern wesensfremd ist. Sicher war nicht jeder alttestamentliche Prophet ein Ekstatiker – und nicht jeder Ekstatiker war ein Prophet, der im Auftrag Gottes wirkte. Es handelt sich dabei eher um eine seltenere Erscheinung in den Anfängen der Prophetie. Trotzdem wurde diese Form des prophetischen Wirkens akzeptiert und nicht pauschal mit dem Prädikat „widergöttlich“ versehen. 13

Montag, 5. 1.

Die Gabe der Prophetie

2

Sprecher Gottes 2. Mose 7,1.2; 5. Mose 18,15.18.19; Jesaja 38,4.5

Worin bestand die Aufgabe eines Propheten?

Erklärung

Das Wort „Prophet“ (griech. pro-phetes; wörtl. Vor- bzw. FürRedner) bedeutet nicht, dass jemand etwas vorher- oder voraussagt. Das „pro“ ist in doppeltem Sinn zu verstehen: Der Prophet spricht (1.) vor allen Leuten und (2.) für Gott. Er ist also jemand, der vor der Öffentlichkeit Gottes Wort weitersagt. Das ist im Alten Testament das entscheidende Merkmal eines Propheten. Deshalb ist die Formulierung „So spricht der Herr“ typisch; sie findet sich 293 Mal im hebräischen Text. Im Sinn des stellvertretenden Sprechers ist auch 2. Mose 7 zu deuten. Für den ägyptischen König wird im übertragenen Sinn Mose zum „Gott“ erklärt und Aaron zu dessen „Prophet“. Aaron soll die Worte, die Mose zu ihm spricht, dem Pharao mitteilen. Damit ist Aaron der Sprecher, also der Prophet Moses (vgl. 2 Mo 4,15.16).

Vertiefung

„Der Prophet ist eine Persönlichkeit, auf übernatürliche Weise berufen und zum Sprecher Gottes herangebildet. Während in alttestamentlicher Zeit der Priester die Menschen vor Gott vertrat und für sie sprach, stellte der Prophet die gegenteilige Entsprechung dazu dar: er repräsentierte Gott vor den Menschen und redete zu ihnen in göttlichem Auftrag … Während die wichtigste Pflicht des Priesters darin bestand, die Menschen durch Vermittlung des Opfersystems zur Anbetung Gottes zu führen, hatte der Prophet vor allem die Aufgabe, ihnen Gottes Willen zu vermitteln, wie er offenbart worden war. Dafür ist Mose ein herausragendes Beispiel … Der Prophet vermittelte hauptsächlich Rechtschaffenheit, geistliches Leben und ethisch richtiges Verhalten, gab Ratschläge, ermahnte und warnte vor Fehlentwicklungen. Das schloss häufig die Vorhersage zukünftiger Ereignisse ein. Allerdings bei Mose, einem der größten Propheten (vgl. 5 Mo 18,15), war dies von geringer Bedeutung.“ (ABC 8, 903)

Zum Nachdenken

Wo habe ich anstelle eines anderen gesprochen? Welche Erfahrungen habe ich dabei gemacht? 14

Dienstag, 6. 1.

Die Gabe der Prophetie

2

Ruf zur Entscheidung 5. Mose 30,15-20

Vor welche Entscheidung wird das Bundesvolk gestellt?

Erklärung

Die Israeliten stehen nach der langen Wüstenwanderung vor dem Land Kanaan, das Gott ihnen verheißen hatte. Doch gerade diese Gabe droht für das Volk gefährlich zu werden: Jahwe war bekannt als der Gott des Sinai und der Wüste. Doch viele Israeliten glaubten immer wieder, dass das vor ihnen liegende Land den kanaanäischen Göttern gehöre und man auch sie verehren müsse, um glücklich und erfolgreich zu sein. Diese Fruchtbarkeits- und Naturgötter hatten sichtbare Bildnisse und luden durch anziehende Anbetungsrituale dazu ein, statt des Schöpfers etwas Geschaffenes zu verehren. Wie lange würde das Bundesvolk diesen Versuchungen widerstehen können? In dieser Situation stellt Mose den Menschen vor Augen, welche Folgen die Abkehr von Jahwe haben würde.

Vertiefung

Ein Prophet erkennt mehr als die meisten anderen Menschen, er sieht auch etwas über die Zukunft. Aber er kündigt ein zukünftiges Ereignis nicht so an, dass es bedingungslos eintreffen müsste. Sondern er stellt fest, wie der Einzelne oder eine ganze Gesellschaft in der Gegenwart lebt, und sieht die Folgen, die sich daraus ergeben können, sollten die Menschen ihr Verhalten nicht ändern. Deshalb erscheinen Zukunftsprophezeiungen im Alten Testament häufig in der Form, dass Alternativen des Handelns und deren jeweilige Folgen dargestellt werden. Damit wird der Prophet zum Mahner, der die Leute warnt, auf ihre Einsicht baut und ihnen dabei die Wahl lässt, sich so oder anders zu entscheiden.

Zum Nachdenken

„Gott zwingt die Menschen nicht, ihren Unglauben aufzugeben. Sie können Licht und Finsternis, Wahrheit und Irrtum selbst erkennen. Es steht ihnen frei, sich zu entscheiden. Der menschliche Verstand hat die Fähigkeit, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Gott will, dass sich Menschen dabei nicht von spontanen Impulsen abhängig machen, sondern sorgfältig die Bibel studieren.“ (R, 112f.) 15

Mittwoch, 7. 1.

Die Gabe der Prophetie

2

Protest gegen soziale Missstände Jeremia 34,8-22; Amos 8,4-8

Welches Unrecht wird hier angeprangert?

Erklärung

Nebukadnezar führte Krieg gegen Israel und belagerte Jerusalem. Unter dem Druck der Bedrohung wurde endlich getan, was eigentlich alle sieben Jahre fällig war: Die Entlassung aller israelitischen Sklaven (vgl. 2 Mo 21,2-4). Als der äußere Druck nachließ, weil ein ägyptisches Heer zu Hilfe kam und die Babylonier zunächst abzogen, wurde die Freilassung wieder zurückgenommen. Jeremia betont, dass durch dieses unsoziale Verhalten gegenüber den ehemaligen Sklaven Gott selbst angetastet wird.

Vertiefung

„Die Propheten wandten sich gegen eine korrupte Priesterschaft, die sich mit korrupten Königen und Fürsten verbündete; sie bekämpften sie im Namen des Gottes der Gerechtigkeit und Liebe, und sie sagten den Untergang des Staates und der Macht der Priester voraus. Sie schlossen keinen Kompromiss aus Zweckmäßigkeitserwägungen und versteckten ihren Angriff nicht hinter höflichen Worten. Kein Wunder, dass sie zu ihrer Zeit vom Mob beschimpft wurden und dass einige von ihnen von den Priestern und Königen in die Verbannung geschickt, ins Gefängnis geworfen oder umgebracht wurden. Erst viele Generationen später gab die Geschichte diesen Männern, die gewagt hatten, den Mund aufzutun, recht, als alle die untergingen, die geglaubt hatten, sich mit dem Schwert und mit Hilfe mächtiger Götzen behaupten zu können.“ (EFG, 132f.)

Anwendung

Der prophetische Protest zugunsten sozial Benachteiligter setzt sich bis in die Gegenwart fort. Morgen in einer Woche, am 15. Januar 2009, wäre der amerikanische Baptistenpastor und Bürgerrechtler Martin Luther-King Jr. 80 Jahre alt geworden. Er setzte sich mit gewaltlosen Aktionen für die Integration der Afroamerikaner in die „weiße Gesellschaft“ ein. Das hatte seinen „Preis“: Mehrfach tätliche Angriffe, mindestens einmal durch ein Bombenattentat; zwischen 1955 und 1968 mehr als 30 Mal inhaftiert. Am 4. April 1968 wurde er in Memphis, Tennessee, erschossen. 16

Donnerstag, 8. 1.

Die Gabe der Prophetie

2

Propheten in neutestamentlicher Zeit Epheser 2,19-21

Mit welchen Bildern veranschaulicht Paulus die Zugehörigkeit der Gläubigen zu Gott?

Erklärung

Propheten gab es nicht nur zu alttestamentlicher Zeit. Auch in der neutestamentlichen Gemeinde haben sie eine wichtige Aufgabe. Paulus schreibt, dass die Gemeinde auf den Grund der „Apostel und Propheten“ erbaut ist. Folgende Überlegungen sprechen dafür, dass mit den hier genannten „Propheten“ solche in neutestamentlicher Zeit gemeint sind: 1. Die Propheten werden nach den Aposteln genannt. 2. Am Beginn des nächsten Kapitels (3,4-6) beschreibt Paulus, dass das Geheimnis Christi den Menschen in der Vergangenheit nicht bekannt war, sondern erst jetzt den „Aposteln und Propheten“ durch den Geist offenbart ist.

Vertiefung

Auch in neutestamentlicher Zeit erhielten die Propheten durch den Heiligen Geist Offenbarungen göttlicher Geheimnisse, verborgener Gedanken von Menschen (1 Kor 14,24f.) oder über zukünftige Dinge (Apg 11,27f.). Wie das Alte Testament (2 Mo 15,20f.; Ri 4,4-10; 2 Kön 22,11-20) kennt auch das Neue Testament Prophetinnen: etwa die vier Töchter des Evangelisten und Diakons Philippus (Apg 21,9). Im Gegensatz zum Zungenredner spricht der Prophet in verständlicher Weise zur „Erbauung … Ermahnung und zur Tröstung“ (1 Kor 14,3). Während die Korinther in der Gefahr standen, die bei ihnen vorhandenen Geistesgaben zu hoch einzuschätzen, ermutigte Paulus die Thessalonicher, prophetisches Reden nicht zu verachten (1 Ths 5,20). Allerdings soll jegliche Prophetenrede geprüft und nur das Gute behalten werden (1 Kor 14,29; 1 Ths 5,21). Im Neuen Testament werden auch die Kriterien genannt, nach denen geprüft werden soll (1 Joh 4,2f.; Gal 1,8, Röm 12,6).

17

Freitag, 9. 1.

Die Gabe der Prophetie

2

Aktuelle Bedeutung 1. Korinther 13,8-10

Worin liegen die Möglichkeiten und Grenzen prophetischen Redens?

Erklärung

Auch wenn es so scheinen mag, schätzt Paulus die Prophetie nicht gering. Er stellt zwar den Geistesgaben, die den Korinthern so wichtig waren – und zu denen auch die Prophetie gehörte – die Liebe gegenüber, an der gemessen alle Gaben nur bruchstückhaft sind. Doch davon abgesehen wird deutlich, dass in neutestamentlicher Zeit die Gabe der Prophetie in den Gemeinden verbreitet war. Und seitdem? „Die göttliche Gabe der Prophezeiung soll die Kirche durch die Zeiten führen. Erst wenn die Notwendigkeit solcher Führung nicht mehr besteht – wenn Gottes Kinder ihr himmlisches Ziel erreicht haben –, wird prophetisches Reden aufhören.“ (ABC 6, 783) Bis dahin behält der prophetische Dienst seine Bedeutung.

Vertiefung

Wenn Prophetie mehr ist als die Vorhersage zukünftiger Ereignisse, also vor allem die Beurteilung der Gegenwart umfasst, dann ist das vor dem Hintergrund des Priestertums aller Gläubigen bis heute von Bedeutung. Unabhängig von unserer beruflichen Tätigkeit sind wir gerufen, dort für Gerechtigkeit und Nächstenliebe einzutreten, wo Rechtsbeugung, Machtstreben und Profitgier zur Norm geworden sind. Prophetisch zu wirken erfordert einen wachen und kritischen Verstand sowie den Mut, in Gesellschaft und Gemeinde auf das hinzuweisen, was dem Willen Gottes widerspricht.

Zusammenfassung

Die Gabe der Prophetie umfasst mehr als Vorraussagen über die Zukunft. Propheten sind von Gott befähigt, bestimmte geschichtliche Situationen zu „durchschauen“ und den Menschen dazu ein Wort von Gott zu sagen. Bis heute schließt prophetischer Dienst Warnung, Ermahnung, Trost und Ermutigung ein.

Sonnenuntergang: 16.53 Uhr 18

Sabbat, 10. 1.

Die Gabe der Prophetie

2

Fragen für das Bibelgespräch 1. Welche Rolle spielen Propheten in unserer Zeit? 2. Warum bringen viele Menschen Prophetie mit Spekulationen über die Zukunft in Verbindung? Wie denkt ihr darüber? 3. Wir lesen 2. Mose 7,1.2. Was kennzeichnet den prophetischen Dienst? Wo gibt es das heute, dass jemand nicht für sich selbst, sondern für einen anderen spricht? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? 4. Wir lesen 5. Mose 30,15-20. Vor welche Wahl werden die Israeliten gestellt? Warum ist es mitunter nötig, darauf hinzuweisen, dass unsere heute getroffenen Entscheidungen Auswirkungen haben, die erst (viel) später eintreten werden? 5. Lest das Zitat von E. G. White auf der Dienstagseite. Wie kommen darin die Würde und Freiheit des Menschen zum Ausdruck? Warum fällt es häufig schwer, das im Umgang mit Andersdenkenden umzusetzen? 6. Wir lesen Amos 8,4-8. Worin besteht die Sozialkritik des Propheten? Warum hat er sich nicht auf das geistliche Leben beschränkt, sondern ist auch politisch tätig geworden? Welche Fehlentwicklungen seht ihr in unserer Gesellschaft? 7. Wie könnten wir uns im Sinne alttestamentlicher Prophetie für soziale Gerechtigkeit einsetzen?

Liedvorschläge: 39Q, 100, 81 19

3. Studienanleitung Woche vom 11. bis 17. Januar 2009

Geistliche Gaben und Prophetie „Nun gibt es verschiedene geistliche Gaben, aber es ist ein und derselbe Heilige Geist, der sie zuteilt. In der Gemeinde gibt es verschiedene Aufgaben, aber es ist ein und derselbe Herr, dem wir dienen. Gott wirkt auf verschiedene Weise in unserem Leben, aber es ist immer derselbe Gott, der in uns allen wirkt. (1 Kor 12,4-6 NL) Grundgedanke

Als Jesus den Heiligen Geist sandte, schenkte er uns mit dieser Gabe eine Fülle von Gaben zum Dienst und Bau der Gemeinde. Dieser Reichtum steht jedem Nachfolger Jesu offen.

Einführung

Über die Geistesgaben besteht unter Christen so manche Unklarheit. „Entweder schweigt man völlig darüber, weil man keinen Mangel spürt und mit der ‚richtigen Lehre‘ oder der ‚ganzen Botschaft‘ theoretisch zufrieden ist … Ein anderer wieder verwechselt die Gaben des Geistes mit der ‚Frucht des Geistes‘, obwohl das Neue Testament deutlich zwischen Geistesgaben und Geistesfrucht unterscheidet (1 Kor 12,7; Gal 5,22).“ (JMG, 35) Geistesgaben sind vielfältig (1 Kor 12,4), werden unterschiedlich verteilt (1 Kor 12,11), sind einem jeden Gläubigen gegeben (1 Kor 12,7). Sie ergänzen einander (1 Kor 12,13.17), fördern die Einheit (1 Kor 12,24.25) und dienen dem Aufbau der Gemeinde (Eph 4,11-13). Geistesgaben sind für andere da (1 Ptr 4,10), nützen der Allgemeinheit (1 Kor 12,7) und sind zum Gebrauch bestimmt (1 Tim 4,14). Der Heilige Geist fördert also keinen „Heilsegoismus“; er stellt an die Arbeit, und zwar jeden an seinen Platz. Die Gabe der Prophetie ist eine dieser Geistesgaben. Propheten sind Leute, die wissen, welche Stunde geschlagen hat und was Gott den Menschen heute sagen will. Deshalb beziehen sie sich immer auf die aktuelle Situation und gehen auf den Zustand der Menschen ihrer Zeit ein.

20

Sonntag, 11. 1.

Geistliche Gaben und Prophetie

3

Gaben des Geistes 1. Korinther 12,4-8; 14,3.4.26

Was erfahren wir über Einheit und Unterschiedlichkeit der Geistesgaben? Welches Merkmal weist auf den Sinn der Gaben hin?

Erklärung

Das Wort Charisma (Einzahl) bzw. Charismata (Mehrzahl) bezeichnet zunächst grundsätzlich die „Gabe Gottes“: „Das Charisma Gottes ist ewiges Leben.“ (Röm 6,23) Nur aufgrund dieses „Gnadengeschenks“ teilt der Heilige Geist spezielle „Charismen“ aus. In 1. Korinther 12,4-6 werden die Geistesgaben unter einem dreifachen Aspekt gesehen: 1. Sie sind Charismata („Gnaden“-gaben) und weisen damit auf ihren Ursprung hin. 2. Sie sind Diakoniai (Dienste) und bringen so ihren Dienstcharakter zum Ausdruck. 3. Sie sind Energēmata (Wirkungen) und offenbaren in vielfältiger Weise die Kraft Gottes. Das Charisma trägt nur dann zur „Auferbauung“ bei, wenn es alle drei Eigenschaften besitzt. Die Begriffe Auferbauung, auferbauen (griech. oikodomē, oikodomein) kommen in 1. Korinther 14 siebenmal vor und bezeichnen den Vorgang des Bauens. Oikodomē ist die Aufgabe, die durch die Charismen wahrgenommen wird mit dem Ziel, Gemeinde zu bauen. In 1. Korinther 12,7.8 betont Paulus zweierlei: (1) der Heilige Geist gibt seine Gaben jedem („einem jeden wird gegeben“) und nicht nur Privilegierten; (2) sie sind kein fester Besitz, über den Menschen verfügen könnten. Der Begriff wird gegeben drückt im Griechischen durch die Präsensform aus, dass die Offenbarung des Geistes nicht nur einmal, sondern immer wieder neu gegeben wird.

Anwendung

Wenn das, was in der Gemeinde und durch sie geschieht, mit dem vergleichbar ist, was ein Orchester tut, dann sind auch die Kleinsten wichtig und die Größten nicht das Ganze. Alle werden zusammen spielen und klingen, sodass viele Menschen Freude, innere Genugtuung, Erquickung und Frieden erfahren, vor allem, weil Jesus der Dirigent ist. 21

Montag, 12. 1.

Geistliche Gaben und Prophetie

3

Vielfalt der Geistesgaben Römer 12,6-8; 1. Korinther 12,8-10.14-17.21.28-30; Epheser 4,11

Warum schenkt der Heilige Geist der Gemeinde Gaben? Welche Einsichten vermittelt der Vergleich von Gemeinde und menschlichem Körper?

Erklärung

Das Neue Testament erwähnt eine Fülle von Geistesgaben. In Briefen an verschiedene Gemeinden werden sie aufgelistet. Die Aufzählungen fallen unterschiedlich aus, denn keine Gemeinde hat alle Gaben erhalten, sondern eben die, die in ihrer Situation zum Bau der Gemeinde benötigt wurden. • Gaben in Rom: Prophetie, Lehre, Leitung, Barmherzigkeit, Diakonie/Dienst (LB: Amt), Ermahnung, Gabe des Gebens. • Gaben in Korinth: Apostelamt, Prophetie, Geisterunterscheidung, Lehre, Leitung, Weisheitsrede, Erkenntnisrede, Glaube, Heilung, Wunder tun, Gabe zu helfen, Zungenrede, Gabe der Auslegung. • Gaben in Ephesus: Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer. Neben diesen Geistesgaben gibt es noch viele andere, durch die die Gemeinde gebaut wird, z. B. Versöhnung stiften, zuhören können, Gastfreundschaft, Fröhlichkeit und Zuversicht verbreiten, ermutigen, soziale Hilfe leisten.

Vertiefung

Der Vergleich mit dem menschlichen Körper zeigt: Jedes Organ hat seine unverwechselbare Aufgabe, jedes ist wichtig im Zusammenspiel aller. Welch ein Reichtum liegt in der Vielfalt, wenn die Glieder am Leib Jesu vereint einen gemeinsamen Zweck erfüllen! Das Haupt der Gemeinde wird sie aufeinander abstimmen, nie aber gegeneinander oder sinnlos nebeneinander her handeln lassen.

Anwendung

Gaben erhält jeder Wiedergeborene; jeder, der dienen will, der darum bittet. Gott verteilt die Gaben so, wie er es will. Charismen wollen entdeckt, praktiziert und entfaltet werden. Vieles wird im Dienen klar, manches können uns andere bestätigen, manches sagt uns der Herr in der Stille vor ihm. 22

Dienstag, 13. 1.

Geistliche Gaben und Prophetie

3

Die Gabe der Prophetie 1. Korinther 12,10.28; 14,1.3.24.25.31

Mit welchem Wunsch überrascht Paulus nicht nur die Korinther? Welche Wirkung kann prophetische Rede haben?

Erklärung

Prophetie kann sich auf eine direkte Wort-Offenbarung Gottes beziehen, aber auch auf von Gott gewirkte Träume (Dan 1,17), Nachtgesichte (Dan 2,19; Sach 1,7ff.), Visionen (1 Kön 22,19ff.; Jes 1,1; Apg 10,10ff.). Inhalt prophetischer Rede waren im Alten Testament häufig Gerichtsankündigungen, durch die Gott die Umorientierung in der Gegenwart erreichen und die Wende bewirken wollte. Im Neuen Testament wird die Prophetie zu den Gaben des Geistes gerechnet, nach denen alle trachten sollen (1 Kor 14,1. 5.39). Weissagende Worte sind nicht nur Voraussagen über die Zukunft, sie sind (oft unbewusste) vollmächtige Rede im Namen Gottes in eine bestimmte Situation hinein. Sie enthalten „Aufbau, Mahnung und Zuspruch“ (1 Kor 14,3), treffen ins Gewissen, offenbaren das Innerste, decken Sünde auf; der Mensch sieht sich vor Gottes Gegenwart (1 Kor 14,24.25).

Vertiefung

Historiker deuten die Vergangenheit. Propheten decken die Gegenwart auf; sie haben offene Augen für die eigenen Tage. Sie verkünden nicht nur, was Gott den Menschen gesagt hat, sondern was er ihnen jetzt sagen will („gegenwärtige Wahrheit“). In 100 Jahren werden Historiker wissen, worauf es im Jahr 2009 auf gesellschaftlichem und religiösem Gebiet ankam; aber das ist für uns zu spät. Wir müssen es jetzt wissen!

Anwendung

Jede Zeit braucht dringend den geistlichen Arzt, der Krankheiten diagnostizieren und die richtige Arznei verordnen kann. Wir brauchen prophetische Predigten, nicht nur Predigten über Prophetie. Da wird Hoffnung verkündigt, wenn Menschen niedergedrückt sind; Demut, wenn sie stolz werden; Gehorsam, wenn sie nach eigenem Gutdünken leben; Reinheit, wenn ethische Maßstäbe verloren gehen; Buße, wenn sie gesündigt haben. 23

Mittwoch, 14. 1.

Geistliche Gaben und Prophetie

3

Vom rechten Gebrauch der prophetischen Gabe 1. Korinther 13,2; 14,29-33; 1. Thessalonicher 5,20.21

Was rät Paulus hinsichtlich der prophetischen Gabe? Worauf soll die Gemeinde stets bedacht sein?

Erklärung

Die Gemeinde braucht Menschen, denen Gott die Gabe der prophetischen Rede schenkt. Dennoch ist sie nicht jedem Prophetenspruch ausgeliefert. Das prophetische Wort ist zwar geistgeleitet, nicht aber göttliche Rede in „Reinform“. Darum gilt: Kein blinder Autoritätsglaube an den prophetisch Redenden, sondern: „Weissagungen verachtet nicht, prüft aber alles, das Gute haltet fest.“ (1 Ths 5,20.21 EB). Der Weg geht also zwischen Geringschätzung und Überschätzung mitten hindurch! Weil die Liebe über allem steht, dienen alle geistlichen Gaben nur dann dem Bau der Gemeinde, wenn sie in der Liebe angewandt werden (1 Kor 13,1.2). Die Liebe entscheidet über Wert und Unwert auch der prophetischen Rede. Deshalb gilt: Liebe schätzt jeden. Alle, die eine Offenbarung erhalten haben, sollen zu Wort kommen können und gehört werden. „Die vom Geist geleitete Rede soll in solcher Fülle und Mannigfaltigkeit ergehen, damit jeder in der Gemeinde das empfängt, was er für sein Glaubensleben an Lehre und Mahnung braucht.“ (WStB, 1. Korinther, 245) Liebe kann Maß halten. In einer Versammlung reden zwei oder drei. Liebe kann warten. Das Reden geschieht in einem geordneten Nacheinander. Liebe hält geistlich wach. Die Botschaft soll von den anderen beurteilt werden.

Vertiefung

Weil es Missbrauch und Fälschung gibt, sind Bibelkenntnis und Wachsamkeit nötig. Wer eigene Ehre sucht oder seine Gabe überschätzt, missbraucht sie. Fälschungen sind Satans Werk. Aus Weissagen wird dann Wahrsagen.

Zum Nachdenken

Was macht die prophetische Gabe so wichtig, dass sie als einzige in allen vier Gabenlisten (Röm 12; 1 Kor 12 [2-mal]; Eph 4,11) erwähnt wird? 24

Donnerstag, 15. 1.

Geistliche Gaben und Prophetie

3

Prophetie und Geistesgaben Apostelgeschichte 13,1; Römer 12,6.7; 1. Korinther 12,8.10

Wodurch macht Paulus deutlich, dass sich Gemeinde nie nur auf eine Geistesgabe stützen darf?

Erklärung

Die Prophetie steht in einem gesunden Verhältnis zu den anderen Gaben des Geistes. Alle brauchen sich gegenseitig, um den Bau der Gemeinde voranzubringen. • Der Prophetie steht die Gabe der Geisterunterscheidung zur Seite. Das ist notwendig, weil auch Satan Wunder tut und Gaben verleiht (Mt 24,24) und in Gestalt eines Engels des Lichts auftreten kann (2 Kor 11,14); weil „Prophezeiungen“ mit allzu Menschlichem vermischt oder persönlichem Geltungsstreben entsprungen sein können. Die Gabe der Unterscheidung der Geister gewinnt gerade in der Endzeit durch die Warnung Jesu vor falschen Propheten und falschen Christi (Mt 24,24) an Bedeutung. • In Apostelgeschichte 13,1 werden Propheten und Lehrer eng verbunden genannt. Durch die Gabe der Lehre wird das Fundament des Glaubens gelegt und es werden die Grundsätze des Reiches Gottes für unser Leben aufgezeigt. Die prophetische Rede offenbart, „was uns noch mangelt und gebricht“, führt zur Buße und in die enge Gemeinschaft mit Jesus. • Auch Weisheit und Erkenntnis haben einen Bezug zur Prophetie. Durch die Gabe der Weisheit können die praktischen Aufgaben des Lebens durchschaut und von Gott geschenkte Wege und Lösungen dafür gefunden werden. Erkenntnis ermöglicht einen gründlichen Einblick in Gottes Wahrheit und Heilsplan. • Selbst die Zungenrede dient, wenn sie ausgelegt wird, wie die Weissagung der Erbauung der Gemeinde (1 Kor 14,5).

