Altersbilder in der Gesellschaft

Altersbilder in der Gesellschaft Themen und Ziele des Sechsten Altenberichts der Bundesregierung 2 Die Mitglieder der Sechsten Altenberichtskommiss...
Author: Marcus Pfaff
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Altersbilder in der Gesellschaft Themen und Ziele des Sechsten Altenberichts der Bundesregierung

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Die Mitglieder der Sechsten Altenberichtskommission Der Sechste Altenbericht beschäftigt sich mit dem Thema »Altersbilder in der Gesellschaft«. Inhaltlich knüpft er an den Vierten wie auch an den Fünften Altenbericht an und führt diese in spezifischer Hinsicht weiter. Während im Vierten Altenbericht (»Hochaltrigkeit unter besonderer Berücksichtigung von Demenz«) die Verletzlichkeit des Alters im Vordergrund stand, wurden im Fünften Altenbericht die Potenziale des Alters thematisiert. Nimmt man die Themen des Vierten und des Fünften Altenberichts zusammen, so wird die Notwendigkeit einer differenzierten Sicht auf das Alter deutlich. Es stellt sich die Frage, ob die gesellschaftlichen Altersbilder eine solche Sicht auf das Alter unterstützen oder einschränken. Die Wirkung kollektiver Deutungen des Alters darf nicht unterschätzt werden: Altersbilder haben Einfluss darauf, inwieweit ältere Menschen ihre Entwicklungspotenziale verwirklichen können und inwieweit es älteren Menschen gelingt, Grenzsituationen zu bewältigen. Es ist deshalb nur folgerichtig, wenn sich ein Altenbericht damit befasst, welche Altersbilder in der Gesellschaft vorhanden sind, wie und wodurch sie sich verändern und wie sie die Verwirklichung von Potenzialen des Alters und die Verarbeitung von Grenzen im Alter fördern oder erschweren.

Das Thema »Altersbilder in der Gesellschaft« berührt Fragestellungen und Erkenntnisse zahlreicher wissenschaftlicher Disziplinen. Aus diesem Grunde wurden Sachverständige aus einer Vielzahl von Bereichen in die Kommission berufen. Der Sechsten Altenberichtskommission gehören an: Prof. Dr. Wolfgang Ber g sdor f, Politik wissenschaf t , Konrad-Adenauer-St if t ung, Sank t August in Prof. Dr. Peter Bor scheid , Sozial - und W ir t schaf t sgeschichte, Philipps-Universität Marburg Prof. Dr. Andr ea Gröppel - Klein , Konsum - und Verhaltensfor schung, Universität des Saarlandes, Saarbr üc ken Prof. Dr. Michael Hüther, W ir t schaf t s wissenschaf t , Inst it ut der deutsc hen Wir tsc haf t Köln Prof. Dr. Thomas Klie, Recht s- und Ver waltungs wissenschaf t , E vangelisc he Hoc hsc hule Freiburg Prof. Dr. Andr eas Kruse, P s ychologie und Gerontologie, Ruprec ht-Karls-Universität Heidelberg Prof. Dr. Gerhar d Naeg ele, Soziale Gerontologie und Sozial politik , Tec hnisc he Universität D or t mund Prof. Dr. Clemens Tesch - Römer, Ps ychologie und Gerontologie, D eutsc hes Zent r um f ür A ltersf ragen, Berlin Prof. Dr. Caja Thimm , Kommunikations- und Medienwissenschaft, Universität Bonn Prof. Dr. Rudolf T ippelt , Pädagogik und Bildungs for schung, Ludw ig-Ma x im ilians-Universität Münc hen Karin P. Vanis , ZDF, Berlin Prof. Dr. Ulla Walter, Gesundheitswissenschaften / Public Health, Medizinisc he Hoc hsc hule Hannover

Prof. Dr. Andreas Kruse

Prof. Dr. Gerhar d Wegner, T heologie, Sozialw issensc haf t lic hes Inst it ut der EK D, Hannover

