1.Mose 3, Warum die Welt so ist, wie sie ist

1.Mose 3,1-24 10.06.2012 Warum die Welt so ist, wie sie ist Warum ist die Welt, so wie sie ist? Ich weiß nicht, wie es ihnen mit den Nachrichten der...
Author: Karola Koenig
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1.Mose 3,1-24

10.06.2012 Warum die Welt so ist, wie sie ist

Warum ist die Welt, so wie sie ist? Ich weiß nicht, wie es ihnen mit den Nachrichten der letzten Wochen geht, aber mich regen die Meldungen aus Syrien furchtbar auf. Wieder einmal schaut die Weltgemeinschaft zu, wie ein Diktator sein Volk abschlachtet. Da geht einer über Leichen, nur um an der Macht zu bleiben. Was geht in so einem Kopf vor? Warum kleben Menschen so an der Macht? Aber abgesehen von den furchtbaren Gräueltaten der letzten Tage, regt mich eine Sache noch viel mehr auf. Russland und China blockieren Sanktionen gegen Syrien. Das ist eigentlich ein Skandal, den wir hier beobachten müssen. Russland und China lassen einen verbohrten Diktator weiter seine Landsleute niedermetzeln. Warum? Weil bei ihnen die Menschenrechte auch nicht viel wert sind. Mit einer Verurteilung des syrischen Regimes, würden sie sich letztlich selbst angreifbar machen. Dann lasst man das Böse lieber gewähren, um die eigenen Haut zu schonen. Mich regt das auf! Warum können Menschen so sein? Warum ist die Welt so, wie sie ist? Ich möchte diese Frage einmal vom Ursprung von der Urgeschichte her angehen. Die Urgeschichten in der Bibel wollen die grundsätzlichen Fragen des Lebens erklären. Z.B. die Frage, woher alles kommt und warum wir so sind wie wir sind. Denn die Welt, das sind wir. Und in der Urgeschichte geht es um uns Menschen. Es ist die Geschichte von Adam und Eva im Paradies, von der Schlange, von dem Baum der kein Apfelbaum war und natürlich die Geschichte von Gott und den Menschen. Die Urgeschichte will Fragen nach dem Warum beantworten. Es bleiben aber auch Fragen offen. Die Geschichten auf den ersten Seiten der Bibel sind ein Meisterwerk der Erzählkunst. Und sie sind von Gottes Geist inspiriert und durchweht. Der Erzähler erklärt und er verschweigt. Und beides, das Erklären und Verschweigen geschieht in einer schlichten und doch tiefgehenden Art und Weise. Wir müssen mit Respekt und Achtung an dieses Wort Gottes herangehen. D.h. die Dinge, die dort geschildert werden, sind zu akzeptieren, so wie sie sind. Diese Geschichte kann man nicht als unbeteiligter Zuschauer aus sicherer Distanz zur Kenntnis nehmen. Denn diese Geschichte erzählt von uns Adam ist ja nicht eine Gestalt aus grauer Vorzeit, die uns nichts anginge. Adam ist ein Typ. Adam, das ist der Mensch schlechthin. Adam - ein Mensch, wie du und ich. Denn Adam heißt: der Mensch, und Eva: das Leben. In dieser Geschichte geht es nicht um einen Menschen, der Adam hieß und der mit seiner Frau Eva in einem Garten lebte. Es ist die Rede von uns. Die Urgeschichte erzählt unsere eigene Geschichte. Und damit komme ich zu uns. Denn das, was wir auf der großen Bühne der Weltpolitik beobachten können, das spielt sich im Prinzip im Kleinen genau so ab. Wenn es um den eigenen Vorteil geht, werden wir hartnäckig. Und manchmal sind uns viele Mittel recht. Wenn wir fragen, „Warum ist die Welt so wie sie ist?“, dann müssen wir uns mit einbeziehen: „Warum bin ich so, wie ich bin?