DIE AUSLEGUNG VON DANIEL 11

DIE AUSLEGUNG VON DANIEL 11 Die letzte Vision im Buche Daniel enthält die detailierteste Prophezeiung zukünftiger Ereignisse im Alten Testament. Es is...
Author: Anton Becker
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DIE AUSLEGUNG VON DANIEL 11 Die letzte Vision im Buche Daniel enthält die detailierteste Prophezeiung zukünftiger Ereignisse im Alten Testament. Es ist wichtig, dass wir uns vor Augen halten, dass die Prophezeiungen in Daniel nach dem Prinzip der Wiederholung und Erweiterung zu verstehen sind. Diese Prophezeiungen beginnen entweder in den Tagen des babylonischen Weltreiches (Dan 2 und 7) oder in der Zeit der Medo-Perser (Dan 8 und 11), aber alle enden sie mit der Aufrichtung des Reiches Gottes. Daniel 2, 7, und 8 handeln alle von denselben Mächten. Daniel 7 erweitert die Ereignisse in Daniel 2 (Daniel 2 gibt einen Überblick über die Weltreiche, Daniel 7 schliesst die geistliche Macht, das kleine Horn, mit ein). Daniel 8 erweitert die Geschichte in Daniel 7 (Daniel 7 konzentriert sich auf die politischen Aktivitäten des kleinen Horns, Daniel 8 auf die geistlichen). Wenn Daniel 7 Daniel 2 erweitert und Daniel 8 Daniel 7 erweitert, dann können wir annehmen, dass Daniel 10-12 Daniel 8 erweitert.1 Ein weiteres Prinzip der Auslegung, das zu beachten ist, ist das Prinzip, dass vor dem Kreuz die Texte buchstäblich und im lokalen Sinn zu verstehen sind, nach dem Kreuz hingegen geistlich und weltweit. Zum Beispiel, Daniel 10:14 ist vor dem Kreuz, daher ist „dein Volk“ das Volk der Juden oder die Israeliten, 12:1 hingegen ist nach dem Kreuz, daher sind dort „die Kinder deines Volkes“ die geistlichen Israeliten, die Christen. Im Alten Testament ist Zion der buchstäbliche Berg Zion und Jerusalem (2 Sam 5:7), im Neuen Testament aber ist Zion das himmlische Jerusalem und die Versammlung der Erstgeborenen, die Gemeinde Gottes – Hebräer 12:22, 23 sondern ihr seid gekommen zum Berge Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, 23 der allgemeinen Versammlung; und zu der Versammlung der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind.

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Die Prophezeiung in Daniel 9 ist Teil der Erklärung der Vision in Daniel 8.

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Wenn diese Prinzipien misachtet werden, öffnet man der Phantasie des Auslegers Tür und Tor. Die letzte Vision im Buche Daniel hat drei Teile: 1. Prolog in Kapitel 10 2. Vision in 11:2-12:4 3. Epilog in 12:5-13. Der Epilog schliesst nicht nur das Kapitel sondern auch das ganze Buch Daniel ab. In dieser Vision, die Daniel ungefähr zwei Jahre nach der Rückkehr von Babylon erhielt, zieht Gott den Vorhang der Weltgeschichte zurück und zeigt Daniel den Hintergrund zum grossen Kampf zwischen Gut und Böse.

DER PROLOG IN KAPITEL 10 Daniel 10 mehr als alle anderen Texte in der Bible offenbart die unsichtbaren Mächte, die die Herrscher und Nationen auf dieser Welt beeinflussen. In diesem Kapitel lernen wir, dass Israel einen geistlichen Fürsten hat, der sich für sie einsetzt (10:21), aber auch, dass die Feinde Israels ihre Fürsten haben, die für sie kämpfen. Nach Epheser 6:12 sind diese Fürsten der heidnischen Völker „die Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen.“ In den menschlichen Geschichtsbüchern scheint das Wachstum der Völker, der Aufstieg und Niedergang von Weltreichen vom Willen und von der Tapferkeit des Menschen abzuhängen. Die Gestaltung der Ereignisse scheint in hohem Grade durch seine Macht, seinen Ehrgeiz und seiner Laune bestimmt zu sein. Aber im Worte Gottes wird der Vorhang beiseite gezogen, und wir erblicken hinter und über allem Spiel und Gegenspiel menschlicher Interessen, Kräfte und Leidenschaften das Walten des Allgnädigen, der schweigend und geduldig den Rat seines Willen vollführt (Ed 173; Erziehung 161, 162). DIE VISION (11:2-12:4) Bibelkritiker sehen in dieser Vision die Geschichte der Kriege zwischen den Seleukiden in Syrien (Könige des Nordens) und den Ptolemäern in Ägypten (Könige des Südens), vor allem geht es um die Karriere des syrischen Königs Antiochus IV Epiphanes (175 -164 BC), der in den Versen 21-45 die Hauptrolle spielt. 2

