40 GARTENGESTALTUNG Der Garten im

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Der Garten im

40 GA RT E N GESTA LTUNG

Ruinenst il

G A RTE N GE STA LTUN G 41

Ideen für den Gartenteich Texte / Bilder / Illustrationen: Wolfgang Kohlhepp

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ier ist nicht ein zerstörter oder nicht mehr benutzbarer Garten gemeint. Vielmehr handelt es sich um Gartenanlagen, die Elemente von alten abgerissenen Gebäuden oder alten Gartenmauem enthalten. Es können schöne, antike Bruchsteine, Torbögen, oder behauene alte Torpfosten, die als Steinbank oder Sockel Verwendung finden, sein. Bekannt sind unter anderem alte Mühlsteine, die als Springbrunnen oder als dekorativer Gartentisch dienen. Lassen wir einmal unsere Gedanken schweifen. Angenommen wir verbringen einen Tag in einem alten, historischen Ortskern. Es kann auch eine Burg oder ein Kloster sein. Hier sollten wir uns die Umgebung betrachten und uns Gedanken über die alten Gebäude machen, wie und wann sie wohl entstanden sind, welchen Zweck sie im Laufe der Jahre erfüllten und welche Ausstrahlung sie auf den Besucher hatten. Ein alter Ort wird durch die engen Gassen, Innenhofe, dem Marktplatz mit seinen gemütlichen Sitzplatzen erst wertvoll. Denken wir nun etwas weiter an den eigenen Garten und stellen Änderungspläne und Überlegungen an, wie und was man in Form von alten Elementen im eigenen Garten integrieren kann. Dies kann ein altes Straßenpflaster sein, das sich als Bodenbelag für eine stille Sitzecke eignet. Alte Fenster oder Türbögen, sowie abgebaute Bruchsteine, denen man das Alter ansieht, können als Brücke über einen Bachlauf verbaut werden. Für die Gartengestaltung besonders geeignet sind Steine mit abgenutzten Ecken und Kanten. Gartenbesitzer, die sich mit dem Thema Ruinengarten anfreunden, müssen sich im Klaren sein, dass Abbruchmaterial keine Handelsware ist, die zu jeder Zeit, in jeder Menge und in großer Auswahl zur Verfügung steht. Vielmehr ist es etwas für den geduldigen Sammler, der sich im Laufe der Jahre verschiedenes Abbruchmaterial zusammen getragen hat.

Ein Garten muss nicht immer nach modernen Gesichtspunkten gestaltet sein. Er sollte aus altem und antikem Baumaterial, das man sich jahrelang zusammengetragen hat, besonders individuell und persönlich wirken. Vor allem erinnern solche Gärten nicht an einen Baustoffhandel oder Baumarkt. Unsere Gärten wirken oft mit den industriell gefertigten Materialien, wie Betonpflaster, Gittersteine und den verschiedensten Fertigelementen, zu steril. Ein altes abgenutztes Straßenpflaster, mit seiner glatten, abgerundeten Oberfläche, evtl. ist noch jeder Stein verschieden, hat eine besondere Wirkung. Handgehauene Bruchsteine, die lange Jahre als Umfassungswände einer Ville dienten, könnten auch eine neue Funktion im Garten finden.