Anwendung

„Jeder hat seine Gaben … Keiner ist das Ganze, aber in der Ergänzung der vielen verschiedenen Gaben könnte ein wunderbares Ganzes entstehen. Das würde den Einzelnen von dem Druck, alles haben zu müssen, befreien. Und das Ganze würde glaubwürdig und überzeugend.“ (AKM, 402) 25

Freitag, 16. 1.

Geistliche Gaben und Prophetie

3

Geistesgaben – Geistesfrucht 1. Korinther 13,1-3; 14,1; Galater 5,22.23

In welchem Verhältnis steht die Liebe zu den Gaben des Geistes? Wie erhalten wir die Frucht des Geistes, wie die Gaben?

Erklärung

Der Ausdruck „Charisma“ wird im Neuen Testament nie zur Bezeichnung der Liebe gebraucht. Die Liebe ist keine Gabe, sondern die Frucht des Geistes. Sie ist auch keine Alternative zu den Geistesgaben, sondern ihr Anwendungsprinzip. Sie verwirklicht sich im Charisma und ist zugleich ihr Kontrollorgan. Wird also die Liebe durch die Anwendung der Geistesgabe in die Tat umgesetzt oder nicht? Begegnet dem Anderen im Charisma Christus und sein Liebeshandeln? Wird Christus verherrlicht und dargestellt, oder der Mensch, der die Gabe ausübt? Diese „Kontrollfragen“ gelten jedem, der eine Gabe anwendet, auch dem Propheten.

Vertiefung

Geistesgaben sind unverzichtbar zum Aufbau der Gemeinde; ohne Liebe aber sind sie nichts! Liebe und Gaben bilden eine Einheit und dürfen nicht auseinander fallen! Wer zwar die Frucht, nicht aber die Gaben will, verleugnet seinen Auftrag und entzieht sich dem Dienst. Wer nur auf die Gaben aus ist und dabei die Liebe verletzt, schadet mehr, als dass er nützt.

Anwendung

Jungen „schießen“ spielend mit Holzgewehren aufeinander. Pastor Wilhelm Busch fragt einen: „Wie funktioniert deine ‚Knarre‘ eigentlich?“ Der Junge antwortet: „Ach, die schießt nicht wirklich; ich mache alles nur mit dem Mund!“ Alles nur mit dem Mund – das ist es. Da wird zwar geredet, aber es geschieht nichts. Wo aber nicht nur geredet, sondern die Liebe Gottes tätig wird, geschieht Aufbau der Gemeinde.

Zusammenfassung

Paulus sieht in der prophetischen Rede eine Gabe, die sich jeder Christ wünschen sollte. Sie weckt Glauben und festigt ihn, sie dient der Ermahnung, Tröstung und Belehrung. Sonnenuntergang 16.45 Uhr 26

Sabbat, 17. 1.

Geistliche Gaben und Prophetie

3

Fragen für das Bibelgespräch 1. Begabte Menschen, die für eine Sache „brennen“, wirken begeisternd. Was kann echte Begeisterung behindern? Worin liegen die Gefahren der Begeisterung? Was geschieht, wenn sie fehlt? Was haben Begeisterung und Geistesgaben miteinander zu tun? 2. Wir lesen 1. Korinther 12,4-6.12-17. Wie kann die Lehre von der Gabenvielfalt und Gabenverteilung praktisch umgesetzt werden? Warum gehen manche Christen diesem Thema lieber aus dem Weg? 3. Wir lesen 1. Korinther 12,10. Wozu brauchen wir heute noch die Gabe der Prophetie? Genügen uns nicht die biblischen Propheten und Ellen White? Begründet eure Meinung! 4. Wir lesen 1. Korinther 14,1.3.31. Paulus will, dass möglichst viele Christen prophetisch reden. • Welche Gedanken und Empfindungen habt ihr, wenn ihr das lest? • Auf welche Weise könnte der Wunsch des Apostels zum Beispiel im Gottesdienst Wirklichkeit werden? • Wäre es euch lieber, wenn wir uns nicht auf dieses „Glatteis“ begäben und damit jeder „Gefahr“ aus dem Wege gingen? Wenn ja, warum? • Wie können wir „prophetische Worte“ in Predigten, im Bibelgespräch oder im geistlichen Miteinander entdecken und dafür danken? 5. Wir lesen 1. Korinther 13,1-3; 14,1. Was ist nötig, damit Liebe und prophetische Rede zusammenwirken?

Liedvorschläge: 192Q, 71, 220Q 27

4. Studienanleitung Woche vom 18. bis 24. Januar 2009

Die Gabe der Prophetie und die Übrigen Offenbarung 12 „Und der Drache wurde zornig über die Frau und ging hin, zu kämpfen gegen die übrigen von ihrem Geschlecht, die Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu.“ (Offb 12,17) Grundgedanke

Jeder einzelne Gläubige ist aufgerufen, treu an der Schrift, dem offenbarten prophetischen Gotteswort, festzuhalten. Die Treue zum prophetischen Wort ist das bleibende Grundmerkmal der Gemeinde Gottes.

Einführung

Für Adventisten hat der Begriff „Übrige“ seit jeher eine besondere Bedeutung. Dabei spielte die Auslegung von Offenbarung 12,17 eine zentrale Rolle. Eine Tauffrage in der Gemeindeordnung von 2006 lautet: „Glaubst du, dass die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten die Kennzeichen der Übrigen der biblischen Endzeit-Prophetie trägt …?“ Die enttäuschenden Erfahrungen der frühen Adventbewegung hatten die Vorstellung gefördert, nur ein kleiner Rest zu sein. Beispielsweise trug eine Broschüre von 1846 den Titel: „An den kleinen zerstreuten Überrest.“ Entsprechend nannten sich die frühen Adventisten, die an der Wiederkunftserwartung festhielten, „Überrest“, „der zerstreute Überrest“ oder „die kleine Herde“. Die Vorstellung von einem „Überrest“ bzw. von den „Übrigen“ findet sich in verschiedenen Zusammenhängen auch in der Bibel – zuerst bei Noah und seiner Familie (1 Mo 7,23), dann immer wieder in der Geschichte Israels (1 Kön 19,18). Auch das Neue Testament thematisiert diesen Gedanken (Röm 11,5). Vor allem aber die Aussagen in der Offenbarung wurden für die Vorstellung von den „Übrigen“ prägend. Kapitel 12,17 spielt dabei eine zentrale Rolle. Hier werden die Übrigen als diejenigen charakterisiert, die Gottes Gebote halten und das Zeugnis Jesu haben. Was aber bedeuten diese Merkmale und was haben sie mit uns zu tun? In welcher Beziehung steht das Zeugnis Jesu zur Gabe der Prophetie?

28

Sonntag, 18. 1.

Die Gabe der Prophetie und die Übrigen

4

Eine schwangere Frau in der Wüste Offenbarung 12,1-17

Wer oder was ist mit der „Sonnenfrau“ gemeint? Was sagt der Text über die Situation der Frau?

Erklärung

Offenbarung 12 ist sinnvoll und geschlossen strukturiert: A – Die schwangere Frau, ihr Sohn und der Drache (12,1-6) B – Der Kampf zwischen Michael und dem Drachen (12,7-12) A‘ – Die Frau, ihre Nachkommen und der Drache (12,13-17) Kernstück ist der Kampf Michaels mit dem Drachen. Zunächst (V. 1-6) wird eine schwangere Frau vorgestellt, die, vom Drachen bedrängt, ein Kind, den Messias, zur Welt bringt. Der Text ist voll von mehrdeutigen Symbolen. So wurde die Frau z. B. als das Volk Israel, Maria oder als die christliche Kirche gedeutet. Da sie die Mutter des Messias ist (Offb 12,5) und nach Jesu Himmelfahrt (Offb 12,5) in Gestalt der christliche Kirche durch den Drachen verfolgt wird, dürfte die Sonnenfrau das ganze Gottesvolk des alten und neuen Bundes verkörpern (Jes 54,5.6; 2 Kor 11,2). So können die zwölf Sterne sowohl auf die zwölf Stämme Israels als auch auf die zwölf Apostel bzw. auf die zwölf „Stämme“ (Jak 1,1; Offb 7,2-8) deuten. Eine ähnliche Auslegungskombination kommt auch in Offenbarung 21,12.14 vor.

Vertiefung

Die Schilderung der Frau und ihre Flucht ist voll von alttestamentlichen Anspielungen. Der Gedanke an den Auszug Israels steht dabei im Vordergrund. Vergleiche z. B.: • die Flucht in die Wüste in Offb 12,6.14 mit 2 Mo 3,18; 13,18 • die Flügel des Adlers in Offb 12,14 mit 2 Mo 19,4 • die Erde, die ihren Mund öffnet in Offb 12,16 mit 5 Mo 11,6 • die wunderbare Speisung in Offb 12,6.14 mit 2 Mo 16,12f. Auch Paulus und andere Autoren verstehen ihre Zeit vor dem Hintergrund der Auszugserfahrung (1 Kor 10,1-13; Hbr 3,7-19; 1 Ptr 2,9; Jak 1,1). Schon die urchristliche Gemeinde scheint sich also als „Gemeinde in der Wüste“ gesehen zu haben.

Zum Nachdenken

Inwiefern können biblische Ereignisse als „Vorbild“ (1 Kor 10,6.11) für unsere gegenwärtige Situation dienen? 29

Montag, 19. 1.

Die Gabe der Prophetie und die Übrigen

4

Krieg der Sterne Offenbarung 12,7-12

Was ist der Hauptgedanke dieses Textabschnitts?

Erklärung

Die Vision vom himmlischen Kampf Michaels mit dem Drachen bildet das Zentrum von Kapitel 12 und zeigt: Der Kampf endet mit einem klaren Sieg Michaels über den Drachen und seine rebellischen Engelscharen. Mit Michael, der auch Erzengel genannt wird (Jud 9; vgl. Dan 10,21; 12,1), ist Christus selbst gemeint (vgl. 1 Ths 4,16; Joh 5,25-29). Bereits Jesu Wirken auf Erden war geprägt vom Kampf gegen Dämonen (vgl. Mt 12,28; Mk 1,34.39). Auch im Zusammenhang mit seinem Wirken und seinem Kreuzestod wird der Sturz Satans erwähnt (Joh 12,31-33; Lk 10,17-20). Auf eben dieses Opfer spielt auch der himmlische Jubelgesang in Offb 12,11 an: Die „Brüder“, die von Satan Tag und Nacht verklagt worden sind, haben überwunden „durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses“. Das Blut des Lammes, der Tod Christi, bildet demnach die Grundlage für den Sieg der Gläubigen.

Vertiefung

Satans Sturz galt in der jüdischen Tradition als entscheidendes Element der Endzeit. „Gemäß der so genannten Kriegsrolle von Qumran wird Gott beim endzeitlichen Kampf Israel dadurch zu Hilfe kommen, dass er Michael sendet, um den Fürsten der Frevelherrschaft zu besiegen.“ (MOdJ, 236). Demgegenüber betont Offenbarung 12,7-12, dass der endzeitliche Sieg über Satan bereits am Kreuz errungen ist. Satans Macht ist und bleibt endgültig gebrochen! Die Endzeit hat bereits begonnen. Der absolut wichtigste Ort in der „Endzeitschlacht“ heißt Golgatha. Die Gläubigen dürfen über diesen Sieg jubeln und fröhlich sein (Offb 12,12; vgl. Offb 18,20).

Zum Nachdenken

Wie bedeutsam ist die Botschaft vom Sieg über Satan für mich persönlich?

30

Dienstag, 20. 1.

Die Gabe der Prophetie und die Übrigen

4

Die Zeit in der Wüste Offenbarung 12,13-16 Erklärung

Mit Offenbarung 12,13-17 wird der Faden von Kapitel 12,6 wieder aufgenommen. Der besiegte Drache weiß, dass er wenig Zeit hat. Die Frau flieht für 3½ Zeiten (V. 14) bzw. 1260 Tage (V. 6) in die Wüste. Adventistische Ausleger sehen darin die 1260 Jahre der päpstlichen Vorherrschaft vom 6. bis Ende des 18. Jahrhunderts. Im Zusammenhang der Offenbarung des Johannes stehen die 3½ Zeiten für eine Zeit der Krise (vgl. 1 Kön 18,1 mit Jak 5,17 und Offb 11,2-3). In ihrem Charakter entsprechen sie einer Zeitperiode, die von Gott begrenzt wird: Das Wüten Satans auf Erden wird nicht endlos dauern. So kann die Zeitangabe historisch als 1260 Jahre (quantitativ) und darüber hinaus auch inhaltlich (qualitativ) verstanden werden. Darauf weist bereits Offenbarung 12,12 hin: Im Zusammenhang gelesen bezieht sich die „kurze Zeit (kairos)“ auf die 3½ Zeiten (kairos) in Vers 14.

Vertiefung

Der in Offenbarung 12 gebraucht Zeitbegriff kairos „bedeutet zunächst ‚günstige Gelegenheit‘, ‚geeigneter Augenblick‘… Damit ist der Kairos immer der Augenblick der Entscheidung, der Augenblick also, in dem Entscheidendes getan oder versäumt wird … Dementsprechend bezeichnet Kairos in der Regel ohne weitere Erklärung bereits einen von Gott besonders qualifizierten, erfüllten Zeitpunkt, einen aus göttlicher Perspektive günstigen Augenblick. Dabei kann es sich um eine kürzere (1 Kor 7,5; 2 Kor 8,14; 1 Ths 2,17) oder längere (Mk 10,30; Lk 21,24; Röm 8,18; 11,5) Zeitspanne handeln.“ (GBL, Bd. 3, 1718) Die 3½ Zeiten oder 1260 Tage sind daher für die Gemeinde auch eine Zeit der Entscheidung treu zu bleiben angesichts des wütenden Drachens (vgl. Hos 2,16-17; Jer 2,1-3).

Anwendung

Welche konkrete Entscheidung für Christus habe ich in letzter Zeit getroffen?

31

Mittwoch, 21. 1.

Die Gabe der Prophetie und die Übrigen

4

Die Nachkommen der Frau Offenbarung 12,17 Erklärung

Offenbarung 12,17 berichtet vom Zorn des Drachen und von seinem Kampf „gegen die Übrigen ihrer 0Nachkommenschaft“. Der griechische Begriff (hoi loipoí), der oft mit „die Übrigen“ übersetzt wird, „bedeutet wörtlich ‚die anderen‘. Er beinhaltet stets eine Gegenüberstellung (die einen – die anderen). Der Gedanke an einen kleinen Überrest haftet ihm nicht an. Oft bezeichnet er sogar die Mehrheit an Stelle der Minderheit. Nicht selten steht ein Einzelner einer weitaus größeren Gruppe von anderen – ‚den Übrigen‘ – gegenüber.“ (RPA, 23; vgl. Mt 25,10f.; Lk 18,9.11; 1 Ths 4,13; Apg 2,37) Entsprechend sollte Vers 17 mit „die anderen aus ihrer Nachkommenschaft“ übersetzt werden – eben die anderen neben dem erstgeborenen Knaben aus Kapitel 12,5. Der Begriff „Übrige“ steht daher für alle, die treu zu Christus stehen. „Wir haben also das Weib so wenig von ihrem Samen zu trennen wie eine Stadt von ihren Einwohnern. Auch der Ausdruck ‚übrige‘ setzt sich nicht gegen das Weib, sondern gegen den Sohn in Vers 5 ab. Es ist der Unterschied zwischen dem Erstgeborenen und den vielen Brüdern in Röm 8,29.“ (WStB, 336) Jeder einzelne Gläubige ist demnach Kind der einen himmlischen Mutter Jerusalem (Gal 4,26; vgl. Lk 19,43f.). In Offenbarung 12,17 geht es um die Verfolgung des Gottesvolkes der Endzeit, das mit unterschiedlichen Bildern beschrieben wird. Zunächst wird die himmlische Frau als Sinnbild für das gesamte Gottesvolk dargestellt, um schließlich in Vers 17 den einzelnen Gläubigen in seiner Standhaftigkeit zu kennzeichnen. Der Drache ist zornig auf die Frau und will auch gegen jeden einzelnen Gläubigen kämpfen. Ein ähnlicher Wechsel zwischen kollektiver und individueller Anrede liegt auch in den Sendschreiben vor (vgl. Offb 2,1 mit 2,7 usw.)

Zum Nachdenken

Welche Bedeutung hat der Begriff der „Übrigen“ für mein Verständnis von Gemeinde heute?

32

Donnerstag, 22. 1.

Die Gabe der Prophetie und die Übrigen

4

„… die Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu“ Offenbarung 12,17; 19,10; 22,9

Was bedeuten diese beiden Kennzeichen? Was ist mit dem „Zeugnis Jesu“ gemeint?

Erklärung

Das Doppelkennzeichen kommt in der Offenbarung mehrfach vor (vgl. Offb 1,2.9; 6,9; 20,4). Bereits die ersten Sätze der Offenbarung (1,1-3) erklären, was damit gemeint ist, nämlich das Buch bzw. die Botschaft der Offenbarung selbst. Sie wurde dem Johannes von Gott über Jesus und einen Engel übermittelt, der wiederum die Botschaft an die Gemeinde weitergeleitet hat. Um dieser prophetischen Offenbarung willen war er auf Patmos (Offb 1,9). Weil Gläubige an diesem offenbarten Wort und am Zeugnis Jesu festgehalten haben, wurden auch sie immer wieder verfolgt (Offb 6,9; 12,17; 20,4). Wort Gottes und Gebote Gottes sind letztlich ebenso identisch (vgl. Jes 1,10; 2,3; 5,24; Sach 7,12) wie Wort Gottes und Zeugnis Jesu (vgl. Joh 3, 31-34; 12,49-50).

Vertiefung

„So bedeutet in der Offenbarung das Bewahren der Gebote Gottes und des Glaubens Jesu die Treue zur prophetischen Überlieferung, so wie sie am Anfang gegeben worden war und durch die Propheten vermittelt wurde. Man erkennt den Überrest an seiner Bindung an die Schrift. Er ist die wahre Nachkommenschaft des Weibes (12,17) … Die Bindung des Überrestes an den Glauben Jesu und an die Gebote Gottes macht aus ihm einen prophetischen Zeugen für die Echtheit und Gültigkeit des Wortes Gottes.“ (RLÜ, 97)

Zum Nachdenken

Die Propheten sind also nicht die Einzigen, die das Zeugnis Jesu haben. Alle, die dem prophetischen Wort treu bleiben, haben es auch. (Nach ZZJ, 344)

33

Freitag, 23. 1.

Die Gabe der Prophetie und die Übrigen

4

Das Zeugnis Jesu – der Geist der Weissagung „Eine der Gaben des Heiligen Geistes ist die Weissagung. Diese Gabe ist ein Kennzeichen der Gemeinde der Übrigen und hat sich im Dienst von Ellen G. White erwiesen. Die Schriften dieser Botin des Herrn sind eine fortwirkende, bevollmächtigte Stimme der Wahrheit und geben der Gemeinde Trost, Führung, Unterweisung und Zurechtweisung. Sie heben auch deutlich hervor, dass die Bibel das Maß ist, an dem alle Lehre und Erfahrung geprüft werden muss.“ Was Adventisten glauben, 313 Als Siebenten-Tags-Adventisten glauben wir, dass wir Gottes Endzeitgemeinde angehören. Diese Übereinstimmung mit der Gemeinde der Übrigen vermittelt uns allerdings keinen Exklusivstatus Gott gegenüber. Unsere Erlösung wird uns nicht durch die Mitgliedschaft in einer Kirche garantiert. Gerettet werden wir als Einzelne, nicht als ganze Gemeinde. Siebenten-Tags-Adventisten verstehen sich als eine von Gott berufene Gemeinde, die den Auftrag hat, der Welt das „ewige Evangelium“ zu verkündigen. Ellen Whites prophetische Aufgabe bestand nicht zuletzt darin, uns zu ermutigen, am Glauben an Jesus, an den Geboten Gottes und am Zeugnis Jesu festzuhalten.

Zusammenfassung

Die Offenbarung preist diejenigen glückselig, die das prophetische Gotteswort hören (1,3) und sich daran orientieren (22,7). An dieser himmlischen Weissagung, dem Wort Gottes und dem Zeugnis Jesu festzuhalten (1,2), ist Auftrag und Merkmal der Gläubigen (12,17).

Sonnenuntergang 16.56 Uhr 34

Sabbat, 24. 1.

Die Gabe der Prophetie und die Übrigen

4

Fragen für das Bibelgespräch 1. Wann habt ihr euch als Außenseiter gefühlt? 2. Befinden sich die christlichen Kirchen heutzutage eher in einer Außenseiterposition oder in der Mitte der Gesellschaft? 3. Wir lesen Offenbarung 12,17. Teilweise ist der Begriff „die Übrigen“ so verstanden worden, dass er sich auf eine bestimmte Gruppe innerhalb des Christentums bezieht. Andere sind der Auffassung, dass hier alle Nachfolger Jesu gemeint sind. Wie denkt ihr darüber? (Vgl. Mittwochseite) 4. Wir lesen Offenbarung 12,7-12. Welche Bedeutung haben diese Verse innerhalb des 12. Kapitels der Offenbarung des Johannes? 5. In welchen Situationen braucht ihr den „Blick in den Himmel“, um neue Kraft zu bekommen? 6. Welchen Unterschied macht es, ob ich glaube, dass Gott Satan eines Tages besiegen wird, oder dass Satan bereits besiegt ist? 7. Wir lesen noch einmal Offenbarung 12,17 und Offenbarung 1,1-3. Welche Bedeutung hat es für euch, an der Offenbarung des Johannes, dem Zeugnis Jesu, festzuhalten? Studienhilfe: Hoffnung, die uns trägt: Wie Adventisten ihren Glauben bekennen, Lüneburg, 2008, 86-90, 116-121, 207, 214. Richard Lehmann, „Die Übrigen und ihr Auftrag“, in Die Gemeinde und ihr Auftrag, Lüneburg, 1994, 73-101. Jean Zürcher, „Das Zeugnis Jesu ist der Geist der Weissagung“, in Studien zur Offenbarung, Bd. 1, 1988, 325-356. Liedvorschläge: 37Q, 84Q, 323 35

5. Studienanleitung Woche vom 25. bis 31. Januar 2009

Das Geheimnis der Inspiration „Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.“ (2 Kor 4,7) Grundgedanke

Durch das Wirken des Heiligen Geistes spricht Gott in menschlichen Worten zu uns. So wie Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich ist, ist in der Bibel Göttliches und Menschliches miteinander verknüpft.

Einführung

Alle großen Religionen kennen Heilige Schriften. Ihre Sicht dieser Schriften unterscheidet sich jedoch erheblich, z. B. in der Frage nach ihrer Autorität und Entstehung. Der Koran gilt Muslimen als das unerschaffene Wort Gottes, das dem Propheten Mohammed Wort für Wort durch den Engel Gabriel übermittelt wurde. Jeder menschliche Einfluss auf den Text ist damit ausgeschlossen. Manche Christen vertreten bezüglich der Bibel eine ähnliche Sicht. Sie glauben, dass der Text der Heiligen Schrift durch „Verbalinspiration“ (wörtliche Eingebung) entstanden ist und deshalb in jeder Hinsicht fehlerlos und irrtumsfrei ist. Voraussetzung für das richtige Verständnis der Bibel ist aber Klarheit darüber, dass uns in der Bibel Gottes Wort im Menschenwort begegnet. Adventisten haben zu bedenken, dass auch der Umgang mit den Schriften von Ellen White Behutsamkeit und Ausgewogenheit erfordert. Sie wehrte sich stets dagegen, ihre Zeugnisse als wörtlich inspiriert und fehlerfrei anzusehen. Hinsichtlich der Bibel schrieb sie: „Um jeden zu erreichen, wurde Jesus Mensch. Die Bibel musste also in der Sprache des Menschen geschrieben werden. Alles aber, was menschlich ist, ist auch unvollkommen.“ (FG 1, 20) Und an anderer Stelle: „Der Schatz war irdischen Gefäßen anvertraut worden, aber nichtsdestoweniger ist er vom Himmel. Das Zeugnis wird mithilfe unvollkommener menschlicher Worte mitgeteilt und ist dennoch das Zeugnis Gottes.“ (GK, 9)

36

Sonntag, 25. 1.

Das Geheimnis der Inspiration

5

„Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund“ Jeremia 1,1-3.9; 36,1-4

Finde anhand der Zeitangaben, ggf. einer Zeittafel zur Bibel heraus, wie lange Jeremias Dienst währte!

Erklärung

Wie die Übermittlung des göttlichen Wortes vor sich ging, bleibt ein Geheimnis. Manchmal spielten dabei Träume und Visionen eine Rolle, aber die Regel war das nicht. Wenn wir die Zeitangaben in Jeremia 36 beachten, machen wir eine erstaunliche Feststellung: Seit Jeremias Berufung sind bereits über 20 Jahre vergangen, aber erst jetzt wird die prophetische Botschaft schriftlich festgehalten! Trotzdem war Jeremia in der Lage, sich an die empfangenen Offenbarungen zu erinnern und sie seinem Schreiber Baruch zu diktieren. Dass Gott sich nicht nur in einer für Menschen fassbaren Weise offenbart, sondern auch den „Filter“ des Gedächtnisses nicht umgeht, mag erstaunen. Wäre nicht ein „himmlisches Diktat“, vom Propheten sofort notiert, viel sicherer gewesen? Bemerkenswert ist auch, dass das Jeremiabuch viele erzählende Abschnitte enthält, die von der Leidensgeschichte des Boten Jahwes in der dritten Person berichten. Wahrscheinlich verdanken wir diese Aufzeichnungen Baruch. Aber auch dieser erzählende Stoff ist Bestandteil des Kanons geworden. Eine zu enge Sicht der Inspiration erschwert das Verstehen der Bibel. Bei der Entstehung der Heiligen Schrift ging es menschlich zu. Dennoch wirkte der Heilige Geist hinter dieser „Fassade“ in einzigartiger Weise.

Vertiefung

„Dass die Schrift von Gott kommt, das glauben wir, weil die Kraft des Geistes uns erleuchtet, nicht aber auf Grund des eigenen Urteils oder desjenigen anderer Leute … Wir kommen zu dieser Gewissheit, weil wir empfinden, dass hier die unbezweifelbare Gewalt göttlicher Majestät waltet und wirkt – und diese Kraft zieht und entzündet uns zum Gehorsam, mit Wissen und Wollen, aber viel lebendiger und stärker als alles menschliche Wollen und Wissen.“ (Calvin, Inst I, 7, 5) 37

Montag, 26. 1.

Das Geheimnis der Inspiration

5

„Getrieben vom heiligen Geist“ 2. Timotheus 3,14-17; 2. Petrus 1,19-21

Wie beschreiben Paulus und Petrus den Zweck der inspirierten Schriften?