Evangelikale Bibelausleger folgen im Allgemeinen auch dieser Auslegung; von Vers 35 an sehen sie jedoch die Karriere des Antiochus als einen Typus des endzeitlichen Antichristen. Andere sehen zwischen den Versen 35 und 36 einen Zeitraum von mehr als 2000 Jahren. In den letzten 10 Versen sehen sie nur den zukünftigen Antichristen Unter den adventistischen Auslegern gibt es zu diesem Kapitel zahlreiche Interpretationen. Die Unterschiede betreffen vor allem die Frage, In welchen Texten treten Rom und das Papsttum in Erscheinung. 1. F. D. Nichol und M. Maxwell sehen den Auftritt Roms in Vers 142 2. R. A. Anderson, G. M. Price und W. H. Shea sehen die Römer erst in Vers 16.3 3. J. B. Doukhan glaubt die Römer erscheinen nur kurz in Vers 4. Von Vers 5 an sieht er das Papsttum als König des Nordens bis zum Ende des Kapitels.4 4. Maxwell sieht in den Versen 21-45 das Papsttum; für Bill Shea kommt das Papsttum in Vers 23 auf die Weltbühne; für Price in Vers 30; und Nichol and Anderson glauben, dass das Papsttum erst in Vers 31 aufscheint.5 Die Interpretation des Verse ist dementsprechend unterschiedlich. Anstatt zu entscheiden wer von diesen Auslegern recht hat, werden wir uns auf jene Punkte konzentrieren, die klar und eutlich sind und die wir mit dem Prinzip „die Schrift interpretiert die Schrift, ein Abschnitt ist der Schlüssel für einen anderen Abschnitt“ (Ev 581) erklären können.

1. DIE KÖNIGE VON PERSIEN UND GRIECHENLAND Daniel 11:2-4 Und nun will ich dir anzeigen, was gewiß geschehen soll. Siehe, es werden drei Könige in Persien aufstehen; der vierte aber wird den größern Reichtum

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F. D. Nichol, ed., Seventh Day Adventist Bible Commentary, 7vols. Washington, D.C.: Review and Herald, 1978), 4:869; C. Mervyn Maxwell, God Cares, 2 vols. (Boise: Pacific Press Publishing Association, 1981), 1:291 3 Roy Allan Anderson, Unveiling Daniel and Revelation ( Nampa, ID: Pacific Press, 2006), 138; George McCready Price, The Greatest of the Prophets (Mountain View, CA: Pacific Press, 1955), 286; William H. Shea, Daniel 7-12, The Abundant Life Bible Amplifier (Boise, ID: Pacific Press, 1996), 187. 4 Jacques B. Doukhan, Secrets of Daniel (Hagerstown, MD: Review and Herald, 2000), 169. 5 Maxwell, 293; Shea, 197; Price, 301; Nichol, 873; Anderson, 151.

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haben denn alle andern; und wenn er in seinem Reichtum am mächtigsten ist, wird er alles wider das Königreich in Griechenland erregen. 3 Darnach wird ein mächtiger König aufstehen und mit großer Macht herrschen, und was er will, wir er ausrichten. 4 Und wenn er aufs Höchste gekommen ist, wird sein Reich zerbrechen und sich in alle vier Winde des Himmels zerteilen, nicht auf seine Nachkommen, auch nicht mit solcher Macht, wie sie gewesen ist; denn sein Reich wird ausgerottet und Fremden zuteil werden.