“ Die Urgeschichte will uns einen Spiegel vorhalten, wir sollen uns darin selbst entdecken. Die Geschichte beginnt sehr schön. Gott schafft für seine Kreaturen und für die Menschen ein Paradies. Paradies ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem Schlaraffenland. Das Paradies war ein Garten, er wurde für den Menschen als Lebensraum geschaffen. Der Mensch bekam den Auftrag, diesen Garten zu bebauen und zu bewahren. Arbeit gab es also auch schon im Paradies und auch den Sonntag. In diesem Garten gab es einen Baum, von dem sollten die Menschen nicht essen. Wir neigen dazu, uns immer gleich auf das Verbot zu stürzen. Aber sehen wir es mal ganz nüchtern. Zunächst gab es einmal die große Auswahl, ein überfließendes Angebot: Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten. Die Geschichte beginnt mit Fürsorge und Überfluss. Gott verwöhnt seine Menschen. Er bietet Vielfalt, eine unendliche Auswahl. Gott wollte, dass die Menschen aus dieser Fülle reichlich genießen können. Aber er setzt den Menschen auch Grenzen. Nur ein Baum von Tausenden oder Zehntausenden! Das Gebot, die Grenze war nicht erdrückend, angesichts der Fülle von Möglichkeiten. Aber es gab da eine Grenze, die zu akzeptieren war. 1

Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben. Diese Grenze darf nicht als Einengung interpretiert werden. Sie ist vielmehr als Schutz zu verstehen, so wie die Gebote auch als Schutz gedacht sind. Das Erkennen von gut und böse ist nicht moralisch gemeint. Sie wussten ja, dass es nicht gut ist, davon zu essen. Der Mensch hatte bereits die Ahnung, ja das Wissen, es ist böse, wenn wir uns Gottes Anordnung widersetzen. Gut bedeutet: förderlich, wertvoll, angenehm. Böse steht für schädlich, unheilvoll. Die Grenze, die Gott hier zieht, markiert also einen Bereich, der schädlich für den Menschen ist. Wird diese Grenze überschritten, so wird sich das schädlich auswirken. Vielleicht kann man es so beschreiben: Die Erkenntnis von gut und böse versetzte den Menschen in die Lage, in Bereiche vorzudringen, denen er nicht mehr gewachsen ist. Er muss dann selbst entscheiden, ob eine Sache gut und förderlich ist, oder ob sie schädlich ist. Doch damit sind wir häufig überfordert. Nehmen wir z.B. die Gentechnik. Wir sind hier in unvorstellbare Bereiche vorgedrungen. Aber wir wissen nicht, wie sich Veränderungen an den Genen langfristig auswirken werden. Erschreckend ist vor allem die Tragweite. Wir können vieles davon nicht mehr rückgängig machen. Was für eine hohe Verantwortung! Was für eine Last liegt auf denen, die die Entscheidungen treffen? Gott wollte den Menschen schützen, ja entlasten vor diesen schweren Entscheidungen. Gott wollte, dass der Mensch in einer Art kindlicher Unbefangenheit den Garten bebaut und gestaltet und vertrauensvoll auf seine Anweisungen achtet. Man könnte dieser Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden, einer kindliche Unbefangenheit gegenüber stellen. Gott bietet seinen Menschen eine völlige Geborgenheit, eine rundum Sorglosigkeit. Der Mensch kann sich total bei Gott geborgen fühlen, wenn er sich an sein Gebot hält. Es geht hier bei dieser Grenze also um die Möglichkeit, sich entweder kindlich Gott anzuvertrauen, oder selbst Verantwortung zu übernehmen, selbst zu entscheiden, was förderlich ist und was schädlich ist. Die Geschichte der Menschheit hat gezeigt, dass wir damit überfordert sind. Die Welt ist so wie sie ist, weil wir eine Grenze überschritten haben. Und weil die die Grenzen der göttlichen Ordnung immer wieder überschreiten. Wenn wir die Grenzen überschreiten, die Gott uns in seinen Geboten gegeben hat, dann richten wir unheilvollen Schaden an. Wir fügen anderen Schaden zu und wir schaden uns selbst. Dabei muss man uns nicht einmal unterstellen, dass wir abgrundtief böswillig sind, oft meinen wir es ja gut und machen es