Bewertung von Handelsbuchpositionen

Bewertung von Handelsbuchpositionen Dr. Silvio Andrae, Thorsten Gendrisch, Jörg Müller1 erschienen in „Betriebswirtschaftliche Blätter“ Oktober 2012 Z...
Author: Walter Lang
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Bewertung von Handelsbuchpositionen Dr. Silvio Andrae, Thorsten Gendrisch, Jörg Müller1 erschienen in „Betriebswirtschaftliche Blätter“ Oktober 2012 Zusammenfassung von Christoph Weiß1 Die BaFin veröffentlichte am 30. November 2011 ein Rundschreiben, das gemäß CRD III-Änderungsrichtlinie die Bewertung von Handelsbuchpositionen nach § 1a Abs. 8 KWG konkretisiert.2 Hierfür gibt es eine Vielzahl organisatorischer und prozessualer Anforderungen, die bei der Bewertung von Handelsbuchpositionen durch die Institute zu beachten sind. Praktische Erfahrungen zur Umsetzung gibt es bisher kaum. Der Beitrag zeigt anhand einfacher Beispiele, wie vor allem Handelsbuchinstitute die seit 31. Dezember 2011 geltenden aufsichtlichen Vorgaben pragmatisch anwenden können. Der Fokus richtet sich dabei auf die Anforderung der Durchführung einer Bewertungsanpassung. Inhalt Allgemeines .................................................................................................. 1 Fall1: Bewertung einer Aktie ......................................................................... 2 Fall2: Bewertung einer Inhaberschuldverschreibung (IHS)............................. 3 Korrektur des regulatorischen Kernkapitals ................................................... 4 Ausblick ........................................................................................................ 6

Allgemeines Die generelle Anforderung der Einhaltung des Vorsichtsprinzips ist keine wesentliche Neuerung, da sie bereits im § 1a Abs. 8 KWG nachgelesen werden kann. So sind Handelsbuchpositionen täglich mit ihren Marktpreisen zu bewerten. Grundsätzlich soll dabei auf direkte Marktpreise von unabhängigen Quellen zurückgegriffen werden. Erst wenn dies nicht möglich ist, darf auf Modellpreise zurückgegriffen werden, die eine handelsunabhängige Stelle monatlich zu überprüfen hat. Die Frage nach der Qualität dieser Preise wird später bei der Überprüfung und den ggf. notwendigen Anpassungen der Bewertungsgrößen aufgegriffen. Sie ist erforderlich, wenn die Bewertung im Risikomanagement von der handelsrechtlichen Bewertung deutlich abweicht. Das BaFinRundschreiben Nr. 13/2011 enthält eine Liste an Kriterien und Faktoren, die bei der Bewertung mindestens zu berücksichtigen sind. So ist im Institut grundsätzlich zu prüfen, ob beispielsweise für das betreffende Geschäft noch nicht verdiente Zinsmargen, Beendigungsmodalitäten des Geschäfts, operationelle Risiken, Modellrisiken sowie verschiedene Kostenbestandteile (Glattstellungs-, Geldanlage-, Finanzierungs- und künftige Verwaltungskosten) Bewertungsan1

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Dr. Silvio Andrae ist Referent beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin Thorsten Gendrisch ist Geschäftsführer der 1 PLUS i GmbH Jörg Müller ist Referent Gesamtbanksteuerung bei der Taunus Sparkasse in Bad Homburg Christoph Weiß ist Berater der 1 PLUS i GmbH Siehe 1 PLUS i Fachbeitrag „Konkretisierung der Bewertung von Handelsbuchpositionen vom Dezember 2011