Zur Zeit der Vision war Kores (559-530) der herrschende Monarch. Die nächsten vier Könige waren: Kambyses (530-522); Gaumata oder der falsche tSmerdis (522); Darius I (522-486); und Xerxes (486-465). Der letzte, Xerxes (486-465), war der König der Esther heiratete. Er wollte Griechenland erobern, aber nachdem seine Flotte bei Salamis (480 v, Chr.) zerstört wurde und seine Armee bei Platea (479) eine Niederlage erlitt, gab er die Idee Griechenland zu erobern auf. 150 Jähre später, unter Alexander dem Grossen, eroberten die Griechen Persien. Der mächtige König in Vers 3 dessen Reich zerbrechen und sich in alle vier Winde des Himmels zerteilen wird (V. 4) ist eindeutig Alexander der Grosse. Das zeigt auch der Vergleich mit Daniel 8:8, wo Alexander das grosse Horn ist an dessen Stelle vier Hörner „gegen die vier Winde des Himmels“ wuchsen. Nach Alexanders Tod wurde sein Reich unter vier Generälen aufgeteilt (Dan 7:6) von denen zwei Dynastien übrigblieben, die Seleukiden in Syrien, der König des Nordens, und die Ptolemäer in Agypten, der König des Südens. Das sind die Könige in Daniel 11:5-14 (oder 16). Sie herrschten bis die Römer im zweiten und ersten Jahrhundert vor Chr. ihre Länder ins Römische Reich einverleibten.

2. DER MESSIAS Daniel 11:20-22 An seine Stelle tritt einer, der einen Steuereintreiber durch die Zierde des Reiches ziehen läßt. Doch wird er schon nach kurzer Zeit beseitigt, aber nicht öffentlich und nicht im Kampf. 21 An seine Stelle tritt ein verächtlicher Mensch. Ihm überträgt man die Würde des Königtums nicht; er kommt aber unversehens und reißt die Herrschaft durch List an sich. 22 Ganze Heere werden vor ihm hinweggeschwemmt und vernichtet, auch der Fürst des Bundes. (EIN)

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Wer war der König in Vers 20, der der einen Steuereintreiber durch die Zierde des Reiches ziehen liess? Lukas 2:1 berichtet “in jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen” (EIN). Augustus, der Nachfolger von Julius Caesar, wird als Begründer des Römischen Kaiserreiches angesehen. Nach einer Herrschaft von mehr als 40 Jahren starb er 14 n. Chr. friedlich im Bett. Der Nachfolger des Augustus war Kaiser Tiberius (AD 14–37), der verächtliche Mensch aus Vers 21. Tiberius war eine exzentrische, unverstandene und ungeliebte Person. “Der Fürst des Bundes” ist der Messias. Das Wort für Fürst ist nagid. Im Buche Daniel wird dieses Wort nur noch in 9:25, 26 verwendet. Das Wort für Fürst an anderen Stellen in Daniel ist sar (8:11; 10:13; 20, 21, etc.). Aus sprachlichen Gründen kann man daher den “Fürsten des Bundes” in 11:22 mit dem “Gesalbten, den Fürsten” aus Daniel 9:25 gleichsetzen. Daniel 9:26, 27 and 11:22 beziehen sich offensichtlich auf die Kreuzigung Jesu durch die Römer. Daher muss das römische Reich vor 11:22 im Text aufscheinen.

3. DAS TÄGLICHE UND DER GREUEL DER VERWÜSTUNG Daniel 11:31 Und es werden seine Heere daselbst stehen; die werden das Heiligtum in der Feste entweihen und das tägliche Opfer abtun und einen Greuel der Verwüstung aufrichten. (LUO)

Der dritte Text, den wir mit Hilfe des Prinzips die Schrift interpretiert die Schrift verstehen können, spricht vom Abtun des Täglichen und dem Aufrichten des Greuels der Verwüstung. “Das tägliche Opfer abtun” ist dasselbe Ereignis, das wir in Daniel 8:11 finden, wo es um das Wegnehmen des täglichen Dienstes Jesu im himmlischen Heiligtum durch den päpstlichen Priesterdienst geht. Daniel 8:11 Ja es [das kleine horn] wuchs bis an den Fürsten des Heeres [Christus] und nahm von ihm weg das tägliche Opfer [tamid] und verwüstete die Wohnung seines Heiligtums.