doch schlecht. Wir sind schlicht überfordert, wenn wir Gottes Grenzen überschreiten. Wir meinen, wie könnten selbst entscheiden, was hilfreich ist und was schädlich ist. Kapitel 3 im 1. Buch Mose beschreibt nun exemplarisch, wie der Mensch sich aus der Fürsorge Gottes herauslöst, wie er gegen Gottes Gebot entscheidet und damit eine heilsame Grenze überschritten hat. 1 Die Schlange war listiger als alle anderen Tiere, die Gott, der Herr, gemacht hatte. „Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem Baum die Früchte essen dürft?“ fragte sie die Frau. 2 „Natürlich dürfen wir“, antwortete die Frau, 3 „nur von dem Baum in der Mitte des Gartens nicht. Gott hat gesagt: 'Esst nicht von seinen Früchten, ja - berührt sie nicht einmal, sonst müsst ihr sterben!'“ 4 „Unsinn! Ihr werdet nicht sterben“, widersprach die Schlange, 5 „aber Gott weiß: Wenn ihr davon esst, werden eure Augen geöffnet - ihr werdet sein wie Gott und wissen, was Gut und Böse ist.“ 6 Die Frau schaute den Baum an. Er sah schön aus! Seine Früchte wirkten verlockend, und klug würde sie davon werden! Sie pflückte eine Frucht, biss hinein und reichte sie ihrem Mann, und auch er aß davon. Plötzlich war die Schlange da. Woher kam dieses unheimliche Wesen? Wie kann in einer perfekten Schöpfung plötzlich das Böse auftauchen? Der Erzähler sagt uns nicht, woher die Schlange kam. Es ist uns verwehrt, nach dem Ursprung des Bösen zu fragen. Zwei Dinge werden nur ange2

deutet: Die Schlange war ein Geschöpf Gottes. Und das Böse hat personenhafte Züge. Das Böse kommt demnach aus dem Bereich der Schöpfung, es ist keine gottgleiche Macht. Und das Böse ist eine persönliche Macht, die taktisch klug vorgehen kann. Mehr wird nicht angedeutet! Denn je mehr wir über die Schlange spekulieren, desto mehr neigen wir dazu, die Schlage verantwortlich zu machen. Der Einzige, der sich nachher vor Gott verantworten muss ist der Mensch, nicht die Schlange! Die Schlange wird nicht gefragt: „Warum hast du das getan?“ Wir verstehen es Stunden, ja Nächte darüber zu diskutieren, wie das Böse in die Welt kam und warum Gott das zugelassen hatte. Aber wir halten nur wenige Sekunden aus, wenn Gott uns fragt: “Warum hast du das getan?“ Das offenbart eigentlich schon unsere feige hinterhältige Art, dass wir uns der Verantwortung entziehen wollen. Aber wir sind voll verantwortlich für unser Tun. Wären wir immun gegen die Versuchung, dann wären wir wie die Tiere. Wir könnten gar nicht anders, als Gott gehorchen. Wir wären kein Ebenbild Gottes, sondern dumpfe, fremdgesteuerte Lebewesen, die aufrecht gehen können. Dass wir versuchlich sind ist kein Manko, sondern als eine Würde von Gott, aber auch eine Bürde. Versuchlichkeit ist die Freiheit, dass sich das Geschöpf gegen seinen Schöpfer wenden kann. Das ist das Risiko Gottes. Gott hat es riskiert, weil er ein Gegenüber und keine Marionette wollte. Der Mensch ist also der Versuchung ausgesetzt und doch entschuldigt das nicht, dass er sich gegen Gottes Gebote auflehnt. Denn, die Schlange hat den Menschen nicht aufgefordert, vom verbotenen Baum zu essen. Der Satan ist ja nicht so plump, dass er sich vorstellt und sagt: „Hallo, ich bin der Satan und ich befehle dir jetzt, Böses zu tun!“ So einfach ist das nicht! Die Entscheidung, dass wir uns Gottes Geboten widersetzen, treffen wir immer selbst. Diese Geschichte zeigt, dass wir weder massiv bedrängt noch zu etwas überredet werden. Zu sagen, „Das Böse hat mich einfach überwunden, ich konnte gar nicht mehr anders!“ damit machen wir es uns zu leicht. Die Strategie der Schlange ist, dass sie eine Diskussion eröffnet, „sollte Gott gesagt haben?