Biodiversität in Oberfranken

Biodiversität in Oberfranken Eine Auswahl an aktuellen Biodiversitätsprojekten in Oberfranken Regierung von Oberfranken, Höhere Naturschutzbehörde Fe...
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Biodiversität in Oberfranken Eine Auswahl an aktuellen Biodiversitätsprojekten in Oberfranken

Regierung von Oberfranken, Höhere Naturschutzbehörde Februar 2013

Inhalt: 

Kultur- und Naturlandschaft mit Kopfeichen am Hetzleser Berg



Maßnahmen zum Schutz endemischer Mehlbeeren im nördlichen Frankenjura



Besucher-Lenkungskonzept für Höhlen in der Nördlichen Frankenalb



Ökologisches Entwicklungskonzept Wiesenttal



Erhaltung artenreicher Wiesen im Landkreis Bayreuth



Regionalkonzept Folgenutzungen an den Baggerseen im Regnitztal



Sicherung der historischen Kulturlandschaft bei Kemmern



Rückkehr alter Kulturpflanzen und Ackerwildkrautschutz auf den Langen Bergen im Landkreis Coburg



neu: Artenvielfalt am Muschelkalkzug der Fränkische Linie



BayernNetz Natur-Projekt Frankenwaldtäler



Biotopverbundknoten Fichtelgebirge – Bau einer Grünbrücke im Rehauer Forst



neu: Arnika - Revitalisierung und Nutzung als Heilpflanze



neu: Abbaustellen im Landkreis Hof



Einrichtung von Naturpark-Informationsstellen



Informationen zu Naturschutz- und NATURA 2000-Gebieten in Oberfranken



neu: Neubürger der Tier- und Pflanzenwelt (Neobiota) in Oberfranken

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Kultur- und Naturlandschaft mit Kopfeichen am Hetzleser Berg Beschreibung / Zielsetzung Das Gebiet ist gekennzeichnet durch einen hohen Strukturreichtum mit wertvollen Streuobst- und Kopfeichenbeständen sowie artenreichen Magerwiesen. Besonders hervorzuheben sind die Vorkommen der holzbewohnender Insekten Eremit und Hirschkäfer sowie der vielen, teils seltenen Vogelarten. Wesentliche Ziele des BayernNetz Natur-Projekts sind der Erhalt der uralten Kopfeichen und der einmaligen Kulturlandschaft mit ihrer bedeutenden Tier- und Pflanzenwelt.

Projektträger / weitere Beteiligte Träger ist der Landschaftspflegeverband Forchheim e.V.. Weitere Beteiligte sind der Landkreis, die Gemeinden, die Landwirtschafts- und Naturschutzbehörden und die Verbände. Das Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.

Umsetzung / Projektstand Seit dem Projektstart im August 2010 erfolgte die Vorstellung des Projekts in kommunalen Gremien und die Kontaktaufnahme mit den Eigentümern. Bislang wurden über 100 Kopfeichen gepflegt. Über angebotene Exkursionen wurde interessierten Bürgern die Möglichkeit geboten, das Projektgebiet kennenzulernen. Eine Broschüre, ein Schauschnitt und ein Ausstellungsstück zum Lebensraum „Mulmhöhle“ helfen mit, das Projekt zu veranschaulichen. Weitere Pflegemaßnahmen, Exkursionen und Aktionen sind geplant.

Bemerkenswertes Die Kopfeichen wurden früher regelmäßig zur Gewinnung von Eichenrinde (Lohe) auf "Kopf" geschnitten. Die in der Rinde enthaltenen Gerbstoffe wurden zum Gerben von Leder verwendet.

Ansprechpartner Landschaftspflegeverband Forchheim e.V., Naturschutzbehörden

Fotos: A. Niedling, L. Anwander, T. Bittner

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Maßnahmen zum Schutz endemischer Mehlbeeren im nördlichen Frankenjura Beschreibung / Zielsetzung Bestimmte Mehlbeeren-Arten, darunter Kordigastund Hohenesters Mehlbeere kommen ausschließlich im Projektgebiet und nur noch in wenigen Exemplaren vor. Um das Überleben dieser Arten langfristig zu sichern wird parallel zu Pflegemaßnahmen der Aufbau einer Erhaltungszucht betrieben. Zusätzlich werden Grundstückseigentümer informiert und hinsichtlich Schutz und Pflege der Mehlbeeren beraten.