Erklärung

Paulus bezeugt den göttlichen Ursprung der Heiligen Schrift – sie ist theopneustos (gottgehaucht), lat. inspirata (inspiriert) – und betont ihren praktischen Wert für das christliche Leben („ist nütze zur…“); er erklärt aber nicht das ‚Wie‘ der Inspiration. Mensch (1 Mo 2,7) und Schöpfung (Ps 33,6) verdanken ihr Dasein dem göttlichen „Hauch“, genau so verdanken wir die Bibel dem „Wehen“ des Geistes. Auch Petrus bezeugt, dass die Weissagungen der Propheten nicht menschlichem Wollen und Denken entstammten, sondern unter dem Einfluss des Heiligen Geistes gegeben wurden. Wie der Wind in die Segel eines Schiffes bläst, so wurden die biblischen Autoren vom Geist bewegt (pheromenoi, angetrieben), im Namen Gottes zu reden. Auch Petrus bezeugt somit den göttlichen Ursprung der Bibel, ohne diesen Vorgang näher zu erläutern.

Vertiefung

„Die Bibel wurde nicht in einer großartigen, übermenschlichen Sprache gegeben. Um die Menschen zu erreichen, wo sie sind, nahm der Sohn Gottes menschliche Gestalt an. Die Bibel musste in menschlicher Sprache geschrieben werden. Alles Menschliche ist unvollkommen. Dasselbe Wort kann verschiedene Bedeutungen haben. Ein bestimmter Gedanke lässt sich nicht nur durch einen Begriff ausdrücken. Die Bibel wurde für praktische Zwecke gegeben. Nicht die Worte der Bibel sind inspiriert, sondern ihre Verfasser. Die Inspiration wirkt nicht auf die Worte oder Ausdrücke der Menschen, sondern auf sie selbst. Sie wurden unter dem Einfluss des Heiligen Geistes mit Gedanken erfüllt. Doch die Worte tragen den Stempel des individuellen Verstandes. Der göttliche Geist hat sich mitgeteilt. Der göttliche Verstand und Wille verbinden sich mit dem menschlichen Verstand und Willen. Auf diese Weise sind die Äußerungen der Verfasser das Wort Gottes.“ (FG 1, 20f.)

Zum Nachdenken

Entspricht mein Verständnis von Inspiration dem tatsächlichen Wirken Gottes oder eher menschlichen Vorstellungen? 38

Dienstag, 27. 1.

Das Geheimnis der Inspiration

5

Inspiriert – und doch verschieden Matthäus 17,14-20; Markus 9,14-29; Lukas 9,37-43

Welche Unterschiede entdecken wir in der Darstellung dieser Begebenheit?

Erklärung

Dies ist ein aufschlussreiches Beispiel für die Wirkung der Inspiration auf die Verfasser der Evangelien. Der Vergleich der drei Berichte offenbart erstaunliche Unterschiede. Die Zusätze bzw. Auslassungen lassen verschiedene Zielrichtungen erkennen. Lukas betont die Herrlichkeit Gottes. Mit wenigen Worten skizziert er diese Begebenheit als ein wunderbares Zeugnis für die Macht Gottes. Matthäus lässt das Gespräch mit dem Vater des Jungen weg und beschließt die Geschichte mit einem scharfen Tadel an die Jünger wegen ihres Kleinglaubens. Markus möchte die Geschichte als Zeugnis für das aufkeimende Vertrauen des Vaters verstanden wissen. Die Kritik an den Jüngern ist deutlich abgemildert. Alle drei Versionen berichten vom Eintreffen Jesu in der Menschenmenge und von der Heilung des kranken Jungen. Bei der Beschreibung der Einzelheiten geht jedoch jeder Evangelist seinen eigenen Weg. Wer eine protokollarische, neutrale Berichterstattung erwartet, wird enttäuscht. Dieses Beispiel und viele andere Berichte zeigen, dass hinter den Evangelien ganz bestimmte missionarische und seelsorgerliche Absichten stehen. Die Worte und Taten Jesu wurden unter der Leitung des Heiligen Geistes zu einer Geschichte geformt, die den geistlichen Bedürfnissen und der Situation der Adressaten Rechnung trägt.

Vertiefung

„Und wo mehrere Verfasser dasselbe Thema unter verschiedenen Gesichtspunkten und Beziehungen darstellen, mag der oberflächliche, nachlässige oder voreingenommene Leser da Diskrepanzen oder Widersprüche sehen, wo der nachdenkende, gottesfürchtige Studierende mit klarerer Einsicht die zugrunde liegende Übereinstimmung erkennt. Da verschiedene Personen die Wahrheit dargelegt haben, werden auch ihre verschiedenen Aspekte beleuchtet. Ein Verfasser ist von einer Seite des Themas stärker beeindruckt … Ein zweiter befasst sich mit einer anderen Seite …“ (GK, 8) 39

Mittwoch, 28. 1.

Das Geheimnis der Inspiration

5

Die Verarbeitung von Quellen Lukas 1,1-4

Welche Absicht verfolgte Lukas mit seinem Werk? Wie beschreibt er seine Arbeitsweise?

Erklärung

Lukas gilt als der „Historiker“ unter den Evangelisten. Im Vorwort gibt er in der üblichen Art eines griechischen Geschichtsschreibers Auskunft über seine Arbeitweise. Die von ihm vorgefundene Jesus-Überlieferung hat er bis zu den ersten Anfängen zurückverfolgt und bietet sie in geordneter Abfolge dar. Er erwähnt viele Vorgänger, deren Bemühungen ihn aber offensichtlich nicht zufrieden stellten. Lukas hat gründlich recherchiert, die für ihn erreichbaren Quellen gesammelt und ausgewertet. Beim Matthäusevangelium gehen viele Bibelausleger von zwei Quellen als Grundlage aus, dem Bericht des Markus und der so genannten „Redenquelle“. Matthäus übernimmt den Stoff und Aufriss des Markusevangeliums und fügt weiteres Material ein. Darüber hinaus ist bei Lukas viel Stoff aus anderen schriftlichen Quellen und mündlicher Überlieferung eingeflossen. Dieses Sondergut macht fast die Hälfte seines Werkes aus. Der Bericht von Jesu Geburt und Kindheit gehört dazu, das berühmte Gleichnis vom verlorenen Sohn, die Beispielgeschichte vom barmherzigen Samariter und die Geschichte vom Zöllner Zachäus. (Nach SEB, 1495)

Vertiefung

Die biblischen Verfasser haben den ihnen vorliegenden Stoff gestaltet und geformt. Dabei wurden sie von bestimmten Gesichtspunkten geleitet. Die Geschichte von der Versuchung Jesu ist eins von vielen Beispielen. „Die Versuchungen steuern bei Matthäus auf die Frage hin, wer letztlich die Welt regieren sollte. Es geht da um die Herrschaft! Wie wir noch sehen werden, geht es bei Lukas dagegen um die Befreiung von Satans Macht. Deshalb lässt er die Versuchungen damit enden, dass Satan von Jesus, der auf der Tempelzinne steht, weichen muss.“ (GRL, 36) 40

Donnerstag, 29. 1.

Exkurs 1

Das Geheimnis der Inspiration

5

Das ‚Wie‘ der Inspiration ist und bleibt ein Geheimnis „Es gibt Fragen an die Bibel, die wir nicht beantworten, Probleme, die wir nicht lösen können. Das liegt daran, dass sowohl das geschriebene Wort als auch das lebendige Wort, Jesus Christus, gleichzeitig göttlich und menschlich sind. Als Jesus als Mensch auf diese Erde kam, wurde er auf einzigartige Weise Gott-Mensch. Wir werden nie ganz verstehen, wie seine Natur die göttliche und menschliche Seite zu einer neuen Einheit verschmolzen hat. Eine ähnlich geheimnisvolle Verbindung von Göttlichem und Menschlichem ist das geschriebene Wort Gottes.“ (RFG, 96f.) Es gibt drei Erklärungsmodelle für die Inspiration der Bibel: Verbalinspiration Gott gibt den Propheten seine Worte ein. Die Urschriften der Bibel sind „voll inspiriert“ hinsichtlich aller Fragen und Themen, zu denen sie sich äußern, und deshalb in jeder Hinsicht irrtumslos/fehlerfrei und gültig. Unterschiede gibt es hier in der Frage, wie stark der Einfluss des göttlichen Autors auf die menschlichen Schreiber gedacht ist (Trance, Diktat oder „nur“ Suggestion der Worte). (Vertreter: Fundamentalismus) Personalinspiration Gott veranlasst Menschen, ihn zu bezeugen. Nicht die Bibel ist inspiriert, sondern die Menschen, die sie schrieben. Gott ist der Initiator, der den Impuls zum Reden und Schreiben gibt; die Menschen sind als die Verfasser für das Gesagte und Geschriebene selbst verantwortlich. Die Bibel ist nicht Gottes Wort, sondern das irrtumsfähige menschliche Zeugnis der göttlichen Offenbarung. (Vertreter: Herder, Schleiermacher) Mental-/Real-/Gedankeninspiration Gott erfüllt Menschen mit Gedanken (lat. mens, Mental-), die Worte werden von den Verfassern gewählt. Der gemeinte Inhalt stammt von Gott (Botschaft/Sache, lat. res, Real-), die sprachliche Form von Menschen (Wortwahl, Stil, Grammatik, Logik). Die Heiligen Schriften sind das zuverlässige Wort Gottes, nicht jedoch die irrtumslosen und fehlerfreien Worte Gottes. (Vertreter: Ellen White, Adventisten) „Siebenten-Tags-Adventisten glauben nicht an die Verbalinspiration im üblichen Sinne des Wortes, sondern an das, was man mit Recht als Gedankeninspiration bezeichnen kann.“ (Seventh-day Adventist Encyclopedia, 1976/1996) 41

Freitag, 30. 1.

Exkurs 2

Das Geheimnis der Inspiration

5

Die menschliche Begrenztheit eines göttlichen Werkzeugs Ellen White betont in der Einführung zu ihrem Buch „Der Große Kampf“, dass in der Bibel das göttliche und das menschliche Element eng miteinander verbunden sind. Dies auch beim Studium ihrer Schriften zu beachten, ist von entscheidender Bedeutung. Die Devise „Alles oder nichts“ steht dazu im Gegensatz und hat sich immer wieder verhängnisvoll ausgewirkt. Wer nicht differenziert, wird das Kind mit dem Bade ausschütten. Eine an der Bibel geschulte Nüchternheit und Behutsamkeit hilft, auch mit schwierigen Fragen im Werk von Ellen White umzugehen. Das betrifft besonders drei Bereiche: 1. Ihre Verwendung literarischer Quellen. 2. Offensichtliche Irrtümer. 3. Widersprüchlich erscheinende Aussagen. Zu Es ist eine gut erforschte Tatsache, dass Ellen White bei der Abfassung ihrer Schriften teilweise in erheblichem Umfang auf die Werke anderer Autoren zurückgegriffen hat. Das geschah in unterschiedlicher Weise. Manchmal hat sie Abschnitte wörtlich übernommen, häufig werden die gefundenen Formulierungen abgewandelt oder nur die wesentlichen Gedanken übernommen. Die Benutzung fremder Quellen wurde in der Regel gar nicht erwähnt, auch wörtliche Zitate wurden nicht gekennzeichnet. Diese Vorgehensweise bewegte sich allerdings im Rahmen der damals üblichen Gepflogenheiten. Die strengen Urheberrechte von heute gab es zu ihrer Zeit noch nicht. Zu Ein Beispiel für einen offensichtlichen Irrtum war die auch von Ellen White vertretene Auffassung, einige menschliche Rassen seien aus der geschlechtlichen Vereinigung von Mensch und Tier hervorgegangen (Spiritual Gifts, Bd. 3, 64. 75). Als Kind ihrer Zeit übernahm sie manchmal auch irrige Ansichten, die sich aber als nebensächliche Bemerkungen in ihrem Gesamtwerk erweisen. Zu Es ist wichtig, den Lebensweg von Ellen White als Prozess wachsender Erkenntnis zu begreifen. So wurde die Frage nach dem Verzehr von Schweinefleisch 1858 als unwichtig eingestuft, fünf Jahre später wurde der Verzicht darauf Bestandteil der gesunden Lebensweise adventistischer Christen. Auch Wachstum in der Erkenntnis braucht Zeit.

Sonnenuntergang 17.09 Uhr 42

Sabbat, 31. 1.

Das Geheimnis der Inspiration

5

Fragen für das Bibelgespräch 1. Welche Vorstellungen verbinden sich im Allgemeinen mit dem Begriff „Inspiration“? Woran denken Christen, wenn sie bezüglich der Bibel von inspirierten Verfassern sprechen? 2. Wir lesen Jeremia 1,1-3.9 und 36,1-4. Beschreibt die göttliche und die menschliche Seite der prophetischen Botschaft, die uns überliefert ist! 3. Wir lesen Markus 9,14-29. (Vgl. Dienstag!) Vergleicht diese Darstellung mit den Parallelberichten bei Matthäus und Lukas. Wie verstehen wir die Unterschiede der drei Fassungen? Welche Konsequenzen ergeben sich für die Frage nach dem Verhältnis von göttlicher Inspiration und menschlicher Freiheit? 4. Wir lesen Lukas 1,1-4. Wie beschreibt der Verfasser seine Arbeitsweise? Worin erkennen wir das Wirken des Heiligen Geistes bei der Entstehung des Lukasevangeliums? 5. Wir lesen 2. Timotheus 3,16. Was sagt der Text über den Ursprung und die Rolle der Heiligen Schrift? Wofür ist euch die Heilige Schrift besonders wertvoll geworden? 6. In welcher Hinsicht habt ihr die Lektüre der Schriften von Ellen White als hilfreich erlebt? 7. Warum ist die Devise „Alles oder nichts“ gerade beim Umgang mit inspirierten Schriften verführerisch und gefährlich? Wie ist es möglich, Glaube und kritisches Denken miteinander zu verbinden? Liedvorschläge: 574, 123Q, 125Q 43

6. Studienanleitung Woche vom 1. bis 7. Februar 2009

Propheten im Test „Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles, und das Gute behaltet.“ (1 Ths 5,20.21) Grundgedanke

Die Gemeinde braucht die inspirierende Kraft prophetischer Rede. Sie darf aber nicht einer trügerischen Imitation auf den Leim gehen. „Nicht verachten, aber prüfen“, ist der Leitspruch.

Einführung

Die Bezeichnung TÜV ist eine Abkürzung für Technischer Überwachungs-Verein. Sie kennzeichnet eingetragene Vereine, die technische Sicherheitskontrollen durchführen. Weil der TÜV weltweit ein hohes Ansehen genießt, wird diese Marke in der Umgangssprache auch auf andere Bereiche ausgedehnt: Schul-TÜV, Politiker-TÜV, Eltern-TÜV, Ärzte-TÜV. Gibt es auch einen Propheten-TÜV oder einen Theologischen Überwachungs-Verein für Prophetie? Allgemein bekannt wurde der TÜV vor allem durch die KfzHauptuntersuchung. Man hat die bewusste Plakette und kann sichergehen, dass ein so gekennzeichnetes Fahrzeug den Sicherheitsbestimmungen entspricht. Wirklich? Längst werden im Internet gefälschte TÜV-Plaketten gehandelt. Es genügt nicht mehr, auf den Aufkleber zu achten. Man muss sich schon das Auto selber ansehen. Als „TÜV-Plakette“ des Propheten gilt die Botenformel: „So spricht der Herr!“ Aber auch falsche Propheten weisen sich so aus. Sie haben die Plakette gefälscht. Man darf sich nicht von der plakativen Selbstdarstellung dieser Personengruppe täuschen lassen. Man muss den Autor selbst unter die Lupe nehmen. „Als ich einmal zu einem Vortrag eingeladen wurde, war die Einladung mit der Bitte verbunden, nur ja keine akademische Rede zu halten, sondern eine Rede in prophetischer Vollmacht. Die Bitte, den Propheten zu spielen, irritierte mich. Nein, sagte ich mir: du bist ein Exeget. Du bist ein Prediger. Aber kein Prophet. Dir fehlt der direkte Draht nach oben. Also sagte ich ab. Ich wollte kein falscher Prophet sein.“ (Gerd Theissen, dt. Neutestamentler) 44

Sonntag, 1. 2.

Propheten im Test

6

Prophetenschelte vom Propheten Jeremia 23,16-32

Woran weiß sich ein echter Prophet gebunden? Worin besteht die (Selbst-)Täuschung falscher Propheten?

Erklärung

Hier liegt eine Sammlung von Worten vor, in denen sich Jeremia mit den falschen Propheten auseinandersetzt. Die fordern nicht Umkehr, sondern bestätigen die Selbstsicheren und Unbußwilligen: Das Heil ist euch sicher! Aber Propheten, die dem Volk Frieden versprechen, wenn es im Ungehorsam gegen Gott lebt, können sich nicht auf Gott berufen. Im Unterschied zu anderen Zeugnissen der Bibel werden hier Offenbarungen und Weisungen, die im Traum empfangen wurden, kritisch beurteilt. Jedenfalls kann dieser Ursprung noch nicht die göttliche Herkunft einer Botschaft beweisen. Das entscheidet sich letztlich am Inhalt und an der Wirkung.

Vertiefung

„Die Weisheit dieser Propheten ist nur Besserwisserei. Sagt Jeremia. Der Brustton ihrer Überzeugung ist der Eitelkeit geschuldet. Die Stimme, die dem Propheten souffliert, entstammt dem Selbstgespräch. Die Träume, die sie erzählen, sind nur Projektionen ihrer eigenen Wünsche. Ihre Vollmacht nur Ehrgeiz nach Erfolg. Ihre Botschaft beruhigt: Alles wird gut! Aber es gilt auch daran zu erinnern, dass nicht die automatisch wahre Propheten sind, die mit Lust die Welt eindunkeln. Untergangsprediger und die, die die Depression als einzig angemessene Lebensform verkünden, stehen nicht automatisch auf der Seite Gottes. Ganz im Gegenteil. Es gibt einen medial inszenierten Alarmismus und eine bisweilen obszöne Lust am Scheitern des Menschheitsprojekts. Ihre Prediger sind gar nicht an der Veränderung des Blicks interessiert. Sie feiern die Apokalypse. Nihilismus und Zynismus sind die Folgen. Das lähmt und macht mutlos. Hier ist … Wachheit gefragt, weil wir dann und wann eine Neigung haben, diesen professionellen Schwarzsehern eher zu glauben. ‚Alles wird schlecht‘ – dieser Spruch ist nicht besser als das ‚Alles wird gut‘.“ (PBB) 45

Montag, 2. 2.

Propheten im Test

6

Nur ein Bewegter kann bewegen 2. Chronik 20,1-30

Woran erinnerte Joschafat sich selbst und Gott? (V. 6.7) Wodurch bekam er Antwort? (V. 14.15.17)

Erklärung

Während der Zuspruch „Es wird euch wohl gehen“ in Jeremia 23 dem Herzen der falschen Propheten entsprang und dem Wort Gottes widerspricht, ist das Mut machende Wort in 2. Chronik 20 von Gott eingegeben (V. 14-17). Angesichts gefälschter Prophetie könnte die Frage aufkommen, ob es nicht besser wäre, auf Prophetie ganz zu verzichten und dafür korrigierbare Hypothesen zu formulieren. 2. Chronik 20 dagegen macht deutlich, wie wichtig göttliche Inspiration ist. Ohne die klärende und begeisternde Wirkung des Heiligen Geistes sind wir ausgebrannt und freudlos. Gottes Geist aber verwandelt das „Jammertal“ in ein „Lobetal“ (V. 22.26). Bezeichnend ist, dass kein „Berufsprophet“ die Wende einleitet.

Vertiefung

Ein Gespräch ist in die Sackgasse geraten. Gegensätzliche Meinungen prallen aufeinander. Klärung ist nicht in Sicht. Plötzlich empfängt jemand einen Gedankenblitz. Er spricht das erlösende Wort. Die Gruppe atmet auf. Merkwürdig, dass man nicht selber auf den Gedanken gekommen ist. Ein Schiff ist in Seenot, die Besatzung am Ende ihrer Kraft und Möglichkeiten. Alle haben mit dem Leben abgeschlossen, jede Hoffnung ist dahin. Paulus, der auch auf dem Schiff ist, befiehlt: „Jetzt wird gegessen!“ Und er geht mit gutem Beispiel voran. Neue Hoffnung keimt auf, alle werden gerettet. Ein scheinbar simpler Vorgang veränderte die Sicht. Doch woher kam der Impuls? Was wären wir ohne die Gegenwart des Geistes, was wären wir ohne Geistesgegenwart?!

Zum Nachdenken

„Du gibst Gewissheit, dass Gott durch uns handelt, / reißt uns aus Trägheit und Angst heraus. / Du gibst Gewissheit, dass Gott durch uns handelt, /du stattest mit deinen Gaben uns aus. / Erwecke und belebe uns, du Geist der Freiheit. / Erleuchte und bewege uns, / du Heiliger Geist.“ (Q 221,2) 46

Dienstag, 3. 2.

Propheten im Test

6

Prüfet aber alles … Formuliert anhand folgender Texte Prüfungsfragen für Propheten! Jes 8,20

____________________________________________

Jer 28,9

____________________________________________

1 Joh 4,1.2 ____________________________________________ Mt 7,15.16 ____________________________________________ Erklärung

Weissagungen dürfen nicht missachtet werden. Das Feuer des Heiligen Geistes ist nötig, sonst haben wir nur noch erstarrte Lava, aus der Theologen versteinerte Lehrmeinungen herausmeißeln. Doch wer vom Heiligen Geist ergriffen ist, hat damit noch keinen Freibrief. Wer auf der richtigen Seite steht, hat nicht immer recht. Der wahre Weg führt zwischen Geringschätzung und Überschätzung hindurch. Die Angst vor Schwärmerei darf nicht zum Löschen des Geistes verführen. Sonst entsteht kraftloses und geistloses Leben. Kritiklosigkeit wäre das andere Extrem, dass man jedweder Strömung folgt, die „Geisteskraft“ vorgaukelt. Mehr denn je ist die Gemeinde auf die Gabe der Geisterunterscheidung angewiesen.

Vertiefung

„Der Geist Gottes … … verstößt nie gegen die Liebe. … schenkt innere Ruhe, Kraft und Sicherheit. … führt einen geraden, einsichtigen Weg. … handelt nie gegen die göttlichen Gesetze. … lässt reifen und wachsen. … gibt uns Anstöße zum Tätigwerden. … macht uns hellhörig für jede Sünde. … führt zu Jesus hin. … führt zu Vergebung und Versöhnung. … führt zum Wesentlichen hin.“ (Hanns Buob, 1989)

Zum Nachdenken

Welche Erfahrungen hast du mit dem Schrifttum von Ellen White gemacht? In welcher Weise hat es dein geistliches Leben beeinflusst?

47

Mittwoch, 4. 2.

Exkurs

Propheten im Test

6

Merkmale echten Prophetentums Übereinstimmung mit der Bibel (Jes 8,20) Was ein Prophet sagt, muss mit dem übereinstimmen, was Gott bereits offenbart hat. Obwohl spätere Propheten zusätzliche Einsichten hinsichtlich des Erlösungsplans offenbaren mögen, werden sie dem nicht widersprechen, was Gott bereits zuvor gesagt hat. Gottes Unwandelbarkeit gilt auch hinsichtlich seiner Offenbarung an die Menschheit. Ein Beispiel für den Test eines echten Propheten findet sich bei Jeremia (vgl. Jer 25,11 mit Jer 28).

Erfüllte Prophetie (Jer 28,9) Der Beweis für die Echtheit eines Propheten liegt zum Teil in der Erfüllung der Vorhersagen. Es ist allerdings möglich, dass nicht alle Ankündigungen in Erfüllung gehen, wenn die betroffenen Menschen eine Umkehr des Herzens vollziehen. Dann handelt es sich um bedingte Prophetie. So machte zum Beispiel Jona die eindeutige, ihm von Gott aufgetragene Aussage, Ninive werde in vierzig Tagen untergehen. Doch das geschah nicht. War Jona deshalb ein falscher Prophet? Keineswegs. Er war zwar ein störrischer, aber kein falscher Prophet. Allerdings darf bedingte Prophetie nicht dazu verführen, gewagte Ankündigungen zu machen und bei Nichteintreffen mit der Schuld der anderen zu argumentieren.

Den Mensch gewordenen Gott bekennen (1 Joh 4,1.2) Niemand, und sei er noch so (geist)begabt, darf an die Stelle Jesu treten. Der Prophet darf nicht auf dem Feuer des Geistes sein eigenes Süppchen kochen. Ellen White schrieb: „Die einzige Hoffnung für den gefallenen Menschen besteht darin, auf Jesus zu schauen und ihn als den einzigen Erlöser anzunehmen.“ (TM, 367) „Lasst uns Jesus erhöhen, den Erlöser der Menschen. Sprecht von seiner Liebe, bezeugt seine Macht.“ (ST, 18.3.1889)

Der Früchte-Test (Mt 7,20) „An den Früchten sollt ihr sie erkennen“, nicht an den Gaben! Anlässlich des Todes von Ellen White schrieb eine nichtadventistische Lokalzeitung: „Das Leben von Frau White war ein Beispiel, das wert ist, von allen befolgt zu werden … Sie war eine demütige, hingebungsvolle Nachfolgerin Jesu, der es immer darum ging, Gutes zu tun … Ihr Tod bedeutet den Abschied … von einem Menschen, dessen fast neunzig Jahre Lebenszeit von guten Taten, freundlichen Worten und ernsten Gebeten für die gesamte Menschheit förmlich überfloss.“ (St. Helena, California Star, 23.7.1915) 48

Donnerstag, 5. 2.

Propheten im Test

6

Prophet und Politik 1. Könige 22,1-18

Was verkündeten die 400 Propheten? Welche Frage blieb für Joschafat unbeantwortet?

Erklärung

Micha Ben Jimla wagt es, gegen die überwältigende Mehrheit der Prophetenzunft aufzutreten. Er redet Klartext, obwohl er sich dadurch in Gefahr bringt. Er wird so zu einem mutigen Vorbild der christlichen Gemeinde.

Vertiefung

In einem Predigtband aus dem Jahre 1933 finden sich einige Predigten zum Thema „wahrer Prophet“. Die Prediger waren sich einig: Adolf Hitler ist ein zweiter Luther, ein wahrer Prophet, der das unverbindliche Wischiwaschi beendet und dem deutschen Volk Erlösung bringt. Statt prophetisch klar zu reden, ließ man sich von einem falschen Propheten in die Irre führen. Wenn solch eine Begeisterung in der Luft liegt, ist es nicht leicht, klare warnende Worte zu wagen. Zum Glück gab es solche mutigen Zeugen. Am 31. Mai 1934 schrieb die Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche aus Wuppertal-Barmen an die evangelischen Gemeinden und Christen in Deutschland: „… Prüfet die Geister, ob sie von Gott sind! Prüfet auch die Worte der Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche, ob sie mit der Heiligen Schrift … übereinstimmen. Findet ihr, dass wir wider die Schrift reden, dann hört nicht! Findet ihr aber, dass wir in der Schrift stehen, dann lasst keine Furcht und Verführung euch abhalten, mit uns den Weg des Glaubens und des Gehorsams gegen das Wort Gottes zu beschreiten …“ (Barmen 19341984, Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1983, 165f.)

