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Dipl.-Ing. Gerda Pfahl Schwierigkeiten bei der Agrarwende/ Ernährungswende mit der Umsetzung des sog. „magischen Sechsecks“ am Beispiel einer Werksta...
Author: Julia Hase
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Dipl.-Ing. Gerda Pfahl

Schwierigkeiten bei der Agrarwende/ Ernährungswende mit der Umsetzung des sog. „magischen Sechsecks“ am Beispiel einer Werkstatt-Tagung Juli 2001

Titelbild: Karikatur Musil, FR 21.12.00

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Gliederung 1. Zielsetzung 2. Definitionen 3. Vorbereitungen Veranstaltung im Kreisverband Hersfeld-Rotenburg Beginn beim BUND AK Gesundheit Vorbereitungstreffen am 17.1. Schwierigkeiten im Vorfeld der Tagung

4. Dokumentation der Werkstatt-Tagung Einladung Ablauf/ Aufbau der Werkstatt Grußwort des Schirmherrn Begrüßung Impulsreferat und Diskussion Vorstellungsrunde Hindernisse auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung Gruppenarbeit und Wandzeitungen Berichte aus den Gruppen Ideensammlung Auswahl von Projektideen und Bearbeitung in Kleingruppen • Netzwerk Landwirtschaft – Handwerk (LEH) – Verbraucher • Neuorganisation des Agrarmarketing • Rhön-Marathon • Mitkochzentrale/ Ökologische Volksküche/ Gemeinschaftsküche Bericht im Plenum und Abschluß

5. Ergebnisse Ergebnisse positiv Ergebnisse negativ

6. Konsequenzen Weitere Schritte Anhörung des BUND 7.

Ausblick: Ernährung als Infrastruktur

8. Anlagen Literaturverzeichnis

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Zielsetzung: Umwelt, Gesundheit und Ernährung „Das grundlegende Problem (der symptomatischen BSE-Krise) liegt darin, daß die am System beteiligten Instanzen wie Agrarindustrie, Bauern, Lebensmittelindustrie, Kontrollbehörden, Ernährungswissenschaften usw. jeweils ´fokal´ gedacht und gehandelt haben, ohne Rücksicht darauf, daß ein komplexes, miteinander vernetztes Handeln notwendig wäre. Durch dieses fokale, ökonomisch orientierte Vorgehen wurde die Lebensmittelversorgung zu einer mechanistischen Maschinerie ohne hinreichende Krisenelastizität. Ergebnis unseres Ernährungssystems ist die maximale flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu niedrigen Preisen mit unerwünschten Nebenwirkungen im Krisenfall. Das Konkurrenzprinzip der beteiligten Betriebe hat, der Logik der Marktwirtschaft folgend, die Wirksamkeit aller staatlichen Kontrollmechanismen außer Funktion gesetzt.“ „Es ist also zu hoffen, daß auch eine gedankliche Neuorientierung unseres Ernährungswesens betreffend erfolgt. Dazu kann die Ernährungsökologie als multidisziplinär systemhaft ausgelegter Forschungsansatz wichtige Orientierungen geben.

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Ernährung fällt in der umweltpolitischen Diskussion zwischen die Themenbereiche Landwirtschaft und Gesundheit. Keines der Bundesministerien oder eine Oberbehörden ist für Ernährung im Querschnitt unter dem Stichwort Umwelt zuständig, am ehesten noch das Bundesverbraucherministerium. Die BSE-Krise und der Paradigmenwechsel der politisch erklärten Agrarwende, der aus ihm ein Ministerium für Verbraucher, Ernährung und Landwirtschaft machte, ist eine Chance, Umwelt, Gesundheit und Ernährung zusammen zu denken und daraus Konsequenzen zu ziehen. Es kümmert sich niemand so recht um gesunde Ernährung. Entweder geht es bei Ernährung um Behandlung von Ernährung (Bestrahlung, Gentechnik, Belastung mit Chemie, ....), um den ökologischen Landbau und Massentierhaltung, oder um den erhobenen Zeigefinger: „du darfst nicht“, „das macht dick“, „du sollst“, „das ist ungesund“, oder es heißt, gesundes Essen schmeckt nicht ..... Das Hauptproblem der Ernährung, die Zunahme von Zivilisationserkrankungen durch falsche Ernährung ist selten Thema, auch nicht in unserem mitgliederstarken BUND. Keiner der beiden BUND - Arbeitskreise Gesundheit oder Landwirtschaft hat sich bisher mit diesem Thema derart damit beschäftigt, daß eine Position oder ein Grundsatzpapier dabei heraus gekommen wäre. Weit gediehen war ein Papier Ernährung im BUND-Bundesarbeitskreis Gesundheit 1997, das beim Zusammenbrechen dieses AKs unerledigt liegen blieb. Dabei gehört Ernährung zu den lebensnotwendigen Grundlagen wie Luft und Wasser. Zwischen den beiden BUND - Arbeitskreisen gab es mehrfach Anläufe, sich dieses Themas im Querschnitt anzunehmen, erst der aktuelle Anlaß der BSE-Krise macht 1

Tretter, Felix, Leitender Arzt im Suchtbereich am Bezirkskrankenhaus Haar, in ERNO. Zeitschrift für Ernährungsökologie. 2001, H. 2, S. 6

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dies jetzt wahr. Inzwischen beschäftigen sich auch andere Gliederungen im Verband mit Ernährung (BUND - Berlin) und in Bayern gibt es eine Kooperation in München zwischen der Bürgerinneninitiative Nahrungskette und dem Bund Naturschutz. Ziel der Arbeit ist es, am Beispiel einer Werkstatttagung in Fulda am 7.5.2001 herauszufinden, • • •

wo die Hemmnisse für eine Ernährungswende liegen, wer eigentlich welche Schritte tun müßte oder könnte und was der BUND dazu beitragen kann.

Umwelt, Ernährung und Gesundheit braucht eine starke Lobby für die erforderlichen Veränderungen. Könnte der BUND diese Lobbyfunktion wahrnehmen?

2. Definitionen Begriff gesunde, gute Ernährung Die Ernährung beeinflußt die menschliche Gesundheit ganz entscheidend. Beim Essen und Trinken ist das Individuum mit seiner Umwelt und der Gesellschaft verbunden. Ernährungsgewohnheiten beeinflussen die eigene Gesundheit, aber wirken auch auf die natürlichen, kulturellen, politischen und ökonomischen Zusammenhänge. So trägt jede und jeder Verantwortung nicht nur für die eigene Gesundheit, sondern auch für die Konsequenzen des eigenen Handelns. Der BUND lenkt daher die Aufmerksamkeit auf die Art und Weise, wie wir uns ernähren, und auf die Beziehungen zwischen dem Ernährungssystem des Menschen und die biologischen, sozialen und ökologischen Zusammenhängen (Ernährungsökologie). Dieses Leitbild wird vor allem von der Vollwerternährung aufgegriffen. 2 Eine gesunde, gute 3 und umweltfreundliche Ernährung soll • • •



den Körper mit den lebensnotwendigen Nährstoffen versorgen die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit entwickeln und erhalten Abwehrstoffe gegen Krankheiten bilden 4 unbelastet sein von Schadstoffen (Chemie und Radioaktivität)

Begriff Ernährungsökologie: ist ein neuer Wissenschaftsbereich und wurde 1986 von Prof. Dr. Claus Leitzmann geprägt. Er sieht Ernährung im engen Zusammenhang mit der Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft (+ Ökonomie). Sie umfaßt die gesundheitliche, ökologische, soziale und ökonomische Dimens ion.5 Die Auswahl der Lebensmittel hat Einfluß auf die Ökologie, andererseits hat auch die Umwelt Einfluß auf die Qualität der Lebensmittel. Ernährungsweisen können verglichen

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Mast, Karin: im Entwurf der Gesundheitsposition, die der AK Gesundheit 1997 vorgelegt hat. Gutberlet, Wolfgang „Einfach gut“ im Anhang 4 Pfahl, Gerda: Referat Wohlstand und Ernährung, beim 2.hess. Umwelttag 1987 nach?? 5 www.uni-gießen.de/~gj1006/dimensionen.htm 3

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werden bezüglich ihres Primärenergie6- und Flächenverbrauchs. Die Auswahl der Lebensmittel und die Zusammenstellung der Kost wirkt auf die Gesellschaft zurück. (Landwirte, Lebensmittelverarbeitung, Gastronomie, Personen in den Haushalten, die Mahlzeiten zubereiten. Aufgearbeitet werden sollen bisher unberücksichtigte Faktoren wie der Zeitfaktor bei der Zubereitung unterschiedlicher Kostformen, Rolle der Frau. Berücksichtigt werden müssen die volkswirtschaftlichen Kosten (Internalisierung externer Kosten wie Entfernen von Pestiziden aus dem Trinkwasser). Von Interesse ist auch die Psyche, inwieweit sich Angst bzw. Vertrauen in die Ernährung auswirkt.

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Bei den Kosten müssen auch die ernährungsbedingte Krankheitskosten 8 einfließen.

Begriff „magisches Sechseck“ Dieser Begriff ist eigentlich bereits besetzt als ein Zielsystem einer gerechten Wirtschaftsorganisation und -politik und im Zusammenhang mit dem Stabilitätsgesetz 1967 eingeführt. Daher soll der Inhalt mit seinen sechs Seiten hier kurz aufgeführt werden. 9 Seite 1: Preisniveaustabilität (Geldwertstabilität, Preisstabilität) Seite 2: Vollbeschäftigung (hoher Beschäftigungsgrad) Seite 3: außenwirtschaftliches Gleichgewicht (ausgeglichene Zahlungsbilanz)

Als notwendige Nebenbedingung wird angesehen: Seite 4: angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum.

Diese vier Kriterien beeinflussen sich und werden als magisches Viereck bezeichnet. Dabei kommt die Zerstörung der Umwelt nicht vor. 10 Später kamen dann zum magischen Sechseck dazu: Seite 5: gerechte Einkommens- (und Vermögens-)verteilung, Verteilungsgerechtigkeit Seite 6: Gleichgewicht zwischen Markt- und Staatswirtschaft (gerechte Verteilung der Arbeit)

Inzwischen wird es auch magisches Siebeneck bezeichnet mit: Seite 7: Umweltschutz Als „magisch“ versteht man dabei „daß die Ziele, die ja gleichzeitig verwirklicht werden sollen, umso schwerer erreicht werden können, je besser eines der Ziele verwirklicht wird.“ Die Wirtschaft versucht daher nicht, die Einzelziele vollständig zu erreichen, sondern das Ziel zu optimieren. 11

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Hoffmann bei Tagung Zukunftsfähiges Hessen 2000: zwei Speisekarten im Vergleich Hoffmann, Ingrid, Univ Gießen, Inst. Für Ernährungswiss. Schreiben vom 25.9.97 8 Kosten, Die, ernährungsbedingter Krankheiten.1986. (Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit. Schriftenr. Bd. 179) 9 Meyers großes Taschenlexikon. Bd 13. 1990, S. 308; subventionsberater.de/marktlex/viereck.html andyb.purespace.de/politik/11/wirtschaft/soumw.htm 10 BUND: Ökologisch orientierte Wirtschaftspolitik. Arbeitskreis Wirtschaftsfragen. 1989 (BUNDpositionen. 14), S. 11 Der BUND fordert ein neues wirtschaftpolitisches Dreieck mit den Eckpfeilern Umweltstabilität, Vollbeschäftigung und Preis (niveau)-stabilität. 11 Meyers großes Taschenlexikon. Bd 13, 1990, S. 308 7

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In der Verbraucherpolitik wurde der Begriff des magischen Sechsecks von Bundesministerin Renate Kühnast 2001 eingeführt. Dabei sprach sie zunächst vom magischen Viereck 12. Bereits in der Regierungserklärung zur neuen Verbraucherschutz- und Landwirtschaftspolitik vom 8.2.2001 deklarierte sie dieses magische Viereck in das „magische Sechseck“ der Agrarwende um. Sechs Akteure entscheiden über den Erfolg der neuen Landwirtschaftspolitik: • • • • • •

Die Verbraucherinnen und Verbraucher Die Landwirte Aber auch die Futtermittelindustrie Die Lebensmittelindustrie Der Einzelhandel Die Politik

Diese Doppelbesetzung des Begriffes „magisches Dreieck“ ist problematisch, zumal der Begriff „magisch“ nicht erläutert ist.

Begriff Agrarwende 13 Aus den verschiedenen Reden und Veröffentlichungen von Bundesministerin Renate Kühnast und ihren Staatssekretären Alexander Müller, Matthias Berninger, Martin Wille und Gerald Thalheim stelle ich zentrale Punkte einer neuen Landwirtschaftspolitik zusammen, die als Agrarwende bezeichnet wird: • • •

Klasse statt Masse (bei der Fleischerzeugung) Die Akteure des magischen Sechsecks müssen bereit sein umzudenken: mehr Qualität durch Zusammenarbeit Gläserne Produktion14

Der Begriff Agrarwende wird überlagert von der Bemühung für eine neue Verbraucherpolitik. Dazu gehören Stichworte wie • • •

Vorsorgenden Verbraucherschutz, Verbraucheraufklärung und -bildung Politik mit dem Einkaufskorb Verbindung der Verbraucherpolitik mit der Agenda 21 und der Nachhaltigkeitsdebatte

Begriff Ernährungswende Dazu ist mir bisher keine Literatur in die Hände gefallen, ich habe den Begriff aus eigener Erfahrung verwendet und gleichzeitig auch von anderen gehört, aber selten. Eine Recherche im Internet brachte einen Eintrag der Bremer Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft, das Wort wird allerdings nicht erläutert.

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Ernährungswende steht in der Reihe der „Energiewende“ nach Tschernobyl und mit der Verkehrswende. Gemeint ist ein Paradigmenwechsel des jeweiligen Politikfeldes, eine 12

Am 6.2.2001 vor einer Runde aus Vertretern von Verbraucher-, Ernährungs- Handels- und Bauernverbänden. PM des BMVL 13 Quelle: Homepage des BMVEL: Regierungserklärung am 8.2.2001, 100-Tage-Bericht vom 23.4.01, FAZ vom 15.3.01: Kühnast, Renate: Die Chance in der Krise: Qualität verlangen, PM vom 21.5.01 14 Kühnast in: Regierungserklärung am 8.2.01 15 „Gleichzeitig haben wir begonnen, mit Großküchen zusammenzuarbeiten, um auch hier eine "Ernährungswende" einzuleiten.“

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Neugestaltung, wobei jeweils Ideen vorhanden sind, jedoch noch vor dem Durchbruch stehen/ standen. Bei der Energiewende hat es 15 Jahre vom GAU in Tschernobyl bis zur rot-grünen Bundesregierung gebraucht, die Wende ist jedoch noch lange nicht vollzogen, siehe Bushs und Berlusconis Energiepolitik. 16 Das Wort „gesunde Lebensmittel“ steht in der Diskussion um Agrarwende nicht im Vordergrund. Wenn es erwähnt wird, dann im Zusammenhang mit Qualität. Zwar werden Lebensmittel als Mittel zum Leben bezeichnet, im Vordergrund steht die Kontrolle und die Sicherheit von Lebensmitteln. „Essen soll wieder schmecken“17, heißt es, „Nahrungsmittel sollen künftig immer gesunden Genuss ermöglichen“.18 Jedoch kommt dieses Essen nicht in der Küche und auf dem Eßtisch an, sondern bleibt im Stall und im Laden. Agrarwende muß mehr bedeuten und umfassen als eine Landwirtschaftswende. Dies fällt auf, wenn die Herangehensweise des BUND AK Gesundheit dagegen gestellt wird.