Projektträger / weitere Beteiligte Landschaftspflegeverbände Forchheim und Lichtenfels, Landkreis Forchheim (Obstbauversuchsanlage), Botanische Gärten Bayreuth, Erlangen und Regensburg, Mehlbeerenexperten und die Regierung von Oberfranken.

Umsetzung / Projektstand In Zusammenarbeit mit den Projektpartnern wurden mehrere Vermehrungsmethoden erprobt. Erfolgreich war die Pfropfung von Edelreisern auf Jungpflanzen der Schwedischen Mehlbeere sowie die Nachzucht aus Früchten. Alle Arten wurden inzwischen in einem Schaugarten bei Dietzhof (Lkr. FO), einige seltene Arten auch in den Botanischen Gärten Bayreuth und Erlangen ausgepflanzt. Pflegemaßnahmen wie die gezielte Entnahme von beschattenden Gehölzen (s. Foto) sind ebenso erfolgt wie z.T. die Aufklärung von Eigentümern. Im Rahmen eines UrEinwohner-Projekts wurde eine Broschüre zu den endemischen Mehlbeeren-Arten erstellt.

Bemerkenswertes Die Leutenbacher Mehlbeere (oder auch Hohenesters Mehlbeere, Sorbus hohenesteri) wurde erst 1992 entdeckt und gilt mit 10-15 Exemplaren als eine der seltensten Baumarten der Welt.

Ansprechpartner Landschaftspflegeverband Forchheim (Gebietsbetreuer), Regierung von Oberfranken

Fotos: A. Niedling

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Besucher-Lenkungskonzept für Höhlen in der Nördl. Frankenalb Beschreibung / Zielsetzung Die Höhlen der Nördlichen Frankenalb unterliegen einem ständig wachsenden Freizeitdruck – Höhlenabenteuer boomen! Um dessen Auswirkungen zu minimieren, soll ein Konzept zur Besucherlenkung entwickelt werden.

Projektträger / weitere Beteiligte Träger ist der Naturpark Fränkische Schweiz Veldensteiner Forst. Weitere maßgebliche Beteiligte sind die Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken e.V., der Landesverband für Höhlen und Karstforschung Bayern e.V., Landkreise, Gemeinden, Polizei, Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und die Naturschutzbehörden.

Umsetzung / Projektstand Grundlage des Konzepts ist eine ökologische Zustandserfassung von zunächst 120 ausgewählter Höhlen. Diese beinhaltet neben der Erfassung vorkommender Tier- und Pflanzenarten eine Schadenskartierung, die naturschutzfachliche Bewertung und Maßnahmenvorschläge. Für 15 Höhlen innerhalb des europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000, wurden vertiefende wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt. Derzeit werden die Ergebnisse der Erhebungen ausgewertet und in den Arbeitskreisen diskutiert. Neben verschiedenen Maßnahmen der Besucherlenkung ist auch eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen. Als Zusatzqualifikation für kommerzielle Höhlenführer erfolgte ein spezieller Lehrgang.

Bemerkenswertes Höhlen sind äußerst empfindliche und nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz geschützte Lebensräume. Sie bieten einer Vielzahl von Tierarten zu jeder Jahreszeit Unterschlupf. Fotos: Dr. H. Rebhan, Dr. M. Scheidler

Ansprechpartner Landesverband für Höhlen und Karstforschung Bayern e.V., Naturpark Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst, Naturschutzbehörden

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Ökologisches Entwicklungskonzept Wiesenttal Beschreibung / Zielsetzung Das Projekt zielt darauf ab, die Anforderungen des Naturschutzes mit den Ansprüchen der Freizeitnutzung in Einklang zu bringen. Wesentliche Bestandteile sind die Sanierung von Lebensräumen der Zielart Äsche, die nachhaltige Verbesserung der Gewässerverschlammung und die Erarbeitung eines Ruhezonenkonzepts unter Berücksichtigung der Brutvorkommen von Uhu, Wanderfalke und Eisvogel. Zurückgegriffen werden kann dabei auf vorhandene Grundlagenuntersuchungen zur Verschlammungssituation und zum Sedimentmanagement sowie auf Erfahrungen aus bereits erfolgten Unterhaltungsmaßnahmen im Bereich des Gewässers II. Ordnung.

