BLOW-UP. Ein Film von MICHELANGELO ANTONIONI

BLOW-UP Ein Film von MICHELANGELO ANTONIONI Ein Film von MICHELANGELO ANTONIONI mit VANESSA REDGRAVE, DAVID HEMMINGS, SARAH MILES, JOHN CASTLE, JANE...
Author: Mathias Esser
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BLOW-UP Ein Film von

MICHELANGELO ANTONIONI

Ein Film von MICHELANGELO ANTONIONI mit VANESSA REDGRAVE, DAVID HEMMINGS, SARAH MILES, JOHN CASTLE, JANE BIRKIN, GILLIAN HILLS, PETER BOWLES, VERUSCHKA VON LEHNDORFF Kamera CARLO DI PALMA Schnitt FRANK CLARKE Originalmusik HERBIE HANCOCK Produktion CARLO PONTI und PIERRE ROUVE im Verleih von NEUE VISIONEN FILMVERLEIH GMBH

Synopsis Der Modefotograf Thomas macht in einem Park Aufnahmen. Beim Entwickeln des Films entdeckt er auf einem Foto etwas, das ihm vorher nicht aufgefallen war: die Leiche einer Frau im Gebüsch. Er glaubt, dass die mysteriöse Jane etwas mit dem Verbrechen zu tun haben könnte, doch er kann sich nicht sicher sein, ob überhaupt ein Mord geschehen ist. „Blow Up“ ist einer der wichtigsten Filme der Kinogeschichte, der ästhetische Maßstäbe gesetzt hat. Sein Kriminal-Plot erweist sich als reichhaltiges, dramaturgisch perfekt komponiertes Meisterwerk. Der Film spielt virtuos mit seinen medialen Vorraussetzungen und erzählt so von der Veränderung menschlicher Wahrnehmung im Swinging London der modevernarrten Roaring Sixties. Michelangelo Antonioni, der mit diesem Film seinen legendären Ruf begründete, inszenierte wie nach ihm kaum ein Zweiter die Einsamkeit der menschlichen Seele in einer modernen Medienwelt. In einer Zeit, in der hochprofessionelle und globalisierte Medien über die Existenz der Ereignisse entscheiden, beschreibt sein nach wie vor sehr aktueller Film die fundamentalen Brüche in der Wirklichkeit.

Langinhalt Der Fotograf Thomas kommt aus einem Obdachlosenasyl, wo er während der Nacht zahlreiche Aufnahmen gemacht hat. Er kehrt in sein Studio zurück, wo das Topmodell Veruschka ihn schon lange erwartet. Er fotografiert sie, sein Blick verschmilzt mit dem der Kamera und beschwört das Begehren der jungen Frau herauf. Nach den Aufnahmen fotografiert Thomas weitere Models im Studio. Doch gelangweilt von den ewig gleichen erotischen Untertönen, die das Fotografieren provoziert und die Thomas sehr kalkuliert einsetzt, verlässt er fluchtartig das Studio. Ohne genaues Ziel betritt er einen Park. Dort fotografiert er zufällig ein Liebespaar, bis die Frau auf ihn aufmerksam wird und die Negative verlangt. Vergeblich. Zurück im Studio erwarten ihn zwei Mädchen, die ebenfalls nichts sehnlicher wünschen als von Thomas fotografiert zu werden, doch er weist sie ab. Beim Essen mit seinem Verleger schlägt Thomas vor, in einem Buch die Fotos von den Obdachlosen zusammen mit den Aufnahmen aus dem Park zu veröffentlichen. Doch ihr Gespräch wird beobachtet. Der Mann flieht, nachdem er etwas aus Thomas‘ Auto entnommen hat. Auf dem Weg nach Hause trifft er Jane, die Frau, die er im Park fotografiert hat und die ihm gefolgt ist. Um die Negative zu bekommen, ist sie bereit alles zu tun. Thomas fertigt sie mit falschen Negativen ab, sie hinterlässt ihm eine falsche Telefonnummer. Allein in seinem Studio entwickelt er die richtigen Negative. Dabei wird er auf etwas aufmerksam, und er vergrößert die Aufnahmen. Im Gebüsch entdeckt er das Gesicht eines Mannes mit einem Revolver. Thomas glaubt, einen Mord verhindert zu haben. Er studiert die Fotos intensiv, doch sie scheinen mit jeder Vergrößerung nur undeutlicher zu werden. In der Nacht kehrt Thomas noch einmal in den Park zurück und entdeckt dort die Leiche eines Mannes. Anschließend findet er sein Studio durch einen Einbruch verwüstet vor. Alle Fotos sind verschwunden. Mit seinem Verleger sucht Thomas erneut im Park nach Spuren. Auf einem Weg sieht er Jane. Er versucht, ihr zu folgen, und landet im Ricky Tick Club. Dort spielen die Yardbirds vor einer wilden Menschenmasse. Als er den Park ein drittes Mal aufsucht, ist die Leiche verschwunden.