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FR 8.6.01: Berlusconi rückt vom gemeinsamen EU-Kurs für Klimaschutz ab. Italiens Regierung lobt „Pragmatismus der Amerikaner“ 17 Kühnast in: Regierungserklärung am 8.2.01 18 Kühnast am 6.2.01 vor der Gesprächsrunde der Akteure

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3. Vorbereitungen und Entstehung der Tagung Veranstaltung des BUND-Kreisverbandes Hersfeld-Rotenburg am 18.1.01 Anläßlich des 20-jährigen Kreisjubiläums des BUND Hersfeld-Rotenburg beschlossen am 29.11. (also 5 Tage nach Bekanntwerden des ersten BSE-Falles in Deutschland) einige frühere Aktive, daß sie im Januar eine BSE Veranstaltung durchführen wollen. Dabei handelte es sich um BUND-Mitglieder im Kreisverband Herfeld-Rotenburg, die schon Mitte der 80-er Jahre eine Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft aufgebaut und mehrere Jahre lang aufrecht erhalten hatten. Thema der Veranstaltung wurde: Wege aus der BSE-Krise. Dazu erstellt die Arbeitsgruppe Thesen, die als Impuls für die Diskussion genommen wurden. Zum ersten Mal saßen Kreisbauernverband, der Kreisveterinär, die Kurhess. Fleischwaren der Firma tegut, ein Demeterlandwirt (Kirchhof Oberellenbach) und ein Biolandwirt, der gleichzeitig stellv. Vors. Von Gutes aus Waldhessen ist mit dem BUND auf dem Podium (Zeitungsankündigung und Bericht einfügen) Es kamen etwa 100 Leute. Die Diskussion dauerte 3 ¾ Stunde und so lange hielten die meisten aus. Bei der Podiumsdiskussion fielen Stichworte wie: Tschernobyl der Landwirtschaft“ „Mit dem Rücken an der Wand“ „Bald sehen wir schwarz-braune Hirsche im Wald“ (da Kühe dorthin getrieben werden) „Große Ratlosigkeit“ „Landwirt wird nicht gelobt für seine Arbeit, und ist an den Rand der Gesellschaft gedrängt.“ „Der Verkauf jeder Wurst ist mit Diskussion verbunden“ „Wir brauchen die Kuh für den ökologischen Landbau“ „Darüber nachdenken, wo die Produkte herkommen“ „Nachvollziehbarkeit verstärken“ „Preiskrieg ausgebrochen“ „tegut hat ein Jahr lang geforscht, was gute Lebensmittel sind“ (1983 vor der Umstellung des Warenangebots) „Insgesamt als Region vorankommen“

„Alle sind Opfer“ „Alle sind Verlierer“ „Lebensmittel sind zur anonymer Ware verkommen“ „mehr Leute für Kontrollen“ „Automobilwirtschaft hat es verstanden, einen höheren Preis zu vermarkten. Frage: was bieten die“ „Qualitätsstrategie“ „Für gute Lebensmittel Geld in die Hand nehmen“ „Sich nicht mit der Situation als gottgegeben abfinden „Weniger ist mehr“ „System übersteuert - Tierliebe bis zum Anschlag“ „Es muß sich verändern, Verbraucher können was tun, Landwirte trifft es“ „Wie kommen wir da raus“

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BUND-AK Gesundheit: Treffen am 20.1.01 in Frankfurt Der AK Gesundheit hatte sich schon lange vorgenommen, zu Ernährung aktiv zu werden. 1998 wurde bereits ein Tagungskonzept als Anhörung diskutiert, in der erarbeitet werden sollte, wo der Platz des BUND beim Thema Ernährung sei. Nach BSE kam der geplante Schwerpunkt des AK-Treffens gerade recht. Mit Hilfe einer Wandzeitung führte der AK ein Brainstorming durch. Als Ergebnis wurde beschlossen, eine Werkstatt-Tagung des BUND durchzuführen, die als Ideenbörse wirken sollte. Sie sollte im Umfeld von Agenda 21, Ernährung und Gesundheit verlaufen. Was sollte erreicht werden: Stichpunkte der Wandzeitung:19 • • • • • • • • • • •

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Wege aufzeigen Umdenken in der Bevölkerung fördern Wichtige Schritte beschreiben Bedenken der Barrieren und anderer herausfinden Welche Informationen braucht welche Zielgruppe? Welches Qualitätsmanagment (QM)? Unternehmenskultur Sicherheit für Landwirte Alle sind Opfer Transparenz für Verbraucher/ -innen Akteure werden sich klar, welcher nächste Schritt für sie von Vorteil ist Was können die einzelnen Akteure nach BSE für sich tun? Abschluß der Tagung: was werde ich als nächstes tun? BSE und Lebensmittelqualität Lebensmittel Bezug zum Lebensmittel herstellen Ernährungsökologie + Agenda 21 Stadt-Land-Bündnis Aktionsplan Umwelt, Gesundheit und Ernährung Tierliebe Widerspruch zu Agrarproduktion (Massentierhaltung)

Genuß Regional und Gesundheit Kosten der ökologischen Ernährung Regional ßà ökologisch

Ziel: großer Impuls oder Impuls in BUND selbst? • Akteure werden sich klar, welche nächsten Schritte für sie von Vorteil sind (wer kann was aufgreifen, so liegt der persönliche Nutzen) • Wer kann wen stärken • Abschluß: welche Rückschlüsse ziehen wir als Verband/ Unternehmen/ Person? • Welche gemeinsamen Ziele gibt es, welche Partikularinteressen? • Welche kurzfristigen/ mittelfristigen/ langfristigen Ziele sollen erreicht werden? • Ende: Vorstellen der gemeinsamen bzw. gruppenbezogenen Ziele (Presse) Ökologische Produkte + ... + Gesundheit + Zusatznutzen (Werbung) + Ethik + Arbeitsplätze 19

aus eigenen Notizen und Protokoll von Heidi Soboll, AK Sprecherin

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+ Qualität, Vertrauen, Transparenz + Zeit + Werbestrategien à Modell entwerfen

Sammlung der Akteure Veterinärämter, Bauernverband, tegut, Ärzte/ Ärztinnen, IGUMED, Hausfrauenverband, Landfrauen, Katholische Frauen, Verbraucherzentrale, Bioland und Zusammenschluß der ökolog. Anbauverbände in Hesen, Naturschutzzentrum, Metzger, UGB, BUND Arbeitskreise, BN, Landwirtschaftsämter, Biosphärenreservat Rhön, CMA, Gaststätten, Kantinen, Kultusministerium und Lehrerfortbildung HELP, Krankenhaus (Dill-Kliniken), Kirchen als Eigentümer landw. Flächen, Umweltjournalisten z.B. Dietrich Jörn Weder

Mögliche Titel der Tagung • • • • • • •

Genußvolles, gesundes Essen nach BSE Wo liegen die Probleme bei gesunder Ernährung? Wo drückt mich der Schuh am meisten? Welche untrerschiedlichen Interessen gibt es? Gesund essen und genießen nach BSE & Co Gesunde Ernährung im Alltag Erzeuger, Verbraucher, Handel auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung

Der Arbeitskreis beschloß einen Antrag an die hessische Landesdelegiertenversammlung am 24.3.01 in Frankfurt Arbeitskreis Gesundheit im BUND Landesverband Hessen Antrag an die Mitglieder der Landesdelegiertenversammlung Vorbemerkung: Keiner der Lebensmittelskandale aus letzter Zeit hat die Zusammenhänge zwischen ungesunder Ernährung, fehlgesteuerter landwirtschaftlicher Produktionsweise und Umweltverschmutzung deutlicher aufgezeigt als die BSE-Krise. Die als Reaktion auf massenhaften Fleischkonsum entstandene Billigproduktion von Rindfleisch war nur durch Massentierhaltung und Futterzusatzstoffe, wie Tiermehl, Hormone, Antibiotika, zu erreichen . Sie stellt eine Misshandlung der Tiere dar und schädigt unsere Lebensgrundlagen Luft, Boden und Wasser. Eine Reihe von Erkrankungen sind die Folge dieser Ernährungs- und Produktionsweisen: beispielsweise Herz- und Kreislauferkrankungen, schwere Infektionen infolge Antibiotikaresistenz der Erreger oder Asthmaerkrankungen im Umfeld von Mastanlagen. Ein Umschwenken vom Rindfleisch auf andere Billig-Fleischquellen wie z.B. Huhn, Pute oder Schwein ist kein Ausweg aus dieser Krise, sondern mit den gleichen Problemen behaftet. Nur ein mäßiger Genuss von hochwertigem, möglichst ökologisch erzeugten Fleisch ist risikoarm für Umwelt und Gesundheit – und kann durch Einschränkung der verzehrten Mengen auch noch kostenneutral sein. 1989 haben die Umwelt- und Gesundheitsminister der Europäischen Mitgliedstaaten der WHO eine „Europäische Charta Umwelt und Gesundheit“ verabschiedet, die zum Ziel hat, die Lebensbedingungen und gesundheitlichen Voraussetzungen der heutigen Generation bei Schonung der natürlichen Resourcen zu verbessern. Fünf Jahre später verabschiedeten die Minister die „Erklärung von Helsinki“ , in der es u.a. heißt: „Eine nachhaltige Entwicklung kann nur durch radikale Änderungen der gegenwärtigen Produktionsverfahren und Konsumgewohnheiten bewirkt werden“. Zur Umsetzung dieser Ziele wurde ein „Nationaler Aktionsplan Umwelt und Gesundheit“ aufgestellt, der von den Ländern aufgegriffen und lokal umgesetzt werden muß. Die Zeit ist reif!

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Der Arbeitskreis Umwelt und Gesundheit des BUND Landesverbandes Hessen bittet deshalb die Landesdelegierten, dem folgenden Antrag zuzustimmen.

Der Landesverband des BUND fordert die Hessische Landesregierung dazu auf, im Zuge der Umsetzung des „Aktionsplanes Umwelt und Gesundheit“ auf die Länderebene einen Hessischen Aktionsplan Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz ins Leben zu rufen und ein Aktionsprogramm zu entwickeln. Ziele dieses Aktionsplanes für den Bereich „Ernährung“ sollen sein, die Rahmen- Bedingungen dafür zu schaffen, daß den Verbrauchern vertrauenswürdige Produkte angeboten werden , dass regional und/oder ökologisch hergestellte Produkte besser verfügbar werden und dass die Einkaufs-Entscheidung für die Verbraucher erleichtert wird. Wichtige Massnahmen um dies zu erreichen, sind u.a. die folgenden: 1. Der Anteil der ökologisch hergestellten landwirtschaftlichen Produkte wird bis zum Jahr 2006 auf 30% gesteigert. 2. Betriebe mit Massentierhaltung werden möglichst in flächenbezogene Betriebe mit artgerechter Tierhaltung umgewandelt. 3. Die Lebensmittelüberwachung bei den Herstellungsbetrieben, an den Landesgrenzen und im Binnenmarkt wird intensiviert. 4. Die vollständige und leichtverständliche Kennzeichnung der Lebensmittel muss Pflicht werden: Zusatzstoffe, genaue Herkunftsbenennung, Produktionsweise und Art der Haltbarmachung müssen deklariert werden. 5. Die Vermarktung von regional hergestellten Lebensmitteln wird durch Marketingkampagnen unterstützt. 6. Es werden hessenweit Einrichtungen zur Verbraucherbildung und Verbraucherberatung etabliert. Bestehende Einrichtungen werden stärker unterstützt.

Die Delegierten verwiesen den Antrag an den Fachrat des BUND-Hessen. Leider war niemand vom AK Gesundheit bei der DV anwesend war, um die Intention des Antrages deutlich zu machen, so daß er an den Fachrat verwiesen wurde. Damit wurde deutlich, daß das Thema Gesundheit im BUND nicht verankert ist, sondern daß beim Antrag Gesundheit, Verbraucherschutz lediglich Landwirtschaftspolitik verstanden wurde.

Treffen am 17.2. Vorbereitung in Fulda (BUND und Verbraucherzentrale)20 Erarbeitet wurden zwei Alternativthemen für die Tagung: • Gesund essen und genießen nach BSE • Erzeuger, Verbraucher und Handel auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung Ziel der Tagung: BSE und sonstige Krisen unserer Nahrungsmittelversorgung sollen als Ausgangspunkt dafür dienen, Verbraucher, Erzeuger und Handel in einen Dialog darüber zu bringen, was die Hindernisse auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung

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sind und wie evtl. Lösungsmöglichkeiten aussehen können. Konkrete Ziele und erste Umsetzungsschritte sollen erarbeitet werden, Bündnispartner/-innen gefunden werden. Der Schwerpunkt soll dabei beim Handel und den Verbraucher/-innen liegen, nicht auf der Landwirtschaft. Es geht in erster Linie um die Frage nach dem guten Leben und nachhaltigen Lebensstilen, nicht so sehr um die Agrarwende. Die Moderatorinnen Monika Flörchinger und Mo Auerswald (Komm-Rat: Beratungsgruppe in der Kommune Niederkaufungen) legten einen Ablaufplan vor, der als Grundlage für die Tagung diente.

Schwierigkeiten im Vorfeld der Tagung: Finanzierung Da die Agrarwende auf Bundesebene politisch ausgerufen ist, setzte sich unsere AG mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium und Staatssekretär Alex Müller in Verbindung, der in Hessen bereits Staatssekretär für den Soziales, Veterinärwesen/ BSE gewesen war. Er hatte Ende Februar 2001 die Firma tegut besichtigt.

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„Hier denkt man wie in unserem Ministerium: Von der Ladentheke aus“

Die Organisatorinnen waren sich ziemlich sicher, daß eine solche moderierte Tagung auf Bundesebene eine Pilotfunktion habe. Daher fragten sie am 28.3.01 persönlich bei Staatssekretär Alex Müller an, ob er die Schirmherrschaft der Tagung übernehmen würde. Damit wollten sie dokumentieren, daß es sich um ein Modellprojekt handelt. Gleichzeitig ersuchten sie um Unterstützung, daß die Eintagesveranstaltung nur der Beginn eines Prozesses sein kann. Konkret fragten sie nach finanzieller Förderung als Modellprojekt und nach finanzieller Förderung der Dokumentation. Telefonisch kam 20.4.2001 aus dem Staatssekretärsbüro zwar die Antwort, daß die finanzielle Förderung noch im Hause geprüft werde, dabei blieb es bislang. Die Übernahme der Schirmherrschaft und ein schriftliches Grußwort wurde zugesagt. Die Verbraucherzentrale Fulda setzte sich mit der Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen e.V. 22 wegen finanzieller und inhaltlicher Unterstützung der Werkstatt und eines Dialoges in Verbindung. Damit die Tagung durchgeführt werden kann, wurde am 6.4.01 schriftlich ein Restbetrag von 2.800 DM beantragt. Leider kam telefonisch die Rückmeldung, daß Gelder im Zusammenhang mit BSE nicht zur Verfügung stehen.

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Teilnehmende: Dr. Heidi Soboll, Monika Bracht, Monika Flörchinger, Bernhard Steier, Gerda Pfahl HNA 1.3.01 22 z.Hd. Herrn Schäfer Homburger Straße 9 61169 Friedberg 21

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Auch aus dem Bereich Erzeuger-Verbraucher-Dialog in Hessen konnten keine Gelder zur Verfügung gestellt werden (schriftlicher Antrag 30.3.2001). Es wurde von Wetzlar, den ehemaligen ARLL in Bad Hersfeld und Fulda trotz langer Telefonate keine Gelder oder anderweitige Unterstützung zugesagt oder vermittelt. Dies obwohl zeitgleich23 ein Schreiben an den BUND-Landesverband Hessen herausgegangen ist, mit dem auf die zentrale Bedeutung des Amtes für den Erzeuger-Verbraucher-Dialog hingewiesen wird. Es wäre interessant zu erfahren, welche Vorstellung diese Verwaltung als Dienstleistungsbehörde für die Verbraucherinnen und Verbraucher besitzt.

Beteiligung Zeitweise erschien die Beteiligung wichtiger Akteure aus dem magischen Sechseck derartig lückenhaft, daß an eine Verschiebung auf den Herbst gedacht wurde. Vor allem die unklare finanzielle Absicherung legte diese Überlegung nahe. Schließlich war den Initiatorinnen die Durchführung jedoch so wichtig, daß sie auch ohne Eigenmittel und mit privatem Risiko eine Entscheidung für die Durchführung starteten. Dabei muß auf Gelder zurückgegriffen werden, die für die normale Arbeit der Verbände schon fest eingeplant waren. Die Anmeldungen im Vorfeld entsprachen nicht vollständig den Personengruppen, die auch erschienen sind. So hatte sich z.B. das Biosphärenreservat Rhön und die Metzgerinnung angemeldet sowie eine Imkermeisterin aus dem Kuppenrhöner Landmarkt. Die zustimmenden Telefonate der Agrarverwaltung ließen eigentlich erwarten, daß von ihrer Seite großes Interesse an einer Teilnahme bestünde. Leider gab es weder Absagen noch eine Beteiligung.