Zum Nachdenken

„Das Wichtigste ist, allen jenen großen Propheten zu misstrauen, die eine Patentlösung in der Tasche haben und sagen: Wenn ihr mir nur volle Gewalt gebt, dann werde ich euch in den Himmel führen. Die Antwort darauf ist: Wir geben niemandem volle Gewalt über uns … Gewalt ist selbst vom Übel und wir können nicht ein Übel mit einem anderen Übel austreiben.“ (Sir Karl Raimund Popper, engl. Philosoph) 49

Freitag, 6. 2.

Propheten im Test

6

Der Prophet als Seelsorger 1. Korinther 14,1-5; Apostelgeschichte 13,1

Welche drei Wirkungen des Weissagens werden hier genannt? Warum nennt Lukas Propheten und Lehrer in einem Atemzug?

Erklärung

Propheten haben an den heiligen Willen Gottes zu erinnern. Sie sollen mahnen und trösten. Das Wort für Ermahnung (griech. paraklēsis) kann auch mit Ermunterung übersetzt werden. Prophetisch reden bedeutet ein klares Reden in verstehbaren Worten. Wenn dieses Sprechen vom Geist Gottes erfüllt ist, wird es das Gewissen des Menschen treffen. Worte von göttlich geprüften Propheten führen zur Selbstprüfung und zur Annahme des Heils. Ziel ist der Bau der Gemeinde.

Vertiefung

„Prophetin, sei genau in der Beschreibung des Unglücks. Ergötze dich nicht am Panorama des Untergangs, wie es manchmal deine Art ist. Prophet, sei kein Streithansel und glaube nicht, dass du jederzeit im Recht bist, nur weil du die richtige Sache vertrittst! Prophetin, halte dich für irrtumsfähig und deine Geschwister für wahrheitsfähig! Prophet, sage deine Wahrheit so, dass sie eine Verlockung zur Lebensschönheit ist. In deinem prophetischen Nein muss das Ja Gottes auftauchen. Halte dich an den Satz von Hélder Câmara: ‚Herr, lehre mich ein Nein sagen, das nach Ja schmeckt!‘ Prophet, denke daran, dass deine Wahrheit nicht zu deinem eigenen Schmuck gedacht ist! Es ist die Wahrheit für die Kirche.“(FSB)

Zusammenfassung

Aufgabe der Gläubigen ist es, die „Zeichen der Zeit“ zu erkennen, aber nicht dem Zeitgeist zum Opfer zu fallen; falsche Propheten zu durchschauen und selbst nicht zu falschen Propheten zu werden.

Sonnenuntergang: 17.21 Uhr 50

Sabbat, 7. 2.

Propheten im Test

6

Fragen für das Bibelgespräch 1. Wie vergewissern wir uns der Glaubwürdigkeit einer Person? 2. Worin besteht der Unterschied zwischen einem irrenden und einem falschen Menschen? Worin besteht der Unterschied zwischen einem irrenden und einem falschen Propheten? 3. Wir lesen 1. Thessalonicher 5,19-21. Wie kann prophetische Rede angemessen geprüft werden? Tauscht euch aus über die „Prüfungsfragen für Propheten“! (Dienstag und Mittwoch) 4. „,Alles wird schlecht.‘ Dieser Spruch ist nicht besser als das ‚alles wird gut.‘“ (Petra Bahr) Wie denkt ihr über dieses Zitat? 5. Warum geht prophetische Verantwortung über privat-religiöse Belange hinaus? (Donnerstag) 6. Wir lesen 1. Korinther 14,3. Was sind die Kennzeichen prophetischer Rede? Wo wird heute prophetisch geredet? 7. „Herr, lehre mich ein Nein sagen, das nach Ja schmeckt.“ (Hélder Câmara) Was haltet ihr von dieser Aussage? 8. Wir lesen 2. Chronik 20,14.14. „Nur ein Bewegter kann bewegen“. Erzählt, wodurch ihr positiv bewegt worden seid! Berichtet davon, wie ihr selbst zu „Bewegern“ werden konntet!

Liedvorschläge: 471, 91, 221Q 51

7. Studienanleitung Woche vom 8. bis 14. Februar 2009

Die Aufgabe der Propheten „Aber durch einen Propheten führte der Herr Israel aus Ägypten heraus und durch einen Propheten wurde es behütet.“ (Hos 12,14 EÜ) Grundgedanke

In entscheidenden Situationen spricht Gott durch Propheten. Ihr Dienst erhellt Gegenwart und Zukunft und macht Gottes konkreten Willen für eine bestimmte Situation erkennbar.

Einführung

Die Bibel zeichnet kein einheitliches Bild der Propheten. So verschieden die Zeiten waren, in denen sie wirkten, so verschieden waren ihre Botschaften und die Form, in der sie diese übermittelten. Ihre Worte waren jeweils an die geschichtliche Lage gebunden, in die hinein sie gesagt wurden. Brennpunkte prophetischen Wirkens waren entscheidende historische, vor allem aber heilsgeschichtlich bedeutsame Situationen, wie z. B. die Anfänge des Königtums in Israel (1 Sam 9,15f.), die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in der Königszeit (Jes 5,8; Am 4,1), die Verfälschung des Glaubens und die Vermischung mit fremden Kulten (Hes 8,6ff.), politisches Handeln ohne Gottvertrauen, das Überleben im babylonischen Exil (Jer 29) und der schwere Neuanfang danach (Sach 2,5-9) sowie das Entstehen der christlichen Gemeinden. Propheten waren mahnendes Gewissen, Künder des Gerichts und Botschafter des Heils (Jes 11; 35). Stets hatten sie die Erwählung und den besonderen Charakter des Volkes Israel bewusst zu machen. Trat in alttestamentlicher Zeit die Botschaft der Propheten neben das Gesetz, so stand sie in neutestamentlicher Zeit neben der grundlegenden Lehre der Apostel als für den Augenblick notwendige Offenbarung des Willens Gottes (1 Kor 12,28; Eph 3,5.6). Der im Neuen Testament ausgeübte prophetische Dienst trug zur Stärkung, zum Wachstum und zur Reife der Gemeinde bei (Eph 4,11-16). Er geschah meist im Gottesdienst und äußerte sich dort in verständlicher Rede (1 Kor 14,24).

52

Sonntag, 8. 2.

Die Aufgabe der Propheten

7

Konkrete Weisung für die Gegenwart In welchen Situationen formulierten Propheten den konkreten Willen Gottes? Wie übermittelten sie ihre Botschaft?

Jer 29,4-7 Jes 52,11.12 Apg 15,32 Offb 2,10.11

Situation Verbannung Rückkehr Heidenmission Bedrängnis

Botschaft

Art der Übermittlung

Erklärung

Der Auftrag der Propheten bestand u. a. darin, konkrete Weisungen für das in einer bestimmten Stunde geforderte Handeln und Entscheiden zu geben. Das geschah und geschieht aus der Vollmacht des Heiligen Geistes (Joh 16,13.14), der den Blick dafür schärft, worauf es in einer bestimmten Stunde ankommt. • Jeremia zeigte dem Volk, was nötig war, um in Babylon zu überleben. • Jesaja wies darauf hin, wann es Zeit war, wieder heimzukehren. • Den Aposteln wurde die Notwendigkeit der Heidenmission offenbart • und den Christen in Kleinasien Mut gemacht, trotz Verfolgung ihrem Bekenntnis zu Christus treu zu bleiben. So kann Paulus schreiben, dass die Propheten die Aufgabe haben, die Gemeinde zu erbauen (Eph 4,11.12), zu ermahnen, zu trösten und zu belehren (1 Kor 14, 3.31).

Vertiefung

Die Art, wie Propheten ihre Botschaften ausdrückten, war verschieden. Die Bibel kennt den Aufruf, das Lied (Jes 5,1-7) die öffentliche Rede (Jer 7,1-15), das direkte Wort (Am 7,16), die Gleichnishandlung (Jes 20,1-5), den Brief. Die schriftliche Aufzeichnung der Botschaften ist oft erst der zweite Schritt (Jer 36), gewissermaßen die Protokollierung des prophetischen Handelns.

Anwendung

Auch heute dürfen wir Gott um Klarheit und Führung bitten, wenn wir Weisung brauchen.

53

Montag, 9. 2.

Die Aufgabe der Propheten

7

Deuten und Erhellen der Gegenwart Lukas 2,25-32; 14,15-24; Offenbarung 12,12

Mit welchen Mitteln versuchten Jesaja und Jesus die Bedeutung der Gegenwart zu erhellen? Was sollten die Empfänger der Offenbarung verstehen?

Erklärung

Ein wichtiger Aspekt prophetischen Wirkens ist, Menschen die Augen dafür zu öffnen, welche Stunde es geschlagen hat und wie sie die Ereignisse ihrer Zeit zu deuten haben. Sie geben ihnen einen Deutungsrahmen für das, was sie erleben. So sehen sie ihre Situation in neuem Licht und werden zur Umkehr, zur Entscheidung oder zum Durchhalten ermutigt. Simeon und Jesus deuten ihre Zeit als die Erfüllung der von den Propheten angekündigten Heilszeit (Jes 49,6; Jes 25,6-8). Jesu Gleichnis macht deutlich: Es ist nicht mehr die Zeit, sich von den Angelegenheiten des täglichen Lebens beherrschen zu lassen, sondern nötig, sich für das Heil Gottes zu entscheiden und zu handeln. Die Offenbarung kam den Christen in Kleinasien, die durch den Zwang zur Kaiserverehrung in höchster Not waren, zur Hilfe. Beim Verlesen der Schrift im Gottesdienst (1,3) erfuhren sie, dass hinter der Verfolgungswelle Satan selbst steht und dass sie, auch wenn sie ihr Leben als Märtyrer hingeben müssen, Eigentum ihres Herrn und Bürger des Himmels sind (Offb 7,9-17).

Vertiefung

Nicht jede Gegenwartsdeutung, die sich auf die Bibel beruft, ist prophetisch. Mancher neigt dazu, jedes Erdbeben, jede Katastrophe und jeden Krieg vor dem Hintergrund von Matthäus 24,6-8 als Zeichen der unmittelbar bevorstehenden Wiederkunft Jesu zu deuten. Gerade das aber wollte Jesus verhindern, wenn er sagte: Erschreckt nicht! Das ist noch nicht das Ende! Lasst euch nicht verführen! Bei der Auslegung apokalyptischer Texte ist es deshalb wichtig, ihre eigentliche Absicht und Aussage zu erfassen. Nur so bleibt man davor bewahrt, sich bei der Anwendung auf aktuelle Zeitereignisse in Schwärmerei oder Spekulationen zu verirren. 54

Advent-Wohlfahrtswerk e.V.

Blindenfreizeit

Blindenfreizeit – mehr als zwei Wochen Urlaub Seit 1988 findet jährlich eine Freizeit für Sehbehinderte und Blinde statt. Sie wird von der Blindenhörbücherei der STIMME DER HOFFNUNG e.V. organisiert und durchgeführt. Seit 2007 ist das Advent-Wohlfahrtswerk e.V. der Veranstalter. Entstanden ist dieses regelmäßige Angebot aus dem Wunsch einiger Hörerinnen und Hörer der Blindenhörbücherei, sich persönlich kennen zu lernen. Schnell wurde aber deutlich, dass diese Veranstaltung mehr ist als nur zwei abwechslungsreiche Wochen an interessanten Orten. Der ehemalige Leiter, Helmut Kraus, suchte immer Orte und Quartiere aus, an denen Blinde und sehbehinderte Teilnehmer neue Eindrücke sammeln und sich sicher bewegen können. Es waren Hotels oder Tagungshäuser von der Ostsee bis zum ungarischen Plattensee, im Flachland und im Gebirge. Diese “Tradition” wird vom jetzigen Leiter, Andre J. Thäder, fortgesetzt. Die letzten Ziele waren der Achensee in Tirol, die Lüneburger Heide bei Herrmannsburg und das Südufer des Bodensees in der Schweiz. 2009 geht es auf die Nordseeinsel Borkum. Die bis zu mehr als 50 Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland und Österreich. Es sind neben den Sehbehinderten und Blinden einige sehende Begleitpersonen, die von den Betroffenen selbst mitgebracht werden. Sehende Personen, die diesen Personenkreis kennen lernen wollen und immer ca. zehn erfahrene Teammitglieder, die sich um den Freizeitrahmen und die ganz persönliche Betreuung der Teilnehmer kümmern. So stehen neben Tagesausflügen, Spaziergängen und Wanderungen auch Zeit für persönliche Gespräche, Spiele, gemeinsame Andachten und Gottesdienste auf dem Programm. Die Teilnehmer 2008 waren im Alter von 18 – 86 Jahren. Für manchen sehbehinderten und blinden Teilnehmer sind diese zwei Wochen eine Herausforderung und Chance zugleich. Einige haben vorher noch keine größere Reise unternommen und entdecken, dass sie vieles selbstständig unternehmen können. Das fängt bei der selbst gebuchten Anreise mit der Bahn an. Das Zurechtfinden im unbekannten Quartier und das Unterwegssein an verschiedenen Zielorten gibt Mut und zeigt die vorhandenen Möglichkeiten auf. Viele trauen sich nach den zwei Wochen mehr Mobilität zu. Die erlebten Eindrücke und das gute Miteinander in der bunt zusammen gewürfelten Gruppe werden gerne in den nicht immer leichten Alltag mit hinein genommen. Ansprechpartner Andre J. Thäder (Leiter der Freizeit) Blindenhörbücherei der STIMME DER HOFFNUNG e.V., Sandwiesenstraße 35, 64665 Alsbach-Hähnlein Tel.: (06257) 5 06 53 35, Fax: (06257) 5 06 53 84, eMail: [email protected] Veranstalter Advent-Wohlfahrtswerk e.V. – Bundesgeschäftsstelle –, Hildesheimer Straße 426, 30519 Hannover Tel.: (0511) 97 17 73 00, Fax: (0511) 97 17 73 99, eMail: [email protected]

Bildern u. Berichten eurer Aktionen.

Hinweis: Die Aktion "Kinder helfen Kindern" ist ein ADRA-Projekt und gehört nicht zu den Hilfspaketen des AWW!

Advent-Wohlfahrtswerk e.V. (AWW) Hildesheimer Straße 426, 30519 Hannover / Tel. 05 11 / 97 17 73 00 / Fax 05 11 / 97 17 73 99 / E-Mail: [email protected]

Bitte am 13. Sabbat in der Gemeinde abgeben! (Nicht an das AWW schicken)

Summe

13.

freuen uns auf die Zusendung von

12.

Landesstellen des AWW.

8.

11.

schicken. Sie sind die offiziellen

7.

und finanzielles Engagement und

ausgefüllt an die Vereinigungen zu

6.

Wir bedanken uns für euer soziales

Wir bitten euch, den Bericht

5.

9.

Öffentlichkeit.

10.

sozialen Arbeit gegenüber der

Liebe Freunde und Geschwister!

4.

Sonstige

Instrument zum Nachweis unserer

Behinderte

3.

Suchtgefährdete

2.

(Euro)

(Anzahl)

Betreute Personen (Anzahl)

Diese Tabelle ist ein wichtiges

Bargeldunterstützung

Hilfspakete

1.

Woche

Advent-Wohlfahrtswerk e.V.

Unser Thema im kommenden Vierteljahr:

Als Christ leben Im kommenden Vierteljahr wollen wir über zwei Aspekte unseres Glaubens nachdenken: Lehre und Erfahrung. Im wöchentlichen Bibelstudium werden wir uns mit 13 grundlegenden Themen und Lehren christlichen Glaubens befassen. Dabei werden die Studienanleitungen versuchen, das Gleichgewicht zu halten zwischen einem richtigen biblischen Verständnis des Glaubens und seinem Einfluss auf die tägliche Erfahrung. Letztlich geht es ja nicht nur um religiöse Lehrsätze, sondern um die Wahrheit, die in Jesus verankert ist. Christus, von dem der Apostel Paulus sagt „… durch ihn allein leben und handeln wir, ja, ihm verdanken wir alles, was wir sind“ (Apg 17,28), soll die Mitte unseres Glaubens und Lebens sein und bleiben. Studienheft zur Bibel für Blinde und Sehbehinderte kostenlos auf Kassette oder CD bei der „Blindenhörbücherei der Stimme der Hoffnung“, Telefon 062 57 – 506 53 35 oder in Brailleschrift beim „Verein Blindendienst“, Postfach 110, 4802 Strengelbach, Schweiz 57

Abkürzungs-Verzeichnis der biblischen Bücher und Bibelübersetzungen Altes Testament

Neues Testament

1 Mo 2 Mo 3 Mo 4 Mo 5 Mo Jos Ri Rut 1 Sam 2 Sam 1 Kön 2 Kön 1 Chr 2 Chr Esr Neh Est Hiob Ps Spr Pred Hld Jes Jer Kla Hes Dan Hos Joel Am Obd Jona Mi Nah Hab Zef Hag Sach Mal

Mt = Matthäus Mk = Markus Lk = Lukas Joh = Johannes Apg = Apostelgeschichte Röm = Römer 1 Kor = 1. Korinther 2 Kor = 2. Korinther Gal = Galater Eph = Epheser Phil = Philipper Kol = Kolosser 1 Ths = 1. Thessalonicher 2 Ths = 2. Thessalonicher 1 Tim = 1. Timotheus 2 Tim = 2. Timotheus Tit = Titus Phlm = Philemon 1 Ptr = 1. Petrus 2 Ptr = 2. Petrus 1 Joh = 1. Johannes 2 Joh = 2. Johannes 3 Joh = 3. Johannes Hbr = Hebräer Jak = Jakobus Jud = Judas Offb = Offenbarung ________________________________

= = = = = = = = = = = = = = = = =

1. Mose 2. Mose 3. Mose 4. Mose 5. Mose Josua Richter 1. Samuel 2. Samuel 1. Könige 2. Könige 1. Chronik 2. Chronik Esra Nehemia Ester

= = = = = = = = = = = = =

Psalm Sprüche Prediger Hohelied Jesaja Jeremia Klagelieder Hesekiel Daniel Hosea Joel Amos Obadja

= = = = = = =

Micha Nahum Habakuk Zefanja Haggai Sacharja Maleachi

Bibelübersetzungen

EB EÜ GNB Hfa JB LB NL SEB

SLT

= = = = = = = =

=

Rev. Elberfelder Bibel Einheitsübersetzung Gute Nachricht Bibel Hoffnung für alle Jerusalemer Bibel Lutherbibel Neues Leben Stuttgarter Erklärungsbibel

Schlachter Bibel 2000

Zum Verfasser des Studienhefts Gerhard Pfandl, gebürtiger Österreicher, ist seit 1999 beigeordneter Direktor des Biblischen Forschungsinstituts der Generalkonferenz. 58

Dienstag, 10. 2.

Die Aufgabe der Propheten

7

Sünde aufdecken und zur Umkehr rufen Jesaja 1,10-17; 1. Korinther 14,24.25; Apostelgeschichte 5,1-4

Gegen welches Unrecht wendete sich Jesaja? Was ermöglichte die Prophetie in der jungen Christengemeinde?

Erklärung

In Jerusalem sah man offenbar im reibungslos funktionierenden Opferkult den Beweis dafür, dass das Verhältnis zu Gott in Ordnung war. Dieses Missverständnis musste der Prophet im Auftrag Gottes aufdecken und klarstellen, dass Unrecht an Witwen und Waisen das Gebet für Gott unannehmbar macht. Gottesdienst und Dienst am Menschen gehören untrennbar zusammen. Indem der Prophet Schuld aufdeckt und zur Umkehr ruft, erfüllt er sein Wächteramt (Hes 3,19). Paulus verdeutlicht der Gemeinde in Korinth den Vorteil prophetischer Rede im Gottesdienst gegenüber der Zungenrede. Während die Zungenrede den ungläubigen Hörer in seinem Unglauben eher noch bestätigt, weckt die aufdeckende prophetische Rede den Glauben und festigt ihn. Prophetie bedeutet weniger die Schau in die Zukunft, als vielmehr die vollmächtige Rede im Namen Gottes in eine bestimmte Situation hinein (1 Kor 14,3). Propheten bleiben das mahnende Gewissen der Gemeinde, ermöglichen das seelsorgerliche Durchschauen eines Menschen (Mk 2,8; Joh 4,17-19) und das Unterscheiden der Geister.

Vertiefung

„… diese Gnadengabe des Geistes ist als die Unentbehrliche der Gemeinde auch zu allen Zeiten erhalten geblieben. Mögen andere auffallende Gaben … zurückgetreten oder fast verschwunden gewesen sein, Männer und Frauen mit prophetischer Rede hat die Gemeinde immer wieder und überall gehabt … Unter dem geistgeleiteten Wort sahen sich Menschen bis in die verborgenen Dinge ihres Herzens und Lebens hinein durchschaut und ins Licht gestellt und erfuhren so die Gegenwart des allwissenden Gottes im Heiligen Geist und kamen zum Glauben.“ (WStB, 242) 59

Mittwoch, 11. 2.

Die Aufgabe der Propheten

7

Offenbaren künftiger Ereignisse Jesaja 65,17-25; 53,5-7

Wie beschreibt Jesaja die Neuschöpfung Gottes? Was sollte durch das Leiden des Gottesknechts neu werden?

Erklärung

Jesaja kündigt an, dass Gott Israel über Sünde und Gericht hinaus die Treue hält und die Sünde des Volkes durch Neuschöpfung überwinden wird. In Gericht und Heil kommt er auf sein Volk und die Welt zu und wirbt und ringt um eine neue Gemeinde, eine neue Menschheit, eine neue Schöpfung. Das Begriffspaar „Himmel und Erde“ (Jes 65,17) steht in typisch hebräischer Ausdrucksweise für alles, was ist. Der Prophet beschränkt sich in der Schilderung jedoch auf die kleine Welt des Heils für sein Volk und als äußerstes Hoffnungsziel gilt noch ein langes, erfülltes Leben. Kapitel 53 weist auf den, durch den Gott handeln wird. Der Prophet wird zum Verkündiger des Evangeliums.

Vertiefung

Gott hält seine Versprechen. Das Wort barah („schaffen“), das der Schöpfungsbericht benutzt, steht auch für Gottes heilsgeschichtliches, erlösendes Handeln (Ps 102,17.18; Jes 43,1). Heilsgeschichtliches Handeln Gottes ist „Neuschöpfung“. Jesaja 11 und 35 binden deshalb das Kommen des Messias eng mit dem Gedanken der Neuschöpfung zusammen. Jesus predigte, dass die Zeit heilsgeschichtlich erfüllt sei (Lk 4,21). Paulus nennt Christus den „letzten Adam“ und den Beginn der neuen Schöpfung (1 Kor 15,45) und bezeichnet auch die Gläubigen als „neue Schöpfung“ (2 Kor 5,17). Im neuen Bund, der die angekündigte Freude bei Gott und bei den Menschen ermöglicht (Lk 15,32; Phil 4,4), erfüllt sich Jesaja 65,18.19. Was Christen nun erwarten, das zweite Kommen ihres Herrn in Herrlichkeit, ist die Vollendung dessen, was wesenhaft schon da ist.

Zum Nachdenken

Kann ich mich an dem, was Gott bereits neu geschaffen hat, von Herzen freuen? 60

Donnerstag, 12. 2.

Exkurs

Die Aufgabe der Propheten

7

Die prophetische Rolle Ellen Whites Im Dienst Ellen Whites finden sich die typischen Aufgaben eines Propheten wieder.

Konkrete Weisung für die Gegenwart Bis zum Herbst 1848 hatten die frühen Adventisten einige dünne Bücher und Flugblätter veröffentlicht, aber es gab keine regelmäßig erscheinenden Zeitschriften. Da hatte Ellen White nach einer Vision eine Botschaft für ihren Ehemann: „Du musst damit beginnen, eine kleine Zeitschrift zu drucken und sie an die Menschen zu verschicken. Sie soll zunächst nur einen geringen Umfang haben; aber wenn die Menschen sie lesen, werden sie dir finanzielle Mittel schicken, mit denen du die Druckkosten bezahlen kannst … Mir wurde gezeigt, dass aus diesem unscheinbaren Beginn Lichtstrahlen die ganze Welt erhellen werden“. Daraufhin veröffentlichte James White im Juli 1849 die erste Ausgabe von Present Truth. Aus diesem schlichten Beginn erwuchs das Verlagswerk der Siebenten-Tags-Adventisten, zu dem heute weltweit über 60 Verlagshäuser gehören, die ca. 450 regelmäßig erscheinende Zeitschriften herausgeben. Ihre Worte bezüglich der „Lichtstrahlen, die die ganze Welt erhellen“, haben sich erfüllt. (GKEW, 37f.)

Deutung und Erhellung der Gegenwart In den ersten Jahrzehnten hatte sich die Theologie der Siebenten-Tags-Adventisten einseitig entwickelt. Die Unterscheidungslehren und das Gesetz waren wichtiger geworden als das Evangelium. Da traten auf der Generalkonferenz 1888 zwei junge Prediger auf, die Jesus und seine rettende Gnade stärker in den Mittelpunkt der Verkündigung rückten. Während viele Verantwortungsträger diese Sichtweise als Verrat an der adventistischen Theologie betrachteten, sah Ellen White in dieser Botschaft eine Korrektur der entstandenen Schieflastigkeit und unterstützte die beiden Prediger. Rückblickend schrieb sie: „In seiner großen Gnade schickte der Herr seinem Volk durch die Prediger Waggoner und Jones eine äußerst kostbare Botschaft. Diese Botschaft sollte den erhöhten Heiland für die Welt stärker in den Mittelpunkt rücken als Opfer für die Sünden der ganzen Welt … Die gute Nachrichten von seiner Gnade sollte der Gemeinde in klarer und deutlicher Form gegeben werden, damit die Welt nicht länger behaupten konnte, dass die Siebenten-Tags-Adventisten ständig nur vom Gesetz sprechen, aber nicht Christus predigen noch an ihn glauben.“ (Ebd., 75) 61

Freitag, 13. 2.