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Wie hat das kleine Horn (das Papsttum) das tamid (den täglichen Versöhnungsdienst) Jesus weggenommen und die Wohnung seines Heiligtums verwüstet? Indem es den Dienst Jesu in die Hände irdischer Priester legte. Durch die Ohrenbeichte und die Messe wurde der Dienst Jesu aus dem Denken der Menschen verbannte, und dadurch symbolisch sein Heiligtum und dessen Dienst verwüsteten. In Wirklichkeit hat sich him Himmel dadurch natürlich nichts verändert, aber im Denken der Menschen ist sein Dienst ersetzt durch den Dienst der Priester.

Der Greuel der Verwüstung – Das ist ein Begriff den Daniel verwendet um die Entweihung des Temples durch eine feindliche Macht zu prophezeien. Der Ausdruck “Greuel der Verwüstung” in Matthäus 24:15 kommt aus dem Buche Daniel, wo dieser Ausdruck dreimal erscheint (9:27; 11:31; and 12:11). In der griechischen Übersetzung des AT (LXX) ist der Text in den drei Passagen fast Wort für Worte derselbe. Matthäus 24:15 geht jedoch auf Daniel 9:27 zurück, den nur dort spricht der Kontext von der Zerstörung Jerusalems. Im Jahre 70 n. Chr. zerstörten die Römer Jerusalem und den Tempel durch Feuer, und im Jahre 130 n. Chr. wurde an seiner Stelle ein Tempel für Jupiter errichteten. Martin Luther identifizierte den Greuel der Verwüstung in Daniel 11 mit dem Papsttum und seine Lehren und Praktiken. In Daniel 8:11 nimmt das kleine Horn das Tägliche weg und in Daniel 11:31 wird wiederum das Tägliche weggenommen und zusätzlich der Greuel der Verwüstung aufgerichtet. , Aus diesem Parallelismus kann man schliessen, dass die Macht die das Tägliche wegnimmt auch die Macht ist, die den Greuel der Verwüstung aufrichtet. Daher glauben Adventisten, wie MartinLuther und viele protestantische Ausleger seither, dass das Papsttum und seine schriftwidrigen Lehren die Erfüllung dieser Prophezeiung ist. Das heisst, der Greuel der Verwüstung bezieht sich auf das Lehrgebäude und die Praktiken des Papsttums, das mehr als 1000 Jahre lang die Menschen vom Mittlerdienst Jesu fernhielt. Daher muss das Papsttum in Daniel 11 in Vers 31 oder kurz zuvor erscheinen. 6

4. DIE ZEIT DES ENDES Daniel 11:40 Zur Zeit des Endes streitet mit ihm der König des Südens. Da stürmt der König des Nordens gegen ihn heran mit Wagen und Reitern und mit vielen Schiffen. Er dringt in die Länder ein, überschwemmt sie und rückt vor. Der vierte Ausdruck, der uns einen chronologischen Wegweiser liefert ist der Ausdruck “Zeit des Endes” in Vers 40. Diesen Ausdruck gibt es nur um Buche Daniel. Einmal in der Vision in Daniel 8 (V. 17) und viermal in der letzten Vision Daniels (11:35, 40; 12:4, 9). Die Visionen in Daniel 8 und 11 reichen beide in die Zeit des Endes, in der eine Auferstehung stattfinden wird. Daniel 12:4 zeigt uns, dass vor dem Ende der Welt Menschen die Visionen Daniels studieren werden, wie er selber Jeremia’s 70-Jahr Prophezeiung studierte (9:2). Im Epilog (12:5-13) des ‘Buches wird Daniel gesagt, “Diese Worte bleiben verschlossen und versiegelt bis zur Zeit des Endes” (12:9 EIN). In der Zeit des Endes wird die Kenntnis seiner Visionen und deren Verständnis zunehmen (V. 4, 10). Aus der Kirchengeschichte wissen wir, dass im 19. Jahrhundert nach dem Ende der 1260 Jahre von Daniel 7:25 die Kenntnis der Prophezeiungen Daniels dramatisch zunahm. Die Zeitweissagungen Daniels wurden im 16. Jahrhundert von nur sieben Auslegern als Kalenderjahre verstanden. Im 17.Jahrhundert waren es zwölf, im 18. Jahrhundert waren es bereits einundzwanzig von zweiundzwanzig, die über Daniel schrieben. Aber zwischen 1800 und 1850 waren es mehr als einhundert von den einhundertneun, die über Daniel schrieben.6 Es ist daher vernünftig anzunehmen, dass die Zeit des Endes mit dem Fall des Papsttums im Jahre 1798 began. Das heisst, die Ereignisse von Daniel 11:40 an müssen in sich in dem Zeitraum zwischen dem Fall des Papsttums 1798 und der Auferstehung am Ende der Zeit erfüllen. Gefangennahme Pius VI durch Napoleon