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Datum 13.3.01 hier nicht eingefügt

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4. Dokumentation der Tagung

Genuß mit Zukunft:

„Erzeuger, Verarbeiter, Handel und Verbraucher auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung“

in Fulda, Kolpinghaus am 7.5.2001 Veranstalter: BUND für Umwelt und Naturschutz Hessen, Arbeitskreis Gesundheit Verbraucherzentrale Fulda Naturzschutzzentrum Hessen

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(Briefköpfe hier nicht eingefügt)

Einladung zur moderierten Werkstatt-Tagung

Genuß mit Zukunft „Erzeuger, Verarbeiter, Handel und Verbraucher auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung“ am Montag, den 7.Mai 2001 in Fulda, Kolpinghaus (siehe Anreisebeschreibung) Dauer: 9 Uhr bis 17 Uhr

BSE und sonstige Krisen unserer Nahrungsmittelversorgung sollen als Ausgangspunkt dafür dienen, Erzeuger, Verarbeiter, Handel und Verbraucher zu einem Dialog darüber zusammenzubringen, welche Hindernisse auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung liegen. Der Schwerpunkt liegt dabei weniger bei der Agrarwende, sondern beim Lebensmittelhandel, -verarbeitung und Konsum, bei gesundem Essen und Genießen. Es geht weniger um Landwirtschaft, sondern um eine nachhaltige regionale Entwicklung und um gesunde Ernährung. Es geht um „Gutes Leben“. Im Mittelpunkt der moderierten Werkstatt-Tagung steht die Suche nach Lösungsmöglichkeiten. In dem gemeinsamen Dialog können sich die einzelnen Akteure über nächste Schritte für die Zukunft klarer werden. Konkrete Ziele und erste Schritte für die Umsetzung sollen erarbeitet werden. Eingeladen sind Akteure aus dem magischen Sechseck, das von Frau Ministerin Künast vorgestellt wurde: Verbraucher, Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft, Lebensmittelhandel, Futtermittelerzeugung und die Politik. Die Teilnehmerzahl ist auf 40 Personen beschränkt. Kosten: Von Firmen und Organisationen erbitten wir einen Förderbeitrag (20 – 200 DM) Wir bitten sie, uns vorab bis zum 12. April Ihr Interesse zu faxen, damit wir entscheiden können, ob die Tagung zustande kommt. Feste Anmeldungen erbitten wir bis zum 2. Mai 2001 an Verbraucher-Zentrale Hessen, Beratungsstelle Fulda, Karlstr. 2, 36037 Fulda, Tel. 0661-241026, Fax 0661 – 242216, e-mail: [email protected]

Mit freundlichen Grüßen

Monika Bracht

Eckhart Engert

Dr. med.vet. Heidi Soboll

Verbraucher-Zentrale in Fulda

Naturschutzzentrum Hessen

BUND AK Umwelt und Gesundheit

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Tagungsablauf:

Moderation: Monika Flörchinger, Mo Auerswald, (Projektberatungsgruppe in der Kommune Niederkaufungen) 9.00 - 9.30

Impulsreferat: Prof. Dr. rer. nat. Friedrich-Karl Lücke (FH Fulda)

9.30 – 12.00

Problemanalyse und -vertiefung in Kleingruppen Austausch und Diskussion der Ergebnisse (einschl. Kaffeepause)

12.00 – 13.00

Mittagspause

13.00 – 14.30

Visionsentwicklung und Ideensammlung

14.30 – 14.45

Kaffeepause

14.45 – 16.30

Zielentwicklung und Umsetzungsplanung

16.30 – 17.00

Austausch, Ergebnisse

Getränke, Kaffee und Tee können zwischendurch für 3 DM eingenommen werden Verschiedene Gerichte für 12 bis 15 DM stehen zur Wahl und können am Vormittag geordert werden. Adresse

Kolpinghaus Fulda Goethestr. 13 36043 Fulda

Das Kolpinghaus ist in 10 Minuten zu Fuß ab Bahnhof zu erreichen. Verteiler: Verbraucher/ Bildung: Hausfrauenbund, Landfrauen, kath. Dt. Frauenbund, Verbraucher-Zentrale, BUND, UGB; Umweltzentrum, KLJB, HeLP, Staatliches Schulamt, FH-Fulda Landwirtschaft: Kreisbauernverband, Antoniusheim, Rhönhöfe, Marktleiter Bauernmarkt, CMA, VÖL, AGÖL, Loheland-Stiftung, Bauerngemeinschaft Rhöner Weideochsen, Berenobstgemeinschaft Ernährungswirtschaft: Groma, Milupa, Wendeln, Weber Backbedarf, Milchwerke, Förstina Lebensmittelhandel: (Metzger, Bäcker, Gastronomie) Edeka Hessenring, Fleischerinnung, Städtisches Klinikum, IHK, Kreishandwerkerschaft, Regionalmarketing, Rhöner Charme Futtermittelerzeugung: Raiffeisen Politik und Verwaltung: Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung und des Kreistages, einzelne Landespolitiker, RP Kassel, ARLL, Staatl. Veterinäramt, Bisophärenreservat Rhön, RP Gießen

Kontonummer: BUND Hessen: Frankfurter Sparkasse BLZ 500 502 01 Konto 369 853 Stichwort: Ernährung ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Rück-Antwort unter Fax 0661 / 24 22 16 oder e-mail: [email protected] o Ja, ich nehme an der Veranstaltung teil Name Institution Tel / Fax / e-mail

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Tagungsverlauf Ablauf der moderierten Werkstatt-Tagung „Genuss mit Zukunft 7.5.2001 in Fulda Vormittag: Ankommen Begrüßung Grußworte etc. Impulsreferat Prof. Lücke Blitz-Vorstellungsrunde - Name - Beruf/Institution - ein Satz: diese Werkstatt war für mich erfolgreich wenn...

Problemanalyse Vertiefung in Kleingruppen Was sind die Hindernisse auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung? 1. Themensammlung im Plenum 2. Kleingruppenbildung durch Zuordnung 3. Arbeit in den Kleingruppen: mögliche Fragen: - Was ist das Problem? - Wie wirkt es sich konkret (in meinem Alltag) aus? (Beispiele) - Wer oder was verhindert eine Veränderung? Wer sind die Betroffenen/Beteiligten – wie sehen deren Sichtweisen und Interessen aus Nachmittag: Austausch der Ergebnisse Gruppenbildung durch Kreativitätskekse Crayzy Ways

Ideensammlung und -entwicklung durch Brainwriting Verrückte, gute und neue Ideen für eine gesunde Ernährung in der Zukunft Regeln: - nicht diskutieren sondern alles aufschreiben - geht nicht gibt´s nicht - Quantität geht vor Qualität - Anknüpfen an die Ideen der anderen - Auch verrückte Ideen zulassen - Alle Ideen aufschreiben Jede KG sucht aus den Ergebnissen die vier besten Ideen aus und bringt sie in die nächste Arbeitseinheit mit Clustern der Ideen nach dem Dominoprinzip Zuordnen: Wofür will ich mich persönlich engagieren, Zeit und Energie investieren?

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Zielentwicklung an Hand von Zielkriterien 1. Das Ziel sollte positiv formuliert sein 2. Das Ziel sollte realistisch und erreichbar sein 3. Das Ziel sollte von den Beteiligten akzeptiert sein 4. Die Beteiligten sollten Einfluß auf die Zielerreichung haben 5. Die Erreichung des Ziels sollte meßbar oder erfahrbar sein 6. Das Ziel sollte in der Gegenwart formuliert werden 7. Das Ziel sollte nicht mit einem anderen Ziel in Widerspruch stehen In KG: 3 Ziele formulieren zur ausgewählten Idee

Umsetzungsplanung - Was machen wir (die ersten 3 Schritte ) - Wer macht es - Wer oder Was könnte uns unterstützen? - Welche Ressourcen und Erfahrungen haben wir schon? Projekte im Plenum vorstellen

Der Ablauf der Werkstatt wird zur besseren Übersicht und als Anregung zum Nachahmen eingefügt. (Urheberin ist die Beratungsgruppe der Kommune Niederkaufungen, Mo Auerswald und Monika Flörchinger, Kirchweg 1, 34260 Kaufungen, fon: 05605- 8007-0, fax 05605-8007-40)

(ohne Abb. Staatssekretär Alexander Müller, Schirmherr der Werkstatttagung)

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Tagungsverlauf Begrüßung (9.15 Uhr) durch die Leiterin der Verbraucherzentrale Fulda Monika Bracht. Sie verliest das Grußwort von Staatssekretär Alex Müller (siehe vorige Seite) und erläutert die Tagung. Anwesend sind 16-19 Personen, wobei einige noch später dazu kommen, dafür verabschieden sich einige bei der Mittagspause einige aus zeitlichen Gründen.

„Ich begrüße Sie recht herzlich zu einer etwas anderen Veranstaltung mit dem Titel „Genuß mit Zukunft – Erzeuger, Verarbeiter, Handel und Verbraucher auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung“ Ich darf mich kurz vorstellen: mein Name ist Monika Bracht, ich bin Leitende Beraterin der VerbraucherZentrale in Fulda sowie Mitglied des Landesarbeitskreises Umwelt und Gesundheit des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Sie sehen schon an der äußeren Gestaltung des Saales, dass es sich hier um eine Werkstatt-Tagung handelt. Es gibt auch nicht die oder den Vortragenden und die Zuhörer. Sie werden nicht in der Reihenfolge der wichtigsten Persönlichkeiten begrüßt, sondern wir werden uns nachher gegenseitig vorstellen. Wir Veranstalter, die Verbraucher-Zentrale Hessen, der Bund für Umwelt und Naturschutz Hessen und das Naturschutz-Zentrum Hessen, freuen uns Ihnen zu Beginn ein Grußwort von Herrn Müller, Staatssekretär im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft verlesen zu können: Zum Tagungsablauf einige Worte: Im Anschluß an meine einleitenden Worte wird Herr Prof. Dr. Lücke von der Fachhochschule Fulda uns auf unser Werkstatt-Thema einstimmen. Seien Sie herzlich willkommen. Eckhart Engert, Leiter des Naturschutzzentrums in Wetzlar wird sich mit einigen kurzen Gedanken anschließen. Und dann sind wir alle gefordert und aufgerufen uns einzubringen. Geleitet und geführt von zwei professionellen Moderatorinnen von der Unternehmensberatung Kaufungen: Monika Flörchinger und Mo Auerswald. Herzlichen Dank Ihnen, dass Sie heute da sein können. Wir haben diese Veranstaltungs-Form gewählt, da nur im Austausch mit allen Beteiligten des magischen Sechsecks, also Ihnen, Möglichkeiten und Perspektiven für gesunde Lebensmittel diskutiert werden können. Mein ganz persönlicher Hintergrund mich neben meiner Arbeit in einem Naturschutzverband zu engagieren war die Tatsache, dass ich nicht verstehen konnte, dass es erlaubt ist, Möbel zum Verkauf anzubieten, die die Konsumenten krank machen können. Wohngifte ist das Stichwort, das immer wieder im Beratungsalltag auftritt. Kaufrecht bzw. Produkthaftung sind die Lösung zu diesem Problem, die uns der Gesetzgeber anbietet. Doch welche Möglichkeiten hat der einzelne Konsument, sich vor diesen Produkten und damit seine Gesundheit zu schützen? Die Marktangebote und die Konsumgewohnheiten unterliegen einem schnellen Wandel. Die Ernährungsgewohnheiten verändern sich. Der Außerhaus-Verzehr nimmt stetig zu. Neuartige Produkte wie Nahrungsergänzungsmittel kommen auf den Markt . Welche Entwicklung kommt auf uns zu? Sind wir nur Opfer oder auch Täter? Welche Möglichkeiten der Einflußnahme haben wir? Angesicht der BSE-Krise und dem Auftreten der Maul- und Klauenseuche ist ein Innehalten und Umdenken angesagt. Wir haben ein Recht auf gesunde Lebensmittel in einer gesunden Umwelt. Was können wir dazu beitragen? Ich bin gespannt auf die nächsten Stunden und nun übergebe ich das Wort an Herrn Prof. Dr. Lücke.“

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Impulsreferat Prof. Dr. Friedrich-Karl Lücke 24

Genuss mit Zukunft - Was hindert uns daran, uns gesund zu ernähren? Ziele •

Gesündere Lebensmittel



Mehr Dezentralität und Regionalität



Mehr Tiergerechtigkeit



Mehr Umweltverträglichkeit in Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft

Was heißt „gesunde Ernährung“? These 1: „Gesunde Ernährung“ bedeutet nicht, •

auf Genuss zu verzichten



schematisch Ernährungsempfehlungen oder Diätpläne zu befolgen



ausschließlich Öko-Lebensmittel zu kaufen

sondern: bewusste Ernährung, d.h. Lebensmittelauswahl wichtiger zu nehmen, auf Signale des Körpers zu hören und sich danach richten, „was mir bekommt und was nicht“. Zur bewussten Ernährung gehört auch, sich dafür zu interessieren, wie Lebensmittel gewonnen und verarbeitet werden.

These 2: Das wichtigste Argument für den Kauf ökologisch bzw. regional erzeugter Lebensmittel ist deren umwelt- und sozialverträgliche Erzeugung. Der gesundheitliche Zusatznutzen wird oft überbetont, weil es als „egoistisches“ Argument eher zur Kaufentscheidung für diese Lebensmittel führt.

Was sollte die Land- und Ernährungswirtschaft tun? These 3: Wir Verbraucher haben ein gespaltenes Verhältnis zur Land- und Ernährungswirtschaft: •

Sie soll unsere nostalgischen Bedürfnisse befriedigen, aber gleichzeitig die Prozesse so beherrschen, dass Risiken für den Verbraucher ausgeschlossen sind.



Sie soll uns frische, naturbelassene Lebensmittel liefern, die sich aber lange halten und bequem zuzubereiten sind (oder gar keiner Zubereitung bedürfen).

These 4: Die Zukunft liegt in einer stärkeren Integration und Kundenorientierung der gesamten Kette von der landwirtschaftlichen Urproduktion (einschließlich ihrer Zulieferer und Dienstleister) 24

Lehrgebiet Mikrobiologie und Lebensmitteltechnologie, FB Haushalt und Ernährung, Fachhochschule Fulda, M arquardstr. 35, 36039 Fulda

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bis zur Letztverteilerstufe. Der Handel sollte sich stärker seiner Mitverantwortung bewusst sein und sein Angebot stärker regionalisieren, z.B. durch Verzicht auf eine übermäßige Zentralisierung der Entscheidungsprozesse.

Was hindert den Verbraucher daran, sich gesünder zu ernähren? These 5: Haupt-Hinderungsgrund für eine gesündere Ernährung ist weniger das fehlende Wissen um die Grundprinzipien einer gesunden Ernährung, sondern soziokulturelle Faktoren, die dessen Umsetzung verhindern. Verloren geht hingegen immer mehr das Wissen über Lebensmittel, ihre Erzeugung und Zubereitung. Wir brauchen mehr lebensmittelkundliche Bildungsprogramme, weniger Ernährungsberatung mit dem erhobenen Zeigefinger.

Was sollen die Verbraucher tun? These 6: Die Verbraucher sollten •

eigene Verantwortung für Lebensmittelauswahl und Ernährung annehmen



Lebensmittel und Ernährung wichtiger nehmen



auf mehr Information über Zusammensetzung und Herkunft der Lebensmittel drängen



auf mehr Transparenz und Mitwirkung bei staatlichen Entscheidungen im Bereich Lebensmittelqualität und -sicherheit drängen.

Diese Thesen wurden zum Einstieg an Wandzeitungen gehängt und teilweise in die Gruppen mitgenommen.

Es schloß sich an das Impulsreferat eine lebhafte Diskussion an: Beier: Verantwortung: Preisdruck steigt, starke Bedenken, daß das auf den Verbraucher zurückschlägt. Trend zu Ökobereich? Nur vorübergehend? Handel und Verantwortung auf Vorlieferanten abgeliefert, dabei ist es auch Aufgabe des Handels, eine fachgerechte Warenpflege zu gewährleisten. (Beispiel mangelhafte Ware in Tiefkühltruhen). Dies ist Aufgabe der Warenpflege, nicht der Industrie. Engert: Natur, Genuß, Gesundheit: was gibt es an guten Ansätzen? Verbrauchermacht Natur als Kulturgut Erfahrungen aus Frankreich: dort gibt es keine Billigketten außer an Tankstellen. Frage heißt, wer ist besser im Wettbewerb? Supermarkt: in Deutschland auf Preis gucken, auf billig konditioniert. Frankreich: in Laden eintauchen. In manchen Warensegmenten schauen die Konsumenten auf Genuß, in anderen auf die Preiskonditionen. Verbraucher ist unterschiedlich ja nach Segment. Naturschutz: Garten, Ernährung, Gesundheit: erstmals Trend. Naturschutz und Ernährung. Sedlmaier: Verantwortung erkennen, Preis-Leistung Interessengemeinschaft gesunde Lebensmittel: Mittel zum Leben, Fuldaer Manifest (siehe Anhang, 10 Thesen)

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7500 Zusatzstoffe, wo soll man da nach Allergien suchen? Jeder Einkauf ist ein Stimmzettel für Qualität der Waren. Preisverfall. Pfahl: Rolle der privaten Haushalte betrachten und Rolle der Frauen bei der Zuweisung von Arbeiten bei Lebensmittelzubereitung. Rothkegel: Kampagne: Landschaft schmeckt des NaBU gutes Beispiel

Vorstellungsrunde: Name

Organisation, Beruf, magisches Erwartungen an Tagung Sechseck

Sedlmaier Leist Dirauf Dr. Beier

Lebensmittelkaufmann Fa. Tegut Metzgermeister, Innungsmeister ehemaliges Landwirtschaftsamt Rhön-Vogelsberg, Landwirt, Ferkelproduktion Raiffeisenwaren Osthessen, Futtermittelhandel, Praktiziert konventionelle Landwirtschaft Landwirt, Ökohof, Milchproduktion, Direktvermarktung, GF Rhönhöfe

Mörmel

Henkel

Strauch

Rothkegel

Soboll Wagner Spors

Leiter Umweltzentrum Fulda, NaBu, AG der § 29er-Verbände Fulda, Agenda Beauftragter Fulda BUND Hessen Geschäftsführer, Dipl. Agr.-Ing., Naturschutz + Landwirtschaft + Ernährung Tierärztin, humanmedizin. Forschungsinstitut, BUND Hessen AK Gesundheit kFD Katholische Frauen Deutschland, 13000 Mitglieder, Familienarbeit, gesunde Ernährung, eigener Garten

Weiss Pfahl

BUND, Lebensmitteltechnologe BUND AK Gesundheit, Dipl.-Ing. Stadtplanung

Hohmann (bis 11 Uhr) Manych-Rüger

Koch, Gastwirt, Rhöner Charme

Göbel

Landfrauen Schenklengsfeld, 170 Landfrauen

Engert

in Rhön aufgewachsen, Dipl.- Agrar.Ing, Agrarverwaltung, Direktor Naturschutz-

Vors. Landfrauen Landeck, Lehrerin, Mutter, astmakranker Sohn, biologisch gärtnern und bauen