Projektträger / weitere Beteiligte Träger des über das Konjunkturpaket II geförderten Projekts ist die Regierung von Oberfranken. Weitere Beteiligte sind Gemeinden, Landkreis Forchheim, Wasserwirtschaftsamt Kronach, Fischereifachberatung des Bezirks, Fischerei- und Naturschutzverbände, Bayerischer Bauernverband.

Umsetzung / Projektstand In verschiedenen Gewässerabschnitten wurden Entschlammungsmaßnahmen durchgeführt und das Laichplatzangebot durch die Anlage von Kiesbänken verbessert. Probleme bereiten nach wie vor Interessenskonflikte der unterschiedlichen Nutzergruppen, z.B. Angler, gewerbliche Kanuvermieter und Naturschutz. Hierzu wurden Runde Tische etabliert, die auch nach dem erfolgten Projektabschluss weiter betrieben werden. Fotos: A. Niedling, Dr. M. Scheidler

Bemerkenswertes Die Wiesent prägt das Landschaftsbild in weiten Teilen der Nördlichen Frankenalb und besitzt neben der hohen naturschutzfachlichen Wertigkeit auch eine große touristische Anziehungskraft.

Ansprechpartner Höhere Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberfranken

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Erhaltung artenreicher Wiesen im Landkreis Bayreuth Beschreibung / Zielsetzung Magere, artenreiche Grünlandgesellschaften zählen zu den am meisten gefährdeten Lebensräumen. Im Projektgebiet kommen erfreulicherweise großflächige und teilweise in einem hervorragenden Zustand vorliegende Extensivwiesen vor. Mit dem Projekt sollen wertvolle Grünlandökosysteme und die regionstypische Kulturlandschaft mit ihrem charakteristischen Landschaftsbild erhalten werden. Zentrale Bestandteile sind neben der Bestandsaufnahme eine intensive Öffentlichkeitsarbeit sowie die Information und Beratung der Landnutzer und Eigentümer. Für den dauerhaften Erhalt des Grünlands ist es entscheidend, die naturschutzfachlichen Ansprüche mit den betriebswirtschaftliche Aspekten der Landwirtschaft in Einklang zu bringen. Projektträger / weitere Beteiligte Träger ist der Landkreis Bayreuth. Weitere Beteiligte sind die Gemeinden, Verbände, die Landwirtschaftsverwaltung und die Regierung von Oberfranken. Gefördert wird das Projekt durch den Bayerischen Naturschutzfonds und die Oberfrankenstiftung.

Umsetzung / Projektstand Das auf drei Jahre ausgerichtete BayernNetz Natur-Projekt wurde im Mai 2011 von Staatssekretärin Melanie Huml offiziell gestartet. Bei einzelbetrieblichen Beratungen werden Möglichkeiten zum Erhalt des artenreichen Grünlands aufgezeigt. Durch den vermehrten Einsatz von Förderprogrammen erhalten die Landwirte Entschädigungsleistungen für Nutzungsauflagen.

Bemerkenswertes Die Grünlandgesellschaften im Projektgebiet sind Lebensraum für eine Vielzahl gefährdeter Arten, darunter das Kleine (s. Foto unten) und das Breitblättrige Knabenkraut.

Ansprechpartner Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Bayreuth, Regierung von Oberfranken

Fotos: S. Neumann, S. Stahlmann

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Regionalkonzept Folgenutzungen an den Baggerseen im Regnitztal Beschreibung / Zielsetzung Im Regnitztal treffen zahlreiche Nutzungen aufeinander: Verkehr, Siedlungen, Gewerbe (Sandund Kiesabbau!), Freizeit und Erholung. Trotz vielfältiger Eingriffe und Veränderungen ist das Regnitztal auch naturschutzfachlich von herausragender Bedeutung. Aufgrund des starken Nutzungsdrucks sind die durch Rohstoffabbau entstandenen Sekundärlebensräume für gefährdete Arten der Fluss- und Auenlandschaft jedoch stark beeinträchtigt. Zur Lösung dieser Konflikte wurden in einem landkreisübergreifenden Konzept Vorschläge für eine Neuordnung der Folgenutzungen an den Baggerseen erarbeitet. Ziel ist es, die Situation für die Tier- und Pflanzenwelt der Abbaustellen im Regnitztal zu verbessern.