passungen nach sich ziehen. Für weniger liquide Produkte gilt es, zusätzliche wertebeeinflussende Faktoren zu beurteilen (z.B. benötigte Zeit zur Absicherung der Position, Einfluss von Geld-Brief-Spannen sowie die aktuelle Marktsituation). Sofern die Bewertungsanpassungen zu eine Minderbewertung gegenüber der GuV führen, so ist diese ab einer Höhe von mindestens 3% des Handelsbuchwertes und mindestens 10 Mio. € der Aufsicht anzuzeigen. Eine Berechnung bzw. Aktualisierung muss monatlich bis zum 15. Geschäftstag des Folgemonats erfolgen. Die BaFin kann daraufhin einen Korrekturposten auf das regulatorische Kernkapital gemäß §10 Abs. 3b Satz 1 KWG festlegen, soweit dies nicht bereits freiwillig durch das Institut erfolgt ist. In nachfolgenden Fallbeispielen handelt es sich um ein nach HGB bilanzierendes Handelsbuchinstitut. Das Volumen des Anlagebuchs beträgt 2 Mrd. €, davon sind 300 Mio. € Liquiditätsreserven. Das Handelsbuch ist mit 100 Mio. € und einem max. Betrag je Einzelposition von 5 Mio. € limitiert. Für das Handelsbuch des behandelten Instituts ist ein diversifizierter Produkte- und Märktekatalog definiert. Einzelne Produkte werden mit Hilfe von Bewertungsmodellen abgebildet, deren Annahmen und Vereinfachungen ein Modellrisiko bedeuten können. Dieses Risiko ist gegebenenfalls vernachlässigbar, wenn es sich um ein relativ einfaches und in der Praxis etabliertes Standardmodell handelt. Daneben gibt es gemäß §340e Abs. 3 HGB einen Bewertungsabschlag in Höhe eines Value-at-Risk (VaR), der in den Jahresabschluss eingeht. Im Folgenden wird dargestellt, welche Überprüfungen bei zwei jeweils unterschiedlichen Geschäften vorzunehmen sind. Fall1: Bewertung einer Aktie Im Fall 1 handelt sich um eine Position in Daimler-Aktien mit einem Volumen von 5 Mio. €. Die Aktienposition wird gemäß dem Rundschreiben auf mögliche wertebeeinflussende Faktoren gemäß den „allgemeinen Standards“ beurteilt. Es wird angenommen, dass es keine institutsspezifischen Risiken gibt (z.B. Risikokonzentrationen). Zudem ist die aktive Handelstätigkeit auf Standardwerte marktbreiter Aktienindizes ausgerichtet. Auch aufgrund der geringen Positionshöhe wird das Geschäft als grundsätzlich liquide eingestuft. Somit ist keine weitere Überprüfung der Anforderungen an weniger liquide Positionen erforderlich. Die Prüfung der Aktienposition ergibt einen niedrigeren Wertansatz im Risikocontrolling. Dieser ist auf geschätzte 1 T€ Glattstellungskosten und 10 T€ Verwaltungskosten (es werden jährlichen Kosten von 250 T€ unterstellt; bei einem Handelsbuchbestand von 30 Mio. € betragen die Kosten 8,3 T€ pro Mio. €; was unter Annahme von einer Haltedauer von 3 Monaten 10T€ ergibt) zurückzuführen. Es wird weiter festgestellt, dass keine Bewertungsunsicherheit für die Position zu erwarten ist, die für einen eventuellen Kapitalabzug wesentlich sein könnte. Bei wesentlichen Änderungen (z.B. Marktstörungen, deutliche Erhöhung der Positionsgröße) bzw. im Rahmen der turnusmäßigen Überprüfung kommt es gegebenenfalls zur Anpassung des Verfahrens. © 1 PLUS i GmbH