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Fuldaer Manifest Wichtig ist Umsetzung, es wird viel geredet. Mengen interessieren intensiver Erfahrung und Informationsaustausch in allen Gruppen Vorurteile abbauen, weniger ideologisch diskutieren Kommunikation in der Region verbessern, Multiplikatoren näher zusammenrücken, Umsetzungsphase Erfolge, keine Vorurteile und Gegensätze, alle in einem Boot konkrete Impulse für praktisches Handeln

Erfolgreich ist die Tagung wenn: jeder/jede in ihrem Bereich sagt: ich bin bereit in meinem Bereich ......zu tun. Hindernisse abbauen erfolgreich ist; wenn Dialog

Neugierig, wie es mit Ernährung und Natur weitergeht. Manche Lebensmittel machen krank. Zwischen Fast-food und Biokost. Information von gesunder Ernährung Bewußtsein Beseitigung der Hemmnisse nachdenken, magisches Sechseck in der Region als Modell entwerfen Kinder entscheiden, Verbrauchergedanke, Entsprechenden Preis zahlen Kinder haben früher Gesundheits“kotz“ gesagt, zeigt Image von gesunder Ernährung. Erfolgreich wenn: überparteilich, nichtideologisch, möchte den Landfrauen etwas mitbringen Schulung, Frauen ansprechen u. Finanzminister. Lebensmittel der Familie zutrauen, Qualität. Den Frauen etwas rüberbringen. Nichts kaufen, was ich nicht verantworten kann. Krise der Ernährung ist so heiß wie nie zuvor, Eisen heiß benutzen, jede Koordinie-

zentrum Hessen

Epp-Naliwaiko

Kreistagsmitglied (B90/Grüne)

Bracht

Leiterin der VZ Fulda, Lehrerin Biologie, Sport FH Fulda (11 Jahre) Lebensmittelhygiene Betrieb biologisch umgestellt, Beerenobstgemeinschaft, Umwelt und Natur war schon Thema des Vaters

Prof. Dr. Lücke Tennstädt (ab Mittag)

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rung ist jetzt wichtig, Wir sind in der Phase des Umsetzens und Austauschens. Fehlentwicklung: wie eine Neuorientierung erreichen? Großer Schritt nach vorne erwünscht 2 Ideen, die umsetzbar wären, im Kreistag mit anderen Frauen ein überparteiliches Projekt Austausch, Gedanken, Verbündet, Aufklärungsarbeit Konkrete Projekte

Was ist mit Hindernissen auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung? Vertiefung 1 Stunde: Ideen werden zusammengetragen. In einer ersten Runde wurden Zettel in die Mitte gelegt und sortiert

Stichworte •

Jugendliche zu wenig mit Ernährung beschäftigt



Ernährungsfreizeit/ Prestigefragen, Essen hat einen hohen Stellenwert erhalten: was macht man zusammen: man geht essen, eine Essenseinladung ist zu einem Problem geworden



Erwachsenen-Umweltbildung bis ins hohe Alter



Anteil der Leute wäre größer, ... Potential ausschöpfen. Sie kauft Ökohaferflocken für Hund wegen der vernünftigen Wirtschaftsweise, Ganzheitliche Auswirkung, Gesundheit und Ernährung, Lebensstil: wie das vermitteln?



mangelndes Angebot hindert am Kaufen, tegut fehlt im Rhein-Main (Seldmaier: kommt!), Außerhausverpflegung, Großküchen, Kantine



Gemeinsam Lebensmittelqualität von Erzeugern sichern



Handwerk (verantwortlich mit den Händen machen) als Dilemma, Handwerk hat vor Jahren das Thema verpaßt 25



Ungleichzeitigkeit



So wenig für gesunde Lebensmittel ausgeben



Ernährungsbedingte Krankheiten



Verantwortungsvolle/ -bewußte Lebensmittel



Was sind gesunde Lebensmittel?



Ernährung und Gesundheit gehören zusammen



Zeitproblem/ Wissensdefizit über Gesundheit/ Ernährung in privaten Haushalten



Lebensmittelaufnahme und -verwertung soll zu einem bewußten Prozeß werden



Verhältnismäßigkeit für die Anwendung techn. Vorgaben (Analytik, Grenzwerte) und rechtli-

(Handwerk lernt etwas anderes)

cher Kontrollen •

Sicherheit durch technol. Systeme und/oder regionale Transparenz?



Gütezeichen Wirrwarr? Transparenz?



Region als Basis des Handelns (als Prinzip!)



Bessere Ausschöpfung des altruistischen Potentials



Essen als Freizeitbeschäftigung und Prestigefragen bei Einladungen



Lebensstile



Ist es wirklich zu teuer, sich „gesund“ zu ernähren?

25

Darunter ist zu verstehen: „Ohne entsprechendes bukolisches Make up bliebe man auf den landwirtschaftlichen High-techProdukten sitzen. Dies führt zu dem, was ich als Gleichzeitigkeit der Ungleichheiten bezeichnen möchte. Die heutigen Lebensmittelbranche zehrt von dem Auro einer bäuerlichen und handwerklichen Wirtschaftsweise, der sie zugleich den Garaus bereitet.“ Manuel Schneider : Zur Ökologie der Zeit in Landwirtschaft und Ernährung. Die Folgen des Erfolgs. 1995. S. 6-12 in: Zeit-Fraß. (Politische Ökologie. Sonderh. 8)

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Wie ist Veränderung möglich dahin, dass zukünftig mehr als 14 Prozent vom verfügbarem Einkommen für Lebensmittel ausgegeben werden?



Gemeinsam Lebensmittelqualität sichern: Vom Erzeuger bis zum Verbraucher

Diese Hemmnisse wurden auf Zettel geschrieben und auf den Boden im Kreis gelegt. Die Teilnehmenden gingen rund, lasen die Hemmnisse, legten Zettel zusammen, stellten sich zu nach Interesse zu Zetteln und bildeten 4 Gruppen.

Nächste Aufgabe: In Gruppen weiterarbeiten an der Leitfrage: Was sind die Hindernisse auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung, aber noch keine Ideen sammeln. Die Anfangszettel vom Boden waren Ausgangsstichpunkte für die Diskussion unter der Überschrift: Was sind die Hindernisse auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung. Diese Zettel wurden in die Gruppen mitgenommen und weiterverarbeitet. Sie ließen sich später nicht mehr als Einstiegszettel identifizieren bis auf einen, der liegen blieb: • Gemeinsam Lebensmittelqualität sichern: Vom Erzeuger bis zum Verbraucher Für alle 4 Gruppen gab es als Rahmen die Fragestellung: • • •



Was ist das Problem? Wie wirkt es sich konkret (in meinem Alltag) aus? Wer oder was verhindert eine Veränderung? Wer sind die Betroffenen/ Beteiligten – wie sehen deren Sichtweise aus?

Kleingruppe 1: Wandzeitung: mit welchen Zetteln fing die Gruppe an? • • • • • •

Verhältnismäßigkeit für die Anwendung techn. Vorgaben (Analytik, Grenzwerte) (ergänzt) und rechtlicher Kontrollen • KMU mit Schwierigkeiten moderner QM-Systeme Sicherheit durch technol. Systeme und/oder regionale Transparenz? • Produkthaftung àDokumentation à Transparenz • Harmonisierung, Dokumentation für à Kontrolle, Gütesicherung etc. Gütezeichen Wirrwarr? Transparenz? Transparente Kennzeichnung auf allen Stufen Region als Basis des Handelns (als Prinzip!) Regional- oder Handelsmarke?

Bericht aus KG 1 ans Plenum Qualität/ Gütezeichen 26 • • • • • • • • 26

Sicherheit im Lebensmittelzyklus QM-Systeme, mehr Sicherheit gewährleisten Verhältnismäßigkeit für KMU (= kleine und mittlere Unternehmen) umsetzbar? Zu teuer Regionale Transparenz oder technologische Systeme Wie Sicherheitsysteme, die nicht so aufwändig sind? Regionale als Basis des Handelns stärken? Qualitätsprodukte aus der Region als Statussymbol Alle Leute, die guten Willens sind, Schritt in die richtige Richtung

Bericht Engert

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Kleingruppe 2 Wandzeitung: Anfangszettel: • • • • •

Bessere Ausschöpfung des altruistischen Potentials Essen als Freizeitbeschäftigung und Prestigefragen bei Einladungen Lebensstile Ist es wirklich zu teuer, sich „gesund“ zu ernähren? Wie ist Veränderung möglich dahin, dass zukünftig mehr als 14 Prozent vom verfügbarem Einkommen für Lebensmittel ausgegeben werden?

Hemmnisse: • • • • • • • • •

Aufklärung über Preispolitik Ernährung ist kein Statussymbol Erreichbares (gesundes) Angebot reicht nicht aus Eßgewohnheiten Werbung Gruppendruck Bequemlichkeit Außerhausverzehr Kantine/ Preisdruck

Bericht aus KG 2 an das Plenum: Aufklärung über Preispolitik 27 • • • • • • •

Ernährung kein Statussymbol Eßgewohnheiten Wie setzen sich Preise im Supermarkt zusammen, wer macht Preise?, warum sind Preise so? Lebensmittel sollen größeren Stellenwert erhalten Bildung, Erziehung, Schule, Erwachsene Wieso ist die Wertung so? Änderungsmöglichkeiten? erreichbares Angebot an Ökoprodukten reicht nicht aus

Kleingruppe 3 Wandzeitung: Anfangszettel • •

Ernährungslehre in Schule + Ausbildung (ergänzt: + Erwachsene?) Erzeuger/-in –Verbraucher/-in-Dialog in Hessen einfordern! Wo ist das „ARLL“? • Mit den Frauen reden, die das Geld ausgeben • Handwerk • Infos an der Basis: Kinder/ Mütter • Vernetzung gegen Ungleichzeitigkeit • gemeinsame Verbraucherabende in Lebensmittelmärkten durchführen

Hemmnisse: • Impuls über Politik notwendig • Impuls über andere gesellschaftliche Gruppen (Kirchen, Sportvereine usw) • Ernährungslehre aus Lehrplänen gestrichen • Änderung der Familien- und Haushaltsstrukturen • „Hauswirtschaft“ mit geringem gesellschaftlichem Stellenwert • mangelndes Problembewußtsein • zu hoher Aufwand • Lebensstil à Einstellung zum Essen • Ehrlichkeit (Preis-Leistungs-Verhältnis, Reklame, Vorspiegelung einer Scheiwelt) • Zeiteinteilung à Prioritätensetzung • Einkaufsverhalten

27

Bericht Rothkegel, Soboll

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Bericht aus KG 3 ans Plenum: Ernährungsbildung (Bericht Beier) • Werbung hat zur Verwirrung beigetragen • Werbung, verfälscht • Informationsdefizit • Ausbildung von Schule • Impulse aus der Politik? • Mangelndes Problembewußtsein • Kirche, Sportverein à Gesundheit. Sie kümmern sich nicht um Ernährung und Gesundheit • Information praktisch an Verbraucher geben (Kochen, über Lebensmittel sprechen, Besuch von Läden • Nicht mit Millionen Werbemitteln machbar, Umdenken dauert lange, Prozeß

Kleingruppe 4 Wandzeitung: Anfangszettel: (und Zettel These 1)28 • • •



Ernährung und Gesundheit gehören zusammen Mangelndes Angebot Zeitproblem/ Wissensdefizit über Gesundheit/ Ernährung in privaten Haushalten Lebensmittelaufnahme und -verwertung soll zu einem bewußten Prozeß werden (zu These 1)

Diskussion: (Mitschrift) • • • • • • • • • • • • • • • •

Nahrungsaufnahme geschieht unbewußt. (Chipstüte am Fernseher), Prozesse werden nicht bewußt Geistige Aufnahme, Wertschätzung à Mittel zum Leben Gedankenlosigkeit, Wegwerfen Lebensmittel als Ramschware, kaum noch Weizen drin Zeit und Aufwand früher Gesundheit und Ernährung ist nicht bewußt, nicht bewußt was der Körper braucht Mangelernährung im Überfluß Es macht Arbeit, Nahrung zuzubereiten Es kostet Zeit, man kann damit kein Geld verdienen Überlastung, Wert der Hausarbeit Beim Bauern wird Zeit nicht wertgeschätzt Essen als Erlebnis, als Eßkultur bewußt machen Platz für Essen im Tagesrhythmus Beim Essen passiert was Lebensmittelaufnahme/ Zubereitung als Erlebnis Es wird nicht mehr vorgekocht (und von der Familie nicht wertgeschätzt), Kenntnisse der Vorratshaltung und Haltbarmachung gehen verloren Bedeutung des Essens ist denjenigen, die essen, nicht bewußt, Essen verdirbt (z.B. im Kühlschrank) Bezug zur Natur und zu den jahreszeitlichen Lebensmitteln verloren

Wer/ was verhindert Veränderung? • • • • • •

Bewußtsein Handel mit Preisdumping Werbung, egoistisch, eigentliche Werte kommen nicht vor Es fehlt Geld für Werbung für gesunde Lebensmittel Es sind die anderen schuld Die Menschen sind sich nicht klar, daß sie selbst enscheiden • Gesundheitsbegriff, mangelndes Verhältnis zum eigenen Körper

• Eigenverantwortung ist nicht klar

28

Personen: Dirauf, Weiss, Spors, Pfahl

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Verhinderer: •

fehlendes Wissen verhindert die Wahrnehmung von Konsumenten/-innen/-macht

• Fachrichtung Hauswirtschaft • Kaufentscheidungen

Hemmnisse (auf Wandtafel aufgeschrieben): • • • • • • • • • • • • •

Nahrungszubereitung zählt nur als Arbeit, wenn es im Erwerb geschieht Prozeß der Nahrungsaufnahme vollzieht sich unbewußt Natur hat in Gesellschaft an Wert verloren Stellenwert der Hauswirtschaft (und Bildung) ging verloren Eigenverantwortung für die eigene Gesundheit wieder aneignen Regionale Kaufkraft, gesunde Region, soziale Bedeutung Fehlende Organisation der Konsumenten/ –innen à Kammer (wie Handwerkskammer, Ärztekammer als Pflichtzusammenschluß) Mangelndes Ernährungsbewußtsein durch fehlende Bildung beim Verbraucher Biolandwirtschaft – Wasserschutz Der Verbraucher betrachtet schon beim Kauf mehr Einzelkriterien (oft von außen gesteuert) als Gesamtzusammenhang (fremdbestimmt) Werbung irreführend Wertschätzung der Lebensmittel fehlt, des Selbstzubereiteten Mißachtung der Lebensmittel

Bericht KG 4 ans Plenum: Gesundheit und Ernährung (Bericht Weiss) • • •



Ernährungspsychologie/ Gesundheit und Ernährung Verbraucher ist gefordert, Ernährung bewußter Hauswirtschaftliche Bildung unzureichend Nahrungsmitteleinkauf und Essen selbstbestimmt

Berichte aus den 4 Kleingruppen: Die Berichte wurden im Plenum nacheinander vorgetragen. Der besseren Lesbarkeit sind sie an die Gruppenarbeit angefügt.

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Nächster Schritt: Ideensammlung: Crazy ways: Verrückte, gute Ideen für eine gesunde Ernährung in der Zukunft Brainstorming „Ideen-Sturm“. Dabei wurde eine neue Gruppenzusammensetzung mit Kreativitätskeksen zusammengewürfelt. Anhand der Formen der selbstgebackene (gesunden) Vollkornkekse in verschiedenen Formen (Kreis, Herz, Kreuz, Rechteck) setzten sich die Gruppen zusammen.