Die Aufgabe der Propheten

7

Sünde aufdecken und zur Umkehr rufen 1868 schrieb Ellen White an einen Ehemann: „Lieber Bruder N.! … Ich sah, dass Satan aus der Tatsache, dass deine Frau die Wahrheit nicht angenommen hat, erhebliche Vorteile zog. Du wurdest in die Gesellschaft einer sittlich bedenkenlosen Frau getrieben … Sie erweckte in deinem Herzen den Eindruck, dass du ein betrogener Mann seiest … dass du in deiner ehelichen Verbindung eine falsche Wahl getroffen hättest, bis du dir schließlich selbst einbildetest, dass die Ehe mit der Frau, die du zur Lebensgefährtin erwählt hattest, unerträglichen Fesseln gleiche. Du gingst zu diesem scheinheiligen „Engel“, um Mitgefühl zu finden. Du hast ihr das anvertraut, was zu wissen nur deiner Frau zukommt, der du versprochen hast, sie zu lieben, zu ehren und zu schützen, solange ihr lebt. Du hast versäumt, ständig zu wachen und zu beten, damit du nicht der Versuchung erliegst … Dennoch kann dich tiefe Reue und Demütigung vor Gott zu ihm zurückführen.“ (Sch, Bd. 1, 180f.) 1857 schrieb Ellen White: „Verschiedene [Gemeindeglieder] haben ihre besonderen Vorstellungen, nach denen sie ihre Mitgeschwister beurteilen. Stimmt jemand nicht mit ihren Ansichten überein, gibt es sofort Zusammenstöße. Für diese trifft das Wort zu: ‚Ihr verblendeten Leiter, die ihr Mücken seihet und Kamele verschluckt!‘ Matthäus 23,24 … Sie haben die Zeit damit zugebracht, die Rechtgläubigkeit ihrer Brüder zu überwachen; auf jeden Fehler haben sie geachtet und jene deswegen ständig belästigt. Bei diesem Tun waren ihre Gedanken weder bei Gott noch bei der Wahrheit, sondern genau dort, wohin Satan sie haben wollte – bei ihren Mitmenschen.“ (Ebd., 39)

Offenbaren künftiger Ereignisse Drei Monate vor Ausbruch des Bürgerkriegs 1861 empfing Ellen White in der Gemeinde Parkville, Michigan, eine Vision, in der sie Schlachtfelder sah, die von Toten und Sterbenden bedeckt waren. Daraufhin kündigte sie ihren Zuhörern an, dass unter ihnen einige seien, die in diesem Krieg Söhne verlieren würden. Mindestens fünf der Anwesenden verloren im Bürgerkrieg Söhne. (A. L. White, Ellen G. White: The Early Years, Bd. 1, 463) Am 16. April 1906 sah Ellen White in einem Gesicht, wie Häuser, gleich einem Schilf im Winde geschüttelt wurden, einstürzten und dabei viele Menschen getötet oder verletzt wurden. Am Morgen des 18. April wurde San Francisco durch ein Erdbeben zerstört. (WLW, 464ff.) Sonnenuntergang 17.34 Uhr 62

Sabbat, 14. 2.

Die Aufgabe der Propheten

Fragen für das Bibelgespräch 1. In welchen Situationen wird der Wunsch nach Führung laut? 2. Wir lesen 1. Korinther 14,39. In welchen Bereichen eures Lebens oder des Lebens der Gemeinde wünscht ihr euch geistliche Führung? Wie können wir die Empfehlung des Apostels umsetzen? 3. Wir lesen Lukas 4,16-21. Jesus deutet seine Zeit als Erfüllung der in Jesaja 61 angekündigten Heilszeit. Welche Bibelworte helfen euch, eure eigene Zeit zu deuten? 4. Wie entgehen wir der Gefahr, gegenwärtige oder aktuelle Ereignisse vorschnell als Erfüllung von Bibelworten zu deuten und so falsche Erwartungen im Blick auf das Ende zu wecken? 5. Wir lesen Offenbarung 3,1.2. Kritiker in der Gemeinde gibt es genug. Wonach würdet ihr entscheiden, ob Kritik ein prophetisches Wort aus dem Geist Gottes ist oder ein liebloses Wort aus persönlicher Enttäuschung über die Gemeinde? 6. Wie wichtig sind für euren Glauben Weissagungen, die sich auf die Zukunft beziehen?

Liedvorschläge: 45Q, 95, 115Q 63

7

8. Studienanleitung Woche vom 15. bis 21. Februar 2009

Die Autorität der Propheten „Gott der HERR tut nichts, er offenbare denn sein Geheimnis den Propheten, seinen Knechten.“ (Am 3,7) Grundgedanke

Biblische Prophetie verdankt ihre Autorität dem göttlichen Ursprung und der Verlässlichkeit ihrer Aussagen.

Einführung

Unter der Bezeichnung „Propheten“ verstehen wir im engen Sinn geistbegabte Personen, die von Gott berufen werden, Worte zu verkünden und Taten auszuführen, die ihnen als göttliche Offenbarungen unter Inspiration zuteil werden. Somit sind Propheten Sprecher Gottes. Von ihm wurden sie berufen und ausgerüstet, um den Menschen Gottes Willen mitzuteilen. Die Wirksamkeit der in der Frühgeschichte Israels tätigen Propheten bestand mehr in Taten als in Worten (Mose, Samuel, Elia usw.). Soweit die Wortverkündigung ihre Aufgabe war, bezog sich diese mehr auf ihre Gegenwart als auf die Zukunft. Für die Beurteilung, ob es sich um einen echten oder einen falschen Propheten handelte, war in Israel nicht die prophetische Begabung an sich, sondern vor allem die Übereinstimmung der Botschaft mit dem Gesetz und Zeugnis (5 Mo 13,26; Jes 8,19.20) maßgebend. Ebenso bemerkenswert ist die Tatsache, dass viele der zunächst mündlich überlieferten Prophetenworte im Laufe der Zeit zum Nutzen späterer Generationen schriftlich aufgezeichnet wurden. So entstanden die prophetischen Schriften des Alten Testaments. Die Propheten hatten dem Volk den tieferen Gehalt des Gesetzes zu vermitteln sowie den Glauben zu wecken und zu stärken. Es blieb ihnen aber auch nicht erspart, Buße zu predigen und Gottes Gericht anzudrohen. Dabei wussten sie, dass sie nicht ihre eigenen Einfälle, sondern „das Wort des Herrn“ verkündigten (4 Mo 12,6-8). Dieser hohe Anspruch der biblischen Propheten bleibt für jeden Leser eine Herausforderung, die anzunehmen ebenso lohnend wie entscheidend ist.

64

Sonntag, 15. 2.

Die Autorität der Propheten

8

Die Quelle prophetischer Vollmacht 2. Mose 4,10-17; 20,1-3

Wie begründet Gott gegenüber Israel seinen Anspruch auf Ehrfurcht und Gehorsam? Woran wird deutlich, dass Mose seinen prophetischen Dienst im Auftrag Gottes zu erfüllen hatte?

Erklärung

Eines der auffälligen Kennzeichen der von Gott berufenen Menschen ist die Erkenntnis ihrer Grenzen angesichts des ihnen zugemuteten Auftrags. „Ich habe eine schwere Zunge“, gibt Mose zu bedenken; „ich bin unreiner Lippen“, gesteht Jesaja (6,5); „ich bin zu jung“, wendet Jeremia ein (1,6). Mit andern Worten: Wahres Prophetentum ist keine Aufgabe, nach der sich ein Mensch drängt, sondern eine oft unerträgliche Bürde, vor der man bei nüchterner Betrachtung zurückweicht (vgl. Jona). Daraus folgt: je mehr sich ein Prophet seiner Abhängigkeit von Gott bewusst ist, desto freier wird sein Dienst von fragwürdigen Beweggründen sein. Die Voraussetzung für das Vertrauen zu den biblischen Propheten ist die Anerkennung von Gottes Herr-Sein. Prophetische Worte erhalten für den Gläubigen ihr Gewicht aus der Anerkennung der Autorität Gottes, die in den Worten der unmittelbar beauftragten Boten zum Wohl der Hörer zum Tragen kommt.

Vertiefung

Die Anerkennung Gottes als Herrn beruht auf einsichtigen Gründen: Gott hat unser Leben frei und schöpferisch geordnet und damit einen Rahmen geschaffen, in dem sich unser Handeln vollzieht. Wir sind aber nicht als Einzelwesen erschaffen worden, sondern in vielfältige Beziehungen mit anderen Menschen gestellt. Damit sind uns ganz bestimmte sittliche Verpflichtungen auferlegt, die wir gegenüber dem Leben und unseren Mitmenschen zu erfüllen haben. Durch das Anerkennen der sich daraus ergebenden Verantwortung vor Gott öffnen wir uns für die Anrede Gottes durch die Propheten.

Zum Nachdenken

Wie kann ich wissen, was Gott von mir erwartet? 65

Montag, 16. 2.

Die Autorität der Propheten

8

Nach Gesetz und Zeugnis Matthäus 4,1-11; Markus 12,28-34; Apostelgeschichte 17,10.11

Welche Rolle spielte für Jesus die Schrift in der Auseinandersetzung um die Wahrheit? Welche Verbundenheit zur Schrift bekundeten die Juden von Beröa, als sie die Christusbotschaft hörten?

Vertiefung

Dass die Bibel als Maßstab des christlichen Glaubens gilt, ist keine „Erfindung“ der Kirche; dieses Prinzip ist im Alten Testament verankert (Jes 8,16-20) und findet bei Jesus und seinen Jüngern Anwendung. Die Bibel verdankt ihre „maßgebliche“ Rolle dem Anspruch, Wort Gottes zu sein, der Kraft des Heiligen Geistes, ihrer Leben verändernden Wirkung (Hbr 4,12) und ihrer einzigartigen Geschichte (Mt 24,35). So ist die Bibel die Bekundung des Willens Gottes (Ps 1,2), an dem alle Wahrheitsansprüche zu messen sind. Die Bibel unterstreicht ihre Norm gebende Autorität durch folgende Eigenschaften: • Sie ist nicht „aus menschlichem Willen“ hervorgegangen (2 Ptr 1,21), sondern versteht sich als Wort Gottes und fordert daher vom Hörer oder Leser Glauben und Gehorsam gegenüber ihrem Wort. Allerdings erweist sie sich nicht durch philosophisches oder naturwissenschaftliches Denken als Gottes Wort, sondern durch vertrauende Beziehung zu Gott und auf Grund von Erfahrung (1 Kor 2,4.5). • Die Heilige Schrift lehrt alles, was heilsnotwendig ist (Joh 20,30.31). Absicht der Bibel ist es nicht, bloß historische und naturwissenschaftliche Erkenntnis zu vermitteln, die auch dem menschlichen Verstand zugänglich ist; ihr Anliegen ist vielmehr die Errettung des Menschen. • Die Bibel ist deutlich genug, um den Menschen zum Heil zu führen. Sie bedarf keiner fremden Autoritäten, um verstanden zu werden, denn sie legt sich selber aus.

Zum Nachdenken

Philippus fragte den äthiopischen Beamten: „Verstehst du auch, was du liest?“ – An wen wendest du dich, um schwierige Bibelaussagen besser zu verstehen? 66

Dienstag, 17. 2.

Die Autorität der Propheten

8

Jesus und die Apostel Matthäus 11,25-27; Johannes 5,37-40; Hebräer 1,1-3

Wie unterstreicht Jesus seinen Anspruch, der überragende Lehrer der Schrift zu sein? Mit welchen Worten bezeugen die Apostel die einmalige Autorität Jesu?

Erklärung

Gottes Offenbarung in Jesus ist ein historisches Ereignis, das zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt der Geschichte, an einem ganz bestimmten Ort, unter ganz bestimmten Umständen stattgefunden hat. Auf Grund dieser Geschichtlichkeit ist das Christus-Ereignis einmalig und unwiederholbar. Daraus ergibt sich, dass auch die Augenzeugen dieses Geschehens einen einmaligen Platz in der Heilsgeschichte einnehmen. Sowohl die Apostel als auch die Urgemeinde standen zu jenem Zeitpunkt auf dem Plan der Geschichte, als es galt, dabei zu sein. Deshalb kommt den Augenzeugen dieses Ereignisses eine einzigartige Bedeutung in der christlichen Gemeinde zu. Die Apostel waren sich der Einzigartigkeit ihrer Augenzeugenschaft bewusst (Joh 21,24; 1 Kor 15,3-8; 2 Ptr 1,16; 1 Joh 1,1-3). Das erklärt, warum ihren Worten eine normative Bedeutung zukommt (Gal 1,8.9; Hbr 13,7).

Vertiefung

„Mit der Kanonbildung war gesagt: Wir verzichten von nun an darauf, die anderen, von den Aposteln nicht aufgeschriebenen Traditionen als Normen anzuerkennen. Gewiss können andere, ursprünglich apostolische Traditionen bestehen, aber als apostolische Norm betrachten wir einzig, was in diesen Büchern aufgeschrieben ist … Durch die Schaffung einer Norm hat die Kirche darauf verzichtet, ihre eigene Norm zu sein, da sie festgestellt hatte, dass ihr Lehramt ohne eine überlegene schriftliche Norm die apostolische Tradition nicht rein erhalten konnte.“ (OCT, 45.48)

67

Mittwoch, 18. 2.

Die Autorität der Propheten

8

Propheten in der Urgemeinde 1. Korinther 14,29-33; 1. Thessalonicher 5,19-21

Was hält Paulus von der Gabe der Prophetie? Worauf ist bei der Kundgebung des prophetischen Geistes zu achten?

Erklärung

Offenbart sich der Geist durch die Gabe der Weissagung, so hat dies unter Wahrung der Ordnung in der Gemeinde zu geschehen. Da der Prophet niemals ein willenloses Werkzeug des prophetischen Geistes ist, hat er im Interesse der Ordnung in der Gemeinde seinen Geistestrieb zu zügeln. Besondere Beachtung verdient die „Prüfung“, d. h. die Beurteilung der durch die Propheten gemachten Aussagen, zu der Paulus die Gläubigen auffordert. Die Prüfung der „Weissager“ war ein unbedingtes und überall ausgeübtes Recht der christlichen Gemeinden (Eph 5,19-21; Phlm 3,15-17; 1 Joh 4,1). Die Aussagen der Propheten wurden an der von den Aposteln verkündigten Glaubenslehre gemessen (Röm 12,7; Gal 1,8-10; Jud 3). Das erweckt den Anschein des Widerspruchs, da wir davon ausgehen, dass ein unter dem Gütesiegel „so spricht der Herr“ erteiltes Wort unbedingt zu hören und zu tun ist. Grundsätzlich ist das richtig. Dennoch bleibt es den Empfängern des prophetischen Wortes nicht erspart, zu prüfen und zu erwägen, ob die Umsetzung der prophetischen Botschaft hier und jetzt – das heißt unter Berücksichtigung aller Umstände – zweckmäßig ist und dem Wohl und dem Frieden der Gemeinde dient (vgl. Apg 21,4-14).

Vertiefung

„Lasst uns die ganze Bibel nehmen, und lasst sie – und sie allein – die Richtschnur unseres Glaubens und unserer Pflicht sein. Stellt die Geistesgaben an den ihnen angemessenen Platz, und alles ist in Harmonie.“ (JW, 13)

Zum Nachdenken

Wo begegnet dir heute außerhalb der Bibel prophetisches Wort?

68

Donnerstag, 19. 2.

Exkurs 1

Die Autorität der Propheten

8

Ellen White in Selbstzeugnissen Hin zur Bibel „Lieber Leser, ich empfehle dir das Wort Gottes als die Richtschnur deines Glaubens und Handelns. Durch dieses Wort sollen wir gerichtet werden. Gott hat in diesem Wort versprochen, in den ,letzten Tagen‘ Visionen zu geben, nicht als eine neue Richtschnur des Glaubens, sondern zum Trost seines Volkes und um jene zu korrigieren, die von der biblischen Wahrheit abirren.“ (E. G. White 6.4.1851, EW, 78) „Eine Rückkehr zu dem protestantischen Grundsatz, die Bibel und nur die Bibel als Richtschnur des Glaubens und der Pflicht zu betrachten, ist notwendig. Gott will, dass wir unter Gebet und Fasten alle Grundlagen der Wahrheit gründlich und mit Ausdauer erforschen. Die Gläubigen dürfen sich nicht mit Meinungen und schlecht begründeten Vorstellungen von der Wahrheit zufrieden geben. Ihr Glaube muss im Wort Gottes fest begründet sein, damit sie … in der Lage sind … Grund der Hoffnung zu geben, die in ihnen lebt.“ (T, Bd. 5, 707f.)

Ellen White über ihren prophetischen Dienst „Viele Träume werden durch die alltäglichen Einflüsse des Lebens hervorgerufen, ohne dass der Geist Gottes etwas mit ihnen zu tun hat. Es gibt auch falsche Träume und falsche Gesichte, die durch den Geist Satans erzeugt werden. Aber Träume vom Herrn werden im Worte Gottes den Gesichten gleichgestellt und sind ebenso gewiss eine Frucht des Geistes der Weissagung … Solche Träume enthalten unter Berücksichtigung der Personen, die sie erleben, sowie der Umstände, unter denen sie gegeben werden, ihre eigenen Beweise der Echtheit.“ (Sch, Bd. 2, 246) „In den Briefen, die ich schreibe, in den Zeugnissen, die ich vortrage, stelle ich euch das vor Augen, was der Herr mir gezeigt hat. Ich schreibe nicht einen Artikel in der Zeitschrift, der ausschließlich meine eigenen Gedanken enthält. Sie sind das Ergebnis dessen, was Gott mir im Gesicht offenbart hat – herrliche Strahlen des Lichtes, das vom Thron leuchtet. Das trifft auf die Artikel in unseren Zeitschriften und die vielen Bände meiner Bücher zu.“ (FG 1, 27)

69

Freitag, 20. 2.

Exkurs 2

Die Autorität der Propheten

8

Der biblische Kanon und die prophetische Autorität Ellen Whites In welchem Verhältnis stehen die Botschaften und Schriften von Ellen G. White zur Heiligen Schrift? Die Lehrauffassung der Siebenten-Tags-Adventisten zu dieser Frage lässt sich in fünf Punkten zusammenfassen: Die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments ist das inspirierte Wort Gottes. Sie ist die völlig ausreichende Offenbarungsquelle des göttlichen Willens für den Menschen. Sie enthält alles, was für das Heil des Menschen notwendig ist. Daher bedarf sie keiner weiteren Ergänzung. Sie ist in sich klar, und ihre Heilsbotschaft ist für jedermann verständlich. Die Heilige Schrift ist „Kanon“, d. h. sie ist der alleinige Maßstab des christlichen Glaubens und Handelns, an dem alle Lehre und Erfahrung zu messen ist, und dem sich jede weitere Autorität in der Gemeinde unterzuordnen hat. Das Schrifttum von Ellen White ist Ausdruck des Geistes der Weissagung, der nach Offenbarung 12,17 und 19,10 ein Kennzeichen der „Übrigen“ ist, zu denen sich die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten zählt. Das geistgewirkte Schrifttum von Ellen White wird in der Adventgemeinde als außerkanonische Prophetie geachtet. Es dient zum Trost, zur Ermahnung und Erbauung der Gemeinde. Seine Aufgabe liegt nicht darin, neue Heilslehren zu offenbaren, sondern die Gläubigen auf die Bibel als die alleinige Quelle des Heils hinzuweisen. Als prophetische Stimme verdient das Schrifttum von Ellen White gehört und ernst genommen zu werden. Seine aktuelle Geltung und Richtigkeit sind indes am Maßstab der Heiligen Schrift zu prüfen. Das Recht, die Aussagen von Ellen White an der Bibel zu messen, steht jedem Gemeindeglied als mündigem Priester des neuen Bundes zu. Manche ihrer Aussagen haben eher homiletischen als exegetischen Charakter. Das schließt die Möglichkeit ein, sie gegebenenfalls auf sich beruhen zu lassen und nicht als verbindlich zu betrachten. Auf diese Weise respektiert die Gemeinschaft der STA den reformatorischen Grundsatz „sola Scriptura“, zu dem sie sich uneingeschränkt bekennt. Sonnenuntergang 17.47 Uhr 70

Sabbat, 21. 2.

Die Autorität der Propheten

8

Fragen für das Bibelgespräch 1. Wo begegnet euch im Alltag Autorität? Was versteht ihr unter Autorität? 2. Weshalb verdienen Autoritäten Respekt? Was ist der Sinn von Autorität? 3. Wir lesen 2. Mose 4,10-17 und 20,1-3. Worauf beruht die Autorität der Heiligen Schrift? 4. Wir lesen 1. Korinther 14,29-33. Warum ist die Gemeinde gehalten, prophetische Rede zu prüfen? 5. Welche Autoritäten gibt es in der Gemeinde? Inwiefern besitzt die Bibel letzte Verbindlichkeit? 6. Was können wir tun, damit unsere Bibelgespräche nicht nur ein Austausch persönlicher Meinungen sind, sondern die Bibel wirklich im Mittelpunkt steht? 7. Wir lesen Matthäus 11,25-30 und Johannes 5,37-49. Inwiefern beansprucht Jesus in diesen Aussagen Autorität für sich? Wodurch erweist sich Jesu Anspruch auf Autorität als berechtigt? 8. Weshalb muss auch Ellen Whites Schrifttum an der Bibel geprüft werden? Warum darf sie in Fragen der Lehre nicht das letzte Wort haben? Studienhilfe: „Adventisten, Ellen White und das Sola-Scriptura-Prinzip“, Spes Christiana, Bd. 17, 2006, 45-68

Liedvorschläge: 13, 129Q, 107 71

9. Studienanleitung Woche vom 22. bis 28. Februar 2009

Propheten in der Kritik „Als Jeremia dem ganzen Volk alle diese Worte des HERRN, ihres Gottes, ausgerichtet hatte, wie ihm der HERR, ihr Gott, alle Worte an sie befohlen hatte, sprachen Asarja, der Sohn Hoschajas, und Johanan, der Sohn Kareachs, und alle aufsässigen Männer zu Jeremia: Du lügst!“ (Jer 43,1.2) Grundgedanke

Weil ihre Botschaft manchmal unbequem ist, werden Propheten oft scharf kritisiert. Allerdings sind Propheten keine unfehlbaren Menschen.

Einführung

„Wie ein starkes Gift zersetzt lieblose Kritik die Netze des Miteinander. Aber die Kritiksucht ist ein Bumerang, der auf den Kritiker zurückfällt. Wer immer nur andere kritisiert, sagt nämlich gar nichts über die anderen, er sagt sehr viel über sich selbst und seine enge Lieblosigkeit … In unseren Gemeinden sollte jede aufbauende und mitwirkende Kritik willkommen sein, aber die spitzfindige, lieblose Kritiksucht sollte draußen bleiben. Ein Pfarrer schrieb unter seinen Gemeindebrief einen Nachsatz: ‚Lieber Leser, sollten Sie einen Druckfehler entdecken, bedenken Sie bitte, dass er absichtlich gemacht wurde. Es gibt immer Leute, die nur nach den Fehlern suchen, und unser Blatt möchte doch für jeden etwas bieten!‘“ (AKM, 244f.) Gott gab seinen Propheten gezielte Botschaften in einer konkreten geschichtlichen Situation, um bestimmten Menschen in wichtigen Entscheidungen seinen Willen mitzuteilen. In dieser Woche sollen uns einige Beispiele aus dem Alten Testament Einblick geben, wie die Empfänger damit umgegangen sind. Und wir wollen uns fragen, mit welcher Einstellung wir dem prophetischen Wort begegnen.

72

Sonntag, 22. 2.

Propheten in der Kritik

9

Von den Mächtigen gehasst 1. Könige 22,1-9.13-18.26-28

An welchen Merkmalen kann man die Echtheit eines Propheten erkennen? Wann sind Bedenken angebracht?

Erklärung

Joschafat, der König von Juda, ist nur bereit, Ahab, den König von Israel, bei der Zurückeroberung von Ramot zu unterstützen, wenn Jahwe zustimmt. Als etwa 400 Propheten am Hof Ahabs für den Feldzug sind, zweifelt er daran, dass hier wirklich der Wille des HERRN geweissagt wurde. Daraufhin erklärt Ahab: „Einen Mann gibt es noch, durch den man den HERRN befragen könnte, aber ich hasse ihn, denn er weissagt nichts Gutes über mich, sondern (nur) Böses“ (V. 8 EB). Joschafat lässt diesen Propheten rufen. Micha, der Sohn Jimlas, dürfte seine erste Antwort (V. 15) „in einem solchen Ton vorgetragen haben, dass jedem klar war, dass er die anderen Propheten nur nachäffen wollte.“ (WStB, 592). Darum beschwört ihn Ahab, „im Namen des HERRN die Wahrheit zu sagen“ (V. 16). Daraufhin prophezeit Micha mit Berufung auf eine Vision: Der König wird in der Schlacht umkommen, seine Kämpfer aber werden in Frieden heimkehren (V. 17).

Anwendung

Auch heute wird Religion oft missbraucht, um Kriege zu rechtfertigen. Laut Umfragen sollen 77% aller Evangelikalen in den USA den Krieg gegen den Irak begrüßt haben. Wenn sich Christen dem entgegen stellten, mussten sie damit rechnen, ins Kreuzfeuer der Kritik zu geraten. So wurden im Herbst 2007 zwei führende Repräsentanten einer christlichen Kirche festgenommen, als sie vor dem Weißen Haus gegen den Militäreinsatz im Irak protestierten. Als ein Major der Bundeswehr die Mitarbeit an der Entwicklung eines Computerprogramms mit der Begründung ablehnte, er würde sich dadurch indirekt an den Vorbereitungen des Irak-Kriegs beteiligen, ordneten seine Vorgesetzten für ihn eine psychiatrische Untersuchung an und drohten mit fristloser Entlassung. 73

Montag, 23. 2.

Propheten in der Kritik

9

Als Lügner abgestempelt Jeremia 43,1-3

Warum lehnten die Juden die von Gott erbetene Botschaft ab? Welche Folgen hatte ihre Entscheidung gegen Gottes Weisung?

Erklärung

Die Vorgeschichte (Jer 41,1.2.17.18) Nach der Zerstörung Jerusalems (587 v. Chr.) lebte nur noch ein Rest in Juda. Über den setzte Nebukadnezar Gedalja als Statthalter ein. Der machte aus der gegebenen Situation das Beste, sodass das Volk nach viel Leid und Not wieder Zuversicht und Mut gewann. Als ein Rivale aus dem eigenen Volk Gedalja ermordete, fürchteten die Judäer Nebukadnezars Rache und neue Kriegsgräuel. Ihre einzige Rettung schien die Flucht nach Ägypten. Gottes Wille gefragt Dringend bat das Volk den Propheten Jeremia, Gottes Willen in dieser bedrohlichen Situation zu erfragen. Dabei beteuerte es, der Weisung Gottes folgen zu wollen (Jer 42,1-6). Gottes klare Antwort Bleibt im Land, da wird es euch gut gehen. Ihr braucht euch nicht vor Nebukadnezar zu fürchten. In Ägypten werdet ihr gerade das erleben, wovor ihr euch fürchtet (Jer 42,7-22). Vorwurf des Betrugs In seiner Verblendung behauptet das Volk, Jeremia sage nicht die Wahrheit. Nicht von Gott, sondern von Baruch (Freund und Schreiber Jeremias) stamme die Botschaft. Sein Ziel sei es, das Volk erneut in die Hände der Babylonier geraten zu lassen (Jer 43,1-3). Wenig später (568 v. Chr.) fiel Nebukadnezar in Ägypten ein und erfüllte an den geflüchteten Judäern, was Jeremia vorausgesagt hatte (Jer 42,13-18).

Zum Nachdenken

„Heutzutage wird den Wahrsagern weit mehr Glauben geschenkt als den Wahrheitsagern.“ (E. Ferster) 74

Dienstag, 24. 2.