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Fall2: Bewertung einer Inhaberschuldverschreibung (IHS) Bei dem Beispielfall handelt es sich um eine Lufthansa-IHS in Höhe von 5 Mio. €, das Emissionsvolumen beträgt insgesamt 750 Mio. €. Das Rating sei derzeit Ba1, die Restlaufzeit beträgt ca. 4 Jahre. Das Handelsmotiv erstreckt sich auf eine kurzfristige Einengung der Bonitätsspreads (bei gleichbleibenden allgemeinen Zinsniveau). Zudem ist die aktuelle Verzinsung mit ca. 2,78% im Vergleich zu anderen Anlagemöglichkeiten mit ähnlichem Rating vergleichsweise attraktiv, was aber nicht das wesentliche Handelsmotiv darstellt. Die Position der Inhaberschuldverschreibung wird ähnlich der Aktie auf mögliche wertebeeinflussende Faktoren analysiert. Dabei werden die Verwaltungskosten Analog der Aktie ermittelt und ergeben 10 T€. Der Faktor der noch nicht verdienten, kreditrisikobezogenen Zinsmargen ist aufgrund der Verbarwertung der Anleihe unter Einbezug der Bonitätsspreads bereits berücksichtigt. Analog zur Aktie ergeben sich die Order- und Abwicklungskosten für eine Glattstellung in Höhe von 1 T€. Hinzu kommt allerdings ein Zuschlag für ein Bewertungsrisiko, das aus der Differenz des Mittelkurses zum Brief Kurs resultiert (die theoretische Bewertung erfolgt auf Basis der Swapkurve (Mittelwert) zzgl. des definierten Bonitätsspreads). Legt man aktuelle, direkt handelbare Kurse zugrunde, so liegt die Geld-Brief-Spanne während des Tages zwischen 0,40% und 0,65%. Zum Vergleich werden über einen Zeitraum von 12 Monaten die (mittlere) GeldBrief-Spanne der Euro-Swapkurve (ca. 2,5 Basispunkte (BP)) und die eines 5jährigen CDS auf das DAX-Unternehmen (11 BP) ermittelt. Mittels modifizierter Duration der IHS von ca. 3,5 Jahren kann eine theoretische Geld-Brief-Spanne zur Absicherung der Anleihe in Höhe von 13,5 BP x 3,5 = 0,47% ermittelt werden. Dies entspricht in etwa der Höhe der aktuell tatsächlich handelbaren Kurse. Die Differenz vom Bewertungskurs (= angenommener Mittelkurs) zum GeldKurs wird daher approximativ mit dem hälftigen Wert der Geld-Brief-Spanne von 0,25% bzw. 12,5 T€ (bezogen auf das Volumen von 5 Mio. €) ermittelt. Um dem Bewertungsrisiko gerecht zu werden, wird regelmäßig bzw. anlassbezogen überprüft, inwieweit der Bonitätsspread noch aktuell ist. Zur Abdeckung der zwischenzeitlich möglichen Volatilität bzw. Veränderung des Bonitätsspreads wird im Beispiel aus der Historie eines 5-jährigen CDS der letzten 12 Monate eine durchschnittliche, absolute Veränderung des CDS-Spreads über 5 Handelstage in Höhe von 11 BP bestimmt. Multipliziert mit einem Present Value of Basis Point (PVBP) der IHS in Höhe von 2 T€ ergibt sich eine Bewertungsunsicherheit von 22 T€. Die IHS wird allerdings nicht per se als hochliquides Instrument eingestuft. Infolge sind zusätzliche Faktoren zu bewerten, wie sie sich für weniger liquide Produkte aus dem Rundschreibens (B.IV.2) ergeben. Auf dieser Basis werden Schätzungen für mögliche Bewertungsanpassungen vorgenommen: • Bei dem gemäß § 340e Abs. 3 HGB durchgeführten VaR-Abschlag wird eine Haltedauer von 10 Handelstagen unterstellt. Zur Überprüfung, ob dieser Glattstellungszeitraum angemessen ist, werden die Umsätze an ausgewählten Börsen ermittelt. Über eine 10-tägige Dauer schwankt das Volumen innerhalb der letzten 12 Monate zwischen 1,5 und 7,5 Millionen Nominal. Zudem sind Kursquotierungen (z.B. über Reuters) mit Volumina zwischen 500.000 und 1 Mio. € feststellbar. Aus Vorsichts© 1 PLUS i GmbH