Projektträger / weitere Beteiligte Träger des Projekts ist die Regierung von Oberfranken. Weitere Beteiligte sind die Landkreise Bamberg und Forchheim, die im Projektgebiet liegenden Gemeinden, Abbauunternehmen, Fischerei- und Naturschutzverbände, Bezirk Oberfranken (Fischereifachberatung), Wasserwirtschaftsamt Kronach.

Umsetzung / Projektstand Die Konzepterstellung war begleitet von zwei Runden Tischen und zahlreichen Gesprächen mit den Beteiligten. Im September 2010 wurde das Konzept öffentlich vorgestellt. Einzelne Maßnahmen sind bereits umgesetzt. Über weitere Umsetzungsmöglichkeiten laufen Gespräche u.a. mit den Fischereiverbänden.

Bemerkenswertes Von den untersuchten Baggerseen ist nur ein sehr geringer Anteil als störungsarm einzustufen. Tatsächlich sollten erheblich mehr Flächen mit der "Folgenutzung Naturschutz" vorhanden sein.

Ansprechpartner Höhere Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberfranken

Fotos: H. Friedlein, Dr. H. Rebhan

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Sicherung der historischen Kulturlandschaft bei Kemmern Beschreibung / Zielsetzung Einmalig für Bayern ist die Gewannflur mit alten Ackerschlägen von zum Teil weniger als 10 m Breite und einer Vielzahl an heute hoch bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Die strukturreiche Kulturlandschaft ist besonders durch Nutzungsintensivierung (Zusammenlegung, Umwandlung in Pferdeweiden), den Bau von landwirtschaftlichen Gebäuden und Siedlungserweiterungen gefährdet. Das Projekt soll zum Erhalt bedeutender Vorkommen von Knoblauchkröte und Braunkehlchen sowie der Wertschätzung der historischen Kulturlandschaft beitragen.

Projektträger / weitere Beteiligte Träger ist der Landschaftspflegeverband des Landkreises Bamberg e.V.. Weitere Beteiligte sind die Gemeinde Kemmern, das Landesamt für Denkmalpflege, das Landratsamt Bamberg und die Regierung von Oberfranken.

Umsetzung / Projektstand Die Grundlagenerfassungen zur landwirtschaftlichen Nutzung, der Vegetation und zum Vorkommen ausgewählter Tierarten liegen vor. In verschiedenen Vorträgen, Gesprächen und Exkursionen wurden Gemeinderäte, Eigentümer und Nutzer über die große naturschutzfachliche und kulturelle Bedeutung des Gebiets informiert. Der Erhalt der kleinstrukturierten Feldflur durch extensive Bewirtschaftungsformen gestaltet sich äußerst schwierig.

Bemerkenswertes Das Gebiet beherbergt weltweit die größte bekannte Population der Mohnbiene. Besonders interessant an dieser vom Aussterben bedrohten Art ist ihre Nistweise: Sie gräbt 3-4 cm tiefe Niströhren und kleidet diese mit Blütenblättern des Klatschmohns aus (siehe Foto).

Ansprechpartner Landschaftspflegeverband des Landkreises Bamberg e.V., Naturschutzbehörden

Fotos: L. Eicke, K. Weber

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Rückkehr alter Kulturpflanzen und Ackerwildkrautschutz auf den Langen Bergen im Landkreis Coburg Beschreibung / Zielsetzung Flachgründige Ackerstandorte, zumeist in der typischen Ausprägung der MuschelkalkScherbenäcker kennzeichnen die ackerbaulichen Lagen auf dem Höhenzug der Langen Berge. Ein Großteil dieser Flächen besitzt aus naturschutzfachlicher Sicht eine sehr hohe Bedeutung. So sind die Äcker bedeutende Standorte der typischen kalkliebenden Ackerbegleitflora (FlammenAdonisröschen, Ackerkohl, Acker-Haftdolde oder Hohlsame). Ziel ist es, die biologische Vielfalt der Scherbenäcker in Verbindung mit alten Nutzungsformen (Dreifelderwirtschaft) und zugleich mit dem Anbau in Vergessenheit geratener Kulturpflanzen zu erhalten. Projektträger / weitere Beteiligte Träger ist der Landesbund für Vogelschutz e.V. (LBV). Maßgebliche Beteiligte sind die landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort (zwei BiolandBetriebe aus Ahlstadt), die Gemeinde Meeder und der Landkreis Coburg. Umsetzung / Projektstand Das Projekt "Harraser Leite / Lange Berge" unter der Trägerschaft des LBV ist abgeschlossen. Die Vermarktung der alten Kulturpflanzen ist etabliert und wird von den beteiligten Betrieben ständig ausgebaut. Das Projekt ist inzwischen integraler Bestandteil des Naturschutzgroßprojekts Grünes Band Rodachtal - Lange Berge – Steinachtal. Ebenso ist es Teil des Projekts „100 Äcker für die Vielfalt!" zur Errichtung eines Netzes von Schutzäckern in Deutschland. Bemerkenswertes Mit dem Anbau und der Vermarktung der alten Kulturpflanzen Emmer (zwei Varietäten) und Linse (eine alte mitteleuropäische Landsorte) konnten bereits über 11 ha an flachgründigen Grenzertragsstandorten allein in der Gemarkung Ahlstadt erhalten werden. Ansprechpartner Höhere Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberfranken

Fotos: S. Neumann

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Artenvielfalt am Muschelkalkzug der Fränkischen Linie Beschreibung / Zielsetzung Die kleinteilige Kulturlandschaft des Muschelkalkzugs im Landkreis Kronach ist durch Jahrhunderte lange nachhaltige Bewirtschaftung entstanden. Sie ist bis heute gekennzeichnet durch ein Mosaik aus ausgedehnten Heckenfluren und Magerrasenkomplexen mit Halbtrockenrasen, wärmeliebenden Säumen, Felsen, mageren Altgrasbeständen und artenreichen Wiesen. Oberstes Leitbild des BayernNetz Natur-Projekts ist die Sicherung und Entwicklung der Kulturlandschaft unter Beibehaltung der lokalen und regionalen Identität. Dabei kommt dem Erhalt der Biotop- und Artenausstattung beispielsweise mit den Zielarten Fliegen-Ragwurz, Grüne Hohlzunge, Brand-Knabenkraut, Neuntöter und Schlingnatter eine besondere Bedeutung zu.

Projektträger / weitere Beteiligte Projektträger sind der LPV Frankenwald Landkreis Kronach und die Ökologische Bildungsstätte Oberfranken. Wichtige Partner sind Landwirte, Verbände, Behörden und die Kommunen im Projektgebiet. Das Projekt wird mit Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.

Umsetzung / Projektstand Offizieller Startschuss des Projekts war am 11.09.12 mit der Übergabe eines symbolischen Schecks durch Staatssekretärin Melanie Huml. Bisher wurden verschiedene Landschaftspflegemaßnahmen zur Verbesserung der Weideinfrastruktur durchgeführt. Insgesamt sind hierzu Pflegemaßnahmen oder ein Ankauf auf rund 90 Hektar Fläche vorgesehen.

Bemerkenswertes Viele der Lebensräume besitzen eine herausragende Bedeutung. Allein 15 Kalkmagerrasen und Felsfluren sind landesweit bedeutsam!

Ansprechpartner Ökologische Bildungsstätte Oberfranken Naturschutzzentrum Wasserschloss Mitwitz e.V.

Fotos: H. Schellberg, C. Neubauer, K. Bauer

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

BayernNetz Natur-Projekt Frankenwaldtäler Beschreibung / Zielsetzung Die über Jahrhunderte extensiv genutzten Täler prägen das Landschaftsbild des Frankenwaldes. Sie sind gekennzeichnet durch ein Mosaik aus Nasswiesen, Bärwurzwiesen, Borstgrasrasen sowie Flachmooren und stellen überregionale Ausbreitungsachsen für Tier- und Pflanzenarten wie die Sumpfschrecke dar. Diese Funktionen sind durch fortschreitende Nutzungsauflassungen und Aufforstungen nachhaltig beeinträchtigt. Durch das BayernNetz Natur-Projekt werden die Zielsetzungen verschiedener Vorgängerprojekte weiter verfolgt. Dazu gehören der Erhalt oder die Wiederherstellung artenreicher Talauen und die Entwicklung eines funktionsfähigen Biotopverbundes.