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Ernest W. Marter, Daniel’s Philosophy of History (Bracknell, England: 1967), 115; see also Le Roy Edwin Froom, The Prophetic Faith of Our Fathers, 4 vols. (Washington, D.C.: Review and Herald, 1950-1954),

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In Vers 40 werden die Könige des Nordens und Süden zum ersten Mal seit den Versen 14, 15 wieder erwähnt. In de Zwischenzeit, jedoch, ist die buchstäbliche, politische Auslegung durch die geistliche Interpretation ersetzt worden, da wir jetzt in der Zeit nach Christus sind. “Von der Mitte des elften Kapitels an werden die Prophezeiungen weniger lokal und nationalistisch und mehr und mehr spezifisch religiös und von globaler Bedeutung.”7 Der König des Nordens representiert daher die religiöse Phase Roms, dieselbe Macht, die im Zentrum der vorherghenden Verse stand. Und der König des Südens, als geistliche oder philosophische Macht, könnte den Atheismus representieren. Im alten Ägypten, erklärte der Pharao, der König des Süden, , “Wer ist der HERR, des Stimme ich hören müsse und Israel ziehen lassen ? Ich weiß nichts von dem HERRN, will auch Israel nicht lassen ziehen” (Exo 5:2 LUO). “In unserer Zeit drückt sich diese Haltung durch den Rationalismus aus, der im religiösen Bereich zum Atheismus oder Agnostizismus führt.”8

5. Die Auferstehung Daniel 12:2 Und viele, so unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen: etliche zum ewigen Leben, etliche zu ewiger Schmach und Schande. Der fünfte Punkt ist leicht verständlich. Viele von den Toten werden auferstehen, einige zum ewigen Leben, einige zur ewigen Verdammung. Das zeigt, dass es sich nicht um die erste Auferstehung bei der Wiederkunft Jesu handeln kann, Denn bei der ersten Auferstehung werden nur die Gerechten auferstehen (1. Thess 4:16, 7). Es kann auch nicht die Auferstehung 1000 Jahre später sein, wenn nur die Ungerechten auferstehen werden (Offb 20:4-6). Es muss daher eine spezielle Auferstehung einiger Gerechten und Ungerechten zur Zeit der 7. Plage sein (Offb. 16:17-18). Ellen White erklärt: Alle, die im Glauben an die dritte Engelsbotschaft gestorben sind, kommen 2:528, 784; 3:270. 7 George McCready Price, The Greatest of the Prophets (Mountain View, CA: Pacific Press, 1955), 314. 8 W. H Shea, Daniel 7-12,The Abundant Life Bible Amplifier (Boise, ID: Pacific Press, 1996), 209.

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verklärt aus ihren Gräbern hervor, um mit denen, die Gottes Gesetz gehalten haben, den Friedensbund Gottes zu vernehmen. Auch „die ihn zerstochen haben“ (Offenbarung 1,7), die Christus in seinem Todesschmerz verspotteten und verlachten und die heftigsten Widersacher seiner Wahrheit und seines Volkes werden auferweckt, um ihn in seiner Herrlichkeit zu schauen und die den Treuen und Gehorsamen verliehenen Ehren wahrzunehmen (GC 637). Diese fünf Punkte liefern einen Überblick über Daniel 11. Alle anderen historischen Ereignisse in diesem Kapitel müssen in diesen chronologischen Uberblick hineinpassen. Das ist keine leichte Sache wie die unterschiedliche adventistischen Auslegungen zeigen.