Regeln: • • • • •

nicht diskutieren, sondern alle Ideen aufschreiben geht nicht - gibt’s nicht Quantität geht vor Qualität Anknüpfen an die Ideen der anderen Auch verrückte Ideen zulassen

Gruppe 1 (Wandzeitung) • • • •

Aktion: „Unsere Lebensgrundlage“ (Heil-)Kräuter-Lehrwanderung Mehr Männer zum Kochen bringen Verbraucher in Agrarfabrik + normalen Hof

• • • • • • • •

Regionale Bildungsoffensive: Landwirtschaft – Naturschutz – Ernährung Praktischer Einkaufs- und Küchentag für jedermann/-frau unter fachkundiger Anleitung „Genuß-Allianz“ gesellschaftlicher Gruppen (Verbände, Kirchen, Kulturgruppen, Behörden,....) Ökoverbraucher toleranter machen, -keine Ideologie Kommunale Agrar- und Ernährungspolitik, Spielräume ausloten! Großküchen bewerten à Image-, Marketingkampagne Wissenschaftsförderung: Mehr Umweltbilanzen von Nahrungsmitteln Steuer auf Convienience-Produkte

• •

Mitkoch-Zentrale Verbot der Handelsmarken

• • • •

„Gutes Essen“ zum Positiven Lebensimage machen Fit durch energiebewußte Ernährung Fitness mit Ernährung verbinden Rhöner Marathon von regionaler Landwirtschaft/ Handel organisiert

• • • •

Feste feiern: Hollerblütenfestival! Werbung Prominenter (Sympathieträger): ich esse gern gut ! Kinospot/ Komik etc. statt moralischer Traktate Sensorik-Events

• • •

Frucht(themen)zentrierte Feste „Tolle Knolle von der Rolle“ (Rund um die nicht dickmachende Kartoffel) leckere und schnelle Rezepte (trotz gesund)

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Gruppe 2 (Wandzeitung) • • • • • • • • •

Ernährungserziehung à didaktisch überarbeiten à realistisch Berufliche Bildung Kochkurse, zielgruppenorientiert (z.B. Sozialhilfeempfänger, z.B. Urlauber) à Eßkultur “trainieren” Tierparade Kleinere regionale Ketten (Netzwerke) à Kooperation Landwirtschaft Handwerk Beziehung Ernährung und Umwelt am Beispiel Wasser Event mit Verlosung Sozialhilfebons nur für Öko-Lebensmittel (mentale Schwelle) Angebote in Gemeinschaftsverpflegung (GV)/ Gastro

Gruppe 3 (Wandzeitung) • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • • •

Essgewohnheiten ändern irreführende Werbung verbieten große Marketingkampagne für frische + regionale Lebensmittel Ökologische Volksküche/ Gemeinschaftsküche Information über Verarbeitung von Lebensmittel Beipackzettel für jedes Produkt Partnerschaften zwischen Schule und LW/ handwerklichen Betrieben vor Eheschließung Nachweis über hauswirtschaftliche Kenntnisse Rationellen Einkauf erlernen Haushalt als Unternehmen/ Management Kantinen + Gastronomie bieten Gerichte nur aus Ökoproduktion Gemeinschaftskochen für Single /Kleinhaushalte Nutzung moderner Informationstechnologien „gesunde“ Lebensmittel-Erzeugung wird steuerlich verordnet „“bessere“ Ernährungsausbildung bei Ärzten und Gesundheitsberufen Staffelung von Krankenkassenbeiträgen saisonale Produkte mit den Sinnen erfahrbar machen Geschmackstraining Aussehen und Geschmack Neuformulierung von Handelsklassen Aufhebung von Handelsklassen Entwickelte Produkte der Industrie müssen mit Verbrauchernachfrage abgestimmt werden Außerhauswirtschaft ökologisch organisieren Pflichtbesuche von Schulklassen von Betrieben aller Erzeugnisstufen Lehrer sollten 8 Tage der Ferien in einem Betrieb der Lebensmittelerzeugung +verarbeitung verbringen Betriebpraktika für SchülerInnen in der LM-Erzeugung und im Marketing FEJ (Freiwilliges Ernährungswirtschaftliches Jahr) fördern (fordern? Quoten für Fastfood Restaurants Erzeuger-Verbraucher-Dialog institutionalisieren Schulung von Verkaufspersonal im Lebensmittel-Einzelhandel

Gruppe 4 (Wandzeitung) (Soboll, Henkel, Spors, Pfahl) • • • •

Beim Markt an der Konstablerwache fehlen die Verbraucher Krankenhausverpflegung Bsp. Dill-Kliniken à Personal schulen/ überzeugen Es muß für Krankenversicherungs-Beitragszahlende möglich sein, Einfluß zu nehmen, daß im Krankenhaus mehr für gesunde Verpflegung ausgegeben wird Kinder kochen 1x je Woche ihr Essen selbst (in Schule und Kindergarten) àkompetent werden (one Wandzeitung Gruppe 4)

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• • • • • • • • • • • • • • • •

• •

Verein gründen z.B. „Singles kochen besser: viele berufstätige Menschen können nicht mehr richtig kochen à Kochen und Gesellschaft verbinden “ (jemand kennenlernen beim Kochen) Im Chemieunterricht Zusammensetzung von „Novel Food“ durchnehmen (Lehrpläne) Tag der offenen Tür auf dem Bauernhof Kompetent werden, neu aneignen: Früher waren die Menschen für die Ernährung zuständig. Heute wird die Zuständigkeit meist (oft) abgegeben Beiräte für Handelsketten und für Erzeuger, Handwerk, Innungsmeister, Dialog stärker organisieren Andere Formen gesunder Gemeinschaftsverpflegung Setting-Ansatz der WHO (Gesundheitsförderung) Umweltbildung/ Ernährung à öffentlicher Auftrag, Gesellschaftlichsauftrag à Kulturraum, Lebensraum Verbraucherzentrale Mehr Geld lokal für Werbung CMA-Gelder anders einsetzen Hess. Öko-Botschafterin (CMA) Beispiel Ernährungsbroschüre Zug mit Lebensmitteln Produktinnovation für gute Produkte auch auf Erzeugerseite Peppiger Internetauftritt, Kinder lernen lesen (Kinderakademie) Bsp. Engl./amerik. Schulen, Why – Files Prof. Pudel Marketing-Studie zur erhöhten Vermarktung von Schulmilch à Marketingstrategie Zusatznutzen: àGeld, viel Geld à Ware peppiger anbieten à unterschiedliche Lebensstile Was machen wir aus der Marktmacht der Mitglieder im BUND/ Kirche/ kFD? Kampagne: an einem Tag sollen alle in einem Laden nach einem bestimmten Produkt fragen à Woche der Ernährung, Verbandsmitglieder, à Mailing-Aktion à Projekt der VZ Fulda, Umweltzentrum Fulda mit CMA-Geldern à Wertigkeit der Lebensmittel, Name suchen, Marketing

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Nächster Schritt: Projektideen wurden ausgewählt und in zwei Runden weiterverfolgt: Zielkriterien: • • • •

Was kann ich tun? Ziel muß erfahrbar sein (in 5 Wochen 10 kg abnehmen) In Gegenwart formulieren Nicht in Widerspruch zu anderen Zielen

Projektidee 1: Netzwerk Landwirtschaft – Handwerk (LEH) – Verbraucher Projektidee 2: Neuorganisation des Agrarmarketing Projektidee 3: Rhön-Marathon Projektidee 4: Mitkochzentrale/ Ökologische Volksküche/ Gemeinschaftsküche Dazu jeweils als Handreichung: Umsetzungsplanung • • •

Was machen wir (die ersten 3 Schritte) Wer macht es (mit wem)? Wer oder Was könnte uns unterstützen? Welche Ressourcen und Erfahrungen haben wir schon?



Projektidee 1 Netzwerk Landwirtschaft - Handwerk/(LEH) - Verbraucher • • • • • •

Schaffung überschaubarer (und kontrollierbarer regionaler Netzwerke Konzeptoptimierung Träger und Bündnispartner Kontinuierliche Verbesserung der Leistungen Informations- und Ausbildungszentrum für Mittel zum Leben (Verbraucherzentrale ? FD) Umweltbildung Ziel: Erhaltung des Lebensraums durch richtige Ernährung

Blauer Ergebniszettel: Netzwerk stärken •

• • • • •

Vorhandene Netzwerke stärken Rhönhöfe Beerenobstgemeinschaft Rhöner Apfelinitiative Biohof Gensler/ Bäckerei Brennung ?? Weideochsen/ Metzgerei Leist Ulstermühle Erlenmühle Elm Kelterei Biosphärenreservat

Neue Partner dazu gewinnen Verbraucherzentrale Fulda Umweltverbände Fachhochschule Fulda Bildungseinrichtung

Am Rande für alle stand: Kontrolle/ gläserne Produktion (Es wurde ein Ausdruck eines Konzepts für ein Informations- und Ausbildungszentrum aufgehängt, das der Autor leider wieder mitgenommen hat.) - 33 -

Bericht im Plenum: Netzwerk Landwirtschaft - Handwerk - Lebensmitteleinzelhandel • • • • • • • • • • •

Ausbildungszentrum Vorbild Herrmannsdorfer Landwerkstätten nach Fulda holen und ergänzen Es hakt mit der Ausbildung Netzwerk Rhönwerkstätten (Ausbildung- Weiterbildung –Fortbildung) Handwerklicher Bereich Gebietsübergreifend ausbilden Ausbildung für die Zukunft Schaufenster für Produkte Mit Hotel für Natur + Familie Modellbauernhof Schulausbildungszentrum (Lehre, Beruf, Aus- und Weiterbildung)

Bericht nach zweiter Runde im Plenum • •

• •



Netzwerkprojekt als Gesamtkunstwerk. Optimierung des Konzeptes. Machbarkeitsstudie (Fehler vermeiden) Bündnispartner gewinnen, öffentlicher Bereich, Modellcharakter, vorbildlich für die regionale Entwicklung. ES gab eine Vorstellung bei IHK, Handwerkskammer. Wer kann helfen, Projekt zu realisieren? Erstellung von regionalen Konzepten wird gefördert. Kontinuierliche Verbesserung der Leistungen parallel mit Marketingbeziehungen Bildung/ Weiterbildung abgespalten. Wie Bewußtsein entwickeln für Vogelstimmen hören? Großer Bedarf an Naturerlebnisführungen, ausbauen im Landkreis? Es gibt einen Markt für ein solches Hotel. Auch Erwachsene wollen lernen, aber wie sie ansprechen? Leute dort abholen, wo sie sind. Informieren über gesunde Ernährung und den Zusammenhang zur Erhaltung des Landschaftsraumes für die Region.

Projektidee 2: Neuorganisation des Agrarmarketing 29 CMA-Absatzfonds: Damit wird bisher Werbung finanziert. Hintergrundwissen fehlt. Mittel der Landwirtschaft (z.B. 1 DM pro geschlachteten Schwein) und wird ergänzt durch staatliche Mittel.

„Die CMA erhält die für ihre Arbeit erforderlichen Finanzmittel in der Hauptsache vom Absatzfonds. Erhoben werden die Gelder für den Absatzfonds von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) an den marktengsten Stellen, den sogenannten Flaschenhalsbetrieben. Dazu gehören beispielsweise Schlachtereien, Molkereien und Brauereien. Die Beiträge zum Absatzfonds betragen derzeit etwa 4 Promille. Bemessungsgrundlage sind die Mengen bzw. Werte der einzelnen landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Die Flaschenhalsbetriebe können diese Abgaben auf ihre Lieferanten - in der Regel also die Landwirte - abwälzen. Die Beiträge an den Absatzfonds machen den Hauptteil des CMA-Haushalts aus. Die CMA erwirtschaftet durch verschiedene Serviceangebote aber auch eigene Mittel, die dann dem Gemeinschaftsmarketing zufließen. Der CMA-Haushalt beträgt jährlich etwa 160 Mio. DM. Langfristig fließen die Einzahlungen eines Produktbereichs - z.B. der Milchproduzenten - diesem durch CMA-Marketingmaßnahmen wieder zu. In besonderen Situationen können einzelne Bereiche vorübergehend auch überproportional unterstützt werden.“30

Bisher Drittelfinanzierung (Hessen Agrar/ CMA/ Region)

29 30

Teilnehmende: Strauch, Dr. Beier, Spors (kfd),Pfahl, teilweise Engert Homepage CMA

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CMA sitzt in Bonn , die Bauernverbände und die Ernährungswirtschaft sind darin vertreten 31 In Bonn ist durch eine neue Geschäftsführung etwas in Bewegung geraten. Man kann Geld beantragen z.B. Land-Primus-Programm (tegut) wurde gefördert. • • • • •

Regionale Kampagnen Marketing-Schulung für Landwirte Bauern als Unternehmer schulen Zweitages-Seminare finanziert Große Werbefirmen

Finanziert werden sollte: • Regionalisierung, • Erzeuger-Verbraucher-Dialog • Kooperation, Netzwerk àInformation einholen àUnterstützt von Marketingagentur àProjekt formulieren

Ziel:

CMA wird lokal kritisch gesehen, was bringen die Werbekampagnen? à Evaluation der Werbekampagnen (z.B. Bundesköche, BSE-Infoschrift)

Ziel: stärkere Regionalisierung der CMA-Werbung, des dialogorientierten Marketings in Regionen. • • • • •

Mit Veranstaltungen regionaler Akteure aus dem magischen Sechseck Regionalorientiertes magisches Sechseck Aus 3 Jahre ansetzen Dialog fördern, dialogorientierte Werbung Region wirtschaftlich fördern, regionale Wertschöpfung

Antrag formulieren, Projekt beschreiben, Konzept erstellen • • • • •

Wer stellt Antrag an wen? Rechtsperson suchen Mehrere Antragsteller evtl. AGN (Strauch) und VZ AG regionales Standortmarketing (IHK, Landrat Bgm Riehl, 1.KB Möller) Südwestforum gibt es auch noch Sparkassenstiftung

Begriff Region: Man war sich einig, daß die Region aus Landkreis und Stadt besteht.

Ergebnis erste Runde: Wer macht Schritte: Antrag stellen, Konzeptpapier in kleinen Kreis erörtern, Pfahl macht Rohling, Redigieren und ergänzen Dr. Beier/ Engert (Zeithorizont: bald, bis Ende Mai) • • • • • • •

31

Kreisbauernverband AGN Landkreis Stadt Umweltzentrum KfD Metzgerinnung?

lange Liste im Internet

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Das Absatzfondsgesetz wird geändert (Fachleute der CMA)à Beitrag leisten für Gesetzänderung, begleitend mit Bundestagsabgeordneten Kontakt aufnehmen.

Ergebnis aus der ersten Runde (Dr. Beier): • • • • •

Lebensmittelproduktion auf die regionale Ebene runterbrechen Politisch Einfluß nehmen auf die Änderung des Absatzfondsgesetzes Modelle in Region umsetzen Verschiedene Gruppen aus der Region beteiligen (Landwirtschaft, AGN, Verarbeitung, Metzgerinnung, Bäcker und Produktion Regionale Gruppen: Südwestforum, Biosphärenreservat, Landkreis, Stadt, Verbraucherberatung, Umweltzentrum, kfD

Eine vernünftige Arbeitsweise ist möglich: 1/3 CMA, 1/3 Landkreis, 1/ 3 regionale Mittel. Region: Landkreis und Stadt Fulda

Ziel: modellhafte Zusammenwirken bei Nahrungsmitteln + in Dialog treten und Themen umsetzen + Projekte formulieren + neue Wege + Aktivitäten wie Idee Marathon + Beratung + Bildungsangebote (qualifiziert) dialogorientiertes Marketing, nicht frontales Marketing + Aktionen gleichlaufend, parallel Ernährungswoche Thema der Gruppe: (Zettel mit denen die Gruppe aus der Ideenrunde weitermachte) • • • • •

Neuorganisation des Agrarmarketing CMA-Gelder 32 anders einsetzen Projekt Verbraucherzentrale Fulda + Umweltzentrum Fulda (+Bauernverband?) Ernährungswoche mit Geld der CMA und den lokalen Akteuren und Mitgliederverbänden Marketing dialogorientiert mit Aktionen

Bericht ans Plenum (Blaue Ergebniszettel): Projektidee: Regionalorientiertes, dialogorientiertes „Magisches Sechseck“ • • • • •

Einschaltung in die laufende Änderung des Absatz-Fonds-Gesetzes (dort ist CMA geregelt) Beteiligung verschiedener Gruppen Ziel: bis 2003 erreicht Finanzierung: 1/3 CMA, 1/3 Land Hessen (Marketing-Gesellschaft), 1/ 3 Region Region = Landkreis Fulda + Stadt Fulda

Runde 2 der Gruppe Agrarmarketing/CMA: Braucht es für die Idee eine eigene Gruppe, es gibt schon einige Kooperationen (LEADER +)? Es reicht ein eigener Projektberatungskreis, keine eigene Struktur schaffen. Träger auch Verein Natur und Lebensraum Rhön möglich. Eine eigene neue Struktur soll nicht geschaffen werden: von Zirkel gesteuert 32

CMA = Werbung der Agrarwirtschaft

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Aufbauend auf bestehenden Konzepten, nur als eigenes Projekt, Antragsteller Ausgangspunkt wird noch einmal zusammengefaßt: • • • • • • •

Zu wenig Marketing, Kritik am Marketing der CMA Landkreis macht kein eigenes Regionalmarketing Verschiedene Trägermodelle Gebietskulisse Landkreis Wie kann die Region profitieren? Keine Ermüdung durch zusätzliche Gremien Konsumentinnen /Konsumenten einbeziehen

Projektidee 3: Rhön-Marathon 2003 1. Schritt: Rhön-Marathon von Landwirtschaft/ Handwerk organisiert 2. Schritt: 2.1. 2003 findet in der Hohen Rhön ein Marathon statt 2.2. Der Zusammenhang von: Fitness und Landwirtschaft/ Handwerk soll erlebbar werden: • fitte Ernährung • fitte Natur • fitte Landwirtschaft/ Handwerk (als Schaubild gestaltet), Filmspot (Vorfilm, Werbefilm) 2.3. Fitness natürlich positionieren Camp-Konzept, Probelaufen mit prominenten Sportlern und prominenten Ernährungs-/Koch-Fachleuten

3. Schritt : 3.1. Konzept erstellen • • • • • • • •

Sportliches Konzept (LSB) Ernährungskonzept (FH Fulda) Infokonzept Landwirtschaft/ Landschaft Ernährungshandwerk/ Gastronomie Ernährung/ Gesundheit/ Spaß/ Genuss Kommunikationskonzept Komitee einsetzen (Sport, Landwirtschaft, Handwerk, Gastronomie, § 29erVerbände, Rhönclub, FH Fulda, Biosphärenreservat etc. 3.2. Finanzierung klären, Sponsoren, Banken, Landkreis, Land • Ausschreibung (Wettbewerb), • Nachwuchsförderung? • Filmförderung? • CMA? • Sponsoren? 3.3. Feste Organisation • dafür: Wettbewerb Univ./ Fachhochschulen „Werbung/ Grafik“ • Landkreis(e) à Federführung • Gespräche mit Sparkassen/ Banken, Landes/Bundes-Institutionen, (CMA), Sponsoren Ernährungswirtschaft