Propheten in der Kritik

9

Propheten im Widerstreit 2. Samuel 12,7; Jeremia 1,4.9; 28,13.15-17

Welche Bedeutung hat der Hinweis eines Propheten: „So spricht der HERR“? Wie lässt sich diesbezüglich Missbrauch erkennen?

Erklärung

Die Propheten berufen sich ausdrücklich auf die Quelle ihrer Botschaft. Hier redet nicht der Prophet, sondern Gott selbst durch ihn (Hbr 1,1). Die charakteristischen Prophetenformeln „So spricht der HERR“ oder „Das Wort des HERRN geschah zu mir“ finden sich im Alten Testament mehr als 400-mal. Dem Propheten Jeremia versichert Gott: „Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.“ „Die Offenbarung an die Propheten war eindeutiges, unverwechselbares … Reden Gottes … Der Prophet ist Verkündiger. Seine Aufgabe ist, Gottes Wort unverkürzt weiterzugeben.“ (GBL, 1237) In Jeremia 28 wird von einem Propheten Hananja berichtet, der mit einem „So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels“ (V. 2) verkündet, dass die Gefangenen aus Babylon samt der Beute, die Nebukadnezar aus Jerusalem entführt hatte, in ihre Heimat zurückkehren werden. Diese Prophezeiung steht in direktem Gegensatz zu der des Jeremia (Jer 25,11f.). Daraufhin erklärt dieser dem Lügenpropheten im Namen Gottes: „Der HERR hat dich nicht gesandt“ (Jer 28,15) und prophezeit seinen baldigen Tod. „Für das Volk steht ein Prophet Gottes gegen einen anderen. Beide kündigen gegensätzliche Ereignisse an, und die Wahrheit ihrer Aussagen ist noch nicht nachprüfbar … In diesem konkreten Fall bestätigt Gott die Botschaft seines Propheten sehr schnell. Nur zwei Monate nach der Ankündigung stirbt Hananja.“ (SEB, 939f.)

Anwendung

Auch uns gilt die Warnung: „Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt.“ (1 Joh 4,1) 75

Mittwoch, 25. 2.

Propheten in der Kritik

9

Auch Propheten machen Fehler 2. Samuel 7,1-13

Warum war der Rat des Propheten Nathan falsch?

Erklärung

David hat einen Höhepunkt in seiner Regierungszeit erreicht: das Reich ist geeint, Jerusalem erobert, die Philister sind besiegt, die Bundeslade ist in der neuen Hauptstadt. Dort residiert der König in einem herrlichen Palast, doch die Bundeslade steht noch „unter Zeltdecken“. Dieser unwürdige Zustand soll durch den Tempelbau ein Ende finden. Um sich des Willens Gottes zu vergewissern, befragt David den Propheten Nathan, denn es geht um nicht weniger als den ersten Bau eines Tempels für Jahwe. Nathan – hier zum ersten Mal erwähnt, offenbar aber schon länger Berater Davids – ermutigt den König zum Bau, jedoch ohne Gott befragt zu haben. In der folgenden Nacht erklärt der Herr dem Propheten: Dein Rat steht in direktem Gegensatz zu meinem Willen. Nathan zögert nicht, dem König Gottes „Veto“ mitzuteilen, obwohl sich dadurch seine ursprüngliche Zustimmung zum Tempelbau als falsch herausstellte. „Es erfordert Gottes Gnade anzuerkennen, dass man einen Fehler gemacht hat und dann auch bereit ist, ihn ohne Murren korrigieren zu lassen.“ (ABC, Bd. 2, 631)

Vertiefung

Der Prophet „äußert hier offenbar seine persönliche Meinung. Ein Prophet kann Menschen nur eine inspirierte Antwort geben, wenn Gott ihm solch eine Botschaft aufgetragen hat. Wenn ein Prophet mit einer schwierigen Frage konfrontiert wird, hat er die Möglichkeit, um eine inspirierte Antwort zu beten, doch die Antwort selbst kommt vom Herrn. In manchen Zeiten hält Gott es für besser, wenn Menschen ihre Entscheidungen selbst treffen, um dadurch die Fähigkeit zu einer weisen Urteilsbildung zu entwickeln. In anderen Zeiten zieht Gott es vor, eine göttliche Botschaft zu senden.“ (ABC, Bd. 2, 630)

76

Donnerstag, 26. 2.

Exkurs 1

Propheten in der Kritik

9

Inspiration bedeutet nicht Irrtumslosigkeit „Im Blick auf Unfehlbarkeit schreibt Ellen White … deutliche Worte: ‚Was Unfehlbarkeit betrifft, so habe ich sie niemals beansprucht; Gott allein ist unfehlbar.‘ Wiederholt stellte sie fest: ‚Gott und der Himmel allein sind unfehlbar.’ (FG 1, 38) Obwohl sie die Ansicht vertrat, dass das Wort Gottes unfehlbar sei (ebd., 438), meinte sie damit nicht, dass die Bibel (oder ihre eigenen Schriften) in allen Punkten frei von Fehlern sind – ganz im Gegenteil! In der Einleitung zu ‚Der große Kampf‘ legt sie präzise ihre eigene Auffassung dar: ‚Die Heilige Schrift soll als eine maßgebende, untrügliche Offenbarung seines Willens angenommen werden.‘ (S. 9) Meines Erachtens bedeutet dies: Das Werk der Propheten Gottes ist demnach nicht in all seinen Einzelheiten unfehlbar, sondern unfehlbar in dem Sinne, dass es Männern und Frauen Gottes Wi1len offenbart. In einer ähnlichen Aussage merkte Ellen White an, dass Gottes Wort ‚in allen zu unserem Seelenheil notwendigen Fragen völlig klar ist‘ (Sch, Bd. 2, 281). W. C. White befasst sich mit dem gleichen Thema, wenn er feststellt: ‚Dort, wo sie den Beschreibungen der Historiker oder Ausführungen von adventistischen Autoren gefolgt ist, glaube ich, dass Gott ihr die Urteilskraft geschenkt hat, um das zu verwenden, was richtig ist und im Blick auf alle wesentlichen Fragen der Erlösung mit der Wahrheit übereinstimmt. Falls es sich durch gewissenhaftes Studium herausstellen sollte, dass sie einigen prophetischen Ausführungen gefolgt ist, die wir bei einigen Zeitangaben nicht in jedem Detail mit unserem Verständnis der Weltgeschichte in Übereinstimmung bringen können, würde dies mein Vertrauen in ihre Schriften als ganzes nicht beeinflussen. Genauso leidet auch mein Vertrauen in die Bibel nicht darunter, dass ich viele chronologische Aussagen nicht in Übereinstimmung miteinander bringen kann.‘ (3 SM, 449ff.) … Die Schriften von Gottes Propheten sind unfehlbar als Führer zur Erlösung, aber sie sind deshalb nicht absolut irrtumslos oder ohne Fehler. Zu dieser Erkenntnis gehört auch, dass wir lieber nach den zentralen Aussagen der Bibel und in Ellen Whites Schriften forschen sollten, als nach den Einzelheiten zu fragen.“ (George Knight, Ellen White lesen und verstehen, 270-272)

77

Freitag, 27. 2.

Exkurs 2

Propheten in der Kritik

9

Ellen White in der Kritik „In den letzten Jahren ist in unserer Gemeinschaft eine kritische Haltung gegenüber dieser wertvollen Gabe der Prophetie aufgekommen. Manche haben die Werke von Ellen White durchgekämmt auf der Suche nach Mängeln. Einige haben sich an Widersprüchen festgebissen, mit denen sie ihre eigenen Zweifel untermauern, ob Gott wirklich durch Ellen White zu unserer Gemeinschaft gesprochen hat. Eine ganz unglückliche Geschichte. Können wir aber zugeben, dass manches von dieser kritischen Einstellung auf eine unrealistische Betrachtung der Schriften E. G. Whites zurückzuführen ist, eine Sicht, die wir in der Gemeinschaft genährt haben? Können wir eingestehen, dass wir jahrelang ein Bild von Ellen White und ihrem Dienst gemalt haben, das in vieler Hinsicht keine Grundlage hat? Können wir zugeben, dass wir an ihre Schriften häufig eine höhere Erwartung gerichtet haben als an die Bibel selbst, dass wir die menschliche Seite ihres Lebens und ihres literarischen Schaffens heruntergespielt haben und dass es insofern dazu kam, dass unser Glaube erschüttert wurde, als wir bestimmten Tatsachen ins Auge sehen mussten? Ja, es gibt Fragen an Ellen White und ihr Werk, genauso wie wir Fragen an die Bibel und ihre Verfasser stellen können. Wie die Schreiber der Bibel war Ellen White ein Mensch mit Fehlern, obwohl sie eine standfeste Christin war. Wie die Schreiber der Bibel hat sie Gottes Mitteilungen hin und wieder missverstanden. Wie jene verwendete sie manchmal Quellen, die nicht inspiriert waren, um die Wiedergabe einer Gottesbotschaft zu erleichtern. Wie jene hat sie solche Quellen nicht immer angegeben. Und wie in der Bibel finden wir in ihren Schriften Ungereimtheiten. Diese Gedanken sollten unseren Glauben nicht zerstören. Wenn Gott sich uns mitteilt, muss er seine Botschaft durch menschliche Kanäle filtern, und alles was mit Menschlichem in Berührung kommt, ist schon deshalb Fehlern ausgesetzt. Gott ist vollkommen, nur wir Menschen sind es nicht.“ (RFG, 112)

Sonnenuntergang 17.59 Uhr 78

Sabbat, 28. 2.

Propheten in der Kritik

Fragen für das Bibelgespräch 1. Wie empfinden wir, wenn wir kritisiert werden? Warum ist es wichtig, für Kritik offen zu sein? 2. Wir lesen Jeremia 43,1-3. Welche Möglichkeiten gibt es, sich unangenehmer Botschaften zu entledigen? 3. Warum wurden Gottes prophetische Botschaften so oft abgelehnt und seine Propheten verfolgt? 4. Woran ist die Echtheit der Propheten bzw. ihrer Botschaften zu erkennen? 5. Wir lesen 2. Samuel 7,1-7. Welche Auswirkungen hat es auf die Glaubwürdigkeit eines Propheten, wenn er sich korrigiert?

6. Was hat die Propheten ermutigt, ihre Botschaften trotz der zu erwartenden Kritik zu verkündigen? 7. Was kann uns helfen, mehr zu dem zu stehen, wovon wir überzeugt sind?

Liedvorschläge: 571, 155Q, 581 79

9

10. Studienanleitung Woche vom 1. bis 7. März 2009

Grundpfeiler des Glaubens „Hab Acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken! Denn wenn du das tust, wirst du dich selbst retten und die, die dich hören.“ (1 Tim 4,16) Grundgedanke

Einführung

„Gottes Wort soll Glaubensartikel aufstellen und sonst niemand, auch kein Engel.“ (Martin Luther)

„Siebenten-Tags-Adventisten anerkennen allein die Bibel als Richtschnur ihres Glaubens und betrachten die folgenden Glaubensüberzeugungen als grundlegende Lehren der Heiligen Schrift. Diese Glaubensaussagen stellen dar, wie die Gemeinde die biblische Lehre versteht und bezeugt. Eine Neufassung ist anlässlich einer Vollversammlung der Generalkonferenz (Weltsynode) dann zu erwarten, wenn die Gemeinde durch den Heiligen Geist zu einem tieferen Verständnis der biblischen Wahrheit gelangt oder bessere Formulierungen findet, um die Lehren des heiligen Gotteswortes auszudrücken.“ Präambel der Glaubensüberzeugungen der Siebenten-TagsAdventisten (2005) Damit hat unsere Kirche zwei wesentliche Dinge zum Ausdruck gebracht: • Es gibt keine endgültige und unfehlbare Formulierung von Glaubenslehren. • Alle Lehraussagen sind an der Bibel zu prüfen. In dieser Woche wollen wir uns mit Grundpfeilern des adventistischen Glaubens beschäftigen. Dabei soll deutlich werden, dass sie sich auf die Schriften des Alten und Neuen Testaments gründen und nicht aus den Schriften von Ellen White abgeleitet sind – wie wichtig das Wirken Ellen Whites für unsere Kirche auch war und ist.

80

Sonntag, 1. 3.

Grundpfeiler des Glaubens

10

Gerechtigkeit durch den Glauben Römer 3,21-28

Was hat Gott für die Lösung des Problems „Sünde“ getan? Wie kommt „Gottes Gerechtigkeit“ ins Leben des Menschen?

Erklärung

Weil Adam sündigte und seine mit der der Sünde „infizierten“ Nachkommen ihm darin folgten, sind alle dem Tod verfallen (Röm 5,12). Dass unsere Welt trotzdem noch besteht, ist Gott zu verdanken. Er schenkt Zeit der Gnade. Sein Geist macht Sünde bewusst und bietet neues Leben an: „Ist es dir gleichgültig, wie freundlich, geduldig und nachsichtig Gott mit dir ist? Siehst du nicht, wie Gottes Freundlichkeit dich zur Umkehr bewegen will?“ (Röm 2,4 NL) Niemand kann sich selbst aus dem Verhängnis befreien, in das er durch die Sünde geraten ist. Er hat nichts aufzuweisen, um die eigene Schuld zu tilgen. Das einzige Heilmittel ist Jesus Christus, der sein Leben gab. „Es gibt keine wichtigere Tatsache, die intensiver betrachtet … und allen stärker eingeprägt werden sollte als die, dass es dem sündigen Menschen unmöglich ist, irgendetwas mit seinen eigenen guten Werken zu verdienen.“ (GuW, 15)

Vertiefung

Christen stehen in der Gefahr, der Gesetzlichkeit oder der billigen Gnade zum Opfer zu fallen. Gottes Wort bewahrt vor beidem. Es sagt den einen, dass Vergebung nicht mit guten Werken zu verdienen ist. Den andern, dass Glaube kein Freibrief zum Sündigen ist (Röm 3,31; 6,1), sondern die Voraussetzung dafür, dass Sünde die Herrschaft verliert (Röm 6,11.12). Wir sind gerettet allein durch den Glauben, aber der rettende Glaube bleibt nicht allein. Gute Werke folgen, obwohl sie uns niemals vor Gott rechtfertigen können, selbst wenn sie Frucht des Heiligen Geistes sind. Unsere Erlösung ist allein in dem verwurzelt, was Christus für uns getan hat.

Zum Nachdenken

Wenn ich Sieg erlebe, weiß ich, wem er zu verdanken ist. Habe ich versagt, weiß ich, wer der Retter ist. 81

Montag, 2. 3.

Grundpfeiler des Glaubens

10

Das Heiligtum Hebräer 9,1-8.24-26

Wie erfolgte Vergebung im Alten Testament? Wodurch bewirkt Jesus Vergebung?

Erklärung

Der Heiligtumsdienst vermittelte den Israeliten die Botschaft, dass dem Sünder vergeben wird, weil Gott ein stellvertretendes Opfer zulässt. Obwohl Tierblut nicht wirklich Vergebung bewirken konnte (Hbr 10,4), durfte doch der Israelit die Gewissheit haben, dass ihm auf sein Schuldbekenntnis und seine Reue hin vergeben worden war. Durch den Tod Jesu wird die Sünde wirklich aufgehoben. Er ist die Grundlage aller Vergebung für die Zeit vor Christus und danach (Röm 3,25.26). Im himmlischen Heiligtum macht Jesus als Hohepriester dem einzelnen Gläubigen das für alle gültige Opfer zugänglich und setzt sich für ihn ein (1 Joh 2,1).

Vertiefung

Das alttestamentliche Zeremonialgesetz enthält prophetische Elemente, die auf die eigentliche Versöhnung hinweisen (Hbr 13,11.12; Joh 19,36). Der jährlich gefeierte Versöhnungstag (3 Mo 16) wies auf die endgültige Bereinigung aller Sünde hin. In einem Gericht, das vor Jesu Wiederkunft stattfindet (Dan 7,9.10), wird vor der himmlischen Welt deutlich, wer zu Gott gehört und gerettet ist. Nach der Wiederkunft ergeht das Endgericht über die, die sich Jesus Christus verweigert haben.

Anwendung

„Die ewige Sicherheit der Gläubigen ist nicht vom Verlauf der menschlichen Geschichte abhängig, sondern von den Entscheidungen im Heiligtum Gottes. In Daniel 7 scheinen die Gläubigen beim Gericht zu keiner Zeit in Gefahr zu stehen. Sie werden ja alles erhalten, was Gott ihnen in Christus versprochen hat. Es ist ein Gericht zu ihren Gunsten … Auf Erden schienen die Gläubigen in Gefahr zu schweben, aber nicht vor dem Throne Gottes. Gott hat nie an ihnen gezweifelt. Bei ihm hat es nie eine Ungewissheit über ihre Zukunft gegeben.“ (HChr, 120f.) 82

Dienstag, 3. 3.

Grundpfeiler des Glaubens

10

Der Sabbat 2. Mose 20,8-11

Wo liegt der Ursprung des Sabbats? Wozu dient er dem Menschen?

Erklärung

Gott vollendete die Schöpfung, indem er den Sabbat einsetzte, segnete und heiligte. „Der Segen Gottes für Tier und Mensch steht im Zusammenhang mit ihrer Vermehrung. Wenn Gott also auch den siebten Tag segnet, dann empfängt dieser Tag eine besondere Kraft, die ihm Fortbestand auf Dauer gibt … Außerdem hat er den siebten Tag ‚geheiligt‘. Dieser Begriff … drückt aus, dass etwas einen besonderen Stellenwert erhält und vom Alltäglichen abgehoben wird … Das Ziel der Schöpfung Gottes ist daher nicht eine Welt, die auf Hochtouren läuft, in der jeder ein Maximum an Leistung bringt … Gott möchte, dass über unserem Leben und Arbeiten seine Ruhe sichtbar wird.“ (MMA, 39f.)

Vertiefung

Der von Gott geheiligte Tag soll auch vom Menschen geheiligt werden, d. h. in seiner Beziehung zu Gott gesehen und erfahren werden. Das zu tun ist ein Zeichen der Treue zu Gott und zugleich ein Bekenntnis vor den Menschen. Wer Sabbat feiert, darf nicht nur ausruhen, sondern findet auch zu einer engeren Beziehung zum Schöpfer. „Haltet meinen Sabbat … damit ihr erkennt, dass ich der HERR bin, der euch heiligt.“ (2 Mo 31,13) Der Sabbat will dazu beitragen, dass der Mensch, der sich für Geistliches öffnet, geheiligt wird. Gottes Wort soll sich im Herzen verankern und zunehmend seine Wirkung entfalten. „Die Beachtung des Sabbats zeugt daher nicht nur vom Glauben an Gott als den Schöpfer aller Dinge. Sie bezeugt außerdem den Glauben an seine Kraft, das Leben der Menschen umzuwandeln, sodass sie darauf vorbereitet werden, zu der ewigen ‚Ruhe‘ einzugehen.“ (ABC, Bd. 7, 420)

Zum Nachdenken

Was gewinne ich durch den Sabbat für meine Beziehung zu Gott, zu andern Menschen, zu meiner Familie, aber auch für mich selbst? 83

Mittwoch, 4. 3.

Grundpfeiler des Glaubens

10

Was ist mit den Toten? Psalm 146,4; Prediger 9,5.6; Johannes 11,11-14

Was bedeutet der Tod für den Menschen? Was bedeutet der Vergleich des Todes mit dem Schlaf?

Erklärung

Nach dem Sündenfall wurde Adam unmissverständlich erklärt, was es mit dem Tod auf sich hat: Du wirst wieder zu Erde, von der du genommen bist! (1 Mo 3,19) Zu sterben bedeutet also nicht, in ein anderes (körperloses) Leben überzuwechseln. Der Tod ist vielmehr das Ende des Lebens. Jesus vergleicht ihn mit dem Schlaf. Dennoch gibt es Hoffnung: die Auferstehung zum Leben bei der Wiederkunft Jesu.

Vertiefung

„Was bedeutet die christliche Hoffnung in diesem Leben? Ein Leben nach dem Tode? Ein Ereignis abseits vom Tode? Ein Seelchen, das wie ein Schmetterling über dem Grab davon flattert und noch irgendwo aufbewahrt wird, um unsterblich weiter zu leben? So haben sich die Heiden das Leben nach dem Tode vorgestellt. Das ist aber nicht die christliche Hoffnung. ‚Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches.‘ Das Fleisch ist in der Bibel ganz schlicht der Mensch, und zwar unter dem Zeichen der Sünde, der geschlagene Mensch. Und diesem Menschen wird zugesagt: du wirst auferstehen. Auferstehung heißt nicht Fortsetzung dieses Lebens, sondern Lebensvollendung. Zu diesem Menschen ist ein Ja gesprochen, dem der Schatten des Todes nicht gewachsen ist.“ (KBD, 164)

Anwendung

Die Vorstellung von der Unsterblichkeit der Seele ist der Nährboden des Spiritismus. Die Erscheinung Verstorbener wird für möglich gehalten und deren „Botschaften aus dem Jenseits“ werden akzeptiert. Auf diese Weise täuschen Dämonen etwas vor, was es nicht gibt, und verleiten zu irrigen Auffassungen.

84

Donnerstag, 5. 3.

Grundpfeiler des Glaubens

10

Die Wiederkunft Jesu Matthäus 24,30.31; 1. Thessalonicher 4,16.17

Was geschieht, wenn Jesus wiederkommt? Was bedeutet dieser Tag für die Gläubigen?

Vertiefung

Heute vertreten viele evangelikale Christen die Auffassung, dass die Wiederkunft zweigeteilt sei. Das erste Mal werde Jesus kommen, ohne von der Welt gesehen zu werden, um die Gläubigen, die zu diesem Zeitpunkt bereit sind, zu sich zu nehmen. Man nennt das „geheime Entrückung“ und behauptet, dass Paulus sie in 1. Thessalonicher 4,17 angekündigt habe. Sieben Jahre später werde Jesus sichtbar erscheinen. Doch schon Vers 16 macht es unmöglich, dieser Annahme zu folgen, denn hier wird kein Ereignis beschrieben, das der Welt verborgen bleibt. Es ist nur die eine sichtbare Wiederkunft zu erwarten, bei der die lebenden und die auferstandenen Gläubigen gemeinsam entrückt werden. Die „geheime Entrückung“ hat eine sehr verlockende Seite, weil sie sich angeblich vor dem Auftreten des Antichristen und der letzten Katastrophen ereignet. Das aber steht im Gegensatz zu 2. Thessalonicher 2,3: „… zuvor muss der Abfall kommen und der Mensch der Bosheit offenbart werden.“ Hier wird deutlich, dass sich die Entrückungstheorie als Falle erweisen muss. Wer daran glaubt, wird die letzte Verführung (Offb 13) nicht als solche erkennen, weil sie angeblich erst dann kommt, wenn die Entrückten bereits im Himmel sind. Die Schlinge ist ausgelegt, doch biblische Erkenntnis bedeutet Bewahrung.

Anwendung

„Die große Not ist die Hoffnungslosigkeit. Und Hoffnungslosigkeit ist überall da, wo man nicht weiß, dass Gott kommt … Wenn wir bloß auf unsere eigenen Reserven angewiesen sind, bloß auf die Kräfte, die in der Welt selbst stecken, so sind wir verloren … Gott bricht in die Welt hinein. Er kommt zu seiner Schöpfung, die verdorben ist, um sie zu ihrer ursprünglichen Güte umzuschaffen und sie zu vollenden.“ (BUG, 138f.) 85

Freitag, 6. 3.

Exkurs

Grundpfeiler des Glaubens

10

„Allein die Schrift“ Die Glaubenslehren der Siebenten-Tags-Adventisten wurden auf Grund intensiven Bibelstudiums gefunden und formuliert, nicht durch prophetische Mitteilungen. „Die übliche Methode der Pioniere bei der Bildung ihrer Lehre bestand darin, dass sie die Bibel studierten, bis sie eine allgemeine Übereinstimmung gefunden hatten. In diesem Zusammenhang kam es vor, dass Ellen White eine Vision zu einem bereits erforschten Thema gegeben wurde, um vor allem die Übereinstimmung zu bestätigen.“ (GKE, 32) Als während der Generalkonferenz 1888 E. J. Waggoner und A. T. Jones die Gerechtigkeit durch den Glauben an Jesus in den Mittelpunkt stellten, gab Ellen White ihnen volle Unterstützung, denn sie hatte selbst bereits diese Überzeugung gewonnen. Außerdem kritisierte sie die gesetzliche Art, in der damals viele adventistische Prediger auftraten: „Wir haben uns so sehr mit dem Gesetz beschäftigt, dass wir so trocken wurden wie die Hügel von Gilboa … Lasst uns auf die Verdienste Jesu vertrauen.“ (GKE, 86) Manche adventistische Theologen lehrten, dass Jesus als Mensch sündhafte Neigungen in sich gehabt habe. Dem widersprach Ellen White: „Christus nahm die gefallene Natur des Menschen an, aber nicht seine Sündhaftigkeit.“ Eine biblische Begründung dafür hatte sie in Lukas 1,35 in den Worten des Engels gefunden, der Jesus als „das Heilige“ bezeichnete (vgl. GKN, 115f.). „Ellen White hob Christus, das lebendige Wort Gottes, hervor. Hand in Hand damit ging ihr Einsatz für Gottes geschriebenes Wort. In ihrem ersten Buch (1851) schrieb sie: ‚Lieber Leser, ich empfehle dir das Wort Gottes als die Richtschnur deines Glaubens und Handelns.‘ 58 Jahre später stand sie vor den Teilnehmern der Generalkonferenzsitzung (1909) und sagte: ‚Brüder und Schwestern, ich empfehle euch dieses Buch.‘ Dies waren die letzten Worte, die sie an die Teilnehmer einer Generalkonferenz richtete. Ellen White erhöhte zeitlebens die Heilige Schrift. Für sie war die Bibel der offenbarte Wille Gottes, der das Wissen bietet, das zur rettenden Glaubensbeziehung zu Jesus Christus führt.“ (GKEW, 142)

Sonnenuntergang 18.11 Uhr 86

Sabbat, 7. 3.