Daniel 11:40-45 und Br. J. Pippenger Diese Verse gehören zu den schwierigsten Versen in diesem Kapitel. James White in 1877 warnte Adventisten, „In der Auslegung unerfüllter Prophetie, zu der die Geschichte noch nicht geschrieben ist, sollte der Student seine Behauptungen mit nicht zu starker Bestimmheit vortragen, damit er nicht ins Land der Phantasie abgleitet.“9 Es ist möglich, dass dieser Abschnitt immer noch zukünftige Ereignisse beschreibt. Daher können alle Interpretationen nur vorläufige Möglichkeiten sein. Im Manuskript Die Zeit des Endes versucht Pippenger, Daniel 11:40-45 aus adventistischer Perspektive auszulegen. Er identifiziert den König des Nordens mit dem Papsttum, den König des Südens mit dem atheistischen Kommunismus, vor allem in Russland, und das herrliche Land mit den Vereinigten Staaten. Den Abschnitt in Daniel 11:40-45 interpretiert er folgendermassen: Daniel 11:40 Der König des Nordens (das Papsttum) besiegt den König des Südens (Russland). Nach Pippenger geschah dies im Jahre 1989. Daniel 11:41 Das herrliche Land (USA) gerät unter die geistliche Herrschaft des Papsttums. Dies wird geschehen, wenn Amerika ein nationales Sonntagsgesetz erlässt. Edom,

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James White, Review and Herald, Nov. 29, 1877.

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Moab und Ammon stehen für jene, die Babylon verlassen und sich Gottes Gemeinde der Übrigen während des lauten Rufes anschließen. Daniel 11:42 Der König des Nordens (das Papsttum) erobert Ägypten (die Welt). Daniel 11:43 Lybien steht für die Dritte Welt, Äthiopien für die Wohlstandsländer. So werden Arm und Reich dem Papsttum folgen. Daniel 11:44 Bei den Gerüchten aus dem Osten, die den König des Nordens (das Papsttum) erschrecken, handelt es sich um die Wiederkunft Christi. Daniel 11:45 Die Gemeinde ist der herrliche, heilige Berg, und das Meer ist das Volk der Welt. Das Papsttum, das dazwischen steht, hindert das Volk der Welt daran, die letzte Warnungsbotschaft zu hören.

Bewertung der Auslegung von Br. Pippenger Auf der Grundlage von Offenbarung 13 hat die Gemeinschft der Siebenten-Tags Adventisten in den letzten 150 Jahren gelehrt, dass das Papsttum (das erste Tier) und das protestantische Amerika (das zweite Tier) in der Weltgeschichte kurz vor der Wiederkunft eine wichtige Rolle spielen werden, und dass ihre Zusammenarbeit gegen das Volk Gottes Teil des biblischen Endzeit-Szenariums sein wird. Während Uriah Smith den König des Nordens in Daniel 11,40-45 mit den Türken identifizierte, betrachten die meisten adventistischen Autoren nach ihm den König des Nordens in den Versen 40-45 als Symbol des Papsttums10. Der Grund hierfür liegt primär im Parallelismus der Prophezeizungen in Daniel 2, 7, 8 und 11. Der König des

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George McCready Price: The Greatest of the Prophets, Mountain View (CA: Pacific Press, 1955), 313; C. Mervyn Maxwell: God Cares, 2 vol. (Mountain View, CA: Pacific Press, 1981), 1:286-287; William H. Shea: Daniel 7-12, the Abundant Life Amplifier Series (Boise, ID: Pacific Press, 1996), 208; Jacques B Doukhan: Secrets of Daniel (Hagerstown, MD: Review and Herald, 2000), 169.