Vorstellung im Plenum nach dem ersten Durchgang 1. Fitness-Camp entwickeln (prozeßorientiertes Trainingscamp einrichten mit gutem Es-

sen) Vorbereitungscamps (Frühjahr + Sommer) mit PR-wirksamen Probeläufen (10, 20 km) zum Vorbereiten des Rhön-Marathons Hohe Rhön, ein besonderes Marathon für Fitness, fitte Natur, fitte Ernährung: erlebbar machen: Fit, natürlich, positiv Bild: ein fitter Bursche voller Lebenslust, ißt gut

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Gremien dafür ist beim Projekt CMA-Gelder angesiedelt (Sport, Biosphärenreservat, FH) Marathonlauf wird mit regionalen Sponsoren geplant 2. Zielgruppenspezifische Info/ Werbematerialien Filmspot 200.000 DM mit guten Bildern („Berg ruft“) 3. Begleitende Ernährungs-Kurse „Fitness natürlich“ Prominente begleiten bei ihrem Fitness-Camp Ein Prominenter äußert sich: „so geht es mit der Wampe nicht weiter“ (z.B. Joschka Fischer)

Bericht im Plenum nach der zweiten Runde • Komitee einrichten, sportliche Unterstützung des Landessportbundes, Ernährungskonzept FH Fulda (Vollwertkost aus ökologischem Anbau) Landwirtschaft und Nahrung: Zusammenhang herstellen, Ernährung, Gesundheit, Spaß, Landschaft, locker über die Rhön laufen, fit. Wettbewerb mit Hochschule (Marketing-Konzept), Projektarbeiten. Landkreis soll federführend tätig sein, länderübergreifend organisiert. Mit Sparkasse, CMA, Sponsoren tegut, fkk Filmspot: Fitneß natürlich, Fitneßcamps Kochkurse integrieren, prominente Köche Probeläufe 2003 mit Prominenz, Hildeser Früjahrslauf Strecke in Stücken laufen, um sich so zu steigern. Projekt mit CMA-Projekt verbinden. (Schule Schwarzerden einbinden)

Projektidee 4: Mitkochzentrale Ökologische Volksküche/ Gemeinschaftsküche Genuss für jedermann! (Abbau von „Berührungsängsten“) Zielgruppe sozial Schwache

Bericht fürs Plenum (Blaue Zettel): Ziel ist es, daß regelmäßig in Kindergärten und Jugendeinrichtungen von den Jugendlichen unter Anleitung Lebensmittel zubereitet werden, möglichst aus ökologischem Anbau. Die Jugendlichen lernen dadurch, den Wert gesunder Nahrung zu schätzen bzw. falsche Essgewohnheiten zu ändern. Einfluß auf Eltern, Lehrer: Ziel erreicht, wenn alle Einrichtungen in unserer unmittelbaren Umgebung teilnehmen. Umsetzung: (Bericht im Plenum) 1.

Anfrage Jugend- + Sozialamt ist geplant: wo gibt es Küchen Wo gibt es Gärten bei Kindergarten - Grundschule wird da schon was gemacht? Was - von wem Finanzierung 1. Kindergartenleitung/ Elternbeirat ansprechen 2. Sensorik üben Lebensmittelkunde Fremdartige Lebensmittel – Kochkunst 3. Projekttage/ Woche

Bericht im Plenum Zunächst stellte sich in der Gruppe heraus, daß sich die Vorschläge erheblich unterschieden. Als kleinster gemeinsamer Nenner kam dann heraus, regelmäßig etwas aus ökologischem Anbau zu kochen und gutes Essen kennen zu lernen. In der Institution, die man kennt, dies regelmäßig durchführen evtl. selbst anbieten - 38 -

Bericht nach der zweiten Runde im Plenum • Was wird schon gemacht? Gibt es in Fulda in Schulen und Kindergärten Küchen? Belieferungssysteme für Mittagstisch? Es geht auch ökologisch im Kindergarten, auch nach der neuen HygieneVO. Evtl. Als Diplomarbeit an FH aufarbeiten. Fremdländische Kochkunst lernen. Problem: Wertschätzung, es darf nicht viel kosten, Projekttage

Schlußwort und Verabschiedung (Monika Bracht) In der Werkstatt ist eine große Bandbreite ist deutlich geworden, die bei der Betrachtung des Themas „Erzeuger, Verarbeiter, Handel, Verbraucher auf dem Weg zu einer gesunden Ernährung“ ins Blickfeld rückt. Es kann sich nur um den Anfang einer regionalen Diskussion handeln. Zu klären ist, wo sind Stränge, die weiterverfolgt werden sollen und vor allem, wer soll dies in die Hand nehmen. Wir danken für die professionelle Moderation und schließen die Tagung in der Hoffnung, daß die Werkstatt der erster Schritt in einem Prozeß war, dem weitere folgen. Die Ergebnisse der Tagung sollten umgesetzt werden, insbesondere das Projekt Agrarmarketing. Mit einer verbesserten Zusammenarbeit der Akteure des „magischen Sechsecks“ wird die Grundlage geschaffen, um weitere Projekte zu verwirklichen. Vorhandene Strukturen z.B. beim Stadtmarketing Fulda sollten als Grundlage zum Aufbau genutzt werden.

Eine Nachbefragung der Teilnehmenden und der Akteure, die gefehlt haben, wäre hilfreich, um auch bei ihnen die positiven und negativen Punkte sowie nächste Schritte zu erfragen. Eine Fortsetzung der Werkstatttagung als Modellprojekt wäre wünschenswert. Ein Schreiben ging an Staatssekretär Alexander Müller am 24.6.01.

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5. Ergebnisse der Tagung ohne Abb.Berichterstattung in der Fuldaer Zeitung vom 17.5.01

Bewertung der Tagung Ergebnisse positiv •

Positiv war, daß die Werkstatttagung stattgefunden hat. Es wurde einmal nicht nur in aufeinanderfolgenden Redebeiträgen, wie auf anderen Tagungen, über das Thema Agrarwende geredet, sondern es fand unter unterschiedlichen Akteuren aus dem „magischen Sechseck“ ein moderierter Austausch statt. Die gemeinsame Suche nach Lösungen war ein Teil-Erfolg. Das Ziel war erfolgreich, ein Pilotprojekt zu starten. Eine Zeitlang hatten die Initiatorinnen überlegt, die Tagung zu verschieben.



Positiv war der Ansatz bei gesunder Ernährung. Dies ist bei der Agrarwende ein weißer Fleck. Wer ist für gesunde Ernährung zuständig (im Sinne der Ernährungsökologie)? So, wie Ernährung in den privaten Haushalten und Orten gemeinsamer Ernährung stattfindet? Nur im Dialog der Akteure kann sich herausstellen, wer und was fehlt. Es wird im Dialog der lokalen Akteure sichtbar, welche Themen angesprochen werden müssen und welche weiterverfolgt werden. Die Themen können einzelnen Akteuren im Sechseck zugeordnet werden,



Positiv war, daß die Werkstatttagung auf lokaler/ regionaler Ebene stattgefunden hat,



Positiv war zu sehen, wer aus dem Sechseck an der Suche nach Lösungen nicht teilnimmt, welche Akteure fehlen,



Positiv war, daß die privaten Haushalte einbezogen waren.



Positiv war, an die Grundlage der Regionalentwicklung und des Biosphärenreservats anschließen zu können,



Positiv war, daß die Werkstatt im ländlichen Raum stattgefunden hat,



Positiv war die Moderation, so daß in relativ kurzer Zeit viel erreicht wurde,



Positiv war, daß viele Frauen sich angesprochen gefühlt haben.



Positiv war, daß die Politik die Tagung so interessant fand, daß Staatssekretär Müller die Schirmherrschaft übernahm.

Ergebnisse negativ/ Nicht erreicht wurde: •

Es gelang nicht, alle Akteure aus dem Sechseck zu einem Dialog zusammenzuführen. Das Zusammentragen der Hemmnisse, die Diskussion, die Projektideen, die Vorschläge für die Umsetzung blieb unvollständig. Die Gründe sind zu hinterfragen.

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Die Unterstützung der Agrarverwaltung fehlte, die für einen Erzeuger-Verbraucher-Dialog zuständig ist. Obwohl eine derartige Werkstatt noch nicht stattgefunden hatte, fühlte sich die Agrarverwaltung nicht angesprochen, sich zu beteiligen.



Im Kreis der Teilnehmenden waren manche Seiten des Sechsecks nicht besetzt, andere überbesetzt. Wichtige Akteure, die sich hauptberuflich mit der Agrarwende/ Ernährungswende beschäftigen müßten, fehlten. Dabei fand die Werkstatt extra an einem Arbeitstag statt, um die beruflich mit Ernährung Beschäftigten anzusprechen.



Nicht erreicht wurde, daß der Einzelhandel sich angesprochen fühlte. Selbst die innovative Firma tegut kam nur bis Mittag und hatte auch niemanden anderes geschickt, z.B. mit den Erfahrungen aus der Zeitschrift Marktplatz oder Kundendialog. Dabei hatte der Firmeninhaber Gutberlet im Vorfeld der Tagung bei der Verbraucherzentrale Fulda nachfragen lassen, wo denn der Anteil seiner Lebensmittelkette gesehen werde. Warum sie nicht kamen, darüber kann nur gemutmaßt werden. Mögliche Erklärungen könnten sein, weil sie sich nicht für gesunde Lebensmittel zuständig fühlen? Weil Gesundheit mit Krankheit besetzt ist? Weil man sich letztendlich mit dem Lebensstil hätte auseinandersetzen müssen? Weil sie die Diskussion mit Mitbewerbern scheuten?



Negativ war, die späte Nachricht aus dem BMVEL, daß Staatssekretär Müller die Schirmherrschaft übernimmt. Damit konnte leider nicht geworben werden.



Nicht erreicht wurde die Beteiligung der BUND-Mitglieder, die allerdings an Werktagen nicht frei haben. Auf der anderen Seite war nicht öffentlich eingeladen worden, so daß auch die allgemeine Mitgliedschaft nicht informiert war.



Es gelang nicht, an hauptamtliche Ressourcen anzuknüpfen, die etwas zur Umsetzung der Agrarwende hätten zusagen können.



Leider konnten Erfahrungen aus Gesundheitsfördernden Settings (Gesundheitsfördernde Schule, gesundheitsfördernde Region, gesundheitsfördernder Betrieb) nicht einbezogen werden. Ernährung ist in allen Settings ein wichtiges Thema.

Betrachtung des „magischen Sechsecks“ anhand der Werktstatttagung Im folgenden unternehme ich einen Versuch; die Akteure und gesunde Ernährung gegenüberzustellen. Ich habe in der Literatur nichts an Ausführungen zu Hemmnissen der Akteure des magischen Dreiecks gefunden. Dabei ergänze ich, was nach meiner Einschätzung der Akteuren im Sechseck zugeordnet werden sollte:

Akteur des „magischen Sechsecks“:

ist befaßt mit gesunder Ernährung:



Verbraucherinnen und Verbraucher



Familie/ Privater Haushalt



Verbraucherschutz

• Gesunde Ernährung? Gesund schmeckt nicht, macht keinen Spaß und die Zeit dafür fehlt • Kochen kann doch jede, Einkaufen ist ein Erlebnis • Vor gesunder Ernährung braucht niemand geschützt zu werden, für gesunde Ernährung sind sie nur am Rand zuständig, Ernährungsberatung wird wenig nachgefragt, vor allem bei neuen Skandalen in der Presse, egal ob begründet oder nicht (Gift der Woche) Ernährungsberatung und Settingansatz (Gesunde Schule, Kariesprophylaxe im gesundheitsfördernden Kindergarten, gesunde Kantine) • Gesunde Ernährung ist kein Thema

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• Was macht krank? Selbsthilfe für gesundes Leben?

• • •

Umweltverbände Selbsthilfegruppen Landwirte

• • •

Agrarverwaltung Futtermittelindustrie Lebensmittelindustrie (Industrie, Metzger, Bäkker)



Werbung



Einzelhandel



Gastronomie



Kantine

• •

Krankenhaus Politik



Verwaltung

• Befassen sich mit der Produktion von Lebensmitteln, nicht mit gesunder Ernährung • hauswirtschaftliche Bildung wurde abgebaut • was hat gesunde Ernährung mit uns zu tun? • Will verkaufen und den Fleischabsatz erhöhen unabhängig von Gesundheit33, Wertschöpfung erhöhen • wollen Umsatz machen, mit Gesundheit darf nicht geworben werden. Es ist möglich, genauso offensiv für regionale, ökologische Produkte zu werben wie für anderes 34 • Verkauft Produkte und macht Umsatz, gesunde Lebensmittel? Handelsklassen kennen gesunde Ernährung nicht, nur Schadstoffe • wirtschaftliche Überlegungen stehen im Vordergrund, Genuß. Gutes Essen schmeckt nicht? • Gesundheitsfördernder Betrieb als Ziel: welcher Akteur macht das? • Will/ Muß meist am Kranksein Geld verdienen, gesunde Ernährung im Krankenhaus ist selten • Will gewählt werden/ Macht: zum Wohle des Volkes. Gesunde Ernährung ist kein Politikfeld • Gesunde Ernährung?

Den sechs „offiziellen“ Akteuren ordne ich einige weitere Akteure zu, die mit dem Hauptakteur zusammenhängen sind. Es wird daran deutlich, wie verflochten die Ernährungswende wird, wenn sich aus der Gesundheitsperspektive betrachtet wird.

Einige Akteure, die im magischen Sechseck fehlen: Fehlende Akteure

und gesunde Ernährung

• • • •

Wirtschaft Regionalentwicklung Transportgewerbe Schule

• • • •



Erwachsenenbildung/ VHS

• • • •

• •

Lehrerfortbildung Wissenschaft ÖGD (Öffentlicher Gesundheitsdienst) Ärzteschaft

• • •



Veterinäre / Tierschutz





Kirchen



Wertschöpfung und gesunde Ernährung Gesunde Ernährung in der Region? Transport und gesunde Ernährung? hauswirtschaftlicher Unterricht wurde abgebaut, Schulprogramme und gesunde Ernährung? Gesundheitsfördernde Schule Kochen ist Hobby, VHS-Förderung wurde abgebaut Gesunde Ernährung? Schulprogramme Ernährungswissenschaft fehlt der Settingansatz der WHO Gesunde Ernährung/ Public Health? Zivilsationsbedingte Erkrankungen und Ernährung? Ärzte fehlen im Sechseck Fehlten: was hätten sie zur Ethik beitragen können? Wo sind die Hemmnisse, mit Tieren artgerecht und ehrfurchtsvoll umzugehen? Hat eine Entfremdung von der Natur stattgefunden? Fleisch kommt aus dem Geschäft? Die Kuh ist lila Ehrfurcht vor der Schöpfung, Bewahrung der Schöpfung?

Interessant wäre eine Analyse, wie sich die Akteure des magischen Sechsecks mit gesunder Ernährung befassen und welche realen und angeglichen Hemmnisse sie haben.

33

34

Tagung in Mannheim 1998 Pudel, Volker, Tagung in Stuttgart 2000 Ernährung und Jugendliche

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6. Konsequenzen Bei der Nachbereitung der Tagung wurde zunächst beleuchtet, zu welchen Themen keine AGs besetzt wurden, welche Themen zu kurz kamen und welche Gründe dies haben könnte. Daraus stellt die Verfasserin erste Konsequenzen zur Diskussion: •

Der Personenkreis des magischen Sechsecks stimmt nicht, da etliche wichtige Akteure fehlen, wenn die Agrarwende als Ernährungswende unter der Perspektive Gesunde Ernährung betrachtet wird.



Modellprojekte von regionalorientierten, dialogorientierten magischen Sechsecks müssen gefördert und durch Moderation und Wissenschaft begleitet werden.

• Gesundheitsaspekte: es ist vielversprechend, die Agrar-/Ernährungswende von gesunden/ guten Lebensmitteln aus zu denken à Forschungsvorschläge in unterschiedlichen Disziplinen sollen erarbeitet werden (nach dem Vorbild der Public-Health Forschungsverbünde ). Dabei sollen einzelne Themen verschiedenen regionalen Modellsechsecks zugeordnet werden. • Kinder- und Jugendgesundheit ist dabei besonders einzubeziehen. • Das Bewußtsein für gesunde Ernährung sollte als Thema aufgegriffen werden und die Diskussion der Kleingruppe 4 fortgeführt werden. Eine zentrale Frage ist: was ist eigentlich gesunde Ernährung, was sind gute Lebensmittel? • Rolle der Agrarverwaltung: Die hessische Agrarverwaltung nimmt die Aufgabe der Agrarwende nicht wahr. In anderen Bundesländern dürfte es ähnlich sein. Sie ist (durch verschiedene Ursachen) und ihre bürokratische Struktur derzeit nicht in der Lage, aktiv die Agrarwende zu unterstützen. Sie ist eine Sozialbehörde des ländlichen Raums geworden. 35 Zu klären ist, wie die Agrarverwaltung den Prozeß des Erzeuger/-in – Verbraucher/in-Dialogs begreift, welche Kompetenzen und Fähigkeiten sie dazu hat, und welchen Auftrag sie erfüllen soll. Eine Moderationsfunktion der ehemaligen ARLL ohne Ziel und ohne Impulse kann es nicht sein.36 •

Das Ziel einer „Gläserne Produktion“ soll als eigenes im Sechseck aufgegriffen und zum Thema einer weiteren moderierten Werkstatttagung werden.