Grundpfeiler des Glaubens

10

Fragen für das Bibelgespräch 1. „Die wenigsten Menschen lernen durch Denken, die meisten nur aus Erfahrung.“ Was meint ihr dazu? In welchem Verhältnis stehen Denken und Erfahrung im christlichen Glauben? 2. Welchen Einfluss hat die Bibel auf unser Denken? Wie können wir verhindern, dass wir die Bibel dem Maßstab unserer Erfahrung unterwerfen? 3. Welche Fragen habt ihr zu den in der Studienanleitung skizzierten Grundpfeilern des adventistischen Glaubens (Gerechtigkeit durch den Glauben, Heiligtum, Sabbat, Zustand der Toten, Wiederkunft)? Welche Bibeltexte und Begründungen sind euch besonders wichtig? 4. Wie sind Siebenten-Tags-Adventisten eurer Meinung nach zu diesen Lehrauffassungen gekommen? Welche Rolle spielte dabei Ellen White? (Vgl. Freitagsseite) 5. In unserer Gemeinde wird in vielen Diskussionen auf Aussagen Ellen Whites hingewiesen. Welche Autorität wird ihnen dabei zugemessen? In welchem Verhältnis stehen die Schriften Ellen Whites zur Bibel? 6. Welche Szenarien für ein Ende der Welt hält man heute für denkbar? Was ergibt sich dazu aus der Bibel? Auf welche Texte würdet ihr hinweisen? Was bewahrt davor, endzeitbezogene Bibeltexte in ein falsches System einzubauen? 7. Was würde euch helfen, die Bibel besser zu verstehen? Liedvorschläge: 17Q, 56Q, 227 87

11. Studienanleitung Woche vom 8. bis 14. März 2009

Verstehst du auch …? „Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war.“ (Lk 24,27) Grundgedanke

Inspiriertes Schrifttum zu lesen bedeutet nicht immer, es auch richtig zu verstehen. Daher ist eine sachgerechte Auslegung notwendig.

Einführung

Es ist eine Sache, inspirierte Texte vorliegen zu haben, eine andere, sie auch richtig zu verstehen. So fragte der Apostel und Evangelist Philippus den Finanzbeamten der äthiopischen Kandake: „Verstehst du auch, was du liest?“ Der Beamte antwortete: „Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet.“ (Apg 8,30.31) Philippus seinerseits hatte an der tiefgehenden Unterweisung teilgenommen, die die Jünger vom Auferstandenen persönlich erhalten hatten. Auch ihnen musste Gottes Wort ausgelegt werden (Lk 24,27). Für „auslegen“ verwendeten die Griechen das Verb diermeneuein (aus dia und hermeneuein). Davon ist der Begriff „Hermeneutik“ abgeleitet. Darunter versteht man die Wissenschaft von der Textauslegung. Die biblische Hermeneutik bemüht sich darum, angemessene Vorgehensweisen und Methoden zu entwickeln, um Gottes Wort sachgerecht auslegen zu können. Mit einigen Aspekten der Auslegung wollen wir uns in dieser Woche befassen.

88

Sonntag, 8. 3.

Verstehst du auch …?

11

Warum ist Auslegung nötig? Hiob 11,7-9; Epheser 4,17.18

Warum ist der Mensch von sich aus nicht in der Lage, Gott und sein Wort richtig zu verstehen? Warum ist der Verstand des Menschen verdunkelt?

Vertiefung

Für die Notwendigkeit einer angemessenen Auslegung inspirierter Texte sprechen mehrere Gründe: • die menschliche Begrenztheit an sich; • die Verfinsterung des menschlichen Verstandes durch den Sündenfall; • die Neigung, Gottes Wort zu verdrehen (2 Ptr 3,16); • unlautere Beweggründe (2 Kor 2,17); • Verblendung durch den Zeitgeist (Lk 24,21). Zu diesen zeitlosen Gründen kommen heutzutage weitere Faktoren: • Wir leben auf einem anderen Erdteil, in einer anderen Zeit und in einer anderen Kultur. • Wir sprechen andere Sprachen, haben andere Bräuche, andere Strukturen und Institutionen sowie andere Denkformen. All das macht eine sachgemäße Auslegung unerlässlich. Das Ziel muss sein, Gottes Wort unverfälscht weiterzugeben (vgl. 2 Tim 2,15). Dennoch gilt: „In der Bibel gibt es Aussagen, die wir weder erklären noch verstehen können.“ (BW, 109)

Anwendung

Gott erwartet nicht, „dass wir in Glaubensdingen den Verstand ausschalten. Wie kaum etwas anderes kann das Forschen in der Heiligen Schrift unsere geistigen und seelischen Fähigkeiten aufblühen lassen. Aber wir sollten uns davor hüten, den Verstand zum Maßstab dafür zu machen, was man glauben kann und was nicht. Vor allem anderen erwartet Gott von den Seinen Ehrfurcht, Demut und kindliches Vertrauen.“ (Ebd., 114)

Zum Nachdenken

Wie gehe ich damit um, dass sich mir Gottes Wort nicht immer erschließt? 89

Montag, 9. 3.

Verstehst du auch …?

11

Was sagt der direkte Zusammenhang? Markus 9,1; vgl. 9,2-8

Wie könnten die Zuhörer damals diese Aussage verstanden haben? In welchem Ereignis hat sich Jesu Ankündigung erfüllt?

Erklärung

Zum Zusammenhang gehört, was einem Satz oder Textabschnitt unmittelbar vorausgeht und/oder ihm folgt. Wenn man das übersieht, sind falschen Deutungen Tür und Tor geöffnet. Weil die Zuhörer von damals längst verstorben sind, Gottes Reich aber noch nicht sichtbar aufgerichtet wurde, könnte man denken, Jesus habe sich in dieser Frage eben getäuscht. Allerdings macht Jesus später eine ähnliche Aussage (Mt 24,34). Gleich danach bekundet er aber in Bezug auf Tag und Stunde der Wiederkunft seine menschliche Unwissenheit (V. 36). Seine frühere Ankündigung muss also anders verstanden werden. Markus 9,2-8 enthält im direkten Anschluss an Jesu überraschende Aussage den Bericht über die Verklärung. Da wurde Jesus mit himmlischer Herrlichkeit überkleidet und seine Autorität wurde von Gott bestätigt. Als Gottes Sohn ist er mehr als Mose und Elia.

Vertiefung

Beim Bibelstudium ist es hilfreich den Text in verschiedenen Übersetzungen nachzulesen; dadurch erschließt sich ein tieferes Verständnis des Wortes. Paralleltexte (z. B. in den Evangelien) zeigen durch eine abweichende Formulierung den Aussageschwerpunkt. Ganz wichtig ist der Zusammenhang, wobei es zunächst um den unmittelbaren Zusammenhang der vorigen und nachfolgenden Verse geht, dann aber auch um den gedanklichen und sprachlichen Zusammenhang des ganzen Kapitels und Buches. (Nach Harald Weigt, Verstehst du auch, was du liest?, 16-18)

Zum Nachdenken

Wo ist mir bewusst geworden, dass ich Texte missverstanden habe, weil ich den Zusammenhang unbeachtet ließ?

90

Dienstag, 10. 3.

Verstehst du auch …?

11

Was sagt der größere Zusammenhang? Römer 3,23.24.28; Jakobus 2,21-24

Vergleicht die Aussagen von Paulus und Jakobus. Inwiefern besteht kein Widerspruch zwischen den beiden Aposteln? (Vgl. Gal 5,6; Eph 2,8-10)

Erklärung

Stellt man Römer 3,28 direkt neben Jakobus 2,24, „hat man den Eindruck, dass nur eins davon richtig sein kann. Die Dinge ändern sich jedoch, sobald man den Zusammenhang beachtet. Römer 1-3 hat es mit der Frage zu tun: ,Woher kommt das Heil? Jakobus 2 dagegen kommt vom Heil her … Römer 3 führt zum Kreuz hin, Jakobus 2 kommt vom Kreuz her. Römer 3 sagt: Nur durch Jesus können wir gerettet werden. Jakobus 2 sagt: Wir verlieren die Rettung, wenn unser Glaube leer und tot ist. Beide haben ihren kanonischen Platz zurecht. Beide Aussagen sind nötig und richtig.“ (MBH, 348)

Vertiefung

Den größeren Zusammenhang bilden andere Texte zum gleichen Thema. Etwa in demselben Buch, in anderen Schriften desselben Verfassers oder bei anderen Schreibern. Wenn wir den erweiterten Zusammenhang befragen, stellen wir fest, dass zwischen den beiden Aposteln kein wirklicher Gegensatz besteht. Sie haben unterschiedliche Ansätze. Paulus legt trotz aller Betonung von Gnade und Glaube in punkto Rechtfertigung doch großen Wert auf Werke im Leben der Christen. Davon handelt durchweg der zweite Teil seiner Briefe. Jakobus bildet genau dazu eine Parallele, ebenso zur Bergpredigt, der es ja auch um das Tun und Lassen der Gläubigen geht (Mt 5 bis 7).

Zum Nachdenken

„Das Wort des Herren drängt zur Tat, schafft Freiheit und gibt Stärke. Wer Christus folgt nach seinem Rat, vollbringt auch Christi Werke.“ (WLG 103,2)

91

Mittwoch, 11.3.

Verstehst du auch …?

11

Wie war es damals? Jeremia 4,23-26

In welchem Zustand befindet sich die Erde? Worauf bezieht sich diese Beschreibung? (V. 1-4.14)

Erklärung

Zu den Grundsätzen der Bibelauslegung gehört die Frage nach Zeit und Ort der Abfassung eines inspirierten Textes. Als Jeremia diesen Text etwa 600 v. Chr. schrieb, dachte er nicht – wie manche meinen – an den Zustand der Erde während der 1000 Jahre (Millennium). Den geschichtlichen Zusammenhang bildet die Ankündigung der Zerstörung Jerusalems und Judas. Der Prophet sieht, was geschehen wird, wenn Juda verstockt bleibt. In poetischer Sprache beschreibt er die Verwüstung, die über Juda kommen würde. 587 v. Chr. hat Nebukadnezar Stadt und Land verwüstet.

Vertiefung

Manche alttestamentlichen Prophezeiungen haben neben der ersten unmittelbaren Erfüllung eine zweite Erfüllungsebene, die in fernerer Zukunft liegt (vgl. Jes 7,14; 8,18; Mt 1,23). Auch Jeremia 4 kann daher in zweiter Linie als ein Hinweis darauf gedeutet werden, wie es nach der Wiederkunft Christi auf der Erde aussehen wird (nach ABC, Bd. 4, 134.373). Denn in dieser Verbindung spricht auch die Offenbarung von schlimmer Verwüstung (6,14-17; 16,18-21; 19,17-21). Kosmische und seismische Phänomene stürzen die Erde ins Chaos, das 1000 Jahre andauert (Offb 20,1-6). Entscheidend aber ist der ursprüngliche historische Hintergrund. Seine Erhellung ist nicht immer einfach. Oft liegen nur Hinweise im Bibeltext vor, aus denen Rückschlüsse gezogen werden müssen, so z. B. im 1. Korintherbrief. Paulus hatte aus mehreren Quellen von den Problemen in Korinth erfahren: von den Leuten der Chloe (1,11), aus Gerüchten (5,1) und durch einen Brief der Gemeinde, der nicht erhalten geblieben ist (7,1). Anhand der Aussagen des 1. Korintherbriefs versucht man nun herauszufinden, welcher Art die Probleme waren, die in der Gemeinde bestanden.

92

Donnerstag, 12. 3.

Exkurs 1

Verstehst du auch …?

11

Ellen White verstehen Wie bei der Bibel ist es auch beim Schrifttum Ellen Whites angebracht, angemessene Auslegungskriterien anzuwenden, um irrige Deutungen zu vermeiden. Folgendes sollte dabei beachtet werden: Den direkten Zusammenhang (Kontext) beachten. „Um die Richtigkeit ihrer eigenen Ideen zu beweisen … zitieren manche die Hälfte eines Satzes aus den ,Zeugnissen‘ und lassen die andere Hälfte weg. Gerade die aber würde ihren Gedankengang als falsch entlarven.“ (MS 22, 1890) Dazu ein Beispiel: „Eier sollten nicht auf euren Tisch kommen.“ (T, Bd. 2, 400) Der direkte Zusammenhang zeigt, dass es hier um eine spezielle Situation geht. Der Rat lässt sich daher nur auf ähnliche Situationen beziehen. Ein generelles Verbot des Verzehrs von Eiern darf daraus nicht abgeleitet werden. An anderer Stelle weist Ellen White deutlich auf den Wert dieses Nahrungsmittels hin (T, Bd. 7, 135; T, Bd. 9, 162). Den erweiterten Zusammenhang beachten. Um ein einseitiges Bild zu vermeiden ist es wichtig, möglichst viele Aussagen zu einem bestimmten Thema einzubeziehen. „Die Zeugnisse selbst sind der Schlüssel, der die gegebene Botschaft erklärt.“ (SM, Bd. 1, 42) Den geschichtlichen Hintergrund beachten (Zeit, Ort). „In Bezug auf die ,Zeugnisse‘ … müssen Zeit und Ort berücksichtigt werden.“ (SM, Bd. 1, 57) Das klassische Beispiel dafür ist Ellen Whites negative Aussage aus dem Jahr 1894 in Sachen Fahrrad. (T, Bd. 8, 51f.) Sie spricht da von einer „Fahrradmanie“ und einem „verhexenden Einfluss“, den das neu aufgekommene Fahrrad auf die Gemeindeglieder ausübte. Der historische Hintergrund: Das Fahrrad war damals horrend teuer; Zeit und Geld wurden ihm geopfert, Neid und Rivalität geschürt. Darunter litten Gottes Werk und das „Klima“ in der Gemeinde. Das Grundprinzip erkennen und übertragen. Es ging damals letztlich nicht um das Fahrrad, das schnell zu einem preiswerten Fahrzeug wurde. Die Warnung richtete sich gegen Zeit- und Geldverschwendung, gegen Egoismus, Stolz, Neid und Rivalität. Solche Warnungen sind zu allen Zeiten aktuell! Studienhilfe: George R. Knight, „Ellen White lesen und verstehen“; „Ellen Whites Leben und Welt“.

93

Freitag, 13. 3.

Exkurs 2

Verstehst du auch …?

11

Falschen Gebrauch vermeiden Zum Missbrauch des Schrifttums von Ellen White zählen: • Die Glaubenslehren der Siebenten-Tags-Adventisten mit ihren Schriften zu begründen. Das ist sachlich und historisch falsch. Die Glaubensüberzeugungen der STA gründen sich allein auf die Bibel. (Ev, 256) • Ellen Whites Schrifttum auf die gleiche Stufe wie die Bibel zu stellen. Es ist das „kleinere Licht“. (CW, 37) • Das Studium dieser Bücher dem Bibelstudium vorzuziehen oder es dadurch zu ersetzen. Das „kleinere Licht“ soll zum „größeren Licht“ hinführen, anstatt es zu verdrängen. (CW, 37) • Sich Anders- oder Nichtgläubigen gegenüber auf dieses Schrifttum zu berufen. (T, Bd. 1, 119f.) • Dieses Schrifttum Mitgläubigen gegenüber als „Keule“ zu benutzen, um eigene Ansichten durchzusetzen oder sich zum Richter über andere aufzuschwingen. (T, Bd. 1, 122; T, Bd. 4, 636) • Extreme Deutungen oder Auslegungen zu propagieren. (T, 669f.) • Unautorisierte, d. h. von der Gemeinschaft nicht genehmigte oder akzeptierte Veröffentlichungen zu benutzen. Der Treuhänderausschuss bei der Generalkonferenz ist der von Ellen White selbst eingesetzte und autorisierte Verwalter ihres Schrifttums (gemäß ihres Testaments vom 9.2.1912). Für das Studium inspirierter Schriften ist es darüber hinaus wichtig: • um die Erleuchtung durch den Heiligen Geist zu bitten; • die Bereitschaft aufzubringen, erkannte Wahrheiten im Alltag umzusetzen; • bereit zu sein, lieb gewordene Standpunkte und Ideen aufzugeben; • das Gespräch mit im Glauben erfahrenen Christen zu suchen; • den gesunden Menschenverstand walten zu lassen.

Zusammenfassung

Während viele inspirierte Texte einfach zu verstehen sind (z. B. die grundlegenden Heilstatsachen), ist nicht selten auf Grund der zeitlichen und räumlichen Distanz zu ihrer Entstehung eine sachgerechte Auslegung erforderlich. Wenn angemessene Prinzipien beachtet werden, verhilft das zu einem besseren Verständnis dieser Texte und damit zu einer tieferen Erkenntnis Gottes und seines Erlösungsplans. Sonnenuntergang 18.23 Uhr 94

Sabbat, 14. 3.

Verstehst du auch …?

11

Fragen für das Bibelgespräch 1. Häufig kommt es im persönlichen Umgang zu Missverständnissen. Wo liegen die Ursachen? 2. Aus welchen Gründen können inspirierte Schriften falsch verstanden werden? 3. Wir lesen Markus 9,1. Was könnte Jesus mit seiner Aussage gemeint haben? Wie gehen wir vor, um zu einer angemessenen Deutung zu kommen? Warum ist es wichtig, den direkten Zusammenhang einer Aussage zu beachten? 4. Wir lesen Römer 3,28 und Jakobus 2,24. Wie lässt sich der Widerspruch erklären? Welche Vorgehensweise ist dabei angebracht? 5. Wir lesen Jeremia 4,23-26. Manchmal werden diese Verse direkt auf die tausend Jahre in Offenbarung 20 bezogen. Worauf zielt Jeremias Aussage aber in erster Linie? Haltet ihr es für berechtigt, Jeremias Beschreibung auf ein weiteres Ereignis zu beziehen? 6. Beim Lesen des Schrifttums von Ellen White kann man widersprüchliche Aussagen finden. Wie geht ihr damit um? 7. Manche Aussagen Ellen Whites erscheinen veraltet. Inwiefern lässt sich trotzdem geistlicher Nutzen daraus ziehen? 8. Wie lässt sich eine missbräuchliche Verwendung von Ellen Whites Schrifttum vermeiden?

Liedvorschläge: 21, 103, 268Q 95

12. Studienanleitung Woche vom 15. bis 21. März 2009

Vom Segen der Prophetie „Glaubt an den HERRN euren Gott, so werdet ihr sicher sein, und glaubt seinen Propheten, so wird es euch gelingen.“ (2 Chr 20,20) Grundgedanke

Das Wirken der Propheten ist vielgestaltig und bringt denen, die sich ihren Botschaften öffnen, reichen Segen.

Einführung

In einem Wochenmagazin wurde ein Gerät vorgestellt, mit dem sich Strom aus dem menschlichen Körper gewinnen lässt. Ein Forschungsbericht meldete, dass man nun endlich ein Mittel gegen die in Afrika immer noch verbreitete Schlafkrankheit entwickelt habe. Man kann also verstehen, warum manchmal von ‚Segnungen‘ der Wissenschaft und Technik die Rede ist. Letztlich verdanken wir diese Segnungen dem Schöpfer. Das gilt auch für den Segen, den er in Form der Prophetie für uns bereithält. Deshalb wurde Israel dazu aufgerufen und ermutigt auf die Botschaften der Propheten zu achten und sie zu befolgen, denn es war Gott selbst, der durch sie zum Volk sprach. Solange Israel Gottes Botschaften ernst nahm und seinen Weisungen gehorchte, wurde es auf vielfältige Weise gesegnet. Die prophetische Gabe war auch in neutestamentlicher Zeit wirksam. Gott hörte nicht auf, durch Propheten zu den Gläubigen zu sprechen – bis heute nicht. Weil die prophetische Gabe keineswegs auf die Urgemeinde begrenzt blieb, sind wir als Adventisten davon überzeugt, dass Gott auch durch die Schriften und Bücher Ellen Whites wertvolle, glaubenstärkende Botschaften an die Gemeinde übermittelt hat. Diese Botschaften faszinieren durch ihre Bandbreite. Sie betreffen sowohl Glaubensüberzeugungen als auch ganz praktische Themen wie Erziehung, Charakterbildung, Ernährung, Gesundheit und Freizeit. In dieser Woche wollen wir uns mit einigen dieser Bereiche befassen.

96

Sonntag, 15. 3.

Vom Segen der Prophetie

12

Mission und Evangelisation Jesaja 45,20-22; 56,7

Welche Einladung spricht Gott aus? Wem gilt sie?

Erklärung

Nach dem Untergang Babylons ruft Gott die Entronnen der Heiden, die Israeliten, zu einer Versammlung, auf der er sich als der Retter seines Volkes erweist. Aber auch die Heiden will er zu sich rufen, damit sie gerettet werden (Jes 45,20-22). Im Alten Testament finden sich wiederholt Aussagen, die darauf hinweisen: Israel sollte als Volk Gottes andere Völker durch sein Beispiel zu Gott führen. Der Tempel sollte ein Bethaus für alle Völker sein (Jes 56,7), voraus weisend auf die Erlösung und die kommende Friedensgemeinschaft von Menschen aus allen Völkern und Zeitaltern.

Vertiefung

Anfangs glaubten die Adventisten, dass sie Gottes Missionsauftrag dadurch erfüllten, dass sie die Immigranten in Nordamerika ansprachen. Doch 1871 schrieb Ellen White: „Junge Männer sollten sich selbst ausbilden, indem sie andere Sprachen erlernen, damit Gott sie als Mittler zur Weitergabe der Rettungsbotschaft an andere Nationen gebrauchen kann.“ (Life Sketches, 204) 1874 wurde ihr in einem Traum gezeigt: „Die Unternehmungen, die ihr für das Werk in dieser Zeit verfolgt, sind zu begrenzt … Die Botschaft wird machtvoll in alle Teile der Welt gehen, nach Oregon, nach Europa, nach Australien, zu den Inseln, zu allen Nationen, Völkern und Sprachen … Euer Konzept bezüglich des Werkes sollte erheblich erweitert werden.“ ( Ebd., 208f.) Im selben Jahr wurde J. N. Andrews der erste adventistische Missionar. Er und seine Kinder gingen in die Schweiz; drei Jahre später wurde John G. Matteson nach Skandinavien gesandt. In Ellen Whites Schriften finden sich viele konkrete Hinweise in Sachen Mission. So warnte sie z. B. davor, Institutionen an wenigen Orten zu konzentrieren. Sie ermutigte zur Schiffsmission auf dem Mississippi und auch zur Evangelisation in den großen Städten.

Anwendung

Inwiefern machen uns Ellen Whites Aussagen Mut, missionarisch zu leben? 97

Montag, 16. 3.

Vom Segen der Prophetie

12

Erziehung und Bildung 1. Könige 20,35; 2. Könige 4,1.38; 6,1.2; 9.1-3

Welche Informationen geben uns die Königebücher über die Prophetenjünger?

Erklärung

Bereits in den Samuelbüchern (1 Sam 10,5-13; 19,20-24) ist von Prophetengruppen die Rede. Ihr besonderes Kennzeichen war offenbar die „Verzückung“. Die „Prophetenjünger“ waren vor allem mit Elisa verbunden. Leider haben wir über sie nur wenige Informationen. Fest steht jedoch, dass sie einen Versammlungsraum hatten und zu Füßen Elisas saßen. Beides spricht dafür, dass sie von ihm „unterrichtet“ wurden.

Vertiefung

In der Frühzeit der Adventbewegung gab es von privater Seite verschiedene Versuche, eine Schule für adventistische Kinder zu gründen, allerdings ohne dauerhaften Erfolg. Anfang 1872 erhielt Ellen White eine Vision über ausgewogene Erziehungsprinzipien. Unter anderem führte sie aus: „Wir benötigen eine Schule, auf der jene, die gerade ihren Dienst beginnen, zumindest die Grundlagen der Erziehung vermittelt bekommen, und wo sie auch umfassend über die Wahrheiten des Wortes Gottes für diese Zeit unterrichtet werden.“ (Fundamentals of Christian Education, 45f.) Im Mai 1872 erklärte sich die Generalkonferenz bereit, die Verantwortung für eine örtliche Gemeindeschule in Battle Creek zu übernehmen, und am 3. Juni öffnete die erste offizielle adventistische Schule mit zunächst zwölf Schülern ihre Pforten. Zwei Jahre später schrieben sich bereits 100 Schüler im neu gegründeten Battle Creek College ein. Allerdings äußerte sich Ellen White zuweilen auch kritisch zum Battle Creek College. Später fasste sie ihre Einsichten in dem Buch „Erziehung“ zusammen. Dabei bezog sie sich auch auf die Prophetenschulen aus alttestamentlicher Zeit.

Anwendung

„Charakter ist das, was du bist und tust, wenn dich niemand sieht.“

98

Dienstag, 17. 3.

Vom Segen der Prophetie

12

Gesundheit und Wohlergehen 2. Mose 15,26; 3. Mose 11,1-8; 13,46

Welche Zusage machte Gott seinem Volk? Welche Gesundheitsregeln gab Gott den Israeliten?

Erklärung

Gott lag daran, dass sich sein Volk gesund ernährte. Reinheitsvorschriften gab es nicht nur im Zusammenhang mit dem Heiligtumsdienst, sondern auch bei Krankheiten wie Aussatz und für den Alltag insgesamt (3 Mo 13,46). Die Israeliten erhielten genaue Anweisungen darüber, wie man sich nicht nur in kultischer, sondern auch in gesundheitlicher Hinsicht rein erhält.

Vertiefung

Die meisten Gründerväter und -mütter der Siebenten-TagsAdventisten waren alles andere als Gesundheitsreformer. Im Jahr 1848 wurde Ellen White in einer Vision gezeigt, dass Tabak, Tee und Kaffee schädlich seien, aber es dauerte einige Jahre, die Gemeindeglieder davon zu überzeugen. Am 6. Juni 1863 empfing Ellen White eine Vision, in deren Verlauf ihr die Notwendigkeit einer Gesundheitsreform gezeigt wurde. „Ich sah, dass es unsere heilige Pflicht ist, auf unsere Gesundheit zu achten und andere ebenfalls an diese Pflicht zu erinnern.“ (SM, Bd. 3, 280) Zwei Jahre später, am 25. Dezember 1865, wurde ihr gezeigt, dass die Adventisten ein Gesundheitsinstitut gründen sollten. Das Western Health Reform Institute in Battle Creek, das 1866 eröffnet wurde, war der erste Baustein eines Netzwerks von derzeit über 300 adventistischen Hospitälern, Kliniken und Erste-Hilfe-Stationen.

99

Mittwoch, 18. 3.

Vom Segen der Prophetie

12

Publikationen und Verlage Jeremia 36,1-8.32

Warum sollte Jeremia, die prophetischen Botschaften an Israel aufschreiben?

Erklärung

Die Datumsangabe verweist in das Schicksalsjahr 605 v. Chr., in dem Nebukadnezar bei Karkemisch über die Ägypter siegte. Jeremia bekommt den Auftrag, die prophetischen Botschaften, die er erhalten und schon mündlich weitergegeben hat, in einer Schriftrolle aufzuzeichnen, damit das Haus Juda durch die geballte Wucht dieser Unheilsdrohungen vielleicht doch noch zur Besinnung kommt … Die schriftliche Form machte es möglich, dass ein anderer als Jeremia die Worte vor den Ohren des Volkes zu Gehör bringen konnte. Jeremia selbst durfte zu jener Zeit nicht mehr im Tempel auftreten … Die zweite Niederschrift der Worte Jeremias aus der Feder Baruchs bildet nach allgemeiner Auffassung den Grundstock der im Jeremiabuch gesammelten Prophetenworte. (SEB, 951)

Vertiefung

Das adventistische Verlagswerk entstand nicht aus strategischen Überlegungen bestimmter Gremien, sondern erwuchs aus einer göttlichen Botschaft, die Ellen White 1848 für ihren Mann erhielt. Darin wurde ihr mitgeteilt, dass aus geringen Anfängen „Ströme des Lichts“ um die ganze Welt fließen würden. (Life Sketches, 125) Wie sollte das zugehen? Jesus würde bald wiederkommen. Es gab nur wenige wohlhabende oder gelehrte Adventisten. Und doch sagte eine junge Frau voraus, dass die kleine Zeitschrift („Present Truth“, später umbenannt in „Review and Herald“) - ins Leben gerufen von ihrem mittellosen Ehemann – mehr und mehr Menschen erreichen würde, bis das Licht der Wahrheit den gesamten Globus umspannt. Heute betreibt die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten mehr als 60 Verlagshäuser, und die Botschaft Gottes wird in nahezu 400 Sprachen gedruckt und verkündigt.