Projektträger / weitere Beteiligte Träger des vom Bayer. Naturschutzfonds geförderten Projekts ist die Ökologische Bildungsstätte Oberfranken Oberfranken – Naturschutzzentrum Wasserschloß Mitwitz e.V.. Weitere Beteiligte sind der Naturpark Frankenwald e.V., Landschaftspflegeverband Frankenwald Landkreis Kronach e.V., Bund Naturschutz in Bayern e.V., Landkreis Kulmbach, die Landwirtschafts-, Wasserwirtschafts- und Naturschutzbehörden, teilweise auch Vertreter aus der Denkmalpflege und dem Tourismus.

Umsetzung / Projektstand Neben dem Erwerb von Grundstücken und der Rodung von Fichtenaufforstungen wurde Gehölzaufwuchs auf Brachflächen entfernt und standortgerechte Laubhölzer zur Förderung von Auwäldern eingebracht. Exemplarisch wurden Brachen in Wiesen oder Weideflächen umgewandelt. Das BayernNetz Natur-Projekt wurde 2012 abgeschlossen. Fortgeführt werden verschiedene Maßnahmen über den Landschaftspflegeverband Frankenwald.

Ansprechpartner Ökologische Bildungsstätte Oberfranken und die Regierung von Oberfranken

Fotos: C. Neubauer

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Biotopverbundknoten Fichtelgebirge – Bau einer Grünbrücke im Rehauer Forst Beschreibung / Zielsetzung Verkehrswege zerschneiden zunehmend die Lebensräume von Tieren. Dadurch erhöht sich das Risiko von Wildunfällen. Weitere Aspekte sind die eingeschränkten täglichen oder jahreszeitlichen Wanderungen und die genetische Verarmung durch mangelnden Individuenaustausch. Sie können im schlimmsten Fall zu einem Aussterben von Populationen führen. Die genannten Zerschneidungseffekte werden durch den Bau von Grünbrücken vermindert. In einem "Konzept zur Erhaltung und Wiederherstellung von bedeutsamen Wildtierkorridoren an Bundesfernstraßen" des Bayer. Landesamtes für Umwelt, wurde der Bau einer Grünbrücke im Rehauer Forst in die höchste Priorität eingestuft. Sie soll den international bedeutsamen "Wildtierkorridor Erzgebirge – Fichtelgebirge – Bayerischer Wald" für Rotwild, Luchs und weitere Tierarten sichern.

Projektträger / weitere Beteiligte Träger ist die Autobahndirektion Nordbayern. Weitere Beteiligte sind die Regierung von Oberfranken, die Bayerischen Staatsforsten, der Bayerische Landesjagdverband und die Stadt Rehau.

Umsetzung / Projektstand Die über das Konjunkturpaket II geförderte Grünbrücke ist fertig gestellt. Aktuell wird deren Funktionsfähigkeit durch ein Wildtiermonitoring mit Hilfe von Fotofallen überprüft.

Bemerkenswertes Eine Breite von 50 m, Irritationsschutzwände zur Abschirmung von optischen und akustischen Reizen und eine waldähnliche Bestockung kennzeichnen die erste oberfränkischen Grünbrücke. Neu ist auch die "ökologische" Nachrüstung einer bestehenden Autobahn unabhängig von einem weiteren Ausbau. Ansprechpartner Autobahndirektion Nordbayern, Regierung von Oberfranken

Grafik und Fotos: H. Spath, Landesamt für Umwelt, M. Grauvogl

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Arnika - Revitalisierung und Nutzung als Heilpflanze Beschreibung / Zielsetzung Die Vorkommen der streng geschützten Arnika sind seit Mitte des letzten Jahrhunderts in Deutschland stark rückläufig. Mit dem Projekt sollen die Lebensräume der alten Heilpflanze im Bayerischen Vogtland und im nördlichen Fichtelgebirge erhalten und die Bestände vermehrt werden. Die Herstellung regionaler Arnikaprodukte aus Wildsammlung sind vorgesehen. Der Erfolg der Maßnahmen wird über ein Monitoring erfasst und dokumentiert.

Projektträger / Beteiligte Das Projekt wird im Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert. Träger ist der Landschaftspflegeverband Hof e.V., als Partner fungiert der Naturhof „Faßmannsreuther Erde e.V.“. Wichtige Beteiligte sind Kommunen, Bewirtschafter und Grundstückseigentümer, der Staatsforst und die Naturschutzbehörden. Wissenschaftlich begleitet und bewertet wird das Projekt vom Institut für Geographie der Universität Bayreuth.