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Südens wird als philosophische Macht wie der Atheismus oder Materialismus angesehen11. Pippenger und die adventistische Eschatologie Pippengers Auslegung von Daniel 11:40-45 stimmt im Großen und Ganzen mit der Gesamtstruktur der Endzeitereignisse überein, wie Siebenten-Tags Adventisten sie verstehen. Manche der Details sind fragwürdig, und seine geistliche Anwendung mancher historischen Ereignisse ist ein bisschen weit hergeholt. Zum Beispeil: a. Die beiden Flüsse Ulai (Dan 8) und Tigris (Dan 10) sind ein Symbol für den Strom des Lebens und den Strom Euphrat in der Offenbarung (S. 5). Kommentar: Dies ist eine reine Vermutung.

b. Weil im Zusammenhang mit dem Aufkommen der päpstlichen Macht (Dan 7:8) drei Mächte abgesetzt wurden, wird der König des Nordens in Daniel 11 drei Mächte in religiöser Hinsicht unterwerfen, bevor er die politische Weltherrschaft übernimmt. Diese drei Mächte sind: 1. Der König des Südens – Russland, 2. Das herrliche Land – Amerika, 3. Ägypten – die Welt (S. 13, 19, 41) Kommentar: 1. Es gibt in Daniel 11 keinen Hinweis auf drei Mächte, die der König des Nordens unterwerfen wird. Daniel 11:40 sagt nur, „er wird in die Länder eindringen und wird sie überschwemmen und überfluten“ (Elb.) Daniel 7:8 spricht vom Aufkommen des Papsttums in der Kirchengeschichte; Daniel 11:40-45 betrifft die Endzeit. Eine Parallel zwischen Daniel 7:8 und 11:40-45 zu ziehen, ist exegetisch nicht gerechtfertigt.

2. Während das Papsttum sicherlich zum Fall des Kommunismus in Russland beigetragen hat, hat es Russland weder religiös noch politisch erobert. Im Jahr 11

Price, 316; Shea 209; Doukhan, 175.

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2000 hatte Russland eine Bevölkerung von etwa 147 Millionen Menschen, davon gehörten 51 Prozent zur Russisch-Orthodoxen Kirche, nur ein Prozent (1,5 Millionen) waren römisch-katholisch.12

3. Das Amerika das herrliche Land und Ägypten die Welt symbolisiert ist wiederum nur eine reine Vermutung ohne biblische Begründung. Den Ausdruck „herrliches Land“ (´eretz hatzebi) finden wir nur in Daniel 11:16 und 41. In Daniel 8:9 wird hatzebi „das Herrliche“ ohne „Land“ verwendet, aber viele Übersetzungen fügen das Wort „Land“ hinzu: Daniel 8:9 Und aus einem wuchs ein kleines Horn; das ward sehr gross gegen Mittag, gegen Morgen und gegen das werte Land. (Luther) In Daniel 8:9 und 11:16 ist das „werte Land“ Israel. Nach dem Prinzip „vor dem Kreuz buchstäblich, nach dem Kreuz geistlich“ ist das „werte Land“ in Vers 41 das geistliche Gegenstück zu Israel, d. h. das geistliche Israel, die Gemeinde. Nach Pippenger wird der König des Nordens (Papsttum) „in das werte Land [Amerika] fallen, und viele werden umkommen“ (11:41). Er schreibt, „Durch die unheilige Allianz mit dem Vatikan, um den gemeinsamen Feind zu besiegen, hat die USA angefangen sich in die Hände des Papsttums zu geben und dadurch sein Erbe als Verteidiger des Protestantismus verleugnet.“13 Das passt weder in die Geschichte noch in das prophetische Bild. Die katholische Kirche war schon lange vor der „unheiligen Allianz“ die grösste Kirche in Amerika. Dies steht auch im Gegensatz zu der Zusammenarbeit zwischen dem ersten und zweiten Tier (Papsttum und Amerika) in Offenbarung 13. Das erste Tier erobert nicht das zweite Tier, sondern es arbeitet mit ihm zusammen.

12 13

David B. Barrett et al.: World Christian Encyclopedia, 2 vols. (Oxford, University Press, 2001), 1:624. J. Pippenger, “Time of the End,” 14.

