Der Film. Die Geschichte. Ein Film von Anita Bindner

FREIBURG im Breisgau Der Film. Die Geschichte. Ein Film von Anita Bindner Freiburg im Breisgau Um 1900 ist Freiburg schon ein Jahrhundert nicht mehr...
Author: Josef Seidel
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FREIBURG im Breisgau Der Film. Die Geschichte. Ein Film von Anita Bindner

Freiburg im Breisgau Um 1900 ist Freiburg schon ein Jahrhundert nicht mehr Hauptstadt der österreichischen Vorlande und gehört fest zum Großherzogtum Baden. Die einengenden barocken Befestigungsanlagen sind weitgehend beseitigt, die Stadt dehnt sich aus und ihre Bevölkerung nimmt zu. Unter Oberbürgermeister Winterer erhält die Stadt eine elektrische Straßenbahn, ein neues Theater und neue Schulen. Auch für die Universität wird ein neues Gebäude errichtet und in Anwesenheit des Großherzogs 1911 feierlich eingeweiht. Größere Industrieanlagen gibt es noch keine, Handwerk und Dienstleistung bestimmen die Wirtschaft der Stadt, die so auch ein beliebtes Ziel für Touristen wird. Diese friedliche Entwicklung wird vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrochen: Auch Freiburg wird von Bomben getroffen und hat Verluste zu beklagen. Nach Kriegsende und Überwindung der Inflationsfolgen bemüht man sich auch um Ansiedlung von Industrie, um so die wirtschaftliche Lage der Stadt zu verbessern. Dennoch steigt die Zahl der Arbeitslosen. Nach der Reichstagswahl im März 1933, bei der die NSDAP zur stärksten Partei wurde, wird gegen den Willen und unter Protest des Oberbürgermeisters Bender von Nazis die Hakenkreuzfahne am Rathaus gehisst. Bender wird zwangsweise beurlaubt, SPD und KPD verboten, ihre Funktionäre verhaftet, der Stadtrat aufgelöst und im Sinne der NSDAP und des von ihr eingesetzten Oberbürgermeisters Kerber neu formiert. Mit der Durchführung längst geplanter Bauprojekte kann Kerber die Zahl der Erwerbslosen reduzieren. Die Verfolgung und Ausgrenzung jüdischer Mitbürger findet mit der Zerstörung der Synagoge in der sogenannten Reichskristallnacht 1938 ihre Fortsetzung.

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 hat zunächst noch keine größeren Auswirkungen auf die Stadt. Erst durch einen versehentlichen Bombenabwurf deutscher Flieger über Freiburg 1940, der in der NS-Propaganda als alliierter Angriff dargestellt wird, rückt der Krieg in greifbare Nähe. Umso stärker wird der Luftangriff am 27. November 1944 empfunden, der 2797 Tote fordert. Ein Drittel der Wohnungen wird zerstört, die Zahl der Bewohner sinkt um fast die Hälfte auf knapp 58 000. Im April 1945 besetzen französische Truppen die Stadt, in der es nun darum geht, das Überleben und den Wiederaufbau zu organisieren. Nur mit Hilfe aus dem Ausland und großen eigenen Anstrengungen gelingt dies. So können bereits 1949 im wiederaufgebauten Theater die Aufführungen neu beginnen und über 10 000 beschädigte Wohnungen bewohnbar gemacht werden. Auch politisch geht es aufwärts: Freiburg wird zur Hauptstadt (Süd) Badens, bis ihm durch die Bildung des Landes Baden-Württemberg diese Funktion genommen wird. Die Universität kann 1957 ihre 500-Jahrfeier begehen, die Studentenzahlen wachsen beständig und verlangen nach der Errichtung neuer Gebäude. Bis 1961 hat Freiburg 145 000 Einwohner, der 10 000. Student wird mit einer goldenen Uhr begrüßt. Anstelle des im Zweiten Welt-

krieg zerstörten Bertoldsbrunnens wird 1965 ein neuer Brunnen feierlich enthüllt. 1969 wird mit dem Schlossbergring das letzte Teilstück der autogerechten Innenstadtumfahrung eingeweiht. Weitere Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten leiten das große Stadtjubiläum 1970 ein, bei dem der Verleihung des Marktrechtes durch die Zähringer an die Stadt vor 850 Jahren gedacht wird. Gleichzeitig wird es aber auch unruhig in der Stadt: Die Erhöhung der Straßenbahntarife gibt 1968 Anlass zu einer längeren Auseinandersetzung von Schülern und Studenten mit der Polizei, die dabei auch Wasserwerfer einsetzt. Dazu kommt die allgemeine Umbruchstimmung unter den Studenten der 68er-Jahre, die sich in vielen Demonstrationen äußert. Auch die Gegnerschaft zum geplanten Kernkraftwerk im nahe gelegenen Wyhl trägt zur aufgeregten Stimmung in der Stadt bei, die nach verschiedenen Häuserbesetzungen und gewaltsamen Aktionen 1986 zum Vorwurf führt, Freiburg sei eine „Chaotenhochburg“. Daneben stehen aber auch die Landesgartenschau 1986 mit vielen Veranstaltungen, die Planung und Entwicklung neuer Stadtteile und des Nahverkehrs. Und nicht zu vergessen: der Aufstieg des SC Freiburg 1993 in die Erste Fußballbundesliga. Günther Wolf

Anita Bindner Autorin Christine Wacker-Douglas Schnitt prechtl / amos / holzboog Musik Christian Büsen, Isabelle Demey, Anthony Gibbs Sprecher Markus Schäffler Tonmischung Peter Pfanner Farbkorrektur Brigitte Herrmann Produktionsassistenz Felicitas Beck, Katharina Egerer, Ingrid Graf, Maria Holzmann, Anna Leippe, Christoph Ronge, Reiner Ziegler Mitarbeit Chris Veit, Michael Hötzel Grafische Gestaltung Wilhelm Reschl Redaktion Bonusfilme von Wolf Hart Freiburg. Ein Stadtporträt zum 850. Jubiläum Freiburgs (1969) 15 Min. Maßwerk, Fialen und Propheten. Dokumentarfilm über Aufgaben und Arbeit der Freiburger Münsterbauhütte (1968) 16 Min.

Fotos: Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stadtarchiv Freiburg

Die Landesfilmsammlung Baden-Württemberg wird gefördert vom Staatsministerium Baden-Württemberg und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbH (MFG)

ISBN 978-3-943510-01-0 © HAUS DES DOKUMENTARFILMS 2011 www.filmreise.info