Umsetzung / Projektstand Die offizielle Eröffnung erfolgte im April 2012 durch Landrat Bernd Hering. Bisher wurden Maßnahmen zur Optimierung, Ausweitung und Neuschaffung von Arnika-Lebensräumen durchgeführt. Die Öffentlichkeit wurde über Zeitungsberichte, Internetseite und ein Faltblatt informiert und für die Bedeutung der biologischen Vielfalt sensibilisiert. Ab 2013 wird es einen jährlichen Arnikatag geben.

Bemerkenswertes Die Arnika ist eine von 15 Pflanzen, die als "Verantwortungsarten" nach dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert werden können.

Ansprechpartner Landschaftspflegeverband Landkreis und Stadt Hof e.V. Fotos: R. Saller, P. Gödde

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Abbaustellen im Landkreis Hof Beschreibung / Zielsetzung Steinbrüche, Tongruben und andere Abbaustätten stellen bei ihrer Inbetriebnahme einen Eingriff in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild dar. In Abhängigkeit von Größe, Abbauintensität, Isoliertheit und insbesondere Folgenutzung nach dem Abbau, können sie sich als wertvolle Rückzugsgebiete für bedrohte Tier- und Pflanzenarten entwickeln und als Trittsteine zum Biotopverbund beitragen. Durch Bestandserhebungen soll die Datenlage zur naturschutzfachlichen Bewertung ausgewählter Abbaustellen im nördlichen Landkreis Hof verbessert werden. Darüber hinaus sollen für die Zeit während und nach dem Abbau Hinweise zur Biotopentwicklung abgeleitet werden. Gezielte Maßnahmen wie das Anlegen von dauerhaften Wasserflächen, Gehölzentnahme und Artenhilfsmaßnahmen sind vorgesehen und werden im Einvernehmen mit den Betreibern und Eigentümern durch Öffentlichkeitsarbeit begleitet.

Projektträger / weitere Beteiligte Das Projekt wird von der Regierung von Oberfranken in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde durchgeführt. Weitere Beteiligte sind Abbauunternehmen, Grundstückseigentümer und das Bergamt.

Umsetzung / Projektstand Eine Erfassung der Bodenfauna ist abgeschlossen. Derzeit wird im Rahmen einer Masterarbeit die Amphibien- und Reptilienfauna untersucht. Erste Gespräche mit einem Abbaubetrieb ergaben die grundsätzliche Bereitschaft zur Anlage einer Bruthöhle für den Uhu.

Bemerkenswertes Einige der aufgelassenen Steinbrüche sind als Geschützte Landschaftsbestandteile, Naturdenkmal oder nach der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie geschützt.

Ansprechpartner Regierung von Oberfranken und Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Hof

Fotos: L. Eicke, G. Bergner

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Einrichtung von NaturparkInformationsstellen Beschreibung / Zielsetzung Im Naturpark Frankenwald wurden die bestehenden Infostellen in Blechschmidtenhammer, Steinwiesen und in der Schneidmühle in Stadtsteinach neu gestaltet. Schwerpunktthemen sind die Naturausstattung, Erholungseinrichtungen und Sehenswürdigkeiten des Naturparks. In Planung sind zusätzliche Infopunkte in Markschorgast, Stadtsteinach, Gerlas, Teuschnitz und in der Festung in Kronach. Weitere Infostellen wurden im Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst in Muggendorf und Obertrubach neu errichtet. Im alten Bahnhof von Muggendorf bekommt der Besucher einen Überblick zu den Themenbereichen Heimat & Brauchtum, Ruhen & Genießen und Entspannen, Erholen & Erleben. Vorgestellt werden dabei auch die typischen Lebensräume der Fränkischen Schweiz wie Wacholderheiden, Felsen, Streuobstwiesen und Höhlen. Im Außenbereich soll ein Spielplatz für kleine und große Forscher entstehen. In Obertrubach kann der Besucher alles zum Thema Klettern erfahren.

Projektträger / weitere Beteiligte Projektträger sind der Naturpark Frankenwald und der Markt Wiesenttal. Weitere maßgebliche Beteiligte sind die Gemeinden, Vereine, Fränkische Schweiz-Verein, Landesverband für Höhlen und Karstforschung, Tourismuszentralen, Dampfbahn Fränkische Schweiz e.V., Landschaftspflegeverband Forchheim und die Naturschutzbehörden.