Regisseur: Michelangelo Antonioni Michelangelo Antonioni ist am 29. September 1912 in Ferrara, Italien geboren. Er studiert Volkswirtschaft in Bologna und wird anschließend Filmkritiker für die Zeitung „Corriere Padano“. In Bologna ist er Mitglied einer studentischen Theatergruppe mit. 1939 fährt er nach Rom und studiert am „Centro esperimentale di Cinematografia“ in Cinecittà. Hier begegnet er erstmals seinen zukünftigen Mitarbeitern. Während der Phase des Neorealismus beginnt er seine Karriere als Drehbuchautor für Rossellini und Fellini, die er in Cinecittà getroffen hat. Ab 1943 dreht er zahlreiche Dokumentar- und Kurzfilme. Erst 1950 entsteht sein erster Spielfilm: „Chronik einer Liebe“. 1960 wurde er mit „Die mit der Liebe spielen“ (L‘Avventura), der bei den Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet wurde, erstmals außerhalb Italiens bekannt. Dieser Film ist der erste einer Quadrilogie, die aus „Die Nacht“ (La notte), „Liebe 1962“ (L‘eclisse) und „Die rote Wüste“ (Il deserto rosso) besteht. Antonioni erreicht nach diesen vier Filmen weltweite Anerkennung. Dann folgten der erfolgreiche „Blow Up“, der in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, „Zabriskie Point“ und der Dokumentarfilm „Chung Kuo – Cina“. In seinen Filmen verfolgt Antonioni verschiedene Themen: die Nachkriegsgesellschaft im italienischen Neorealismus, die Authentizität des Bildes und der Medien in „Blow Up“, die 68er Bewegung und Studentenrevolte in „Zabriskie Point“. Antonionis Filme sind dafür bekannt, den Realitätsbegriff einer fundamentalen Überprüfung zu unterziehen. Dabei machte er es sich immer wieder zur Aufgabe, die Grenze filmischer und gesellschaftlicher Normen zu überschreiten. Die Moderne in Film und Gesellschaft ist bei ihm nie selbstverständlich – ihre fundamentalen Konsequenzen für die menschliche Seele werden bei ihm virtuos dramatisiert. Seit einem Schlaganfall im Jahr 1985 hat er fast nur Kurz- und Dokumentarfilme gedreht. 1995 hat er in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Wim Wenders den Film „Jenseits der Wolken“ inszeniert. Antonioni ist auch Autor und Maler.

Filmografie (Auswahl) Eros (2004) Jenseits der Wolken (Al di là delle nuvole) (1995) Identifikation einer Frau (1982) Das Geheimnis von Oberwald (1981) Beruf: Reporter (1975) Zabriskie Point (1970) Blow Up (1966) Die rote Wüste (Il deserto rosso) (1964) Liebe 1962 (L‘eclisse) (1962) Die Nacht ( La Notte) (1961) Die mit der Lebe spielen (L‘Avventura) (1960) Chronik einer Liebe (1950)

Auszeichnungen Goldener Bär für „La Notte“ (1961) Goldene Palme für „Blow Up“ (1967) Goldene Palme für „Identificazione di una donna“ (1982) Goldener Löwe für „Il deserto rosso“ (1964)

Remakes Brian de Palma hat mit „Blow Out“ aus dem Jahr 1981 Antonionis Film neu interpretiert. Während David Hemmings in „Blow Up“ ein Verbrechen auf seinen Fotos entdeckt, stösst der Toningenieur John Travolta in „Blow Out“ zufällig auf einen Anschlag, den er auf Tonband aufzeichnet.