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Wie kommt man an Baumaterial? In erster Linie bei Abbruch- oder Baufirmen. Dort kann man erfahren, wo und wann ein altes Gebäude abgerissen wird. Oft besteht die Möglichkeit, die alten Geböude nochmals im Urzustand zu betrachten und sich verschiedene Teile zu organisieren. Wie soil ein Ruinengarten aussehen? Grundsätzlich sollte man mit den einzelnen Elementen sparsam umgehen. Eine Überfrachtung von Mauern, Pfeilern, Brücken und sonstigen Gegenstanden würde Unruhe in den Garten bringen. Hier gilt folgender Grundsatz: Die Kunst der Gestaltung liegt im Weglassen und Zurückhalten von Gegenständen. Alte Bauteile sollten als reine Dekoration dienen, wie z.B. ein kunstvoll behauener Torpfosten, den man frei isoliert ins Grüne platzieren sollte. Manche Gegenstände haben allerdings eine Funktion. Mauersteine oder Stützmauern lassen sich z.B. gut als Abgrenzungen einsetzen. Der Umweltgedanke Nicht alles an Abbruchhäusern ist wertlos. Es gibt viele Dinge die eine Renaissance in unseren Gärten erleben, vielleicht sogar für mehrer Generationen. Ein 80 Jahre altes Granitpflaster, das einem modernen Straßenbelag weichen musste, eignet sich hervorragend für einen rustikalen Terrassenbelag. Es können auch alte Fundamentsteine einer abgerissenen Villa als Umrandung für einen Gartenteich Verwendung finden. Planung Eine Planung, wie man sie mit handelsüblichen Materialien durchführt, ist hier nicht möglich. Es kann nur Verwendung finden, was man im Laufe der Jahre zusammengetragen hat. So stehen bestimmte Steinformate nicht in unbegrenzter Menge zur Verfügung, wie man es von normaler Handelsware gewohnt ist. Vielmehr ist es ein Puzzle-Spiel, wie man die einzelnen Steinelemente platziert, damit es ein schönes Gesamtbild ergibt.

Aus Buntsandstein geschlagene Wasserbehälter sind sehr dekorativ und können im Sommer mit einer Wasserpflanze bestückt werden, die Vögel, Schmetterlinge und Libellen anzieht. Im Winter müssen Steinbecken geleert werden, damit sie nicht auffrieren.

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Alte Mauersteine sind häufig bei einschlägigen Abbruchfirmen zu finden. Sie können als Sitz- und Umfassungsmauern am Teich oder der Terrasse verwendet werden. Ein Vorschlag wäre einmal einen modemen Garten mit alten Bausteinen zu verschönern. Mit etwas Fantasie könnte ein besonders wirkungsvoller Garten entstehen.

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Altes unregelmäßiges Plattenpflaster mit unterschiedlicher Fugenbetonung hat eine besondere Wirkung auf den Bewohner. Es entsteht der Eindruck, als wäre das Pflaster schon immer da. Typische Altersmerkmale sind die wild bewachsenen Fugen und das unregelmäßige Maß der einzelnen Steine.

Säulenruine im Schlosspark von Veitshochheim. Schon in früheren Jahren wurden diese Säulen als Dekoration im Park aufgebaut. Man hatte schon damals Sinn für altes Baumaterial, das in der Umgebung von zerfallenen Gebäuden zusammengetragen wurde.(Siehe auch Seite 40)

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Begrünte Fugen sind besonders interessant. Vor allem wenn man bei der Begrünung etwa nachhilft, in dem man Kräuter oder blühende Pflanzen einsät. Zufällig aufkommender Wildwuchs ist nicht erwünscht und sollte entfernt werden.

Die Verlegetechnik für begrünte Plattenbeläge. Als Unterbau dient ein mindestens 30 cm starker auf gewachsenem Boden üblicher Schotter- und Splittuntergrund. Die Fugen werden großzügig bemessen, mit lockerer Pflanzerde verfüllt und anschließend bepflanzt. Findlinge und kantige Fluss-Steine passen zu alten Gartenanlagen und eignen sich als Schrittplatten oder kleine Zierflächen. Gartentreppen, bestehend aus wieder verwendeten Mauersteinen, wirken besonders dekorativ und lassen sich auch als Stellflächen oder Sitzgelegenheiten nutzen. Als Hauseingangtreppen sind sie weniger geeignet, da sie unregelmäßig und für den Benutzer nicht trittsicher sind.

Links oben: Ein romantischer Teich im Schatten von schönen Baumgruppen. Links: Schöne abgenutzte Abdeckplatten und Treppenstufen charakteristisch für alt wirkende Teiche.