Umsetzung / Projektstand Die Infostellen wurden mit Mitteln des Konjunkturpaketes II gefördert. Die Bildungs- und Gestaltungskonzepte wurden ausgearbeitet und zwischenzeitlich umgesetzt. Sie werden laufend ergänzt und mit aktuellen Themen bestückt.

Ansprechpartner Naturpark Frankenwald e.V. und Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst e.V. Fotos und Grafik: B. Stumpf, D. Förster, J. Bayreuther, impuls-design

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Informationen zu Naturschutzund NATURA 2000-Gebieten in Oberfranken Beschreibung / Zielsetzung In Oberfranken gibt es 94 Naturschutz- und 124 NATURA 2000-Gebiete. Wegen ihrer landschaftlichen Schönheit unterliegen viele dieser Schutzgebiete einem starken Druck durch Erholungssuchende, Hundeausführer, sportliche Aktivitäten etc. Um die Öffentlichkeit über den Wert der Schutzgebiete zu informieren und die Besucher für die besondere Naturausstattung zu sensibilisieren, werden an den "Eingänge" besonders frequentierter Gebiete Infotafeln aufgestellt. Diese enthalten insbesondere auch Hinweise auf Verhaltensregeln in Form von Piktogrammen.

Projektträger / weitere Beteiligte Projektträger ist die Regierung von Oberfranken. Je nach Thema und Örtlichkeit sind beispielsweise die Fledermaus-Koordinationsstelle Nordbayern, die Bayerische Schlösserverwaltung oder das NATURA 2000-Team der Forstverwaltung beteiligt.

Umsetzung / Projektstand Die Gestaltung und Aufstellung der Tafeln erfolgt in enger Abstimmung mit den Naturschutzbehörden, Forstbehörden und den jeweiligen Eigentümern. Bisher wurden mehr als 15 Schutzgebiete mit den neuen Infotafeln ausgestattet. Weitere Infotafeln sind in Planung.

Bemerkenswertes Sämtliche Tafeln werden in einem bayernweit einheitlichen Layout erstellt und haben dadurch einen hohen Wiedererkennungswert.

Ansprechpartner Höhere Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberfranken Foto: H. Friedlein

Biodiversitätsprojekte in Oberfranken

Stand 01/2013

Neubürger (Neobiota) der Tierund Pflanzenwelt in Oberfranken Beschreibung / Zielsetzung Neobiota sind gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten, die ihr Verbreitungsgebiet nicht auf natürlich Weise nach Oberfranken ausgedehnt haben, sondern vom Menschen eingeschleppt oder ausgesetzt wurden. Durch teilweise massive Ausbreitung, Verdrängung heimischer Arten und die Verbreitung von Krankheitserregern stellen sie, nach dem Verlust und der Zerstörung von Lebensräumen, die zweithäufigste Ursache für den Rückgang an biologischer Vielfalt dar. Im Rahmen der Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie soll das Thema für ausgewählte Bevölkerungsgruppen und staatliche Stellen aufbereitet werden. Hierzu werden zielgruppenspezifische Faltblätter erstellt und staatliche Stellen mittels Anschreiben informiert. Das Hauptaugenmark soll dabei weniger auf der Bekämpfung von Neobiota sondern vielmehr auf der Vorsorge liegen.

Projektträger / weitere Beteiligte Träger des Projekts ist die Regierung von Oberfranken. Die Ausarbeitung und Verbreitung der Infomaterialien erfolgt in Zusammenarbeit mit den Interessensverbänden der anzusprechenden Zielgruppen.

Umsetzung / Projektstand Derzeit erfolgt die Ausarbeitung und Abstimmung der ersten Faltblätter. Vorgesehen sind mindestens sechs Faltblätter.

Bemerkenswertes Für 2008 wurden die Kosten für die Bekämpfung von sich stark ausbreitenden gebietsfremden Arten und die Behebung der durch diese Arten entstandenen Schäden, EU-weit auf rund 10 Mrd. Euro geschätzt.

Ansprechpartner Höhere Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberfranken

Fotos: Bildarchiv Landratsamt Wunsiedel, G. Bergner, G. Rossen