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c. Der Angriff des König des Südens gegen den König des Nordens zu Beginn von Daniel 11:40 wird als die tödliche Wunde ausgelegt. Pippenger schreibt: „Der König des Nordens wurde hinsichtlich seiner Fähigkeit, sich gegen das Südreich durchzusetzen, eingeschränkt (grieved). Tatsächlich beginnt der Krieg mit dem König des Nordens mit dem Empfang einer tödlichen Wunde“ (S. 14).

Kommentar: Nichts im Text deutet darauf hin, dass der König des Nordens eingeschränkt (betrübt) worden wäre oder eine tödliche Wunde erhalten hätte.

d. Die drei Stämme Edom, Moab und Ammon sind für Pippenger „jene ‚Flüchtlinge’, die Babylon während der Botschaft des lauten Rufes verlassen und damit die Teilung des modernen Babylon in drei Teile widerspiegeln“ (S. 36).

Kommentar: Das ist eine interessante, wenn auch nicht neue, Vorstellung. McCready Price hat diese Stämme in seinem Danielkommentar als moderne Gruppen oder Organisationen bezeichnet, die Charakteristiken der alten Stämme enthielten. Er schrieb: „Der Text bedeutet möglicherweise, dass einige dieser modernen Völker wahrhaft bekehrt werden oder sich Gottes Volk der Übrigen anschließen und so von der Sklaverei des Irrtums befreit werden.“14 Während diese Auslegung möglich ist, gibt es in der Schrift oder beim Geist der Weissagung keinen Hinweis auf eine Unterstützung dieser Identifikation.

Adventistische Auslegungen von Daniel 11:40-45 Adventistische Interpretationen von Daniel 11:40-45 sind vielfältig und kaum zwei stimmen überein:

14

Price, 315.

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Rodriguez

Shea

1. König des Nordens

Babylon

England/Israel Papsttum

2. König des Südens

Heidenvölker Frankreich

Russland

Frankr.e

Islam

3. Herrliches Land

Gottes Volk

Kirche

Kirche

Israel

a

Palästina Jordanien

Swearing

Gläubige

4. Edom, Moab, Ammon

Menschen

5. Ägypten, Lybien, Äthiop.

Ende d. Erde Agyp. Ly. Äth. Islam

6. Gerüchte

Gottb

7. Heiliger Berg

Stadt Gottesc Berg Zion

a. b. c. d. e. f. g. h. i.

1948 Krieg

d

Heiks

Roosenberg

Papsttum Papsttum

.f

P. C. S

Atheism.

Gläubigeg Islamh

Laute Ruf Laute Ruf

Laute Ruf

Gottes Wohn. Kirche

Zioni

Menschen aus allen Nationen, die Christus annehmen. Gott confrontiert den König des Nordens. Was das Gerücht ist wird nicht gesagt. Der Angriff der Feinde Gottes auf die Stadt (Sach 12:1-9) Heiden und Weltmenschen die Gott annehmen 1789 Frankreich und später der Atheismus Protestantismus, Katholizismus, Spiritismus Moslems die Christus annehmen Moslems die dem Tier nachfolgen Die päpstliche Allianz wird Palästina oder die Kirche beherrschen

Zusammenfassung Daniel 11 ist eins der schwierigsten Kapitel in der Bibel. 1. Es ist Teil der Erklärung der Visionen in Daniel 2, 7 und 8. 2. Nach dem Prinzip der Rekapitulation behandelt es die Geschichte von den Perserkönigen bis zur Wiederkunft Jesu (Auferstehung). 3. Es gibt fünf Passagen (11:2-4, 22, 31, 40; 12:2) die mit Hilfe anderer Texte klar und deutlich ausgelegt werden können. Alle anderen geschichtlichen Ereignisse müssen in diesen Rahmen passen. 4. Die Verse 40-45 liegen möglicherweise noch in der Zukunft, daher kann man nicht dogmatisch sein. Erst wenn sie sich erfüllen kann man erkennen welche Bedeutung sie haben.. Gerhard Pfandl, Ph.D.; Associate Director; Biblical Research Institute Dezember 2012 14

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