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Bruchsteinplatten, bestehend aus Sandstein, Schiefer oder sonstigem Naturmaterial, lassen sich in einem Ruinengarten gut integrieren. Rechteckige Schiefersteine als Terrassenbelag bilden durch ihre dunkle Farbe einen besonderen Effekt zu frischen Grünpflanzen. Kopfsteinpflaster mit abgenutzter Oberfläche ist ein begehrtes Material für Wege und Terrassenflächen. Rechteckige oder quadratische Sandsteinplatten mit strukturierter Oberfläche sind ein beliebtes Terrassenmaterial, welches in der Pflege einfacher ist als ein feines Pflastermaterial.

Ein besonders schönes Exemplar eine Barock-Steinbank. Derartige Gegenstände sind schwierig zu finden. Fündig wird man vielleicht bei Antiquitätenhändlern, die sich auf alte Gartengegenstände spezialisiert haben.

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Bruchsteinmauem mit wildem Bewuchs eignen sich hervorragend für Grundwasserteich-Einfassungen. Für Folien oder Fiberglasteiche ist diese Ausführung nur mit großem Aufwand ausführbar, da die Abdichtung zwischen Mauerwerk und Erdreich ausgeführt werden muss.

Abmauerungen, Einfassungen und Teichumrandungen passen auch gut zu einem modemen Wohnhaus.

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Einfassungen und Brücken bestehen aus alten Bruchsteinen. Für ein solches Bauvorhaben gehört schon etwas Finderglück dazu. Anhand dieser fünf Beispiele stellt man fest, dass nicht nur rechteckiges Steinmaterial zum Einsatz kommen kann. Hier braucht man auch keilförmige, konische und gerundete Steine, um eine wirkungsvolle Teichumfassung herzustellen. Für eine Bogenbrücke sind keilförmige Steine vorteilhaft. Für einen Steg kann ein alter Torpfosten verwendet werden.

Alter Baumbestand und altes Gemäuer. Ideal für einen Ruinengarten sind alte Schatten werfende Bäume. Allerdings sind hierfür große Gärten oder parkähnliche Anlagen Voraussetzung.

Links: Badestelle an einem romantischen Teich im Park. Einfassung und Abdeckplatten sind so ausgeführt, dass sie als bequeme Sitzgelegenheit genutzt werden können.

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Typisches Baumaterial für den Ruinengarten (von l.o. nach r.u.). • Torpfosten geeignet als Sitzbank oder kleine Brücke • Torpfosten Seitenstütze kann als Tischfuß verwendet werden. • Antiker Grenzstein als Dekor in flachen Blumenbeeten verwendbar. • Fenstergewand von einem Giebelfenster, oft auch oval, als Pflanzeneinfassung recht interessant. • Rundsäulenelemente, in verschiedenen Abmessungen, können als Pflanzkübelpodeste zum Einsatz kommen. • Schwere Mauersteine aus einem Gebäudeabbruch können im Garten universell einsetzt werden, wie z.B. bei Teichumfassungen, kleinen Gartenmauem oder auch als Trittsteine für Flachwasserzonen. • Ein sehr begehrtes Objekt ist ein alter in Stein gehauener Futtertrog, der als Schöpfbecken umfunktioniert werden könnte.

Ein Garten nach dem Vorbild alter Ruinen mit romantischem Flair ist etwas besonderes, das nicht im Handel erhältlich ist. Um solch eine Anlage herstellen zu können, muss man ein Sammlertyp sein, der Geduld und Zeit hat und sich mit Herz der Sache hingibt. Es werden Jahre vergehen, bis sich eine Teichanlage mit alten Baum- und Strauchbewuchs entwickelt. Schöne Steine sind Sammlerstücke, die man nur zufällig findet. Machen sie sich zur Gewohnheit zügig an der Gestaltung ihres Gartens zu arbeiten, denn schöne Gärten sind Kunstwerke, die nie fertig werden.

Links oben: Mühlsteine sind Klassiker unter den Gartensteinen. Gerne werden sie als Sprudelsteine oder Gartentischplatten genutzt. Links: Steinbrücken. Mit etwas handwerklichem Geschick wird man kleine Bogenbrücken über seinen Gartenteich oder Bachlauf selbst herstellen können.

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