Kontext „Blow up“ erzählt vom Leben im „Swinging London“ der 60er Jahre. Als kulturelle, politische und modische Bewegung bestimmt Popmusik, Mode, Kunst und Stilbewusstsein ab Mitte der 1960er Jahre das englische Hauptstadtleben. Diese Tendenz entwickelte sich zu einer kulturellen Revolution, die das Weltkriegsbeschwerte England tief veränderte. London wurde zur Welthauptstadt der Kultur und der Mode. „Carnaby Street“ in London wurde sehr berühmt für ihre Modeund Musikgeschäfte, ihre Kunstgalerien und Clubs. Die Trends der ganzen Welt kamen von dort. Die Symbole dieser Zeit waren die provokativen Miniröcke von Mary Quant, sehr schlanke Mannequins wie Twiggy, die Beatles, James Bond, oder die Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“. Der Modefotograf Thomas aus „Blow Up“ ist also der Prototyp des „Swinging London“. Seine Figur wurde durch den bekannten britischen Fotograf David Bailey, der unter anderen beim Vogue Magazine arbeitete, inspiriert. Beeinflusst wurde das Drehbuch auch von der Kurzgeschichte „Teufelsgeifer„ von dem argentinischen Autor Julio Cortázar. „Die Zeit“ schrieb anlässlich einer Ausstellung über „Blow Up“ in der Londonder The Photographers Gallery, der Film habe mehr mit der Gegenwart zu tun als der größte Teil des zeitgenössischen Kinos. Antonionis Film erzählt von einem kulturellen Umbruch, der heute mehr denn je spürbar ist und der in der Phase der Swinging Sixties erstmals konzentriert in Erscheinung trat. In der Welt der bilderüberfluteten modernen Medien steht das Bild im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die täglichen Nachrichtensendungen versichern immer wieder die objektive Abbildung der Realität. Und doch tun sich plötzlich Lücken im System auf, wird die Manipulierbarkeit der Medien und der Bilder immer offensichtlicher. In „Blow Up“ entdeckt der Fotograf, der mit seiner Kamera die Frauen zu beherrschen wusste, auf den Fotos etwas, was das boße Auge nicht sah. Plötzlich kann das Foto eine ganz andere Geschichte von dem Nachmittag im Park erzählen als der Fotograf David selbst. David ist mit zwei möglichen Wahrheiten konfrontiert, die bis zum Schluß nicht miteinander zu vereinen sind. Das vermeintlich unschuldige Foto und die angeblich objektive Kamera müssen gegenüber der Wirklichkeit im Park und dem, was Thomas in den Fotos zu finden versucht, kapitulieren. Der Versuch, die Wahrheit innerhalb des Bildes durch Vergrößerung sichtbar zu machen, endet in einem immer grobkörnigeren und schemenhaften Nebel.

Darsteller Vanessa Redgrave Vanessa Redgrave ist eine politisch engagierte Theater- und Filmschauspielerin. Sie wurde am 30. Januar 1937 in London als Tochter einer anerkannten Theaterschauspieler-Familie geboren. Ihre Eltern Michael Redgrave und Rachel Kempson, ebenso ihre Geschwister und Kinder sind alle Schauspieler. Ab 1954 besucht sie die „Central School of Speech and Drama“. Nach einer ersten Rolle im 1958 in „Hinter der Maske“ debütiert sie am Ende der 1950er Jahre beim Theater, wo sie bald von den Kritikern entdeckt wird. Seitdem spielt sie regelmäßig auf der Bühne und wurde mehrmals ausgezeichnet. Im 1966 spielt sie die Hauptrolle in „Protest“, für die sie den Darstellerpreis bei den Filmfestspielen von Cannes gewinnt. Im Jahr 1967 wird sie für ihre Rolle in „Blow Up“ für einen Oscar nominiert. Sie wird dieselbe Nominierung ein Jahr später für „Isadora“ und drei Jahre später für „Maria Stuart, Königin von Schottland“ bekommen. 1977 spielt sie in „Julia“ die Rolle einer antifaschistischen engagierten Frau, die im zweiten Weltkrieg vom Naziregime ermordet wurde. Für diesen Film wurde sie mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Seitdem spielt sie zahlreiche Rollen in Spielfilmen, Theaterstücken und Fernsehserien. 1977 fördert und schildert sie den Dokumentarfilm „The Palestinian“, der die Probleme in Palästina zeigt. Im Laufe ihrer Karriere hat sie sich für zahlreiche politische und soziale Aktionen eingesetzt: Widerstand gegen den Vietnamkrieg, nukleare Entwaffnung, Irlands Unabhängigkeit. Heute ist sie gegen den Irak-Krieg und als eine aktive UNICEF Botschafterin engagiert.