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gründen wird daher mit Blick auf das Positionsvolumen von 5 Mio. € eine Glattstellungsperiode von 20 Tagen angenommen, zumal es sich bei der Anleihe nicht um die Referenzanleihe des Credit Default Swap (CDS) handelt. Der Value-at-Risk (99%) für die über die letzten 12 Monate beobachtbaren, täglichen absoluten Veränderungen beim CDSSpread beträgt ca. 20 Basispunkte (BP) und ca. 16 BP für die Swapzinsen. Bezogen auf den 10-Tageszeitraum sind das bei Anwendung der „Wurzel-t-Regel“ näherungsweise 114 BP (= 36 BP x Wurzel (10)) bzw. bei 20 Tagen 161 BP (= 36 BP x Wurzel (20)). Da die Wertänderungen innerhalb eines 10-Tages-Zeitraumes bereits im Rechnungswesen berücksichtigt werden, wird in Bezug auf die weitere Bewertungsanpassung die Differenz in Höhe von 47 BP oder 94 T€ (bei 2 T€ PVBP) ermittelt. Teilweise gegenläufige Effekte werden dabei vernachlässigt. Ohne Berücksichtigung von potenziellen Korrelationseffekten wird auf Basis einer Historie von 12 Monaten sowie einem Konfidenzniveau von 95% eine gesamte Ausweitung der Geld-Brief-Spanne auf 21 BP (3 BP für die Swapkurve und 18 BP für den CDS) errechnet. Abzüglich der bei den Glattstellungskosten bereits festgestellten, durchschnittlichen GeldBrief-Spanne in Höhe von 13,5 BP ergibt sich ein potenzieller Bewertungsverlust in Höhe von 4 BP (= hälftige Differenz zwischen 21 BP und 13,5 BP, da bereits mit Mittelkursen bewertet wird) oder 8 T€ (multipliziert mit 2 T€ PVBP). Aufgrund der beiden vorgenannten Faktoren bzw. der Bewertungsanpassungen erscheinen die Aspekte „Verfügbarkeit von Kauf/Verkaufsangeboten“, „Volatilität und Durchschnitt der Handelsvolumina einschließlich Phasen von Marktstress“ und „Ausmaß der Modellbewertung und Auswirkung weiterer Modellrisiken“ hinreichend berücksichtigt zu sein und es werden keine weiteren Abschläge vorgenommen. Auch werden bei der Position keine Marktkonzentrationen und aufgrund des regelmäßigen Handelns mit IHS kein Zeitraum der Handels- oder Hedging-Inaktivität beim Institut gesehen.

Insgesamt ergibt sich für die Inhaberschuldverschreibung eine Bewertungsunsicherheit in Höhe von 147,5 T€ bzw. ca. 2,95% der Position. In Abgrenzung zum Aktienfall kann die betragsmäßige Wesentlichkeit nicht ausgeschlossen werden. Daher ist eine Bewertungsanpassung Risikomanagements vorzunehmen. Korrektur des regulatorischen Kernkapitals Die eventuellen Bewertungsanpassungen innerhalb des Risikomanagements lassen die bilanziellen Wertansätze grundsätzlich unberührt. Liegt jedoch die Bewertung im Risikomanagement nach erfolgter Bewertungsanpassung (gemäß des internen „P&L-Reportings“) niedriger als in der Bilanz bzw. GuV, kann aus diesem Abgleich eine Wirkung auf das regulatorische Kernkapital gemäß § 10 Absatz 3b Satz 1 folgen. Entscheidend ist daher, ob die Bewertungsanpassungen Unsicherheiten widerspiegeln, die noch nicht in der handelsrechtlichen Bewertung einschließlich des sog. „VaR-Abschlages“ gemäß § 340e Abs. 3 HGB enthalten sind (siehe nachfolgende Abbildung).

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Im Fall 2 wird der VaR-Abschlag gemäß § 340e Abs. 3 HGB annahmegemäß auf Basis der historischen Wertänderungen des Instruments ermittelt. Dieses Vorgehen führt ggf. zu einer Unterschätzung des künftigen Marktpreisrisikos, sofern in den historischen Kursen bestimmte „Muster“ wie z.B. eine negative Korrelation zwischen Änderungen von Zins- und Bonitätsspreads enthalten sind. Abweichend hiervon könnten in Zukunft gleichzeitig sowohl unerwartet ungünstige Änderungen der Zinsen als auch der Bonitätsspreads auftreten. Dies wird im Fall 2 bei der Überprüfung der Volatilität und der durchschnittlichen Geld-Brief-Spanne berücksichtigt. Auch die weiteren Faktoren, wie z.B. Orderkosten und künftige Verwaltungskosten oder die Ausweitung der Haltedauer auf 20 Handelstage, sind nicht im handelsrechtlichen VaR-Abschlag berücksichtigt. Somit fallen die Bewertung im Risikocontrolling und im Handelsrecht in Höhe der Bewertungsanpassung von 147,5 T€ auseinander. Auch wenn die aufsichtlichen Grenzen nicht erreicht werden, ist dennoch der generelle Prozess und damit auch die Kalkulation eines potenziellen Abschlags vorzunehmen. Unter Anwendung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes kann dieser Prozess allerdings deutlich schlanker ausgestaltet werden. Hierzu ist in der Praxis eine pragmatische, nachvollziehbare Abschätzung notwendig. Folgendes Vorgehen wäre hier denkbar: • Zunächst werden gemäß Produkte- und Märktekatalog für den Eigenhandel zulässige Assetklassen identifiziert, die eine unwesentliche Bewertungsanpassung verursachen (eine Ableitung könnte sich an der Art und der Anzahl der wertebeeinflussenden Faktoren in Verbindung mit den möglichen Volumina gemäß Handelsbuchstrategie bzw. -limiten ergeben). • Die übrigen Assetklassen wären idealerweise abgestuft nach ihrem Beitrag zu möglichen Bewertungsanpassungen zu analysieren (Analyse der Sensitivität für die wertebeeinflussenden Faktoren je Assetklasse).