“ und dass sich der Mensch auf diese Diskussion einlässt. Es fehlt jetzt die Zeit, die einzelnen Schachzüge der Schlange zu analysieren und auf uns zu übertragen. Eines wird jedenfalls deutlich, die Schlange spielt besser Schach als wir. Wir sind ihr nicht gewachsen Das Beste wäre, einfach nicht mitzuspielen. In dem Augenblick, als die Frau den Eröffnungszug der Schlange erwidert hatte, war das Spiel eigentlich schon entschieden. – Verloren! Geschickt wird eine offensichtliche Tatsache verdreht. Die Schlange gibt nur den Anreiz über Gott und seine Verbote nachzudenken. Die Entscheidung, ob ich diesen Geboten gehorchen will, treffe ich nicht die Schlange Gehorche ich Gottes Anweisungen? Vertraue ich darauf, dass es Gott gut meint mit seinen Geboten? Oder entscheide ich besser selbst was gut und richtig für mich ist? Die Schlange hat nur die Überlegung in uns angefacht. Auf einmal sind sie wieder allein mit ihren Fragen, die sich vorher überhaupt nicht gestellt haben. Indem die Frau den Baum anschaut und darüber nachdenkt, kommt sie zu dem einleuchtenden Schluss: Es ist wohl besser, wenn wir selbst entscheiden, was für uns gut ist. Und überhaupt, es ist doch entwürdigend, wenn wir uns von Gott Vorschriften machen lassen müssen. Damit kann jedes Gebot Gottes ausgehebelt werden. Ich will selbst entscheiden und ich weiß selbst was richtig ist. Damit kann ich alle Gebote relativieren. Z.B. du sollst nicht töten. Dann entscheidet der Mensch, wann ein Leben lebenswert ist und wann wir es vernichten können. Dabei ist es doch völlig unerheblich, wo sich dieses Leben befindet, im Reagenzglas oder im Mutterleib. Es ist ernüchternd, wenn wir lesen, dass der Deutsche Ethikrat in der Frage in der Präimplantationsdiagnostik drei Meinungen hatte. Der Mensch ist überfordert zwischen gut und böse, zwischen heilsam und unheilsam zu entscheiden. Es wäre so einfach, Gottes Gebot zu gehorchen. Sehen wir uns an, was daraus wird Wenn wir nicht gehorchen: 7 Plötzlich gingen beiden die Augen auf, und ihnen wurde bewusst, dass sie nackt waren. Hastig flochten sie Feigenblätter zusammen und machten sich einen Lendenschurz. 8 Am Abend, als ein frischer Wind aufkam, hörten sie, wie Gott, der Herr, im Garten umherging. Ängstlich versteckten sie sich vor ihm hinter den Bäumen. 9 Aber Gott rief: «Adam, wo bist du?» 10 Adam antwortete: «Ich hörte dich im Garten und hatte Angst, weil ich nackt bin. Darum habe ich mich versteckt.» 3

11 «Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?» fragte Gott. «Hast du etwa von den verbotenen Früchten gegessen?» 12 «Ja», gestand Adam, «aber die Frau, die du mir gegeben hast, reichte mir eine Frucht deswegen habe ich davon gegessen!» 13 «Warum hast du das getan?» wandte der Herr sich an die Frau. «Die Schlange hat mich dazu verführt!» verteidigte sie sich. Plötzlich gehen ihnen die Augen auf und sie erkennen, was sie angerichtet haben. Es ist bezeichnet, dass Gott sie nicht einmal darauf stoßen muss. Sie merken selbst, dass hier etwas ganz dumm gelaufen ist. Der Erzähler beschreibt hier ganz schlicht mit einem einfachen Bild einen äußerst komplizierten und mehrdimensionalen Sachverhalt in unserer Welt. Ihnen wurde bewusst, dass sie nackt waren. Was für eine tiefe Aussage! Der Erzähler bezeichnet damit eine schwerwiegende und tiefgreifende Störung. Plötzlich ist es vorbei, dass man sich völlig angstfrei und unbekümmert begegnet. Denn da wo wir uns nackt zeigen, braucht es einen geschützten und vertrauten Raum. Wir haben diesen sicheren Raum