Filmografie (Auswahl) Hinter der Maske (1958) Protest (1966) Blow Up (1966) Camelot (1967) Isadora (1968) Maria Stuart, Königin von Schottland (1971) Mord im Orient Express (1974) Julia (1977) Die Damen aus Boston (1984) Wetherby (1985) Das Stürmische Leben des Joe Orton (1987) Wiedersehen in Howards End (1992) Little Odessa – Eiskalt wie der Tod (1994) Ein Sommer am See (1995)

Auszeichnungen (Auswahl) Oscar für „Julia“ (1978) Oscar-Nominierung für „Maria Stuart, Königin von Schottland“ (1972) Oscar-Nominierung für „Isadora“ (1968) Oscar-Nominierung für „Protest“ (1967) BAFTA-Film-Award-Nominierung für „Das Stürmische Leben des Joe Orton“ (1988) BAFTA-Film-Award-Nominierung für „Protest“ (1967) Goldene Palme für „Isadora“ (1969)

Darsteller David Hemmings Der britische Schauspieler und Regisseur David Hemmings ist am 18.November 1941 in Guildford, England geboren. Als Knabensopran feierte er auf der Opernbühne viele Erfolge. Hemmings war mit dem Komponisten Benjamin Britten befreundet, der für ihn unter anderem die Rolle des Miles aus Henry James „The Turn of the Screw“ schrieb. Mit 13 begann er seine Karriere in dem Film „Kleine Jockey ganz groß“. Nach einigen weiteren Engagements spielte er die Hauptrolle in „Blow up“ und wurde zur Galionsfigur der Pop-Kultur. 1968 ist er in Tony Richardsons Satire „Angriff der leichten Brigade“ (1968) zu sehen. Es folgen weitere britische Großproduktionen: „Camelot – Am Hofe König Arthurs“ und „Alfred der Große – Bezwinger der Wikinger“, in dem er die Hauptrolle bekommt. 1972 dreht er mit „Runing Scared“ seinen ersten eigenen Film. Sein Film „The 14“ gewinnt 1973 bei der Berlinale den Silbernen Bären. Mit David Bowie, Kim Novak und Maria Schell inszeniert er 1979 „Schöner Gigolo, armer Gigolo“. David Hemmings starb am 3. Dezember 2003 während der Dreharbeiten an dem Film „Blessed – Kinder des Teufels“.

Filmografie: Kleine Jockey ganz groß (1954) Blow Up (1966) Camelot (1967) Angriff der leichten Brigade (1968) Barbarella (1968) Alfred der Große – Bezwinger der Wikinger (1969) Achtzehn Stunden bis zur Ewigkeit (1974) Rosso – Die Farbe des Todes (1975) Charly Muffin (1979) Gladiator (2000) Gangs of New York (2002)

Auszeichnungen Silberner Bär für „The Fourteen“ (1973)

Credits Regie ...................................... Michelangelo Antonioni Drehbuch ............................... Michelangelo Antonioni, Julio Cortázar, Tonino Guerra, Edward Bond Kamera ................................... Carlo Di Palma Produzenten........................... Carlo Ponti, Pierre Rouve Produktion ............................. Donald Toms, Roy Parkinson Musik ...................................... Herbie Hancock Schnitt .................................... Frank Clarke

Besetzung Vanessa Redgrave ................. Jane David Hemmings................... Thomas Sarah Miles ............................ Patricia John Castle ............................ Bill Jane Birkin ............................. Die Blonde Gillian Hills............................. Die Brünette Verushka von Lehndorff ....... Verushka

Auszeichnungen und Nominierungen (Auswahl) Goldene Palme Cannes Bester Film 1967 Nominierungen für den Oscar Beste Regie