100

Donnerstag, 19. 3.

Vom Segen der Prophetie

12

Theologie und Lehre Hesekiel 3,17; 5,7-9; Matthäus 24, 11.23-26

Welche Aufgabe sollte Hesekiel erfüllen? Wovor sollte der Prophet Israel warnen und welche Konsequenzen sollte er ankündigen? Vor welchen Gefahren warnt Jesus in seiner Endzeitrede?

Erklärung

Vertiefung

Biblische Prophetie umfasst unter anderem folgende Dimensionen: Deuten von Zeitereignissen, Ankündigen von zukünftigem Geschehen, Betrauen mit besonderen Aufgaben. So beruft Gott Hesekiel in einer Vision zum „Wächter“ für Israel (Hes 3,17). Er soll das Volk vor der Vermischung ihres Glaubens mit heidnischen Kulten warnen. Aber es bleibt nicht bei einer Gerichtsbotschaft. Er kündigt den Weggeführten auch eine neue Heilszeit an (Hes 37). In seiner Endzeitrede warnt Jesus für die Zeit vor seiner Wiederkunft vor falschen Propheten und Heilsbringern (Mt 24, 11.23-26) und mahnt zur Wachsamkeit. Zu allen Zeiten benutzte Gott die prophetische Gabe, um die Gläubigen vor Irrtümern zu bewahren. Das trifft auch auf den Dienst von Ellen White zu. In den Anfängen der Adventbewegung musste sie immer wieder gegen Fanatismus verschiedenster Art vorgehen. Manche Adventisten beanspruchten für sich, vollkommen zu sein, andere behaupteten, es solle nicht mehr gearbeitet werden, einige konnten es nicht lassen, immer wieder neue Termine für Jesu Wiederkunft festzulegen. Während der so genannten Kellogg-Krise um die Jahrhundertwende, bewahrte ihr Rat die Freikirche vor dem Pantheismus. Zugleich führte sie die Adventisten vom Semi-Arianismus (der Anschauung, dass Jesus nicht von Natur aus Gott war) zu einer trinitarischen Sichtweise. Ellen White spielte auch eine wichtige Rolle, als es darum ging, die Adventisten vor dem Absturz in die Gesetzlichkeit zu bewahren. 101

Freitag, 20. 3.

Exkurs

Zusammenfassung

Vom Segen der Prophetie

12

Ellen Whites Einfluss Seit Ellen White die Gabe der Prophetie empfing, sind anderthalb Jahrhunderte vergangen. Die Gemeinde wie auch das Leben derer, die ihre Ratschläge befolgt haben, machen den Einfluss ihrer Botschaften deutlich. Obwohl sie niemals ein offizielles Amt bekleidete, keine ordinierte Geistliche war und, solange ihr Mann lebte, kein Gehalt von der Gemeinschaft bezog, hat ihr Einfluss doch die adventistische Kirche mehr geformt als jeder andere Faktor – die Bibel ausgenommen. Sie war die treibende Kraft bei der Gründung der gemeindeeigenen Verlage, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und der weltweiten missionarischen Aktivitäten, die die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten zu einer der am schnellsten wachsenden protestantischen Missionsorganisationen gemacht haben. Ergebnis ihrer schriftstellerischen Tätigkeiten sind mehr als 80 Bücher, 200 Traktate und Broschüren sowie 4600 Zeitschriftenartikel. Ihre Predigten, Tagebücher, Zeugnisse und Briefe umfassen weitere 60.000 Manuskriptseiten. Diese Literatur hat eine erstaunliche Breite, denn ihre schriftstellerische Tätigkeit war nicht auf ein enges Spektrum begrenzt. Gott vermittelte ihr Ratschläge für Lebensbereiche wie Gesundheit, Erziehung, Familienleben, Mission, Verlagswesen, Ernährung, medizinische Arbeit und für andere Gebiete. Das Schrifttum von Ellen White stellt Jesus Christus in den Mittelpunkt und betont die hohen moralischen und ethischen Werte der jüdisch-christlichen Tradition. (Nach: Was Adventisten glauben, 328f.) Gott hat die Adventgemeinde durch das „prophetische Licht“ bis heute auf vielfältige Weise gesegnet. Die Botschaften Ellen Whites haben entscheidend dazu beigetragen, biblische Prinzipien einer ganzheitlichen Erziehung und einer gesunden Lebensweise zu entdecken und anzuwenden. Nicht zuletzt haben ihre Schriften die Gemeinde vor manchen Irrwegen bewahrt.

Sonnenuntergang 18.35 Uhr 102

Sabbat, 21. 3.

Vom Segen der Prophetie

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Fragen für das Bibelgespräch 1. Hin und wieder ist die Rede von „Segnungen“ der Natur oder des technischen Fortschritts. Was verbindet ihr persönlich mit diesem Begriff? 2. Welche ‚Segnungen der Prophetie‘ sind euch in dieser Woche neu bewusst geworden? 3. Wir lesen 2. Mose 19,5. In ihrem Buch „Erziehung“ betont Ellen White eine Reihe von biblischen Erziehungsprinzipien wie Gotteserkenntnis, Gehorsam, Wahrhaftigkeit, Dienstbereitschaft und Selbstbeherrschung. Welche davon haltet ihr für besonders wichtig? Was sollte eine adventistische Schule vermitteln? Inwiefern sollte sie sich von anderen Schulen unterscheiden? (Vorschlag zur Vorbereitung: Fertige eine Liste spezifischer Charakteristika an und diskutiere sie in deiner Gesprächsgruppe.)

4. Wir lesen 2. Mose 15,26 und 3. Mose 13,46. Welchen Segen brachte das Befolgen der Gesundheitsprinzipien damals? Inwiefern sind Ellen Whites Hinweise zu einer gesunden Ernährung, ausreichender Bewegung und geistiger Hygiene auch heute noch hilfreich? 5. Wir lesen Epheser 4,11. Hier wird die Bedeutung der geistlichen Gaben und damit auch des prophetischen Wortes beschrieben. Welche Bedeutung hat die Gabe der Prophetie für die Entwicklung der Gemeinde? 6. In welchen Lebensbereichen würdet ihr euch prophetische Anstöße wünschen?

Liedvorschläge: 16, 81, 127Q 103

13. Studienanleitung Woche vom 22. bis 28. März 2009

Glaubt den Propheten! „Und als sie auszogen, trat Joschafat hin und sprach: Höret mir zu, Juda und ihr Einwohner von Jerusalem! Glaubet an den HERRN, euren Gott, so werdet ihr sicher sein, und glaubet seinen Propheten, so wird es euch gelingen.“ (2 Chr 20,20) Grundgedanke

Gott hat die Gemeinde immer wieder durch Propheten geführt. Da es auch falsche Propheten gibt, ist Prüfung vonnöten. Wo aber Gott durch seine Diener spricht, ist die Gemeinde zum Vertrauen aufgerufen.

Einführung

Die Dichterin und Nobelpreisträgerin Nelly Sachs hat über die Hoffnung, die Menschheit könne auf Propheten hören, folgendes Gedicht geschrieben: Wenn die Propheten einbrächen durch die Türen der Nacht, mit ihren Worten Wunden reißend in die Felder der Gewohnheit … Wenn die Propheten einbrächen durch die Türen der Nacht und ein Ohr wie eine Heimat suchten – Ohr der Menschheit, du nesselverwachsenes, würdest du hören? … Wenn die Propheten aufständen in der Nacht der Menschheit wie Liebende, die das Herz des Geliebten suchen Nacht der Menschheit, hättest du ein Herz zu vergeben? Christus hat seiner Gemeinde die geistlichen Gaben geschenkt, unter denen die Apostel die Gabe der Prophetie für die wichtigste hielten (1 Kor 14,1-3). So fehlte auch der Adventbewegung von Anfang an diese Gabe nicht. Was kann uns helfen, der Botschaft der Propheten zu vertrauen?

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Sonntag, 22. 3.

Glaubt den Propheten!

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Die ganze Schrift ernst nehmen Lukas 24,13-27; Apostelgeschichte 1,6

Worauf machte Jesus die Emmausjünger aufmerksam, bevor er sich ihnen zu erkennen gab? Welche Frage bewegte die Jünger nach der Auferstehung des Herrn?

Erklärung

Vertiefung

Zum Nachdenken

Der Tod Jesu war für die Jünger eine schwere Enttäuschung. Als der Herr in Erfüllung der Prophezeiung Sacharjas (9,9) auf einem Esel in Jerusalem einzog, glaubten sie, dass er sich zu ihrem König ausrufen lassen würde. Sie hatten sich das strahlende Bild des Messias ausgesucht und brachten deshalb kein Verständnis für seinen Leidensweg auf. Nun musste Jesus sie darauf aufmerksam machen, „all dem zu glauben“, was die Propheten geredet hatten. So „legte er ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war“. Dazu gehörte eben auch sein Weg in die Erniedrigung. Aber seine Erhöhung sollte viel herrlicher werden, als sie es sich vorstellen konnten. Die Auferstehung Jesu brachte noch nicht die Erfüllung der Hoffnung, die sich die Jünger so sehr wünschten. Tag und Stunde der Wiederkunft Jesu blieben verborgen. Auch die frühen Adventgläubigen erlebten aufgrund der irrtümlichen Auffassung, das in Daniel 8,14 erwähnte Heiligtum sei unsere Erde, eine große Enttäuschung. Das regte viele dazu an, Gottes Wort intensiver zu studieren. Nicht zuletzt war es Ellen White, die nachdrücklich vor einer erneuten Berechnung des Jüngsten Tages warnte. Unermüdlich wies sie hin auf die Heilige Schrift als alleinige Grundlage des Glaubens. Ihre prophetische Gabe half, Aussagen der Bibel, die die letzte Zeit betreffen, besser zu verstehen. Welche Teile der Bibel sind mir besonders wichtig? Wie kann ich verhindern, mich in Einzelheiten zu verstricken und dabei das Ganze aus den Augen zu verlieren?

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Montag, 23. 3.

Glaubt den Propheten!

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Dem Wort Gottes vertrauen Apostelgeschichte 17,11; Matthäus 4,4; Offenbarung 1,3

Was wird von den Christen in Beröa berichtet? Warum ist das Studium des Wortes Gottes so wichtig?

Erklärung

Als Paulus in Beröa verkündete, dass Jesus der verheißene Messias ist, hörte man ihm unvoreingenommen und offenen Herzens zu. Aber dabei ließen die Leute es nicht bewenden, sie prüften selbst in den heiligen Schriften nach, ob stimmte, was sie gehört hatten. Sie wollten wissen, was Gottes Wort sagt. Damit sind sie bis heute ein Vorbild. Jesus selbst hat sich in der Stunde der Versuchung mit Gottes Wort gewehrt. Was geschrieben steht, sind eben nicht nur Leseworte, sondern Lebensworte. Am Anfang der Offenbarung des Johannes wird die Bedeutung der Prophetie ausdrücklich hervorgehoben.

Vertiefung

Ellen White hat unermüdlich auf die Bedeutung der Bibel hingewiesen: „In seinem Wort hat Gott den Menschen die für das Seelenheil nötige Erkenntnis anvertraut. Die Heilige Schrift soll als eine maßgebende, untrügliche Offenbarung seines Willens angenommen werden. Sie ist der Maßstab für den Charakter, die Verkündigerin der Grundsätze, der Prüfstein der Erfahrung.“ (GK, 9) „Gott gab den Menschen sein Wort als eine Offenbarung seines Wesens. Mit jeder neu erkannten Wahrheit wird der Charakter ihres Urhebers enthüllt. Das Studium der Heiligen Schrift ist das von Gott verordnete Mittel, Menschen in engere Verbindung mit ihrem Schöpfer zu bringen und ihnen eine klarere Erkenntnis seines heiligen Willens zu geben. Es knüpft die Verbindung zwischen Gott und dem Menschen.“ (GK, 69) Ellen White wollte niemals, dass ihre Schriften anstelle der Bibel verwendet werden. Jeder Gläubige sollte fest im Wort Gottes gegründet sein.

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Dienstag, 24. 3.

Glaubt den Propheten!

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„Sie ist’s, die von mir zeugt“ Johannes 5,39

Welche Geschehnisse aus dem Leben Jesu werden in folgenden Texten vorausgesagt? Mi 5,1

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Jes 53,4-6

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Ps 22,2.15-19 ________________________________________

Erklärung

Die genannten Texte sind nur eine Auswahl. Es gibt im Alten Testament weit mehr Hinweise auf den Messias, die sich in Jesus von Nazareth erfüllt haben. Das gibt Gewissheit im Blick auf seinen Anspruch, der Christus zu sein. Es zeigt zugleich die Bedeutung des prophetischen Wortes und seine Zuverlässigkeit als Hinweis dafür, dass es von Gott kommt.

Vertiefung

Ellen White folgte dem Beispiel der biblischen Propheten und wies die Menschen beständig auf ihren Erlöser Jesus Christus hin. „Lass dich durch schlechte Erfahrungen und etwaige ungünstige Umstände in der Gegenwart nicht entmutigen! Wenn du zu Jesus gehst, wie du bist – schwach, hilflos und der Verzweiflung nahe –, dann wird dir unser Heiland mit großem Mitgefühl entgegenkommen, dich liebevoll in seine Arme schließen, dir das weiße Kleid seiner Gerechtigkeit umlegen und dich zum Vater führen.“ (BL, 19) Unermüdlich forderte sie dazu auf, Christus in den Mittelpunkt jeder Predigt zu stellen. „Das Ziel jeder Predigt ist, das Ich beiseite zu stellen und Christus erscheinen zu lassen. Die Erhöhung Christi ist die große Wahrheit, die alle sichtbar machen sollten, die mit dem Wort und der Lehre arbeiten.“ (FG 1, 163)

Zum Nachdenken

Auf welche Weise kann mein Leben ein Zeugnis für Christus sein?

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Mittwoch, 25. 3.

Glaubt den Propheten!

13

Das Blut der Propheten Matthäus 23,27-31

Welchen Vorwurf machte Jesus den Schriftgelehrten und Pharisäern? Wo lagen die Ursachen für ihren Irrweg?

Erklärung

Die Propheten hatten häufig einen schweren Stand, weil ihre Botschaft den Hörern nicht gefiel (Hbr 11,36-38). Viele überlebten nur deshalb, weil Gott sie bewahrte. Manche haben ihr Leben lassen müssen, zum Beispiel Uria (Jer 26,20-23), Secharja (2 Chr 24,19-21), Johannes der Täufer (Mt 14,10). Und das alles mitten im Volk Gottes! Satan hat es besonders auf die Diener Gottes abgesehen. Ihre Botschaft zu ignorieren oder herabzuwürdigen ist eine beliebte Art, sie zu bekämpfen. Als Jesus diese mahnenden Worte sprach, lag das Schlimmste noch in der Zukunft: die Kreuzigung des Gottessohnes.

Vertiefung

Wenn Ellen White es auch abgelehnt hatte, als Prophetin bezeichnet zu werden, so bestand sie doch darauf, dass ihre Botschaften göttlichen Ursprungs waren. Von Anfang an war sie Anfeindungen ausgesetzt. Während manche ihrem Schrifttum eine unangemessen hohe Bedeutung beimaßen, haben andere auf ihre Botschaften ablehnend reagiert und sind ihrerseits zu weit gegangen. Andere haben ein falsches Verständnis davon, wie Inspiration wirkt, und weil Ellen Whites Bücher dem nicht entsprechen, sind sie zu Gegnern geworden. Manche äußern sich aus Unwissenheit oder Unkenntnis, andere aus Feindschaft. Immer ist es ein Verlust, wenn man Ratschläge verachtet, die aus göttlicher Quelle stammen. Seit jeher sind Gemeinden oder auch Einzelpersonen dafür dankbar gewesen, wenn Ellen White ihnen den Weg zeigen konnte.

Anwendung

„Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles, und das Gute behaltet.“ (1 Ths 5,20.21)

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Donnerstag, 26. 3.

Glaubt den Propheten!

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Wunder und Zeichen Johannes 2,11; Matthäus 4,24; 16,1-4

Welche Bedeutung hatten die Wunder Jesu? Warum hat Jesus zuweilen Wunder verweigert?

Erklärung

Wunder gehörten zum Dienst Christi. Johannes erwähnt, dass er so seine Herrlichkeit offenbarte. Aber wenn es darum ging zu erkennen, wer er war, dann verwies er auf das Wort Gottes, speziell auf das prophetische Wort. Wunder waren nicht das einzige Kennzeichen seiner Sendung. Als die Pharisäer und Sadduzäer ein Zeichen vom Himmel forderten, wies er sie ab. Er wollte mit seinen Wundern niemals die Sensationslust der Menschen befriedigen. Auf sein Wort sollten sie hören und erkennen, dass Gott durch ihn redete. „‚Hin zur Weisung und hin zur Offenbarung! Werden sie das nicht sagen, so wird ihnen kein Morgenrot scheinen.‘ (Jes 8, 20) Sogar das Wirken des Heiligen Geistes muss am Wort Gottes gemessen werden. Der Geist, der die Heilige Schrift inspiriert hat, führt immer zur Heiligen Schrift hin.“ (FG 1, 44)

Vertiefung

Ellen White war in einem außergewöhnlichen Zustand, wenn sie eine Vision empfing. Es werden auch besondere Erfahrungen und Gebetserhörungen aus ihrem Leben berichtet. Doch es kommt nicht darauf an, ob sie Wunder getan hat. Sie hat sich als „Botin“ Gottes verstanden. Wunder sind nicht unbedingt Zeichen prophetischer Berufung. Abraham, dem Glaubensvater, wird in den biblischen Berichten kein einziges Wunder zugeschrieben. Bei Johannes dem Täufer ist es ähnlich, obwohl Jesus ihn als den Größten unter den Propheten bezeichnete (Lk 7,28). Der eigentliche Test für einen Propheten ist Gottes Wort. Wir können selbst beurteilen, ob die Schriften von Ellen White diesen Test bestehen!

Zum Nachdenken

Wie gehe ich damit um, dass heute so wenig Zeichen und Wunder geschehen?

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Freitag, 27. 3.

Exkurs

Glaubt den Propheten!

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Zum Nachdenken und Bedenken Opposition oder Vorbehalte gegenüber dem Schrifttum von Ellen White ergeben sich gewöhnlich: • aus dem Versäumnis, genügend von ihr gelesen zu haben, um die Bedeutung und Ausgewogenheit ihrer Ratschläge zu erkennen und zu verstehen; • weil das Verständnis dafür fehlt, in welchem Verhältnis Ellen Whites Schrifttum zur Bibel steht; • weil man das Wesen göttlicher Inspiration nicht verstanden hat; • weil in Bezug auf Ellen Whites Hinweise und Ratschläge die örtlichen oder zeitlichen Zusammenhänge und Gegebenheiten nicht genügend beachtet werden; • aus der Vorstellung, ihre Ratschläge seien nicht mehr zeitgemäß; • aus der Abneigung, lieb gewordene Gewohnheiten oder Verhaltensweisen, die nicht in Übereinstimmung mit den Ratschlägen von Ellen White stehen, aufzugeben.

Opposition gegenüber Ellen Whites Schrifttum würde in vielen Fällen schwinden: • wenn manche Leute damit aufhörten, bestimmte Sätze oder Abschnitte dieses Schrifttums zu instrumentalisieren, um andere mundtot zu machen; • wenn jeder Ellen Whites Ratschläge auf sein eigenes Leben anwenden würde, anstatt sie anderen als heilsnotwendig aufzudrängen; • wenn Ellen-White-Zitate nur dann verwendet würden, wenn man weiß, wo genau und in welchem Zusammenhang sie stehen. Leider kursieren auch Aussagen, die verkürzt oder verfälscht worden sind, oft nicht einmal von ihr stammen – jedenfalls nicht so, wie sie kolportiert werden; • wenn wir nicht über Aussagen von ihr diskutieren würden, ohne uns darum gekümmert zu haben, was sie an anderer Stelle oder zu einer späteren Zeit dazu geschrieben hat. Halbwissen kann mitunter mehr Schaden anrichten als Unkenntnis. (Quelle: Denton E. Rebok, Believe His Prophets, The Review and Herald Publ. Assn., Washington D. C. 1956, 309-312)

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Sabbat, 28. 3.

Glaubt den Propheten!

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Fragen für das Bibelgespräch 1. Stellt euch vor, ihr sitzt in einem Gottesdienst und plötzlich sagt der Leiter: „So, jetzt ist wieder Raum für alle, denen Gott eine prophetische Botschaft aufs Herz gelegt hat.“ Wie würdet ihr euch fühlen? Wie würdet ihr reagieren? 2. Was ist anders, wenn von Ellen White die Rede ist? Warum? 3. Wir lesen Matthäus 23,28-31. Woher rührt die Feindschaft gegenüber den Propheten in Gottes Volk? Wie werden Propheten bekämpft, auch wenn man sie nicht gleich umbringt? 4. Welche Merkmale sind euch wichtig, um richtig mit prophetischen Botschaften umzugehen? 5. Wir lesen 2. Chronik 20,20. Welche Vorteile hat es, wenn Propheten auftreten? 6. Auf der Freitagsseite werden Gründe für eine Opposition oder eine unklare Haltung gegenüber den Schriften von Ellen White genannt – auch Dinge, die hilfreich sein können, um eine ausgewogene Position zu finden. Welche dieser Punkte haltet ihr für besonders wichtig? Was würdet ihr gern ergänzen? 7. Wir haben uns ein Vierteljahr lang mit dem Thema Prophetie beschäftigt. Was ist euch dabei wichtig bzw. neu bewusst geworden? Welche Fragen bleiben? Studienhilfe: Für die Gemeinde geschrieben, Bd. 1, 41-50; Kapitel: „Verschiedene Einstellungen gegenüber den Zeugnissen.“ Liedvorschläge: 34Q, 81, 103Q 111

Abkürzungen Allgemeine Literatur ABC AKM BUG EdC EFG FSB GBL GKEW GKE GKN GRL HChr JMG JW KBD LzB MBH MMA MOdJ OCT PBB RFG RLÜ RPA SEB WAG WStB ZZJ

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The Seventh-day Adventist Bible Commentary, Washington D. C. 1953-1957 Kühner, A., Eine gute Minute, Neukirchen-Vluyn 2007 Brunner, E., Unser Glaube, Zürich 1967 Bibelkommentar Edition C, Bad Liebenzell 1982ff. Fromm, E., Ihr werdet sein wie Gott, München 1966, Steffensky, F.; Bibelarbeit auf dem Kirchentag in Köln, 8.6.2007 Das große Bibellexikon, Wuppertal 1988 Knight, G., Ellen White lesen und verstehen, Lüneburg 1998 Knight, G., In Erwartung seines Kommens, Lüneburg 1994 Knight, G., Es war nicht immer so, Lüneburg 2002 Rice, G., Luke, a Plagiarist? Heppenstall, E., Christus – unser Hohepriester, Lüneburg 1994 Mager, J., Geistesgaben, Geistesfrucht, Berlin 1974 White, J., A Word to the „Little Flock“, 1847 Barth, K., Dogmatik im Grundriss, Berlin 1948 Lexikon zur Bibel, hrsg. von F. Rienecker, Wuppertal 1960 Maier, G., Biblische Hermeneutik, 2. Aufl., Witten 1991 Mainka, M.; Angebote für ein Leben mit Profil, Lüneburg 2004 Müller, U. B., Die Offenbarung des Johannes, Gütersloh 1984 Cullmann, O., Die Tradition als histor., exeget. und theol. Problem, Zürich 1967 Bahr, Petra, Bibelarbeit auf dem Kirchentag in Köln, 8.6.2007 Folkenberg, R., Wir glauben noch, Hamburg 1994 Lehmann, R., Die Übrigen und ihr Auftrag, in: Studien zur adv. Ekklesiologie, Lüneburg 1994 Pöhler, R., in: Adventecho, 4/2006 Stuttgarter Erklärungsbibel, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2005 Was Adventisten glauben, Lüneburg 1996 Wuppertaler Studienbibel, Wuppertal 1983-1999 Zürcher, J., Zeugnis Jesu – Geist der Weissagung, in: Stud. z. Offenbarung, Bd. 1, Hamburg o. J.

Schrifttum von Ellen White BL BW CW Ev EW FG GK GuW MS R Sch SM ST T TM WLW

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Das bessere Leben, Hamburg 1989 Der bessere Weg, Lüneburg 1995 Councel to Writers, Nashville 1946 Evangelism, Washington 1946 Early Writings, 1982 Für die Gemeinde geschrieben, Hamburg 1991/1992 Der große Kampf, Hamburg 1975 Glaube und Werke, Lüneburg 2005 Ellen G. White Manuscript Redemption, or The Miracles of Christ, the Mighty One. 1877, 2002 Aus der Schatzkammer der Zeugnisse, Hamburg 1968 Selected Messages, Washington 1980 Signs of the Times Testimonies for the Church, Moutain View 1944 Testimonies to Ministers, Mountain View 1944 Leben und Wirken, Mountain View 1915

Mitarbeiter im AK Bibelschule:

Prof. Dr. Thomas Domanyi, Vermes Konrad Edel, Berlin Werner Jelinek, Gelsenkirchen Adelbert Genzel, Eberswalde Joachim Hildebrandt, Oberasbach Stephanie Kelm, Niedernhausen Klaus Kästner, Erfurt Hartwig Lüpke, Leipzig Gerhard Peters, Halle/Saale Jürgen Schammer, Ostfildern Dietmar Steinchen, Wuppertal Bruno Ulrich, Bickenbach

Als Gutachter:

Michael Mainka, Leiter des Arbeitskreises Bibelschule, Alsbach-Hähnlein Prof. Dr. Thomas Domanyi, Deutschschweizerische Vereinigung, Vermes Dr. Rolf J. Pöhler, Theologische Hochschule Friedensau, Hannover

Dr. Bojan Godina, Süddeutscher Verband, Neuffen

Günther Hampel, i. A. Advent-Verlag Lüneburg, Hamburg Anfragen und Hinweise: Michael Mainka, Auf der Bach 5, 64665 Alsbach-Hähnlein [email protected]

Die Angaben zum Sonnenuntergang beziehen sich auf den Raum Kassel. Übersetzung: Stephanie Kelm, Niedernhausen; Redaktion: Günther Hampel, Hamburg; Umschlaggestaltung: Sislak Design, Bad Soden-Salmünster; Druck: Grindeldruck GmbH, Hamburg. Alle Rechte vorbehalten – Gedruckt in Deutschland 2008

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