verloren. Uns beherrscht die Angst, nackt zu sein. Hastig machten sie sich einen Lendenschurz aus Feigenblättern. Solange sie Gott und seinem Wort vertraut hatten solange konnten sie in einer kindlichen Unbekümmertheit den Garten genießen. Sie fühlten sich geborgen und sicher, hatten absolutes Vertrauen zueinander und zu Gott. Ab jetzt bestimmt die Angst ihr ganzes Verhalten. Psychologen haben es sehr deutlich herausgearbeitet. Sie sagen, hinter all unseren Motiven steckt letztlich Angst. Alles, was wir tun, wird von Angst bestimmt. Ich bemühe mich, eine gute Predigt abzuliefern, weil ich Angst habe, Angst, schlecht dazustehen. Das ist auch eine Art von Nacktsein. Wie stehe ich dann da? Wir haben Angst, Fehler zu machen und zu versagen. Leistung und Perfektion wirken wie Feigenblätter. Wir können uns nicht mehr einfach so geben, wie wir sind, weil das Grundvertrauen verloren gegangen ist, jene kindliche Unbekümmertheit. Kinder können nackt in der Sonne spielen. Wer von uns würde sich das noch trauen? Das ist ein Zeichen für unsere innere Verfassung. Wer den liebevollen Schutzraum Gottes verlässt und selbst für sich sorgen will, der hat damit auch die Geborgenheit und innere Sicherheit verloren. Es gibt viele Spielarten, wie wir uns Feigenblätter machen. Alle haben letztlich das gleiche Motiv: Wir wollen nicht entblößt sein, sondern etwas darstellen. In einer Talkshow hatte ein Wirtschaftswissenschafter auf einen interessanten Zusammenhang hingewiesen. Es ging um die maßlose Gier der Banker mit ihren völlig überhöhten Bonuszahlungen. Der Wirtschaftswissenschaftler erklärte, das Problem, bzw. dieser Hype um diese Boni ging eigentlich erst richtig los, als die Gehälter der Top-Manager veröffentlich wurden. Das war, glaube ich- ab 2002. Vorher wussten die Bänker untereinander gar nicht, was sie verdienen. Aber als auf einmal die Unterschiede deutlich wurden, nämlich ob einer nur zwei Millionen oder fünf Millionen verdient, da fing die Gier nach immer höheren Gehältern an. Es sollte eigentlich unerheblich sein, ob jemand zwei Millionen oder fünf Millionen im Jahr verdient. Man kann mit beiden Gehältern einigermaßen über die Runden kommen. Dieser Wirtschaftswissenschaftler machte aber auf einen wichtigen Sachverhalt aufmerksam. Es ging letztlich nicht mehr um die Höhe der Gehälter, sondern ob da einer ist, der noch mehr verdient. Das tiefe Motiv hinter der Gier ist letztlich Stolz, Eitelkeit, mehr sein zu wollen, als der Konkurrent. Feigenblätter. Wie stehe ich denn da mit meinen zwei Millionen, wenn er andere fünf bekommt! Wer seinen Wert nur von der Höhe des Gehaltes oder von Statussymbolen abhängig machen kann, der wird immer Angst haben, bloß, wertlos, nackt dazustehen. Wer Macht braucht, um sich zu bestätigen, der wird seine Macht mit allen Mittel verteidigen. Die Alternative ist, sich Gott kindlich hinzugeben und ihm zu vertrauen, Vertrauen, dass er mir alles gibt, was ich nötig habe. Bei Gott bin ich geliebt und wertvoll, so wie ich bin, nackt, netto, ohne Leistung. Wir könnten jetzt noch die weiteren Folgen betrachten. Auch sie erklären so manches warum die Welt so ist, wie sie ist. Der Mensch muss die Konsequenzen seiner Entscheidung tragen. Er stand vor der Entscheidung, Gott gehorchen und seinem guten Gebot unterordnen. Die Folge wäre ein paradiesisches Leben. Wir müssten zwar auch arbeiten, aber die Arbeit und das Leben wäre von einer Leichtigkeit geprägt, die wir uns gar nicht mehr vorstellen können. Das Leben wäre nicht vom Tod begrenzt. Wir hätten vom Baum des Lebens essen können. D.h. der Mensch war nicht von 4