Das Thema Kundendialog und der Vorschlag soll weiterverfolgt werden, Beiräte bei Handelsketten und. grossen Verbraucher/innen-Märkten einzurichten.



Wesentlicher Baustein für die Überlegungen soll der Lebensstil und unterschiedliche Lebenstilgruppen37 sein.



Jugendliche: Man sollte vorsichtig sein, auf die Zielgruppe Jugendliche zu setzen. Sie haben andere Dinge im Kopf als ihre Gesundheit. Ihr Leben findet heute statt, an zukünf-

35

Ein Landwirt aus Bad Hersfeld sagte Anfang des Jahres, 70 Prozent seines Einkommens seien staatliche Transferleistungen. Er sei zum Sozialhilfeempfänger geworden und das gefiele ihm nicht.

36

Beispiel eines Dialogs in Fulda im Juni 2001, von dem mir Monika Bracht berichtete.

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tige gesundheitliche Belastungen denken sie kaum. Bei der Ernährungsbildung besteht oftmals ein Widerspruch zwischen dem, was unterrichtet wird und was die Pädagogen/ innen anschließend selbst tun. Daher ist es wichtig, daß Gesundheitsförderung bei Erwachsenen ankommt und ihre Barrieren verstanden werden. Häufig stehen Zwänge im Alltag einer gesunden Lebensweise im Wege.



Die privaten Haushalte dürfen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger der Ernährungserziehung belastet werden. Dies beeinträchtigt die Funktion von Familien und Lebensgemeinschaften.



Ernährungsökologie und Ernährungswende verbinden. Dazu gehört unter der Überschrift Gesellschaft: die Einbeziehung der ernährungsbedingten Krankheitskosten mit dem Ziel, veränderte Konsum- und Ernährungsgewohnheiten zu erreichen, da durch Mangel- und Überernährung hohe Folgekosten und eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens entstehen. In Zusammenarbeit mit den Wissenschaftsdisziplinen (u.a. auch Haushaltswissenschaften) soll der Zusammenhang gesunder Ernährung und Nahrungszubereitung in den privaten Haushalten und der Gastronomie thematisiert werden. Dazu gehört der Zeitfaktor bei der Nahrungszubereitung und das soziale Problem der informellen bzw. schlecht bezahlten Arbeit.



Salutogenese und gesunde Ernährung thematisieren, d. h. was erhält uns gesund, nicht was macht krank.38



Ernährungsberichterstattung: Für verhältnisbezogene und strukturelle Ansätze im Interventionsbereich wird eine bundesweite Ernährungsberichterstattung gefordert.39



Kreativwerkstatt zum Wort Verbraucher durchführen, was dazu einfällt, wenn das Wort in Zusammenhang mit Nachhaltigkeit gesetzt wird.



Die Genderfrage / Geschlechtergerechtigkeit muß Thema werden.



Ernährungswende als Gemeinschaftsaufgabe von Bundes- und Landesregierung kombinieren mit Gesundheitsförderung als Gemeinschaftsaufgabe einführen 40

.



Vier Regeln für eine zukunftsfähige Ernährung41 in den Dialog einbringen: • • • •

Fleischkonsum verringern Saisonale Früchte Ökoprodukte bevorzugen Fertiggerichte vermeiden.

37

Irmgard Schultz bei Tagung Tutzing „Nachhaltigkeit und Konsum“ Januar 2000 Bengel, Jürgen, Regine Strittmatter u. Hildegard Willmann: Was erhält Menschen gesund? 1999 39 Trojan; Alf, Heiner Legewie: Nachhaltige Gesundheit und Entwicklung. 2001, S.200 40 Vorschlag beim Runden Tisch Gesundheit, UnterAG Prävention 41 Grundsatzpapier bei Tagung Perspektiven einer zukunftsfähigen Ernährungsberichterstattung in Deutschland. 8./9.10.98 Mannheim Prof. Dr. Ulrich Oltersdorf (Bundesforschungsanstalt für Ernährung Stuttgart) 38

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Die Thesen von Lücke sollten Grundlage für einen weiteren Dialog werden. Dabei sollen Hemmnisse und Widersprüche herausgearbeitet werden, die eine Agrarwende/ Ernährungswende behindern. Ziele sind: •

Gesündere Lebensmitteln



Mehr Dezentralität und Regionalität



Mehr Tiergerechtigkeit



Mehr Umweltverträglichkeit in Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft



„Bäuerliche Landwirtschaft“, „keine Massentierhaltung“, „keine Agrarfabriken“



Auf unterschiedlichen Ebenen (kommunal, Land, Bund) sollten Aktionspläne Umwelt, Gesundheit und Ernährung entstehen 42 mit dem Ziel der Agrarwende und Ernährungswende. Die Agrarwende kann nur gleichzeitig mit der Ernährungswende zusammen stattfinden.

Nächste Schritte für den BUND: Anhörung des BUND Bei Treffen des BUND-AK Landwirtschaft am 24.4.01 in Kassel wurde beschlossen, eine Anhörung zum Thema Ernährung durchzuführen. Ziel sollte es sein, ein Projekte für den BUND zu erarbeiten, die den BUND als Ve rbraucher/-innen-Verband positionieren. Die Verbraucherverbände sind nicht mitgliederorientiert und verfügen über keine flächendeckende Verankerung wie der BUND in seinen 2200 Orts- und Kreisverbänden, sondern sie sehen sich als Dienstleistungseinrichtung. Sie betonen den passiven Verbraucher, zu einem frauenfreundlichen Wort hat es auch bei der Zusammenlegung der Organisationen nicht gereicht. BUND-Mitglieder sollten als Akteure für die Ernährungswende gewonnen und als Akteure aktiv werden. Sie können auf lokaler Ebene vor allem im ländlichen Raum Aktivitäten und Projekte entwerfen. Die städtischen BUND-Gruppen werden andere Interessen entwickeln als ländliche Gruppen, da ihnen die Nähe zur Landwirtschaft noch mehr fehlt. Auf dem Land kann man immer noch auf landwirtschaftlichen Erfahrungen/ Kenntnissen aufbauen. Überlegenswert ist, eine TAG (themenbezogenen AG) im BUND zu bilden, die im Querschnitt von Umwelt, Gesundheit und Ernährung Vorarbeiten leistet.

42

Kappos, Andreas: „Die Weltgesundheitsorganisation hat schon im vergangenen Jahr einen Aktionsplan Umwelt und Ernährung für Europa verlangt. Deutschland muß einen solchen Plan dringend erstellen und umsetzen. Wenn überhaupt aus der BSE-Krise etwas Positives herauskommen soll, dann sind es Maßnahmen für sichere Lebensmittel und eine gesunde

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Vorschläge für die Anhörung: Ernährung und Wohlbefinden Die folgende Liste von Namen und Themen ist zu umfangreich und bedarf sicherlich weiterer Ergänzungen. Der Arbeitskreis Landwirtschaft oder eine TAG gesunde Ernährung kann daraus eine geeignete Abfolge erarbeiten. • Hoffmann, Ingrid: Ernährungsökologie • FFH und Kulturlandschaft/ Agrarwende • Zahn: Warum Ernährung und BUND? • Eickenberg: Männer: krank durch Essen (Ernährungsverhalten) • Oltersdorf: Ernährungsberichterstattung • ÖÄB Hensel: Ernährungsbedingte Erkankungen vermeiden • Ruppaner Bund Naturschutz: Projekt Gastronomie • Lücke, Eckert-Leicht (FH-Fulda) • Spatz: Ernährungsgewohnheiten von Kindern (Fast-food, Mangelernährung), Ernährungsbildung im Kindergarten (mit Patenschaftszahnärzten und Eltern), regelmäßige warme Mahlzeit • Tegut/ Sedlmaier: Interessengemeinschaft gesunde Lebensmittel, Zeitschrift Marktplatz, Ernährung und Einkaufen: Beeinflussung der Konsumgewohnheiten ohne Moralisieren • Sieber: Nahrungskette München • DGE: Oberritter: Kampagne food • Steen: Gesundheitsfördernde Schulen • Koob (Dillkliniken) Ernährung für Kranke im Krankenhaus und ein geändertes Ernährungsverhalten/ Kochgewohnheiten der Eltern • Mütterzentren: und Erfahrungen mit Mittagstisch • Deutsches Hygiene Institut: Beispiel Ernährung und Kinder • Essen mit allen Sinnen (Milner/ AK Hessen) • Matejka (Naturheilbund, Kassel): Ernährungstypen aus ärztlicher Sicht • Schaefer, Gerhard: Bildung und Gesundheit (Balanceakt Gesundheit) • RKI-Gesundheitsbericht • Fehr: ökologische Gesundheitsförderung, Agend 21 und Gesundheit • Ökoinstitut: Beatrix Tappeser: Projekt Globalisierung der Speisekammer, kein Essen) • Christine von Weizsäcker "perverse Entwicklung in der Ernährung": Ernährung/ Gesundheit ist bisher in der Küche geblieben, die Machtübernahme der Industrie bei Ernährung wird zur Zeit verschlafen. • Prof. Dr. Grimme, Univ. Bremen (seit 20 Jahren Öko-Tropho-Bios), ganzheitlicher Ansatz, 43 kommt von Biologie

Ernährung.“ BUND PM 04 vom 17.1.01: BUND verlangt Konzept zum Gesundheitsschutz bei Landwirtschaft und Ernährung 43 Vorschlag von Dr. Susanne Moebus

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7. Ausblick als Stadtplanerin : Ernährung als Infrastruktur Was kann Stadtentwicklungsplanung zu gesunder Ernährung beitragen? Als Stadtplanerin rege ich abschließend an, über Ernährung als Infrastruktur nachzudenken. Dazu gehören Einkaufen und Gemeinschaftsverpflegung, dezentrale Läden, andere Formen von Gemeinschaftsverpflegung im Quartier wie ein Mittagstisch. Versorgung mit Lebensmitteln wird bei der Ansiedlung von großen Zentren außerhalb der Stadt thematisiert. Ähnlich der Versorgung mit Ärzten/ Ärztinnen wäre es denkbar, auch über die Ansiedlung von Geschäften und Lebensmitteldiensten einen überbordenden Wettbewerb zu verhindern. Die Kassenärztlichen Vereinigungen 44 als Pflichtorganisationen des Berufsstandes Arzt/ Ärztin bestimmen, wer sich in welcher Region ansiedeln dar. Das Gesundheitswesen ist ein großer Wirtschaftskomplex mit über 450 Milliarden DM Jahresvolumen. Warum soll nicht auch bei der Versorgung mit Läden ein solches Instrument der Sicherstellung eingeführt werden, ein Sicherstellungsauftrag für Versorgung mit Lebensmitteln? Wenn die Praxis der Lebensmittelversorgung nicht mehr in Einklang steht mit den Zielen einer zukunftsfähigen Entwicklung, sollte auch über unkonventionelle Änderungen nachgedacht werden. Das Ziel von billigen Lebensmitteln kann nicht alleiniges Ziel der Versorgung sein. Bemühungen von Firmen wie z.B. tegut sind vorbildlich, sie stehen aber wie andere Einzelhandelsketten auch, im Wettbewerb des Marktes. Die Zentralisierung von Läden und Verarbeitern wie Bäcker, Metzger ist ein Problem im Klimaschutz, da die Fahrten zu Einkaufsstätten zu Energieverbräuchen führen. Weiter ist die Versorgung mit Gaststätten und Angeboten der Gemeinschaftsverpflegung beim Ziel einer gesunden Ernährung ein Problem. Als Infrastruktur in Dorf und Stadt könnten Einrichtungen wie Mütterzentren, die zum Teil einen Mittagstisch für alt und jung anbieten, Gegenstand von Überlegungen der Stadtentwicklung sein. Diese Idee einer gesetzlich verordneten Sicherstellung von Versorgung mit guten, gesunden Lebensmitteln, einer Kammer für Mitsprache dabei und mit Orten der Nahrungszubereitung in der Stadt möchte ich zur Diskussion stellen.

44

Sicherstellungsauftrag § 75 SGB V

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Anlagen Empfehlungen des Ökologischen Ärztebundes:45 Der Ökologische Ärztebund, ein Zusammenschluß von ökologisch denkenden und arbeitenden Ärzten in der Bundesrepublik Deutschland, gibt zum BSE-Skandal in Deutschland folgende Erklärung heraus: In großer Sorge um weitere gesundheitliche Schäden unserer Bevölkerung fordern wir unverzüglich ein gesamteuropäisches Programm zur Wiedereinführung einer artgerechten Tierhaltung und damit die Einstellung der industriellen Massentierhaltung. Die zahlreichen Skandale um tierische Produkte in der menschlichen Ernährung haben in den letzten Jahren ein unerträgliches Ausmaß angenommen. Ursache der Skandale ist die nicht artgerechte Haltung der Schlachttiere. Was dabei herauskommt, wenn man Rinder, die herkunftsmäßig vegetarische Nahrung fressen, mit den geschroteten Kadavern ihrer Artgenossen füttert, erleben wir zur Zeit. Die Gesundheit unserer Mitmenschen ist bedroht. Die Verunsicherung der Verbraucher ist groß. Das Vertrauen in die Nahrungsmittel-Zulieferer-Industrie ist auf ein Mindestmaß gesunken. Die Qualität des Fleisches, das überwiegend aus der industriellen Massentierhaltung stammt, hat sich ständig verschlechtert. Zusätzlich ist dieses Fleisch mit Arzneistoffen kontaminiert. Es ist wissenschaftlich erwiesen, daß Eiweiße aus pflanzlicher Nahrung den tierischen Eiweißen in der Wertigkeit für die menschliche Ernährung in nichts nachstehen. Allerdings versucht die Fleischwirtschaft mit Werbemillionen der CMA seit Jahren dieses Wissen zu unterdrücken. Zahlreiche Erkrankungen, die durch eine Überernährung mit tierischem Eiweiß entstehen, können durch Vermehrung der pflanzlichen Anteile in der menschlichen Ernährung vermieden we rden. Wir raten unseren Mitmenschen, für deren Gesundheit wir uns verantwortlich fühlen: • Kaufen Sie kein Fleisch aus industrieller Massentierhaltung. • Machen Sie Ihren Kochtopf wieder übersichtlich, damit sie wissen, was sie essen • Entdecken Sie, wie gut vegetarische Gerichte schmecken.

Onno Popinga, Prof. Dr. an der Univ. GhKassel Das Wichtigste ist jetzt, unsere Denkweise zu ändern. Dort, wo die Landwirte ausgebildet werden, in Landwirtschaftsschulen und Agrarwissenschaft, auch dort brauchen wir die Wende. Dort werden der Gewinnmaximierung und Kostensenkung um jeden Preis das Wort geredet, die Ausnutzung der Tiere ist die Folge. Der Lebensmittelhandel muss mitziehen. Wenn die Ketten Bioware aufnehmen, bringt das einen großer Schub für den Ökolandbau. Hier besteht allerdings die Gefahr, dass der Handel die Preise drückt. Eine zweite Initialzündung könnte die öffentliche Hand auslösen. Also: Krankenhäuser, die Bundeswehr, Kantinen, Mensen, Kindergärten. Dort könnte überall Bio angeboten werden. Natürlich sollten wir auch nachsehen, wie hoch der Bioanteil im Bundestagsrestaurant ist. Er ist gering, und das ist leider überall so. Wenn wir durchsetzen, dass konventionelle Ware nur gekauft werden darf, wenn Bio nicht zu bekommen ist, was meinen Sie, was dann los ist? Außerdem müssen alle Formen der Direkt- und Regionalvermarktung von überflüssigen Reglementierungen befreit werden. Per Direktvermarktung erzielen die Höfe nicht nur eine höhere Wertschöpfung, sie bauen auch ein Standbein auf, dass sie unabhängiger macht. Die Direktvermarktung als Standbein, der Handel als Spielbein! 46

UGB (Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung e. V) BSE – DIE SPITZE EINES EISBERGS 47 Nun hat sich leider (zunächst) für Rindfleisch erwiesen, dass uns billige Lebensmittel früher oder später sehr teuer zu stehen kommen. Es hilft allerdings wenig, sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen zu ergehen, denn Mitverursacher der Krise sind alle, von den Biobauern und Vegetariern einmal abgesehen (Agrarlobby, Industrie, Konzerne, Ministerien, Politiker, Medien, Landwirte, Verbraucher). Der rote Faden der Misere ist eindeutig wirtschaftlicher Natur, denn jeder will möglichst viel verdienen. Der bisher entstandene und weiter zunehmende volkswirtschaftliche Gesamtschaden wird wie fast immer von den Steuerzahlern getragen. Die so genannte Solidargemeinschaft finanziert neben dem entstandenen Schaden aber auch Machtmissbrauch und Eigennutz. Seit Jahrzehnten gibt es bereits Empfehlungen für eine BSE-freie Ernährung, wie sie sich beispielsweise in 45

Hensel, Dr. med. J., ÖÄB Pressemitteilung 28.11.2000 per e-mail, BUNDschau 2001/1 Popinga, Onno: Bauern und die Agrarwende. Aus dem Internet. www.slowfood.de 47 Dipl. oec. troph. Thomas Männle 2001 46

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der Gießener Konzeption der Vollwert-Ernährung findet. Die zwölf Grundsätze beinhalten eine Ernährungsweise, bei deren Umsetzung eine BSE-Krise wohl nicht eingetreten wäre. Diese Kostform und die ökologische Landwirtschaft wurden lange ignoriert oder bestenfalls stiefmütterlich behandelt. Jetzt ist eine verstärkte Unterstützung dieser Ernährungsweise und Landwirtschaft auch politisch angesagt. Dabei geht es nicht um einen Neuanfang – der ist bereits vor Jahrzehnten gemacht worden –, sondern um eine drastische Erhöhung des Anteils der ökologischen Landwirtschaft (von derzeit etwa 2 % auf 20 bis 25 %) und des Anteils der Vollwertköstler (von derzeit etwa 10 % auf 30 bis 40 %) bis zum Jahr 2010. Um dieses lohnende Zwischenziel zu erreichen, sind eine Reihe von Maßnahmen erforderlich, die von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen erbracht werden müssen. DER UGB FORDERT ... 1. die systematische Förderung unabhängiger wissenschaftlicher Forschung. Denn um die Ursachen zu ermitteln, Testverfahren und die Bekämpfung von BSE voranzutreiben sowie eine optimale Ernährung der Bevölkerung zu sichern, sind weitere Kenntnisse notwendig. 2.

die kontinuierliche Mitsprache und beratende Funktion der zahlreichen bereits existierenden nichtstaatlichen und neutralen Non-Profit-Institutionen. Diese verfügen über Kompetenzen und umfangreiche Erfahrungen, um den Schutz der Verbraucher zu wahren.