Vorsitzender der Sachverständigenkommission zur

Prof. Dr. Harm - Peer Zimmermann , Europäische Ethnologie

Erstellung des Sechsten Altenberichts der Bundesregierung

und Kultur wissenschaf t , Philipps-Universität Marburg

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Der Ausgangspunkt des Sechsten Altenberichts Die Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland verändert sich: Wir sind eine alternde Gesellschaft. Daraus ergeben sich Herausforderungen für die Gestaltung von sozialen Sicherungssystemen, für den Wirtschaftsstandort Deutschland und für den Zusammenhalt der Generationen. Wir wissen jedoch, dass diese Herausforderungen bei weitem nicht so bedrohlich sind, wie es von vielen Menschen mit Sorge erwartet wird. Ältere Menschen verfügen heute über wertvolle Potenziale für Wirtschaft und Gesellschaft. Die weitere Entwicklung unserer alternden Gesellschaft wird entscheidend davon abhängen, ob sich diese Potenziale ungehindert entwickeln und entfalten. In diesem Zusammenhang ist den Altersbildern, also den allgemein verbreiteten Meinungen, Überzeugungen und Einstellungen über das Alter und das Älterwerden, besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Welche sozialen Rollen älteren Menschen in einer Gesellschaft offen stehen und was von ihnen in diesen Rollen erwartet wird, hängt nicht zuletzt von den vorherrschenden Altersbildern ab. Altersbilder haben auch Einfluss darauf, was jüngere Menschen für ihr eigenes Alter erwarten und was ältere Menschen sich zutrauen und erreichen wollen. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass aktuelle Altersbilder auf der Wahrnehmung früherer Generationen von älteren Menschen beruhen. Möglicherweise spiegeln sie deshalb die Vielfalt der Lebensformen und die Stärken der älteren Menschen von heute nicht wider und erschweren damit die Entfaltung der Potenziale des Alters.

Untersuchungsauftrag Die Altenberichtskommission hat den Auftrag, die in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen vorherrschenden Altersbilder zu analysieren. Spiegeln sich in den Altersbildern die Potenziale des Alters in angemessener Weise wider? Tragen die Altersbilder der Heterogenität des Alters Rechnung? Wie wirken sich Altersbilder auf die Entwicklung und Nutzung von Stärken und Potenzialen des Alters, auf die Teilhabe älterer Menschen an gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen sowie auf die Beziehungen zwischen den Generationen aus? Es soll aufgezeigt werden, wie sich Altersbilder in der Vergangenheit gewandelt haben und welche Veränderungen für die Zukunft zu erwarten sind. Schließlich sollen Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft abgeleitet werden.

Im März 2010 wird die Sechste Altenberichtskommission ihren Bericht dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend übergeben.

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Anliegen der Kommission Die Kommission möchte mit dem Sechsten Altenbericht nicht nur für Stärken und Potenziale des Alters sensibilisieren. Das Alter konfrontiert auch mit Grenzen, die Teil des menschlichen Lebens sind und als solche akzeptiert und respektiert werden müssen. Eine alternde Gesellschaft muss sicherstellen, dass die besondere Verletzlichkeit des sehr hohen Alters nicht mit einer Abwertung der betroffenen Menschen einhergeht, dass auch in diesen Lebenssituationen soziale Teilhabe ermöglicht und die Würde des Menschen nicht missachtet wird. Damit die mit dem demografischen Wandel einhergehenden Herausforderungen bewältigt werden können, werden ältere Menschen in Zukunft noch stärker als heute Verantwortung für sich selbst und für andere übernehmen müssen. Hierüber möchte die Kommission eine öffentliche Debatte anstoßen. Im Hinblick auf Selbstverantwortung ist zunächst die Gesellschaft in der Pflicht, die Voraussetzungen für eine verantwortliche Lebensführung, für eine angemessene Vorbereitung auf das eigene Alter und für lebenslanges Lernen zu schaffen. Zur Verwirklichung von Mitverantwortung ist ein verbesserter Zugang älterer Menschen zum öffentlichen Raum notwendig. Bei aller Verantwortung der Gesellschaft darf aber nicht übersehen werden, dass die Rechte des einzelnen Menschen mit Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft einhergehen.

Insgesamt sind die heute älteren Menschen im Vergleich zu früheren Generationen gesünder, sie verfügen über einen höheren Bildungsstand und über bessere finanzielle Ressourcen. Nach Auffassung der Kommission leitet sich daraus die Verpflichtung ab, vorhandene Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen. Altersbilder zu reflektieren und zu verändern wird von der Kommission als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden. Die Kommission wird deshalb Handlungsansätze für politische Entscheidungsträger auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene, für Unternehmen, Betriebe und Tarifparteien, Medien, Verbände und Vereine entwickeln. Aber auch junge und alte Menschen selbst sollen durch den Bericht dazu angeregt werden, über ihre Vorstellungen vom Alter und vom Älterwerden nachzudenken.

Herausgeber:

Geschäftsstelle der Sachverständigenkommission zur Erstellung des Sechsten Altenberichts der Bundesregierung Deutsches Zentrum für Altersfragen Manfred-von-Richthofen-Straße 2 12101 Berlin Tel 030 26 07 40 86 Fax 030 785 43 50 Mail [email protected] Die Geschäftsstelle der Sechsten Altenberichtskommission ist angesiedelt am Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA).

Weitere Informationen über den Sechsten Altenbericht der Bundesregierung finden Sie unter www.dza.de. Die Geschäftsstelle der Sechsten Altenberichtskommission wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).