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Beginnend mit den Assetklassen der „komplexeren“ Bewertung könnte dann eine plausible Abschätzung des Bewertungsrisikos in Prozent vom Positionswert der Geschäfte ermittelt werden.

Zeichnet sich hierbei eine Annäherung an die aufsichtlichen Schwellenwerte ab, ist eine detaillierte Bewertung vorzunehmen. Ausblick Die Aufsicht plant weitere Regeln für die Positionen des Handelsbuchs. Kurzfristig wird gemäß Entwurf der ab 2013 geltenden EU-Verordnung (CRR) der Anwendungsbereich auf alle nach dem Zeitwert bilanzierte Positionen (Erwä3 gungsgrund 45 CRR-E) ausgedehnt. Dies könnte beispielsweise die Derivatepositionen im Anlagebuch betreffen. Mittelfristig werden die Handelsbuchregelungen grundsätzlich überarbeitet. Hierzu hat der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht ein Konsultationspapier “Fundamental Review of the Trading Book“ im Mai 2012 veröffentlicht. Gegenstand der Konsultation ist unter anderem die Abgrenzung des Handelsbuchs. Auch künftig soll es eine Unterscheidung von Anlage- und Handelsbuch geben. Zwei verschiedene Ansätze stehen zur Diskussion: Ein erster Ansatz orientiert sich weitgehend an der bestehenden Abgrenzung (“trading evidence-based boundary”). Neben der Handelsabsicht wäre danach ein empirischer Nachweis für tatsächliche Handelsaktivitäten zu erbringen. Eine im Vergleich dazu revolutionäre Alternative (“valuation-based approach“) sieht hingegen vor, dass alle zum Zeitwert bilanzierte Finanzinstrumente dem Handelsbuch zugeordnet werden. Damit würden die Rechnungslegungsstandards direkte Auswirkungen auf den Umfang des Handelsbuchs haben. Das BaFin-Rundschreiben zur Bewertung von Handelsbuchpositionen hinterlässt für die Umsetzung eine Vielzahl offener Fragen. Durch die konkretisierten und verschärften Anforderungen entstehen neue prozessuale und organisatorische Anforderungen, die zunächst den handelsunabhängigen Prozess der Bewertung, aber auch der internen Kommunikation betreffen. Besondere Aufmerksamkeit sollte dadurch geweckt werden, dass selbst bei relativ einfach erscheinenden Finanzinstrumenten ohne komplexe Strukturierung eine Bewertungsanpassung möglicherweise notwendig sein kann. Falls die Bewertungsanpassungen in Summe die aufsichtlichen Schwellenwerte überschreiten, müssen aufbau- und ablauforganisatorische Aspekte und zusätzliche regulatorische Restriktionen (z.B. Mindestkapitalanforderungen) beachtet werden. Selbstverständlich werden wir Sie auch weiterhin über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Für Rückfragen stehen wir Ihnen schon jetzt sehr gerne unter ([email protected]) zur Verfügung.

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Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) soll zudem bis Ende 2012 einen technischen Standard vorlegen, der die Anforderungen an die vorsichtige Bewertung spezifiziert.

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