Anfang an unsterblich. Aber Gott hatte eine Möglichkeit vorgesehen, dass der Mensch nicht sterben muss. Nun haben wir uns dafür entschieden, dass wir Gottes Geboten nicht gehorchen wollen und unserer eigener Herr sein wollen. Mit dieser Entscheidung wird das Leben zur Last. Wir tragen die Last, selbst entscheiden zu müssen, was richtig und falsch ist. Das Leben wird zur Last. Das größte, was ein Mensch erleben kann, die Geburt eines Kindes, wird zur Qual. Die intime Zweisamkeit in der Ehe bekommt ein Gefälle. Abhängigkeit und Herrschen. Das produktive Schaffen, eigentlich eine Erfüllung, wird mühsam und vergeblich. Und schließlich ist das ganze Leben überschattet von dem Bewusstsein, dass wir sterben müssen. Das sind die Folgen des Ungehorsams gegen Gottes Gebot. Der Mensch hat das Paradies verloren und muss nun ohne Gott den Kampf ums Dasein kämpfen. Das alles wäre ein eigenes Thema. Ich möchte mit einer positiven Beobachtung abschließen. Gott rief: „Adam, wo bist du?“ Ist ihnen aufgefallen, dass sich Gott hier ganz dumm stellt? Er verhält sich zumindest äußerst merkwürdig. Gott weiß, wo sich Adam und Eva versteckt haben, denn Gott ist allwissend. Trotzdem fragt er: „Wo bist du?“ Gott wusste längst, was sie getan hatten. Trotzdem fragte er nach: „Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von den verbotenen Früchten gegessen?“ Für mich ist das ein starkes Zeichen, dass Gott seine Menschen sucht und ihnen nachgeht. Gott hätte mit Blitz und Donner über sie herfallen können, sofort in dem Moment, als sie von dem Baum gegessen hatten. Sie hätten sofort tot umfallen können. Aber Gott ruft: Adam, wo bist du? Gott sucht den verloren gegangen Menschen. Er möchte ihn wieder ganz bei sich haben. Es soll wieder so unbekümmert werden wie am Anfang. Von 1. Mose 3 an bis in Neue Testament können wir beobachten, wie Gott den Menschen nachgeht und sie sucht. Die Bibel ist eine einzigartige große Geschichte von Gott, der seinen Menschen nachgeht und sie sucht. Zuletzt schickte Gott seinen Sohn, um uns zu suchen und wieder heimzuholen. Jesus erzählte einmal die Geschichte von einem Schaf, das verloren ging. Das ist die Geschichte der Menschheit. Der Mensch ist verloren gegangen, weil er sich aus dem Schutzraum Gottes entfernt hat. Er wollte unabhängig, eigenständig sein. Dabei hat er Gott verloren. In der Regel wollen wir uns das nicht eingestehen, dass wir Gott verloren haben. Aber im Grunde geht es uns so, wie es einmal der alte Augustinus gesagt hat: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Gott.“ Gott sucht die unruhigen Herzen, die auf der Suche nach Macht, Erfolg, Wohlstand, nicht zur Ruhe kommen. Denn nur bei Gott gibt es diese unbekümmerte Geborgenheit und den Frieden, den wir uns selbst nicht machen können. Im Johannesevangelium, Kapitel 3,16 hat uns Jesus den Weg gezeigt, wie verlorene Menschen zu Gott finden können: Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch seinen Sohn zu retten. Wer an Jesus glaubt findet wieder zu Gott. Und wer umkehrt und glaubt, hat jetzt schon Anteil am ewigen Leben. Das ewige Leben beginnt nicht erst am Ende der Zeit, sondern jetzt schon. Wer zu Gott umkehrt und an Jesus glaubt, der kann jetzt schon ansatzweise diese Geborgenheit und kindliche Unbekümmertheit erfahren, die es damals im Paradies gab. Nicht von ungefähr heißt es auch im Johannesevangelium: (1,12) Denen aber, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. Wir können wieder Kinder werden. Amen. Reinhard Reitenspieß

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