3.

eine Produkthaftung (Verursacherprinzip) einzuführen – auch und besonders im Lebensmittelbereich. Hier müssen alle Beteiligten im Ernährungssystem gleichermaßen die rechtliche Verantwortung übernehmen – vom Gesetzgeber über die landwirtschaftlichen Zulieferer und Landwirte, die Verarbeitungsbetriebe und Händler, bis zu den Verbrauchern und Entsorgungsunternehmen.

4.

die Wissensvermittlung und Beratung in Sachen Essen und Trinken für die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zu fördern. Parallel dazu sind gezielt Weiterbildungen für Mittlerpersonen wie Lehrer sowie Personen im Gesundheitsbereich und der Erwachsenenbildung auszubauen.

5.

die Gesundheitsförderung zu stärken, indem Ernährungsfachkräfte, die präventiv tätig sind, umfangreicher eingesetzt werden.

6.

Kampagnen zu Ernährungsthemen in den Medien zu finanzieren, um wirtschaftlich unabhängige Informationen zu vermitteln. Damit soll auch ein Gegengewicht zur immer aggressiver werdenden Werbung für ernährungsphysiologisch problematische Produkte erreicht we rden.

7.

die sofortige Gründung einer überparteilichen Kommission „Gesundheit“, die über Inhalte von Schulbüchern, der Werbung und der Gesundheitsbildung berät. Diese Kommission sollte mit Personen besetzt sein, die Verbraucherschutz ernst nehmen. Eine solche Kommission sollte ebenso für die EU eingerichtet und tätig werden.

WEGE AUS DER KRISE Jede Krise bietet auch eine Chance. Der Einzelne kann jetzt sein Ernährungs- und Konsumverhalten (nochmals) hinterfragen, um dann bewusster zu essen bzw. zu trinken. Die Nutzung sachgerechter Informationen in Fragen der Ernährung führt vom Nachdenken über Umdenken zum Vordenken. Beim Rindfleischkonsum ist jetzt eingetreten, was die Wissenschaft schon lange fordert, nämlich eine Halbierung des Fleischverzehrs. Dies ist bei heutiger Lebensweise aus gesundheitlicher Sicht als günstig einzustufen. Da Fleisch aus ökologischer Tierhaltung zwar etwa doppelt so teuer ist wie aus der jetzigen Massentierhaltung, muss bei halbiertem Fleischverzehr aber insgesamt nicht mehr für Fleisch ausgegeben werden. Landwirte und Fleischer erzielen Einkommen wie bisher. Ökologisch erzeugte Lebensmittel sind langfristig Preis-wert! Jeder Kauf beim Bio-Bauern ist direkter Umweltschutz, da diese Landwirte weder chemische Hilfsmittel noch vorbeugende Arzneimittel einsetzen. Sie verwenden nur ökologisch erzeugtes Futter. Tiermehl ist für alle Tierarten schon immer verboten, so dass BSE auf diese Weise nicht eingeschleppt werden konnte. Die derzeitige Vertrauenskrise in unsere Lebensmittel durch BSE, aber auch durch andere Skandale, hat große Verunsicherung beim Verbraucher ausgelöst. Absolute Sicherheit scheint es nicht mehr zu geben, nur noch unterschiedliche Stufen von Unsicherheit. Da auch allerlei Fertigprodukte, die bestimmte Zutaten vom Rind enthalten, BSE-belastet sein können, ist der Grundsatz „Verzehr möglichst gering verarbeiteter Lebensmittel“ heute besonders (überlebens)wichtig. Die Stunde der Eigenko mpetenz und damit der Eigenverantwortung ist gekommen. Schuldzuweisungen helfen nicht weiter. Handeln ist angesagt.

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Agenda 21-„Schritte“-Prozeß auf Bundesebene Bundesumweltministerin Angela Merkel führte 1996/97 eine Schritte-Prozeß zu Nachhaltiger Entwicklung durch. Dabei war Gesundheit eines von sechs Themen. In dem Bericht heißt es zu Ernährung: „Der Arbeitskreis hat bei seiner Erörterung des Themas, das er nicht zuletzt wegen der in ihm angelegten Breite und seiner Nähe zur Nachhaltigkeitsproblematik zum Schwerpunkt gewählt wurde, zwei 48 Argumentationslinien verfolgt: • Einmal hat er sich mit der „klassischen“ Frage der Schadstoffbelastungen von in Deutschland angebotenen Lebensmitteln und daraus ggf. abzuleitenden Reduktionszielen/-maßnahmen befaßt; er hat dabei festgestellt, daß das mit dieser Belastung verbundene gesundheitliche Risiko im Vergleich zu den Gefährdungen durch die in allen Industrieländern festzustellenden falschen Ernährungsweisen nicht vorrangig ist; • Zum anderen hat er den erweiterten Kontext zum Nachhaltigkeitsthema gesehen und grundsätzliche Fragen zukünftiger Lebensmittelversorgung, nachhaltiger Landwirtschaft (z.B. Reduzierung von Intensivnutzung und Massentierhaltung) und eines vom Nachhaltigkeitsgedanken her bestimmten Ernährungsverhalten angesprochen. Ziel aller politischen und gesellschaftlichen Bemühungen um dieses Thema muß es nach Auffassung des Arbeitskreises sein, auf ökologische Stoffkreisläufe bezogen zu denken und zu handeln. Dabei muß es gelingen, alle Akteure als Partner zu gewinnen. Dazu gehört auch eine Verstärkung von Gesundheitsbildung und Verbraucheraufklärung, um Änderungen der Ernährungs- und Konsumgewohnheiten zu erreichen. Der Arbeitskreis sieht hier wichtige Berührungspunkte zum Arbeitskreis Umweltethik.“

Prof. Dr. Friedrich-Karl Lücke (Rückmeldung zur Werkstatt per mail) ....“Ich möchte allerdings nicht verhehlen, dass ich mit dem Ergebnis der Tagung nicht ganz zufrieden bin. Einerseits waren nach der Mittagspause doch nicht mehr das ganze Spektrum der "Stakeholders" vertreten. Es überwogen doch sehr die regionalen Direktvermarkter und die Überlegungen, wie man den (ignoranten?) Verbraucher dazu bringen könnte, mehr von deren Produkten zu kaufen. Andererseits wurde m.E. die Notwendigkeit, die Qualität und Zuverlässigkeit der Leistungen (z.B. auch im Service am Kunden) zu verbessern, wurde m.E. zu wenig berücksichtigt. Und hier gibt es Defizite, auch in der Region! Die Aussagen des Papiers der Verbraucherzentralen kann ich im wesentlichen mittragen. Skeptisch bin ich lediglich, was die Modalitäten der Förderung des Öko-Landbaus angeht. Dies wiederum - siehe oben! - geht nicht allein über Werbung und Kommunikation, sondern auch und gerade über Leistungsverbesserungen: Gerade im Bereich Öko-Fleischwaren bin ich persönlich mit Qualität und Service keineswegs immer zufrieden (siehe auch meine Buchbeiträge über Öko-Fleisch, z.B. im Behr's Handbuch Bio-Lebensmittel)! Aus meiner Sicht wäre die Förderung des Umbaus und der Neuerrichtung von tiergerechten Stallungen ein guter Ansatzpunkt. Viele tiergerechte Haltungssysteme sind ja in den laufenden Kosten gar nicht teurer als konventionelle Systeme, ihre Einrichtung scheitert oft einfach an den hohen Investitionskosten! Durch die Verbesserung der Stallungen würden auch weitgehend die Anreize zur Gabe antibiotischer Leistungsförderer entfallen. Weiterhin käme ein solches Förderprogramm auch konventionell wirtschaftenden Betrieben zu Gute, was ich durchaus als Vorteil ansehe. Meine zentrale Forderung ist jedoch, das System der existierenden Rechtsvorschriften und Fördermaßnahmen auf falsche Signale hin zu prüfen. Ein Beispiel: Die Handelsklassenverordnung für Rindfleisch belohnt derzeit Masse statt Klasse und muss geändert werden. Schließlich möchte ich betonen, dass ich auf allen Gebieten, die mit der Verbesserung der Qualität von Produkten und Leistungen der Land- und Ernährungswirtschaft zu tun haben, gern mit den Verbraucherzentralen und regionalen Netzwerken zusammenarbeiten würde. Werbung und PR ist allerdings nicht mein Gebiet; entsprechende Projektvorschläge kann ich in unserem Fachbereich weiterleiten.“

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Schritte zu einer nachhaltigen, umweltgerechten Entwicklung. Berichte der Arbeitskreise anläßlich der Zwischenbilanzveranstaltung am 13.6.1997. Hrsg. BMU 1997, S. 88-89. Die Verfasserin war Mitglied des Arbeitskreises für den BUND

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Interessengemeinschaft FÜR gesunde Lebensmittel49 Fuldaer Lebensmittel-Manifest Leben und Essen im Einklang mit der Natur Wir wollen Bewußtsein schaffen und treten ein für: • • •

FÜR die Erhaltung des lebendigen, vitalen Wertes unserer Lebensmittel und deren Geschmacks- und Genußwert FÜR die Ehrlichkeit bei der Lebensmittelherstellung (z.B. durch Reduzierung der künstlichen und naturidentischen Geschmacksverstärker und Aromastoffe) FÜR den sorgsamen und auch kritischen Umgang mit neuen Lebensmitteltechnologien (z.B. Gentechnik)

Was wollen wir gemeinsam tun, damit wir auch in Zukunft lebensfördernde und gesunde Lebens-Mittel haben? • • • •

In der Öffentlichkeit durch sachliche Informationen Bewußtsein für die wichtigen Fragestellungen schaffen Die Eigenverantwortung durch Vorbildfunktion stärken z.B. durch einen bewußteren Lebensmittel-Einkauf Beim Lebensmittel-Einkauf bewußt gesunde Lebensmittel wählen, jeder Einkauf ist ein „Stimmzettel“ Sich einsetzen für den sinnvollen Umgang mit Natur und Kreatur!

Vertreter des öffentlichen Lebens aus Wirtschaft, Politik und Kultur können dies unterstützen und gemeinsam die Zukunft gesunder Lebensmittel sichern. Es ist unser Streben, für Offenheit, Transparenz und Ehrlichkeit im Umgang mit Lebensmitteln einzutreten. Damit Lebensmittel „Mittel zum Leben“ im Einklang mit der Natur bleiben! Damit sich unsere Kinder morgen noch gesund ernähren können! Wolfgang Gutberlet, Inhaber der Firma „tegut“ 50 „Einfach gut!“ Für ein Produkt oder eine Leistung ist das eine sehr hohe Auszeichnung. Daneben gibt es für Gutes viele Worte von a bis Z, von ansprechend bis zauberhaft. Wenn etwas dagegen einfach und gut ist, braucht es keine Charakterisierung mehr. Dann ist es offensichtlich, klar, für jeden wahrnehmbar. Auch Komplexes und Kompliziertes braucht es - auch das hat seine Schönheit und seinen Wert, doch es ist schwerer erschließbar.... Wie ist es eigentlich bei Lebensmitteln? Dies nehmen wir auf zwei Ebenen wahr, einmal mit unseren Sinnen und damit weitgehend bewußt - wir können darüber sprechen -, zum anderen durch unsere Verdauungsorgane, die wahrnehmen und erkennen müssen, was da ankommt, um entscheiden zu können, wie sie damit umgehen. Das geschieht völlig unbewußt. Bestenfalls erleben wir uns am Ende mehr oder weniger gestärkt. Wenn wir viel durcheinander oder sehr künstliche komplexe Lebensmittel essen, können wir uns im Fall unbekömmlicher oder allergischer Reaktion schlecht orientieren, was die Ursache dafür ist. Was dem Menschen gut bekommt und wie es hierfür zubereitet sein muß, haben Generationen unserer Vorfahren für uns austesten können, weil sie nicht viel Verschiedenes am Tag gegessen haben eben einfach aßen – und so die Wirkungen der Lebensmittel genau beobachten konnten. Auch da haben einfach gute Lebensmittel einen Vorteil. Wir sollten unseren Vorfahren danken und wenigstens ab und zu etwas einfach Gutes aus ihrer Erfahrungswelt essen.....“

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www.fuer-gesunde-lebensmittel.de per Fax erhalten am 28.2.01 von Georg Sedlmair Marktplatz. 2001, Juli.

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Literaturverzeichnis •

Bengel, Jürgen, Regine Strittmatter u. Hildegard Willmann: Was erhält Menschen gesund? Antonowsys Modell der Salutogenese. Diskussionsstand und Stellenwert. Expertise im Auftrag der BzgA. 3. Aufl. 1999. (Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung. Bd 6.)

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Bleibt die Agrarwende stecken? (Verbraucher konkret. 2001/ H. 2 Böhm, Birgit, Michael Janßen, Heiner Legewie: Zusammenarbeit professionell gestalten. Praxisleitfaden für Gesundheitsförderung, Sozialarbeit und Umweltschutz.1999. BSE und die Folgen. Krisen als Chance. (Bundeszentrale für Politische Bildung. Magazin. 2001/ April) Dresdner Bank: Verbraucherorientierte Agrarpolitik verlangt mehr Wettbewerb. In: Trends Wirtschaftsanalysen. 2001/ Trends, S. 3-6. www.dresdner-bank.de und FR 25.2.01 Ernährung und Gesundheit. (21 - Das Leben gestalten lernen. 2001, H.2) Hensel, Joachim: Plädoyer für eine Möhre. Über die Behandlung sogennter „Zivilisationskrankheiten“ durch gesunde Ernährung. S. 309-311 in: Arzt und Umwelt. 11(1998), H. 4 (Themenheft Ernährung und Landbau) Kapfelsberger, Eva, u. Udo Pollmer: Iss und stirb. Chemie in unserer Nahrung. 1992. (KIWI Ratgeber. 270) Kranke Umwelt - kranke Menschen. Ernährung, Verkehr, Innenraumprodukte. Tendenzen und Alternativen. Red. Hildegard Mackert. 1995 Neuausrichtung von Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion, Lebensmittelhandel und Konsumgewohnheiten. Positionspapier der Verbraucherzentralen für die Fachöffentlichkeit. Stand: 30.4.2001 Reetze, Jan: Gläserne Verbraucher. Markt- und Medienforschung unter der Lupe.1995. (Fischer Wirtschaft.) (Fischer Taschenbuch.12684.) Schritte zu einer nachhaltigen, umweltgerechten Entwicklung. Berichte der Arbeitskreise anläßlich der Zwischenbilanzve ranstaltung am 13.6.1997. Hrsg. BMU. 1997 SGB V. Gesetzliche Krankenversicherung. Stand 15.7.97. Stange, Waldemar, u. Peter Gnielczyk: Lernwerkstatt Ernährung. Materialien zur Gesundheitsförderung für den handlungsorientierten Unterricht. 1999 Trojan, Alf, u. Heiner Legewie: Nachhaltige Gesundheit und Entwicklung. Leitbilder, Politik und Praxis der Gestaltung gesundheitsförderlicher Umwelt- und Lebensbedingungen. Rechtswiss. Anhang: Rudolf Schäfer u. Petra Lau. Zugl. überarb. u. aktualisierte Fassung eines Gutachtens für das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB): Stärkung gesundheitsförderlicher Lebensbedingungen. Die salutogenetische Perspektive im Politikfeld Umwelt und Gesundheit. 2001. (Reihe psychosoziale Aspekte der Medizin.) Zeit-Fraß. Zur Ökologie der Zeit in Landwirtschaft und Ernährung. 1995. (Politische Ökologie. Sonderh. 8)

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